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Der Sieg der Pariser Kommune



von Wolfgang Eggers





Lenin definierte die Pariser Kommune alsdie Umwandlung eines Völkerkrieges in einen Bürgerkrieg“ (Lenin, Werke Band 21, Seite 26).

Mit dieser wichtigen Definition begründete Lenin auch die Umwandlung des 1. Weltkrieges in einen Bürgerkrieg. Lenin ging dabei von den objektiven Bedingungen des Kapitalismus aus: Eine solche Umwandlung ist natürlich nicht leicht und kann nicht `auf Wunsch` einzelner Parteien vollzogen werden. Aber gerade diese Umwandlung entspricht den objektiven Bedingungen des Kapitalismus im Allgemeinen und seiner Endepoche im Besonderen. In dieser und nur in dieser Richtung haben die Sozialisten zu wirken“ (Lenin, ebenda).

Marx und Engels erkannten, dass der Sieg der Pariser Kommune durch eine besondere Situation der momentanen Schwäche der kriegführenden Gegner begünstigt wurde – die sich im Deutsch-Französischen Krieg nur für einen minimalen Augenblick für den günstigen Ausgang des Aufstandes bot. Die Armeen des französischen Kaiserreiches waren entweder außerhalb von Paris eingeschlossen oder gefangen in Deutschland, und der ausländische, deutsche Feind war erst bis zu den Toren vor Paris vorgedrungen. Mit der Belagerung der Stadt Paris finden wir historisch die altbekannte Tatsache der internationalen kapitalistischen Einkreisung der Arbeitermacht vor, auf die noch ausführlich einzugehen ist. Nur so viel sei hier angemerkt, dass es ausgerechnet die belagernden Soldaten waren, die die belagerten solidarisch unterstützten. Hier haben wir in Keimform den entscheidenden Faktor der internationalistischen solidarischen Unterstützung der aufständischen Arbeiter:

Die preußischen Truppen, die die Nordosthälfte von Paris umlagerten, hatten Befehl, keine Flüchtline durchzulassen, doch drückten die Offiziere oft ein Auge zu, wenn die Soldaten dem Gebot der Menschlichkeit mehr gehorchten als dem des Oberkommandos; namentlich aber gebührt dem sächsischen Armeekorps der Ruhm, dass es sehr human verfuhr und viele durchließ, deren Eigenschaft als Kommunekämpfer augenscheinlich war“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 195).

Sowohl die äußere als auch die innere Konterrevolution hatten sich während des Kriegsverlaufs gegenseitig geschwächt und waren in einem bestimmten Augenblick neutralisiert und damit kräftemäßig nicht fähig, die Arbeiterrevolution (gemeinsam) niederzuschlagen.

Zum entscheidenden Zeitpunkt an der entscheidenden Stelle das ausschlaggebende Übergewicht an Kräften besitzen – dieses `Gesetz` militärischer Erfolge ist auch Gesetz des politischen Erfolgs, insbesondere in dem schweren, erbitterten Krieg der Klassen, der Revolution heißt“ (Lenin, Band 30, Seite 248).

Der Feind kann in die Lage der Passivität geraten, die wir für unsere Initiative, für unsere Offensive ausnutzen“ (Generallinie der Komintern (SH).

Eine ähnliche Situation des geschwächten Klassengegners innerhalb und außerhalb Russlands begünstigte den Sieg der Oktoberrevolution.

Warum begann die Oktoberrevolution, am schwächsten Glied die imperialistische Kette durchzubrechen?

Nicht weil das russische Proletariat anderen voraus war, sondern weil die Schwäche und Rückständigkeit des russischen Kapitalismus und die drückende Situation des 1. Weltkrieges die Bolschewiki nötigte, eine vorgeschobene Position vor den anderen Abteilungen der sozialistischen Weltarmee zu beziehen, ohne abzuwarten, bis diese Abteilungen heran marschiert waren, sich erhoben hatten. Zur Zeit des ersten Durchbruchs der imperialistischen Kette an seinem schwächsten Glied, in der Zeit des Sturzes des zaristischen, imperialistischen Russlands durch die Oktoberrevolution, der Entstehung des ersten sozialistischen Staates, dem Sozialismus »in einem Lande«, da befand sich der Kapitalismus in einer Phase, in der er als monopolistischer Kapitalismus schon auf dem absterbenden Ast saß, wo die Welt bereits unter die kapitalistischen Gruppen aufgeteilt war, und die Neuaufteilung kriegerische Zusammenstöße forderte, wo der 1. Weltkrieg die Weltfront des Kapitalismus schwächte und dadurch in einzelnen Ländern den Durchbruch ermöglichte. Die hervorgewachsenen Monopole führten zu einer gewaltigen weltweiten Vergesellschaftung der Arbeit, dass Lenin den sterbenden Kapitalismus als Beginn des Übergangs zum Sozialismus charakterisierte. Dies vollzog sich gesetzmäßig im Kampf der Gegensätze, wobei das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der sprunghaften Entwicklung der kapitalistischen Länder immer schärfer und krasser wirkte - nicht nur auf die imperialistischen Länder selbst, sondern auf ausnahmslos alle Länder der ganzen Welt. Die Oktoberrevolution zerriss also nicht nur deshalb das schwächste Glied in der Kette des Imperialismus, weil Russland ein rückständiges Land war, das Privateigentum leichter abschaffen konnte und der Zarismus schwach war. Die Ursache für den Durchbruch war in erster Linie der Krieg, der das Land in eine verzweifelte Lage mit Hungersnöten gebracht hatte, das Volk so sehr geschwächt hatte, dass der einzige Ausweg für Russland die Oktoberrevolution war.

Der Durchbruch am schwächsten Kettenglied ist demnach nicht allein deswegen am wahrscheinlichsten, weil dort die revolutionären Kräfte am „stärksten“ wirken, denn die internationale Konterrevolution wäre viel zu stark und würde auch die allerstärksten revolutionären Kräfte in jedem Land - isoliert betrachtet - niederringen. Die Sache ist aber die: Wie die bisherigen Revolutionen zeigen, die aus dem 1. und 2. Weltkrieg hervorgegangen sind, hatten sich die imperialistischen Räubergruppen so sehr ineinander verkettet, dass sie, (um die Welt untereinander neu aufzuteilen, wozu sie das Gesetz des Imperialismus zwingt), ihre sämtlichen Kräfte hierauf konzentrieren mussten. Das schwächste Kettenglied kann also nur unter der Voraussetzungen abspringen, wenn sich die stärksten Kettenglieder so sehr gegenseitig binden und behindern, dass sie das Abspringen gar nicht verhindern können, selbst wenn sie es wollten. Die Imperialisten konnten also zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Kräfte gar nicht auf die Niederschlagung der Revolution konzentrieren weil ihre Spaltung sie schwächte und »ihre Hände gebunden« waren. Es ist also die Spaltung des Weltimperialismus, die ihre Kette an der schwächsten Stelle zum Zerreißen bringt, also in einem ganz bestimmten Zustand der Schwächung ihrer stärksten Kettenglieder, in einem Zustand, wo die internationale Konterrevolution sich nicht geschlossen gegen eine Revolution vereinigen und zur Hilfe eilen kann, weil eben die internationale Konterrevolution gespalten und geschwächt wird“ (zitiert aus: Generallinie der Komintern (SH).

Die Bestimmung und Festlegung des richtigen Zeitpunkts für den Aufstand in Zusammenhang mit der Beobachtung des Eintretens eines bestimmten, selbst herbeigeführten, inneren Schwächezustands des Gegners kann - in realistischer Einschätzung des eigenen mobilen Kräftepotentials - also für den Sieg oder die Niederlage, für den Ausgang des Aufstandes von großer und entscheidender Bedeutung sein.

So warnten Marx und Engels vor den schlimmen Folgen sowohl eines verfrühten als auch eines verspäteten Aufstandes. So auch vor den Folgen eines verfrühten Pariser Aufstandes.

Marx warnte in seiner Zweiten Adresse des Generalrats der Internationale vom 9. September 1870:

Sich nicht beherrschen lassen durch die nationalen Erinnerungen von 1792“,

die Organisation ihrer eigenen Klasse gründlich durchführen“, sich nicht das Ziel setzen, die Regierung zu stürzen („eine verzweifelte Torheit“).

Dasselber schrieb Eugène Dupont, Sekretär der Internationale (des Generalrats) für Frankreich am 7. September 1870 (Will,G., „Histoire du mouvement social en France 1852-1902“ / „Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich 1852-1902“).

In dem Augenblick aber als der Versuch der französischen Regierung, das Pariser Proletariat zu entwaffnen durch Beschlagnahme der Geschütze der Nationalgarde am 18. März 1871, mit einem revolutionären Aufstand beantwortet wurde, begrüßten ihn Marx und Engels begeistert, stellten sie sich im Bürgerkrieg auf die Seite der Pariser Kommune gegen die Versailler Regierung.

Wie Lenin bemerkte, verhielt sich Marx zur Pariser Revolution „als Teilnehmer des Massenkampfes, den er mit der ihm eigenen Glut und Leidenschaft (...) miterlebte (Lenin, Band 12, Seite 101).

Marx gab der Kommune konkrete militärische Ratschläge:

Ich riet ihren Mitgliedern, die Nordseite der Anhöhen von Monmartre, die preußische Seite, zu befestigen, und sie hatten noch Zeit, dies zu tun; ich sagte ihnen im Voraus, dass sie sonst in eine Mausefalle geraten würden“ (Marx an Kugelmann 12. 4. 1871).

Marx schätzte die historische Bedeutung der Kommune hoch ein – hätten die Arbeiter während des verräterischen Vorstoßes der Versailler Bande gegen die Bewaffnung des Pariser Proletariats sich kampflos die Waffen wegnehmen lassen, so wäre die verhängnisvolle Wirkung der durch eine derartige Schwäche in die proletarische Bewegung hineingetragenen Demoralisation unendlich viel größer gewesen als der Schaden infolge der Verluste, die die Arbeiterklasse im Kampfe für die Verteidigung ihrer Waffen erlitten hat“ (Lenin, Band 13, Seite 485).

Die Verteidigung der Kommune hielten Marx und Engels für die höchste Pflicht der Arbeiter aller Länder.

Bereits in den ersten Tagen der Revolution von Paris mobilisierten sie mit Hilfe der Internationalen Arbeiterassoziation alle Kräfte des internationalen Proletariats zur Unterstützung der Kommunarden. Marx und Engels betrachteten die Pariser Kommune als geistiges Kind der Internationale, als die praktische Verwirklichung ihrer Prinzipien und sahen in ihrer Errichtung einen ungeheuren Gewinn nicht nur für die Arbeiterklasse in Paris, sondern für die Proletarier aller Länder in inhrem Kampf für die Revolution.

Wie die Sache auch unmittelbar verlaufe, ein neuer Ausgangspunkt von welthistorischer Wichtigkeit ist gewonnen“ (Marx` Brief an Kugelmann vom 17. April 1871).

Mit der Pariser Kommune begann ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte, die Periode des beginnenden Verfalls des Kapitalismus,“ wie Stalin feststellte,“ ... des Hinüberwachsens des alten `freien` Kapitalismus in den Imperialismus und des Sturzes des Kapitalismus in der UdSSR durch die Kräfte der Oktoberrevolution“ (Stalin, Kirow, Shdanow, Bemerkungen zu der Skizze eines Lehrbuchs der neueren Geschichte, Moskau 1938, zit. Nach Geschichte der Diplomatie, Band II, Berlin 1948, Seite 13).

Die Republik der Sowjets ist also jene gesuchte und endlich gefundene politische Form, in deren Rahmen die ökonomische Befreiung des Proletariats, der vollständige Sieg des Sozialismus vollzogen werden muss. Die Pariser Kommune war der Keim dieser Form. Die Sowjetmacht ist ihre Entwicklung und Vollendung“ (Stalin, Fragen des Leninismus, Berlin 1951, Seite 49).

Marx stand mit den Kommunarden in unmittelbarem Kontakt, sammelte Informationen, unterzog sie einer Analyse und verallgemeinerte die Erfahrungen der Pariser Kommune zum Nutzen des gesamten Weltproletariats. Im „Bürgerkrieg in Frankreich“ kennzeichnete Marx die Staatsmacht der bürgerlichen Ausbeutergesellschaft und ihre Armee als eine „öffentliche Gewalt zur Unterdrückung der Arbeiterklasse“ und als „eine Maschine der Klassenherrschaft“. Er kam zu dem Schluss, dass das Pariser Proletariat die Macht nur ergreifen konnte, weil es die Staatsmaschinerie zerschlug, deren „rein unterdrückender Charakter offner und offner“ hervorgetreten war, dass die Arbeiterklasse nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen kann“ (MEW, Band 17, Seite 336).

Die Pariser Kommune schaffte das stehende Heer ab und ersetzte es durch Volksbewaffnung. Und wir werden heute die stehenden Heere der ganzen Welt durch die gemeinsame und gegenseitige Bewaffnung aller Völker ersetzen. In seinem Brief an Kugelmann vom 12. 4. 1871 schrieb Karl Marx:

Wenn du das letzte Kapitel meines `Achtzehnten Brumaire` nachsiehst, wirst du finden, dass ich als nächsten Versuch der französischen Revolution ausspreche, nicht mehr wie bisher die bürokratisch-militärische Maschinerie aus einer Hand in die andere zu übertragen, sondern sie zu zerbrechen, und dies ist die Vorbedingung jeder wirklichen Volksrevolution (...).“ Wir möchten hinzufügen und davon ableiten: ... die Vorbedingung der wirklichen Weltrevolution. Wir werden den naiven Glauben in die globalisierte militärische Mission der Weltbourgeoisie durch die proletarische Weltrevolution erschüttern.

Zwar musste das revolutionäre aber ausgehungerte Paris am 28. Januar 1871 kapitulieren,aber mit bisher in der Kriegsgeschichte unerhörten Ehren (...) die Nationalgarde behielt ihre Waffen und Kanonen und trat nur in Waffenstillstand gegen die Sieger. Und diese selbst wagten nicht, in Paris im Triumph einzuziehen (...) Solchen Respekt flößten die Pariser Arbeiter dem Heere ein, vor welchem sämtliche Heere des Kaiserreiches die Waffen gestreckt; und die preußischen Junker, die hergekommen waren, um Rache zu nehmen am Herd der Revolution, mussten ehrerbietig stehenbleiben und salutieren vor eben dieser bewaffneten Revolution“ (Marx, Engels, Ausgewählte Werke, Band I, Seite 450).

Die Pariser Kommune war die größte proletarische Bewegung des 19. Jahrhunderts, die Sowjetunion die größte sozialistische Bewegung des 20. Jahrhunderts.



Karl Marx kritisierte die Kommunarden wegen ihrer Sorglosigkeit, wegen ihrer ungenügenden Härte gegenüber den Konterrevolutionären:

Paris, arbeitend, denkend, kämpfend, blutend, über seiner Vorbereitung einer neuen Gesellschaft fast vergesend der Kannibalen vor seinen Toren“ (MEW; Band 17, Seite 349).

Marx lehrte die Arbeiter, dass die proletarische Macht organisiert und stark sein muss, dass sie über die erforderlichen Mittel zur Unterdrückung der Konterrevolution verfügen muss, dass auch nach Errichtung der Macht der Arbeiterklasse im nationalen Maßstab [- und wir merken hier ausdrücklich an: auch nach Errichtung der Macht des Weltproletariats im internationalen !! Maßstab - ihr möglicherweise noch „sporadische Sklavenhalter-Rebellionen“ bevorstehen. Marx unterstrich, dass die allseitige Festigung des proletarischen Staates – auch und besonders des Weltstaates !! ; sei hier heute angemerkt – ] eine absolute Notwendigkeit ist. Erst dann werden die Anschläge der reaktionären Kräfte zum Scheitern verurteilt sein. Sie würdenzwar das Werk des friedlichen Fortschritts für den Augenblick unterbrechen, die Bewegung aber nur beschleunigen, weil sie der Sozialen Revolution das Schwert in die Hand geben“ ( MEW; Band 17, Seite 546).

Je grausamer die internationale Konterrevolution ihr Schwert heute gegen das Weltproletariat, gegen die Völker erhebt, um die internationale, imperialistische Sklaverei aufrechtzurhalten, desto größer ist das Schwert, dass sie dem Weltproletariat in die Hand gibt, um die weltimperialistische Tyrannei zu brechen und zu richten – das ist eine der wesentlichen Erkenntnisse des revolutionären Marxismus, das ist eine der wichtigsten Grundsätze, auf der sich die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst von heute stützen wird.

Auch Engels „tadelte“ die Pariser Kommune:

Ich kenne nichts Autoritäreres als eine Revolution, und wenn man mit Bomben und Gewehrkugeln gegen seine Feinde kämpft, scheint mir das ein Akt der Autorität zu sein. Hätte es in der Pariser Kommune ein wenig mehr Autorität und Zentralisation gegeben, so hätte sie über die Bourgeoisie gesiegt. Nach dem Sieg können wir uns organisieren, wie wir wollem, doch für den Kampf scheint es mir notwendig, alle unsere Kräfte zusammenzuballen und sie auf denselben Angriffspunkt zu richten. Und wenn man mir sagt, das sei nicht möglich ohne Autorität und Zentralisation, und das seien zwei absolut verdammenswerte Dinge, dann scheint mir, dass diejenigen, die so sprechen, entweder nicht wissen, was eine Revolution ist, oder dass sie Revolutionäre nur in Worten sind“ (Engels, MEW, Band 33, Seite 372-373).

Am schwersten begreiflich ist allerdings der heilige Respekt, womit man vor den Toren der Bank von Frankreich ehrerbietig stehenblieb. Das war auch ein schwerer politischer Fehler. Die Bank in den Händen der Kommune – das war mehr wert als zehntausend Geiseln“ (MEW, Engels, Band 22, Seite 196).

Aus den Lehren der Pariser Kommune schöpften Marx und Engels die klaren Forderungen des Arbeitersozialismus, nämlich die Notwendigkeit der gewaltsamen Aneignung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft:

Hinter dem Recht auf Arbeit steht die Gewalt über das Kapital, hinter der Gewalt über das Kapital die Aneignung der Produktionsmittel, ihre Unterwerfung unter die assoziierte Arbeiterklasse, also die Aufhebung der Lohnarbeit wie des Kapitals und ihres Wechselverhältnisses“ (MEW, Band 7, Seite 41/42).

Während die demokratischen Kleinbürger die Revolution möglichst rasch... zum Abschluss bringen wollen, ist es unser Interesse und unsere Aufgabe, die Revolution permanent zu machen, so lange, bis alle mehr oder weniger besitzenden Klassen von der Herrschaft verdrängt sind, die Staatsgewalt vom Proletariat erobert und die Assoziation der Proletarier nicht nur in einem Lande, sondern in allen herrschenden Ländern der ganzen Welt so weit vorgeschritten ist, dass die Konkurrenz der Proletarier in diesen Ländern aufgehört hat und dass wenigstens die entscheidenden produktiven Kräfte in den Händen der Proletarier konzentriert sind. Es kann sich für uns nicht um Veränderung des Privateigentums handeln, sondern nur um seine Vernichtung, nicht um Vertuschung der Klassengegensätze, sondern um Aufhebung der Klassen, nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um Gründung einer neuen“ (MEW, Band 7, Seite 247-248).

Und das hier Gesagte veranlasst uns um so mehr zum Festhalten an der Permanenz der Weltrevolution, die eine besondere Form der weltrevolutionären Kriegskunst voraussetzt. Was lernen wir daraus ?

1. Man darf die rein militärische Bedeutung des internationalen Klassenkampfes, der Weltrevolution nicht unterschätzen;

2. Bei der „Expropriation der Expropriateure“ darf das revolutionäre Weltproletariat nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Nur beides zusammengenommen sichert die Früchte der siegreichen sozialistischen Weltrevolution.

Eine Revolution ist gewiss die autoritärste Sache, die es gibt, ein Akt, durch den ein Teil der Bevölkerung seinen Willen dem anderen Teil durch Flinten, Bajonette und Kanonen, alles das sehr autoritäre Mittel, aufzwingt; und die Partei, die gesiegt hat, muss ihre Herrschaft durch den Schrecken, den ihre Waffen den Reaktionären einflößen, behaupten. Und hätte sich die Pariser Kommune mit der Autorität eines bewaffneten Volkes gegen die Bourgeoisie bedient, hätte sie sich länger als einen Tag behauptet? Können wir sie nicht umgekehrt tadeln, dass sie sich zu wenig dieser Autorität bedient habe?“ (Engels „Von der Autorität“ ;1872/73) Und zum 20. Jahrestag sagte Engels über die Pariser Kommune:

Seit nunmehr zwanzig Jahren sind die Arbeiter von Paris ohne Waffen, und so ist es überall; in allen zivilisierten Ländern ist das Proletariat der materiellen Verteidigungsmittel beraubt. Überall sind es die Feinde und Ausbeuter der Arbeiterklasse, die über die gesamte bewaffnete Streitmacht verfügen. Doch wozu hat das geführt? Dazu, dass heute, da jeder taugliche Mann durch die Armee geht, diese Armee mehr und mehr die Gefühle und Ansichten des Volkes widerspiegelt, dass diese Armee, das Hauptwerkzeug der Unterdrückung, von Tag zu Tag unzuverlässiger wird. Schon sehen die Männer an der Spitze aller großen Staaten mit Schrecken den Tag nahen, an dem die unter Waffen stehenden Soldaten sich weigern werden, ihre Brüder und ihre Väter zu massakrieren (...) Es lebe die internationale soziale Revolution!“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 186-187).

 

 

 

Marx reagierte auf die Niederlage der Pariser Kommune, und lehrte das Proletariat, wie es mit dieser Niederlage und ihren Folgen umgehen sollte, insbesondere wie die Arbeiterklasse den entfachten Zorn und die blutige Rache der wutschnaubenden Reaktion begegnen sollte. Bismarck ließ 60 000 Kriegsgefangene frei, um eine konterrevolutionäre Armee gegen die Pariser Kommune aufzustellen, die die deutschen Linien zu diesem Zweck passieren durften. Allen Regierungen der europäischen Staaten war die Angst so sehr in die Knie gefahren, dass sie einen grausamen Feldzug gegen die I. Internationale und die Arbeiterorganisationen organisierten. In dieser reaktionären Offensive entlarvten Marx und Engels die Intrigen der Reaktionäre und leiteten den Kampf für den Zusammenschluss und die unbeirrbare Fortsetzung der Festigung der proletarischen Organisation, den Kampf für die Sammlung neuer Kräfte der Werktätigen und die Reorganisierung der Reihen der I. Internationale, den Kampf gegen den Opportunismus in den eigenen Reihen. Schließlich versuchte der Reaktion mit und ohne Gewalt, die internationale Verbreitung der revolutionären Flamme des heroischen Pariser Proletariats zu löschen und die I. Internationale von innen und außen zu liquidieren.

Um die Haltung der Internationale zum proletarischen Internationalismus zu begründen, studierten Marx und Engels eingehend die Geschichte des irischen Volkes. Sie entwickelten den Gedanken, dass das Proletariat der Unterdrückernation im Interesse seiner eigenen Freiheit gegen die Politik der nationalen und militärischen Unterdrückung kämpfen müsse, was Lenin das Grundprinzip des Internationalismus und Sozialismus nannte. Engels schrieb: „An der irischen Geschichte kann man sehen, welch ein Pech es für ein Volk ist, wenn es ein anderes unterjocht hat“ (MEW, Band 32, Seite 378). Die Befreiung Irlands ist eine Notwendigkeit für die englische Arbeiterklasse, um die dadurch erzeugte Schwächung der englischen Herrschaft für die eigene proletarische Revolution zu nutzen. Ohne Untrstützung des bewaffneten nationalen, revolutionären Befreiungskampfes wird es keinen Sieg der proletarischen Weltrevolution geben. Das ist die Lehre aus den Erkenntnissen, die Marx und Engels aus der irischen Befreiungsbewegung zogen.

Marx und Engels betrachteten alle militärischen Fragen vom Standpunkt des internationalen Proletariats aus, von den Arbeiterparteien der Länder und auch von der Ersten Internationale. Insbesondere beharrten sie darauf, sich von der schwankenden liberalen Bourgeoisie selbständig abzugrenzen, die sich historisch aus Feigheit allzu oft auf Kompromisse mit der Reaktion einließ und vor dieser insbesondere in Kriegssituationen kapitulierte. Es hat sich ebenso gezeigt, dass die Angst der Liberalen vor dem revolutionären Volk meist viel größer ist als vor der Reaktion. So hat sich der Marxismus auch in der Militärfrage klar und deutlich vom Lassalleanismus, vom „königlich preußischen Regierungssozialismus“ distanziert ( siehe MEW, Band 16, Seite 79).

Die Kommune war die entschiedene Negation jeder Staatsmacht und darum der Beginn der sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts. Was daher immer ihr Geschick in Paris, sie wird ihren Weg um die Welt machen“ (Marx, MEW, Band 17, Seite 542). Wer nun meint, Marx habe sich indirekt gegen die Staatsmacht des Proletariats ausgesprochen, ist auf dem Holzweg. Es soll sogar „Marxisten-Leninisten in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gegeben haben, die uns auf diesen Holzweg führen möchten.

Mit der Pariser Kommune begann eine neue Periode im Befreiungskampf des Proletariats, in der der Aufbau proletarischer Parteien im Vordergrund stand, die sich von den Prinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus von Marx und Engels leiten lassen und ohne die die proletarische Revolution nicht erfolgreich verwirklicht werden kann.

Gerade an der Peripherie zwischen der Pariser Kommune und der Oktoberrevolution, mit dem Beginn einer neuen Periode des bewaffneten Klassenkampfes, klinkten sich die Opportunisten aller Couleur ein, um daraus Gegensätzlichkeiten zu konstruieren und darauf aufbauend im Trüben zu fischen. Man kann aber nicht die Pariser Kommune gegen die Oktoberrevolution ernsthaft verteidigen wollen , ebensowenig wie man die Oktoberrevolution gegen die Volksrevolution in Albanien und gegen die heutigen, vorzubereitenden sozialistischen Revolutionen verteidigen kann, ohne im Sumpf des Opportunismus elendig zu versinken.

Nur die Pariser Kommune, nur die Oktoberrevolution und nur die albanische Volksrevolution sind für uns Marxisten-Leninisten im Sinne des Sozialismus siegreich verlaufen, und wird die revolutionäre Weltbewegung stets auf ihren Schultern stehen. Alle anderen Revolutionen halten diesem Kriterium nicht stand und dürfen deswegen nicht mit ihnen auf eine Stufe gehoben werden. Genauso darf man zwischen der Militärtheorie von Marx und Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha keine Gegensätze konstruieren oder etwa den einen oder anderen Klassiker ausklammern. Alle Klassiker waren zu ihrem historischen Zeitpunkt die Führer des Weltproletariats und die Führer der marxistischen Kriegswissenschaft. Und nur alle Klassiker zusammengenommen ergeben das vollständige Bild der marxistisch-leninistischen Militärtheorie und Klassenkriegskunst, aus denen wir für alle Zeiten zu lernen haben. Auf der Grundlage der Erkenntnisse der Klassiker auf dem militärischen Gebiet gehen wir heute an die Verallgemeinerung der gegenwärtigen Erfahrungen des internationalen Klassenkampfes heran, um die marxistisch-leninistische Militärtheorie und die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst ständig weiter zu entwickeln zum Nutzen der proletarischen Weltrevolution. Wir kommunistischen Soldaten kämpfen nur auf diesen theoretischen und praktischen Grundlagen, auf keinen anderen. Wir lassen uns weder ein auf fremde (bürgerliche) Militärtheorien, noch geben wir uns her für irgendwelche, ominösen „Revolutionen“ mit allen möglichen Klasseninteressen. Wir ergreifen das Gewehr ausschließlich für unsere eigenen Interessen, für die proletarische Revolutionen, die ihrem Wesen und Charakter vollkommen der Pariser Kommune, der Oktoberrevolution und der albanischen Volksrevolution entsprechen - das schließt natürlich nicht aus, dass wir alle revolutionären Bewegungen – auch mit der Waffe in der Hand – unterstützen bzw. sogar – wo möglich - deren Führung übernehmen, die direkt oder indirekt für unsere proletarischen Revolutionen nützlich sind. Wir sind weder revisionistische noch sektiererische Soldaten, wir sind marxistisch-leninistische Soldaten !! Soldaten mit sektiererischen oder revisionistischen Fehlern können wir helfen. Fehler korrigieren durch Kritik und Selbstkritik, ist nicht das Problem. Aber ausgemachte Revisionisten oder Sektierer haben in unseren Reihen keinen Platz, und wir werden auch nicht in irgendeiner „Einheitsfront“ Seite an Seite mit ihnen kämpfen, denn sie sind Feinde des Proletariats und versuchen in unsren eigenen Reihen oder in den Reihen einer „Einheitsfront“, auf der Seite der Bourgeoisie zu kämpfen. Einheitsfront mit Truppen, die dem Gegner dienen, auch wenn sie noch so sehr schwören, auf unserer Seite zu stehen, das ist ein absolutes Unding. Eine revolutionäre Truppe kann keiner Niederlage entgehen, wenn sie in ihren eigenen Reihen den Feind aktiv werden lässt, um so mehr gilt das für die Führung der roten Truppe.

Um diese und andere Katastrophen zu vermeiden, ist es eben unerlässlich, dass jeder rote Soldat mit seiner geistigen Waffe genauso gut umgehen kann wie mit seiner Waffe in der Hand. Er muss stets lernen, diese beiden „Waffengattungen“ in jedem Augenblick, in jeder Situation in ihrem einheitlichen Gebrauch zu beherrschen. Das unterscheidet die rote Armee von jeder konterrevolutionären Armee (einschließlich der revisionistischen Armee), wo ja noch ( oder wieder) das militaristische System des Gegensatzes zwischen „Hand - und Kopfarbeit“ angewandt wird .