DEUTSCH

 

 

Gesammelte

STALINWERKE :

 

 

 

Band 10

August 1927 - Dezember 1927

Seite 1 - 80

 

 

VEREINIGTES PLENUM DES ZK UND DER ZKK
DER KPdSU(B)

29. Juli-9. August 1927

 

J. Stalin, Über die Opposition.
Artikel und Reden aus den Jahren 1921-1927.
Moskau/Leningrad 1928.

[1]

 

 

 

DIE INTERNATIONALE LAGE
UND DIE VERTEIDIGUNG DER UdSSR

Rede am 1. August

 

 

I
Die Ausfälle der Opposition gegen die Sektionen der Komintern

 

Genossen!

Ich möchte mich vor allem mit den Ausfällen Kamenews, Sinowjews und Trotzkis gegen die Sektionen der Komintern, gegen die polnische Sektion der Komintern, gegen die österreichische, gegen die englische, gegen die chinesische Sektion befassen. Ich möchte auf diese Frage deshalb eingehen, weil die Oppositionellen hier im trüben fischen wollten, weil sie uns, was die Bruderparteien anbetrifft, Sand in die Augen streuten; wir aber brauchen hier Klarheit und kein oppositionelles Geschwätz.

 

Die Frage der polnischen Partei

 

Sinowjew hatte die Stirn, hier zu erklären, wenn es dort, in der polnischen Partei, eine rechte Abweichung, vertreten durch Warski, gibt, so sei daran die Kommunistische Internationale, die jetzige Führung der Komintern schuld. Er sagte, wenn Warski eine Zeitlang die Meinung vertreten habe - und das hat er tatsächlich getan -, man müsse die Pilsudskitruppen unterstützen, so sei daran die Komintern schuld.

Das ist völlig falsch. Ich möchte mich auf Tatsachen berufen, auf die Ihnen bekannten Stellen aus dem stenographischen Protokoll der Plenartagung des ZK und der ZKK vom Juli vorigen Jahres, möchte mich auf einen solchen Genossen berufen wie den Genossen Dzierzynski und sein Zeugnis anführen; er erklärte damals, wenn es in der polnischen Partei eine rechte Abweichung gab, so sei sie von niemand anders als von Sinowjew gezüchtet worden.

Das war in den Tagen des so genannten Pilsudskiaufstands [2], als wir, die Mitglieder der polnischen Kommission des EKKI und des ZK unserer Partei, der Dzierzynski, Unschlicht, ich, Sinowjew und andere angehörten, die Beschlüsse für die Kommunistische Partei Polens ausarbeiteten. Sinowjew legte damals als Vorsitzender der Komintern einen eigenen Entwurf vor, in dem er unter anderem zum Ausdruck brachte, dass im gegenwärtigen Augenblick in Polen, da der Kampf entbrennt zwischen den Kräften, die auf seiten Pilsudskis stehen, und den Kräften, die auf seiten der polnischen Regierung Witos stehen, dass in diesem Augenblick eine Politik der Neutralität seitens der Kommunistischen Partei unzulässig und dass es vorläufig nicht nötig sei, scharfe Angriffe gegen Pilsudski zu richten.

Wir, ein paar Genossen, darunter Dzierzynski, traten damals dagegen auf und erklärten, dass diese Direktive falsch ist, dass sie die Kommunistische Partei Polens nur irreführt. Es muss gesagt werden, dass nicht nur die Politik der Neutralität, sondern auch eine Politik der Unterstützung Pilsudskis unzulässig ist. Nach einigen Einwendungen wurde diese Direktive mit unseren Änderungen angenommen.

Ich will damit sagen, dass nicht viel Mut dazu gehört, gegen Warski aufzutreten, der damals einen Fehler begangen hatte und dem dafür gehörig die Leviten gelesen wurden; aber die Schuld von sich auf andere abwälzen, die eigene Schuld an der Züchtung der rechten Abweichung in der polnischen Partei, die Schuld Sinowjews, auf die Komintern, auf die jetzigen Führer der Komintern abwälzen - heißt ein Verbrechen gegen die Komintern begehen.

Sie werden sagen, das sei eine Lappalie, und ich beschäftige mich unnötigerweise damit. Nein, Genossen, das ist keine Lappalie. Der Kampf gegen die rechte Abweichung in der polnischen Partei dauert an und wird noch fortgesetzt werden. Sinowjew hat - nun, wie soll man es gelinde ausdrücken - die Kühnheit zu behaupten, die rechte Abweichung werde von der jetzigen Führung der Komintern unterstützt. Aber die Tatsachen beweisen das Gegenteil. Sie beweisen, dass Sinowjew die Komintern verleumdet, dass er die Schuld von sich auf andere abwälzt. Das ist so üblich bei Sinowjew, das ist nichts Neues bei ihm. Wir haben jedoch die Pflicht, seine Verleumdermanieren jedesmal zu entlarven.

 

Über Österreich.

Sinowjew hat hier behauptet, die österreichische Kommunistische Partei sei schwach, sie habe nicht verstanden, die Führung der Aktion zu übernehmen, die vor kurzem in Wien stattgefunden hat [3]. Das stimmt und stimmt auch nicht. Dass die österreichische Kommunistische Partei schwach ist, das stimmt. Aber bestreiten, dass sie richtig gehandelt hat, heißt sie verleumden. Ja, sie ist noch schwach, aber schwach ist sie unter anderem deshalb, weil noch nicht jene tiefe revolutionäre Krise des Kapitalismus besteht, die die Massen revolutioniert, die die Sozialdemokratie desorganisiert und die Chancen des Kommunismus schnell erhöht; sie ist schwach, weil sie jung ist, weil in Österreich schon seit langem die Herrschaft der sozialdemokratischen „Linken“ [4] besteht, die unter dem Deckmantel linker Phrasen eine rechte, opportunistische Politik zu betreiben versteht, weil es unmöglich ist, die Sozialdemokratie auf einen Hieb zu zerschlagen. Aber worauf will Sinowjew eigentlich hinaus? Er deutete an, wagte aber nicht, es geradeheraus zu sagen, dass es die Schuld der Komintern sei, wenn die österreichische Kommunistische Partei schwach ist. Offensichtlich wollte er das sagen. Aber das ist schon ein Versuch mit untauglichen Mitteln. Das ist eine Verleumdung. Im Gegenteil, gerade seit Sinowjew nicht mehr Vorsitzender der Komintern ist, blieb die österreichische Kommunistische Partei von dem ständigen Hin- und Hergezerre, von der chaotischen Einmischung in ihr inneres Leben verschont und erhielt so die Möglichkeit vorwärts zu kommen, sich zu entwickeln. Zeugt denn die Tatsache, dass sie es verstanden hat, an den Wiener Ereignissen aktiv teilzunehmen und sich die Sympathie der Arbeitermassen zu erobern - zeugt das etwa nicht davon, dass die österreichische Kommunistische Partei wächst und sich in eine Massenpartei verwandelt? Wie kann man diese offensichtlichen Tatsachen bestreiten?

 

Der Ausfall gegen die englische Kommunistische Partei.

 

Sinowjew hat behauptet, die englische Kommunistische Partei habe bei dem Generalstreik und dem Bergarbeiterstreik [5] nichts gewonnen, sie sei sogar geschwächt aus dem Kampf hervorgegangen. Das ist falsch. Es ist deshalb falsch, weil das Gewicht der Kommunistischen Partei Englands von Tag zu Tag zunimmt. Das können nur Blinde leugnen. Das ist schon daraus zu ersehen, dass die englische Bourgeoisie, die der Kommunistischen Partei Englands früher keine ernsthafte Beachtung schenkte, sie jetzt hingegen wütend verfolgt und dass nicht nur die englische Bourgeoisie, sondern auch der Generalrat [6], auch die Labourpartei Englands einen wütenden Feldzug gegen „ihre“ Kommunisten organisieren. Warum wurden die englischen Kommunisten bisher mehr oder weniger geduldet? Weil sie schwach waren, weil ihr Einfluss unter den Massen schwach war. Warum hat man aufgehört, sie zu dulden, warum greift man sie jetzt wütend an? Weil man die Kommunistische Partei fürchtet als eine Macht, weil die Führer der englischen Labourpartei und des Generalrats sie fürchten als ihren Totengräber. Das vergisst Sinowjew.

Ich stelle nicht in Abrede, dass die westlichen Sektionen der Komintern überhaupt immer noch mehr oder weniger schwach sind. Das kann man nicht in Abrede stellen. Aber wo liegen die Ursachen hierfür? Die Hauptursachen sind:

erstens das Fehlen jener tiefen revolutionären Krise, die die Massen revolutioniert, sie auf die Beine bringt und sie eine jähe Wendung zum Kommunismus machen lässt;

zweitens der Umstand, dass in allen Ländern Westeuropas die vorherrschende Kraft unter den Arbeitern vorläufig noch die sozialdemokratischen Parteien sind, die älter sind als die kommunistischen Parteien, welche noch nicht lange bestehen und von denen man nicht verlangen kann, dass sie die sozialdemokratischen Parteien mit einem Schlage zertrümmern.

Und ist es etwa nicht Tatsache, dass die kommunistischen Parteien im Westen trotz dieser Umstände wachsen, dass ihre Popularität unter den Arbeitermassen zunimmt, dass einige von ihnen schon zu wirklichen Massenparteien des Proletariats geworden sind, während andere im Begriff sind, es zu werden?

Aber es gibt noch eine weitere Ursache, die das schnelle Wachstum der kommunistischen Parteien im Westen hindert. Das ist die Spalterarbeit der Opposition, eben jener Opposition, die hier in diesem Saale sitzt. Was ist erforderlich, damit die kommunistischen Parteien in schnellem Tempo wachsen? Eherne Einheit der Komintern, keine Spaltung innerhalb ihrer Sektionen. Was aber tut die Opposition? Sie hat eine zweite Partei in Deutschland geschaffen, die Partei Maslows und Ruth Fischers. Sie trachtet danach, ebensolche Spaltergruppen in den anderen Ländern Europas zu schaffen. Sie, unsere Opposition, hat eine zweite Partei in Deutschland geschaffen mit einem Zentralkomitee, einem Zentralorgan und einer Parlamentsfraktion, sie hat die Spaltung in der Komintern organisiert, wohl wissend, dass die Spaltung im gegebenen Fall das Wachstum der kommunistischen Parteien zwangsläufig hemmen muss - und jetzt schreit gerade sie, der Komintern die Schuld zuschiebend, dass die kommunistischen Parteien im Westen langsam wachsen! Das ist wirklich schon eine bodenlose Frechheit...

 

Über die chinesische Kommunistische Partei.

 

Die Oppositionellen erheben ein Geschrei darüber, dass von der chinesischen Kommunistischen Partei, namentlich von ihrer Führung, sozialdemokratische, menschewistische Fehler begangen werden. Das ist richtig. Sie machen das der Führung der Komintern zum Vorwurf. Das aber ist schon völlig falsch. Im Gegenteil, die Komintern hat die Fehler der Führung der chinesischen Kommunistischen Partei systematisch korrigiert. Das können nur Blinde leugnen. Sie wissen dass aus der Presse, aus der „Prawda“, aus der „Kommunistischen Internationale“ [7], Sie wissen das aus den Beschlüssen der Komintern. Niemals hat die Opposition auch nur eine einzige Direktive, auch nur eine einzige Resolution der Komintern angeführt, die im ZK der chinesischen Kommunistischen Partei eine menschewistische Abweichung hätte hervorrufen können, und sie wird niemals eine anführen, denn solche Direktiven gibt es nicht. Es wäre töricht zu glauben, dass, wenn irgendwo in einer kommunistischen Partei oder in deren ZK eine menschewistische Abweichung auftritt, unbedingt die Komintern daran schuld sei.

Kamenew fragt, wo die menschewistischen Fehler der chinesischen Kommunistischen Partei herrühren könnten, und er antwortet, dass sie nur aus der falschen Führung der Komintern herrühren könnten. Ich frage aber: Wo rührten die menschewistischen Fehler in der deutschen Kommunistischen Partei während der Revolution von 1923 her? Wo rührte das Brandlerianertum [8] her? Wer hat es unterstützt? Ist es etwa nicht Tatsache, dass Trotzki, der heutige Führer der Opposition, die menschewistischen Fehler des ZK der deutschen Kommunistischen Partei unterstützt hat? Warum hat Kamenew damals nicht gesagt, dass das Aufkommen des Brandlerianertums aus der falschen Führung der Komintern zu erklären sei? Kamenew und Trotzki haben die Lehren der revolutionären Bewegung des Proletariats vergessen. Sie haben vergessen, dass in den kommunistischen Parteien bei einem Aufschwung der Revolution unweigerlich die rechte und die linke Abweichung auftreten müssen, von denen die erste sich nicht von der Vergangenheit trennen will, und die zweite nicht mit der Gegenwart rechnen will. Sie haben vergessen, dass es keine Revolutionen ohne diese Abweichungen gibt.

Und wie war es denn bei uns im Oktober 1917, gab es damals in unserer Partei etwa keine rechte und keine linke Abweichung? Sollten Kamenew und Sinowjew das wirklich vergessen haben? Erinnern Sie sich, Genossen, an die Geschichte der menschewistischen Fehler Kamenews und Sinowjews im Oktober? Woher kamen damals diese Fehler? Wer war schuld daran? Hätte man etwa Lenin oder dem ZK der Leninschen Partei die Schuld daran geben können? Wie konnte die Opposition diese und ähnliche Tatsachen „vergessen“? Wie konnte sie „vergessen“, dass bei einem Aufschwung der Revolution innerhalb der Parteien immer die rechte und die linke Abweichung vom Marxismus auftreten? Aber worin besteht dann die Aufgabe der Marxisten, die Aufgabe der Leninisten? Darin, die Träger sowohl der linken als auch der rechten Abweichung zu schlagen.

Ich wundere mich über Trotzkis Hochmut, der, man denke bloß, bei den kommunistischen Parteien im Westen oder im Osten, wie sich herausstellt, auch nicht die geringsten Fehler ausstehen kann. Er ist, man denke bloß, erstaunt, dass dort, in China, wo die Partei jung ist, wo sie knapp zwei Jahre besteht, dass dort menschewistische Fehler auftreten konnten.

Aber wie viele Jahre ist Trotzki selbst unter den Menschewiki umhergeirrt? Hat er das vergessen? Er ist doch volle 14 Jahre - von 1903 bis 1917 - unter den Menschewiki umhergeirrt. Warum gesteht er sich eine Frist von 14 Jahren zu, um sich, nachdem er in allen möglichen antileninistischen „Strömungen“ umhergeirrt ist, endlich den Bolschewiki zu nähern, während er den jungen chinesischen Kommunisten nicht einmal eine Frist von 4 Jahren zugestehen will? Warum ist er so hochmütig gegenüber anderen und so vergesslich gegenüber seinen eigenen Irrungen? Warum? Wo bleibt da sozusagen die „Gerechtigkeit“?

 

II
Über China

 

Gehen wir zur Chinafrage über.

Ich werde nicht weiter auf die Fehler der Opposition in der Frage des Charakters und der Perspektiven der chinesischen Revolution eingehen. Und zwar deshalb nicht, weil darüber ausführlich genug und überzeugend genug gesprochen wurde und es hier keiner Wiederholung bedarf. Ich werde auch nicht darauf eingehen, dass die chinesische Revolution in ihrem jetzigen Stadium angeblich eine Revolution für die Zollautonomie sein soll (Trotzki). Es lohnt sich auch nicht, darauf einzugehen, dass in China angeblich keine feudalen Überreste existieren und dass sie, falls sie doch existieren, keinerlei ernsthafte Bedeutung haben, so dass die Agrarrevolution in China völlig unbegreiflich wird (Trotzki und Radek). Über diese und ähnliche Fehler der Opposition in der chinesischen Frage sind Sie sicherlich bereits durch unsere Parteipresse unterrichtet.

Wenden wir uns der Frage zu, welches die Hauptausgangspunkte des Leninismus bei der Entscheidung der Fragen der Revolution in den kolonialen und abhängigen Ländern sind.

Worin besteht der Ausgangspunkt der Komintern und der kommunistischen Parteien überhaupt beim Herangehen an die Fragen der revolutionären Bewegung in den kolonialen und abhängigen Ländern?

Er besteht in der strengen Unterscheidung zwischen der Revolution in den imperialistischen Ländern, in Ländern, die andere Völker unterdrücken, und der Revolution in den kolonialen und abhängigen Ländern, in Ländern, auf denen das imperialistische Joch anderer Staaten lastet. Die Revolution in den imperialistischen Ländern, das ist eine Sache - dort ist die Bourgeoisie die Unterdrückerin anderer Völker, dort ist sie in allen Stadien der Revolution konterrevolutionär, dort fehlt das nationale Moment als Moment des Befreiungskampfes. Etwas anderes ist die Revolution in den kolonialen und abhängigen Ländern - hier ist die Unterjochung durch den Imperialismus anderer Staaten einer der Faktoren der Revolution, hier ist dieses Joch, wie es nicht anders sein kann, auch für die nationale Bourgeoisie fühlbar, hier kann die nationale Bourgeoisie in einem bestimmten Stadium und für eine bestimmte Zeit die revolutionäre Bewegung ihres Landes gegen den Imperialismus unterstützen, hier ist das nationale Moment als Moment des Befreiungskampfes ein Faktor der Revolution.

Diese Unterscheidung nicht machen, diesen Unterschied nicht begreifen, die Revolution in den imperialistischen Ländern der Revolution in den Kolonialländern gleichsetzen heißt den Weg des Marxismus, den

Weg des Leninismus verlassen, den Weg der Anhänger der II. Internationale beschreiten.

Folgendes führte Lenin darüber in seinem Referat über die nationale und koloniale Frage auf dem II. Kongress der Komintern aus:

„Was ist der wichtigste, der grundlegende Gedanke unserer Thesen? Die Unterscheidung zwischen unterdrückten und unterdrückenden Völkern. Wir heben diesen Unterschied hervor - im Gegensatz zur II. Internationale und zur bürgerlichen Demokratie.“ (4. Ausgabe, Bd. 31, S. 215, russ.)

Der Grundfehler der Opposition besteht darin, dass sie diesen Unterschied zwischen der Revolution des einen Typus und der Revolution des anderen Typus nicht begreift und nicht anerkennt.

Der Grundfehler der Opposition besteht darin, dass sie die Revolution von 1905 in Rußland, in einem imperialistischen Land, das andere Völker unterdrückte, der Revolution in China gleichsetzt, der Revolution in einem unterdrückten, halbkolonialen Land, das gezwungen ist, gegen das imperialistische Joch anderer Staaten zu kämpfen.

Bei uns in Rußland, im Jahre 1905, vollzog sich die Revolution gegen die Bourgeoisie, gegen die liberale Bourgeoisie, obwohl es eine bürgerlich-demokratische Revolution war. Warum? Weil die liberale Bourgeoisie eines imperialistischen Landes nicht anders als konterrevolutionär sein kann. Eben deshalb war damals bei den Bolschewiki keine Rede von zeitweiligen Blocks und Abkommen mit der liberalen Bourgeoisie und konnte auch keine Rede davon sein. Davon ausgehend, behauptet die Opposition, dieselbe Linie müsse in China in allen Stadien der revolutionären Bewegung verfolgt werden, zeitweilige Abkommen und Blocks mit der nationalen Bourgeoisie seien in China niemals und unter keinen Umständen zulässig. Die Opposition vergisst aber, dass so nur Leute reden können, die den Unterschied zwischen einer Revolution in unterdrückten Ländern und einer Revolution in Unterdrückerländern nicht begreifen und nicht anerkennen, dass so nur Leute reden können, die mit dem Leninismus brechen und zu den Anhängern der II. Internationale hinabsinken.

Über die Zulässigkeit zeitweiliger Abkommen und Blocks mit der bürgerlichen Befreiungsbewegung in den kolonialen Ländern führt Lenin folgendes aus:

„Die Kommunistische Internationale muss ein zeitweiliges Bündnis mit der bürgerlichen Demokratie der Kolonien und der rückständigen Länder eingehen, darf sich aber nicht mit ihr verschmelzen, sondern muss unbedingt die Selbständigkeit der proletarischen Bewegung - sogar in ihrer Keimform - wahren“ (4. Ausgabe, Bd. 31, S. 127 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 775]) ... „wir als Kommunisten müssen und werden die bürgerlichen Befreiungsbewegungen in den kolonialen Ländern nur dann unterstützen, wenn diese Bewegungen wirklich revolutionär sind, wenn ihre Vertreter uns nicht hindern, die Bauernschaft und die breiten Massen der Ausgebeuteten in revolutionärem Geist zu erziehen und zu organisieren“ (4. Ausgabe, Bd. 31, S. 217, russ.).

Wie konnte es „passieren“, dass Lenin, der mit äußerster Schärfe gegen Abkommen mit der Bourgeoisie in Rußland auftrat, solche Abkommen und Blocks in China für zulässig hält? Vielleicht hat sich Lenin geirrt? Vielleicht hat er eine Wendung von der revolutionären Taktik zur opportunistischen Taktik vollzogen? Natürlich nicht! Das ist deshalb „passiert“, weil Lenin sich des Unterschieds zwischen der Revolution in einem unterdrückten Land und der Revolution in einem Unterdrückerland bewusst war. Das ist deshalb „passiert“, weil Lenin sich dessen bewusst war, dass in den kolonialen und abhängigen Ländern die nationale Bourgeoisie in einem bestimmten Stadium ihrer Entwicklung die revolutionäre Bewegung ihres Landes gegen das Joch des Imperialismus unterstützen kann. Die Opposition will das nicht begreifen, und zwar will sie es deshalb nicht begreifen, weil sie mit der revolutionären Taktik Lenins bricht, weil sie mit der revolutionären Taktik des Leninismus bricht.

Haben Sie beachtet, wie die Führer der Opposition in ihren Reden diese Weisungen Lenins geflissentlich umgingen, wie sie sich scheuten, sie zu berühren? Weshalb umgehen sie denn diese jedermann bekannten taktischen Weisungen Lenins für die kolonialen und abhängigen Länder? Weshalb fürchten sie diese Weisungen? Weil sie die Wahrheit fürchten. Weil die taktischen Weisungen Lenins die gesamte ideologisch-politische Konzeption des Trotzkismus in den Fragen der chinesischen Revolution über den Haufen werfen.

Über die Etappen der chinesischen Revolution. Die Opposition hat sich dermaßen verrannt, dass sie jetzt überhaupt leugnet, dass es in der Entwicklung der chinesischen Revolution irgendwelche Etappen gibt. Aber gibt es denn eine Revolution ohne bestimmte Etappen ihrer Entwicklung? Hatte unsere Revolution etwa nicht ihre Entwicklungsetappen? Nehmen Sie Lenins Aprilthesen [9], und Sie werden sehen, dass Lenin zwei Etappen in unserer Revolution unterschied: Die erste Etappe war die bürgerlich-demokratische Revolution mit der Agrarbewegung als ihrer Hauptachse; die zweite Etappe war die Oktoberrevolution mit der Machtergreifung durch das Proletariat als ihrer Hauptachse.

Welches sind die Etappen der chinesischen Revolution? Es gibt meiner Meinung nach drei:

Die erste Etappe ist die Revolution der vereinigten gesamtnationalen Front, die Kantoner Periode, als die Revolution ihren Stoß vorwiegend gegen den ausländischen Imperialismus richtete und als die nationale Bourgeoisie die revolutionäre Bewegung unterstützte;

die zweite Etappe ist die bürgerlich-demokratische Revolution, nachdem die nationalen Truppen bis zum Jangtse vorgestoßen waren, als die nationale Bourgeoisie sich von der Revolution abwandte und die Agrarbewegung sich zu einer mächtigen Revolution von Dutzenden von Millionen Bauern entwickelte (gegenwärtig steht die chinesische Revolution in der zweiten Etappe ihrer Entwicklung);

die dritte Etappe ist die Sowjetrevolution, die noch nicht eingetreten ist, aber eintreten wird.

Wer nicht begriffen hat, dass es keine Revolution ohne bestimmte Entwicklungsetappen gibt, wer nicht begriffen hat, dass die chinesische Revolution drei Etappen in ihrer Entwicklung zu durchlaufen hat, der hat weder vom Marxismus noch von der chinesischen Frage etwas begriffen.

Welches ist das charakteristische Merkmal der ersten Etappe der chinesischen Revolution?

Das charakteristische Merkmal der ersten Etappe der chinesischen Revolution ist erstens, dass sie eine Revolution der vereinigten gesamtnationalen Front war, und zweitens, dass sie hauptsächlich gegen das äußere imperialistische Joch gerichtet war (Hongkonger Streik [10] und dgl.). War Kanton damals das Zentrum, das Aufmarschgebiet der revolutionären Bewegung in China? Zweifellos. Das können jetzt höchstens noch Blinde leugnen.

Ist es richtig, dass die erste Etappe einer kolonialen Revolution eben diesen Charakter tragen muss? Ich glaube, es ist richtig. In den „Ergänzungsthesen“ des II. Kongresses der Komintern, die von der Revolution in China und Indien handeln, heißt es direkt, dass in diesen Ländern „die Fremdherrschaft die freie Entwicklung des sozialen Lebens dauernd hemmt“, dass „deshalb der erste Schritt der Revolution in den Kolonien der Sturz des ausländischen Kapitalismus sein muss“. (Siehe stenographischen Bericht des II. Kongresses der Komintern, S. 605.)

Charakteristisch für die chinesische Revolution ist die Tatsache, dass sie diesen „ersten Schritt“ getan, die erste Etappe ihrer Entwicklung, die Periode der Revolution der vereinigten gesamtnationalen Front, zurückgelegt hat und in die zweite Etappe ihrer Entwicklung, in die Periode der Agrarrevolution, eingetreten ist.

Charakteristisch beispielsweise für die türkische Revolution (Kemalisten) ist umgekehrt die Tatsache, dass sie bei dem „ersten Schritt“, in der ersten Etappe ihrer Entwicklung, in der Etappe der bürgerlichen Befreiungsbewegung, stecken geblieben ist, ohne auch nur zu versuchen, zur zweiten Etappe ihrer Entwicklung, zur Etappe der Agrarrevolution, überzugehen.

Was stellten die Kuomintang [11] und ihre Regierung in der ersten Etappe der Revolution, in der Kantoner Periode, dar? Sie stellten damals einen Block der Arbeiter, der Bauern, der bürgerlichen Intelligenz und der nationalen Bourgeoisie dar. War Kanton damals das Zentrum der revolutionären Bewegung, das Aufmarschgebiet der Revolution? War damals die Politik der Unterstützung der Kantoner Kuomintang als einer Regierung des Befreiungskampfes gegen den Imperialismus richtig? Hatten wir Recht, wenn wir Kanton in China und, sagen wir, Angora in der Türkei unterstützten, als Kanton und Angora den Kampf gegen den Imperialismus führten? Ja, wir hatten Recht. Wir hatten Recht, und wir handelten damals im Sinne Lenins, denn der Kampf Kantons und Angoras zersplitterte die Kräfte des Imperialismus, schwächte den Imperialismus, untergrub sein Ansehen und erleichterte dadurch die Entwicklung des Herdes der Weltrevolution, die Entwicklung der UdSSR. Stimmt es, dass die jetzigen Führer unserer Opposition damals gemeinsam mit uns sowohl Kanton als auch Angora unterstützt, ihnen einen gewissen Beistand erwiesen haben? Ja, das stimmt. Möge jemand versuchen, das zu widerlegen.

Wie ist aber die Einheitsfront mit der nationalen Bourgeoisie in der ersten Etappe der kolonialen Revolution aufzufassen? Bedeutet das, dass die Kommunisten den Kampf der Arbeiter und Bauern gegen die Gutsherren und die nationale Bourgeoisie nicht verschärfen dürfen, dass das Proletariat, und sei es auch nur im geringsten Maße, sei es auch nur für einen Augenblick, seine Selbständigkeit opfern soll? Nein, das bedeutet es nicht. Die Einheitsfront kann nur in dem Fall und nur unter der Bedingung revolutionäre Bedeutung haben, wenn sie die Kommunistische Partei nicht daran hindert, ihre selbständige politische und organisatorische Arbeit zu leisten, das Proletariat zu einer selbständigen politischen Kraft zu organisieren, die Bauernschaft gegen die Gutsherren zu mobilisieren, offen die Revolution der Arbeiter und Bauern zu organisieren und so die Vorbedingungen für die Hegemonie des Proletariats zu schaffen. Mir scheint, der Referent hat auf Grund der allen bekannten Dokumente den vollen Beweis erbracht, dass die Komintern die chinesische Kommunistische Partei eben diese Auffassung von der Einheitsfront gelehrt hat.

Kamenew und Sinowjew haben sich hier auf ein einziges Telegramm nach Schanghai vom Oktober 1926 berufen, in dem es heißt, dass man vorläufig, bis zur Einnahme Schanghais, die Agrarbewegung nicht verschärfen solle. Es liegt mir fern, dieses Telegramm als richtig zu bezeichnen. Ich habe die Komintern niemals für unfehlbar gehalten und tue das auch jetzt nicht. Einzelne Fehler kommen vor, und dieses Telegramm ist zweifellos ein Fehler. Aber erstens wurde dieses Telegramm wenige Wochen später (im November 1926) von der Komintern selbst widerrufen, ohne dass die Opposition irgendwelche Einwände erhoben oder ein Signal gegeben hätte. Zweitens, warum hat die Opposition bis jetzt darüber geschwiegen, warum fällt ihr dieses Telegramm erst nach neun Monaten ein, und warum verheimlicht sie der Partei, dass dieses Telegramm von der Komintern vor neun Monaten widerrufen worden ist? Deshalb wäre es eine böswillige Verleumdung, wollte man die Meinung vertreten, dieses Telegramm habe die Linie unserer Führung bestimmt. In Wirklichkeit war das ein einzelnes, episodisches Telegramm, das für die Linie der Komintern, für die Linie unserer Führung absolut nicht charakteristisch ist. Das ist, wie gesagt, schon daraus ersichtlich, dass es wenige Wochen später durch eine Reihe von Dokumenten widerrufen wurde, die die Linie festlegten und für unsere Führung unbedingt charakteristisch sind.

Gestatten Sie mir, mich auf diese Dokumente zu berufen.

Da ist zum Beispiel ein Auszug aus der Resolution des VII. Plenums der Komintern, das im November 1926 stattfand, das heißt einen Monat nach dem oben erwähnten Telegramm:

„Die spezifische Besonderheit der gegenwärtigen Lage ist ihr Übergangscharakter: Das Proletariat muss wählen zwischen der Perspektive eines Blocks mit erheblichen Schichten der Bourgeoisie und der Perspektive einer weiteren Festigung seines Bündnisses mit der Bauernschaft. ‘Wenn das Proletariat kein radikales Agrarprogramm aufstellt, wird es die Bauernschaft nicht in den revolutionären Kampf hineinziehen können und wird die Hegemonie in der nationalen Befreiungsbewegung verlieren.“

Und weiter:

„Die Kantoner Volksregierung wird in der Revolution die Macht nicht behaupten können, wird den vollen Sieg über den fremdländischen Imperialismus und über die einheimische Reaktion nicht erringen können, solange die Sache der nationalen Befreiung nicht mit der Agrarrevolution gleichgesetzt wird.“ (Siehe Resolution des VII. erweiterten Plenums des EKKI.)

Hier haben Sie ein Dokument, das tatsächlich die Linie der Kominternführung bestimmt.

Es ist höchst seltsam, dass die Führer der Opposition dieses allen bekannte Dokument der Komintern übergehen.

Ich denke, es wird nicht unbescheiden sein, wenn ich auf die Rede verweise, die ich in der chinesischen Kommission der Komintern im November des gleichen Jahres 1926 gehalten habe, von der, natürlich nicht ohne meine Teilnahme, die Resolution des VII. erweiterten Plenums zur chinesischen Frage ausgearbeitet wurde. Diese Rede erschien dann als Einzelbroschüre unter dem Titel „Über die Perspektiven der Revolution in China“. Hier einige Stellen aus dieser Rede:

„Ich weiß, dass es unter den Kuomintangleuten und selbst unter den chinesischen Kommunisten Leute gibt, die eine Entfaltung der Revolution im Dorfe nicht für möglich halten, da sie befürchten, dass die Hereinziehung der Bauernschaft in die Revolution die antiimperialistische Einheitsfront untergraben werde. Das ist ein gewaltiger Irrtum, Genossen. Die antiimperialistische Front in China wird umso stärker und mächtiger sein, je schneller und gründlicher die chinesische Bauernschaft in die Revolution hineingezogen wird.“

Und weiter:

„Ich weiß, dass es unter den chinesischen Kommunisten Genossen gibt, die die Streiks der Arbeiter für die Verbesserung ihrer materiellen und rechtlichen Lage als unerwünscht ansehen und den Arbeitern abraten, in den Streik zu treten. (Zuruf: „Das war in Kanton und Schanghai der Fall.“) Das ist ein großer Fehler, Genossen. Das ist eine schwerwiegende Unterschätzung der Rolle und des spezifischen Gewichts des Proletariats in China. Das muss in den Thesen als unbedingt negative Erscheinung festgehalten werden. Es wäre ein großer Fehler, wenn die chinesischen Kommunisten die gegenwärtige günstige Situation nicht dazu benutzen würden, um den Arbeitern zu helfen, ihre materielle und rechtliche Lage zu verbessern, und sei es auch durch Streiks. Wozu haben wir denn eine Revolution in China?“ (Siehe Stalin, „Über die Perspektiven der Revolution in China“ [12].)

Und hier ein drittes Dokument, vom Dezember 1926, aus der Zeit, als man die Komintern aus allen Städten Chinas mit Versicherungen überhäufte, die Entfaltung des Kampfes der Arbeiter führe zu Krise, Arbeitslosigkeit, zur Stilllegung der Fabriken und Werke:

„Eine allgemeine Politik des Rückzugs in den Städten und der Einschränkung des Kampfes der Arbeiter für die Verbesserung ihrer Lage ist falsch. Den Kampf in den Dörfern muss man entfalten, aber gleichzeitig muss man den günstigen Moment für die Verbesserung der materiellen und rechtlichen Lage der Arbeiter ausnutzen und auf jede Weise bestrebt sein, dem Kampf der Arbeiter einen organisierten Charakter zu verleihen, der Exzesse und übermäßiges Vorauseilen ausschließt. Es gilt, besonders danach zu streben, dass sich der Kampf in den Städten gegen die Schichten der Großbourgeoisie und vor allem gegen die Imperialisten richte, damit die chinesische Klein- und Mittelbourgeoisie nach Möglichkeit im Rahmen der Einheitsfront gegen den gemeinsamen Feind bleibt. Wir halten das System der Schlichtungskammern, der Schiedsgerichte usw. für zweckmäßig, mit der Maßgabe, dass eine richtige Arbeiterpolitik in diesen Institutionen gewährleistet wird. Gleichzeitig halten wir es für notwendig, von vornherein zu erklären, dass Dekrete gegen die Streikfreiheit, gegen Arbeiterversammlungen usw. absolut unzulässig sind.“

Ein viertes Dokument, das anderthalb Monate vor dem Umsturz Tschiang Kai-scheks [13] verfasst wurde:

„Die Arbeit der Kuomintangzellen und der kommunistischen Zellen in der Armee muss verstärkt werden, dort, wo keine Zellen bestehen, ihre Organisierung jedoch möglich ist, müssen sie organisiert werden; dort aber, wo die Organisierung kommunistischer Zellen unmöglich ist, muss mit Hilfe verborgen tätiger Kommunisten eine intensive Arbeit entfaltet werden.

Es muss Kurs genommen werden auf die Bewaffnung der Arbeiter und Bauern, auf die Umwandlung der örtlichen Bauernkomitees in faktische Machtorgane mit bewaffnetem Selbstschutz usw.

Die Kommunistische Partei muss überall und stets als solche auftreten; eine Politik der freiwilligen Halblegalität ist unzulässig; die Kommunistische Partei darf nicht die Rolle eines Hemmschuhs der Massenbewegung spielen; die Kommunistische Partei darf die verräterische und reaktionäre Politik der rechten Kuomintangleute nicht verschweigen, sie muss, um die Rechten zu entlarven, die Massen um die Kuomintang und die chinesische Kommunistische Partei mobilisieren.

Die Aufmerksamkeit aller der Revolution ergebenen Funktionäre muss darauf gelenkt werden, dass die chinesische Revolution gegenwärtig im Zusammenhang mit der Umgruppierung der Klassenkräfte und der Konzentration der imperialistischen Armeen eine kritische Periode durchmacht und dass weitere Siege nur möglich sind, wenn man entschieden auf die Entfaltung der Massenbewegung Kurs nimmt. Andernfalls droht der Revolution eine ungeheure Gefahr. Die Durchführung der Direktiven ist daher notwendiger als je zuvor.“

Aber schon vorher, schon im April 1926, ein Jahr vor dem Umsturz der rechten Kuomintangleute und Tschiang Kai-scheks, warnte die Komintern die chinesische Kommunistische Partei und gab ihr die Weisung, dass man „es dahin bringen muss, dass die Rechten aus der Kuomintang ausscheiden oder ausgeschlossen werden“.

So fasste und fasst die Komintern auch weiterhin die Taktik der Einheitsfront gegen den Imperialismus in der ersten Etappe der kolonialen Revolution auf.

Sind der Opposition diese richtungweisenden Dokumente bekannt?

Natürlich sind sie ihr bekannt. Warum verschweigt sie dann diese richtungweisenden Dokumente? Weil sie nicht die Wahrheit sucht, sondern auf Quertreibereien aus ist.

Und dabei gab es eine Zeit, da die jetzigen Führer der Opposition, besonders Sinowjew und Kamenew, einiges vom Leninismus verstanden und im wesentlichen für die gleiche Politik in der chinesischen revolutionären Bewegung eintraten, die die Komintern durchführte und die uns Genosse Lenin in seinen Thesen [14] vorgezeichnet hat. Ich denke an das VI. Plenum der Kommunistischen Internationale im Februar-März 1926, als Sinowjew Vorsitzender der Komintern war, als er noch Leninist war und noch nicht in das Lager Trotzkis hinübergewechselt war. Ich erwähne das VI. Plenum der Kommunistischen Internationale deshalb, weil es eine Resolution dieses Plenums über die chinesische Revolution [15] gibt, die im Februar-März 1926 einstimmig angenommen wurde und in der ungefähr die gleiche Einschätzung der ersten Etappe der chinesischen Revolution, der Kantoner Kuomintang und der Kantoner Regierung gegeben wird, wie sie die Komintern und die KPdSU(B) geben und von der die Opposition jetzt nichts wissen will. Ich erwähne diese Resolution deshalb, weil Sinowjew damals für sie stimmte und von den Mitgliedern des ZK, Trotzki, Kamenew und die anderen Führer der jetzigen Opposition nicht ausgenommen, niemand Einwände gegen sie erhob.

Gestatten Sie mir, einige Stellen aus dieser Resolution anzuführen. Über die Kuomintang heißt es in dieser Resolution:

„Die politischen Streiks der chinesischen Arbeiter in Schanghai und Hongkong (Juni-September 1925) haben einen Wendepunkt im Befreiungskampf des chinesischen Volkes gegen die ausländischen Imperialisten herbeigeführt... Die politische Aktion des Proletariats gab einen mächtigen Anstoß zur weiteren Entwicklung und Festigung aller revolutionär-demokratischen Organisationen des Landes und in erster Linie der revolutionären Volkspartei, der Kuomintang, und der revolutionären Regierung in Kanton. Die Kuomintangpartei, deren Hauptkern im Bündnis mit den chinesischen Kommunisten handelte, ist ein revolutionärer Block der Arbeiter, der Bauern, der Intelligenz und der städtischen Demokratie auf dem Boden der Gemeinsamkeit der Klasseninteressen dieser Schichten im Kampf gegen die ausländischen Imperialisten und die gesamten militaristisch-feudalen Lebensverhältnisse, für die Unabhängigkeit des Landes und eine einheitliche revolutionär-demokratische Staatsmacht.“ (Siehe Resolution des VI. Plenums des EKKI.)

Also, die Kantoner Kuomintang als Bündnis von vier „Klassen“. Sie sehen, das ist beinahe eine „Martynowiade“ [16], sanktioniert durch niemand anders als den damaligen Vorsitzenden der Komintern, Sinowjew.

Über die Kantoner Kuomintangregierung:

„Die von der Kuomintangpartei in Kanton geschaffene revolutionäre Regierunge hat es bereits verstanden, zu den breitesten Massen der Arbeiter, der Bauern und der städtischen Demokratie Verbindung herzustellen, sie hat, auf diese gestützt, die von den Imperialisten unterstützten konterrevolutionären Banden zerschlagen (und arbeitet an der radikalen Demokratisierung des gesamten politischen Lebens der Provinz Kuangtung). Die Kantoner Regierung, die somit die Vorhut im Kampf des chinesischen Volkes um seine Unabhängigkeit ist, ist das Vorbild für den künftigen revolutionär-demokratischen Aufbau im Lande.“ (Ebenda.)

Hieraus ergibt sich, dass die Kantoner Kuomintangregierung, die einen Block von vier „Klassen“ verkörperte, eine revolutionäre Regierung war, und nicht allein eine revolutionäre Regierung, sondern sogar das Vorbild für die künftige revolutionär-demokratische Regierung in China.

Über die Einheitsfront der Arbeiter, der Bauern und der Bourgeoisie:

„Angesichts der neuen Gefahren müssen die chinesische Kommunistische Partei und die Kuomintang die umfassendste politische Arbeit entfalten, Massenaktionen zur Unterstützung des Kampfes der Volksarmeen organisieren, die inneren Widersprüche im Lager der Imperialisten ausnutzen und ihnen die national-revolutionäre Einheitsfront der breitesten Schichten der Bevölkerung (Arbeiter, Bauern, Bourgeoisie) unter Führung der revolutionär-demokratischen Organisationen entgegenstellen.“ (Ebenda.)

Zeitweilige Blocks und Abkommen mit der Bourgeoisie sind also in den Kolonialländern in einer bestimmten Etappe der kolonialen Revolution nicht nur zulässig, sondern auch direkt notwendig.

Nicht wahr, das ist dem sehr ähnlich, was uns Lenin in seinen bekannten Richtlinien über die Taktik der Kommunisten in den kolonialen und abhängigen Ländern lehrt. Schade nur, dass Sinowjew das bereits vergessen hat.

Die Frage des Austritts aus der Kuomintang:

„Einzelne Schichten der chinesischen Großbourgeoisie, die sich zeitweilig um die Kuomintangpartei gruppiert hatten, rückten im letzten Jahr von ihr ab, was dazu führte, dass sich auf dem rechten Flügel der Kuomintang eine kleine Gruppe bildete, die offen gegen das enge Bündnis der Kuomintang mit den Massen der Werktätigen, für den Ausschluss der Kommunisten aus der Kuomintang und gegen die revolutionäre Politik der Kantoner Regierung auftrat. Die Verurteilung dieses rechten Flügels auf dem II. Kongress der Kuomintang (Januar 1926) und die Bestätigung der Notwendigkeit des Kampfbündnisses der Kuomintang mit den Kommunisten festigen die revolutionäre Richtung in der Tätigkeit der Kuomintang und der Kantoner Regierung und sichern der Kuomintang die revolutionäre Unterstützung des Proletariats.“ (Ebenda.)

Hieraus ergibt sich, dass der Austritt der Kommunisten aus der Kuomintang in der ersten Etappe der chinesischen Revolution ein ernster Fehler gewesen wäre. Schade nur, dass Sinowjew, der für diese Resolution gestimmt hat, dies knapp einen Monat später bereits vergessen hatte. Denn bereits im April 1926 (einen Monat später) verlangte Sinowjew den sofortigen Austritt der Kommunisten aus der Kuomintang.

Über die Abweichungen in der chinesischen Kommunistischen Partei und über die Unzulässigkeit des Überspringens der Kuomintangphase der Revolution:

„Die politische Selbstbestimmung der chinesischen Kommunisten wird sich im Kampf gegen zwei gleich schädliche Abweichungen entwickeln: gegen das rechte Liquidatorentum, das die selbständigen Klassenaufgaben des chinesischen Proletariats ignoriert und zu einer formlosen Verschmelzung mit der allgemeinen demokratischen nationalen Bewegung führt, und gegen die extrem linken Stimmungen, die über die revolutionär-demokratische Etappe der Bewegung unmittelbar zu den Aufgaben der proletarischen Diktatur und der Sowjetmacht hinüber springen wollen und dabei die Bauernschaft, diesen grundlegenden und entscheidenden Faktor der chinesischen nationalen Befreiungsbewegung, vergessen.“ (Ebenda.)

Hier ist, wie Sie sehen, alles enthalten, um die Opposition jetzt zu überführen, dass sie sowohl die Kuomintangphase der Entwicklung in China überspringt als auch die Bauernbewegung unterschätzt, als auch in der Frage der Sowjets vorauseilt. Es trifft den Kern der Sache.

Ist diese Resolution Sinowjew, Kamenew und Trotzki bekannt?

Man muss annehmen, dass sie ihnen bekannt ist. Auf jeden Fall muss sie Sinowjew bekannt sein, unter dessen Vorsitz diese Resolution vom VI. Plenum der Komintern beschlossen wurde und der selbst für sie gestimmt hat. Warum umgehen dann jetzt die Führer der Opposition diese Resolution der höchsten Instanz der kommunistischen Weltbewegung? Warum versuchen sie, sie totzuschweigen? Weil sich diese Resolution in allen Fragen der chinesischen Revolution gegen sie kehrt. Weil sie die gesamte gegenwärtige trotzkistische Konzeption der Opposition über den Haufen wirft. Weil sie sich von der Komintern abgekehrt haben, weil sie sich vom Leninismus abgekehrt haben und jetzt, aus Furcht vor der eigenen Vergangenheit, aus Furcht vor dem eigenen Schatten, gezwungen sind, die Resolution des VI. Plenums der Komintern feige zu umgehen.

So verhält es sich mit der ersten Etappe der chinesischen Revolution.

Wenden wir uns jetzt der zweiten Etappe der chinesischen Revolution zu.

War die erste Etappe dadurch gekennzeichnet, dass sich die Revolution mit ihrer Spitze hauptsächlich gegen den ausländischen Imperialismus richtete, so ist das charakteristische Merkmal der zweiten Etappe die Tatsache, dass sich die Revolution mit ihrer Spitze hauptsächlich gegen die inneren Feinde und vor allem gegen die Feudalherren, gegen das feudale Regime richtet.

Hat die erste Etappe ihre Aufgabe, den Sturz des ausländischen Imperialismus, gelöst? Nein, sie hat sie nicht gelöst. Sie hat die Durchführung dieser Aufgabe der zweiten Etappe der chinesischen Revolution als Erbe hinterlassen. Sie hat die revolutionären Massen gegen den Imperialismus nur in Bewegung gebracht, um dann ihren Lauf zu beenden und dies Werk der Zukunft zu überlassen.

Es ist anzunehmen, dass es auch der zweiten Etappe der Revolution nicht gelingen wird, die Aufgabe der Vertreibung der Imperialisten vollständig zu lösen. Sie wird die Bewegung der breiten Massen der chinesischen Arbeiter und Bauern gegen den Imperialismus weiterführen, aber sie wird dies nur tun, um die Vollendung dieses Werkes der nachfolgenden Etappe der chinesischen Revolution, der Sowjetetappe, zu überlassen.

Das ist auch nicht verwunderlich. Ist es etwa nicht bekannt, dass in der Geschichte unserer Revolution analoge Tatsachen zu verzeichnen waren, wenn auch in einer anderen Situation und unter anderen Umständen? Ist es etwa nicht bekannt, dass die erste Etappe unserer Revolution ihre Aufgabe, die Vollendung der Agrarrevolution, nicht vollständig gelöst, sondern diese Aufgabe der nachfolgenden Etappe der Revolution, der Oktoberrevolution, überlassen hat, die dann die Aufgabe der Ausrottung der feudalen Überreste vollständig und restlos löste. Deshalb wird es auch nicht verwunderlich sein, wenn es in der zweiten Etappe der chinesischen Revolution nicht gelingt, die Agrarrevolution restlos zu vollenden, und wenn die zweite Etappe der Revolution, nachdem sie die Millionenmassen der Bauernschaft in Bewegung gebracht und gegen die feudalen Überreste mobilisiert hat, die Vollendung dieses Werkes der nachfolgenden Etappe der Revolution, der Sowjetetappe, überlassen wird. Und das wird für die künftige Sowjetrevolution in China nur ein Plus sein.

Worin bestand die Aufgabe der Kommunisten in der zweiten Etappe der Revolution in China, als das Zentrum der revolutionären Bewegung sich offenkundig von Kanton nach Wuhan verschob und als sich neben dem revolutionären Zentrum in Wuhan ein konterrevolutionäres Zentrum in Nanking bildete?

Sie bestand darin, die Möglichkeit der offenen Organisierung der Partei, des Proletariats (Gewerkschaften), der Bauernschaft (Bauernbünde), der Revolution überhaupt restlos auszunutzen.

Sie bestand darin, die Wuhaner Kuomintangleute nach links, zur Agrarrevolution zu drängen.

Sie bestand darin, die Wuhaner Kuomintang zum Zentrum des Kampfes gegen die Konterrevolution und zum Kern der künftigen revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft zu machen.

War diese Politik richtig?

Die Tatsachen haben gezeigt, dass das die einzig richtige Politik war, die die breiten Massen der Arbeiter und Bauern im Geiste der weiteren Entwicklung der Revolution zu erziehen vermochte.

Die Opposition verlangte damals die sofortige Bildung von Sowjets der Arbeiter- und Bauerndeputierten. Aber das war Abenteurertum, ein abenteuerliches Vorauseilen, denn die sofortige Bildung von Sowjets zu dem damaligen Zeitpunkt hätte bedeutet, eine Entwicklungsphase, die Phase der linken Kuomintang, zu überspringen.

Warum?

Weil die Kuomintang in Wuhan, die ein Bündnis mit den Kommunisten unterhielt, sich in den Augen der breiten Massen der Arbeiter und Bauern noch nicht diskreditiert und bloßgestellt hatte, weil sie als bürgerlich-revolutionäre Organisation ihre Möglichkeiten noch nicht erschöpft hatte.

Weil zu einem Zeitpunkt, da die Massen sich noch nicht an Hand ihrer eigenen Erfahrung von der Untauglichkeit dieser Regierung, von der Notwendigkeit ihres Sturzes überzeugt haben, die Aufstellung der Losung der Sowjets und des Sturzes der Wuhaner Regierung bedeutet, vorauszueilen, sich von den Massen loszulösen, sich der Unterstützung der Massen zu berauben und damit das begonnene Werk zum Scheitern zu bringen.

Die Opposition glaubt, dass es vollauf genüge, wenn sie die Unzuverlässigkeit, die Labilität, die revolutionäre Unzulänglichkeit der Kuomintang in Wuhan erkannt hat (und das zu erkennen dürfte einem politisch qualifizierten Funktionär nicht schwer fallen), sie glaubt, dass dies vollauf genüge, damit auch die Massen dies alles erkennen, dass dies vollauf genüge, um die Kuomintang durch Sowjets zu ersetzen und die Massen für sich zu gewinnen. Das ist jedoch der übliche „ultralinke“ Fehler der Opposition, die ihr eigenes Bewusstsein und ihre eigene Erkenntnis für das Bewusstsein und die Erkenntnis der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern hält.

Die Opposition hat Recht, wenn sie sagt, dass die Partei voranschreiten muss. Das ist ein elementarer marxistischer Leitsatz, ohne dessen Befolgung es eine wirkliche kommunistische Partei weder gibt noch geben kann. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Die ganze Wahrheit besteht darin, dass die Partei nicht nur voranschreiten, sondern auch die Millionenmassen mit sich vorwärts führen muss. Voranschreiten, ohne die Millionenmassen mit sich vorwärts zu führen, bedeutet in Wirklichkeit, sich von der Bewegung loslösen. Voranschreiten, sich dabei von der Nachhut loslösen und es nicht verstehen, die Nachhut mit sich vorwärts zu führen - heißt vorauspreschen, was die Vorwärtsbewegung der Massen für eine gewisse Zeit vereiteln kann. Die Leninsche Führung besteht ja gerade darin, dass die Vorhut es verstehen muss, die Nachhut mit sich vorwärts zu führen, dass die Vorhut voranschreiten muss, ohne sich von den Massen loszulösen. Um aber zu erreichen, dass sich die Vorhut nicht von den Massen loslöst, dass die Vorhut die Millionenmassen tatsächlich mit sich vorwärts führen kann, dazu bedarf es einer entscheidenden Voraussetzung, nämlich, dass sich die Massen selbst an Hand ihrer eigenen Erfahrung von der Richtigkeit der Weisungen, Direktiven und Losungen der Vorhut überzeugen.

Das ist ja gerade das Unglück der Opposition, dass sie diese einfache Leninsche Regel für die Führung der Millionenmassen nicht anerkennt und nicht begreift, dass die Partei allein, die Vorhut allein, ohne die Unterstützung der Millionenmassen nicht imstande ist, die Revolution durchzuführen, dass die Revolution in letzter Instanz von den Millionenmassen der Werktätigen „gemacht“ wird.

Warum haben wir Bolschewiki im April 1917 nicht die Losung des Sturzes der Provisorischen Regierung und der Errichtung der Sowjetmacht in Rußland als Losung der Praxis aufgestellt, obwohl wir überzeugt waren, dass wir in nächster Zukunft vor der Notwendigkeit stehen würden, die Provisorische Regierung zu stürzen und die Sowjetmacht zu errichten?

Weil die breiten Massen der Werktätigen sowohl im Hinterland als auch an der Front, weil schließlich die Sowjets selbst noch nicht bereit waren, sich eine solche Losung zu Eigen zu machen, weil sie noch an den revolutionären Charakter der Provisorischen Regierung glaubten.

Weil sich die Provisorische Regierung noch nicht durch die Unterstützung der Konterrevolution im Hinterland und an der Front kompromittiert und diskreditiert hatte.

Warum brandmarkte Lenin im April 1917 die Gruppe Bagdatjews in Petrograd, die die Losung des sofortigen Sturzes der Provisorischen Regierung und der Errichtung der Sowjetmacht aufgestellt hatte?

Weil der Versuch Bagdatjews ein gefährliches Vorauspreschen war, das die Gefahr heraufbeschwor, dass sich die bolschewistische Partei von den Millionenmassen der Arbeiter und Bauern loslöste.

Abenteurertum in der Politik, Bagdatjew-Politik in den Fragen der chinesischen Revolution - das ist es, was unserer trotzkistischen Opposition jetzt den Rest gibt.

Sinowjew erklärt, ich identifizierte, wenn ich von Bagdatjew-Politik spreche, die jetzige chinesische Revolution mit der Oktoberrevolution. Das ist natürlich Unsinn. Erstens habe ich selbst in meinem Artikel „Notizen über Gegenwartsthemen“ den Vorbehalt gemacht, dass „die Analogie hier bedingt ist“, dass „ich sie nur mit all den Vorbehalten gelten lasse, die gemacht werden müssen, wenn man sich die Verschiedenartigkeit der Situation im heutigen China und im Rußland des Jahres 1917 vergegenwärtigt“ [17]. Zweitens wäre es eine Dummheit zu behaupten, man könne bei der Charakterisierung dieser oder jener Strömungen, dieser oder jener Fehler in der Revolution eines bestimmten Landes überhaupt keine Analogien mit den Revolutionen anderer Länder aufstellen. Lernt etwa die Revolution eines Landes nicht aus den Revolutionen anderer Länder, selbst wenn diese Revolutionen nicht von gleichem Typus sind? Worauf läuft denn dann die Wissenschaft von der Revolution hinaus?

Sinowjew leugnet im Grunde genommen, dass eine Wissenschaft von der Revolution möglich ist. Ist es etwa nicht Tatsache, dass Lenin in der Periode vor der Oktoberrevolution Tschcheidse, Zereteli, Steklow und andere der „Louis-Blanc-Politik“ aus der Zeit der französischen Revolution von 1848 beschuldigte? Lesen Sie Lenins Artikel „Louis-Blanc-Politik“ [18], und Sie werden sehen, dass Lenin zur Charakterisierung von Fehlern dieser oder jener Politiker vor dem Oktober weitgehend von Analogien aus der französischen Revolution von 1848 Gebrauch machte, obwohl Lenin sehr wohl wusste, dass die französische Revolution von 1848 und unsere Oktoberrevolution nicht Revolutionen von gleichem Typus sind. Wenn man aber von einer „Louis-Blanc-Politik“ Tschcheidses und Zeretelis in der Periode vor der Oktoberrevolution sprechen kann, warum sollte man dann nicht von einer „Bagdatjew-Politik“ Sinowjews und Trotzkis in der Periode der Agrarrevolution in China sprechen?

Die Opposition versichert, Wuhan sei nicht das Zentrum der revolutionären Bewegung gewesen. Aber warum hat denn dann Sinowjew behauptet, dass man der Wuhaner Kuomintang „allseitige Unterstützung erweisen muss“, um sie zum Zentrum des Kampfes gegen die chinesischen Cavaignac zu machen? Warum wurde das Wuhaner Territorium und nicht irgendein anderes zum Zentrum der maximalen Entwicklung der Agrarbewegung? Ist es etwa nicht Tatsache, dass gerade das Wuhaner Territorium (Hunan, Hupe) zu Beginn dieses Jahres das Zentrum der maximalen Entwicklung der Agrarbewegung war? Warum konnte man Kanton, wo es keine die Massen erfassende Agrarbewegung gab, „Aufmarschgebiet der Revolution“ nennen (Trotzki), während man Wuhan, auf dessen Territorium die Agrarrevolution begonnen und sich entwickelt hat, nicht als Zentrum, als „Aufmarschgebiet“ der revolutionären Bewegung betrachten darf? Wie ist es dann zu erklären, dass die Opposition das Verbleiben der Kommunistischen Partei in der Wuhaner Kuomintang und in der Wuhaner Regierung verlangte? Sollte die Opposition im April 1927 etwa für einen Block mit einer „konterrevolutionären“ Wuhaner Kuomintang eingetreten sein? Woher diese „Vergesslichkeit“ und Kopflosigkeit bei der Opposition?

Die Opposition ist voller Schadenfreude darüber, dass der Block mit der Wuhaner Kuomintang nicht von langer Dauer war, und behauptet dabei, die Komintern habe die chinesischen Kommunisten nicht vor der Möglichkeit eines Scheiterns der Wuhaner Kuomintang gewarnt. Es bedarf wohl kaum eines Beweises, dass die Schadenfreude der Opposition nur von ihrem politischen Bankrott zeugt. Die Opposition glaubt offenbar, dass Blocks mit der nationalen Bourgeoisie in den Kolonialländern von langer Dauer sein müssen. So können aber nur Leute denken, die sich auch der letzten Reste des Leninismus entledigt haben. Wenn sich die Feudalherren und der Imperialismus in China im gegenwärtigen Stadium als stärker erwiesen haben als die Revolution, wenn der Druck dieser feindlichen Kräfte eine Rechtsschwenkung der Wuhaner Kuomintang und eine zeitweilige Niederlage der chinesischen Revolution bewirkt hat, dann können darüber nur Leute, die von Defätismus verseucht sind, Schadenfreude empfinden. Was die Behauptung der Opposition anbelangt, die Komintern habe die Kommunistische Partei Chinas nicht vor einem möglichen Scheitern der Wuhaner Kuomintang gewarnt, so ist das eine der üblichen Verleumdungen, die die Opposition jetzt so reichlich in Vorrat hat.

Gestatten Sie mir, einige Dokumente zur Widerlegung der oppositionellen Verleumdungen zu zitieren.

Das erste Dokument, vom Mai 1927:

„Das Wichtigste in der Innenpolitik der Kuomintang ist jetzt die systematische Entfaltung der Agrarrevolution unter der Losung ‚Alle Macht den Bauernbünden und -komitees im Dorfe’ in allen Provinzen, darunter auch besonders in Kuangtung. Das ist die Grundlage für die Erfolge der Revolution und der Kuomintang. Das ist die Grundlage, auf der in China eine umfassende und mächtige politische und militärische Armee gegen den Imperialismus und seine Agenten geschaffen werden muss. Praktisch ist die Losung der Bodenkonfiskation durchaus aktuell für die von einer starken Agrarbewegung erfaßten Provinzen, wie Hunan, Kuangtung usw. Ohne dies ist die Entfaltung der .Agrarrevolution unmögliche...

Man muss sofort beginnen, acht oder zehn Divisionen aus revolutionären Bauern und Arbeitern mit einem absolut zuverlässigen Kommandobestand zu organisieren. Das wird sowohl an den Fronten als auch im Hinterland die Garde Wuhans zur Entwaffnung unzuverlässiger Truppenteile sein. Damit darf man nicht zögern.

Man muss die Zersetzungsarbeit im Hinterland und unter den Truppen Tschiang Kai-scheks verstärken und den aufständischen Bauern in Kuangtung, wo die Herrschaft der Gutsherren besonders unerträglich ist, Hilfe leisten.“

Das zweite Dokument, vom Mai 1927:

„Ohne Agrarrevolution ist der Sieg unmöglich. Ohne sie wird sich das ZK der Kuomintang in einen Spielball unzuverlässiger Generale verwandeln. Gegen Exzesse muss man kämpfen, aber nicht mit Hilfe von Truppen, sondern mit Hilfe der Bauernbünde. Wir sind entschieden für die faktische Inbesitznahme des Bodens von unten. Die Befürchtungen bezüglich der Reise Tan Ping-schans haben gewisse Berechtigung. Man darf sich nicht von der Arbeiter- und Bauernbewegung loslösen, sondern muss sie allseitig unterstützen. Andernfalls richten Sie die Sache zugrunde.

Einige alte Führer des ZK der Kuomintang haben Furcht vor den Ereignissen, schwanken, gehen Kompromisse ein. Es gilt, in das ZK der Kuomintang mehr neue Bauern- und Arbeiterführer von unten aufzunehmen. Ihre kühne Stimme wird den Alten Entschlossenheit verleiben, oder aber sie werden zum alten Eisen geworfen. Die jetzige Struktur der Kuomintang muss geändert werden. Die Spitze der Kuomintang muss unbedingt aufgefrischt und durch neue Führer ergänzt werden, die sich in der Agrarrevolution hervorgetan haben; die Peripherie aber muss erweitert, durch Angehörige der Millionen Mitglieder zählenden Arbeiter- und Bauernverbände ergänzt werden. Geschieht dies nicht, läuft die Kuomintang Gefahr, sich vom Geben loszulösen und jede Autorität einzubüßen.

Mit der Abhängigkeit von den unzuverlässigen Generalen muss Schluss gemacht werden. Mobilisieren Sie etwa 20000 Kommunisten, dazu etwa 50000 revolutionäre Arbeiter und Bauern aus Hunan und Hupe, stellen Sie einige neue Korps auf, nutzen Sie die Kursanten der Kommandeurschule aus und organisieren Sie, solange es nicht zu spät ist, eine eigene zuverlässige Armee. Geschieht dies nicht, gibt es keine Garantie gegen Niederlagen. Das ist eine schwierige Sache, aber einen anderen Weg gibt es nicht.

Organisieren Sie ein Revolutionäres Kriegstribunal mit prominenten nicht-kommunistischen Kuomintangleuten an der Spitze. Bestrafen Sie die Offiziere, die mit Tschiang Kai-schek in Verbindung stehen oder die Soldaten gegen das Volk, gegen die Arbeiter und Bauern, aufhetzen. Man darf es nicht bei bloßen Ermahnungen bewenden lassen. Es ist Zeit, zu handeln. Schurken müssen bestraft werden. Wenn die Kuomintangleute es nicht lernen, revolutionäre Jakobiner zu sein, werden sie für das Volk und die Revolution verloren sein.“

Sie sehen, dass die Komintern die Ereignisse vorausgesehen, die Gefahren rechtzeitig signalisiert und den chinesischen Kommunisten vorausgesagt hat, dass die Wuhaner Kuomintang zugrunde geht, wenn die Kuomintangleute es nicht vermögen, revolutionäre Jakobiner zu werden.

Kamenew hat erklärt, an der Niederlage der chinesischen Revolution sei die Politik der Komintern schuld, wir hätten die „Cavaignac in China großgezogen“. Genossen, so kann über unsere Partei nur ein Mensch reden, der bereit ist, ein Verbrechen gegen die Partei zu begehen. So haben die Menschewiki in der Periode der Juliniederlage von 1917 über die Bolschewiki geredet, als die russischen Cavaignac auf den Plan traten. Lenin schrieb in seinem Artikel „Zu den Losungen“ [19], dass die Juliniederlage ein „Sieg der Cavaignac“ ist. Die Menschewiki tobten damals und behaupteten, am Aufkommen der russischen Cavaignac sei die Politik Lenins schuld. Glaubt etwa Kamenew, dass am Aufkommen der russischen Cavaignac in der Periode der Juliniederlage von 1917 die Politik Lenins, die Politik unserer Partei schuld war, nicht aber etwas anderes? Ziemt es sich für Kamenew, hier die Herren Menschewiki nachzuahmen? (Heiterkeit.) Ich habe nicht geglaubt, dass die Genossen von der Opposition so tief sinken können...

Bekanntlich erlitt die Revolution von 1905 eine Niederlage, wobei diese Niederlage schwerer war als die gegenwärtige Niederlage der chinesischen Revolution. Die Menschewiki behaupteten damals, an der Niederlage der Revolution von 1905 sei die extreme revolutionäre Taktik der Bolschewiki schuld. Gedenkt Kamenew nicht auch hier, sich die menschewistische Auslegung der Geschichte unserer Revolution zum Vorbild zu nehmen und Steine auf die Bolschewiki zu werfen?

Wodurch ist denn die Niederlage der Bayrischen Räterepublik zu erklären? Vielleicht durch die Politik Lenins und nicht durch das Verhältnis der Klassenkräfte?

Wodurch ist die Niederlage der Ungarischen Räterepublik zu erklären? Vielleicht durch die Politik der Komintern und nicht durch das Verhältnis der Klassenkräfte?

Wie kann man behaupten, dass die Taktik dieser oder jener Partei das Verhältnis der Klassenkräfte aufheben oder umkehren könne? War unsere Politik im Jahre 1905 richtig oder nicht? Warum haben wir damals eine Niederlage erlitten? Sind die Tatsachen nicht ein Beweis dafür, dass die Revolution in China, wäre die Politik der Opposition durchgeführt worden, noch schneller eine Niederlage erlitten hätte, als es in Wirklichkeit der Fall war? Wie soll man Leute nennen, die das Verhältnis der

Klassenkräfte während der Revolution außer acht lassen und alles und jedes lediglich durch die Taktik dieser oder jener Partei zu erklären suchen? Von solchen Leuten kann man nur eins sagen - dass sie mit dem Marxismus gebrochen haben.

Die Schlussfolgerungen. Die Hauptfehler der Opposition:

  1. Die Opposition versteht nicht den Charakter und die Perspektiven der chinesischen Revolution.

  2. Die Opposition sieht nicht den Unterschied zwischen der Revolution in China und der Revolution in Rußland, zwischen einer Revolution in Kolonialländern und einer Revolution in imperialistischen Ländern.

  3. Die Opposition bricht mit der Leninschen Taktik in der Frage des Verhältnisses zur nationalen Bourgeoisie in den Kolonialländern während der ersten Etappe der Revolution.

  4. Die Opposition versteht nicht die Frage der Teilnahme der Kommunisten an der Kuomintang.

  5. Die Opposition verletzt die Grundlagen der Leninschen Taktik in der Frage des Verhältnisses zwischen der Vorhut (der Partei) und der Nachhut (den Millionenmassen der Werktätigen).

  6. Die Opposition bricht mit den Resolutionen des VI. und des VII. Plenums des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale.

Die Opposition preist mit großem Stimmaufwand ihre Politik in der chinesischen Frage und behauptet, dass es, wäre diese Politik durchgeführt worden, jetzt um China besser stünde. Es bedarf wohl kaum eines Beweises, dass die chinesische Kommunistische Partei in Anbetracht der groben Fehler, die die Opposition begangen hat, endgültig in eine Sackgasse geraten wäre, wenn sie sich die antileninistische Abenteurerpolitik der Opposition zu Eigen gemacht hätte.

Wenn sich die Kommunistische Partei in China in kurzer Zeit aus einer kleinen Gruppe von 5000-6000 Personen zu einer Massenpartei mit 60000 Mitgliedern entwickelt hat; wenn es der chinesischen Kommunistischen Partei in dieser Zeit gelungen ist, etwa 3 Millionen Proletarier gewerkschaftlich zu organisieren; wenn es der chinesischen Kommunistischen Partei gelungen ist, die viele Millionen zählende Bauernschaft aus ihrem Schlummer zu erwecken und Dutzende Millionen von Bauern in den revolutionären Bauernbünden zu erfassen; wenn es der chinesischen Kommunistischen Partei in dieser Zeit gelungen ist, ganze Regimenter und Divisionen der nationalen Truppen auf ihre Seite zu ziehen; wenn es der chinesischen Kommunistischen Partei in dieser Zeit gelungen ist, die Idee der Hegemonie des Proletariats aus einem Wunsch zur Wirklichkeit werden zu lassen - wenn es der chinesischen Kommunistischen Partei gelungen ist, in kurzer Zeit alle diese Errungenschaften zu erzielen, so ist das unter anderem daraus zu erklären, dass sie den von Lenin vorgezeichneten Weg, den von der Komintern gewiesenen Weg gegangen ist.

Es erübrigt sich zu sagen, dass es bei der Politik der Opposition, bei ihren Fehlern, bei ihrem antileninistischen Kurs in den Fragen der kolonialen Revolution diese Errungenschaften der chinesischen Revolution entweder überhaupt nicht gäbe oder dass sie minimal wären.

Daran zweifeln können höchstens „ultralinke“ Renegaten und Abenteurer.

 

III
Über das Englisch-Sowjetische Einheitskomitee

[20]

 

Die Frage des Englisch-Sowjetischen Komitees. Die Opposition behauptet, wir hätten auf das Englisch-Sowjetische Komitee gesetzt. Das stimmt nicht, Genossen. Das ist eine der Verleumdungen, zu denen die bankrotte Opposition so häufig greift. Die ganze Welt weiß, und folglich muss es auch die Opposition wissen, dass wir nicht auf das Englisch-Sowjetische Komitee, sondern auf die internationale revolutionäre Bewegung und auf die Erfolge unseres sozialistischen Aufbaus setzen. Die Opposition betrügt die Partei, wenn sie sagt, dass wir auf das Englisch-Sowjetische Komitee gesetzt haben oder setzen.

Was stellt nun das Englisch-Sowjetische Komitee dar? Das Englisch-Sowjetische Komitee ist eine der Formen der Verbindung unserer Gewerkschaften mit den englischen Gewerkschaften, mit reformistischen Gewerkschaften, mit reaktionären Gewerkschaften. Unsere Arbeit zur Revolutionierung der Arbeiterklasse in Europa verläuft gegenwärtig durch drei Kanäle:

a) durch den Kanal der Komintern, über die kommunistischen Sektionen, deren nächste Aufgabe die Beseitigung der reformistischen politischen Führung in der Arbeiterbewegung ist;

b) durch den Kanal der Roten Gewerkschaftsinternationale, über die revolutionären Minderheiten in den Gewerkschaften, deren nächste Aufgabe die Überwindung der reaktionären Arbeiteraristokratie in den Gewerkschaften ist;

c) über das Englisch-Sowjetische Einheitskomitee als eins der Mittel, die der Roten Gewerkschaftsinternationale und ihren Sektionen den Kampf für die Isolierung der Arbeiteraristokratie in den Gewerkschaften erleichtern können.

Die ersten beiden sind die hauptsächlichen und ständigen Kanäle, die für die Kommunisten unentbehrlich sind, solange es Klassen und eine Klassengesellschaft gibt. Der dritte Kanal ist nur ein zeitweiliger, behelfsmäßiger, episodischer und deshalb nicht stabiler, nicht immer zuverlässiger und bisweilen sogar ganz und gar unzuverlässiger Kanal. Den dritten Kanal den beiden ersten Kanälen gleichsetzen hieße den Interessen der Arbeiterklasse, dem Kommunismus zuwiderhandeln. Wie kann man nach alledem faseln, wir hätten auf das Englisch-Sowjetische Komitee gesetzt?

Mit der Bildung des Englisch-Sowjetischen Komitees verfolgten wir das Ziel, offene Verbindungen mit den gewerkschaftlich organisierten Arbeitermassen Englands herzustellen.

Wozu?

Erstens, um die Schaffung der Einheitsfront der Arbeiter gegen das Kapital zu erleichtern oder zumindest den Kampf der reaktionären Führer der Gewerkschaftsbewegung gegen die Schaffung einer solchen Front zu erschweren.

Zweitens, um die Schaffung der Einheitsfront der Arbeiter gegen die Gefahren eines imperialistischen Krieges überhaupt, gegen die Gefahren einer Intervention im Besonderen zu erleichtern oder zumindest den Kampf der reaktionären Gewerkschaftsführer gegen die Bildung einer solchen Front zu erschweren.

Ist die Arbeit der Kommunisten in den reaktionären Gewerkschaften überhaupt zulässig?

Sie ist nicht nur zulässig, sondern bisweilen geradezu unerlässlich, denn in den reaktionären Gewerkschaften gibt es Millionen von Arbeitern, und die Kommunisten haben kein Recht, es abzulehnen, in diese Gewerkschaften hineinzugehen, sich den Weg zu den Massen zu bahnen und sie für den Kommunismus zu gewinnen.

Lesen Sie Lenins Buch „Der ‚linke Radikalismus’, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ [21], und Sie werden sehen, dass die Leninsche Taktik die Kommunisten verpflichtet, die Arbeit in den reaktionären Gewerkschaften nicht abzulehnen.

Sind zeitweilige Übereinkommen mit reaktionären Gewerkschaften, Abkommen auf der Gewerkschaftslinie oder Elbereinkommen auf der politischen Linie überhaupt zulässig?

Sie sind nicht nur zulässig, sondern bisweilen geradezu unerlässlich. Dass die Gewerkschaften im Westen in der Mehrzahl der Fälle reaktionär sind, ist jedermann bekannt. Aber darum geht es gar nicht. Es geht darum, dass diese Gewerkschaften Massengewerkschaften sind. Es geht darum, dass man durch diese Gewerkschaften Zugang zu den Massen finden kann. Es kommt darauf an, dass solche Übereinkommen die Freiheit der revolutionären Agitation und Propaganda der Kommunisten nicht einengen, nicht beschränken, dass solche Übereinkommen die Zersetzung der Reformisten und die Revolutionierung der Arbeitermassen, die vor-läufig noch den reaktionären Führern folgen, erleichtern. Unter diesen Bedingungen sind zeitweilige Übereinkommen mit reaktionären Massengewerkschaften nicht nur zulässig, sondern bisweilen geradezu unerlässlich.

Lenin sagt hierzu folgendes:

„Der Kapitalismus wäre nicht Kapitalismus, wenn das ‚reine’ Proletariat nicht von einer Masse außerordentlich mannigfaltiger Übergangstypen vom Proletarier zum Halbproletarier (der seinen Lebensunterhalt zur Hälfte durch Verkauf seiner Arbeitskraft erwirbt), vom Halbproletarier zum Kleinbauern(und kleinen Handwerker, Heimarbeiter, kleinen Eigentümer überhaupt), vorn Kleinbauern zum Mittelbauern usw. umgeben wäre; wenn es innerhalb des Proletariats selbst nicht eine Teilung in mehr oder minder entwickelte Schichten, eine Teilung nach Landsleuten, nach Berufen, manchmal nach Konfessionen u. dgl. m. gäbe. Aus alledem aber ergibt sich für die Vorhut des Proletariats, für seinen klassenbewussten Teil, für die Kommunistische Partei absolut unumgänglich die Notwendigkeit, die unbedingte Notwendigkeit, zu lavieren, Übereinkommen, Kompromisse mit verschiedenen proletarischen Gruppen, mit verschiedenen Parteien der Arbeiter und der kleinen Besitzer zu schließend Es kommt nur darauf an, zu verstehen, diese Taktik so anzuwenden, dass sie zur Hebung und nicht zur Senkung des allgemeinen Niveaus des proletarischen Klassenbewusstseins, des revolutionären Geistes, der Kampf- und Siegesfähigkeit, beiträgt.“ (4. Ausgabe, Bd. 31, S. 55/56 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S.719/720].)

Und weiter:

„Dass die Henderson, Clynes, MacDonald und Snowden hoffnungslos reaktionär sind, stimmt. Ebenso stimmt es, dass sie in den Besitz der Macht kommen wollen (dabei aber, nebenbei bemerkt, eine Koalition mit der Bourgeoisie vorziehen), dass sie nach denselben althergebrachten bürgerlichen Regeln ,regieren’ wollen, dass sie, einmal zur Macht gelangt, sich unvermeidlich ebenso verhalten werden wie die Scheidemann und Noske. Das alles stimmt. Aber daraus folgt keineswegs, dass eine Unterstützung dieser Leute Verrat an der Revolution sei, vielmehr folgt daraus, dass die Revolutionäre aus der Arbeiterklasse im Interesse der Revolution diesen Heerschaften eine gewisse parlamentarische Unterstützung gewähren müssen.“ (Ebenda, S. 62, russ. [S. 726, deutsch].)

Das ist ja gerade das Unglück der Opposition, dass sie diese Weisungen Lenins nicht begreift und nicht anerkennt und der Leninschen Politik das „ultralinke“ Geschwätz über den reaktionären Charakter der Gewerkschaften vorzieht.

Engt das Englisch-Sowjetische Komitee unsere Agitation und Propaganda ein, kann es sie einengen? Nein, es kann sie nicht einengen. Wir haben das reaktionäre Wesen der Führer der englischen Arbeiterbewegung stets kritisiert und werden es stets kritisieren, wobei wir den Verrat dieser Führer vor den Massen der englischen Arbeiterklasse aufgedeckt haben und aufdecken werden. Die Opposition möge versuchen, die Tatsache zu widerlegen, dass wir die reaktionäre Tätigkeit des Generalrats stets offen und schonungslos kritisiert haben.

Man sagt uns, diese Kritik könne dazu führen, dass die Engländer das Englisch-Sowjetische Komitee sprengen. Nun, mögen sie es sprengen. Es gellt gar nicht darum, ob es zum Bruch kommen wird oder nicht. Es geht darum, über welche Frage es zum Bruch kommen, welche Idee durch den Bruch demonstriert werden wird. Jetzt geht es um die Kriegsgefahr überhaupt, um die Intervention im Besonderen. Wenn die Engländer den Bruch herbeiführen, wird die Arbeiterklasse wissen, dass die reaktionären Führer der englischen Arbeiterbewegung den Bruch deshalb herbeigeführt haben, weil sie nicht gewillt sind, ihrer imperialistischen Regierung bei der Organisierung des Krieges Widerstand entgegenzusetzen. Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, dass ein unter diesen Bedingungen von den Engländern herbeigeführter Bruch die Arbeit der Kommunisten zur Entlarvung des Generalrats erleichtern wird, denn die Frage des Krieges ist jetzt die grundlegende Frage unserer Zeit.

Möglicherweise werden sie sich nicht zum Bruch entschließen. Was aber würde das bedeuten? Das würde bedeuten, dass wir uns die Freiheit der Kritik gesichert haben, die Freiheit, die Kritik an den reaktionären Führern der englischen Arbeiterbewegung fortzusetzen, ihren Verrat und ihren Sozialimperialismus vor den breiten Massen zu entlarven. Wäre das gut für die Arbeiterbewegung? Ich bin der Meinung, es wäre nicht schlecht.

Das also, Genossen, ist unsere Stellung zur Frage des Englisch-Sowjetischen Komitees.

 

IV
Über die Kriegsgefahr und die Verteidigung der UdSSR

 

Die Frage des Krieges. Ich muss vor allem die völlig falsche, nicht den Tatsachen entsprechende Erklärung Sinowjews und Trotzkis widerlegen, wonach ich auf unserem VIII. Parteitag der so genannten „militärischen Opposition“ angehört hätte. Das stimmt ganz und gar nicht, Genossen. Das ist eine Verleumdung, die Sinowjew und Trotzki aufgebracht haben, weil sie nichts anderes zu tun haben. Ich habe das Stenogramm in Händen, aus dem klar hervorgeht, dass ich damals zusammen mit Lenin gegen die so genannte „militärische Opposition“ aufgetreten bin. Schließlich sind hier Teilnehmer des VIII. Parteitags anwesend, die bestätigen werden, dass ich damals, auf dem VIII. Parteitag, gegen die „militärische Opposition“ aufgetreten bin. Ich bin nicht so scharf gegen die „militärische Opposition“ aufgetreten, wie es Trotzki vielleicht lieb gewesen wäre, weil ich der Meinung war, dass es unter den militärischen Oppositionellen ausgezeichnete Funktionäre gab, die man an der Front nicht entbehren kann, dass ich aber entschieden gegen die militärischen Oppositionellen aufgetreten bin und sie bekämpft habe - das ist eine Tatsache, die höchstens solche hoffnungslos verlorenen Leute wie Sinowjew und Trotzki bestreiten können.

Worum ging damals der Streit auf dem VIII. Parteitag? Um die Notwendigkeit, mit dem Freiwilligenprinzip und dem Partisanentum Schluss zu machen, um die Notwendigkeit, eine wirkliche reguläre Arbeiter- und Bauernarmee mit einer eisernen Disziplin zu schaffen, um die Notwendigkeit, für diese Sache Militärspezialisten heranzuziehen.

Es gab einen Resolutionsentwurf, der von den Anhängern einer regulären Armee und einer eisernen Disziplin eingebracht wurde. Für ihn traten Lenin, Sokolnikow, Stalin und andere ein. Es gab einen anderen Entwurf, den Entwurf W. Smirnows, der von denjenigen eingebracht wurde, die für die Beibehaltung von Elementen des Partisanentums in der Armee waren. Für ihn traten W. Smirnow, Safarow, Woroschilow, Pjatakow und andere ein.

Hier Auszüge aus meiner Rede:

„Alle Fragen, die hier berührt wurden, laufen auf die eine hinaus, oh es in Rußland eine streng disziplinierte reguläre Armee geben soll oder nicht.

Vor einem halben Jahr hatten wir nach dem Zerfall der alten, zaristischen Armee eine neue, eine Freiwilligenarmee, die schlecht organisiert war, kollektiv geleitet wurde und den Befehlen nicht immer Folge leistete. Das war die Periode, in der die Entente ihre Offensive einleitete. Die Armee setzte sich hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich, aus Arbeitern zusammen. Weil es in dieser Freiwilligenarmee an Disziplin mangelte, weil die Befehle nicht immer ausgeführt wurden und weil innerhalb der Leitung der Armee Desorganisation herrschte, erlitten wir Niederlagen und überließen dem Gegner Kasan, während Krasnow erfolgreich vom Süden her vorrückte... Die Tatsachen zeugen davon, dass die Freiwilligenarmee keiner Kritik standhält, dass wir außerstande sein werden, unsere Republik zu verteidigen, wenn wir nicht eine andere Armee schaffen, eine reguläre Armee, die vom Geiste der Disziplin durchdrungen ist, eine gut organisierte politische Abteilung besitzt, eine Armee, die fähig und in der Lage ist, sich auf den ersten Befehl hin gegen den Feind in Marsch zu setzen.

Ich muss sagen, dass die Elemente, die die Mehrheit unserer Armee bilden und keine Arbeiterelemente, sondern Bauern sind, nicht freiwillig für den Sozialismus kämpfen werden. Eine ganze Reihe von Tatsachen weist darauf hin. Mehrere Meutereien im Hinterland und an den Fronten zeigen ebenso wie eine Reihe von Ausschreitungen an den Fronten, dass die nichtproletarischen Elemente, die in unserer Armee die Mehrheit bilden, nicht freiwillig für den Kommunismus kämpfen wollen. Daher unsere Aufgabe - diese Elemente im Geiste einer eisernen Disziplin zu erziehen, zu erreichen, dass sie sich nicht nur im Hinterland, sondern auch an den Fronten der Führung des Proletariats anvertrauen, sie zu zwingen, für unsere gemeinsame sozialistische Sache zu kämpfen, und im Laufe des Krieges den Aufbau einer wirklichen regulären Armee zu vollenden, die allein imstande ist, das Land zu verteidigen.

So ist die Frage gestellt.

...Entweder bringen wir es fertig, eine streng disziplinierte, reguläre, wirkliche Arbeiter- und Bauernarmee zu schaffen, und behaupten die Republik, oder wir bringen das nicht fertig, und dann ist unsere Sache zugrunde gerichtet.

...Der von Smirnow vorgelegte Entwurf ist unannehmbar, da er die Disziplin in der Armee nur untergraben kann und die Schaffung einer regulären Armee unmöglich macht.“ [22]

Das sind die Tatsachen, Genossen.

Sie sehen, dass Trotzki und Sinowjew wiederum Verleumdungen ausgestreut haben.

Weiter. Kamenew hat hier behauptet, wir hätten in letzter Zeit, in den letzten zwei Jahren, das moralische Kapital verschleudert, das wir früher in der internationalen Welt besaßen. Stimmt das? Natürlich stimmt es nicht! Nicht im Geringsten stimmt das!

Welche Bevölkerungsschichten Kamenew meint, unter welchen Bevölkerungsschichten des Ostens und des Westens wir an Einfluss verloren oder gewonnen haben - das hat Kamenew nicht gesagt. Indes ist für uns Marxisten gerade diese Frage entscheidend. Nehmen wir zum Beispiel China. Kann man behaupten, dass wir unser moralisches Kapital bei den chinesischen Arbeitern und Bauern eingebüßt haben? Es ist klar, dass man das nicht behaupten kann. Bis in die letzte Zeit hinein wussten die Millionenmassen der Arbeiter und Bauern Chinas wenig von uns. Bis in die letzte Zeit hinein beschränkte sich die Autorität der UdSSR auf einen engen Kreis der Spitzen der chinesischen Gesellschaft, auf den engen Kreis der liberalen Intelligenz der Kuomintang, auf Persönlichkeiten wie Feng Yu-hsiang, die Kantoner Generale usw. Das hat sich jetzt grundlegend geändert. Jetzt genießt die UdSSR in den Augen der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern Chinas eine Autorität, um die sie jede Macht, jede politische Partei in der Welt beneiden könnte. Aber dafür ist die Autorität der UdSSR in den Augen der liberalen Intelligenz Chinas, aller möglichen Generale usw. beträchtlich gesunken, und von den letzteren beginnen viele sogar, die UdSSR zu bekämpfen. Aber was ist denn daran verwunderlich, und was ist daran schlecht? Kann man denn von der UdSSR, von der Sowjetmacht, von unserer Partei verlangen, dass unser Land bei allen Schichten der chinesischen Gesellschaft moralische Autorität genießt? Wer außer hohlköpfigen Liberalen kann das von unserer Partei, von der Sowjetmacht verlangen? Was ist besser für uns: Autorität bei der liberalen Intelligenz und bei allen möglichen reaktionären Generalen Chinas oder Autorität bei den Millionenmassen der Arbeiter und Bauern Chinas? Was ist vom Standpunkt unserer internationalen Lage, vom Standpunkt der Entwicklung der Revolution in der ganzen Welt entscheidend: das Anwachsen der Autorität der UdSSR unter den Millionenmassen der Werktätigen bei offensichtlichem Sinken der Autorität der ‘UdSSR in den liberal-reaktionären Kreisen der chinesischen Gesellschaft oder Autorität in diesen letzteren liberal-reaktionären Kreisen bei Sinken des moralischen Gewichts unter den breiten Massen der Bevölkerung? Man braucht diese Frage nur zu stellen, um zu begreifen, dass Kamenew mit seiner Behauptung völlig daneben trifft...

Und im Westen? Kann man sagen, wir hätten moralisches Kapital hei den proletarischen Schichten des Westens eingebüßt? Es ist klar, dass man das nicht kann. Wovon zeugen zum Beispiel die jüngsten Aktionen des Proletariats in Wien, der Generalstreik und der Bergarbeiterstreik in England, die Demonstrationen vieler Tausender Arbeiter zur Verteidigung der UdSSR in Deutschland, in Frankreich? Zeugen sie davon, dass das moralische Gewicht der proletarischen Diktatur in den Augen der Millionenmassen der Arbeiterklasse sinkt? Natürlich nicht! Im Gegenteil, sie zeugen davon, dass das moralische Gewicht der UdSSR bei den Arbeitern des Westens steigt und sich festigt, dass die Arbeiter im Westen beginnen, ihre Bourgeoisie „auf russisch“ zu bekämpfen.

Zweifellos nimmt die Feindschaft gegen die UdSSR in bestimmten Schichten der pazifistischen und der liberal-reaktionären Bourgeoisie zu, besonders im Zusammenhang mit der Erschießung der 20 „erlauchten“ Terroristen und Brandstifter [23]. Aber sollte Kamenew die Meinung der liberal-reaktionären pazifistischen Kreise der Bourgeoisie wirklich höher schätzen als die Meinung der Millionenmassen der Proletarier des Westens? Wer wird die Tatsache zu bestreiten wagen, dass die Erschießung der 20 „Erlauchten“ von den Millionenmassen der Arbeiter sowohl bei uns in der UdSSR als auch im Westen höchst beifällig aufgenommen wurde? „Recht geschieht ihnen, den Schurken!“ - das waren die Worte, mit denen die Arbeiterviertel auf die Erschießung der 20 „Erlauchten“ antworteten.

Ich weiß, dass es bei uns eine gewisse Sorte Leute gibt, die behaupten, je ruhiger wir uns verhielten, umso besser wäre es für uns. Sie, diese Leute, sagen uns: „Es stand gut um die Sache der UdSSR, als England die Beziehungen zu ihr abbrach; noch besser stand es um die Sache der UdSSR, als Wojkow ermordet wurde; aber die Sache der UdSSR verschlechterte sich, als wir die Zähne zeigten und die Ermordung Wojkows mit der Erschießung der 20 ,erlauchten’ Konterrevolutionäre beantworteten; bis zur Erschießung der Zwanzig brachte man uns in Europa Mitgefühl und Sympathie entgegen; nach der Erschießung dagegen hörte die Sympathie auf, und man begann uns vorzuwerfen, dass wir nicht die braven Kinder sind, als die uns die öffentliche Meinung Europas sehen möchte.“

Was soll man zu dieser reaktionär-liberalen Philosophie sagen? Dazu kann man nur sagen, dass ihre Urheber die UdSSR ohnmächtig, unbewaffnet sehen möchten, vor den Feinden in die Knie sinkend, vor ihnen kapitulierend. Es gab einmal ein „blutendes“ Belgien, von dem eine Zeitlang ständig Bilder auf den Zigarettenschachteln zu sehen waren. Warum sollte es nicht eine „blutende“ UdSSR geben - ihr würden dann alle Sympathie und Mitgefühl entgegenbringen. Nein, und abermals nein, Genossen! Wir sind damit nicht einverstanden. Mögen sich alle diese liberal-pazifistischen Philosophen mit ihrer „Sympathie“ für die UdSSR zum Teufel scheren. Wenn wir nur die Sympathie der Millionenmassen der Werktätigen haben - das übrige wird sich finden, und wenn schon unbedingt jemand „bluten“ soll, so werden wir alles daransetzen, dass nicht die UdSSR, sondern irgendein bürgerliches Land blutig geschlagen wird und „blutet“.

Die Frage .der Unvermeidlichkeit des Krieges. Sinowjew regte sich hier mächtig auf, als er behauptete, in Bucharins Thesen werde von der „Wahrscheinlichkeit“ und „Unvermeidlichkeit“ des Krieges, nicht aber von seiner unbedingten Unvermeidlichkeit gesprochen. Er behauptete, eine solche Formulierung könne die Partei verwirren. Ich habe mir daraufhin Sinowjews Artikel „Konturen des künftigen Krieges“ durchgelesen. Und was stellte sich heraus? Es stellte sich heraus, dass in Sinowjews Artikel kein einziges, buchstäblich kein einziges Wort darüber steht, dass der Krieg unvermeidlich geworden ist. In Sinowjews Artikel ist die Rede von der Möglichkeit eines neuen Krieges. Es gibt ein ganzes Kapitel darin, in dem er beweist, dass ein Krieg möglich ist. Dieses Kapitel schließt mit dem Satz: „Deshalb ist es berechtigt und notwendig, dass die Bolschewiki, die Leninisten, gegenwärtig an die Möglichkeit eines neuen Krieges denken.“ (Allgemeine Heiterkeit.) Beachten Sie, Genossen - an die Möglichkeit eines neuen Krieges „denken“. In Sinowjews Artikel heißt es an einer Stelle, das der Krieg unvermeidlich „wird“, aber es wird kein einziges, buchstäblich kein einziges Wort darüber gesagt, dass der Krieg bereits unvermeidlich geworden ist. Und dieser Mann hat - wie soll man es gelinde ausdrücken - die Stirn, Anklage zu erheben gegen Buchurins Thesen, die besagen, dass der Krieg wahrscheinlich und unvermeidlich geworden ist.

Was bedeutet es, jetzt von der „Möglichkeit“ eines Krieges zu sprechen? Das bedeutet, uns um mindestens sieben Jahre zurückzuzerren, denn bereits vor sieben Jahren sagte Lenin, dass ein Krieg zwischen der UdSSR und der kapitalistischen Welt möglich ist. Wozu brauchte Sinowjew längst bekannte Tatsachen zu wiederholen und seine Rückwärtsbewegung als etwas Neues auszugeben?

Was bedeutet es, jetzt zu sagen, dass der Krieg unvermeidlich wird? Das bedeutet, uns um mindestens vier Jahre zurückzuzerren, denn wir haben bereits in der Periode des Curzon-Ultimatums [24] gesagt, dass der Krieg unvermeidlich wird.

Wie konnte es geschehen, dass Sinowjew, der gestern noch einen so konfusen und völlig ungereimten Artikel über den Krieg geschrieben hat, der kein einziges Wort darüber enthält, dass der Krieg unvermeidlich geworden ist, wie konnte es geschehen, dass dieser Mann es wagt, über Bucharins klare und eindeutige Thesen von der Unvermeidlichkeit des Krieges herzufallen? Das konnte nur geschehen, weil Sinowjew vergessen hat, was er gestern geschrieben hat. Die Sache ist die, dass Sinowjew zu den Glücklichen gehört, die schreiben, um das Geschriebene schon am nächsten Tage zu vergessen. (Heiterkeit.)

Sinowjew hat hier behauptet, Bucharin sei von Genossen Tschitscherin dazu „gedrängt“ worden, seine Thesen im Sinne der Wahrscheinlichkeit und Unvermeidlichkeit des Krieges zu schreiben. Ich frage: Wer hat Sinowjew dazu „gedrängt“, einen Artikel über die Möglichkeit eines Krieges zu schreiben, jetzt, da der Krieg bereits unvermeidlich geworden ist? (Heiterkeit.)

Die Frage der Stabilisierung des Kapitalismus. Sinowjew ist hier über Bucharins Thesen hergefallen und hat behauptet, die Thesen wichen in der Frage der Stabilisierung von der Position der Komintern ab. Das ist natürlich Unsinn. Damit hat Sinowjew nur seine Ignoranz in der Frage der Stabilisierung, in der Frage des Weltkapitalismus bewiesen. Sinowjew glaubt, da es nun einmal eine Stabilisierung gibt, sei die Sache der Revolution verloren. Er begreift nicht, dass die Krise des Kapitalismus und die Vorbereitung seines Untergangs aus der Stabilisierung erwachsen. Ist es etwa nicht Tatsache, dass der Kapitalismus in letzter Zeit seine Technik vervollkommnet und rationalisiert hat und dadurch gewaltige Warenmengen erzeugt, die nicht realisiert werden können? Ist es etwa nicht Tatsache, dass die kapitalistischen Regierungen sich immer mehr faschisieren, wobei sie zu Angriffen gegen die Arbeiterklasse übergehen und ihre Positionen zeitweilig festigen? Folgt aus diesen Tatsachen, dass die Stabilisierung zu einer dauerhaften Stabilisierung geworden ist? Natürlich nicht! Im Gegenteil, gerade diese Tatsachen führen zur Verschärfung der Krise des Weltkapitalismus, die unvergleichlich tiefer ist als die Krise vor dem letzten imperialistischen Krieg.

Gerade die Tatsache, dass sich die kapitalistischen Regierungen faschisieren, gerade diese Tatsache führt zur Verschärfung der inneren Lage in den kapitalistischen Ländern und zu revolutionären Aktionen der Arbeiter (Wien, England).

Gerade die Tatsache, dass der Kapitalismus die Technik rationalisiert und eine gewaltige Menge von Waren erzeugt, die der Markt nicht absorbieren kann, gerade diese Tatsache führt dazu, dass sich der Kampf um die Absatzmärkte, um die Märkte für die Kapitalausfuhr im Lager der Imperialisten verschärft, dass die Voraussetzungen für einen neuen Krieg, für eine abermalige Neuaufteilung der Welt entstehen.

Ist es etwa schwer zu begreifen, dass das ungeheure Anwachsen der Produktionsmöglichkeiten des Kapitalismus bei der bekannten Begrenztheit des Weltmarkts und der Stabilität der „Einflusssphären“ den Kampf um die Märkte verstärkt und die Krise des Kapitalismus vertieft?

Der Kapitalismus könnte diese Krise beheben, wenn er die Löhne der Arbeiter um ein Mehrfaches erhöhen, wenn er die materielle Lage der Bauernschaft ernstlich verbessern, wenn er auf diese Weise die Kaufkraft der Millionen Werktätigen ernstlich heben und die Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes erweitern könnte. Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus. Eben weil der Kapitalismus das nicht tun kann, eben weil der Kapitalismus seine „Einkünfte“ nicht für die Hebung des Wohlstands der Mehrheit der Werktätigen, sondern für die Verstärkung ihrer Ausbeutung und für die Kapitalausfuhr in weniger entwickelte Länder verwendet, um noch größere „Einkünfte“ zu erzielen - eben deshalb erzeugt der Kampf um die Absatzmärkte, der Kampf um die Märkte für Kapitalausfuhr einen verzweifelten Kampf um eine Neuaufteilung der Welt und der Einflusssphären, einen Kampf, der einen neuen imperialistischen Krieg bereits unvermeidlich gemacht hat.

Warum blicken gewisse imperialistische Kreise mit scheelen Augen auf die UdSSR und organisieren eine Einheitsfront gegen sie? Weil die UdSSR ein großartiger Markt für Absatz und Kapitalausfuhr ist. Warum intervenieren dieselben imperialistischen Kreise in China? Weil China ein großartiger Markt für Absatz und Kapitalausfuhr ist. Und so weiter und so fort.

Eben darin liegen Ursache und Quelle der Unvermeidlichkeit eines neuen Krieges, ganz gleich, ob er zwischen einzelnen imperialistischen Koalitionen oder gegen die UdSSR entbrennt.

Das Unglück der Opposition besteht darin, dass sie diese einfachen, elementaren Dinge nicht begreift.

Die Frage der Verteidigung unseres Landes. Und jetzt gestatten Sie mir, auf die letzte Frage einzugehen, auf die Frage, wie unsere Opposition sich anschickt, die UdSSR zu verteidigen.

Genossen! Den Prüfstein für das revolutionäre Wesen dieser oder jener Gruppe, dieser oder jener Strömung, dieser oder jener Partei bilden nicht die von ihnen abgegebenen Erklärungen oder Deklarationen. Den Prüfstein für das revolutionäre Wesen bilden die Taten, die praktische Tätigkeit, die praktischen Pläne dieser oder jener Gruppe, dieser oder jener Strömung, dieser oder jener Partei. Man kann den Erklärungen und Deklarationen der Menschen, so effektvoll sie auch sein mögen, keinen Glauben schenken, wenn sie nicht durch die Tat bekräftigt und in die Tat umgesetzt werden.

Es gibt eine Frage, die die Markscheide zwischen allen möglichen Gruppen, Strömungen und Parteien bildet und der Prüfstein für ihr revolutionäres oder antirevolutionäres Wesen ist. Diese Frage ist gegenwärtig die Frage der Verteidigung der UdSSR, die Frage des bedingungslosen, vorbehaltlosen Schutzes der UdSSR vor Überfällen des Imperialismus.

Ein Revolutionär ist, wer ohne Vorbehalte, bedingungslos, offen und ehrlich, ohne militärische Geheimberatungen bereit ist, die UdSSR zu schützen und zu verteidigen, denn die UdSSR ist der erste revolutionäre proletarische Staat in der Welt, der den Sozialismus aufbaut. Ein Internationalist ist, wer vorbehaltlos, ohne zu schwanken, ohne Bedingungen zu stellen, bereit ist, die UdSSR zu schützen, weil die UdSSR die Basis der revolutionären Bewegung der ganzen Welt ist; diese revolutionäre Bewegung zu schützen und voranzubringen ist aber nicht möglich, ohne die UdSSR zu schützen. Denn wer die internationale revolutionäre Bewegung zu schützen gedenkt und dabei die UdSSR nicht schützen will oder sich gegen sie stellt, der stellt sich gegen die Revolution, der gleitet unwiderruflich ins Lager der Feinde der Revolution hinab.

Angesichts der Kriegsgefahr sind jetzt zwei Lager entstanden und dementsprechend zwei Positionen: die Position des bedingungslosen Schutzes der UdSSR und die Position des Kampfes gegen die UdSSR. Zwischen ihnen gilt es, die Wahl zu treffen, denn eine dritte Position gibt es nicht und kann es nicht geben. Neutralität in dieser Sache, Schwanken, Vorbehalte, Suchen nach einer dritten Position bedeuten den Versuch, sich der Verantwortung zu entziehen, dem bedingungslosen Kampf für den Schutz der UdSSR aus dem Wege zu gehen, in einem für die Verteidigung der UdSSR höchst entscheidenden Moment fahnenflüchtig zu werden. Was aber bedeutet, sich der Verantwortung zu entziehen? Das bedeutet, unmerklich ins Lager der Gegner der UdSSR hinab zu gleiten.

So steht jetzt die Frage.

Wie ist es um die Opposition vom Gesichtspunkt der Verteidigung, des Schutzes der UdSSR bestellt?

Gestatten Sie, da wir uns schon einmal damit beschäftigen, auf den bekannten Brief Trotzkis an die ZKK zu verweisen, um Ihnen die Verteidigungs“theorie“, die Verteidigungslosung vor Augen zu führen, die Trotzki für den Fall eines Krieges gegen die UdSSR bereithält. Genosse Molotow hat in seiner Rede schon eine Stelle aus diesem Brief zitiert, aber er hat die betreffende Stelle nicht vollständig zitiert. Gestatten Sie, dass ich sie vollständig anführe.

Trotzki fasst Defätismus und Vaterlandsverteidigung so auf:

„Was ist Defätismus? Eine Politik, die darauf gerichtet ist, zur Niederlage des ‚eigenen’ Staates, der sich in den Händen einer feindlichen Klasse befindet, beizutragen. Jede andere Auffassung und Auslegung des Defätismus wäre eine Verfälschung. Wenn also zum Beispiel jemand sagt, die politische Linie ungebildeter und gewissenloser Plagiatoren müsse, eben im Interesse des Sieges des Arbeiterstaates, wie Kehricht hinweggefegt werden, so wird er deshalb noch keineswegs zum ,Defätisten’. Im Gegenteil, unter den gegebenen konkreten Bedingungen ist er gerade der wahre Wortführer der revolutionären Vaterlandsverteidigung: ideologischer Kehricht führt nicht zum Sieg!

Beispiele, und zwar sehr lehrreiche, könnte man in der Geschichte anderer Klassen finden. Führen wir nur eins an. An der Spitze der französischen Bourgeoisie stand zu Beginn des imperialistischen Krieges eine Regierung ohne Steuer und ohne Segel. Die Gruppe Clemenceau stand in Opposition zu dieser Regierung. Ungeachtet des Krieges und der Militärzensur, ja sogar ungeachtet dessen, dass die Deutschen 80 Kilometer vor Paris standen (Clemenceau sagte: ‚Eben deshalb’), führte er einen wütenden Kampf gegen die kleinbürgerliche Schlaffheit und Unentschlossenheit, für imperialistische Brutalität und Rücksichtslosigkeit. Clemenceau verriet seine Klasse, die Bourgeoisie, nicht, im Gegenteil, er diente ihr treuer, standhafter, entschlossener, klüger als Viviani,. Painleve und Konsorten. Das hat der weitere Verlauf der Ereignisse bewiesen. Die Gruppe Clemenceau kam zur Macht und sicherte der französischen Bourgeoisie durch ihre konsequentere, räuberischere imperialistische Politik den Sieg. Gab es französische Zeitungsskribenten, die die Gruppe Clemenceau als Defätisten bezeichneten? Sicher gab es sie: Dummköpfe und Verleumder treiben sich im Tross aller Klassen herum. Aber sie haben nicht immer die Möglichkeit, die gleiche bedeutende Rolle zu spielen.“ (Aus dem Brief Trotzkis an Genossen Ordshonikidse vom 11. Juli 1927.)

Da haben Sie die von Trotzki vorgeschlagene, mit Verlaub zu sagen,, „Theorie“ der Verteidigung der UdSSR.

„Kleinbürgerliche Schlaffheit und Unentschlossenheit“ - das verkörpert, wie man erfährt, die Mehrheit unserer Partei, die Mehrheit unseres ZK, die Mehrheit unserer Regierung. Clemenceau - das ist Trotzki mit seiner Gruppe. (Heiterkeit.) Wenn der Feind bis auf etwa 80 Kilometer an die Kremlmauern herangekommen ist, dann wird dieser neu erstandene Clemenceau, dieser Operetten-Clemenceau, wie sich herausstellt, darauf bedacht sein, zunächst die jetzige Mehrheit zu stürzen, eben weil der Feind 80 Kilometer vor dem Kreml steht, und dann wird er sich um die Verteidigung kümmern. Und wenn es unserem Operetten-Clemenceau gelingt, das zu vollbringen, so wird dies, wie sich herausstellt, eben die wahre und bedingungslose Verteidigung der UdSSR sein.

Um das aber vollbringen zu können, wird er, Trotzki, das heißt Clemenceau, darauf bedacht sein, diesen „Kehricht“ vorher „im Interesse des Sieges des Arbeiterstaates“ „hinwegzufegen“. Was ist das aber für „Kehricht“? Das ist, so erfährt man, die Mehrheit der Partei, die Mehrheit des ZK, die Mehrheit der Regierung.

Es stellt sich also heraus, dass sich dieser Operetten-Clemenceau, wenn der Feind bis auf eine Entfernung von 80 Kilometer an den Kreml herangekommen ist, nicht damit befassen wird, die UdSSR zu verteidigen, sondern die jetzige Mehrheit der Partei zu stürzen. Und das nennt er Verteidigung!

Es mutet freilich etwas lächerlich an, wenn diese kleine Don-Quichotte-Gruppe, die im Verlauf von vier Monaten kaum an die tausend Stimmen zusammengebracht hat, wenn diese kleine Gruppe der Millionenpartei droht: „Ich werde dich hinwegfegen.“ Sie können sich ein Urteil bilden, in welch kläglichem Zustand sich die Gruppe Trotzkis befindet, wenn sie, nachdem sie vier Monate lang im Schweiße ihres Angesichts gearbeitet hat, kaum an die tausend Unterschriften zusammenzubringen vermochte. Ich glaube, dass eine beliebige Gruppe von Oppositionellen einige Tausend Unterschriften zusammenbringen könnte, wenn sie zu arbeiten verstünde. Ich wiederhole: Es mutet lächerlich an, wenn diese kleine Gruppe, in der es mehr Führer als Soldaten gibt (Heiterkeit), die volle vier Monate gearbeitet und kaum an die tausend Unterschriften gesammelt hat, wenn diese Gruppe einer Millionenpartei droht: „Ich werde dich hinwegfegen.“ (Heiterkeit.)

Und wie könnte es die kleine fraktionelle Gruppe bewerkstelligen, eine Millionenpartei „hinwegzufegen“? Glauben vielleicht die Genossen von der Opposition, dass die jetzige Mehrheit der Partei, die Mehrheit des ZK eine zufällige sei, dass sie keine Wurzeln in der Partei, dass sie keine Wurzeln in der Arbeiterklasse habe, dass sie sich von einem Operetten-Clemenceau freiwillig „hinwegfegen“ lasse? Nein, diese Mehrheit ist keine zufällige. Sie hat sich von Jahr zu Jahr, im Laufe der Entwicklung unserer Partei, herausgebildet, sie ist erprobt im Feuer des Kampfes, während des Oktober, nach dem Oktober, während des Bürgerkrieges, während des Aufbaus des Sozialismus.

Um eine solche Mehrheit „hinwegzufegen“, muss man einen Bürgerkrieg in der Partei beginnen. Und Trotzki gedenkt nun, in dem Augenblick, wenn der Feind 80 Kilometer vor dem Kreml steht, einen Bürgerkrieg in der Partei zu beginnen. Weiter, scheint’s, kann man nicht mehr gehen...

Und die jetzigen Führer der Opposition? Haben sie denn nicht bewiesen, wer sie sind? Ist es denn Zufall, dass sie, die einst wichtigste Posten in unserer Partei innehatten, sich dann als Renegaten erwiesen? Muss denn noch bewiesen werden, dass dieser Umstand nicht als Zufall betrachtet werden kann? Und Trotzki will nun mit Hilfe der kleinen Gruppe, die die Plattform der Opposition unterschrieben hat, das Rad der Geschichte unserer Partei in dem Augenblick zurückdrehen, wenn der Feind 80 Kilometer vor dem Kreml steht, wobei es heißt, dass ein Teil der Genossen die Plattform der Opposition unterschrieben haben, weil sie dachten: Wenn du unterschreibst, wirst du im Krieg nicht eingezogen. (Heiterkeit.)

Nein, verehrtester Trotzki, Sie täten besser daran, nicht von „Hinwegfegen des Kehrichts“ zu reden. Sie täten besser daran, nicht davon zu reden, da diese Worte ansteckend wirken. Wenn die Mehrheit von Ihrer Methode, den Kehricht hinwegzufegen, „angesteckt“ wird, dann weiß ich nicht, ob das der Opposition gut bekommen würde. Und es ist ja nicht ausgeschlossen, dass die Mehrheit des ZK von einer solchen Methode „angesteckt“ wird und jemand „hinwegfegt“.

Reden über Hinwegfegen sind nicht immer erwünscht und ungefährlich, da sie die Mehrheit unseres ZK „anstecken“ und sie zwingen könnten, jemand „hinwegzufegen“. Und wenn Trotzki den Besen gegen die Partei und ihre Mehrheit zu gebrauchen gedenkt, ist es dann verwunderlich, wenn die Partei diesen Besen umdreht und ihn gegen die Opposition gebraucht?

Jetzt wissen wir, wie die Opposition die UdSSR zu verteidigen gedenkt. Die ihrem Wesen nach defätistische Theorie Trotzkis über Clemenceau, die von der gesamten Opposition unterstützt wird, beweist uns das deutlich genug.

Es ergibt sich also, dass man, um die Verteidigung der UdSSR zu sichern, vor allem das Clemenceausche Experiment durchführen müsse.

Das ist sozusagen der erste Schritt der Opposition zur „bedingungslosen“ Verteidigung der UdSSR.

Der zweite Schritt zur Verteidigung der UdSSR besteht, wie sich herausstellt, darin, unsere Partei für zentristisch zu erklären. Die Tatsache, dass unsere Partei einen Kampf sowohl gegen die linke Abweichung vom Kommunismus (Trotzki - Sinowjew) als auch gegen die rechte Abweichung vom Kommunismus (Smirnow-Sapronow) führt, diese Tatsache wird, wie sich herausstellt, von unserer bornierten Opposition als Zentrismus gewertet.

Diese sonderbaren Käuze haben, wie sich herausstellt, vergessen, dass wir, indem wir den Kampf gegen beide Abweichungen führen, nur das Vermächtnis Lenins erfüllen, der auf dem entschiedenen Kampf sowohl gegen den „linken Doktrinarismus“ als auch gegen den „rechten Opportunismus“ unbedingt bestand.

Die Führer der Opposition haben mit dem Leninismus gebrochen, haben das Vermächtnis Lenins der Vergessenheit preisgegeben. Die Führer der Opposition wollen nicht zugeben, dass ihr Block, der oppositionelle Block, ein Block der Träger der linken und der rechten Abweichungen vom Kommunismus ist. Sie wollen nicht zugeben, dass ihr jetziger Block die Wiederherstellung des bekannten Trotzkischen Augustblocks unseligen Angedenkens auf neuer Grundlage ist. Sie wollen nicht begreifen, dass eben dieser Block die Gefahr der Entartung in sich birgt. Sie wollen nicht zugeben, dass die Vereinigung der „Ultralinken“ vom Schlage solcher abgefeimten Gauner und Konterrevolutionäre wie Maslow und Ruth Fischer mit den georgischen Vertretern der nationalistischen Abweichung in einem Lager den schlimmsten Abklatsch des liquidatorischen Augustblocks darstellt.

Um also die Verteidigung in Gang zu bringen, muss man, wie sich herausstellt, unsere Partei für zentristisch erklären und versuchen, ihr die Anziehungskraft, die sie auf die Arbeiter ausübt, zu nehmen.

Das ist sozusagen der zweite Schritt der Opposition zur „bedingungslosen“ Verteidigung der UdSSR.

Der dritte Schritt zur Verteidigung der UdSSR besteht, wie sich herausstellt, darin, unsere Partei für nicht existierend zu erklären und sie als „Fraktion Stalins“ hinzustellen. Was wollen die Oppositionellen damit sagen? Sie wollen damit sagen, dass es keine Partei gibt, wohl aber eine „Fraktion Stalins“. Sie wollen damit sagen, dass die Beschlüsse der Partei für sie nicht bindend sind und dass sie diese Beschlüsse stets und ständig durchbrechen können. Sie wollen sich damit den Kampf gegen unsere Partei erleichtern. Zwar haben sie diese Waffe dem Arsenal des menschewistischen „Sozialistitscheski Wjestnik“ [25] und der bürgerlichen „Rulj“ [26] entnommen. Zwar ist es eines Kommunisten unwürdig, Waffen bei den Menschewiki und bei bürgerlichen Konterrevolutionären zu entnehmen. Aber was kümmert sie das? Der Opposition sind alle Mittel recht, wenn nur der Kampf gegen die Partei geführt wird.

Um also die Verteidigung der UdSSR vorzubereiten, muss man, wie sich herausstellt, die Partei für nicht existierend erklären, dieselbe Partei, ohne die überhaupt keine Verteidigung denkbar ist.

Das ist sozusagen der dritte Schritt der Opposition zur „bedingungslosen“ Verteidigung der UdSSR.

Der vierte Schritt zur Verteidigung der UdSSR besteht, wie sich herausstellt, darin, die Komintern zu spalten, in Deutschland eine neue Partei zu organisieren mit den abgefeimten Gaunern und Konterrevolutionären Ruth Fischer und Maslow an der Spitze und dadurch die Unterstützung der UdSSR seitens des westeuropäischen Proletariats zu erschweren.

Um also die Verteidigung der UdSSR vorzubereiten, muss man, wie sich herausstellt, die Komintern spalten.

Das ist sozusagen der vierte Schritt der Opposition zur „bedingungslosen“ Verteidigung der UdSSR.

Der fünfte Schritt zur Verteidigung der UdSSR besteht, wie sich herausstellt, darin, unserer Partei thermidorianische Tendenzen zuzuschreiben, sie zu spalten und mit dem Aufbau einer neuen Partei zu beginnen. Denn wenn wir keine Partei haben, wenn es nur eine „Stalinsche Fraktion“ gibt, deren Beschlüsse für die Mitglieder der Partei nicht bindend sind, wenn diese Fraktion thermidorianisch ist - obwohl es dumm und töricht ist, von Thermidorianertum in unserer Partei zu sprechen -, was bleibt dann zu tun übrig?

Um also die Verteidigung der UdSSR in Gang zu bringen, muss man, wie sich herausstellt, unsere Partei spalten und sich mit der Organisierung einer neuen Partei befassen.

Das ist sozusagen der fünfte Schritt der Opposition zur „bedingungslosen“ Verteidigung der UdSSR.

Da haben Sie die fünf wichtigsten Maßnahmen, die die Opposition zur Verteidigung der UdSSR vorschlägt.

Muss noch bewiesen werden, dass alle diese Maßnahmen der Opposition mit der Verteidigung unseres Landes, mit der Verteidigung des Herdes der Weltrevolution nichts gemein haben?

Und diese Leute wollen, dass wir ihre defaitistischen, halbmenschewistischen Artikel in unserer Parteipresse veröffentlichen! Wofür halten sie uns eigentlich? Haben wir etwa bei uns schon eine Presse“freiheit“ für alle, „von den Anarchisten bis zu den Monarchisten“? Die gibt es nicht und wird es nicht geben. Warum veröffentlichen wir keine menschewistischen Artikel? Weil es bei uns keine Presse“freiheit“ für antileninistische, antisowjetische Strömungen „von den Anarchisten bis zu den Monarchisten“ gibt.

Was wollen die Oppositionellen, die auf Veröffentlichung ihrer halbmenschewistischen, defätistischen Artikel bestehen? Sie wollen der bürgerlichen Presse,,freiheit“ ein Hintertürchen öffnen, wobei sie nicht sehen, dass sie dadurch die antisowjetischen Elemente beleben, deren Druck auf die Diktatur des Proletariats verstärken und der bürgerlichen „Demokratie“ den Weg bahnen. An eine Tür klopfen sie, eine andere aber öffnen sie.

Folgendes schreibt Herr Dan über die Opposition:

„Die russischen Sozialdemokraten würden eine solche Legalisierung der Opposition aufs wärmste begrüßen, obwohl sie mit deren positivem Programm nichts gemein haben. Sie würden die Legalität des politischen Kampfes, die offene Selbstliquidierung der Diktatur und den Übergang zu neuen politischen Formen, die einer breiten Arbeiterbewegung freie Bahn geben, begrüßen.“ („Sozialistitscheski Wjestnik“ Nr. 13, Juli 1927.)

„Die offene Selbstliquidierung der Diktatur“, das ist es, Genossen von der Opposition, was die Feinde der UdSSR von Ihnen erwarten und wohin Ihre Politik führt.

Genossen! Wir stehen vor zwei Gefahren: der Kriegsgefahr, die zu einer Kriegsdrohung geworden ist, und der Gefahr der Entartung einiger Glieder unserer Partei. Zur Vorbereitung der Verteidigung schreitend, müssen wir eine eiserne Disziplin in unserer Partei schaffen. Ohne diese Disziplin ist eine Verteidigung unmöglich. Wir müssen die Parteidisziplin festigen, wir müssen all denen den Zaum anlegen, die unsere Partei desorganisieren. Wir müssen all denen den Zaum anlegen, die unsere Bruderparteien im Westen und im Osten spalten. (Beifall.) Wir müssen all denen den Zaum anlegen, die unsere Bruderparteien im Westen spalten und dabei von solchen abgefeimten Gaunern wie Souvarine, Ruth Fischer, Maslow, dem Wirrkopf Treint unterstützt werden.

Nur so, nur auf diese Weise können wir dem Krieg wohl gerüstet begegnen, wobei wir gleichzeitig bemüht sind, durch gewisse materielle Opfer, die wir auf uns nehmen, den Krieg hinauszuzögern, Zeit zu gewinnen, uns vom Kapitalismus loszukaufen.

Das müssen wir tun, und das werden wir tun. Die zweite Gefahr ist die Gefahr der Entartung.

Woher droht sie? Von dort (zeigt auf die Opposition). Diese Gefahr muss liquidiert werden. (Anhaltender Beifall.)

 

 

REDE AM 5. AUGUST

 

Genossen!

Sinowjew hat sich diesem Plenum gegenüber höchst illoyal verhalten, als er in seiner Rede auf die bereits entschiedene Frage der internationalen Lage zurückkam.

Wir behandeln jetzt den vierten Punkt der Tagesordnung, „Über die Verletzung der Parteidisziplin durch Trotzki und Sinowjew“. Sinowjew indes umgeht den zur Diskussion stehenden Punkt, kommt auf die Frage der internationalen Lage zurück und versucht, eine bereits entschiedene Frage erneut zur Diskussion zu stellen. Dabei richtet er in seiner Rede die Frage mit ihrer Spitze gegen Stalin und vergisst, dass wir nicht über Stalin diskutieren, sondern über die Verletzung der Parteidisziplin durch Sinowjew und Trotzki.

Ich sehe mich daher veranlasst, in meiner Rede auf einige Seiten der bereits entschiedenen Frage zurückzukommen, um die Haltlosigkeit der Ausführungen Sinowjews aufzuzeigen.

Ich bitte um Entschuldigung, Genossen, aber ich werde auch einige Worte zu den Ausfällen Sinowjews gegen Stalin sagen müssen. (Zurufe: „Wir bitten darum!“)

Erstens. Sinowjew hat in seiner Rede aus irgendeinem Grunde an die Schwankungen Stalins im März 1917 erinnert und dabei ganze Märchen zusammengedichtet. Ich habe niemals geleugnet, dass bei mir im März 1917 gewisse Schwankungen aufgetreten waren, dass diese Schwankungen insgesamt ein bis zwei Wochen anhielten, dass diese Schwankungen mit der Ankunft Lenins im April 1917 aufhörten, und auf der Aprilkonferenz im Jahre 1917 stand ich in einer Front mit Genossen Lenin gegen Kamenew und seine oppositionelle Gruppe. Über alles das habe ich mehrmals in unserer Parteipresse geschrieben. (Siehe „Auf dem Wege zum Oktober“, „Trotzkismus oder Leninismus?“ u.a.)

Ich habe mich niemals für unfehlbar gehalten und halte mich nicht für unfehlbar. Nicht nur meine Fehler, auch flüchtige Schwankungen habe ich nie verheimlicht. Aber man darf auch nicht verheimlichen, dass ich nie auf meinen Fehlern beharrt und nie, von meinen flüchtigen Schwankungen ausgehend, eine Plattform, eine besondere Gruppe usw. geschaffen habe.

Aber was hat diese Frage mit der zur Diskussion stehenden Frage der Verletzung der Parteidisziplin durch Sinowjew und Trotzki zu tun? Weshalb umgeht Sinowjew die zur Diskussion stehende Frage und greift auf Erinnerungen an den März 1917 zurück? Sollte er wirklich seine eigenen Fehler, seinen Kampf gegen Lenin und seine besondere Plattform gegen die Partei Lenins im August, im September, Oktober, November 1917 vergessen haben? Oder glaubt Sinowjew vielleicht, durch Erinnerungen an die Vergangenheit die jetzt zur Diskussion stehende Frage der Verletzung der Parteidisziplin durch Sinowjew und Trotzki in den Hintergrund drängen zu können? Nein, dieser Trick wird Sinowjew nicht gelingen.

Zweitens. Sinowjew hat ferner ein Zitat aus meinem Brief angeführt, den ich ihm im Sommer 1923, einige Monate vor der deutschen Revolution von 1923, geschrieben hatte. Ich erinnere mich nicht an die Geschichte dieses Briefes. Eine Kopie dieses Briefes besitze ich nicht und kann deshalb nicht mit Sicherheit sagen, dass Sinowjew ihn richtig zitiert hat. Ich habe ihn, glaube ich, Ende Juli oder Anfang August 1923 geschrieben. Aber ich muss sagen, dass dieser Brief zweifellos von Anfang bis Ende richtig ist. Mit der Berufung auf diesen Brief will Sinowjew offenbar sagen, dass ich mich gegenüber der deutschen Revolution von 1923 überhaupt skeptisch verhalten habe. Das ist natürlich Unsinn.

In dem Brief wurde vor allem die Frage der sofortigen Nachtergreifung durch die Kommunisten berührt. Im Juli oder Anfang August 1923 bestand in Deutschland noch nicht jene tiefe revolutionäre Krise, die Millionenmassen auf die Beine bringt, das Paktierertum der Sozialdemokratie entlarvt, die Bourgeoisie vollends desorganisiert und die Frage der sofortigen Machtergreifung durch die Kommunisten auf die Tagesordnung setzt. Natürlich konnte bei der Lage im Juli-August in Deutschland keine Rede sein von einer sofortigen Machtergreifung durch die Kommunisten, die noch dazu in den Reihen der Arbeiterklasse in der Minderheit waren.

Ist ein solcher Standpunkt richtig? Ich denke, er ist richtig. Denselben Standpunkt vertrat damals das Politbüro.

Die zweite in dem Brief berührte Frage betrifft die Demonstration der kommunistischen Arbeiter in dem Augenblick, als die bewaffneten Faschisten danach trachteten, die Kommunisten zu einer vorzeitigen Aktion zu provozieren. Ich trat damals dafür ein, dass die Kommunisten sich nicht provozieren lassen dürfen. Und nicht nur ich, sondern das gesamte Politbüro vertrat diesen Standpunkt.

Aber zwei Monate später vollzieht sich in Deutschland eine schroffe Veränderung der Lage in der Richtung, dass sich die revolutionäre Krise verschärft. Poincare unternimmt einen militärischen Angriff auf Deutschland; die Finanzkrise in Deutschland nimmt katastrophalen Charakter an; innerhalb der deutschen Regierung beginnen Zerfall und ständiger Ministerwechsel; die revolutionäre Welle steigt und droht die Sozialdemokratie zu sprengen; es beginnt ein Massenübertritt der Arbeiter von der Sozialdemokratie zu den Kommunisten; die Frage der Machtergreifung durch die Kommunisten tritt auf die Tagesordnung. In dieser Situation trat ich, ebenso wie die anderen Mitglieder der Kommission der Komintern, entschieden und bestimmt für die sofortige Machtergreifung durch die Kommunisten ein.

Bekanntlich gab es in der damals geschaffenen deutschen Kommission der Komintern, der Sinowjew, Bucharin, Stalin, Trotzki, Radek und eine Reihe deutscher Genossen angehörten, eine Anzahl konkreter Beschlüsse über die direkte Hilfe für die deutschen Genossen bei der Machtergreifung.

Stimmten die Mitglieder dieser Kommission in jener Zeit in allem miteinander überein? Nein, das war nicht der Fall. Die Meinungsverschiedenheiten gingen damals um die Frage der Organisierung von Sowjets in Deutschland. Ich und Bucharin behaupteten, dass die Betriebsräte die Sowjets nicht ersetzen können, und schlugen die sofortige Organisierung proletarischer Sowjets in Deutschland vor. Trotzki und Radek, sowie auch einige deutsche Genossen, waren gegen die Organisierung von Sowjets, da sie glaubten, dass die Betriebsräte für die Übernahme der Macht ausreichen würden. Sinowjew schwankte zwischen diesen beiden Gruppen.

Beachten Sie, Genossen, damals war nicht von China die Rede, wo es insgesamt nur einige Millionen Proletarier gibt, sondern von Deutschland, einem industriell hochentwickelten Land, wo es damals etwa 15 Millionen Proletarier gab.

Womit endeten damals diese Meinungsverschiedenheiten? Damit, dass Sinowjew auf die Seite Trotzkis und Radeks überlief und die Frage der Sowjets negativ entschieden wurde.

Sinowjew hat zwar diese seine Sünden später reumütig zugegeben. Aber das schafft nicht die Tatsache aus der Welt, dass Sinowjew damals in einer der grundlegenden Fragen der deutschen Revolution auf dem rechten, dem opportunistischen Flügel stand, während Bucharin und Stalin auf dem revolutionären, dem kommunistischen Flügel standen.

Folgendes hat Sinowjew später darüber gesagt:

„In der Frage der Sowjets“ (in Deutschland. J. St.) „haben wir einen Fehler begangen, als wir Trotzki und Radek nachgaben. Jedesmal, wenn man in diesen Fragen nachgibt, überzeugt man sich davon, dass man einen Fehler begeht. Damals konnten keine Arbeitersowjets geschaffen werden, aber dies war der Prüfstein, um festzustellen, ob es sich um eine sozialdemokratische oder um eine kommunistische Einstellung handelte. Wir hätten in dieser Frage nicht nachgeben dürfen. Das Nachgeben war ein Fehler unserseits. So verhält es sich mit dieser Sache, Genossen.“ (Stenographisches Protokoll der 5. Sitzung des Präsidiums des EKKI mit den Vertretern der KP Deutschlands am 19. Januar 1924, S.70.)

Sinowjew spricht in diesem Zitat davon, dass „wir einen Fehler begingen“. Wer ist das „wir“? Es gab damals kein „wir“ und konnte es nicht geben. Einen Fehler begangen hat, um es genau zu sagen, Sinowjew, der auf die Seite Trotzkis und Radeks überlief und ihre falsche Position bezog.

Das sind die Tatsachen.

Sinowjew sollte lieber nicht an die deutsche Revolution von 1923 erinnern und sich vor dem Plenum blamieren, um so mehr, als die von ihm aufgeworfene Frage der deutschen Revolution, wie Sie sehen, gar nichts mit dem vierten Punkt der Tagesordnung des Plenums, den wir jetzt behandeln, zu tun hat.

Die Chinafrage. Sinowjew stellt die Dinge so hin, als habe Stalin in seinem Rechenschaftsbericht an den XIV. Parteitag angeblich China mit Amerika identifiziert. Das ist natürlich Unsinn. Von einer Identifizierung Chinas mit Amerika war in meinem Bericht überhaupt nicht die Rede und konnte keine Rede sein. In Wirklichkeit war in meinem Bericht lediglich vom Recht des chinesischen Volkes auf nationale Vereinigung und nationale Befreiung vom ausländischen Joch die Rede. Ich hatte die Frage mit ihrer Spitze gegen die imperialistische Presse gerichtet und gesagt: Wenn Sie, meine Herren Imperialisten, den nationalen Krieg in Italien, den nationalen Krieg in Amerika, den nationalen Krieg in Deutschland für die Vereinigung und für die Befreiung vom ausländischen Joch, zumindest in Worten, für richtig halten, inwiefern ist China schlechter als diese Länder, und warum hat das chinesische Volk kein Recht auf seine nationale Vereinigung und Befreiung?

Das habe ich in meinem Bericht gesagt, ohne dabei die Frage der Perspektiven und der Aufgaben der chinesischen Revolution vom Standpunkt des Kommunismus überhaupt zu berühren.

Ist eine solche Fragestellung im Kampf gegen die bürgerliche Presse berechtigt? Natürlich ist sie berechtigt. Sinowjew begreift diese einfache Sache nicht, aber daran ist schon seine eigene Begriffsstutzigkeit schuld, und sonst nichts.

Wie sich herausstellt, hält Sinowjew die Politik für falsch, die darauf gerichtet war, die Wuhaner Kuomintang zu einer Zeit, da sie revolutionär war, zum Kern der künftigen revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft zu machen. Es fragt sich, was ist denn hieran falsch? Ist es etwa nicht Tatsache, dass die Wuhaner Kuomintang zu Beginn dieses Jahres revolutionär war? Warum ist denn Sinowjew so lärmend für eine „allseitige Unterstützung“ der Wuhaner Kuomintang eingetreten, wenn die Wuhaner Kuomintang nicht revolutionär war? Warum hat denn die Opposition geschworen, dass sie für das Verbleiben der Kommunistischen Partei in der Wuhaner Kuomintang ist, wenn diese damals nicht revolutionär war? Was wären denn Kommunisten wert, die der Wuhaner Kuomintang angehören und dort Einfluss haben, aber nicht versuchten, die Mitläufer aus den Reihen der Kuomintang voranzutreiben, und nicht den Versuch unternähmen, die Wuhaner Kuomintang zum Kern der revolutionär-demokratischen Diktatur zu machen? Ich würde sagen, dass solche Kommunisten keinen Groschen wert sind.

Dieser Versuch ist zwar nicht gelungen, da die Imperialisten und die Feudalherren Chinas sich im gegebenen Stadium als stärker erwiesen haben als die Revolution und die chinesische Revolution infolgedessen eine zeitweilige Niederlage erlitt. Aber folgt daraus etwa, dass die Politik der Kommunistischen Partei falsch war?

Im Jahre 1905 versuchten die russischen Kommunisten ebenfalls, die damals bestehenden Sowjets zum Kern der künftigen revolutionär-demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft zu machen. Dieser Versuch gelang jedoch damals ebenfalls nicht, da das Verhältnis der Klassenkräfte ungünstig war, da sich der Zarismus und die Feudalherren als stärker erwiesen als die Revolution. Folgt daraus etwa, dass die Politik der Bolschewiki falsch war? Natürlich folgt das nicht daraus.

Sinowjew behauptet ferner, Lenin sei für die sofortige Organisierung von Sowjets der Arbeiterdeputierten in China gewesen. Dabei beruft sich Sinowjew auf Lenins Thesen zur kolonialen Frage, die auf dem II. Kongress der Komintern angenommen wurden. Aber hier führt Sinowjew die Partei einfach irre.

Es ist mehrmals in der Presse darüber gesprochen worden und muss hier wiederholt werden, dass in Lenins Thesen kein einziges Wort über Sowjets der Arbeiterdeputierten in China steht.

Es ist in der Presse mehrmals darüber gesprochen worden und muss hier wiederholt werden, dass Lenin in seinen Thesen nicht Sowjets der Arbeiterdeputierten meinte, sondern „Bauernsowjets“, „Volkssowjets“, „Sowjets der Werktätigen“, wobei er ausdrücklich den Vorbehalt machte, dass es sich um solche Länder handelt, „in denen es kein oder fast kein Industrieproletariat gibt“.

Kann man China zur Kategorie der Länder zählen, in denen es „kein oder fast kein Industrieproletariat gibt“? Natürlich kann man das nicht. Kann man in China Bauernsowjets, Sowjets der Werktätigen, Volkssowjets bilden, ohne vorher Klassensowjets der Arbeiterklasse zu bilden? Natürlich kann man das nicht. Wozu also betrügt die Opposition die Partei mit der Berufung auf Lenins Thesen?

Die Frage der Atempause. Lenin sagte im Jahre 1921, nach Beendigung des Bürgerkriegs, dass wir nunmehr eine gewisse Atempause vom Krieg hätten, eine Atempause, die zum Aufbau des Sozialismus benutzt werden müsse. Sinowjew hat jetzt an Stalin herumzunörgeln und behauptet, Stalin habe aus dieser Atempause eine Periode der Atempause gemacht, was angeblich der These von der Gefahr eines Krieges zwischen der UdSSR und den Imperialisten widerspricht.

Es braucht nicht betont zu werden, dass dies eine dumme und alberne Nörgelei von Sinowjew ist. Aber ist es etwa nicht Tatsache, dass wir nun schon seit sieben Jahren keine kriegerischen Zusammenstöße zwischen den Imperialisten und der UdSSR haben? Kann man diese siebenjährige Periode eine Periode der Atempause nennen? Natürlich kann und muss man sie so nennen. Lenin sprach wiederholt von der Periode des Brester Friedens, indes weiß ein jeder, dass diese Periode nicht länger als ein Jahr währte. Warum kann man die einjährige Periode des Brester Friedens eine Periode nennen, während man die siebenjährige Periode der Atempause nicht eine Periode der Atempause nennen darf? Wie kann man das vereinigte Plenum des ZK und der ZKK mit einer so albernen und dummen Nörgelei aufhalten?

Über die Diktatur der Partei. Mehrmals ist in unserer Parteipresse darüber gesprochen worden, dass Sinowjew den Leninschen Begriff der „Diktatur“ der Partei entstellt, indem er die Diktatur des Proletariats mit der Diktatur der Partei identifiziert. Mehrmals ist in unserer Parteipresse darüber gesprochen worden, dass Lenin unter „Diktatur“ der Partei die Führung der Partei in Bezug auf die Arbeiterklasse verstand, das heißt nicht Gewaltanwendung seitens der Partei gegenüber der Arbeiterklasse, sondern Führung durch Überzeugung, durch politische Erziehung der Arbeiterklasse, und zwar Führung durch eine Partei, die die Führung mit anderen Parteien weder teilt noch teilen will.

Sinowjew begreift das nicht, er entstellt die Leninsche Auffassung. Durch die Entstellung der Leninschen Auffassung von der „Diktatur“ der Partei aber macht Sinowjew, vielleicht ohne es selbst zu begreifen, den Weg frei für das Eindringen von „Araktschejewtum“ in die Partei, für die Rechtfertigung der Verleumdung Lenins durch Kautsky, wonach Lenin angeblich eine „Diktatur der Partei über die Arbeiterklasse“ errichtet hat. Kann man das gutheißen? Natürlich kann man das nicht. Aber wer ist denn schuld daran, wenn Sinowjew diese einfachen Dinge nicht begreift?

Über die nationale Kultur. Das, was Sinowjew hier über nationale Kultur zusammengeredet hat, sollte für alle Zeiten festgehalten werden, damit die Partei weiß, dass Sinowjew ein Gegner der Entwicklung der nationalen Kultur der Völker der UdSSR auf sowjetischer Grundlage, dass er in Wirklichkeit ein Anhänger der Kolonisationspolitik ist.

Wir hielten und halten die Losung der nationalen Kultur in einem Nationalitätenstaat in der Epoche der Herrschaft der Bourgeoisie für eine bürgerliche Losung. Warum? Weil die Losung der nationalen Kultur in einem solchen Staat in der Periode der Herrschaft der Bourgeoisie die geistige Unterwerfung der werktätigen Massen aller Nationalitäten unter die Führung der Bourgeoisie, unter ihre Herrschaft, unter ihre Diktatur bedeutet.

Nach der Machtergreifung durch das Proletariat haben wir die Losung der Entwicklung der nationalen Kultur der Völker der UdSSR auf der Grundlage der Sowjets proklamiert. Was heißt das? Das heißt, dass wir die Entwicklung der nationalen Kultur unter den Völkern der UdSSR den Interessen und Erfordernissen des Sozialismus, den Interessen und Erfordernissen der proletarischen Diktatur, den Interessen und Bedürfnissen der Werktätigen aller Nationalitäten der UdSSR anpassen.

Heißt das, dass wir jetzt gegen die nationale Kultur überhaupt sind? Nein, das heißt es nicht. Das heißt lediglich, dass wir jetzt für die Entwicklung der nationalen Kultur der Völker der UdSSR, der nationalen Sprache, der Schule, der Presse usw. auf der Grundlage der Sowjets sind. Aber was bedeutet der Vorbehalt „auf der Grundlage der Sowjets“? Er bedeutet, dass die Kultur der Völker der UdSSR, die die Sowjetmacht entwickelt, ihrem Inhalt nach eine allen Werktätigen gemeinsame Kultur, eine sozialistische Kultur sein muss, während sie ihrer Form nach eine für jedes Volk der UdSSR unterschiedliche Kultur ist und sein wird, eine nationale Kultur, eine für die Völker der UdSSR entsprechend der Verschiedenheit in der Sprache und in den nationalen Besonderheiten unter-schiedliche Kultur. Darüber habe ich auch in meiner Rede in der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens vor ungefähr drei Jahren gesprochen [27]. In diesem Geiste hat unsere Partei auch die ganze Zeit hindurch gehandelt, indem sie die Entwicklung der nationalen Sowjetschulen, der nationalen Sowjetpresse und anderer kultureller Einrichtungen, die „Nationalisierung“ des Parteiapparats, die „Nationalisierung“ des Sowjetapparats usw. usf. förderte.

Eben deshalb hat Lenin in seinen Briefen an die in den nationalen Gebieten und Republiken tätigen Genossen dazu aufgefordert, die nationale Kultur dieser Gebiete und Republiken auf der Grundlage der Sowjets zu entwickeln.

Eben deshalb sind wir nach der Machtergreifung durch das Proletariat immer diesen Weg gegangen, eben deshalb ist es uns gelungen, ein internationales Gebäude zu errichten, das ohne Beispiel in der Welt dasteht und den Namen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken trägt.

Und Sinowjew glaubt nun, all das über den Haufen werfen, auslöschen, begraben zu können, indem er der nationalen Kultur den Krieg erklärt. Und dieses Kolonisatorengerede über die nationale Frage nennt er Leninismus! Ist das nicht lächerlich, Genossen!

Über den Aufbau des Sozialismus in einem Lande. Sinowjew und die Opposition überhaupt (Trotzki, Kamenew) klammern sich trotz einer Reihe schwerer Niederlagen in dieser Frage immer und immer wieder an diese Frage und stehlen dem Plenum die Zeit. Sie versuchen, die Sache so darzustellen, als wäre die These von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in der UdSSR keine Theorie Lenins, sondern eine „Theorie“ Stalins.

Es braucht wohl kaum nachgewiesen zu werden, dass eine solche Behauptung der Opposition einen Versuch der Opposition darstellt, die Partei zu betrügen. Ist es etwa nicht Tatsache, dass gerade Lenin, und niemand anders, bereits im Jahre 1915 den Sieg des Sozialismus in einem Lande für möglich erklärte [28]? Ist es etwa nicht Tatsache, dass gerade Trotzki, und niemand anders, gleich damals gegen Lenin auftrat und die Erklärung Lenins als „nationale Beschränktheit“ bezeichnete? Was hat denn das mit einer „Theorie“ Stalins zu tun?

Ist es etwa nicht Tatsache, dass gerade Kamenew und Sinowjew, und niemand anders, im Jahre 1925 hinter Trotzki einher trotteten und Lenins Lehre von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande als „nationale Beschränktheit“ bezeichneten? Ist es etwa nicht Tatsache, dass unsere Partei auf ihrer XIV. Konferenz eine besondere Resolution über die Möglichkeit des siegreichen Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR [29] angenommen hat, entgegen der halbmenschewistischen Theorie Trotzkis?

Warum übergehen Trotzki, Sinowjew und Kamenew diese Resolution der XIV. Parteikonferenz?

Ist es etwa nicht Tatsache, dass unsere Partei die Entschließung der XIV. Konferenz auf ihrem XIV. Parteitag bestätigt und diese Bestätigung mit ihrer Spitze gegen Kamenew und Sinowjew gerichtet hat [30]?

Ist es etwa nicht Tatsache, dass unsere XV. Parteikonferenz eine eingehend begründete Entschließung über die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in der UdSSR [31] angenommen und sie mit ihrer Spitze gegen den Oppositionsblock und dessen Haupt, Trotzki, gerichtet hat?

Ist es etwa nicht Tatsache, dass das VII. erweiterte Plenum des EKKI diese Resolution der XV. Konferenz der KPdSU(B) bestätigt und Trotzki, Sinowjew und Kamenew der sozialdemokratischen Abweichung überführt hat [32]?

Es fragt sich, was hat denn das mit einer „Theorie“ Stalins zu tun?

Hat denn Stalin jemals etwas anderes von der Opposition verlangt, als dass sie die Richtigkeit dieser Beschlüsse der höchsten Instanzen unserer Partei und der Komintern anerkennt?

Warum übergehen die Führer der Opposition alle diese Tatsachen, wenn sie ein reines Gewissen haben? Worauf spekulieren sie? Darauf, die Partei zu betrügen? Aber ist es etwa schwer, zu begreifen, dass es niemand gelingen wird, unsere bolschewistische Partei zu betrügen?

Das sind die Fragen, Genossen, die mit dem zur Diskussion stehenden Punkt über die Verletzung der Parteidisziplin durch Trotzki und Sinowjew eigentlich gar nichts zu tun haben, die Sinowjew aber trotzdem wieder hervorgeholt hat, um uns Sand in die Augen zu streuen und die zur Diskussion stehende Frage zu vertuschen.

Ich bitte nochmals um Entschuldigung, dass ich Ihre Zeit in Anspruch genommen und diese Fragen analysiert habe. Aber ich konnte nicht anders handeln, denn es gibt keinen anderen Weg, um unseren Oppositionellen die Lust auszutreiben, die Partei zu betrügen.

Jetzt aber, Genossen, gestatten Sie mir, von der „Verteidigung“ zum Angriff überzugehen.

Das eigentliche Unglück der Opposition besteht darin, dass sie bis zum heutigen Tage noch nicht begreifen kann, wodurch sie „es so weit gebracht hat“.

In der Tat, warum sind ihre Führer, die gestern noch zu den Führern der Partei zählten, „plötzlich“ Renegaten geworden? Wodurch ist das zu erklären? Die Opposition selbst möchte diese Tatsache gern mit Gründen persönlicher Art erklären: Stalin „hat nicht geholfen“, Bucharin „hat ein Bein gestellt“, Rykow „hat nicht unterstützt“, Trotzki „hat es verpasst“, Sinowjew „hat es übersehen“ und ähnliches. Aber diese billige ‘ „Erklärung“ enthält auch nicht die Spur einer Erklärung. Die Tatsache, dass die heutigen Führer der Opposition von der Partei isoliert sind, ist keine unbedeutende Tatsache. Noch weniger kann man sie als Zufall bezeichnen. Die Tatsache, dass die jetzigen Führer der Opposition der Partei abtrünnig geworden sind, hat tief liegende Ursachen. Offenbar sind Sinowjew, Trotzki und Kamenew durch irgend etwas auf die schiefe Bahn geraten, haben sie sich durch irgend etwas ernstlich versündigt - sonst hätte sich die Partei nicht von ihnen abgewandt, als von Renegaten. Und da erhebt sich die Frage: Wodurch sind die Führer der jetzigen Opposition auf die schiefe Bahn geraten, wodurch erklärt es sich, dass sie „es so weit gebracht haben“?

Die erste grundlegende Frage, in der sie auf die schiefe Bahn geraten sind, ist die Frage des Leninismus, die Frage der leninistischen Ideologie unserer Partei. Sie sind dadurch auf die schiefe Bahn geraten, dass sie versuchten und weiter versuchen, den Leninismus durch den Trotzkismus zu ergänzen, im Grunde genommen den Leninismus durch den Trotzkismus zu ersetzen. Das aber, Genossen, ist eine schwere Sünde der Führer der Opposition, die ihnen die Partei nicht verzeihen konnte noch verzeihen kann. Es ist klar, dass die Partei ihnen bei diesem Versuch, eine Wendung vom Leninismus zum Trotzkismus herbeizuführen, nicht folgen konnte, und infolgedessen sahen sich die Führer der Opposition von der Partei isoliert.

Was ist der jetzige Block der Trotzkisten mit den ehemaligen Leninisten aus der Opposition? Ihr jetziger Block ist der materielle Ausdruck des Versuchs, den Leninismus durch den Trotzkismus zu ergänzen. Das Wort „Trotzkismus“ ist nicht von mir erfunden. Es wurde erstmalig von Genossen Lenin gebraucht als etwas dem Leninismus Entgegengesetztes.

Worin besteht die Hauptsünde des Trotzkismus? Die Hauptsünde des Trotzkismus besteht darin, dass er nicht an die Kraft und an die Fähigkeit des Proletariats der UdSSR glaubt, die Bauernschaft, die Hauptmassen der Bauernschaft, zu führen sowohl im Kampf für die Festigung der Macht des Proletariats als auch insbesondere im Kampf für den Sieg des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande.

Die Hauptsünde des Trotzkismus besteht darin, dass er die Leninsche Idee der Hegemonie des Proletariats (in Bezug auf die Bauernschaft) beider Erkämpfung und Festigung der Diktatur des Proletariats, bei der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft in den einzelnen Ländern nicht begreift und, im Grunde genommen, nicht anerkennt.

Waren diese organischen Mängel des Trotzkismus den früheren Leninisten Sinowjew und Kamenew bekannt? Ja, sie waren ihnen bekannt. Gestern noch haben sie an allen Ecken und Enden geschrieen, der Leninismus sei eins und der Trotzkismus etwas anderes. Gestern noch haben sie geschrieen, der Trotzkismus sei unvereinbar mit dem Leninismus. Aber sie brauchten nur mit der Partei in Konflikt zu geraten und in der Minderheit zu bleiben, und schon vergaßen sie das alles und wandten sich dem Trotzkismus zu, um gemeinsam mit ihm gegen die Leninsche Partei, gegen ihre Ideologie, gegen den Leninismus zu kämpfen.

Sie erinnern sich wahrscheinlich unseres Streits auf dem XIV. Parteitag. Worüber stritten wir damals mit der so genannten „neuen Opposition“? Über die Rolle und Bedeutung des Mittelbauern, über die Rolle und Bedeutung der Hauptmassen der Bauernschaft, über die Möglichkeit, dass das Proletariat ungeachtet der technischen Rückständigkeit unseres Landes die Hauptmassen der Bauernschaft beim sozialistischen Aufbau führt.

Mit anderen Worten: Wir stritten mit ihnen darüber, worüber unsere Partei seit langem mit dem Trotzkismus streitet. Sie wissen, dass das Ergebnis des Streits auf dem XIV. Parteitag für die „neue Opposition“ kläglich war. Sie wissen, dass die „neue Opposition“ im Ergebnis dieses Streits in der grundlegenden Frage, in der Frage der Leninschen Idee der Hegemonie des Proletariats in der Epoche der proletarischen Revolution, ins Lager des Trotzkismus hinüberwechselte. Auf diesem Boden entstand auch der so genannte Oppositionsblock der Trotzkisten mit den ehemaligen Leninisten aus der Opposition.

War der „neuen Opposition“ bekannt, dass der V. Kongress der Komintern den Trotzkismus als kleinbürgerliche Abweichung charakterisiert hat [33] Natürlich war ihr das bekannt. Mehr noch, sie selbst setzte sich auf dem V. Kongress der Komintern für die Annahme einer entsprechenden Resolution ein. Wusste die „neue Opposition“, dass Leninismus und kleinbürgerliche Abweichung unvereinbar sind? Natürlich wusste sie das. Mehr noch, vor den Augen der gesamten Partei schrie sie darüber an allen Ecken und Enden.

Jetzt urteilen Sie selbst: Konnte die Partei anders handeln, als sich von solchen Führern abzuwenden, die heute verbrennen, was sie gestern verehrten, die heute verleugnen, wozu sie die Partei gestern mit lauter Stimme aufriefen, die versuchen, den Leninismus durch den Trotzkismus zu ergänzen, obwohl sie einen solchen Versuch gestern noch Verrat am Leninismus nannten? Es ist klar, dass die Partei sich von solchen Führern abwenden musste.

In ihrer Sucht, alles auf den Kopf zu stellen, ging die Opposition sogar so weit, die Tatsache zu leugnen, dass Trotzki in der Periode vor der Oktoberrevolution zu den Menschewiki gehörte. Wundern Sie sich nicht, Genossen - sie erklärt direkt, Trotzki sei seit dem Jahre 1904 niemals Menschewik gewesen. Verhält sich das wirklich so? Wenden wir uns Lenin zu.

Lenin sagte im Jahre 1914, dreieinhalb Jahre vor der Oktoberrevolution, folgendes über Trotzki:

„Die alten Teilnehmer an der marxistischen Bewegung in Rußland kennen die Figur Trotzkis genau, und für sie lohnt es nicht, von ihr zu sprechen. Aber die junge Arbeitergeneration kennt sie nicht, und man muss von ihr sprechen, denn dies ist eine Figur, die typisch ist für alle jene fünf ausländischen Grüppchen, die faktisch ebenfalls zwischen den Liquidatoren und der Partei schwanken.

In den Zeiten der alten ‚Iskra (1901 bis 1903) gab man diesen Schwankenden und von den ‚Ökonomisten’ zu den ‚Iskra’-Leuten und umgekehrt Überlaufenden den Namen ‚Tuschinoer Überläufer’ (so nannte man in der Zeit der Wirren in Rußland die Krieger, die von dem einen Lager ins andere überliefen)...

Die ‚Tuschinoer Überläufer’ erklären sich als über den Fraktionen stehend, und das aus dem einzigen Grunde, weil sie ihre Ideen heute der einen, morgen der anderen Fraktion ‚entlehnen’. Trotzki war in den Jahren 1901 bis 1903 ein eifriger ‚Iskra’-Anhänger, und Rjasanow bezeichnete seine Rolle auf dem Parteitag von 1903 als die Rolle des ,Leninschen Knüppels’. Ende 1903 ist Trotzki eifriger Menschewik, das heißt, er ist von den Iskra-Leuten zu den ,Ökonomisten’ übergelaufen; er verkündet: ,Zwischen der alten und der neuen „Iskra“ liegt ein Abgrund’. Im Jahre 1904/05 rückt er von den Menschewiki ab und nimmt eine schwankende Haltung ein, wobei er bald mit Martynow (dem ‚Ökonomisten’) zusammenarbeitet, bald die absurd linke ‚permanente Revolution’ verkündet. Im Jahre 1906/07 nähert er sich den Bolschewiki, und im Frühjahr 1907 erklärt er sich mit Rosa Luxemburg solidarisch.

In der Periode des Zerfalls geht er, nach langen ‚nichtfraktionellen’ Schwankungen, wiederum nach rechts, und im August 1912 geht er einen Block mit den Liquidatoren ein. Jetzt rückt er wiederum von ihnen ab, wobei er jedoch dem ‘Wesen der Sache nach ihre armseligen Gedanken wiederholt...

Derartige Typen sind charakteristisch als Trümmer geschichtlicher Gestaltungen und Formationen von gestern, als die proletarische Massenbewegung in Rußland noch schlief und ein beliebiges Grüppchen ,genügend Platz’ hatte, um sich als Strömung, als Gruppe, als Fraktion, mit einem Wort, als eine ,Macht’ hinzustellen, die von Vereinigung mit anderen redet.

Es ist notwendig, dass die junge Arbeitergeneration genau wisse, mit wem sie es zu tun hat, wenn mit unglaublichen Ansprüchen Leute auftreten, die weder den Parteibeschlüssen, die seit dem Jahre 1908 das Verhältnis zum Liquidatorentum bestimmt und festgelegt haben, auch nur im geringsten Rechnung tragen wollen noch der Erfahrung der modernen Arbeiterbewegung Rußlands, die in der Tat die Einheit der Mehrheit auf dem Boden der restlosen Anerkennung der genannten Beschlüsse hergestellt hat.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 20, S.321/322 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. I, S. 631/632].)

Daraus geht hervor, dass sich Trotzki in der Zeit nach 1903 dauernd außerhalb des bolschewistischen Lagers aufhielt, wobei er bald ins Lager der Menschewiki überlief, bald von ihnen abrückte, sich jedoch niemals den Bolschewiki anschloss, sondern im Jahre 1912 den Block mit den menschewistischen Liquidatoren gegen Lenin und seine Partei organisierte und mit den Menschewiki in einem Lager blieb.

Ist es da verwunderlich, wenn eine solche „Figur“ unserer bolschewistischen Partei kein Vertrauen einflößt?

Ist es da verwunderlich, wenn sich der von eben dieser „Figur“ geführte Oppositionsblock als isoliert erwies und von der Partei beiseite geschleudert wurde?

Die zweite grundlegende Frage, in der die Führer der Opposition auf die schiefe Bahn geraten sind, ist die Frage der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande in der Periode des Imperialismus. Der Fehler der Opposition besteht darin, dass sie versucht hat, die Lehre Lenins von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande unmerklich zu liquidieren.

Für niemand ist heute die Tatsache ein Geheimnis, dass Lenin bereits im Jahre 1915, zwei Jahre vor der Oktoberrevolution, ausgehend vom Gesetz der Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung unter den Bedingungen des Imperialismus, die These aufstellte, dass „der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist“. (Lenin, 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 311 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. 1, S. 753].)

Für niemand ist heute die Tatsache ein Geheimnis, dass gerade Trotzki, und niemand anders, in dem gleichen Jahr 1915 in der Presse gegen diese These Lenins auftrat und erklärte, die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern anerkennen, „würde bedeuten, ein Opfer jener nationalen Beschränktheit zu werden, die das Wesen des Sozialpatriotismus ist“ (Trotzki, „Das Jahr 1917“, Bd. III, Teil 1, S. 89190, russ.).

Ebenso ist die allbekannte Tatsache kein Geheimnis, dass diese Polemik zwischen Lenin und Trotzki in der Folge eigentlich nicht abriss bis zum Erscheinen von Lenins letzter Schrift „Über das Genossenschaftswesen“ [34] im Jahre 1923, in der er immer wieder von neuem die Möglichkeit der Errichtung der „vollendeten sozialistischen Gesellschaft“ in unserem Lande verkündet.

Welche Veränderungen traten im Zusammenhang mit dieser Frage nach Lenins Tod in der Geschichte unserer Partei ein? Auf unserer XIV. Parteikonferenz im Jahre 1925 erkannten Kamenew und Sinowjew nach einer Reihe von Schwankungen Lenins Lehre von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande an und grenzten sich zusammen mit der Partei in dieser Frage vom Trotzkismus ab. Aber einige Monate später, vor dem XIV. Parteitag, als sie im Kampf gegen die Partei in der Minderheit blieben und sich genötigt sahen, mit Trotzki einen Block zu bilden - schwenkten sie „plötzlich“ zum Trotzkismus ab, brachen mit der Resolution der XIV. Konferenz unserer Partei und kehrten sich von der Leninschen Lehre von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande ab. Das Ergebnis ist, dass die Opposition das halbmenschewistische Geschwätz Trotzkis über die nationale Beschränktheit der Theorie Lenins als Nebelschleier benutzt, hinter dem sie ihre Arbeit zur Liquidierung des Leninismus in der Frage des sozialistischen Aufbaus zu verbergen sucht.

Es fragt sich: Ist es da verwunderlich, wenn die im Geiste des Leninismus erzogene und zusammengeschweißte Partei es für nötig hielt, sich nach alledem von solchen Liquidatoren abzuwenden, und die Führer der Opposition sich von der Partei isoliert sahen?

Die dritte grundlegende Frage, in der die Führer der Opposition auf die schiefe Bahn geraten sind, ist die Frage unserer Partei, die Frage ihrer Geschlossenheit, die Frage ihrer ehernen Einheit.

Der Leninismus lehrt, dass die Partei des Proletariats einheitlich und aus einem Guss sein muss, ohne Fraktionen, ohne fraktionelle Zentren, mit einem einheitlichen Parteizentrum, mit einem einheitlichen Willen. Der Leninismus lehrt, dass die Interessen der proletarischen Partei eine bewusste Erörterung der Fragen der Parteipolitik erfordern, ein bewusstes Verhältnis der Mitgliedermassen der Partei zur Parteiführung, Kritik an den Mängeln der Partei, Kritik an ihren Fehlern. Aber der Leninismus fordert gleichzeitig, dass die Parteibeschlüsse von allen Parteimitgliedern widerspruchslos durchgeführt werden, sobald diese Beschlüsse von den leitenden Organen der Partei angenommen und gebilligt sind.

Der Trotzkismus hat eine andere Auffassung hiervon. Für den Trotzkismus ist die Partei eine Art Föderation fraktioneller Gruppen mit einzelnen fraktionellen Zentren. Für den Trotzkismus ist die proletarische Disziplin der Partei unerträglich. Der Trotzkismus kann das proletarische Regime in der Partei nicht ausstehen. Der Trotzkismus begreift nicht, dass die Ausübung der Diktatur des Proletariats ohne eiserne Parteidisziplin unmöglich ist.

Waren diese organischen Defekte des Trotzkismus den ehemaligen Leninisten aus der Opposition bekannt? Natürlich waren sie ihnen bekannt. Mehr noch, sie schrien an allen Ecken und Enden, dass das „Organisationsschema“ des Trotzkismus mit den Organisationsprinzipien des Leninismus unvereinbar ist. Die Tatsache, dass die Opposition sich in ihrer Erklärung vom 16. Oktober 1926 von der Auffassung, nach der die Partei eine Föderation von Gruppen ist, lossagte, diese Tatsache bestätigt ein übriges Mal, dass die Opposition auf diesem Gebiet auf beiden Beinen hinkte und hinkt. Aber dieses Lossagen erfolgte nur in Worten, es war unaufrichtig. In Wirklichkeit haben die Trotzkisten niemals ihre Versuche aufgegeben, unserer Partei die trotzkistische Organisationslinie aufzuzwingen, Sinowjew und Kamenew aber helfen ihnen bei diesem unrühmlichen Werk. Sinowjew und Kamenew brauchten in ihrem Kampf gegen die Partei nur in der Minderheit zu bleiben, und schon schwenkten sie zu dem trotzkistischen, halbmenschewistischen Organisationsplan ab und verkündeten zusammen mit den Trotzkisten den Kampf gegen das proletarische Regime in der Partei als Tageslosung.

Kann es da wundernehmen, wenn unsere Partei es nicht für möglich erachtete, die Organisationsprinzipien des Leninismus zu begraben, wenn sie die jetzigen Führer der Opposition beiseite schleuderte?

Das, Genossen, sind die drei grundlegenden Fragen, in denen die jetzigen Führer der Opposition auf die schiefe Bahn geraten sind und mit dem Leninismus gebrochen haben.

Kann man sich danach wundern, dass die Leninsche Partei ihrerseits mit diesen Führern gebrochen hat?

Aber leider fand das Hinabsinken der Opposition damit kein Ende. Die Opposition sank noch tiefer und erreichte eine Grenze, über die man nicht hinausgehen darf, ohne Gefahr zu laufen, sich außerhalb der Reihen der Partei zu stellen.

Urteilen Sie selbst.

Bisher konnte man schwerlich annehmen, dass die Opposition, wie tief sie auch gesunken sein mag, in der Frage der bedingungslosen Verteidigung unseres Landes schwanken würde. Aber jetzt muss man nicht nur annehmen, sondern sogar behaupten, dass die Position der jetzigen Führer der Opposition eine defätistische Position ist. Wie anders kann man die dumme und absurde These Trotzkis von dem Clemenceauschen Experiment im Falle eines neuen Krieges gegen die UdSSR verstehen? Kann es etwa einen Zweifel geben, dass dies ein Symptom für das weitere Hinabsinken der Opposition ist?

Bisher konnte man schwerlich annehmen, dass die Opposition jemals die dumme und absurde Beschuldigung des Thermidorianertums gegen unsere Partei erheben würde. Im Jahre 1925, als Saluzki zum erstenmal von thermidorianischen Tendenzen in unserer Partei zu sprechen begann, grenzten sich die jetzigen Führer der Opposition entschieden von ihm ab. Aber jetzt ist die Opposition so tief gesunken, dass sie weiter geht als Saluzki und die Partei des Thermidorianertums beschuldigt. Unbegreiflich ist mir nur, wie Leute, die behaupten, unsere Partei sei thermidorianisch geworden, in unserer Partei bleiben können.

Bisher war die Opposition „lediglich“ darauf aus, einzelne fraktionelle Gruppierungen in den Sektionen der Komintern zu organisieren. Aber jetzt ist sie so weit gegangen, dass sie in Deutschland als Gegengewicht zu der dort bestehenden deutschen Kommunistischen Partei vor aller Augen eine neue Partei organisiert hat, die Partei der konterrevolutionären Spitzbuben Maslow und Ruth Fischer. Das aber ist eine Position der direkten Spaltung der Komintern. Von fraktionellen Gruppierungen in den Sektionen der Komintern zur Spaltung der Komintern - das ist der Weg des Hinabsinkens der Oppositionsführer.

Es ist charakteristisch, dass Sinowjew in seiner Rede die Tatsache des Vorhandenseins einer Spaltung in Deutschland nicht geleugnet hat. Dass aber diese selbe antikommunistische Partei von unserer Opposition organisiert worden ist, das ist schon allein daraus ersichtlich, dass die parteifeindlichen Artikel und Reden der Führer unserer Opposition von Maslow und Ruth Fischer als Sonderbroschüren gedruckt und verbreitet werden. (Zwischenruf: „Eine Schande!“)

Was aber bedeutet die Tatsache, dass der Oppositionsblock in unserer Presse Wujowitsch das Wort gegeben hat zur politischen Verteidigung dieser zweiten Partei in Deutschland, der Partei Maslows und Ruth Fischers? Das bedeutet, dass unsere Opposition Maslow und Ruth Fischer offen unterstützt, unterstützt gegen die Komintern, gegen ihre proletarischen Sektionen. Das aber ist schon nicht mehr einfach Fraktionsmacherei, Genossen. Das ist eine Politik der offenen Spaltung der Komintern. (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Früher forderte die Opposition Freiheit für fraktionelle Gruppierungen in unserer Partei. Jetzt ist ihr das zuwenig. Jetzt beschreitet sie den Weg der direkten Spaltung, indem sie in der UdSSR eine neue Partei mit einem eigenen ZK, mit eigenen Ortsorganisationen gründet. Von der Politik der Fraktionsmacherei zur Politik der direkten Spaltung, zur Politik der Gründung einer neuen Partei, zu einer Politik, die der Ossowski-“Konzeption“ [35] entspricht - so tief sind die Führer unserer Opposition gesunken.

Das sind die Marksteine, die den Weg des weiteren Hinabsinkens der Opposition kennzeichnen, den Weg des Abfalls von der Partei und der Komintern, den Weg der Spaltungspolitik in der Komintern und der KPdSU(B).

Kann man eine solche Lage länger dulden? Es ist klar, dass man das nicht kann. Man kann eine Spaltungspolitik weder in der Komintern noch in der KPdSU(B) zulassen. Dieses Übel muss unverzüglich ausgerottet werden, wenn uns die Interessen der Partei und der Komintern, die Interessen ihrer Einheit, am Herzen liegen.

Das sind die Umstände, die das ZK gezwungen haben, die Frage des Ausschlusses Trotzkis und Sinowjews aus dem ZK zu stellen. Wo ist nun der Ausweg? - werden Sie fragen.

Die Opposition hat sich in eine Sackgasse verrannt. Die Aufgabe besteht darin, einen letzten Versuch zu machen und der Opposition zu helfen, aus dieser Sackgasse herauszukommen. Das, was Genosse Ordshonikidse hier im Namen der ZKK vorgeschlagen hat, ist das Verfahren und ist das Maximum an Zugeständnissen, auf das die Partei eingehen könnte, um die Sache des Friedens in der Partei zu erleichtern.

Erstens muss die Opposition entschieden und unwiderruflich das „thermidorianische“ Geschwätz und die absurde Losung hinsichtlich des Clemenceauschen Experiments aufgeben. Die Opposition muss begreifen, dass man mit solchen Anschauungen und mit solchen Tendenzen unser Land angesichts der drohenden Kriegsgefahr nicht verteidigen kann. Die Opposition muss begreifen, dass man mit solchen Anschauungen und mit solchen Tendenzen nicht länger im Zentralkomitee unserer Partei verbleiben kann. (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Zweitens muss die Opposition offen und unumwunden die antileninistische Spaltergruppe Maslow-Ruth Fischer in Deutschland verurteilen und jede Verbindung mit ihr abbrechen. Die Unterstützung der Spaltungspolitik in der Komintern kann nicht länger geduldet werden. (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Man kann die UdSSR nicht verteidigen, wenn man die Spaltung in der Komintern unterstützt und die Sektionen der Komintern desorganisiert.

Drittens muss die Opposition sich entschieden und unwiderruflich von jeglicher Fraktionsmacherei und von allem lossagen, was zur Schaffung einer neuen Partei in der KPdSU(B) führen kann. Eine Spaltungspolitik darf in unserer Partei weder zwei Monate noch zwei Stunden vor dem Parteitag zugelassen werden. (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Das, Genossen, sind die drei grundlegenden Bedingungen, ohne deren Annahme wir ein weiteres Verbleiben Trotzkis und Sinowjews im ZK unserer Partei nicht zulassen können.

Man wird sagen, das sei eine Repressalie. Ja, das ist eine Repressalie. Repressalien galten im Arsenal unserer Partei niemals als ausgeschlossen. Wir handeln hier auf der Grundlage der bekannten Resolution des X. Parteitags, auf der Grundlage der Resolution, die von Genossen Lenin verfasst und auf dem X. Parteitag von ihm zur Annahme gebracht wurde [36]. Punkt 6 und 7 dieser Resolution lauten:

Punkt 6: „Der Parteitag ordnet die sofortige Auflösung ausnahmslos aller Gruppen an, die sich auf der einen oder der anderen Plattform gebildet haben, und beauftragt alle Organisationen, strengstens darüber zu wachen, dass keinerlei fraktionelle Kundgebungen zugelassen werden. Die Nichterfüllung dieses Parteitagsbeschlusses zieht den unbedingten und sofortigen Ausschluss aus der Partei nach sich.“

Punkt 7: „Um innerhalb der Partei und in der gesamten Sowjetarbeit strenge Disziplin herbeizuführen und die größte Einheit bei Ausmerzung jeglicher Fraktionsmacherei zu erzielen, bevollmächtigt der Parteitag das ZK, im Falle (in Fällen) eines Disziplinbruchs oder des Wiederauflebens oder der Zulassung der Fraktionsmacherei, alle Disziplinarmaßnahmen der Partei, bis zum Ausschluss aus der Partei, und gegenüber Mitgliedern des ZK ihre Überführung in den Kandidatenstand und, als äußerste Maßnahme, sogar den Ausschluss aus der Partei in Anwendung zu bringen. Die Anwendung dieser äußersten Maßnahme (gegen Mitglieder des ZK, Kandidaten des ZK und Mitglieder der Kontrollkommission) kann nur unter der Bedingung erfolgen, dass ein Plenum des ZK einberufen wird, zu dem alle Kandidaten des ZK sowie alle Mitglieder der Kontrollkommission geladen werden. Erachtet diese gemeinsame Tagung der verantwortlichsten Leiter der Partei mit Zweidrittelmehrheit der Stimmen die Überführung eines ZK-Mitglieds in den Kandidatenstand oder den Ausschluss aus der Partei für notwendig, so muss diese Maßregel unverzüglich durchgeführt werden.“

Zurufe. Das muss sofort durchgeführt werden.

Stalin. Warten Sie, Genossen, beeilen Sie sich nicht. Das hat Lenin geschrieben und uns als Vermächtnis hinterlassen, denn er wusste, was das heißt eiserne Parteidisziplin, was das heißt Diktatur des Proletariats. Denn er wusste, dass die Diktatur des Proletariats durch die Partei verwirklicht wird, dass es ohne einheitliche und aus einem Guss geformte Partei keine Diktatur des Proletariats geben kann.

Das sind die Bedingungen, ohne deren Annahme ein weiteres Verbleiben Trotzkis und Sinowjews im ZK unserer Partei unmöglich ist. Nimmt die Opposition diese Bedingungen an, so ist es gut. Nimmt sie sie nicht an - umso schlimmer für sie. (Beifall.)

 

 

ZU DER „ERKLÄRUNG“ DER OPPOSITION
VOM 8. AUGUST 1927

Rede am 9. August

 

Genossen!

Das, was uns die Opposition vorschlägt, kann man nicht als Frieden in der Partei betrachten. Man soll sich keinen Illusionen hingeben. Das, was uns die Opposition vorschlägt, ist ein zeitweiliger Waffenstillstand. (Zuruf: „Nicht einmal ein zeitweiliger!“) Das ist ein zeitweiliger Waffenstillstand, der unter bestimmten Bedingungen ein gewisser Schritt vorwärts sein kann, es aber auch nicht sein kann. Das muss man sich ein für allemal merken. Das darf man nicht vergessen, sowohl für den Fall, dass die Opposition weitere Zugeständnisse macht, als auch für den Fall, dass die Opposition keine weiteren Zugeständnisse macht.

Ein Schritt vorwärts für die Partei ist es, dass die Opposition in allen drei von uns gestellten Fragen in gewissem Maße zurückgewichen ist. In gewissem Maße. Aber sie ist zurückgewichen mit Vorbehalten, die für einen künftigen noch schärferen Kampf den Boden bereiten können. (Zurufe: „Sehr richtig!“ „Sehr richtig, das stimmt!“)

Die Frage der Verteidigung der UdSSR ist für uns in Anbetracht der entstandenen Kriegsgefahr die grundlegende Frage. Die Opposition sagt in ihrer Erklärung in positiver Form, dass sie für die bedingungslose und vorbehaltlose Verteidigung der UdSSR ist, aber sie lehnt es ab, die bekannte Formel, die bekannte Losung Trotzkis hinsichtlich Clemenceaus zu verurteilen. Trotzki muss den Mut aufbringen zuzugeben, was ist.

Ich glaube, im gesamten Plenum des ZK und der ZKK besteht Einmütigkeit darüber, dass ein Mensch, der mit dem Herzen, in der Tat, und nicht nur in Worten, für die bedingungslose Verteidigung unseres Landes ist, nicht schreiben kann, was Trotzki in seinem an Genossen Ordshonikidse adressierten Brief an die ZKK geschrieben hat.

Ich glaube, das gesamte Plenum des ZK und der ZKK ist davon überzeugt, dass diese Losung, diese von Trotzki geprägte Formel über Clemenceau, nur Zweifel an der Aufrichtigkeit Trotzkis in der Frage der Verteidigung der UdSSR hervorrufen kann. Mehr noch, sie erweckt den Eindruck, dass sich Trotzki zu den Fragen der bedingungslosen Verteidigung unseres Landes negativ verhält. (Zurufe: „Sehr richtig, vollkommen richtig!“)

Ich glaube, das gesamte Plenum des ZK und der ZKK ist zutiefst davon überzeugt, dass Trotzki durch die Aufstellung dieser Losung, dieser Formel hinsichtlich Clemenceaus, die Verteidigung der UdSSR von dem bekannten Punkt über die Auswechslung der Führung in unserer Partei und der Führung der Sowjetmacht abhängig gemacht hat. Nur Blinde werden das nicht begreifen. Wenn es Trotzki an Mut fehlt, an dem elementaren Mut, seinen Fehler zuzugeben, so ist er selbst daran schuld.

Wenn die Opposition in ihrem Dokument diesen Fehler Trotzkis nicht verurteilt, so bedeutet das, dass sie eine Reservewaffe in der Hand behalten will für künftige Angriffe gegen die Partei in der Frage der Landesverteidigung, gegen die von der Partei verfolgte Linie. Sie behält also eine gewisse Reserve an Waffen in der Hand, um von ihnen Gebrauch zu machen.

Das ist die Ursache, warum die Opposition in diesem grundlegenden Punkt nicht für den Frieden ist, sondern für einen zeitweiligen Waffenstillstand mit Vorbehalten, die den Kampf in Zukunft noch mehr verschärfen können. (Zwischenruf: „Wir brauchen keinen Waffenstillstand, wir brauchen Frieden.“)

Nein, Genossen, wir brauchen einen Waffenstillstand, hier sind Sie im Irrtum. Wenn man schon zu Beispielen greift, wäre es besser, den Gogolschen Ossip als Beispiel zu nehmen, der gesagt hat: „Ein Stück Bindfaden? - nur her damit, auch ein Stück Bindfaden kann man brauchen.“ Es ist schon besser, so zu handeln, wie der Gogolsche Ossip gehandelt hat. Wir sind nicht so reich an Hilfsquellen und nicht so stark, dass wir einen Bindfaden verschmähen dürften. Auch einen Bindfaden dürfen wir nicht verschmähen. Denken Sie nur richtig nach, und Sie werden begreifen, dass wir in unserem Arsenal auch einen Bindfaden haben sollten.

In der zweiten Frage, in der Frage des Thermidor, hat die Opposition zweifellos einen Rückzug angetreten, einen gewissen Rückzug an diesem Abschnitt im Vergleich zu dem, was vorher war; denn nach einem solchen Rückzug kann es (sofern man logisch ist, natürlich) nicht mehr jene dumme Agitation über „thermidorianische Entartung“ der Partei geben, die von einigen Mitgliedern der Opposition und insbesondere von einigen ihrer halbmenschewistischen Mitglieder betrieben wurde.

Aber an dieses Zugeständnis knüpft die Opposition einen Vorbehalt, der jeglichen Waffenstillstand und jeglichen Frieden in Zukunft unmöglich machen kann. Die Oppositionellen sagen, es gäbe bei gewissen Elementen im Lande Restaurationstendenzen, Thermidortendenzen. Aber das hat nie jemand bestritten. Solange es antagonistische Klassen gibt, solange die Klassen nicht abgeschafft sind, wird es natürlich immer Versuche geben, die alten Zustände zu restaurieren. Aber nicht darum ging es bei unserem Streit. Bei unserem Streit geht es darum, dass die Opposition in ihren Dokumenten Ausfälle gegen das ZK und folglich auch gegen die Partei macht, sie des Thermidorianertums bezichtigt. Man kann das ZK von der Partei nicht trennen. Das kann man nicht. Das ist eine Dummheit. Nur parteifeindliche Elemente, die die grundlegenden elementaren Voraussetzungen des Leninschen Organisationsaufbaus nicht begriffen haben, nur solche Elemente können annehmen, man könne das ZK, noch dazu unser ZK, von der Partei trennen.

Aber die Opposition knüpft an ihre Zugeständnisse die Vorbehalte, über die ich gesprochen habe. Derartige Vorbehalte jedoch geben der Opposition eine gewisse Reservewaffe in die Hand, deren sie sich gegebenenfalls für neue Angriffe gegen die Partei bedienen wird.

Natürlich ist es lächerlich, von Thermidorianertum des ZK zu reden. Mehr noch: Es ist dumm. Ich bin der Meinung, dass die Opposition an diese Dummheit selbst nicht glaubt. Aber sie braucht das als Popanz. Denn wenn die Opposition daran glaubte, dann müsste sie natürlich unserer Partei und unserem ZK offen den Krieg erklären, indes beteuert sie, sie wolle den Frieden in der Partei.

So sehen Sie, dass die Opposition, auch was den zweiten Punkt betrifft, eine Reservewaffe in der Hand behält, um sodann einen neuen Angriff gegen das ZK zu unternehmen. Das muss man sich ebenfalls merken, Genossen, unter allen Umständen. Ganz gleich, ob wir die Führer der Opposition aus dem ZK entfernen oder ob wir sie nicht entfernen, diese Reservewaffe in der grundlegenden Frage des Thermidor bleibt in ihrer Hand, und die Partei muss sofort alle Maßnahmen treffen, um die Opposition zu liquidieren, wenn sie erneut zu dieser parteifeindlichen Waffe greift.

Die dritte Frage betrifft die Spaltung in der Kommunistischen Partei Deutschlands, die antileninistische Spaltergruppe Ruth Fischers und Maslows.

Gestern hatten wir in der Kommission eine sonderbare Unterhaltung. Es kostete die Oppositionellen große Mühe - sehr große Mühe -, bis sie nach einer Reihe von Reden den Mut aufbrachten zu erklären, dass sie, sich dem Beschluss der Komintern fügend - nicht aus Überzeugung, sondern sich dem Beschluss der Komintern fügend -, damit einverstanden seien, die Unzulässigkeit der organisatorischen Verbindung mit dieser parteifeindlichen Gruppe zuzugeben. Ich schlug vor: „organisatorische Verbindung und Unterstützung dieser Gruppe“. Trotzki sagte: „Das braucht man nicht, das können wir nicht annehmen; der Beschluss der Komintern, durch den sie ausgeschlossen wurden, war falsch; ich werde mich dafür einsetzen, dass sie, dieselben Ruth Fischer und Maslow, wieder in die Partei aufgenommen werden.“

Was heißt das? Urteilen Sie selbst. Wie haben doch diese Leute das elementarste Parteibewusstsein verloren!

Nehmen wir an, die KPdSU(B) schließt heute Mjasnikow, der Ihnen allen durch seine Parteifeindlichkeit bekannt ist, aus der Partei aus. Morgen aber kommt Trotzki und sagt: „Ich kann nicht darauf verzichten, Mjasnikow zu unterstützen, denn der Beschluss des ZK ist falsch, aber ich bin bereit, die organisatorischen Verbindungen mit ihm abzubrechen, wie mir befohlen wurde.“

Morgen wird die Gruppe „Arbeiterwahrheit“ [37] ausgeschlossen, die Ihnen ebenfalls durch ihre Parteifeindlichkeit bekannt ist. Trotzki aber kommt und erklärt: „Ich kann nicht darauf verzichten, diese parteifeindliche Gruppe zu unterstützen, denn sie wurde zu Unrecht ausgeschlossen.“

Übermorgen schließt das ZK Ossowski aus, weil er - das ist Ihnen wohlbekannt - ein Feind der Partei ist. Trotzki aber erklärt uns, dass dieser Ausschluss zu Unrecht erfolgt sei und er nicht darauf verzichten könne, Ossowski zu unterstützen.

Aber wenn die Partei, wenn die Komintern nach eingehender Behandlung der Angelegenheit dieser und jener Personen, darunter auch Ruth Fischers und Maslows, wenn diese höchsten Institutionen des Proletariats die Frage dahingehend entscheiden, dass solche Leute auszuschließen sind, Trotzki aber ungeachtet dessen auch weiterhin die Unterstützung der Ausgeschlossenen nicht einstellt - was ergibt sich daraus? Wo bleibt unsere Partei, wo die Komintern? Existieren sie überhaupt? Es ergibt sich, dass für Trotzki weder die Partei noch die Komintern existiert - es existiert nur die persönliche Meinung Trotzkis.

Wie nun aber, wenn nicht nur Trotzki, sondern auch andere Parteimitglieder so handeln wollten wie Trotzki? Es ist klar, dass dieses Partisanentum, dieses Atamanentum nur zur Vernichtung der Partei führen kann. Es wird dann keine Partei mehr geben. Es wird dann nur die persönlichen Meinungen einzelner Atamane geben. Das ist es, was Trotzki nicht begreifen will.

Warum erklärte sich die Opposition nicht damit einverstanden, die Unterstützung der antikommunistischen Gruppe Maslow-Ruth Fischer einzustellen? Warum erklärten sich die Führer der Opposition nicht damit einverstanden, unsere diesbezügliche Korrektur anzunehmen? Weil sie eine dritte Reservewaffe für den Angriff auf die Komintern in der Hand behalten wollen. Das muss man ebenfalls im Auge behalten.

Ganz gleich, ob wir mit ihnen zu einer Übereinkunft gelangen oder nicht, ob sie aus dem ZK entfernt werden oder nicht, diese Reservewaffe bleibt in ihrer Hand für einen künftigen Angriff auf die Komintern.

Die vierte Frage betrifft die Auflösung der Fraktionen. Wir schlagen vor, ehrlich und geradeheraus zu sagen: „Die Fraktion wird bedingungslos aufgelöst.“ Die Führer der Opposition weigern sich, das zu sagen. Stattdessen sagen sie: „Die Elemente des Fraktionswesens beseitigen“, fügen aber hinzu: „Die Elemente des Fraktionswesens, die auf Grund des innerparteilichen Regimes entstanden sind.“

Da haben Sie auch den vierten Vorbehalt. Das ist ebenfalls eine Reservewaffe gegen unsere Partei und ihre Einheit.

Was wollten die Oppositionellen damit sagen, als sie die Annahme der Formulierung ablehnten, in der die sofortige Auflösung ihrer Fraktion gefordert wird, die besteht und die dieser Tage ihre illegale Konferenz hier, in Moskau, einzuberufen gedenkt? Das bedeutet, dass sie sich das Recht vorbehalten wollen, auch künftighin Demonstrationen auf dem Bahnhof zu organisieren, denn - so würden sie sagen - das Regime ist schuld, wir waren gezwungen, noch eine Demonstration zu organisieren. Das bedeutet, dass sie sich das Recht vorbehalten wollen, auch künftighin die Partei anzugreifen, denn - so würden sie sagen - das Regime zwingt uns, anzugreifen. Da haben Sie noch eine Reservewaffe, die die Oppositionellen in der Hand behalten.

Alles das muss das vereinigte Plenum des ZK und der ZKK wissen und im Gedächtnis behalten.

 


    Anmerkungen - Band 10

 

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