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Gesammelte

STALINWERKE :

 

 

 

BAND 6

1924

Seite 3 - 40

 

 

DIE XIII. KONFERENZ DER KPR(B)

16.-18. Januar 1924

Die dreizehnte Konferenz der
Kommunistischen Partei Rußlands (Bolschewiki).
Bulletin. Moskau 1924.

[1]

 

 

1. REFERAT ÜBER
DIE NÄCHSTEN AUFGABEN DES PARTEIAUFBAUS

17. Januar

Genossen! Gewöhnlich beginnen unsere Redner in Diskussionsversammlungen mit der Geschichte der Frage: Wie ist die Frage der innerparteilichen Demokratie aufgekommen, wer hat als erster A, wer danach B gesagt, usw. Ich denke, diese Methode taugt nicht für uns, weil sie ein Element des Gezänks und gegenseitiger Beschuldigungen hereinbringt und nichts Brauchbares ergibt. Ich denke, es wird viel besser sein, wenn wir mit der Frage beginnen, wie die Partei die Resolution des Politbüros über die Demokratie [2], die dann vom Plenum des ZK bestätigt wurde, aufgenommen hat.

Ich muss feststellen, dass diese Resolution wohl die einzige in der ganzen Geschichte unserer Partei ist, die nach einer erbitterten Diskussion über die Frage der Demokratie die volle - ich möchte sagen: buchstäblich die einmütige - Billigung der gesamten Partei gefunden hat. Selbst die oppositionellen Organisationen und Zellen, die überhaupt gegen die Mehrheit der Partei und gegen das ZK eingestellt waren, selbst sie fanden trotz all ihres Bestrebens, an der Resolution etwas auszusetzen, keinen Anlass und keinen Grund zum Nörgeln, und diese Organisationen und Zellen waren allgemein bestrebt, sich in ihren Resolutionen, in denen sie die Grundthesen der vom Politbüro beschlossenen Resolution über die innerparteiliche Demokratie als richtig anerkannten, durch irgend etwas von den anderen Organisationen zu unterscheiden, indem sie ihr ein gewisses Schwänzchen anhängten, etwa der Art: Bei euch ist ja alles gut, aber stoßt Trotzki nicht vor den Kopf, oder auch der Art: Bei euch ist alles richtig, aber ihr seid ein klein wenig zu spät gekommen, hättet all dies schon früher tun sollen. Ich will hier nicht die Frage aufwerfen, wer wen vor den Kopf stößt. Ich denke, wenn man der Sache richtig auf den Grund geht, dann dürfte sich erweisen, dass der bekannte Ausspruch über Titus Titytsch (Gestalt aus einigen Schauspielen A. N. Ostrowskis. Der Übers.) ziemlich treffend auf Trotzki passt: "Wer wird dich, Titus Titytsch, schon vor den Kopf stoßen? Du selbst stößt ja alle anderen vor den Kopf." (Heiterkeit.) Aber wie gesagt, ich will auf diese Frage nicht eingehen. Ich halte es sogar für möglich, dass dieser oder jener Trotzki wirklich vor den Kopf stößt. Aber geht es etwa darum? Was gibt es denn hier Prinzipielles an der Frage, wer wen vor den Kopf stößt? Es geht doch um die prinzipielle Seite der Resolution, nicht aber darum, wer wen vor den Kopf gestoßen hat. Damit will ich sagen, dass selbst die Zellen und Organisationen, die in scharfer und entschiedener Opposition stehen, dass selbst sie es nicht wagten, irgend etwas Prinzipielles gegen die Resolution des Politbüros des ZK und des Präsidiums der ZKK vorzubringen. Ich stelle das als Tatsache fest, um nochmals zu betonen, dass sich in der ganzen Geschichte unserer Partei schwerlich ein ähnlicher Fall finden lässt, wo eine Resolution, die durch die Gewitter und Stürme einer erbitterten Diskussion gegangen ist, nicht nur bei der Mehrheit, sondern buchstäblich in der gesamten Partei überhaupt so eine einmütige Billigung gefunden hätte.

Hieraus ziehe ich zwei Schlussfolgerungen. Die erste Schlussfolgerung ist, dass die Resolution des Politbüros und der ZKK also den gegenwärtigen Erfordernissen und Bedürfnissen der Partei voll und ganz entspricht. Und die zweite Schlussfolgerung ist, dass die Partei also aus dieser Diskussion über die Frage der innerparteilichen Demokratie gestärkt und geschlossener hervorgehen wird. Diese Schlussfolgerung ist sozusagen ein Schlag ins Gesicht jener Leute im Ausland, die uns übelwollen und sich angesichts unserer Diskussion schon lange die Hände reiben, in dem Glauben, dass unsere Partei durch die Diskussion schwächer werde und dass die Staatsmacht zerfallen werde.

Ich will mich nicht über das Wesen der innerparteilichen Demokratie verbreiten. Die Grundlagen dieser Demokratie sind in der Resolution dargelegt, die Resolution ist des langen und breiten von der gesamten Partei durchdiskutiert worden - warum sollte ich das hier nochmals wiederholen? Ich will nur eins sagen: Eine voll entfaltete, vollständige Demokratie wird es offenbar nicht geben. Offenbar wird sich diese Demokratie in den vom X., XI. und XII. Parteitag umrissenen Grenzen halten. Worin diese Grenzen bestehen, wissen Sie sehr gut, und ich will es hier nicht wiederholen. Ich will mich auch nicht darüber verbreiten, dass die wichtigste Garantie dafür, dass unserer Partei die innerparteiliche Demokratie in Fleisch und Blut übergeht, in der Stärkung der Aktivität und der Bewusstheit der Parteimassen besteht. Auch hierüber wird in unserer Resolution ausführlich genug gesprochen.

Ich komme nun zu der Frage, wie bei uns einige Genossen und einige Organisationen aus der Frage der Demokratie einen Fetisch machen, indem sie diese als etwas Absolutes, außerhalb von Zeit und Raum, betrachten. Ich will damit sagen, dass die Demokratie nicht etwas für alle Zeiten und Bedingungen Gegebenes ist, denn es gibt Augenblicke, in denen es unmöglich und sinnlos ist, sie zu verwirklichen. Soll sie, diese innerparteiliche Demokratie, möglich werden, so sind zwei Bedingungen oder zwei Gruppen von Bedingungen, inneren und äußeren Charakters, notwendig, ohne die es müßig ist, von Demokratie zu reden.

Notwendig ist erstens, dass sich die Industrie entwickelt, dass sich die materielle Lage der Arbeiterklasse nicht verschlechtert, dass die Arbeiterklasse zahlenmäßig wächst, dass sich das Kulturniveau der Arbeiterklasse hebt und dass die Arbeiterklasse auch qualitativ wächst. Notwendig ist, dass die Partei als Vorhut der Arbeiterklasse gleichfalls wächst, vor allem qualitativ und vor allem durch die Aufnahme proletarischer Elemente des Landes. Diese Bedingungen inneren Charakters sind absolut notwendig, damit es möglich wird, die Frage der tatsächlichen und nicht papiernen Verwirklichung der innerparteilichen Demokratie aufzuwerfen.

Aber diese Bedingungen allein reichen nicht aus. Ich sagte schon, dass es noch eine zweite Gruppe von Bedingungen gibt, Bedingungen äußeren Charakters, ohne deren Vorhandensein eine Demokratie innerhalb der Partei unmöglich ist. Ich meine bestimmte internationale Bedingungen, Bedingungen, die den Frieden, die friedliche Entwicklung, ohne die die Demokratie in der Partei undenkbar ist, mehr oder weniger gewährleisten. Mit anderen Worten, wenn man uns überfällt und wir das Land mit der Waffe in der Hand werden verteidigen müssen, dann kann von Demokratie gar keine Rede sein, denn wir werden sie dann einschränken müssen. Die Partei mobilisiert dann ihre Reihen, wir militarisieren sie wahrscheinlich, und die Frage der innerparteilichen Demokratie wird von selbst entfallen.

Daher glaube ich, dass die Demokratie in Abhängigkeit von den jeweiligen Bedingungen betrachtet werden muss, dass es in Fragen der innerparteilichen Demokratie keinen Fetischismus geben darf, denn die Verwirklichung der innerparteilichen Demokratie hängt, wie Sie sehen, von den konkreten Bedingungen der Zeit und des Ortes in jedem gegebenen Augenblick ab.

Damit es keine unangebrachten Übertreibungen und unbegründeten Beschuldigungen mehr gebe, muss ich ferner an die Hindernisse erinnern, die der Partei bei der Verwirklichung der Demokratie im Wege stehen - Hindernisse, die die Verwirklichung der Demokratie selbst dann erschweren, wenn die beiden oben umrissenen günstigen Hauptbedingungen, inneren und äußeren Charakters, vorhanden sind. Solche Hindernisse gibt es, Genossen, sie haben tiefgehenden Einfluss auf unsere Parteiarbeit, und ich habe nicht das Recht, sie zu verschweigen. Worin bestehen diese Hindernisse?

Diese Hindernisse, Genossen, bestehen erstens darin, dass ein Teil unserer Funktionäre noch mit Überresten der alten, der Kriegsperiode, in der unsere Partei militarisiert war, behaftet ist - Überreste, die gewisse unmarxistische Anschauungen hervorbringen, die Anschauung, unsere Partei sei kein selbsttätiger Organismus mit selbständigem Leben, sowohl was die Ideen als auch was die Praxis betrifft, sondern so etwas wie ein System von Institutionen, unteren, mittleren und höheren. Diese absolut unmarxistische Anschauung hat zwar noch nirgends ihre vollendete Form erhalten, sie ist nirgends voll ausgesprochen worden, aber ein Teil unserer Funktionäre, die Parteiarbeit leisten, ist mit Elementen dieser Anschauung behaftet und wird dadurch gehindert, die innerparteiliche Demokratie konsequent zu verwirklichen. Daher ist der Kampf gegen solche Anschauungen, der Kampf gegen die Überreste der Kriegsperiode sowohl im Zentrum als auch draußen im Lande die nächste Aufgabe der Partei.

Das zweite Hindernis, das der Verwirklichung der Demokratie in der Partei im Wege steht, ist der Druck, den der bürokratische Staatsapparat auf den Parteiapparat, auf unsere Parteifunktionäre ausübt. Der Druck dieses schwerfälligen Apparats auf unsere Parteifunktionäre ist nicht immer zu bemerken und springt nicht immer ins Auge, aber er hört auch nicht für eine Sekunde auf. Dieser Druck des schwerfälligen bürokratischen Staatsapparats kommt in letzter Instanz darin zum Ausdruck, dass eine ganze Reihe unserer Funktionäre sowohl im Zentrum als auch draußen im Lande des öfteren, ungewollt und völlig unbewusst, von der innerparteilichen Demokratie, von der Linie abweichen, an deren Richtigkeit sie glauben, die sie jedoch des öfteren nicht restlos zu verwirklichen vermögen. Sie können sich den nicht weniger als eine Million Angestellte umfassenden bürokratischen Staatsapparat vorstellen, bestehend aus Elementen, die der Partei größtenteils fremd sind, und unseren Parteiapparat, der nicht mehr als 20000 bis 30000 Personen umfasst, die berufen sind, den Staatsapparat der Partei unterzuordnen, die berufen sind, ihn zu sozialisieren. Was ist unser Staatsapparat wert ohne die Hilfe der Partei? Ohne die Unterstützung, die Hilfe unseres Parteiapparats ist er leider wenig wert. Und so kommt es immer wieder dazu, dass unser Parteiapparat, wenn er mit seinen Fühlern in alle Zweige der Staatsverwaltung eindringt, seine Parteiarbeit in diesen Organen häufig auf die Linie der Staatsapparate ausrichten muss. Konkret: Die Partei muss an der politischen Aufklärung der Arbeiterklasse, an der Vertiefung des Bewusstseins der Arbeiterklasse arbeiten, zugleich aber muss die Naturalsteuer eingebracht und die und die Kampagne durchgeführt werden, denn ohne die Kampagnen, ohne die Hilfe der Partei sind die Staatsapparate nicht imstande, ihre Aufgaben zu bewältigen. Und dabei geraten unsere Funktionäre zwischen zwei Feuer: die Notwendigkeit, die Tätigkeit der in alter Weise arbeitenden Staatsapparate zu korrigieren, und die Notwendigkeit, die Verbindung mit den Arbeitern zu behalten. Und hierbei verfallen sie oft selbst in Bürokratismus.

Das ist das zweite Hindernis, das schwer zu überwinden ist, das man aber um jeden Preis überwinden muss, um die Verwirklichung der innerparteilichen Demokratie zu erleichtern.

Schließlich gibt es noch ein drittes Hindernis, das der Verwirklichung der Demokratie im Wege steht - das niedrige Kulturniveau einer ganzen Reihe unserer Organisationen, unserer Zellen, besonders in den Randgebieten (ich sage das nicht, um sie zu kränken), das unsere Parteiorganisationen daran hindert, die innerparteiliche Demokratie restlos zu verwirklichen. Um die Demokratie verwirklichen zu können, ist, wie Sie wissen, erforderlich, dass die Zellenmitglieder und die Organisation als Ganzes ein gewisses Mindestmaß an Bildung besitzen und dass eine gewisse Mindestzahl an aktiven Funktionären vorhanden ist, die gewählt werden und verantwortliche Posten bekleiden können. Was aber, wenn diese Mindestzahl aktiver Funktionäre in der Organisation nicht vorhanden, wenn das Kulturniveau der Organisation selbst niedrig ist? Es versteht sich, dass man dann von der Demokratie abgehen und zur Ernennung der Funktionäre u. a. schreiten muss.

Das sind die Hindernisse, die vor uns standen, die noch vor uns stehen werden und die wir überwinden müssen, um die innerparteiliche Demokratie ehrlich und restlos verwirklichen zu können.

Ich habe Sie an diese Hindernisse, die vor uns stehen, und an die äußeren und inneren Bedingungen, ohne die die Demokratie zu einer leeren demagogischen Phrase wird, deshalb erinnert, weil einige Genossen aus der Frage der Demokratie einen Fetisch, etwas Absolutes machen, in der Meinung, Demokratie sei immer und unter allen Bedingungen möglich, ihre Verwirklichung werde allein durch den "bösen" Willen der "Apparatleute" gestört. Und gegen diese idealistische Ansicht, eine Ansicht, die nicht die unsere ist, die nicht marxistisch, nicht leninistisch ist, wende ich mich, wenn ich Sie, Genossen, an die Bedingungen, ohne die die Demokratie nicht verwirklicht werden kann, und an die Hindernisse, die gegenwärtig vor uns stehen, erinnere.

Hiermit könnte ich mein Referat beenden, Genossen, aber ich glaube, dass wir verpflichtet sind, die Bilanz der Diskussion zu ziehen und aus dieser Bilanz einige Schlussfolgerungen abzuleiten, die von erheblicher Bedeutung für uns sein können. Ich könnte unseren ganzen Diskussionskampf, unseren Kampf in der Frage der Demokratie, in drei Perioden unterteilen.

Die erste Periode war die Zeit, als die Opposition das ZK angriff und es beschuldigte, dass während der letzten zwei Jahre, während der Periode der NÖP überhaupt, die gesamte Linie des ZK falsch gewesen wäre. Es war die Periode vor Veröffentlichung der Resolution des Politbüros und des Präsidiums der ZKK. Ich will hier nicht auf die Frage eingehen, wer dabei recht und wer unrecht hatte. Die Angriffe waren heftig und, wie Sie wissen, nicht immer begründet. Eins aber ist klar, dass diese Periode sich als Periode der größten Angriffe der Opposition gegen das ZK charakterisieren lässt.

Die zweite Periode begann in dem Augenblick, als die Resolution des Politbüros und der ZKK veröffentlicht wurde, als sich die Opposition vor die Notwendigkeit gestellt sah, der Resolution des ZK irgend etwas in sich Geschlossenes, Konkretes gegenüberzustellen, und als die Opposition weder etwas in sich Geschlossenes noch etwas Konkretes aufzuweisen hatte. Es war die Periode der größten Annäherung zwischen dem ZK und der Opposition. Offensichtlich liefen die Dinge darauf hinaus oder hätten darauf hinauslaufen können, dass eine gewisse Aussöhnung der Opposition mit der Linie des ZK erfolgen würde. Ich erinnere mich gut, wie in Moskau, im Zentrum des Diskussionskampfes, Preobrashenski, ich glaube am 12. Dezember in der Sitzung im Kolonnensaal, eine Resolution einbrachte, die aus irgendeinem Grunde abgelehnt wurde, sich aber nur wenig von der Resolution des ZK unterschied. Diese Resolution wies in ihrer Grundlage und sogar in einigen untergeordneten Punkten überhaupt keine Differenz gegenüber der Resolution des ZK auf. Und damals schien es mir, dass es eigentlich nichts mehr gäbe, worum man noch streiten müsse: es liegt die Resolution des ZK vor, sie befriedigt alle, mindestens zu neun Zehntel, die Opposition fühlt das offenbar selbst, sie kommt uns entgegen, und damit würden wir vielleicht die Meinungsverschiedenheiten beilegen. Dies war die zweite, die Versöhnungsperiode.

Aber dann begann die dritte Periode. Diese Periode setzte mit dem Auftreten Trotzkis, mit seinem Aufruf an die Rayons ein, einem Auftreten, das die Aussöhnungstendenzen im Nu beseitigte und alles wieder umwarf. Nach diesem Auftreten Trotzkis begann die Periode des erbittertsten innerparteilichen Kampfes - eines Kampfes, zu dem es nicht gekommen wäre, wenn Trotzki nicht, nachdem er für die Resolution des Politbüros gestimmt hatte, am nächsten Tage mit seinem Brief hervorgetreten wäre. Sie wissen, dass dem ersten Auftreten Trotzkis ein zweites, dem zweiten ein drittes folgte und dass sich der Kampf im Zusammenhang hiermit noch mehr verschärfte.

Ich denke, Genossen, Trotzki hat bei diesem seinem wiederholten Auftreten zumindest sechs ernste Fehler begangen. Diese Fehler haben zu einer Verschärfung des innerparteilichen Kampfes geführt. Ich gehe zur Analyse dieser Fehler über.

Der erste Fehler Trotzkis liegt schon in der Tatsache selbst, dass er am Tage nach Veröffentlichung der Resolution des Politbüros des ZK und der ZKK mit einem Artikel hervortrat, einem Artikel, den man nur als eine der Resolution des ZK gegenübergestellte Plattform qualifizieren kann. Ich wiederhole und betone, dass dies ein Artikel war, den man nur als eine neue, der einstimmig angenommenen Resolution des ZK gegenübergestellte Plattform betrachten kann. Bedenken Sie nur, Genossen: An dem und dem Tage treten das Politbüro und das Präsidium der ZKK zusammen, die Frage einer Resolution über die innerparteiliche Demokratie wird erörtert, die Resolution wird einstimmig angenommen, und nur einen Tag danach wird, unabhängig vom ZK, ungeachtet des Willens des ZK, über den Kopf des ZK hinweg, ein Artikel Trotzkis an die Rayons versandt - eine neue Plattform, die die Frage Apparat und Partei, Kader und Jugend, Fraktionen und Einheit der Partei, usw. usw. erneut aufwirft -, eine Plattform, die von der gesamten Opposition aufgegriffen und der Resolution des ZK gegenübergestellt wird. Das kann man nur so einschätzen, dass Trotzki sich dem Zentralkomitee gegenüberstellt. Das bedeutet, dass Trotzki sich offen und schroff dem gesamten ZK gegenüberstellt. Vor der Partei erhob sich die Frage: Haben wir ein ZK als führendes Organ oder haben wir es nicht mehr, gibt es ein ZK, dessen einstimmige Beschlüsse von den Mitgliedern dieses ZK geachtet werden, oder gibt es nur einen Übermenschen, der über dem ZK steht, einen Übermenschen, für den keine Gesetze geschrieben sind, der es sich erlauben kann, heute für die Resolution des ZK zu stimmen, morgen aber eine neue Plattform gegen diese Resolution aufzustellen und zu veröffentlichen? Man kann von den Arbeitern nicht verlangen, Genossen, dass sie sich der Parteidisziplin unterordnen, wenn eins der Mitglieder des ZK offen, vor aller Augen das Zentralkomitee und seinen einstimmig angenommenen Beschluss ignoriert. Man kann nicht zwei Disziplinen haben: eine für Arbeiter und eine andere für Würdenträger. Es kann nur eine Disziplin geben.

Der Fehler Trotzkis besteht eben darin, dass er sich dem ZK gegenüberstellte und sich ein Übermensch zu sein dünkte, der über dem ZK, über seinen Gesetzen, über seinen Beschlüssen steht, womit er einem gewissen Teil der Partei Veranlassung gab, auf Untergrabung des Vertrauens zu diesem ZK hinzuarbeiten.

Einige Genossen äußerten ihre Unzufriedenheit darüber, dass diese parteifeindliche Handlung Trotzkis in einigen Artikeln der "Prawda" und verschiedener Mitglieder des ZK hervorgehoben wurde. Genossen, ich muss diesen Genossen entgegnen, dass keine Partei ein ZK achten kann, das in einem so schwierigen Moment nicht die Fähigkeit zeigt, die Würde der Partei zu verteidigen, wenn ein Mitglied des ZK sich über das gesamte ZK zu stellen versucht. Das ZK hätte über sich selbst moralisch den Stab gebrochen, wenn es an diesem Versuch Trotzkis vorübergegangen wäre.

Der zweite Fehler, den Trotzki beging, besteht darin, dass er sich während der ganzen Periode der Diskussion zweideutig benahm, dass er den Willen der Partei, die seinen wirklichen Standpunkt zu erfahren wünschte, gröblich ignorierte und der von einer ganzen Reihe von Organisationen klar und deutlich gestellten Frage diplomatisch auswich: Für wen ist Trotzki denn zu guter Letzt - für das ZK oder für die Opposition? Eine Diskussion wird nicht geführt, um Ausflüchte zu machen, sondern um offen und ehrlich die ganze Wahrheit vor der Partei darzulegen, so, wie Iljitsch es zu tun versteht, so, wie das jeder Bolschewik zu tun verpflichtet ist. Man sagt, Trotzki sei ernstlich krank. Nehmen wir an, er ist ernstlich krank. Aber während seiner Krankheit hat er drei Artikel und vier neue Kapitel seiner heute erschienenen Broschüre geschrieben. Ist es dann nicht klar, dass Trotzki durchaus die Möglichkeit hat, die Fragen der Organisationen mit ein paar Zeilen zu beantworten, ob er für die Opposition oder gegen die Opposition ist? Man braucht kaum zu beweisen, dass diese Ignorierung des Willens einer Reihe von Organisationen zwangsläufig den innerparteilichen Kampf verschärfen musste.

Der dritte Fehler, den Trotzki beging, besteht darin, dass er bei seinem wiederholten Auftreten den Parteiapparat der Partei gegenüberstellte, indem er die Losung des Kampfes gegen die "Apparatleute" herausgab. Der Bolschewismus kann nicht zulassen, dass die Partei dem Parteiapparat gegenübergestellt wird. Woraus besteht unser Parteiapparat tatsächlich? Der Apparat der Partei - das ist das ZK, das sind die Gebietskomitees, die Gouvernementskomitees, die Kreiskomitees. Sind sie der Partei unterstellt? Natürlich sind sie ihr unterstellt, denn zu 90 Prozent werden sie von der Partei gewählt. Unrecht haben diejenigen, die behaupten, die Gouvernementskomitees seien durch Ernennung besetzt worden. Sie haben unrecht. Genossen, Sie wissen, dass die Gouvernementskomitees bei uns gewählt werden, ebenso wie die Kreiskomitees und das ZK. Sie sind der Partei unterstellt. Aber nachdem sie gewählt sind, müssen sie die Arbeit leiten - darum handelt es sich. Ist denn eine Parteiarbeit denkbar, ohne dass, nachdem das ZK vom Parteitag gewählt ist, nachdem das Gouvernementskomitee von der Gouvernementskonferenz gewählt ist, das ZK und die Gouvernementskomitees die Arbeit leiten? Ohne das ist doch eine Parteiarbeit bei uns undenkbar. Das ist doch eine leichtfertige anarchistisch-menschewistische Anschauung, die das Prinzip der Leitung der Parteiarbeit als solches verneint. Ich fürchte, dass Trotzki, den ich natürlich nicht mit den Menschewiki auf eine Stufe stellen will, dadurch, dass er den Parteiapparat der Partei gegenüberstellt, einigen unerfahrenen Elementen unserer Partei Anlass gibt, sich auf den Standpunkt der anarchistisch-menschewistischen Zerfahrenheit und organisatorischen Verlotterung zu stellen. Ich fürchte, dass dieser Fehler Trotzkis für die unerfahrenen Mitglieder der Partei, für unseren ganzen Parteiapparat eine Gefahr bedeutet - für den Apparat, ohne den die Partei undenkbar ist.

Der vierte Fehler, den Trotzki beging, besteht darin, dass er die Jugend den Kadern unserer Partei gegenüberstellte, dass er die grundlose Beschuldigung erhob, unsere Kader entarteten. Trotzki hat unsere Partei mit der Partei der Sozialdemokraten in Deutschland auf eine Stufe gestellt, er hat sich auf Beispiele berufen, die zeigen, wie einige Schüler von Marx, alte Sozialdemokraten, entarteten, und hat daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass unsere Parteikader vor der gleichen Gefahr der Entartung stehen. Eigentlich müsste man ja darüber lachen, wenn eins der Mitglieder des ZK, das gestern noch Hand in Hand mit den Opportunisten und Menschewiki gegen den Bolschewismus kämpfte, wenn es jetzt im siebenten Jahr der Sowjetmacht versucht, und sei es auch nur in Form einer Annahme, zu behaupten, die Kader unserer Partei, die im Kampf gegen den Menschewismus und Opportunismus entstanden, gewachsen und erstarkt sind, diese Kader stünden vor der Entartung. Man müsste, wie gesagt, über einen solchen Versuch lachen. Da aber diese Behauptung nicht in gewöhnlichen Zeiten aufgestellt wurde, sondern in Zeiten einer Diskussion, und da wir vor der Tatsache stehen, dass Kader, die entarten können, der Jugend, die von einer solchen Gefahr angeblich frei oder fast frei ist, gewissermaßen gegenübergestellt werden, so kann diese Annahme, die ihrem Wesen nach lächerlich und nicht ernst zu nehmen ist, gewisse praktische Bedeutung gewinnen und hat sie bereits gewonnen. Daher glaube ich, dass wir auf diese Frage eingehen müssen.

Bisweilen wird gesagt, man müsse die Alten achten, da sie schon länger lebten als die Jungen, mehr wüssten und besser beraten könnten. Ich muss sagen, Genossen, dass diese Ansicht völlig falsch ist. Nicht jeden Alten muss man achten, und nicht jede Erfahrung ist für uns wichtig. Was das für eine Erfahrung ist - das ist der springende Punkt. Die deutsche Sozialdemokratie hat ihre Kader, sehr erfahrene Kader: Scheidemann, Noske, Wels und andere, Kader, die in höchstem Maße erfahren, die auf den Kampf eingefuchst sind... Aber auf den Kampf gegen was? Auf den Kampf gegen wen? Was das für eine Erfahrung ist - das ist der springende Punkt. Dort haben sich die Kader im Kampf gegen das Revolutionäre, im Kampf nicht für die Diktatur des Proletariats, sondern gegen die Diktatur des Proletariats herausgebildet. Das ist eine riesige Erfahrung, aber diese Erfahrung ist eine negative Erfahrung. Diese Erfahrung zu zerschlagen, Genossen, sie zu zerstören und solche Alten zu verjagen, dazu ist die Jugend verpflichtet. Dort, in der deutschen Sozialdemokratie, wo die Jugend frei ist von der Erfahrung des Kampfes gegen das Revolutionäre, dort ist diese Jugend dem revolutionären Geist oder dem Marxismus näher als die alten Kader, die mit der Erfahrung des Kampfes gegen den revolutionären Geist des Proletariats belastet sind, die mit der Erfahrung des Kampfes für den Opportunismus, gegen den Revolutionismus belastet sind. Solche Kader muss man zerschlagen, und alle unsere Sympathien müssen auf der Seite jener Jugend sein, die, wie gesagt, von dieser Erfahrung des Kampfes gegen das Revolutionäre frei ist und die sich infolgedessen um so leichter die neuen Mittel und neuen Methoden des Kampfes für die Diktatur des Proletariats, gegen den Opportunismus, zu eigen macht. Dort, in Deutschland, ist mir diese Fragestellung verständlich. Wenn Trotzki von der Sozialdemokratie Deutschlands und von den Kadern einer solchen Partei gesprochen hätte, so würde ich seine Erklärung mit beiden Händen unterschreiben. Bei uns aber handelt es sich doch um eine andere Partei - um eine kommunistische Partei, um die Partei der Bolschewiki, deren Kader im Kampf gegen den Opportunismus entstanden sind, die im Kampf gegen den Opportunismus erstarkten, die wuchsen und die Macht erkämpften im Kampf gegen den Imperialismus, im Kampf gegen jederlei opportunistische Trabanten des Imperialismus. Ist es etwa nicht klar, dass wir es hier mit einem prinzipiellen Unterschied zu tun haben? Wie kann man Kader, die im Kampf für das Revolutionäre aufgewachsen sind, Kader, die den Kampf für das Revolutionäre geführt haben, Kader, die im Kampf gegen den Imperialismus zur Macht gekommen sind, Kader, die die Grundfesten des Weltimperialismus erschüttern, wie kann man diese Kader, wenn man offen, ohne Falsch spricht - wie kann man diese Kader auf eine Stufe stellen mit solchen Kadern, wie sie die deutsche Sozialdemokratie besitzt, die früher mit Wilhelm gegen die Arbeiterklasse gemeinsame Sache machte und heute mit Seeckt gemeinsame Sache macht, die im Kampf gegen den revolutionären Geist des Proletariats erstarkte und sich herausbildete - wie kann man diese prinzipiell verschiedenartigen Kader auf eine Stufe stellen, wie kann man sie durcheinanderbringen? Ist es denn schwer zu verstehen, dass zwischen diesen Kadern ein unüberbrückbarer Abgrund liegt? Ist es denn schwer zu verstehen, dass diese grobe Fälschung, diese grobe Verdrehung, die Trotzki beging, darauf berechnet ist, die Autorität unserer revolutionären Kader, des Kerns unserer Partei, zu untergraben? Ist es denn nicht klar, dass diese Fälschung nur die Leidenschaften entfachen und den innerparteilichen Kampf verschärfen konnte?

Der fünfte Fehler, den Trotzki beging, besteht darin, dass er in seinen Briefen Veranlassung gab, ja die Losung aufstellte, sich nach der studierenden Jugend zu richten, nach diesem "sichersten Barometer unserer Partei". "Die Jugend ist das sicherste Barometer der Partei, sie reagiert auf den Parteibürokratismus am empfindlichsten" - schreibt er in seinem ersten Artikel. Und damit kein Zweifel übrig bleibt, um welche Jugend es sich handelt, fügt Trotzki in dem zweiten Brief hinzu: "Besonders empfindlich reagiert, wie wir gesehen haben, auf den Bürokratismus die studierende Jugend." Wenn man von dieser These ausgeht, die absolut unrichtig, theoretisch falsch, praktisch schädlich ist, so muss man weiter gehen und die Losung ausgeben: "Mehr studierende Jugend in unsere Partei, die Tore unserer Partei weiter auf für die studierende Jugend."

Bisher war es so, dass wir uns auf den proletarischen Sektor unserer Partei orientierten und sagten: Die Tore der Partei weiter auf für die proletarischen Elemente, unsere Partei möge wachsen, indem ihr proletarischer Teil wächst. Jetzt stellt Trotzki diese Formel auf den Kopf.

Die Frage der Intelligenz und der Arbeiter in unserer Partei ist für uns nicht neu. Sie stand bereits auf dem II. Parteitag unserer Partei, als über die Formulierung des ersten Paragraphen des Statuts, über die Parteimitgliedschaft, gesprochen wurde. Es ist bekannt, dass Martow damals die Erweiterung des Rahmens der Partei für nichtproletarische Elemente verlangte, entgegen Genossen Lenin, der eine entschiedene Einschränkung des Zutritts nichtproletarischer Elemente zur Partei forderte. Später, auf dem III. Parteitag unserer Partei, wird diese Frage erneut und mit großem Nachdruck aufgeworfen. Ich erinnere mich, wie scharf dort Genosse Lenin die Frage der Arbeiter und der Intelligenz in unserer Partei stellte. Folgendes sagte damals Genosse Lenin:

"Es wurde darauf hingewiesen, dass an der Spitze der Spaltungen gewöhnlich Intellektuelle standen. Dieser Hinweis ist sehr wichtig, er löst aber die Frage nicht... Ich denke, die Sache muss weiter gefasst werden. Arbeiter in die Komitees aufzunehmen, ist nicht nur eine pädagogische, sondern auch eine politische Aufgabe. Die Arbeiter haben Klasseninstinkt, und bei einiger politischer Übung werden sie ziemlich schnell standhafte Sozialdemokraten. Ich wäre sehr dafür, dass in unseren Komitees auf je 2 Intellektuelle 8 Arbeiter kämen." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 8, S. 375, 376, russ.)

So stand die Frage schon im Jahre 1905. Seitdem diente uns dieser Hinweis des Genossen Lenin als Leitidee für den Parteiaufbau. Jetzt aber schlägt uns Trotzki im Grunde vor, mit der organisatorischen Linie des Bolschewismus zu brechen.

Und schließlich der sechste Fehler Trotzkis, der darin besteht, dass er die Freiheit der Gruppierungen proklamiert. Jawohl, die Freiheit der Gruppierungen! Ich erinnere mich, wie wir bereits in der Unterkommission, die den Entwurf der Resolution über die Demokratie ausarbeitete, mit Trotzki über Gruppierungen und Fraktionen stritten. Während Trotzki gegen das Verbot von Fraktionen keine Einwände erhob, verteidigte er entschieden die Idee Zulassung von Gruppierungen innerhalb der Partei. Denselben Standpunkt vertritt die Opposition. Diese Leute begreifen offenbar nicht, dass sie mit der Freiheit der Gruppierungen den Mjasnikow-Elementen eine Hintertür öffnen, da sie es ihnen erleichtern, die Partei zu betrügen und eine Fraktion für eine Gruppierung auszugeben. Denn welcher Unterschied besteht zwischen einer Gruppierung und einer Fraktion? Doch nur ein äußerlicher. Folgendermaßen definiert Genosse Lenin die Fraktionsmacherei, die er mit Gruppenbildung auf eine Stufe stellt:

"Schon vor der allgemeinen Parteidiskussion über die Gewerkschaften sind einige Anzeichen der Fraktionsmacherei in der Partei festzustellen gewesen, d. h. die Entstehung von Gruppen mit besonderen Plattformen und mit dem Bestreben, sich bis zu einem bestimmten Grade abzuschließen und eine eigene Gruppendisziplin zu schaffen." (Siehe den stenographischen Bericht des X. Parteitags der KPR(B), S.309 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S. 801].)

Wie Sie sehen, gibt es hier im Grunde keinen Unterschied zwischen Fraktion und Gruppe. Als die Opposition hier, in Moskau, ein besonderes Büro mit Serebrjakow an der Spitze schuf, als sie ihre Redner aussandte und sie verpflichtete, in den und den Versammlungen aufzutreten und die und die Einwände zu erheben, und als die Oppositionellen im Verlauf des Kampfes gezwungen waren zurückzuweichen und ihre Resolutionen auf Kommando änderten, war hier natürlich sowohl eine Gruppierung als auch eine Gruppendisziplin vorhanden. Man sagt, das wäre keine Fraktion, was aber dann eine Fraktion ist, das möge Preobrashenski erklären. Das Auftreten Trotzkis, seine Briefe, seine Artikel zur Frage der Generationen und der Fraktionen sollen die Partei dahin bringen, dass sie in ihrem Schoß Gruppierungen duldet. Das ist ein Versuch, die Fraktionen, vor allem die Fraktion Trotzkis, zu legalisieren.

Trotzki behauptet, Gruppierungen entstünden infolge des bürokratischen Regimes des Zentralkomitees, wenn es bei uns kein bürokratisches Regime gäbe, würde es auch keine Gruppierungen geben. Das ist eine unmarxistische Fragestellung, Genossen. Gruppierungen entstehen bei uns und werden entstehen, weil wir im Lande die verschiedenartigsten Wirtschaftsformen haben, von Keimformen des Sozialismus bis zu mittelalterlichen Wirtschaftsformen. Das als erstes. Ferner haben wir die NÖP, das heißt, wir haben den Kapitalismus, ein Wiederaufleben des Privatkapitals und ein Wiederaufleben der entsprechenden Ideen, die in die Partei eindringen, zugelassen. Das als zweites. Und drittens, weil unsere Partei aus drei Bestandteilen besteht: Es gibt Arbeiter, es gibt Bauern, es gibt Intellektuelle in der Partei. Das sind, wenn man an die Frage marxistisch herangeht, die Ursachen dafür, dass sich in der Partei gewisse Elemente für die Schaffung von Gruppierungen finden, die wir manchmal durch chirurgische Maßnahmen entfernen müssen und manchmal durch ideologische Beeinflussung auf dem Wege der Diskussion zum Verschwinden bringen müssen.

Nicht um das Regime geht es hier. Wenn wir ein Regime maximaler Freiheit hätten, so gäbe es weit mehr Gruppierungen. Also nicht das Regime ist schuld, sondern schuld sind die Bedingungen, in deren Rahmen wir leben, die Bedingungen, die wir in unserem Lande haben, die Entwicklungsbedingungen der Partei selbst.

Wenn wir in einer solchen Lage, angesichts einer solchen Kompliziertheit auch noch Gruppierungen zulassen, so werden wir die Partei zugrunde richten, sie aus einer fest geschlossenen Organisation, einer Organisation aus einem Guss in einen Bund von Gruppen und Fraktionen verwandeln, die untereinander Vereinbarungen treffen und zeitweilige Vereinigungen und Abkommen eingehen. Das wird keine Partei, das wird der Zerfall der Partei sein. Niemals, nicht für eine Minute, dachten sich die Bolschewiki die Partei anders denn als Organisation aus einem Guss, geschmiedet aus einem Stück, die einen Willen hat und in ihrer Arbeit alle Gedankenschattierungen in einem Strom praktischer Handlungen vereint.

Das aber, was Trotzki vorschlägt, ist grundfalsch, steht im Widerspruch zu den bolschewistischen Organisationsprinzipien und wird unvermeidlich zur Zersetzung der Partei, zu ihrer Zermürbung, zu ihrer Verwässerung, zur Verwandlung der einheitlichen Partei in eine Föderation von Gruppen führen. Wir, in unserer Lage, unter den Bedingungen der kapitalistischen Umkreisung, brauchen sogar nicht nur eine einheitliche, nicht nur eine fest zusammengeschlossene, sondern eine wirklich stählerne Partei, die fähig ist, dem Ansturm der Feinde des Proletariats standzuhalten, die fähig ist, die Arbeiter in den entscheidenden Kampf zu führen.

Was ist das Fazit?

Das Fazit besteht erstens darin, dass wir eine konkrete und bestimmte Resolution über die Ergebnisse dieser Diskussion ausgearbeitet haben, dass wir gesagt haben: Gruppierungen und Fraktionen können wir nicht dulden, die Partei muss eine einheitliche Partei, eine Partei aus einem Guss sein, man darf die Partei nicht dem Apparat gegenüberstellen, man darf nicht über die Gefahr einer Entartung der Kader schwatzen, denn diese Kader sind revolutionär, man darf nicht Risse finden wollen zwischen diesen revolutionären Kadern und der Jugend, die mit diesen Kadern gleichen Schritt hält und auch in Zukunft gleichen Schritt halten wird:

Wir haben auch einige positive Schlussfolgerungen. Die erste und grundlegende Schlussfolgerung besteht darin, dass die Partei sich künftig entschieden nach dem proletarischen Sektor unserer Partei orientieren und richten muss, dass der Zugang für nichtproletarische Elemente eingeschränkt, erschwert oder überhaupt gesperrt werden muss, während die Tore für proletarische Elemente weit geöffnet werden müssen.

Was die Gruppierungen und Fraktionen betrifft, so glaube ich, dass es an der Zeit für uns ist, jenen Punkt der Resolution über die Einheit zu veröffentlichen, der auf Vorschlag des Genossen Lenin vom X. Parteitag unserer Partei angenommen wurde, aber nicht zur Veröffentlichung bestimmt war. Die Mitglieder der Partei haben diesen Punkt vergessen. Ich fürchte, dass ihn nicht alle im Gedächtnis haben. Dieser Punkt, der bisher geheim geblieben ist, muss öffentlich bekannt werden und einen Platz in der Resolution finden, die wir zu den Ergebnissen der Diskussion annehmen werden. Wenn Sie gestatten, werde ich ihn verlesen. Er lautet:

,,Um innerhalb der Partei und in der gesamten Sowjetarbeit strenge Disziplin herbeizuführen und die größte Einheit bei Ausmerzung jeglicher Fraktionsmacherei zu erzielen, bevollmächtigt der Parteitag das ZK, im Falle (in Fällen) eines Disziplinbruchs oder des Wiederauflebens oder der Zulassung der Fraktionsmacherei, alle Disziplinarmaßnahmen der Partei, bis zum Ausschluss aus der Partei, und gegenüber Mitgliedern des ZK ihre Überführung in den Kandidatenstand und, als äußerste Maßnahme, sogar den Ausschluss aus der Partei in Anwendung zu bringen. Die Anwendung dieser äußersten Maßnahme (gegen Mitglieder des ZK, Kandidaten des ZK und Mitglieder der Kontrollkommission) kann nur unter der Bedingung erfolgen, dass ein Plenum des ZK einberufen wird, zu dem alle Kandidaten des ZK sowie alle Mitglieder der Kontrollkommission geladen werden. Erachtet diese gemeinsame Tagung der verantwortlichsten Leiter der Partei mit Zweidrittelmehrheit der Stimmen die Überführung eines ZK-Mitglieds in den Kandidatenstand oder den Ausschluss aus der Partei für notwendig, so muss diese Maßregel unverzüglich durchgeführt werden."

Ich denke, dass wir diesen Punkt in die Resolution über die Ergebnisse der Diskussion aufnehmen und ihn bekanntmachen müssen.

Schließlich eine Frage, die von der Opposition in einem fort gestellt wird und auf die sie offenbar nicht immer eine befriedigende Antwort erhält. Wessen Stimmungen bringen wir, die Opposition, denn zum Ausdruck? - fragen sie oft. Ich denke, dass die Opposition die Stimmungen des nichtproletarischen Sektors unserer Partei zum Ausdruck bringt. Ich denke, dass die Opposition, vielleicht ohne das selbst zu erkennen, ohne ihren Willen, unwillkürlich der Schrittmacher der Stimmungen des nicht-proletarischen Elements unserer Partei ist. Ich denke, dass die Opposition mit ihrer zügellosen Agitation für die Demokratie, die sie oft zu etwas Absolutem macht und zum Fetisch erhebt, die kleinbürgerliche Elementargewalt entfesselt.

Kennen Sie die Stimmungen solcher Genossen, wie die der Studenten Martynow, Kasarjan und anderer? Haben Sie Chodorowskis Feuilleton in der "Prawda" gelesen, in dem er Zitate aus Reden dieser Genossen wiedergab? Hier zum Beispiel ein Ausspruch Martynows (er ist, wie sich herausstellt, Mitglied der Partei): "Unsere Sache ist es, zu beschließen, die Sache des ZK aber ist es, den Beschluss auszuführen und weniger Überlegungen anzustellen." Es handelt sich hier um die Zelle der Hochschule beim Volkskommissariat für Verkehrswesen. Aber, Genossen, in unserer Partei gibt es insgesamt nicht weniger als 50000 Zellen; wenn jede Zelle so mit dem ZK umginge und meinte, dass es die Sache der Zellen sei, zu beschließen, die Sache des ZK aber, keine Überlegungen anzustellen, so fürchte ich, dass wir niemals zu irgendeiner Entscheidung gelangen werden. Woher kommt diese Stimmung bei den Martynows? Was gibt es dabei Proletarisches? Die Martynows aber sind für die Opposition - beachten Sie das. Gibt es einen Unterschied zwischen Martynow und Trotzki? Der Unterschied besteht nur darin, dass Trotzki die Attacke auf den Parteiapparat eröffnet hat, während Martynow ihn endgültig zerschlagen möchte.

Und hier ein anderer Hochschüler, Kasarjan, gleichfalls, wie sich herausstellt, Mitglied der Partei. "Was haben wir", fragt er, "die Diktatur des Proletariats oder die Diktatur der Kommunistischen Partei über das Proletariat?" Das, Genossen, sagt nicht der Menschewik Martow, sondern der "Kommunist" Kasarjan. Der Unterschied zwischen Trotzki und Kasarjan besteht darin, dass nach Trotzki die Kader entarten, während nach Kasarjan die Kader verjagt werden müssen, denn sie sitzen seiner Meinung nach dem Proletariat auf dem Nacken.

Ich frage: Welche Stimmungen bringen die Martynows und die Kasarjans zum Ausdruck? Die proletarischen? Natürlich nicht. Welche denn? Die Stimmungen der nichtproletarischen Elemente der Partei und des Landes. Ist es ein Zufall, dass diese Wortführer nichtproletarischer Stimmungen für die Opposition stimmen? Nein, das ist kein Zufall. (Beifall.)

 

 

2. SCHLUSSWORT

18. Januar

 

Ich sagte bereits im Referat, dass ich die Geschichte der Frage nicht berühren wollte, dass ich das nicht wollte, weil dadurch, wie ich mich ausdrückte, Elemente des Gezänks und gegenseitiger Beschuldigungen hereingebracht werden. Da aber Preobrashenski dies nun einmal wünscht, da er es nun einmal fordert, bin ich bereit, nachzugeben und ein paar Worte über die Geschichte der Frage der innerparteilichen Demokratie zu sagen.

Wie ist die Frage der innerparteilichen Demokratie im ZK aufgekommen? Sie kam erstmals auf dem ZK-Plenum im September auf, sie kam im Zusammenhang mit den Konflikten auf, die sich in den Betrieben ereigneten, und im Zusammenhang mit der von uns damals aufgedeckten Losgelöstheit einiger Partei- und Gewerkschaftsorganisationen von den Massen. Das ZK erkannte damals, dass es sich um eine ernste Sache handelte, dass sich in der Partei Mängel angehäuft hatten, dass es notwendig war, eine spezielle autoritative Kommission zu schaffen, die der Sache auf den Grund gehen, die Tatsachen studieren und konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lage in der Partei einbringen sollte. Dasselbe gilt für die Frage der Absatzkrise, der "Schere". Sowohl die Erörterung der Fragen als auch die Wahl der Kommission zur Frage der innerparteilichen Lage und zur Frage der "Schere" erfolgten ohne jede Teilnahme der Opposition. Wo war damals die Opposition? Wenn ich nicht irre, war Preobrashenski damals auf der Krim, Sapronow in Kislowodsk, Trotzki beendete in Kislowodsk seine Artikel über Kunst und schickte sich an, nach Moskau zu fahren. Noch vor ihrer Ankunft erörterte das ZK diese Frage in einer seiner Sitzungen. Sie, die bei ihrer Ankunft die Dinge fertig vorfanden, mischten sich mit keinem einzigen Wort ein, brachten keinen einzigen Einwand gegen den Plan des ZK vor. Zur Frage der Lage in der Partei wurde im September auf der Beratung der Sekretäre der Gouvernementskomitees das Referat des Genossen Dzierzynski verlesen. Ich behaupte, dass weder auf dem Septemberplenum noch auf der Beratung der Sekretäre die heutigen Mitglieder der Opposition auch nur mit einem einzigen Wort auf die "schwere Wirtschaftskrise" oder auf die "Krise in der Partei" und die "Demokratie" hindeuteten.

Wie Sie sehen, wurden die Fragen der Demokratie und der "Schere" vom Zentralkomitee selbst aufgeworfen, die Initiative lag voll und ganz in den Händen des ZK, die Mitglieder der Opposition aber schwiegen, denn sie glänzten durch Abwesenheit.

Das war sozusagen der erste Akt, das erste Stadium der Geschichte der Frage.

Der zweite Akt begann mit dem Plenum des ZK und der ZKK im Oktober. Als die Opposition mit Trotzki an der Spitze sah, dass das Vorhandensein von Mängeln innerhalb der Partei festgestellt worden war, dass das ZK sich dieser Sache bereits angenommen und Kommissionen geschaffen hatte und dass die Initiative - da sei Gott vor - in den Händen des ZK bleiben würde, versuchte sie, ja stellte sich das Ziel, dem ZK die Initiative zu entreißen und sich auf das Steckenpferd der Demokratie zu setzen, denn dieses Pferdchen ist bekanntlich hurtig, und man kann versuchen, mit ihm dem ZK zuvorzukommen. Auf dieser Grundlage entstanden jene Dokumente, über die sich Preobrashenski hier verbreitete - das Dokument der 46 [3] und der Brief Trotzkis. Derselbe Trotzki, der im September, einige Tage vor seinem fraktionellen Auftreten, auf dem Plenum geschwiegen und jedenfalls keine Einwände gegen die Beschlüsse des ZK erhoben hatte, entdeckte plötzlich, zwei Wochen danach, dass das Land und die Partei zugrunde gehen und dass er, Trotzki, dieser Patriarch der Bürokraten, ohne Demokratie nicht leben kann.

Uns mutete es etwas lächerlich an, aus dem Munde Trotzkis Reden über Demokratie zu hören, desselben Trotzki, der auf dem X. Parteitag die Durchrüttelung der Gewerkschaften von oben gefordert hatte. Aber wir wussten, dass zwischen dem Trotzki aus der Zeit des X. Parteitags und dem Trotzki unserer Tage kein großer Unterschied ist, denn sowohl damals als auch heute ist er für die Durchrüttelung der Leninschen Kader. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass er auf dem X. Parteitag die Leninschen Kader auf dem Gebiet der Gewerkschaften von oben durchrütteln wollte, während er jetzt dieselben Leninschen Kader auf dem Gebiet der Partei von unten durchrütteln will. Er braucht die Demokratie als Steckenpferd, als strategisches Manöver. Das ist die ganze Geschichte.

Denn wenn die Opposition der Sache wirklich hätte helfen wollen, wenn sie sachlich, kameradschaftlich an die Sache hätte herangehen wollen, so hätte sie sich mit ihrer Erklärung vor allem an die Kommissionen des Septemberplenums wenden und beispielsweise sagen müssen: "Wir sind der Meinung, dass eure Arbeit unbefriedigend ist, wir fordern, dass dem Politbüro über die Resultate eurer Arbeit Bericht erstattet und ein Plenum des ZK einberufen wird, dem wir unsere neuen Vorschläge unterbreiten werden" usw. Und wenn die Kommissionen sie nicht angehört hätten, oder wenn das Politbüro sie nicht angehört hätte, wenn es die Meinung der Opposition ignoriert oder sich geweigert hätte, das Plenum zur Prüfung der Vorschläge Trotzkis und überhaupt der Opposition einzuberufen, dann - und nur dann - hätte die Opposition das volle Recht gehabt, offen, über den Kopf des ZK hinweg an die Mitglieder der Partei zu appellieren und der Partei zu sagen: "Das Land steht vor dem Untergang, die Wirtschaftskrise greift um sich, die Partei geht zugrunde, wir haben die Kommissionen des ZK ersucht, diese Fragen zu prüfen - sie haben sich geweigert, uns anzuhören, wir haben versucht, uns an das Politbüro zu wenden - dabei ist nichts herausgekommen, wir sehen uns jetzt gezwungen, an die Partei zu appellieren, damit die Partei selbst sich der Sache annimmt." Ich zweifle nicht, dass die Partei hierauf geantwortet hätte: "Ja, das sind Revolutionäre der Tat, denn sie stellen das Wesen der Sache höher als deren Form."

Aber hat etwa die Opposition derart gehandelt? Hat sie auch nur ein einziges Mal versucht, sich mit ihren Vorschlägen an die Kommissionen des ZK zu wenden? Hat sie etwa daran gedacht, hat sie etwa versucht, die Fragen im Rahmen des ZK oder seiner Organe aufzuwerfen und zu lösen? Nein, einen solchen Versuch hat die Opposition nicht unternommen. Offenbar ging es der Opposition nicht darum, die innerparteiliche Lage zu verbessern, der Partei bei der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zu helfen, sondern darum, der Arbeit der Kommission und des ZK-Plenums zuvorzukommen, dem ZK die Initiative zu entreißen, sich auf das Steckenpferd der Demokratie zu setzen und, ehe es zu spät ist, recht viel Lärm zu machen, um zu versuchen, damit das Vertrauen zum ZK zu untergraben. Die Opposition hatte es offenbar eilig, "Dokumente" gegen das ZK fertig zustellen, wie Trotzkis Brief und die Erklärung der 46, um sie an die Studenten der Swerdlow-Universität, an die Rayons versenden und erklären zu können, sie, die Opposition, sei für die Demokratie, für die Verbesserung der Wirtschaft, das ZK aber hindere sie daran, sie brauche Hilfe gegen das ZK usw.

Das sind die Tatsachen.

Ich verlange, dass Preobrashenski diese meine Behauptungen widerlege. Ich verlange, dass er sie wenigstens in der Presse widerlege. Soll Preobrashenski die Tatsache widerlegen, dass das ZK-Plenum im September ohne die Opposition, vor dem Auftreten der Opposition, Kommissionen geschaffen hat. Soll Preobrashenski die Tatsache widerlegen, dass weder Trotzki noch die übrigen Oppositionellen versucht haben, sich mit ihren Vorschlägen an diese Kommissionen zu wenden. Soll Preobrashenski die Tatsache widerlegen, dass die Opposition von der Existenz dieser Kommissionen wusste, dass sie ihre Arbeit ignorierte, dass sie nicht versucht hat, die Angelegenheit im Rahmen des ZK zu erledigen.

Darum hat das ZK, als Preobrashenski und Trotzki im Oktober vor dem Plenum erklärten, sie wollten die Partei durch die Demokratie retten, das ZK aber sei blind und sehe nichts, sie ausgelacht und gesagt: Nein, Genossen, wir, das ZK, sind voll und ganz für die Demokratie, aber an eure Demokratie glauben wir nicht, denn wir sind der Ansicht, dass eure "Demokratie" ein strategisches Manöver gegen das ZK ist, ein Manöver, das von eurer Fraktionsmacherei diktiert ist.

Was beschloss nun damals die gemeinsame Plenartagung des ZK und der ZKK zur Frage der innerparteilichen Demokratie? Sie beschloss folgendes:

"Die gemeinsame Plenartagung billigt voll und ganz den vom Politbüro rechtzeitig festgelegten Kurs auf die innerparteiliche Demokratie sowie die vom Politbüro vorgeschlagene Verstärkung des Kampfes gegen jeden überflüssigen Aufwand und den zersetzenden Einfluss der NÖP auf einzelne Elemente der Partei.

Die gemeinsame Plenartagung beauftragt das Politbüro, alles Notwendige zu unternehmen, um die Arbeit der vom Politbüro und vom Septemberplenum eingesetzten Kommissionen zu beschleunigen: der Kommissionen 1. zur Frage der ´Schere´, 2. zur Frage des Arbeitslohns, 3. zur Frage der innerparteilichen Lage.

Das Politbüro soll nach Ausarbeitung der notwendigen Maßnahmen zu diesen Fragen beginnen, sie unverzüglich in die Tat umzusetzen, und hierüber auf dem nächsten ZK-Plenum Bericht erstatten."

Trotzki schreibt in einem seiner Briefe an das ZK, das Oktoberplenum sei der "krasseste Ausdruck des bürokratischen Kurses des Apparats" gewesen. Ist es nicht klar, dass diese Erklärung Trotzkis eine Verleumdung des ZK ist? Nur ein Mensch, der den Kopf verloren hat und von Fraktionsmacherei verblendet ist, kann nach dem verlesenen Dokument sagen, das Oktoberplenum sei der krasseste Ausdruck des Bürokratismus gewesen.

Was aber beschloss damals die gemeinsame Plenartagung des ZK und der ZKK über die "demokratischen" Manöver Trotzkis und der 46? Sie beschloss folgendes:

"Die gemeinsame Plenartagung des ZK und der ZKK mit Vertretern von 10 Parteiorganisationen erachtet das Auftreten Trotzkis in einer für die internationale Revolution und die Partei höchst verantwortungsvollen Zeit für einen schweren politischen Fehler, insbesondere weil der gegen das Politbüro gerichtete Angriff Trotzkis objektiv den Charakter eines fraktionellen Auftretens angenommen hat, das die Einheit der Partei zu gefährden droht und eine Parteikrise herbeiführt. Die gemeinsame Plenartagung stellt mit Bedauern fest, dass Trotzki zur Behandlung der von ihm aufgeworfenen Fragen den Weg gewählt hat, an einzelne Mitglieder der Partei zu appellieren, anstatt den einzig zulässigen Weg zu gehen diese Fragen zuvor in den Kollegien, deren Mitglied Trotzki ist, zur Diskussion zu stellen.

Der von Trotzki gewählte Weg war das Signal zu einer fraktionellen Gruppenbildung (Erklärung der 46).

Die gemeinsame Plenartagung des ZK und der ZKK und die Vertreter der 10 Parteiorganisationen verurteilen entschieden die Erklärung der 46 als Schritt fraktioneller Spaltungspolitik, die, wenn auch ohne den Willen der Unterzeichner dieser Erklärung, einen solchen Charakter angenommen hat. Diese Erklärung droht, dem gesamten Leben der Partei für die nächsten Monate den Stempel des innerparteilichen Kampfes aufzudrücken und so die Partei in einer für das Schicksal der internationalen Revolution höchst verantwortungsschweren Zeit zu schwächen."

Wie Sie sehen, Genossen, widerlegen die oben dargelegten Tatsachen entschieden das Bild der Lage, das Preobrashenski hier gezeichnet hat.

Der dritte Akt oder das dritte Stadium der Geschichte der Frage ist die Periode nach dem Oktoberplenum. Das Oktoberplenum beschloss, dem Politbüro vorzuschlagen, alle Maßnahmen zu treffen, um eine einträchtige Arbeit zu gewährleisten. Ich muss erklären, Genossen, dass wir in der Periode nach dem Oktober alle Maßnahmen getroffen haben, um eine einträchtige Arbeit mit Trotzki in Gang zu bringen, wenn ich auch sagen muss, dass dies nicht gerade eine leichte Sache ist. Wir hatten zwei inoffizielle Beratungen mit Trotzki, wir gingen alle Fragen der Wirtschaft und der Partei durch, wobei wir zu bestimmten Auffassungen gelangten, die keinerlei Meinungsverschiedenheiten hervorriefen. Die Fortsetzung dieser inoffiziellen Beratungen und dieser Versuche, innerhalb des Politbüros eine einträchtige Arbeit in Gang zu bringen, war, worüber ich schon gestern berichtete, die Schaffung einer Unterkommission aus drei Mitgliedern. Diese Unterkommission arbeitete auch den Resolutionsentwurf aus, der später vom ZK und von der ZKK als Resolution über die Demokratie angenommen wurde.

So war es.

Uns schien, dass nach der einstimmigen Annahme der Resolution kein Grund für Streitigkeiten, kein Grund für einen innerparteilichen Kampf mehr vorhanden sei. Und so war es auch in der Tat, bis Trotzki erneut auftrat und an die Rayons appellierte. Das unabhängig vom ZK und über den Kopf des ZK hinweg erfolgte Auftreten Trotzkis am Tage nach der Veröffentlichung der ZK-Resolution verdarb alles, änderte die Lage radikal und warf die Partei zurück, zurück zu neuen Diskussionen, zu neuem Kampf, einem schärferen Kampf als vorher. Man sagt, das ZK hätte die Veröffentlichung des Artikels Trotzkis verbieten sollen. Das ist falsch, Genossen. Das wäre von seiten des ZK ein überaus gefährlicher Schritt gewesen. Versuchen Sie mal, einen Artikel Trotzkis zu verbieten, der in den Rayons von Moskau bereits publik gemacht ist! Das ZK konnte sich auf solch einen unüberlegten Schritt nicht einlassen.

Das ist die Geschichte der Frage.

Aus dem Gesagten folgt, dass es der Opposition nicht so sehr um die Demokratie als darum ging, die Idee der Demokratie dazu auszunutzen, das ZK zu erschüttern, dass wir es bei der Opposition nicht mit Menschen zu tun haben, die der Partei zu helfen gewillt sind, sondern mit einer Fraktion, die dem ZK auflauerte: "Hoffentlich begeht es einen Fehler, verpasst etwas, dann werden wir ihm eins versetzen." Das ist eben eine Fraktion, wenn eine Gruppe von Parteimitgliedern gegen zentrale Parteiinstitutionen an einer Ecke auf der Lauer liegt, um entweder aus einer Missernte oder aus dem Fallen des Tscherwonzen oder aus anderen Schwierigkeiten der Partei Kapital zu schlagen, um dann hinter der Ecke, aus dem Hinterhalt hervorzuspringen und der Partei einen Schlag zu versetzen. Ja, das ZK hatte im Oktober recht, als es Ihnen, Genossen von der Opposition, sagte, dass die Demokratie eine Sache ist, eine andere Sache aber das Ränkeschmieden gegen die Partei, dass die Demokratie eine Sache ist, eine andere Sache aber - die Ausnutzung einer Sensationsmache mit Demokratie gegen die Mehrheit der Partei.

Das, Preobrashenski, ist die Geschichte der Frage, über die ich hier nicht sprechen wollte, über die zu sprechen ich aber gezwungen war, um Ihrem ausdrücklichen Wunsch nachzukommen.

Die Opposition hat es sich zur Regel gemacht, Genossen Lenin als den genialsten aller genialen Männer zu preisen. Ich fürchte, dass dieses Lob unaufrichtig ist und dass sich auch dahinter eine strategische List verbirgt: Man will mit einem Wortschwall von der Genialität des Genossen Lenin die Abkehr von Lenin verbergen und gleichzeitig die Schwächeseiner Schüler unterstreichen. Natürlich, wie sollten wir, die Schüler des Genossen Lenin, nicht wissen, dass Genosse Lenin der genialste aller genialen Männer ist und dass solche Männer nur einmal in Jahrhunderten geboren werden. Aber gestatten Sie, Preobrashenski, das ich Sie frage, warum Sie in der Frage des Brester Friedens mit diesem genialsten Mann auseinandergingen? Warum haben Sie diesen genialsten Mann in einem schwierigen Augenblick verlassen und nicht auf ihn gehört? Wo, in welchem Lager befanden Sie sich damals?

Und Sapronow, der jetzt heuchlerisch und pharisäisch Loblieder auf Genossen Lenin singt, ist derselbe Sapronow, der die Stirn hatte, Genossen Lenin auf einem der Parteitage einen "Ignoranten" und "Oligarchen" zu nennen! Warum unterstützte er den genialen Lenin zum Beispiel nicht auf dem X. Parteitag, warum fand man ihn in schwierigen Augenblicken stets im entgegengesetzten Lager, wenn er wirklich glaubt, dass Genosse Lenin der genialste aller genialen Männer ist? Weiß Sapronow, dass Genosse Lenin, als er auf dem X. Parteitag die Resolution über die Einheit einbrachte, die den Ausschluss der Fraktionsmacher aus der Partei forderte, unter anderem auch Sapronow im Auge hatte?

Und weiter: Warum fand man Preobrashenski nicht nur in der Periode des Brester Friedens, sondern auch später, in der Periode der Gewerkschaftsdiskussion, im Lager der Gegner des genialen Lenin? Ist das alles ein Zufall? Gibt es hier nicht eine gewisse Gesetzmäßigkeit? (Preobrashenski: "Ich habe versucht, mich nach meinem eigenen Verstand zu richten.")

Das ist sehr löblich, Preobrashenski, dass Sie sich nach Ihrem eigenen Verstand richten wollten. Aber sehen Sie, was dabei herauskommt: In der Brester Frage haben Sie sich nach Ihrem eigenen Verstand gerichtet und danebengehauen; dann bei der Diskussion über die Gewerkschaften haben Sie wiederum versucht, sich nach Ihrem eigenen Verstand zu richten, und haben wiederum danebengehauen; jetzt weiß ich nicht, ob Sie sich nach Ihrem eigenen oder einem fremden Verstand richten, aber anscheinend haben Sie doch wieder danebengehauen. (Heiterkeit.) Immerhin glaube ich, wenn sich Preobrashenski jetzt mehr nach seinem eigenen Verstand als nach dem Verstand Trotzkis richtete - einem Verstand, der in seinem Brief vom 8. Oktober Ausdruck gefunden hat -, so stünde er näher zu uns als zu Trotzki.

Preobrashenski hat dem ZK vorgeworfen, dass, solange bei uns Iljitsch an der Spitze stand, die Fragen rechtzeitig und ohne Verspätung entschieden worden wären, da Iljitsch es verstand, die neuen Ereignisse im Keim zu erfassen und Losungen auszugeben, die den Ereignissen vorgriffen, dass das ZK jetzt aber, nach Iljitsch, hinter den Ereignissen zurückzubleiben beginne. Was will Preobrashenski hiermit sagen? dass Iljitsch seine Schüler überragt? Aber zweifelt denn jemand daran? Hat denn irgendjemand Zweifel daran, dass Iljitsch im Vergleich zu seinen Schülern ein Goliath ist? Wenn es sich um den Führer der Partei handelt, nicht um einen Zeitungshelden, der einen Haufen Begrüßungen erhält, sondern um den wirklichen Führer, so gibt es bei uns nur einen Führer - Genossen Lenin. Eben deshalb wurde bei uns wiederholt betont, dass wir unter den gegenwärtigen Verhältnissen, da Genosse Lenin zeitweilig abwesend ist, auf ein Kollegium Kurs halten müssen. Was aber die Schüler des Genossen Lenin betrifft, so könnte man zum Beispiel auf die Ereignisse hinweisen, die mit dem Ultimatum Curzons [4] im Zusammenhang standen und die eine Art Prüfung, ein Examen für sie darstellten. Die Tatsache, dass wir damals ohne Schaden für die Sache aus den Schwierigkeiten herausgekommen sind, zeugt zweifellos davon, dass die Schüler des Genossen Lenin bei ihrem Lehrer bereits einiges gelernt haben.

Preobrashenski hat Unrecht, wenn er behauptet, dass unsere Partei in den früheren Jahren nicht hinter den Ereignissen zurückgeblieben wäre. Er hat Unrecht, weil diese Behauptung faktisch unwahr und theoretisch falsch ist. Man kann auf eine Reihe von Beispielen verweisen. Nehmen wir beispielsweise den Brester Frieden. Haben wir uns mit Brest etwa nicht verspätet? Bedurfte es etwa nicht solcher Tatsachen wie der Offensive der Deutschen und der allgemeinen Flucht unserer Soldaten, damit wir endlich die Notwendigkeit des Friedens einsahen? Der Zerfall der Front, die Offensive Hoffmanns [5], sein Vormarsch auf Petrograd, der Druck der Bauern auf uns - bedurfte es etwa nicht aller dieser Tatsachen, damit wir einsahen, dass das Tempo der internationalen Revolution nicht so schnell ist, wie wir es wünschten, dass unsere Armee nicht so stark ist, wie wir glaubten, und dass die Bauernschaft nicht so geduldig ist, wie einige von uns glaubten, dass sie den Frieden will und dass sie den Frieden mit Gewalt herbeiführen wird?

Oder nehmen wir als Beispiel die Aufhebung der Ablieferungspflicht. Haben wir uns etwa mit der Aufhebung der Ablieferungspflicht nicht verspätet? Bedurfte es etwa nicht solcher Tatsachen wie Kronstadt und Tambow [6], damit wir einsahen, dass es unmöglich war, unter den Bedingungen des Kriegskommunismus weiterzuleben? Hat etwa Iljitsch nicht selbst zugegeben, dass wir an dieser Front eine ernstlichere Niederlage erlitten hatten als jemals an den Fronten gegen Denikin und Koltschak?

Ist die Tatsache ein Zufall, dass die Partei in allen diesen Fällen hinter den Ereignissen zurückblieb, sich etwas verspätete? Nein, das ist kein Zufall. Wir hatten es hier mit einer Gesetzmäßigkeit zu tun. Es liegt auf der Hand, dass, da es sich hier nicht um allgemeine theoretische Voraussichten, sondern um die unmittelbare praktische Führung handelt, die regierende Partei, die am Steuer steht und von den Tagesereignissen in Anspruch genommen ist, nicht die Möglichkeit hat, die Prozesse, die tief unter der Oberfläche des Lebens vor sich gehen, sofort wahrzunehmen und zu erfassen, und dass es eines Anstoßes von außen und eines gewissen Entwicklungsgrades der neuen Prozesse bedarf, damit die Partei diese Prozesse wahrnimmt und sich auf sie orientiert. Eben deshalb blieb unsere Partei in der Vergangenheit hinter den Ereignissen etwas zurück und wird auch in Zukunft zurückbleiben. Und es geht hier gar nicht um das Zurückbleiben, sondern darum, den Sinn der Geschehnisse, den Sinn der neuen Prozesse zu erfassen und sie dann entsprechend der allgemeinen Entwicklungstendenz geschickt zu lenken. Gerade so ist es um die Frage bestellt, wenn man die Dinge mit den Augen eines Marxisten betrachtet und nicht mit den Augen eines Fraktionsmachers, der überall Schuldige sucht.

Preobrashenski entrüstet sich, dass die Vertreter des ZK über die Abweichungen Trotzkis vom Leninismus sprechen. Er entrüstet sich, hat aber, was das Wesen der Sache betrifft, keine Entgegnungen vorgebracht und überhaupt nicht versucht, seine Entrüstung zu begründen, er hat vergessen, dass Entrüstung kein Argument ist. Jawohl, es stimmt, dass Trotzki in Organisationsfragen vom Leninismus abweicht. Wir haben das behauptet und werden das weiter behaupten. Die bekannten Artikel in der "Prawda" mit der Überschrift "Nieder mit der Fraktionsmacherei", die der Feder Bucharins entstammen, sind voll und ganz der Frage der Abweichungen Trotzkis vom Leninismus gewidmet. Warum hat Preobrashenski, was das Wesen der Sache betrifft, keine Entgegnungen gegen die Grundgedanken dieser Artikel vorgebracht? Warum hat Preobrashenski nicht versucht, seine Entrüstung durch Beweisgründe oder durch etwas Ähnliches wie Beweisgründe zu erhärten? Ich sagte gestern und muss heute wiederholen, dass solche Schritte Trotzkis, wie die, dass er sich dem Zentralkomitee gegenüberstellt, dass er den Willen einer Reihe von Organisationen, die eine klare Antwort von Trotzki verlangen, ignoriert, dass er die Partei dem Apparat der Partei gegenüberstellt, dass er die Jugend den Kadern der Partei gegenüberstellt, dass er die Partei auf die studierende Jugend orientieren will und die Freiheit der Gruppierungen proklamiert - dass solche Schritte mit den Organisationsprinzipien des Leninismus unvereinbar sind. Warum hat denn Preobrashenski nicht versucht, diese meine Behauptung zu widerlegen?

Man spricht von einer Hetze gegen Trotzki. Hiervon haben Preobrashenski und Radek gesprochen. Genossen, ich muss erklären, dass die Erklärungen dieser Genossen über Hetze der Wirklichkeit keineswegs entsprechen. Ich will Sie an zwei Tatsachen erinnern, damit Sie die Möglichkeit haben, hierüber zu urteilen. Die erste Tatsache ist der Zwischenfall, zu dem es auf dem Septemberplenum des ZK kam, als Trotzki die Erklärung des ZK-Mitglieds Komarow, dass die ZK-Mitglieder die Ausführung der ZK-Beschlüsse nicht verweigern dürfen, damit beantwortete, dass er aufsprang und die Plenarsitzung verließ. Sie werden sich erinnern, dass das ZK-Plenum damals eine "Delegation" zu Trotzki sandte mit dem Ersuchen, zur Plenarsitzung zurückzukehren. Sie werden sich erinnern, dass Trotzki sich weigerte, dem Ersuchen des Plenums nachzukommen, und damit bekundete, dass er auch nicht die geringste Dosis Achtung für sein ZK hat.

Oder weiter die Geschichte einer anderen Tatsache, die darin besteht, dass Trotzki sich entschieden weigert, in den zentralen Sowjetorganen, im Rat für Arbeit und Verteidigung und im Rat der Volkskommissare, zu arbeiten, obwohl das ZK zweimal beschlossen hat, dass Trotzki endlich die Arbeit in den Sowjetorganen aufnehmen soll. Sie wissen, dass Trotzki nicht versucht hat, auch nur einen Finger zu rühren, um den Beschluss des ZK auszuführen. Wahrhaftig, warum sollte Trotzki nicht im Rat für Arbeit und Verteidigung, im Rat der Volkskommissare arbeiten? Warum sollte Trotzki, der sich darin gefällt, so viel über den Plan zu sprechen, warum sollte er nicht einmal in unsere Staatliche Plankommission hineinschauen? Kann man eine Lage als normal ansehen, wenn ein Mitglied des ZK einen Beschluss des ZK ignoriert? Zeugen nicht alle diese Tatsachen davon, dass das Gerede von Hetze leeres Geschwätz ist, dass, wenn es schon gilt, jemand zu beschuldigen, Trotzki selbst beschuldigt werden muss, dessen Verhalten man nur als eine Verhöhnung des ZK ansehen kann?

Völlig falsch sind die Betrachtungen Preobrashenskis über Demokratie. Preobrashenski stellt die Frage so: Entweder gibt es bei uns Gruppierungen, und dann gibt es eine Demokratie, oder man verbietet die Gruppierungen, und dann gibt es keine Demokratie. Freiheit der Gruppierungen und Demokratie sind bei ihm untrennbar miteinander verbunden. Wir fassen die Demokratie nicht so auf. Wir verstehen unter Demokratie Hebung der Aktivität und der Bewusstheit der Parteimasse, systematische Heranziehung der Parteimasse nicht nur zur Erörterung von Fragen, sondern auch zur Leitung der Arbeit. Die Freiheit der Gruppierungen, das heißt die Freiheit der Fraktionen - das ist ein und dasselbe - ist ein Übel, das die Partei zu zersplittern und in einen Diskussionsklub zu verwandeln droht. Sie haben sich selbst entlarvt, Preobrashenski, denn Sie verteidigen die Freiheit der Fraktionen. Die Parteimasse versteht unter Demokratie die Schaffung von Bedingungen, die eine aktive Teilnahme der Parteimitglieder an der Führung unseres Landes gewährleisten, ein paar Intellektuelle aus der Opposition aber fassen die Sache so auf, dass man ihnen die Möglichkeit geben müsse, eine Fraktion zu schaffen. Sie haben sich selbst entlarvt, Preobrashenski.

Und woher kommt bei Ihnen diese Angst vor dem siebenten Punkt über die Einheit der Partei, was gibt es hier zu fürchten? Der siebente Punkt besagt: "Um innerhalb der Partei und in der gesamten Sowjetarbeit strenge Disziplin herbeizuführen und die größte Einheit bei Ausmerzung jeglicher Fraktionsmacherei zu erzielen"... Aber sind Sie etwa gegen eine "strenge Disziplin innerhalb der Partei und in der Sowjetarbeit", Genossen von der Opposition, sind Sie etwa gegen all das? Ich habe ja gar nicht gewusst, Genossen, dass Sie dagegen sind. Und sind Sie, Sapronow und Preobrashenski, etwa dagegen, eine maximale Einheit und die "Ausmerzung der Fraktionsmacherei" zu erzielen? Sagen Sie es offen - vielleicht nehmen wir dann einige kleine Abänderungen vor. (Heiterkeit.)

Weiter: "Der Parteitag bevollmächtigt das ZK, im Falle eines Bruchs der Parteidisziplin oder des Wiederauflebens der Fraktionsmacherei, Disziplinarmaßnahmen der Partei in Anwendung zu bringen"... Fürchten Sie sich denn auch hiervor? Haben denn Sie, Preobrashenski, Radek, Sapronow, wirklich die Absicht, die Parteidisziplin zu verletzen, die Fraktionsmacherei wieder aufleben zu lassen? Nun, und wenn Sie das nicht beabsichtigen, was haben Sie dann zu fürchten? Sie entlarven sich selbst, Genossen, durch die Panik, die Sie ergriffen hat. Da Sie den siebenten Punkt der Resolution über die Einheit fürchten, sind Sie offenbar für die Fraktionsmacherei, für den Disziplinbruch, gegen die Einheit. Wenn Sie aber nicht gegen all das sind, warum geraten Sie dann in Panik? Wenn Sie ein reines Gewissen haben, wenn Sie für die Einheit, gegen die Fraktionsmacherei und gegen den Disziplinbruch sind, ist es dann nicht klar, dass die strafende Hand der Partei Sie nicht treffen wird? Was gibt es da zu fürchten? (Zwischenruf: "Warum kommen Sie denn damit, wenn man keine Angst zu haben braucht?")

Wir wollen es Ihnen ins Gedächtnis rufen. (Heiterkeit, Beifall. Preobrashenski: "Sie schrecken die Partei.")

Wir schrecken die Fraktionsmacher, aber nicht die Partei. Glauben Sie wirklich, Preobrashenski, dass Partei und Fraktionsmacher ein und dasselbe seien? Man sieht, ein schlechtes Gewissen verrät sich selbst. (Heiterkeit.)

Weiter: "Und, gegenüber Mitgliedern des ZK Überführung in den Kandidatenstand und, als äußerste Maßnahme, sogar den Ausschluss aus der Partei ... Die Anwendung dieser äußersten Maßnahme gegen Mitglieder des ZK, Kandidaten des ZK und Mitglieder der ZKK kann nur unter der Bedingung erfolgen, dass ein Plenum des ZK einberufen wird."

Was ist hieran schrecklich? Wenn Sie nicht Fraktionsmacher sind, wenn Sie gegen die Freiheit der Gruppierungen sind, wenn Sie für die Einheit sind, so müssen Sie, Genossen von der Opposition, für den siebenten Punkt der Resolution des X. Parteitags stimmen, denn er ist ausschließlich gegen Fraktionsmacher gerichtet, ausschließlich gegen diejenigen, die die Einheit der Partei, ihre Stärke beeinträchtigen, ihre Disziplin verletzen. Ist das etwa nicht klar?

Ich komme zu Radek. Es gibt Menschen, denen die Zunge gegeben ist, um ihrer Herr zu sein und sie in Gewalt zu haben. Das sind gewöhnliche Menschen. Und es gibt Menschen, die ihrer eigenen Zunge unterliegen und in ihrer Gewalt sind. Das sind ungewöhnliche Menschen. Zu dieser Art ungewöhnlicher Menschen gehört Radek. Ein Mensch, dem die Zunge gegeben ist, nicht um sie in seiner Gewalt zu haben, sondern um sich von seiner eigenen Zunge beherrschen zu lassen, wird nicht wissen können, wann und was diese Zunge schwatzt. Wenn Sie die Möglichkeit gehabt hätten, die Reden Radeks in verschiedenen Versammlungen zu hören, so würden Sie über sein heutiges Auftreten erstaunt sein. In einer der Diskussionsversammlungen behauptete Radek, die Frage der innerparteilichen Demokratie sei eine belanglose Frage, er, Radek, sei eigentlich gegen die Demokratie, es gehe jetzt im Grunde genommen nicht um die Demokratie, sondern darum, was das ZK mit Trotzki zu tun gedenke. In einer anderen Diskussionsversammlung erklärte derselbe Radek, der Demokratie innerhalb der Partei komme keine große Bedeutung zu, die Demokratie innerhalb des ZK hingegen sei von allergrößter Wichtigkeit, denn im ZK habe sich seiner Meinung nach ein Direktorium gebildet. Heute aber erklärt derselbe Radek unumwunden, dass die innerparteiliche Demokratie ebenso notwendig sei wie Luft und Wasser, denn ohne Demokratie gäbe es, wie sich herausstellt, keine Möglichkeit, die Partei zu leiten. Welchem von diesen drei Radeks soll man nun glauben - dem ersten, dem zweiten oder dem dritten? Wo ist die Garantie dafür, dass Radek, beziehungsweise seine Zunge, nicht in der nächsten Zukunft neue unerwartete Erklärungen abgeben wird, die alle vorangegangenen Erklärungen widerlegen? Kann man sich auf einen Menschen wie Radek verlassen? Kann man hiernach zum Beispiel der Erklärung Radeks, Boguslawski und Antonow seien aus "fraktionellen Erwägungen" bestimmter Funktionen enthoben worden, einen Wert beimessen?

Über Boguslawski habe ich bereits gesprochen, Genossen... Was Antonow-Owsejenko betrifft, so gestatten Sie mir, Ihnen folgendes mitzuteilen. Antonow ist auf Grund eines vom ZK-Plenum bestätigten Beschlusses des Orgbüros des ZK seines Postens in der PUR (Abkürzung für Polititscheskoje Uprawlenije rabotsche-krestjanskoi Krasnoi Armii = Politische Verwaltung der Roten Arbeiter- und Bauernarmee. Der Übers) enthoben worden. Er ist vor allem deshalb seines Postens enthoben worden, weil er ohne Wissen des ZK und ohne Vereinbarung mit dem ZK ein Rundschreiben über die Einberufung einer Konferenz der Zellen der Militärhochschulen und der Luftflotte versandte, auf deren Tagesordnung die internationale Lage, der Parteiaufbau usw. stehen sollten, obwohl Antonow wusste, dass die PUR einer Abteilung des ZK gleichkommt. Er ist ferner deshalb seines Postens in der PUR enthoben worden, weil er an alle Militärzellen ein Rundschreiben über die Formen der Anwendung der innerparteilichen Demokratie versandte, entgegen dem Willen des ZK und ungeachtet der vorherigen Aufforderung des ZK, dieses Rundschreiben mit den Plänen des ZK in Einklang zu bringen. Er ist schließlich deshalb seines Postens enthoben worden, weil er an das ZK und die ZKK einen im Ton völlig ungehörigen und dem Inhalt nach absolut unzulässigen Brief sandte, der dem ZK und der ZKK androhte, die "überheblich gewordenen Führer" zur Ordnung rufen zu wollen.

Genossen! Man kann und muss Oppositionelle zu verantwortlichen Funktionen zulassen. Man kann und muss zulassen, dass die Abteilungsleiter des ZK die Arbeit des ZK kritisieren. Aber man kann nicht zulassen, dass der Leiter der PUR, die einer Abteilung des ZK gleichkommt, sich systematisch weigert, in der Arbeit Kontakt mit seinem ZK herzustellen, man kann nicht zulassen, dass ein verantwortlicher Funktionär die elementaren Anstandsregeln mit Füßen tritt. Man kann einem solchen Genossen nicht die Erziehung der Roten Armee anvertrauen. So verhält es sich mit Antonow.

Schließlich muss ich einige Worte zu der Frage sagen, wessen Stimmungen eigentlich die Genossen von der Opposition bei ihrem Auftreten zum Ausdruck bringen. Ich muss zu dem "Fall" der Genossen Kasarjan und Martynow aus der Hochschule des Volkskommissariats für Verkehrswesen zurückkehren. Dieser "Fall" zeugt davon, dass bei einem Teil der Hochschüler nicht alles wohlbestellt ist, dass der Parteikern in ihnen schon verfault ist, dass sie innerlich bereits mit der Partei gebrochen haben und eben deshalb mit Vergnügen für die Opposition stimmen. Ich bitte um Entschuldigung, Genossen, aber Leute, die in parteilicher Hinsicht durch und durch verfault sind, gibt es nicht unter denen, die für die Resolution des ZK gestimmt haben, und kann es nicht geben. Bei uns gibt es solche Menschen nicht, Genossen. Bei uns, in unseren Reihen, gibt es keinen, der sagen würde: "Was haben wir denn eigentlich - die Diktatur des Proletariats oder die Diktatur der Kommunistischen Partei über das Proletariat?" Das ist ein Satz von Martow und Dan. Das ist ein Satz aus den "Dni" [7] der Sozialrevolutionäre, und wenn Sie in Ihren Reihen solche Verteidiger haben, was ist dann Ihre Position wert, Genossen von der Opposition? Oder zum Beispiel ein anderer Genosse, Genosse Martynow, der glaubt, dass das ZK zu schweigen habe, die Zellen aber beschließen müssten. Ihr, das ZK, so sagen sie, könnt das ausführen, was wir, die Zellen, beschlossen haben. Bei uns gibt es aber 50000 Zellen. Wenn sie zum Beispiel die Frage des Ultimatums Curzons zu entscheiden hätten, so würden wir in zwei Jahren zu keiner Entscheidung in dieser Frage kommen. Das ist doch Anarcho-Menschewismus von reinstem Wasser. Wenn diese Leute, die den Kopf verloren haben und in parteilicher Hinsicht durch und durch verfault sind, bei Ihnen in der Fraktion sitzen, was ist dann Ihre Fraktion wert? (Zwischenruf: "Sind sie Mitglieder der Partei?")

Ja, leider sind sie Mitglieder der Partei, aber ich bin bereit, alle Maßnahmen zu ergreifen, damit solche Menschen nicht weiterhin Mitglieder unserer Partei bleiben. (Beifall.) Ich sagte, dass die Opposition die Stimmungen und Bestrebungen der nichtproletarischen Elemente in der Partei und außerhalb der Partei zum Ausdruck bringt. Ohne sich dessen bewusst zu sein, entfesselt die Opposition die kleinbürgerliche Elementargewalt. Die Fraktionsarbeit der Opposition ist Wasser auf die Mühle der Feinde unserer Partei, auf die Mühle derjenigen, die die Diktatur des Proletariats schwächen, die sie stürzen wollen. Ich habe dies gestern gesagt und ich bestätige dies heute.

Aber vielleicht möchten Sie andere, neue Zeugen hören? Nun wohl, ich kann Ihnen dieses Vergnügen bereiten und zum Beispiel auf die Aussagen des Ihnen bekannten S. Iwanowitsch verweisen. Wer ist dieser S. Iwanowitsch? Er ist ein Menschewik und war Mitglied der Partei, als wir zusammen mit den Menschewiki noch eine Partei bildeten. Später geriet er in Differenzen mit dem ZK der Menschewiki und wurde ein rechter Menschewik. Die rechten Menschewiki aber sind eine Gruppe menschewistischer Interventionisten, deren Tagesaufgabe darin besteht, die Sowjetmacht zu stürzen, und sei es mit Hilfe ausländischer Bajonette. Ihr Organ ist die "Sarja" [8]. Redakteur dieses Organs ist S. Iwanowitsch. Wie steht nun dieser rechte Menschewik zu unserer Opposition, was für ein Zeugnis stellt er ihr aus? Hören Sie:

"Wir wollen der Opposition dankbar sein, dass sie in so markanter Weise das Bild der grauenerregenden moralischen Kloake, die sich KPR betitelt, wiedergegeben hat. Wir wollen ihr dankbar sein, dass sie der KPR einen ernstlichen moralischen und organisatorischen Schlag versetzt hat. Wir wollen ihr dankbar sein, dass ihre Arbeit die Sache aller derer erleichtert, die im Sturz der Sowjetmacht die Aufgabe der sozialistischen Parteien sehen."

Da haben Sie Ihr Zeugnis, Genossen von der Opposition.

Zum Schluss meiner Rede möchte ich den Genossen von der Opposition dennoch wünschen, dieser Kuss S. Iwanowitschs möge nicht allzu fest an ihnen haften bleiben. (Anhaltender Beifall.)

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen - Band 6

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