DEUTSCH

 

 

Gesammelte

STALINWERKE :

 

 

 

 

BAND 9

Dezember 1926 - Juli 1927

Seite 1 - 132

 

 

VII. ERWEITERTES PLENUM DES EKKI

 

Noch einmal über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei

22. November-16. Dezember 1926

Band 9, Seite 1 - 132

 

Anmerkung: 

Das VII. erweiterte Plenum des Exekutivkomitees der Komintern tagte vom 22. November bis zum 16. Dezember 1926 in Moskau. Das Plenum behandelte die Referate: die internationale Lage und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale; die chinesische und die englische Frage; die Trustbildung, die Rationalisierung und die Aufgaben der Kommunisten in den Gewerkschaften; innerparteiliche Fragen der KPdSU(B); die deutsche und die holländische Frage; ferner behandelte es die Angelegenheit Maslow-Ruth Fischer, die Angelegenheit Brandler und Thalheimer sowie die Angelegenheit Souvarine. Auf der Plenartagung wurden eine politische, eine chinesische, eine englische, eine deutsche Kommission und andere Kommissionen gebildet. J. W. Stalin wurde in die politische, die chinesische und die deutsche Kommission des Plenums gewählt. Nach Entgegennahme und Erörterung des Referats J. W. Stalins „Innerparteiliche Fragen der KPdSU(B)“ brandmarkte das Plenum den trotzkistisch-sinowjewistischen Oppositionsblock in der KPdSU(B) als Block von Spaltern, die in ihrer Plattform auf menschewistische Positionen hinabgesunken sind. Das Plenum verpflichtete die Sektionen der Kornintern, einen entschiedenen Kampf zu führen gegen alle Versuche der Opposition in der KPdSU(B) und ihrer Anhänger in anderen kommunistischen Parteien, die ideologische und organisatorische Einheit der Reihen der Komintern und der Partei Lenins - der Führerin des ersten proletarischen Staates der Welt - zu zerstören. Das Plenum bestätigte die Resolution der XV. Konferenz der KPdSU(B) „Über den Oppositionsblock in der KPdSU(B)“ und beschloss, sie als seine Entschließung den Beschlüssen des Plenums beizufügen. J. W. Stalins Referat „Innerparteiliche Fragen der KPdSU(B)“ und das Schlusswort zum Referat wurden im Dezember 1926 als Einzelbroschüre unter dem Titel „Noch einmal über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“ veröffentlicht.

 

I


VORBEMERKUNGEN

 

Genossen! Gestatten Sie mir, bevor ich mich dem eigentlichen Thema zuwende, einige Vorbemerkungen zu machen.

1. Die Gegensätze in der innerparteilichen Entwicklung

Die erste Frage ist die Frage des Kampfes innerhalb unserer Partei, eines Kampfes, der nicht erst gestern begonnen hat und der weitergeht.

Wenn man die Geschichte unserer Partei von dem Augenblick an betrachtet, da sie in Gestalt der Gruppe der Bolschewiki im Jahre 1903 entstand, und ihre folgenden Etappen bis in unsere Zeit hinein verfolgt, so kann man ohne Übertreibung sagen, dass die Geschichte unserer Partei die Geschichte des Kampfes der Gegensätze innerhalb der Partei ist, die Geschichte der Überwindung dieser Gegensätze und des allmählichen Erstarkens unserer Partei auf der Grundlage der Überwindung dieser Gegensätze. Man könnte annehmen, dass die russischen Menschen allzu rauflustig seien, dass sie gern diskutieren, Meinungsverschiedenheiten in die Welt setzen, und dass deshalb die Entwicklung ihrer Partei durch die Überwindung der innerparteilichen Gegensätze vor sich gehe. Das stimmt nicht, Genossen. Es handelt sich hier nicht um Rauflust. Es handelt sich darum, dass es prinzipielle Meinungsverschiedenheiten gibt, die im Verlauf der Entwicklung der Partei, im Verlauf des Klassenkampfes des Proletariats entstehen. Es handelt sich darum, dass man Gegensätze nur auf dem Wege des Kampfes überwinden kann, des Kampfes um diese oder jene Prinzipien, um diese oder jene Kampfziele, um diese oder jene Kampfmethoden zur Erreichung des Zieles. Man kann und soll in Fragen der Tagespolitik, in Fragen rein praktischen Charakters Übereinkommen jeglicher Art mit Andersdenkenden innerhalb der Partei treffen. Wenn aber diese Fragen mit prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten verbunden sind, so kann kein Übereinkommen, keine „mittlere“ Linie die Sache retten. Es gibt keine „mittlere“ Linie in Fragen prinzipiellen Charakters, und es kann sie nicht geben. Der Arbeit der Partei müssen entweder die einen oder die anderen Prinzipien zugrunde gelegt werden. Die „mittlere“ Linie in prinzipiellen Fragen ist die „Linie“ der Verkleisterung der Hirne, die „Linie“ der Vertuschung der Meinungsverschiedenheiten, die „Linie“ der ideologischen Entartung der Partei, die „Linie“ des ideologischen Todes der Partei.

Wie leben und entwickeln sich heute die sozialdemokratischen Parteien im Westen? Gibt es bei ihnen innerparteiliche Gegensätze, prinzipielle Meinungsverschiedenheiten? Natürlich gibt es sie. Decken sie diese Gegensätze auf, streben sie danach, sie offen und ehrlich vor den Augen der Parteimassen zu überwinden? Nein. Natürlich nicht! Die Praxis der Sozialdemokratie besteht darin, diese Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten zu verheimlichen, zu verbergen. Die Praxis der Sozialdemokratie besteht darin, ihre Konferenzen und Parteitage in eine leere Maskerade zu verwandeln, indem sie ein falsches Bild wohlgeordneter Zustände zur Schau stellt und die inneren Meinungsverschiedenheiten sorgfältig verheimlicht und verkleistert. Aber dabei kann nichts herauskommen als Verkleisterung der Hirne und ideologische Verarmung der Partei. Darin liegt eine der Ursachen für den Niedergang der westeuropäischen Sozialdemokratie, die einst revolutionär war, jetzt aber reformistisch geworden ist.

Wir aber, Genossen, können so nicht leben und uns entwickeln. Die Politik der „mittleren“ prinzipiellen Linie ist nicht unsere Politik. Die Politik der „mittleren“ prinzipiellen Linie ist die Politik dahinsiechender und entartender Parteien. Eine solche Politik führt unvermeidlich zur Verwandlung der Partei in einen hohlen bürokratischen Apparat, der sich im Leerlauf dreht und von den Arbeitermassen losgelöst ist. Dieser Weg ist nicht unser Weg.

Die ganze Vergangenheit unserer Partei ist eine Bestätigung der These, dass die Geschichte unserer Partei die Geschichte der Überwindung der innerparteilichen Gegensätze und der steten Festigung der Reihen unserer Partei eben auf der Grundlage der Überwindung der Gegensätze ist.

Nehmen wir die erste Periode, die Periode der „Iskra“, oder die Periode unseres II. Parteitags, als sich zum erstenmal Meinungsverschiedenheiten innerhalb unserer Partei zwischen Bolschewiki und Menschewiki zeigten und als die Führung unserer Partei schließlich in zwei Teile zerfiel: in einen bolschewistischen Teil (Lenin) und einen menschewistischen Teil (Plechanow, Axelrod, Martow, Sassulitsch, Potressow). Lenin stand damals allein. Wenn Sie wüssten, wieviel Geschrei und Gejammer es damals gab über die „Unersetzlichen“, die Lenin verlassen hatten! Die Praxis des Kampfes aber und die Geschichte der Partei haben gezeigt, dass diese Trennung eine prinzipielle Grundlage hatte, dass diese Trennung eine notwendige Etappe war für die Entstehung und Entwicklung einer wirklich revolutionären und wirklich marxistischen Partei. Die Praxis des Kampfes zeigte damals erstens, dass es nicht auf die Quantität ankommt, sondern auf die Qualität, und zweitens, dass es nicht auf eine formale Einheit ankommt, sondern darauf, dass die Einheit eine prinzipielle Grundlage hat. Die Geschichte hat gezeigt, dass Lenin Recht hatte, die „Unersetzlichen“ aber im Unrecht waren. Die Geschichte hat gezeigt, dass wir ohne Überwindung dieser Gegensätze zwischen Lenin und den „Unersetzlichen“ keine wirklich revolutionäre Partei hätten.

Nehmen wir die folgende Periode, die Periode des Vorabends der Revolution von 1905, als sich Bolschewiki und Menschewiki immer noch in ein und derselben Partei als zwei Lager mit zwei völlig verschiedenen Plattformen gegenüberstanden, als die Bolschewiki vor der formellen Spaltung der Partei standen und als sie zur Verteidigung der Linie unserer Revolution gezwungen waren, ihren eigenen Parteitag (den III. Parteitag) einzuberufen. Wodurch gewann damals der bolschewistische Teil der Partei die Oberhand, wodurch eroberte er die Sympathien der Mehrheit in der Partei? Dadurch, dass er die prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten nicht verkleisterte, sondern für die Überwindung dieser Meinungsverschiedenheiten durch die Isolierung der Menschewiki kämpfte.

Ich könnte mich weiter auf das dritte Stadium der Entwicklung unserer Partei berufen, auf die Periode nach der Niederlage der Revolution von 1905, auf die Periode von 1907, als sich ein Teil der Bolschewiki, die so genannten „Otsowisten“, mit Bogdanow an der Spitze, vom Bolschewismus abwandte. Das war eine kritische Periode im Leben unserer Partei. Das war jene Periode, als eine ganze Reihe Bolschewiki aus der alten Garde Lenin und seine Partei verließ. Die Menschewiki erhoben damals ein großes Geschrei über den Untergang der Bolschewiki. Der Bolschewismus aber ging nicht unter, und die Praxis des Kampfes im Verlauf von ungefähr anderthalb Jahren zeigte, dass Lenin und seine Partei recht hatten, wenn sie den Kampf für die Überwindung der Gegensätze in den Reihen des Bolschewismus führten. Diese Gegensätze wurden nicht durch Verkleisterung überwunden, sondern durch ihre Aufdeckung und durch Kampf, zum Wohle und zum Nutzen unserer Partei.

Ich könnte mich ferner auf die vierte Periode in der Geschichte unserer Partei berufen, auf die Periode 1911-1912, als die Bolschewiki die von der zaristischen Reaktion fast zerschlagene Partei wiederaufbauten und die Liquidatoren davonjagten. Auch hier gingen die Bolschewiki, ebenso wie in den früheren Perioden, an den Wiederaufbau und die Festigung der Partei heran, nicht indem sie die prinzipiellen Meinungsverschiedenheiten mit den Liquidatoren verkleisterten, sondern indem sie sie aufdeckten und überwanden.

Ich könnte dann auf das fünfte Stadium in der Entwicklung unserer Partei hinweisen, auf die Periode vor der Oktoberrevolution 1917, als ein Teil der Bolschewiki mit bekannten Führern der bolschewistischen Partei an der Spitze schwankte und nicht zum Oktoberaufstand schreiten wollte, da sie ihn für ein Abenteuer hielten. Es ist bekannt, dass auch dieser Gegensatz von den Bolschewiki überwunden wurde nicht durch Verkleisterung der Meinungsverschiedenheiten, sondern durch den offenen Kampf für die Oktoberrevolution. Die Praxis des Kampfes hat gezeigt, dass wir ohne Überwindung dieser Meinungsverschiedenheiten die Oktoberrevolution in eine kritische Lage hätten bringen können.

Ich könnte schließlich auf die weiteren Perioden der Entwicklung unseres innerparteilichen Kampfes hinweisen, auf die Periode des Brester Friedens, auf die Periode von 1921 (die Gewerkschaftsdiskussion) und auf die übrigen Perioden, die Ihnen bekannt sind und über die ich mich hier nicht weiter verbreiten werde. Bekanntlich ist unsere Partei in allen diesen Perioden ebenso wie auch vorher gewachsen und erstarkt durch die Überwindung der inneren Gegensätze.

Was ergibt sich nun daraus?

Daraus ergibt sich, dass die KPdSU(B) gewachsen und erstarkt ist durch die Überwindung der innerparteilichen Gegensätze.

Daraus ergibt sich, dass die Überwindung der innerparteilichen Meinungsverschiedenheiten auf dem Wege des Kampfes ein Entwicklungsgesetz unserer Partei ist.

Man könnte sagen, das sei ein Gesetz für die KPdSU(B), nicht aber für die anderen proletarischen Parteien. Das stimmt nicht. Dieses Gesetz ist ein Entwicklungsgesetz für alle einigermaßen großen Parteien, ganz gleich, ob es sich um die proletarische Partei der UdSSR oder um die proletarischen Parteien des Westens handelt. Wenn man in einer kleinen Partei eines kleinen Landes Meinungsverschiedenheiten mit Hilfe der Autorität eines einzelnen oder einiger Personen so oder anders vertuschen kann, so ist in einer großen Partei eines großen Landes die Entwicklung durch Überwindung der Gegensätze ein unerlässliches Element des Wachstums und der Festigung der Partei. So war es in der Vergangenheit. So ist es in der Gegenwart.

Ich möchte mich hier auf die Autorität von Engels berufen, der zusammen mit Marx jahrzehntelang die proletarischen Parteien im Westen leitete. Es handelt sich um die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als in Deutschland das Ausnahmegesetz gegen die Sozialisten

Das Ausnahmegesetz gegen die Sozialisten wurde in Deutschland 1878 von der Bismarckregierung erlassen. Durch dieses Gesetz wurden sämtliche Organisationen der Sozialdemokratischen Partei, die Massenorganisationen der Arbeiter und die Arbeiterpresse verboten. Auf Grund dieses Gesetzes wurde die sozialistische Literatur beschlagnahmt, und die Sozialdemokraten wurden Repressalien ausgesetzt. Die deutsche Sozialdemokratische Partei war gezwungen, in die Illegalität zu gehen. Unter dem Druck der Massenbewegung der Arbeiter wurde das Gesetz 1890 aufgehoben.

herrschte, als Marx und Engels in London in der Emigration lebten und das illegale Auslandsorgan der deutschen Sozialdemokratie „Der Sozialdemokrat“

„Der Sozialdemokrat“ - illegale Zeitung, Organ der deutschen Sozialdemokratie; erschien von September 1879 bis September 1890, zuerst in Zürich (Schweiz) und von Oktober 1888 in London.

faktisch die Arbeit der deutschen Sozialdemokratie leitete. Bernstein war damals ein revolutionärer Marxist (er war noch nicht zu den Reformisten hinübergewechselt), und Engels stand mit ihm in regem Briefwechsel über die aktuellsten Fragen der Politik der deutschen Sozialdemokratie. Folgendes schrieb er damals an Bernstein (1882):

„Es scheint, jede Arbeiterpartei eines großen Landes kann sich nur in innerem Kampf entwickeln, wie das in dialektischen Entwicklungsgesetzen überhaupt begründet ist. Die deutsche Partei wurde, was sie ist, im Kampf der Eisenacher und Lassalleaner, wo ja die Keilerei selbst eine Hauptrolle spielte. Einigung wurde erst möglich, als die von Lassalle absichtlich als Werkzeug gezüchtete Lumpenbande sich abgearbeitet hatte - und auch da geschah sie unserseits mit viel zu großer Übereilung. In Frankreich müssen die Leute, die zwar die bakunistische Theorie geopfert, aber die bakunistischen Kampfmittel fortführen und gleichzeitig den Klassencharakter der Bewegung ihren Sonderzwecken opfern wollen, sich auch erst abarbeiten, ehe wieder Einigung möglich. Unter solchen Umständen Einigung predigen wollen, wäre reine Torheit. Mit Moralpredigten richtet man nichts aus gegen Kinderkrankheiten, die unter heutigen Umständen nun einmal durchgemacht werden müssen.“ (Siehe Archiv K. Marx und F. Engels, Bd. I, S. 324/325.)

Siehe K. Marx und F. Engels, „Ausgewählte Briefe“, 1947, S. 358/359 [deutsche Ausgabe S. 423].

Denn, wie Engels an anderer Stelle sagt (1885):

„Die Gegensätze werden nie auf die Dauer vertuscht, sondern stets ausgefochten.“ (Ebenda, S. 371.)

Dadurch vor allem ist das Vorhandensein von Gegensätzen innerhalb unserer Partei und die Entwicklung unserer Partei durch die Überwindung dieser Gegensätze auf dem Wege des Kampfes zu erklären.

2. Die Quellen der Gegensätze innerhalb der Partei

Woher aber kommen diese Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten, wo liegt ihre Quelle?

Ich glaube, dass die Quellen der Gegensätze innerhalb der proletarischen Parteien in zwei Umständen zu suchen sind.

Was sind das für Umstände?

Das ist erstens der Druck der Bourgeoisie und der bürgerlichen Ideologie auf das Proletariat und seine Partei unter den Bedingungen des Klassenkampfes - ein Druck, dem die am wenigsten widerstandsfähigen Schichten des Proletariats und damit die am wenigsten widerstandsfähigen Schichten der proletarischen Partei nicht selten nachgeben. Man darf das Proletariat nicht als völlig isoliert von der Gesellschaft, als außerhalb der Gesellschaft stehend betrachten. Das Proletariat bildet einen Teil der Gesellschaft, der mit ihren verschiedenartigen Schichten durch zahlreiche Fäden verknüpft ist. Die Partei aber ist ein Teil des Proletariats. Deshalb kann auch die Partei nicht frei sein von Verbindungen mit den verschiedenartigen Schichten der bürgerlichen Gesellschaft und deren Einfluss. Der Druck der Bourgeoisie und ihrer Ideologie auf das Proletariat und seine Partei kommt darin zum Ausdruck, dass nicht selten bürgerliche Ideen, Sitten, Gebräuche, Stimmungen durch bestimmte Schichten des Proletariats, die auf diese oder jene Weise mit der bürgerlichen Gesellschaft verbunden sind, in das Proletariat und seine Partei eindringen.

Das ist zweitens die verschiedenartige Zusammensetzung der Arbeiterklasse, das Vorhandensein verschiedener Schichten innerhalb der Arbeiterklasse. Ich glaube, man könnte das Proletariat als Klasse in drei Schichten unterteilen.

Die erste Schicht ist die Hauptmasse des Proletariats, sein Kern, sein ständiger Teil, jene Masse der „reinblütigen“ Proletarier, die bereits seit langem die Verbindungen mit der Kapitalistenklasse abgebrochen hat. Diese Schicht des Proletariats ist die zuverlässigste Stütze des Marxismus.

Die zweite Schicht sind diejenigen, die erst kürzlich aus nichtproletarischen Klassen, aus der Bauernschaft, aus den Reihen der Kleinbürger, aus der Intelligenz hervorgegangen sind. Es sind Leute, die aus anderen Klassen kommen, erst unlängst zum Proletariat gestoßen sind und ihre Gebräuche, ihre Gewohnheiten, ihre Schwankungen und ihre Unschlüssigkeit in die Arbeiterklasse hineintragen. Diese Schicht bildet den günstigsten Boden für alle möglichen anarchistischen, halbanarchistischen und „ultralinken“ Gruppierungen.

Die dritte Schicht schließlich ist die Arbeiteraristokratie, die Oberschicht der Arbeiterklasse, der materiell am besten gestellte Teil des Proletariats, der bestrebt ist, Kompromisse mit der Bourgeoisie zu schließen, und bei dem Stimmungen dominieren, sich den Mächtigen der Welt anzupassen, es „zu etwas zu bringen“. Diese Schicht bildet den günstigsten Boden für die offenen Reformisten und Opportunisten.

Trotz des äußerlichen Unterschieds bilden diese beiden letzten Schichten der Arbeiterklasse einen mehr oder weniger gemeinsamen Nährboden für den Opportunismus überhaupt, für den offenen Opportunismus, sofern Stimmungen der Arbeiteraristokratie die Oberhand gewinnen, und für den mit „linken“ Phrasen bemäntelten Opportunismus, sofern Stimmungen derjenigen halbspießbürgerlichen Schichten der Arbeiterklasse die Oberhand gewinnen, die mit dem kleinbürgerlichen Milieu noch nicht völlig gebrochen haben. Die Tatsache, dass „ultralinke“ Stimmungen auf Schritt und Tritt mit offen opportunistischen Stimmungen zusammenfallen - diese Tatsache ist nicht verwunderlich. Lenin hat wiederholt erklärt, dass die „ultralinke“ Opposition die Kehrseite der rechten, menschewistischen, offen opportunistischen Opposition ist. Und das ist vollkommen richtig. Da der „Ultralinke“ für die Revolution nur deshalb eintritt, weil er den Sieg der Revolution bereits für morgen erwartet, ist es klar, dass er in Verzweiflung geraten und von der Revolution enttäuscht sein muss, wenn eine Verzögerung der Revolution eintritt, wenn die Revolution nicht bereits morgen siegt.

Es ist natürlich, dass bei jeder Wendung in der Entwicklung des Klassenkampfes, mit jeder Verschärfung des Kampfes und jeder Zunahme der Schwierigkeiten der Unterschied in den Ansichten, Gewohnheiten und Stimmungen der verschiedenen Schichten des Proletariats unvermeidlich in Form bestimmter Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei in Erscheinung treten muss. Der Druck der Bourgeoisie und ihrer Ideologie aber muss diese Meinungsverschiedenheiten unvermeidlich verschärfen, was dazu führt, dass sie innerhalb der proletarischen Partei durch Kampf ausgetragen werden.

Das sind die Quellen der innerparteilichen Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten.

Kann man diesen Gegensätzen und Meinungsverschiedenheiten aus dem Wege gehen? Nein, das kann man nicht. Glauben, man könne diesen Gegensätzen aus dem Wege gehen, heißt sich selbst betrügen. Engels hatte Recht, als er sagte, dass man Gegensätze innerhalb der Partei auf die Dauer nicht vertuschen kann, dass diese Gegensätze ausgefochten werden müssen.

Das bedeutet aber nicht, dass die Partei in einen Diskussionsklub verwandelt werden soll. Im Gegenteil, die proletarische Partei ist eine Kampforganisation des Proletariats und muss es bleiben. Ich will damit lediglich sagen, dass man über die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei nicht hinweggehen und die Augen vor ihnen nicht verschließen darf, wenn diese Meinungsverschiedenheiten prinzipiellen Charakter haben. Ich will damit lediglich sagen, dass nur durch den Kampf um die prinzipielle marxistische Linie die proletarische Partei gegen den Druck und den Einfluss der Bourgeoisie geschützt werden kann. Ich will damit lediglich sagen, dass nur durch die Überwindung der innerparteilichen Gegensätze die Gesundung und Festigung der Partei erreicht werden kann.

 

 

II


DIE BESONDERHEITEN
DER OPPOSITION IN DER KPdSU(B)

Gestatten Sie mir jetzt, von den Vorbemerkungen zur Frage der Opposition in der KPdSU(B) überzugehen.

Vor allen Dingen möchte ich einige Besonderheiten der Opposition innerhalb unserer Partei erwähnen. Ich meine ihre äußeren, in die Augen springenden Besonderheiten, ohne zunächst auf das Wesen der Meinungsverschiedenheiten einzugehen. Ich glaube, man könnte diese Besonderheiten auf drei Hauptbesonderheiten zurückführen. Da ist erstens die Tatsache, dass die Opposition in der KPdSU(B) eine vereinigte Opposition ist, und nicht „einfach“ irgendeine Opposition. Da ist zweitens die Tatsache, dass die Opposition versucht, ihren Opportunismus mit „linken“ Phrasen zu bemänteln, und mit „revolutionären“ Losungen protzt. Da ist drittens die Tatsache, dass sich die Opposition angesichts ihrer prinzipiellen Formlosigkeit fortwährend darüber beklagt, dass man sie nicht verstanden habe, dass die Führer der Opposition im Grunde genommen eine Fraktion der „Unverstandenen“ darstellen. (Heiterkeit.)

Fangen wir mit der ersten Besonderheit an. Wie ist die Tatsache zu erklären, dass die Opposition bei uns als eine vereinigte Opposition auftritt, als ein Block aller und jeglicher von der Partei schon verurteilter Strömungen, wobei sie nicht irgendwie „einfach“, sondern unter Führung des Trotzkismus auftritt?

Das ist durch folgende Umstände zu erklären.

Erstens dadurch, dass alle Strömungen, die sich in dem Block zusammengeschlossen haben - sowohl die Trotzkisten als auch die „neue Opposition“, sowohl die Überreste des „demokratischen Zentralismus“

Gemeint ist die parteifeindliche Gruppe in der KPR(B), die sich Gruppe des „demokratischen Zentralismus“ nannte. Die Gruppe, an deren Spitze Sapronow und Ossinski standen, bildete sich in der Periode des Kriegskommunismus. Die „demokratischen Zentralisten“ verneinten die führende Rolle der Partei in den Sowjets; sie traten gegen die individuelle Leitung und die persönliche Verantwortlichkeit der Direktoren in der Industrie, gegen die Leninsche Linie in Organisationsfragen auf und forderten die Freiheit der Fraktionen und Gruppierungen in der Partei. Der IX. und der X. Parteitag verurteilten entschieden die „demokratischen Zentralisten“. Im Jahre 1927 wurde die Gruppe der „demokratischen Zentralisten“ zusammen mit den Anführern der trotzkistischen Opposition durch den XV. Parteitag der KPdSU(B) aus der Partei ausgeschlossen.

 

als auch die Überreste der „Arbeiteropposition“

 

„Arbeiteropposition“ - parteifeindliche anarcho-syndikalistische Gruppe in der KPR(B), an deren Spitze Schljapnikow, Medwedew und andere standen. Die Gruppe hatte sich in der zweiten Hälfte des Jahres 1920 formiert und führte einen Kampf gegen die Leninsche Parteilinie. Der X. Parteitag der KPR(B) verurteilte die „Arbeiteropposition“ und erklärte die Propaganda der Ideen der anarcho-syndikalistischen Abweichung für unvereinbar mit der Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei. Späterhin schlossen sich die Überreste der zerschlagenen „Arbeiteropposition“ mit dem konterrevolutionären Trotzkismus zusammen und wurden als Feinde der Partei und der Sowjetmacht zerschmettert.

-, dass sie alle mehr oder weniger opportunistische Strömungen darstellen, die entweder seit ihrem Entstehen gegen den Leninismus gekämpft oder aber in letzter Zeit den Kampf gegen ihn aufgenommen haben. Es erübrigt sich zu sagen, dass dieser gemeinsame Zug ihre Vereinigung in einem Block zum Kampf gegen die Partei erleichtern musste.

Zweitens durch den Umstand, dass die gegenwärtige Periode ihrem Charakter nach eine Periode der Wende ist, dass die augenblickliche Periode der Wende aufs neue die grundlegenden Fragen unserer Revolution in aller Schärfe aufgeworfen hat, und da alle diese Strömungen in den einen oder den anderen Fragen der Revolution von den Auffassungen unserer Partei abwichen und weiterhin abweichen, so musste der Gesamtcharakter der gegenwärtigen Periode, da das Fazit all unserer Meinungsverschiedenheiten gezogen wird, natürlich alle diese Strömungen zu einem Block zusammendrängen, zu einem Block gegen die Grundlinie unserer Partei. Es erübrigt sich zu sagen, dass dieser Umstand die Vereinigung der verschiedenartigen oppositionellen Strömungen in einem gemeinsamen Lager begünstigen musste.

Drittens durch den Umstand, dass die gewaltige Kraft und die Geschlossenheit unserer Partei einerseits, die Schwäche ausnahmslos aller oppositionellen Strömungen und ihre Losgelöstheit von den Massen anderseits einen zersplitterten Kampf dieser Strömungen gegen die Partei offensichtlich hoffnungslos machen mussten, weshalb die oppositionellen Strömungen unbedingt den Weg der Vereinigung der Kräfte einschlagen mussten, um durch eine Zusammenlegung der einzelnen Gruppen deren Schwäche zu kompensieren und dadurch, wenigstens äußerlich, die Chancen der Opposition zu vergrößern.

Wodurch aber ist die Tatsache zu erklären, dass gerade der Trotzkismus an der Spitze des Oppositionsblocks marschiert?

Erstens dadurch, dass der Trotzkismus von allen bestehenden oppositionellen Strömungen die ausgeprägteste Strömung des Opportunismus in unserer Partei darstellt (der V. Kongress der Komintern hatte recht, als er den Trotzkismus als kleinbürgerliche Abweichung bezeichnete).

Der V. Weltkongress der Kommunistischen Internationale, der vom 17. Juni bis zum 8. Juli 1924 in Moskau tagte, unterstützte nach Erörterung der Frage „Über die Wirtschaftslage der UdSSR und über die Diskussion in der KPR(B)“ einmütig die Partei der Bolschewiki in ihrem Kampf gegen den Trotzkismus. Der Kongress bestätigte die von der XIII. Konferenz der KPR(B) angenommene und vom XIII. Parteitag der KPR(B) gebilligte Resolution „Über die Ergebnisse der Diskussion und über die kleinbürgerliche Abweichung in der Partei“ und beschloss, diese Resolution als seinen Beschluss zu veröffentlichen.

Zweitens dadurch, dass keine einzige oppositionelle Strömung in unserer Partei ihren Opportunismus so geschickt und kunstvoll durch „linke“ und rrrrevolutionäre Phrasen zu maskieren versteht wie der Trotzkismus. (Heiterkeit.)

Es ist nicht der erste Fall in der Geschichte unserer Partei, dass der Trotzkismus an der Spitze oppositioneller Strömungen gegen unsere Partei auftritt. Ich möchte mich auf den bekannten Präzedenzfall in der Geschichte unserer Partei aus den Jahren 1910-1914 berufen, als unter Trotzkis Führung ein Block der oppositionellen parteifeindlichen Strömungen gebildet wurde, der so genannte Augustblock. Ich möchte mich auf diesen Präzedenzfall berufen, da er gewissermaßen den Prototyp des jetzigen Oppositionsblocks darstellt. Damals schloss Trotzki die Liquidatoren (Potressow, Martow u. a.), die Otsowisten (die „Wperjod“-Leute) und seine eigene Gruppe gegen die Partei zusammen. Jetzt aber machte er den Versuch, die „Arbeiteropposition“, die „neue Opposition“ und seine eigene Gruppe zu einem Oppositionsblock zusammenzuschließen.

Es ist bekannt, dass Lenin damals drei Jahre lang gegen den Augustblock gekämpft hat. Folgendes schrieb Lenin damals über den Augustblock, kurz bevor sich dieser endgültig herausbildete:

„Wir erklären daher im Warnen der Gesamtpartei, dass Trotzki eine parteifeindliche Politik treibt; dass er die Parteigesetzlichkeit sprengt, den Weg des Abenteuers und der Spaltung betritt... Trotzki verschweigt diese unbestreitbare Wahrheit, weil für die realen Ziele seiner Politik die Wahrheit unerträglich ist. Die realen Ziele aber treten immer klarer zutage und werden sogar für die am wenigsten weit blickenden Parteimitglieder offensichtlich. Diese realen Ziele sind der parteifeindliche Block der Potressow mit den Wperjod-Leuten, ein Block, der von Trotzki unterstützt und organisiert wird... Dieser Block wird natürlich Trotzkis ‚Fonds’ und die parteifeindliche Konferenz unterstützen, die von ihm einberufen wird, denn sowohl die Herren Potressow als auch die Wperjod-Leute bekommen hier das, was sie brauchen: Freiheit für ihre Fraktionen, deren Sanktionierung, die Bemäntelung ihrer Tätigkeit und deren advokatenhafte Verteidigung gegenüber den Arbeitern.

Und gerade vom Standpunkt der ‚prinzipiellen Grundlagen’ können wir nicht umhin, diesen Block als Abenteurertum im wahrsten Sinne des Wortes zu bezeichnen. Zu sagen, dass er in Potressow, in den Otsowisten wahre Marxisten, wirkliche Verfechter der prinzipiellen Grundlagen des Sozialdemokratismus sieht, das wagt Trotzki nicht. Das ist ja das Wesentliche an der Haltung eines Abenteurers, dass er sich permanent herauswinden muss... Der Block Trotzkis mit Potressow und den Wperjod-Leuten ist gerade vom Standpunkt der ‚prinzipiellen Grundlagen’ ein Abenteuer. Nicht weniger richtig ist das vom Standpunkt der parteipolitischen Aufgaben... Ein Jahr Erfahrung nach dem Plenum hat in der Praxis gezeigt, dass gerade die Gruppen Potressows, gerade die Fraktion der Wperjod-Leute diesen bürgerlichen Einfluss auf das Proletariat verkörpern... Drittens schließlich ist die Politik Trotzkis ein Abenteuer in organisatorischem Sinne, denn sie sprengt, wie wir bereits aufzeigten, die Parteigesetzlichkeit und beschreitet mit der Organisierung einer Konferenz im Namen einer Auslandsgruppe (oder im Namen eines Blocks von zwei parteifeindlichen Fraktionen, der Golos- und der Wperjod-Leute) direkt den Weg der Spaltung.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 17, S. 13, 15, 17/18, russ.)

So äußerte sich Lenin über den ersten Block der parteifeindlichen Strömungen, an dessen Spitze Trotzki stand.

Das gleiche muss im Wesentlichen, nur mit noch größerer Schärfe, von dem jetzigen Block der parteifeindlichen Strömungen gesagt werden, an dessen Spitze wiederum Trotzki steht.

Das sind die Ursachen, weshalb unsere Opposition jetzt in Form einer vereinigten Opposition auftritt, und zwar nicht „einfach“ auftritt, sondern unter Führung des Trotzkismus.

So steht es um die erste Besonderheit der Opposition.

Gehen wir zur zweiten Besonderheit über. Ich sagte bereits, dass die zweite Besonderheit der Opposition darin besteht, dass sie sich besonders bemüht, ihre opportunistischen Taten mit „linken“, „revolutionären“ Phrasen zu bemänteln. Ich halte es nicht für möglich, hier ausführlicher auf die Tatsachen einzugehen, die das ständige Auseinanderklaffen zwischen „revolutionären“ Worten und opportunistischen Taten in der Praxis unserer Opposition demonstrieren. Es genügt, allein die auf der XV. Konferenz der KPdSU(B) angenommenen Thesen über die Opposition

Die XV. Konferenz der KPdSU(B) fand vom 26. Oktober bis zum 3. November 1926 statt. Die Thesen „Über den Oppositionsblock in der KPdSU(B)“ wurden von J. W. Stalin im Auftrag des Politbüros des ZK der KPdSU(B) verfasst. Am 3. November wurden die Thesen einstimmig von der Konferenz als Resolution der Konferenz angenommen. Am gleichen Tage wurde die Resolution vom vereinigten Plenum des ZI: und der ZKK der KPdSU(B) bestätigt. (Siehe J. W. Stalin, „Werke“, Bd. 8, S.214-233 [deutsche Ausgabe S.192-208].)

durchzulesen, um die Mechanik dieser Maskierung zu begreifen. Ich möchte nur einige Beispiele aus der Geschichte unserer Partei anführen, die zeigen, dass alle oppositionellen Strömungen in unserer Partei in der Periode nach der Machtergreifung versucht haben, ihre nichtrevolutionären Handlungen mit „revolutionären“ Phrasen zu bemänteln, indem sie die Partei und deren Politik stets „von links“ kritisierten.

Nehmen wir zum Beispiel die „linken“ Kommunisten, die in der Periode des Brester Friedens (1918) gegen die Partei auftraten. Bekanntlich kritisierten sie die Partei „von links“, als sie gegen den Brester Frieden auftraten und die Politik der Partei als opportunistisch, unproletarisch, kompromisslerisch gegenüber den Imperialisten qualifizierten. In Wirklichkeit zeigte sich aber, dass die „linken“ Kommunisten durch ihr Auftreten gegen den Brester Frieden die Partei daran hinderten, eine „Atempause“ zur Organisierung und Festigung der Sowjetmacht zu gewinnen, dass sie den Sozialrevolutionären und Menschewiki, die damals gegen den Brester Frieden waren, halfen und die Sache des Imperialismus erleichterten, der bestrebt war, die Sowjetmacht gleich in ihren Anfängen zu erdrosseln.

Nehmen wir die „Arbeiteropposition“ (1921). Bekanntlich kritisierte auch sie die Partei „von links“, als sie in jeder Weise gegen die Politik der NÖP „wetterte“ und die These Lenins „nach Strich und Faden“ „verriss“, nach der man die Wiederherstellung der Industrie mit der Entwicklung der Landwirtschaft beginnen muss, die mit ihren Rohstoffen und Lebensmitteln die Voraussetzungen für die Industrie schafft, als sie diese These Lenins als Nichtbeachtung der Interessen des Proletariats und als bäuerliche Abweichung „verriss“. In Wirklichkeit aber zeigte sich, dass wir ohne die Politik der NÖP, ohne Entwicklung der Landwirtschaft, die mit ihren Rohstoffen und Lebensmitteln die Voraussetzungen für die Industrie schafft, keine Industrie hätten und das Proletariat weiter im Zustand der Deklassierung geblieben wäre.. Außerdem ist ja bekannt, wohin die „Arbeiteropposition“ sich nach all dem entwickelt hat, nach rechts oder nach links.

Nehmen wir schließlich den Trotzkismus, der unsere Partei bereits seit Jahren „von links“ kritisiert und der gleichzeitig, wie der V. Kongress der Komintern richtig zum Ausdruck brachte, eine kleinbürgerliche Abweichung darstellt. Was kann es Gemeinsames geben zwischen einer kleinbürgerlichen Abweichung und wirklich revolutionärem Geist? Ist etwa nicht klar, dass die „revolutionäre“ Phrase hier nur der Deckmantel für eine kleinbürgerliche Abweichung ist?

Ich spreche schon gar nicht von der „neuen Opposition“, deren „linkes“ Geschrei nur den Zweck hat zu verhüllen, dass sie sich ganz im Banne des Trotzkismus befindet.

Was besagen alle diese Tatsachen?

Sie besagen, dass die „linke“ Maskierung der opportunistischen Sache einer der charakteristischsten Züge aller und jeglicher oppositioneller Strömungen in unserer Partei in der Periode nach der Machtergreifung ist.

Wodurch ist diese Erscheinung zu erklären?

Sie findet ihre Erklärung in dem revolutionären Geist des Proletariats der UdSSR, in den gewaltigen revolutionären Traditionen, die unserem Proletariat im Blute stecken. Sie findet ihre Erklärung in dem offenen Hass der Arbeiter der UdSSR gegen die antirevolutionären, gegen die opportunistischen Elemente. Sie findet ihre Erklärung darin, dass unsere Arbeiter einen offenen Opportunisten einfach nicht anhören werden; deshalb stellt die „revolutionäre“ Maskierung das Lockmittel dar, das, wenn auch nur oberflächlicherweise, die Aufmerksamkeit der Arbeiter anziehen und ihnen Vertrauen zur Opposition einflößen soll. Unsere Arbeiter können zum Beispiel nicht verstehen, wieso die englischen Arbeiter bis heute nicht auf den Gedanken gekommen sind, solche Verräter wie Thomas zu ertränken, sie in einen Brunnen zu werfen. (Heiterkeit.) Jeder, der unsere Arbeiter kennt, wird leicht begreifen, dass solche Leute, solche Opportunisten wie Thomas unter sowjetischen Arbeitern einfach nicht existieren könnten. Es ist aber bekannt, dass die englischen Arbeiter sich nicht nur nicht anschicken, die Herren Thomas zu ertränken, sondern sie sogar in den Generalrat wiederwählen,

Generalrat - Exekutivorgan des Kongresses der englischen Trade-Unions; erstmalig gewählt 1921.

ja, sie nicht einfach, sondern direkt mit einer Demonstration wiederwählen. Es ist klar, dass es solchen Arbeitern gegenüber keiner revolutionären Maskierung des Opportunismus bedarf, denn sie sind ohnehin nicht abgeneigt, Opportunisten in ihre Mitte aufzunehmen.

Woraus aber ist das zu erklären? Das erklärt sich aus dem Fehlen revolutionärer Traditionen bei den englischen Arbeitern. Diese revolutionären Traditionen sind jetzt im Entstehen. Sie entstehen und entwickeln sich, und es liegt kein Grund vor, daran zu zweifeln, dass die englischen Arbeiter in revolutionären Kämpfen gestählt werden. Solange das aber noch nicht geschehen ist, bleibt der Unterschied zwischen den englischen und den sowjetischen Arbeitern bestehen. So ist im Grunde die Tatsache zu erklären, dass es für die Opportunisten in unserer Partei eine gewagte Sache ist, ohne eine gewisse „revolutionäre“ Maskierung vor die Arbeiter der UdSSR zu treten.

Hierin also liegen die Ursachen für die „revolutionäre“ Maskierung des Oppositionsblocks.

Schließlich zur dritten Besonderheit der Opposition. Ich sagte bereits, dass diese Besonderheit in der prinzipiellen Formlosigkeit des Oppositionsblocks besteht, in seiner Prinzipienlosigkeit, in seiner Amöbenartigkeit und in den daher rührenden ständigen Klagen der Führer der Opposition darüber, dass man sie „nicht verstanden“, sie „entstellt“ habe, dass man ihnen zugeschrieben habe, was sie „nicht gesagt“ hätten usw. Fürwahr, eine Fraktion der „Unverstandenen“. Die Geschichte der proletarischen Parteien besagt, dass diese Besonderheit („man hat uns nicht verstanden!“) die gewöhnlichste und verbreitetste Besonderheit des Opportunismus überhaupt ist. Sie müssen wissen, Genossen, dass den bekannten Opportunisten Bernstein, Vollmar, Auer und anderen aus den Reihen der deutschen Sozialdemokratie Ende der 90er Jahre und zu Beginn des 20. Jahrhunderts haargenau dasselbe „passierte“, damals, als die deutsche Sozialdemokratie eine revolutionäre Partei war und als sich diese notorischen Opportunisten jahrelang darüber beklagten, dass man sie „nicht verstanden“, dass man sie „entstellt“ habe. Bekanntlich nannten damals die revolutionären deutschen Sozialdemokraten die Fraktion Bernsteins die Fraktion der „Unverstandenen“. Man kann es also keineswegs als Zufall betrachten, dass man den Oppositionsblock in die Kategorie der Fraktionen der „Unverstandenen“ einreihen muss.

Das sind die wichtigsten Besonderheiten des Oppositionsblocks.

 

 

III


DIE MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN
IN DER KPdSU(B)

 

Gehen wir jetzt zum Wesen der Meinungsverschiedenheiten über.

Ich glaube, man könnte unsere Meinungsverschiedenheiten auf einige grundlegende Fragen zurückführen. Ich werde diese Fragen nicht ausführlich behandeln, da die Zeit hierfür nicht ausreicht und mein Referat sich ohnehin in die Länge zieht. Zudem haben Sie die Materialien über die Fragen der KPdSU(B) erhalten, die allerdings einige Übersetzungsfehler aufweisen, im wesentlichen aber doch eine richtige Vorstellung von den Meinungsverschiedenheiten in unserer Partei geben.

1. Die Fragen des sozialistischen Aufbaus

Die erste Frage. Die erste Frage ist die Frage der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande, die Frage der Möglichkeit des siegreichen Aufbaus des Sozialismus. Es handelt sich natürlich nicht um Montenegro, auch nicht einmal um Bulgarien, sondern um unser Land, um die UdSSR. Es handelt sich um ein Land, wo der Imperialismus bestanden und sich entwickelt hat, wo es ein bestimmtes Minimum an Großindustrie gibt, wo es ein bestimmtes Minimum an Proletariat gibt, wo es eine Partei gibt, die das Proletariat führt. Ist also der Sieg des Sozialismus in der UdSSR möglich, ist es möglich, hier den Sozialismus auf der Grundlage der inneren Kräfte unseres Landes zu errichten, auf der Grundlage der Möglichkeiten, über die das Proletariat der UdSSR verfügt?

Was aber heißt den Sozialismus errichten, wenn man diese Formel in die konkrete Klassensprache übersetzt? Den Sozialismus in der UdSSR errichten, das heißt, aus eigener Kraft im Verlauf des Kampfes unsere, die sowjetische, Bourgeoisie überwinden. Folglich läuft die Frage darauf hinaus, ob das Proletariat der UdSSR fähig ist, seine eigene, die sowjetische, Bourgeoisie zu überwinden? Wenn man also davon spricht, ob es möglich ist, den Sozialismus in der UdSSR zu errichten, so meint man damit: Ist das Proletariat der UdSSR fähig, aus eigener Kraft die Bourgeoisie der UdSSR zu überwinden? So, und nur so. steht die Frage bei der Lösung des Problems der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande.

Die Partei beantwortet diese Frage positiv, denn sie geht davon aus, dass das Proletariat der UdSSR, die proletarische Diktatur in der UdSSR die Möglichkeit besitzt, die Bourgeoisie der UdSSR aus eigener Kraft zu überwinden.

Wenn das nicht richtig wäre, wenn die Partei keinen Grund hätten zu der Behauptung, dass das Proletariat der UdSSR fähig ist, ungeachtet der relativen technischen Rückständigkeit unseres Landes die sozialistische Gesellschaft zu errichten, so hätte die Partei keinen Grund, weiter an der Macht zu bleiben, sie müsste so oder so die Macht aufgeben und die Position einer oppositionellen Partei beziehen.

Denn eins von beiden:

Entweder können wir, indem wir unsere „nationale“ Bourgeoisie überwinden, den Sozialismus aufbauen und ihn letzten Endes errichten - dann ist die Partei verpflichtet, an der Macht zu bleiben und den sozialistischen Aufbau im Lande zu leiten im Namen des Sieges des Sozialismus in der ganzen Welt; oder wir sind nicht imstande, aus eigener Kraft unsere Bourgeoisie zu überwinden - dann müssen wir, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass uns die sofortige Unterstützung von außen her, durch die siegreiche Revolution in anderen Ländern, fehlt, offen und ehrlich von der Macht zurücktreten und Kurs darauf nehmen, für die Zukunft eine neue Revolution in der UdSSR zu organisieren.

Kann die Partei ihre Klasse, im gegebenen Fall die Arbeiterklasse, betrügen? Nein, das kann sie nicht. Eine solche Partei verdiente, gevierteilt zu werden. Aber eben weil unsere Partei nicht das Recht hat, die Arbeiterklasse zu betrügen, müsste sie geradeheraus sagen, dass die fehlende Überzeugung von der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande dazu führt, dass unsere Partei von der Macht zurücktritt und von der Position der regierenden auf die Position einer oppositionellen Partei übergeht.

Wir haben die Diktatur des Proletariats erkämpft und damit die politische Basis für die Vorwärtsentwicklung zum Sozialismus geschaffen. Können wir aus eigener Kraft die ökonomische Basis des Sozialismus, das neue ökonomische Fundament schaffen, das zur Errichtung des Sozialismus notwendig ist? Worin bestehen das ökonomische Wesen und die ökonomische Basis des Sozialismus? Etwa darin, auf Erden das „Himmelreich“ und allgemeines Wohlleben einzuführen? Nein, nicht darin. Das ist eine spießerhafte, kleinbürgerliche Vorstellung von dem ökonomischen Wesen des Sozialismus. Die ökonomische Basis des Sozialismus schaffen heißt die Landwirtschaft mit der sozialistischen Industrie zu einem wirtschaftlichen Ganzen zusammenschließen, die Landwirtschaft der Führung der sozialistischen Industrie unterstellen, die Beziehungen zwischen Stadt und Land auf der Grundlage des Austauschs von landwirtschaftlichen Produkten und Industrieerzeugnissen regeln, heißt alle jene Kanäle schließen und liquidieren, mit deren Hilfe Klassen entstehen und vor allen Kapital entsteht, und letzten Endes derartige Produktions- und Distributionsbedingungen schaffen, die direkt und unmittelbar zur Aufhebung der Klassen führen.

Folgendes sagte Genosse Lenin hierüber in der Periode, als wir die NÖP einführten und als sich die Frage der Errichtung des sozialistischen Fundaments der Volkswirtschaft in ihrer ganzen Größe vor der Partei erhob:

„Ersetzung der Ablieferungspflicht durch eine Steuer, ihre prinzipielle Bedeutung: vom ‚Kriegs’kommunismus zum richtigen sozialistischen Fundament. Weder Ablieferungspflicht noch Steuer, sondern Austausch der Erzeugnisse der (‚sozialisierten’) Großindustrie gegen bäuerliche Produkte, das ist das ökonomische Wesen des Sozialismus, seine Basis.“ (Siehe 4.Ausgabe, Bd. 32, S.300, russ.)

So fasst Lenin das Problem der Schaffung der ökonomischen Basis des Sozialismus auf.

Um aber die Landwirtschaft mit der sozialisierten Industrie zusammenzuschließen, muss man vor allen Dingen ein ausgedehntes Netz von Organen für die Verteilung der Produkte haben, ein ausgedehntes Netz von Genossenschaftsorganen, sowohl von Konsumgenossenschaften als auch von landwirtschaftlichen, von Produktionsgenossenschaften. Lenin ging gerade von diesem Grundsatz aus, als er in seiner Schrift „Über das Genossenschaftswesen“ schrieb:

„Die Genossenschaften decken sich unter unseren Verhältnissen in der Regel völlig mit dem Sozialismus.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 433 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 993].)

Also: Kann das Proletariat der UdSSR unter den Bedingungen der kapitalistischen Umkreisung unseres Landes aus eigener Kraft die ökonomische Basis des Sozialismus errichten?

Die Partei beantwortet diese Frage positiv (siehe Resolution der XIV. Konferenz der KPR(B)).

Gemeint ist die Resolution der XIV. Konferenz der KPR(B) „Über die Aufgaben der Komintern und der KPR(B) im Zusammenhang mit dem erweiterten Plenum des EKKI“. (Siehe „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S. 25-31, russ.)

Lenin beantwortet diese Frage positiv (siehe zum Beispiel seine Schrift „Über das Genossenschaftswesen“). Die gesamte Praxis unseres Aufbaus gibt eine positive Antwort auf diese Frage, denn der Anteil des sozialistischen Sektors unserer Wirtschaft wächst von Jahr zu Jahr auf Kosten des Anteils des Privatkapitals sowohl auf dem Gebiet der Produktion als auch auf dem Gebiet der Zirkulation, wobei die Rolle des Privatkapitals in ihrem Verhältnis zur Rolle der sozialistischen Elemente unserer Wirtschaft von Jahr zu Jahr geringer wird.

Welche Antwort gibt nun aber die Opposition auf diese Frage? Sie gibt auf diese Frage eine negative Antwort.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass der Sieg des Sozialismus in unserem Lande möglich ist, dass die Möglichkeit der Errichtung der ökonomischen Basis des Sozialismus als gesichert gelten kann.

Bedeutet das nun, dass man einen solchen Sieg als vollen Sieg, als endgültigen Sieg des Sozialismus bezeichnen kann, der das Land, das den Sozialismus aufbaut, vor jeder Gefahr von außen, vor der Gefahr einer imperialistischen Intervention und einer damit verbundenen Restauration sichert? Nein, das bedeutet es nicht. Während die Frage der Errichtung des Sozialismus in der UdSSR eine Frage der Überwindung der eigenen, der „nationalen“ Bourgeoisie ist, ist die Frage des endgültigen Sieges des Sozialismus eine Frage der Überwindung der internationalen Bourgeoisie. Die Partei sagt, dass das Proletariat eines Landes nicht imstande ist, aus eigener Kraft die internationale Bourgeoisie zu bezwingen. Die Partei sagt, dass zum endgültigen Sieg des Sozialismus in einem Lande die Überwindung oder wenigstens die Neutralisierung der internationalen Bourgeoisie notwendig ist. Die Partei sagt, dass diese Aufgabe nur von dem Proletariat mehrerer Länder gelöst werden kann. Deshalb bedeutet der endgültige Sieg des Sozialismus in dem einen oder dem anderen Lande den Sieg der proletarischen Revolution mindestens in einigen Ländern.

Diese Frage ruft in unserer Partei keine besonderen Meinungsverschiedenheiten hervor, deshalb werde ich darauf nicht weiter eingehen und verweise diejenigen, die sich dafür interessieren, auf die Materialien des ZK unserer Partei, die vor einigen Tagen an die Mitglieder des erweiterten Plenums des EKKI verteilt worden sind.

2. Die Faktoren der „Atempause“

Die zweite Frage. Die zweite Frage betrifft die Bedingungen der gegenwärtigen internationalen Lage der UdSSR, die Bedingungen jener Periode der „Atempause“, in deren Verlauf wir die Arbeit zum Aufbau des Sozialismus begonnen und entfaltet haben. Wir können und müssen den Sozialismus in der UdSSR aufbauen. Um aber den Sozialismus aufzubauen, muss man vor allen Dingen existieren. Wir brauchen eine „Atempause“ vom Krieg, es darf keine Interventionsversuche geben, man muss ein gewisses Minimum an internationalen Bedingungen erkämpft haben, die unerlässlich sind, um existieren und den Sozialismus aufbauen zu können.

Es fragt sich: Worauf beruht die gegenwärtige internationale Lage der Sowjetrepublik, wodurch wird die gegenwärtige „friedliche“ Periode in der Entwicklung unseres Landes in seinem Verhältnis zu den kapitalistischen Ländern bestimmt, worauf basiert jene „Atempause“ beziehungsweise jene Periode der „Atempause“, die erkämpft worden ist, die es der kapitalistischen Welt unmöglich macht, sofort Versuche einer ernsthaften Intervention zu unternehmen, und die die notwendigen äußeren Bedingungen für den Aufbau des Sozialismus in unserem Lande schafft, wenn bewiesen ist, dass die Gefahr der Intervention besteht und weiterhin bestehen bleibt und dass diese Gefahr nur durch den Sieg der proletarischen Revolution in einer Reihe von Ländern beseitigt werden kann?

Die gegenwärtige Periode der „Atempause“ basiert auf mindestens vier grundlegenden Tatsachen.

Erstens auf den Gegensätzen im Lager der Imperialisten, die sich nicht abschwächen und die ein Komplott gegen die Republik der Sowjets erschweren.

Zweitens auf den Gegensätzen zwischen dem Imperialismus und den Kolonialländern, auf dem Anwachsen der Befreiungsbewegung in den kolonialen und abhängigen Ländern.

Drittens auf dem Anwachsen der revolutionären Bewegung in den kapitalistischen Ländern und der wachsenden Sympathie der Proletarier aller Länder für die Republik der Sowjets. Die Proletarier der kapitalistischen Länder sind noch nicht imstande, durch eine direkte Revolution gegen ihre eigenen Kapitalisten die Proletarier der UdSSR zu unterstützen. Aber die Kapitalisten der imperialistischen Staaten sind schon nicht mehr imstande, „ihre“ Arbeiter gegen das Proletariat der UdSSR in Marsch zu setzen, denn die Sympathie der Proletarier aller Länder für die Republik der Sowjets wächst und muss notwendigerweise von Tag zu Tag wachsen. Ohne die Arbeiter aber kann man jetzt keinen Krieg führen.

Viertens auf der Kraft und Stärke des Proletariats der UdSSR, auf den Erfolgen ihres sozialistischen Aufbaus, auf der Kraft der Organisiertheit ihrer Roten Armee.

Das Zusammentreffen dieser und ähnlicher Bedingungen hat jene Periode der „Atempause“ geschaffen, die ein charakteristischer Zug in der gegenwärtigen internationalen Lage der Sowjetrepublik ist.

3. Die Einheit und Unteilbarkeit
der „nationalen“ und der internationalen Aufgaben der Revolution

Die dritte Frage. Die dritte Frage betrifft die „nationalen“ und die internationalen Aufgaben der proletarischen Revolution in dem einen oder anderen Lande. Die Partei geht davon aus, dass die „nationalen“ und die internationalen Aufgaben des Proletariats der UdSSR mit der gemeinsamen Aufgabe der Befreiung der Proletarier aller Länder vom Kapitalismus verschmelzen, dass die Interessen des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande mit den Interessen der revolutionären Bewegung aller Länder voll und ganz zu einem gemeinsamen Interesse - Sieg der sozialistischen Revolution in allen Ländern - verschmelzen.

Was wäre die Folge, wenn die Proletarier aller Länder der Republik der Sowjets nicht Sympathie und Unterstützung erwiesen? Intervention und Zerschlagung der Republik der Sowjets wäre die Folge.

Was wäre die Folge, wenn es dem Kapital gelänge, die Republik der Sowjets zu zerschlagen? Eine Epoche der schwärzesten Reaktion würde über alle kapitalistischen und kolonialen Länder hereinbrechen, man würde die Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker vollends knebeln, die Positionen des internationalen Kommunismus würden liquidiert.

Was wird geschehen, wenn sich die Sympathie und Hilfe der Proletarier aller Länder für die Republik der Sowjets verstärkt und steigert? Das wird den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR von Grund aus erleichtern.

Was wird geschehen, wenn die Erfolge des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR wachsen? Das wird die revolutionären Positionen der Proletarier aller Länder in ihrem Kampf gegen das Kapital von Grund aus verbessern, wird die Positionen des internationalen Kapitals in seinem Kampf gegen das Proletariat untergraben und die Chancen des internationalen Proletariats steigern.

Daraus folgt aber, dass die Interessen und die Aufgaben des Proletariats der UdSSR sich mit den Interessen und den Aufgaben der revolutionären Bewegung in allen Ländern ständig verflechten und unlösbar mit ihnen verbunden sind, und umgekehrt, dass die Aufgaben der revolutionären Proletarier aller Länder unlösbar verbunden sind mit den Aufgaben und Erfolgen der Proletarier der UdSSR an der Front des sozialistischen Aufbaus.

Deshalb heißt es einen schwerwiegenden Fehler in der Politik begehen, wenn man die „nationalen“ Aufgaben der Proletarier dieses oder jenes Landes den internationalen Aufgaben entgegenstellt.

Deshalb heißt es den Verstand verlieren oder kindisch werden, wenn man den Eifer und den Elan der Proletarier der UdSSR im Kampf an der Front des sozialistischen Aufbaus als Merkmal „nationaler Abgeschlossenheit“ und „nationaler Beschränktheit“ hinstellt, wie das zuweilen unsere Oppositionellen tun.

Deshalb ist die Behauptung der Einheit und Unteilbarkeit der Interessen und Aufgaben der Proletarier eines Landes und der Interessen und Aufgaben der Proletarier aller Länder der sicherste Weg zum Sieg der revolutionären Bewegung der Proletarier aller Länder.

Gerade deshalb ist der Sieg der proletarischen Revolution in einem Lande nicht Selbstzweck, sondern Mittel und Hilfe für die Entwicklung und den Sieg der Revolution in allen Ländern.

Den Sozialismus in der UdSSR aufbauen heißt deshalb, die gemeinsame Sache der Proletarier aller Länder verfechten, heißt, den Sieg über das Kapital nicht nur in der UdSSR, sondern auch in allen kapitalistischen Ländern schmieden, denn die Revolution in der UdSSR ist ein Teil der Weltrevolution, ist ihr Anfang und die Basis für ihre Entfaltung.

4. Zur Geschichte der Frage des Aufbaus des Sozialismus

Die vierte Frage. Die vierte Frage betrifft die Geschichte des Problems, das wir hier erörtern. Die Opposition beteuert, dass die Frage des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande in unserer Partei zum erstenmal im Jahre 1925 aufgeworfen worden sei. Jedenfalls hat Trotzki auf der XV. Parteikonferenz direkt erklärt: „Weshalb fordert man die theoretische Anerkennung der Errichtung des Sozialismus in einem Lande? Woher stammt diese Perspektive? Weshalb hat vor 1925 niemand diese Frage aufgeworfen?“

Demnach wäre also diese Frage vor 1925 in unserer Partei nicht aufgeworfen worden. Demnach hätten nur Stalin und Bucharin diese Frage in der Partei aufgeworfen, und zwar im Jahre 1925.

Stimmt das? Nein, das stimmt nicht.

Ich behaupte, dass die Frage des Aufbaus der sozialistischen Wirtschaft in einem Lande zum erstenmal in der Partei von Lenin bereits im Jahre 1915 aufgeworfen wurde. Ich behaupte, dass damals niemand anders als Trotzki gegen Lenin auftrat. Ich behaupte, dass seit jener Zeit, das heißt seit dem Jahre 1915, die Frage des Aufbaus der sozialistischen Wirtschaft in einem Lande wiederholt in unserer Presse und in unserer Partei behandelt wurde.

Wenden wir uns den Tatsachen zu.

a) 1915. Lenins Artikel im Zentralorgan der Bolschewiki (im „Sozialdemokrat“):

„Sozialdemokrat“ - illegale Zeitung, Zentralorgan der SDAPR. Erschien von Februar 1908 bis Januar 1917; es wurden 58 Nummern herausgegeben. Die erste Nummer erschien in Rußland, späterhin wurde die Herausgabe der Zeitung ins Ausland verlegt, zuerst nach Paris, dann nach Genf. Die Redaktion des „Sozialdemokrat“ bestand laut Beschluss des ZK der SDAPR aus Vertretern der Bolschewiki, der Menschewiki und der polnischen Sozialdemokraten. Der unversöhnliche Kampf Lenins innerhalb der Redaktion des „Sozialdemokrat“ für die konsequente bolschewistische Linie führte zum Ausscheiden der Vertreter der Menschewiki und der polnischen Sozialdemokraten aus der Redaktion. Seit Dezember 1911 war W. I. Lenin Redakteur des „Sozialdemokrat“. In der Zeitung wurde eine Reihe von Artikeln J. W. Stalins veröffentlicht. W. I. Lenins Artikel „Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa“ wurde in Nr.44 des „Sozialdemokrat“ vom 23. August 1915 veröffentlicht. (Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 308 bis 311 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. 1, S. 750 bis 754].)

„Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa“. In diesem Artikel sagt Lenin:

„Als selbständige Losung wäre jedoch die Losung Vereinigte Staaten der Welt kaum richtig, denn erstens fällt sie mit dem Sozialismus zusammen; zweitens könnte sie die falsche Auffassung von der Unmöglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande und eine falsche Auffassung von den Beziehungen eines solchen Landes zu den übrigen entstehen lassen.

Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt, dass der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist. Das siegreiche Proletariat dieses Landes würde sich nach Enteignung der Kapitalisten und nach Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenstellen und würde die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf seine Seite ziehen, in ihnen den Aufstand gegen die Kapitalisten entfachen und im Notfall sogar mit Waffengewalt gegen die Ausbeuterklassen und ihre Staaten vorgehen“ ... Denn, „die freie Vereinigung der Nationen im Sozialismus ist unmöglich ohne einen mehr oder weniger langwierigen, hartnäckigen Kampf der sozialistischen Republiken gegen die rückständigen Staaten.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 311 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. I, S. 753].)

Und hier die gegenteilige Auffassung Trotzkis, wie er sie, ebenfalls 1915 in dem von ihm geleiteten „Nasche Slowo“,

„Nasche Slowo“ (Unser Wort) - menschewistisch-trotzkistische Zeitung, die von Januar 1915 bis September 1916 in Paris erschien.

zum Ausdruck brachte:

„’Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus.’ Daraus zog der ‚Sozialdemokrat’ (das Zentralorgan der Bolschewiki im Jahre 1915, in dem auch der erwähnte Artikel Lenins veröffentlicht wurde. J.St.) den Schluss, dass der Sieg des Sozialismus in einem Lande möglich sei und dass es deshalb nicht notwendig sei, die Diktatur des Proletariats in jedem einzelnen Staat von der Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa abhängig zu machen... Dass kein einziges Land in seinem Kampfe auf die anderen ‚warten’ soll, ist ein elementarer Gedanke, den zu wiederholen nützlich und notwendig ist, damit nicht die Idee der parallelen internationalen Tat durch die Idee der abwartenden internationalen Untätigkeit ersetzt werde. Ohne auf die anderen zu warten, beginnen wir den Kampf auf nationalem Boden und setzen ihn hier fort, in der vollen Überzeugung, dass unsere Initiative dem Kampf in den anderen Ländern einen Anstoß geben wird; wenn das aber nicht geschehen sollte, dann wäre es aussichtslos, zu glauben - davon zeugen sowohl die geschichtlichen Erfahrungen als auch theoretische Erwägungen -, dass zum Beispiel ein revolutionäres Rußland einem konservativen Europa gegenüber sich behaupten oder ein sozialistisches Deutschland in der kapitalistischen Welt isoliert bleiben könnte. Die Perspektiven der sozialen Revolution im nationalen Rahmen zu betrachten, würde bedeuten, ein Opfer jener nationalen Beschränktheit zu werden, die das Wesen des Sozialpatriotismus ist.“ (Trotzki, „Das Jahr 1917“, Bd. III, Teil 1, S. 89/90.)

Sie sehen, dass die Frage der „Organisierung der sozialistischen Produktion“ von Lenin bereits im Jahre 1915 gestellt wurde, an der Schwelle der bürgerlich-demokratischen Revolution in Rußland, in der Periode des imperialistischen Krieges, als die Frage des Hinüberwachsens der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revolution auf der Tagesordnung stand.

Sie sehen, dass damals gegen Genossen Lenin niemand anders als Trotzki auftrat, der offensichtlich wusste, dass es sich in Lenins Artikel um den „Sieg des Sozialismus“ und um die Möglichkeit der „Organisierung der sozialistischen Produktion in einem Lande“ handelt.

Sie sehen, dass die Beschuldigung der „nationalen Beschränktheit“ zuerst von Trotzki bereits im Jahre 1915 erhoben wurde, wobei diese Beschuldigung nicht gegen Stalin oder Bucharin, sondern gegen Lenin gerichtet war.

Jetzt setzt Sinowjew immer wieder die lächerliche Beschuldigung der „nationalen Beschränktheit“ in Umlauf. Er versteht aber augenscheinlich nicht, dass er damit die gegen Lenin und seine Partei gerichtete These Trotzkis wiederholt und restauriert.

b) 1919. Lenins Artikel „Ökonomik und Politik in der Epoche der Diktatur des Proletariats“. Folgendes schreibt Lenin in diesem Artikel:

„Wie die Bourgeois aller Länder und ihre offenen und verkappten Helfershelfer (die „Sozialisten“ der II. Internationale) auch lügen und uns verleumden mögen, eines bleibt zweifellos: Vom Standpunkt des ökonomischen Hauptproblems der Diktatur des Proletariats ist bei uns der Sieg des Kommunismus über den Kapitalismus gesichert. Die Bourgeoisie der ganzen Welt tobt und wütet ja gerade darum gegen den Bolschewismus, organisiert militärische Invasionen, Verschwörungen und ähnliches gegen die Bolschewiki, weil sie ausgezeichnet versteht, dass unser Sieg beim Umbau der gesellschaftlichen Wirtschaft unvermeidlich ist, wenn man uns nicht durch militärische Gewalt erdrückt. Und uns auf diese Weise zu erdrücken, gelingt ihr nicht.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 30, S.90 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 989].)

Sie sehen, dass es sich in diesem Artikel Lenins um das „ökonomische Problem der Diktatur des Proletariats“, um den „Umbau der gesellschaftlichen Wirtschaft“ in der Richtung des „Sieges des Kommunismus“ handelt. Was bedeuten aber das „ökonomische Problem der Diktatur des Proletariats“ und der „Umbau der gesellschaftlichen Wirtschaft“ unter den Bedingungen der Diktatur des Proletariats? Das bedeutet nichts anderes als den Aufbau des Sozialismus in einem Lande, in unserem Lande.

c) 1921. Lenins Schrift „Über die Naturalsteuer“.

Siehe W.I. Lenin, „Über die Naturalsteuer“ („Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 32, S. 308-343 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 825 bis 861]).

Der bekannte Leitsatz, dass wir das „sozialistische Fundament unserer Ökonomik“ errichten können und müssen. (Siehe „über die Naturalsteuer“.)

d) 1922. Die Rede des Genossen Lenin im Moskauer Sowjet, wo er davon spricht, dass „wir den Sozialismus in das Alltagsleben einbezogen haben“, dass „aus dem Rußland der NÖP das sozialistische Rußland werden wird“ (siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 405, russ.). Die Einwendungen Trotzkis in seinem 1922 geschriebenen „Nachwort“ zum „Friedensprogramm“, ohne direkten Hinweis darauf, dass er gegen Lenin polemisiert. Trotzki schreibt in diesem „Nachwort“ folgendes:

„Die im ‚Friedensprogramm’ sich mehrere Male wiederholende Behauptung, dass die proletarische Revolution im nationalen Rahmen nicht siegreich zu Ende geführt werden kann, wird wohl manchen Lesern durch die fast fünfjährige Erfahrung unserer Sowjetrepublik als widerlegt erscheinen. Eine solche Schlussfolgerung wäre aber unbegründet. Die Tatsache, dass der Arbeiterstaat sich in einem, und überdies rückständigen Lande gegen die ganze Welt behaupten konnte, zeugt von der kolossalen Macht des Proletariats, die in anderen, fortgeschritteneren, zivilisierteren Ländern fähig sein wird, wahrhaft Wunder zu vollbringen. Aber wenn wir uns politisch und militärisch als Staat behauptet haben, so sind wir doch noch nicht zur Schaffung einer sozialistischen Gesellschaft gekommen, ja nicht einmal an sie herangekommen. Der Kampf für die Selbsterhaltung des revolutionären Staates hat in dieser Periode einen außerordentlichen Rückgang der Produktivkräfte hervorgerufen; der Sozialismus ist aber nur denkbar auf der Grundlage des Wachstums und der vollen Entfaltung der Produktivkräfte. Unsere kommerziellen Verhandlungen mit den bürgerlichen Staaten, die Konzessionen, die Konferenz von Genua usw. sind ein nur zu deutlicher Beweis für die Unmöglichkeit eines isolierten sozialistischen Aufbaus im nationalen Rahmen eines Staates ... Ein wirklicher Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft in Rußland wird erst nach dem Siege des Proletariats in den wichtigsten Ländern Europas möglich sein.“ (Trotzki, „Das Jahr 1917“, Bd. III, Teil 1, S. 92/93.)

Gegen wen polemisiert Trotzki hier mit der Behauptung von der „Unmöglichkeit eines isolierten sozialistischen Aufbaus im nationalen Rahmens eines Staates“? Natürlich nicht gegen Stalin oder Bucharin. Trotzki polemisiert hier gegen Genossen Lenin, und er polemisiert nicht in irgendeiner anderen Frage, sondern in der Grundfrage, in der Frage der Möglichkeit des „sozialistischen Aufbaus im nationalen Rahmen eines Staates“.

e) 1923. Lenins Schrift „Über das Genossenschaftswesen“, die sein politisches Vermächtnis darstellt. Folgendes schrieb Lenin in dieser Broschüre:

„In der Tat, die Verfügungsgewalt des Staates über alle großen Produktionsmittel, die Staatsmacht in den Händen des Proletariats, das Bündnis dieses Proletariats mit den vielen Millionen Klein- und Zwergbauern, die Sicherung der Führerstellung dieses Proletariats gegenüber der Bauernschaft usw. - ist das nicht alles, was notwendig ist, um aus den Genossenschaften, allein aus den Genossenschaften, die wir früher geringschätzig als Krämerei behandelt haben und die wir in gewisser Hinsicht jetzt, unter der NÖP, ebenso zu behandeln berechtigt sind, ist das nicht alles, was notwendig ist, um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten? Das ist noch nicht die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft, aber es ist alles, was zu dieser Errichtung notwendig und hinreichend ist.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S.428 (deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 989].)

Klarer kann man sich wohl kaum ausdrücken.

Nach Trotzki ist der „sozialistische Aufbau im nationalen Rahmen eines Staates“ unmöglich. Lenin dagegen behauptet, dass wir, das heißt das Proletariat der UdSSR, jetzt, in der Periode der Diktatur des Proletariats, „alles“ haben, was „notwendig und hinreichend ist“, „um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten“. Eine absolute Gegensätzlichkeit in den Auffassungen.

Das sind die Tatsachen.

Sie sehen also, dass die Frage des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande in unserer Partei bereits im Jahre 1915 aufgeworfen wurde, dass sie von Lenin persönlich aufgeworfen wurde, dass niemand anders als Trotzki in dieser Frage gegen Lenin polemisierte und ihm „nationale Beschränktheit“ vorwarf.

Sie sehen, dass diese Frage seit jener Zeit bis zum Tode des Genossen Lenin nicht von der Tagesordnung der Arbeit unserer Partei verschwand.

Sie sehen, dass diese Frage mehrmals in dieser oder jener Form von Trotzki aufgegriffen wurde, und zwar in Form einer versteckten, aber ganz bestimmten Polemik gegen Genossen Lenin, wobei diese Frage von Trotzki niemals im Geiste Lenins und des Leninismus behandelt wurde, sondern stets gegen Lenin und den Leninismus.

Sie sehen, dass Trotzki direkt die Unwahrheit spricht, wenn er erklärt, dass die Frage des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande vor 1925 von niemand aufgeworfen wurde.

5. Die besonders große Bedeutung der Frage des Aufbaus des Sozialismus
in der UdSSR im gegenwärtigen Augenblick

Die fünfte Frage. Die fünfte Frage betrifft das Problem, warum die Aufgabe, den Sozialismus aufzubauen, gegenwärtig aktuell ist. Weshalb erlangte die Frage des Aufbaus des Sozialismus einen besonders aktuellen Charakter gerade jetzt, gerade in letzter Zeit? Weshalb wurde die Frage des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR zum Beispiel in den Jahren 1915, 1918, 1919, 1921, 1922, 1923 von Fall zu Fall, in einzelnen Artikeln besprochen, während diese Frage in den Jahren 1924, 1925, 1926 einen besonders hervorragenden Platz in unserer Parteipraxis eingenommen hat? Wodurch ist das zu erklären?

Das erklärt sich meines Erachtens durch drei Hauptursachen.

Erstens dadurch, dass sich das Tempo der Revolution in den anderen Ländern in den letzten Jahren verlangsamt hat, dass die so genannte „teilweise Stabilisierung des Kapitalismus“ eingetreten ist. Daher die Frage: Führt nicht die teilweise Stabilisierung des Kapitalismus zur Verringerung oder sogar zur Beseitigung der Möglichkeiten des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande? Daher das gesteigerte Interesse für die Frage des Schicksals des Sozialismus und des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande.

Zweitens dadurch, dass wir die NÖP eingeführt haben, dass wir das Privatkapital zugelassen und einen gewissen Rückzug durchgeführt haben, um die Kräfte umzugruppieren und dann zum Angriff überzugehen. Daher die Frage: Kann nicht die Einführung der NÖP die Möglichkeiten des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande beeinträchtigen? Daher eine neue Quelle des wachsenden Interesses für die Frage der Möglichkeit des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande.

Drittens durch den Umstand, dass wir im Bürgerkrieg gesiegt, die Interventionisten verjagt und eine „Atempause“ vom Krieg erkämpft haben, dass wir uns den Frieden und eine friedliche Periode gesichert haben, die günstige Bedingungen bietet, um die wirtschaftliche Zerrüttung zu überwinden, die Produktivkräfte des Landes wiederherzustellen und sich mit dem Aufbau einer neuen Ökonomik in unserem Lande zu befassen. Daher die Frage: In welcher Richtung soll der Aufbau der Wirtschaft geführt werden, in der Richtung zum Sozialismus oder in irgendeiner anderen Richtung? Daher die Frage: Besteht, wenn der Aufbau in der Richtung zum Sozialismus geführt wird, Grund zu der Annahme, dass wir die Möglichkeit haben, unter den Bedingungen der NÖP und der teilweisen Stabilisierung des Kapitalismus den Sozialismus zu erbauen? Daher das gewaltige Interesse der gesamten Partei und der gesamten Arbeiterklasse für das Schicksal des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande. Daher die Berechnungen aller Art von Ziffern, die alljährlich von den Organen der Partei und der Sowjetmacht unter dem Gesichtswinkel der Steigerung des Anteils der sozialistischen Wirtschaftsformen auf dem Gebiet der Industrie, auf dem Gebiet des Handels, auf dem Gebiet der Landwirtschaft angestellt werden.

Da haben Sie die drei Hauptursachen dafür, dass die Frage des Aufbaus des Sozialismus für unsere Partei und für unser Proletariat, ebenso wie für die Komintern, zur aktuellsten Frage geworden ist.

Die Opposition glaubt, die Frage des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR sei lediglich von theoretischem Interesse. Das stimmt nicht. Das ist ein tiefgehender Irrtum. Eine solche Auslegung der Frage ist nur durch die völlige Losgelöstheit der Opposition von unserer Parteipraxis, von unserem wirtschaftlichen Aufbau, von unserem genossenschaftlichen Aufbau zu erklären. Die Frage des Aufbaus des Sozialismus hat jetzt, nachdem wir die wirtschaftliche Zerrüttung überwunden, die Industrie wiederhergestellt haben und in die Phase des Umbaus der gesamten Volkswirtschaft auf neuer technischer Grundlage eingetreten sind - die Frage des Aufbaus des Sozialismus hat jetzt eine gewaltige praktische Bedeutung. Wohin soll man den wirtschaftlichen Aufbau führen, in welcher Richtung soll man bauen, was bauen, welches sollen die Perspektiven unseres Aufbaus sein - all das sind Fragen, ohne deren Lösung ehrliche und besonnene Wirtschaftler keinen Schritt vorwärts tun können, wenn sie sich zur Sache des Aufbaus wirklich bewusst und überlegt verhalten wollen. Bauen wir, um den Boden für die bürgerliche Demokratie zu düngen oder um die sozialistische Gesellschaft zu errichten - das ist jetzt die Kernfrage unserer Aufbauarbeit. Haben wir die Möglichkeit, die sozialistische Wirtschaft jetzt, unter den Bedingungen der NÖP, bei der teilweisen Stabilisierung des Kapitalismus zu erbauen - das ist jetzt eine der wichtigsten Fragen unserer Partei- und Sowjetarbeit.

Lenin beantwortete diese Frage positiv (siehe zum Beispiel seine Schrift „Über das Genossenschaftswesen“). Die Partei beantwortete diese Frage positiv (siehe die Resolution der XIV. Konferenz der KPR(B)). Nun, und die Opposition? Ich sagte bereits, dass die Opposition diese Frage negativ beantwortet. Ich sagte bereits in meinem Referat auf der XV. Konferenz der KPdSU(B) und bin jetzt gezwungen, es hier zu wiederholen, dass Trotzki, der Führer des Oppositionsblocks, noch vor ganz kurzer Zeit, im September 1926, in seinem bekannten Aufruf an die Oppositionellen erklärt hat, er halte die „Theorie des Sozialismus in einem Lande“ für eine „theoretische Rechtfertigung der nationalen Beschränktheit“ (siehe das Referat Stalins auf der XV. Konferenz der KPdSU(B)).

Siehe J. W. Stalin, „LIber die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“ („Werke“, Bd. 8, S. 234-297 [deutsche Ausgabe S. 209-265]).

Vergleichen Sie dieses Zitat Trotzkis (1926) mit seinem Artikel aus dem Jahre 1915, wo er in seiner Polemik gegen Lenin in der Frage der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande zum erstenmal Genossen Lenin und die Leninisten der „nationalen Beschränktheit“ beschuldigte, und Sie werden begreifen, dass Trotzki in der Frage des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande auf seinem alten ablehnenden, sozialdemokratischen Standpunkt beharrt.

Gerade deshalb behauptet die Partei, dass der Trotzkismus eine sozialdemokratische Abweichung innerhalb unserer Partei ist.

6. Über die Perspektiven der Revolution

Die sechste Frage. Die sechste Frage betrifft das Problem der Perspektiven der proletarischen Revolution. Trotzki sagte in seiner Rede auf der XV. Parteikonferenz: „Lenin war der Ansicht, dass wir in 20 Jahren den Sozialismus auf keinen Fall errichten, dass wir ihn infolge der Rückständigkeit unseres bäuerlichen Landes auch in 30 Jahren nicht errichten werden. Nehmen wir 30-50 Jahre als Minimum an.“

Ich muss hier erklären, Genossen, dass diese von Trotzki erfundene Perspektive mit der von Genossen Lenin aufgezeigten Perspektive der Revolution in der UdSSR nichts gemein hat. Einige Minuten darauf fängt Trotzki selber an, in seiner eigenen Rede gegen diese Perspektive zu kämpfen. Das ist aber schon seine Sache. Ich aber muss erklären, dass weder Lenin noch die Partei für diese von Trotzki erfundene Perspektive und für die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen die Verantwortung tragen können. Die Tatsache, dass Trotzki, nachdem er diese Perspektive erfunden hat, in seiner eigenen Rede gegen seine eigene Erfindung zu kämpfen beginnt - diese Tatsache besagt nur, dass Trotzki sich endgültig verheddert und sich in eine lächerliche Lage gebracht hat.

Lenin hat keineswegs gesagt, dass „wir den Sozialismus auf keinen Fall“ in 30 oder 50 Jahren „errichten werden“. In Wirklichkeit hat Lenin folgendes gesagt:

„10-20 Jahre richtiger Beziehungen zur Bauernschaft, und der Sieg ist im Weltmaßstab (sogar bei einer Verzögerung der proletarischen Revolutionen, die anwachsen) gesichert, sonst 20-40 Jahre Qualen weißgardistischen Terrors.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 32, S. 302/303, russ.)

Kann man aus dieser These Lenins den Schluss ziehen, dass wir „den Sozialismus auf keinen Fall in 20-30 oder 50 Jahren errichten werden“? Nein, das kann man nicht. Aus dieser These kann man nur folgende Schlussfolgerungen ziehen:

a) bei richtigen Beziehungen zur Bauernschaft ist uns in 10-20 Jahren der Sieg (das heißt der Sieg des Sozialismus) gesichert;

b) dieser Sieg wird ein Sieg nicht nur in der UdSSR, sondern ein Sieg „im Weltmaßstab“ sein;

c) wenn wir in dieser Frist nicht siegen, so wird das bedeuten, dass wir geschlagen worden sind und dass das Regime der Diktatur des Proletariats von dem Regime des weißgardistischen Terrors abgelöst worden ist, das 20-40 Jahre dauern kann.

Natürlich kann man mit dieser These Lenins und den sich aus ihr ergebenden Schlussfolgerungen einverstanden sein oder nicht einverstanden sein. Aber sie entstellen, wie Trotzki es tut, darf man nicht.

Was aber bedeutet Sieg „im Weltmaßstab“? Bedeutet das, dass ein solcher Sieg gleichbedeutend ist mit dem Sieg des Sozialismus in einem Lande? Nein, das bedeutet es nicht. Lenin unterscheidet in seinen Werken streng zwischen dem Sieg des Sozialismus in einem Lande und dem Sieg „im Weltmaßstab“. Wenn Lenin von dem Sieg „im Weltmaßstab“ spricht, will er sagen, dass die Erfolge des Sozialismus in unserem Lande, dass der Sieg des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande von so gewaltiger internationaler Bedeutung sind, dass dieser Sieg sich nicht auf unser Land beschränken kann, sondern eine machtvolle Bewegung zum Sozialismus in allen kapitalistischen Ländern hervorrufen muss, wobei er, wenn er zeitlich nicht mit dem Sieg der proletarischen Revolution in anderen Ländern zusammenfällt, doch auf jeden Fall eine machtvolle Bewegung der Proletarier der anderen Länder für den Sieg der Weltrevolution auslösen muss.

Das ist nach Lenin die Perspektive der Revolution, wenn man die Perspektive des Sieges der Revolution im Auge hat; denn darum handelt es sich im Grunde genommen bei uns, in der Partei.

Diese Perspektive mit der Perspektive Trotzkis von den 30-50 Jahren verwechseln - heißt Lenin verleumden.

7. Wie die Frage in Wirklichkeit steht

Die siebente Frage. Nun gut, sagt uns die Opposition, mit wem aber ist es letzten Endes vorteilhafter, ein Bündnis zu haben - mit dem Weltproletariat oder mit der Bauernschaft unseres Landes, wem sollen wir den Vorzug geben - dem Weltproletariat oder der Bauernschaft der UdSSR? Dabei wird die Sache so dargestellt, als ob hier das Proletariat der UdSSR stehe und vor ihm zwei Verbündete - das Weltproletariat, das bereit ist, unverzüglich seine Bourgeoisie zu stürzen, jedoch darauf wartet, dass wir ihm den Vorzug, unser Einverständnis hierzu geben, und unsere Bauernschaft, die bereit ist, dem Proletariat der UdSSR zu helfen, aber nicht ganz davon überzeugt ist, dass das Proletariat der UdSSR diese Hilfe annimmt. Das ist eine kindische Fragestellung, Genossen. Eine solche Fragestellung hat weder mit dem Verlauf der Revolution in unserem Lande noch mit dem Kräfteverhältnis an der Front des Kampfes zwischen internationalem Kapitalismus und Sozialismus etwas gemein. Entschuldigen Sie den Ausdruck, aber so können nur höhere Töchter die Frage stellen. Leider ist es nicht so, wie einige Oppositionelle uns die Sache darstellen, wobei gar nicht daran zu zweifeln ist, dass wir recht gern sowohl von der einen als auch von der anderen Seite Hilfe annehmen würden, wenn dies nur von uns abhinge. Nein, nicht so steht die Frage im wirklichen Leben.

Die Frage steht folgendermaßen: Da sich das Tempo der internationalen revolutionären Bewegung verlangsamt hat, da der Sozialismus im Westen noch nicht gesiegt hat, das Proletariat der UdSSR aber an der Macht ist, diese Macht von Jahr zu Jahr festigt, die Hauptmassen der Bauernschaft um sich schart, bereits ernste Erfolge an der Front des sozialistischen Aufbaus aufzuweisen hat und erfolgreich die Bande der Freundschaft mit den Proletariern und den unterdrückten Völkern aller Länder festigt - kann man da bestreiten, dass das Proletariat der UdSSR seine Bourgeoisie überwinden und den siegreichen Aufbau des Sozialismus in unserem Lande ungeachtet der kapitalistischen Umkreisung fortsetzen kann?

So steht jetzt die Frage, wenn man natürlich nicht von Phantasien ausgeht, wie das der Oppositionsblock tut, sondern von dem wirklichen Kräfteverhältnis an der Front des Kampfes zwischen Sozialismus und Kapitalismus.

Die Partei antwortet auf diese Frage, dass das Proletariat der UdSSR imstande ist, unter solchen Umständen seine „nationale“ Bourgeoisie zu überwinden und die sozialistische Wirtschaft mit Erfolg aufzubauen. Die Opposition dagegen sagt:

„Ohne direkte staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat wird die Arbeiterklasse Rußlands nicht imstande sein, die Macht zu behaupten und ihre zeitweilige Herrschaft in eine dauernde sozialistische Diktatur zu verwandeln.“ (Siehe Trotzki, „Unsere Revolution“, S. 278.)

Welches ist aber der Sinn dieses Zitats von Trotzki, und was bedeutet „staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat“? Das bedeutet, dass ohne vorhergehenden Sieg des Proletariats im Westen, ohne vorhergehende Machtergreifung durch das Proletariat im Westen das Proletariat der UdSSR nicht nur nicht imstande ist, seine Bourgeoisie zu überwinden und den Sozialismus aufzubauen, sondern nicht einmal seine Macht zu behaupten vermag.

So steht die Frage, und hier liegt die Wurzel unserer Meinungsverschiedenheiten.

Wodurch unterscheidet sich dieser Standpunkt Trotzkis von dem Standpunkt des Menschewiks Otto Bauer?

Leider durch gar nichts.

8. Über die Chancen für den Sieg

Die achte Frage. Nun gut, sagt die Opposition, wer aber hat mehr Aussichten auf den Sieg - das Proletariat der UdSSR oder das internationale Proletariat?

„Kann man sich vorstellen“, sagt Trotzki in seiner Rede auf der XV. Konferenz der KPdSU(B), „dass der europäische Kapitalismus im Laufe von 30 bis 50 Jahren allmählich verfaulen, das Proletariat aber sich als unfähig erweisen werde, die Revolution durchzuführen? Ich frage: Warum muss ich von dieser Voraussetzung ausgehen, die man nicht anders als eine Voraussetzung des unbegründeten schwarzen Pessimismus dem europäischen Proletariat gegenüber nennen kann? ... Ich behaupte, dass ich keinerlei theoretische oder politische Gründe habe zu der Annahme, dass es für uns zusammen mit der Bauernschaft leichter sein werde, den Sozialismus zu errichten, als für das europäische Proletariat, die Macht zu erobern.“ (Siehe die Rede Trotzkis auf der XV. Konferenz der KPdSU(B).)

Erstens muss die Perspektive der Stagnation in Europa „im Laufe von 30-50 Jahren“ ohne jeden Vorbehalt verworfen werden. Niemand hat Trotzki verpflichtet, von dieser Perspektive der proletarischen Revolution in den kapitalistischen Ländern des Westens auszugehen, einer Perspektive, die nichts mit der Perspektive unserer Partei gemein hat. Trotzki hat sich selbst durch diese erfundene Perspektive gebunden und muss nun selbst für die Folgen einer solchen Handlung die Verantwortung tragen. Ich glaube, dass diese Fristen mindestens um die Hälfte verkürzt werden müssen, wenn man die tatsächliche Perspektive der proletarischen Revolution im Westen im Auge hat.

Zweitens ist es für Trotzki beschlossene Sache, dass die Proletarier des Westens viel größere Aussichten haben, die Weltbourgeoisie zu überwinden, die gegenwärtig an der Macht ist, als es das Proletariat der UdSSR hat, seine eigene „nationale“ Bourgeoisie zu überwinden, die politisch bereits zerschlagen, von den Kommandohöhen der Volkswirtschaft verjagt und in ökonomischer Hinsicht gezwungen ist, unter dem Druck der Diktatur des Proletariats und der sozialistischen Formen unserer Wirtschaft den Rückzug anzutreten.

Ich bin der Auffassung, dass eine solche Fragestellung falsch ist. Ich bin der Ansicht, dass Trotzki sich durch eine derartige Fragestellung völlig entlarvt. Haben uns etwa die Menschewiki im Oktober 1917 nicht genau dasselbe gesagt, als sie an allen Ecken und Enden schrien, dass die Proletarier des Westens viel größere Chancen hätten, ihre Bourgeoisie zu stürzen und die Macht zu ergreifen, als die Proletarier Rußlands, wo die Technik wenig entwickelt und das Proletariat zahlenmäßig schwach ist? Und ist es etwa nicht Tatsache, dass es sich trotz des Lamentierens der Menschewiki erwies, dass die Proletarier Rußlands im Oktober 1917 mehr Chancen hatten, die Macht zu ergreifen und die Bourgeoisie zu stürzen, als die Proletarier Englands, Frankreichs oder Deutschlands? Hat etwa die Praxis des revolutionären Kampfes in der ganzen Welt nicht gezeigt und bewiesen, dass man die Frage nicht so stellen darf, wie Trotzki sie stellt?

Die Frage, wer mehr Aussichten auf einen schnellen Sieg hat, wird nicht dadurch entschieden, dass man das Proletariat eines Landes dem Proletariat der anderen Länder oder die Bauernschaft unseres Landes dem Proletariat der anderen Länder gegenüberstellt. Eine solche Gegenüberstellung ist ein kindisches Vergleichsspiel. Die Frage, wer größere Aussichten auf einen schnellen Sieg hat, wird durch die reale internationale Situation, durch das reale Kräfteverhältnis an der Front des Kampfes zwischen Kapitalismus und Sozialismus entschieden. Es kann geschehen, dass die Proletarier des Westens ihre Bourgeoisie besiegen und die Macht ergreifen, ehe wir dazu kommen, das sozialistische Fundament unserer Ökonomik zu errichten. Das ist keineswegs ausgeschlossen. Es kann aber auch so kommen, dass es dem Proletariat der UdSSR gelingt, das sozialistische Fundament unserer Ökonomik zu errichten, ehe die Proletarier im Westen ihre Bourgeoisie gestürzt haben. Auch das ist nicht ausgeschlossen.

Die Lösung der Frage nach den Chancen für einen schnellen Sieg hängt hier von der realen Situation an der Front des Kampfes zwischen Kapitalismus und Sozialismus, und nur hiervon, ab.

9. Die praktisch-politischen Meinungsverschiedenheiten

Das sind die Grundlagen unserer Meinungsverschiedenheiten.

Aus diesen Grundlagen ergeben sich Meinungsverschiedenheiten praktisch-politischen Charakters sowohl auf dem Gebiet der Außen- und Innenpolitik als auch in reinen Parteifragen. Diese Meinungsverschiedenheiten bilden den Gegenstand der neunten Frage.

a) Ausgehend von der Tatsache der teilweisen Stabilisierung des Kapitalismus, ist die Partei der Auffassung, dass wir in einer Periode zwischen zwei Revolutionen leben, dass wir in den kapitalistischen Ländern der Revolution entgegengehen und dass die Hauptaufgabe der kommunistischen Parteien darin besteht, sich den Weg zu den Massen zu bahnen, die Verbindungen mit den Massen zu festigen, die Massenorganisationen des Proletariats zu erobern und die breiten Massen der Arbeiter für die kommenden revolutionären Kämpfe vorzubereiten.

Die Opposition aber, die an die inneren Kräfte unserer Revolution nicht glaubt und die teilweise Stabilisierung des Kapitalismus fürchtet als ein Faktum, das unsere Revolution zugrunde richten könnte, hält (oder hielt) es für möglich, die Tatsache der teilweisen Stabilisierung des Kapitalismus zu leugnen, sie ist (oder war) der Meinung, dass der englische Streik

Gemeint ist der Generalstreik der englischen Arbeiter, der vom 3. bis zum 12. Mai 1926 stattfand. An dem Streik beteiligten sich über fünf Millionen organisierter Arbeiter aller wichtigen Zweige der Industrie und des Verkehrswesens. Über die Ursachen der Entstehung und des Scheiterns des Streiks siehe J. W. Stalin, „Werke“, Bd. 8, S. 155-168 [deutsche Ausgabe S. 138 bis 141.

das Ende der Stabilisierung des Kapitalismus anzeige; nachdem es sich jedoch herausgestellt hat, dass die Stabilisierung eine Tatsache ist, behauptet die Opposition, dass dies um so schlimmer für die Tatsachen sei und dass man sich folglich über diese Tatsachen hinwegsetzen könne, wobei sie mit marktschreierischen Losungen für die Revision der Einheitsfronttaktik, des Bruchs mit der Gewerkschaftsbewegung im Westen usw. auftrumpft.

Was bedeutet es aber, nicht mit den Tatsachen, mit dem objektiven Gang der Dinge zu rechnen? Das bedeutet, den Boden der Wissenschaft zu verlassen und sich auf den Boden der Quacksalberei zu begeben.

Daher das Abenteurertum in der Politik des Oppositionsblocks.

b) Ausgehend davon, dass die Industrialisierung der Hauptweg des sozialistischen Aufbaus ist und dass den Hauptmarkt für die sozialistische Industrie der innere Markt unseres Landes bildet, ist die Partei der Auffassung, dass sich die Industrialisierung auf der Grundlage der stetigen Verbesserung der materiellen Lage der Hauptmasse der Bauernschaft (von den Arbeitern ganz zu schweigen) entwickeln muss, dass der Zusammenschluss zwischen Industrie und bäuerlicher Wirtschaft, zwischen Proletariat und Bauernschaft und die führende Rolle des Proletariats bei diesem Zusammenschluss - nach einem Ausdruck Lenins - das „A und O der Sowjetmacht“

Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 32, S. 301 (russ.).

und des Sieges unseres Aufbaus sind, dass im Zusammenhang damit unsere Politik im allgemeinen, unsere Steuer- und Preispolitik im besonderen so aufgebaut werden müssen, dass sie die Interessen dieses Zusammenschlusses fördern.

Die Opposition aber, die nicht an die Möglichkeit glaubt, die Bauernschaft zum Aufbau des Sozialismus heranzuziehen, und offenbar annimmt, man könne die Industrialisierung auf Kosten der Hauptmasse der Bauernschaft durchführen, gerät auf den Weg der kapitalistischen Methoden der Industrialisierung, betrachtet die Bauernschaft als „Kolonie“, als „Ausbeutungs“objekt für den proletarischen Staat und schlägt Maßnahmen zur Industrialisierung vor (Verstärkung des Steuerdrucks auf die Bauernschaft, Erhöhung der Verkaufspreise für Industriewaren usw.), die lediglich geeignet sind, den Zusammenschluss der Industrie mit der bäuerlichen Wirtschaft zu zerstören, die ökonomische Lage der armen Bauern und der Mittelbauern zu untergraben und die Grundlagen der Industrialisierung selbst zu vernichten.

Daher die ablehnende Einstellung der Opposition zur Idee des Blocks zwischen Proletariat und Bauernschaft und der Hegemonie des Proletariats in diesem Block - eine Einstellung, die charakteristisch für die Sozialdemokratie ist.

c) Wir gehen davon aus, dass die Partei, die Kommunistische Partei, das Hauptinstrument der Diktatur des Proletariats ist, dass die Führung durch eine Partei, die diese Führung mit anderen Parteien nicht teilt und nicht teilen kann, die grundlegende Voraussetzung ist, ohne die eine einigermaßen feste und entfaltete Diktatur des Proletariats undenkbar ist. Infolgedessen halten wir die Existenz von Fraktionen innerhalb unserer Partei für unzulässig, denn es versteht sich von selbst, dass das Bestehen organisierter Fraktionen innerhalb der Partei zu einer Aufspaltung der einheitlichen Partei in parallele Organisationen, zur Bildung von Keimen und Zellen einer neuen Partei oder neuer Parteien im Lande und folglich zur Zersetzung der Diktatur des Proletariats führt.

Die Opposition tritt zwar nicht offen gegen diese Prinzipien auf, geht aber nichtsdestoweniger in ihrer praktischen Arbeit von der Notwendigkeit der Schwächung der Einheit der Partei, von der Notwendigkeit der Fraktionsfreiheit innerhalb unserer Partei aus, folglich also von der Notwendigkeit, Elemente für eine neue Partei herauszubilden.

Daher die Spaltungspolitik in der praktischen Arbeit des Oppositionsblocks.

Daher das Geheul der Opposition über das „Regime“ in der Partei, ein Geheul, das im Grunde genommen die Proteste der nichtproletarischen Elemente im Lande gegen das Regime der Diktatur des Proletariats widerspiegelt.

Daher die Frage der zwei Parteien.

Das, Genossen, ist die Zusammenfassung der Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und der Opposition.

 

 

IV


DIE OPPOSITION AN DER ARBEIT

 

Gehen wir jetzt zu der Frage über, wie diese Meinungsverschiedenheiten in der praktischen Arbeit zum Ausdruck gekommen sind.

Wie zeigte sich nun unsere Opposition in ihrer praktischen Arbeit, in ihrem Kampf gegen die Partei in Wirklichkeit?

Es ist bekannt, dass die Opposition nicht nur in unserer Partei, sondern auch in anderen Sektionen der Komintern, zum Beispiel in Deutschland, in Frankreich usw. ihr Wesen trieb. Deshalb muss man die Frage folgendermaßen stellen: Wie sah die praktische Arbeit der Opposition und ihrer Anhänger sowohl in der KPdSU(B) als auch in den anderen Sektionen der Komintern in Wirklichkeit aus?

a) Die praktische .Arbeit der Opposition und ihrer Anhänger in der KPdSU(B). Die Opposition begann ihre „Arbeit“ damit, dass sie die schwersten Beschuldigungen gegen die Partei erhob. Die Opposition erklärte, dass die Partei „auf das Geleise des Opportunismus hinabgleitet“. Die Opposition behauptete, dass die Politik der Partei „der Klassenlinie der Revolution zuwiderläuft“. Die Opposition behauptete, dass die Partei entarte und dem Thermidor entgegengehe. Die Opposition erklärte, dass unser Staat „bei weitem kein proletarischer Staat“ sei. All dies wurde entweder in offenen Deklarationen und Reden der Vertreter der Opposition (Juliplenum des ZK und der ZKK 1926) oder in illegalen Dokumenten der Opposition, die von ihren Anhängern verbreitet wurden, erklärt.

Dadurch aber, dass die Opposition diese schweren Beschuldigungen gegen die Partei erhob, bereitete sie den Boden für die Organisierung neuer, paralleler Zellen innerhalb der Partei, für die Organisierung eines neuen, parallelen Zentrums der Partei, für die Schaffung einer neuen Partei. Einer der Anhänger der Opposition, Herr Ossowski, erklärte in seinen Artikeln direkt, dass die bestehende Partei, unsere Partei, die Interessen der Kapitalisten vertrete, dass man infolgedessen eine neue Partei, eine „rein proletarische Partei“, organisieren müsse, die neben der bestehenden Partei bestehen und wirken solle.

Die Opposition mag sagen, dass sie für den Standpunkt Ossowskis nicht verantwortlich sei. Das ist aber nicht wahr. Sie ist für die „Taten“ des Herrn Ossowski voll und ganz verantwortlich. Es ist bekannt, dass Ossowski sich offen zu den Anhängern der Opposition zählte, wogegen die Opposition kein einziges Mal etwas einzuwenden versuchte. Es ist weiterhin bekannt, dass Trotzki auf dem Juliplenum des ZK Ossowski gegen Genossen Molotow verteidigt hat. Es ist schließlich bekannt, dass, obwohl die Partei einmütig gegen Ossowski war, die Opposition im ZK gegen den Ausschluss Ossowskis aus der Partei gestimmt hat. All das zeugt davon, dass die Opposition die moralische Verantwortung für die „Taten“ Ossowskis übernommen hat.

Die Schlussfolgerung: Die praktische Arbeit der Opposition in der KPdSU(B) entsprach dem Standpunkt Ossowskis, seinem Standpunkt, dass es notwendig sei, in unserem Lande, parallel zur KPdSU(B) und gegen sie, eine neue Partei zu bilden.

Anders konnte es auch gar nicht sein. Denn eins von beiden ist nur möglich:

Entweder glaubte die Opposition, als sie diese schweren Beschuldigungen gegen die Partei erhob, selber nicht an die Stichhaltigkeit dieser Beschuldigungen und erhob sie nur zum Zwecke der Demonstration - und dann hat sie versucht, die Arbeiterklasse irrezuführen, was ein Verbrechen ist;

oder die Opposition glaubte und glaubt weiterhin an die Stichhaltigkeit ihrer Beschuldigungen - und dann musste sie auf die Zerschlagung der führenden Kader der Partei, auf die Bildung einer neuen Partei Kurs nehmen, was sie auch wirklich tat.

Das war das Gesicht unserer Opposition in ihrer gegen die KPdSU(B) gerichteten praktischen Arbeit im Oktober 1926.

b) Die praktische Arbeit der Anhänger der Opposition in der deutschen Kommunistischen Partei. Ausgehend von den von unserer Opposition gegen die Partei erhobenen Beschuldigungen, zogen die „Ultralinken“ in Deutschland, mit Herrn Korsch an der Spitze, ihre „weiteren“ Schlussfolgerungen und setzten das Tüpfelchen aufs i. Es ist bekannt, dass Korsch, dieser Ideologe der „Ultralinken“ in Deutschland, behauptet, unsere sozialistische Industrie sei eine „rein kapitalistische Industrie“. Es ist bekannt, dass Korsch unsere Partei als eine „kulakisierte“ Partei bezeichnet, die Komintern aber - als eine „opportunistische“ Organisation. Es ist weiterhin bekannt, dass Korsch infolgedessen die Notwendigkeit einer „neuen Revolution“ gegen die in der UdSSR bestehende Staatsmacht predigt.

Die Opposition mag sagen, dass sie für den Standpunkt Korschs nicht verantwortlich sei. Das ist aber nicht wahr. Die Opposition ist für die „Taten“ des Herrn Korsch voll und ganz verantwortlich. Das, was Korsch sagt, ist eine natürliche Schlussfolgerung aus den Voraussetzungen, die die Führer unserer Opposition ihren Anhängern in Form der bekannten Beschuldigungen gegen die Partei liefern. Denn wenn die Partei auf das Geleise des Opportunismus hinabgleitet, wenn ihre Politik der Klassenlinie der Revolution widerspricht, wenn sie entartet und dem Thermidor entgegengeht, unser Staat aber „bei weitem kein proletarischer Staat“ ist, dann kann es daraus nur die eine Schlussfolgerung geben - eine neue Revolution gegen die „kulakisierte“ Staatsmacht. Es ist außerdem bekannt, dass die „Ultralinken“ in Deutschland, darunter auch die Weddinger,

Weddinger - eine der „ultralinken“ Gruppen in der deutschen Kommunistischen Partei, die in der Parteiorganisation des Weddings - eines Stadtteils im Nordwesten Berlins - bestand. Die Führer der „Weddinger Opposition“ solidarisierten sich mit dem trotzkistisch-sinowjewistischen Oppositionsblock in der KPdSU(B). Das VII. erweiterte Plenum des EKKI verurteilte entschieden die „Weddinger Opposition“, verlangte von ihr die vollständige Einstellung der Fraktionstätigkeit, den Abbruch jeglicher Beziehungen zu den aus der deutschen Kommunistischen Partei ausgeschlossenen und ihr feindlichen Elementen sowie die bedingungslose Unterwerfung unter die Beschlüsse der KPD und der Komintern.

gegen den Ausschluss Korschs aus der Partei gestimmt und damit die moralische Verantwortung für die konterrevolutionäre Propaganda Korschs übernommen haben. Nun, wer aber wüsste nicht, dass die „Ultra-linken“ für die Opposition in der KPdSU(B) sind?

c) Die praktische Arbeit der Anhänger der Opposition in Frankreich. Dasselbe gilt auch für die Anhänger der Opposition in Frankreich. Ich meine Souvarine und seine Gruppe, die sich in einer gewissen französischen Zeitschrift betätigt. Ausgehend von den Voraussetzungen, die unsere Opposition durch ihre Beschuldigungen gegen die Partei geschaffen hat, kommt Souvarine zu der Schlussfolgerung, dass der Hauptfeind der Revolution die Parteibürokratie, die führende Spitze unserer Partei sei. Souvarine behauptet, dass die „Rettung“ nur in einem bestehen könne: in einer neuen Revolution gegen die führende Spitze der Partei und der Sowjetmacht, in einer neuen Revolution vor allem gegen das Sekretariat des ZK der KPdSU(B). Dort, in Deutschland, verlangt man eine „neue Revolution“ gegen die in der UdSSR bestehende Staatsmacht. Hier, in Frankreich - eine „neue Revolution“ gegen das Sekretariat des ZK. Wie aber lässt sich nun diese neue Revolution organisieren? Kann man sie ohne eine besondere, den Zielen der neuen Revolution angepasste Partei organisieren? Natürlich kann man das nicht. Daher die Frage der Schaffung einer neuen Partei.

Die Opposition mag sagen, dass sie für Souvarines Geschreibsel nicht verantwortlich sei. Das ist aber nicht wahr. Erstens ist bekannt, dass Souvarine und seine Gruppe Anhänger der Opposition sind, insbesondere ihres trotzkistischen Teils. Zweitens ist bekannt, dass die Opposition sich noch vor kurzem mit dem Plan trug, Herrn Souvarine in der Redaktion des Zentralorgans der Kommunistischen Partei Frankreichs unterzubringen. Allerdings misslang dieser Plan. Aber er misslang nicht dank unserer Opposition, sondern trotz unserer Opposition.

Daraus folgt also, dass die Opposition in ihrer praktischen Arbeit, wenn man sie nicht so nimmt, wie sie sich selbst darstellt, sondern so, wie sie sich im Laufe der Arbeit sowohl bei uns in der UdSSR als auch in Frankreich und Deutschland zeigt - daraus folgt, wie gesagt, dass sich die Opposition in ihrer praktischen Arbeit unmittelbar die Aufgabe stellt, die bestehenden Kader unserer Partei zu zerschlagen und eine neue Partei zu bilden.

 

 

V


WOFÜR DIE FEINDE DER DIKTATUR DES
PROLETARIATS DIE OPPOSITION LOBEN

 

Wofür loben die Sozialdemokraten und die Kadetten die Opposition? Oder mit anderen Worten: Wessen Stimmungen spiegelt die Opposition wider?

Es wird Ihrer Aufmerksamkeit nicht entgangen sein, dass die so genannte „russische Frage“ in der letzten Zeit zu einer brennenden Tagesfrage in der sozialdemokratischen und in der bürgerlichen Presse des Westens geworden ist. Ist das Zufall? Natürlich ist das kein Zufall. Das Wachstum des Sozialismus in der UdSSR und die Entfaltung der kommunistischen Bewegung im Westen müssen größte Beunruhigung in den Reihen der Bourgeoisie und ihrer Agenten innerhalb der Arbeiterklasse, der sozialdemokratischen Führer, hervorrufen. Zwischen dem erbitterten Hass der einen und der kameradschaftlichen Freundschaft der anderen gegenüber der proletarischen Partei der UdSSR verläuft jetzt die Scheidelinie zwischen Revolution und Konterrevolution. Die gewaltige internationale Bedeutung der „russischen Frage“ ist jetzt eine Tatsache, mit der die Feinde des Kommunismus bereits unbedingt rechnen müssen.

Zwei Fronten haben sich um die „russische Frage“ gebildet: die Front der Gegner der Sowjetrepublik und die Front ihrer selbstlosen Freunde. Was wollen die Gegner der Sowjetrepublik? Sie versuchen, unter den breiten Massen der Bevölkerung die ideologischen und moralischen Voraussetzungen für den Kampf gegen die proletarische Diktatur zu schaffen. Was wollen die Freunde der Sowjetrepublik? Sie sind bemüht, in den breiten Schichten des Proletariats die ideologischen und moralischen Voraussetzungen für die Unterstützung, für die Verteidigung der Sowjetrepublik zu schaffen.

Wollen wir jetzt sehen, wofür die Sozialdemokraten und die Kadetten aus der russischen bürgerlichen Emigration unsere Opposition loben.

Folgendes sagt zum Beispiel Paul Levi, ein bekannter sozialdemokratischer Führer in Deutschland:

„Wir waren der Auffassung, dass die besonderen Arbeiterinteressen, letzten Endes des Sozialismus, mit der Existenz des bäuerlichen Besitzes in Widerspruch stehen, dass die Identität zwischen Bauern- und Arbeiterinteressen Schein sei, und dass die Weiterentwicklung der russischen Revolution diesen Gegensatz verschärfen und sinnlich wahrnehmbar darstellen werde. Die Idee von der Interessensolidarität hielten wir für eine Koalitionsidee, nur in anderer Form. Wenn der Marxismus überhaupt einen Schein von Berechtigung hat, wenn die Geschichte dialektisch arbeitet, musste dieser Gegensatz die Koalitionsidee in Rußland zerschlagen, wie sie in Deutschland schon zerschlagen ist... Für uns aber, die wir in Westeuropa die Dinge mehr aus der Ferne sehen, ist eins klar: unsere Stellung ist bei der Opposition... Die Tatsache besteht, dass in Rußland wieder eine selbständige, antikapitalistische, klassenkämpferische Arbeiterbewegung einsetzt.“ („Leipziger Volkszeitung“ vom 30. Juli 1926.)

Es ist offensichtlich, dass in diesem Zitat in der Frage der „Identität“ der Interessen der Arbeiter und Bauern Konfusion herrscht. Es ist aber ebenfalls nicht zu bezweifeln, dass Paul Levi hier unsere Opposition wegen ihres Kampfes gegen die Idee des Blocks der Arbeiter und Bauern, gegen die Idee des Bündnisses der Arbeiter und Bauern lobt.

Folgendes sagt über unsere Opposition der nicht unbekannte Dan, ein Führer der „russischen“ Sozialdemokratie, ein Führer der „russischen“ Menschewiki, die sich für die Restauration des Kapitalismus in der UdSSR einsetzen:

„Die bolschewistische Opposition bereitet durch ihre Kritik an der bestehenden Ordnung, in der sie fast wörtlich die Kritik der Sozialdemokratie wiederholt, die Geister vor... für die Aufnahme der positiven Plattform der Sozialdemokratie.“

Und weiter:

„Die Opposition zieht nicht nur unter den Arbeitermassen, sondern auch unter den kommunistischen Arbeitern Keime von Ideen und Stimmungen groß, die bei geschickter Pflege leicht sozialdemokratische Früchte tragen können.“ („Sozialistitscheski Wjestnik“ Nr. 17/18.)

Das ist wohl klar.

Das Zentralorgan der konterrevolutionären bürgerlichen Partei Miljukows aber, „Poslednije Nowosti“,

„Poslednije Notvosti“ (Letzte Neuigkeiten) - Tageszeitung, Zentralorgan der konterrevolutionären bürgerlichen Partei Miljukows; erschien in Paris von April 1920 bis Juli 1940.

schreibt über unsere Opposition folgendes:

„Heute untergräbt die Opposition die Diktatur, in jeder neuen Veröffentlichung der Opposition werden immer ,schrecklichere’ Worte gebraucht, die Opposition selbst macht eine Evolution durch in der Richtung immer schärferer Attacken gegen das herrschende System, und das genügt zunächst, um sie dankbar zu begrüßen als Sprachrohr breiter Schichten der politisch unzufriedenen Bevölkerung.“ („Poslednije Nowosti“ Nr. 1990.)

Und weiter:

„Der schlimmste Feind für die Sowjetmacht ist jetzt derjenige, der sich unbemerkt an sie heranschleicht, sie mit seinen Fühlern von allen Seiten erfasst und sie liquidiert, bevor sie sich dessen bewusst wird. Gerade diese, in der immer noch andauernden Vorbereitungsperiode unvermeidliche und notwendige Rolle spielt die sowjetische Opposition.“ („Poslednije Nowosti“ Nr.1983, vom 27. August d. J.)

Ich denke, dass hier jeder Kommentar überflüssig ist.

Ich beschränke mich wegen der Kürze der Zeit lediglich auf diese Zitate, obwohl man Dutzende und Hunderte derartiger Zitate anführen könnte.

Das ist es, wofür die Sozialdemokraten und die Kadetten unsere Opposition loben.

Ist das Zufall? Nein, das ist kein Zufall.

Daraus kann man ersehen, dass die Opposition nicht die Stimmung des Proletariats unseres Landes widerspiegelt, sondern die Stimmungen der nichtproletarischen Elemente, die, mit der Diktatur des Proletariats unzufrieden, gegen die Diktatur des Proletariats erbittert sind und voller Ungeduld auf deren Zersetzung, auf deren Sturz warten.

So führte die Logik des Fraktionskampfes unserer Opposition in der Tat dazu, dass sich objektiv die Front unserer Opposition mit der Front der Gegner und Feinde der Diktatur des Proletariats verschmolzen hat.

Wollte das die Opposition? Wahrscheinlich wollte sie es nicht. Aber hier kommt es nicht darauf an, was die Opposition will, sondern darauf, wohin ihr Fraktionskampf objektiv führt. Die Logik des Fraktionskampfes ist stärker als die Wünsche dieser oder jener Leute. Und gerade deshalb haben sich die Dinge so gestaltet, dass sich die Front der Opposition in der Tat mit der Front der Gegner und Feinde der Diktatur des Proletariats verschmolzen hat.

Lenin lehrte uns, dass es die Hauptpflicht der Kommunisten ist, die Diktatur des Proletariats zu verteidigen und zu stärken. Die Dinge haben aber eine solche Wendung genommen, dass die Opposition durch ihre Fraktionspolitik im Lager der Gegner der Diktatur des Proletariats angelangt ist.

Deshalb sagen wir, dass die Opposition nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis mit dem Leninismus gebrochen hat.

Und anders konnte es auch gar nicht sein. Das Kräfteverhältnis an der Front des Kampfes zwischen Kapitalismus und Sozialismus ist derart, dass es in den Reihen der Arbeiterklasse jetzt nur eine der beiden politischen Linien geben kann: entweder die Politik des Kommunismus oder die Politik des Sozialdemokratismus. Der Versuch der Opposition, eine dritte Position zu beziehen, musste bei der Verschärfung des Kampfes gegen die KPdSU(B) unvermeidlich damit enden, dass die Opposition durch den Verlauf des Fraktionskampfes ins Lager der Gegner des Leninismus geschleudert wurde.

So ist es denn auch gekommen, wie dies aus den angeführten Tatsachen zu ersehen ist.

Das ist es, wofür die Sozialdemokraten und die Kadetten die Opposition loben.

 

 

VI


DIE NIEDERLAGE DES OPPOSITIONSBLOCKS

 

Ich sagte bereits, dass die Opposition in ihrem Kampf gegen die Partei mit den schwersten Beschuldigungen gegen die Partei operierte. Ich sagte, dass sich die Opposition in ihrer praktischen Arbeit unmittelbar die Aufgabe stellte, die Partei zu spalten und eine neue Partei zu bilden. Daher die Frage: Wie lange ist es der Opposition gelungen, sich in dieser Spalterposition zu behaupten? Die Tatsachen zeigen, dass es ihr nur einige Monate gelungen ist, sich in dieser Position zu behaupten. Die Tatsachen zeigen, dass die Opposition sich Anfang Oktober dieses Jahres gezwungen sah, ihre Niederlage anzuerkennen und den Rückzug anzutreten.

Wodurch wurde der Rückzug der Opposition hervorgerufen?

Ich bin der Meinung, dass der Rückzug der Opposition durch folgende Ursachen hervorgerufen wurde:

Erstens dadurch, dass die Opposition in der UdSSR ohne eigene politische Armee dasteht. Es mag sehr wohl sein, dass der Aufbau einer neuen Partei eine verlockende Aufgabe ist. Wenn es sich aber nach der Diskussion herausstellt, dass nichts da ist, woraus man eine neue Partei aufbauen könnte, so ist klar, dass der Rückzug der einzige Ausweg ist.

Zweitens dadurch, dass im Verlauf des Fraktionskampfes sowohl bei uns in der UdSSR als auch im Ausland der Opposition allerlei schmutzige Elemente zuliefen und die Sozialdemokraten und die Kadetten anfingen, die Opposition über alle Maßen zu loben, was zur Folge hatte, dass sie sie mit ihren Liebesbezeigungen in den Augen der Arbeiter bloßstellten. Die Opposition stand vor der Wahl: entweder diese Lobpreisungen und Liebesbezeigungen der Feinde als etwas ihr Gebührendes anzunehmen oder eine jähe Wendung zum Rückzug zu machen, damit die schmutzigen Anhängsel, die ihr anhafteten, automatisch abfielen. Durch ihren Rückzug und das Eingeständnis dieses Rückzugs gab die Opposition zu, dass der zweite Ausweg für sie der einzig annehmbare ist.

Drittens durch den Umstand, dass sich die Situation in der UdSSR als besser erwies, als die Opposition angenommen hatte, und die Massen der Parteimitglieder mehr Bewusstsein und Geschlossenheit zeigten, als es der Opposition zu Beginn des Kampfes scheinen mochte. Gewiss, hätte im Lande eine Krise bestanden, hätte die Unzufriedenheit der Arbeiter zugenommen und die Partei weniger Geschlossenheit an den Tag gelegt, dann hätte die Opposition einen anderen Weg eingeschlagen und sich nicht zum Rückzug entschlossen. Die Tatsachen haben jedoch gezeigt, dass die Spekulationen der Opposition auch auf diesem Gebiet fehlschlugen.

Daher die Niederlage der Opposition.

Daher ihr Rückzug.

Die Niederlage der Opposition verlief in drei Etappen.

Die erste Etappe ist die „Erklärung“ der Opposition vom 16. Oktober 1926. Die Opposition sagte sich in diesem Dokument von der Theorie und Praxis der Freiheit der Fraktionen und den fraktionellen Kampfmethoden los und erkannte offen und eindeutig ihre Fehler in dieser Frage an. Die Opposition sagte sich jedoch nicht nur davon los. Sofern sie sich in ihrer „Erklärung“ von der „Arbeiteropposition“ und all den Korsch und Souvarine abgrenzte, sagte sie sich gleichzeitig auch von denjenigen ihrer ideologischen Positionen los, die sie vor kurzem noch mit diesen Strömungen verbanden.

Die zweite Etappe ist der faktische Verzicht auf die Beschuldigungen, die die Opposition noch unlängst gegen die Partei erhoben hat. Man muss zugeben und zugleich hervorheben, dass die Opposition es nicht wagte, ihre Beschuldigungen gegen die Partei auf der XV. Konferenz der KPdSU(B) zu wiederholen. Wenn man die Protokolle des Juliplenums des ZK und der ZKK mit den Protokollen der XV. Konferenz der KPdSU(B) vergleicht, so kann man nicht umhin festzustellen, dass von den alten Beschuldigungen des Opportunismus, des Thermidorianertums, des Abgleitens von der Klassenlinie der Revolution usw. auf der XV. Parteikonferenz keine Spur übrig geblieben ist. Wenn man außerdem den Umstand berücksichtigt, dass sich eine ganze Reihe von Delegierten an die Opposition mit der Frage hinsichtlich der alten Beschuldigungen wandte, die Opposition aber hierüber hartnäckiges Schweigen bewahrte, so kann man nicht umhin anzuerkennen, dass die Opposition in der Tat ihre alten Beschuldigungen gegen die Partei aufgegeben hat.

Kann man diesen Umstand als einen faktischen Verzicht der Opposition auf eine Reihe ihrer ideologischen Positionen werten? Das kann und muss man. Das ist ein ganz bewusstes Einrollen des Kampfbanners der Opposition angesichts ihrer Niederlage. Und anders konnte es auch gar nicht sein. Die Beschuldigungen wurden erhoben, da man auf den Aufbau einer neuen Partei spekulierte. Da aber diese Spekulation fehlschlug, mussten, wenigstens vorübergehend, auch die Beschuldigungen wegfallen.

Die dritte Etappe ist die völlige Isolierung der Opposition auf der XV. Konferenz der KPdSU(B). Es muss erwähnt werden, dass die Opposition auf der XV. Parteikonferenz keine einzige Stimme erhielt und somit völlig isoliert dastand. Denken Sie nur an den Heidenlärm, den die Opposition Ende September dieses Jahres erhob, als sie ihren Feldzug, ihren offenen Feldzug gegen die Partei begann, und vergleichen Sie dieses Geschrei mit der Tatsache, dass die Opposition auf der XV. Parteikonferenz, wie man so sagt, allein auf weiter Flur blieb, und Sie werden begreifen, dass man der Opposition keine „bessere“ Niederlage wünschen konnte.

Kann man die Tatsache bestreiten, dass die Opposition in der Tat ihre Beschuldigungen gegen die Partei aufgegeben hat, dass sie es nicht wagte, sie auf der XV. Parteikonferenz zu wiederholen, obwohl die Delegierten dies forderten?

Nein, das kann man nicht, denn es ist Tatsache.

Warum hat nun die Opposition diesen Weg beschritten, warum hat sie ihr Banner eingerollt?

Weil die Entfaltung des ideologischen Banners der Opposition unbedingt und zwangsläufig gleichbedeutend ist mit der Theorie von den zwei Parteien, mit der Ermutigung all der Katz, Korsch, Maslow, Souvarine und anderer schmutzigen Elemente, mit der Entfesselung der antiproletarischen Kräfte in unserem Lande, mit den Lobpreisungen und Liebesbezeigungen der Sozialdemokratie und der liberalen Bourgeois aus der russischen Emigration.

Das ideologische Banner der Opposition ist der Job der Opposition - das ist die ganze Frage, Genossen.

Deshalb war die Opposition gezwungen, wollte sie nicht endgültig verkommen, den Rückzug anzutreten und ihr Banner von sich zu werfen. Darin liegt der Grund für die Niederlage des Oppositionsblocks

 

 

VII


DER PRAKTISCHE SINN UND DIE BEDEUTUNG DER
XV. KONFERENZ DER KPdSU(B)

 

Ich komme zum Schluss, Genossen. Es bleiben mir nur noch einige Worte zu sagen über die Schlussfolgerungen, die sich aus dem Sinn und der Bedeutung der Beschlüsse der XV. Konferenz der KPdSU(B) ergeben.

Die erste Schlussfolgerung besteht darin, dass die Konferenz die Bilanz des innerparteilichen Kampfes nach dem XIV. Parteitag zog, den Sieg, den die Partei über die Opposition davongetragen hatte, in aller Form bekräftigte und, nachdem sie die Opposition isoliert hatte, jenem wüsten Fraktionskampf ein Ende bereitete, den die Opposition unserer Partei in der vorangegangenen Periode aufgezwungen hatte.

Die zweite Schlussfolgerung besteht darin, dass die Konferenz unsere Partei fester denn je zusammenschloss auf der Grundlage der sozialistischen Perspektive unseres Aufbaus, auf der Grundlage der Idee des Kampfes für den Sieg des sozialistischen Aufbaus, gegen alle oppositionellen Strömungen in unserer Partei, gegen alle Abweichungen in unserer Partei.

Die aktuellste Frage in unserer Partei ist jetzt die Frage der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande. Lenin hatte Recht, als er sagte, dass die ganze Welt auf uns, auf unseren wirtschaftlichen Aufbau, auf unsere Erfolge an der Front des Aufbaus schaut. Um aber Erfolge an dieser Front erringen zu können, muss das Hauptinstrument der Diktatur des Proletariats, unsere Partei, bereit sein zu diesem Werk, muss sie sich der Wichtigkeit dieser Aufgabe bewusst sein und zu einem Hebel des Sieges des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande werden. Der Sinn und die Bedeutung der XV. Parteikonferenz bestehen darin, dass sie die Sache der Ausrüstung unserer Partei mit der Idee des Sieges des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande in aller Form bekräftigte und vollendete.

Die dritte Schlussfolgerung besteht darin, dass die Konferenz allen und jeglichen ideologischen Schwankungen in unserer Partei eine entschiedene Abfuhr erteilte und damit den völligen Triumph des Leninismus in der KPdSU(B) erleichterte.

Wenn das erweiterte Plenum des Exekutivkomitees der Komintern die Beschlüsse der XV. Konferenz der KPdSU(B) billigt und die Politik unserer Partei gegenüber der Opposition als richtig anerkennt, woran zu zweifeln ich keine Veranlassung habe, so wird das zu der vierten Schlussfolgerung führen, nämlich, dass die XV. Parteikonferenz einige nicht unwichtige Voraussetzungen geschaffen hat für den Triumph des Leninismus in der gesamten Kornintern, in den Reihen des revolutionären Proletariats aller Länder und Völker. (Stürmischer Beifall. Ovationen des gesamten Plenums.)

 

 

Schlusswort

 

I


EINZELNE BEMERKUNGEN

 

1. Wir brauchen Tatsachen, nicht aber Erfindungen und Verleumdungen

 

Genossen!

Gestatten Sie mir, bevor ich mich dem eigentlichen Thema zuwende, einige sachliche Richtigstellungen zu den Erklärungen der Opposition zu machen, zu den Erklärungen, die entweder die Tatsachen entstellen oder Erfindungen und Verleumdungen sind.

1. Die erste Frage betrifft das Auftreten der Opposition auf dem erweiterten Plenum des EKKI. Die Opposition erklärte, dass sie sich entschlossen habe zu sprechen, weil das ZK der KPdSU(B) nicht direkt darauf hingewiesen habe, dass ein Auftreten der Opposition die „Erklärung“ der Opposition vom 16. Oktober 1926 verletzen könne, und dass, wenn das ZK ihnen das Auftreten verboten hätte, die Führer der Opposition darauf verzichtet hätten, zu sprechen.

Die Opposition erklärte weiter, dass sie bei ihrem Auftreten hier, auf dem erweiterten Plenum, alles tun werde, um den Kampf nicht zu verschärfen, dass sie sich mit einfachen „Erklärungen“ begnügen werde, dass sie - Gott bewahre - an eine Attacke gegen die Partei nicht einmal denke, dass sie - Gott bewahre - nicht die geringste Absicht habe, irgendwelche Anklagen gegen die Partei zu erheben und gegen deren Beschlüsse zu appellieren.

Das stimmt alles nicht, Genossen. Das stimmt keineswegs mit den Tatsachen überein. Das ist Heuchelei vonseiten der Opposition. Die Tatsachen, und insbesondere das Auftreten Kamenews, haben bewiesen, dass die Reden der Führer der Opposition auf dem erweiterten Plenum keine „Erklärungen“ waren, sondern eine Attacke gegen die Partei, ein Überfall auf die Partei.

Was bedeutet es, wenn man die Partei unverhohlen einer rechten Abweichung beschuldigt? Das ist eine Attacke gegen die Partei, das ist ein Vorstoß gegen die Partei.

Hat etwa das ZK der KPdSU(B) in seinem Beschluss nicht darauf hingewiesen, dass ein Auftreten der Opposition den Kampf verschärfen, dem Fraktionskampf einen neuen Anstoß geben werde? Jawohl, es hat darauf hingewiesen. Das war eine Warnung des ZK der KPdSU(B) an die Opposition. Konnte das ZK weitergehen? Nein, das konnte es nicht. Warum? Weil das ZK der Opposition nicht verbieten konnte, zu sprechen. Jedes Parteimitglied hat das Recht, gegen einen Beschluss der Partei bei der höheren Instanz zu appellieren. Das ZK konnte dieses Recht der Parteimitglieder nicht missachten. Das ZK der KPdSU(B) hat folglich alles getan, was in seinen Kräften lag, um eine neue Verschärfung des Kampfes, eine weitere Verstärkung des Fraktionskampfes zu verhüten.

Die Führer der Opposition, die zugleich Mitglieder des ZK sind, mussten wissen, dass ihre Reden unbedingt zu einer Appellation gegen die Beschlüsse ihrer Partei, zu einem Vorstoß gegen die Partei, zu einem Überfall auf die Partei werden mussten.

Also das Auftreten der Opposition, insbesondere aber das Auftreten Kamenews - der nicht nur für sich selbst, sondern für den gesamten Oppositionsblock sprach, denn seine Rede, die er hier verlas, ist von Trotzki, Kamenew und Sinowjew unterschrieben - dieses Auftreten Kamenews ist ein Wendepunkt in der Entwicklung des Oppositionsblocks von der „Erklärung“ vom 16. Oktober 1926, in der sich die Opposition von den Methoden des fraktionellen Kampfes lossagte, zu einer neuen Phase in der Existenz der Opposition, wo sie wiederum zu den Methoden des Fraktionskampfes gegen die Partei zurückkehrt.

Die Schlussfolgerung daraus: Die Opposition hat durch die Rückkehr zu den Methoden des Fraktionskampfes gegen ihre eigene „Erklärung“ vom 16. Oktober 1926 verstoßen.

Das wollen wir festhalten, Genossen. Hier gibt es nichts zu heucheln. Kamenew hatte Recht, als er sagte, dass man die Katze eine Katze nennen müsse. (Zurufe: „Sehr richtig!“ „Und ein Schwein - ein Schwein.“)

2. Trotzki erklärte in seiner Rede, dass „Stalin nach der Februarrevolution eine falsche Taktik predigte, die von Lenin als kautskyanische Abweichung charakterisiert wurde“.

Das ist nicht wahr, Genossen. Das ist eine Verleumdung. Stalin hat keine kautskyanische Abweichung „gepredigt“. Dass nach der Rückkehr aus der Verbannung gewisse Schwankungen bei mir auftraten, habe ich nicht verheimlicht und habe darüber in meiner Broschüre „Auf dem Wege zum Oktober“ selbst geschrieben. Aber wer von uns hat nicht mal flüchtige Schwankungen gehabt? Was die Position Lenins und seine Aprilthesen

Siehe W. I. Lenin, „Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution“ („Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 24, S.1-7 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. 1I, S. 7-11]).

aus dem Jahre 1917 betrifft - um die es sich hier gerade handelt -, so weiß die Partei sehr gut, dass ich damals in einer Reihe mit Genossen Lenin gegen Kamenew und seine Gruppe stand, die damals gegen die Thesen Lenins den Kampf führten. Jeder, der mit dem Protokoll der Aprilkonferenz unserer Partei vom Jahre 1917 bekannt ist, muss wissen, dass ich in einer Reihe mit Lenin stand und zusammen mit ihm den Kampf gegen die Opposition Kamenews führte.

Der Trick besteht hier darin, dass Trotzki mich mit Kamenew verwechselt hat. (Heiterkeit, Beifall.)

Wahr ist, dass Kamenew damals gegen Lenin, gegen dessen Thesen, gegen die Mehrheit der Partei in Opposition stand und einen Standpunkt entwickelte, der an die Position der „Vaterlandsverteidigung“ grenzte. Wahr ist, dass Kamenew damals in der „Prawda“, zum Beispiel im März, Artikel schrieb, die so ziemlich dem Standpunkt der „Vaterlandsverteidigung“ entsprachen. Für diese Artikel kann ich natürlich in keiner Weise die Verantwortung übernehmen.

Es ist Trotzkis Pech, dass er hier Stalin mit Kamenew verwechselt hat.

Wo aber war Trotzki damals, während der Aprilkonferenz im Jahre 1917, als die Partei den Kampf gegen die Gruppe Kamenews führte? In welcher Partei er damals steckte, in einer links-menschewistischen oder in einer rechts-menschewistischen, und warum er damals nicht der Zimmerwalder Linken

 

Zimmerwalder Linke - Gruppe linker Internationalisten; wurde von W. I. Lenin auf der ersten internationalen Konferenz der Internationalisten gebildet, die vom 23. bis zum 26. August (5.-8. September) 1915 in Zimmerwald (Schweiz) stattfand. Die Partei der Bolschewiki mit W. I. Lenin an der Spitze nahm in der Zimmerwalder linken Gruppe den einzig richtigen, bis zu Ende konsequenten Standpunkt gegen den Krieg ein. Über die Zimmerwalder Linke siehe „Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang“, S. 160 [deutsche Ausgabe, Berlin 1952, S. 208].

angehörte - darüber sollte uns Trotzki, und sei es in der Presse, etwas erzählen. Dass er aber damals nicht Mitglied unserer Partei war, ist eine Tatsache, die Trotzki nicht vergessen sollte.

3. Trotzki erklärte in seiner Rede, dass „Stalin in der nationalen Frage einen ziemlich großen Fehler gemacht hat“. Was für einen Fehler, unter welchen Umständen - das hat Trotzki allerdings nicht gesagt.

Das ist nicht wahr, Genossen. Das ist eine Verleumdung. Ich habe niemals, weder mit der Partei noch mit Lenin, irgendwelche Meinungsverschiedenheiten in der nationalen Frage gehabt. Trotzki spielt hier offenbar auf einen unbedeutenden Zwischenfall an, als Genosse Lenin mir vor unserem XII. Parteitag den Vorwurf machte, dass ich eine allzu strenge organisatorische Politik gegenüber den georgischen Halbnationalisten einschlage, gegenüber Halbkommunisten vom Schlage Mdiwanis, der unlängst Handelsvertreter in Frankreich war, und dass ich sie „verfolge“. Aber die dann folgenden Tatsachen haben gezeigt, dass die so genannten „Abweichler“, Leute vom Schlage Mdiwanis, in Wirklichkeit eine strengere Behandlung verdient hatten, als ich sie ihnen in meiner Eigenschaft als einer der Sekretäre des ZK unserer Partei angedeihen ließ. Die nachfolgenden Ereignisse haben gezeigt, dass die „Abweichler“ eine sich zersetzende Fraktion des unverhülltesten Opportunismus sind. Möge Trotzki beweisen, dass das nicht stimmt. Lenin kannte diese Tatsachen nicht und konnte sie nicht kennen, da er krank war, zu Bett lag und keine Möglichkeit hatte, die Ereignisse zu verfolgen. Aber was für ein Zusammenhang kann zwischen diesem unbedeutenden Zwischenfall und dem prinzipiellen Standpunkt Stalins bestehen? Offenbar spielt hier Trotzki in verleumderischer Absicht auf irgendwelche „Meinungsverschiedenheiten“ zwischen mir und der Partei an. Ist es aber nicht Tatsache, dass das gesamte ZK, darunter auch Trotzki, einstimmig für Stalins Thesen zur nationalen Frage stimmte? Ist es etwa nicht Tatsache, dass diese Abstimmung nach dem Zwischenfall mit Mdiwani, vor unserem XII. Parteitag stattfand? Ist es etwa nicht Tatsache, dass das Referat zur nationalen Frage auf dem XII. Parteitag gerade Stalin hielt, und nicht irgendjemand anders? Wo also sind hier „Meinungsverschiedenheiten“ in der nationalen Frage, und warum war es Trotzki eigentlich daran gelegen, diesen unbedeutenden Zwischenfall zu erwähnen?

4. Kamenew erklärte in seiner Rede, unser XIV. Parteitag habe einen Fehler begangen, als er „das Feuer gegen links eröffnete“, das heißt, als er das Feuer gegen die Opposition eröffnete. Demnach kämpfte und kämpft also die Partei gegen den revolutionären Kern innerhalb der Partei. Demnach wäre also unsere Opposition eine linke Opposition und keine rechte.

Das ist alles Unsinn, Genossen. Das ist eine Verleumdung, die von unseren Oppositionellen verbreitet wird. Der XIV. Parteitag dachte nicht daran, das Feuer gegen die revolutionäre Mehrheit zu eröffnen, und konnte das auch nicht. In Wirklichkeit hat er das Feuer gegen die Rechten eröffnet, gegen unsere Oppositionellen, die eine rechte Opposition darstellen, obwohl sie sich in eine „linke“ Toga hüllen. Natürlich neigt die Opposition dazu, sich für eine „revolutionäre Linke“ zu halten. Aber der XIV. Parteitag unserer Partei stellte im Gegenteil fest, dass die Opposition sich nur mit „linken“ Phrasen maskiert, in Wirklichkeit aber eine opportunistische Opposition ist. Wir wissen, dass die rechte Opposition sich oft in eine „linke“ Toga hüllt, um die Arbeiterklasse irrezuführen. Die „Arbeiteropposition“ hielt sich ebenfalls für linker als alle anderen, in Wirklichkeit aber zeigte es sich, dass sie rechter war als alle anderen. Die jetzige Opposition hält sich ebenfalls für linker als alle anderen, aber die Praxis und die gesamte Arbeit der jetzigen Opposition beweisen, dass sie Sammelpunkt und Hort aller rechten opportunistischen Strömungen ist, von der „Arbeiteropposition“ und dem Trotzkismus bis zur „neuen Opposition“ und allen möglichen Souvarines.

Kamenew hat sich eine „kleine“ Fälschung geleistet hinsichtlich der „Linken“ und der „Rechten“.

5. Kamenew führte ein Zitat aus Lenins Werken an, in dem es heißt, dass wir das sozialistische Fundament unserer Ökonomik noch nicht vollendet haben, und erklärte, dass die Partei einen Fehler begehe, wenn sie behauptet, wir hätten das sozialistische Fundament unserer Ökonomik bereits vollendet.

Das ist Unsinn, Genossen. Das ist eine glatte Verleumdung seitens Kamenews. Noch nie hat die Partei erklärt, dass sie das sozialistische Fundament unserer Ökonomik bereits vollendet habe. Der Streit geht jetzt durchaus nicht darum, ob wir das sozialistische Fundament unserer Ökonomik vollendet haben oder ob wir es noch nicht vollendet haben. Nicht darum geht jetzt der Streit. Der Streit geht lediglich darum, ob wir aus eigener Kraft das sozialistische Fundament unserer Ökonomik vollenden können oder nicht. Die Partei behauptet, dass wir die Möglichkeit besitzen, das sozialistische Fundament unserer Ökonomik zu vollenden. Die Opposition bestreitet das und gerät dadurch auf den Weg des Defätismus und des Kapitulantentums. Darum geht jetzt der Streit. Kamenew, der die Unsicherheit seines Standpunkts fühlt, versucht dieser Frage auszuweichen. Aber das wird ihm nicht gelingen.

Kamenew hat sich noch eine „kleine“ Fälschung geleistet.

6. Trotzki erklärte in seiner Rede, dass er „die Politik Lenins im März-April 1917 vorweggenommen hat“. Demnach hätte also Trotzki die Aprilthesen des Genossen Lenin „vorweggenommen“. Demnach wäre Trotzki schon im Februar-März 1917 selbständig zu der Politik gelangt, die Genosse Lenin im April-Mai 1917 in seinen Aprilthesen verfocht.

Erlauben Sie mir die Feststellung, Genossen, dass das eine dumme und unanständige Prahlerei ist. Trotzki, der Lenin „vorwegnimmt“ - das ist wirklich ein Bild zum Lachen. Die Bauern haben vollkommen recht, wenn sie in solchen Fällen zu sagen pflegen: „Da hat man eine Fliege mit einem Turm verglichen.“ (Heiterkeil.) Trotzki, der Lenin „vorwegnimmt“ ... Möge sich Trotzki doch einmal hervorwagen und versuchen, das in der Presse zu beweisen. Warum hat er kein einziges Mal einen solchen Versuch unternommen? Trotzki hat Lenin „vorweggenommen“... Wodurch aber ist dann die Tatsache zu erklären, dass Genosse Lenin es von seinem Eintreffen in Rußland im April 1917 an für notwendig hielt, sich von der Position Trotzkis abzugrenzen? Wodurch ist die Tatsache zu erklären, dass der „Vorweggenommene“ es für notwendig hält, sich von drei „Vorwegnehmenden“ abzugrenzen? Ist es etwa nicht Tatsache, dass Lenin im April 1917 mehrmals erklärte, er habe nichts gemein mit der Grundformel Trotzkis: „Weg mit dem Zaren, her mit der Arbeiterregierung“? Ist es etwa nicht Tatsache, dass Lenin zur gleichen Zeit mehrmals erklärte, er habe nichts gemein mit Trotzki, der versucht, die bäuerliche Bewegung, die Agrarrevolution zu überspringen?

Wie kann also hier die Rede sein von einer „Vorwegnahme“?

Die Schlussfolgerung: Wir brauchen Tatsachen, nicht aber Erfindungen und Verleumdungen, die Opposition dagegen zieht es vor, mit Erfindungen und Verleumdungen zu operieren.

2. Wofür die Feinde der Diktatur des Proletariats
die Opposition loben

Ich sprach in meinem Referat davon, dass die Feinde der Diktatur des Proletariats, die Menschewiki und die Kadetten aus der russischen Emigration, die Opposition loben. Ich sprach davon, dass sie die Opposition wegen ihrer Arbeit loben, die zur Untergrabung der Einheit der Partei und folglich zur Untergrabung der Diktatur des Proletariats führt. Ich führte eine Reihe von Zitaten an, die zeigen, dass die Feinde der Diktatur des Proletariats die Opposition gerade dafür loben, dass sie durch ihre Arbeit die antiproletarischen Kräfte im Lande entfesselt, unsere Partei und die proletarische Diktatur zu diskreditieren versucht und damit den Feinden der Diktatur des Proletariats ihr Werk erleichtert.

Als Antwort darauf berief sich Kamenew (und Sinowjew ebenfalls) anfangs auf die kapitalistische Presse des Westens, die, wie sich herausstellt, unsere Partei und auch Stalin lobt, dann berief er sich auf Ustrjalow, einen Smena-Wech-Mann

Smena-Wech-Mann - Anhänger einer 1921 im Ausland unter der russischen bürgerlichen Emigration entstandenen bürgerlichen politischen Strömung, die ihren Namen nach der Zeitschrift „Smena-Wech“ (Wechsel der Wegzeichen) erhielt. Die Smena-Wech-Strömung war die Widerspiegelung der Auffassungen der neuen Bourgeoisie und der bürgerlichen Intelligenz Sowjetrußlands, die im Zusammenhang mit der Einführung der Neuen Ökonomischen Politik auf den offenen bewaffneten Kampf gegen die Sowjetmacht verzichteten und auf eine allmähliche Entartung des Sowjetsystems zu einer gewöhnlichen bürgerlichen Republik rechneten. Ustrjalow war der Ideologe der Smena-Wech-Strömung.

und Repräsentanten der bürgerlichen Spezialisten in unserem Lande, der sich mit dein Standpunkt unserer Partei solidarisiert.

Was die Kapitalisten betrifft, so bestehen bei ihnen große Meinungsverschiedenheiten über unsere Partei. So hat man zum Beispiel unlängst in der amerikanischen Presse Stalin gelobt, weil er angeblich den Amerikanern die Möglichkeit geben werde, große Konzessionen zu bekommen. Jetzt aber behauptet man, Stalin habe die Amerikaner „betrogen“, und es stellt sich heraus, dass man auf Stalin schimpft und flucht, was das Zeug hält. Einmal erschien in der bürgerlichen Presse eine Karikatur auf Stalin, wie er einen Eimer Wasser in den Händen hält und den Brand der Revolution löscht. Dann aber erschien als Widerlegung dieser Karikatur eine zweite, auf der Stalin einen Eimer, aber nicht mit Wasser, sondern mit Petroleum in den Händen hält, und es stellt sich heraus, dass Stalin den Brand der Revolution nicht löscht, sondern schürt. (Beifall, Heiterkeit.)

Wie Sie sehen, bestehen dort bei ihnen, bei den Kapitalisten, große Meinungsverschiedenheiten sowohl über den Standpunkt unserer Partei als auch über den Standpunkt Stalins.

Wenden wir uns jetzt Ustrjalow zu. Wer ist Ustrjalow? Ustrjalow ist der Repräsentant der bürgerlichen Spezialisten und der neuen Bourgeoisie überhaupt. Er ist ein Klassenfeind des Proletariats. Das lässt sich nicht bestreiten. Aber es gibt verschiedene Feinde. Es gibt Klassenfeinde, die sich mit der Sowjetmacht nicht abfinden und sie um jeden Preis zu stürzen versuchen. Es gibt aber auch Klassenfeinde, die sich so oder so mit der Sowjetmacht abfinden. Es gibt Feinde, die versuchen, Bedingungen für den Sturz der Diktatur des Proletariats vorzubereiten. Das sind die Menschewiki, die Sozialrevolutionäre, die Kadetten und andere. Es gibt aber auch Feinde, die, in der Hoffnung, dass die Diktatur allmählich schwächer werden, entarten und dann den Interessen der neuen Bourgeoisie entgegenkommen werde, mit der Sowjetmacht zusammenarbeiten und den Kampf führen gegen diejenigen, die den Standpunkt des Sturzes der Sowjetmacht vertreten. Zu dieser Kategorie von Feinden gehört Ustrjalow.

Zu welchem Zweck berief sich Kamenew auf Ustrjalow? Vielleicht um zu zeigen, dass die Partei bei uns entartet sei und dass Ustrjalow deshalb Stalin beziehungsweise unsere Partei überhaupt lobe? Offenbar nicht zu diesem Zweck, denn das direkt zu sagen, wagte Kamenew nicht. Weshalb berief Kamenew sich dann aber auf Ustrjalow? Offenbar, um auf eine „Entartung“ anzuspielen.

Kamenew hat aber zu sagen vergessen, dass dieser selbe Ustrjalow noch mehr Lenin gelobt hat. Die lobenden Artikel Ustrjalows über Lenin sind unserer gesamten Partei bekannt. Was ist also los? Vielleicht ist Genosse Lenin „entartet“, oder vielleicht begann er zu „entarten“, als er die NÖP einführte? Man braucht diese Frage bloß zu stellen, um die ganze Absurdität einer solchen Annahme hinsichtlich einer „Entartung“ zu begreifen.

Also: Wofür lobt Ustrjalow Lenin und unsere Partei und wofür loben die Menschewiki und die Kadetten die Opposition - das ist die Frage, die man vor allen Dingen beantworten muss und die Kamenew mit allen Mitteln zu umgehen versucht.

Die Menschewiki und die Kadetten loben die Opposition dafür, dass sie die Einheit unserer Partei untergräbt, die Diktatur des Proletariats schwächt und damit den Menschewiki und den Kadetten ihre Arbeit zum Sturz der Sowjetmacht erleichtert. Das beweisen die Zitate. Ustrjalow aber lobt unsere Partei dafür, dass die Sowjetmacht die NÖP zugelassen, dass sie das Privatkapital zugelassen und dass sie bürgerliche Spezialisten zugelassen hat, deren Hilfe und Erfahrungen das Proletariat braucht.

Die Menschewiki und die Kadetten loben die Opposition dafür, dass sie ihnen durch ihre Fraktionsarbeit bei der Vorbereitung der Bedingungen für den Sturz der Diktatur des Proletariats hilft. Die Ustrjalow aber, die wissen, dass es unmöglich ist, die Diktatur des Proletariats zu stürzen, geben den Standpunkt des Sturzes der Sowjetmacht auf, versuchen, ein kleines Plätzchen neben der Diktatur des Proletariats zu erlangen, versuchen, sich ihr anzubiedern, und - loben die Partei dafür, dass sie die NÖP eingeführt und unter gewissen Bedingungen die neue Bourgeoisie zugelassen hat, die die Sowjetmacht für ihre Klassenziele ausnutzen will, die aber von der Sowjetmacht selbst für die Ziele der proletarischen Diktatur ausgenutzt wird.

Hierin liegt der Unterschied zwischen den verschiedenen Klassenfeinden des Proletariats unseres Landes.

Hierin liegt die Ursache dafür, dass die Menschewiki und die Kadetten die Opposition loben, die Herren Ustrjalow aber - unsere Partei.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf den Standpunkt Lenins in dieser Frage lenken:

„Die soziale Ordnung“, sagt Lenin, „beruht in unserer Sowjetrepublik auf der Zusammenarbeit zweier Klassen, der Arbeiter und der Bauern, zu der jetzt noch die ‚NÖP-Leute’, d. h. die Bourgeoisie, unter gewissen Bedingungen zugelassen sind.“ (Lenin, 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 444 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 1004].)

Gerade wegen dieser Zulassung der neuen Bourgeoisie zu einer gewissen bedingten Mitarbeit, natürlich unter bestimmten Bedingungen und unter der Kontrolle der Sowjetmacht - gerade deswegen lobt ja Ustrjalow unsere Partei, hofft er, dort anhaken und die Sowjetmacht für die Ziele der Bourgeoisie ausnutzen zu können. Wir aber, die Partei, haben andere Pläne: Wir wollen die Vertreter der neuen Bourgeoisie, ihre Erfahrungen, ihre Kenntnisse ausnutzen, um einen Teil von ihnen zu sowjetisieren, zu assimilieren, und den anderen „Teil, der sich als unfähig erweist, sich zu sowjetisieren, beiseite zu schieben.

Ist es etwa nicht Tatsache, dass Lenin einen Unterschied machte zwischen der neuen Bourgeoisie und den Menschewiki und Kadetten, dass er die erstgenannte zuließ und ausnutzte, während er die Menschewiki und Kadetten zu verhaften vorschlug?

Folgendes schrieb Lenin darüber in seiner Schrift „Über die Naturalsteuer“:

„Die Kommunisten brauchen sich nicht zu scheuen, bei den bürgerlichen Spezialisten, darunter auch bei den Händlern, den kleinkapitalistischen Genossenschaftlern und den Kapitalisten, in die ‚Lehre’ zu gehen. Sie sollen von ihnen der Form nach anders, aber im Wesentlichen ebenso lernen, wie sie von den Militärspezialisten gelernt und mit Erfolg gelernt haben. Die Ergebnisse der ,Lehre’ sollen nur an Hand der praktischen Erfahrung geprüft werden: Mache es besser als die bürgerlichen Spezialisten an deiner Seite, erzwinge auf diese und jene Weise eine Hebung der Landwirtschaft, eine Hebung der Industrie, eine Entwicklung des Umsatzes zwischen Landwirtschaft und Industrie. Knausere nicht bei der Bezahlung von ‚Lehrgeld’: Teures Lehrgeld zahlen ist nicht schade, wenn man nur ordentlich lernt.“ (Lenin, 4. Ausgabe, Bd. 32, S. 343 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 860].)

Das sagte Lenin von der neuen Bourgeoisie und den bürgerlichen Spezialisten, deren Repräsentant Ustrjalow ist.

Über die Menschewiki und Sozialrevolutionäre dagegen schrieb Lenin folgendes:

„Die ,Parteilosen’ dagegen, die in Wirklichkeit nichts anderes sind als in das Modegewand Kronstädter Parteilosigkeit verkleidete Menschewiki und Sozialrevolutionäre, muss man vorsorglich im Gefängnis halten oder nach Berlin zu Martow schicken, damit sie in Freiheit alle Herrlichkeiten der reinen Demokratie auskosten und mit Tschernow, Miljukow und den georgischen Menschewiki frei ihre Gedanken austauschen können.“ (Ebenda, S. 343, russ. [S.861, deutsch].)

Das sagte Lenin.

Vielleicht ist die Opposition nicht einverstanden mit Lenin? Dann soll sie das offen sagen.

Dadurch erklärt sich die Tatsache, dass bei uns die Menschewiki und die Kadetten verhaftet werden, dass wir aber die neue Bourgeoisie unter bestimmten Bedingungen und mit bestimmten Einschränkungen zulassen, um, während wir sie mit Mitteln ökonomischer Art bekämpfen und sie Schritt für Schritt überwinden, gleichzeitig ihre Erfahrungen und ihre Kenntnisse für unseren wirtschaftlichen Aufbau auszunutzen.

Demnach loben also gewisse Klassenfeinde, wie zum Beispiel Ustrjalow, unsere Partei dafür, dass wir die NÖP eingeführt und die Bourgeoisie zu einer gewissen bedingten und begrenzten Mitarbeit an der bestehenden Sowjetordnung zugelassen haben, wobei wir uns das Ziel gesetzt haben, die Kenntnisse und Erfahrungen dieser Bourgeoisie für unseren Aufbau auszunutzen, was wir bekanntlich nicht ohne Erfolg tun. Andere Klassenfeinde dagegen, wie die Menschewiki und die Kadetten, loben die Opposition dafür, dass ihre Arbeit zur Untergrabung der Einheit unserer Partei, zur Untergrabung der Diktatur des Proletariats führt und den Menschewiki und Kadetten ihre Arbeit zum Sturz der Diktatur erleichtert.

Ich hoffe, dass die Opposition endlich begreift, wie groß der Unterschied ist zwischen dem Lob der ersten und dem Lob der zweiten Art.

3. Es gibt Fehler und Fehler

Die Opposition sprach hier von gewissen Fehlern einzelner Mitglieder des ZK. Einzelne Fehler sind gewiss vorgekommen. Wir haben keine absolut „fehlerfreien“ Menschen. Solche Menschen gibt es überhaupt nicht. Es gibt aber verschiedene Fehler. Es gibt Fehler, auf denen ihre Urheber nicht beharren und aus denen keine Plattformen, Strömungen, Fraktionen erwachsen. Solche Fehler werden schnell vergessen. Es gibt aber auch Fehler anderer Art, Fehler, auf denen ihre Urheber beharren und aus denen Fraktionen, Plattformen und der Kampf innerhalb der Partei erwachsen. Solche Fehler kann man nicht schnell vergessen.

Zwischen diesen beiden Kategorien von Fehlern muss man streng unterscheiden.

Trotzki sagt zum Beispiel, ich hätte einmal einen Fehler in bezug auf das Außenhandelsmonopol gemacht. Das stimmt. Ich habe wirklich zu einer Zeit, als in unseren Beschaffungsorganen Zerrüttung herrschte, empfohlen, vorübergehend einen der Häfen für die Ausfuhr von Getreide zu öffnen. Ich bestand aber nicht auf meinem Fehler und korrigierte ihn sofort nach Rücksprache mit Lenin. Ich könnte Dutzende, Hunderte solcher Fehler Trotzkis aufzählen, die dann vom ZK korrigiert wurden und auf denen er später nicht bestand. Wenn ich mich damit abgeben wollte, alle Fehler aufzuzählen, die sehr ernsten, die weniger ernsten und die wenig ernsten, die Trotzki bei seiner Arbeit im ZK begangen hat, auf denen er aber nicht beharrte und die vergessen worden sind - so müsste ich mehrere Referate darüber halten. Ich bin aber der Meinung, dass man im politischen Kampf, in der politischen Polemik nicht von solchen Fehlern sprechen sollte, sondern von den Fehlern, aus denen sich in der Folge Plattformen entwickelten und die einen Kampf innerhalb der Partei verursachten.

Trotzki und Kamenew aber haben gerade solche Fehler aufgegriffen, aus denen sich keine oppositionellen Strömungen entwickelt haben und die schnell vergessen wurden. Da nun die Opposition gerade diese Fragen angeschnitten hat, so gestatten Sie mir ebenfalls, hier an einige seinerzeit von den Führern der Opposition begangene Fehler dieser Art zu erinnern. Vielleicht wird ihnen das als Lehre dienen, und sie werden ein andermal nicht versuchen, sich an bereits vergessene Fehler zu klammern.

Es gab eine Zeit, da Trotzki im ZK unserer Partei behauptete, dass die Sowjetmacht an einem Haar hänge, dass „der Totenvogel schon gerufen hat“ und die Sowjetmacht nur noch einige Monate, vielleicht sogar nur einige Wochen zu leben habe. Das war im Jahre 1921. Das war ein sehr gefährlicher Fehler, der ein Beweis war für die gefährlichen Stimmungen Trotzkis. Das ZK aber lachte ihn deswegen aus, Trotzki beharrte nicht auf diesem seinem Fehler, und der Fehler wurde vergessen.

Es gab eine Zeit - das war im Jahre 1922 -, als Trotzki vorschlug, unseren Industriebetrieben und Trusts zu gestatten, Staatseigentum, darunter auch das Grundkapital, an Privatkapitalisten zu verpfänden, um Kredite zu bekommen. (Genosse Jaroslawski: „Das ist der Weg der Kapitulation.“) Sehr wahrscheinlich. Auf jeden Fall wäre das die Voraussetzung für eine Denationalisierung unserer Betriebe gewesen. Das ZK aber lehnte diesen Plan ab, Trotzki wollte nicht nachgeben, beharrte über dann nicht weiter auf seinem Fehler, und der Fehler ist jetzt vergessen.

Es gab eine Zeit - das war im Jahre 1922 -, als Trotzki die äußerste Konzentration unserer Industrie empfahl, eine so wahnwitzige Konzentration, dass unvermeidlich etwa ein Drittel unserer Arbeiterklasse ohne Arbeit geblieben wäre. Das ZK lehnte diesen Vorschlag Trotzkis als scholastisch, unsinnig und politisch gefährlich ab. Trotzki versuchte mehrmals dem ZK einzureden, dass man in Zukunft doch diesen Weg werde beschreiten müssen. Wir haben diesen Weg jedoch nicht beschritten. (Zwischenruf: „Dann hätte man die Putilow-Werke schließen müssen.“) Jawohl, dahin hätte das geführt. Aber in der Folge beharrte Trotzki nicht weiter auf seinem Fehler, und der Fehler wurde vergessen.

Und so weiter und so fort.

Oder nehmen wir die Freunde Trotzkis, Sinowjew und Kamenew, die gern immer wieder daran erinnern, dass Bucharin einmal gesagt hat „Bereichert euch!“, und die auf diesem „Bereichert euch!“ ständig herumreiten.

Es war im Jahre 1922, als wir die Frage der Urquhart-Konzession, der knechtenden Bedingungen dieser Konzession behandelten. Und was geschah? Ist es etwa nicht Tatsache, dass Kamenew und Sinowjew den Vorschlag machten, die knechtenden Bedingungen der Urquhart-Konzession anzunehmen, und dass sie auf ihrem Vorschlag beharrten? Das ZK aber lehnte die Urquhart-Konzession ab, Sinowjew und Kamenew beharrten nicht mehr auf ihrem Fehler, und der Fehler wurde vergessen.

Oder nehmen wir zum Beispiel noch einen Fehler Kamenews, über den ich nicht sprechen wollte, an den zu erinnern mich Kamenew jedoch zwingt, denn wir haben es satt, immer wieder an den Fehler Bucharins erinnert zu werden, einen Fehler, den Bucharin schon längst korrigiert und liquidiert hat. Ich spreche von einem Zwischenfall, der Kamenew in der Verbannung in Sibirien passierte, als er sich nach der Februarrevolution zusammen mit namhaften sibirischen Kaufleuten (in Atschinsk) an der Absendung eines Begrüßungstelegramms an den Konstitutionalisten Michael Romanow beteiligte (Rufe: „Eine Schande!“), an denselben Michael Romanow, dem der Zar nach seinem Verzicht auf den Thron „das Recht auf den Thron“ übergab. Natürlich war das ein ganz dummer Fehler, und für diesen Fehler hat Kamenew während der Aprilkonferenz im Jahre 1917 einen tüchtigen Rüffel von unserer Partei bekommen. Aber Kamenew gab seinen Fehler zu, und der Fehler wurde vergessen.

Ist es nötig, an Fehler solcher Art zu erinnern? Natürlich ist das nicht nötig, denn sie sind vergessen und schon längst liquidiert. Warum halten dann Trotzki und Kamenew denen, die in der Partei gegen sie opponieren, immer wieder diese Fehler vor? Ist es nicht klar, dass sie uns damit nur zwingen, an die zahlreichen Fehler der Führer der Opposition zu erinnern? Und wir sind gezwungen, das zu tun, und sei es auch nur, um der Opposition das Nörgeln und das Klatschen abzugewöhnen.

Aber es gibt auch Fehler anderer Art, Fehler, auf denen ihre Urheber beharren und aus denen sich in der Folge fraktionelle Plattformen entwickeln. Das sind schon Fehler ganz anderer Natur. Die Aufgabe der Partei besteht darin, solche Fehler aufzudecken und zu überwinden. Denn die Überwindung solcher Fehler ist das einzige Mittel, um die Prinzipien des Marxismus in der Partei fest zu verankern, die Einheit der Partei zu wahren, die Fraktionsmacherei zu liquidieren und eine Garantie gegen die Wiederholung solcher Fehler zu schaffen.

Nehmen wir zum Beispiel den Fehler Trotzkis zur Zeit des Brester Friedens, der sich zu einer ganzen Plattform gegen die Partei auswuchs. Muss man gegen solche Fehler offen und entschieden kämpfen? Ja, das muss man.

Oder einen anderen Fehler Trotzkis, den Fehler während der Gewerkschaftsdiskussion, der zu einer Parteidiskussion in gesamtrussischem Maßstab führte.

Oder zum Beispiel den Fehler Sinowjews und Kamenews im Oktober, der vor dem Aufstand im Oktober 1917 eine Krise in der Partei hervorrief.

Oder zum Beispiel die jetzigen Fehler des Oppositionsblocks, die zur Herausbildung einer fraktionellen Plattform und zum Kampf gegen die Partei geführt haben.

Und so weiter und so fort.

Muss man gegen solche Fehler offen und entschieden kämpfen? Ja, das muss man.

Kann man solche Fehler mit Schweigen übergehen, wenn es sich um Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei handelt? Es ist klar, dass man das nicht kann.

4. Die Diktatur des Proletariats nach Sinowjew

Sinowjew sprach in seiner Rede über die Diktatur des Proletariats und versicherte, dass Stalin den Begriff der Diktatur des Proletariats in dem bekannten Artikel „Zu den Fragen des Leninismus“ nicht richtig erkläre.

Das ist Unsinn, Genossen. Sinowjew versucht hier, die Schuld von sich auf andere abzuwälzen. In Wirklichkeit kann es sich nur darum handeln, dass Sinowjew den Leninschen Begriff der Diktatur des Proletariats entstellt.

Bei Sinowjew gibt es zwei Versionen hinsichtlich der Diktatur des Proletariats, von denen keine als marxistisch bezeichnet werden kann und die einander von Grund aus widersprechen.

Die erste Version. Ausgehend von der richtigen These, dass die Partei die grundlegende führende Kraft im System der Diktatur des Proletariats ist, kommt Sinowjew zu der völlig falschen Schlussfolgerung, dass die Diktatur des Proletariats die Diktatur der Partei sei. Damit identifiziert Sinowjew die Diktatur der Partei mit der Diktatur des Proletariats.

Was aber heißt die Diktatur der Partei mit der Diktatur des Proletariats identifizieren?

Das heißt erstens, ein Gleichheitszeichen setzen zwischen Klasse und Partei, zwischen dem Ganzen und einem Teil dieses Ganzen, was absurder und purer Unsinn ist. Lenin hat niemals die Partei mit der Klasse identifiziert und konnte das auch nicht tun. Zwischen der Partei und der Klasse steht eine ganze Reihe von parteilosen Massenorganisationen des Proletariats, hinter diesen Organisationen aber steht die gesamte Masse der Proletarierklasse. Die Rolle und die Bedeutung dieser parteilosen Massenorganisationen oder gar der gesamten Masse der Arbeiterklasse ignorieren und glauben, die Partei könne die parteilosen Massenorganisationen des Proletariats und die gesamte proletarische Masse überhaupt ersetzen, hieße die Partei von den Massen loslösen, die Partei aufs äußerste bürokratisieren, die Partei als eine unfehlbare Kraft hinstellen, in der Partei „Netsdiajew-Methoden“

 

Netschajew-Methoden - Taktik des Verschwörertums und des Terrorismus; so benannt nach dem russischen Anarchisten und Bakunisten S. G. Netschajew. Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts schuf Netschajew in Rußland eine abgekapselte, von den Massen losgelöste Verschwörerorganisation, in der der Wille und die Meinung ihrer Mitglieder völlig unterdrückt wurden.

kultivieren, ein „Araktschejew-Regime“

Araktschejew-Regime - Regime des uneingeschränkten Polizeidespotismus, der Willkür der Militärkaste und der Gewalttätigkeit gegenüber dem Volk; dieses Regime, das in Rußland im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts bestand, erhielt seine Bezeichnung nach dem Namen des reaktionären Staatsmanns Graf Araktschejew.

errichten.

Es erübrigt sich zu sagen, dass Lenin mit einer solchen „Theorie“ der Diktatur des Proletariats nichts gemein hat.

Das heißt zweitens, die Diktatur der Partei nicht im übertragenen Sinne auffassen, nicht im Sinne der Führung der Arbeiterklasse durch die Partei, eben wie Genosse Lenin die Diktatur auffasste, sondern im strengen Sinne des Wortes „Diktatur“, das heißt im Sinne der Ersetzung der Führung durch die Gewaltanwendung der Partei gegenüber der Arbeiterklasse. Denn was heißt Diktatur im strengen Sinne dieses Wortes? Diktatur im strengen Sinne dieses Wortes ist eine Macht, die sich auf Gewalt stützt, denn ohne Elemente der Gewalt gibt es keine Diktatur, wenn man Diktatur im strengen Sinne dieses Wortes meint. Kann die Partei eine Macht sein, die sich auf Gewalt gegenüber ihrer eigenen Klasse, gegenüber der Mehrheit der Arbeiterklasse stützt? Es ist klar, dass sie das nicht sein kann. Andernfalls wäre das keine Diktatur über die Bourgeoisie, sondern eine Diktatur über die Arbeiterklasse.

Die Partei ist der Lehrer, der Leiter, der Führer ihrer Klasse, nicht aber eine Macht, die sich auf Gewalt gegenüber der Mehrheit der Arbeiterklasse stützt. Sonst wäre es sinnlos, von der Methode der Überzeugung als von der Hauptmethode der Arbeit der proletarischen Partei in den Reihen der Arbeiterklasse zu reden. Sonst wäre es sinnlos, davon zu reden, dass die Partei die breiten Massen des Proletariats von der Richtigkeit ihrer Politik überzeugen muss, dass nur in dem Maße, wie die Partei diese Aufgabe erfüllt, sie sich für eine wirkliche Massenpartei halten kann, die fähig ist, das Proletariat in den Kampf zu führen. Sonst müsste die Partei die Methode der Überzeugung durch Befehle und Drohungen gegenüber dem Proletariat ersetzen, was absurd und absolut unvereinbar ist mit der marxistischen Auffassung von der Diktatur des Proletariats.

Zu einem solchen Unsinn führt die „Theorie“ Sinowjews von der Identifizierung der Diktatur (der Führung) der Partei mit der Diktatur des Proletariats.

Es erübrigt sich zu sagen, dass Lenin mit dieser „Theorie“ nichts gemein hat.

Gegen diesen Unsinn wandte ich mich in meinem Artikel „Zu den Fragen des Leninismus“, als ich gegen Sinowjew auftrat.

Es dürfte vielleicht nicht überflüssig sein zu erklären, dass dieser Artikel geschrieben und in Druck gegeben wurde mit völliger Zustimmung und Billigung der führenden Genossen unserer Partei.

So steht es mit der ersten Sinowjewschen Version der Diktatur des Proletariats.

Und nun die zweite Version. Während die erste Version eine Entstellung des Leninismus in der einen Richtung darstellt, ist die zweite Version eine Entstellung in einer völlig anderen, der ersten direkt entgegengesetzten Richtung. Diese zweite Version besteht darin, dass Sinowjew die Diktatur des Proletariats nicht als Führung durch eine Klasse, die Klasse der Proletarier, definiert, sondern als Führung durch zwei Klassen, durch die Arbeiter und die Bauern.

Sinowjew sagt hierüber folgendes:

„Jetzt liegt die Führung, das Steuer, die Lenkung des staatlichen Lebens in den Händen zweier Klassen - der Arbeiterklasse und der Bauernschaft.“ (G. Sinowjew, „Das Bündnis der Arbeiter und Bauern und die Rote Armee“, Verlag „Priboi“, Leningrad 1925, S. 4.)

Kann man bestreiten, dass gegenwärtig bei uns die Diktatur des Proletariats besteht? Nein, das kann man nicht. Worin besteht die Diktatur des Proletariats in unserem Lande? Nach Sinowjew besteht sie, wie sich herausstellt, darin, dass zwei Klassen das staatliche Leben unseres Landes leiten. Ist das zu vereinbaren mit der marxistischen Auffassung von der Diktatur des Proletariats? Es ist klar, dass das nicht zu vereinbaren ist.

Lenin sagt, dass die Diktatur des Proletariats die Herrschaft einer Klasse, der Klasse der Proletarier, ist. Bei Bestehen des Bündnisses zwischen dem Proletariat und der Bauernschaft findet die Alleinherrschaft des Proletariats ihren Ausdruck darin, dass die führende Kraft in diesem Bündnis das Proletariat, seine Partei ist, die die Führung des staatlichen Lebens mit einer anderen Kraft oder mit einer anderen Partei nicht teilt und nicht teilen kann. Das alles ist so elementar und unbestreitbar, dass kaum eine Notwendigkeit besteht, diese elementaren Dinge zu erklären. Nach Sinowjew aber bedeutet die Diktatur des Proletariats die Führung zweier Klassen. Weshalb dann aber eine solche Diktatur als Diktatur des Proletariats bezeichnen und nicht als Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft? Und ist es etwa nicht klar, dass wir bei der Sinowjewschen Auffassung von der Diktatur des Proletariats die Führung zweier Parteien haben müssten, entsprechend den zwei Klassen, die am „Steuer des staatlichen Lebens“ stehen? Was kann es Gemeinsames geben zwischen dieser „Theorie“ Sinowjews und der marxistischen Auffassung von der Diktatur des Proletariats?

Es erübrigt sich zu sagen, dass Lenin mit dieser „Theorie“ nichts gemein hat.

Die Schlussfolgerung: Sinowjew entstellt offenkundig die Leninsche Lehre von der Diktatur des Proletariats, ganz gleich, ob wir es mit der ersten Version der Sinowjewschen „Theorie“ zu tun haben oder mit der zweiten.

5. Die orakelhaften Aussprüche Trotzkis

Ich möchte ferner bei einigen doppelsinnigen Erklärungen Trotzkis verweilen, die im Grunde genommen den Zweck haben, die Menschen irrezuführen. Ich möchte nur einige Tatsachen anführen.

Die erste Tatsache: Auf die Frage, wie Trotzki zu seiner menschewistischen Vergangenheit steht, antwortete er nicht ohne eine gewisse Pose:

„Schon allein die Tatsache, dass ich in die bolschewistische Partei eintrat..., schon diese Tatsache allein beweist, dass ich an der Schwelle der Partei all das abgelegt habe, was mich bis dahin vom Bolschewismus trennte.“

Was bedeutet es „an der Schwelle der Partei all das ablegen“, was Trotzki „vom Bolschewismus trennte“? Remmele hatte recht, als er darauf den Zwischenruf machte: „Wie kann man solche Dinge auf die Schwelle der Partei abladen.“ Und in der Tat, wie kann man solchen Unflat auf die Schwelle der Partei abladen? (Heiterkeit.) Diese Frage ist dann auch von Trotzki nicht beantwortet worden.

Außerdem, was bedeutet es, wenn Trotzki an der Schwelle der Partei seine menschewistischen Überreste ablegt? Hat er diese Dinge an der Schwelle der Partei abgelegt als Reserve für künftige Kämpfe in der Partei, oder hat er sie einfach verbrannt? Es sieht ganz so aus, als ob Trotzki sie an der Schwelle der Partei als Reserve abgelegt hat. Denn wodurch könnte man sonst Trotzkis permanente Meinungsverschiedenheiten mit der Partei erklären, die kurze Zeit nach dem Eintritt Trotzkis in die Partei begannen und bis heute fortdauern?

Urteilen Sie selbst. 1918 - Trotzkis Meinungsverschiedenheiten mit der Partei in der Frage des Brester Friedens und Kampf innerhalb der Partei. 1920/21 - Trotzkis Meinungsverschiedenheiten mit der Partei über die Gewerkschaftsbewegung und Diskussion im gesamtrussischen Maßstab. 1923 - Trotzkis Meinungsverschiedenheiten mit der Partei in den Grundfragen des Parteiaufbaus und der Wirtschaftspolitik, Diskussion in der Partei. 1924 - Trotzkis Meinungsverschiedenheiten mit der Partei in der Frage der Einschätzung der Oktoberrevolution und der führenden Rolle der Partei, Diskussion in der Partei. 1925/26 - Meinungsverschiedenheiten Trotzkis und seines Oppositionsblocks mit der Partei in den Grundfragen unserer Revolution und der Tagespolitik.

Sind das nicht gar zu viele Meinungsverschiedenheiten für einen Menschen, der „an der Schwelle der Partei all das abgelegt hat, was ihn vom Bolschewismus trennte“?

Kann man sagen, dass diese permanenten Meinungsverschiedenheiten Trotzkis mit der Partei ein „zufällig vorgefallener Zufall“ seien, nicht aber eine gesetzmäßige Erscheinung?

Das kann man wohl kaum sagen.

Welches Ziel kann dann diese mehr als doppelsinnige Erklärung Trotzkis verfolgen?

Ich glaube, nur ein Ziel: den Hörern Sand in die Augen zu streuen und sie irrezuführen.

Eine weitere Tatsache: Es ist bekannt, dass die Frage der „Theorie“ Trotzkis von der permanenten Revolution vom Standpunkt der Ideologie unserer Partei, vom Standpunkt der Perspektiven unserer Revolution keine geringe Bedeutung hat. Es ist bekannt, dass diese „Theorie“ Anspruch darauf erhob und weiter erhebt, mit der Theorie des Leninismus in der Frage der Triebkräfte unserer Revolution zu konkurrieren. Es ist deshalb durchaus begreiflich, dass an Trotzki wiederholt die Frage gerichtet wurde, wie er jetzt, im Jahre 1926, zu seiner „Theorie“ der permanenten Revolution steht. Welche Antwort aber gab Trotzki in seiner Rede auf dem Plenum der Komintern? Eine mehr als doppelsinnige Antwort. Er sagte, dass die „Theorie“ der permanenten Revolution einige „Lücken“ aufweist, dass einige Seiten dieser „Theorie“ von unserer revolutionären Praxis nicht bestätigt worden sind. Das soll heißen, dass, wenn auch einige Seiten dieser „Theorie“ „Lücken“ aufweisen, es auch andere Seiten dieser „Theorie“ gibt, die keine „Lücken“ aufweisen und folglich in Kraft bleiben müssen. Wie kann man aber einige Seiten der „Theorie“ der permanenten Revolution von den anderen Seiten dieser „Theorie“ trennen? Ist denn die „Theorie“ der permanenten Revolution nicht ein geschlossenes System von Anschauungen? Kann man denn die „Theorie“ der permanenten Revolution wie einen Kasten betrachten, von dem zwei Ecken, sagen wir, verfault, die übrigen beiden Ecken aber ganz und erhalten geblieben sind? Und dann, kann man sich denn hier mit einer einfachen und zu nichts verpflichtenden Erklärung über „Lücken“ im allgemeinen begnügen, ohne zu sagen, welche „Lücken“ Trotzki meint und welche Seiten der „Theorie“ der permanenten Revolution er für falsch hält? Trotzki spricht von einigen „Lücken“ der „Theorie“ der permanenten Revolution, aber welche „Lücken“ er meint und welche Seiten dieser „Theorie“ er für falsch hält - darüber hat er kein Wort gesagt. Deshalb muss man Trotzkis Erklärung zu dieser Frage als ein Ausweichen vor dieser Frage ansehen, als einen Versuch, sich mit der doppelsinnigen Phrase von den „Lücken“ herauszureden, einer Phrase, die Trotzki zu nichts verpflichtet.

Trotzki machte es hier so wie in alter Zeit gewisse schlaue Orakelpriester, die den Fragestellern doppelsinnige Antworten erteilten, wie zum Beispiel: „Beim Übergang über den Fluss wird ein großes Heer geschlagen werden.“ Über welchen Fluss, wessen Heer geschlagen werden wird - das verstehe, wer kann. (Heiterkeit.)

6. Sinowjew in der Rolle eines Schuljungen, der Marx, Engels
und Lenin zitiert

Ich möchte ferner einige Worte sagen über die besondere Manier, wie Sinowjew die Klassiker des Marxismus zitiert. Ein charakteristischer Zug dieser Sinowjewschen Manier besteht darin, alle Perioden und Daten durcheinander zu bringen, sie auf einen Haufen zu werfen, einzelne Leitsätze und Formeln von Marx und Engels aus ihrem lebendigen Zusammenhang mit der Wirklichkeit herauszureißen, sie in ausgehöhlte Dogmen zu verwandeln und auf diese Weise die Hauptforderung von Marx und Engels zu verletzen, die darin besteht, dass der „Marxismus kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln ist“.

Hier einige Tatsachen.

1. Die erste Tatsache: Sinowjew führte in seiner Rede das bekannte Zitat aus Marx’ Schrift „Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“ an, das besagt, dass „die Aufgabe des Arbeiters (es handelt sich um den Sieg des Sozialismus. J. St.) ... nirgendwo gelöst wird innerhalb der nationalen Wände"

 

Siehe K. Marx und F. Engels, „Werke“, Bd. VIII, 1931, S. 71 [deutsch in „Ausgewählte Schriften“ in zwei Bänden, Bd. 1, S. 192].

Sinowjew führte ferner folgendes Zitat aus einem Brief von Marx an Engels (1858) an:

„Die schwierige question (Frage) für uns ist die: auf dem Kontinent ist die Revolution imminent (bevorstehend) und wird auch sofort einen sozialistischen Charakter annehmen. Wird sie in diesem kleinen Winkel nicht notwendig gecrusht (erdrückt) werden, da auf viel größerem Terrain das movement (die Bewegung) der bürgerlichen Gesellschaft noch ascendant (im Aufsteigen) ist)“ (Siehe K. Marx und F. Engels, „Briefe“, S. 74/75.)

 

Siehe auch K. Marx und F. Engels, „Werke“, Bd. XXII, 1931, S. 362 [deutsch in „Briefwechsel“, Bd. II, 5.424].

Sinowjew führt diese Zitate von Marx aus der Zeit der vierziger und fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts an und gelangt zu der Schlussfolgerung, dass damit die Frage des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern für alle Zeiten und Perioden des Kapitalismus negativ beantwortet ist.

Kann man behaupten, dass Sinowjew Marx, dessen Standpunkt, dessen Grundlinie in der Frage des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern verstanden hat? Nein, das kann man nicht behaupten. Im Gegenteil. Aus diesen Zitaten ersieht man, dass Sinowjew Marx überhaupt nicht verstanden hat, dass er den grundlegenden Standpunkt von Marx entstellt hat.

Folgt aus den Zitaten von Marx, dass der Sieg des Sozialismus in einzelnen Ländern unter allen Bedingungen der Entwicklung des Kapitalismus unmöglich ist? Nein, das folgt nicht daraus. Aus den Worten von Marx folgt lediglich, dass der Sieg des Sozialismus in einzelnen Ländern nur in dem Falle unmöglich ist, wenn „die Bewegung der bürgerlichen Gesellschaft noch im Aufsteigen ist“. Was aber tritt ein, wenn die Bewegung der bürgerlichen Gesellschaft in ihrer Gesamtheit durch den Lauf der Dinge ihre Richtung ändert und beginnt, in absteigender Linie zu verlaufen? Aus den Worten von Marx ergibt sich, dass unter solchen Bedingungen kein Grund mehr vorliegt, die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern zu verneinen.

Sinowjew vergisst, dass sich die Zitate von Marx auf die Periode des vormonopolistischen Kapitalismus beziehen, als sich der Kapitalismus in seiner Gesamtheit in aufsteigender Linie entwickelte, als das Wachstum des Kapitalismus in seiner Gesamtheit nicht von dem Fäulnisprozess eines kapitalistisch so entwickelten Landes wie England begleitet war, als das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung noch nicht einen so gewaltigen Faktor der Zersetzung des Kapitalismus darstellte und nicht darstellen konnte wie in der Folge, in der Periode des monopolistischen Kapitalismus, in der Periode des Imperialismus. Für die Periode des vormonopolistischen Kapitalismus sind die Worte von Marx, dass die Lösung der Hauptaufgabe der Arbeiterklasse in einzelnen Ländern unmöglich ist, vollkommen richtig. Ich sagte bereits in meinem Referat auf der XV. Konferenz der KPdSU(B), dass die Frage des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern früher, in der Periode des vormonopolistischen Kapitalismus, negativ beantwortet wurde und dass das vollkommen richtig war. Jetzt aber, in der gegenwärtigen Periode des Kapitalismus, wo der vormonopolistische Kapitalismus in den imperialistischen Kapitalismus umgeschlagen ist - kann man da behaupten, dass sich der Kapitalismus in seiner Gesamtheit in aufsteigender Linie entwickelt? Nein, das kann man nicht behaupten. Lenins Analyse des ökonomischen Wesens des Imperialismus zeigt, dass sich in der Periode des Imperialismus die bürgerliche Gesellschaft in ihrer Gesamtheit in absteigender Linie bewegt. Lenin hat vollkommen Recht, wenn er erklärt, dass der monopolistische Kapitalismus, der imperialistische Kapitalismus, sterbender Kapitalismus ist. Genosse Lenin sagt darüber folgendes:

„Es ist begreiflich, warum der Imperialismus sterbender Kapitalismus ist und den Übergang zum Sozialismus bildet: das aus dem Kapitalismus hervor wachsende Monopol ist schon das Sterben des Kapitalismus, der Beginn seines Überganges in den Sozialismus. Die gewaltige Vergesellschaftung der Arbeit durch den Imperialismus (das, was seine Apologeten, die bürgerlichen Ökonomen, ‚Verflechtung’ nennen) bedeutet dasselbe.“ (Siehe Lenin, 4. Ausgabe, Bd. 23, S. 96, russ.)

Der vormonopolistische Kapitalismus, der sich in seiner Gesamtheit in aufsteigender Linie entwickelte, ist etwas ganz anderes als der imperialistische Kapitalismus, da die Welt bereits unter den kapitalistischen Gruppen aufgeteilt ist, da die sprunghafte Entwicklung des Kapitalismus Neuaufteilungen der bereits aufgeteilten Welt, und zwar auf dem Wege kriegerischer Zusammenstöße erfordert, da die Konflikte und Kriege zwischen den imperialistischen Gruppen, die auf dieser Grundlage ausbrechen, die Weltfront des Kapitalismus schwächen, sie leicht verwundbar machen und die Möglichkeit schaffen, diese Front in einzelnen Ländern zu durchbrechen. Damals, unter den Bedingungen des vormonopolistischen Kapitalismus, war der Sieg des Sozialismus in einzelnen Ländern unmöglich. Jetzt, in der Periode des Imperialismus, in der Periode des sterbenden Kapitalismus, ist der Sieg des Sozialismus in einzelnen Ländern bereits möglich geworden.

Darum handelt es sich, Genossen, und das ist es, was Sinowjew nicht begreifen will.

Sie sehen, dass Sinowjew Marx zitiert wie ein Schuljunge, der sich, ohne Marx’ Standpunkt zu berücksichtigen, an einzelne Zitate von Marx klammert, diese Zitate aber nicht wie ein Marxist anwendet, sondern wie ein Sozialdemokrat.

Worin besteht die revisionistische Manier des Zitierens von Marx? Die revisionistische Manier des Zitierens von Marx besteht in der Verfälschung des Standpunkts von Marx durch Berufung auf Zitate aus einzelnen Thesen von Marx, die aus dem Zusammenhang mit den konkreten Bedingungen einer bestimmten Epoche herausgerissen werden.

Worin besteht die Sinowjewsche Manier des Zitierens von Marx? Die Sinowjewsche Manier des Zitierens von Marx besteht in der Verfälschung des Standpunkts von Marx durch Berufung auf den Buchstaben, auf Zitate von Marx, die aus dem lebendigen Zusammenhang mit den Bedingungen der Entwicklung in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts herausgerissen und in ein Dogma verwandelt werden.

Ich glaube, ein Kommentar ist hier überflüssig.

2. Die zweite Tatsache. Sinowjew zitiert die Worte von Engels aus den „Grundsätzen des Kommunismus“(1847),

Siehe K. Marx und F. Engels, „Manifest der Kommunistischen Partei“, Anhang, 1939, S.75-97 [deutsch in „Gesamtausgabe“, Berlin 1932, Erste Abteilung, Bd. 6, S. 503-522].

dass die Arbeiterrevolution „nicht in einem einzigen Lande allein vor sich gehen kann“, stellt diese Worte von Engels meiner Erklärung auf der XV. Konferenz der KPdSU(B) gegenüber, dass wir in der UdSSR bereits neun Zehntel der von Engels aufgestellten zwölf Forderungen verwirklicht haben, und zieht daraus zwei Schlussfolgerungen: erstens, dass der Sieg des Sozialismus in einzelnen Ländern unmöglich ist, zweitens, dass ich in meiner Erklärung die gegenwärtigen Verhältnisse in der UdSSR in zu rosigen Farben schildere.

Was die Engels-Zitate betrifft, so muss man sagen, dass Sinowjew hier bei der Auslegung der Zitate denselben Fehler begeht wie in bezug auf Marx. Es ist klar, dass Engels in der Periode des vormonopolistischen Kapitalismus, in einer Periode, als sich die bürgerliche Gesellschaft in ihrer Gesamtheit in aufsteigender Linie entwickelte, zu einer negativen Beantwortung der Frage nach der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern kommen musste. Diese These von Engels, die im Hinblick auf die alte Periode des Kapitalismus aufgestellt wurde, mechanisch auf die neue Periode des Kapitalismus, auf die imperialistische Periode übertragen - heißt den Standpunkt von Engels und Marx entstellen um des Buchstabens willen, um eines einzelnen Zitats willen, das aus dem Zusammenhang mit den realen Bedingungen der Entwicklung in der Periode des vormonopolistischen Kapitalismus herausgerissen wird. Ich sagte bereits in meinem Referat auf der XV. Konferenz der KPdSU(B), dass diese Formel von Engels seinerzeit die einzig richtige Formel war. Aber man muss doch begreifen, dass man die Periode der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als keine Rede sein konnte von einem sterbenden Kapitalismus, nicht auf eine Stufe stellen kann mit der gegenwärtigen Entwicklungsperiode des Kapitalismus, mit der Periode des Imperialismus, wo der Kapitalismus in seiner Gesamtheit sterbender Kapitalismus ist. Ist es etwa schwer, zu begreifen, dass das, was damals als unmöglich galt, jetzt, unter den neuen Bedingungen des Kapitalismus, möglich und notwendig geworden ist?

Sie sehen, dass Sinowjew auch hier in Bezug auf Engels, genauso wie in Bezug auf Marx, seiner revisionistischen Manier, die Klassiker des Marxismus zu zitieren, treu geblieben ist.

Was nun die zweite Schlussfolgerung Sinowjews betrifft, so hat er Engels in Bezug auf die zwölf Forderungen beziehungsweise Maßregeln der Arbeiterrevolution direkt entstellt. Sinowjew stellt die Sache so hin, als gäbe Engels in seinen zwölf Forderungen ein ausführliches Programm des Sozialismus bis einschließlich der Aufhebung der Klassen, der Beseitigung der Warenproduktion und folglich der Abschaffung des Staates. Das trifft aber keineswegs zu. Das ist eine völlige Entstellung der Auffassung von Engels. In den zwölf Forderungen von Engels ist weder über die Aufhebung der Klassen noch über die Beseitigung der Warenwirtschaft, noch über die Abschaffung des Staates, noch über die Abschaffung aller und jeglicher Formen des Privateigentums auch nur ein einziges Wort enthalten. Im Gegenteil: Die zwölf Forderungen von Engels gehen von dem Bestehen der „Demokratie“ aus (Engels verstand damals unter „Demokratie“ die Diktatur des Proletariats), vom Bestehen der Klassen und der Warenwirtschaft. Engels erklärt direkt, dass seine zwölf Forderungen den direkten „Angriff auf das Privateigentum“ (nicht aber dessen völlige Abschaffung) und „die Sicherstellung der Existenz des Proletariats“ (nicht aber die Aufhebung des Proletariats als Klasse) zum Ziele haben. Hier die Worte Engels’:

„Die aller Wahrscheinlichkeit nach eintretende Revolution des Proletariats wird also nur allmählich die jetzige Gesellschaft umgestalten und erst dann das Privateigentum abschaffen können, wenn die dazu nötige Masse von Produktionsmitteln geschaffen ist... Sie wird vor allen Dingen eine demokratische Staatsverfassung, und damit direkt oder indirekt die politische Herrschaft des Proletariats herstellen ... Die Demokratie würde dem Proletariat ganz nutzlos sein, wenn sie nicht sofort als Mittel zur Durchsetzung weiterer, direkt das Privateigentum angreifender und die Existenz des Proletariats sicherstellender Maßregeln benutzt würde. Die hauptsächlichsten dieser Maßregeln, wie sie sich schon jetzt als notwendige Folgen der bestehenden Verhältnisse ergeben, sind folgende.“

Dann folgt die Aufzählung der bereits bekannten zwölf Forderungen beziehungsweise Maßregeln. (Siehe Engels, „Grundsätze des Kommunismus“.)

Sie sehen also, dass es sich bei Engels nicht um ein ausführliches Programm des Sozialismus bis einschließlich der Aufhebung der Klassen, der Abschaffung des Staates, der Beseitigung der Warenproduktion usw. handelt, sondern um die ersten Schritte der sozialistischen Revolution, um die ersten Maßnahmen, die notwendig sind, um den unmittelbaren Angriff auf das Privateigentum zu führen, die Existenz der Arbeiterklasse sicherstellen und die politische Herrschaft des Proletariats festigen zu können.

Die einzige Schlussfolgerung: Sinowjew hat Engels entstellt, als er seine zwölf Forderungen als ausführliches Programm des Sozialismus charakterisierte.

Worüber sprach ich in meinem Schlusswort auf der XV. Konferenz der KPdSU(B)? Ich sprach davon, dass neun Zehntel der Engelsschen Forderungen beziehungsweise Maßregeln, die die ersten Schritte der sozialistischen Revolution darstellen, bei uns in der UdSSR bereits verwirklicht sind.

Heißt das, dass der Sozialismus bei uns bereits verwirklicht ist? Es ist klar, dass es das nicht heißt.

Sinowjew hat also, getreu seiner Manier zu zitieren, eine „kleine“ Verdrehung in Bezug auf meine Erklärung auf der XV. Konferenz der KPdSU(B) vorgenommen.

Dahin gelangt Sinowjew mit seiner spezifischen Manier, wie er Marx und Engels zitiert.

Die Sinowjewsche Manier des Zitierens erinnert mich an eine recht lustige „Geschichte“ von den Sozialdemokraten, die uns ein schwedischer revolutionärer Syndikalist in Stockholm erzählte. Es war im Jahre 1906 während des Stockholmer Parteitags unserer Partei. Dieser schwedische Genosse schilderte in seiner Erzählung recht belustigend die haarspalterische Manier einiger Sozialdemokraten, Marx und Engels zu zitieren, und wir Parteitagsdelegierten bogen uns vor Lachen beim Zuhören. Der Inhalt dieser „Geschichte“ war folgender: Die Sache spielt sich in der Krim ab, während des Aufstands der Flotte und der Infanterie. Es erscheinen Vertreter der Flotte und der Infanterie und sagen zu den Sozialdemokraten: Ihr habt uns in den letzten Jahren zum Aufstand gegen den Zarismus aufgerufen, wir haben uns überzeugt, dass ihr mit eurem Aufruf recht habt. Wir, Matrosen und Soldaten, sind übereingekommen, uns zu erheben, und wenden uns an euch um Rat. Die Sozialdemokraten wurden unruhig und antworteten, dass sie die Frage des Aufstands nicht ohne eine besondere Konferenz entscheiden könnten. Die Matrosen gaben ihnen zu verstehen, dass die Sache keinen Aufschub dulde, dass schon alles bereit sei und dass, wenn sie keine klare Antwort von den Sozialdemokraten bekämen und die Sozialdemokraten die Führung des Aufstands nicht übernähmen, die Sache schief gehen könne. Die Matrosen und Soldaten entfernten sich in Erwartung von Direktiven, die Sozialdemokraten aber beriefen eine Konferenz ein, um die Frage zu beraten. Man nahm den ersten Band des „Kapitals“, man nahm den zweiten Band des „Kapitals“, man nahm schließlich den dritten Band des „Kapitals“. Man sucht Hinweise auf die Krim, Sewastopol, auf einen Aufstand in der Krim. Aber kein einziger, buchstäblich kein einziger Hinweis findet sich in den drei Bänden des „Kapitals“, weder auf Sewastopol noch auf die Krim, noch auf einen Aufstand der Matrosen und Soldaten. (Heiterkeit.) Man blättert in anderen Werken von Marx und Engels, sucht nach Hinweisen, aber alles vergebens - kein einziger Hinweis ist zu finden. (Heiterkeit.) Was nun? Die Matrosen sind aber bereits da und warten auf Antwort. Und was geschah? Die Sozialdemokraten mussten zugeben, dass sie bei einer solchen Sachlage nicht imstande wären, den Matrosen und Soldaten irgendwelche Anweisungen zu geben. „Auf diese Weise scheiterte der Aufstand der Flotte und der Infanterie“, schloss der schwedische Genosse seine Erzählung. (Heiterkeit.)

Zweifellos enthält diese Erzählung starke Übertreibungen. Aber nicht zu bezweifeln ist auch, dass diese Erzählung recht gut die Hauptkrankheit der Sinowjewschen Manier des Zitierens von Marx und Engels trifft.

3. Die dritte Tatsache. Es handelt sich um Zitate aus den Werken Lenins. Was hat Sinowjew nicht alles angestellt, um einen ganzen Berg aus dem Zusammenhang gerissener Zitate aus Lenins Werken zusammenzutragen und die Hörer „zu verblüffen“. Sinowjew glaubt offenbar, je mehr Zitate, desto besser, wobei er wenig berücksichtigt, was die Zitate besagen und was aus ihnen folgt. Und wenn man sich dann in diese Zitate vertieft, so wird man unschwer erkennen, dass Sinowjew kein einziges Zitat aus Lenins Werken angeführt hat, das auch nur im Geringsten für den jetzigen Kapitulantenstandpunkt des Oppositionsblocks spricht. Man muss feststellen, dass Sinowjew aus irgendeinem Grunde eins der grundlegenden Zitate aus Lenin nicht angeführt hat, das Zitat, das besagt, dass die Lösung des „ökonomischen Problems“ der Diktatur, der Sieg des Proletariats der UdSSR bei der Lösung dieses Problems, als gesichert anzusehen ist.

Sinowjew führte ein Zitat aus Lenins Schrift „Über das Genossenschaftswesen“ an, in dem es heißt, dass wir in der UdSSR alles haben, was notwendig und hinreichend ist, um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten. Er hat aber nicht den geringsten Versuch gemacht, wenn auch nur andeutungsweise die Frage zu stellen, was sich aus diesem Zitat ergibt und für wen es spricht, für den Oppositionsblock oder für die KPdSU(B).

Sinowjew versuchte zu beweisen, dass der Sieg des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande unmöglich sei, führte aber als Beweis für diese These Zitate aus Lenins Werken an, die Sinowjews These vollkommen umstoßen.

Hier zum Beispiel eins dieser Zitate:

„Ich habe schon mehr als einmal gesagt: Im Vergleich zu den fortgeschrittenen Ländern hatten es die Rußen leichter, die große proletarische Revolution zu beginnen, es wird ihnen aber schwerer werden, sie fortzusetzen und bis zum endgültigen Sieg im Sinne der vollständigen Organisierung der sozialistischen Gesellschaft durchzuführen.“ (Siehe Lenin, 4. Ausgabe, Bd. 29, S. 284 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 552].)

Sinowjew hat nicht einmal überlegt, dass dieses Zitat nicht für den Oppositionsblock spricht, sondern für die Partei, denn in diesem Zitat ist nicht die Rede von der Unmöglichkeit der Errichtung des Sozialismus in der UdSSR, sondern von den Schwierigkeiten seiner Errichtung, wobei die Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in der UdSSR in diesem Zitat als etwas Selbstverständliches anerkannt wird. Die Partei hat immer gesagt, dass es in der UdSSR leichter sein werde als in den westeuropäischen kapitalistischen Ländern, die Revolution zu beginnen, aber schwerer, den Sozialismus zu errichten. Ist die Anerkennung dieser Tatsache etwa gleichbedeutend mit der Verneinung der Möglichkeit, den Sozialismus in der UdSSR zu errichten? Natürlich nicht. Im Gegenteil. Aus dieser Tatsache ergibt sich nur die Schlussfolgerung, dass die Errichtung des Sozialismus in der UdSSR durchaus möglich und notwendig ist, trotz der Schwierigkeiten.

Fragt sich nur: Zu welchem Zweck brauchte Sinowjew solche Zitate? Offenbar zu dem Zweck, die Hörer durch einen Berg von Zitaten zu „verblüffen“ und Verwirrung zu stiften. (Heiterkeit.)

Jetzt ist jedoch, denke ich, klar, dass Sinowjew sein Ziel nicht erreicht hat und dass seine mehr als lächerliche Manier, die Klassiker des Marxismus zu zitieren, ihn auf die eindeutigste Weise hereingelegt hat.

7. Der Revisionismus nach Sinowjew

Schließlich einige Worte über die Sinowjewsche Auslegung des Begriffs „Revisionismus“. Nach Sinowjew wäre jede Verbesserung, jede Präzisierung der alten Formeln oder einzelner Lehrsätze von Marx oder Engels, umso mehr aber ihre Ersetzung durch andere, den neuen Bedingungen entsprechende Formeln, Revisionismus. Es fragt sich, weshalb? Ist denn der Marxismus nicht eine Wissenschaft, und entwickelt sich die Wissenschaft nicht, indem sie sich durch neue Erfahrungen bereichert und die alten Formeln verbessert? Da nun aber „Revision“ „Überprüfung“ bedeutet, eine Verbesserung und Präzisierung der alten Formeln jedoch nicht ohne eine gewisse Überprüfung dieser Formeln vorgenommen werden kann, so wäre also jede Präzisierung und Verbesserung der alten Formeln, jede Bereicherung des Marxismus durch neue Erfahrungen und neue Formeln Revisionismus. Das alles ist natürlich lächerlich. Was kann man aber tun, wenn Sinowjew sich selbst lächerlich macht und sich dabei noch einbildet, einen Kampf gegen den Revisionismus zu führen?

Hatte zum Beispiel Stalin das Recht, seine eigene Formel vom Sieg des Sozialismus in einem Lande (1924) in voller Übereinstimmung mit den Hinweisen und der Grundlinie des Leninismus abzuändern und zu präzisieren? Nach Sinowjew hatte er dazu kein Recht. Weshalb? Weil die Änderung und Präzisierung der alten Formel eine Überprüfung dieser Formel ist, Überprüfung aber im Deutschen mit Revision gleichbedeutend ist. Ist es da nicht klar, dass Stalin in Revisionismus verfallen ist?

Danach hätten wir also ein neues, ein Sinowjewsches Kriterium des Revisionismus, das den marxistischen Gedanken, will man nicht des Revisionismus beschuldigt werden, zu völliger Erstarrung verurteilt.

Wenn Marx beispielsweise Mitte des vorigen Jahrhunderts sagte, dass bei aufsteigender Linie der Entwicklung des Kapitalismus der Sieg des Sozialismus innerhalb der nationalen Wände unmöglich ist, Lenin aber im fünfzehnten Jahr des 20. Jahrhunderts erklärte, dass bei absteigender Linie der Entwicklung des Kapitalismus, unter den Bedingungen des sterbenden Kapitalismus, ein solcher Sieg möglich ist, so würde daraus folgen, dass Lenin in Bezug auf Marx in Revisionismus verfallen ist.

Wenn Marx beispielsweise Mitte des vorigen Jahrhunderts sagte, dass eine sozialistische „Umwälzung der national-ökonomischen Verhältnisse in jedem Lande des europäischen Kontinents, auf dem gesamten europäischen Kontinente ohne England, der Sturm in einem Glase Wasser ist“,

Siehe K. Marx und F. Engels, „Werke“, Bd. VII, 1930, S. 103 (russ.).

Engels dagegen unter Berücksichtigung der neuen Erfahrungen des Klassenkampfes in der Folge diese These änderte und erklärte, dass die sozialistische Revolution „der Franzose anfangen und der Deutsche zu Ende führen werde“, so würde daraus folgen, dass Engels in Bezug auf Marx in Revisionismus verfallen ist.

Wenn Engels sagte, dass der Franzose die sozialistische Revolution anfangen und der Deutsche sie zu Ende führen werde, Lenin dagegen unter Berücksichtigung der Erfahrungen des Sieges der Revolution in der UdSSR diese Formel änderte, sie durch eine andere ersetzte und erklärte, dass der Russe die sozialistische Revolution angefangen hat und der Deutsche, der Franzose, der Engländer sie zu Ende führen werden, so würde daraus folgen, dass Lenin in Bezug auf Engels und noch mehr in Bezug auf Marx in Revisionismus verfallen ist.

Lenin schreibt zum Beispiel dazu folgendes:

„Die großen Begründer des Sozialismus, Marx und Engels, die im Laufe einer Reihe von Jahrzehnten die Entwicklung der Arbeiterbewegung und das Anwachsen der sozialistischen Weltrevolution beobachteten, sahen klar, dass der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus lange Geburtswehen, eine lange Periode der Diktatur des Proletariats, das Zerschlagen der ganzen alten Ordnung, die erbarmungslose Vernichtung aller Formen des Kapitalismus, das Zusammenwirken der Arbeiter aller Länder erfordert, die alle ihre Anstrengungen vereinigen müssen, um den endgültigen Sieg davonzutragen. Und sie haben erklärt, dass am Ende des 19. Jahrhunderts ‚der Franzose anfangen und der Deutsche das Werk zu Ende führen werde’. Der Franzose werde den Anfang machen, weil er im Laufe von Jahrzehnten der Revolution in sich jene heldenhafte Initiative in der revolutionären Aktion entwickelte, die ihn zum Vortrupp der sozialistischen Revolution gemacht hat.

Wir sehen jetzt eine andere Kombination der Kräfte des internationalen Sozialismus. Wir sagen, dass die Bewegung am leichtesten in den Ländern anfangen kann, die nicht zu den Ausbeuterländern, denen es leichter ist zu rauben und die imstande sind, die Oberschicht ihrer Arbeiter zu bestechen, gehören... Die Dinge sind anders gekommen, als Marx und Engels erwartet haben. Uns, den russischen Werktätigen und ausgebeuteten Klassen, ist die ehrenvolle Rolle des Vortrupps der internationalen sozialistischen Revolution zugefallen, und wir sehen jetzt ganz klar, wie weit die Entwicklung der Revolution gehen wird. Der Russe hat den Anfang gemacht, der Deutsche, der Franzose, der Engländer werden das Werk zu Ende führen, und der Sozialismus wird den Sieg davontragen.“ (Siehe Lenin, 4. Ausgabe, Bd. 26, S. 428/429, russ.)

Sie sehen, dass Lenin hier Engels und Marx direkt „überprüft“ und somit, nach Sinowjew, in „Revisionismus“ verfällt.

Wenn zum Beispiel Engels und Marx die Pariser Kommune, die bekanntlich von zwei Parteien geführt wurde, von denen keine eine marxistische Partei war, als Diktatur des Proletariats definierten, Lenin aber unter Berücksichtigung der neuen Erfahrungen des Klassenkampfes unter den Bedingungen des Imperialismus später erklärte, dass eine einigermaßen entwickelte Diktatur des Proletariats nur verwirklicht werden kann, wenn eine Partei, die Partei des Marxismus, die Führung hat, so würde daraus folgen, dass Lenin in Bezug auf Marx und Engels in offenen „Revisionismus“ verfallen ist.

Wenn Lenin in der Periode vor dem imperialistischen Krieg sagte, dass die Föderation ein unannehmbarer Typus der Staatsordnung ist, im Jahre 1917 aber unter Berücksichtigung der neuen Erfahrungen aus dem Kampf des Proletariats diese Formel abänderte, sie überprüfte und erklärte, dass die Föderation der zweckmäßige Typus der Staatsordnung beim Übergang zum Sozialismus ist, so würde daraus folgen, dass Lenin in Bezug auf sich selbst und auf den Leninismus in „Revisionismus“ verfallen ist.

Und so weiter und so fort.

Nach Sinowjew darf sich also der Marxismus nicht durch neue Erfahrungen bereichern, ist jede Verbesserung einzelner Lehrsätze und Formeln des einen oder des anderen Klassikers des Marxismus gleichbedeutend mit Revisionismus.

Was ist der Marxismus? Der Marxismus ist eine Wissenschaft. Kann der Marxismus als Wissenschaft erhalten bleiben und sich entwickeln, wenn er sich nicht durch die neuen Erfahrungen des Klassenkampfes des Proletariats bereichert, wenn er diese Erfahrungen nicht vom Standpunkt des Marxismus, unter dem Gesichtswinkel der marxistischen Methode verarbeitet? Es ist klar, dass er das nicht kann.

Ist es danach nicht klar, dass der Marxismus eine Verbesserung und Bereicherung der alten Formeln unter Berücksichtigung der neuen Erfahrungen bei Aufrechterhaltung des Standpunkts des Marxismus, bei Aufrechterhaltung seiner Methode erfordert, während Sinowjew das Gegenteil tut, sich an den Buchstaben klammert und den Standpunkt des Marxismus, seine Methode durch den Buchstaben einzelner Lehrsätze ersetzt.

Was kann es Gemeinsames geben zwischen dem wirklichen Marxismus und der Ersetzung der Grundlinie des Marxismus durch den Buchstaben einzelner Formeln und durch Zitate aus einzelnen Lehrsätzen des Marxismus?

Kann man etwa daran zweifeln, dass das kein Marxismus, sondern eine Karikatur auf den Marxismus ist?

Marx und Engels hatten gerade solche „Marxisten“ wie Sinowjew im Auge, als sie sagten: „Unsere Lehre ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln.“

Es ist Sinowjews Pech, dass er Sinn und Bedeutung dieser Worte von Marx und Engels nicht begreift.

 

 

II


DIE FRAGE DES SIEGES DES SOZIALISMUS
IN EINZELNEN KAPITALISTISCHEN LÄNDERN

 

Ich habe über einzelne Fehler der Opposition und faktische Unrichtigkeiten gesprochen, die in den Reden der Führer der Opposition festzustellen waren. Ich war bestrebt, diese Frage im ersten Teil des Schlusswortes in Form einzelner Bemerkungen zu erschöpfen. Gestatten Sie mir jetzt, direkt zum Kern der Sache überzugehen.

1. Die Voraussetzungen proletarischer Revolutionen in einzelnen
Ländern in der Periode des Imperialismus

Die erste Frage ist die Frage nach der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen kapitalistischen Ländern in der Periode des Imperialismus. Es handelt sich hier, wie Sie sehen, nicht um irgendein einzelnes Land, sondern um alle mehr oder weniger entwickelten imperialistischen Länder.

Worin besteht der Grundfehler der Opposition in der Frage des Sieges des Sozialismus in einzelnen kapitalistischen Ländern?

Der Grundfehler der Opposition besteht darin, dass sie den ganzen Unterschied zwischen dem vorimperialistischen Kapitalismus und dem imperialistischen Kapitalismus nicht begreift oder nicht begreifen will, dass sie das ökonomische Wesen des Imperialismus nicht begreift und zwei verschiedene Phasen des Kapitalismus durcheinander wirft, die vorimperialistische Phase und die imperialistische Phase.

Aus diesem Fehler der Opposition ergibt sich ihr zweiter Fehler, nämlich der, dass sie Sinn und Bedeutung des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung in der Periode des Imperialismus nicht begreift, diesem Gesetz die Tendenz zur Nivellierung entgegenstellt und so auf die Kautskysche Position des Ultraimperialismus hinabgleitet.

Diese beiden Fehler führen zu dem dritten Fehler der Opposition, der darin besteht, dass sie die auf der Grundlage des vorimperialistischen Kapitalismus entstandenen Formeln und Thesen mechanisch auf den imperialistischen Kapitalismus überträgt und infolgedessen zu dem Schluss gelangt, dass der Sieg des Sozialismus in einzelnen kapitalistischen Ländern unmöglich sei.

Worin besteht, um es mit wenigen Worten auszudrücken, der Unterschied zwischen dem alten, vormonopolistischen Kapitalismus und dem neuen, monopolistischen Kapitalismus?

Er besteht darin, dass die Entwicklung des Kapitalismus durch die freie Konkurrenz abgelöst wurde von der Entwicklung durch gewaltige monopolistische Kapitalistenverbände, dass das alte, „kultivierte“, „progressive“ Kapital vom Finanzkapital, dem „verfaulenden“ Kapital abgelöst wurde, dass die „friedliche“ Erweiterung des Kapitals und seine Ausbreitung auf „freie“ Territorien von einer sprunghaften Entwicklung abgelöst wurde, von einer Entwicklung durch Neuaufteilung der bereits aufgeteilten Welt mittels kriegerischer Zusammenstöße zwischen den kapitalistischen Gruppen, dass der alte Kapitalismus, der sich als Ganzes in aufsteigender Linie entwickelte, somit abgelöst worden ist vom sterbenden Kapitalismus, dem Kapitalismus, der sich als Ganzes in absteigender Linie entwickelt.

Folgendes sagt Lenin hierüber:

„Erinnern wir uns, worauf die Ablösung der vorausgegangenen ‚friedlichen’ Epoche des Kapitalismus durch die gegenwärtige imperialistische Epoche beruht: darauf, dass die freie Konkurrenz monopolistischen Kapitalistenverbänden Platz gemacht hat, sowie darauf, dass der ganze Erdball aufgeteilt ist. Es ist klar, dass diese beiden Fakten (und Faktoren) wirklich Weltbedeutung haben: Freihandel und friedliche Konkurrenz waren möglich und notwendig, solange das Kapital unbehindert seine Kolonien ausdehnen und in Afrika usw. noch unbesetzte Gebiete an sich reißen konnte; da war die Konzentration des Kapitals noch schwach, und monopolistische Unternehmen, das heißt so gewaltige, dass sie einen gegebenen Industriezweig ganz beherrscht hätten, gab es noch nicht. Das Aufkommen und das Wachstum dieser monopolistischen Unternehmen ... macht die frühere freie Konkurrenz unmöglich, entzieht ihr den Boden unter den Füßen, die Aufteilung des Erdballs aber erzwingt den Übergang von der friedlichen Expansion zum bewaffneten Kampf um die Neuaufteilung der Kolonien und Einflusssphären.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 200/201, russ.)

Und weiter:

„Es ist unmöglich, auf alte Weise in den verhältnismäßig ruhigen kultivierten, friedlichen Verhältnissen eines sich stetig entwickelnden, und sich allmählich auf neue Länder ausdehnenden Kapitalismus zu leben, denn eine andere Epoche ist angebrochen. Das Finanzkapital sucht das betreffende Land aus der Reihe der Großmächte zu verdrängen und wird es verdrängen, es wird dieses Land seiner Kolonien und seiner Einflusssphären berauben“ (siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 203, russ.).

Daher die grundlegende Schlussfolgerung Lenins über den Charakter des imperialistischen Kapitalismus:

„Es ist begreiflich, warum der Imperialismus sterbender Kapitalismus ist und den Übergang zum Sozialismus bildet: das aus dem Kapitalismus hervorwachsende Monopol ist schon das Sterben des Kapitalismus, der Beginn seines Überganges in den Sozialismus. Die gewaltige Vergesellschaftung der Arbeit durch den Imperialismus (das, was seine Apologeten, die bürgerlichen Ökonomen, ‚Verflechtung’ nennen) bedeutet dasselbe.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 23, S. 96, russ.)

Es ist das Pech unserer Opposition, dass sie die ganze Bedeutung dieses Unterschieds zwischen dem vorimperialistischen Kapitalismus und dem imperialistischen Kapitalismus nicht begreift.

Der Ausgangspunkt für die Position unserer Partei also ist die Anerkennung der Tatsache, dass der gegenwärtige Kapitalismus, der imperialistische Kapitalismus, sterbender Kapitalismus ist.

Das bedeutet leider noch nicht, dass der Kapitalismus bereits gestorben ist. Das bedeutet aber zweifelsohne, dass der Kapitalismus als Ganzes nicht einer Wiedergeburt, sondern dem Tode entgegengeht, dass der Kapitalismus als Ganzes sich nicht in aufsteigender Linie, sondern in absteigender Linie entwickelt.

Aus dieser allgemeinen Frage ergibt sich die Frage der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung in der Periode des Imperialismus.

Worum handelt es sich gewöhnlich, wenn Leninisten von der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung in der Periode des Imperialismus sprechen?

Etwa darum, dass ein großer Unterschied im Entwicklungsniveau der verschiedenen kapitalistischen Länder besteht, dass die einen Länder in ihrer Entwicklung hinter den andern zurückbleiben, dass sich dieser Unterschied immer mehr und mehr vergrößert?

Nein, nicht darum. Die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus mit dem Unterschied im Entwicklungsniveau der kapitalistischen Länder verwechseln heißt in Spießertum verfallen. Gerade in ein solches Spießertum verfiel die Opposition, als sie auf der XV. Konferenz der KPdSU(B) die Frage der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung mit der Frage des Unterschieds im Niveau der wirtschaftlichen Lage der verschiedenen kapitalistischen Länder durcheinander warf. Gerade weil die Opposition von diesem Durcheinander ausging, kam sie zu dem völlig falschen Schluss, dass die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung früher größer war als unter dem Imperialismus. Gerade deshalb sagte auch Trotzki auf der XV. Parteikonferenz, dass „diese Ungleichmäßigkeit im 19. Jahrhundert größer war als im 20. Jahrhundert“ (siehe Trotzkis Rede auf der XV. Konferenz der KPdSU). Das gleiche behauptete damals Sinowjew, als er sagte: „Es stimmt nicht, dass die Ungleichmäßigkeit der kapitalistischen Entwicklung vor Beginn der imperialistischen Epoche geringer war“ (siehe die Rede Sinowjews auf der XV. Konferenz der KPdSU).

Allerdings hat die Opposition jetzt, nach der Diskussion auf der XV. Parteikonferenz, es für notwendig befunden, einen Frontwechsel zu vollziehen, und hat in ihren Reden auf dem erweiterten Plenum des EKKI etwas vollkommen Entgegengesetztes erklärt beziehungsweise versucht, diesen ihren Fehler einfach zu verschweigen. Hier zum Beispiel die Erklärung Trotzkis in seiner Rede auf dem erweiterten Plenum: „Was das Entwicklungstempo betrifft, so hat der Imperialismus diese Ungleichmäßigkeit unendlich verschärft.“ Was nun Sinowjew betrifft, so hat er es vorgezogen, diese Frage in seiner Rede auf dem Plenum des EKKI einfach mit Stillschweigen zu übergehen, obwohl er wissen musste, dass der Streit gerade darum ging, ob die Wirkung des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit in der Periode des Imperialismus stärker oder schwächer wird. Das beweist aber nur, dass die Opposition einiges aus der Diskussion gelernt hat und diese nicht ohne Nutzen für sie geblieben ist.

Also: Die Frage der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder in der Periode des Imperialismus darf nicht verwechselt werden mit der Frage des Unterschieds im Niveau der wirtschaftlichen Lage der verschiedenen kapitalistischen Länder.

Kann man sagen, dass die Verringerung des Unterschieds im Entwicklungsniveau der kapitalistischen Länder und die fortschreitende Nivellierung dieser Länder die Wirkung des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus abschwächen? Nein, das kann man nicht sagen. Wird dieser Unterschied im Entwicklungsniveau größer oder kleiner? Zweifellos wird er kleiner. Schreitet die Nivellierung fort oder geht sie zurück? Unbedingt schreitet sie fort. Steht diese wachsende Nivellierung nicht im Widerspruch zu der Verstärkung der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus? Nein, sie steht nicht im Widerspruch dazu. Im Gegenteil, die Nivellierung ist der Hintergrund und die Basis, auf der die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus erst verstärkt in Wirkung treten kann. Nur Leute wie unsere Oppositionellen, die das ökonomische Wesen des Imperialismus nicht begreifen, können die Nivellierung dem Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus entgegenstellen. Gerade weil die zurückgebliebenen Länder ihre Entwicklung beschleunigen und ihr Niveau dem der fortgeschrittenen Länder angleichen - gerade deshalb verschärft sich der Kampf für die Überholung der einen Länder durch die anderen, gerade deshalb entsteht die Möglichkeit, dass die einen Länder die anderen überholen, sie von den Märkten verdrängen und damit die Voraussetzungen schaffen für kriegerische Konflikte, für die Schwächung der Weltfront des Kapitalismus, für die Durchbrechung dieser Front durch die Proletarier verschiedener kapitalistischer Länder. Wer diese einfache Sache nicht begriffen hat, der hat vom ökonomischen Wesen des monopolistischen Kapitalismus nichts begriffen.

Also: Die Nivellierung ist eine der Bedingungen für die Verstärkung der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung in der Periode des Imperialismus.

Kann man sagen, dass die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus darin besteht, dass die einen Länder die anderen einholen und sie dann in wirtschaftlicher Hinsicht auf gewöhnlichem Wege, sozusagen auf evolutionärem Wege überholen, ohne Sprünge, ohne Kriegskatastrophen, ohne Neuaufteilungen der bereits aufgeteilten Welt? Nein, das kann man nicht sagen. Eine solche Ungleichmäßigkeit bestand auch in der Periode des vormonopolistischen Kapitalismus, was Marx bereits wusste und worüber Lenin in seinem Buch „Die Entwicklung des Kapitalismus in Rußland“ schrieb.

Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 3. Ausgabe, Bd. III, S.1-477 und 4. Ausgabe, Bd. 3, S.1-535 (russ.).

Damals ging die Entwicklung des Kapitalismus mehr oder weniger stetig vor sich, mehr oder weniger evolutionär, die einen Länder überholten die anderen im Verlauf einer langen Zeitspanne ohne Sprünge und ohne unbedingte kriegerische Konflikte im Weltmaßstab. Es handelt sich jetzt nicht um diese Ungleichmäßigkeit.

Was bedeutet dann also das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder unter dem Imperialismus?

Das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung in der Periode des Imperialismus bedeutet die sprunghafte Entwicklung der einen Länder im Vergleich mit anderen, die schnelle Verdrängung der einen Länder vom Weltmarkt durch die anderen, periodische Neuaufteilungen der bereits aufgeteilten Welt vermittels kriegerischer Konflikte und Kriegskatastrophen, die Vertiefung und Verschärfung der Konflikte im Lager des Imperialismus, die Schwächung der Front des Weltkapitalismus, die Möglichkeit der Durchbrechung dieser Front durch das Proletariat einzelner Länder, die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern.

Worin bestehen die Grundelemente des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus?

Erstens darin, dass die Welt bereits unter den imperialistischen Gruppen aufgeteilt ist, dass es „freie“, unbesetzte Gebiete auf der Welt nicht mehr gibt und dass man, um neue Märkte und Rohstoffquellen besetzen, um sich ausdehnen zu können, anderen das Territorium mit Gewalt entreißen muss.

Zweitens darin, dass die beispiellose Entwicklung der Technik und die zunehmende Nivellierung des Entwicklungsniveaus der kapitalistischen Länder die Möglichkeit einer sprunghaften Überholung der einen Länder durch die anderen, der Verdrängung mächtigerer Länder durch weniger mächtige, aber sich rasch entwickelnde Länder geschaffen und diesen Prozess erleichtert haben.

Drittens darin, dass die alte Verteilung der Einflusssphären unter den einzelnen imperialistischen Gruppen jedesmal in Konflikt gerät mit dem neuen Kräfteverhältnis auf dem Weltmarkt, dass zur Herstellung des „Gleichgewichts“ zwischen der alten Verteilung der Einflusssphären und dem neuen Kräfteverhältnis periodische Neuaufteilungen der Welt durch imperialistische Kriege notwendig sind.

Daher die Verstärkung und Verschärfung der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung in der Periode des Imperialismus.

Daher die Unmöglichkeit, Konflikte im Lager des Imperialismus auf friedlichem Wege zu lösen.

Daher die Unhaltbarkeit der Kautskyschen Theorie des Ultraimperialismus, die die Möglichkeit einer friedlichen Lösung dieser Konflikte predigt.

Daraus aber folgt, dass die Opposition, die die Tatsache der Verstärkung und Verschärfung der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung in der Periode des Imperialismus leugnet, auf die Position des Ultraimperialismus hinabgleitet.

Das sind die charakteristischen Züge der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung in der Periode des Imperialismus.

Wann war die Aufteilung der Welt unter den imperialistischen Gruppen beendet?

Lenin sagt, dass die Aufteilung der Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts beendet war.

Wann wurde die Frage der Neuaufteilung der bereits aufgeteilten Welt zum erstenmal praktisch gestellt?

In der Periode des ersten imperialistischen Weltkriegs.

Daraus aber folgt, dass das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt und begründet werden konnte.

Davon sprach ich auch in meinem Referat auf der XV. Konferenz der KPdSU(B), als ich erklärte, dass das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus von Genossen Lenin entdeckt und begründet worden ist.

Der imperialistische Weltkrieg war der erste Versuch, die bereits aufgeteilte Welt neu aufzuteilen. Diesen Versuch musste der Kapitalismus mit dem Sieg der Revolution in Rußland und mit der Untergrabung der Grundlagen des Imperialismus in den kolonialen und abhängigen Ländern bezahlen.

Es erübrigt sich zu sagen, dass auf den ersten Versuch der Neuaufteilung ein zweiter Versuch folgen muss, wozu im Lager der Imperialisten schon die Vorbereitungen getroffen werden.

Man kann kaum daran zweifeln, dass der zweite Versuch der Neuaufteilung dem Weltkapitalismus viel teurer zu stehen kommen wird als der erste.

Das sind die Entwicklungsperspektiven des Weltkapitalismus vom Standpunkt des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit unter den Bedingungen des Imperialismus.

Sie sehen, dass sich aus diesen Perspektiven direkt und unmittelbar die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen kapitalistischen Ländern in der Periode des Imperialismus ergibt.

Bekanntlich hat Lenin die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern direkt und unmittelbar aus dem Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder abgeleitet. Und Lenin hatte völlig Recht. Denn das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus entzieht den „theoretischen“ Exerzitien aller und jeglicher Sozialdemokraten über die Unmöglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen kapitalistischen Ländern völlig den Boden.

Folgendes sagt Lenin hierüber in seinem programmatischen Artikel aus dem Jahre 1915:

„Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgte, dass der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 311 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. I, S. 7531)

Schlussfolgerungen:

a) Der Grundfehler der Opposition besteht darin, dass sie den Unterschied zwischen den beiden Phasen des Kapitalismus nicht sieht beziehungsweise es vermeidet, diesen Unterschied hervorzuheben. Weshalb aber vermeidet sie das? Weil dieser Unterschied zum Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung in der Periode des Imperialismus führt.

b) Der zweite Fehler der Opposition besteht darin, dass sie die entscheidende Bedeutung des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder unter dem Imperialismus nicht begreift oder sie unterschätzt. Weshalb aber unterschätzt sie dieses Gesetz? Weil eine richtige Einschätzung des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder zu der Schlussfolgerung führt, dass der Sieg des Sozialismus in einzelnen Ländern möglich ist.

c) Daher der dritte Fehler der Opposition, der darin besteht, dass sie die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen kapitalistischen Ländern unter dem Imperialismus leugnet.

Wer die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern leugnet, ist gezwungen, die Bedeutung des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus zu verschweigen, wer aber gezwungen ist, die Bedeutung des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit mit Schweigen zu übergehen, der kann nicht umhin, den Unterschied zu vertuschen, der zwischen dem vorimperialistischen Kapitalismus und dem imperialistischen Kapitalismus besteht.

So steht es um die Frage nach den Voraussetzungen der proletarischen Revolution in den kapitalistischen Ländern.

Welche praktische Bedeutung hat diese Frage?

Vom Standpunkt der Praxis ergeben sich zwei Linien.

Die eine Linie ist die Linie unserer Partei, die die Proletarier der einzelnen Länder aufruft, sich auf die kommende Revolution vorzubereiten, wachsam den Gang der Ereignisse zu verfolgen und bereit zu sein, unter günstigen Bedingungen selbständig die Front des Kapitals zu durchbrechen, die Macht zu ergreifen und die Grundlagen des Weltkapitalismus zu er-schüttern.

Die andere Linie ist die Linie unserer Opposition, die Zweifel sät über die Zweckmäßigkeit einer selbständigen Durchbrechung der kapitalistischen Front und die die Proletarier der einzelnen Länder auffordert, den Moment der „allgemeinen Entscheidung“ abzuwarten.

Während die Linie unserer Partei eine Linie der Verstärkung des revolutionären Drucks auf die eigene Bourgeoisie ist und die Initiative der Proletarier der einzelnen Länder auslöst, ist die Linie unserer Opposition eine Linie des passiven Abwartens, die die Initiative der Proletarier der einzelnen Länder in ihrem Kampf gegen die eigene Bourgeoisie fesselt.

Die erste Linie bedeutet die Aktivierung der Proletarier der einzelnen Länder.

Die zweite Linie bedeutet die Schwächung des Willens des Proletariats zur Revolution, sie ist eine Linie der Passivität und des Abwartens.

Lenin hatte tausendmal Recht, als er folgende prophetische Worte schrieb, die direkt auf unsere jetzigen Meinungsverschiedenheiten zutreffen:

„Ich weiß, dass es natürlich Neunmalweise gibt, die sich für sehr gescheit halten und sich sogar Sozialisten nennen, die behaupten, man hätte die Macht nicht ergreifen dürfen, solange die Revolution nicht in allen Ländern ausgebrochen wäre. Diese Leute ahnen nicht, dass sie mit diesem Gerede der Revolution den Rücken kehren und auf die Seite der Bourgeoisie übergehen. Zu warten, bis die werktätigen Klassen die Revolution im internationalen Maßstab durchführen, hieße, dass alle in Erwartung zu erstarren hätten. Das ist Unsinn.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 27, S. 336, russ.)

Diese Worte Lenins darf man nicht vergessen.

2. Wie Sinowjew Lenin „bearbeitet“

Ich sprach von den Voraussetzungen der proletarischen Revolution in einzelnen kapitalistischen Ländern. Jetzt möchte ich einige Worte darüber sagen, wie Sinowjew den grundlegenden Artikel Lenins über die Voraussetzungen der proletarischen Revolution und über den Sieg des Sozialismus in einzelnen kapitalistischen Ländern entstellt beziehungsweise „bearbeitet“. Ich denke an Lenins bekannten Artikel „Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa“, der 1915 geschrieben und im Verlauf unserer Diskussionen wiederholt zitiert wurde. Sinowjew erhob gegen mich den Vorwurf, ich hätte diesen Artikel nicht vollständig zitiert; dabei bemüht er sich, diesem Artikel eine Auslegung zu geben, die nicht anders als eine völlige Entstellung von Lenins Auffassungen und dessen Grundlinie in der Frage des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern genannt werden kann. Gestatten Sie mir, dieses Zitat vollständig anzuführen, wobei ich mich bemühen werde, die Zeilen, die ich das vorige Mal wegen der Kürze der Zeit ausgelassen habe, hervorzuheben. Das Zitat lautet:

„Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt, dass der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist. Das siegreiche Proletariat dieses Landes würde sich nach Enteignung der Kapitalisten und nach Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenstellen und würde die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf seine Seite ziehen, in ihnen den Aufstand gegen die Kapitalisten entfachen und im Notfall sogar mit Waffengewalt gegen die Ausbeuterklassen und ihre Staaten vorgehen. Die politische Form der Gesellschaft, in der das Proletariat siegt, indem es die Bourgeoisie stürzt, wird die demokratische Republik sein, die die Kräfte des Proletariats der betreffenden Nation oder der betreffenden Nationen immer mehr zentralisiert im Kampfe gegen die Staaten, die noch nicht zum Sozialismus übergegangen sind. Die Aufhebung der Klassen ist unmöglich ohne die Diktatur der unterdrückten Klasse, des Proletariats. Die freie Vereinigung der Nationen im Sozialismus ist unmöglich ohne einen mehr oder weniger langwierigen, hartnäckigen Kampf der sozialistischen Republiken gegen die rückständigen Staaten.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 311 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. I, S. 753].)

Sinowjew führt dieses Zitat an und macht dabei zwei Bemerkungen: die erste über die demokratische Republik und die zweite über die Organisierung der sozialistischen Produktion.

Nehmen wir zunächst die erste Bemerkung. Sinowjew glaubt, dass es sich, wenn Lenin hier von der demokratischen Republik spricht, höchstens um die Machtergreifung durch das Proletariat handeln könne, wobei er die Unverschämtheit hatte, eine ziemlich nebelhafte, aber nachdrückliche Anspielung darauf zu machen, dass es sich bei Lenin hier wohl um die bürgerliche Republik handle. Ist das richtig? Natürlich nicht. Um diese nicht ganz saubere Anspielung Sinowjews zu widerlegen, braucht man nur die letzten Zeilen des Zitats zu lesen, wo vom „Kampf der sozialistischen Republiken gegen die rückständigen Staaten“ die Rede ist. Natürlich meinte Lenin, wenn er von der demokratischen Republik sprach, nicht die bürgerliche Republik, sondern die sozialistische Republik.

Lenin kannte im Jahre 1915 noch nicht die Sowjetmacht als Staatsform der Diktatur des Proletariats. Lenin wusste bereits im Jahre 1905, dass in der Periode des Sturzes des Zarismus einzelne Sowjets Keime einer revolutionären Macht bildeten. Aber die in staatlichem Maßstab vereinigte Sowjetmacht als Staatsform der Diktatur des Proletariats kannte er damals noch nicht. Die Republik der Sowjets als Staatsform der Diktatur des Proletariats entdeckte Lenin erst im Jahre 1917 und arbeitete die Frage dieser neuen Form der politischen Organisation der Übergangsgesellschaft im Sommer 1917 hauptsächlich in seinem Buch „Staat und Revolution“ detailliert aus.

Siehe W. I. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 25, S. 353-462 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 158-253].

Dadurch ist es eigentlich auch zu erklären, dass Lenin in dem angeführten Zitat nicht von der Sowjetrepublik spricht, sondern von der demokratischen Republik, worunter er, wie aus dem Zitat hervorgeht, die sozialistische Republik versteht. Lenin verfuhr hier ebenso wie seinerzeit Marx und Engels, die bis zur Pariser Kommune die Republik überhaupt für die Form der politischen Organisation der Übergangsgesellschaft vom Kapitalismus zum Sozialismus hielten, nach der Pariser Kommune aber diesen Begriff näher bestimmten und erklärten, dass diese Republik eine Republik vom Typus der Pariser Kommune sein müsse. Ich spreche schon gar nicht davon, dass Lenin, wenn er in dem angeführten Zitat die bürgerlich-demokratische Republik gemeint hätte, nicht von der „Diktatur des Proletariats“, der „Enteignung der Kapitalisten“ usw. gesprochen hätte.

Sie sehen, dass man Sinowjews Versuch, Lenin zu „bearbeiten“, nicht erfolgreich nennen kann.

Gehen wir zur zweiten Bemerkung Sinowjews über. Sinowjew versichert, dass man den Satz des Genossen Lenin über die „Organisierung der sozialistischen Produktion“ nicht so verstehen dürfe, wie ihn normale Menschen im allgemeinen verstehen müssen, sondern irgendwie anders, nämlich so, dass Lenin hier nur den Beginn der Organisierung der sozialistischen Produktion meinte. Weshalb, mit welchem Recht - das hat Sinowjew jedoch nicht erklärt. Erlauben Sie mir die Feststellung, dass Sinowjew hier abermals einen Versuch unternimmt, Lenin zu „bearbeiten“. In dem Zitat heißt es direkt, dass „das siegreiche Proletariat dieses Landes sich nach Enteignung der Kapitalisten und nach Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenstellen würde“. Hier heißt es „nach Organisierung“ und nicht „bei Organisierung“. Bedarf es noch eines Beweises, dass hier ein Unterschied besteht? Bedarf es noch eines Beweises, dass Lenin, hätte er nur den Beginn der Organisierung der sozialistischen Produktion gemeint, gesagt hätte, „bei Organisierung“ und nicht „nach Organisierung“? Also, Lenin meinte nicht nur den Beginn der Organisierung der sozialistischen Produktion, sondern auch die Möglichkeit, die sozialistische Produktion zu organisieren, die Möglichkeit, die sozialistische Produktion in einzelnen Ländern aufzubauen.

Sie sehen, dass man auch diesen zweiten Versuch Sinowjews, Lenin zu „bearbeiten“, für mehr als misslungen halten muss.

Sinowjew bemüht sich, diese seine Versuche der „Bearbeitung“ Lenins durch Witzeleien darüber zu verschleiern, dass man „den Sozialismus nicht mir nichts dir nichts durch ein Zauberwort in zwei Wochen oder in zwei Monaten aufbauen kann“. Ich fürchte, Sinowjew braucht diese Witzeleien, um „gute Miene zum bösen Spiel zu machen“. Wo hat denn Sinowjew Leute gefunden, die sich anschicken, den Sozialismus in zwei Wochen, in zwei Monaten oder in zwei Jahren aufzubauen? Warum nennt er diese Leute nicht, wenn sie überhaupt existieren? Er hat sie einfach deshalb nicht genannt, weil es solche Leute auf der Welt nicht gibt. Diese unbegründeten Witzeleien brauchte Sinowjew, um über seine „Arbeit“ zur „Bearbeitung“ Lenins und des Leninismus hinwegzutäuschen.

Also:

a) Ausgehend von dem Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus gelangte Lenin in seinem grundlegenden Artikel „Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa“ zu der Schlussfolgerung, dass der Sieg des Sozialismus in einzelnen kapitalistischen Ländern möglich ist;

b) unter dem Sieg des Sozialismus in einzelnen Ländern versteht Lenin die Machtergreifung durch das Proletariat, die Enteignung der Kapitalisten und die Organisierung der sozialistischen Produktion, wobei alle diese Aufgaben nicht Selbstzweck sind, sondern ein Mittel, um sich der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenzustellen und den Proletariern aller Länder in ihrem Kampf gegen den Kapitalismus zu helfen;

c) Sinowjew machte den Versuch, diese Lehrsätze des Leninismus zu verballhornen und Lenin entsprechend dem jetzigen halbmenschewistischen Standpunkt des Oppositionsblocks zu „bearbeiten“. Aber dieser Versuch erwies sich als Versuch mit untauglichen Mitteln.

Ich glaube, weitere Kommentare sind hier überflüssig.

 

 

 

III


DIE FRAGE DES AUFBAUS DES SOZIALISMUS
IN DER UdSSR

 

Genossen!

Gestatten Sie mir, jetzt zu der Frage des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR, in unserem Lande, überzugehen.

1. Die „Manöver“ der Opposition
und der „Nationalreformismus“ der Partei Lenins

Trotzki hat in seiner Rede erklärt, dass der größte Fehler Stalins die Theorie von der Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande, in unserem Lande, sei. Daraus folgt also, dass es sich nicht um die Theorie Lenins von der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande handelt, sondern um irgendeine, niemand bekannte „Theorie“ Stalins. Ich verstehe das so, dass sich Trotzki das Ziel gesetzt hat, den Kampf gegen die Theorie Lenins zu führen; da es aber riskant ist, einen offenen Kampf gegen Lenin zu führen, so hat er beschlossen, diesen Kampf unter dem Deckmantel des Kampfes gegen eine „Theorie“ Stalins aufzunehmen. Trotzki will sich dadurch den Kampf gegen den Leninismus erleichtern und maskiert diesen Kampf durch seine Kritik an der „Theorie“ Stalins. Dass sich die Sache gerade so verhält, dass Stalin damit gar nichts zu tun hat, dass von irgendeiner „Theorie“ Stalins gar keine Rede sein kann, dass Stalin niemals Anspruch erhoben hat auf irgend etwas Neues auf dem Gebiet der Theorie, sondern nur bestrebt war, dem Leninismus, entgegen den revisionistischen Anstrengungen Trotzkis, in unserer Partei zum vollen Triumph zu verhelfen - das werde ich später zu beweisen versuchen. Zunächst stellen wir fest, dass Trotzkis Erklärung über eine „Theorie“ Stalins ein Manöver, ein Winkelzug, ein feiger und ungeschickter Winkelzug ist, der darauf berechnet ist, seinen Kampf gegen die Leninsche Theorie vom Sieg des Sozialismus in einzelnen Ländern zu verschleiern, einen Kampf, dessen Beginn auf das Jahr 1915 zurückgeht und der bis in unsere Tage fortdauert. Ob diese Methode Trotzkis ein Zeichen ehrlicher Polemik ist - darüber mögen die Genossen selber urteilen.

Den Ausgangspunkt für die Beschlüsse unserer Partei in der Frage der Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande bilden die bekannten programmatischen Werke des Genossen Lenin. In diesen Werken Lenins heißt es, dass der Sieg des Sozialismus in einzelnen Ländern unter den Bedingungen des Imperialismus möglich ist, dass der Sieg der Diktatur des Proletariats bei der Lösung des ökonomischen Problems dieser Diktatur gewährleistet ist, dass wir, die Proletarier der UdSSR, alles besitzen, was zur Errichtung der vollendeten sozialistischen Gesellschaft notwendig und hinreichend ist.

Ich habe soeben ein Zitat aus dem bekannten Artikel Lenins angeführt, in dem er zum erstenmal die Frage nach der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern aufwarf, und werde es deshalb hier nicht wiederholen. Dieser Artikel wurde im Jahre 1915 geschrieben. In diesem Artikel heißt es, dass der Sieg des Sozialismus in einzelnen Ländern, die Machtergreifung durch das Proletariat, die Enteignung der Kapitalisten und die Organisierung der sozialistischen Produktion möglich sind. Bekanntlich hat Trotzki gleich damals, in dem gleichen Jahr 1915, gegen diesen Artikel Lenins in der Presse polemisiert und die Leninsche Theorie des Sozialismus in einem Lande als eine Theorie der „nationalen Beschränktheit“ bezeichnet.

Es fragt sich, was hat das mit einer „Theorie“ Stalins zu tun?

Weiter habe ich in meinem Referat ein Zitat aus dem bekannten Werk Lenins „Ökonomik und Politik in der Epoche der Diktatur des Proletariats“ angeführt, in dem direkt und eindeutig davon gesprochen wird, dass man den Sieg des Proletariats der UdSSR im Sinne der Lösung des ökonomischen Problems der Diktatur des Proletariats als gesichert ansehen muss. Diese Arbeit Lenins wurde 1919 geschrieben. Das Zitat lautet:

„Wie die Bourgeois aller Länder und ihre offenen und verkappten Helfershelfer (die ‚Sozialisten’ der II. Internationale) auch lügen und uns verleumden mögen, eines bleibt zweifellos: Vom Standpunkt des ökonomischen Hauptproblems der Diktatur des Proletariats ist bei uns der Sieg des Kommunismus über den Kapitalismus gesichert. Die Bourgeoisie der ganzen Welt tobt und wütet ja gerade darum gegen den Bolschewismus, organisiert militärische Invasionen, Verschwörungen und ähnliches gegen die Bolschewiki, weil sie ausgezeichnet versteht, dass unser Sieg beim Umbau der gesellschaftlichen Wirtschaft unvermeidlich ist, wenn man uns nicht durch militärische Gewalt erdrückt. Und uns auf diese Weise zu erdrücken, gelingt ihr nicht.“‘ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 30, S. 90 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S.618].)

Sie sehen, dass Lenin hier direkt von der Möglichkeit des Sieges des Proletariats der UdSSR beim Umbau der gesellschaftlichen Wirtschaft, bei der Lösung des ökonomischen Problems der Diktatur des Proletariats spricht.

Bekanntlich sind Trotzki und die Opposition in ihrer Gesamtheit mit den in diesem Zitat enthaltenen grundlegenden Thesen nicht einverstanden. Es fragt sich, was hat das mit einer „Theorie“ Stalins zu tun?

Ich habe schließlich ein Zitat aus der bekannten Schrift Lenins „über das Genossenschaftswesen“ angeführt, die im Jahre 1923 geschrieben wurde. In diesem Zitat heißt es:

„In der Tat, die Verfügungsgewalt des Staates über alle großen Produktionsmittel, die Staatsmacht in den Händen des Proletariats, das Bündnis dieses Proletariats mit den vielen Millionen Klein- und Zwergbauern, die Sicherung der Führerstellung dieses Proletariats gegenüber der Bauernschaft usw. - ist das nicht alles, was notwendig ist, um aus den Genossenschaften, allein aus den Genossenschaften, die wir früher geringschätzig als Krämerei behandelt haben und die wir in gewisser Hinsicht jetzt, unter der NÖP, ebenso zu behandeln berechtigt sind, ist das nicht alles, was notwendig ist, um die vollendete sozialistische Gesellschaft zu errichten? Das ist noch nicht die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft, aber es ist alles, was zu dieser Errichtung notwendig und hinreichend ist.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 33, S. 428 [deutsch in „Ausgewählte Werke“ in zwei Bänden, Bd. II, S. 989].)

Sie sehen, dass dieses Zitat keinerlei Zweifel darüber lässt, dass die Errichtung des Sozialismus in unserem Lande möglich ist.

Sie sehen, dass in diesem Zitat die Hauptfaktoren der Errichtung der sozialistischen Wirtschaft in unserem Lande aufgezählt werden: die proletarische Staatsmacht, die Großproduktion in den Händen der proletarischen Staatsmacht, das Bündnis des Proletariats und der Bauernschaft, die führende Rolle des Proletariats in diesem Bündnis, die Genossenschaften.

Trotzki versuchte unlängst auf der XV. Konferenz der KPdSU(B), diesem Zitat ein anderes Zitat aus Lenins Werken entgegenzustellen, das Zitat, in dem es heißt: „Kommunismus - das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 31, S. 484, russ.) Aber diese Zitate einander entgegenstellen heißt den Grundgedanken von Lenins Schrift „Über das Genossenschaftswesen“ entstellen. Ist etwa die Elektrifizierung kein Bestandteil der Großproduktion, und ist sie etwa in unserem Lande überhaupt möglich ohne eine in den Händen der proletarischen Staatsmacht konzentrierte Großproduktion? Ist es nicht klar, dass Lenins Worte über die Großproduktion in seiner Schrift „Über das Genossenschaftswesen“ auch die Elektrifizierung als einen der Faktoren des Aufbaus des Sozialismus einschließen?

Bekanntlich führt die Opposition einen mehr oder weniger offenen, meist aber versteckten Kampf gegen die grundlegenden Thesen, die in diesem Zitat aus Lenins Schrift „Über das Genossenschaftswesen“ enthalten sind.

Es fragt sich, was hat das mit einer „Theorie“ Stalins zu tun?

Das sind die grundlegenden Thesen des Leninismus über die Frage des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande.

Die Partei vertritt den Standpunkt, dass zu diesen Thesen des Leninismus die bekannten Thesen Trotzkis und des Oppositionsblocks in schärfstem Widerspruch stehen, die besagen, dass „der Aufbau des Sozialismus im national-staatlichen Rahmen unmöglich ist“, dass „die Theorie des Sozialismus in einem Lande eine theoretische Rechtfertigung der nationalen Beschränktheit ist“, dass „ohne direkte staatliche Unterstützung durch das europäische Proletariat die Arbeiterklasse Rußlands nicht imstande sein wird, die Macht zu behaupten“ (Trotzki).

Die Partei vertritt den Standpunkt, dass diese Thesen des Oppositionsblocks ein Ausdruck der sozialdemokratischen Abweichung innerhalb unserer Partei sind.

Die Partei vertritt den Standpunkt, dass die Formel Trotzkis von der „direkten staatlichen Unterstützung durch das europäische Proletariat“ den völligen Bruch mit dem Leninismus bedeutet. Denn was bedeutet es, den Aufbau des Sozialismus in unserem Lande abhängig zu machen von der „direkten staatlichen Unterstützung durch das europäische Proletariat“? Wie nun, wenn es dem europäischen Proletariat in den nächsten Jahren nicht gelingt, die Macht zu ergreifen? Kann sich unsere Revolution auf unbestimmte Zeit hinaus im Leerlauf drehen, in Erwartung des Sieges der Revolution im Westen? Kann man darauf rechnen, dass die Bourgeoisie unseres Landes damit einverstanden sein wird, den Sieg der Revolution im Westen abzuwarten, und dass sie auf ihre Arbeit und ihren Kampf gegen die sozialistischen Elemente unserer Wirtschaft verzichten wird? Ergibt sich nicht aus dieser Formel Trotzkis im Falle einer Verzögerung der siegreichen Revolution im Westen die Perspektive einer allmählichen Auslieferung unserer Positionen an die kapitalistischen Elemente unserer Wirtschaft und weiterhin die Perspektive des Verzichts unserer Partei auf die Macht?

Ist es nicht klar, dass wir es hier mit zwei grundverschiedenen Linien zu tun haben, von denen die eine die Linie der Partei und des Leninismus, die andere aber die Linie der Opposition und des Trotzkismus ist?

Ich fragte Trotzki in meinem Referat und wiederhole diese Frage: Stimmt es etwa nicht, dass Trotzki die Theorie Lenins von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern im Jahre 1915 als eine Theorie der „nationalen Beschränktheit“ qualifiziert hat? Ich habe aber keine Antwort erhalten. Weshalb? Ist etwa die Pose des Schweigens ein Zeichen von Mannhaftigkeit in der Polemik?

Weiter fragte ich Trotzki und wiederhole diese Frage: Stimmt es etwa nicht, dass er die gegen die Theorie vom Aufbau des Sozialismus erhobene Beschuldigung der „nationalen Beschränktheit“ noch ganz unlängst, im September 1926, in seinem bekannten an die Opposition gerichteten Dokument wiederholt hat? Aber auch diesmal erhielt ich keine Antwort. Weshalb? Nicht vielleicht deshalb, weil die Pose des Schweigens bei Trotzki ebenfalls eine Art „Manöver“ ist?

Was beweist das alles?

Das beweist, dass Trotzki in der grundlegenden Frage, in der Frage des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande, auf seinen alten Positionen des Kampfes gegen den Leninismus verharrt.

Das beweist, dass Trotzki, der nicht den Mut aufbringt, offen gegen den Leninismus aufzutreten, diesen seinen Kampf mit der Kritik an einer nicht vorhandenen „Theorie“ Stalins zu verschleiern sucht.

Gehen wir zu einem anderen „Manövristen“ über, zu Kamenew. Er ist offenbar von Trotzki angesteckt und hat ebenfalls zu manövrieren begonnen. Aber bei ihm ist das Manöver gröber ausgefallen als bei Trotzki. Während Trotzki nur Stalin zu beschuldigen versuchte, hat Kamenew kurzerhand die ganze Partei beschuldigt und behauptet, dass sie, das heißt die Partei, „die internationale revolutionäre Perspektive mit einer nationalreformistischen Perspektive vertauscht“. Wie gefällt Ihnen das: Unsere Partei vertauscht, wie sich herausstellt, die internationale revolutionäre Perspektive mit einer nationalreformistischen Perspektive. Da unsere Partei aber die Partei Lenins ist, da sie sich in ihren Beschlüssen zur Frage des Aufbaus des Sozialismus voll und ganz auf die bekannten Thesen Lenins stützt, so folgt, dass die Leninsche Theorie vom Aufbau des Sozialismus eine Theorie des Nationalreformismus ist. Lenin - „ein Nationalreformist“, - solchen Blödsinn tischt uns Kamenew auf.

Hat unsere Partei irgendwelche Beschlüsse zur Frage des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande gefasst? Ja, sie hat solche Beschlüsse gefasst, und zwar ganz eindeutige Beschlüsse. Wann wurden diese Beschlüsse von der Partei gefasst? Sie wurden auf der XIV. Konferenz unserer Partei im April 1925 gefasst. Ich denke an die bekannte Resolution der XIV. Parteikonferenz über die Arbeit des EKKI und den sozialistischen Aufbau in unserem Lande. Ist diese Resolution eine leninistische Resolution? Ja, sie ist es, denn dafür können uns so kompetente Leute bürgen wie Sinowjew, der auf der XIV. Parteikonferenz ein Referat hielt zur Verteidigung dieser Resolution, und Kamenew, der auf dieser Konferenz den Vorsitz führte und für diese Resolution stimmte.

Warum haben Kamenew und Sinowjew dann nicht versucht, die Partei des Widerspruchs zu überführen, des Abweichens von der Resolution der XIV. Parteikonferenz zu der Frage des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande, die bekanntlich einstimmig angenommen wurde?

Was wäre wohl einfacher: In der Partei gibt es eine besondere Resolution zur Frage des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande; Kamenew und Sinowjew haben für diese Resolution gestimmt, sie beide beschuldigen jetzt die Partei des Nationalreformismus - warum gehen sie nun bei ihrer Argumentation nicht von einem so wichtigen Parteidokument wie der Resolution der XIV. Parteikonferenz aus, die den Aufbau des Sozialismus in unserem Lande behandelt und die offensichtlich von Anfang bis zu Ende eine leninistische Resolution ist?

Haben Sie darauf geachtet, wie die Opposition überhaupt, besonders aber Kamenew, um die Resolution der XIV. Parteikonferenz herumging wie die Katze um den heißen Brei? (Heiterkeit.) Warum haben sie solche Angst vor der Resolution der XIV. Parteikonferenz, die zu dem Referat Sinowjews unter aktiver Mitwirkung Kamenews angenommen wurde? Weshalb haben Kamenew und Sinowjew Angst, diese Resolution auch nur flüchtig zu erwähnen? Behandelt diese Resolution etwa nicht den Aufbau des Sozialismus in unserem Lande? Ist die Frage des Aufbaus des Sozialismus etwa nicht die wesentlichste Streitfrage unserer Diskussion?

Worum geht es hier also?

Es geht eben darum, dass Kamenew und Sinowjew, die im Jahre 1925 für die Resolution der XIV. Parteikonferenz waren, sich in der Folge von dieser Resolution, also vom Leninismus, losgesagt haben, zum Trotzkismus übergegangen sind und jetzt Angst haben, diese Resolution auch nur flüchtig zu streifen, da sie fürchten, entlarvt zu werden.

Wovon handelt diese Resolution?

Hier ein Zitat aus dieser Resolution:

„Überhaupt ist der Sieg des Sozialismus (nicht im Sinne eines endgültigen Sieges) in einem Lande unbedingt möglich.“

Und weiter:

„...Das Bestehen zweier diametral entgegengesetzter gesellschaftlicher Systeme ruft die ständige Gefahr der kapitalistischen Blockade, anderer Formen des ökonomischen Druckes, der bewaffneten Intervention und der Restauration hervor. Die einzige Garantie für den endgültigen Sieg des Sozialismus, das heißt die Garantie gegen die Restauration, ist folglich die siegreiche sozialistische Revolution in einer Reihe von Ländern. Daraus folgt keineswegs, dass die Errichtung der vollendeten sozialistischen Gesellschaft in einem so rückständigen Lande wie Rußland ohne ‚staatliche Hilfe’ (Trotzki) der in technischer und ökonomischer Hinsicht entwickelteren Länder unmöglich sei. Ein Bestandteil der trotzkistischen Theorie der permanenten Revolution ist die Behauptung, dass ‚ein wirklicher Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft in Rußland erst nach dem Siege des Proletariats in den wichtigsten Ländern Europas möglich sein wird’ (Trotzki 1922) - eine Behauptung, die das Proletariat der UdSSR in der jetzigen Periode zu fatalistischer Passivität verurteilt. Gegen derartige ‚Theorien’ schrieb Genosse Lenin: ‚Unendlich schablonenhaft ist ihr Argument, das sie im Verlauf der Entwicklung der westeuropäischen Sozialdemokratie auswendig gelernt haben und das darin besteht, dass wir für den Sozialismus noch nicht reif seien, dass uns, wie sich die verschiedenen „gelehrten“ Herren unter ihnen ausdrücken, die objektiven ökonomischen Voraussetzungen für den Sozialismus fehlen.’“ (Aufzeichnungen über Suchanow.) (Resolution der XIV. Konferenz der KPR(B) „Über die Aufgaben der Komintern und der KPR(B) im Zusammenhang mit dem erweiterten Plenum des EKKI“.)

Siehe „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil II, 1941, S.25-31 (russ.).

 

Sie sehen, dass die Resolution der XIV. Parteikonferenz eine genaue Darlegung der grundlegenden Thesen des Leninismus über die Frage der Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande gibt.

Sie sehen, dass der Trotzkismus in der Resolution als etwas dem Leninismus Entgegengesetztes qualifiziert wird und dass eine Reihe von Thesen der Resolution von der direkten Verneinung der Grundlagen des Trotzkismus ausgeht.

Sie sehen, dass die Resolution voll und ganz den Streit widerspiegelt, der jetzt von neuem über die Frage der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft in unserem Lande entbrannt ist.

Sie wissen, dass mein Referat sich auf den Leitsätzen dieser Resolution aufbaute.

Sie erinnern sich wahrscheinlich, dass ich in meinem Referat die Resolution der XIV. Parteikonferenz besonders erwähnte und gegen Kamenew und Sinowjew die Beschuldigung erhob, dass sie diese Resolution verletzt, dass sie sich von dieser Resolution abgekehrt haben.

Weshalb haben Kamenew und Sinowjew nicht versucht, diese Beschuldigung zu widerlegen?

Worin liegt hier das Geheimnis?

Das Geheimnis liegt darin, dass Kamenew und Sinowjew sich bereits längst von dieser Resolution losgesagt haben, sie haben sich von ihr losgesagt und sind zum Trotzkismus übergegangen.

Denn eins von beiden:

Entweder ist die Resolution der XIV. Parteikonferenz keine leninistische Resolution - dann waren Kamenew und Sinowjew, die für diese Resolution gestimmt haben, keine Leninisten;

oder sie ist eine leninistische Resolution - dann haben Kamenew und Sinowjew, die mit dieser Resolution gebrochen haben, aufgehört, Leninisten zu sein.

Einige Redner haben hier davon gesprochen (unter ihnen, glaube ich, auch Riese), dass nicht Sinowjew und Kamenew zum Trotzkismus übergegangen seien, sondern im Gegenteil Trotzki zu Sinowjew und Kamenew. Das ist alles Unsinn, Genossen. Die Tatsache, dass sich Kamenew und Sinowjew von der Resolution der XIV. Parteikonferenz losgesagt haben, ist ein direkter Beweis dafür, dass gerade Kamenew und Sinowjew zum Trotzkismus übergegangen sind.

Also:

Wer hat sich in der Frage des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR von der leninistischen Linie losgesagt, die in der Resolution der XIV. Konferenz der KPR(B) formuliert worden ist?

Offensichtlich Kamenew und Sinowjew.

Wer hat „die internationale revolutionäre Perspektive“ mit dem Trotzkismus „vertauscht“?

Offensichtlich Kamenew und Sinowjew.

Wenn Kamenew jetzt ein großes Geschrei erhebt über den „Nationalreformismus“ unserer Partei, so deshalb, weil er dadurch die Aufmerksamkeit der Genossen von seinem Sündenfall ablenken und seine Schuld auf andere abwälzen will.

Das ist der Grund dafür, warum Kamenews „Manöver“ in Bezug auf den „Nationalreformismus“ unserer Partei ein Winkelzug ist, ein hässlicher und grober Winkelzug, darauf berechnet, durch das Geschrei über den „Nationalreformismus“ unserer Partei zu verdecken, dass man sich selbst von der Resolution der XIV. Parteikonferenz losgesagt hat, dass man sich vom Leninismus losgesagt hat, dass man zum Trotzkismus übergegangen ist.

2. Wir sind dabei, die ökonomische Basis des Sozialismus in der UdSSR
aufzubauen, und wir können sie vollständig aufbauen

Ich sagte in meinem Referat, dass die politische Basis des Sozialismus bei uns bereits geschaffen ist - das ist die Diktatur des Proletariats. Ich sagte, dass die ökonomische Basis des Sozialismus noch längst nicht geschaffen ist und dass man sie noch schaffen muss. Ich sagte weiter, dass deshalb die Frage so steht: Können wir aus eigener Kraft die ökonomische Basis des Sozialismus in unserem Lande errichten? Ich sagte schließlich, dass diese Frage, wenn man sie in die Klassensprache übersetzt, folgende Form annimmt: Können wir aus eigener Kraft unsere, die sowjetische, Bourgeoisie überwinden?

Trotzki behauptet in seiner Rede, ich hätte mit der Überwindung der Bourgeoisie der UdSSR deren politische Überwindung gemeint. Das stimmt natürlich nicht. Da ist Trotzkis Fraktionsgeist mit ihm durchgegangen. Aus meinem Referat geht hervor, dass ich mit der Überwindung der Bourgeoisie der UdSSR deren ökonomische Überwindung meinte, denn politisch ist die Bourgeoisie bereits überwunden.

Was heißt die Bourgeoisie der UdSSR ökonomisch überwinden? Oder mit anderen Worten: Was heißt die ökonomische Basis des Sozialismus in der UdSSR schaffen?

„Die ökonomische Basis des Sozialismus schaffen heißt die Landwirtschaft mit der sozialistischen Industrie zu einem wirtschaftlichen Ganzen zusammenschließen, die Landwirtschaft der Führung der sozialistischen Industrie unterstellen, die Beziehungen zwischen Stadt und Land auf der Grundlage des Austauschs von landwirtschaftlichen Produkten und Industrieerzeugnissen regeln, heißt alle jene Kanäle schließen und liquidieren, mit deren Hilfe Klassen entstehen und vor allem Kapital entsteht, und letzten Endes derartige Produktions- und Distributionsbedingungen schaffen, die direkt und unmittelbar zur Aufhebung der Klassen führen.“ (Siehe das Referat Stalins auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI.)

So habe ich in meinem Referat das Wesen der ökonomischen Basis des Sozialismus in der UdSSR definiert.

Diese Definition ist eine genaue Wiedergabe der Definition „ökonomisches Wesen“, „ökonomische Basis“ des Sozialismus, die Lenin in dem bekannten Entwurf zu seiner Schrift „Über die Naturalsteuer“ gegeben hat.

Gemeint ist „Plan und Konspekte für die Broschüre ‚Über die Naturalsteuer’“. (Siehe W. 1. Lenin, „Werke“, 4. Ausgabe, Bd. 32, S.299-307, russ.)

Ist diese Definition richtig, und können wir auf die Möglichkeit der Errichtung der ökonomischen Basis des Sozialismus in unserem Lande rechnen - das ist jetzt die Grundfrage unserer Meinungsverschiedenheiten.

Trotzki hat diese Frage nicht einmal gestreift. Er hat sie einfach umgangen, offenbar in der Annahme, es sei klüger, zu schweigen.

Dass wir dabei sind, die ökonomische Basis des Sozialismus aufzubauen, und dass wir sie vollständig aufbauen können, das sieht man aber schon daraus, dass:

a) unsere sozialisierte Produktion eine zusammengefasste Großproduktion ist, während die nicht nationalisierte Produktion in unserem Lande eine zersplitterte Kleinproduktion ist, wobei bekanntlich der Vorzug der Großproduktion, dazu noch der zusammengefassten Großproduktion, vor der Kleinproduktion eine unbestreitbare Tatsache ist;

b) unsere sozialisierte Produktion bereits die Kleinproduktion führt und sie sich zu unterwerfen beginnt, ganz gleich, ob es sich um die städtische Kleinproduktion handelt oder um die ländliche;

c) an der Front des Kampfes der sozialistischen Elemente unserer Wirtschaft gegen die kapitalistischen Elemente die ersten zweifellos das Übergewicht über die zweiten haben und sich Schritt für Schritt vorwärts bewegen, indem sie die kapitalistischen Elemente unserer Wirtschaft sowohl auf dem Gebiet der Produktion als auch auf dem Gebiet der Zirkulation überwinden.

Ich spreche schon gar nicht von den anderen Faktoren, die zum Siege der sozialistischen Elemente unserer Wirtschaft über die kapitalistischen Elemente führen.

Welchen Grund haben wir anzunehmen, dass sich der Prozess der Überwindung der kapitalistischen Elemente unserer Wirtschaft nicht auch weiterhin fortsetzen wird?

Trotzki sagte in seiner Rede:

„Stalin sagt, dass wir den Aufbau des Sozialismus durchführen, das heißt, dass wir die Klassen und den Staat aufzuheben suchen, das heißt, dass wir unsere Bourgeoisie überwinden. Ja, Genossen, aber der Staat braucht doch eine Armee gegen die äußeren Feinde“. (Ich zitiere nach dem Stenogramm. J. St.)

Was bedeutet das? Was ist der Sinn dieses Zitats? Aus diesem Zitat kann man nur eine Schlussfolgerung ziehen: Da die Errichtung der ökonomischen Basis des Sozialismus die Aufhebung der Klassen und des Staates bedeutet und da wir die Armee immerhin für die Verteidigung des sozialistischen Vaterlands brauchen, während eine Armee ohne Staat unmöglich ist (wie Trotzki annimmt) - so ergibt sich, dass wir die ökonomische Basis des Sozialismus so lange nicht errichten können, wie die Notwendigkeit der bewaffneten Verteidigung des sozialistischen Vaterlands noch besteht.

Genossen, das ist eine völlige Begriffsverwirrung. Entweder versteht man hier unter Staat einfach den Apparat der bewaffneten Verteidigung der sozialistischen Gesellschaft, was absurd ist, denn der Staat ist vor allen Dingen das Werkzeug einer Klasse gegen andere Klassen, wobei es selbstverständlich, sobald es keine Klassen mehr gibt, auch keinen Staat geben kann. Oder hier ist gemeint, dass die Armee zur Verteidigung der sozialistischen Gesellschaft ohne Vorhandensein des Staates unmöglich ist, was wiederum absurd ist, denn theoretisch ist sehr wohl ein Zustand der Gesellschaft denkbar, in dem es keine Klassen und keinen Staat gibt, wohl aber ein bewaffnetes Volk, das seine klassenlose Gesellschaft gegen äußere Feinde verteidigt. Die Soziologie liefert uns nicht wenig Beispiele dafür, dass es in der Menschheitsgeschichte Gesellschaften gegeben hat, die keine Klassen, keinen Staat hatten, sich aber in der einen oder anderen Weise gegen äußere Feinde verteidigten. Dasselbe ist von der künftigen klassenlosen Gesellschaft zu sagen, die, obwohl ohne Klassen und ohne Staat, doch eine sozialistische Miliz haben kann, die für die Verteidigung gegen äußere Feinde notwendig ist. Ich halte es für wenig wahrscheinlich, dass es bei uns dazu kommen könnte, denn es unterliegt keinem Zweifel, dass die Erfolge des sozialistischen Aufbaus in unserem Lande und um so mehr der Sieg des Sozialismus und die Aufhebung der Klassen - dass dies Tatsachen von welthistorischer Bedeutung sind, die einen gewaltigen Drang der Proletarier der kapitalistischen Länder zum Sozialismus, die revolutionäre Explosionen in anderen Ländern hervorrufen müssen. Theoretisch aber ist ein Zustand der Gesellschaft durchaus denkbar, in dem das Bestehen einer sozialistischen Miliz ohne das Vorhandensein von Klassen und Staat vorstellbar ist.

Übrigens ist diese Frage bis zu einem gewissen Grade im Programm unserer Partei beleuchtet worden. Dort heißt es:

„Die Rote Armee muss als Werkzeug der proletarischen Diktatur notwendigerweise einen offenen Klassencharakter tragen, das heißt sich ausschließlich aus dem Proletariat und den ihm nahe stehenden halbproletarischen Schichten der Bauernschaft formieren. Erst mit der Aufhebung der Klassen wird sich eine solche Klassenarmee in eine sozialistische Miliz des ganzen Volkes verwandeln.“ (Siehe Programm der KPdSU(B).)

Siehe „Die KPdSU(B) in Resolutionen und Beschlüssen der Parteitage, Parteikonferenzen und Plenartagungen des ZK“, Teil I, 1941, S. 281-295 (russ.)

Trotzki hat offenbar diesen Punkt unseres Programms vergessen. Trotzki sprach in seiner Rede von der Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft von der kapitalistischen Weltwirtschaft und versicherte, dass „wir von dem isolierten Kriegskommunismus immer mehr und mehr zu einem Verwachsen mit der Weltwirtschaft kommen“.

Danach würde also unsere Volkswirtschaft, in der kapitalistische und sozialistische Elemente miteinander ringen, mit der kapitalistischen Weltwirtschaft verwachsen. Ich sage kapitalistische Weltwirtschaft, da eine andere Weltwirtschaft gegenwärtig nicht existiert.

Das stimmt nicht, Genossen. Das ist absurd. Da ist Trotzkis Fraktionsgeist mit ihm durchgegangen.

Niemand bestreitet, dass unsere Volkswirtschaft von der kapitalistischen Weltwirtschaft abhängig ist. Das wurde und wird von niemand bestritten, ebensowenig wie jemand bestreitet, dass jedes Land und jede Volkswirtschaft, auch die amerikanische Volkswirtschaft, von der kapitalistischen Weltwirtschaft abhängig ist. Aber das ist eine gegenseitige Abhängigkeit. Nicht nur unsere Wirtschaft ist von den kapitalistischen Ländern abhängig, sondern die kapitalistischen Länder sind auch von unserer Wirtschaft, von unserem Erdöl, unserem Getreide, unserem Holz und schließlich von unserem gewaltigen Markt abhängig. Wir bekommen Kredite, sagen wir einmal, von der „Standard Oil“. Wir bekommen Kredite von deutschen Kapitalisten. Aber wir bekommen sie nicht um unserer schönen Augen willen, sondern weil die kapitalistischen Länder unser Erdöl, unser Getreide brauchen, weil sie unsern Markt für den Absatz von Maschinen brauchen. Man darf nicht vergessen, dass unser Land ein Sechstel der Erde umfasst, einen gewaltigen Absatzmarkt darstellt und dass die kapitalistischen Länder ohne diese oder jene Verbindung mit unserem Markt nicht auskommen können. All das drückt die Abhängigkeit der kapitalistischen Länder von unserer Wirtschaft aus. Es besteht hier eine gegenseitige Abhängigkeit.

Bedeutet das, dass die Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft von den kapitalistischen Ländern die Möglichkeit der Errichtung der sozialistischen Wirtschaft in unserem Lande ausschließt? Natürlich nicht. Die sozialistische Wirtschaft als absolut abgekapselt und von der Volkswirtschaft der sie umgebenden Länder absolut unabhängig hinstellen - ist eine Dummheit. Kann man behaupten, dass die sozialistische Wirtschaft absolut keinen Export und keinen Import haben wird, dass sie im Lande nicht vorhandene Erzeugnisse nicht einführen und im Zusammenhang hiermit eigene Erzeugnisse nicht ausführen wird? Nein, das kann man nicht behaupten. Was aber ist Export und Import? Es ist ein Ausdruck der Abhängigkeit der einen Länder von den anderen. Es ist ein Ausdruck der gegenseitigen ökonomischen Abhängigkeit.

Das gleiche gilt für die kapitalistischen Länder unserer Zeit. Sie können sich kein einziges Land ohne Export und Import vorstellen. Nehmen wir Amerika, das reichste Land der Welt. Kann man sagen, dass die gegenwärtigen kapitalistischen Staaten, sagen wir England oder Amerika, absolut unabhängige Länder sind? Nein, das kann man nicht. Warum? Weil sie vom Export und Import abhängig sind, weil sie von den Rohstoffen anderer Länder abhängig sind (Amerika zum Beispiel von Kautschuk und anderen Rohstoffen), weil sie von den Absatzmärkten abhängig sind, auf denen sie ihre Maschinen und sonstigen Fertigwaren absetzen.

Bedeutet das, dass es eine selbständige Volkswirtschaft in den einzelnen Ländern nicht geben kann, da es keine absolut unabhängigen Länder gibt? Nein, das bedeutet es nicht. Unser Land ist von anderen Ländern ebenso abhängig wie die anderen Länder von unserer Volkswirtschaft. Das bedeutet aber noch nicht, dass unser Land damit seine Selbständigkeit verloren hat oder verliert, dass es seine Selbständigkeit nicht behaupten kann, dass es sich in ein Schräubchen der internationalen kapitalistischen Wirtschaft verwandeln muss. Man muss unterscheiden zwischen der Abhängigkeit der einzelnen Länder voneinander und der ökonomischen Selbständigkeit dieser Länder. Wenn man die absolute Unabhängigkeit der einzelnen volkswirtschaftlichen Einheiten verneint, so bedeutet das noch nicht und kann es nicht bedeuten, dass die ökonomische Selbständigkeit dieser Einheiten verneint wird.

Trotzki aber spricht nicht nur von der Abhängigkeit unserer Volkswirtschaft. Er verwandelt diese Abhängigkeit in ein Verwachsen unserer Wirtschaft mit der kapitalistischen Weltwirtschaft. Was aber bedeutet ein Verwachsen unserer Volkswirtschaft mit der kapitalistischen Weltwirtschaft? Das bedeutet ihre Verwandlung in ein Anhängsel des Weltkapitalismus. Ist aber unser Land etwa ein Anhängsel des Weltkapitalismus? Natürlich nicht! Das ist dummes Zeug, Genossen. Das ist nicht ernst zu nehmen.

Wenn das richtig wäre, dann hätten wir überhaupt keine Möglichkeit, unsere sozialistische Industrie, unser Außenhandelsmonopol, unser nationalisiertes Verkehrswesen, unser nationalisiertes Kreditwesen, unsere planmäßige Wirtschaftsführung zu behaupten.

Wenn das richtig wäre, dann befänden wir uns bereits auf dem Wege, der zur Entartung unserer sozialistischen Industrie und zu ihrer Verwandlung in eine gewöhnliche kapitalistische Industrie führt.

Wenn das richtig wäre, dann hätten wir keine Erfolge an der Front des Kampfes der sozialistischen Elemente unserer Wirtschaft gegen die kapitalistischen Elemente zu verzeichnen.

Trotzki sagte in seiner Rede, dass „wir in Wirklichkeit dauernd unter der Kontrolle der Weltwirtschaft stehen werden“.

Danach würde sich also unsere Volkswirtschaft unter der Kontrolle der kapitalistischen Weltwirtschaft entwickeln, denn eine andere Weltwirtschaft als die kapitalistische existiert gegenwärtig nicht.

Ist das richtig? Nein, das ist nicht richtig. Das ist ein Traum der kapitalistischen Haie, der niemals in Erfüllung gehen wird.

Was bedeutet Kontrolle durch die kapitalistische Weltwirtschaft? Kontrolle im Munde der Kapitalisten ist kein leeres Wort. Kontrolle im Munde der Kapitalisten ist etwas durchaus Reales.

Kapitalistische Kontrolle heißt vor allen Dingen Finanzkontrolle. Aber sind unsere Banken etwa nicht nationalisiert, arbeiten sie vielleicht unter der Leitung der europäischen kapitalistischen Banken? Finanzkontrolle heißt Errichtung von Filialen der großen kapitalistischen Banken in unserem Lande, heißt Bildung so genannter „Tochter“banken. Aber gibt es etwa bei uns solche Banken? Natürlich nicht! Und es gibt sie nicht nur nicht, sondern es wird sie auch niemals geben, solange es eine Sowjetmacht gibt.

Kapitalistische Kontrolle heißt Kontrolle über unsere Industrie, Denationalisierung unserer sozialistischen Industrie, Denationalisierung unseres Verkehrswesens. Ist aber unsere Industrie etwa nicht nationalisiert, und entwickelt sie sich etwa nicht gerade als nationalisierte Industrie? Schickt sich etwa irgendjemand an, auch nur einen der nationalisierten Betriebe zu denationalisieren? Ich weiß natürlich nicht, was man dort im Konzessionskomitee bei Trotzki für Absichten hat. (Heiterkeit.) Dass aber, solange es eine Sowjetmacht gibt, Denationalisatoren in unserem Lande nicht existieren können - daran brauchen Sie nicht zu zweifeln.

Kapitalistische Kontrolle heißt Verfügungsrecht über unseren Markt, heißt Liquidierung des Außenhandelsmonopols. Ich weiß, dass die Kapitalisten des Westens wiederholt mit dem Kopf gegen die Wand gerannt sind und versucht haben, den Panzer des Außenhandelsmonopols zu durchbrechen. Es ist bekannt, dass das Außenhandelsmonopol Schirm und Schutz für unsere junge sozialistische Industrie ist. Haben aber die Kapitalisten etwa in Bezug auf die Aufhebung des Außenhandelsmonopols Erfolge erzielen können? Ist es etwa schwer zu begreifen, dass das Außenhandelsmonopol trotz allem fortbestehen und gedeihen wird, solange es eine Sowjetmacht gibt?

Kapitalistische Kontrolle bedeutet schließlich politische Kontrolle, Beseitigung der politischen Selbständigkeit unseres Landes, Anpassung der Gesetze des Landes an die Interessen und an den Geschmack der internationalen kapitalistischen Wirtschaft. Ist aber unser Land etwa kein politisch selbständiges Land? Werden unsere Gesetze etwa nicht von den Interessen des Proletariats und der werktätigen Massen unseres Landes diktiert? Weshalb führt man aber keine Tatsachen oder nicht wenigstens eine Tatsache an, die den Verlust der politischen Selbständigkeit unseres Landes beweist? Sollen sie es doch versuchen, welche anzuführen.

Das verstehen Kapitalisten unter Kontrolle, natürlich wenn man von wirklicher Kontrolle spricht und es sich nicht um leeres Geschwätz von irgendeiner schemenhaften Kontrolle handelt.

Wenn es sich um solch eine wirkliche kapitalistische Kontrolle handelt - nur von einer solchen Kontrolle kann aber die Rede sein, denn mit leerem Geschwätz von einer schemenhaften Kontrolle können. sich nur schlechte Literaten abgeben -, so muss ich erklären, dass es eine solche Kontrolle bei uns weder gibt noch jemals geben wird, solange unser Proletariat existiert und solange es eine Sowjetmacht bei uns gibt. (Beifall.)

Trotzki sagte in seiner Rede:

„Es handelt sich darum, unter den Bedingungen der Umkreisung durch die kapitalistische Weltwirtschaft einen isolierten sozialistischen Staat zu errichten. Das kann nur dadurch erreicht werden, dass die Produktivkräfte dieses isolierten Staates größer werden als die Produktivkräfte des Kapitalismus, denn in der Perspektive, nicht auf ein Jahr oder Jahrzehnt, sondern auf ein halbes Jahrhundert, ja sogar auf ein Jahrhundert, kann sich nur derjenige Staat, diejenige neue Gesellschaftsform konsolidieren, deren Produktivkräfte mächtiger sein werden als die Produktivkräfte des alten Wirtschaftssystems.“ (Siehe Stenogramm der Rede Trotzkis auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI.)

Demnach würde also das sozialistische Wirtschaftssystem fünfzig oder sogar hundert Jahre brauchen, um seine Überlegenheit über das kapitalistische Wirtschaftssystem vom Standpunkt der Entwicklung der Produktivkräfte in der Praxis zu beweisen.

Das ist falsch, Genossen. Das ist eine Verwirrung aller Begriffe und Perspektiven.

Das feudale Wirtschaftssystem brauchte, um seine Überlegenheit über das Wirtschaftssystem der Sklaverei zu beweisen, wohl ungefähr zweihundert .Jahre, wenn nicht weniger. Anders konnte das auch gar nicht sein, da das Entwicklungstempo damals schrecklich langsam, die Produktionstechnik aber mehr als primitiv war.

Das bürgerliche Wirtschaftssystem brauchte, um seine Überlegenheit über das feudale Wirtschaftssystem zu beweisen, so ungefähr hundert Jahre oder sogar noch weniger. Bereits im Schoße der Feudalgesellschaft zeigte das bürgerliche Wirtschaftssystem, dass es höher, viel höher steht als das feudale Wirtschaftssystem. Der Unterschied in den Fristen ist hier durch das schnellere Entwicklungstempo und die höher entwickelte Technik des bürgerlichen Wirtschaftssystems zu erklären.

Seitdem hat die Technik beispiellose Erfolge zu verzeichnen, und die Entwicklung hat ein geradezu rasendes Tempo angenommen. Es fragt sich, welchen Grund Trotzki zu der Annahme hat, dass das sozialistische Wirtschaftssystem so ungefähr hundert Jahre brauchen werde, um seine Überlegenheit über das kapitalistische Wirtschaftssystem zu beweisen?

Ist etwa die Tatsache, dass an der Spitze unserer Produktion nicht Schmarotzer, sondern die Produzenten selbst stehen werden - ist diese Tatsache etwa nicht ein gewaltiger Faktor, der davon zeugt, dass das sozialistische Wirtschaftssystem alle Chancen haben wird, um die Wirtschaft mit Siebenmeilenschritten vorwärts zu bringen und seine Überlegenheit über das kapitalistische Wirtschaftssystem in kürzerer Frist zu beweisen?

Spricht etwa die Tatsache, dass die sozialistische Wirtschaft die am stärksten zusammengefasste konzentrierte Wirtschaft ist, dass die sozialistische Wirtschaft planmäßig betrieben wird - spricht diese Tatsache etwa nicht dafür, dass die sozialistische Wirtschaft alle Chancen haben wird, um in verhältnismäßig kurzer Frist ihre Überlegenheit über das kapitalistische Wirtschaftssystem zu beweisen, das von inneren Widersprüchen zerrissen und von Krisen zerfressen wird?

Ist es nach alledem nicht klar, dass hier mit einer Perspektive von fünfzig und hundert Jahren operieren heißt den Aberglauben des erschreckten Spießers teilen und an die Allmacht des kapitalistischen Wirtschaftssystems glauben? (Zurufe: „Sehr richtig!“)

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus? Es gibt hier zwei Schlussfolgerungen.

Erstens: Bei seinen Einwendungen in der Frage des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande hat Trotzki die alte Basis der Polemik aufgegeben und eine neue Basis bezogen. Früher polemisierte die Opposition vom Standpunkt der inneren Widersprüche, vom Standpunkt der Widersprüche zwischen dem Proletariat und der Bauernschaft, wobei sie die Auffassung vertrat, dass diese Widersprüche unüberwindlich seien. Jetzt betont Trotzki die äußeren Widersprüche, die Widersprüche zwischen unserer Volkswirtschaft und der kapitalistischen Weltwirtschaft, wobei er die Auffassung vertritt, dass diese Widersprüche unüberwindlich seien. Wenn Trotzki früher der Ansicht war, dass das Hindernis für den sozialistischen Aufbau in unserem Lande die Widersprüche zwischen dem Proletariat und der Bauernschaft seien, so vollzieht er jetzt einen Frontwechsel, bezieht für seine Kritik an der Position der Partei eine andere Basis und behauptet, dass das Hindernis für den sozialistischen Aufbau die Widersprüche zwischen unserem Wirtschaftssystem und der kapitalistischen Weltwirtschaft seien. Damit hat er praktisch die Unhaltbarkeit der alten Argumente der Opposition zugegeben.

Zweitens: Der Rückzug Trotzkis ist jedoch der Rückzug in ein Labyrinth, in einen Sumpf. Im Grunde genommen hat Trotzki direkt und offen die Position Suchanows bezogen. Worauf laufen die „neuen“ Argumente Trotzkis im Grunde genommen hinaus? Sie laufen darauf hinaus, dass wir infolge unserer ökonomischen Rückständigkeit für den Sozialismus nicht reif sind, dass wir die objektiven Voraussetzungen für die Errichtung der sozialistischen Wirtschaft nicht besitzen, dass sich unsere Volkswirtschaft infolgedessen in ein Anhängsel der kapitalistischen Weltwirtschaft, in eine vom Weltkapitalismus kontrollierte wirtschaftliche Einheit verwandelt und verwandeln muss.

Das aber ist „Suchanowerei“, offenkundige, unverhüllte „Suchanowerei“.

Die Opposition ist auf den Standpunkt des Menschewiks Suchanow hinabgesunken, der die Möglichkeit des siegreichen sozialistischen Aufbaus in unserem Lande direkt verneint.

3. Wir bauen den Sozialismus im Bunde mit dem Weltproletariat auf

Dass wir den Sozialismus im Bunde mit der Bauernschaft aufbauen, das wagt unsere Opposition, wie es scheint, nicht direkt zu bestreiten. Ob wir aber den Sozialismus im Bunde mit dem Weltproletariat aufbauen - daran beliebt die Opposition zu zweifeln. Einige Oppositionelle behaupten sogar, dass unsere Partei die Bedeutung dieses Bündnisses unterschätze. Und einer von ihnen, Kamenew, ist sogar so weit gegangen, dass er die Partei des Nationalreformismus anklagt und sie beschuldigt, die internationale revolutionäre Perspektive mit einer nationalreformistischen Perspektive vertauscht zu haben.

Genossen, das ist dummes Zeug. Das ist eine komplette Dummheit. Nur Verrückte können die gewaltige Bedeutung leugnen, die das Bündnis der Proletarier unseres Landes mit den Proletariern aller übrigen Länder für den Aufbau des Sozialismus hat. Nur Verrückte können unsere Partei beschuldigen, das Bündnis der Proletarier aller Länder zu unterschätzen. Nur im Bunde mit dem Weltproletariat kann man den Sozialismus in unserem Lande aufbauen.

Die Frage ist nur, was unter diesem Bündnis zu verstehen ist.

Als die Proletarier der UdSSR im Oktober 1917 die Macht ergriffen, da war das eine Hilfe für die Proletarier aller Länder, war das ein Bündnis mit ihnen.

Als die Proletarier Deutschlands 1918 das Banner der Revolution erhoben, da war das eine Hilfe für die Proletarier aller Länder, besonders aber für die Proletarier der UdSSR, war das ein Bündnis mit dem Proletariat der UdSSR.

Als die Proletarier Westeuropas die Intervention gegen die UdSSR zu vereiteln suchten, sich weigerten, Waffen für die konterrevolutionären Generale zu transportieren, Aktionsausschüsse organisierten und das Hinterland ihrer Kapitalisten zerrütteten - da war das eine Hilfe für die Proletarier der UdSSR, war das ein Bündnis der westeuropäischen Proletarier mit den Proletariern der UdSSR. Ohne eine solche Sympathie und ohne diese Unterstützung seitens der Proletarier der kapitalistischen Länder hätten wir den Bürgerkrieg nicht gewinnen können.

Wenn die Proletarier der kapitalistischen Länder immer wieder Delegationen zu uns entsenden, unseren Aufbau kontrollieren und dann die Kunde von den Erfolgen unseres Aufbaus unter den Arbeitern ganz Europas verbreiten - so ist das eine Hilfe für die Proletarier der UdSSR, ist das eine gewaltige Unterstützung für die Proletarier der UdSSR, ist das ein Bündnis mit den Proletariern der UdSSR und eine Schranke gegen eine mögliche imperialistische Intervention in unser Land. Ohne eine solche Unterstützung und ohne eine solche Schranke hätten wir jetzt keine „Atempause“, ohne „Atempause“ aber hätten wir nicht die Arbeit zum Aufbau des Sozialismus in unserem Lande entfalten können.

Wenn die Proletarier der UdSSR ihre Diktatur festigen, die wirtschaftliche Zerrüttung liquidieren, die Aufbauarbeit entfalten und beim Aufbau des Sozialismus Erfolge erringen, so ist das eine gewaltige Unterstützung für die Proletarier aller Länder, für ihren Kampf gegen den Kapitalismus, für ihren Kampf um die Macht; denn die Existenz der Sowjetrepublik, ihre Festigkeit, ihre Erfolge an der Front des sozialistischen Aufbaus bilden einen gewaltigen Faktor der Weltrevolution, der die Proletarier aller Länder in ihrem Kampf gegen den Kapitalismus anspornt. Man kann wohl kaum daran zweifeln, dass die Vernichtung der Sowjetrepublik die schwärzeste und schlimmste Reaktion in allen kapitalistischen Ländern nach sich ziehen würde.

Die Stärke unserer Revolution und die Stärke der revolutionären Bewegung der kapitalistischen Länder besteht in dieser gegenseitigen Unterstützung und in diesem Bündnis der Proletarier aller Länder.

Das sind die vielfältigen Formen des Bündnisses der Proletarier der UdSSR mit dem Weltproletariat.

Der Fehler der Opposition besteht darin, dass sie diese Formen des Bündnisses nicht begreift oder nicht anerkennt. Das Pech der Opposition besteht darin, dass sie nur eine Form des Bündnisses anerkennt, die Form der „direkten staatlichen Unterstützung“ des Proletariats der UdSSR durch die Proletarier Westeuropas, das heißt die Form, die zunächst leider keine Anwendung findet. Dabei macht die Opposition das Schicksal des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR von dieser Unterstützung in der Zukunft direkt abhängig.

Die Opposition glaubt, dass man der Partei die „internationale revolutionäre Perspektive“ nur erhalten kann, wenn man diese Form der Unterstützung anerkennt. Ich sagte aber bereits, dass im Falle der Verzögerung der Weltrevolution ein solcher Standpunkt nur zu ununterbrochenen Zugeständnissen unserseits an die kapitalistischen Elemente unserer Wirtschaft und letzten Endes zum Kapitulantentum, zum Defätismus führen kann.

Daraus folgt also, dass die „direkte staatliche Unterstützung“ durch das europäische Proletariat, die von der Opposition als einzige Form des Bündnisses mit dem Weltproletariat empfohlen wird, im Falle der Verzögerung der Weltrevolution ein Deckmantel für ihr Kapitulantentum ist.

Ein Deckmantel für das Kapitulantentum - das ist es, wozu Kamenews „internationale revolutionäre Perspektive“ dienen soll.

Man kann sich deshalb nur über die Kühnheit wundern, mit der Kamenew hier auftrat und unsere Partei des Nationalreformismus beschuldigte.

Woher diese - wie soll man es gelinder ausdrücken - Kühnheit Kamenews, der sich bei uns niemals durch revolutionäre Gesinnung oder durch Internationalismus auszeichnete?

Woher diese Kühnheit Kamenews, der bei uns stets ein Bolschewik unter Menschewiki und ein Menschewik unter Bolschewiki war? (Heiterkeit.)

Woher nahm Kamenew, den Lenin seinerzeit mit vollem Recht als „Streikbrecher“ der Oktoberrevolution bezeichnete, diese Kühnheit?

Kamenew möchte wissen, ob das Proletariat der UdSSR international gesinnt ist. Ich muss hier erklären, dass das Proletariat der UdSSR das Attest eines „Streikbrechers“ der Oktoberrevolution nicht braucht.

Sie wollen wissen, wie stark der Internationalismus des Proletariats der UdSSR ist? Fragen Sie die englischen Arbeiter, fragen Sie die deutschen Arbeiter (stürmischer Beifall), fragen Sie die chinesischen Arbeiter - und sie werden Ihnen vom Internationalismus des Proletariats der UdSSR berichten.

4. Die Frage der Entartung

Man kann es also für bewiesen halten, dass die Opposition auf dem Standpunkt der direkten Verneinung der Möglichkeit des siegreichen Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande steht.

Die Verneinung der Möglichkeit des siegreichen Aufbaus des Sozialismus jedoch führt zur Perspektive der Entartung der Partei, die Perspektive der Entartung wiederum führt zur Preisgabe der Macht und zur Frage der Bildung einer anderen Partei.

Trotzki hat so getan, als ob er diese Frage nicht ernst nehmen könne. Das ist Maskierung.

Wenn wir den Sozialismus nicht aufbauen können, die Revolution in den anderen Ländern sich jedoch verzögert, während das Kapital bei uns wächst und unsere Volkswirtschaft mit der kapitalistischen Weltwirtschaft immer stärker „verwächst“ - so kann es ohne Zweifel vorn Standpunkt der Opposition nur zwei Auswege geben:

a) Entweder bleibt man an der Macht und führt eine Politik der bürgerlichen Demokratie durch, beteiligt sich an einer bürgerlichen Regierung und praktiziert folglich den „Millerandismus“;

b) oder man gibt die Macht auf, um nicht zu entarten, und bildet neben der offiziellen Partei eine neue Partei, worauf unsere Opposition eigentlich aus war und worauf sie im Grunde genommen immer noch aus ist.

Die Theorie von den zwei Parteien, beziehungsweise die Theorie von einer neuen Partei ergibt sich unmittelbar aus der Verneinung der Möglichkeit des siegreichen Aufbaus des Sozialismus, ergibt sich unmittelbar aus der Perspektive der Entartung.

Sowohl der eine als auch der andere Ausweg führen zum Kapitulantentum, zum Defätismus.

Worum ging es in der Periode des Bürgerkriegs? Es ging um folgendes: Wenn wir es nicht verstehen, die Armee zu organisieren und die Feinde abzuwehren, so wird die Diktatur des Proletariats zusammenbrechen, und wir werden die Macht verlieren. Damals stand der Krieg an erster Stelle.

Worum geht es jetzt, da der Bürgerkrieg zu Ende ist und die Aufgaben des wirtschaftlichen Aufbaus an die erste Stelle gerückt sind? Jetzt geht es um folgendes: Wenn wir nicht die Möglichkeit haben, die sozialistische Wirtschaft aufzubauen, so muss die Diktatur des Proletariats, indem sie der Bourgeoisie immer ernstere Zugeständnisse macht, entarten und hinter der bürgerlichen Demokratie einher trotten.

Können sich die Kommunisten damit einverstanden erklären, eine bürgerliche Politik zu betreiben, wobei die Diktatur des Proletariats entartet?

Nein, das können sie nicht und dürfen sie nicht.

Der Ausweg hieraus: die Macht aufgeben, eine neue Partei bilden und so dem sich restaurierenden Kapitalismus den Weg frei machen.

Kapitulantentum als natürliches Resultat der jetzigen Position des Oppositionsblocks - das ist die Schlussfolgerung.

 

 

 

IV


DIE OPPOSITION
UND DIE FRAGE DER EINHEIT DER PARTEI

 

Ich komme zur letzten Frage, zur Frage des Oppositionsblocks und der Einheit unserer Partei.

Wie ist der Oppositionsblock entstanden?

Die Partei behauptet, dass der Oppositionsblock dadurch entstand, dass die „neue Opposition“, dass Kamenew und Sinowjew zum Trotzkismus übergegangen sind.

Sinowjew und Kamenew bestreiten das und geben zu verstehen, dass nicht sie zu Trotzki übergegangen sind, sondern Trotzki zu ihnen. Wenden wir uns den Tatsachen zu:

Ich sprach von der Resolution der XIV. Parteikonferenz zur Frage des Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande. Ich sprach davon, dass sich Kamenew und Sinowjew von dieser Resolution, die Trotzki nicht anerkennt und nicht anerkennen kann, losgesagt haben, losgesagt, um Trotzki näher zu kommen und zum Trotzkismus überzugehen. Stimmt das oder nicht? Ja, das stimmt. Haben Kamenew und Sinowjew den Versuch gemacht, dieser Behauptung irgendetwas entgegenzustellen? Nein, das haben sie nicht. Sie haben die Frage mit Stillschweigen übergangen.

Wir haben ferner die Resolution der XIII. Konferenz unserer Partei, die den Trotzkismus als kleinbürgerliche Abweichung und als Revision des Leninismus qualifiziert [33]. Diese Resolution ist bekanntlich vom V. Kongress der Komintern bestätigt worden. Ich sprach in meinem Referat davon, dass Kamenew und Sinowjew sich von dieser Resolution losgesagt und gleichzeitig in besonderen Erklärungen dem Trotzkismus in seinem 1923 gegen die Partei geführten Kampfe recht gegeben haben. Stimmt das oder nicht? Ja, das stimmt. Haben Sinowjew und Kamenew den Versuch gemacht, dieser Behauptung irgendetwas entgegenzustellen? Nein, das haben sie nicht. Sie haben mit Stillschweigen geantwortet.

Weitere Tatsachen. Folgendes schrieb Kamenew im Jahre 1925 über den Trotzkismus:

„Gen. Trotzki ist zu dem Kanal geworden, durch den die kleinbürgerlichen Elemente in unserer Partei wirken. Der ganze Charakter seiner Reden, seine ganze geschichtliche Vergangenheit zeigen, dass dem so ist. In seinem Kampf gegen die Partei ist er im Lande bereits zu einem Symbol alles dessen geworden, was gegen unsere Partei gerichtet ist“ ... „Wir müssen alle Maßnahmen ergreifen, um vor der Ansteckung mit dieser unbolschewistischen Lehre jene Schichten der Partei zu bewahren, auf die sie rechnet, nämlich - unsere Jugend, jenen künftigen Bestand der Partei, der die Geschicke der Partei in seine Hände zu nehmen hat. Und darum muss die Verstärkung jeder nur möglichen Aufklärung über die Unrichtigkeit der Positionen des Gen. Trotzki, der Aufklärung darüber, dass man zwischen Trotzkismus und Leninismus wählen muss, dass man den einen nicht mit dem andern vereinbaren kann, zur dringlichsten Aufgabe unserer Partei werden.“ (Siehe Kamenew, „Partei und Trotzkismus“, Sammelband „Für den Leninismus“, S. 84-86.)

Wird Kamenew den Mut aufbringen, diese Worte jetzt zu wiederholen? Wenn er bereit ist, sie zu wiederholen, warum befindet er sich dann in einem Block mit Trotzki? Wenn er es aber nicht wagt, sie zu wiederholen, ist es dann nicht klar, dass Kamenew seine alten Positionen aufgegeben hat und zum Trotzkismus übergegangen ist?

Sinowjew schrieb im Jahre 1925 über den Trotzkismus:

„Das letzte Auftreten des Gen. Trotzki („Die Lehren des Oktober“) ist nichts anderes als ein bereits ziemlich offener Versuch der Revision oder sogar der direkten Liquidation der Grundlagen des Leninismus. In allerkürzester Zeit wird das unserer gesamten Partei und der gesamten Internationale klar werden.“ (Siehe Sinowjew, „Bolschewismus oder Trotzkismus“, Sammelband „Für den Leninismus“, S. 120.)

Vergleichen Sie dieses Zitat Sinowjews mit der Erklärung Kamenews in seiner Rede: „Wir stehen zu Trotzki, weil er die Grundgedanken Lenins nicht revidiert“ - und Sie werden die ganze Tiefe des Sturzes von Kamenew und Sinowjew begreifen.

Sinowjew schrieb im gleichen Jahr 1925 über Trotzki:

„Jetzt wird die Frage entschieden, was die KPR im Jahre 1925 darstellt. Im Jahre 1903 wurde diese Frage entschieden nach dem Verhalten zum ersten Paragraphen des Statuts, im Jahre 1925 aber nach dem Verhalten zu Trotzki, zum Trotzkismus. Wer behauptet, der Trotzkismus könne eine ‚legale Schattierung’ in der bolschewistischen Partei werden, der hört selbst auf, Bolschewik zu sein. Wer jetzt die Partei im Bunde mit Trotzki aufbauen will, in Zusammenarbeit mit demselben Trotzkismus, der offen gegen den Bolschewismus auftritt, der verlässt die Grundlagen des Leninismus. Man muss begreifen, dass der Trotzkismus eine zurückgelegte Etappe ist, dass man die Leninsche Partei jetzt nur gegen den Trotzkismus aufbauen kann.“ („Prawda“ vom 5. Februar 1925.)

Wird Sinowjew den Mut aufbringen, diese Worte jetzt zu wiederholen? Wenn er bereit ist, sie zu wiederholen, warum befindet er sich dann in einem Block mit Trotzki? Wenn er sie nicht wiederholen kann, ist es dann nicht klar, dass sich Sinowjew vom Leninismus abgekehrt hat und zum Trotzkismus übergegangen ist?

Was beweisen alle diese Tatsachen?

Sie beweisen, dass der Oppositionsblock dadurch entstanden ist, dass Kamenew und Sinowjew zum Trotzkismus übergegangen sind.

Welches ist die Plattform des Oppositionsblocks?

Die Plattform des Oppositionsblocks ist eine Plattform der sozialdemokratischen Abweichung, eine Plattform der rechten Abweichung in unserer Partei, eine Plattform der Sammlung aller und jeglicher opportunistischen Strömungen zur Organisierung des Kampfes gegen die Partei, gegen ihre Einheit, gegen ihre Autorität. Kamenew spricht von der rechten Abweichung in unserer Partei und deutet auf das Zentralkomitee. Das aber ist ein Winkelzug, ein grober und heuchlerischer Winkelzug, der angewandt wird, um mit marktschreierischen Beschuldigungen gegen die Partei den Opportunismus des Oppositionsblocks zu bemänteln. In Wirklichkeit ist gerade der Oppositionsblock der Ausdruck der rechten Abweichung in unserer Partei. Wir beurteilen die Opposition nicht nach ihren Erklärungen, sondern nach ihren Taten. Die Taten der Opposition aber beweisen, dass sie Sammelbecken und Hort aller und jeglicher opportunistischen Elemente ist, von Ossowski und der „Arbeiteropposition“ bis zu Souvarine und Maslow, Korsch und Ruth Fischer. Wiederaufnahme der Fraktionsmacherei, Wiederbelebung der Theorie von der Freiheit der Fraktionen in unserer Partei, Sammlung aller opportunistischen Elemente unserer Partei, Kampf gegen die Einheit der Partei, Kampf gegen ihre führenden Kader, Kampf für die Bildung einer neuen Partei - darauf zielt die Opposition, nach der Rede Kamenews zu urteilen, jetzt ab. Die Rede Kamenews stellt in dieser Hinsicht einen Wendepunkt dar von der „Erklärung“ der Opposition im Oktober 1926 zur Wiederaufnahme ihrer Spalterlinie.

Was ist der Oppositionsblock vom Standpunkt der Einheit der Partei?

Der Oppositionsblock ist der Keim einer neuen Partei innerhalb unserer Partei. Ist es etwa nicht Tatsache, dass die Opposition ein eigenes Zentralkomitee und eigene parallele lokale Komitees hatte? Die Opposition versicherte in ihrer „Erklärung“ vom 16. Oktober 1926, dass sie der Fraktionsmacherei entsagt habe. Beweist aber etwa das Auftreten Kamenews nicht, dass die Opposition von neuem zum Fraktionskampf zurückgekehrt ist? Welche Garantie ist gegeben, dass sie nicht ihre Parallelorganisationen, die zentrale und die lokalen bereits wiederhergestellt hat? Ist es etwa nicht Tatsache, dass die Opposition besondere Mitgliedsbeiträge für ihre Kasse erhoben hat? Welche Garantie ist gegeben, dass sie diesen Weg der Spaltung nicht von neuem beschritten hat?

Der Oppositionsblock ist der Keim einer neuen Partei, der die Einheit unserer Partei untergräbt.

Die Aufgabe besteht darin, diesen Block zu zerschlagen und ihn zu liquidieren. (Stürmischer Beifall.)

Genossen, die Diktatur des Proletariats bei gleichzeitiger Herrschaft des Imperialismus in den anderen Ländern, da ein Land, nur ein einziges Land, die Front des Kapitals zu durchbrechen vermocht hat - die Diktatur des Proletariats kann unter solchen Bedingungen keine einzige Minute existieren ohne die Einheit der Partei, ohne dass die Partei mit einer eisernen Disziplin gewappnet ist. Die Versuche, die Einheit der Partei zu untergraben, die Versuche, eine neue Partei zu schaffen, müssen mit der Wurzel ausgerottet werden, wenn wir die Diktatur des Proletariats behaupten wollen, wenn wir den Sozialismus aufbauen wollen.

Deshalb besteht die Aufgabe darin, den Oppositionsblock zu liquidieren und die Einheit unserer Partei zu festigen.

 

 

 

V


SCHLUSSFOLGERUNGEN

 

Ich komme zum Schluss, Genossen.

Wenn man das Fazit aus der Diskussion zieht, so kann man zu einer keinerlei Zweifel zulassenden allgemeinen Schlussfolgerung kommen, nämlich zu der Schlussfolgerung, dass der XIV. Parteitag unserer Partei Recht hatte, als er feststellte, dass die Opposition von Unglauben an die Kräfte unseres Proletariats, von Unglauben an die Möglichkeit des siegreichen Aufbaus des Sozialismus in unserem Lande befallen ist.

Das sind der allgemeine Niederschlag der Eindrücke und die allgemeine Schlussfolgerung, zu der die Genossen gelangen mussten.

Sie sehen somit zwei Kräfte vor sich. Auf der einen Seite - unsere Partei, die das Proletariat der UdSSR unbeirrt vorwärts führt, den Sozialismus aufbaut und die Proletarier aller Länder zum Kampfe ruft. Auf der anderen Seite - die Opposition, die sich hinter unserer Partei herschleppt wie ein klappriger Greis, mit Rheumatismus in den Beinen, mit Kreuzschmerzen, mit Migräne - die Opposition, die ringsum Pessimismus sät und die Atmosphäre vergiftet mit Geschwätz darüber, dass bei uns in der UdSSR mit dem Sozialismus nichts herauskommen würde, dass dort bei ihnen, bei den Bourgeois, alles gut bestellt sei, während bei uns, bei den Proletariern, alles schlecht stehe.

Das, Genossen, sind die beiden Kräfte, die Sie vor sich sehen. Sie müssen zwischen ihnen wählen. (Heiterkeit.)

Ich zweifle nicht daran, dass Sie richtig wählen werden. (Beifall.)

Die Opposition in ihrer Fraktionsverblendung betrachtet unsere Revolution als etwas, was jeder selbständigen Kraft bar ist, als eine Art kostenloser Beilage zur künftigen, noch nicht siegreichen Revolution im Westen.

Genosse Lenin schätzte unsere Revolution, die Republik der Sowjets nicht so ein. Genosse Lenin hielt die Republik der Sowjets für die Fackel, die den Proletariern aller Länder den Weg erhellt.

Genosse Lenin sagte darüber folgendes:

„Die Sowjetrepublik wird lange Zeit ein Vorbild für sie (das heißt die Proletarier aller Länder. J.St.) sein. Unsere sozialistische Sowjetrepublik wird unerschütterlich dastehen, als Fackel des internationalen Sozialismus und als Vorbild für alle Werktätigen. Dort sehen wir Kämpfe, Krieg, Blutvergießen, Millionen Menschenopfer, Ausbeutung durch das Kapital, hier - eine wirkliche Politik des Friedens und die sozialistische Republik der Sowjets.“ (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 26, S. 429, russ.)

Um diese Fackel haben sich zwei Fronten gebildet: die Front der Feinde der proletarischen Diktatur, die diese Fackel zu diskreditieren, zu erschüttern und auszulöschen versuchen - und die Front der Freunde der Diktatur des Proletariats, die bestrebt sind, die Fackel zu stützen und ihre Flamme zu entfachen.

Die Aufgabe besteht darin, diese Fackel zu stützen und ihre Existenz zu festigen im Namen des Sieges der Weltrevolution.

Genossen! Ich zweifle nicht daran, dass Sie alles tun werden, damit diese Fackel brenne und allen Unterdrückten und Geknechteten auf ihrem Weg voranleuchte.

Ich zweifle nicht daran, dass Sie alles tun werden, damit die Flamme dieser Fackel lichterloh entfacht werde zum Schrecken der Feinde des Proletariats.

Ich zweifle nicht daran, dass Sie alles tun werden, damit solche Fackeln in allen Weltteilen entzündet werden den Proletariern aller Länder zur Freude.

(Anhaltender, nicht enden wollender Beifall. Alle Delegierten erheben sich von den Plätzen und singen die „Internationale“. Dreifaches „Hurra“.)

 

 

 

 

 

Anmerkungen - Band 9

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