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Gesammelte

STALINWERKE :

 

 

 

 

Band 12

April 1929 - Juni 1930

Seite 207 - 326

 

 

POLITISCHER RECHENSCHAFTSBERICHT
DES ZENTRALKOMITEES
AN DEN XVI. PARTEITAG DER KPdSU(B)

27. Juni 1930

"Prawda" Nr. 177,

29. Juni 1930

 

 

I
DIE WACHSENDE KRISE DES WELTKAPITALISMUS
UND DIE AUSSENPOLITISCHE STELLUNG DER UdSSR

 

 

Genossen!

Seit dem XV. Parteitag sind zweieinhalb Jahre verflossen. Ein, wie es scheint, nicht sehr großer Zeitabschnitt. Indessen sind während dieser Zeit überaus ernste Veränderungen im Leben der Völker und Staaten vor sich gegangen. Wollte man die abgelaufene Periode in kurzen Worten charakterisieren, so könnte man sie als eine Periode des Umschwungs bezeichnen. Sie war eine Periode des Umschwungs nicht nur für uns, für die UdSSR, sondern auch für die kapitalistischen Länder der ganzen Welt. Aber zwischen dem Umschwung hier und dem Umschwung dort besteht ein grundlegender Unterschied. Während der Umschwung für die UdSSR eine Wendung bedeutete in Richtung auf einen neuen, beträchtlicheren wirtschaftlichen Aufstieg, bedeutete dieser Umschwung für die kapitalistischen Länder eine Wendung zum wirtschaftlichen Niedergang. Bei uns in der UdSSR ein zunehmender Aufstieg des sozialistischen Aufbaus sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft. Drüben, bei den Kapitalisten, eine wachsende Krise in der Wirtschaft, sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft.

Das ist in kurzen Worten das Bild der heutigen Lage.

Erinnern Sie sich, wie die Dinge in den kapitalistischen Ländern vor zweieinhalb Jahren lagen. Anwachsen der industriellen Produktion und des Handels in fast allen Ländern des Kapitalismus. Anwachsen der Produktion von Rohstoffen und Lebensmitteln in fast allen Agrarländern. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika in der Aureole eines Landes des kraftstrotzendsten Kapitalismus. Siegeshymnen auf die „Prosperität“. Würdelose Anbetung des Dollars. Lobgesänge auf die neue Technik, auf die kapitalistische Rationalisierung. Proklamierung einer Ära der „Sanierung“ des Kapitalismus und der unerschütterlichen Festigkeit der kapitalistischen Stabilisierung. „Allgemeines“ Geschrei und Geunke über einen „unvermeidlichen Untergang“ des Landes der Sowjets, über einen „unausbleiblichen Zusammenbruch“ der UdSSR.

So lagen die Dinge gestern.

Wie aber ist das Bild heute?

Heute: Wirtschaftskrise in fast allen Industrieländern des Kapitalismus. Heute: landwirtschaftliche Krise in allen Agrarländern. An Stelle der „Prosperität“ - Massenelend und kolossale Zunahme der Arbeitslosigkeit. An Stelle eines Aufschwungs der Landwirtschaft - Ruin der Millionenmassen der Bauernschaft. Die Illusionen hinsichtlich der Allmacht des Kapitalismus überhaupt, der Allmacht des nordamerikanischen Kapitalismus im Besonderen stürzen in sich zusammen. Die Siegeshymnen zu Ehren des Dollars und der kapitalistischen Rationalisierung klingen immer schwächer. Immer stärker wird das pessimistische Gewinsel über „Fehler“ des Kapitalismus. Das „allgemeine“ Geschrei über „unvermeidlichen Untergang“ der UdSSR aber wird abgelöst von einem „allgemeinen“ giftigen Gezisch über die Notwendigkeit, „dieses Land“ zu strafen, das es wagt, seine Wirtschaft zu entwickeln, während ringsum die Krise wütet.

Dieses Bild sehen wir heute.

Es ist gerade so gekommen, wie die Bolschewiki es vor zwei oder drei Jahren gesagt haben.

Die Bolschewiki sagten, dass die Entwicklung der Technik in den kapitalistischen Ländern, das Wachstum der Produktivkräfte und der kapitalistischen Rationalisierung angesichts der Schranken, die der Lebenshaltung der Millionenmassen von Arbeitern und Bauern gezogen sind, unvermeidlich zu einer schweren Wirtschaftskrise führen muss. Die bürgerliche Presse spottete über die „originelle Prophezeiung“ der Bolschewiki. Die rechten Abweichler wollten mit der bolschewistischen Prognose nichts zu tun haben und setzten an die Stelle einer marxistischen Analyse das liberale Geschwätz von „organisiertem Kapitalismus“. Wie kam es aber in Wirklichkeit? Es kam so, wie die Bolschewiki gesagt hatten.

Das sind die Tatsachen.

Wenden wir uns nun der Untersuchung des Tatsachenmaterials über die Wirtschaftskrise in den kapitalistischen Ländern zu.

1. Die Weltwirtschaftskrise

a) Beim Studium der Krise fallen vor allem folgende Tatsachen auf:

1. Die heutige Wirtschaftskrise ist eine Krise der Überproduktion. Das bedeutet, dass mehr Waren erzeugt wurden, als der Markt aufzunehmen vermag. Das bedeutet, dass mehr Textilien, Heizstoffe, Fabrikate und Nahrungsmittel erzeugt wurden, als die Hauptverbraucher, d. h. die Volksmassen, deren Einkünfte auf einem niedrigen Niveau verbleiben, für ihr Geld kaufen können. Da nun die Kaufkraft der Volksmassen unter kapitalistischen Verhältnissen auf einem minimal niedrigen Niveau bleibt, so speichern die Kapitalisten die „Überschüsse“ an Waren, Textilien, Getreide usw. auf oder vernichten sie sogar, um die Preise hochzuhalten, sie schränken die Produktion ein, entlassen Arbeiter, und die Volksmassen müssen Not leiden, weil zuviel Waren produziert wurden.

2. Die heutige Krise ist die erste weltumspannende Wirtschaftskrise seit dem Kriege. Sie ist eine Weltkrise nicht nur in dem Sinne, dass sie alle oder fast alle industriellen Länder der Welt erfasst, wobei sogar Frankreich, das seinem Organismus systematisch Injektionen zuführt in Form von Milliarden Mark aus den Reparationszahlungen Deutschlands, einer gewissen Depression nicht aus dem Wege gehen konnte, die allen Angaben nach in eine Krise übergehen muss. Sie ist eine Weltkrise auch in dem Sinne, dass die Krise der Industrie zeitlich zusammenfällt mit einer Krise der Landwirtschaft, die die Produktion aller Arten von Rohstoffen und Nahrungsmitteln in den wichtigsten Agrarländern der Welt erfasst.

3. Die heutige Weltkrise entwickelt sich trotz ihres allgemeinen Charakters ungleichmäßig und erfasst die einen oder die anderen Länder zu verschiedener Zeit und mit verschiedener Stärke. Die Industriekrise begann am frühesten in Polen, Rumänien, auf dem Balkan. Sie entwickelte sich dort im Laufe des ganzen vorigen Jahres. Deutliche Anzeichen der einsetzenden Landwirtschaftskrise gab es schon Ende 1928 in Kanada, in den USA, in Argentinien, in Brasilien, in Australien. Während dieser ganzen Periode geht es mit der Industrie der USA bergauf. Gegen Mitte des Jahres 1929 erreicht die industrielle Produktion in den USA fast eine Rekordhöhe. Erst im zweiten Halbjahr 1929 tritt ein Umschwung ein, und dann allerdings greift eine stürmische Krise der industriellen Produktion um sich, die die USA auf das Niveau von 1927 zurückwarf. Darauf folgt die Industriekrise in Kanada und in Japan. Dann setzen Bankrotte und eine Krise in China und in den Kolonialländern ein, wo die Krise durch den Preisfall des Silbers verschlimmert wird und wo sich die Überproduktionskrise paart mit der Zerstörung der bäuerlichen Wirtschaft, die infolge der Ausbeutung durch die Feudalherren und durch die unerträglichen Steuern zur völligen Erschöpfung gebracht wird. Was Westeuropa anbelangt, so beginnt die Krise sich hier erst seit Anfang dieses Jahres auszuwirken, und zwar nicht überall mit gleicher Kraft, während Frankreich sogar in dieser Periode immer noch ein Anwachsen der industriellen Produktion aufzuweisen hat.

Ich glaube, es erübrigt sich, besonders auf die Zahlen einzugehen, die das Vorhandensein der Krise demonstrieren. Dass die Krise da ist, bestreitet heute kein Mensch mehr. Ich beschränke mich deshalb darauf, eine kleine, aber charakteristische Tabelle anzuführen, die kürzlich vom deutschen „Institut für Konjunkturforschung“ veröffentlicht worden ist. Diese Tabelle widerspiegelt die Entwicklung des Bergbaus und der Hauptzweige der verarbeitenden Großindustrie in den USA, England, Deutschland, Frankreich, Polen und der UdSSR seit 1927, wobei das Produktionsniveau von 1928 gleich 100 gesetzt ist.

Hier diese Tabelle:

Jahr

UdSSR

USA

England

Deutschland

Frankreich

Polen

1927

82,4

95,5

105,5

100,1

86,6

88,5

1928

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

1929

123,5

106,3

107,9

101,8

109,4

99,8

1930 (I. Quartal)

171,4

95,5

107,4

93,4

113,1

84,6

Was besagt diese Tabelle?

Sie besagt vor allem, dass die USA, Deutschland und Polen eine scharf ausgeprägte Krise der industriellen Großproduktion durchmachen, wobei im ersten Quartal 1930 das Produktionsniveau in den USA nach dem Aufschwung in der ersten Hälfte 1929 gegenüber 1929 um 10,8 Prozent sank und auf das Niveau von 1927 zurückging; dass in Deutschland das Produktionsniveau nach einer dreijährigen Stockung, mit dem Vorjahr verglichen, um 8,4 Prozent zurückging und um 6,7 Prozent unter den Stand des Jahres 1927 sank, während in Polen das Produktionsniveau nach der vorjährigen Krise, mit dem Vorjahr verglichen, um 15,2 Prozent sank und damit um 3,9 Prozent unter den Stand des Jahres 1927 zurückging.

Sie besagt zweitens, dass England schon drei Jahre nicht vom Fleck kommt, über den Stand von 1927 nicht hinaus kann und eine schwere wirtschaftliche Stockung durchmacht, ja, im ersten Quartal 1930 das Niveau der Produktion gegenüber dem Vorjahr schon um 0,5 Prozent gesenkt hat und damit in die Anfangsphase der Krise eingetreten ist.

Sie besagt drittens, dass es von den großen kapitalistischen Ländern nur Frankreich ist, wo ein gewisses Wachstum der Großindustrie stattfindet, und zwar betrug der Zuwachs im Jahre 1928 13,4 Prozent und im Jahre 1929 9,4 Prozent, erreichte dagegen im ersten Quartal 1930 - mit 1929 verglichen - nur 3,7 Prozent und bietet somit das Bild einer von Jahr zu Jahr sinkenden Entwicklungskurve.

Sie besagt schließlich, dass es von allen Ländern der Welt nur die UdSSR ist, wo ein stürmischer Aufstieg der Großindustrie vor sich geht, und zwar ist das Produktionsniveau im ersten Quartal 1930 mehr als doppelt so hoch wie das Niveau von 1927, die Zuwachsrate steigt von 17,6 Prozent im Jahre 1928 auf 23,5 Prozent im Jahre 1929 und auf 32 Prozent im ersten Quartal 1930, bietet also das Bild einer von Jahr zu Jahr ansteigenden Entwicklungskurve.

Man könnte einwenden: Mag das auch der Stand der Dinge bis Ende des ersten Quartals dieses Jahres gewesen sein, so wäre es doch nicht ausgeschlossen, dass im zweiten Quartal dieses Jahres eine Wendung zum Besseren eingetreten sei. Aber die Angaben für das zweite Quartal widerlegen entschieden eine solche Annahme. Sie besagen im Gegenteil, dass die Lage sich im zweiten Quartal noch mehr verschlechtert hat. Diese Angaben zeugen: von einem neuen Aktiensturz an der New-Yorker Börse und einer neuen Welle der Bankrotte in den USA; von einem neuen Rückgang der Produktion, einer Senkung der Löhne der Arbeiter und einem Anwachsen der Arbeitslosigkeit in den USA, Deutschland, England, Italien, Japan, Südamerika, Polen, der Tschechoslowakei usw.; vom Eintreten einer Reihe von Industriezweigen Frankreichs in die Phase der Stockung, die bei der heutigen internationalen Wirtschaftslage ein Anzeichen der einsetzenden Krise ist. Arbeitslose gibt es heute in den USA mehr als 6 Millionen, in Deutschland etwa 5 Millionen, in England über 2 Millionen, in Italien, Südamerika und Japan je eine Million, in Polen, der Tschechoslowakei und Österreich je 500000. Ich spreche gar nicht von der weiteren Verschärfung der Landwirtschaftskrise, die Millionen Farmer und werktätige Bauern ruiniert. Die Überproduktionskrise in der Landwirtschaft geht so weit, dass zur Aufrechterhaltung der hohen Preise und Profite der Bourgeoisie in Brasilien 2 Millionen Sack Kaffee ins Meer versenkt wurden; in Amerika hat man begonnen, statt Kohle Mais zu verfeuern, in Deutschland werden Hunderttausende Zentner Roggen als Schweinefutter verwandt; und was Baumwolle und Weizen anbetrifft, so werden alle Maßnahmen getroffen, um die Anbaufläche um 10 bis 15 Prozent einzuschränken.

Das ist das allgemeine Bild der sich entfaltenden Weltwirtschaftskrise.

b) Jetzt, da die Weltwirtschaftskrise ihre zerstörende Wirkung entfaltet, indem sie ganzen Schichten mittlerer und kleiner Kapitalisten den Untergang bereitet, ganze Gruppen der Arbeiteraristokratie und der Farmer ruiniert und die Millionenmassen der Arbeiter zum Hungern verdammt, fragt alles: Wo liegt die Ursache der Krise, worin ist sie begründet, wie soll man sie bekämpfen, wie kann man sie aus der Welt schaffen? Es werden die verschiedenartigsten „Theorien“ der Krise ausgeklügelt. Es werden ganze Projekte vorgeschlagen zur „Linderung“, „Verhütung“, „Liquidierung“ der Krise, Die bürgerlichen Oppositionen deuten hin auf die bürgerlichen Regierungen, die jetzt auf einmal „nicht alle Maßnahmen ergriffen haben“ sollen, um die Krise zu verhüten. Die „Demokraten“ beschuldigen die „Republikaner“, die „Republikaner“ die „Demokraten“ und alle zusammen die Gruppe Hoover mit ihrem „Federal Reserve System“ das die Krise nicht „zu zügeln“ vermochte. Es gibt sogar Schlauköpfe, die die Ursache der Weltwirtschaftskrise in „Ränken der Bolschewiki“ sehen. Ich denke dabei an den bekannten „Unternehmer“ Rechberg, der eigentlich einem Unternehmer wenig ähnlich sieht und viel eher an einen „Unternehmer“ unter den Literaten und an einen „Literaten“ unter den Unternehmern erinnert. (Heiterkeit.)

Es versteht sich, dass alle diese „Theorien“ und Projekte mit Wissenschaft nichts gemein haben. Man muss feststellen, dass die bürgerlichen Ökonomen sich angesichts der Krise als völlig bankrott erwiesen haben. Mehr noch, ihnen fehlt, wie sich herausgestellt hat, sogar jenes Minimum an Wirklichkeitssinn, das man ihren Vorgängern nicht immer absprechen kann. Diese Herren vergessen, dass die Krisen nicht als eine zufällige Erscheinung im System der kapitalistischen Wirtschaft angesehen werden dürfen. Diese Herren vergessen, dass die Wirtschaftskrisen ein unvermeidliches Resultat des Kapitalismus sind. Diese Herren vergessen, dass die Krisen zusammen mit der Herrschaft des Kapitalismus auf die Welt kamen. Seit mehr als hundert Jahren treten periodische Wirtschaftskrisen ein, die sich nach Ablauf von je zwölf, zehn, acht und weniger Jahren wiederholen. Seit dieser Zeit haben bürgerliche Regierungen aller Ränge und Farben, bürgerliche Persönlichkeiten aller Stufen und Kaliber, alle ohne Ausnahme ihre Kräfte an dem Problem der „Verhütung“ und „Beseitigung“ der Krisen versucht. Sie alle aber erlitten Schiffbruch. Sie erlitten Schiffbruch, weil die Wirtschaftskrisen weder verhütet noch beseitigt werden können, wenn man im Rahmen des Kapitalismus bleibt. Was ist also Erstaunliches daran, wenn die bürgerlichen Persönlichkeiten von heute ebenfalls Schiffbruch erleiden? Was ist also Erstaunliches daran, wenn die Maßnahmen der bürgerlichen Regierungen in Wirklichkeit nicht zu einer Linderung der Krise, nicht zu einer Erleichterung der Lage der Millionenmassen der Werktätigen führen, sondern zu einer Kette neuer Bankrotte, zu einer neuen Welle der Arbeitslosigkeit, zum Verschlingen der weniger starken kapitalistischen Vereinigungen durch die stärkeren kapitalistischen Vereinigungen?

Die Basis der ökonomischen Überproduktionskrisen, ihre Ursache liegt im ganzen System der kapitalistischen Wirtschaft selbst. Die Basis der Krise liegt in dem Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der kapitalistischen Form der Aneignung der Produktionsergebnisse. Ausdruck dieses Grundwiderspruchs des Kapitalismus ist der Widerspruch zwischen dem kolossalen Anwachsen der Produktionskapazitäten des Kapitalismus, die auf die Erzielung eines Maximums kapitalistischen Profits berechnet sind, und dem relativen Rückgang der zahlungsfähigen Nachfrage seitens der Millionenmassen der Werktätigen, deren Lebenshaltung die Kapitalisten ständig in den Schranken des äußersten Minimums zu halten suchen. Um im Konkurrenzkampf zu gewinnen und möglichst viel Profit herauszupressen, müssen die Kapitalisten die Technik entwickeln, eine Rationalisierung durchführen, die Ausbeutung der Arbeiter verschärfen und die Produktionskapazitäten ihrer Betriebe bis aufs äußerste steigern. Damit keiner hinter dem anderen zurückbleibe, sind alle Kapitalisten gezwungen, in einer oder der anderen Weise diesen Weg rasender Entwicklung der Produktionsmöglichkeiten zu beschreiten. Aber der Binnenmarkt wie der Außenmarkt, die Kaufkraft der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern, die in letzter Instanz die Hauptkäufer sind, bleiben auf einem niedrigen Niveau. Daher die Überproduktionskrisen. Daher die bekannten Resultate, die sich mehr oder weniger periodisch wiederholen, kraft deren die Waren unverkauft bleiben, die Produktion zurückgeht, die Arbeitslosigkeit wächst, die Löhne gesenkt werden, wodurch sich der Widerspruch zwischen dem Produktionsniveau und dem Niveau der zahlungsfähigen Nachfrage noch mehr verschärft. Die Überproduktionskrise ist der Ausdruck dieses Widerspruchs in stürmischen und verheerenden Formen.

Könnte der Kapitalismus die Produktion nicht der Erzielung eines Maximums von Profit, sondern einer systematischen Verbesserung der materiellen Lage der Volksmassen anpassen, könnte er den Profit verwenden nicht zur Befriedigung der Launen parasitärer Klassen, nicht zur Vervollkommnung der Ausbeutungsmethoden, nicht zur Kapitalausfuhr, sondern zur systematischen Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern, dann gäbe es keine Krisen. Aber dann wäre auch der Kapitalismus kein Kapitalismus. Um die Krisen abzuschaffen, muss man den Kapitalismus abschaffen.

Das ist die Basis der ökonomischen Überproduktionskrisen im Allgemeinen.

Aber hiermit kann es bei der Charakterisierung der heutigen Krise nicht sein Bewenden haben. Die heutige Krise ist nicht als eine einfache Wiederholung der alten Krisen zu betrachten. Sie entspringt und entwickelt sich unter einigen neuen Bedingungen, die man klarstellen muss, um ein volles Bild der Krise zu erhalten. Sie kompliziert und vertieft sich durch eine ganze Reihe besonderer Umstände, ohne deren Klärung es unmöglich ist, sich eine klare Vorstellung von der heutigen Wirtschaftskrise zu verschaffen.Was sind das für besondere Umstände?

Sie, diese besonderen Umstände, laufen auf folgende charakteristische Tatsachen hinaus:

1. Die Krise hat am stärksten das Hauptland des Kapitalismus, seine Zitadelle, die USA, erfasst, die nicht weniger als die Hälfte der gesamten Produktion und des gesamten Konsums aller Länder der Welt in ihren Händen konzentrieren. Man begreift, dass dieser Umstand notwendigerweise die Einflusssphäre der Krise kolossal erweitern, zu einer Verschärfung der Krise und zur Anhäufung unvorhergesehener Schwierigkeiten für den Weltkapitalismus führen muss.

2. Im Laufe der Entfaltung der Wirtschaftskrise ist die Industriekrise der wichtigsten kapitalistischen Länder mit der landwirtschaftlichen Krise der Agrarländer nicht einfach zusammengefallen, sondern hat sich mit ihr verflochten, wodurch sich die Schwierigkeiten vertieften und ein allgemeines Absinken der wirtschaftlichen Aktivität unvermeidlich wurde. Es erübrigt sich zu sagen, dass die industrielle Krise die landwirtschaftliche verstärken und die landwirtschaftliche die industrielle in die Länge ziehen wird, was notwendigerweise zu einer Vertiefung der Wirtschaftskrise in ihrer Gesamtheit führt.

3. Der heutige Kapitalismus ist, zum Unterschied vom alten Kapitalismus, monopolistischer Kapitalismus, und das macht von vornherein den Kampf unvermeidlich, den die kapitalistischen Vereinigungen führen, um die hohen Monopolpreise der Waren trotz Überproduktion aufrechtzuerhalten. Es versteht sich, dass dieser Umstand, der die Krise für die Volksmassen, diese Hauptverbraucher der Waren, besonders qualvoll und verheerend gestaltet, unvermeidlich die Krise in die Länge ziehen, ihr Abflauen aufhalten muss.

4. Die heutige Wirtschaftskrise entfaltet sich auf Basis der allgemeinen Krise des Kapitalismus, die bereits in der Periode des imperialistischen Krieges begonnen hat, die die Grundpfeiler des Kapitalismus unterwühlt und die den Eintritt der Wirtschaftskrise erleichtert hat.

Was bedeutet das?

Das bedeutet vor allem, dass der imperialistische Krieg und seine Folgen die Fäulnis des Kapitalismus verstärkt und sein Gleichgewicht erschüttert haben, dass wir heute in einer Epoche der Kriege und Revolutionen leben, dass der Kapitalismus schon nicht mehr das einzige und allumfassende System der Weltwirtschaft darstellt, dass neben dem kapitalistischen Wirtschaftssystem das sozialistische System besteht, das wächst und gedeiht, das dem kapitalistischen System gegenübersteht und das durch die bloße Tatsache seines Bestehens die Fäulnis des Kapitalismus demonstriert und dessen Grundlagen erschüttert.

Das bedeutet weiter, dass der imperialistische Krieg und der Sieg der Revolution in der UdSSR die Grundpfeiler des Imperialismus in den kolonialen und abhängigen Ländern erschüttert haben, dass die Autorität des Imperialismus in diesen Ländern schon untergraben ist, dass er nicht mehr die Kraft hat, in diesen Ländern auf die alte Art zu wirtschaften.

Das bedeutet weiter, dass während des Krieges und nach dem Kriege in den kolonialen und abhängigen Ländern ein eigener junger Kapitalismus entstanden und herangewachsen ist, der mit den alten kapitalistischen Ländern auf den Märkten erfolgreich konkurriert und dadurch den Kampf um die Absatzmärkte verschärft und kompliziert.

Das bedeutet schließlich, dass der Krieg den meisten kapitalistischen Ländern ein schweres Erbe in Gestalt der chronischen Unterbelastung der Betriebe und des Vorhandenseins von Millionenarmeen Arbeitsloser hinterlassen hat, die sich aus Reservearmeen in ständige Arbeitslosenarmeen verwandelt haben, was für den Kapitalismus schon vor der jetzigen Wirtschaftskrise eine Menge Schwierigkeiten schuf und die Dinge während der Krise noch weiter komplizieren muss.

Das sind die Umstände, die die Weltwirtschaftskrise verschlimmern und verschärfen.

Es muss festgestellt werden, dass die heutige Wirtschaftskrise von allen bisherigen Weltwirtschaftskrisen die ernsteste und tiefstgehende Krise ist.

2. Die Verschärfung der Gegensätze des Kapitalismus

Das wichtigste Resultat der Weltwirtschaftskrise ist die Bloßregung und Verschärfung der dem Weltkapitalismus innewohnenden Gegensätze.

a) Es entblößen und verschärfen sich die Gegensätze zwischen den wichtigsten imperialistischen Ländern, der Kampf um die Absatzmärkte, der Kampf um die Rohstoffe, der Kampf um den Kapitalexport. Heute gibt sich keiner der kapitalistischen Staaten mehr mit der alten Aufteilung der Einflusssphären und Kolonien zufrieden. Sie sehen, dass sich das Kräfteverhältnis geändert hat, und in Übereinstimmung damit müssen die Absatzmärkte, die Rohstoffquellen, die Einflusssphären usw. neu verteilt werden. Der wichtigste dieser Gegensätze ist der Gegensatz zwischen den USA und England. Sowohl auf dem Gebiet der Fertigwarenausfuhr als auch auf dem Gebiet der Kapitalausfuhr spielt sich der Kampf vornehmlich zwischen den USA und England ab. Man braucht nur eine beliebige Wirtschaftszeitung, ein beliebiges Dokument über die Waren- und Kapitalausfuhr zur Hand zu nehmen, um sich davon zu überzeugen. Die Hauptarena dieses Kampfes sind Südamerika, China, die Kolonien und Dominions der alten imperialistischen Staaten. Das Übergewicht der Kräfte in diesem Kampf - und zwar ein eindeutiges Übergewicht - liegt auf Seiten der USA.

Auf diesen wichtigsten Gegensatz folgen die zwar weniger wichtigen, aber doch recht wesentlichen Gegensätze: zwischen Amerika und Japan, zwischen Deutschland und Frankreich, zwischen Frankreich und Italien, zwischen England und Frankreich usw.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass im Zusammenhang mit der sich entfaltenden Krise der Kampf um Absatzmärkte, Rohstoffe und Kapitalausfuhr mit jedem Monat, mit jedem Tag stärker werden wird.

Die Mittel des Kampfes sind Zollpolitik, billige Waren, billiger Kredit, Umgruppierung der Kräfte und neue militärisch-politische Bündnisse, zunehmende Rüstungen, Vorbereitung zu neuen imperialistischen Kriegen und schließlich - der Krieg.

Ich sprach von einer Krise, die alle Produktionszweige erfasst hat. Aber es gibt einen Produktionszweig, der nicht von der Krise erfasst ist. Dieser Produktionszweig ist die Kriegsindustrie. Sie wächst ständig, trotz der Krise. Die bürgerlichen Staaten betreiben eine wahnwitzige Auf- und Umrüstung. Wozu? Natürlich nicht zum Zeitvertreib, sondern zum Krieg. Den Krieg aber brauchen die Imperialisten, da er das einzige Mittel ist zur Neuaufteilung der Welt, zur Neuaufteilung der Absatzmärkte, der Rohstoffquellen, der Sphären für Kapitalanlagen.

Es ist durchaus begreiflich, dass unter diesen Umständen der so genannte Pazifismus in den letzten Zügen liegt, der Völkerbund bei lebendigem Leibe verfault, die „Abrüstungsprojekte“ in der Versenkung verschwinden und die Konferenzen für die Einschränkung der Flottenrüstungen sich in Konferenzen zur Modernisierung und Erweiterung der Marine verwandeln.

Das bedeutet, dass die Kriegsgefahr in beschleunigtem Tempo wachsen wird.

Mögen die Sozialdemokraten von Pazifismus, von Frieden, von friedlicher Entwicklung des Kapitalismus und dergleichen schwatzen. Die Erfahrungen mit den Regierungen der Sozialdemokratie in Deutschland und England zeigen, dass ihr Pazifismus lediglich eine Maske ist, notwendig zur Verschleierung der Vorbereitung neuer Kriege.

b) Es entblößen sich und werden sich weiter verschärfen die Gegensätze zwischen den Siegerländern und den besiegten Ländern. Unter den letzteren meine ich insbesondere Deutschland. Unzweifelhaft wird sich im Zusammenhang mit der Krise und der Verschärfung des Problems der Märkte der Druck auf Deutschland verstärken, das nicht nur Schuldner, sondern auch einer der größten Exporteure ist. Man könnte das eigenartige Verhältnis, das sich zwischen den Siegerländern und Deutschland herausgebildet hat, als eine Pyramide darstellen, auf deren Spitze Amerika, Frankreich, England usw. wie die Herren thronen, mit dem Youngplan [38] in Händen, auf dem geschrieben steht: „Zahle!“, während unten Deutschland hingestreckt liegt, das sich abplagt und alle Kräfte aus sich herausholen muss, um die befohlenen Milliardenkontributionen zahlen zu können. Wollen Sie wissen, was das ist? Das ist der „Geist von Locarno“ [39]. Zu glauben, dass ein solcher Zustand für den Weltkapitalismus ohne Folgen bleiben könne, hieße vom Leben überhaupt nichts verstehen. Zu glauben, dass die deutsche Bourgeoisie imstande sein werde, in den nächsten zehn Jahren 20 Milliarden Mark zu zahlen, und dass das unter dem doppelten Joch der „eigenen“ und der „fremden“ Bourgeoisie lebende deutsche Proletariat sich diese 20 Milliarden ohne ernstliche Kämpfe und Erschütterungen von der deutschen Bourgeoisie abzapfen lassen werde, hieße den Verstand verloren haben. Mögen deutsche oder französische Politiker sich den Anschein geben, als glaubten sie an dieses Wunder. Wir Bolschewiki glauben nicht an Wunder.

c) Es entblößen und verschärfen sich die Gegensätze zwischen den imperialistischen Staaten und den kolonialen und abhängigen Ländern. Die wachsende Wirtschaftskrise verstärkt unvermeidlich den Druck der Imperialisten auf die Kolonien und die abhängigen Länder, die die wichtigsten Absatz- und Rohstoffmärkte darstellen. Und tatsächlich verstärkt sich der Druck bis aufs äußerste. Ist es doch Tatsache, dass sich die europäische Bourgeoisie jetzt im Zustand des Krieges mit „ihren“ Kolonien in Indien, in Indochina, in Indonesien, in Nordafrika befindet. Ist es doch Tatsache, dass das „unabhängige“ China bereits faktisch in Einflusssphären aufgeteilt ist und dass die Generalscliquen der konterrevolutionären Kuomintang, die sich gegenseitig bekämpfen und das chinesische Volk an den Bettelstab bringen, den Willen ihrer Gebieter aus dem imperialistischen Lager erfüllen.

Die verlogene Version, dass Mitarbeiter der russischen Botschaften in China an der Störung von „Frieden und Ruhe“ in China die Schuld trügen, muss als endgültig widerlegt betrachtet werden. Schon lange gibt es weder in Süd- noch in Mittelchina russische Botschaften. Dafür aber gibt es dort englische, japanische, deutsche, amerikanische und alle möglichen anderen Botschaften. Russische Botschaften gibt es schon lange weder in Süd- noch in Mittelchina. Dafür aber gibt es dort deutsche, englische und japanische militärische Ratgeber bei den kriegführenden chinesischen Generalen. Russische Botschaften gibt es dort schon lange nicht mehr. Dafür aber gibt es englische, amerikanische, deutsche, tschechoslowakische und alle möglichen anderen Geschütze, Gewehre, Flugzeuge, Tanks und Giftgase. Und was sehen wir? Statt „Frieden und Ruhe“ sehen wir in Süd- und Mittelchina jetzt den zügellosesten und verheerendsten Generalskrieg, der von den „zivilisierten“ Staaten Europas und Amerikas finanziert und nach ihren Instruktionen geführt wird. Somit bietet die „zivilisatorische“ Tätigkeit der kapitalistischen Staaten ein recht pikantes Bild. Unverständlich ist nur, was die russischen Bolschewiki damit zu tun haben sollen.

Es wäre lächerlich zu glauben, dass die erwähnten Gewalttaten der Imperialisten ihnen ohne Folgen hingehen werden. Die chinesischen Arbeiter und Bauern haben darauf bereits mit der Bildung von Sowjets und einer Roten Armee geantwortet. Man sagt, dass dort schon eine Regierung der Sowjets gebildet worden ist. Ich glaube, dass dies, wenn es wahr ist, nicht weiter verwunderlich ist. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass nur Sowjets imstande sind, China vor dem endgültigen Zerfall und vor der Verelendung zu retten.

Was Indien, Indochina, Indonesien, Afrika usw. anbelangt, so unterliegt es keinem Zweifel, dass die revolutionäre Bewegung in diesen Ländern, die zeitweise die Formen eines nationalen Befreiungskrieges annimmt, im Wachsen begriffen ist. Die Herren Bourgeois gedenken in diesen Ländern Ströme von Blut zu vergießen und sich auf Polizeibajonette zu stützen, wobei sie Leute wie Gandhi zu Hilfe rufen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass Polizeibajonette eine schlechte Stütze sind. Auch der Zarismus suchte sich seinerzeit auf Polizeibajonette zu stützen, aber was für eine Stütze daraus geworden ist, weiß jedermann. Was die Helfer vom Schlage Gandhis anbelangt, so hatte der Zarismus ihrer eine ganze Herde in der Person liberaler Paktierer jeder Art, was jedoch nichts anderes als Blamage zur Folge hatte.

d) Entblößt und verschärft haben sich die Gegensätze zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat in den kapitalistischen Ländern. Die Krise hat bereits zu verstärktem Druck der Kapitalisten auf die Arbeiterklasse geführt. Die Krise hat bereits eine neue Welle kapitalistischer Rationalisierung, eine neue Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse, Zunahme der Arbeitslosigkeit, Vermehrung des ständigen Arbeitslosenheeres und Lohnabbau ausgelöst. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Umstände die Situation revolutionieren, den Kampf der Klassen verschärfen und die Arbeiter zu neuen Klassenschlachten drängen.

Im Zusammenhang damit werden die sozialdemokratischen Illusionen in den Arbeitermassen zerstört und beseitigt. Nach den Erfahrungen mit den Regierungen der Sozialdemokraten, die Streiks abwürgen, Aussperrungen organisieren und Arbeiter niederschießen, klingen die lügnerischen Versprechungen einer „Wirtschaftsdemokratie“, eines „Industriefriedens“ und „friedlicher Methoden“ des Kampfes in den Ohren der Arbeiter wie ein böser Hohn. Ob man jetzt noch viele Arbeiter finden wird, die willens sind, den verlogenen Predigten der Sozialfaschisten zu glauben? Die bekannten Arbeiterdemonstrationen am 1. August 1929 (gegen die Kriegsgefahr) und am 6. März 1930 (gegen die Arbeitslosigkeit) [40] zeigen, dass die besten Elemente der Arbeiterklasse sich bereits von den Sozialfaschisten abgewandt haben. Die Wirtschaftskrise wird den sozialdemokratischen Illusionen unter den Arbeitern einen neuen Schlag versetzen. Es werden sich jetzt wenig Arbeiter finden, die nach den durch die Krise ausgelösten Wellen von Bankrott und Ruin gewillt sein werden, an die Möglichkeit der Bereicherung „jedes Arbeiters“ durch Beteiligung an „demokratisierten“ Aktiengesellschaften zu glauben. Es erübrigt sich zu sagen, dass die Krise allen diesen und ähnlichen Illusionen einen vernichtenden Schlag versetzen wird.

Aber die Abkehr der Arbeitermassen von der Sozialdemokratie bedeutet, dass sie sich dem Kommunismus zuwenden. So geschieht es auch tatsächlich. Das Anwachsen der der kommunistischen Partei nahe stehenden Gewerkschaftsbewegung; die Wahlerfolge der kommunistischen Parteien; die Welle von Streiks unter führender Beteiligung der Kommunisten; das Umschlagen wirtschaftlicher Streiks in politische, von den Kommunisten organisierte Protestaktionen; die Massendemonstrationen der mit dem Kommunismus sympathisierenden Arbeiter, die in der Arbeiterklasse den lebhaftesten Widerhall finden - alles das zeugt davon, dass die Arbeitermassen in der kommunistischen Partei die einzige Partei sehen, die fähig ist, den Kapitalismus zu bekämpfen, die einzige Partei, die des Vertrauens der Arbeiter würdig ist, die einzige Partei, der man im Kampf für die Befreiung vom Kapitalismus folgen kann, die es wert ist, dass man ihr folgt. Das ist eine Schwenkung der Massen zum Kommunismus. Es ist die Gewähr dafür, dass unsere kommunistischen Bruderparteien zu großen Massenparteien der Arbeiterklasse werden. Notwendig ist nur, dass die Kommunisten es verstehen, die Lage richtig zu bewerten, und sie in entsprechender Weise ausnutzen. Durch die Entfaltung ihres unversöhnlichen Kampfes gegen die Sozialdemokratie, diese Agentur des Kapitals in der Arbeiterklasse, durch die Zerschlagung aller und jeglicher Abweichungen vom Leninismus, die Wasser auf die Mühle der Sozialdemokratie sind, haben die kommunistischen Parteien gezeigt, dass sie auf dem richtigen Wege sind. Es ist notwendig, dass sie auf diesem Wege endgültig festen Fuß fassen. Können sie doch nur unter dieser Bedingung darauf rechnen, die Mehrheit der Arbeiterklasse zu erobern und das Proletariat erfolgreich auf die kommenden Klassenschlachten vorzubereiten. Kann doch nur unter dieser Bedingung auf ein weiteres Steigen des Einflusses und Ansehens der Kommunistischen Internationale gerechnet werden.

So steht es mit den grundlegenden Gegensätzen des Weltkapitalismus, die sich infolge der Weltwirtschaftskrise aufs äußerste verschärft haben. Wovon zeugen alle diese Tatsachen?

Davon, dass die Stabilisierung des Kapitalismus ihrem Ende entgegengeht.

Davon, dass der Aufschwung der revolutionären Massenbewegung mit neuer Kraft weitergehen wird.

Davon, dass die Weltwirtschaftskrise in einer Reihe von Ländern in eine politische Krise umschlagen wird.

Das bedeutet erstens, dass die Bourgeoisie den Ausweg aus der Lage auf dem Gebiet der Innenpolitik in weiterer Faschisierung suchen wird, wozu sie alle reaktionären Kräfte, darunter auch die Sozialdemokratie, benutzen wird.

Das bedeutet zweitens, dass die Bourgeoisie den Ausweg auf dem Gebiet der Außenpolitik in einem neuen imperialistischen Krieg suchen wird.

Das bedeutet schließlich, dass das Proletariat im Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung und die Kriegsgefahr den Ausweg in der Revolution suchen wird.

3. Die Beziehungen zwischen der UdSSR
und den kapitalistischen Staaten

a) Ich sprach vorher von den Gegensätzen des Weltkapitalismus. Aber außer diesen Gegensätzen besteht noch ein Gegensatz. Ich meine den Gegensatz zwischen der kapitalistischen Welt und der UdSSR. Allerdings lässt sich dieser Gegensatz nicht als ein Gegensatz von innerkapitalistischer Art betrachten. Es ist der Gegensatz zwischen dem Kapitalismus als Ganzem und dem Lande des im Aufbau begriffenen Sozialismus. Das hindert diesen Gegensatz jedoch nicht, den Kapitalismus bis in seine Grundfesten zu zersetzen und zu erschüttern. Noch mehr, er legt bis auf die Wurzeln alle Gegensätze des Kapitalismus bloß und schürzt sie zu einem Knoten zusammen, indem er sie zur Frage von Sein oder Nichtsein der ganzen kapitalistischen Ordnung macht. Deshalb richtet die Bourgeoisie jedes Mal, wenn die kapitalistischen Gegensätze sich zu verschärfen beginnen, ihre Blicke auf die UdSSR: ob es nicht möglich wäre, diesen oder jenen Gegensatz des Kapitalismus oder aber alle Gegensätze miteinander auf Kosten der UdSSR beizulegen, auf Kosten dieses Landes der Sowjets, der Zitadelle der Revolution, die schon allein durch ihr Bestehen die Arbeiterklasse und die Kolonien revolutioniert, die Anzettelung eines neuen Krieges behindert, die Neuaufteilung der Welt behindert und die Kapitalisten daran hindert, sich auf dem ausgedehnten Binnenmarkt der Sowjetunion breitzumachen, dessen sie gerade jetzt, angesichts der Wirtschaftskrise, so bedürfen.

Daher die Tendenz zu abenteuerlichen Anrempeleien gegenüber der UdSSR und zur Intervention, welche (Tendenz) im Zusammenhang mit der sich entfaltenden Wirtschaftskrise stärker werden muss.

Der ausgesprochenste Träger dieser Tendenz ist im Augenblick das bürgerliche Frankreich von heute, die Heimat des liebetriefenden „Paneuropas“ [41], die „Wiege“ des Kellogg-Paktes [42], das aggressivste und militaristischste Land von allen aggressiven und militaristischen Ländern der Welt.

Aber die Intervention ist ein zweischneidiges Schwert. Das weiß die Bourgeoisie sehr genau. Schön wäre es, denkt sie sich, wenn die Intervention glatt abliefe und mit einer Niederlage der UdSSR endete. Was aber, wenn sie mit einer Niederlage der Kapitalisten endet? Es gab ja schon eine Intervention, die mit einem Fiasko geendet hat. Diese erste Intervention brach zusammen, als die Bolschewiki schwach waren, welche Gewähr gibt es also dafür, dass die zweite nicht gleichfalls mit einem Fiasko enden wird? Alle sehen, dass die Bolschewiki jetzt sowohl wirtschaftlich als auch politisch und hinsichtlich der Vorbereitung der Wehrkraft des Landes ungleich stärker sind. Und wie wird es mit den Arbeitern der kapitalistischen Länder sein, die keine Intervention gegen die UdSSR zulassen werden, die gegen die Intervention kämpfen werden und, wenn es darauf ankommt, den Kapitalisten in den Rücken fallen können? Wäre es nicht besser, den Weg des Ausbaus der Handelsbeziehungen zur UdSSR zu beschreiten, wogegen auch die Bolschewiki nichts einzuwenden haben?

Daher die Tendenz zur Fortsetzung friedlicher Beziehungen mit der UdSSR.

Somit haben wir zwei Reihen von Faktoren und zwei verschiedene Tendenzen, die in einander entgegengesetzter Richtung wirken:

1. Eine Politik der Untergrabung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der UdSSR und den kapitalistischen Ländern, provokatorische Anrempeleien gegenüber der UdSSR, offene und versteckte Vorbereitung einer Intervention gegen die UdSSR. Das sind die Faktoren, die die internationale Stellung der UdSSR bedrohen. Auf die Wirkung dieser Faktoren sind solche Tatsachen zurückzuführen wie der Bruch des konservativen englischen Kabinetts mit der UdSSR, die Besetzung der Ostchinabahn durch chinesische Militaristen, die Finanzblockade gegen die UdSSR, der „Kreuzzug“ der vom Papst geführten Klerikalen gegen die UdSSR, die Organisierung einer Schädlingsarbeit unserer Spezialisten durch Agenten ausländischer Staaten, die Organisierung von Sprengstoffanschlägen und Brandstiftungen in der Art, wie sie von einigen Angestellten der „Lena-Goldfields“ [43] verübt wurden, Attentate auf Vertreter der UdSSR (Polen), Schikanen gegen unseren Export (USA, Polen) usw.

2. Sympathie und Unterstützung der UdSSR seitens der Arbeiter der kapitalistischen Länder, Anwachsen der ökonomischen und politischen Macht der UdSSR, wachsende Wehrkraft der UdSSR, die von der Sowjetmacht unentwegt befolgte Friedenspolitik. Das sind die Faktoren, die die internationale Stellung der UdSSR stärken. Auf die Wirkung dieser Faktoren sind solche Tatsachen zurückzuführen wie die erfolgreiche Liquidierung des Konflikts an der Ostchinabahn, die Wiederherstellung der Beziehungen zu Großbritannien, der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu den kapitalistischen Ländern usw.

Durch den Kampf dieser Faktoren wird die außenpolitische Stellung der UdSSR bestimmt.

b) Man sagt, ein Stein des Anstoßes auf dem Wege zur Besserung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der UdSSR und den bürgerlichen Staaten sei die Schuldenfrage. Ich glaube, dass dies kein Argument für die Zahlung der Schulden, sondern ein Vorwand für aggressive Elemente zur Interventionspropaganda ist. Unsere Politik auf diesem Gebiet ist klar und vollauf begründet. Unter der Bedingung, dass uns Kredite gewährt werden, sind wir bereit, einen kleinen Teil der Vorkriegsschulden zu bezahlen, wobei wir diese Zahlung als Zuschlagszinsen für die Kredite betrachten. Ohne diese Bedingung können und dürfen wir nicht zahlen. Man verlangt mehr von uns? Mit welchem Recht? Ist es denn nicht bekannt, dass diese Schulden von der Zarenregierung aufgenommen wurden, die von der Revolution gestürzt worden ist und für deren Verpflichtungen die Sowjetregierung keine Verantwortung übernehmen kann? Man redet uns von Völkerrecht, von internationalen Verpflichtungen. Aber auf Grund welches Völkerrechts haben die Herren „Alliierten“ von der UdSSR Bessarabien losgerissen und es der Sklaverei der rumänischen Bojaren überantwortet? Auf Grund welcher internationalen Verpflichtungen sind die Kapitalisten und die Regierungen Frankreichs, Englands, Amerikas und Japans über die UdSSR hergefallen, haben sie die Intervention gegen die UdSSR vom Zaun gebrochen, haben sie die Sowjetunion drei volle Jahre hindurch geplündert und ihre Bevölkerung ruiniert? Wenn man das Völkerrecht und internationale Verpflichtung nennt, was nennt man dann Raub? (Heiterkeit, Beifall.) Ist es denn nicht klar, dass die Herren „Alliierten“ durch derartige räuberische Akte das Recht verwirkt haben, sich auf das Völkerrecht, auf internationale Verpflichtungen zu berufen?

Man sagt ferner, die Propaganda der russischen Bolschewiki sei ein Hindernis für die Anbahnung „normaler“ Beziehungen. Um die schädliche Wirkung der Propaganda zu verhüten, grenzen sich die Herren Bourgeois immer wieder durch „Sicherheitskordone“, durch „Drahtverhaue“ ab und überlassen gnädigst die Ehre, diese „Verhaue“ schützen zu dürfen, Polen, Rumänien, Finnland usw. Man sagt, Deutschland erblasse vor Neid, weil man ihm den Schutz der „Sicherheitskordone“ und „Drahtverhaue“ nicht anvertrauen wolle. Bedarf es eines Beweises dafür, dass das Geschwätz von Propaganda kein Argument gegen die Wiederherstellung „normaler Beziehungen“, sondern ein Vorwand für Interventionspropaganda ist? Wie können Leute, die sich nicht lächerlich machen wollen, sich von den Ideen des Bolschewismus „abzusperren“ suchen, wenn ihr eigenes Land diesen Ideen einen günstigen Boden bietet? Auch der Zarismus versuchte seinerzeit, sich vom Bolschewismus „abzusperren“, brachte diese „Absperrung“ aber bekanntlich nicht zuwege. Er vermochte sich nicht abzusperren, weil der Bolschewismus überall und allerorts wächst, nicht von außen her, sondern von innen her. Es gibt, wie es scheint, keine Länder, die gegen die russischen Bolschewiki in höherem Grade „abgesperrt“ wären als China, Indien, Indochina. Was sehen wir aber? Der Bolschewismus wächst dort und wird wachsen, trotz aller „Sicherheitskordone“, da es dort offenbar Bedingungen gibt, die dem Bolschewismus günstig sind. Was hat das aber mit der Propaganda der russischen Bolschewiki zu tun? Etwas anderes wäre es, wenn die Herren Kapitalisten sich irgendwie „absperren“ könnten von der Wirtschaftskrise, der Verelendung der Massen, der Arbeitslosigkeit, den niedrigen Löhnen, der Ausbeutung der Werktätigen - dann lägen die Dinge anders, dann gäbe es bei ihnen auch keine bolschewistische Bewegung. Aber das ist ja die Sache, dass jeder Schurke darauf aus ist, seine Schwäche oder seine Unfähigkeit mit Berufung auf die Propaganda der russischen Bolschewiki zu rechtfertigen.

Man sagt weiter, ein Stein des Anstoßes sei unsere Sowjetordnung, sei die Kollektivierung, der Kampf gegen das Kulakentum, die antireligiöse Propaganda, der Kampf gegen Schädlinge und Konterrevolutionäre unter den „Männern der Wissenschaft“, die Verjagung der Bessedowski, Solomon, Dmitrijewski und ähnlicher Lakaien des Kapitals. Das wird nun schon ganz ergötzlich. Ihnen gefällt also die Sowjetordnung nicht. Uns aber gefällt wiederum die kapitalistische Ordnung nicht. (Heiterkeit, Beifall.) Es gefällt uns nicht, dass Dutzende Millionen von Arbeitslosen dort hungern müssen und auf Almosen angewiesen sind, während ein kleines Häuflein von Kapitalisten Milliardenreichtümer besitzt. Da wir aber einmal übereingekommen sind, uns nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, ist es da nicht klar, dass es keinen Sinn hat, erneut auf diese Frage zurückzukommen? Die Kollektivierung, der Kampf gegen das Kulakentum, der Kampf gegen die Schädlinge, die antireligiöse Propaganda usw. sind das unanfechtbare, in unserer Verfassung verbriefte Recht der Arbeiter und Bauern der UdSSR. Die Verfassung der UdSSR müssen und werden wir mit aller Konsequenz einhalten. Es ist deshalb begreiflich, dass derjenige, der unsere Verfassung nicht respektieren will, sich fortscheren kann, wohin es ihm beliebt. Was die Bessedowski, Solomon, Dmitrijewski usw. anbelangt, so werden wir solche Leute auch fernerhin als einen für die Revolution unbrauchbaren und schädlichen Trödel hinauswerfen. Mögen diejenigen, die an Abfällen besonderes Gefallen haben, sie auf den Schild heben. (Heiterkeit.) Die Mühlen unserer Revolution arbeiten gut. Ihre Mühlsteine arbeiten alles Wertvolle heraus und geben es den Sowjets, die Abfälle aber werfen sie hinaus. Man sagt, in Frankreich, unter den Pariser Bourgeois, mache sich eine starke Nachfrage nach diesem Trödel geltend. Schön, mögen sie diese Ware nach Herzenslust importieren. Freilich wird das die Einfuhrrubriken der französischen Handelsbilanz etwas belasten, wogegen die Herren Bourgeois stets zu protestieren pflegen. Das aber ist schon ihre Sache. Wohlan, wollen wir uns nicht in die inneren Angelegenheiten Frankreichs einmischen. (Heiterkeit, Beifall.)

So verhält es sich mit den „Hindernissen“, die die Anbahnung „normaler“ Beziehungen der UdSSR zu anderen Ländern hemmen.

Man sieht also, dass diese „Hindernisse“ nur vermeintliche Hindernisse sind, auf die man sich nur beruft, um einen Vorwand für sowjetfeindliche Propaganda zu erhalten.

Unsere Politik ist eine Politik des Friedens und des Ausbaus der Handelsbeziehungen zu allen Ländern. Ein Ergebnis dieser Politik ist die Besserung der Beziehungen zu einer Anzahl von Ländern und der Abschluss einer Reihe von Handelsverträgen, von Abkommen über technische Hilfe usw. Ihr Ergebnis ist weiter der Beitritt der UdSSR zum Kellogg-Pakt, die Unterzeichnung des bekannten, im Sinne des Kellogg-Paktes liegenden Protokolls mit Polen, Rumänien, Litauen usw., die Unterzeichnung des Protokolls über die Verlängerung der Geltungsdauer des Freundschafts- und Neutralitätsvertrages mit der Türkei. Ein Ergebnis dieser Politik ist schließlich die Tatsache, dass es uns gelungen ist, den Frieden zu wahren, da wir uns von den Feinden nicht in Konflikte verwickeln ließen, obgleich die Kriegshetzer eine Reihe provokatorischer Akte und abenteuerhafter Anrempeleien unternahmen. Diese Friedenspolitik werden wir auch fernerhin mit allen Kräften, mit allen Mitteln durchführen. Wir wollen keinen Fußbreit fremden Bodens. Aber auch von unserem eigenen Boden werden wir niemand auch nur einen Zollbreit überlassen. (Beifall.)

Das ist unsere Außenpolitik.

Die Aufgabe ist nun, diese Politik auch fernerhin mit der ganzen Beharrlichkeit durchzuführen, wie sie Bolschewiki eigen ist.

 

II
DER WACHSENDE
AUFSCHWUNG DES SOZIALISTISCHEN AUFBAUS
UND DIE INNERE LAGE DER UdSSR

 

Gehen wir zur inneren Lage der UdSSR über.

Im Gegensatz zu den kapitalistischen Ländern, in denen jetzt die ökonomische Krise und wachsende Erwerbslosigkeit herrschen, bietet die innere Lage unseres Landes ein Bild des wachsenden Aufschwungs der Volkswirtschaft und des progressiven Rückgangs der Erwerbslosigkeit. Die Großindustrie ist gewachsen und hat ihr Entwicklungstempo beschleunigt. Die Schwerindustrie ist erstarkt. Der sozialistische Sektor der Industrie ist weit vorangekommen. In der Landwirtschaft ist eine neue Macht herangewachsen - die Sowjet- und Kollektivwirtschaften. Während wir vor zwei Jahren eine Krise der Getreideproduktion hatten und uns bei der Getreidebeschaffung hauptsächlich auf die Einzelwirtschaft stützten, ist der Schwerpunkt jetzt auf die Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften verlegt, und die Getreidekrise kann in der Hauptsache als überwunden betrachtet werden. Die Hauptmassen der Bauernschaft haben sich endgültig den Kollektivwirtschaften zugewandt. Der Widerstand des Kulakentums ist niedergeschlagen. Die innere Lage der UdSSR hat sich noch mehr gefestigt.

Das ist im Ganzen das Bild der inneren Lage der UdSSR zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

Sehen wir uns das konkrete Material an.

1. Das Wachstum der Volkswirtschaft in ihrer Gesamtheit

a) Hatten wir im Jahre 1926/27, d. h. zur Zeit des XV. Parteitags, in der gesamten Landwirtschaft - Forstwirtschaft, Fischerei usw. einbegriffen - eine Bruttoproduktion von 12370 Millionen Vorkriegsrubel, d. h. 106,6 Prozent des Vorkriegsstands, so hatten wir im folgenden Jahr, d. h. 1927/28, 107,2 Prozent, im Jahre 1928/29 109,1 Prozent, während wir im laufenden Jahr, 1929/30, nach dem Gang der Entwicklung der Landwirtschaft zu urteilen, mindestens 113-114 Prozent des Vorkriegsstands erreichen werden.

Es ist also ein ununterbrochenes, wenn auch verhältnismäßig langsames Wachstum der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion festzustellen.

Betrug die Bruttoproduktion der gesamten Industrie - sowohl der Klein- wie auch der Großindustrie, die Mühlenindustrie eingeschlossen - im Jahre 1926/27, d. h. zur Zeit des XV. Parteitags, 8641 Millionen Vorkriegsrubel, d. h. 102,5 Prozent des Vorkriegsstands, so hatten wir im folgenden Jahr, d. h. 1927/28, 122 Prozent, im Jahre 1928/29 142,5 Prozent, während wir im laufenden Jahr, 1929/30, nach dem Entwicklungstempo der Industrie zu urteilen, mindestens 180 Prozent des Vorkriegsstands erreichen werden.

Es ist also ein beispiellos rasches Wachstum der industriellen Gesamtproduktion festzustellen.

b) Betrug im Jahre 1926/27, d. h. zur Zeit des XV. Parteitags, der Güterumschlag in unserem gesamten Eisenbahnnetz 81,7 Milliarden Tonnenkilometer, d. h. 127 Prozent des Vorkriegsniveaus, so hatten wir im folgenden Jahr, d. h. 1927/28, 134,2 Prozent, im Jahre 1928/29 162,4 Prozent, während der Güterumschlag im laufenden Jahr, 1929/30, voraus-sichtlich mindestens 193 Prozent des Vorkriegsstands ausmachen wird. Was den Bau neuer Strecken anbelangt, so wächst in der Berichtsperiode, d. h. seit 1927/28, das Eisenbahnnetz von 76000 Kilometer auf 80000 Kilometer, was 136,7 Prozent des Vorkriegsumfangs ausmacht.

c) Setzt man den Stand des Handelsumsatzes im Lande im Jahre 1926/27 gleich 100 (31 Milliarden Rubel), so wuchs der Umsatz im Jahre 1927/28 auf 124,6 Prozent, im Jahre 1928/29 auf 160,4 Prozent, während der Umsatz im laufenden Jahr, 1929/30, voraussichtlich 202 Prozent betragen wird, d. h. sich im Vergleich zu 1926/27 verdoppeln wird.

d) Setzt man die Gesamtbilanz aller unserer Kreditanstalten vom 1. Oktober 1927 gleich 100 (9173 Millionen Rubel), dann ergibt sich für den 1.Oktober 1928 ein Anwachsen auf 141 Prozent und für den 1.Oktober 1929 auf 201,1 Prozent, d. h. eine Verdoppelung im Vergleich zu 1927.

e) Setzt man den Gesamtstaatshaushalt 1926/27 gleich 100 (6371 Millionen Rubel), so hatten wir für 1927/28 ein Anwachsen des Staatshaushalts auf 125,5 Prozent, für 1928/29 auf 146,7 Prozent und für 1929/30 auf 204,4 Prozent, d. h. im Vergleich mit dem Haushalt des Jahres 1926/27 eine Verdoppelung (12605 Millionen Rubel).

f) Machte unser Außenhandelsumsatz (Export und Import) im Jahre 1926/27 47,9 Prozent des Vorkriegsniveaus aus, so wuchs er im Jahre 1927/28 auf 56,8 Prozent, im Jahre 1928/29 auf 67,9 Prozent, während er im Jahre 1929/30 voraussichtlich nicht weniger als 80 Prozent des Vorkriegsumfangs betragen wird.

g) Zusammenfassend können wir feststellen, dass das Wachstum des gesamten Volkseinkommens in der Berichtsperiode (in unveränderten Preisen des Jahres 1926/27) folgendes Bild bietet: Im Jahre 1926/27 betrug das Volkseinkommen nach den Zahlen der Staatlichen Plankommission 23127 Millionen Rubel, im Jahre 1927/28 25396 Millionen Rubel - ein Wachstum um 9,8 Prozent -, im Jahre 1928/29 28596 Millionen Rubel - ein Wachstum um 12,6 Prozent; im Jahre 1929/30 wird das Volkseinkommen voraussichtlich nicht weniger als 34 Milliarden Rubel betragen, so dass der Zuwachs des letzten Jahres 20 Prozent ausmachen wird. Der durchschnittliche Jahreszuwachs in den drei Berichtsjahren beträgt also mehr als 15 Prozent.

Zieht man in Betracht, dass die durchschnittliche Jahreszunahme des Volkseinkommens in Ländern wie den USA, England, Deutschland nicht mehr als 3-8 Prozent beträgt, so muss man zugeben, dass das Wachstumstempo des Volkseinkommens in der UdSSR wirklich einen Rekord darstellt.

2. Die Erfolge der Industrialisierung

Das Wachstum der Volkswirtschaft geht bei uns nicht spontan vor sich, sondern in einer bestimmten Richtung, nämlich in Richtung auf die Industrialisierung, es steht im Zeichen der Industrialisierung, im Zeichen des Anwachsens des Anteils der Industrie am Gesamtsystem der Volkswirtschaft, im Zeichen der Verwandlung unseres Landes aus einem Agrarland in ein Industrieland.

a) Die Dynamik des Wechselverhältnisses zwischen der gesamten Industrie und der gesamten Landwirtschaft vom Standpunkt des Anteils der Industrie an der Bruttoproduktion der gesamten Volkswirtschaft zeichnet sich in der Berichtsperiode wie folgt ab: Von der Bruttoproduktion der Volkswirtschaft entfielen in der Vorkriegszeit auf die Industrie 42,1 Prozent und auf die Landwirtschaft 57,9 Prozent, im Jahre 1927/28 auf die Industrie 45,2 Prozent und auf die Landwirtschaft 54,8 Prozent, im Jahre 1928/29 auf die Industrie 48,7 Prozent, auf die Landwirtschaft 51,3 Prozent; im Jahre 1929/30 werden auf die Industrie voraussichtlich nicht weniger als 53 Prozent und auf die Landwirtschaft nicht mehr als 47 Prozent entfallen.

Dies bedeutet, dass der Anteil der Industrie am Gesamtsystem der Volkswirtschaft den Anteil der Landwirtschaft bereits zu überwiegen beginnt und dass wir am Vorabend der Umwandlung unseres Landes aus einem Agrarland in ein Industrieland stehen. (Beifall.)

b) Ein noch entschiedeneres Übergewicht zugunsten der Industrie erhalten wir, wenn wir den Anteil der Industrie an der Warenproduktion der Volkswirtschaft betrachten. Während 1926/27 der Anteil der industriellen Warenproduktion an der Gesamtbilanz der volkswirtschaftlichen Warenproduktion 68,8 Prozent betrug und der Anteil der landwirtschaftlichen Warenproduktion 31,2 Prozent, sind die entsprechenden Zahlen im Jahre 1927/28 für die Industrie 71,2 Prozent, für die Landwirtschaft 28,8 Prozent, im Jahre 1928/29 für die Industrie 72,4 Prozent, für die Landwirtschaft 27,6 Prozent; und für das Jahr 1929/30 werden wir voraussichtlich für die Industrie 76 Prozent, für die Landwirtschaft aber 24 Prozent haben.

In dieser besonders ungünstigen Lage der Landwirtschaft kommt unter anderem der kleinbäuerliche Charakter der Landwirtschaft, ihre schwach entwickelte Warenproduktion, zum Ausdruck. Dabei versteht sich, dass dieser Zustand sich in gewissem Maße ändern wird, je mehr die Vergrößerung des landwirtschaftlichen Betriebs - in Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften - voranschreitet, je mehr die landwirtschaftliche Produktion zur Warenproduktion wird.

c) Aber die Entwicklung der Industrie überhaupt gibt noch kein vollständiges Bild vom Tempo der Industrialisierung. Um ein vollständiges Bild zu gewinnen, muss man noch die Dynamik des Wechselverhältnisses zwischen Schwer- und Leichtindustrie feststellen. Daher muss als klarstes Zeichen des Wachstums der Industrialisierung das fortschreitende Anwachsen des Anteils der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln (Schwerindustrie) an der Gesamtproduktion der Industrie gelten. Während der Anteil der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln an der Gesamtproduktion der ganzen Industrie im Jahre 1927/28 27,2 Prozent betrug und der Anteil der Produktion von Massenbedarfsgütern 72,8 Prozent, betrug der Anteil der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln im Jahre 1928/29 28,7 Prozent gegenüber 71,3 Prozent, und im Jahre 1929/30 wird der Anteil der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln allem Anschein nach bereits 32,7 Prozent gegenüber 67,3 Prozent betragen.

Nimmt man jedoch nicht die ganze Industrie, sondern nur die vom Obersten Volkswirtschaftsrat durch Planung erfasste Industrie, die alle wichtigsten Industriezweige einbegreift, so ist hier das Verhältnis zwischen der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln und der Produktion von Massenbedarfsgütern ein noch günstigeres, und zwar betrug der Anteil der Produktion von Produktionsinstrumenten und -mitteln im Jahre 1927/28 42,7 Prozent gegenüber 57,3 Prozent, im Jahre 1928/29 44,6 Prozent gegenüber 55,4 Prozent; und im Jahre 1929/30 wird er voraussichtlich mindestens 48 Prozent betragen gegenüber den 52 Prozent, die auf die Produktion von Massenbedarfsgütern entfallen.

Die Entwicklung unserer Volkswirtschaft steht im Zeichen der Industrialisierung, im Zeichen der Festigung und Entfaltung unserer eigenen Schwerindustrie.

Dies bedeutet, dass wir die Grundlage unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit, unsere Schwerindustrie, bereits ausgebaut haben und sie weiter ausbauen.

3. Die Schlüsselstellung der sozialistischen Industrie
und ihr Wachstumstempo

Die Entwicklung unserer Volkswirtschaft steht im Zeichen der Industrialisierung. Aber wir können nicht jede beliebige Industrialisierung brauchen. Wir brauchen eine Industrialisierung, die den sozialistischen Formen der Industrie ein wachsendes Übergewicht über die Formen der kleinen Warenproduktion und erst recht über die Formen der kapitalistischen Produktion sichert. Der kennzeichnende Zug unserer Industrialisierung besteht darin, dass sie eine sozialistische Industrialisierung ist, eine Industrialisierung, die dem vergesellschafteten Sektor der Industrie den Sieg über den privatwirtschaftlichen Sektor, über den Sektor der kleinen Warenproduktion und den kapitalistischen Sektor, sichert.

Hier einige Angaben über das Wachstum der Kapitalinvestitionen und der Bruttoproduktion nach Sektoren.

a) Nimmt man das Anwachsen der Kapitalinvestitionen in der Industrie nach Sektoren, so erhält man folgendes Bild. Vergesellschafteter Sektor: im Jahre 1926/27 1270 Millionen Rubel, im Jahre 1927/28 1614 Millionen Rubel, im Jahre 1928/29 2046 Millionen Rubel, im Jahre 1929/30 4275 Millionen Rubel. Privatwirtschaftlicher und kapitalistischer Sektor: im Jahre 1926/27 63 Millionen Rubel, im Jahre 1927/28 64 Millionen Rubel, im Jahre 1928/29 56 Millionen Rubel, im Jahre 1929/30 51 Millionen Rubel.

Dies bedeutet erstens, dass die Kapitalinvestitionen im vergesellschafteten Sektor der Industrie in dieser Zeit auf mehr als das Dreifache gestiegen sind (335 Prozent).

Dies bedeutet zweitens, dass die Kapitalinvestitionen des privatwirtschaftlichen und kapitalistischen Sektors in dieser Zeit um ein Fünftel gesunken sind (81 Prozent).

Der privatwirtschaftliche und kapitalistische Sektor lebt auf Kosten des alten Kapitals und geht seinem Untergang entgegen.

b) Nimmt man das Anwachsen der Bruttoproduktion der Industrie nach Sektoren, so erhält man folgendes Bild. Vergesellschafteter Sektor: im Jahre 1926/27 11999 Millionen Rubel, im Jahre 1927/28 15389 Millionen Rubel, im Jahre 1928/29 18903 Millionen Rubel, im Jahre 1929/30 24740 Millionen Rubel. Privatwirtschaftlicher und kapitalistischer Sektor: im Jahre 1926/27 4043 Millionen Rubel, im Jahre 1927/28 3704 Millionen Rubel, im Jahre 1928129 3389 Millionen Rubel; im Jahre 1929/30 3310 Millionen Rubel.

Dies bedeutet erstens, dass die Bruttoproduktion des vergesellschafteten Sektors der Industrie in drei Jahren auf mehr als das Doppelte angewachsen ist (206,2 Prozent).

Dies bedeutet zweitens, dass die industrielle Bruttoproduktion des privatwirtschaftlichen und kapitalistischen Sektors im gleichen Zeitraum uni fast ein Fünftel gesunken ist (81,9 Prozent).

Nimmt man die Produktion nicht der gesamten Industrie, sondern nur der Großindustrie (Zensusindustrie), und betrachtet man sie nach Sektoren, so bietet das Verhältnis zwischen dem vergesellschafteten und dem privatwirtschaftlichen Sektor folgendes Bild. Der Anteil des vergesellschafteten Sektors an der Produktion der Großindustrie des Landes: 1926/27 97,7 Prozent, 1927/28 98,6 Prozent, 1928/29 99,1 Prozent, 1929/30 99,3 Prozent. Der Anteil des privatwirtschaftlichen Sektors an der Produktion der Großindustrie des Landes: 1926/27 2,3 Prozent, 1927/28 1,4 Prozent, 1928/29 0,9 Prozent, 1929/30 0,7 Prozent.

Wie Sie sehen, sind in der Großindustrie die kapitalistischen Elemente bereits untergegangen.

Es ist klar, dass die Frage „Wer - wen?“, die Frage, ob der Sozialismus die kapitalistischen Elemente in der Industrie besiegen wird oder ob diese den Sozialismus besiegen werden, schon zugunsten der sozialistischen Formen der Industrie entschieden ist. Sie ist endgültig und unwiderruflich entschieden. (Beifall.)

c) Besonders interessant sind die Angaben über das Entwicklungstempo der vom Obersten Volkswirtschaftsrat durch Planung erfassten staatlichen Industrie während der Berichtsperiode. Setzt man die Bruttoproduktion der vom Obersten Volkswirtschaftsrat geleiteten sozialistischen Industrie für das Jahr 1926/27 gleich 100, so ergibt sich, dass die Bruttoproduktion dieser Industrie im Jahre 1927/28 auf 127,4 Prozent und im Jahre 1928/29 auf 158,6 Prozent gewachsen ist, im Jahre 1929/30 aber auf 209,8 Prozent anwachsen wird.

Dies bedeutet, dass die vom Obersten Volkswirtschaftsrat geleitete sozialistische Industrie, die alle grundlegenden Industriezweige und die gesamte Schwerindustrie umfasst, sich in drei Jahren mehr als verdoppelt hat.

Es muss zugegeben werden, dass kein einziges Land der Welt ein derartig rasendes Entwicklungstempo seiner Großindustrie aufzuweisen hat.

Dieser Umstand gibt uns denn auch das Recht, von der Erfüllung des Fünfjahrplans in vier Jahren zu sprechen.

d) Manche Genossen blicken skeptisch auf die Losung „Fünfjahrplan in vier Jahren“. Noch vor ganz kurzer Zeit hielt ein Teil der Genossen unseren vom V. Sowjetkongress [44] bestätigten Fünfjahrplan für Phantasterei. Ich rede schon gar nicht von den bürgerlichen Schriftstellern, denen allein beim Wort „Fünfjahrplan“ die Augen aus den Höhlen treten. Was sehen wir aber in Wirklichkeit, wenn wir den Fünfjahrplan vom Gesichtspunkt seiner Durchführung in den ersten zwei Jahren betrachten? Was zeigt uns die Kontrolle der Erfüllung des Fünfjahrplans in seiner Optimalvariante? Sie zeigt uns nicht nur, dass wir den Fünfjahrplan in vier Jahren erfüllen können. Sie zeigt auch, dass wir ihn in einer ganzen Reihe von Industriezweigen in drei oder sogar zweieinhalb Jahren erfüllen können. Dies mag den Skeptikern aus dem opportunistischen Lager unwahrscheinlich vorkommen. Aber es ist eine Tatsache, die zu bestreiten albern und lächerlich wäre.

Man urteile selbst.

Laut Fünfjahrplan sollte die Erdölindustrie 1932/33 Erzeugnisse im Werte von 977 Millionen Rubel liefern. In Wirklichkeit aber liefert sie bereits 1929/30 Erzeugnisse im Werte von 809 Millionen Rubel, d. h. 83 Prozent der im Fünfjahrplan für das Jahr 1932/33 vorgesehenen Produktion. Wir erfüllen also den Fünfjahrplan in der Erdölindustrie in dem geringen Zeitraum von zweieinhalb Jahren.

In der Torfindustrie sollten wir laut Fünfjahrplan 1932/33 Erzeugnisse im Werte von 122 Millionen Rubel erhalten. In Wirklichkeit aber liefert sie bereits 1929/30 Erzeugnisse im Werte von mehr als 115 Millionen Rubel, d. h. 96 Prozent der im Fünfjahrplan für das Jahr 1932/33 vorgesehenen Produktion. Wir erfüllen also den Fünfjahrplan in der Torfindustrie in zweieinhalb Jahren, wenn nicht früher.

Laut Fünfjahrplan soll der allgemeine Maschinenbau 1932/33 Erzeugnisse im Werte von 2058 Millionen Rubel liefern. In Wirklichkeit aber liefert er bereits 1929/30 Erzeugnisse im Werte von 1458 Millionen Rubel, d. h. 70 Prozent der im Fünfjahrplan für das Jahr 1932/33 vorgesehenen Produktion. Wir erfüllen also den Fünfjahrplan im allgemeinen Maschinenbau in zweieinhalb bis drei Jahren.

Laut Fünfjahrplan soll der landwirtschaftliche Maschinenbau 1932/33 Erzeugnisse im Werte von 610 Millionen Rubel liefern. In Wirklichkeit aber liefert er bereits 1929/30 Erzeugnisse im Werte von 400 Millionen Rubel, d. h. etwas über 60 Prozent der im Fünfjahrplan für das Jahr 1932/33 vorgesehenen Produktion. Wir erfüllen also den Fünfjahrplan im landwirtschaftlichen Maschinenbau in drei Jahren, wenn nicht früher.

Laut Fünfjahrplan soll die elektrotechnische Industrie 1932/33 Erzeugnisse im Werte von 896 Millionen Rubel liefern. In Wirklichkeit aber liefert sie bereits 1929/30 Erzeugnisse im Werte von 503 Millionen Rubel, d. h. etwas über 56 Prozent der im Fünfjahrplan für das Jahr 1932/33 vorgesehenen Produktion. Wir erfüllen also den Fünfjahrplan für die elektrotechnische Industrie in drei Jahren.

Derart ist das beispiellose Entwicklungstempo unserer sozialistischen Industrie.

Wir schreiten in beschleunigtem Tempo vorwärts und holen die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder in technisch-ökonomischer Hinsicht ein.

e) Das bedeutet natürlich nicht, dass wir sie, was den Umfang der Produktion anbetrifft, schon eingeholt hätten, dass unsere Industrie das Entwicklungsniveau der Industrie der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder bereits erreicht hätte. Nein, bei weitem noch nicht. Das Entwicklungstempo der Industrie und das Entwicklungsniveau der Industrie dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Bei uns werden sie von vielen durcheinander gebracht, in der Meinung, wenn wir ein noch nicht dagewesenes Entwicklungstempo der Industrie erzielt haben, hätten wir dadurch bereits das industrielle Entwicklungsniveau der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder erreicht. Das ist aber grundfalsch.

Nehmen wir zum Beispiel die Erzeugung von Elektroenergie, in der wir ein sehr hohes Tempo aufzuweisen haben. In der Produktion elektrischer Energie haben wir von 1924 bis 1929 eine Erhöhung auf beinahe 600 Prozent erreicht, während die USA die Produktion elektrischer Energie in der gleichen Zeit nur auf 181 Prozent erhöht haben, Kanada auf 218 Prozent, Deutschland auf 241 Prozent, Italien auf 222 Prozent. Wie Sie sehen, haben wir hier ein geradezu beispielloses, das Tempo aller anderen Staaten übertreffendes Tempo. Nimmt man aber das Entwicklungsniveau der Produktion elektrischer Energie in diesen Ländern, beispielsweise im Jahre 1929, und vergleicht es mit dem Entwicklungsniveau in der UdSSR, so erhält man ein für die UdSSR bei weitem nicht erfreuliches Bild. Trotz des beispiellos hohen Entwicklungstempos in der Erzeugung elektrischer Energie betrug die Produktion elektrischer Energie in der UdSSR im Jahre 1929 nur 6465 Millionen Kilowattstunden, während die Vereinigten Staaten 126000 Millionen Kilowattstunden, Kanada 17628 Millionen, Deutschland 33000 Millionen und Italien 10850 Millionen Kilowattstunden hatten.

Der Unterschied ist, wie Sie sehen, kolossal.

Es ergibt sich, dass wir in Bezug auf das Entwicklungsniveau hinter allen diesen Staaten zurückstehen.

Oder nehmen wir zum Beispiel unsere Roheisenerzeugung. Setzt man die Produktion von Roheisen im Jahre 1926/27 gleich 100 (2,9 Millionen Tonnen), so erhöht sich bei uns in drei Jahren, d. h. von 1927/28 bis 1929/30, die Produktion von Roheisen fast auf das Doppelte und erreicht 190 Prozent (5,5 Millionen Tonnen). Wie Sie sehen, ein ziemlich hohes Entwicklungstempo. Betrachtet man aber die Sache vom Standpunkt des Entwicklungsniveaus der Roheisenproduktion bei uns und vergleicht man das Ausmaß der Roheisenproduktion der UdSSR mit dem Produktionsausmaß der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder, so erhält man ein ziemlich unerfreuliches Bild. Zunächst einmal erreichen und überschreiten wir den Vorkriegsstand der Roheisenerzeugung erst im laufenden Jahre, 1929/30. Schon dies allein zwingt uns, die unerbittliche Schlussfolgerung zu ziehen, dass wir ohne eine weitere Beschleunigung des Entwicklungstempos im Hüttenwesen Gefahr laufen, das Geschick unserer gesamten Industrieproduktion in Frage zu stellen. Was das Entwicklungsniveau der Roheisenindustrie bei uns und im Westen betrifft, so haben wir folgendes Bild: Die Roheisenerzeugung betrug im Jahre 1929 in den USA 42,3 Millionen Tonnen, in Deutschland 13,4 Millionen Tonnen, in Frankreich 10,45 Millionen Tonnen, in England 7,7 Millionen Tonnen; in der UdSSR aber wird die Roheisenproduktion Ende 1929/30 insgesamt nur 5,5 Millionen Tonnen betragen.

Der Unterschied ist, wie Sie sehen, nicht gering.

Es ergibt sich also, dass wir in Bezug auf das Entwicklungsniveau der Roheisenerzeugung hinter allen diesen Staaten zurückstehen. Was besagt das alles?

Es besagt folgendes:

1. Das Entwicklungstempo der Industrie darf nicht verwechselt werden mit ihrem Entwicklungsniveau;

2. wir sind in Bezug auf das Entwicklungsniveau unserer Industrie hinter den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern verteufelt zurückgeblieben;

3. nur eine weitere Beschleunigung des Entwicklungstempos unserer Industrie wird uns die Möglichkeit verschaffen, die fortgeschrittenen kapitalistischen Länder in technisch-ökonomischer Beziehung einzuholen und zu überholen;

4. Leute, die von der Notwendigkeit einer Verlangsamung des Entwicklungstempos unserer Industrie schwatzen, sind Feinde des Sozialismus, Agenten unserer Klassenfeinde. (Beifall.)

4. Die Landwirtschaft und das Getreideproblem

Ich habe vorhin von der Lage der Landwirtschaft in ihrer Gesamtheit gesprochen, die Forstwirtschaft, Fischerei usw. einbegriffen, ohne auf die Hauptzweige der Landwirtschaft im Einzelnen einzugehen. Greift man aus der Landwirtschaft als Ganzem ihre wichtigsten Zweige wie zum Beispiel Getreidewirtschaft, Viehzucht, den Anbau gewerblicher Nutzpflanzen heraus, so zeigt sich laut Angaben der Staatlichen Plankommission und des Volkskommissariats für Landwirtschaft der UdSSR der Stand der Dinge wie folgt:

a) Setzt man die Anbaufläche für Getreidekulturen im Jahre 1913 gleich 100, so bietet die Entwicklung der Getreideanbauflächen in der Berichtsperiode folgendes Bild: 1926/27 96,9 Prozent, 1927/28 94,7 Prozent, 1928/29 98,2 Prozent; im laufenden Jahr, 1929/30, werden sie allem Anschein nach 105,1 Prozent der Vorkriegsfläche erreichen.

Auffallend ist hierbei die Tatsache des Rückgangs der Getreideanbauflächen im Jahre 1927/28. Dieser Rückgang erklärt sich nicht durch einen Verfall der Getreidewirtschaft, wie die Ignoranten im Lager der Rechtsopportunisten schwätzten, sondern durch das Eingehen der Wintersaaten auf einer Fläche von 7700000 Hektar (20 Prozent der gesamten Wintersaaten der UdSSR).

Setzt man weiter die Bruttoproduktion an Getreide im Jahre 1913 gleich 100, so erhält man folgendes Bild: 1927 91,9 Prozent, 1928 90,8 Prozent, 1929 94,4 Prozent; im Jahre 1930 aber haben wir allem Anschein nach an die 110 Prozent des Vorkriegsumfangs.

Hier fällt gleichfalls das Sinken der Getreidebruttoproduktion im Jahre 1928 auf, das sich durch das Eingehen der Wintersaaten in der Ukraine und im Nordkaukasus erklärt.

Was den auf den Markt gelangenden Teil des produzierten Gesamtgetreides (den Umsatz außerhalb des Dorfes) anbelangt, so ist das Bild noch lehrreicher. Setzt man den auf den Markt gelangten Teil des produzierten Getreides von 1913 gleich 100, so hatten wir 1927 37 Prozent, im Jahre 1928 36,8 Prozent, im Jahre 1929 58 Prozent; und im laufenden Jahr, 1930, werden wir allem Anschein nach mindestens 73 Prozent des Vorkriegsstands erreichen.

Daraus geht also hervor, dass wir in Bezug auf die Anbauflächen und die Bruttoproduktion an Getreide den Vorkriegsstand erst in diesem Jahr, 1930, erreichen und etwas überschreiten.

Weiter ergibt sich, dass wir, was die Produktion von Warengetreide anbelangt, den Vorkriegsstand noch bei weitem nicht erreicht haben und auch in diesem Jahr noch um etwa 25 Prozent unter diesem Stand bleiben werden.

Darin ist die Ursache unserer Getreideschwierigkeiten zu suchen, die sich im Jahre 1928 besonders verschärft hatten.

Darin liegt auch das Wesen des Getreideproblems.

b) Annähernd das gleiche Bild, aber mit noch beunruhigenderen Zahlen, beobachten wir auf dem Gebiet der Viehzucht.

Wenn wir den gesamten Viehbestand des Jahres 1916, alle Vieharten eingerechnet, gleich 100 setzen, so ergibt sich nach Jahren folgendes Bild: 1927 gab es, gemessen am Stand von 1916, 88,9 Prozent der Pferde, 114,3 Prozent der Rinder, 119,3 Prozent der Schafe und Ziegen, 111,3 Prozent der Schweine; im Jahre 1928 94,6 Prozent der Pferde, 118,5 Prozent der Rinder, 126 Prozent der Schafe und Ziegen, 126,1 Prozent der Schweine; im Jahre 1929 96,9 Prozent der Pferde, 115,6 Prozent der Rinder, 127,8 Prozent der Schafe und Ziegen, 103 Prozent der Schweine; im Jahre 1930 88,6 Prozent der Pferde, 89,1 Prozent der Rinder, 87,1 Prozent der Schafe und Ziegen, 60,1 Prozent der Schweine.

Wie Sie sehen, haben wir, wenn wir die Angaben für das letzte Jahr ins Auge fassen, deutliche Anzeichen eines beginnenden Rückgangs der Viehzucht.

Ein noch unerfreulicheres Bild erhalten wir vom Standpunkt der auf den Markt gelangenden Menge der Viehzuchtprodukte, besonders von Fleisch und Speck. Setzt man die Bruttoproduktion von Fleisch und Speck in jedem Jahr gleich 100, so sind davon auf den Markt gelangt im Jahre 1926 33,4 Prozent, im Jahre 1927 32,9 Prozent, im Jahre 1923 30,4 Prozent, im Jahre 1929 29,2 Prozent.

Wir haben demnach deutliche Anzeichen dafür, dass die kleine und wenig für den Markt produzierende Wirtschaft in der Viehzucht unbeständig und ökonomisch unverlässlich ist.

Es ergibt sich, dass wir, statt den Stand von 1916 in der Viehzucht überschritten zu haben, im letzten Jahr deutliche Anzeichen eines Absinkens unter diesen Stand feststellen müssen.

Somit tritt im Anschluss an das Getreideproblem, das wir im Wesentlichen schon erfolgreich lösen, das Fleischproblem an uns heran, das sich schon jetzt scharf geltend macht und Lösung heischt.

c) Ein anderes Bild bietet sich uns in der Entwicklung des Anbaus gewerblicher Nutzpflanzen, die Rohstoffe für unsere Leichtindustrie liefern. Setzt man die Anbaufläche für gewerbliche Nutzpflanzen von 1913 gleich 100, so haben wir für Baumwolle im Jahre 1927 107,1 Prozent, im Jahre 1928 131,4 Prozent, im Jahre 1929 151,4 Prozent, im Jahre 1930217 Prozent der Vorkriegsfläche; für 7lachs im Jahre 1927 86,6 Prozent, im Jahre 1928 95,7 Prozent, im Jahre 1929 112,9 Prozent, im Jahre 1930 125 Prozent der Vorkriegsfläche; für Zuckerrüben im Jahre 1927 106,6 Prozent, im Jahre 1928 124,2 Prozent, im Jahre 1929 125,8 Prozent, im Jahre 1930 169 Prozent der Vorkriegsfläche; für Ölpflanzen im Jahre 1927 179,4 Prozent, im Jahre 1928 230,9 Prozent, im Jahre 1929 219,7 Prozent, im Jahre 1930 mindestens 260 Prozent der Vorkriegsfläche.

Dasselbe in der Hauptsache günstige Bild zeigt die Bruttoproduktion von gewerblichen Nutzpflanzen. Setzt man die Bruttoproduktion des Jahres 1913 gleich 100, so betrug sie für Baumwolle im Jahre 1928 110,5 Prozent, im Jahre 1929 119 Prozent - im Jahre 1930 werden wir allem Anschein nach 182,8 Prozent der Vorkriegsmenge haben; für Flachs im Jahre 1928 71,6 Prozent, im Jahre 1929 81,5 Prozent - im Jahre 1930 wird sie allem Anschein nach 101,3 Prozent des Vorkriegsniveaus betragen; für Zuckerrüben im Jahre 1928 93 Prozent, im Jahre 1929 58 Prozent - im Jahre 1930 wird die Bruttoproduktion allem Anschein nach 139,4 Prozent des Vorkriegsumfangs erreichen; für Ölpflanzen im Jahre 1928 161,9 Prozent, im Jahre 1929 149,8 Prozent - im Jahre 1930 wird sie allem Anschein nach 220 Prozent des Vorkriegsniveaus ausmachen.

Die gewerblichen Nutzpflanzen bieten uns also ein günstigeres Bild, wenn wir die Zuckerrübenernte im Jahre 1929, die von Insekten verheert worden war, außer acht lassen.

Im übrigen sind auch hier, auf dem Gebiet der gewerblichen Nutzpflanzen, angesichts des Überwiegens der Kleinwirtschaft ernstliche Schwankungen und Anzeichen von Unbeständigkeit in Zukunft möglich und wahrscheinlich, ähnlich den sich in den angeführten Zahlen zeigenden Schwankungen und Anzeichen von Unbeständigkeit hinsichtlich Flachs und Ölpflanzen, die am wenigsten vom Einfluss der Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften erfasst werden.

Wir stehen demnach vor folgenden Problemen der Landwirtschaft: dem Problem der Stabilisierung des Anbaus gewerblicher Nutzpflanzen durch Versorgung der betreffenden Gebiete mit billigen Getreideprodukten in genügender Menge;

2. dem Problem der Hebung der Viehzucht und der Lösung der Fleischfrage durch Versorgung der entsprechenden Gebiete mit genügenden und billigen Getreideprodukten und Futtermitteln;

3. dem Problem der endgültigen Lösung der Frage der Getreidewirtschaft als der Hauptfrage der Landwirtschaft im gegenwärtigen Augenblick.

Daraus folgt, dass das Getreideproblem das wichtigste Kettenglied im System der Landwirtschaft und der Schlüssel zur Lösung aller anderen landwirtschaftlichen Probleme ist.

Daraus folgt, dass die Lösung des Getreideproblems die erste Aufgabe in der Reihe der Probleme der Landwirtschaft darstellt.

Aber das Getreideproblem lösen und dadurch die Landwirtschaft einem ernstlichen Aufstieg entgegenführen, das bedeutet, die Rückständigkeit der Landwirtschaft bis auf die Wurzel liquidieren, sie mit Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen ausrüsten, sie mit neuen Kadern wissenschaftlicher Fachkräfte versorgen, die Arbeitsproduktivität steigern, die Produktion für den Markt vergrößern. Ohne diese Voraussetzungen kann man von der Lösung des Getreideproblems nicht einmal träumen.

Können alle diese Voraussetzungen auf der Basis der individuellen Kleinbauernwirtschaft verwirklicht werden? Nein, das ist unmöglich. Es ist unmöglich, weil die kleine Bauernwirtschaft nicht imstande ist, der neuen Technik Einlas zu gewähren und sie zu meistern; sie ist nicht imstande, die Arbeitsproduktivität in genügendem Maße zu heben, sie ist nicht imstande, die landwirtschaftliche Warenproduktion im erforderlichen Maße zu steigern. Es bleibt nur ein Weg, der Weg der 'Vergrößerung der landwirtschaftlichen Betriebe, der Weg der Schaffung von Großwirtschaften, die mit modernen technischen Mitteln ausgerüstet sind.

Aber das Sowjetland kann nicht den Weg der Organisierung kapitalistischer Großwirtschaften einschlagen. Es kann allein und muss den Weg der Organisierung großer Betriebe von sozialistischem Typus gehen, die mit modernen technischen Mitteln ausgerüstet sind. Solche Betriebe nun sind bei uns eben die Sowjetwirtschaften und die Kollektivwirtschaften.

Daher die Aufgabe, Sowjetwirtschaften zu schaffen und die individuellen Kleinbauernwirtschaften in großen Kollektivwirtschaften zu vereinigen, als einziger Weg zur Lösung des Problems der Landwirtschaft überhaupt und des Getreideproblems im Besonderen.

Diesen Weg hat denn auch die Partei in ihrer tagtäglichen praktischen Arbeit nach dem XV. Parteitag beschritten, insbesondere, nachdem Anfang 1928 ernste Getreideschwierigkeiten zutage getreten waren.

Es muss bemerkt werden, dass dieses grundlegende Problem von unserer Partei schon auf dem XV. Parteitag als praktische Aufgabe auf die Tagesordnung gesetzt wurde, als es bei uns noch keine ernsten Getreideschwierigkeiten gab. In der bekannten Resolution des XV. Parteitags „Über die Arbeit auf dem Lande“ heißt es eindeutig:

„In der gegenwärtigen Periode muss die Aufgabe der Vereinigung und Umgestaltung der kleinen individuellen Bauernwirtschaften zu großen Kollektiven als die Hauptaufgabe der Partei auf dem Lande angesehen werden.“ [45]

Es ist vielleicht nicht überflüssig, auch die betreffende Stelle aus dem Rechenschaftsbericht des ZK an den XV. Parteitag anzuführen, wo das Problem, die Rückständigkeit der Landwirtschaft auf Basis der Kollektivierung zu liquidieren, ebenso scharf und bestimmt umrissen wird. Es heißt da:

„Wo ist nun der Ausweg? Der Ausweg liegt im Übergang der kleinen, zersplitterten Bauernwirtschaften zu großen, zusammengeschlossenen Wirtschaften auf der Grundlage der gesellschaftlichen Bodenbestellung, im Übergang zur kollektiven Bodenbestellung auf der Grundlage der modernen, höheren Technik.

Der Ausweg liegt darin, die bäuerlichen Klein- und Zwergwirtschaften allmählich, aber unentwegt, nicht durch Zwang, sondern durch Beispiel und Überzeugung zu Großwirtschaften zusammenzuschließen auf der Grundlage der gesellschaftlichen, gemeinschaftlichen, kollektiven Bodenbestellung, unter Anwendung landwirtschaftlicher Maschinen und Traktoren, unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden zur Intensivierung der Landwirtschaft.

Ändere Auswege gibt es nicht.“ [46]

5. Die Wendung der Bauernschaft zum Sozialismus
und das Entwicklungstempo beim Aufbau
der Sowjet- und Kollektivwirtschaften

Die Wendung der Bauernschaft zur Kollektivierung trat nicht plötzlich ein. Sie, diese Wendung, konnte auch nicht plötzlich eintreten. Wohl wurde die Losung der Kollektivierung von der Partei schon auf dem XV. Parteitag proklamiert. Aber damit sich die Bauernmassen zum Sozialismus hinwenden, ist die Verkündung einer Losung noch nicht genügend. Für diese Wendung ist mindestens noch ein Umstand erforderlich, und zwar, dass die Bauernmassen selbst sich von der Richtigkeit der verkündeten Losung überzeugen und sie zu ihrer eigenen Losung machen. Deshalb ist diese Wendung von langer Hand vorbereitet worden.

Sie wurde vorbereitet durch den ganzen Gang unserer Entwicklung, durch den ganzen Entwicklungsgang unserer Industrie, vor allem aber durch die Entwicklung derjenigen Industrien, die Maschinen und Traktoren für die Landwirtschaft liefern. Sie wurde vorbereitet durch die Politik des entschlossenen Kampfes gegen das Kulakentum und durch die Abwicklung unserer Getreidebeschaffung in ihren neuen Formen während der Jahre 1928 und 1929, durch die die Kulakenwirtschaft unter die Kontrolle der Massen der armen und Mittelbauern gestellt wird. Sie wurde vorbereitet durch die Entwicklung der landwirtschaftlichen Genossenschaften, die den einzeln wirtschaftenden Bauern an den kollektiven Wirtschaftsbetrieb gewöhnen. Sie wurde vorbereitet durch das Netz der Kollektivwirtschaften, wo der Bauer die Überlegenheit der kollektiven Formen der Wirtschaft gegenüber der individuellen Wirtschaft erprobte. Sie wurde schließlich vorbereitet durch das Netz der Sowjetwirtschaften, die über die ganze UdSSR verstreut und mit modernen technischen Mitteln ausgerüstet sind und die dem Bauern die Möglichkeit boten, sich von der Kraft und den Vorzügen der neuen Technik zu überzeugen.

Es wäre falsch, in unseren Sowjetwirtschaften bloß eine Quelle von Getreidevorräten zu sehen. In Wirklichkeit waren die Sowjetwirtschaften mit ihrer neuen Technik, mit der Hilfe, die sie den umwohnenden Bauern leisten, mit ihrem beispiellosen wirtschaftlichen Schwung jene führende Macht, die den Bauernmassen die Wendung erleichtert und sie auf den Weg der Kollektivierung gebracht hat.

Das ist die Grundlage, der die kollektivwirtschaftliche Massenbewegung von Millionen armen und Mittelbauern entsprungen ist, die im zweiten Halbjahr 1929 begonnen und die Periode des großen Umschwungs im Leben unseres Landes eröffnet hat.

Welche Maßnahmen traf das ZK, um dieser Bewegung in voller Rüstung zu begegnen und sich an ihre Spitze zu stellen?

Die Maßnahmen des ZK bewegen sich auf drei Linien: auf der Linie der Organisierung von Sowjetwirtschaften und ihrer Finanzierung, auf der Linie der Organisierung von Kollektivwirtschaften und ihrer Finanzierung sowie schließlich auf der Linie der Organisierung der Produktion von Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen und der Versorgung des Dorfes mit diesen Maschinen durch die Maschinen- und Traktorenstationen, durch die Traktorenkolonnen usw.

a) Schon im April 1928 beschloss das Politbüro des ZK die Organisierung von neuen Sowjetwirtschaften in den nächsten 3 bis 4 Jahren mit der Maßgabe, dass diese Sowjetwirtschaften am Ende dieser Frist mindestens 100 Millionen Pud Warengetreide liefern können. Dieser Beschluss wurde später vom ZK-Plenum bestätigt. Es wurde ein Getreidetrust organisiert, der mit der Durchführung dieses Beschlusses beauftragt wurde. Gleichzeitig wurde beschlossen, die alten Sowjetwirtschaften zu festigen und ihre Anbaufläche zu erweitern. Es wurde eine Zentrale für Sowjetwirtschaften gegründet, die den Auftrag erhielt, diesen Beschluss zu verwirklichen.

Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass diese Beschlüsse den opportunistischen Teil unserer Partei in Harnisch brachten. Man hörte sagen, das in den Sowjetwirtschaften angelegte Geld sei „hinausgeworfenes“ Geld. Es gab auch eine Kritik seitens der Männer der „Wissenschaft“, unterstützt von den opportunistischen Elementen der Partei, wonach die Organisierung großer Sowjetwirtschaften unmöglich und sinnlos sei. Aber das ZK setzte seine Linie fort und führte sie trotz alledem mit aller Konsequenz durch.

Im Jahre 1927/28 wurden für die Finanzierung von Sowjetwirtschaften (kurzfristige Umsatzkredite nicht mitgerechnet) 65,7 Millionen Rubel bereitgestellt; im Jahre 1928/29 185,8 Millionen Rubel; schließlich im laufenden Jahr 856,2 Millionen Rubel. Den Sowjetwirtschaften wurden in der Berichtsperiode 18000 Traktoren mit insgesamt 350000 PS zur Verfügung gestellt.

Welche Ergebnisse zeitigten diese Maßnahmen?

Die Anbaufläche des Getreidetrusts betrug im Jahre 1928/29 150000 Hektar, im Jahre 1929/30 1060000 Hektar, im Jahre 1930/31 wird sie 4,5 Millionen Hektar, im Jahre 1931/32 9 Millionen Hektar und im Jahre 1932/33, das heißt zum Ende des Planjahrfünfts, 14 Millionen Hektar betragen. Die Anbaufläche der Zentrale für Sowjetwirtschaften betrug 1928/29 430000 Hektar, 1929/30 860000 Hektar, im Jahre 1930/31 wird sie 1800000 Hektar, im Jahre 1931/32 2 Millionen Hektar und 1932133 2,5 Millionen Hektar betragen. Die Anbaufläche der Ukrainischen Vereinigung der Sowjetwirtschaften betrug 1928/29 170000 Hektar, im Jahre 1929/30 280000 Hektar, im Jahre 1930/31 wird sie 500000 Hektar und im Jahre 1932/33 720000 Hektar betragen. Die Getreideanbaufläche des Zuckerverbands betrug 1928/29 780000 Hektar, 1929/30 820000 Hektar, 1930/31 wird sie 860 000 Hektar, 1931/32 980000 Hektar und 1932/33 990000 Hektar betragen.

Dies bedeutet erstens, dass allein der Getreidetrust bis zum Ende des Planjahrfünfts eine ebenso große Getreideanbaufläche haben wird, wie sie jetzt ganz Argentinien hat. (Beifall.)

Dies bedeutet zweitens, dass alle Sowjetwirtschaften zusammengenommen gegen Ende des Planjahrfünfts 1 Million Hektar Getreideanbauflächen mehr haben werden, als sie heute ganz Kanada hat. (Beifall.)

Was die auf die Sowjetwirtschaften entfallende Bruttogetreideproduktion und Warengetreideproduktion anbelangt, so haben wir im Laufe der Jahre folgende Entwicklung: Im Jahre 1927/28 betrug die Bruttoproduktion sämtlicher Sowjetwirtschaften 9,5 Millionen Doppelzentner, davon Warengetreide 6,4 Millionen Doppelzentner; im Jahre 1928129 12,8 Millionen Doppelzentner, davon Warengetreide 7,9 Millionen Doppelzentner; im Jahre 1929130 werden es voraussichtlich 28,2 Millionen Doppelzentner sein, davon Warengetreide 18 Millionen Doppelzentner (108 Millionen Pud); im Jahre 1930/31 werden wir 71,7 Millionen Doppelzentner haben, davon Warengetreide 61 Millionen Doppelzentner (370 Millionen Pud) usw. usf.

Das sind die vorhandenen und die zu erwartenden Ergebnisse der Politik unserer Partei auf dem Gebiet der Sowjetwirtschaften.

Laut Beschluss des Politbüros des ZK vom April 1928 über die Organisierung neuer Sowjetwirtschaften sollten wir von den neuen Sowjetwirtschaften im Jahre 1931/32 mindestens 100 Millionen Pud Warengetreide erhalten. In Wirklichkeit ist es so, dass wir schon im Jahre 1931/32 allein von den neuen Sowjetwirtschaften mehr als 200 Millionen Pud erhalten werden. Es ergibt sich eine Übererfüllung des Programms zu 200 Prozent.

Daraus folgt, dass diejenigen, die über den Beschluss des Politbüros des ZK spotteten, über sich selbst Hohn und Spott gebracht haben.

Laut denn vom Sowjetkongress bestätigten Fünfjahrplan sollten wir gegen Ende des Planjahrfünfts in allen Sowjetwirtschaften sämtlicher Systeme 5 Millionen Hektar Anbaufläche haben. In Wirklichkeit haben wir schon in diesem Jahr in den Sowjetwirtschaften eine Anbaufläche von 3,8 Millionen Hektar, und im nächsten Jahr, das heißt im dritten Jahr des Planjahrfünfts, werden wir 8 Millionen Hektar Anbaufläche haben.

Dies bedeutet, dass wir das Fünfjahrprogramm des Aufbaus der Sowjetwirtschaften in drei Jahren erfüllen und übererfüllen.

Laut Fünfjahrplan sollten wir gegen Ende des Planjahrfünfts eine Getreidebruttoproduktion der Sowjetwirtschaften in Höhe von 54,3 Millionen Doppelzentner haben. In Wirklichkeit haben wir von den Sowjetwirtschaften schon in diesem Jahr eine Getreidebruttoproduktion in Höhe von 28,2 Millionen Doppelzentner, und im nächsten Jahr werden wir 71,7 Millionen Doppelzentner haben.

Dies bedeutet, dass wir in der Getreidebruttoproduktion den Fünfjahrplan in drei Jahren erfüllen und übererfüllen. Der Fünfjahrplan in drei Jahren!

Mögen jetzt die bürgerlichen Schreiberseelen und ihre opportunistischen Nachbeter daherschwätzen, es sei nicht möglich, den Fünfjahrplan des Aufbaus von Sowjetwirtschaften in drei Jahren zu erfüllen und überzuerfüllen.

b) Was den Aufbau von Kollektivwirtschaften anbelangt, so ist das Bild hier noch günstiger.

Schon im Juli 1928 fasste das ZK-Plenum folgenden Beschluss über den kollektivwirtschaftlichen Aufbau:

„Unentwegt durchzuführen ist die vom XV. Parteitag gestellte Aufgabe der ‚Vereinigung und Umgestaltung der kleinen individuellen Bauernwirtschaften zu großen Kollektiven' als zu freiwilligen Vereinigungen, die auf der Basis der neuen Technik errichtet werden und eine höhere Form der Getreidewirtschaft darstellen, sowohl im Sinne der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft als auch im Sinne der Sicherung einer radikalen Steigerung ihrer Produktivität und Warenproduktion.“ (Siehe Resolution des Juliplenums des ZK „Über die Politik der Getreidebeschaffung im Zusammenhang mit der all-gemeinen Wirtschaftslage“, 1928.) [47]

Im Weiteren wurde dieser Beschluss durch die Resolutionen der XVI. Parteikonferenz und durch eine vom Novemberplenum des ZK im Jahre 1929 angenommene besondere Resolution über die Kollektivwirtschaftsbewegung [48] bestätigt. Im zweiten Halbjahr 1929, als sich die grundlegende Wendung der Bauernschaft zu den Kollektivwirtschaften anbahnte und als die Mittelbauernschaft in ihrer Masse in die Kollektivwirtschaften eintrat, fasste das Politbüro des ZK einen speziellen, vom 5. Januar 1930 datierten Beschluss „Über das Tempo der Kollektivierung und die Hilfsmaßnahmen des Staates für den kollektivwirtschaftlichen Aufbau“.

In dieser Resolution hat das ZK:

1. die Wendung der Bauernmassen zu den Kollektivwirtschaften festgestellt und die Möglichkeit nachgewiesen, den Fünfjahrplan des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus im Frühjahr 1930 überzuerfüllen;

2. das Vorhandensein der materiellen und sonstigen Voraussetzungen festgestellt, die notwendig sind zur Ersetzung der kulakischen Produktion durch die Produktion der Kollektivwirtschaften, und es im Zusammenhang damit für notwendig erklärt, von der Politik der Einschränkung zur Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse überzugehen;

3. die Perspektive gegeben, dass schon im Frühjahr 1930 die auf vergesellschafteter Grundlage bearbeitete Saatfläche 30 Millionen Hektar bedeutend übersteigen wird;

4. die UdSSR in drei Gruppen von Gebieten eingeteilt und für jede von ihnen Orientierungstermine festgelegt, bis zu denen die Kollektivierung im Großen und Ganzen vollendet sein soll;

5. die Methoden der Flurbereinigung zugunsten der Kollektivwirtschaften sowie die Formen der Finanzierung der Landwirtschaft revidiert und für die Kollektivwirtschaften im Jahre 1929/30 Kredite in Höhe von mindestens 500 Millionen Rubel vorgesehen;

6. die Artelform der Kollektivierungsbewegung als das Hauptglied des Kollektivwirtschaftssystems im gegenwärtigen Augenblick festgesetzt;

7. den opportunistischen Elementen in der Partei, die wegen des Mangels an Maschinen und Traktoren die Kollektivwirtschaftsbewegung zu hemmen suchen, eine Abfuhr erteilt;

8. schließlich die Parteifunktionäre gewarnt vor eventuellen Überspitzungen in der Kollektivwirtschaftsbewegung und vor der Gefahr einer Dekretierung des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus von oben, vor der Gefahr einer Ersetzung der wirklichen und von den Massen getragenen Kollektivierungsbewegung durch ein Spielen mit Kollektivierung.

Es muss bemerkt werden, dass dieser Beschluss des ZK von den opportunistischen Elementen unserer Partei mehr als unfreundlich aufgenommen wurde. Man hörte reden und tuscheln, das ZK versteige sich zu Phantastereien, es „vergeude“ Volksgelder für „nicht existierende“ Kollektivwirtschaften. Die rechten Elemente rieben sich die Hände und schwelgten im Vorgefühl des „garantierten“ Reinfalls. Aber das ZK verfolgte seine Linie mit aller Beharrlichkeit und führte sie trotz alledem mit aller Konsequenz durch, trotz des spießerischen Kicherns der Rechten, trotz der Überspitzungen und des Taumels der „Linken“.

Für die Finanzierung der Kollektivwirtschaften wurden im Jahre 1927/28 76 Millionen Rubel, im Jahre 1928/29 170 Millionen Rubel, schließlich im laufenden Jahr 473 Millionen Rubel bereitgestellt. Außerdem wurden 65 Millionen Rubel dem Kollektivierungsfonds überwiesen. Es wurden Vergünstigungen für die Kollektivwirtschaften festgesetzt und damit die finanziellen Hilfsmittel der Kollektivwirtschaften um 200 Millionen Rubel erhöht. Den Kollektivwirtschaften wurde das Wirtschaftsinventar der enteigneten Kulaken im Werte von mehr als 400 Millionen Rubel übereignet. Für die Bearbeitung der Kollektivwirtschaftsfelder wurden nicht weniger als 30000 Traktoren mit einer Gesamtkapazität von mehr als 400000 PS bereitgestellt, nicht mitgerechnet 7000 Traktoren der Traktorenzentrale, die für Kollektivwirtschaften arbeiten, und die Traktorenhilfe, die den Kollektivwirtschaften vom System der Sowjetwirtschaften geleistet wird. Die Kollektivwirtschaften erhielten in diesem Jahr Saatgutdarlehen und Hilfe mit Saatgut in Höhe von 10 Millionen Doppelzentner Getreide (61 Millionen Pud). Schließlich wurden die Kollektivwirtschaften unmittelbar organisatorisch unterstützt bei der Schaffung von Maschinen- und Pferdeausleihstellen, deren es über 7000 mit nicht weniger als 1,3 Millionen Pferden gibt.

Welche Ergebnisse zeitigten diese Maßnahmen?

Die Anbaufläche der Kollektivwirtschaften betrug 1927 0,8 Millionen Hektar, 1928 1,4 Millionen Hektar, 1929 4,3 Millionen Hektar, 1930 mindestens 36 Millionen Hektar, Sommer- und Wintersaat zusammengerechnet.

Dies bedeutet erstens, dass die Anbaufläche der Kollektivwirtschaften in drei Jahren auf mehr als das Vierzigfache angewachsen ist. (Beifall.)

Es bedeutet zweitens, dass unsere Kollektivwirtschaften jetzt eine ebenso große Anbaufläche besitzen wie Frankreich und Italien zusammen. (Beifall.)

Was die Bruttogetreideproduktion und die Warengetreideproduktion anbelangt, so erhalten wir folgendes Bild: Im Jahre 1927 bekamen wir von den Kollektivwirtschaften 4,9 Millionen Doppelzentner Getreide, davon 2 Millionen Doppelzentner Warengetreide; im Jahre 1928 8,4 Millionen Doppelzentner, davon 3,6 Millionen Doppelzentner Warengetreide; im Jahre 1929 29,1 Millionen Doppelzentner, davon 12,7 Millionen Doppelzentner Warengetreide; im Jahre 1930 werden wir voraussichtlich 256 Millionen Doppelzentner erhalten (1550 Millionen Pud), davon mindestens 82 Millionen Doppelzentner (über 500 Millionen Pud) Warengetreide.

Es muss zugegeben werden, dass noch kein einziger Zweig unserer Industrie, die sich im Allgemeinen mit hinreichender Beschleunigung entwickelt, ein so beispielloses Aufstiegstempo gezeigt hat wie der kollektivwirtschaftliche Aufbau.

Was besagen alle diese Zahlen?

Sie besagen vor allem, dass die Bruttogetreideproduktion der Kollektivwirtschaften in drei Jahren auf mehr als das Fünfzigfache gestiegen ist und die Produktion von Warengetreide auf mehr als das Vierzigfache.

Sie besagen zweitens, dass wir die Möglichkeit haben, in diesem Jahr von den Kollektivwirtschaften mehr als die Hälfte der gesamten Warengetreideproduktion des Landes zu erhalten.

Sie besagen drittens, dass das Schicksal der Landwirtschaft und ihrer Hauptprobleme von jetzt an nicht von den individuellen Bauernwirtschaften, sondern von den Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften entschieden wird.

Sie besagen viertens, dass der Prozess der Liquidierung des Kulakentums als Klasse bei uns mit Volldampf vorwärts schreitet.

Sie besagen schließlich, dass im Lande bereits ökonomische Wandlungen vor sich gegangen sind, die uns allen Grund geben zu der Behauptung, dass es uns gelungen ist, das Dorf auf einen neuen Weg, auf den Weg der Kollektivierung, zu führen und damit den erfolgreichen Aufbau des Sozialismus nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Lande zu sichern.

In seinem Beschluss vom 5. Januar 1930 hat das Politbüro des ZK für das Frühjahr 1930 ein Programm festgesetzt, wonach die auf vergesellschafteter Grundlage bearbeitete kollektivwirtschaftliche Anbaufläche 30 Millionen Hektar betragen soll. In Wirklichkeit aber haben wir 36 Millionen Hektar. Das Programm des ZK ist also übererfüllt worden.

Daraus folgt, dass diejenigen, die über den Beschluss des ZK spotteten, über sich selbst Hohn und Spott gebracht haben. Den opportunistischen Schwätzern in unserer Partei haben weder die kleinbürgerliche Anarchie noch die Überspitzungen in der Kollektivwirtschaftsbewegung geholfen.

Laut Fünfjahrplan sollten wir gegen Ende des Planjahrfünfts in den Kollektivwirtschaften 20,6 Millionen Hektar Anbaufläche haben. In Wirklichkeit aber haben wir schon in diesem Jahr 36 Millionen Hektar Anbaufläche in den Kollektivwirtschaften.

Dies bedeutet, dass wir das Fünfjahrprogramm des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus in zwei Jahren zu mehr als 150 Prozent übererfüllt haben. (Beifall.)

Laut Fünfjahrplan sollten wir gegen Ende des Planjahrfünfts in den Kollektivwirtschaften eine Bruttogetreideproduktion von 190,5 Millionen Doppelzentner haben. In Wirklichkeit werden wir in den Kollektivwirtschaften schon in diesem Jahr eine Bruttogetreideproduktion von 256 Millionen Doppelzentner haben.

Dies bedeutet, dass wir das Fünfjahrprogramm der kollektivwirtschaftlichen Getreideproduktion in zwei Jahren um mehr als 30 Prozent übererfüllen.

Der Fünfjahrplan in zwei Jahren! (Beifall.)

Mögen jetzt die opportunistischen Klatschbasen behaupten, es sei nicht möglich, den Fünfjahrplan des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus in zwei Jahren zu erfüllen und überzuerfüllen.

6. Die Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage
der Arbeiter und Bauern

Es ergibt sich demnach, dass das fortschreitende Wachstum des sozialistischen Sektors sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft eine Tatsache ist, die keinerlei Zweifel unterliegt.

Was kann dies vom Standpunkt der materiellen Lage der Werktätigen bedeuten?

Das bedeutet, dass damit bereits die Grundlagen für eine radikale Verbesserung der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiter und Bauern geschaffen sind.

Warum, auf welche Weise?

Erstens darum, weil das Wachstum des sozialistischen Sektors vor allem eine Verminderung der Ausbeuterelemente in Stadt und Land, eine Abnahme ihres Gewichts in der Volkswirtschaft bedeutet. Dies aber bedeutet, dass der Anteil der Arbeiter und Bauern am Volkseinkommen des Landes unvermeidlich wachsen muss auf Kosten des Anteils der Ausbeuterklassen.

Zweitens darum, weil bei einem Wachstum des vergesellschafteten (sozialistischen) Sektors derjenige Teil des Volkseinkommens, der bisher die Pfründe der Ausbeuterklassen und ihres Gesindes bildete, von jetzt an in der Produktion selbst bleiben muss zur Erweiterung der Produktion, zum Bau neuer Industriebetriebe, zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Werktätigen. Dies aber bedeutet, dass die Arbeiterklasse an Zahl und Kraft wachsen, die Erwerbslosigkeit dagegen zurückgehen und versickern muss.

Schließlich darum, weil das Wachstum des vergesellschafteten Sektors, da es zur Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiterklasse führt, ein fortschreitendes Wachstum der Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes bedeutet, vergrößerte Nachfrage der Arbeiter und Bauern nach Industrieprodukten. Dies aber bedeutet, dass das Wachstum des inneren Marktes dem Wachstum der Industrie vorauseilen und diese vorwärts treiben wird, zu unaufhörlicher Erweiterung.

Alle diese und ähnliche Umstände bewirken, dass sich die materielle und kulturelle Lage der Arbeiter und Bauern ununterbrochen verbessert.

a) Beginnen wir mit der Frage des zahlenmäßigen Wachstums der Arbeiterklasse und des Rückgangs der Erwerbslosigkeit.

Betrug die Zahl der Lohn- und Gehaltsempfänger (ohne Erwerbslose) im Jahre 1926/27 10990000, so hatten wir im Jahre 1927/28 11456000, im Jahre 1928/29 11997000, und im Jahre 1929/30 wird sie voraussichtlich mindestens 13129000 erreichen. Davon waren Arbeiter (Landarbeiter und Saisonarbeiter inbegriffen) im Jahre 1926/27 7069000, im Jahre 1927/28 7404000, im Jahre 1928/29 7758000, im Jahre 1929/30 8533000. Arbeiter der Großindustrie (ohne Angestellte) waren davon im Jahre 1926/27 2439000, im Jahre 1927/28 2632000, im Jahre 1928/29 2858000 und im Jahre 1929/30 3029000.

Dies bedeutet, dass wir das Bild eines stetigen Ansteigens der zahlenmäßigen Stärke der Arbeiterklasse haben, wobei, wenn die Zahl der Lohn- und Gehaltsempfänger in drei Jahren um 19,5 Prozent und die der Arbeiter um 20,7 Prozent gestiegen ist, die Zahl der Industriearbeiter sich um 24,2 Prozent erhöht hat.

Gehen wir zur Frage der Arbeitslosigkeit über. Auf diesem Gebiet herrscht, das muss man sagen, sowohl beim Volkskommissariat für Arbeit als auch beim Zentralrat der Gewerkschaften ein großes Durcheinander.

Einerseits geht aus den Angaben dieser Institutionen hervor, dass wir ungefähr 1 Million Arbeitslose haben, von denen die mit minimaler Qualifikation nur 14,3 Prozent ausmachen, während etwa 73 Prozent aus Leuten so genannter intellektueller Arbeit und aus Ungelernten bestehen, wobei die gewaltige Mehrheit der letzteren Frauen und Jugendliche sind, die noch nichts mit industrieller Produktion zu tun gehabt haben.

Anderseits leiden wir nach denselben Angaben einen schrecklichen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, die Arbeitsnachweise können die Nachfrage unserer Betriebe nach Arbeitskräften zu 80 Prozent nicht befriedigen, und wir sind daher gezwungen, schnellstens, buchstäblich von heut auf morgen ganz unqualifizierte Leute zu schulen und zu qualifizierten Facharbeitern zu machen, um die Bedürfnisse unserer Betriebe auch nur minimal befriedigen zu können.

Man versuche da, sich in diesem Durcheinander zurechtzufinden. Klar ist jedenfalls, dass diese Arbeitslosen keine Reservearmee unserer Industrie und noch weniger eine ständige Arbeitslosenarmee bilden. Und was ergibt sich? Selbst aus den Angaben des Volkskommissariats für Arbeit geht hervor, dass in der letzten Zeit die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 700000 zurückgegangen ist. Dies bedeutet einen Rückgang der Zahl der Arbeitslosen bis zum 1. Mai dieses Jahres um mehr als 42 Prozent.

Hier haben Sie ein weiteres Ergebnis des Wachstums des sozialistischen Sektors in unserer Volkswirtschaft.

b) Zu einem noch erstaunlicheren Ergebnis kommt man, wenn man die Sache vom Gesichtspunkt der Verteilung des Volkseinkommens auf die Klassen betrachtet. Die Frage der Verteilung des Volkseinkommens auf die Klassen ist die Schlüsselfrage vom Gesichtspunkt der materiellen und kulturellen Lage der Arbeiter und Bauern. Nicht umsonst bemühen sich die bürgerlichen Ökonomen in Deutschland, England, den USA, diese Frage zugunsten der Bourgeoisie zu verwirren, indem sie immer wieder ihre „völlig objektiven“ Untersuchungen darüber veröffentlichen.

Nach den Angaben des deutschen Statistischen Reichsamts betrug der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen Deutschlands im Jahre 1929 70 Prozent, der Anteil der Bourgeoisie aber 30 Prozent. Nach den Angaben der Federal Trade Commission [Föderale Handelskommission] und des National Bureau of Economic Research [Nationales Büro für ökonomische Untersuchungen] betrug der Anteil der Arbeiter am Volkseinkommen der USA im Jahre 1923 über 54 Prozent, der Anteil der Kapitalisten aber etwas über 45 Prozent. Schließlich betrug nach den Angaben der Ökonomen Bowley und Stamp der Anteil der Arbeiterklasse am Volkseinkommen Englands im Jahre 1924 etwas weniger als 50 Prozent, der Anteil der Kapitalisten aber etwas mehr als 50 Prozent des Volkseinkommens Englands.Es ist klar, dass man die Ergebnisse dieser Erhebungen nicht unbesehen hinnehmen darf. Man darf das nicht, da es bei diesen Untersuchungen außer Verfehlungen rein ökonomischer Art noch Verfehlungen einer anderen Art gibt, die zum Ziele haben, teilweise das Einkommen der Kapitalisten zu verschleiern und es geringer hinzustellen, als es ist, teilweise aber die Einkünfte der Arbeiterklasse aufzubauschen und größer hinzustellen, als sie sind, indem man zu den Arbeitern Beamte hinzuzählt, die kolossale Gehälter beziehen. Ich rede schon gar nicht davon, dass bei diesen Untersuchungen die Einkünfte der Farmer und überhaupt der ländlichen Kapitalisten häufig nicht berücksichtigt werden.

Genosse Varga hat diese Angaben einer kritischen Analyse unterzogen. Und er kam zu folgendem Ergebnis: Es zeigt sich, dass der Anteil der Arbeiter und der übrigen Werktätigen in Stadt und Land, die keine fremde Arbeit ausbeuten, in Deutschland 55 Prozent des Volkseinkommens betrug, in den USA 54 Prozent, in England 45 Prozent; der Anteil der Kapitalisten aber in Deutschland 45 Prozent, in den USA 46 Prozent, in England 55 Prozent.

So liegen die Dinge in den größten kapitalistischen Ländern. Wie aber liegen die Dinge in der UdSSR?

Hier sind die Angaben der Staatlichen Plankommission. Es zeigt sich folgendes:

a) Der Anteil der Arbeiter und der werktätigen Bauern, die keine fremde Arbeit ausbeuten, betrug bei uns im Jahre 1927/28 75,2 Prozent des gesamten Volkseinkommens (darunter der Anteil der städtischen und ländlichen Arbeiter 33,3 Prozent), im Jahre 1928/29 76,5 Prozent (darunter der Anteil der städtischen und ländlichen Arbeiter 33,2 Prozent), im Jahre 1929/30 77,1 Prozent (darunter der Anteil der städtischen und ländlichen Arbeiter 33,5 Prozent).

b) Der Anteil der Kulaken und der städtischen Kapitalisten betrug im Jahre 1927/28 8,1 Prozent, im Jahre 1928/29 6,5 Prozent, im Jahre 1929/30 1,8 Prozent.

c) Der Anteil der Kleingewerbetreibenden, deren Mehrheit ein werktätiges Element darstellt, betrug im Jahre 1927/28 6,5 Prozent, im Jahre 1928129 5,4 Prozent, im Jahre 1929/30 4,4 Prozent.

d) Der Anteil des staatlichen Sektors, dessen Einkünfte Einkünfte der Arbeiterklasse und überhaupt der werktätigen Massen sind, betrug im Jahre 1927/28 8,4 Prozent, im Jahre 1928/29 10 Prozent, im Jahre 1929/30 15,2 Prozent.

e) Schließlich betrug der Anteil der so genannten Sonstigen (gemeint sind Pensionsempfänger) im Jahre 1927/28 1,8 Prozent, im Jahre 1928/29 1,6 Prozent, im Jahre 1929/30 1,5 Prozent.

Es ergibt sich also, dass, während in den führenden kapitalistischen Ländern der Anteil der Ausbeuterklassen am Volkseinkommen ungefähr 50 Prozent, manchmal aber auch mehr beträgt, bei uns, in der UdSSR, der Anteil der Ausbeuterklassen nicht mehr als 2 Prozent des Volkseinkommens beträgt.

Hierdurch erklärt sich denn auch die frappierende Tatsache, dass in den USA im Jahre 1922, wie der amerikanische bürgerliche Schriftsteller Denny mitteilt, „ein Prozent der Eigentümer 59 Prozent des gesamten Nationalreichtums besaßen“, in England aber im Jahre 1920/21, wie der gleiche Denny angibt, „weniger als zwei Prozent der Eigentümer 64 Prozent des gesamten Nationalreichtums besaßen“. (Siehe das Büchlein Dennys „Amerika erobert Britannien“.)

Können derartige Tatsachen bei uns, in der UdSSR, im Lande der Sowjets, vorkommen? Natürlich nicht. In der UdSSR gibt es schon längst keine derartigen „Eigentümer“ mehr und kann es sie auch nicht geben.

Wenn aber in der UdSSR im Jahre 1929/30 insgesamt nur ungefähr 2 Prozent des Volkseinkommens für die Ausbeuterklassen abfallen, wohin gelangt dann die übrige Masse des Volkseinkommens?

Es ist klar, dass sie in den Händen der Arbeiter und der werktätigen Bauern verbleibt.

Hier ist die Quelle der Kraft und des Ansehens der Sowjetmacht bei den Millionenmassen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft.

Hier ist die Grundlage für das systematische Anwachsen des materiellen Wohlstands der Arbeiter und der Bauern in der UdSSR.

f) Im Lichte dieser entscheidenden Tatsachen begreift man vollauf das systematische Steigen des Reallohnes der Arbeiter, die Vergrößerung des Haushalts der Sozialversicherung für Arbeiter, die verstärkte Hilfeleistung an die Wirtschaften der armen und Mittelbauern, die vermehrten Bewilligungen für den Bau von Arbeiterwohnungen, für die Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter, für Mutter- und Säuglingsschutz und im Zusammenhang damit die fortschreitende Bevölkerungszunahme in der UdSSR bei gleichzeitigem Rückgang der Sterblichkeit, besonders der Kindersterblichkeit.

Bekannt ist zum Beispiel, dass der Reallohn der Arbeiter, wenn man die Sozialversicherung und die Gewinnüberweisungen an den Fonds zur Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiter berücksichtigt, gegenüber dem Vorkriegsstand auf 167 Prozent gestiegen ist. Allein der Haushalt der Sozialversicherung für Arbeiter ist in den letzten drei Jahren von 980 Millionen Rubel im Jahre 1927/28 auf 1400 Millionen Rubel im Jahre 1929/30 angewachsen. Für Mutter- und Säuglingsschutz wurden in den letzten drei Jahren (1927/28-1929/30) 494 Millionen Rubel verausgabt. Für Vorschulerziehung (Kindergärten, Spielplätze usw.) wurden im gleichen Zeitraum 204 Millionen Rubel ausgegeben, für den Bau von Arbeiterwohnungen 1880 Millionen Rubel.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass schon alles Notwendige für eine ernstliche Erhöhung des Reallohnes getan worden wäre, dass es unmöglich gewesen wäre, den Reallohn auf eine höhere Stufe zu bringen. Und wenn dies nicht getan wurde, so ist daran der Bürokratismus unseres Versorgungsapparates im Allgemeinen, der Bürokratismus der Konsumgenossenschaften vor allem und im Besonderen schuld. Nach den Angaben der Staatlichen Plankommission erfasst der vergesellschaftete Sektor im Binnenhandel 1929/30 beim Großhandel mehr als 99 Prozent und beim Einzelhandel mehr als 89 Prozent. Dies bedeutet, dass das Genossenschaftswesen den privaten Sektor systematisch verdrängt und auf dem Gebiet des Handels zum Monopolisten wird. Das ist natürlich gut. Schlecht aber ist, dass dieses Monopol in einer Reihe von Fällen den Verbrauchern Schaden bringt. Es zeigt sich, dass die Genossenschaften, trotz ihrer fast uneingeschränkten Monopolstellung im Handel, es vorziehen, die Arbeiter mit „einträglicheren“ Waren zu versorgen, die größere Gewinne abwerfen (Galanteriewaren usw.), und davon absehen, sie mit weniger „einträglichen“ Waren zu beliefern, auch wenn die Arbeiter diese notwendiger brauchen (landwirtschaftliche Produkte). Infolgedessen sind die Arbeiter genötigt, etwa 25 Prozent ihres Bedarfs an landwirtschaftlichen Produkten auf dem Privatmarkt zu decken, wo sie überhöhte Preise zahlen. Ich will schon gar nicht davon reden, dass der Genossenschaftsapparat sich in erster Linie um die Bilanz kümmert und infolgedessen allzu widerstrebend an die Herabsetzung der Einzelhandelspreise herangeht, ungeachtet der kategorischen Weisungen seitens der leitenden Zentralen. Es ergibt sich, dass das Genossenschaftswesen in diesem Falle nicht als sozialistischer Sektor handelt, sondern als ein eigenartiger Sektor, der von einer Art NÖPmanngeist angesteckt ist. Es fragt sich, wer ein derartiges Genossenschaftswesen braucht und welchen Nutzen die Arbeiter von seinem Monopol haben, wenn es die Aufgabe, den Reallohn der Arbeiter ernstlich zu verbessern, nicht erfüllt?

Und wenn trotzdem der Reallohn bei uns unausgesetzt von Jahr zu Jahr steigt, so bedeutet dies, dass unsere Gesellschaftsordnung, das System der Verteilung des Volkseinkommens und die gesamte Einstellung in Lohnfragen derart sind, dass sie die Möglichkeit haben, alle und jedwede Minusfaktoren, die von den Genossenschaften ausgehen, zu paralysieren und mehr als wettzumachen.

Fügt man diesem Umstand noch eine Reihe anderer Faktoren bei wie die zunehmende Bedeutung des Speisehallenwesens, die Verbilligung der Arbeiterwohnungen, die gewaltige Anzahl von Stipendien für Arbeiter und für Arbeiterkinder, die kulturelle Betreuung usw., so kann man ohne weiteres sagen, dass die Erhöhung der Arbeiterlöhne prozentual viel größer ist, als das in der Statistik mancher unserer Institutionen ausgewiesen wird.

All das zusammengenommen plus Überführung von mehr als 830000 Industriearbeitern (33,5 Prozent) auf den Siebenstundentag plus Überführung von mehr als 1,5 Millionen Industriearbeitern (63,4 Prozent) auf die Fünftagewoche plus Vorhandensein eines weit ausgedehnten Netzes von Erholungsheimen, Sanatorien und Kurorten für Arbeiter, in denen in den letzten drei Jahren mehr als 1,7 Millionen Arbeiter weilten - all das schafft der Arbeiterklasse Arbeits- und Lebensverhältnisse, die uns die Möglichkeit bieten, eine neue Generation von Arbeitern heranzubilden, die gesund und lebensfroh sind, die imstande sind, die Macht des Sowjetlandes auf die gebührende Höhe zu bringen und es unter Einsatz ihres Lebens gegen Anschläge der Feinde zu schützen. (Beifall.)

Was die Hilfeleistung an die Bauern, Einzelbauern wie Kollektivbauern, betrifft, so betrug sie in den letzten drei Jahren (1927/28-1929/30), die Unterstützung der Dorfarmut mitgerechnet, nicht weniger als 4 Milliarden Rubel, die ihnen als Kredite gewährt wurden oder im Rahmen des Staatshaushalts zugeflossen sind. Es ist bekannt, dass allein als Saatguthilfe den Bauern in diesen drei Jahren nicht weniger als 154 Millionen Pud Getreide geliefert worden sind.

Kein Wunder, dass die Arbeiter und Bauern bei uns im allgemeinen nicht schlecht leben, dass sich die Sterblichkeit der Bevölkerung im Vergleich zur Vorkriegszeit um 36 Prozent überhaupt und um 42,5 Prozent bei den Kindern vermindert hat, während der jährliche Zuwachs der Bevölkerung bei uns rund 3 Millionen ausmacht. (Beifall.)

Was die kulturelle Lage der Arbeiter und Bauern betrifft, so haben wir auch auf diesem Gebiet gewisse Errungenschaften, die uns jedoch angesichts ihrer Geringfügigkeit keinesfalls zufrieden stellen können. Sieht man ab von den Arbeiterklubs jeder Art, den Lesehallen, den Büchereien und den Stellen zur Liquidierung des Analphabetentums, die in diesem Jahr 10,5 Millionen Menschen erfassten, so stellt sich die Lage des Kultur- und Bildungswesens folgendermaßen dar: Die Grundschulen erfassen im laufenden Jahr 11638000 Schüler, die Schulen zweiter Stufe 1945000, die industriell-technischen, Transport- und Landwirtschaftsschulen sowie die Produktionskurse für Massenschulung 333100, die Techniken und ihnen gleichgestellte Berufsschulen 238700, die allgemeinen Hochschulen und technischen Hochschulen 190400. All das hat es ermöglicht, den Prozentsatz der des Lesens und Schreibens Kundigen in der UdSSR von 33 Prozent in der Vorkriegszeit auf 62,6 Prozent zu erhöhen.

Die Hauptsache ist jetzt, zur allgemeinen Grundschulpflicht überzugehen. Ich sage „die Hauptsache“, weil ein derartiger Übergang einen entscheidenden Schritt in der Kulturrevolution bedeuten würde. Dazu überzugehen, ist aber schon längst Zeit, denn wir haben jetzt alles, was notwendig ist für die Einführung der allgemeinen Grundschulpflicht in allen Gebieten der UdSSR.

Bisher waren wir gezwungen, „an allem zu sparen, sogar an den Schulen“, um „die Schwerindustrie zu retten, sie wiederherzustellen“ (Lenin). In letzter Zeit jedoch haben wir die Schwerindustrie bereits wiederhergestellt und bringen sie weiter vorwärts. Folglich ist die Zeit gekommen, in der wir die restlose Einführung der allgemeinen Grundschulpflicht in Angriff nehmen müssen.

Ich glaube, dass der Parteitag recht daran tun wird, wenn er in dieser Hinsicht einen bestimmten und absolut kategorischen Beschluss fasst. (Beifall.)

7. Die Schwierigkeiten des Wachstums,
der Kampf der Klassen und die Offensive des Sozialismus
an der ganzen Front

Ich sprach von unseren Errungenschaften bei der Entwicklung der Volkswirtschaft. Ich sprach von den Errungenschaften in der Industrie, in der Landwirtschaft, bei der Rekonstruktion der gesamten Volkswirtschaft nach den Grundsätzen des Sozialismus. Ich sprach schließlich von den Errungenschaften bei der Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern.

Es wäre jedoch falsch, wenn man annehmen wollte, wir hätten diese Errungenschaften „leicht und ruhig“, sozusagen im Selbstlauf, ohne besondere Anstrengungen und ohne Willensanspannung, ohne Kampf und Erschütterungen erzielt. Solche Errungenschaften sind im Selbstlauf nicht zu erreichen. In Wirklichkeit haben wir diese Errungenschaften in entschlossenem Kampf gegen die Schwierigkeiten, in einem ernsten und langwierigen Kampf für die Überwindung der Schwierigkeiten erzielt.

Von Schwierigkeiten sprechen bei uns alle. Aber nicht alle legen sich Rechenschaft ab über den Charakter dieser Schwierigkeiten. Indessen ist das Problem der Schwierigkeiten für uns von ernstester Bedeutung.

Worin bestehen die charakteristischen Wesenszüge unserer Schwierigkeiten, welche feindlichen Kräfte stecken hinter ihnen, und wie überwinden wir sie?

a) Bei Charakterisierung unserer Schwierigkeiten müssen zumindest die folgenden Umstände ins Auge gefasst werden.

Vor allem muss der Umstand berücksichtigt werden, dass unsere gegenwärtigen Schwierigkeiten Schwierigkeiten der Rekonstruktionsperiode sind. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass sie sich von den Schwierigkeiten der Wiederherstellungsperiode unserer Wirtschaft grundlegend unterscheiden. Handelte es sich in der Wiederherstellungsperiode um die Ausnutzung der alten Betriebe und um die Unterstützung der Landwirtschaft auf ihrer alten Grundlage, so handelt es sich jetzt darum, sowohl die Industrie als auch die Landwirtschaft von Grund aus umzubauen, sie durch Veränderung ihrer technischen Basis, durch ihre Ausrüstung mit modernen technischen Mitteln zu rekonstruieren. Das bedeutet, dass wir vor der Aufgabe stehen, die gesamte technische Basis der Volkswirtschaft umzubauen. Das aber erfordert neue, solidere Investierungen in der Volkswirtschaft, neue, erfahrenere Kader, die fähig sind, die neue Technik zu meistern und sie weiterzuentwickeln.

Zweitens muss man den Umstand im Auge haben, dass die Rekonstruktion der Volkswirtschaft bei uns nicht auf den Umbau ihrer technischen Basis beschränkt bleibt, im Gegenteil, sie erfordert gleichzeitig einen Umbau der sozialen und ökonomischen Verhältnisse. Ich denke dabei hauptsächlich an die Landwirtschaft. In der Industrie, die bereits zusammengefasst und sozialisiert ist, besteht für die technische Rekonstruktion schon eine im Großen und Ganzen fertige soziale und ökonomische Basis. Die Aufgabe der Rekonstruktion besteht hier darin, den Prozess der Verdrängung der kapitalistischen Elemente in der Industrie zu verstärken. Nicht so einfach liegen die Dinge in der Landwirtschaft. Die Rekonstruktion der technischen Basis der Landwirtschaft verfolgt selbstverständlich die gleichen Ziele. Aber die Besonderheit der Landwirtschaft besteht bei uns darin, dass in ihr noch immer der bäuerliche Kleinbetrieb überwiegt, dass dem Kleinbetrieb die Möglichkeit fehlt, sich die neue Technik anzueignen, dass infolgedessen der Umbau der technischen Basis der Landwirtschaft unmöglich ist ohne gleichzeitigen Umbau der alten sozialen und ökonomischen Struktur, ohne Vereinigung der individuellen Kleinbetriebe zu kollektiven Großbetrieben, ohne Ausrodung der Wurzeln des Kapitalismus in der Landwirtschaft.

Es ist begreiflich, dass diese Umstände unsere Schwierigkeiten zwangsläufig komplizieren müssen, dass sie uns die Überwindung dieser Schwierigkeiten zwangsläufig erschweren müssen.

Drittens muss man den Umstand im Auge haben, dass unsere Arbeit an der sozialistischen Rekonstruktion der Volkswirtschaft, die die ökonomischen Beziehungen des Kapitalismus zerreißt und alle Kräfte der alten Welt über den Haufen wirft, den verzweifelten Widerstand dieser Kräfte hervorrufen muss. Bekanntlich ist dem auch so. Die böswillige Schädlingsarbeit einer Oberschicht der bürgerlichen Intelligenz in allen Zweigen unserer Industrie, der bestialische Kampf des Kulakentums gegen die kollektiven Wirtschaftsformen im Dorf, die Sabotage der von der Sowjetmacht getroffenen Maßnahmen durch die bürokratischen Elemente des Apparats, die eine Agentur des Klassenfeindes darstellen - das sind vor-läufig die Hauptformen des Widerstands der untergehenden Klassen unseres Landes. Es ist klar, dass diese Umstände nicht dazu angetan sind, unsere Arbeit an der Rekonstruktion der Volkswirtschaft zu erleichtern.

Viertens muss man den Umstand im Auge haben, dass die untergehenden Klassen unseres Landes bei ihrem Widerstand nicht von der Außenwelt isoliert sind, sondern dass ihr Widerstand von der kapitalistischen Umwelt unterstützt wird. Die kapitalistische Umwelt ist nicht als ein einfacher geographischer Begriff zu betrachten. Kapitalistische Umwelt heißt, dass die UdSSR von feindlichen Klassenkräften umgeben ist, die bereit sind, unsere Klassenfeinde im Innern der UdSSR sowohl moralisch und materiell als auch durch eine Finanzblockade und bei Gelegenheit auch durch eine militärische Intervention zu unterstützen. Es ist bewiesen, dass die Schädlingsarbeit unserer Spezialisten, die sowjetfeindlichen Aktionen des Kulakentums, die Brandstiftungen und Sprengstoffanschläge auf unsere Betriebe und Bauten von außen subsidiert und inspiriert wurden. Die imperialistische Welt hat kein Interesse daran, dass die UdSSR fest auf die Beine kommt und die Möglichkeit erhält, die führenden kapitalistischen Länder einzuholen und zu überholen. Deshalb unterstützt sie die Kräfte der alten Welt in der UdSSR. Es ist verständlich, dass dieser Umstand gleichfalls nicht dazu angetan ist, unsere Rekonstruktionsarbeit zu erleichtern.

Die Charakteristik unserer Schwierigkeiten wäre aber nicht vollständig, wenn man nicht noch einen Umstand berücksichtigte. Es handelt sich um den besonderen Charakter unserer Schwierigkeiten. Es handelt sich darum, dass unsere Schwierigkeiten nicht Schwierigkeiten des Niedergangs oder Schwierigkeiten der Stagnation sind, sondern Schwierigkeiten des Wachstums, Schwierigkeiten des Aufstiegs, Schwierigkeiten des Vormarsches. Dies bedeutet, dass sich unsere Schwierigkeiten von denen der kapitalistischen Länder grundlegend unterscheiden. Wenn man in den USA von Schwierigkeiten spricht, so meint man Schwierigkeiten des Niedergangs, denn Amerika macht gegenwärtig eine Krise durch, das heißt einen Niedergang der Wirtschaft. Wenn man in England von Schwierigkeiten spricht, so meint man Schwierigkeiten der Stagnation, denn England macht jetzt schon seit mehreren Jahren eine Stagnation durch, das heißt, die Vorwärtsbewegung hat aufgehört. Wenn wir dagegen von unseren Schwierigkeiten sprechen, so meinen wir nicht einen Niedergang und nicht eine Stagnation in der Entwicklung, sondern das Wachstum unserer Kräfte, den Aufschwung unserer Kräfte, die Vorwärtsbewegung unserer Wirtschaft. Um wie viel Punkte wir uns bis zu einer bestimmten Frist vorwärts bewegen, um wie viel Prozent Produkte wir mehr erzeugen, um wie viel Millionen Hektar wir mehr bestellen, um wie viel Monate früher wir einen Industriebetrieb, eine Eisenbahn erbauen - das sind Fragen, die man bei uns meint, wenn man von Schwierigkeiten spricht. Folglich sind unsere Schwierigkeiten zum Unterschied von den Schwierigkeiten, sagen wir, Amerikas oder Englands Wachstumsschwierigkeiten, Schwierigkeiten der Vorwärtsbewegung.

Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass es sich bei unseren Schwierigkeiten um Schwierigkeiten handelt, die in sich selbst die Möglichkeit ihrer Überwindung enthalten. Das bedeutet, dass das unterscheidende Merkmal unserer Schwierigkeiten darin besteht, dass sie uns selbst die Basis für ihre Überwindung geben.

Was folgt nun aus alledem?

Daraus folgt vor allem, dass unsere Schwierigkeiten nicht Schwierigkeiten infolge kleiner und zufälliger „Unzulänglichkeiten“, sondern Schwierigkeiten des Klassenkampfes sind.

Daraus folgt zweitens, dass hinter unseren Schwierigkeiten unsere Klassenfeinde stecken, dass diese Schwierigkeiten kompliziert werden durch den verzweifelten Widerstand der untergehenden Klassen unseres Landes, durch die Unterstützung dieser Klassen von außen, durch das Vorhandensein bürokratischer Elemente in unseren eigenen Institutionen, durch das Vorhandensein von Unsicherheit und Engstirnigkeit in einigen Schichten unserer Partei.

Daraus folgt drittens, dass es zur Überwindung der Schwierigkeiten vor allem notwendig ist, die Angriffe der kapitalistischen Elemente zurückzuschlagen, ihren Widerstand zu unterdrücken und so die Bahn für einen raschen Vormarsch freizulegen.

Daraus folgt schließlich, dass unsere Schwierigkeiten, die ihrem ganzen Charakter nach Schwierigkeiten des Wachstums sind, uns die zur Unterdrückung der Klassenfeinde erforderlichen Möglichkeiten geben.

Um aber diese Möglichkeiten auszunutzen und sie Wirklichkeit werden zu lassen, um den Widerstand der Klassenfeinde zu unterdrücken und die Überwindung der Schwierigkeiten durchzusetzen, gibt es nur ein Mittel: Organisierung der Offensive gegen die kapitalistischen Elemente an der ganzen Front und Isolierung der opportunistischen Elemente in unseren eigenen Reihen, die die Offensive hindern, die in ihrer Panik von einem Extrem ins andere stürzen und in der Partei den Glauben an den Sieg zu erschüttern suchen. (Beifall.)

Andere Mittel gibt es nicht.

Nur Leute, die den Kopf verloren haben, können einen Ausweg suchen in der kindischen Formel Bucharins vom friedlichen Hineinwachsen der kapitalistischen Elemente in den Sozialismus. Die Entwicklung verlief und verläuft bei uns nach wie vor nicht nach der Formel Bucharins. Die Entwicklung verlief und verläuft nach wie vor nach Lenins Formel „Wer - wen?“. Werden wir sie, die Ausbeuter, unterkriegen und niederhalten, oder werden sie uns, die Arbeiter und Bauern der UdSSR, unterkriegen und niederhalten - so ist die Frage gestellt, Genossen.

Mithin Organisierung der Offensive des Sozialismus an der ganzen Front - das ist die Aufgabe, die uns erstand, als wir die Rekonstruktion der gesamten Volkswirtschaft entfalteten.

Gerade so fasste die Partei ihre Mission auf, als sie die Offensive gegen die kapitalistischen Elemente unseres Landes organisierte.

b) Ist aber überhaupt eine Offensive, und zwar eine Offensive an der ganzen Front unter den Bedingungen der NÖP zulässig?

Manche glauben, die Offensive sei unvereinbar mit der NÖP, die NÖP sei im Wesen der Sache ein Rückzug, und da der Rückzug beendet sei, müsse mit der NÖP Schluss gemacht werden. Das ist natürlich Unsinn. Ein Unsinn, ausgehend entweder von den Trotzkisten, die vom Leninismus nichts begriffen haben und die NÖP „im Handumdrehen“ „abschaffen“ möchten, oder von den Rechtsopportunisten, die ebenfalls vom Leninismus nichts begriffen haben und glauben, durch ihr Geschwätz von der „Gefahr der Abschaffung der NÖP“ sich den Verzicht auf die Offensive erhandeln zu können. Wenn es bei der NÖP mit dem Rückzug sein Bewenden hätte, dann hätte Lenin auf dem XI. Parteitag, als die NÖP bei uns mit aller Konsequenz durchgeführt wurde, nicht gesagt, dass der „Rückzug beendet ist“. Hat Lenin, als er von der Beendigung des Rückzuges sprach, denn nicht gleichzeitig erklärt, dass wir die NÖP „ernstlich und auf lange“ durchführen wollen? Man braucht nur diese Frage zu stellen, um die ganze Ungereimtheit des Geschwätzes von der Unvereinbarkeit der NÖP mit einer Offensive zu begreifen. In Wirklichkeit sieht die NÖP nicht nur einen Rückzug und die Zulassung einer Belebung des Privathandels vor, die Zulassung einer Belebung des Kapitalismus bei Sicherung einer regulierenden Rolle des Staates (Anfangsstadium der NÖP). In Wirklichkeit sieht die NÖP gleichzeitig in einem bestimmten Entwicklungsstadium die Offensive des Sozialismus gegen die kapitalistischen Elemente vor, die Einengung des Betätigungsfeldes des Privathandels, die relative und absolute Einschränkung des Kapitalismus, das wachsende Übergewicht des vergesellschafteten Sektors über den nicht vergesellschafteten Sektor, den Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus (gegenwärtiges Stadium der NÖP). Die NÖP wurde eingeführt im Interesse des Sieges des Sozialismus über die kapitalistischen Elemente. Mit dem Übergang zur Offensive an der ganzen Front schaffen wir die NÖP noch nicht ab, denn der Privathandel und die kapitalistischen Elemente bleiben noch bestehen, der „freie“ Warenumsatz bleibt noch bestehen - wir machen aber eindeutig Schluss mit dem Anfangsstadium der NÖP, indem wir ihr nächstes Stadium entwickeln, das gegenwärtige Stadium der NÖP, das das letzte Stadium der NÖP ist.

Lenin sagte 1922, ein Jahr nach der Einführung der NÖP:

„Wir gehen jetzt zurück, treten gleichsam den Rückzug an, wir tun dies jedoch, um zuerst zurückzugehen, dann aber einen Anlauf zu nehmen und einen um so größeren Sprung vorwärts zu machen. Nur unter dieser einen Bedingung sind wir bei der Durchführung unserer Neuen Ökonomischen Politik zurückgegangen. Wo und wie wir unsere Reihen jetzt umgruppieren, uns anpassen, uns reorganisieren müssen, um nach dem Rückzug den hartnäckigsten Vormarsch anzutreten, das wissen wir noch nicht. Um alle diese Aktionen in normaler Weise durchführen zu können, muss man, wie das Sprichwort sagt, nicht zehnmal, sondern hundertmal abwägen, bevor man sich einmal entschließt.“ (4. Ausgabe, Bd. 33, S. 399, russ.)

Das dürfte klar sein.

Es fragt sich nun: Ist die Zeit bereits gekommen, um zur Offensive überzugehen, ist der richtige Augenblick für die Offensive bereits da?

Lenin sprach an einer anderen Stelle im selben Jahre 1922 davon, dass es notwendig ist:

„sich eng mit der Bauernmasse, mit der einfachen, werktätigen Bauernschaft zusammenzuschließen und zu beginnen, sich vorwärts zu bewegen, zwar unvergleichlich, unendlich langsamer, als wir es geträumt haben, dafür aber so, dass die ganze Masse wirklich mit uns vorwärts schreitet... Dann wird auch zur gegebenen Zeit eine solche Beschleunigung dieser Bewegung einsetzen, von der wir augenblicklich nicht einmal träumen können.“ (4. Ausgabe, Bd. 33, S. 243 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 920].)

Und wiederum die gleiche Frage: Ist die Zeit bereits gekommen für eine solche Beschleunigung der Bewegung, für eine Beschleunigung des Tempos unserer Entwicklung, hatten wir den Augenblick richtig gewählt, als wir im zweiten Halbjahr 1929 an der ganzen Front zur entschlossenen Offensive übergingen?

Auf diese Frage hat die Partei bereits eine klare und bestimmte Antwort gegeben.

Ja, dieser Augenblick ist bereits eingetreten.

Ja, die Partei hatte den Augenblick richtig gewählt, als sie an der ganzen Front zur Offensive überging.

Davon zeugen die wachsende Aktivität der Arbeiterklasse und das beispiellose Anwachsen der Autorität der Partei unter den Millionenmassen der Werktätigen.

Davon zeugt die wachsende Aktivität der Massen der armen und Mittelbauern und die radikale Wendung dieser Massen zum kollektivwirtschaftlichen Aufbau.

Davon zeugen unsere Errungenschaften sowohl auf dem Gebiet der industriellen Entwicklung als auch beim Aufbau der Sowjet- und Kollektivwirtschaften.

Davon zeugt die Tatsache, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, die kulakische Produktion durch die Produktion der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften nicht nur zu ersetzen, sondern sie auch um ein Vielfaches zu überbieten.

Davon zeugt die Tatsache, dass wir das Getreideproblem in der Hauptsache bereits gelöst und bestimmte Getreidereserven angesammelt haben, da wir den Schwerpunkt der Warengetreideproduktion aus der Sphäre der individuellen Produktion in die der kollektiv- und sowjetwirtschaftlichen Produktion verlegt haben.

Das sind die Beweise dafür, dass die Partei den Augenblick richtig gewählt hatte, als sie zur Offensive an der ganzen Front überging 'und die Losung der Liquidierung des Kulakentums als Klasse proklamierte.

Was wäre geschehen, wenn wir auf die Rechtsopportunisten aus der Gruppe Bucharins gehört hätten, wenn wir auf die Offensive verzichtet, das Entwicklungstempo der Industrie gedrosselt, die Entwicklung der Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften gehemmt und uns auf die individuelle Bauernwirtschaft gestützt hätten?

Wir wären unweigerlich mit unserer Industrie gescheitert, hätten die Sache der sozialistischen Rekonstruktion der Landwirtschaft zugrunde gerichtet, wären ohne Getreide geblieben und hätten der Vorherrschaft des Kulakentums den Weg geebnet. Wir säßen jetzt vor einem Scherbenhaufen.

Was wäre geschehen, wenn wir auf die „linken“ Opportunisten aus der Gruppe Trotzki-Sinowjew gehört und die Offensive 1926/27 eröffnet hätten, als wir keine Möglichkeit besaßen, die kulakische Produktion durch die Produktion der Kollektiv- und Sowjetwirtschaften zu ersetzen?

Wir hätten dabei unweigerlich Fiasko erlitten, hätten unsere Schwäche demonstriert, die Positionen des Kulakentums und der kapitalistischen Elemente überhaupt gestärkt, den Mittelbauern dem Kulaken in die Arme getrieben, wir hätten unseren sozialistischen Aufbau vereitelt und wären ohne Getreide geblieben. Wir säßen jetzt vor einem Scherbenhaufen.

Die Resultate wären die gleichen.

Nicht umsonst sagen unsere Arbeiter: „Gehst du nach ‚links', kommst du nach rechts.“ (Beifall.)

Manche Genossen glauben, die Hauptsache bei der Offensive des Sozialismus seien die Repressalien, und wenn die Repressalien nicht zunehmen, so gebe es auch keine Offensive.

Ist das richtig? Das ist selbstverständlich falsch.

Repressalien sind beim sozialistischen Aufbau ein notwendiges Element der Offensive, aber ein nebengeordnetes Element, nicht das Hauptelement. Die Hauptsache bei der Offensive des Sozialismus ist unter unseren jetzigen Verhältnissen das gesteigerte Entwicklungstempo unserer Industrie, das gesteigerte Entwicklungstempo der Sowjet- und Kollektivwirtschaften, die beschleunigte wirtschaftliche Verdrängung der kapitalistischen Elemente in Stadt und Land, die Mobilisierung der Massen für den sozialistischen Aufbau, die Mobilisierung der Massen gegen den Kapitalismus. Sie können Zehntausende und Hunderttausende Kulaken verhaften und verschicken, wenn Sie aber nicht gleichzeitig damit alles Notwendige unternehmen, um den Aufbau der neuen Formen der Wirtschaft zu beschleunigen, die alten, kapitalistischen Formen durch neue Wirtschaftsformen zu ersetzen, die Betriebsquellen für die ökonomische Existenz und Entwicklung der kapitalistischen Elemente auf dem Lande zu verschütten und zu liquidieren - so wird das Kulakentum sowieso wiedererstehen und wachsen.

Andere wieder glauben, die Offensive des Sozialismus sei einzig und allein Vormarsch, ohne entsprechende Vorbereitung, ohne Umgruppierung der Kräfte während der Offensive, ohne Befestigung der eroberten Stellungen, ohne Einsetzung der Reserven zu dem Zweck, die erzielten Erfolge weiterzuentwickeln, und wenn, sagen wir, Anzeichen des Abflutens eines Teiles der Bauern aus den Kollektivwirtschaften sich bemerkbar machen, so bedeute dies, dass wir schon ein „Abebben der Revolution“, einen Niedergang der Bewegung, ein Stocken der Offensive hätten.

Ist das richtig? Das ist selbstverständlich falsch.

Erstens verläuft keine Offensive, und sei es auch die erfolgreichste, ohne dass an einzelnen Abschnitten der Front der Feind einbricht, ohne dass man hie und da zu weit vorprellt. Deswegen von einem Stocken oder einem Misserfolg der Offensive reden heißt das Wesen der Offensive nicht begreifen.

Zweitens gab es nie eine erfolgreiche Offensive und kann es keine geben ohne Umgruppierung der Kräfte während der Offensive selbst, ohne Befestigung der eroberten Stellungen, ohne Einsetzung der Reserven zu dem Zweck, die erzielten Erfolge weiterzuentwickeln und die Offensive zu vollenden. Wenn man immer nur vorrücken will, das heißt, wenn man diese Bedingungen nicht beachtet, muss die Offensive unvermeidlich zum Erliegen kommen und scheitern. Bloßes Vorrücken ist der Tod der Offensive. Davon zeugen die reichen Erfahrungen Unseres Bürgerkriegs.

Drittens, wie kann man eine Analogie sehen zwischen dem „Abebben der Revolution“, das gewöhnlich durch einen Niedergang der Bewegung verursacht wird, und dem Abfluten eines Teils der Bauern aus den Kollektivwirtschaften, das verursacht wurde durch den fortdauernden Aufschwung der Bewegung, durch den fortdauernden Aufschwung unseres ganzen sozialistischen Aufbaus, sowohl des industriellen als auch des kollektivwirtschaftlichen, durch den fortdauernden Aufschwung unserer Revolution? Was können diese beiden absolut verschiedenartigen Erscheinungen miteinander gemein haben?

c) Worin besteht das Wesen der bolschewistischen Offensive unter unseren gegenwärtigen Verhältnissen?

Das Wesen der bolschewistischen Offensive besteht vor allem darin, dass man die Klassenwachsamkeit und die revolutionäre Aktivität der Massen gegen die kapitalistischen Elemente unseres Landes mobilisiert; dass man die schöpferische Initiative und Selbsttätigkeit der Massen gegen den Bürokratismus in unseren Institutionen und Organisationen mobilisiert, der die ungeheuren, im Schoße unserer Gesellschaftsordnung enthaltenen Reserven ungenutzt lässt und ihre Verwertung verhindert; dass man den Wettbewerb und den Arbeitsaufschwung der Massen im Interesse gesteigerter Arbeitsproduktivität, im Interesse des entfalteten sozialistischen Aufbaus organisiert.

Das Wesen der bolschewistischen Offensive besteht zweitens darin, dass man die Umstellung der gesamten praktischen Arbeit der Gewerkschaften, Genossenschaften, Sowjets und aller sonstigen Massenorganisationen in Anpassung an die Bedürfnisse der Rekonstruktionsperiode organisiert; dass man in diesen aus den aktivsten und revolutionärsten Funktionären einen Kern bildet und die opportunistischen, tradeunionistischen, bürokratischen Elemente beiseite drängt und isoliert; dass man die fremden und entarteten Elemente aus den genannten Organisationen verjagt und neue, von unten kommende Kräfte an ihre Stelle befördert.

Das Wesen der bolschewistischen Offensive besteht ferner darin, dass man das Maximum an Mitteln für die Finanzierung unserer Industrie, für die Finanzierung unserer Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften mobilisiert und die fähigsten Leute unserer Partei mit diesem Werke betraut.

Das Wesen der bolschewistischen Offensive besteht schließlich darin, dass man die Partei selbst zur Organisierung der Offensive in ihrer Gesamtheit mobilisiert; dass man die Parteiorganisationen festigt und ihnen die nötige Schärfe verleiht, indem man die Elemente des Bürokratismus und der Entartung aus ihnen vertreibt; dass man die Träger der rechten und der „linken“ Abweichung, der Abweichung von der Leninschen Linie, isoliert und beiseite drängt und wirkliche, standhafte Leninisten aufrücken lässt.

Das sind die Grundlagen der bolschewistischen Offensive im gegenwärtigen Augenblick.

Wie verwirklichte die Partei diesen Offensivplan?

Sie wissen, dass die Partei diesen Plan mit aller Konsequenz verwirklichte.

Die Sache begann damit, dass die Partei eine breite Selbstkritik entfaltete, indem sie die Aufmerksamkeit der Massen auf die Mängel unseres Aufbaus, auf die Mängel unserer Organisationen und Institutionen konzentrierte. Bereits auf dem XV. Parteitag wurde die Notwendigkeit einer verstärkten Selbstkritik proklamiert. Die Schachty-Affäre und das Schädlingswesen in verschiedenen Industriezweigen, die die Tatsache enthüllten, dass es in der Partei stellenweise an revolutionärem Spürsinn fehlte, auf der einen Seite, der Kampf gegen das Kulakentum und die zutage getretenen Mängel unserer Dorforganisationen auf der anderen Seite gaben der Selbstkritik einen weiteren Anstoß. In seinem Aufruf vom 2. Juni 1928 [49] gab das ZK der Selbstkritikkampagne endgültig Gestalt, indem es alle Kräfte der Partei und der Arbeiterklasse aufforderte zur Entfaltung der Selbstkritik „von oben bis unten und von unten bis oben“, „ohne Ansehen der Person“. Sich abgrenzend von der trotzkistischen „Kritik“, die von der anderen Seite der Barrikade kommt und auf die Diskreditierung und Schwächung der Sowjetmacht abzielt, erklärte die Partei es als Aufgabe der Selbstkritik, die Mängel unserer Arbeit rücksichtslos aufzudecken, damit unsere Aufbauarbeit verbessert, damit die Sowjetmacht gefestigt werde. Es ist bekannt, dass der Appell der Partei in den Massen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft lebhaftesten Widerhall fand.

Die Partei organisierte weiter eine groß angelegte Kampagne gegen den Bürokratismus. Sie stellte die Losung der Säuberung der Partei-, Gewerkschafts-, Genossenschafts- und Sowjetorganisationen von fremden und verbürokratisierten Elementen auf. Die Fortsetzung dieser Kampagne ist der bekannte Beschluss des ZK und der ZKK vom 16. März 1930 über das Aufrücken von Arbeitern in den Staatsapparat und die Massenkontrolle der Arbeiter über den Sowjetapparat (Patenschaft der Betriebe) [50]. Es ist bekannt, dass diese Kampagne unter den Arbeitermassen größte Begeisterung und Aktivität auslöste. Das Resultat dieser Kampagne ist das gewaltige Anwachsen der Autorität der Partei unter den werktätigen Massen, das wachsende Vertrauen der Arbeiterklasse zu ihr, der Eintritt von Hunderttausenden neuer Arbeiter in die Partei, Resolutionen der Arbeiter, die geschlossen in ganzen Abteilungen und Betrieben ihre Aufnahme in die Partei beantragen. Schließlich ist es ein Resultat dieser Kampagne, dass unsere Organisationen eine Reihe engstirniger und bürokratischer Elemente losgeworden sind, dass der Zentralrat der Gewerkschaften die alte, opportunistische Leitung losgeworden ist.

Die Partei organisierte ferner einen umfassenden sozialistischen Wettbewerb und den Arbeitsaufschwung der Massen in den Industriebetrieben. Der Wettbewerbsappell der XVI. Parteikonferenz brachte die Sache ins Rollen. Die Stoßbrigaden bringen sie weiter vorwärts. Der Leninsche Kommunistische Jugendverband und die vom ihm geleitete Arbeiterjugend krönen das Werk des Wettbewerbs und der Stoßarbeiterbewegung mit entscheidenden Erfolgen. Es muss anerkannt werden, dass unsere revolutionäre Jugend hierbei eine außerordentliche Rolle gespielt hat. Jetzt kann es keinem Zweifel mehr unterliegen: eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Tatsache unseres Aufbaus im gegenwärtigen Augenblick sind der sozialistische Wettbewerb der Industriebetriebe, sind die gegenseitigen Berichte Hunderttausender Arbeiter über ihre Wettbewerbsergebnisse, die breite Entfaltung der Stoßarbeiterbewegung.

Nur Blinde bemerken nicht, dass in der Denkart der Massen und in ihrer Einstellung zur Arbeit ein gewaltiger Umschwung eingetreten ist, der das Antlitz. unserer Industriebetriebe von Grund aus geändert hat. Es ist noch nicht lange her, dass bei uns Stimmen laut wurden, die den Wettbewerb und die Stoßarbeiterbewegung als etwas „Ausgeklügeltes“ und „Unhaltbares“ bezeichneten. Heute werden diese „Schlauköpfe“ nicht einmal mehr des Spottes gewürdigt, sie gelten einfach als abgelebte „Schlauberger“. Heute kann das Werk des Wettbewerbs und der Stoßarbeiterbewegung als errungen und gefestigt gelten. Ist es doch Tatsache, dass der sozialistische Wettbewerb bei uns über 2 Millionen Arbeiter erfasst hat und dass in die Stoßbrigaden nicht weniger als 1 Million Arbeiter hineingezogen wurden.

Das Bemerkenswerteste am Wettbewerb ist, dass er in den Ansichten der Menschen über die Arbeit eine radikale Umwälzung hervorruft, denn er macht die Arbeit aus einer schimpflichen und schweren Last, als die sie früher galt, zu einer Sache der Ehre, zu einer Sache des Ruhmes, zu einer Sache der Tapferkeit und des Heroismus. In den kapitalistischen Ländern gibt es nichts Derartiges und kann es nichts Derartiges geben. Dort bei ihnen, bei den Kapitalisten, ist das Erstrebenswerteste, was den öffentlichen Beifall findet, im Besitz einer Rente zu sein, von Zinsen zu leben, frei zu sein von Arbeit, die als eine schimpfliche Beschäftigung gilt. Bei uns, in der UdSSR, wird umgekehrt zum Erstrebenswertesten, zu dem, was den öffentlichen Beifall findet, die Möglichkeit, ein Held der Arbeit zu sein, die Möglichkeit, ein Held der Stoßarbeiterbewegung zu sein, der unter Millionen Werktätigen mit der Aureole des Ruhmes umgeben ist.

Als nicht minder bemerkenswert am Wettbewerb ist die Tatsache zu betrachten, dass er sich auch auf dem Lande auszudehnen beginnt und bereits unsere Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften erfasst hat. Allgemein bekannt sind die zahlreichen Tatsachen eines wirklichen Arbeitsenthusiasmus unter den Millionenmassen der Werktätigen der Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften.

Wer hätte vor zwei Jahren von solchen Erfolgen des Wettbewerbs und der Stoßarbeiterbewegung auch nur träumen können?

Die Partei mobilisierte ferner die finanziellen Hilfsquellen des Landes für die weitere Entwicklung der Sowjet- und Kollektivwirtschaften, sie führte den Sowjetwirtschaften die fähigsten Organisatoren zu, sie sandte den Kollektivwirtschaften 25000 fortgeschrittene Arbeiter zu Hilfe, sie zog die fähigsten Kollektivbauern zur Leitung der Kollektivwirtschaften heran, sie organisierte ein Netz von Kursen für Kollektivbauern und legte damit den Grund für die Ausbildung standhafter und erprobter Kader der Kollektivwirtschaftsbewegung.

Schließlich brachte die Partei ihre eigenen Reihen in Kampfzustand, gab der Presse eine neue kämpferische Einstellung, organisierte den Kampf an zwei Fronten, zerschlug die Überreste des Trotzkismus, schlug die rechten Abweichler aufs Haupt, isolierte die Versöhnler und sicherte damit die für eine erfolgreiche Offensive notwendige Einheit ihrer Reihen auf der Basis der Leninschen Linie; sie verwirklichte die richtige Führung der Offensive, indem sie sowohl die Immer-langsam-voran-Männer aus dem Lager der Rechten als auch die „linken“ Überspitzer auf dem Gebiet der Kollektivwirtschaftsbewegung zur Ordnung rief und in die Schranken wies.

Das waren die wichtigsten Maßnahmen der Partei, die sie im Zuge der Offensive an der ganzen Front durchführte.

Es ist allgemein bekannt, dass diese Offensive auf sämtlichen Gebieten unserer Arbeit von Erfolg gekrönt war.

Hier liegt die Ursache dafür, dass es uns gelungen ist, eine ganze Reihe von Schwierigkeiten der Periode der Rekonstruktion unserer Volkswirtschaft zu überwinden.

Hier liegt die Ursache dafür, dass es uns gelingt, die größte Schwierigkeit unseres Aufbaus mit Erfolg zu überwinden, die Schwierigkeit nämlich, zu erreichen, dass sich die Hauptmassen der Bauernschaft dem Sozialismus zuwenden.

Ausländer erkundigen sich mitunter nach der inneren Lage der UdSSR. Kann es aber einen Zweifel darüber geben, dass die innere Lage der UdSSR fest und unerschütterlich ist? Schauen Sie sich die kapitalistischen Länder an, die Ausweitung der Krise und der Arbeitslosigkeit in diesen Ländern, die Streiks und Aussperrungen, die regierungsfeindlichen Demonstrationen - was kann es da für einen Vergleich zwischen der inneren Lage in diesen Ländern und der inneren Lage in der UdSSR geben?

Es muss anerkannt werden, dass die Sowjetmacht heute die stabilste Staatsmacht der Welt ist. (Beifall.)

8. Kapitalistisches oder sozialistisches Wirtschaftssystem

Wir haben somit ein Bild von der inneren Lage der UdSSR.

Wir haben gleichzeitig damit ein Bild von der inneren Lage in den wichtigsten kapitalistischen Ländern.

Unwillkürlich ersteht die Frage: Welcher Art sind die Ergebnisse, wenn man die beiden Bilder gegeneinander hält, sie miteinander vergleicht?

Diese Frage ist um so interessanter, als die bürgerlichen Politiker aller Länder, die bürgerliche Presse aller Stufen und Ränge, von den ausgesprochen kapitalistischen bis zu den menschewistisch-trotzkistischen, wie aus einem Munde schreien und von „Prosperität“ der kapitalistischen Länder, von „Untergang“ der UdSSR, von „finanziellem und wirtschaftlichem Zusammenbruch“ der UdSSR usw. reden.

Welches sind also die Ergebnisse einer Analyse der Lage bei uns, in der UdSSR, und bei ihnen, in den kapitalistischen Ländern?

Vermerken wir die wichtigsten, allgemein bekannten Tatsachen.

Bei ihnen, den Kapitalisten, herrschen Wirtschaftskrise und Niedergang der Produktion sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft.

Bei uns, in der UdSSR, wirtschaftlicher Aufstieg und Wachstum der Produktion in allen Zweigen der Volkswirtschaft.

Bei ihnen, den Kapitalisten, Verschlechterung der materiellen Lage der Werktätigen, Abbau der Arbeiterlöhne und Wachstum der Arbeitslosigkeit.

Bei uns, in der UdSSR, Hebung der materiellen Lage der Werktätigen, Erhöhung der Arbeiterlöhne und Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Bei ihnen, den Kapitalisten, Zunahme der Streiks und Demonstrationen, die den Verlust von Millionen Arbeitstagen zur Folge hat.

Bei uns, in der UdSSR, keinerlei Streiks und ein zunehmender Arbeitsenthusiasmus der Arbeiter und Bauern, der unserer Gesellschaftsordnung Millionen zusätzlicher Arbeitstage gibt.

Bei ihnen, den Kapitalisten, Verschärfung der inneren Lage und Anwachsen der revolutionären Bewegung der Arbeiterklasse gegen das kapitalistische Regime.

Bei uns, in der UdSSR, Festigung der inneren Lage und Zusammenschluss der Millionenmassen der Arbeiterklasse um die Sowjetmacht.

Bei ihnen, den Kapitalisten, Zuspitzung der nationalen Frage und ein Anwachsen der nationalen Befreiungsbewegung in Indien, Indochina, Indonesien, auf den Philippinen usw., das in den nationalen Krieg übergeht.

Bei uns, in der UdSSR, Festigung der Grundlagen der nationalen Brüderlichkeit, gesicherter nationaler Frieden und Zusammenschluss der Millionenmassen der Völker der UdSSR um die Sowjetmacht.

Bei ihnen, den Kapitalisten, Verwirrung und die Perspektive einer weiteren Verschlechterung der Lage.

Bei uns, in der UdSSR, glauben an die eigenen Kräfte und die Perspektive einer weiteren Verbesserung der Lage.

Man schwätzt von „Untergang“ der UdSSR, von „Prosperität“ der kapitalistischen Länder und dergleichen mehr. Wäre es nicht richtiger, von dem unvermeidlichen Untergang derjenigen zu sprechen, die so „unerwartet“ in den Strudel der Wirtschaftskrise geraten sind und sich noch immer nicht aus dem Morast des Niedergangs herausarbeiten können?

Wo liegen die Ursachen eines so ernsten Fiaskos bei ihnen, den Kapitalisten, und so ernster Erfolge bei uns, in der UdSSR?

Man sagt, der Zustand der Volkswirtschaft hänge in vielem vom Überfluss oder Mangel an Kapital ab. Das stimmt natürlich! Erklären sich nun vielleicht die Krise in den kapitalistischen Ländern und der Aufstieg in der UdSSR aus unserem Überfluss und ihrem Mangel an Kapital? Nein, natürlich nicht! Jedermann weiß, dass die UdSSR viel weniger Kapital besitzt als die kapitalistischen Länder. Wäre im gegebenen Fall der Stand der Akkumulation entscheidend, so hätten wir eine Krise und die kapitalistischen Länder einen Aufstieg.

Man sagt, der Zustand der Wirtschaft hänge in vielem von der technischen und organisatorischen Geschultheit der wirtschaftlichen Kader ab. Das ist natürlich richtig. Erklärt sich nun vielleicht die Krise in den kapitalistischen Ländern und der Aufstieg in der UdSSR aus ihrem Mangel und unserem Überfluss an technischen Kadern? Nein, natürlich nicht! Jedermann weiß, dass die kapitalistischen Länder weitaus mehr technisch erprobte Kader besitzen als wir in der UdSSR. Wir haben nie verheimlicht und tragen uns auch nicht mit der Absicht, es zu verheimlichen, dass wir auf dem Gebiet der Technik Schüler der Deutschen, Engländer, Franzosen, Italiener und vor allem und hauptsächlich der Amerikaner sind. Nein, entscheidend ist hier nicht der Überfluss oder Mangel an technischen Kadern, wenn auch das Problem der Kader für die Entwicklung der Volkswirtschaft von ernster Bedeutung ist.

Vielleicht findet man des Rätsels Lösung darin, dass das Kulturniveau bei uns höher ist als in den kapitalistischen Ländern? Wiederum nein. Jedermann weiß, dass das allgemeine Kulturniveau der Massen bei uns niedriger ist als in den USA, in England, in Deutschland. Nein, es handelt sich hier nicht um die Kultiviertheit der Massen, obgleich auch sie für die Entwicklung der Volkswirtschaft von gewaltiger Bedeutung ist.

Vielleicht liegt die Ursache hier in den persönlichen Eigenschaften der führenden Männer in den kapitalistischen Ländern? Wiederum nein. Die Krisen wurden gleichzeitig mit dem Anbruch der Herrschaft des Kapitalismus geboren. Schon seit mehr als hundert Jahren kommt es zu periodischen Wirtschaftskrisen des Kapitalismus, die sich alle zwölf, zehn, acht oder weniger Jahre wiederholen. Alle Parteien des Kapitalismus, alle einigermaßen namhaften Vertreter des Kapitalismus, von den „genialsten“ bis zu den mittelmäßigsten, haben ihre Kräfte an der „Verhütung“ oder „Beseitigung“ der Krisen erprobt. Sie haben aber alle eine Niederlage erlitten. Was ist also Erstaunliches daran, dass Hoover samt seiner Gruppe ebenfalls eine Niederlage erlitten hat? Nein, hier handelt es sich nicht um die Führer oder die Parteien des Kapitalismus, obgleich auch die Führer und die Parteien des Kapitalismus dabei von nicht geringer Bedeutung sind.

Worum handelt es sich also?

Was ist die Ursache dafür, dass die UdSSR trotz ihrer kulturellen Rückständigkeit, trotz des Mangels an Kapital, trotz des Mangels an technisch erfahrenen Wirtschaftskadern sich in einem wachsenden wirtschaftlichen Aufstieg befindet und an der Front des Wirtschaftsaufbaus entscheidende Erfolge aufzuweisen hat, während die führenden kapitalistischen Länder trotz des Überflusses an Kapitalien, trotz des Überflusses an technischen Kadern und trotz eines höheren Kulturniveaus sich im Zustand einer wachsenden Wirtschaftskrise befinden und auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwicklung Niederlage auf Niederlage erleiden?

Die Ursache liegt im Unterschied der Wirtschaftssysteme bei uns und bei den Kapitalisten.

Die Ursache liegt in der Unhaltbarkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems.

Die Ursache liegt in den Vorzügen des sowjetischen Wirtschaftssystems gegenüber dem kapitalistischen System.

Was ist das sowjetische Wirtschaftssystem?

Sowjetisches Wirtschaftssystem bedeutet:

1. Die Klassenmacht der Kapitalisten und der Gutsherren ist gestürzt und durch die Macht der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft ersetzt;

2. die Produktionsinstrumente und -mittel, der Boden, die Industriebetriebe usw. sind den Kapitalisten genommen und der Arbeiterklasse und den werktätigen Bauernmassen übereignet;

3. die Entwicklung der Produktion ist nicht dem Prinzip der Konkurrenz und der Sicherung kapitalistischen Profits untergeordnet, sondern dem Prinzip planmäßiger Leitung und systematischer Hebung des materiellen und kulturellen Niveaus der Werktätigen;

4. das Volkseinkommen wird nicht im Interesse der Bereicherung der Ausbeuterklassen und ihres zahlreichen parasitären Anhangs verteilt, sondern im Interesse systematischer Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern und der Erweiterung der sozialistischen Produktion in Stadt und Land;

5. die systematische Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen und die ununterbrochene Steigerung ihrer Bedürfnisse (der Kaufkraft), die die ständig wachsende Quelle der Produktionserweiterung sind, sind für die Werktätigen eine Garantie gegen Überproduktionskrisen, gegen eine Zunahme der Arbeitslosigkeit und des Elends;

6. die Arbeiterklasse und die werktätige Bauernschaft sind Herren des Landes, sie arbeiten nicht für die Kapitalisten, sondern für ihr eigenes werktätiges Volk.

Was ist kapitalistisches Wirtschaftssystem?

Kapitalistisches Wirtschaftssystem bedeutet:

1. Die Macht im Lande gehört den Kapitalisten;

2. die Produktionsinstrumente und -mittel sind in den Händen der Ausbeuter konzentriert;

3. die Produktion ist nicht dein Prinzip der Verbesserung der materiellen Lage der werktätigen Massen, sondern dem Prinzip der Sicherung eines hohen kapitalistischen Profits untergeordnet;

4. das Volkseinkommen wird nicht im Interesse einer Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen verteilt, sondern im Interesse der Sicherung maximaler Profite der Ausbeuter;

5. die kapitalistische Rationalisierung und das rasche Wachstum der Produktion, die das Ziel verfolgen, den Kapitalisten hohe Profite zu sichern, stoßen auf die Schranke der Verelendung und der materiellen Schlechterstellung der werktätigen Millionenmassen, die nicht immer die Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse auch nur im Rahmen des äußersten Minimums zu befriedigen, was unvermeidlich den Boden vorbereitet für Überproduktionskrisen, für das Wachstum der Arbeitslosigkeit und des Massenelends;

6. die Arbeiterklasse und die werktätigen Bauern sind Ausgebeutete, die nicht für sich selbst, sondern für eine fremde Klasse, für die Klasse der Ausbeuter arbeiten.

Das sind die Vorzüge des sowjetischen Wirtschaftssystems gegenüber dem kapitalistischen Wirtschaftssystem.

Das sind die Vorzüge der sozialistischen Wirtschaftsorganisation gegenüber der kapitalistischen Organisation.

Das ist die Ursache dafür, dass es bei uns, in der UdSSR, einen wachsenden Wirtschaftsaufstieg und bei ihnen, den Kapitalisten, eine wachsende Wirtschaftskrise gibt.

Das ist die Ursache dafür, dass bei uns, in der UdSSR, das Wachstum des Verbrauchs (der Kaufkraft) der Massen dauernd das Wachstum der Produktion überholt und damit die Produktion vorwärts treibt, während umgekehrt bei ihnen, den Kapitalisten, das Wachstum des Verbrauchs der Massen (der Kaufkraft) nie Schritt hält mit dem Wachstum der Produktion, sondern ständig hinter ihm zurückbleibt und die Produktion immer wieder zu Krisen verdammt.

Das ist die Ursache dafür, dass es bei ihnen, den Kapitalisten, als durchaus normal gilt, wenn während der Krisen der „Überfluss“ an Industriewaren vernichtet und der „Überschuss“ an landwirtschaftlichen Produkten verbrannt wird, damit die hohen Preise gehalten und hohe Profite gesichert werden können, während man bei uns, in der UdSSR, die solcher Verbrechen Schuldigen ins Irrenhaus stecken würde. (Beifall.)

Das ist die Ursache dafür, dass dort, bei den Kapitalisten, die Arbeiter streiken und demonstrieren und den revolutionären Kampf gegen die bestehende kapitalistische Macht organisieren, während wir bei uns, in der UdSSR, ein Bild des großen Arbeitswettbewerbs von Millionen Arbeitern und Bauern vor uns haben, die bereit sind, für den Schutz der Sowjetmacht ihr Leben einzusetzen.

Das ist die Ursache für die Stabilität und Festigkeit der inneren Lage der UdSSR, für die Labilität und die Brüchigkeit der inneren Situation in den kapitalistischen Ländern.

Man muss schon sagen, dass ein Wirtschaftssystem, das nicht weiß, was es mit dem „Überschuss“ seiner Produktion anfangen soll, und gezwungen ist, ihn zu verbrennen, während unter den Massen Not und Arbeitslosigkeit, Hunger und Ruin herrschen - dass ein solches Wirtschaftssystem über sich selbst das Todesurteil fällt.

Die letzten Jahre waren eine Periode der praktischen Prüfung, eine Periode des Examens der beiden einander entgegen gesetzten Wirtschaftssysteme, des sowjetischen und des kapitalistischen Systems. In diesen Jahren wurden immer wieder der „Untergang“ und der „Zusammenbruch“ des Sowjetsystems prophezeit. Noch mehr redete und sang man Lobeshymnen von der „Prosperität“ des Kapitalismus. Und die Wirklichkeit? Diese Jahre haben noch einmal gezeigt, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem ein unhaltbares System ist, dass das sowjetische Wirtschaftssystem über Vorzüge verfügt, von denen kein einziger bürgerlicher Staat, und sei er auch der „demokratischste“, der „volksumfassendste“ usw., auch nur zu träumen wagt.

In seiner Rede auf der Konferenz der KPR(B) im Mai 1921 sagte Lenin:

„Jetzt wirken wir auf die internationale Revolution hauptsächlich durch unsere Wirtschaftspolitik ein. Auf die Russische Sowjetrepublik sind die Augen aller gerichtet, aller Werktätigen in allen Ländern der Welt ohne jede Ausnahme und ohne jede Übertreibung. Das ist erreicht. Die Kapitalisten können jetzt nichts mehr verschweigen, nichts mehr verbergen, sie suchen daher vor allem nach unseren wirtschaftlichen Fehlern und unseren Schwächen. Der Kampf ist im Weltmaßstab auf dieses Gebiet übertragen. Lösen wir diese Aufgabe, dann haben wir im internationalen Maßstab bestimmt und endgültig gewonnen.“ (4. Ausgabe, Bd. 32, S. 413, russ.)

Es muss festgestellt werden, dass unsere Partei die ihr von Lenin gestellte Aufgabe erfolgreich erfüllt.

9. Die nächsten Aufgaben

a) Allgemein

1. Vor allem das Problem der richtigen Standortverteilung der Industrie in der UdSSR. Wie wir die Volkswirtschaft auch entwickeln, wir kommen nicht um die Frage herum, wie die Standorte der Industrie als des führenden Zweigs der Volkswirtschaft am richtigsten zu verteilen sind. Gegenwärtig liegen die Dinge so, dass unsere Industrie wie unsere Volkswirtschaft überhaupt sich im Wesentlichen auf die Kohlen- und Hüttenbasis der Ukraine stützt. Es leuchtet ein, dass ohne eine solche Basis die Industrialisierung des Landes undenkbar ist. Eine solche Basis nun ist bei uns die ukrainische Brennstoff- und Hüttenbasis.

Kann aber im weiteren Verlauf diese eine Basis allein sowohl dem Süden als auch dem zentralen Teil der UdSSR und dazu noch dem Norden und Nordosten, dem Fernen Osten und Turkestan genügen? Alle Tatsachen sprechen dagegen. Das Neue in der Entwicklung unserer Volkswirtschaft besteht unter anderem darin, dass diese Basis uns nicht mehr genügt. Das Neue besteht darin, dass, während diese Basis intensiv weiterentwickelt wird, zugleich auch unverzüglich mit der Errichtung einer zweiten Kohlen- und Hüttenbasis begonnen werden muss. Eine solche Basis muss das Ural-Kusnezk-Kombinat sein, die Verbindung der Kusnezker Kokskohle mit dem Uraler Erz. (Beifall.) Der Bau eines Automobilwerks in Nishni Nowgorod, eines Traktorenwerks in Tscheljabinsk, einer Maschinenfabrik in Swerdlowsk, von Mähdrescherwerken in Saratow und Nowosibirsk, das Vorhandensein einer wachsenden Nichteisenmetallurgie in Sibirien und Kasachstan, die die Schaffung eines Netzes von Reparaturwerkstätten und einer Reihe von grundlegenden Hüttenwerken im Osten erfordert, schließlich der Beschluss über den Bau von Textilfabriken in Nowosibirsk und in Turkestan - all das erfordert gebieterisch, dass die Schaffung einer zweiten Kohlen- und Hüttenbasis im Ural sofort in Angriff genommen wird.

Sie wissen, dass das ZK unserer Partei sich eben in diesem Sinne ausgesprochen hat in seiner Resolution über den Metalltrust „Uralmetall“ [51].

2. Ferner das Problem der richtigen Standortverteilung für die grundlegenden Zweige der Landwirtschaft in der UdSSR, das Problem der Spezialisierung unserer Gebiete nach landwirtschaftlichen Kulturen und Betriebszweigen. Selbstverständlich ist bei bäuerlicher Kleinwirtschaft eine ernstliche Spezialisierung unmöglich. Sie ist unmöglich, weil der Kleinbetrieb, der eine unstabile Wirtschaft ist und nicht über die notwendigen Reserven verfügt, zum Anbau aller und jeglicher Kulturen genötigt ist, damit ihm, wenn die einen Kulturen eine Missernte ergeben, andere Kulturen aus der Patsche helfen. Verständlich ist auch, dass Spezialisierung unmöglich ist ohne Sicherung bestimmter Getreidereserven in staatlichem Besitz. Jetzt, da wir zur Großwirtschaft übergegangen sind und dafür gesorgt haben, dass der Staat Getreidereserven hat, können und müssen wir uns die Aufgabe stellen, die Spezialisierung nach Kulturen und Betriebszweigen richtig zu organisieren. Ausgangspunkt hierbei muss die endgültige Lösung des Getreideproblems sein. Ich sage „Ausgangspunkt“, da es ohne Lösung des Getreideproblems, ohne Organisierung eines umfassenden Netzes von Getreidespeichern in den Viehzucht-, Baumwoll-, Rüben-, Flachs- und Tabakgebieten unmöglich ist, die Viehzucht und den Anbau gewerblicher Nutzpflanzen vorwärts zu bringen, da es ohne diese Voraussetzungen unmöglich ist, die Spezialisierung unserer Gebiete nach Kulturen und Zweigen zu organisieren.

Die Aufgabe besteht darin, die erschlossenen Möglichkeiten auszunutzen und die Sache vorwärts zu bringen.

3. Weiter folgt das Problem der Kader sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft. Jedermann weiß, dass unsere wirtschaftlichen Kader, unsere Spezialisten, Techniker und Wirtschaftler technisch noch wenig erfahren sind. Die Sache wird dadurch noch kompliziert, dass, wie sich herausgestellt hat, ein Teil der Spezialisten, der mit den früheren Unternehmern verbunden ist und vom Ausland aufgewiegelt wird, an der Spitze der Schädlingstätigkeit steht. Noch komplizierter wird die Sache durch den Umstand, dass eine ganze Reihe unserer als Wirtschaftler tätigen Kommunisten hierbei keine revolutionäre Wachsamkeit gezeigt hat und sich häufig im geistigen Bann von Schädlingselementen befand. Indessen stehen wir vor den durch die Rekonstruktion der gesamten Volkswirtschaft bedingten ungeheuren Aufgaben, die eine große Anzahl neuer, zur Meisterung der neuen Technik fähiger Kräfte erfordern. In Verbindung damit ist das Problem der Kader bei uns wirklich zum vordringlichsten Problem geworden.

Die Lösung dieses Problems erfolgt bei uns im Zuge folgender Maßnahmen:

1. entschlossener Kampf gegen die Schädlinge;

2. ein Maximum an Fürsorge und Entgegenkommen gegenüber der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Spezialisten und Techniker, die sich von den Schädlingen abgegrenzt haben (ich denke dabei nicht an Phrasendrescher und Wichtigtuer vom Schlage Ustrjalows, sondern an wirkliche Wissenschaftler, die schlicht und redlich mit der Arbeiterklasse zusammenarbeiten);

3. Organisierung technischer Hilfe aus dem Ausland;

4. Entsendung unserer Wirtschaftler ins Ausland zum Studium und überhaupt zur Erwerbung technischer Erfahrungen;

5. Unterstellung der technischen Lehranstalten unter die entsprechenden wirtschaftlichen Organisationen, damit in möglichst kurzer Frist Techniker und Spezialisten aus den Reihen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft in genügender Anzahl herangebildet werden.

Die Aufgabe besteht darin, die Durchführung dieser Maßnahmen in Angriff zu nehmen.

4. Das Problem des Kampfes gegen den Bürokratismus. Der Bürokratismus ist vor allem dadurch gefährlich, dass er die kolossalen Reserven, die im Schoß unserer Gesellschaftsordnung enthalten sind, ungenutzt lässt, ihre Verwertung verhindert, die schöpferische Initiative der Massen lahmzulegen sucht, sie in einem Papierwust erstickt und darauf aus ist, jedes neue Beginnen der Partei in eine flache und unnütze Kleinigkeitskrämerei zu verwandeln. Zweitens ist der Bürokratismus dadurch gefährlich, dass er keine Kontrolle der Durchführung duldet und versucht, die grundlegenden Weisungen der leitenden Organisationen zu einem leeren Wisch zu machen, der mit dem pulsierenden Leben nichts gemein hat. Gefährlich sind nicht nur und nicht so sehr die alten Bürokraten, die in unseren Institutionen stecken geblieben sind, sondern auch - und besonders - die neuen Bürokraten, sowjetische Bürokraten, unter denen die „kommunistischen“ Bürokraten bei weitem nicht die letzte Rolle spielen. Ich denke dabei an diejenigen „Kommunisten“, die versuchen, durch Kanzleibefehle und „Dekrete“, an die sie wie an einen Fetisch glauben, die schöpferische Initiative und Selbsttätigkeit der Millionenmassen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft zu ersetzen.

Die Aufgabe ist nun, den Bürokratismus in unseren Institutionen und Organisationen zu zerschlagen, die bürokratischen „Sitten“ und „Bräuche“ zu liquidieren und den Weg freizulegen für die Ausnutzung der Reserven unserer Gesellschaftsordnung, für die Entfaltung der schöpferischen Initiative und Selbsttätigkeit der Massen.

Dies ist keine leichte Aufgabe. Man kann sie nicht „im Handumdrehen“ lösen. Man muss sie aber um jeden Preis lösen, wenn wir wirklich unser Land nach den Grundsätzen des Sozialismus umgestalten wollen.

Den Kampf gegen den Bürokratismus führt die Partei auf vier Linien: auf der Linie der Entfaltung der Selbstkritik, auf der Linie der Organisierung der Kontrolle der Durchführung, auf der Linie der Säuberung des Apparats und schließlich auf der Linie der Beförderung treuer Kräfte von unten, aus der Mitte der Arbeiterklasse, in den Apparat.

Die Aufgabe besteht darin, alle Kräfte für die Erfüllung aller dieser Maßnahmen aufzubieten.

5. Das Problem der Steigerung der Arbeitsproduktivität. Ohne systematische Steigerung der Arbeitsproduktivität sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft können wir die Aufgaben der Rekonstruktion nicht lösen, können wir die führenden kapitalistischen Länder nicht einholen und überholen, ja nicht einmal unsere selbständige Existenz behaupten. Daher ist das Problem der Steigerung der Arbeitsproduktivität für uns ein Problem ersten Ranges.

Dieses Problem löst die Partei durch Maßnahmen auf drei Linien: auf der Linie einer systematischen Verbesserung der materiellen Frage der Werktätigen, auf der Linie der Einbürgerung einer kameradschaftlichen Arbeitsdisziplin in den Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben und schließlich auf der Linie der Organisierung des sozialistischen Wettbewerbs und der Stoßarbeiterbewegung. Und dies alles auf der Basis einer verbesserten Technik und rationeller Arbeitsorganisation.

Die Aufgabe besteht darin, die Massenkampagne zur Durchführung dieser Maßnahmen weiter zu entfalten.

6. Das Problem der Versorgung. Hierher gehören die Frage einer ausreichenden Versorgung der Werktätigen in Stadt und Land mit den notwendigen Erzeugnissen, die Frage der Anpassung des Genossenschaftsapparats an die Bedürfnisse der Arbeiter und Bauern, die Frage der systematischen Erhöhung des Reallohns der Arbeiter, die Frage der Senkung der Preise für Industriewaren und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Über die Mängel der Konsumgenossenschaften habe ich bereits gesprochen. Es gilt, diese Mängel zu liquidieren und die Durchführung einer Politik der Preissenkung zu erreichen. Was den Mangel an Waren („Warenhunger“) betrifft, so haben wir jetzt die Möglichkeit, die Rohstoffbasis der Leichtindustrie zu erweitern und die Erzeugung städtischer Massenbedarfsgüter zu steigern. Die Brotversorgung kann bereits als gesichert betrachtet werden. Schwieriger ist es mit der Fleisch-, Molkereiwaren- und Gemüseversorgung. Diese Schwierigkeit kann leider nicht im Laufe weniger Monate behoben werden. Zu ihrer Überwindung bedarf es zumindest eines Jahres. In einem Jahr werden wir, vor allem durch die zu diesem Zweck organisierten Sowjet- und Kollektivwirtschaften, die Möglichkeit haben, die Belieferung mit Fleisch, Molkereiprodukten und Gemüse in vollem Umfang zu garantieren. Was aber bedeutet es, die Versorgung mit diesen Lebensmitteln zu sichern, wenn wir bereits über Getreidereserven und Textilien verfügen, der Bau von Arbeiterwohnungen verstärkt betrieben wird und unsere Kommunalleistungen billig sind? Es bedeutet, sich aller jener entscheidenden Faktoren zu bemächtigen, die den Haushalt des Arbeiters und seinen Reallohn bestimmen. Es bedeutet die sichere und endgültige Garantie einer raschen Steigerung des Reallohnes der Arbeiter.

Die Aufgabe besteht darin, die Arbeit aller unserer Organisationen in dieser Richtung zur Entfaltung zu bringen.

7. Das Problem des Kreditwesens und des Geldumlaufs. Die rationelle Organisierung des Kreditwesens und das richtige Manövrieren mit den Geldreserven sind für die Entwicklung der Volkswirtschaft von ernster Bedeutung. Dieses Problem löst die Partei durch Maßnahmen auf zwei Linien: Konzentrierung aller kurzfristigen Kreditgewährungen in der Staatsbank und Organisierung des bargeldlosen Verkehrs im vergesellschafteten Sektor. Dadurch wird erstens die Staatsbank zu einem gesamtstaatlichen Apparat, der über die Produktion und Verteilung der Produkte Buch führt, zweitens wird in der Zirkulation eine große Menge Geld frei. Es kann kein Zweifel bestehen, dass diese Maßnahmen zur Regelung unseres gesamten Kreditwesens und zur Konsolidierung unseres Tscherwonez führen werden (sie führen schon jetzt dazu).

8. Das Problem der Reserven. Es ist schon mehrmals gesagt worden und braucht nicht wiederholt zu werden, dass der Staat überhaupt und unser Staat im besonderen ohne Reserven nicht auskommen kann. Wir haben gewisse Reserven an Getreide, Waren, Valuta. Unsere Genossen haben bereits Gelegenheit gehabt, in dieser Zeit die wohltuende Wirkung dieser Reserven zu spüren. Aber „gewisse“ Reserven genügen nicht. Wir brauchen solidere Reserven auf allen Linien.

Daher die Aufgabe, Reserven anzusammeln.

b) In der Industrie

1. Das Hauptproblem ist die forcierte Entwicklung des Eisenhüttenwesens. Beachten Sie, dass wir die Vorkriegsnorm der Roheisengewinnung erst im laufenden Jahr, 1929/30, erreicht haben und überholen. Das ist eine große Gefahr für unsere gesamte Volkswirtschaft. Um diese Gefahr bannen zu können, müssen wir die forcierte Entwicklung des Eisenhüttenwesens in die Wege leiten. Wir benötigen am Ende des Planjahrfünfts nicht, wie der Fünfjahrplan fordert, 10 Millionen Tonnen Roheisen, sondern 15-17 Millionen Tonnen. Diese Aufgabe müssen wir um jeden Preis bewältigen, wenn wir die Industrialisierung unseres Landes richtig entfalten wollen.

Die Bolschewiki müssen zeigen, dass sie imstande sind, mit dieser Aufgabe fertig zu werden.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass wir die Leichtindustrie vernachlässigen sollten. Keineswegs. Bisher haben wir an allem gespart, darunter auch an der Leichtindustrie, um die Schwerindustrie wiederaufzubauen. Die Schwerindustrie aber haben wir schon wiederaufgebaut. Es bedarf nur noch ihrer weiteren Entfaltung. Jetzt können wir uns der Leichtindustrie zuwenden und sie in beschleunigtem Tempo vorwärts bringen. Das Neue in der Entwicklung unserer Industrie besteht unter anderem darin, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, sowohl die Schwerindustrie als auch die Leichtindustrie in beschleunigtem Tempo zu entwickeln. Die Übererfüllung der Pläne im diesjährigen Baumwoll-, Flachs- und Rübenbau, die Lösung des Kendyr- und Kunstseideproblems - dies alles zeugt davon, dass wir tatsächlich die Möglichkeit haben, die Leichtindustrie vorwärts zu bringen.

2. Das Problem der Rationalisierung, der Senkung der Selbstkosten und der Verbesserung der Qualität der Erzeugnisse. Die Versäumnisse auf dem Gebiet der Rationalisierung, die Nichterfüllung des Plans zur Senkung der Selbstkosten und die skandalöse Qualität der Erzeugnisse einer Reihe unserer Betriebe dürfen nicht länger geduldet werden. Diese Versäumnisse und Mängel lasten auf unserer gesamten Volkswirtschaft und hindern sie am Vorwärtskommen. Es ist an der Zeit, schon lange an der Zeit, mit dieser Schande Schluss zu machen.

Die Bolschewiki müssen zeigen, dass sie imstande sind, mit dieser Aufgabe fertig zu werden.

3. Das Problem der individuellen Leitung. Unerträglich werden auch die Verstöße gegen das Prinzip der individuellen Leitung in den Betrieben. Die Arbeiter klagen immer wieder: „Es gibt keinen Verantwortlichen im Betrieb“, „Es herrscht keine Ordnung in der Arbeit“. Es darf nicht länger geduldet werden, dass unsere Betriebe sich aus Produktionsorganismen in Parlamente verwandeln. Unsere Partei- und Gewerkschaftsorganisationen müssen endlich begreifen, dass wir ohne Sicherung der individuellen Leitung und ohne Einführung einer strengen Verantwortlichkeit für den Gang der Arbeit die mit der Rekonstruktion der Industrie verbundenen Aufgaben nicht lösen können.

c) In der Landwirtschaft

1. Das Problem der Viehzucht und der gewerblichen Nutzpflanzen. Jetzt, da wir das Getreideproblem im Wesentlichen bereits gelöst haben, können wir darangehen, das gegenwärtig vordringliche Problem der Viehzucht und das Problem der gewerblichen Nutzpflanzen gleichzeitig zu lösen. Bei der Lösung dieser Probleme müssen wir denselben Weg gehen, den wir bei der Lösung des Getreideproblems gegangen sind, das heißt, wir müssen durch Organisierung von Sowjet- und Kollektivwirtschaften, die die Stützpunkte unserer Politik sind, allmählich die technische und ökonomische Grundlage der gegenwärtigen kleinbäuerlichen Viehzucht und des Anbaus von gewerblichen Nutzpflanzen umgestalten. „Viehzuchttrust“, „Schafzuchttrust“, „Schweinezuchttrust“, „Meiereitrust“ plus Kollektivwirtschaften auf dem Gebiet der Viehzucht; die bestehenden Sowjet- und Kollektivwirtschaften auf dem Gebiet der gewerblichen Nutzpflanzen - das sind die Ausgangspunkte bei der Lösung der vor uns stehenden Probleme.

2. Das Problem der weiteren Entfaltung des Aufbaus von Sowjet- und Kollektivwirtschaften. Es braucht wohl kaum ausführlich dargelegt zu werden, dass dieses Problem für unseren gesamten Aufbau im Dorf das dringendste Problem ist. Jetzt sehen sogar Blinde, dass eine gewaltige, radikale Wendung der Bauernschaft vom Alten zum Neuen, von der Kulakenknechtschaft zum freien kollektivwirtschaftlichen Leben eingetreten ist. Es gibt keine Rückkehr zum Alten mehr. Das Kulakentum ist dem Untergang geweiht und wird liquidiert werden. Es bleibt nur ein Weg, der Weg der Kollektivwirtschaften. Der Weg der Kollektivwirtschaften aber ist für uns kein unbekannter und unerforschter Weg mehr. Er ist von den Bauernmassen selbst tausendfach erforscht und erprobt, erforscht und als das Neue befunden worden, das den Bauern die Befreiung von der Kulakenknechtschaft, von Not und Unwissenheit bringt. Das ist die Grundlage unserer Errungenschaften.

Wie wird sich die neue Bewegung im Dorf weiterentwickeln? An der Spitze werden die Sowjetwirtschaften marschieren, die beim Umbau der alten Lebensstruktur des Dorfes das Rückgrat bilden. Ihnen werden die zahlreichen Kollektivwirtschaften als Stützpunkte der neuen Bewegung im Dorf folgen. Das Zusammenwirken dieser beiden Systeme schafft die Voraussetzungen für die vollständige Kollektivierung aller Gebiete der UdSSR.

Eine der bemerkenswertesten Errungenschaften der Kollektivwirtschaftsbewegung besteht darin, dass dank ihr bereits Tausende Organisatoren und Zehntausende Agitatoren für die Sache der Kollektivwirtschaften aus den Reihen der Bauern selbst hervorgegangen sind. Jetzt sind es nicht mehr wir, die qualifizierten Bolschewiki, allein, sondern Bauern aus den Kollektivwirtschaften selbst, Zehntausende Bauern, die als Organisatoren und Agitatoren für die Sache der Kollektivwirtschaften das Banner der Kollektivierung vorwärts tragen werden. Die bäuerlichen Agitatoren aber sind glänzende Agitatoren für die Kollektivwirtschaftsbewegung, denn sie werden Argumente zugunsten der Kollektivwirtschaften finden, die für die übrige Masse der Bauern verständlich und annehmbar sind, Argumente, von denen wir, qualifizierte Bolschewiki, nicht einmal träumen können.

Hier und da hört man sagen, es sei notwendig, auf die Politik der durchgängigen Kollektivierung zu verzichten. Wie man erfährt, gibt es sogar in unserer Partei Anhänger dieser „Idee“. So können aber nur Leute reden, die sich gewollt oder ungewollt mit den Feinden des Kommunismus zusammengetan haben. Die Methode der durchgängigen Kollektivierung ist jene unerlässliche Methode, ohne die eine Durchführung des Fünfjahrplans der Kollektivierung aller Gebiete der UdSSR unmöglich ist. Wie kann man auf sie verzichten, ohne den Kommunismus zu verraten, ohne an den Interessen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft Verrat zu üben?

Dies bedeutet natürlich nicht, dass auf dem Gebiet der kollektivwirtschaftlichen Bewegung bei uns alles „glatt“ und „normal“ verlaufen werde. Schwankungen innerhalb der Kollektivwirtschaften wird es noch geben. Es wird noch Flut und Ebbe geben. Dies kann und darf aber die Baumeister der Kollektivwirtschaftsbewegung nicht aus der Fassung bringen. Umso weniger kann es ein ernstes Hindernis sein für die machtvolle Entwicklung der Kollektivwirtschaftsbewegung. Eine so gesunde Bewegung, wie es die kollektivwirtschaftliche ohne Zweifel ist, wird allen Hemmnissen zum Trotz, ungeachtet einzelner Hindernisse und Schwierigkeiten, ihr Ziel erreichen.

Die Aufgabe ist nun, die Kräfte vorzubereiten und alles in die Wege zu leiten, was geeignet ist, die kollektivwirtschaftliche Bewegung weiter zur Entfaltung zu bringen.

3. Das Problem der maximalen Annäherung des Apparats an die Rayons und Dörfer. Es unterliegt keinem Zweifel, dass wir die gewaltige Arbeit, die der Umbau der Landwirtschaft und die Entwicklung der kollektivwirtschaftlichen Bewegung erfordern, nicht hätten leisten können, wenn wir nicht die Rayonierung durchgeführt hätten. Die Vergrößerung der Amtsbezirke und ihre Umwandlung in Rayons, die Abschaffung der Gouvernements und ihre Umwandlung in kleinere Einheiten (Kreise) und schließlich die Schaffung von Gebieten als der direkten Stützpunkte des ZK - das ist das allgemeine Bild der Rayonierung. Das Ziel der Rayonierung ist es, die Partei- und Sowjetorganisationen sowie den wirtschaftlichen und genossenschaftlichen Apparat dem Rayon und dem Dorf näher zu bringen, damit wir die Möglichkeit erhalten, die dringlichen Fragen der Landwirtschaft rechtzeitig zu lösen, die Landwirtschaft zu heben, zu rekonstruieren. Ich wiederhole, in diesem Sinne hat die Rayonierung unseren ganzen Aufbau gewaltig gefördert.

Ist jedoch alles geschehen, um den Apparat tatsächlich dem Rayon und dem Dorf näher zu bringen, und zwar gehörig näher zu bringen? Nein, das ist nicht der Fall. Gegenwärtig ist der Schwerpunkt des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus in die Rayonorganisationen verlegt. Hier laufen die Fäden des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus und jeder sonstigen wirtschaftlichen Tätigkeit im Dorf auf der Linie des Genossenschaftswesens, auf der Linie der Sowjets, auf der Linie des Kreditwesens, auf der Linie des Beschaffungswesens zusammen. Haben die Rayonorganisationen in hinreichendem Maße die erforderlichen und geeigneten Mitarbeiter erhalten, damit sie diese mannigfaltige Arbeit bewältigen können? Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass sie äußerst ungenügend mit Mitarbeitern versorgt sind. Wo ist also der Ausweg? Was muss man tun, um diesem Mangel abzuhelfen und die Rayonorganisationen auf allen Gebieten unserer Tätigkeit mit der notwendigen Zahl brauchbarer Mitarbeiter zu versorgen? Dazu sind zumindest zwei Dinge erforderlich:

1. Abschaffung der Kreise (Beifall), die zu einer unnützen trennenden Scheidewand zwischen Gebiet und Rayons werden, und Verstärkung der Rayonorganisationen durch die in den Kreisen frei gewordenen Mitarbeiter;

2. Verbindung der Rayonorganisationen unmittelbar mit dem Gebiet (dem Regionalkomitee, dem Zentralkomitee in der nationalen Republik).

Dies wird die Vollendung der Rayonierung, die Vollendung der Annäherung des Apparats an die Rayons und Dörfer sein.

Hier wurde Beifall geklatscht, als von der bevorstehenden Abschaffung der Kreise die Rede war. Gewiss, die Kreise müssen liquidiert werden. Es wäre aber ein Fehler, wollte man glauben, dass dieser Umstand uns berechtigt, die Kreise zu verunglimpfen, wie es einige Genossen in den Spalten der „Prawda“ tun. Es darf nicht vergessen werden, dass die Kreise eine gewaltige Arbeit getan und seinerzeit eine große historische Rolle gespielt haben. (Beifall.)

Ich glaube ferner, dass es ein Fehler wäre, bei der Abschaffung der Kreise übermäßige Eile an den Tag zu legen. Das ZK hat die Abschaffung der Kreise zum Beschluss erhoben. [52] Es ist aber durchaus nicht der Meinung, dass diese Maßnahme sofort durchgeführt werden muss. Offenbar werden vor Abschaffung der Kreise noch die notwendigen Vorarbeiten zu leisten sein.

d) Im Verkehrswesen

Schließlich das Problem des Verkehrswesens. Man braucht nicht viele Worte zu verlieren über die ungeheure Bedeutung des Verkehrswesens für die gesamte Volkswirtschaft. Und nicht nur für die Volkswirtschaft. Bekanntlich ist das Verkehrswesen von ernstester Bedeutung auch für die Landesverteidigung. Nun bleibt aber ungeachtet der gewaltigen Bedeutung des Verkehrswesens die Verkehrswirtschaft, die Rekonstruktion dieser Wirtschaft noch immer hinter dem allgemeinen Entwicklungstempo zurück. Bedarf es da noch eines Beweises, dass wir bei einer solchen Sachlage Gefahr laufen, das Verkehrswesen zu einem „Engpass“ der Volkswirtschaft werden zu lassen, der unseren Vormarsch hemmen kann? Ist es nicht an der Zeit, einem solchen Zustand ein Ende zu bereiten?

Besonders schlimm ist es um die Flussschifffahrt bestellt. Ist es doch Tatsache, dass die Wolgaschifffahrt kaum 60 Prozent und die Dnjeprschifffahrt erst 40 Prozent des Vorkriegsstandes erreicht hat. 60 und 40 Prozent des Vorkriegsstandes - das ist alles, was die Flussschifffahrt als „Errungenschaft“ buchen kann. Eine schöne „Errungenschaft“! Ist es nicht an der Zeit, dieser Schmach ein Ende zu bereiten? (Zwischenrufe: „Ja, es ist Zeit!“)

Die Aufgabe ist nun, endlich das Verkehrswesen auf bolschewistische Art anzupacken und es vorwärts zu bringen.

*

Das sind die nächsten Aufgaben der Partei.

Was ist erforderlich, um diese Aufgaben zu verwirklichen?

Dazu ist es vor allem und hauptsächlich erforderlich, dass die entfaltete Offensive gegen die kapitalistischen Elemente an der ganzen Front fortgesetzt und zu Ende geführt wird.

Das sind der Angelpunkt und die Grundlage unserer Politik im gegenwärtigen Augenblick. (Beifall.)

 

III
DIE PARTEI

 

Ich komme nun zur Frage der Partei.

Vorhin sprach ich von den Vorzügen des sowjetischen Wirtschaftssystems gegenüber dem kapitalistischen System. Ich sprach von den kolossalen Möglichkeiten, die unsere Gesellschaftsordnung uns im Kampf für den vollen Sieg des Sozialismus bietet. Ich sprach davon, dass wir ohne diese Möglichkeiten, ohne die Ausnutzung dieser Möglichkeiten, nicht die Erfolge hätten erzielen können, die wir in der verflossenen Periode erkämpft haben.

Nun ist die Frage die: Hat die Partei es verstanden, die uns durch die Sowjetordnung gegebenen Möglichkeiten richtig auszunutzen; hat sie diese Möglichkeiten nicht brachliegen lassen und dadurch die Arbeiterklasse gehindert, ihre ganze revolutionäre Stärke restlos zu entfalten; hat sie es verstanden, aus diesen Möglichkeiten alles herauszuholen, was man herausholen konnte, um den sozialistischen Aufbau an der ganzen Front zur Entfaltung zu bringen?

Die Sowjetordnung gewährt kolossale Möglichkeiten für den vollen Sieg des Sozialismus. Möglichkeit ist aber noch nicht Wirklichkeit. Um eine Möglichkeit zur Wirklichkeit zu machen, braucht man eine ganze Reihe von Voraussetzungen, unter denen die Parteilinie und die richtige Durchführung dieser Linie bei weitem nicht die letzte Rolle spielen.

Einige Beispiele.

Die Rechtsopportunisten behaupten, die NÖP sichere uns den Sieg des Sozialismus - folglich brauche man sich keine Sorgen zu machen wegen des Industrialisierungstempos, wegen der Entwicklung der Sowjet- und Kollektivwirtschaften usw., da der Sieg sowieso gesichert sei, da er sozusagen im Selbstlauf kommen müsse. Das ist selbstverständlich falsch und dumm. So reden heißt die Rolle der Partei im Aufbau des Sozialismus verneinen, heißt die Verantwortung der Partei für diesen Aufbau verneinen. Lenin sagte keineswegs, dass die NÖP uns den Sieg des Sozialismus garantiere. Lenin sprach lediglich davon, dass „die NÖP uns ökonomisch und politisch vollauf die Möglichkeit sichert, das Fundament der sozialistischen Ökonomik zu errichten“ [53]. Möglichkeit ist aber noch nicht Wirklichkeit. Um eine Möglichkeit zur Wirklichkeit zu machen, muss man vor allem die opportunistische Theorie des Selbstlaufs verwerfen, muss man die Volkswirtschaft umbauen (rekonstruieren) und eine entschlossene Offensive gegen die kapitalistischen Elemente in Stadt und Land führen.

Die Rechtsopportunisten behaupten ferner, es gebe in unserer Gesellschaftsordnung keine Grundlagen für eine Spaltung zwischen Arbeiterklasse und Bauernschaft, folglich brauche man sich keine Sorgen zu machen um die Festlegung einer richtigen Politik gegenüber den sozialen Gruppen im Dorf, da der Kulak sowieso in den Sozialismus hineinwachsen werde und das Bündnis der Arbeiter und Bauern sozusagen im Selbstlauf gesichert werden würde. Das ist ebenfalls falsch und dumm. So können nur Leute reden, die nicht begreifen, dass die Politik der Partei und dazu der an der Macht stehenden Partei hier das Hauptmoment bildet, das für das Schicksal des Bündnisses zwischen Arbeitern und Bauern entscheidend ist. Lenin betrachtete die Gefahr einer Spaltung zwischen Arbeiterklasse und Bauernschaft keineswegs als ausgeschlossen. Lenin sagte, dass „unsere soziale Ordnung nicht notwendigerweise Grundlagen für eine solche Spaltung enthält“, aber „wenn ernste klassenmäßige Meinungsverschiedenheiten zwischen diesen Klassen entstehen, dann wird die Spaltung unvermeidlich sein“.

In Verbindung damit war Lenin folgender Meinung:

„Die Hauptaufgabe unseres ZK und unserer ZKK sowie unserer Partei in ihrer Gesamtheit besteht darin, die Umstände aufmerksam zu verfolgen, aus denen sich eine Spaltung ergeben könnte, und ihnen vorzubeugen, denn in letzter Instanz wird das Schicksal unserer Republik davon abhängen, ob die Bauernmasse der Arbeiterklasse folgen, also dem Bündnis mit ihr die Treue wahren wird oder ob sie es den ‚NÖPmännern’, das heißt der neuen Bourgeoisie, gestatten wird, ihre Einheit mit den Arbeitern zunichte zu machen, sie von ihnen abzuspalten.“ [54]

Folglich ist eine Spaltung zwischen Arbeiterklasse und Bauernschaft nicht ausgeschlossen, sie muss aber durchaus nicht unbedingt eintreten, da in unserer Ordnung die Möglichkeit enthalten ist, dieser Spaltung vorzubeugen und das Bündnis zwischen Arbeiterklasse und Bauernschaft zu festigen. Was braucht man nun, um diese Möglichkeit zur Wirklichkeit zu machen? Um die Möglichkeit, einer Spaltung vorzubeugen, Wirklichkeit werden zu lassen, muss man vor allem die opportunistische Theorie des Selbstlaufs begraben, muss man die Wurzeln des Kapitalismus ausroden, indem man Kollektivwirtschaften und Sowjetwirtschaften organisiert, muss man von der Politik der Einschränkung der Ausbeutertendenzen des Kulakentums übergehen zur Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse.

Es ergibt sich also, dass man streng unterscheiden muss zwischen den Möglichkeiten, die in unserer Gesellschaftsordnung enthalten sind, und der Ausnutzung dieser Möglichkeiten, der Verwandlung dieser Möglichkeiten in Wirklichkeit.

Es ergibt sich, dass durchaus Fälle denkbar sind, wo Möglichkeiten für den Sieg vorhanden sind, die Partei aber diese Möglichkeiten nicht sieht oder es nicht versteht, sie richtig auszunutzen, so dass an Stelle eines Sieges eine Niederlage eintreten kann.

Also wieder die gleiche Frage: Hat die Partei es verstanden, die Möglichkeiten und Vorzüge, die uns die Sowjetordnung bietet, richtig auszunutzen? Hat sie alles getan, um diese Möglichkeiten zur Wirklichkeit werden zu lassen und so unserem Aufbau ein Maximum an Erfolgen zu sichern?

Mit anderen Worten: Haben die Partei und ihr ZK den Aufbau des Sozialismus in der verflossenen Periode richtig geleitet?

Was ist erforderlich, damit die Partei unter unseren gegenwärtigen Verhältnissen richtig leite?

Damit die Partei richtig leite, ist es, abgesehen von allem anderen, notwendig, dass die Linie der Partei richtig sei, dass die Massen die Richtigkeit der Parteilinie erkennen und sie aktiv unterstützen, dass die Partei sich nicht auf die Ausarbeitung ihrer Generallinie beschränke, sondern auch ihre Durchführung Tag für Tag leite, dass die Partei einen entschlossenen Kampf führe gegen die Abweichungen von der Generallinie und das versöhnlerische Verhalten gegenüber diesen Abweichungen, dass die Partei im Kampf gegen die Abweichungen die Einheit ihrer Reihen und eine eiserne Disziplin schmiede.

Was haben die Partei und ihr ZK getan, um diese Voraussetzungen zu schaffen?

1. Fragen der Leitung des sozialistischen Aufbaus

a) Die entscheidende Zielsetzung der Partei im gegenwärtigen Augenblick ist der Übergang von der Offensive des Sozialismus an einzelnen Abschnitten der Wirtschaftsfront zur Offensive an der ganzen Front, sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft.

Der XIV. Parteitag war vornehmlich der Parteitag der Industrialisierung.

Der XV. Parteitag war vornehmlich der Parteitag der Kollektivierung. Das war die Vorbereitung zur allgemeinen Offensive.

Zum Unterschied von den durchschrittenen Etappen ist die Periode vor dem XVI. Parteitag eine Periode der allgemeinen Offensive des Sozialismus an der ganzen Front, eine Periode des verstärkten sozialistischen Aufbaus sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft.

Der XVI. Parteitag ist der Parteitag der voll entfalteten Offensive des Sozialismus an der ganzen Front, der Liquidierung des Kulakentums als Klasse und der Verwirklichung der durchgängigen Kollektivierung.

Das ist, kurz gesagt, das Wesen der Generallinie unserer Partei.

Ist diese Linie richtig?

Ja, sie ist richtig. Die Tatsachen beweisen, dass die Generallinie unserer Partei die einzig richtige Linie ist. (Beifall.)

Davon zeugen die Erfolge und Errungenschaften, die wir an der Front des sozialistischen Aufbaus erzielt haben. Niemals kam es vor noch kann es überhaupt vorkommen, dass ein entscheidender Sieg, wie ihn die Partei in der verflossenen Periode an der Front des sozialistischen Aufbaus in Stadt und Land errungen hat, das Resultat einer unrichtigen Politik ist. Nur eine richtige Generallinie konnte uns einen solchen Sieg bringen.

Davon zeugt jenes wütende Gebelfer gegen die Politik unserer Partei, das in der letzten Zeit unsere Klassenfeinde erhoben haben, die Kapitalisten und ihre Presse, der Papst und die verschiedensten Bischöfe, die Sozialdemokraten und die „russischen“ Menschewiki vom Schlage eines Abramowitsch und Dan. Die Kapitalisten und ihre Lakaien schmähen unsere Partei - folglich ist die Generallinie unserer Partei richtig. (Beifall.)

Davon zeugt das jetzt allen bekannte Schicksal des Trotzkismus. Die Herrschaften aus dem Lager der Trotzkisten schwatzten von einer „Entartung“ der Sowjetmacht, von einem „Thermidor“, von einem „unausbleiblichen Sieg“ des Trotzkismus usw. Was aber ist tatsächlich eingetreten? Eingetreten ist der Zerfall, das Ende des Trotzkismus. Ein Teil der Trotzkisten hat bekanntlich mit dem Trotzkismus gebrochen, hat in zahlreichen Erklärungen seiner Vertreter bekannt, dass die Partei im Recht ist, und hat den konterrevolutionären Charakter des Trotzkismus bescheinigt. Der andere Teil der Trotzkisten ist tatsächlich zu typischen kleinbürgerlichen Konterrevolutionären entartet und hat sich praktisch in ein Büro verwandelt, das der kapitalistischen Presse Spitzelinformationen über die KPdSU(B) liefert. Die Sowjetmacht dagegen, die „entarten“ sollte (oder „bereits entartet ist“), erfreut sich nach wie vor bester Gesundheit, arbeitet nach wie vor am Aufbau des Sozialismus und bricht mit Erfolg den kapitalistischen Elementen unseres Landes sowie ihren kleinbürgerlichen Nachbetern das Rückgrat.

Davon zeugt das jetzt allgemein bekannte Schicksal der rechten Abweichler. Sie zeterten und schwatzten von „Verderblichkeit“ der Parteilinie, von einer „wahrscheinlichen Katastrophe“ in der UdSSR, von der Notwendigkeit, das Land vor der Partei und ihrer Führung zu „retten usw. Was aber ist tatsächlich eingetreten? Tatsächlich hat die Partei an allen Fronten des sozialistischen Aufbaus größte Erfolge erzielt, während die Gruppe der rechten Abweichler, die das Land „retten“ wollte, dann aber die Fehlerhaftigkeit ihrer Auffassungen zugab, jetzt auf der Sandbank sitzt.

Davon zeugen die wachsende revolutionäre Aktivität der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, die aktive Unterstützung der Politik der Partei durch die Millionenmassen der Werktätigen und schließlich jener beispiellose Arbeitsenthusiasmus der Arbeiter und der Kollektivbauern, dessen gewaltiges Ausmaß Feind und Freund unseres Landes in Erstaunen setzt. Ich rede schon gar nicht von solchen Merkmalen des wachsenden Vertrauens zur Partei, wie die an die Partei gerichteten Aufnahmeanträge der Belegschaften ganzer Abteilungen und Betriebe, die Zunahme der Mitgliederzahl der Partei in der Zeit zwischen dem XV. und dem XVI. Parteitag um mehr als 600000, die Aufnahme von 200000 neuen Mitgliedern in die Partei allein im ersten Quartal dieses Jahres. Wovon spricht das alles, wenn nicht davon, dass die Millionenmassen der Werktätigen die Richtigkeit der Politik unserer Partei anerkennen und bereit sind, sie zu unterstützen?

Man wird einräumen müssen, dass diese Tatsachen nicht bestehen würden, wenn die Generallinie unserer Partei nicht die einzig richtige Linie wäre.

b) Aber die Partei kann sich nicht auf die Ausarbeitung ihrer Generallinie beschränken. Sie muss außerdem tagtäglich die Durchführung der Generallinie in der Praxis überprüfen. Sie muss die Durchführung der Generallinie leiten, indem sie die beschlossenen Pläne des wirtschaftlichen Aufbaus im Prozess der Arbeit verbessert und vervollkommnet, Fehler korrigiert und verhütet.

Wie erfüllte das ZK unserer Partei diese Aufgabe?

Die Arbeit des ZK auf diesem Gebiet bewegte sich hauptsächlich auf der Linie der Korrektur und Präzisierung des Fünfjahrplans im Sinne einer Steigerung des Tempos und der Verkürzung der Fristen, auf der Linie einer Kontrolle über die Durchführung der gestellten Aufgaben durch die Wirtschaftsstellen.

Hier sind einige grundlegende Beschlüsse des ZK, die den Fünfjahrplan im Geiste einer Steigerung des Aufbautempos und der Verkürzung der Durchführungsfristen korrigieren.

Eisenhüttenwesen: Der Fünfjahrplan sieht vor, dass die Roheisenerzeugung im letzten Jahr des Planjahrfünfts bis auf 10 Millionen Tonnen erhöht werden soll; im Beschluss des ZK wird diese Norm als ungenügend angesehen und bestimmt, dass die Roheisenerzeugung im letzten Jahr des Planjahrfünfts auf 17 Millionen Tonnen erhöht werden soll.

Traktorenbau: Der Fünfjahrplan sieht vor, dass die Erzeugung von Traktoren im letzten Jahr des Planjahrfünfts auf 55000 gebracht werden soll; im Beschluss des ZK wird dieses Soll als ungenügend angesehen und bestimmt, dass die Zahl der hergestellten Traktoren im letzten Jahr des Planjahrfünfts 170000 erreichen muss.

Dasselbe gilt vom Automobilbau, wo beschlossen worden ist, die für das letzte Jahr des Planjahrfünfts vorgesehene Herstellung von 100000 Automobilen (Last- und Personenwagen) auf 200000 Automobile zu steigern.

Dasselbe ist in der Nichteisenmetallurgie zu verzeichnen, wo die Voranschläge des Fünfjahrplans um mehr als 100 Prozent erhöht worden sind, sowie im Landmaschinenbau, wo die Voranschläge des Fünfjahrplans ebenfalls uni mehr als 100 Prozent erhöht worden sind.

Ich rede gar nicht erst von den Mähdreschern, deren Bau im Fünfjahrplan überhaupt nicht vorgesehen war und deren Erzeugung im letzten. Jahr des Planjahrfünfts auf mindestens 40000 Stück gebracht werden muss.

Aufbau der Sowjetwirtschaften: Der Fünfjahrplan sieht eine Erweiterung der Anbaufläche bis Ende des Planjahrfünfts auf 5 Millionen Hektar vor; im Beschluss des ZK wird diese Norm als ungenügend bezeichnet und bestimmt, dass die Anbaufläche der Sowjetwirtschaften bis Ende des Planjahrfünfts auf 18 Millionen Hektar erhöht werden muss.

Aufbau der Kollektivwirtschaften: Der Fünfjahrplan sieht eine Erweiterung der Anbaufläche bis Ende des Planjahrfünfts auf 20 Millionen Hektar vor; im Beschluss des ZK wird diese Norm als ausgesprochen ungenügend bezeichnet (sie ist bereits in diesem Jahr übererfüllt worden) und bestimmt, dass bis Ende des Planjahrfünfts die Kollektivierung der UdSSR im wesentlichen abgeschlossen werden soll und die Anbaufläche der Kollektivwirtschaften zu diesem Zeitpunkt neun Zehntel der gesamten Anbaufläche der UdSSR umfassen muss, die gegenwärtig von Einzelbauern bestellt wird. (Beifall.)

Und so weiter und dergleichen mehr.

Dieser Gesamtüberblick zeigt, wie das ZK die Durchführung der Generallinie der Partei, die Planung des sozialistischen Aufbaus leitete.

Man könnte einwenden, durch eine so gründliche Änderung der Voranschläge des Fünfjahrplans durchbreche das ZK das Prinzip der Planung und setze die Autorität der Planorgane herab. Aber so können nur hoffnungslose Bürokraten reden. Für uns Bolschewiki ist der Fünfjahrplan nicht etwas Abgeschlossenes und ein für allemal Gegebenes. Für uns ist der Fünfjahrplan wie jeder andere Plan nur ein Plan, der als erste Nährung angenommen ist, der auf Grund der an Ort und Stelle gemachten Erfahrungen, auf Grund der bei der Durchführung des Plans gemachten Erfahrungen präzisiert, geändert und vervollkommnet werden muss. Kein Fünfjahrplan kann all die Möglichkeiten berücksichtigen, die im Schofle unserer Gesellschaftsordnung schlummern und erst im Prozess der Arbeit, im Prozess der Durchführung des Plans in der Fabrik, in der Kollektivwirtschaft, in der Sowjetwirtschaft, im Rayon usw. zum Vorschein kommen. Nur Bürokraten können glauben, die Planungsarbeit sei mit der Aufstellung des Plans beendet. Die Aufstellung des Plans ist nur der Anfang der Planung. Die richtige planmäßige Führung entwickelt sich erst nach Aufstellung des Plans, nach Überprüfung an Ort und Stelle, im Prozess der Realisierung, der Korrektur und der Präzisierung des Plans.

Das ist der Grund, warum das ZK und die ZKK es für notwendig hielten, gemeinsam mit den Planorganen der Republik den Fünfjahrplan auf Grund der gemachten Erfahrungen im Geiste einer Steigerung des Aufbautempos und der Verkürzung der Ausführungsfristen zu berichtigen und zu verbessern.

Auf dem VIII. Sowjetkongress, bei Beratung des Zehnjahrplans der GOELRO [55], sagte Lenin über das Prinzip der Planung und der planmäßigen Leitung folgendes:

„Unser Parteiprogramm kann nicht nur das Programm der Partei bleiben. Es muss zu einem Programm unseres wirtschaftlichen Aufbaus werden, sonst ist es auch als Programm der Partei untauglich. Es muss ergänzt werden durch ein zweites Programm der Partei, durch einen Arbeitsplan, der dazu führt, dass die gesamte Volkswirtschaft wiederaufgebaut und auf das Niveau der modernen Technik gehoben wird... Wir müssen dazu gelangen, einen bestimmten Plan zu beschließen; natürlich wird das ein Plan sein, der nur als erste Näherung angenommen wird. Dieses Parteiprogramm wird nicht so unveränderlich sein wie unser eigentliches Programm, das nur auf den Parteitagen geändert werden kann. Nein, dieses Programm wird jeden Tag, in jeder Werkstatt, in jedem Amtsbezirk verbessert, weiter ausgearbeitet, vervollkommnet und abgeändert werden... Im Verfolg der wissenschaftlichen und der praktischen Erfahrungen müssen wir allerorts unablässig danach streben, dass der Plan rascher als festgesetzt erfüllt wird, damit die Massen sehen, dass die lange Periode, die uns vom vollständigen Wiederaufbau der Industrie trennt, durch die Erfahrungen verkürzt werden kann. Das hängt von uns ab. Lasst uns in jeder Werkstatt, in jedem Depot, auf jedem Gebiet die Wirtschaft verbessern, dann werden wir die Frist verkürzen. Und wir verkürzen sie bereits.“ (4. Ausgabe, Bd. 31, S. 482, 483, 479, russ.)

Wie Sie sehen, ging das ZK den von Lenin gewiesenen Weg, als es den Fünfjahrplan änderte und verbesserte, die Ausführungsfristen verkürzte und das Aufbautempo steigerte.

Auf welche Möglichkeiten stützte sich das ZK bei der Steigerung des Aufbautempos und der Verkürzung der Fristen für die Durchführung des Fünfjahrplans? Auf die Reserven, die im Schoße unserer Gesellschaftsordnung schlummern und erst im Prozess der Arbeit zum Vorschein kommen, auf die Möglichkeiten, die uns die Rekonstruktionsperiode bietet. Das ZK ist der Auffassung, dass der Umbau der technischen Basis von Industrie und Landwirtschaft bei sozialistischer Organisation der Produktion Möglichkeiten einer Tempobeschleunigung erschließt, von denen kein kapitalistisches Land auch nur träumen kann.

Nur durch diese Umstände lässt sich die Tatsache erklären, dass unsere sozialistische Industrie in den letzten drei Jahren ihre Produktion mehr als verdoppelt hat, während diese Industrie 1930/31 gegenüber dem laufenden Jahr um 47 Prozent wachsen muss, wobei der Umfang allein dieses Zuwachses dem Produktionsumfang der gesamten Großindustrie der Vorkriegszeit gleichkommen wird.

Nur durch diese Umstände lässt sich die Tatsache erklären, dass im Aufbau der Sowjetwirtschaften der Fünfjahrplan in drei Jahren übererfüllt wird, während im Aufbau der Kollektivwirtschaften der Fünfjahr-plan bereits in zwei Jahren übererfüllt worden ist.

Es besteht eine Theorie, nach der ein hohes Entwicklungstempo nur in der Wiederherstellungsperiode zulässig wäre, während das Aufbautempo mit dem Anbruch der Rekonstruktionsperiode von Jahr zu Jahr krass sinken müsste. Diese Theorie nennt sich die Theorie der „erlöschenden Kurve“. Es ist eine Theorie zur Rechtfertigung unserer Rückständigkeit. Sie hat mit Marxismus, mit Leninismus nichts gemein. Sie ist eine bürgerliche Theorie und zielt darauf ab, die Rückständigkeit unseres Landes zu verewigen. Von den Leuten, die Beziehungen zu unserer Partei hatten oder haben, vertreten und propagieren diese Theorie nur die Trotzkisten und die rechten Abweichler.

Die Trotzkisten werden von einigen für Ultraindustrialisierer gehalten. Diese Auffassung ist aber nur teilweise richtig. Sie ist nur soweit richtig, als es sich um das Ende der Wiederherstellungsperiode handelt, wo die Trotzkisten tatsächlich Phantasien von Ultraindustrialisierung entwickelten. Was die Rekonstruktionsperiode betrifft, so sind die Trotzkisten vorn Gesichtspunkt des Tempos extremste Minimalisten und jämmerlichste Kapitulanten. (Heiterkeit, Beifall.)

In ihren Plattformen und Deklarationen machten die Trotzkisten keine Zahlenangaben über das Tempo, sondern beschränkten sich auf ein allgemeines Geschwätz über das Tempo. Es existiert aber ein Dokument, worin die Trotzkisten ihre Auffassung vom Entwicklungstempo der staatlichen Industrie in Zahlen niedergelegt haben. Ich meine die auf den Prinzipien des Trotzkismus aufgebaute Denkschrift der „Besonderen Beratung über die Wiederherstellung des fixen Kapitals“ in der staatlichen Industrie. Es ist interessant, dieses Dokument aus dem Jahre 1925/26 kurz durchzunehmen. Es ist von Interesse, weil in ihm das trotzkistische Schema von der erlöschenden Kurve seine volle Widerspiegelung gefunden hat.

Nach diesem Dokument sollten in der staatlichen Industrie investiert werden: 1926/27 - 1543 Millionen Rubel, 1927/28 - 1490 Millionen Rubel, 1928/29 - 1320 Millionen Rubel, 1929/30 - 1060 Millionen Rubel (in Preisen von 1926/27).

Das ist das Bild der erlöschenden trotzkistischen Kurve.

Wie viel aber haben wir tatsächlich investiert? Tatsächlich haben wir in der staatlichen Industrie investiert: 1926/27 - 1065 Millionen Rubel, 1927/28 - 1304 Millionen Rubel, 1928/29 - 1819 Millionen Rubel und 1929/30 - 4775 Millionen Rubel (in Preisen von 1926/27).

Das ist das Bild der aufsteigenden bolschewistischen Kurve.

Nach diesem Dokument sollte die Produktion der staatlichen Industrie steigen: 1926/27 um 31,6 Prozent, 1927/28 um 22,9 Prozent, 1928/29 um 15,5 Prozent und 1929/30 um 15 Prozent.

Das ist das Bild der erlöschenden trotzkistischen Kurve.

Was aber haben wir tatsächlich erreicht? Tatsächlich stieg die Produktion der staatlichen Industrie: 1926/27 um 19,7 Prozent, 1927/28 um 26,3 Prozent, 1928/29 um 24,3 Prozent, 1929/30 um 32 Prozent, und 1930/31 wird sie um 47 Prozent steigen.

Das ist das Bild der aufsteigenden bolschewistischen Kurve.

Bekanntlich hat Trotzki diese Kapitulantentheorie der erlöschenden Kurve in seinem Büchlein „Zum Sozialismus oder zum Kapitalismus?“ speziell verteidigt. Er sagt dort direkt: Da „vor dem Kriege die Erweiterung der Industrie im Wesentlichen im Bau neuer Betriebe bestand“, während „in unserer Zeit die Erweiterung in viel höherem Grade in der Ausnutzung der alten Werke und der vollen Belastung der alten Anlagen besteht“, so „ist es folglich natürlich, dass mit Abschluss des Wiederherstellungsprozesses der Wachstumskoeffizient bedeutend sinken muss“, wobei er vorschlägt, „in den nächsten Jahren den industriellen Wachstumskoeffizienten nicht nur auf das Doppelte, sondern auch auf das Dreifache der 6 Prozent vor dem Kriege und vielleicht noch mehr zu steigern“.

Also dreimal 6 Prozent an jährlichem Zuwachs der Industrie. Wie viel macht das aber aus? Nur 18 Prozent Zuwachs pro Jahr. Demnach halten die Trotzkisten einen Jahreszuwachs der staatlichen Industrieproduktion von 18 Prozent für das Höchstmögliche dessen, was der Planung im Interesse eines beschleunigten Entwicklungstempos in der Periode der Rekonstruktion zugrunde gelegt werden kann und als Ideal angestrebt werden sollte. Man vergleiche diese Knickerweisheit der Trotzkisten mit dem tatsächlichen Zuwachs der Produktion in den letzten drei Jahren (1927/28 - 26,3 Prozent, 1928/29 - 24,3 Prozent, 1929/30 - 32 Prozent), man vergleiche diese Kapitulantenphilosophie der Trotzkisten mit den von der Staatlichen Plankommission für 1930/31 veranschlagten Kontrollzahlen: 47 Prozent Zuwachs, also mehr als zur Zeit der raschesten Produktionszunahme in der Wiederherstellungsperiode - und man wird den ganzen reaktionären Charakter der trotzkistischen Theorie von der „erlöschenden Kurve“, die ganze Tiefe des Unglaubens der Trotzkisten an die Möglichkeiten der Rekonstruktionsperiode ermessen können.

Hier liegt die Ursache dafür, dass die Trotzkisten jetzt lamentieren über die „Maßlosigkeit“ des bolschewistischen Tempos in der Entwicklung der Industrie und des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus.

Hier liegt die Ursache dafür, dass man die Trotzkisten heute nicht mehr von unseren rechten Abweichlern unterscheiden kann.

Selbstverständlich hätten wir ohne Zertrümmerung der trotzkistischrechtsabweichlerischen Theorie der „erlöschenden Kurve“ weder eine tatsächliche Planung noch eine Steigerung des Tempos und eine Verkürzung der Baufristen erreichen können. Um die Verwirklichung der Generallinie der Partei zu leiten, um den Fünfjahrplan des Aufbaus zu berichtigen und zu verbessern, um das Tempo zu erhöhen und Fehler im Aufbau zu verhüten, musste man vor allem die reaktionäre Theorie der „erlöschenden Kurve“ zerschlagen und liquidieren.

Wie schon früher gesagt, hat das ZK dementsprechend gehandelt.

2. Fragen der Leitung in innerparteilichen Angelegenheiten

Man könnte meinen, dass die Leitung des sozialistischen Aufbaus, die Durchführung der Generallinie der Partei bei uns in der Partei ruhig und reibungslos, ohne Kampf und Willensanstrengung verlaufen sei. Das stimmt aber nicht, Genossen. In Wirklichkeit musste diese Arbeit im Kampf gegen innerparteiliche Schwierigkeiten, im Kampf gegen alle möglichen Abweichungen vom Leninismus sowohl auf allgemein politischem Gebiet als auch auf dem Gebiet der nationalen Frage geleistet werden. Unsere Partei lebt und wirkt nicht im luftleeren Raum. Sie lebt und wirkt mitten im tiefsten Getriebe des Lebens und ist dem Einfluss ihres Milieus ausgesetzt. Das Milieu aber besteht bei uns bekanntlich aus verschiedenen Klassen und sozialen Gruppen. Wir haben eine entfaltete Offensive gegen die kapitalistischen Elemente eingeleitet, wir haben unsere sozialistische Industrie weit vorangebracht, wir haben den Aufbau von Sowjet- und Kollektivwirtschaften zur Entfaltung gebracht. Aber von solchen Erscheinungen können die Ausbeuterklassen nicht unberührt bleiben. Diese Erscheinungen sind in der Regel begleitet vom Ruin der ablebenden Klassen, vom Ruin des Kulakentums im Dorf, von einer Einengung des Betätigungsfeldes der städtischen kleinbürgerlichen Schichten. Selbstverständlich muss all dies den Kampf der Klassen, den Widerstand der ablebenden Klassen gegen die Politik der Sowjetmacht unweigerlich verschärfen. Es wäre lächerlich, glauben zu wollen, dass der Widerstand dieser Klassen sich nicht so oder anders in den Reihen unserer Partei widerspiegeln wird. Und er findet tatsächlich seine Widerspiegelung in der Partei. Eine Widerspiegelung des Widerstands der ablebenden Klassen sind eben alle und jedwede Abweichungen von der Leninschen Linie, die in den Reihen unserer Partei zu verzeichnen sind.

Kann man einen erfolgreichen Kampf gegen die Klassenfeinde führen, ohne gleichzeitig gegen die Abweichungen in unserer Partei zu kämpfen, ohne diese Abweichungen zu überwinden? Nein, das geht nicht. Das geht nicht, weil es unmöglich ist, einen wirklichen Kampf gegen die Klassenfeinde zu entfalten, wenn man im Rücken ihre Agenten hat, wenn man Leute im Rücken belässt, die nicht an unsere Sache glauben und in jeder Weise bestrebt sind, unseren Vormarsch zu hemmen.

Daher der unversöhnliche Kampf gegen die Abweichungen von der Leninschen Linie als nächste Aufgabe der Partei.

Warum ist jetzt die rechte Abweichung die Hauptgefahr in der Partei? Weil diese Abweichung die Kulakengefahr widerspiegelt, die Kulakengefahr aber im gegenwärtigen Moment, im Augenblick der entfalteten Offensive und der Ausrodung der Wurzeln des Kapitalismus, die größte Gefahr im Lande ist.

Was musste das ZK tun, um die rechte Abweichung zu überwinden, der „linken“ Abweichung den Rest zu geben und den Weg frei zu machen für den maximalen Zusammenschluss der Partei um die Leninsche Linie?

a) Es galt vor allem aufzuräumen mit den Überresten des Trotzkismus in der Partei, mit den Überbleibseln der trotzkistischen Theorie. Die trotzkistische Gruppe als Opposition haben wir schon lange zerschlagen und hinausgeworfen. Jetzt stellt die trotzkistische Gruppe eine antiproletarische und sowjetfeindliche, konterrevolutionäre Gruppe dar, die der Bourgeoisie in Angelegenheiten unserer Partei geflissentlich als Spitzelagentur dient. Aber die Überreste der trotzkistischen Theorie, die Überbleibsel des Trotzkismus sind aus der Partei noch nicht ganz verschwunden. Also galt es vor allem mit diesen Überresten aufzuräumen.

Worin besteht das Wesen des Trotzkismus?

Das Wesen des Trotzkismus besteht vor allem darin, dass er die Möglichkeit leugnet, den Sozialismus in der UdSSR mit den Kräften der Arbeiterklasse und der Bauernschaft unseres Landes zu errichten. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir, wenn uns nicht in nächster Zeit die siegreiche Weltrevolution zu Hilfe kommt, vor der Bourgeoisie kapitulieren und den Weg frei machen müssten für eine bürgerlich-demokratische Republik. Wir haben hier also eine bürgerliche Leugnung der Möglichkeit, den Sozialismus in unserem Lande zu errichten, getarnt durch eine „revolutionäre“ Phrase vom Sieg der Weltrevolution.

Ist es bei solchen Auffassungen möglich, die Millionenmassen der Arbeiterklasse zum Arbeitsenthusiasmus, zum sozialistischen Wettbewerb, zu einer Massenbewegung der Stoßarbeiter, zur entfalteten Offensive gegen die kapitalistischen Elemente zu begeistern? Natürlich ist das nicht möglich. Es wäre dumm, annehmen zu wollen, dass sich unsere Arbeiterklasse, die drei Revolutionen gemacht hat, für den Arbeitsenthusiasmus und die Massenbewegung der Stoßarbeiter gewinnen lassen würde, um den Boden für den Kapitalismus zu düngen. Unsere Arbeiterklasse will mit ihrem Arbeitsenthusiasmus nicht dem Kapitalismus dienen, sondern den Kapitalismus endgültig begraben und den Sozialismus in der UdSSR errichten. Man nehme ihr die feste Überzeugung, dass es möglich ist, den Sozialismus zu errichten, und man vernichtet damit jeden Boden für den Wettbewerb, für den Arbeitsenthusiasmus, für die Stoßarbeiterbewegung.

Daher die Schlussfolgerung: Um die Arbeiterklasse zum Arbeitsenthusiasmus und zum Wettbewerb begeistern und die entfaltete Offensive organisieren zu können, musste man vor allem die bürgerliche Theorie des Trotzkismus begraben, nach der es unmöglich ist, den Sozialismus in unserem Lande zu errichten.

Das Wesen des Trotzkismus besteht zweitens darin, dass er die Möglichkeit leugnet, die Hauptmassen der Bauernschaft für den sozialistischen Aufbau im Dorf zu gewinnen. Was bedeutet dies? Es bedeutet, dass er behauptet, die Arbeiterklasse sei nicht imstande, die Bauernschaft bei der Überleitung der individuellen Bauernwirtschaften auf die kollektiven Geleise mitzureißen, die Bauernschaft werde, wenn der Arbeiterklasse nicht in kürzester Frist der Sieg der Weltrevolution zu Hilfe kommt, die alten bürgerlichen Zustände wiederherstellen. Wir haben hier also eine bürgerliche Leugnung der Kräfte und Möglichkeiten der proletarischen Diktatur, die Bauernschaft zum Sozialismus zu führen, getarnt durch die Maske „revolutionärer“ Phrasen vom Sieg der Weltrevolution.

Ist es bei solchen Auffassungen möglich, die Bauernmassen für die Kollektivwirtschaftsbewegung zu mobilisieren, eine kollektivwirtschaftliche Massenbewegung zu organisieren, die Liquidierung des Kulakentums als Klasse zu organisieren? Natürlich ist das nicht möglich.

Daher die Schlussfolgerung: Um die kollektivwirtschaftliche Massenbewegung der Bauernschaft zu organisieren und das Kulakentum liquidieren zu können, musste man vor allem die bürgerliche Theorie des Trotzkismus begraben, nach der es unmöglich ist, die werktätigen Massen der Bauernschaft in den Sozialismus einzugliedern.

Das Wesen des Trotzkismus besteht schließlich darin, dass er die Notwendigkeit einer eisernen Disziplin in der Partei leugnet, die Freiheit fraktioneller Gruppierungen in der Partei fordert und es für notwendig hält, eine trotzkistische Partei zu bilden. Der Trotzkismus will, dass die KPdSU(B) keine einheitliche und fest zusammengefügte Kampfpartei sei, sondern ein Sammelsurium von Gruppen und Fraktionen mit eigenen Zentralen, mit eigener Disziplin, mit eigener Presse usw. Was aber bedeutet dies? Es bedeutet die Verkündung der Freiheit politischer Fraktionen in der Partei. Es bedeutet, dass der Freiheit politischer Gruppierungen in der Partei die Freiheit politischer Parteien im Lande, das heißt die bürgerliche Demokratie, folgen muss. Demnach haben wir hier eine Anerkennung der Freiheit fraktioneller Gruppierungen in der Partei, einbegriffen die Zulassung politischer Parteien im Lande der Diktatur des Proletariats, getarnt mit der Phrase von „innerparteilicher Demokratie“, von „Verbesserung des Regimes“ in der Partei. Dass die Freiheit fraktionellen Gezänks von Intellektuellengruppen noch keine innerparteiliche Demokratie ist, dass aber die entfaltete Selbstkritik, die von der Partei durchgeführt wird, und die kolossale Aktivität der Parteimassen die Erscheinungsform einer tatsächlichen und wahren innerparteilichen Demokratie sind - das zu verstehen ist dem Trotzkismus nicht gegeben.

Ist es bei solchen Auffassungen von der Partei möglich, die eiserne Disziplin in der Partei, die eiserne Einheit der Partei zu sichern, die für den erfolgreichen Kampf gegen den Klassenfeind notwendig ist? Natürlich ist das nicht möglich.

Daher die Schlussfolgerung: Um die eiserne Einheit der Partei und die proletarische Disziplin in ihr zu sichern, musste man vor allem die Organisationstheorie des Trotzkismus begraben.

Kapitulantentum in der Tat als Inhalt, „linke“ Phrasen und „revolutionär“-abenteuerliche Allüren als eine Form, die den kapitulantenhaften Inhalt verhüllt und für ihn Reklame machen soll - das ist das Wesen des Trotzkismus.

Diese Zwiespältigkeit des Trotzkismus widerspiegelt die zwiespältige Lage des dem Ruin verfallenen städtischen Kleinbürgertums, das das „Regime“ der Diktatur des Proletariats nicht erträgt und sich bemüht, entweder „sofort“ in den Sozialismus hinüber zu springen, um dem Ruin zu entgehen (daher Abenteurertum und Hysterie in der Politik), oder, wenn dies nicht möglich ist, dem Kapitalismus jedwede Konzession zu machen (daher Kapitulantentum in der Politik).

Diese Zwiespältigkeit des Trotzkismus erklärt die Tatsache, dass der Trotzkismus seine „rasenden“ Scheinangriffe gegen die rechten Abweichler in der Regel durch einen Block mit ihnen als den Kapitulanten ohne Maske krönt.

Was aber stellen die „linken“ Überspitzungen dar, die wir in der Partei auf dem Gebiet der kollektivwirtschaftlichen Bewegung hatten? Sie stellen einen gewissen, allerdings unbewussten Versuch dar, die Traditionen des Trotzkismus bei uns in der Praxis wiederaufleben zu lassen, die trotzkistische Einstellung zum Mittelbauern wiederaufleben zu lassen. Sie sind das Resultat jenes Fehlers in der Politik, den Lenin „Überadministrierung“ nennt. Dies bedeutet, dass einige unserer Genossen, berauscht von den Erfolgen der Kollektivwirtschaftsbewegung, das Problem des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus nicht als Baumeister, sondern vornehmlich als Administratoren anzupacken begannen, weswegen sie eine Reihe gröbster Fehler begingen.

Es gibt bei uns in der Partei Leute, die glauben, man hätte die „linken“ Überspitzer nicht zur Ordnung zu rufen brauchen. Sie meinen, man hätte unsere Funktionäre nicht kränken und ihrem Übereifer nicht entgegenwirken dürfen, selbst wenn dieser Übereifer zu Fehlern führte. Das sind Kindereien, Genossen. So können nur Leute reden, die unbedingt mit dem Strom schwimmen wollen. Es sind die gleichen Leute, die nie imstande sein werden, sich die Leninsche Linie zu Eigen zu machen - gegen den Strom zu schwimmen, wenn die Lage es erfordert, wenn die Interessen der Partei es erfordern. Es sind Nachtrabpolitiker und keine Leninisten. Der Partei gelang es gerade deswegen, ganze Gruppen unserer Genossen auf den richtigen Weg zu bringen, es gelang ihr gerade deswegen, die Fehler zu korrigieren und Erfolge zu erzielen, weil sie im Interesse der Verwirklichung der Generallinie entschlossen gegen den Strom ankämpfte. Das eben ist Leninismus in der Praxis, Leninismus in der Führung.

Deswegen glaube ich, dass wir ohne Überwindung der „linken“ Überspitzungen nicht jene Erfolge in der kollektivwirtschaftlichen Bewegung, die wir heute haben, hätten erzielen können.

So verhält es sich mit dem Kampf gegen die Überreste des Trotzkismus und ihre Nachwirkungen in der Praxis.

Etwas anders verhält es sich mit der Frage des Rechtsopportunismus, an dessen Spitze Bucharin, Rykow und Tomski standen oder stehen.

Von den rechten Abweichlern läßt sich nicht sagen, dass sie die Möglichkeit, den Sozialismus in der UdSSR zu errichten, nicht zugeben. Nein, sie geben sie zu, und darin unterscheiden sie sich von den Trotzkisten. Das Malheur der rechten Abweichler ist jedoch, dass sie, obgleich sie die Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Lande formal zugeben, die Mittel und Wege des Kampfes, ohne die die Errichtung des Sozialismus unmöglich ist, nicht anerkennen wollen. Sie wollen nicht anerkennen, dass die mit allem Nachdruck betriebene Entwicklung der Industrie der Schlüssel ist zur Umgestaltung der gesamten Volkswirtschaft auf den Grundlagen des Sozialismus. Sie wollen den unversöhnlichen Klassenkampf gegen die kapitalistischen Elemente und die entfaltete Offensive des Sozialismus gegen den Kapitalismus nicht anerkennen. Sie begreifen nicht, dass alle diese Mittel und Wege jenes System von Maßnahmen darstellen, ohne die es unmöglich ist, die Diktatur des Proletariats zu behaupten und den Sozialismus in unserem Lande zu errichten. Sie glauben, man könne den Sozialismus in aller Stille errichten, im Selbstlauf, ohne Klassenkampf, ohne Offensive gegen die kapitalistischen Elemente. Sie glauben, die kapitalistischen Elemente würden entweder selbst unmerklich absterben oder in den Sozialismus hineinwachsen. Da aber solche Wunder in der Geschichte nicht vorkommen, so ergibt sich, dass die rechten Abweichler in der Praxis zu einer Auffassung abgleiten, die die Möglichkeit leugnet, den Sozialismus in unserem Lande zu errichten.

Von den rechten Abweichlern kann man auch nicht sagen, dass sie die Möglichkeit verneinen, die Hauptmassen der Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus im Dorf einzubeziehen. Nein, sie erkennen diese Möglichkeit an, und darin unterscheiden sie sich von den Trotzkisten. Aber bei formaler Anerkennung dieser Möglichkeit lehnen sie gleichzeitig die Mittel und Wege ab, ohne die die Einbeziehung der Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus unmöglich ist. Sie wollen nicht zugeben, dass die Sowjet- und Kollektivwirtschaften das grundlegende Mittel und die „Heerstraße“ zur Einbeziehung der Hauptmassen der Bauernschaft in das sozialistische Aufbauwerk sind. Sie wollen nicht zugeben, dass ohne Durchführung der Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse die Umgestaltung des Dorfes auf den Grundlagen des Sozialismus nicht zu erreichen ist. Sie glauben, man könne das Dorf in aller Stille, im Selbstlauf, ohne Klassenkampf, nur durch die Einkaufs- und Absatzgenossenschaften auf die Geleise des Sozialismus überleiten - sind sie doch überzeugt, der Kulak werde von selbst in den Sozialismus hineinwachsen. Sie glauben, die Hauptsache bestehe jetzt nicht in dem hohen Entwicklungstempo der Industrie und nicht in den Kollektiv- und Sowjetwirtschaften, sondern darin, die Elementarkräfte des Marktes zu „entfesseln“, den Markt „freizugeben“ und den individuellen Wirtschaften, die kapitalistischen Elemente im Dorf nicht ausgenommen, „die Fesseln abzunehmen“. Da aber der Kulak nicht in den Sozialismus hineinwachsen kann und die „Freigabe“ des Marktes die Bewaffnung des Kulakentums und die Entwaffnung der Arbeiterklasse bedeutet, so ergibt sich, dass die rechten Abweichler in der Praxis zu einer Auffassung abgleiten, die die Möglichkeit leugnet, die Hauptmassen der Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus einzubeziehen.

Dies gibt denn auch die Erklärung für die Tatsache, dass die rechten Abweichler ihre Hahnenkämpfe gegen die Trotzkisten gewöhnlich hinter den Kulissen durch Verhandlungen krönen, die sie mit den Trotzkisten über Blockbildung führen.

Das Grundübel des Rechtsopportunismus besteht darin, dass er mit der Leninschen Auffassung vom Klassenkampf bricht und auf den Standpunkt eines kleinbürgerlichen Liberalismus hinabsinkt.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass ein Sieg der rechten Abweichung in unserer Partei die vollständige Entwaffnung der Arbeiterklasse, die Bewaffnung der kapitalistischen Elemente im Dorf und wachsende Aussichten für eine Restaurierung des Kapitalismus in der UdSSR bedeuten würde.

Die rechten Abweichler vertreten nicht die Bildung einer anderen Partei, und dies ist ein weiteres Merkmal, das sie von den Trotzkisten unterscheidet. Die Führer der rechten Abweichler haben offen ihre Fehler bekannt und vor der Partei kapituliert. Es wäre jedoch töricht, aus diesem Grunde glauben zu wollen, dass die rechte Abweichung bereits begraben sei. Die Kraft des Rechtsopportunismus darf nicht an diesem Umstand gemessen werden. Die Kraft des Rechtsopportunismus besteht in der Stärke des kleinbürgerlichen Elements, in der Stärke des Drucks, den die kapitalistischen Elemente überhaupt und das Kulakentum im Besonderen auf die Partei ausüben. Und gerade weil die rechte Abweichung den Widerstand der entscheidenden Elemente der ablebenden Klassen widerspiegelt, gerade deswegen ist die rechte Abweichung zurzeit die Hauptgefahr in der Partei.

Daher erachtete es die Partei für notwendig, einen entschlossenen und unversöhnlichen Kampf gegen die rechte Abweichung zu führen.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass wir es ohne den entschlossenen Kampf gegen die rechte Abweichung, ohne die Isolierung ihrer führenden Elemente nicht fertig gebracht hätten, die Kräfte der Partei und der Arbeiterklasse zu mobilisieren, die armen Bauern und die Masse der Mittelbauern zu mobilisieren für die entfaltete Offensive des Sozialismus, für die Organisierung von Sowjet- und Kollektivwirtschaften, für den Wiederaufbau unserer Schwerindustrie, für die Liquidierung des Kulakentums als Klasse.

So verhält es sich mit der „linken“ und mit der rechten Abweichung in der Partei.

Die Aufgabe besteht darin, den unversöhnlichen Kampf an zwei Fronten auch in Zukunft fortzusetzen, sowohl gegen die „Linken“, die den kleinbürgerlichen Radikalismus vertreten, als auch gegen die Rechten, die den kleinbürgerlichen Liberalismus vertreten.

Die Aufgabe besteht darin, den unversöhnlichen Kampf gegen jene versöhnlerischen Elemente in der Partei auch in Zukunft fortzusetzen, die die Notwendigkeit des entschlossenen Zweifrontenkampfes nicht begreifen oder so tun, als ob sie diese Notwendigkeit nicht begriffen.

b) Das Bild des Kampfes gegen die Abweichungen in der Partei wäre unvollständig, wenn wir nicht die in der Partei vorhandenen Abweichungen in der nationalen Frage berührten. Ich denke dabei erstens an die Abweichung zum großrussischen Chauvinismus und zweitens an die Abweichung zum lokalen Nationalismus. Diese Abweichungen sind nicht so augenfällig und draufgängerisch wie die „linke“ oder die rechte Abweichung. Man könnte sie schleichende Abweichungen nennen. Dies bedeutet aber noch nicht, dass sie nicht existieren. Nein, sie existieren, und - was die Hauptsache ist - sie nehmen zu. Das kann keinem Zweifel unterliegen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, weil die ganze Atmosphäre zugespitzten Klassenkampfes zu einer bestimmten Verschärfung der nationalen Reibungen führen muss, die ihre Widerspiegelung in der Partei finden. Daher müsste man das Gepräge dieser Abweichungen aufdecken und in helles Licht rücken.

Worin besteht das Wesen der Abweichung zum großrussischen Chauvinismus unter unseren gegenwärtigen Verhältnissen?

Das Wesen der Abweichung zum großrussischen Chauvinismus besteht in dem Bestreben, die nationalen Unterschiede der Sprache, der Kultur, der Lebensweise unberücksichtigt zu lassen; in dem Bestreben, die Liquidierung der nationalen Republiken und Gebiete vorzubereiten; in dem Bestreben, das Prinzip der nationalen Gleichberechtigung zu untergraben und die auf Nationalisierung des Apparats, auf Nationalisierung der Presse, der Schulen und der anderen staatlichen und gesellschaftlichen Organisationen gerichtete Politik der Partei zu diskreditieren.

Die Abweichler dieser Art gehen dabei von der Auffassung aus, da die Nationen sich beim Sieg des Sozialismus in eins verschmelzen und ihre Nationalsprachen in einer einheitlichen Gemeinsprache aufgehen müssen, sei die Zeit gekommen, die nationalen Unterschiede zu beseitigen und auf die Politik zu verzichten, die die Entwicklung der nationalen Kultur der früher geknechteten Völker fördert.

Sie berufen sich dabei auf Lenin, indem sie ihn falsch zitieren, ja mitunter direkt entstellen und verleumden.

Lenin sagte, dass im Sozialismus die Interessen der Nationalitäten zu einem Ganzen verschmelzen werden - folgt daraus nicht, dass es an der Zeit wäre, mit den nationalen Republiken und Gebieten im Interesse ... des Internationalismus Schluss zu machen? Lenin sagte 1913 in der Polemik mit den Anhängern des „Bund“, dass die Losung der nationalen Kultur eine bürgerliche Losung ist - folgt daraus nicht, dass es an der Zeit wäre, mit der nationalen Kultur der Völker der UdSSR im Interesse ... des Internationalismus Schluss zu machen?

Lenin sagte, dass das nationale Joch und die nationalen Schranken unter dem Sozialismus beseitigt werden - folgt daraus nicht, dass es an der Zeit wäre, Schluss zu machen mit der Politik, die die nationalen Besonderheiten der Völker der UdSSR in Rechnung zieht, und überzugehen zur Politik der Assimilierung im Interesse ... des Internationalismus?

Und so weiter und dergleichen mehr.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass diese Abweichung in der nationalen Frage, die noch dazu mit der Maske des Internationalismus und dem Namen Lenins getarnt wird, die raffinierteste und daher gefährlichste Abart des großrussischen Nationalismus ist.

Erstens hat Lenin nie gesagt, dass die nationalen Unterschiede verschwinden und die Nationalsprachen in einer einheitlichen Sprache aufgehen müssen in den Grenzen eines Staates, vor dem Siege des Sozialismus im Weltmaßstab. Im Gegenteil, Lenin hat das direkte Gegenteil gesagt, und zwar, dass „nationale und staatliche Unterschiede zwischen den Völkern und Ländern... sich noch sehr, sehr lange sogar nach der Verwirklichung der Diktatur des Proletariats im Weltmaßstab erhalten werden“'. (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 31, S. 72 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 736].)

Wie kann man sich auf Lenin berufen und dabei diesen seinen grundlegenden Hinweis vergessen?

Freilich, einer der früheren Marxisten, heute Renegat und Reformist, Herr Kautsky, behauptet das direkte Gegenteil von dem, was Lenin uns lehrt. Er behauptet entgegen Lenin, dass der Sieg der proletarischen Revolution in einem vereinigten österreichisch-deutschen Staat Mitte des vorigen Jahrhunderts zur Bildung einer gemeinsamen deutschen Sprache und zur Germanisierung der Tschechen geführt hätte, denn „ohne jegliche gewaltsame Germanisation musste einfach die Macht des entfesselten Verkehrs, die Macht der modernen Kultur, welche die Deutschen brachten, die rückständigen tschechischen Kleinbürger, Bauern und Proletarier, denen ihre verkümmerte Nationalität gar nichts zu bieten hatte, zu Deutschen machen“. (Siehe Vorwort zur deutschen Ausgabe von „Revolution und Konterrevolution“.)

Begreiflicherweise harmoniert eine solche „Konzeption“ durchaus mit dem Sozialchauvinismus Kautskys. Diese Auffassungen Kautskys waren es, die ich 1925 in meinem Vortrag an der Universität der Völker des Ostens [56] bekämpft habe. Kann denn aber für uns Marxisten, die wir konsequente Internationalisten bleiben wollen, dieses antimarxistische Geschwätz eines wild gewordenen deutschen Sozialchauvinisten wirklich irgendeine positive Bedeutung haben?

Wer hat Recht, Kautsky oder Lenin?

Wenn Kautsky recht hat, wie läßt sich dann die Tatsache erklären, dass solche relativ rückständigen Nationalitäten wie die Bjelorussen und Ukrainer, die den Großrussen näher stehen als die Tschechen den Deutschen, durch den Sieg der proletarischen Revolution in der UdSSR nicht russifiziert wurden, sondern, umgekehrt, zu neuem Leben erwachten und sich als selbständige Nationen entwickelten? Wie läßt es sich erklären, dass Nationen wie die Turkmenen, Kirgisen, Usbeken, Tadshiken (gar nicht zu reden von den Georgiern, Armeniern, Aserbaidshanern usw.) im Zusammenhang mit dem Sieg des Sozialismus in der UdSSR trotz ihrer Rückständigkeit nicht nur nicht russifiziert wurden, sondern, umgekehrt, zu neuem Leben erwachten und sich zu selbständigen Nationen entwickelten? Ist es nicht klar, dass unsere verehrten Abweichler auf der Jagd nach einem Paradeinternationalismus in die Fänge des Kautskyschen Sozialchauvinismus geraten sind? Ist es nicht klar, dass sie, wenn sie sich für eine gemeinsame Sprache auf dem Territorium eines Staates, der UdSSR, einsetzen, im Grunde genommen die Wiederherstellung der Privilegien der früher herrschenden Sprache, nämlich der großrussischen, anstreben?

Wo bleibt da der Internationalismus?

Zweitens hat Lenin nie gesagt, dass die Beseitigung des nationalen Jochs und die Verschmelzung der Interessen der Nationalitäten zu einem einheitlichen Ganzen der Beseitigung der nationalen Unterschiede gleichkommen. Wir haben das nationale Joch beseitigt. Wir haben die nationalen Privilegien beseitigt und die nationale Gleichberechtigung eingeführt. Wir haben die staatlichen Grenzen im alten Sinne des Wortes, die Grenzpfähle und Zollschranken zwischen den Nationalitäten der UdSSR beseitigt. Wir haben die Einheit der ökonomischen und politischen Interessen der Völker der UdSSR herbeigeführt. Bedeutet dies aber, dass wir damit die nationalen Unterschiede in Sprache, Kultur, Lebensweise usw. beseitigt haben? Natürlich nicht. Wenn aber die nationalen Unterschiede in Sprache, Kultur, Lebensweise usw. bestehen bleiben, ist es dann nicht klar, dass die Forderung, die nationalen Republiken und Gebiete in der gegenwärtigen historischen Periode abzuschaffen, eine reaktionäre, gegen die Interessen der Diktatur des Proletariats gerichtete Forderung ist? Begreifen unsere Abweichler, dass die Abschaffung der nationalen Republiken und Gebiete im gegenwärtigen Augenblick nichts anderes bedeutet, als die Millionenmassen der Völker der UdSSR um die Möglichkeit zu bringen, sich Bildung in der Muttersprache anzueignen, sie um die Möglichkeit zu bringen, Schulen, Gerichte, Verwaltungsorgane, gesellschaftliche und andere Organisationen und Institutionen in der Muttersprache zu haben, sie um die Möglichkeit zu bringen, sich am sozialistischen Aufbau zu beteiligen? Ist es nicht klar, dass unsere Abweichler auf der Jagd nach einem Paradeinternationalismus in die Fänge der reaktionären großrussischen Chauvinisten geraten sind und die Losung der Kulturrevolution in der Periode der Diktatur des Proletariats, die für alle Völker der UdSSR, sowohl für die Großrussen als auch für die Nichtgroßrussen, die gleiche Geltung hat, vergessen, vollständig vergessen haben?

Drittens hat Lenin nie gesagt, die Losung der Entwicklung der nationalen Kultur unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats sei eine reaktionäre Losung. Im Gegenteil, Lenin trat stets dafür ein, dass man den Völkern der UdSSR helfen soll, ihre nationale Kultur zu entwickeln. Unter der Leitung Lenins und keines anderen wurde auf dem X. Parteitag die Resolution zur nationalen Frage abgefasst und angenommen, in der es direkt heißt:

„Die Aufgabe der Partei besteht darin, dass sie den werktätigen Massen der nichtgroßrussischen Völker hilft, das vorangeschrittene Zentralrußland einzuholen, dass sie ihnen hilft: a) bei sich ein sowjetisches Staatswesen zu entwickeln und zu festigen in Formen, die den nationalen Verhältnissen und der Lebensweise dieser Völker entsprechen; b) bei sich in der Muttersprache wirkende Gerichte, Verwaltungs-, Wirtschafts- und Machtorgane zu entwickeln und zu festigen, zusammengesetzt aus Einheimischen, die mit den Lebensgewohnheiten und der Denkart der einheimischen Bevölkerung vertraut sind; c) bei sich das Presse- und Schulwesen, das Theater- und Klubwesen und überhaupt in der Muttersprache wirkende Kultur- und Aufklärungsstätten zu entwickeln; d) ein umfassendes Netz von Kursen und Schulen in der Muttersprache zu organisieren und zu entwickeln, sowohl allgemein bildender als auch beruflich-technischer Art.“ [57]

Ist es nicht klar, dass Lenin voll und ganz eintrat für die Losung der Entwicklung der nationalen Kultur unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats?

Ist es nicht klar, dass die Ablehnung der Losung der nationalen Kultur unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats soviel bedeutet wie die Verneinung der Notwendigkeit des kulturellen Aufstiegs der nicht-großrussischen Völker der UdSSR, wie die Verneinung der Notwendigkeit einer allgemein obligatorischen Bildung für diese Völker, wie die Auslieferung dieser Völker an reaktionäre Nationalisten zur geistigen Knechtung?

Lenin bezeichnete tatsächlich die Losung der nationalen Kultur unter der Heerschaft der Bourgeoisie als eine reaktionäre Losung. Aber konnte es anders sein?

Was heißt nationale Kultur unter der Herrschaft der nationalen Bourgeoisie? Bürgerlich ihrem Inhalt und national ihrer Form nach, hat diese Kultur das Ziel, die Massen mit Nationalismus zu vergiften und die Herrschaft der Bourgeoisie zu festigen.

Was heißt nationale Kultur unter der Diktatur des Proletariats? Sozialistisch ihrem Inhalt und national ihrer Form nach, hat diese Kultur das Ziel, die Massen im Geiste des Sozialismus und des Internationalismus zu erziehen.

Wie kann man diese beiden prinzipiell verschiedenen Erscheinungen verwechseln, ohne mit dem Marxismus zu brechen?

Ist es nicht klar, dass Lenin durch seinen Kampf gegen die Losung der nationalen Kultur unter dem bürgerlichen Regime Schläge führte gegen den bürgerlichen Inhalt der nationalen Kultur und nicht gegen ihre nationale Form?

Es wäre dumm, annehmen zu wollen, Lenin hätte die sozialistische Kultur als eine anationale Kultur, ohne diese oder jene nationale Form betrachtet. Die Anhänger des „Bund“ sagten Lenin allerdings eine Zeitlang einen solchen Unsinn nach. Aus Lenins Werken ist jedoch bekannt, dass er gegen eine solche Verleumdung scharf protestierte, sich von diesem Unsinn entschieden distanzierte. Sind denn tatsächlich unsere verehrten Abweichler in die Fußtapfen des „Bund“ getreten?

Was bleibt nach allem Gesagten von den Argumenten unserer Abweichler übrig?

Nichts als ein Jonglieren mit der Flagge des Internationalismus und eine Verleumdung Lenins.

Diejenigen, die zum großrussischen Chauvinismus abweichen, sind schwer im Irrtum, wenn sie glauben, die Periode des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR sei eine Periode des Zerfalls und der Liquidierung der nationalen Kulturen. Die Sache verhält sich gerade umgekehrt. In Wirklichkeit ist die Periode der Diktatur des Proletariats und des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR eine Periode des Aufblühens der nationalen Kulturen, die ihrem Inhalt nach sozialistisch und ihrer Form nach national sind, denn die Nationen selbst sind in der Sowjetordnung ja keine gewöhnlichen „modernen“ Nationen, sondern sozialistische Nationen, ebenso wie ihre nationalen Kulturen dem Inhalt nach keine gewöhnlichen, bürgerlichen Kulturen, sondern sozialistische Kulturen sind.

Sie begreifen offenbar nicht, dass sich die Entwicklung der nationalen Kulturen mit Einführung und Verankerung der allgemeinen Grundschulpflicht in der Muttersprache mit neuer Kraft entfalten muss. Sie begreifen nicht, dass man die rückständigen Nationalitäten nur unter der Bedingung in den sozialistischen Aufbau wirklich wird einbeziehen können, dass sich die nationalen Kulturen entwickeln.

Sie begreifen nicht, dass die Leninsche Politik der Förderung und 'Unterstützung der Völker der UdSSR bei der Entwicklung ihrer nationalen Kulturen gerade dies zur Grundlage hat.

Es mag sonderbar erscheinen, dass wir, die Anhänger der künftigen Verschmelzung der nationalen Kulturen zu einer (nach Form wie nach Inhalt) gemeinsamen Kultur, mit einer gemeinsamen Sprache, gleichzeitig Anhänger des Aufblühens der nationalen Kulturen im gegenwärtigen Augenblick, in der Periode der Diktatur des Proletariats, sind. Aber daran ist nichts Sonderbares. Man muss den nationalen Kulturen die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln und zu entfalten, alle ihre Potenzen zutage zu fördern, um die Voraussetzungen zu schaffen für ihre Verschmelzung zu einer gemeinsamen Kultur mit einer gemeinsamen Sprache in der Periode, da der Sozialismus in der ganzen Welt gesiegt haben wird. Das Aufblühen der ihrer Form nach nationalen und ihrem Inhalt nach sozialistischen Kulturen unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats in einem Lande zum Zwecke ihrer Verschmelzung zu einer (nach Form wie nach Inhalt) gemeinsamen sozialistischen Kultur mit gemeinsamer Sprache, wenn das Proletariat in der ganzen Welt gesiegt und der Sozialismus sich im Leben eingebürgert haben wird - darin besteht gerade das dialektische Wesen des Leninschen Herantretens an die Fragen der nationalen Kultur.

Man könnte sagen, ein solches Herantreten an die Frage sei „widerspruchsvoll“. Aber haben wir bei uns nicht den gleichen „Widerspruch“ in der Frage des Staates? Wir sind für das Absterben des Staates. Wir sind jedoch gleichzeitig für die Verstärkung der Diktatur des Proletariats, der stärksten und mächtigsten Staatsmacht, die jemals bestanden hat. Höchste Entwicklung der Staatsmacht zur Vorbereitung der Bedingungen für das Absterben der Staatsmacht - so lautet die marxistische Formel. Ist das „widerspruchsvoll“? Ja, es ist „widerspruchsvoll“. Aber dieser Widerspruch ist dem Leben eigen, und er widerspiegelt vollständig die Marxsche Dialektik.

Oder nehmen wir Lenins Herantreten an die Frage des Rechtes der Nationen auf Selbstbestimmung bis zur Lostrennung. Lenin brachte manchmal die These der nationalen Selbstbestimmung auf die einfache Formel „Trennung zwecks Vereinigung“. Man überlege sich das nur: Trennung zwecks Vereinigung. Das klingt sogar nach einem Paradoxon. Indessen widerspiegelt diese „widerspruchsvolle“ Formel jene Lebenswahrheit der Marxschen Dialektik, die den Bolschewiki die Möglichkeit gibt, auf dem Gebiet der nationalen Frage die unzugänglichsten Festungen einzunehmen.

Das gleiche muss gesagt werden von der Formel hinsichtlich der nationalen Kultur: Aufblühen der nationalen Kulturen (und Sprachen) in der Periode der Diktatur des Proletariats in einem Lande zwecks Vorbereitung der Bedingungen für ihr Absterben und ihre Verschmelzung zu einer gemeinsamen sozialistischen Kultur (und zu einer gemeinsamen Sprache) in der Periode des Sieges des Sozialismus in der ganzen Welt.

Wer diese Eigenart und diesen „Widerspruch“ unserer Übergangszeit nicht begriffen hat, wer diese Dialektik der historischen Prozesse nicht begriffen hat, der ist für den Marxismus verloren.

Das Malheur unserer Abweichler ist, dass sie die Marxsche Dialektik nicht verstehen und nicht verstehen wollen.

So verhält es sich mit der Abweichung zum großrussischen Chauvinismus.

Es ist nicht schwer zu begreifen, dass diese Abweichung das Bestreben der ablebenden Klassen der früher herrschenden großrussischen Nation widerspiegelt, die verlorenen Privilegien wiederzuerlangen.

Daher die Gefahr des großrussischen Chauvinismus als Hauptgefahr in der Partei auf dem Gebiet der nationalen Frage.

Worin besteht das Wesen der Abweichung zum lokalen Nationalismus?

Das Wesen der Abweichung zum lokalen Nationalismus besteht in dem Bestreben, sich abzusondern und sich im eigenen nationalen Schneckenhaus abzukapseln, in dem Bestreben, die Klassengegensätze innerhalb der eigenen Nation zu vertuschen, in dem Bestreben, sich vor dem großrussischen Chauvinismus durch die Abkehr vom gemeinsamen Strom des sozialistischen Aufbaus zu schützen, in dem Bestreben, nicht zu sehen, was die werktätigen Massen der Nationen der UdSSR einander näher bringt und vereinigt, und nur das zu sehen, was geeignet ist, sie voneinander zu entfernen.

Die Abweichung zum lokalen Nationalismus widerspiegelt die Unzufriedenheit der ablebenden Klassen der früher unterdrückten Nationen mit dem Regime der Diktatur des Proletariats, ihr Bestreben, sich zu einem eigenen bürgerlichen Nationalstaat abzusondern und dort die eigene Klassenherrschaft aufzurichten.

Die Gefahr dieser Abweichung besteht darin, dass sie den bürgerlichen Nationalismus kultiviert, die Einheit der Werktätigen der Völker der UdSSR schwächt und den Interventionisten in die Hände arbeitet.

Das ist das Wesen der Abweichung zum lokalen Nationalismus.

Die Aufgabe der Partei besteht darin, diese Abweichung entschieden zu bekämpfen und die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen für die internationale Erziehung der werktätigen Massen der Völker der UdSSR.

So verhält es sich mit den Abweichungen in unserer Partei, mit der „linken“ und der rechten Abweichung auf dem Gebiet der allgemeinen Politik, mit den Abweichungen auf dem Gebiet der nationalen Frage. Das ist unsere innerparteiliche Lage.

Heute, da die Partei aus dem Kampf für die Generallinie als Sieger hervorgegangen ist, da die Leninsche Linie unserer Partei an der ganzen Front triumphiert, sind viele geneigt, jene Schwierigkeiten zu vergessen, die uns die allerverschiedensten Abweichler in unserer Arbeit bereitet haben. Mehr noch, einige spießbürgerlich gestimmte Genossen glauben jetzt noch, man hätte ohne den Kampf gegen die Abweichler auskommen können. Man braucht wohl kaum zu sagen, dass diese Genossen sich in einem schweren Irrtum befinden. Man braucht nur rückwärts zu schauen und sich der schändlichen Streiche der Trotzkisten und der rechten Abweichler zu erinnern, man braucht sich nur der Geschichte des Kampfes gegen die Abweichungen in der verflossenen Periode zu erinnern, um die ganze Hohlheit und Untauglichkeit dieser Parteispießerei zu begreifen. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass wir die Erfolge, auf die unsere Partei jetzt mit Recht stolz ist, nicht erzielt hätten, wenn wir nicht den Abweichlern die Zügel angelegt, wenn wir sie nicht im offenen Kampf geschlagen hätten.

Im Kampf gegen die Abweichungen von der Leninschen Linie ist unsere Partei gewachsen und erstarkt. Im Kampf gegen die Abweichungen hat sie die Leninsche Einheit ihrer Reihen geschmiedet. Niemand stellt jetzt mehr die unbestreitbare Tatsache in Abrede, dass die Partei noch nie so fest um ihr ZK zusammengeschlossen war wie heute. Alle müssen heute anerkennen, dass die Partei heute mehr denn je einig und geschlossen dasteht, dass der XVI. Parteitag einer der wenigen Parteitage unserer Partei ist, auf dem es keine formell organisierte und geschlossene Opposition mehr gibt, die imstande wäre, der Generallinie der Partei eine eigene, besondere Linie entgegenzustellen.

Welchem Umstand verdankt die Partei diese entscheidende Errungenschaft?

Sie verdankt diese Errungenschaft dem Umstand, dass sie in ihrem Kampf gegen die Abweichungen stets eine prinzipielle Politik durchgeführt, sich nie zu Kombinationen hinter den Kulissen und zu diplomatischem Schacher hergegeben hat.

Lenin sagte, dass prinzipielle Politik die einzig richtige Politik ist. Wir sind aus dem Kampf gegen die Abweichungen als Sieger hervorgegangen, weil wir dieses Vermächtnis Lenins ehrlich und konsequent erfüllt haben. (Beifall.)

*

Ich komme zum Schluss, Genossen.

Welches ist die allgemeine Schlussfolgerung?

Wir haben in der verflossenen Periode eine Reihe entscheidender Erfolge an allen Fronten des sozialistischen Aufbaus erzielt. Wir haben diese Erfolge erzielt, weil wir es verstanden haben, das große Banner Lenins hochzuhalten. Wenn wir siegen wollen, müssen wir auch künftig Lenins Banner hochhalten und es rein und unbefleckt bewahren. (Beifall.)

Das ist die allgemeine Schlussfolgerung.

Mit dem Banner Lenins haben wir in den Kämpfen um die Oktoberrevolution gesiegt.

Mit dem Banner Lenins haben wir im Kampf für den Sieg des sozialistischen Aufbaus entscheidende Erfolge erzielt.

Mit dem gleichen Banner wird die proletarische Revolution in der ganzen Welt siegen.

Es lebe der Leninismus! (Stürmischer, lang anhaltender Beifall. Ovationen im ganzen Saal.)

"Prawda" Nr. 177,

29. Juni 1930

 

 

Anmerkungen Band 12

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