Marx und Engels





Begründer der marxistischen Militärtheorie



und der wissenschaftlichen Kriegsgeschichte

[ Auszug aus: Kapitel 2 des Lehrbuchs über die marxistisch-leninistischen Grundlagen der weltproletarischen Militärwissenschaft weltrevolutionären Klassenkriegsführung ]







Die Klassiker

über die Grundlagen der marxistisch-leninistischen Militärwissenschaft

und über die

Kunst der weltrevolutionären Kriegsführung



Die Bedeutung der Klassiker für die Lösung der militärischen Frage der Weltrevolution


Der Marxismus-Leninismus ist das geschlossene System der Weltanschauungen und der internationalen Lehren von Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir I. Lenin, Josef. W. Stalin und Enver Hoxha. Die marxistisch-leninistische Militärwissenschaft und die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst als marxistisch-leninistische Militärtaktik ist das geschlossene, gemeinsame, internationale Werk der 5 Klassiker. Marx und Engels begründeten die materialistische Kriegsgeschichte und schufen die marxistische Militärwissenschaft und die Klassenkriegstaktik des Weltproletariats. Sie wurde nicht nur von den nachfolgenden Klassikern Lenin, Stalin und Enver Hoxha weiterentwickelt und meisterhaft angewandt, sondern dabei auf eine neue qualitativ höhere Stufe gehoben zur Militärwissenschaft des sozialistischen Staates, zu einem wissenschaftlichen Instrument der Diktatur des Proletariats. Die Klassiker des Marxismus-Leninismus waren nicht nur die theoretischen und praktischen Führer der internationalen Arbeiterbewegung im Allgemeinen , sondern insbesondere auch die bewaffneten Führer des bewaffneten Weltproletariats. Sie zeichneten sich also dadurch als Führer des Weltproletariats aus, dass sie die militärische Theorie des Proletariats mit der militärischen Praxis meisterhaft verknüpften und damit dem bewaffneten, revolutionären Klassenkampf des vereinigten Proletariats ein leuchtendes kommunistisches Ziel und eine klare, marxistische Richtung verliehen. Ohne Kriterium eines bewaffneten Führers des bewaffneten Weltproletariats kann man überhaupt nicht von einem Klassiker des Marxismus-Leninismus sprechen. Dies ist ein ganz wichtiges Kriterium, mit dem wir Marxisten-Leninisten von der Komintern/ML uns deutlich vom bürglichen Sozialismus, vom Revisionismus im Allgemeinen und vom Neo-Revisionismus im Besonderen abgrenzen. Wer das militärische Kriterium für den Rang der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus ausklammert oder verfälscht, kann nicht wahrhaft für die proletarische, sozialistische Weltrevolution kämpfen, kann nicht den Sieg des Weltsozialismus erringen, ist zum Scheitern verurteilt, nimmt alle möglichen Standpunkte ein, aber keinen marxistisch-leninistischen. Wir können nur wahre Anti-Revisionisten sein, wenn wir die militärischen Lehren und den militärischen Kampf der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus gegen die Neo-Revisionismus in Wort und Tat verteidigen. Die Dialektik der Klassikerfrage ist nicht nur die höchste Form des ideologischen, sondern auch des militärischen Klassenkampfes des Weltproletariats. Die richtige Bestimmung der Klassikerfrage ist nicht zuletzt in militärischer Hinsicht entscheidend für die ganze Zukunft des Kommunismus.


Wir, Marxisten-Leninisten, die wir an der Spitze des Titanenkampfes stehen, der heute zwischen dem Proletariat und den unterdrückten Völkern, die nach Freiheit streben, auf der einen und den brutalen, raubgierigen Imperialisten auf der anderen Seite geführt wird, müssen die Absichten, die Taktiken, die Arten und Formen des Kampfes der gemeinsamen Feinde wie der besonderen Feinde jedes Landes genau verstehen. Dies können wir nicht in erforderlicher Weise, wenn wir uns nicht fest auf die marxistisch-leninistische Theorie der Revolution stützen, wenn wir nicht sehen, dass in der gegenwärtigen Situation und in der Zukunft eine Reihe schwacher Glieder der Kette des Weltkapitalismus existieren bzw. existieren werden, wo die Revolutionäre und die Völker eine ununterbrochene Tätigkeit, einen organisierten, unbeugsamen und mutigen Kampf entfalten müssen, um diese Kettenglieder eines nach dem anderen zu zerbrechen“ (Enver Hoxha, „Imperialismus und Revolution“, Seite 79, dt. Ausgabe). Wie lange noch das schwächste Kettenglied in den Händen der Reaktion verbleibt und wann es in die Hände der Weltrevolution fällt ? Auf jeden Fall wird es Ausgangspunkt des weiteren Verlaufs der Weltgeschichte sein, wird die revolutionäre Flut an der schwächsten Stelle den imperialistischen Schutzwall durchbrechen.






Marx und Engels



- die Begründer der marxistischen Militärtheorie und der wissenschaftlichen Kriegsgeschichte -




Die Morgenröte einer neuen und besseren Gesellschaft steigt für die unterdrückten Klassen aller Länder leuchtend empor. Und überall schließen die Unterdrückten ihre Reihen; überall reichen sie sich über die Grenzen, über die verschiedenen Sprachen hinweg die Hand. ES FORMIERT SICH DAS HEER DES INTERNATIONALEN PROLETARIATS“

(Engels, MEW, Band 22, Seite 477, formuliert vor 110 (!) Jahren; hervorhebung vom Verfasser).



Es ist das besondere Verdienst von Marx und Engels, die historische Rolle der bewaffneten Emanzipation der Arbeiterklasse erkannt und die Militärwissenschaft auf den internationalistischen Boden dieser Klasse gestellt zu haben.


Marx und Engels entwickelten eine meisterhafte Kritik an der bürgerlichen Militärwissenschaft, analysierten die Bürgerkriege und die bewaffneten Klassenauseinandersetzungen der Geschichte und ihrer Gegenwart und kamen zu höchst revolutionären Schlussfolgerungen. Nicht nur Lenin hat daraus für die russische Revolution wertvvolle Lehren ziehen können, sondern die militärischen Erkenntnisse von Marx und Engels sind auch zur Zeit Stalins und Enver Hoxhas von großer Bedeutung gewesen. Auch heute sind sie noch hoch aktuell und sind als theoretische Grundlage unverzichtbar für unseren praktischen Kampf. Marx und Engels nahmen eine tiefgründige Einschätzung der mit den ältesten Zeiten beginnenden Kriegsgeschichte vor, der Geschichte der Entstehung und Entwicklung der Armeen ebenso wie die Analyse der Organisation und des Zustandes der bewaffneten Streitkräfte ihrer Zeit, der Methoden und Formen der Kiegführung und des bewaffneten Kampfes. Damit schufen sie die Grundlage der marxistischen Militärwissenschaft und einer wissenschaftlichen Geschichte der Kriegskunst. Insbesondere die Gedanken von Marx und Engels über die Frage des bewaffneten Aufstandes sind fester Bestandteil der Schatzkammer der marxistisch-leninistischen Militärwissenschaft. Gestützt auf Marx und Engels entwickelten Lenin und Stalin die Lehren des bewaffneten Aufstandes weiter, die durch den Sieg der Oktoberrevolution glänzend bestätigt wurden. Auch Enver Hoxha stützte sich auf Marx, Engels, Lenin und Stalin im antifaschistischen Befreiungskampf, der zum glänzenden Sieg der Volksrevolution in Albanien geführt hat.



Beginnen wir mit einem kurzen Zitat, in dem Marx den Wert der geistigen und materiellen (Kriegs)Produktion verglichen hat. Wir finden diese Stelle in den Beilagen des Bandes 26,1 auf Seite 329, ein Hinweis von Hobbes über die ökonomische Rolle der Wissenschaft, über die Arbeit und den Wert, in dem es heißt:

Künste von gesellschaftlichem Nutzen, wie (...) die Herstellung von Kriegsmaschinen und anderen Kriegswerkzeugen, stellen Macht dar, da sie zur Verteidigung und zum Sieg beitragen; aber obwohl ihre wahre Mutter die Wissenschaft, nämlich die Mathematik, ist, so gelten dennoch, weil sie von der Hand des Handwerkers ans Licht gebracht wurden, diese als ihre Urheber(...)“. Und Marx fügte diesem Zitat hinzu: Das Produkt der geistigen Arbeit – die Wissenschaft – steht immer tief unter ihrem Wert. Weil die Arbeitszeit, die nötig ist, um sie zu reproduzieren, in gar keinem Verhältnis steht zu der Arbeitszeit, die zu ihrer Originalproduktion erforderlich ist“ (Marx, MEW, Band 26,1, Seite 329). Das trifft natürlich zweifellos speziell auch auf den ökonomischen Zusammenhang zwischen Kriegsproduktion und Kriegswissenschaft zu.

Die vollkommene Einheit von geistiger und materieller sozialistischer Kriegsproduktion stellt die sozialistische Kriegsführung auf eine feste Basis und macht sie erst möglich. Natürlich setzt eine sozialistische Kriegsführung die Diktatur des Proletariats voraus. Ohne Diktatur des Proletariats kann es weder eine sozialistische Kriegsführung, noch eine sozialistische Kriegsproduktion und auch keine sozialistische Kriegswissenschaft geben. [So ist ja auch die maoistische Kriegsführung schon deswegen keine sozialistische, weil es in China nie eine Diktatur des Proletariats gegeben hat]. Die sozialistische Kriegsführung ist militärischer Ausdruck der Diktatur des Proletariats.

Die geistige Kriegsproduktion, die Kriegswissenschaft stellt also einen unschätzbaren Wert für die materielle Kriegsproduktion dar, die den Wert der Arbeitszeit, die zur materiellen Kriegsproduktion erforderlich ist, bei weitem übersteigt. Vom richtigen Einsatz der Kriegswissenschaft ist der Wert der materiellen Kriegsproduktion abhängig und davon der Sieg oder die Niederlage der Revolution, des Sozialismus, also Leben und Tod der ganzen Gesellschaftsordnung. Engels hat auf die revolutionierende Wirkung der Kriegswissenschaft für die Entwicklung jeder neuen Gesellschaftsformation immer wieder hingewiesen, so sagte er über die Kriegswissenschaft des alten Fritz: Das Epochemachende in der Kriegswissenschaft des alten Fritz besteht darin, dass er innerhalb der Grenzen der damaligen Kriegsführung überhaupt die alte Taktik den neuen Instrumenten gemäß umschuf und ausbildete“ (Engels, MEW, Band 7, Seite 483).

Das beste Beispiel liefert uns der große vaterländische Krieg des Sowjetvolkes. Stalin würdigte die Sowjetwissenschaft in dieser schweren Zeit mit den Worten: Unsere Intelligenz tritt in Technik und Kultur kühn als Neuerer auf, entwickelt erfolgreich die moderne Wissenschaft weiter und verwendet schöpferisch ihre Errungenschaften für die Erzeugung von Waffen für die Rote Armee. Die Sowjetintelligenz hat durch ihre aufbauende Arbeit einen unschätzbaren Beitrag zur Zerschmetterung des Feindes geleistet“ ( Zitat bei Kalinin,“Vom moralischen Antlitz des sowjetischen Volkes“, Seite 35, Berlin 1946). Der zweite Weltkrieg war auch ein Kampf der sozialistischen Kriegswissenschaft gegen die imperialistische Kriegswissenschaft, den die sozialistische Kriegswissenschaft schließlich unter harter Prüfung für sich entschieden hat. Noch nie war die Schöpferkraft der Kriegswissenschaft so stark ausgeprägt wie im großen vaterländischen Krieg. Diese erstreckte sich auf alle Gebiete der Sowjetwissenschaft. Die Sowjetphysiker schufen theoretische und experimentelle Voraussetzungen für die Konstruktion neuer Waffenarten; die Mathematiker arbeiteten Methoden schnellerer Berechnung für die Artillerie, die Luftwaffe und die Kampfschiffe aus; die Chemiker fanden neue Methoden zur Produktion von Sprengstoffen, Kegierungen und pharmazeutischen Mitteln; die Biologie erforschte neue Quellen für die Ernährung der Roten Armee und der Bevölkerung, die Mediziner retteten durch neue Methoden der Kriegsmedizin Zehntausende wertvoller Soldatenleben. Die gesamte Wissenschaft stellte sich in den Dienst der Kriegswissenschaft, um der Roten Armee die größtmögliche Unterstützung und Hilfe zu erweisen. Dabei soll – auch im Hinblick auf die einmal erforderlich werdende Zentralisierung der Zusammenarbeit der revolutionären Kriegswissenschaftler im Dienste der proletarischen Weltrevolution – daran erinnert werden, dass alle fortschrittlichen Wissenschaftler der Welt das einstige Vaterland des Weltproletariats ebenfalls unterstützt haben, die Welt vom deutschen Faschismus zu befreien. Und damit haben sie auch einen historischen Beitrag für die Verteidigung des Zentrums der Weltrevolution geleistet.

Würden sich die Klassiker auch nur einen Augenblick auf die bürgerliche Kriegswissenschaft verlassen und nicht ihre eigene Kriegswissenschaft entwickelt haben, hätte der sozialistische Staat niemals das Licht der Welt erblickt - und er wird es wohl auch nur schwerlich wieder zu Gesicht bekommen, wenn wir nicht auch die sozialistische Kriegswissenschaft auf das erforderliche internationale Niveau heben und für die proletarische, sozialistische Weltrevolution nutzbar machen.


Marx und Engels waren die Kenner der Kriegsgeschichte und der Kriegskunst. Sie beschäftigten sich mit fast allen Militärtheorien und -theoretikern aller Zeiten, insbesondere aber aus ihrer Zeit. Ihre Erkenntnisse und Schlussfolgerungen, die Marx und Engels aus diesen Theorien zogen, insbesondere ihr kritisches Urteil über die Theoretiker selbst und, wie weit diese überhaupt den materialistischen Kriegscharakter, die Kriegsursachen, die Kriegsinteressen, die Kriegsziele, die Kriegsführung, den Verlauf, das Ende und die Folgen des Krieges usw. usf. erkennen, kommentieren und einschätzen, bzw. die notwendigen Schlussfolgerungen daraus ziehen konnten – aus all diesem mühevoll zusammengetragenen Material, wissenschaftlich ausgewertet und am Maßstab der Praxis überprüft, entwarfen Marx und Engels überhaupt das erste Mosaikbild der Kriegsgeschichte und Kriegskunst . Wenn Marx und Engels damals ihre Sichtweise formulierten, so müssen wir das heute historisch relativieren. Damit soll gesagt sein, dass man sich heute davor hüten muss, die bürgerlichen Wissenschaften im damaligen Kampf gegen den Feudalismus mit ihrem heutigen Kampf gegen den Sozialismus gleichzusetzen. Die bürgerliche Militärwissenschaft diente zunächst der Befreiung der Bourgeoisie und heute dient sie der Unterdrückung der Befreiung des Proletariats. Also ist es unsere Aufgabe, die bürgerlichen Wissenschaften vom militärischen Standpunkt des Proletariats aus nicht nur richtig in ihrer historischen Entwicklung richtig einzuschätzen, sondern auch gebührend zu kritisieren – schließlich handelt es sich um die Militärwissenschaft unseres Klassenfeindes!

Das hält uns natürlich nicht davon ab, insbesondere die imperialistischen, militaristischen Doktrinen, die militärischen Theorien des Klassengegners genau zu studieren, so wie wir das Feindstudium ganz allgemein als unverzichtbar betrachten – was wohl hier auch nicht unbedingt näher begründet werden muss. Aber man muss nicht nur die Stärken und Schwächen des Gegners richtig einschätzen, man muss auch die Stärken und Schwächen seiner eigenen theoretischen Kampfausrüstung selbstkritisch beurteilen und daraus die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen.


Nehmen wir Clausewitz als Beispiel, wo Stalin, befragt, ob denn Lenins Bewertung der Clausewitz`schen Militärtheorie veraltet sei, klar und deutlich geantwortet hatte. Hier veröffentlichen wir den vollständigen Wortlaut von Stalins Antwortschreiben an Oberst Professor Dr. Rasin auf einen Brief vom 30. Januar 1946 über Clausewitz und über Fragen des Krieges und der Kriegskunst (23. 2. 1946, Stalin Band 17, Seite 25-27, KPD/ML, Hamburg, 1973):


Ich habe Ihren Brief vom 30. Januar über Clausewitz sowie Ihre kurzgefassten Thesen über den Krieg und die Kriegskunst erhalten.

1. Sie fragen, ob der Standpunkt Lenins in der Bewertung von Clausewitz nicht veraltet sei.

Meiner Meinung nach ist die Frage nicht richtig gestellt.

Bei einer solchen Fragestellung könnte man glauben, dass Lenin die kriegswissenschaftliche Lehre und die kriegswissenschaftlichen Werke von Clausewitz analysiert, sie vom militärischen Standpunkt bewertet und uns eine Reihe von Leitsätzen zu militärischen Fragen hinterlassen hat, die uns als Richtschnur dienen sollen. Diese Fragestellung ist falsch, da es tatsächlich keine solchen „Thesen“ von Lenin über die kriegswissenschaftliche Lehre von Clausewitz und seine Werke gibt.

Im Unterschied zu Engels hielt sich Lenin nicht für einen Fachmann auf militärischem Gebiet. Dafür hielt er sich weder früher, das heißt vor der Oktoberrevolution, noch später nach der Oktoberrevolution bis zur Beendigung des Bürgerkrieges. Im Bürgerkrieg verpflichtete Lenin uns, die wir damals noch junge Genossen aus dem Zentralkomitee waren, ` die Kriegskunst gründlich zu studieren`. Was ihn selbst betrifft, so erklärte er uns unimwunden, dass es für ihn bereits zu spät sei, die Kriegskunst zu erlernen. Damit ist letzten Endes zu erklären, dass Lenin in seinen Urteilen über Clausewitz und seinen Bemerkungen über das Buch von Clausewitz keine rein militärischen Fragen berührt wie etwa der militärischen Strategie und Taktik und ihres Verhältnisses zueinander, der Wechselbeziehung zwischen Vormarsch und Rückzug, Verteidigung und Gegenangriff und so weiter.

Was interessierte aber dann Lenin bei Clausewitz und wofür zollte er ihm Anerkennung? Er zollte ihm vor allem dafür Anerkennung, dass Clausewitz, der kein Marxist war und der seinerzeit als eine Autorität auf dem Gebiet der militärischen Theorie galt, in seinen Werken die bekannte marxistische These bestätigte [hervorgehoben vom Verfasser], dass zwischen Krieg und Politik eine direkte Verbindung besteht, dass die Politik den Krieg gebiert und dass der Krieg die Fortsetzung der Politik mit den Mitteln der Gewalt ist. Lenin brauchte hier die Bezugnahme auf Clausewitz, um Plechanow, Kautsky und andere ein übriges Mal des Sozialchauvinismus und des Sozialimperialismus zu überführen. Er zollte ferner Clausewitz dafür Anerkennung, dass dieser in seinen Werken die vom Standpunkt des Marxismus richtige These bestätigte, dass unter bestimmten ungünstigen Bedingungen der Rückzug eine ebenso berechtigte Kampfform ist wie der Angriff. Lenin braucht hier die Bezugnahme auf Clausewitz, um ein übruges Mal die `linken` Kommunisten zu überführen, die den Rückzug als berechtigte Kampfform nicht anerkennen.

Folglich ging Lenin an die Werke von Clausewitz nicht als Militärfachmann, sondern als Politiker heran und interessierte sich für diejenigen Fragen in den Werken von Clausewitz, die den Zusammenhang zwischen Krieg und Politik zeigen. Somit sind wir als Nachfolger Lenins in der Kritik der militärischen Doktrin von Clausewitz durch keine Andeutungen Lenins gebunden, die unsere freie Kritik beschränken könnten. Aber daraus folgt, dass Ihr Urteil über den Artikel des Genossen Meschtscherjakow (siehe `Wojennaja Mysl` Nr. 6/7, Jahrgang 1945), der an der militärischen Doktrin von Clausewitz Kritik übt und sie als `Revision` von Lenins Einschätzung bezeichnet, verfehlt ist.


2. Haben wir überhaupt Grund, die militärische Doktrin von Clausewitz zu kritisieren? Ja, den haben wir. Das Interesse unserer Sache und der modernen Kriegswissenschaft verpflichtet uns, nicht nur Clausewitz, sondern auch Moltke, Schlieffen, Ludendorff, Keitel und die anderen Träger der militärischen Ideologie in Deutschland zu kritisieren. In den letzten dreißig Jahren hat Deutschland zweimal der Welt einen blutigen Krieg aufgezwungen und beide Male eine Niederlage erlitten. Ist das ein Zufall? Natürlich nicht. Bedeutet das nicht, dass nicht nur Deutschland im Ganzen genommen, sondern auch seine militärische Ideologie die Prüfung nicht bestanden hat? Zweifellos. Es ist allgemein bekannt, mit welcher Hochachtung die Militärs der ganzen Welt, auch unsere russischen, auf die militärischen Autoritäten Deutschlands sahen. Muss dieser unverdienten Hochachtung nicht eine Ende gesetzt werden? Unbedingt. Nun, und dazu bedarf es der Kritik, besonders von unserer Seite, von Seiten derer, die Deutschland besiegt haben.

Was insbesondere Clausewitz betrifft, so ist er als Autorität auf dem Gebiete der Kriegstheorie natürlich veraltet. Clausewitz war eigentlich ein Vertreter des Manufakturzeitalters des Krieges. Jetzt aber stehen wir im maschinellen Zeitalter des Krieges. Zweifellos braucht das maschinelle Zeitalter neue militärische Ideologen. Es wäre lächerlich, heute bei Clausewitz in die Schule zu gehen. Man kann nicht Fortschritte machen und die Wissenschaft voranbringen, ohne die veralteten Thesen und Äußerungen bekannter Autoritäten einer kritischen Analyse zu unterziehen. Das bezieht sich nicht nur auf die Aitoritäten der Kriegstheorie, sondern auch auf die Klassiker des Marxismus. Engels sagte einmal, dass von den russischen Feldherren aus dem Jahre 1812 der General Barclay de Tolley der einzige sei, der Beachtung verdiene. Engels hat sich natürlich geirrt, denn Kutusow überragte als Feldherr unbestreitbar Barclay de Tolley um ein Gewaltiges. Aber es konnte doch in unserer Zeit Leute geben, die dieses falsche Urteil von Engels rabiat verteidigen.

In unserer Kritik dürfen wir uns nicht von einzelnen Thesen und Äußerungen der Klassiker leiten lassen, sondern müssen uns an den berühmten Hinweis halten, den Lenin seinerzeit gab:

`Wir betrachten die Theorie von Marx ansolut nicht als etwas Abgeschlossenes und Unantastbares; wir sind im Gegenteil davon überzeugt, dass sie nur den Grundstein zu jener Wissenschaft gelegt hat, die die Sozialisten in allen Richtungen weiterentwickeln müssen, wenn sie nicht im Leben zurückbleiben wollen. Wir sind der Meinung, dass für die russischen Sozialisten die selbständige Ausarbeitung der Theorie von Marx besonders nötig ist, denn diese Theorie gibt nur allgemeine Richtlinien, die im einzelnen in England anders als in Frankreich, in Frankreich anders als in Deutschland und in Deutschland anders als in Russland zur Anwendung gelangen` (bei Stalin zitiertes Leninzitat).

Eine solche Einstellung ist für uns noch notwendiger in Bezug auf die Autoritäten der Kriegstheorie.

3. Was Ihre kurzgefassten Thesen über den Krieg und die Kriegskunst betrifft, so muss ich mich wegen ihres schematischen Charakters auf allgemeine Bemerkungen beschränken. Die Thesen enthalten zuviel Philosophie und abstrakte Feststellungen. Clausewitz` entlehnte Terminologie,


[zu dieser „Terminologie“ auch Engels` übereinstimmender Kommentar - hier als Anmerkung zwischengeschoben:

Am 7. Januar 1858 schrieb Engels an Marx, dass er sich nunmehr mit Clausewitz beschäftigt habe:

Ich lese jetzt u.a. Clausewitz, `Vom Kriege`. Sonderbare Art zu philosophieren [hervorgehoben vom Verfasser], der Sache nach aber sehr gut. Auf die Frage, ob es Kriegskunst oder Kriegswissenschaft heißen müsse, lautet die Antwort , dass der Krieg am meisten dem Handel gleiche. Das Gefecht ist im Kriege, was die bare Zahlung im Handel ist, so selten sie in der Wirklichkeit vorzukommen braucht, so zielt doch alles darauf hin, und am Ende muss sie doch erfolgen und entscheidet“(MEW, Band 29, Seite 252); [diese „Verclausolierung“ von Clausewitz ist ein Witz – Anmerkung des Verfassers]. ]


die von der Grammatik und Logik des Krieges spricht, verletzt das Ohr [hervorgehoben vom Verfasser]. Die Frage des Parteicharakters der Kriegswissenschaft ist zu primitiv gestellt. Das Ohr verletzen auch die Lobeshymnen auf Stalin – es ist einfach peinlich, sie zu lesen. Es fehlt der Abschnitt über die Gegenoffensive ( nicht zu verwechseln mit dem Gegenangriff). Ich spreche von der Gegenoffensive nach einer erfolgreichen Offensive des Feindes, die jedoch keine Entscheidung gebracht hat, während der in der Verteidigung Befindliche Kräfte sammelt, zur Gegenoffensive übergeht und dem Gegner eine entscheidende Niederlage beibringt. Ich bin der Meinung, dass eine gut organisierte Gegenoffensive eine sehr interessante Art der Offensive ist. Sie als Historiker sollten sich dafür interessieren. Schon die alten Parther kannten eine solche Gegenoffensive, als sie den römischen Feldherrn Crassus und sein Jeer ins Innere ihres Landes lockten, dann zur Gegenoffensive übergingen und ihn mit seinen Truppen verbichteten. Sehr gut wusste das auch unser genialer Feldherr Kutusow, der Napoleon und seine Armee durch eine gut vorbereitete Gegenoffensive vernichtete“ (Stalin Werke, Band 17, Seite 25-29, dt. Ausgabe, KPD/ML, Hamburg 1973). Stalin hat also mit seiner Gegenoffensive nichts aber auch gar nichts von Clausewitz lernen können, wohl aber von den Parthern und von Kutusow – und das war die richtige Taktik im Großen Vaterländischen Krieg gegen den Überfall der deutschen Imperialisten. Genauso gibt es eben auch die alten Revisionisten in der DDR, die das falsche Urteil über Clausewitz rabiat verteidigen und von uns Marxisten-Leninisten verlangen, bei Clausewitz in die Schule zu gehen. Bemerkenswert ist, wie klar Lenin die Beantwortung der Frage des Angriffs formulierte: Wir sind aber gewohnt, Angriffe nicht mit einer Verteidigung, sondern mit einem Gegenangriff zu beantworten“ (Lenin, Band 5, Seite 447).

Man darf also nicht den Fehler machen, dass man die Sache so darstellt, dass die sozialistische Kriegswissenschaft sich in der Beurteilung erschöpft, wie gut oder wie schlecht sich die Klassiker mit den alten militärischen Doktrinen – beispielsweise eines Clausewitz´ - beschäftigten oder wie gut oder schlecht sie Lehren daraus gezogen haben. Was Marx und Engels anbelangt, so war ihr Standpunkt stets immer der, dass jeder Krieg, ja die gesamte Kriegsgeschichte, die Fortsetzung der Politik verschiedener Klassen beinhaltet.



( * hier schieben wir folgende Anmerkung dazwischen:)


[ ( * ) Clausewitz soll hier ganz und gar nicht unterschätzt werden:; Lenin hat häufig das bekannte Zitat verwendet (und in diesem Lehrbuch wird ebenso häufig auf dieses Zitat Bezug genommen] :

Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen [nämlich: gewaltsamen] `Mitteln`“ und natürlich nicht nur das:Die Marxisten haben diesen Satz mit Recht stets als theoretische Grundlage ihrer Auffassungen von der Bedeutung eines jeden konkreten Krieges betrachtet. Marx und Engels haben die verschiedenen Kriege stets von diesem und keinem anderen Standpunkt aus beurteilt. Man wende diese Auffassung nun auf den gegenwärtigen Krieg an(Lenin, Band 21, Seite 304-305). Lenin verwendete dieses Clausewitz-Zitat auch so, dass er sagte: Der Imperialismussieht im Krieg ein Mittel, die Aufmerksamkeit von der wachsenden Unzufriedenheit im Innern des Landes abzulenken und die anschwellende revolutionäre Bewegung zu unterdrücken(Lenin ebenda, Seite 307), was ja heute im internationalen Maßstab vor unseren eigenen Augen bei allen imperialistischen Ländern gemeinsam, bei den einen mehr und bei den anderen weniger, abläuft. ] ; (siehe: Carl von Clausewitz „Vom Kriege“, Werke, Band I, Berlin 1834, Seite 28; vgl. Band III, Seite 139/140: „Man weiß freilich, dass der Krieg nur durch den politischen Verkehr der Regierungen und der Völker hervirgerufen wird; aber gewöhnlich denkt man sich die Sache so, dass mit ihm jener Verkehr aufhöre und ein ganz anderer Zustand eintrete, welcher nur seinen eigenen Gesetzen unterworfen sei. Wir behaupten dagegen, der krieg ist nichts als eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel.“ [Carl von Clausewitz, „Vom Kriege“, Berlin 1957, Seite 727/728.]


Aber darf man etwa deswegen Lenin an Clausewitz messen? Doch wohl umgekehrt wird ein Schuh draus! Es gibt aber immer noch Revisionisten, die in dieser Frage gern den Marxismus-Leninismus durch gewitzte Clausewitz-Injektionen zu „verjüngen“ versuchen, was nicht nur peinlich, sondern auch typisch für diese Revisionisten ist (Maos Kriegswissenschaft baute sich auch auf nichts anderem auf, als auf der Kriegswissenschaft der chinesischen Kaiserdynastien, die er in eine Amalgamform gegossen hatte, für deren Herstellung er u.a. auch marxistisch-leninistisches Material verwendete. Es ist eine alte Gewohnheit der Revisionisten, den Sozialismus nicht vom Kapitalismus abzugrenzen, sondern im Gegenteil, beides auf „höherer Stufe“ zu integrieren (Kautsky, Bucharin etc.), die antagonistischen Klassengegensätze zu versöhnen, also dem Kapitalismus „heilsame“ sozialistische Kräfte und dem Sozialismus „heilsame“ kapitalistische Kräfte anzudichten, in Wahrheit aber mit dem bürgerlichen Sozialismus den proletarischen Sozialismus zu verhindern und den Kapitalismus zu retten, bzw. den proletarischen Sozialismus in den bürgerlichen Sozialismus zu verwandeln, um den Kapitalismus wieder herzustellen. Genau das erklärt die ideologische Sichtweise und Absicht der Revisionisten in der Frage des Verhältnisses zwischen den bürgerlichen und den sozialistischen Kriegswissenschaftlern.

So gibt es solche, die in ihren Artikeln die Rolle von Clausewitz völlig überbewerten und über Clausewitz ins Schwärmen geraten, was zum Beispiel den Einfluss von Clausewitz auf Lenin anbelangt, aber der springende Punkt ist doch der, dass Lenin die Oktoberrevolution höchstwahrscheinlich auch ohne Clausewitz zum Sieg geführt hätte oder möchten die Revisionisten das öffentlich bezweifeln?! Lenin hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass es sich bei den von ihm zitierten Kriegswissenschaftlern, so auch bei Clausewitz, dem Wesen nach um bürgerliche Kriegswissenschaftler gehandelt hat, die der Bourgeoisie, dem Kapitalismus und nicht dem Proletariat und dem Sozialismus gedient hatten. Diesen „kleinen“ Unterschied möchten die Revisionisten so weit wie möglich übergehen.


Die Klassiker des Marxismus-Leninismus und insbesondere Marx und Engels, haben niemals die Begriffe der formalen Militärtheorie und der marxistischen Militärtheorie durcheinandergeworfen, sondern sie stets in verschiedenen Zusammenhängen unterschiedlich und getrennt voneinander benutzt. Marx und Engels benutzten die militärischen Begriffe in erster Linie im politischen Sinne. So sprachen sie zum Beispiel von der Armee des Proletariats als politische Armee der Revolution. Den politischen Charakter dieser Begriffe rein militärisch einzuengen und umzudeuten, ist Ausdruck von Abenteuertum und Doktrinarismus. Es ist eine altbekannte Methode sowohl der Revisionisten als auch der Sektierer, mit verschiedenen Zitaten genau das Gegenteil von dem zu „beweisen“, was die Klassiker damit eigentlich ausdrücken wollten. Marx und Engels stützten sich in ihren kriegswissenschaftlichen Erkenntnissen auf die konkrete Analyse der Kriege in ihrer Zeit. Wer diese konkrete Analyse durch abstrakte Gegensätze, allgemeine Fassungen ersetzt, verwischt so die Klassengegensätze von damals. Auch kann man nicht die Erkenntnisse von Marx und Engels auf dem Gebiet der Kriegswissenschaft mechanisch auf die heutige Situation übertragen. So spielte die bürgerliche Militärwissenschaft damals eine revolutionäre Rolle im Kampf zur Befreiung vom Feudalismus. Das Proletariat konnte sich nur auf dem Wege befreien, auf dem sich die Bourgeoisie vom Feudalismus befreite. Was damals in der Kriegswissenschaft richtig war, muss nicht für alle Ewigkeit richtig sein. Marx und Engels waren sich über ihre unterschiedliche Verwendung aller Begriffe ihrer Kriegswissenschaft bewusst und brachten deren gleichzeitige historische Begrenztheit einerseits und beständige Allgemeingültigkeit andererseits nicht durcheinander, verkleisterten die Dialektik der Begriffe der Kriegswissenschaft des Proletariats genausowenig wie sie diese zerstückelten und aus dem Zusammenhang rissen. Diesen Umstand, dass im Wandel der Zeit sich auch die Begriffe, Bedeutungen, Methoden usw. ändern, machen sich die Revisionisten durch verfälschte Analogieschlüsse zu Nutze, um Verwirrung zu stiften und das Proletariat vom revolutionären Weg abzulenken. Das ist nicht nur auf dem Gebiet der marxistisch-leninistischen Militärtheorie so, sondern das ist eine allgemeine Methode, die von den Revisionisten auf allen Gebieten des Marxismus-Leninismus stets Anwendung fand und findet. Es ist bekannt, dass die Revisionisten den Marxismus-Leninismus dazu benutzen, die Arbeiter in eine falsche Richtung zu lenken, so wie der Feudalismus die Volksmassen einfach in Unwissenheit hielt. Das Ziel ist das Gleiche: die Volksmassen verdummen, um sie um so besser auszubeuten und zu unterdrücken – man schaue sich nur an, was in den revisionistischen Ländern passiert ist- der größte Betrug an den Arbeitern seit Beginn der Arbeiterbewegung! Es ist eine Überlebensstrategie des kriegstreibenden Weltimperialismus und Bestandteil seiner ideologischen Kriegsführung, - für die Armeen von Militärberater und -wissenschaftler bezahlt werden - die Weltbevölkerung zu desinformieren und die wahre Logik des Wesens des Militarismus hinter der Logik des Scheins, die „Rettung der Zivilisation ( = des Profits!) vor ihrem Untergang“ zu verbergen ( so wie sich die Revisionisten heute als „Retter des Sozialismus“ aufspielen, um die Volksmassen besser auszubeuten und zu unterdrücken!). Und die Revisionisten sind auch dazu da, die kritisch Denkenden, die revolutionären Kräfte in ihrem Widerstandskampf gegen diese globalisierte Propagandamaschinerie zu paralysieren und sie in ungefährliche Bahnen zu lenken. Den Feind mit seinen eigenen Mitteln schlagen - das ist ein taktisches Gesetz der formalen Kriegsführung. Von den Revisionisten angewandt bedeutet diese Taktik nichts Anderes als die Paralysierung der marxistisch-leninistischen Militärtheorie zwecks Entwaffnung des Weltproletariats. Es handelt sich also nicht um Unwissenheit der Revisionisten, sondern um bewusste Täuschung.

Die revisionistische Militärtheorie ist dadurch charakterisiert, dass sie zur Irreführung des bewaffneten Weltproletariats gebraucht wird, dass sie den spezifischen Klassencharakter jeder Kriegswissenschaft leugnet und die sozialistische Kriegswissenschaft als Teil der formalen Kriegswissenschaft (also: klassenlose, abstrakte Wissenschaft von den allgemeinsten, universellen militärischen Vorgängen und Formen, Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen usw. usf.) reduziert. Gewisse Elemente der Militärwissenschaft sind relativ beständig und bilden insgesamt die formale Militärwissenschaft, die sowohl für die eine als auch für die andere Klasse relative Gültigkeit hat, also nicht klassenspezifisch ist. Diese beständigen Elemente ( zum Beispiel: „Angriff ist die beste Verteidigung!“) ermöglichen die geschichtliche Kontinuität von militärischem Denken, Wissen, Erkenntnis usw. Andere Elemente der Begriffe der Kriegswissenschaft aber sind veränderlich: diese ermöglichen die geschichtliche Entwicklung der Kriegswissenschaft, deren Fortschritt, so wurde die einst revolutionäre und dann veraltete bürgerliche Militärwissenschaft schließlich abgelöst von der revolutionären proletarischen Kriegswissenschaft. Der Begriff der Kriegswissenschaft wurde durch die geschichtliche Tatsache des Sozialismus nicht nur bereichert, sondern er veränderte sich durch einen qualitativen Sprung. Das Missverhältnis zwischen veralteten militärischen Begriffen und der veränderten militärischen Weltlage muss beseitigt werden, indem sie durch neue Begriffe ersetzt werden, die der neuen Lage entsprechen. Wenn wir die Kriegswissenschaft definieren, dann bestimmen wir das, was die Kriegswissenschaft in der heutigen Zeit des untergehenden Weltimperialismus in Wirklichkeit ist, fassen wir die wichtigsten aller ihrer Merkmale zusammen, -nur in diesem vervollständigten Zusammenhang bestimmen wir den Begriff der Kriegswissenschaft.

Die Bedeutung der allgemeinen, formalen, reinen Militärwissenschaft ist widersprüchlich, sie ist tot, dogmatisch, gibt sich `wissenschaftlich`, aber sie ist nicht Willens und auch nicht in der Lage, reale militärische Ziele, Aufgaben und die militärische Praxis realer Klassen mit realen Klasseninteressen wissenschaftlich zu formulieren und versteckt sich hinter wirklichkeitsfernen Abstraktionen ( nehmen wir zum Beispiel den abstrakten Begriff „ der Feind“. Wer ist der Feind? Der Feind ist kein über den Klassen stehender Begriff; der Feind, das kann das Proletariat sein, aber auch die Bourgeoisie oder irgendein anderer Feind; damals war der Feudalismus der gemeinsame Feind des Proletariats und der Bourgeoisie, heute ist die Bourgeoisie der Feind des Proletariats im Weltmaßstab, aber sie kann auch gleichzeitig im anti-imperialistischen Kampf Verbündeter des Proletariats in den kolonialen und abhängigen Ländern sein gegen den gemeinsamen imperialistischen Feind – der Feind ändert sich also, die formale Kriegswissenschaft lässt die klassenspezifische und historische Definition des Feindes jedoch in ihrer Abstraktion unbeantwortet. Nicht einmal den Hund lockt der magere Satz der Maoisten vom Ofen: „Wenn der Feind uns bekämpft, ist das gut und nicht schlecht!“), ist unrein unvollständig usw., aber sie ist auch nur eine Stufe zur militärischen Erkenntnis über den konkreten, gegenwärtigen, bewaffneten Klassenkampf, denn wir erkennen diesen nie vollständig. Lenin sagte hierzu:Die unendliche Summe der allgemeinen Begriffe, Gesetze etc. ergibt das Konkrete in seiner Vollständigkeit“ (Lenin, Aus dem philosophischen Nachlass, Seite 216). Nur durch Abstraktion können wir Marxisten-Leninisten die konkrete Wirklichkeit begrifflich erfassen, so wie die Revisionisten durch Abstraktion auch die konkrete Wirklichkeit verfälschen und die Inhalte der sozialistischen Begriffe aushöhlen. Die formale Militärwissenschaft abstrahiert den Inhalt, verselbständigt die Form und trennt diese vom Klasseninhalt, leugnet die Einheit von Form und Inhalt der Militärwissenschaft.

Wir leugnen ja nicht, dass die formale Kriegswissenschaft viel Wertvolles beizutragen hat, dass die marxistisch-leninistische Kriegswissenschaft ohne sie überhaupt nicht denkbar ist, sich also auf sie stützt, aber man darf diesen Zusammenhang nicht verfälschen, nicht gleichsetzen, die marxistisch-leninistische Militärtheorie nicht der formalen Kriegswissenschaft unterordnen. Nicht die formale Kriegswissenschaft kann den Sieg der Weltrevolution herbeiführen, sondern nur die marxistisch-leninistische, indem sie sich der formalen Kriegswissenschaft zum Beispiel bedient, diese mit revolutionärem Inhalt füllt. Die formale Kriegswissenschaft kann nur eine Bereicherung darstellen, aber die marxistisch-leninistische niemals ersetzen. Es ist ganz und gar falsch, den prinzipiellen methodologischen Unterschied zwischen der formalen und der marxistisch-leninistischen Militärtheorie zu verwischen, beide miteinander vereinigen zu wollen oder gar die formale Militärtheorie zu „dialektisieren“, ihr einen marxistisch-leninistischen Anstrich zu geben (worin der Eklektiker Mao ein Meister seines Faches war!). Eben der militärtheoretische Formalismus ist es aber, was wir den Revisionisten vorzuwerfen haben, denn damit unterwerfen sie die marxistisch-leninistische Militärtheorie den Klasseninteressen der Weltbourgeoisie. Militärtheoretischer Formalismus heißt, sich auf die Gesetzmäßigkeiten der formalen Militärtheorie in solchen Fällen zu beschränken, in denen die Anwendung der marxistisch-leninistischen Militärtheorie erforderlich ist (das gilt ganz besonders für Maos Volkskriegstheorie). In seiner Schrift „Die Krise des Menschewismus“ rechnete Lenin mit dem Menschewisten Larin ab, indem er ihn des Renegatentums überführte: Die Ausbrüche des russischen Barbarentums der europäischen Planmäßigkeit gegenüberzustellen, das begeistert ihn ebensosehr wie ein Kind ein neues Bild. Er spricht eine Binsenwahrheit aus, die überhaupt für alle Zeiten gilt, und begreift nicht, dass die naive Anwendung dieser Binsenwahrheit auf die Zeit des unmittelbar revolutionären Kampfes sich bei ihm unter der Hand in Renegatentum gegenüber der Revolution verwandelt“ (Lenin, Band 11, Seite 347). Auf diese und ähnliche Weise wird es den Revisionisten nicht nur möglich, eine Restaurierung/Revidierung der sozialistischen Kriegswissenschaft vorzunehmen, sondern auch die sozialistische Kriegswissenschaft für die Zukunft zu entwaffnen, indem der revolutionäre Geist, ihr revolutionärer Inhalt zerstört wird und indem sie die sozialistische Kriegswissenschaft nur noch als formale, verallgemeinerte, historische Hülle gelten lassen, um sie auf diese Weise als konkretes Instrument der bewaffneten Weltrevolution untauglich zu machen. Das ist der Auftrag, den die revisionistische Kriegswissenschaft zu erfüllen hat: marxistische Militärtheorie in Worten - imperialistische Militärtheorie in Taten. Und für den Neo-Revisionismus gilt: antirevisionistische Militärtheorie in Worten – revisionistische Militärtheorie in Taten. Aus einer Versöhnung oder gar Vereinigung der revisionistischen mit der marxistisch-leninistischen Militärtheorie kann nur eine bürgerliche Militärtheorie herauskommen, und das ist genau die Absicht, die die Neo-Revisionisten damit verfolgen. Revisionistische und marxistisch-leninistische Militärtheorie schließen sich nicht nur einander unbedingt aus, sondern die eine ist nur auf den Trümmern der anderen überlebensfähig.

Es ist durchaus nicht verwunderlich, dass diese neo-preußischen Schreiberlinge, die dem militaristischen Geist des alten Fritz neues Leben einzuhauchen versuchen, ausgerechnet der preußischen Schule der sozialfaschistischen, ehemaligen DDR angehörten und für deren Wiederauferstehung sie ihre preußische Kriegstrommel auf rotem Fell rühren, um uns mit ihrem „sozialistischen“ Dröhnen das marxistisch-leninistische Trommelfell zu betäuben – und so taub zu machen, dass wir mit fliegenden Fahnen zum reußischen „Volk in Waffen“ überlaufen - zur Zurückeroberung ihrer verlorengegangenen DDR. Rennaisance der revisionistischen Militärtheorie zum Zwecke der Zurückeroberung des Revisionismus an der Macht - nein danke, einmal war schon zu viel! Engels Voraussage des Zusammenbruchs des preußischen Militärstaates hat sich mit Zusammenbruch des preußisch-sozialistischen DDR- Polizei- und Militärstaats voll bewahrheitet: Vier Millionen Soldaten, 10 Prozent der Bevölkerung! Nur zu. Uns kann es ganz recht sein, dass das System bis auf die äußerste Spitze getrieben wird. Nicht von außen durch einen anderen siegreichen Militärstaat, nur von innen, durch seine eignen notwendigen Konsequenzen, kann dies System endgültig gebrochen werden. Und je mehr es übertrieben wird, desto eher muss es zusammenbrechen“ (Engels, MEW, Band 18, Seite 583). Wir Marxisten – Leninisten haben Engels nichts hinzuzufügen, sondern nur festzustellen, dass Marx und Engels dafür kämpften, die preußische Armee sozialistisch zu infizieren, wohingegen die DDR-Revisionisten den Aufbau einer ersten sozialistischen deutschen Armee mit dem preußischen Militarismus-Bazillus infizierten, und dabei heraus kam eine Vasallenarmee des russischen Sozialimperialismus, die sobald verschwand als sich der russische Sozialimperialismus in Nichts auflöste.

Leute, die tatsächlich davon überzeugt sind, dass sie die Wissenschaft vorwärtsgebracht haben, würden nicht Freiheit für die neuen Auffassungen neben den alten fordern, sondern eine Ersetzung der alten durch die neuen“ (Lenin, Band 5, Seite 364). Wir haben also den Weg des Kampfes für die weltsozialistische Kriegswissenschaft zu wählen und nicht den Weg der Versöhnung mit der revisionistischen Kriegswissenschaft! Wir sagen nur eins: Wenn unsere sozialistische Kriegswissenschaft die imperialistische Kriegswissenschaft der ganzen Welt besiegt hat, dann wird sie auch mit der revisionistisch- sozialimperialistischen Kriegswissenschaft fertig, die ja nichts anderes ist als eine in sozialistische Tarnuniform gekleidete, imperialistische Kriegswissenschaft. Die revisionistische Kriegswissenschaft gibt sich in Worten zwar sozialistisch, aber in Wirklichkeit ist sie bürgerlich und reaktionär. Sie ist militärischer Ausdruck der Restauration des Kapitalismus durch den Revisionismus an der Macht und ansonsten überhaupt militärischer Ausdruck der konterrevolutionären „Wissenschaft“ im Lager der Revolution. Und wenn die sozialimperialistische Kriegswissenschaft uns zum Krieg herausfordert, dann soll sie ihren Krieg bekommen! Nous sommes sur nos gardes! Doch dazu später noch mehr..



... kommen wir nach diesem kleinen antirevisionistischen Vorgefecht jetzt ganz in Ruhe zurück zu Marx und Engels ( , mit denen die revisionistischen „Kriegswissenschaftler“ prinzipiell nicht anders verfahren wie mit Lenin, Stalin und Enver Hoxha):



Marx schrieb über die „Kriegsgeschichte als Wissenschaft“ etwas, was auch heute noch in so manchem Kopf eines nationalistischen (heute=globalen) Kriegskommentators herumspukt:

Kann ein Regiment der eigenen Nation beliebig zwei oder drei Regimenter einer anderen `dreschen`? Kriegsgeschichte als Wissenschaft, in der eine korrekte Würdigung der Tatsachen das einzige und höchste Kriterium darstellt, ist noch sehr jung und hat bis jetzt nur sehr geringe Literatur aufzuweisen. Sie ist jedoch ein anerkannter Zweig der Wissenschaft und fegt immer mehr, wie der Wind die Spreu, das unverschämte und dumme Prahlen hinweg, das allzu lange für Werke charakteristisch war, die als historische Werke galten, weil sie die Aufgabe hatten, jede von ihnen angeführte Tatsache zu verdrehen. Die Zeit ist vorbei, da Leute, während sie die Geschichte eines Krieges schreiben, diesen Krieg sozusagen auf eigene Faust fortsetzen und den ehemaligen Gegner ungestraft mit Schmutz bewerfen können, nachdem der Friedensschluss ihnen verbietet, ihn mit Eisen zu beschießen“ (MEW, Band 11, Seite 412-413).

Engels schrieb von einemsonderbaren Kontrast: Unsere höheren Militärs sind gerade in ihrem Fach meist so entsetzlich konservativ, und doch gibt es heute kaum ein andres Gebiet, das so revolutionär ist wie das militärische(Engels, MEW, Band 22, Seite 380).

1848 sagten wir: jetzt kommt unsere Zeit, und sie kam in gewissem Sinne; diesmal aber ( 15. 11. 1857, Brief von Engels an Marx, MEW, Band 29, Seite 212) kommt sie vollständig, jetzt geht es um den Kopf. Meine Militärstudien werden dadurch sofort praktischer, ich werfe mich unverzüglich auf die bestehende Organisation und Elementartaktik der preußischen, österreichischen, bayrischen und französischen Armee (...).“Der materialistischen Gesellschaftsauffassung von Marx und Engels entsprechend bestimmt das Sein das Bewusstsein im Allgemeinen, und so wird auch im Besonderen, sozusagen das militärische Bewusstsein vom militärische Sein bestimmt. Die militärische Wissenschaft steht mit der materialitischen Grundlage der bewaffneten Auseinandersetzungen innerhalb einer Klassengesellschaft in untrennbarem Zusammenhang und beruht darauf.

Zur die Bedeutung des wissenschaftlichen Elements der Armee schrieb Engels über die Einnahme Delhis,dass ihnen [den aufständischen indischen Sepoys] das wissenschaftliche Element völlig fehlte, ohne das eine Armee heutzutage hilflos und die Verteidigung einer Stadt ganz und gar aussichtslos ist“ (MEW, Band 12, Seite 327) (...) „Was die Verteidigung angeht, so zeigen der Versuch zu offensiven Gegenbewegungen (...), dass sich gewisse Vorstellungen einer wissenschaftlichen Kriegsführung unter den Sepoys durchgesetzt hatten; doch waren sie entweder nicht klar oder nicht stark genug, um mit Erfolg in die Tat umgesetzt zu werden“ (ebenda, Seite 334) ; „Alle Armeen sind ungemein bildungsfähig nach großen Niederlagen“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 397).. Es reicht also nicht nur, wissenschaftliche Kriegsführung zu studieren, weiterzuentwickeln und lediglich „anzuwenden“. Entscheidend ist letztendlich nicht ob, sondern wie revolutionär sie in die Tat umgesetzt wird, um siegreich zu sein. Es geht nicht darum, die Weltgeschichte militärisch verschiedenen zu interpretieren, es reicht auch nicht, die proletarische Militärtheorie von der bürgerlichen Militärtheorie abzugrenzen oder gegen diese zu kämpfen, es kommt letztendlich vielmehr auf die praktische Umsetzung der Weltrevolution mit Hilfe der marxistisch-leninistischen Militärtheorie in Abgrenzung von der bürgerlichen Militärtheorie an, zu der auch die revisionistische Militärtheorie gehört: Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern“ (Marx über Feuerbach, berühmte These XI).

Engels war seiner Zeit ein etablierter literarischer Militärkritiker unter dem anonymen Namen „Verfasser von `Po und Rhein`“. Im Freundeskreis wurde Engels der General“ genannt (Lenin nannte Engelsden großen Kenner der Kriegskunst“). „Ich habe in der preußischen Gardeartilleriebrigade als einjähriger Freiwilliger es nur bis zum Bombardier gebracht und später in Baden den Feldzug von 1849 auf Seite der Insurgenten mitgemacht. Ich habe mich aber seit meiner Dienstzeit fortwährend mit militärischen Dingen beschäftigt“ (Engels, MEW, Band 30, Seite 559). Und 1854 schrieb Engels in einem Bewerbungsschreiben an den Redakteur der „Daily News“: „Viele Jahre hindurch ist das Studium der Militärwissenschaft in allen ihren Zweigen eine meiner Hauptbeschäftigungen gewesern, und der Erfolg, den meine damals in der deutschen Presse veröffentlichten Artikel über den Ungarischen Feldzug erfreulicherweise hatten, bestärkten mich in dem Glauben, dass ich nicht vergeblich studiert habe. (...) Was die Politik anbelangt, so würde ich sie so wenig wie möglich mit der militärischen Kritik vermischen. ES GIBT IM KRIEGE NUR EINE RICHTIGE POLITISCHE LINIE: mit der größten Schnelligkeit und Energie daranzugehen, den Gegner zu schlagen und ihn zu zwingen, sich den Bedingungen des Siegers zu unterwerfen.“ (MEW, Band 28, Seite 601 und 602). Engels konnte natürlich nicht offen als Kommunist an die Zeitung herantreten. Er bekam den Job schließlich deswegen nicht, weil ihn einer von den Emigranten dort verraten hatte, nur um sich mit sensationellem Klatsch wichtig zu tun.

Engels sagte als Teilnehmer der 1849er Kämpfe:Die entschiedensten Kommunisten waren die couragiertesten Soldaten“ (MEW, Band 7, Seite 185). Engels selbst war Adjutant des Obersten Willich, des Kommandeurs des ersten Korps aus kommunistischen Freischärlern. Engels kämpfte also für den Kommunismus mit aufständischen Waffe in der Hand ein Jahr nachdem er mit Marx überhaupt das Kommunistische Manifest zu Papier gebracht hatte !! Diese revolutionäre Armee setzte sich aus bewaffneten proletarischen Kräften Badens zusammen aus 10 000 Mann Linientruppen und 12 000 Freiwilligen. Es fanden 4 große Gefechte statt, in denen die konterrevolutionären 36 000 Mann starke Armee nur siegen konnte dank ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit und durch die Verletzung der württembergischen Grenze, was ihnen ermöglichte, die revolutionäre Armee im entscheidenden Augenblick zu umgehen. Nach sechs Wochen Kampf auf offenem Feld gegen den Einfall Preußens zogen sich die Reste der aufständischen Armee 1849 in die Schweiz zurück. Der Aufstand begann im Mai 1849 in ganz Süddeutschland, aber die Revolutionäre begingen, so wie Paris 1871, den verhängnisvollen Fehler – nicht anzugreifen. Die Truppen der benachbarten kleinen Staaten waren demoralisiert und suchten nur einen Vorwand, um sich dem Aufstand anzuschließen; sie waren entschlossen, nicht gegen das Volk zu kämpfen. Die Aufständischen hätten die Bevölkerung dieser Staaten zur Erhebung bringen und mitreißen können, wenn sie erklärt hätten, dass sie die von preußischen und österreichischen Truppen umstellte Frankfurter Nationaversammlung befreien wollen. Kampflose Preisgabe von Positionen an den Feind können die Massen mehr demoralisieren als eine Niederlage im Kampf. Marx und Engels schlugen den Führern der Bewegung vor, auf Frankfurt zu marschieren, aber man weigerte sich sie zu hören (siehe: MEW, Band 21, Seite 489-90) so wie auch die solzialdemokratischen Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin sich in der Novemberrevolution weigerten, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu hören, um dem Kommunismus, der Oktoberrevolution, in Deutschland zum Sieg zu verhelfen. Die Geschichte der niedergeschlagenen Aufstände zeigt auch an diesem Beispiel, dass ein hartnäckiger Widerstand, den die unterdrückte, unterlegene, schlecht organisierte und miserabel ausgerüstete Klasse einer sowohl materiell als auch an Zahl und Professionalität weit überlegenen Armee der unterdrückenden Klasse in einer revolutionären Situation entgegen bringt, imstande und fähig ist, große Wirkung auf die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu zeitigen. Jede Niederlage eines proletarischen, revolutionären Aufstandes bereitet stets seinen noch gründlicheren Sieg in der Zukunft vor.

Es ist ein großes Verdienst von Friedrich Engels, dass er als erster zum Studium der Kriegsgeschichte und zur Analyse der Armeen seiner Zeit die einzige wissenschaftliche Methode, die Methode des dialektischen und historischen Materialismus anwandte. Zum Unterschied von den bürgerlichen idealistischen Historikern, die nicht imstande waren, die Entwicklung der bewaffneten Streitkräfte als einen gesetzmäßigen Prozess darzustellen, zeigte Engels, dass diese Entwicklung in letzter Instanz bestimmt wird durch die Veränderung in der materiellen Produktionsweise, die die ökonomische Basis der Gesellschaft bildet. Marx schrieb über das Werk von Engels, „Armee“:Die Geschichte der `Army` hebt anschaulicher als irgend etwas die Richtigkeit unsrer Anschauung von dem Zusammenhang der Produktivkräfte und der sozialen Verhältnisse hervor. Überhaupt ist die army wichtig für die ökonomische Entwicklung. Die ganze Geschichte der bürgerlichen Gesellschaften ferner sehr schlagend darin resümiert“ (Brief an Engels vom 25. 11. 1857, MEW, Band 29, Seite 192). „Nichts ist abhängiger von ökonomischen Vorbedingungen als gerade Armee und Flotte. Bewaffnung, Zusammensetzung, Organisation, Taktik und Strategie hängen vor allem ab von der jedesmaligen Produktionsstufe und den Kommunikationen“ (Friedrich Engels). Jeder gegebenen Entwicklungsstufe der Produktivkräfte entspricht ein bestimmter Charakter der Bewaffnung, der Kriegskunst.

So fand Engels heraus, und führte zahlreiche Beispiele dafür an, dass geradedie Geschicke der Armeen die wahre Natur der zivilen Regierung widerspiegeln - in revolutionären Verhältnissen mehr noch als in normalen Zeiten“ (Engels, MEW, Band 10, Seite 449).

Engels hat als erster in der Geschichte der Kriegswissenschaft die Tatsache nachgewiesen, dass Charakter und Typus der bewaffneten Streitkräfte, ihre spezifischen Züge, Bewaffnung und Taktik sowie die Art der Rekrutierung und Ausbildung der Truppen von dem Entwicklungsniveau der Produktivkräfte, von der Gesellschaftsordnung und der Klassenstruktur der Gesellschaft abhängen.Die ersten Kriege, die Kriege in der Periode der Gentilverfassung, verfolgten – wie dies Engels in seinem “Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Stattes” aufzeigt -lediglich das Ziel einer Erweiterung des nicht zureichenden Territoriums und der Verteidigung gegen feindliche Überfälle. Mit fortschreitender Arbeitsteilung, Schichtung der Gesellschaft in Klassen und Bildung des Staates jedoch werden die Kriege für die herrschenden Klassen zur notwendigen Fortsetzung und zu einem Kettenglied ihrer auf Ausbeutung und Knechtung der Volksmassen beruhenden Politik. Auf der Basis des Privateigentums sind Kriege unvermeidlich. An zahlreichen historischen Beispielen deckte Engels, beginnend mit der Zeit des Auftretens der ersten organisierten bewaffneten Streitkräfte in den Sklavenhalterstaaten des antiken Orients, den Klassencharakter der Armeen auf. Engels betrachtete die bewaffneten Streitkräfte in ihrer dialektischen Entwicklung und brachte diese Entwicklung in konkreten Zusammenhang mit der Geschichte der sozialökonomischen Formationen. Er zeigte, dass die Blütezeit und der Niedergang von Armeen durch den Prozess des Werdens und Vergehens dieser oder jener Formation bestimmt wird. So können wir heute unter den Bedingungen des sterbenden, faulenden parasitären globalisierten Weltimperialismus auch von einer faulenden, parasitären, globalisierten weltimperialistischen Armee unter der Führung des US-Imperialismus samt ihrer „modernsten“ Militärdoktrin, Rüstung, „Wissenschaft“ usw. usf. sprechen [größter Krieg der „Zivilisation“ = größter Krieg der reichen gegen die arme Welt wird mit dem Sieg der armen über die reiche Welt enden und damit die Befreiung der Zivilisation von ihrer Phrase !], die sich mit der Weltkrise dem Untergang nähert. Die Armeen des alten Griechenlands mit ihrer Taktik der Phalangen, die altrömische Armee mit ihrem fortschrittlicheren System der Legionen, gerieten in Verfall, wie Engels feststellt, durch das Anwachsen der Widersprüche in der Sklavenhaltergesellschaft, die sie zum Untergang verurteilten. Der Verfall des Feudalismus führte zum Zerfall des feudalen Kriegssystems, zum Verschwinden der Reiterei der Ritter, die ihre Kampffähigkeit eingebüßt hatte. Engels hob vor allem die Bauern hervor: in allen den drei großen bürgerlichen Revolutionen“ (Reformation und Bauernkrieg des 16. Jahrhunderts in Deutschland, englische Revolution des 17. und französische des 18. Jahrhunderts), liefern die Bauern die Armee zu Schlagen...“ (zitiert bei Lenin, Band 15, Seite 378).

In der Epoche des Entstehens des Kapitalismus machten die bewaffneten Steitkräfte, wie Engels bemerkte, eine bedeutende Evolution durch, von Söldnertruppen zu Massenarmeen, die sich auf Grund einer allgemeinen Militärpflicht rekrutierten – eine Evolution, die den Prozess des Entstehens und der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft wiederspiegelte. Eine gewaltige Rolle in der Entwicklung des Militärwesens wies Engels den Perioden der Ablösung einer sozialökonomischen Formation durch eine andere, fortschrittlichere zu, den Epochen des revolutionären Bruchs mit einer veralteten Gesellschaftsordnung und der Schaffung einer neuen. Solche Epochen gaben, wie Engels in seinen Werken zeigte, dem Fortschritt auf militärischem Gebiet einen besonders starken Auftrieb, wobei die Initiatoren und Träger dieser progressiven Veränderungen die revolutionären Klassen waren, die den Kampf gegen die überlebten Kräfte der Gesellschaft führten. Engels wies diese Gesetzmäßigkeit an dem Beispiel der frühen bürgerlichen Revolutionen, in erster Linie am Beispiel der französischen bürgerlichen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts, und der Kriege des revolutionären Frankreichs gegen die Koalition der feudalabsolutistischen Staaten Europas nach. Er zeigte, dass gerade in diesen Kriegen das militärische Schöpfertum der Volksmassen, die unmittelbaren Akteure im bewaffneten Kampf, in den Vordergrund rückt, die neue Formen des Kampfes und des taktischen Vorgehens, welche den neuen Bedingungen entsprachen, suchten und fanden.

Große Bedeutung maß Engels dem Befreiungskampf der Völker gegen fremdländische Eroberer bei, zum Beispiel den Kriegen der Schweizer gegen die österreicherischen und burgundischen Feudalherren, dem Kriege der Niederländer gegen die spanische Herrschaft im 16. Jahrhundert, dem Unabhängigkeitskrieg der nordamerikanischen Kolonien Ende des 18. Jahrhunderts, den Kriegen der europäischen Völker gegen das napoleonische Joch Anfang des 19. Jahrhunderts, dem nationalen Befreiungskrieg Ungarns 1848/49 usw. Engels wandte sich gegen das Raubsystem der Unterjochung und Ausbeutung der Völker Asiens und Afrikas durch die Bourgeoisie der ökonomisch entwickelten Länder, gegen die Politik der kolonialen Eroberer und Abenteurer. Marx und Engels waren hervorragend über die Entwicklung der nationalen Befreiungsbewegungen informiert und orientiert. In einigen Artikeln wies Engels auf die materellen Ressourcen verschiedener Länder hin, die die Gier nach Kolonisation in den kapitalistischen Räubern weckten, welche die wirtschaftliche Rückständigkeit und die halbpatriarchalische Ordnung dieser Länder ausnutzten und sie in einen Schauplatz der Plünderung verwandelten. Engels war tief durchdrungen von der Überzeugung von der zunehmenden Kraft und Unüberwindlichkeit der Befreiungsbewegung gegen die Kolonisatoren – einer Bewegung, die tief in den Volksmassen wurzelt, die das Kolonialjoch hassen und nach Freiheit streben. Engels handelte im Geiste des proletarische Internationalismus, indem er das Proletariat im unterdrückenden und ausbeutenden Land zum Gefühl der Solidarität und tatkräftiger Unterstützung erzog für die um ihre Befreiung kämpfenden Völker der kolonialen und abhängigen Länder:Ein Volk, das andere unterdrückt, kann sich nicht selbst emanzipieren“ (MEW, Band 18, Seite 527). Und Engels prophezeite, dass: „(...) sobald die Arbeiterklasse zur politischen Herrschaft kommt, aller Vorwand zu nationalem Zwist beseitigt ist, denn die Arbeiterklasse ist international ihrer innersten Natur nach (...)“ (MEW, Band 22, Seite 403).

Engels ging damals zu Recht davon aus, dass die Erhaltung der nationalen Unabhängigkeit die wichtigste Voraussetzung für die weitere Entwicklung der internationalen revolutionären Bewegung war, wobei er darauf hinwies, dass die Taktik der Arbeiterklasse auch in der Frage von Krieg und Frieden die konkreten historischen Bedingungen und den Stand der revolutionären Arbeiterbewegung in den jeweiligen Ländern zu berücksichtigen habe. So schrieb Lenin hierzu: 1891 gab es überhaupt keinen Imperialismus... und gab es keinen imperialistischen Krieg, konnte er ihn von seiten Deutschlands nicht geben. Übrigens gab es damals auch kein revolutionäres Russland; das ist sehr wichtig“ (Lenin, Band 35, S. 242).

Engels analysierte die beginnende Entwicklung zum Imperialismus, der Verschärfung des militärischen Kampfes um die Aufteilung der Welt, und die Strategien der Großmächte, die Weltherrschaft zu erlangen bzw. sie sich gegenseitig abzujagen. Er war leidenschaftlicher Ankläger gegen die Eroberungspolitik der herrschenden Klassen, Verkünder des Kampfes gegen den Militarismus und gegen die Geheimdiplomatie der Großmächte. Marx und Engels kritisierten mit aller Härte die hinterhältigen Methoden der herrschenden Klassen, wie sie die Nationen gegeneinander aufhetzten, sie einschüchterten und erpressten und sich frech in die inneren Angelegenheiten der kleineren Staaten einmischten. Die Begründer des Marxismus sahen in der gründlichen Kenntnis der Geheimnisse der internationalen Politik, in der Aufdeckung des geheimen diplomatischen Intrigenspiels der herrschenden Klasse sowie ihrer Eroberungspläne und Taten, eine sehr wichtige Aufgabe der proletarischen Revolutionäre nicht nur in agitatorischer und propagandistischer Hinsicht, sondern vor allem auch hinsichtlich der eigenen Strategie und Taktik des bewaffneten Kampfes der Arbeiterklasse für ihre nationale und internationale soziale Befreiung. Die hoben immer wieder hervor, wie notwendig es ist für die Arbeiterklasse, zu den internationalen Konflikten eine selbständige revolutionäre Linie des proletarischen Internationalismus der Tat beizubehalten, das heißt, die Weltkonflikte stets aus dem Blickwinkel der proletarischen Weltrevolution zu betrachten.

Als einen der Hauptaggressoren, die die Kriegsgefahr in Europa heraufbeschworen, betrachtete Engels den russischen Zarismus: Ein Stück Polen war der Knochen, den die Zarin Preußen zuwarf, damit es sich für ein Jahrhundert ruhig an die russische Kette legen ließ. (...) Kein Länderraub, keine Gewalttat, keine Unterdrückung von Seiten des Zarentums, die nicht vollbracht worden unter dem Vorwand der Aufklärung, des Liberalismus, der Völkerbefreiung“ (MEW, Band 22, Seite 22 und 23). Was anderes ist heute die amerikanische „Friedens“-Botschaft der „zivilisierten Welt im Kampf gegen den Terrorismus zur Verteidigung der westlichen Demokratie“ mit der sie die ganze Welt eingeseift haben, einschließlich aller anderen Großmächte!? Wir könnten viele Beispiele aufzählen, dass die Imperialisten in ihrem Kampf um ihre Einflusssphären zu den gleichen Mitteln griffen, und so warfen dann ja auch die Imperialisten ein Stück arabischen Boden den Zionisten zum Fraß vor, damit diese 50 Jahre lang ihr aggressivster Kettenhund zum Schutz imperialistischer Ölräuberei wurden. Auch der Ausbruch der französischen Revolution war ein neuer Glücksfall für Katharina. Weit entfernt, sich vor der Ausbreitung der revolutionären Ideen nach Russland zu fürchten, sah sie darin nur eine neue Gelegenheit, die europäischen Staaten untereinander zu verfeinden, damit Russland freie Hand bekomme“ (ebenda Seite 24). Auch durch Zar Alexander wurde das dumme Europa in unglaublicher Weise zum Narren gehalten. (...) Die Versuche, die vorrevolutionären Zustände wiederherzustellen, brachten im ganzen Westen das Bürgertum in Aufregung: In Frankreich und Deutschland gärte es, in Spanien und Italien brach offener Aufstand los. Die zaristische Diplomatie hatte in allen diesen Verschwörungen und Aufständen ihr Händchen im Spiel; nicht, dass sie sie gemacht oder auch nur wesentlich zu deren momentanen Erfolgen beigetragen hätte. Aber was sie durch ihre offiziösen Agenten tun konnte, um ihren legitimen Allierten im eigenen Hause Unfrieden zu stiften, das tat sie. Direkt aber protegierte sie die rebellischen Elemente des Westens (...) Alles das verhinderte den aufgeklärten Zar Alexander nicht, (...) den Aufstand der Griechen anscheinend zu verdammen, während er gleichzeitig denselben Aufstand schürte (...) Die russische Diplomatie hatte nun schon so viel westeuropäische Revolutionen nicht nur ohne Schaden, sondern mit direktem Profit überstanden, dass sie den Ausbruch der Februarrevolution von 1848 als ein überaus günstiges Ereignis zu begrüßen imstande war“ (ebenda, Seite 31. Zar Nikolaus ließ seine Armeen in Ungarn einbrechen, erdrückte die ungarischen Heere mit Übermacht und besiegelte damit die Niederlage der europäischen Revolution. (...) Nicht nur Ungarn, ganz Europa lag zu Füßen des Zaren, und zwar direkt infolge der Revolution. Hatte die russische Diplomatie nicht Recht, wenn sie im Stillen für Revolutionen im Westen begeistert war?“ (ebenda Seite 35 und 36). An dieser Räuber-Diplomatie hat sich prinzipiell gegenüber der Zarenzeit nichts geändert, nur die Mittel sind noch viel raffinierter und die Beute und ihre Opfer noch gigantischer geworden – aber auch die Kräfte der Revolution: Diese Art Diplomatie ist nur möglich, solange das Volk unbedingt passiv bleibt, keinen Willen hat, als den der Regierung, keinen Beruf als Soldaten und Steuern zu liefern für die Durchführung der Ziele der Diplomaten. Sobald Russland eine innere Entwicklung und damit innere Parteikämpfe hat (...) ist die bisherige russische Eroberungspolitik ein Ding der Vergangenheit (...) Der Krieg hatte bewiesen, dass Russland (...) großer Industrie bedurfte, schon aus militärischen Rücksichten. Somit warf sich die Regierung darauf, eine russische Kapitalistenklasse zu züchten (ebenda, Seite 38) und schuf gleichzeitig mit ihr nicht nur seine eigenen Totengräber - das verwestlichte russische Proletariat -, sondern mit ihr an der Spitze die Armee des Weltproletariats, die mit der Oktoberrevolution begann, die Welt zu erobern. Damals gab es nur einen Ort in Europa, wo die Lage richtig begriffen wurde, und das war im Generalrat der Internationalen Arbeiter-Assoziation: (...) Die Revolution, die 1848 an der polnischen Grenze haltmachte, pocht jetzt an die Türe Russlands, und drinnen hat sie schon Bundesgenossen genug, die nur auf die Gelegenheit warten, die Tür aufzumachen. (...) Und damit käme der Westen in die Lage, sich ungestört durch fremde Ablenkung und Einmischung mit seiner gegenwärtigen historischen Aufgabe beschäftigen zu können; mit dem Konflikt zwischen Proletariat und Bourgeoisie und der Überführung der kapitalistischen Gesellschaft in die sozialistische. (...) Das sind die Punkte, kraft deren der Westen Europas überhaupt, und namentlich die westeuropäische Arbeiterpartei, interessiert, sehr tief interessiert ist am Sieg der russischen revolutionären Partei und am Sturz des zaristischen Absolutismus. Europa gleitet wie auf eine schiefen Ebene mit wachsender Geschwindigkeit abwärts, dem Abgrund eines Weltkrieges von bisher unerhörter Ausdehnung und Heftigkeit entgegen. Nur eins kann hier Halt gebieten: ein Systemwechsel in Russland. Dass er binnen wenig Jahren kommen muss, daran kann kein Zweifel sein. Möge er noch rechtzeitig kommen, ehe das sonst Unvermeidliche geschieht“(ebenda Seite 39, 44, 47 und 48 ). Dies schrieb Engels 1890 – welche Voraussicht!!!

Die schwächere Macht gegen die stärkere zu unterstützen, um aus der damit hervorgehenden Neutralisierung der Kräfte selber als Dritter Kapital zu schlagen – das ist ein altbekanntes wie bewährtes Mittel. Die Konkurrenten in einen Krieg oder Bürgerkrieg zu verwickeln, um die eigene Ausgangspunkt für die Weltherrschaft zu verbessern, an dieser Großmachtpolitik hat sich bis heute nichts geändert. So ließ der deutsche Kaiser auch Lenin unbehelligt durch Deutschland reisen, um mit dem Sieg der russischen Revolution freie Hand zur Schwächung des Zarenreiches zu kriegen. Mit diesem Irrglauben schaufelte er sich jedoch nur sein eigenes Grab. Mit der Oktoberrevolution begann das Weltproletariat, den Krieg in seine eigene Befreiung zu verwandeln. Die Zeit, in der die Arbeiterklasse auf den Schlachtfeldern der Bourgeoisie die Kohle aus dem Feuer holt, endet mit der Epoche der sozialistischen Revolution.

Einen Krieg anzufangen, sagte Engels einmal, ist kinderleicht. Aber was aus dem einmal angefangen wird, das spottet jeder Berechnung“ (MEW, Band 22, Seite 9) und hat so manchem Blitzkrieg eines Angreifer das Genick gebrochen.Der Friede besteht ja nur noch dank der nie endenen Revolution der Waffentechnik, die niemand kriegsbereit werden lässt, und dank der Angst aller vor den absolut unberechenbaren Chancen des jetzt allerin noch möglichen Weltkriegs. Nur eines kann helfen: ein durch Regierungsbrutalität provozierter, mit doppelter und dreifacher Brutalität niedergeschlagener Aufstand, allgemeiner Belagerungszustand und Neuwahl unter dem Schrecken. Auch das könnte nur ein paar Jahre Galgenfrist erwirken. Aber es ist das einzige Mittel – und wir wissen, dass Bismarck zu den Leuten gehört, denen jedes Mittel recht ist. Und hat nicht auch Wilhelm gesagt: Beim geringsten Widerstand lasse ich alles über den Haufen schießen? Und daher wird dieses Mittel sicher angewandt. (...) Vergewaltigung, Polizeiwillkür, richterliche Niedertracht, alles prallte wirkunslos [an den disziplinierten, deutschen sozialdemokratischen Arbeitern – Anmerkung des Verfassers] ab, vorwärts und immer rascher vorwärts bewegte sich die stets anschwellende Angriffskolonne, bis sie jetzt dasteht, die zweitstärkste Partei im Reich. Und da sollten die deutschen Arbeiter sich ihr eigenes Spiel verderben, indem sie sich zu einem aussichtslosen Putsch verleiten lassen, einzig und allein, um Bismarck aus der Todesnot zu erretten? In dem Augenblick, wo ihre eigene, über alles Lob erhabene Tapferkeit unterstützt wird durch das Zusammenwirken aller äußeren Umstände, wo die ganze gesellschaftliche und politische Lage, wo sogar alle ihre Feinde für die Sozialdemokratie arbeiten müssen, als würden sie von ihr bezahlt – in dem Augenblick sollte die Disziplin, die Selbstbeherrschung versagen und wir selbst uns in das vorgehaltene Schwert stürzen? Nimmermehr. Dazu hat das Sozialistengesetz unsere Arbeiter zu gut eingeschult, dazu haben wir viel zuviel alte Soldaten in unseren Reihen, und unter ihnen zu viele, die Gewehr bei Fuß im Kugelregen ausharren gelernt haben, bis der Augenblick reif für den Angriff“ “ (ebenda, Seite 9-10).

Engels sah voraus, dass der Krieg, einmal ausgebrochen, im Endergebnis zum Zusammenbruch der Ausbeuterordnung führen würde, aber mit welchen Opfern! Mit welcher allgemeinen Anspannung – und nach welchen vielen Wendungen!“ (Engels` Brief an Bebel vom 23-25. Oktober 1986). Engels erkannte in den lokalisierten Kriegen“ eine vorübergehende wie einleitende Etappe zum Weltkrieg, der zum Zusammenbruch des kapitalistischen Systems auf dem Erdball führen würde. Er machte den Erfolg der Revolution aber keineswegs abhängig von einem Krieg. Im Gegenteil, er sah im Krieg ein furchtbares Unglück für die Arbeiter, der von ihnen unerhörte Opfer fordern und das von der Arbeiterbewegung bereits Erkämpfte rückgängig machen würde: Soviel ist sicher, der Krieg würde unsere Bewegung zunächst in ganz Europa zurückdrängen, in vielen Ländern total sprengen, den Chauvinismus und Nationalhass schüren und uns sicher unter den vielen unsicheren Möglichkeiten nur das bieten, dass nach dem Krieg wir wieder von vorn anzufangen hätten, aber auf einem unendlich günstigeren Boden als selbst heute“ (Brief an Bebel vom 13./14. September 1986). „Der Feind selbst kämpft und ist dazu verurteilt, für uns zu kämpfen“ (MEW, Band 21, Seite 258, „Zum 15. Jahrestag der Pariser Kommune). Was ist dieAussicht, wenn das auf die Spitze getriebene System der gegenseitigen Überbietung in Kriegsrüstungen endlich seine unvermeidlichen Früchte trägt“ [MEW, Band 21, Seite 351) ?Wenn sie [die Kriegstreiber – Anmerkung des Verfassers] die Mächte entfesselt haben, die sie dann nicht wieder werden bändigen können, so mag es gehn wie es will: am Schluss der Tragödie sind sie ruiniert und ist der Sieg des Proletariats entweder schon errungen oder doch unvermeidlich“ (ebenda).

Und in einem Brief an Bebel vom 11./12. Dezember 1884 (MEW, Band 36, Seite 253) ging Engels von der Rolle der Armee in der proletarischen Revolution von folgender Hypothese aus:

Nun kann die Sache in Deutschland allerdings anders verlaufen, und zwar aus militärischen Gründen. Anstoß von außen kann, wie die Sachen jetzt liegen, kaum anders als von Russland kommen. Kommt er nicht, geht der Anstoß von Deutschland aus, so kann die Revolution nur von der Armee ausgehn. Ein unbewaffnetes Volk gegen eine heutige Armee ist militärisch eine rein verschwindende Größe.“ Und er fügte in einem Brief an Paul Lafargue am 21. Dezember 1884 hinzu:

(...) In Deutschland gibt es zuviel Soldaten und Unteroffiziere, die der Partei angehören, als dass man auch nur mit der geringsten Aussicht auf Erfolg einen Aufstand predigen könnte. Sie wissen, dass die Demoralisierung (vom bürgerlichen Standpunkt aus) gerade in den Reihen der Armee um sich greifen muss; unter den Bedingungen der modernen Kriegstechnik (Schnellfeuerwaffen usw.) muss die Revolution von der Armee ausgehen. Bei uns wenigstens wird sie so beginnen. Niemand weiß besser als die Regierung, wie die Zahl der Einberufenen, die Sozialisten sind, von Jahr zu Jahr wächst“ (MEW, Band 36, Seite 255).

Und Engels gab ferner den Hinweis:Die Unterstützung durch eine reguläre Armee ist heutzutage unbedingt notwendig für den Fortgang jedes irregulären Krieges oder Insurrektionskriegs [Insurrektion=Aufstand – Anmerkung des Verfassers] gegen eine mächtige reguläre Armee“ (MEW, Band 9, Seite 445). So war es der antifaschistischen Befreiungsbewegung Albaniens u.a. durch den großen vaterländischen Krieg, den die Rote Armee gegen den Fachismus führte, leichter möglich, sich eine reguläre Armee gegen die deutschen Besatzungstruppen aufzubauen und durch eine Volksrevolution die Diktatur des Proletariats zu errichten. Der Einmarsch der Roten Armee in Deutschland schuf auch die Möglichkeit eines deutschen Sozialismus, aber die Revisionisten hinderten die deutsche Arbeiterklasse daran, den Sozialismus und eine sozialistische Armee auf deutschem Boden aufzubauen, und so verkam die Nationale Volksarmee nur zu einer Vasallenarmee der sozialimperialistischen Sowjetarmee. Die Revolution kann nicht importiert werden, die Arbeiterklasse muss sich ihre eigene Befreiungsarmee schaffen, muss die bürgerliche Armee zersetzen und deren Soldaten für den Aufbau einer roten Armee gewinnen und das in allen kapitalistischen Ländern der Welt. Nur so können die Abteilungen der Roten Weltarmee zentralisiert und für die sozialistische Weltrevolution zum Einsatz kommen gegen die mächtige reguläre Armee des Weltimperialismus. Ohne reguläre Armee des Weltproletariats kann die sozialistische Weltrevolution über die mächtige reguläre Arnee des Weltimperialismus nicht siegen. Unter den Bedingungen der modernen Kriegstechnik muss die Revolution von der Armee ausgehen“ (Engels, MEW, Band 9, Seite 255).

Ich gehe von der Voraussetzung aus“, schrieb Engels 1893, „dass das System der stehenden Heere in ganz Europa auf die Spitze getrieben ist in einem Grad, wo es entweder die Völker durch die Militärlast ökonomisch ruinieren oder in einen allgemeinen Vernichtungskrieg ausarten muss, es sei denn, die stehenden Heere werden rechtzeitig umgewandelt in eine auf allgemeiner Volksbewaffnung beruhenden Miliz (...) Ich suche nur festzustellen, dass vom rein militärischen Standpunkt der allmählichen Abschaffung der stehenden Heere absolut nichts im Wege steht; und dass, wenn trotzdem diese Heere aufrechterhalten werden, dies nicht aus militärischen, sondern aus politischen Gründen geschieht, dass also mit einem Wort die Armee schützen sollen nicht so sehr gegen den äußern wie gegen den innern Feind“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 371). Wir sprechen heute von der internationalen Bürgerkriegsarmee, die nicht nur den „inneren Feind“, also das Proletariat eines Landes, sondern auch den inneren Feind aller anderen Länder, also das gesamte Weltproletariat in Schach hält, um nicht nur die Bourgeoisie eines einzelnen Landes, sondern die Weltbourgeoisie aller Länder insgesamt vor der sozialistischen Weltrevolution schützen soll.

Engels hat immer wieder betont, den kürzesten Weg zur Revolution mit den geringsten Opfern zu wählen. Die Bourgeoisie braucht den Kieg, um die Revolution zu verhindern. Das Proletariat braucht den Frieden, um seine Kräfte zum Sturz des Kapitalismus zu sammeln und zu organisieren. Im März 1987 bemerkte er in einem Brief an Schlüter: Unser Kampf ist ein Belagerungskrieg, und so lange da die Laufgräben stetig fortrücken, geht`s gut. Wir sind jetzt schon nahe an der zweiten Parallele, in der wir die Demontierbatterien errichten und das feindliche Geschütz zum Schweigen bringen können; und sind wir erst so weit, ohne dass der Belagerte durch einen Weltkrieg momentanen Einsatz bekommt, dann können wir auch die Ziele berechnen, wo wir die Breschbatterien auf dem Glaciskamm anlegen, Bresche schießen und Sturm laufen können. Bis dahin ist aber der langsame, ruhige Fortschritt der Belagerungsarbeiten die beste Sicherung vor verfrühtem Sturmlaufen und unnützen Opfern“ (MEW, Band 36, Seite 632). Leidenschaftlich hat Engels stets dazu aufgerufen, zu verhindern, dass sich das Weltproletariat den Weg zum Weltsozialismus erst durch ein Meer von Blut und Tränen bahnen müsse, ohne damit dem bürgerlichen Pazifismus Wasser auf die Mühlen zu gießen. Engels gab viele Ratschläge für den Kampf der Proletarier gegen Militarismus und Kriegsvorbereitungen der herrschenden Klasse. Und arbeitete eine proletarische Taktik in Fragen von Krieg und Frieden aus. Darin schloss er auch die besondere Rolle der Soldaten und Bauern als Verbündete des Kampfes gegen den Militärstaat und für die sozialistischen Revolution ein.Beachtenswert sind Engels` Bemerkungen zum Deutschen Bauernkrieg“ (1870), wovon sich Lenin auch in der siegreichen Oktoberrevolution leiten ließ. Die deutsche Novemeberrevolution hingegen scheiterte nicht zuletzt daran, dass die Rolle der Bauern als Verbündete der Revolution unterschätzt wurde. Ohne Brot ist die Arbeiterklasse zu schwach, um das revolutionäre Gewehr gegen die Kapitalisten zu richten. Die Einbeziehung der Landarbeiter in den proletarischen Klassenkampf bezeichnete Engels als dringendste Aufgabe der deutschen Arbeiterbewegung“ (MEW, Band 16, Seite 400). Wer hier von Engels` Grund- und Bodenfrage nichts lernt, wird in der Weltrevolution scheitern. Die Versorgung der proletarischen Weltarmee muss von den Bauern der ganzen Welt abgesichert werden.

Die militärischen Arbeiten von Engels widerlegten die Konzeption vieler bürgerlicher Militärtheoretiker über die Unveränderlichkeit und Ewigkeit der Prinzipien der Kriegskunst. Indem er die der Strategie und Taktik eigenen dialektischen Gesetzmäßigkeiten aufdeckte, wies Engels nach, dass die strategischen und taktischen Regeln, die unter bestimmten historischen Bedingungen vorteilhaft waren, Bankrott erlitten, wenn sie in einer veränderten Lage angewandt wurden. So schrieb er in einem Brief an Marx am 7. Mai 1852: Das Willisensche Buch sollte eigentlich heißen: Philosophie des großen Kriegs. Es versteht sich damit von selbst, dass in dem Ding mehr Philosophierei als Kriegswissenschaft enthalten ist (...). Was soll man zu einer Kriegswissenschaft sagen, die mit dem Begriff der Kunst im Allgemeinen anfängt, dann nachweist, dass auch die Kochkunst eine Kunst ist, über das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft sich breit auslässt und schließlich alle Regeln, Verhältnisse, Möglichkeiten pp. der Kriegskunst in dem Einen absoluten Satz aufgehen lässt, dass der Stärkere immer den Schwächeren schlagen muss!“ (MEW, Band 28, Seite 71).

Die Entwicklung der Kriegskunst stellte Engels im Ganzen als einen komplizierten, fortschreitenden Prozess der allmählichen Vervollkommnung dar. Er deckte die enge Wechselbeziehung der verschiedenen Seiten dieses Prozesses auf. In seinen Arbeiten zeigte Engels die Rolle des Zusammenwirkens der verschiedenen Waffengattungen und die wechselseitige Bedingtheit ihrer historischen Entwicklung. Die Artikel von Engels umfassen die verschiedensten Gebiete des Militärwesens. In ihnen werden, meistens in der historischen Entwicklung, die Probleme der Bildung, Organisation und Bewaffnung der Armeen, ihrer Rekrutierung und Ausbildung, der Führung der bewaffneten Streitkräfte, der Strategie und Taktik, der Organisation und Taktik der einzelnen Gattungen des Heeres und der Kriegsflotte, der Errichtung von Festungsanlagen , materielle Versorgung und Ausrüstung der Truppen, ihrer Einquartierung und Ruhestellung behandelt. Größte Aufmerksamkeit widmete Engels der Kriegstechnik. An zahlreichen Beispielen deckte Engels den revolutionierenden Einfluss auf, den die wichtigsten technischen Entdeckungen – die Erfindung des Schießpulvers, die Anwendung und Vervollkommnung der Schusswaffen, der Fortschritt in der Artilleriewissenschaft und des Kriegsingenieurwesens, die Benutzung der Dampfmaschine in der Kriegsflotte – auf die Entwicklung der bewaffneten Streitkräfte und der Kriegskunst ausübten. Die Abhängigkeit der Kriegstaktik von der Kriegstechnik, die unvermeidlichen Veränderungen in den taktischen Kampfformen als Resultat des Auftauchens neuer Arten der Massenbewaffnung, ist, wie Engels das in seinen Artikeln nachwies, eine der Gesetzmäßigkeiten, die die Einwirkung der ökonomischen Entwicklung der Gesellschaft und des Wachstums ihrer Produktivkräfte auf das Kriegshandwerk widerspiegeln. Dazu bemerkte Karl Marx:Unsre Theorie von der Bestimmung der Arbeitsorganisation durch das Produktionsmittel, bewährt sie sich glänzender als in der Menschenabschlachtungsindustrie?“ (MEW, Band 31, Seite 234, Brief an Engels). Engels führte jedoch die Gesetze des bewaffneten Kampfes nicht nur auf den Einfluss der Kriegstechnik auf die Kampfarten zurück. Der Zustand dieser oder jener Armee, ihrer Kampffähigkeit, wird, wie er betonte, vor allem von dem sozialen und politischen System, von jenen gesellschaftlichen Bedingungen bestimmt, unter denen sie entstand und wirkt. Die kämpferischen Qualitäten dieser oder jener Armee werden neben ihrer Bewaffnung von ihrer Zusammensetzung, den gesellschaftlichen Kräften, aus denen sie rekrutiert worden ist, dem Grad ihrer militärischen Ausbildung, dem Niveau des Bewusstseins und der moralischen Haltung ihrer Kämpfer bestimmt, die in vielem vom Charakter der Kriege abhängig sind. Große Bedeutung maß Engels dem Kampfgeist der Armee bei. Im entscheidenden Augenblick, wo die Gegner aufeinanderstoßen, wird das moralische Element, die Tapferkeit (...) sogleich in materielle Gewalt umgewandelt“ (Engels, MEW, Band 14, Seite 307). Engels nennt auch die Faktoren, die im Kampfe wirksam sind: der Einfluss des Geländes, des Vorhandenseins von Reserven, der operative Charakter des Oberkommandos, die Kunst der Heerführer und die Rolle der Soldaten und der Massen. Die Rolle des Feldherren, hob Engels hervor, besteht in der klugen Anwendung jener Formen und Methoden der Kriegsführung und des Gefechtes, die durch die objektive historische Entwicklung der bewaffneten Streitkräfte gegeben sind, sowie in der zweckmäßigen Ausnutzung neuer technischer Mittel und jener Veränderungen in der Zusammensetzung und der kämpferischen Qualität der Armeen, die unter dem Einfluss der Veränderungen in der Gesellschaftsordnung entstehen. Engels trat gegen den für die bürgerliche Geschichtsschreibung charakteristischen Kult und die Idealisierung der Feldherren auf und stellte in der Tätigkeit selbst der größten von ihnen Züge der Beschränktheit und Widersprüchlichkeit fest, die ihre klassenbedingten Wurzeln hatten. In seinen militärischen Arbeiten analysierte Engels die Erfahrungen der gesamten Geschichte der Kriege aller Völker in erster Linie der vormonopolistischen Zeit, wobei er alle deren Beiträge zur allgemeinen Militärwissenschaft und zur Kriegskunst darlegte. Die monopolistische Periode, der Massenvernichtungswaffen, wie die Atombombe, der automatisierten, computergesteuerten, hochtechnisierten Waffen waren Engels natürlich damals noch nicht bekannt. Man kann also nicht alle Beiträge zur Militärwissenschaft auf die heutige Zeit mechanisch übertragen, da wir heute veränderte Bedingungen haben.

Es ist das große Verdienst von Engels, dass er die Frage des nationalen Widerstandes im Krieg gegen einen fremden Eroberer, des Volkskrieges, der Partisanenbewegung und der Formen und Methoden zur Mobilisierung der Volkskräfte gegen den Aggressor aufgeworfen und ausgearbeitet hat. So forderte er das italienische Proletariat auf, sich gegen die regulären österreichischen Truppen nicht auf die herkömmlichen Kampfweisen zu beschränken, sondern zu Massenerhebungen überzugehen und einen gesamtnationalen revolutionären Guerillakrieg zu führen. Und so muss – ausgehend von den Lehren Engels` heute auch das Weltproletariat eine neue Kampfweise entwickeln und einen internationalen Guerillakrieg führen – gemeinsam mit den unterjochten Völkern - , um der Knechtung des Weltimperialismus für immer Schluss zu machen.

Engels war sogar der Auffassung: Die Geschichte der größten Schlachten der Welt scheint zu beweisen, dass die defensive Aktion die sicherste ist, wenn die angegriffene Armee genügend Ausdauer besitzt, um hartnäckig Widerstand zu leisten, bis das Feuer der Angreifer nachlässt, bis sich Erschöpfung und die Reaktion beim Angreifer einstellen und sie dann ihrerseits zur Offensive und zum Angriff übergehen kann. Es gab aber nur wenige Armeen oder überhaupt selten Völker mit der Fähigkeit, solche Schlachten zu schlagen“ (Engels, „Angriff“, MEW Band 14, Seite 69). So eine Armee war die Rote Armee Stalins. So ein Volk war das Sowjetvolk. So eine Schlacht war die Schlacht um Stalingrad. (Eine Stadt [vormals Zarizyns genannt], die ihren neuen ruhmreichen Namen demjenigen verdankt, der sie im Bürgerkrieg als Schlüsselpunkt an der Südfront erfolgreich gegen die Weißgardisten verteidigt hatte und damit nicht nur die hungernden russischen Großstädte mit Lebensmitteln versorgte, sondern auch das kaukasische Erdöl vor dem Feinde rettete. Die Chruschtschow-Revisionisten hatten nichts Eiligeres zu tun, als den ehrenvollen Namen Stalingrad in Wolgograd umzuändern – aber der Name Stalingrad ist unauslöschbar. Das revolutionäre russische Proletariat, das dieser Stadt ihren Namen zu Recht gab, wird gemeinsam mit dem Weltproletariat kein Opfer scheuen, um diese einst stolze sozialistische Stadt mit ihrem gebürhlichen Namen eines Tages zurückzuerobern und die dort eingenistete Mafia ausmistet!).

Marx und Engels betrachteten die nationale Frage als Bestandteil der europäischen Revolution und traten gegen Chauvinismus und jede Form der nationalistischen Ideologie auf. Ausgehend vom übergeordneten, internationalistischen Standpunkt, in wessen Interesse die nationale Bewegung dieses oder jenes Volkes geführt wurde, wessen Waffe sie objektiv darstellte, unterschieden sie zwischen unterdrückenden und unterdrückten Nationen. Bei der Einschätzung dieser Position schrieb Lenin, dass dieser Standpunkt der einzig richtige gewesen sei,denn im Jahre 1848 waren ebenso historische wie politische Gründe da, um zwischen `reaktionären` und revolutionär-demokratischen Nationen zu unterscheiden. Marx hatte Recht, als er die ersten verurteilte und für die zweiten Partei ergriff. Das Selbstbestimmungsrecht ist eine der Forderungen der Demokratie, die natürlich den Gesamtinteressen der Demokratie untergeordnet sein muss. In den Jahren 1848 und den folgenden forderten diese Gesamtinteressen in erster Linie den Kampf gegen den Zarismus“ (Lenin, Band 22, Seite 139 russ). „Wir, die Proletarier, haben dutzendemal gesehen, wie die Bourgeoisie die Interessen der Freiheit, der Heimat, der Sprache und der Nation verrät, wenn das revolutionäre Proletariat ihr entgegentritt. Wir haben gesehen, wie die französische Bourgeoisie im Augenblick der schwersten Unterjochung und Erniedrigung der französischen Nation zu den Preußen überlief, wie die Regierung der nationalen Verteidigung zur Regierung des Volksverrats wurde, wie die Bourgeoisie der unterdrückten Nation die Soldaten der unterdrückenden Nation zur Hilfe rief, um ihre Landsleute, die Proletarier niederzuwerfen, die gewagt hatten, die hand nach der Macht auszustrecken“ (Lenin, Band 6, Seite 460).

Nationen, die einst [zum Beispiel Frankreich, England, Deutschland zur Zeit von Marx und Engels – Anmerkung des Verfassers] um ihre Befreiung kämpften, sind zu Unterdrückernationen geworden, zu Nationen des imperialistischen Raubes, die am `Vorabend des Untergangs des Kapitalismus` stehen“ (Lenin, Band 23, Seite 29). Und dazu gehören mittlererweile auch die Nationen des sozialimperialistischen Raubes!

In Bezug auf Irland schrieb Lenin über Marx:

Marx forderte die Trennung Irlands von England - `obgleich nach der Trennung Föderation kommen mag`-, und zwar nicht vom Standpunkt der kleinbürgerlichen Utopie des friedlichen Kapitalismus, nicht aus `Gerechtigkeit für Irland` [siehe Marx, Engels, Werke Band 31, Seite 222, 229 und 376 sowie in Band 32, Seite 414 – Anmerkung], sondern vom Standpunkt der Interessen des revolutionären Kampfes des Proletariats der unterdrückenden, d.h., der englischen Nation gegen den Kapitalismus. Es war eben der Internationalismus des englischen Proletariats, der eine heuchlerische Phrase bleiben musste, wenn dieses Proletariat die Abtrennung Irlands nicht forderte [hierzu auch der Vergleich der Haltung des schwedischen Proletariats gegenüber der Abtrennung Norwegens im Jahre 1905 – siehe Lenin, Band 23 „Über eine Karrikatur auf den Marxismus“]. Ohne jemals Anhänger von Kleinstaaten, von staatlicher Zerstückelung im Allgemeinen, vom föderalistischen Prinzip zu sein, betrachtete Marx die Abtrennung der unterdrückten Nation als einen Schritt zur Föderation – folglich nicht zur Zerstückelung, sondern Konzentration, zur politischen und ökonomischen Konzentration, aber zur Konzentration auf der Basis des Demokratismus. Vom Standpunkt des Gen. P. [ Abkürzung für Parabellum = K. Radek – Anmerkung des Verfassers] führte Marx wahrscheinlich einen `illusorischen Kampf` , indem er die Forderung der Separation Irlands aufstellte. In der Tat aber war nur diese Forderung das konsequent revolutionäre Programm, nur sie entsprach dem Internationalismus, nur sie vertrat die Konzentration auf eine nicht imperialistische Art. (...) Derjenige Sozialist einer unterdrückenden Nation, der nicht im Frieden wie auch im Kriege die Separation der unterdrückten Nationen propagiert, ist kein Sozialist und kein Internationalist, sondern ein Chauvinist. (...) Wie Marx im Jahre 1869 die Separation Irlands forderte, nicht zur Zerstückelung, sondern für den weiteren freien Bund Irlands mit Englands, nicht aus `Gerechtigkeit für Irland` , sondern vom Standpunkt der Interessen des revolutionären Kampfes des englischen Proletariats, ebenso betrachten wir auch die Weigerung der Sozialisten Russlands, das Selbstbestimmungsrecht der Nationen im oben entwickelten Sinne zu fordern, als einen direkten Verrat an der Demokratie, am Internationalismus, am Sozialismus“ (Lenin, Band 21, Seite 417 und 421).



Die Frage der Vaterlandsverteidigung

stellte sich zur Zeit von Marx und Engels ganz anders als zur Zeit von Lenin:



Im Kommunistischen Manifest heißt es, dass die Arbeiter kein Vaterland haben. Mit Recht. Aber dort ist nicht nur das gesagt. Dort ist außerdem gesagt, dass bei der Bildung von Nationalstaaten das Proletariat eine besondere Rolle spielt. Nimmt man die erste These (die Arbeiter haben kein Vaterland) und vergisst ihren Zusammenhang mit der zweiten ( die Arbeiter konstituieren sich national als Klasse, aber nicht in dem Sinne wie die Bourgeoisie), so ist das grundfalsch. Worin besteht nun dieser Zusammenhang? Meiner Meinung nach gerade darin, dass in der demokratischen Bewegung ( in einer solchen Zeit, in einer solchen konkreten Situation) das Proletariat der demokratischen Bewegung die Unterstützung ( und folglich auch die Vaterlandsverteidigung in einem nationalen Krieg) nicht verweigern kann. Marx und Engels haben im `Kommunistischen Manifest` gesagt, dass die Arbeiter kein Vaterland haben. Aber derselbe Marx hat mehr als einmal zum nationalen Krieg aufgerufen. (...) Waren Marx und Engels Wirrköpfe, die heute dies sagten und morgen etwas anderes? Nein. Meiner Meinung nach entspricht die Anerkennung der `Vaterlandsverteidigung` im nationalen Krieg durchaus dem Marxismus“ (Lenin Briefe, Band IV, Seite 326-327). Man darf also – wie Lenin lehrt - nicht das Zitat aus dem Kommunistischen Manifest bis zur Ablehnung nationaler Kriege anwenden, da man damit den Boden des Marxismus verlässt.Vaterland ist ein historischer Begriff. Das Vaterland in der Epoche oder genauer: während des Kampfes für die Abschüttelung des nationalen Jochs – das ist das eine. Etwas anderes ist es zu einer Zeit, da die nationale Bewegungen weit zurückliegen“ ( ebenda, Seite 326). So muss man zwischen der Vaterlandsverteidigung in der Zeit der demokratisch-bürgerlichen Revolutionen, in der Marx und Engels kämpften prinzipiell unterscheiden von der Vaterlandsverteidigung zur Zeit der imperialistischen Kriege, in der Zeit, in der Lenin kämpfte, und wo Lenin die Frage der Vaterlandsverteidigung alspolitische Kardinalfrage während des imperialistischen Krieges“ definierte (Lenin, Band 22, Seite 319) :

Im imperialistischen Krieg 1914-1917, zwischen zwei imperialistischen Koalitionen, müssen wir gegen die `Vaterlandsverteidigung` sein, denn erstens ist der Imperialismus der Vorabend des Sozialismus; zweitens ist der imperialistische Krieg ein Krieg von Dieben um die Beute; drittens gibt es in beiden Koalitionen ein fortschrittliches Proletariat; viertens ist in beiden die sozialistische Revolution herangereift. N u r darum sind wir gegen die `Vaterlandsverteidigung`, nur darum!!“ (Lenin, Band 35, Seite 250; Januar 1917).

[ Man muss hierbei wissen, dass Lenin damals der sogenannten „revolutionären Vaterlandsverteidigung“ der Sozialrevolutionäre kurz vor der Oktoberrevolution als einer ungewöhnlichen Massenströmung gegenüberstand, die die übergroße Mehrheit des Volkes gegen die Bolschewiki vereinigt hatte – Anmerkung des Verfassers], dass man nämlich sein Vaterland im imperialistischen Krieg nur durch die Führung eines Bürgerkrieges verteidigen kann, der die Beseitigung der kapitalistischen Klassenherrschaft beschleunigt und der mit dem Sieg der sozialistischen Revolution gekrönt wird und durch nichts anderes!

Es waren die Opportunisten der II. Internationale ( die Gefangenen der Bourgeoisie“ (Lenin, Band 21, Seite 25), die den Internationalismus dem bürgerlichen Nationalismus anpassten, damit die Arbeiter des einen Landes im Namen der Vaterlandsverteidigung auf die Arbeiter des anderes Landes schießen!

Man kann nicht vom Vaterland sprechen – antworten wir den Opportunisten – und dabei den konkreten historischen Chrakter des Krieges ignorieren. Dieser Krieg ist ein imperialistischer Krieg, d.h., ein Krieg in der Epoche des höchstentwickelten Kapitalismus, in der End - epoche des Kapitalismus. Die Arbeiterklasse muss sich zunächst `als Nation konstituieren`- so erklärt das `Kommunistische Manifest`, zugleich mit einem Hinweis auf die Grenzen und Bedingungen, unter denen wir Nationalität und Vaterland als notwendige Formen der bürgerlichen Gesellschaftsordnung und folglich auch das bürgerliche Vaterland anerkennen. Die Opportunisten entstellen diese Wahrheit, indem sie das, was für die Entstehungsepoche des Kapitalismus gilt, auf seine Endepoche übertragen. Von dieser Epoche aber, von den Aufgaben des Proletariats im Kampf um die Zerstörung nicht des Feudalismus, sondern des Kapitalismus, sagt das Kommunistische Manifest klar und deutlich: `Die Arbeiter haben kein Vaterland.` Man begreift, warum die Opportunisten sich fürchten, diese Wahrheit des Sozialismus anzuerkennen; ja es zumeist nicht einmal wagen, sich offen mit ihr auseinanderzusetzen. Die sozialistische Bewegung kann im alten Rahmen des Vaterlandes nicht siegen. Sie bringt neue, höhere Formen des menschlichen Zusammenlebens hervor, worin die berechtigten Bedürfnisse und fortschrittlichen Bestrebungen der werktätigen Massen jeder Nationalität zum erstenmal in internationaler Einheit, unter Wegfall der jetzigen nationalen Schranken befrieidgt werden. Die jetzigen Versuche der Bourgeoisie, die Arbeiter durch heuchlerische Berufung auf die `Vaterlandsverteidigung` zu trennen und zu spalten, werden die klassenbewussten Arbeiter mit immer neuen und ständig wiederholten Versuchen beantworten, die Einheit der Arbeiter verschiedener Nationen im Kampf für den Sturz der Herrschaft der Bourgeoisie aller Nationen herzustellen“ (Lenin, Werke Band 21, Seite 25-26).

Wir sind nicht `überhaupt` gegen die `Vaterlandsverteidigung` , sondern dagegen, dass durch diese betrügerische Losung der gegenwärtige imperialistische Krieg beschönigt wird“ (Lenin, Band 23, Seite 7). „Die Vaterlandsverteidigung ist (...) durchaus keine Lüge in einem (...) revolutionären Krieg“ (Lenin, Band 23, Seite 12). „Jeder einigermaßen bedeutende Krieg wird von langer Hand vorbereitet. Wenn ein revolutionärer Krieg vorbereitet wird, dann fürchten sich die Demokraten und Sozialisten nicht, im voraus zu erklären, dass sie in einem solchen Krieg für die `Verteidigung des Vaterlandes` sind Wenn jedoch ein reaktionärer Krieg vorbereitet wird, entschließt sich kein einziger Sozialist, im voraus, d.h., vor der Kriegserklärung, zu sagen, er sei für die `Vaterlandsverteidigung in einem solchen Krieg. Marx und Engels fürchteten sich nicht, in den Jahren 1848 und 1859 das deutsche Volk zum Krieg gegen Russland aufzurufen.“ (Lenin, Band 23, Seite 202).

Weil Junius [Pseudonym für Rosa Luxemburg – Anmerkung des Verfassers] diese Auffassung nicht vertrat, sondern die alte marxistische Taktik aus der Zeit von Marx und Engels unberechtigterweise auch auf die veränderte Lage eines imperialistischen Krieges überstülpte, kritisierte ihn Lenin wie folgt:Wenn Junius sagt, der Klassenkampf sei das beste Mittel gegen eine Invasion, so wendet er die Marx`sche Dialektik nur halb an, er macht einen Schritt auf dem richtigen Wege, weicht aber gleich darauf von ihm ab. Die Marx`sche Dialektik erfordert eine konkrete Analyse der jeweiligen historischen Situation. Dass der Klassenkampf das beste Mittel gegen eine Invasion ist – das ist richtig sowohl in Bezug auf die Bourgeoisie, die den Feudalismus stürzt, als auch in Bezug auf das Proletariat, das die Bourgeoisie stürzt. Eben weil das richtig ist in Bezug auf jede Klassenunterdrückung, ust es zu allgemein und darum für den gegebenen besonderen Fall unzureichend. Der Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie ist auch eine Art des Klassenkampfes, und nur diese Art des Klassenkampfes würde Europa ( ganz Europa und nicht nur ein Land ) von der Gefahr einer Invasion befreien. Die `großdeutsche Republik` hätte, wenn sie in den Jahren 1914-1916 existiert hätte, einen ebensolchen imperialistischen Krieg geführt“ (Lenin, Band 22, Seite 322).

Heute sprechen wir mittlererweile vom internationalen Bürgerkrieg gegen die Weltbourgeoisie als eine Art des internationalen Klassenkampfes, um die ganze Welt und nicht nur Europa von der Gefahr einer Invasion zu befreien. Auch im Weltmaßstab darf man die Marx`sche Dialektik nicht nur halb anwenden, wie es heute die Neo-Revisionisten tun, müssen wir gegen sie heute den gleichen pronzipiellen Kampf führen, den Lenin damals gegen Rosa Luxemburg geführt hatte.

Und Lenin bezog sich wie hier stets auf die grundsätzliche Methode von Marx und Engels, wie man marxistisch an die Geschichte herangehen muss:Der ganze Geist des Marxismus, sein ganzes System verlangt, dass jede These nur a) historisch; b) nur in Verbindung mit anderen; c) nur in Verbindung mit den konkreten Erfahrungen der Geschichte betrachtet wird“ (ebenda, Seite 326). Das trifft auch ganz besonders auf die These der Vaterlandsverteidigung zu, denn wenden wir diese These auf die Gegenwart an, so rechtfertigt der US-Imperialismus seine globalisierten Raubkriege nicht allein mit der verlogenen Argumentation der „Vaterlandsverteidigung“ (wie das noch im Ersten Weltkrieg allgemein üblich war - das wäre ja auch zu durchsichtig!), sondern vor allem mit der „Verteidigung der zivilisierten Welt gegen den Terrorismus“, also in Wirklichkeit nicht nur mit der nationalen, sondern auch mit der internationalen Verteidigung des Kapitals gegen den internationalen Klassenkampf des gesamten Proletariats der Welt und nicht nur gegen den Klassenkampf des Proletariats eines einzelnen Landes. Was die imperialistischen Länder anbelangt, sprechen wir Marxisten-Leninisten dort seit ihrer Entwicklung zum Imperialismus nicht mehr von Vaterlandsverteidigung, sondern nur noch von ihrer verlogenen Phrase des Großmachtchauvinismus. Welthistorisch steht der revolutionäre Übergang von dem überlebten, kapitalistisch/revisionistisch überreifen „Vaterland“ zum Sozialismus auf der Tagesordnung. Ein wichtiger, unverzichtbarer Hebel für die soziale Befreiung ist dabei auch die Verteidigung der nationalen Interessen der Proletarier aller Länder und der revolutionären Völker gegenüber dem imperialistischen Kosmopolitismus. Die revolutionären Völker und das Weltproletariat verteidigen die Lebensinteressen der unterjochten Nationen, über die sich der Weltimperialismus gewaltsam hinwegsetzt, sie mit Füßen tritt und zerstört. Niemals werden die unterdrückten und ausgebeuteten Klassen der ganzen Welt auf ihre nationalen Traditionen, auf ihre nationale Kultur verzichten, werden sie ihre Heimat niemals dem Imperialismus opfern, weder dem „eigenen“, noch einem fremden. Sie werden für sie kämpfen und sie gegen den Imperialismus verteidigen, indem sie sich revolutionär vom Imperialismus befreien, indem sie den Imperialismus stürzen und sich ihre eigene Nation schaffen, die sozialistische Nation. Der proletarische Internationalismus bedeutet nicht Preisgabe der nationalen Frage, sondern deren Lösung. Nur im Sinne des proletarischen Internationalismus ist Vaterlandsverteidigung zu verstehen und nicht als Rechtfertigung für Ausbeutung und Unterdrückung anderer Länder, die im eigenen Land eingeschlossen. Betrachten wir die Vaterlandsverteidigung aus der Sicht der Proletarier aller Länder und insbesondere aus der Sicht des Weltproletariats, so kann es sich in den kapitalistischen/revisionistischen Ländern also „nur“ um die Verteidigung des zukünftigen sozialistischen Vaterlandes und um die gegenwärtige internationalistische Unterstützung der Verteidigung des Vaterlandes aller unterdrückten und abhängigen Völker, um die Solidarität mit ihren nationalen Befreiungskriegen, um die proletarische Hilfe bei der Verteidigung ihres Selbstbestimmungsrechtes, des Rechtes auf Loslösung und Wiedervereinigung – gegen die unterdrückenden, imperialistischen Nationen – handeln. Marxisten-Leninisten hören auf, Marxisten-Leninisten zu sein, wenn sie irgendeine – auch die „eigene“ - unterdrückende, imperialistische Nation oder gar das ganze weltimperialistische System der unterdrückenden Nationen verteidigen. Jede neo-revisionistische Bemäntelung wäre in Wahrheit nichts anderes als die Verteidigung des Sozialchauvinismus. Und so ist auch die Verteidigung der revisionistischen (= kapitalistischen!) Länder, in marxistisch-leninistische/ anti-imperialistische Rechtfertigung verhüllt, nichts anderes als Neo-Revisionismus. Das, was wir Marxisten-Leninisten in einem revisionistischen Land verteidigen, ist der nationale und soziale Befreiungskampf der Arbeiterklasse vom Revisionismus, ist der Bürgerkrieg und die proletarische, sozialistische Revolution!

Das revolutionäre Weltproletariat verteidigt heute die Ausgebeuteten und Unterdrückten der ganzen Welt gegen den Weltimperialismus und seine globalisierten imperialistischen Kriege, indem es den globalisierten Kampf der ganzen ausgebeuteten und unterdrückten Welt für die Befreiung vom Weltimperialismus führt. Nur insofern hängt heute die Frage der Vaterlandsverteidigung eng mit der Frage der Weltverteidigung zusammen, hat sich die Frage internationalisiert, ist sie vom Zusammenhang mit dem globalisierten Klassenkampf nicht mehr zu trennen.

Die Weltverteidigung ist reiner Betrug, wenn man allen „Groß“mächten heute das Recht und die Pflicht zubilligt, die Weltzivilisation gemeinsam zu „retten“. Dies auch noch „im Namen des Marxismus-Leninismus“ zu propagieren, ist eine durch nichts zu überbietende Verhöhning des proletarischen Internationalismus. Im Namen der Weltverteidigung zu erlauben und zu billigen, dass die einen Arbeiter auf der Welt auf die anderen Arbeiter auf der Welt schießen, ist reinstes Kautskyanertum zum Quadrat erhoben, ist kautskyanischer Ultra-Imperialismus von der schlimmsten Sorte. Mit nichts auf der Welt ist zu rechtfertigen, dass Arbeiter auf Arbeiter schießen! Die Weltverteidigung der heutigen „Groß“machtnationen ist nichts anderes als die Verteidigung ihre gemeinsamen Rechts auf die Beute aus der Ausplünderung der ganzen Welt.

Die Verteidigung der Welt ist nur dann kein Betrug, wenn diese Verteidigung durch einen internationalen, revolutionären Krieg des Weltproletariats gegen den globalisierten imperialistischen Krieg geführt wird, durch den (und nur durch den) die Verteidigung aller Vaterländer der Welt, die Verteidigung der Heimat aller Völker der Welt, die Weltverteidigung wirklich erst garantiert werden kann. So steht es also heute inzwischen mit der ( globalisierten Formulierung der ) Frage der Vaterlandsverteidigung. Und irgendwann wird auch diese Frage nicht mehr so gestellt werden können, wie wir sie heute stellen müssen, weil sie sich im Laufe der Weltgeschichte verändert. Irgendwann – und das kann noch sehr, sehr lange dauern! - wird man die heutige Taktik nicht mehr anwenden können, weil sie dann bereits historisch veraltet sein wird, weil dann die sich verteidigenden sozialistischen Nationen verschmolzen und zu einer einzigen sozialistischen Weltnation zusammengewachsen sind. Sie kann sich nur noch gegen sich selbst verteidigen. Sie wird sich nicht mehr gegen irgendeine andere Nation verteidigen müssen und dies auch nicht können, weil es dann auch gar keine andere Nation neben der Weltnation gibt; und damit wird sich der Begriff der Vaterlandsverteidigung von selbst auflösen und höchstens noch in historischen Büchern nachzulesen sein. Irgendwann wird sich die Welt nicht mehr vor ihrer Ausbeutung und Unterdrückung verteidigen müssen, wenn die Menschheit sich ( von ihrer Unmenschlichkeit) befreit hat und also menschlich geworden ist. Wir können die Klassiker nicht mehr befragen, aber wir können ihr historisches Herangehen an die Frage der Vaterlandsverteidigung erlernen, und es wird die Praxis zeigen, ob wir richtig oder falsch gelernt haben; und gegebenenfalls werden wir dann unsere Fehler korrigieren müssen.

Die nationale Frage ist ebenfalls eine historische Kategorie, das heißt ihre revolutionäre Bedeutung ändert sich unter den veränderten Klassenverhältnissen im Laufe der Geschichte, im Laufe von Kriegen und Revolutionen bzw. verwandelt sich in einen klassengebundenen reaktionären Faktor. Heute ist die nationale Frage in den kapitalistischen Ländern vom marxistischen Standpunkt aus im Wesentlichen gelöst, jedenfalls was die Herausbildung des Typs der bürgerlichen Nationalstaaten des 19. Jahrhundert anbelangt. Lenin verteidigte Marx in seiner Schrift „Was sind die `Volksfreunde`?“, dass es kein anderes Mittel zur Bekämpfung des nationalen Hasses gibt als die Organisierung und den Zusammenschluss der Klasse der Unterdrückten zum Kampf gegen die Klasse der Unterdrücker in jedem einzelnen Lande, als die Vereinigung dieser nationalen Arbeiterorganisationen zu einer internationalen Arbeiterarmee [hervorgehoben vom Verfasser] für den Kampf gegen das internationale Kapital. Was aber die Bemerkung anbelangt, die Internationale habe die Arbeiter nicht gehindert, sich gegenseitig abzuschlachten, so genügt es, Herrn Michailowski an die Ereignisse der Kommune zu erinnern, die das wahre Verhältnis des organisierten Proletariats zu den kriegführenden herrschenden Klassen gezeigt haben“ (Lenin, Band 1, Seite 148). Wir treten also gegen den inzwischen reaktionären bürgerlichen Nationalismus mit der revolutionären Kampflosung der Schaffung sozialistischer Nationen auf und nicht etwa mit der Verteufelung der nationalen Frage und der Nation überhaupt, was unter den sogenannten „Linken“ modern geworden ist. Ungelöst ist die nationale Frage für uns Marxisten-Leninisten in den kapitalistischen Ländern also nur in Hinsicht auf die Schaffung der sozialistischen Nationen, denn nur diese können die nationalen Interessen der revolutionären Völker schützen - aber eben nur dadurch, dass die Arbeiterklasse an der Macht ist. So dienen die bürgerlichen Nationen heute lediglich dazu, die Herrschaft des internationalen Finanzkapitals zu schützen, nicht die der Völker und ihrer nationalen Interessen. Das Schicksal der bürgerlichen Nation ist untrennbar mit dem Schicksal des internationalen Kapitals verbunden. Und so verrät und vernichtet der monopolistische Maximalprofit die Nation, die der Profit des Frühkapitalismus sich einst geschaffen hatte. Und das ist mit ein Grund, weswegen wir die nationale Frage durch die Beseitigung der bürgerlichen kapitalistischen Nationen nur mit der Errichtung sozialistischer Nationen lösen können, nämlich um auf diese Weise die Herrschaft des Weltimperialismus zu stürzen. Wenn wir das nicht tun, sondern anstatt der nationalen Interessen der Arbeiter und des werktätigen Volkes die Interessen der nationalen Bourgeoisie verteidigen, wenn wir die dialektische Einheit von nationaler und sozialer Befreiung der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen nicht begreifen, so verteidigen wir nur das Stück Kuchen, was sich die Bourgeoisie im eigenen Land vom Weltkuchen abzuschneiden oder zu verteidigen versucht. Sich aber an der Ausraubung fremder Länder zu beteiligen, das ist mit den nationalen Interessen der Arbeiterklasse völlig unvereinbar, weil es auf Kosten der Werktätigen nicht nur im eigenen Land (gefüttert wird von der imperialistischen Beute ja nur die eigene Arbeiteraristokratie!), sondern auch in allen anderen Ländern geht, insbesondere in den unterdrückten und abhängigen Ländern. Und das ist auch der Grund, weswegen wir die national gesinnten Arbeiter auffordern, mit uns Kommunisten vereinigte Gewehr in die Hand zu nehmen, um der imperialistischen Vergewaltigung an der Nation, um der verrotteten, parasitären und sterbenden, also der imperialistischen bürgerlichen Nation den Todesstoß zu versetzen und die Nation, die allein dem Volk gehört, von diesem imperialistischen Parasiten zu befreien. Wir können aber bei der nationalen Befreiung gar nicht für die „Befreiung“ der bürgerlichen Nation vom Imperialismus kämpfen – selbst wenn wir es wollten - denn die bürgerliche Nation ist ja von Anfang an kapitalistisch gewesen und bleibt es auch auf imperialistischer Stufe, der höchsten und letzten Stufe des Kapitalismus. Folglich kann man auch letztlich nicht die bürgerliche Nation vom Imperialismus befreien, ist die bürgerliche Nation also unumkehrbar, unwiderruflich und gesetzmäßig zum historischen Untergang verurteilt. Das Schicksal der imperialistischen Nationen ist also an das Schicksal des Weltimperialismus gebunden. Das Schicksal der nationalen Interessen des Volkes ist an das Schicksal der Arbeiter gebunden. Das Schicksal der Arbeiter aber ist an den Sozialismus gebunden. Und so ist auch das Schicksal der Nation an das Schicksal des Sozialismus gebunden, kann (und wird auch!) die Nation überhaupt nur als sozialistische Nation weiter bestehen. Die Arbeiterklasse muss sich bewaffnen und die Führung der Nation übernehmen. Nur indem sich der Arbeiter vom Kapitalismus befreit, kann die Nation befreit werden. Nur durch die Beseitigung des Kapitalismus, der die bürgerliche Nation einst geschaffen hatte - kann die Nation als sozialistische Nation, als Nation der Arbeiter und des werktätigen Volkes gerettet werden. Insofern ist die nationale Frage Bestandteil der sozialistischen Revolution und der Schaffung eines sozialistischen Staates, ohne den es für die Nation keine Zukunft geben kann. Die Arbeiter können aber nicht einfach mit der Bourgeoisie die Plätze der Macht innerhalb der kapitalistischen Nationen tauschen. Die Arbeiterklasse muss erst einmal den bürgerlichen Staat, der die Macht der Kapitalisten schützt, zerschlagen, um die Nation vor ihrem Untergang überhaupt bewahren zu können. Die Frage des Staates und die Frage der Nation sind nicht das Gleiche, aber beide waren und sind eine Klassenfrage und können nur durch die Klassenfrage, das heißt durch die bewaffnete sozialistische Revolution, gelöst werden. Die nationale Frage ist auch maßgeblicher Bestandteil des nationalen Befreiungskrieges in den kolonialen und abhängigen Ländern, wo die soziale Befreiung erst möglich wird durch die bewaffnete, nationale Befreiung von den imperialistischen Okkupanten bzw von der Kompradorenbourgeoisie. Beide verschiedenen nationalen Fragen – in den kapitalistischen wie in den vom Kapitalismus abhängigen Ländern – stehen miteinander im Zusammenhang und können letztendlich nur im vereinigten bewaffneten Kampf gelöst werden - stets in Hinblick auf die sozialistische Weltrevolution.

Historisch haben wir bereits die Beseitigung sozialistischer Nationen erlebt – in der Sowjetunion Lenins und Stalins und in Albanien Enver Hoxhas; hatte sich in der Sowjetunion sogar eine sozialimperialistische Supermacht und infolgedessen und konsequenterweise auch ein Zerfall der sowjetischen UNION der sozialistischen Nationen und schließlich der Zerfall der einzelnen sozialistischen Nationen innerhalb der Sowjetunion vollzogen, der durch den westlichen Imperialismus heute weiterhin bewusst und mit Waffen vorangetrieben wird, weil sie vorm Wiedererstarken des Kommunismus immer noch Angst haben ( zu Recht Angst haben, denn wir werden das als Kommunisten nicht vergessen und unsere Waffen wieder herausholen, um uns das zurückzuholen, was man uns weggenommen hat!). In der Periode der sozialistischen Nation ist also die Verwandlung in eine bürgerliche Nation, die Gefahr der Restauration des Kapitalismus zur Tatsache geworden, sind die Revisionisten zum Verrat an der Nation, zu ihrer Verschacherung an das ausländische Kapital bereit gewesen und werden immer wieder dazu bereit sein, um den Kapitalismus und die Herrschaft der Bourgeoisie stets aufs Neue zu retten. Wir sprechen heute also nicht nur von der Schaffung neuer sozialistischer Nationen, sondern auch von der Verteidigung der alten ( wobei wir nur die genannten sozialistischen und nicht die ehemaligen revisionistischen/bürgerlichen Nationen meinen, wohlgemerkt!), von ihrer Zurückeroberung. Der Widerspruch zwischen unterdrückenden und unterdrückten Nationen kann im Rahmen des Weltkapitalismus nicht aufgelöst werden – weder friedlich noch kriegerisch -, Nationen überhaupt können nur friedlich existieren im Sozialismus, wenn der Sozialismus im Weltmaßstab gesiegt hat, und das alles geht nicht ohne Klassenkriege ab, ist eine Frage des revolutionären bewaffneten Kampfes, so wie die ganze Geschichte der Nationen eine Geschichte des bewaffneten Kampfes von Klassen gewesen ist.

Die sozialistischen Nationen aber gehen nach vielen bewaffneten Niederlagen und Siegen, schließlich nach einer Periode des friedlichen Zusammenlebens der Nationen, genauso unter wie auch die bürgerlichen Nationen vor ihnen untergegangen sein werden, die ein grausames Kapitel gegenseitiger räuberischer und ungerechter Kriege geschrieben haben. Der entscheidende Unterschied ist jedoch der, dass die sozialistischen Nationen mit ihrem eigenen Untergang jegliche nationalen Privilegien und nationale Schranken überhaupt beseitigen werden, nicht aber gewisse Unterschiede, die bleiben werden, obwohl auch diese sich allmählich verändern. Genauso wie bestimmte Formen und Konstruktionen von Nationen kommen und gehen, werden die Nationen selbst eines Tages wieder verschwinden, weil sie für die weitere Entwicklung der Gesellschaft hinderlich werden und dann keine positive Rolle mehr spielen können. Dieses Verschwinden wird allerdings nach der Existenz der sozialistischen Weltnation noch sehr, sehr lange andauern, wobei wir das Verschwinden nicht als einen negativen Verlust betrachten, als ein Vakuum, als Auflösung oder Vernichtung aller nationalen Charaktereigenschaften wie der nationalen Kulturen zum Beispiel, sondern als eine anzustrebende Befreiung der nationalen Kulturen von kapitalistischen Überresten, als ihr Aufleben, als ihre volle freie, unabhängige und selbständige Entfaltung und Ausreifung, als eine Bereicherung nicht nur für jede einzelne Kultur selbst, sondern als gegenseitige Befruchtung aller Kulturen zusammengenommen, also als eine sich frei und ungezwungen vollziehende Verschmelzung der besten Eigenschaften aller Nationen, auf einer höheren qualitativen Stufe der Menschheitsentwicklung, die durch keinerlei nationale Schranke und durch keinerlei Nation behindert werden kann, die anderen Nationen ihren Willen aufzuzwingen versucht, so wie es in der Vergangenheit der Fall war und heute immer noch ist. Diese Gesellschaft strebten bereits Marx und Engels an.

So wie bei Marx und Engels die nationale Bewegung in ihren historischen Anfängen Voraussetzung war für die Entwicklung der sozialen Bewegungen und diese aus ihnen zum großen Teil sogar hervorgegangen waren, so trifft das heute auch auf die kolonialen und abhängigen Länder zu. Das Proletariat kann sich von der Herrschaft der Kapitalisten nicht befreien, wenn diese Herrschaft vermittels der bürgerlichen Staaten – und nur die konnten das kapitalistische Privateigentum schützen - noch gar nicht errichtet waren ! Um auf den Trümmern der Herrschaft der Bourgeoisie die eigene Herrschaft zu errichten, musste die Bourgeoisie ja erst einmal ihre eigene Herrschaft historisch in Besitz genommen haben. Die war ja anfangs noch gar nicht vorhanden, und ohne Proletariat hätte die Bourgeoisie ihre Befreiung vom Feudalismus nicht erreicht. Nur als vereinte nationale Kraft, in der diese beiden Klassen die Hauptrolle spielten, konnte diese Aufgabe bewältigt werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass es einmal eine Bourgeoisie gegeben hat, die mit der Waffe in der Hand für die Befreiung vom Joch des Feudalismus, die republikanisch gekämpft hatte und wegen revolutionärer Handlungen ihre Führer des Hochverrats angeklagt waren, bevor sie due Revolution verriet, selber ans Ruder kam und selber bestialisch ausbeutete und unterdrückte. Wo das Proletariat selbständig aufzutreten begann, da hörte die Bourgeoisie auf, eine revolutionäre Klasse zu sein – auch und gerade in der nationalen Frage des 19. Jahrhunderts. Es ist also ein unüberbrückbarer Unterschied, ob wir die nationale Frage als Instrument zur Lösung der Befreiung vom Feudalismus oder der Befreiung vom Kapitalismus, insbesondere vom Imperialismus, aber auch vom Sozialimperialismus, Kolonialismus etc., vom Standpunkt der unterdrückenden Nationen oder vom Standpunkt der unterdrückten Nationen, etc. verwenden. Der Kampf gegen die Bourgeoisie konnte also historisch, zur Zeit von Marx und Engels, unmöglich mit der proletarischen Revolution beginnen. Die marxistische These von den drei Hauptkräften und Grundstadien der Revolution des 19. ( und 20.) Jahrhunderts sind bekannt: Nach dieser These ist das erste Stadium der Revolution die Einschränkung des Absolutismus, durch die die Bourgeoisie befriedigt wird; das zweite ist die Erkämpfung der Republik, wodurch das `Volk` , d.h., die Bauernschaft und überhaupt die Kleinbourgeoisie, befriedigt wird; das dritte ist die sozialistische Umwälzung, die allein das Proletariat zu befriedigen vermag“ (Lenin, Band 8, Seite 465). Marx kämpfte mit aller Kraft gegen das Herabsinken der Arbeiterklasse und ihrer Partei zum Anhängsel der offiziellen bürgerlichen Demokratie und er unterstrich die Wichtigkeit der Bewaffnung der Arbeiter, der Organisierung einer selbständigen proletarischen Garde, der strengen Kontrolle der Proletarier über die verräterische kleinbürgerliche Demokratie usw.

Marx hat keineswegs vorgeschlagen, das Werk der Revolution im Deutschland der fünfziger Jahre direkt mit der proletarischen Macht zu beginnen, im Gegensatz zu den Plänen unserer russischen `Permanenzler`; Marx hat lediglich vorgeschlagen, das Werk der Revolution mit der proletarischen Staatsmacht zu krönen, indem Schritt für Schritt eine Fraktion der Bourgeoisie nach der anderen von der Höhe der Macht verdrängt wird, und dann, nach Erringung der Macht des Proletariats, die Revolution in allen Ländern zu entfachen – in vollem Einklang mit alledem, was Lenin lehrte und im Laufe unserer Revolution verwirklichte, indem er seine Theorie der proletarischen Revolution unter den Verhältnissen des Imperialismus folgte“ (Stalin, Band 6, Seite 93). So wird das Weltproletariat auch seine Weltmacht krönen, indem es mit der schwächsten Kette des Imperialismus beginnend, die einzelnen Bourgoisien ( als Fraktionen der Weltbourgeoisie) in einem Land nach dem anderen von der Höhe der Macht zu verdrängen und die Weltrevolution nicht direkt mit der Eroberung der Weltmacht beginnen wie es die Trotzkisten vorgeschlagen haben. Die soziale Befreiung des Weltproletariats kann nur in nationalen Formen durch die Revolutionen der Proletarier jeden Landes gelingen. Und nur so kann dabei die nationale Frage eines einzelnen Landes nur durch die sozialistische Revolution in diesem einzelnen Land gelöst werden. Endgültig kann aber die nationale Frage aller Nationen nur internationalistisch gelöst werden, nämlich durch die proletarische Weltrevolution. Nur durch Unterstützung der proletarische Weltrevolution wird es mit den nationalen Befreiungskriegen der Völker gelingen, auch die Ursache der nationalen Unterdrückung der Völker, und damit ihre Unvermeidbarkeit für immer zu beseitigen – den Weltimperialismus. Es ist der Weltkapitalismus selbst, der die nationalen Schranken niederreißt und damit die Bedingungen für die nationale Befreiung aller Länder durch den Weltsozialismus schafft:

Früher [also noch zur Zeit von Marx und Engels – Anmerkung des Verfassers] pflegte man an die Analyse der Voraussetzungen der proletarischen Revolution vom Standpunkt des ökonomischen Zustandes dieses oder jenes Landes heranzugehen [England, Frankreich, Deutschland usw. - Anmerkung des Verfassers]. Jetzt ist diese Art des Herangehens bereits unzulänglich. Jetzt muss man an diese Frage vom Standpunkt des ökonomischen Zustands aller Länder oder ihrer Mehrheit, vom Standpunkt des Zustands der Weltwirtschaft herangehen, denn die einzelnen Länder und die einzelnen nationalen Wirtschaften haben aufgehört, sich selbst genügende Einheiten zu sein, sie haben sich in Glieder einer einheitlichen Kette, genannt Weltwirtschaft, verwandelt, denn der alte `zivilisierte` Kapitalismus [aus der Zeit, als Marx und Engels wirkten – Anmerkung des Verfassers] ist zum Imperialismus geworden, der Imperialismus aber ist ein Weltsystem finanzieller Versklavung und kolonialer Unterdrückung der gigantischen Mehrheit der Bevölkerung der Erde durch eine Handvoll `fortgeschrittener` Länder.

Früher [also wiederum noch zur Zeit von Marx und Engels – Anmerkung des Verfassers] war es üblich, vom Vorhandensein oder Fehlen objektiver Bedingungen für die proletarische Revolution in den einzelnen Ländern oder, genauer gesagt, in diesem oder jenem entwickelten Lande zu sprechen. Jetzt ist dieser Umstand bereits unzulänglich. Jetzt muss man vom Vorhandensein objektiver Bedingungen für die Revolution im ganzen System der imperialistischen Weltwirtschaft als eines einheitlichen Ganzen sprechen, wobei der Umstand, dass diesem System einige industriell mangelhaft entwickelten Länder angehören, kein unüberwindliches Hindernis für die Revolution bilden kann, wenn das System als Ganzes oder, richtiger gesagt, da das System als Ganzes bereits für die Revolution reif geworden ist.

Früher war es üblich, von der proletarischen Revolution in diesem oder jenem Land als von einer einzelnen, sich selbst genügenden Größe zu sprechen, die der einzelnen, nationalen Front des Kapitals aus ihrem Antipoden entgegengestellt wurde. Jetzt ist dieser Standpunkt bereits unzulänglich. Jetzt mus man von der proletarischen Weltrevolution sprechen, denn die einzelnen nationalen Fronten des Kapitals haben sich in Glieder einer einheitlichen Kette verwandelt, genannt die Weltfront des Imperialismus, der die allgemeine Front der revolutionären Bewegung aller Länder entgegengestellt werden muss.

Früher betrachtete man die proletarische Revolution ausschließlich als Ergebnis der inneren Entwicklung des betreffenden Landes. Jetzt ist dieser Standpunkt bereits unzulänglich. Jetzt muss man die proletarische Revolution vor allem als Ergebnis der Entwicklung der Widersprüche im Weltsystem des Imperialismus betrachten, als Ergebnis dessen, dass die Kette der imperialistischen Weltfront in diesem oder jenem Lande reißt.

Wo wird die Revolution beginnen, wo kann am ehesten die Front des Kapitals durchbrochen werden, in welchem Lande? Dort, wo die Industrie am entwickeltsten ist, wo das Proletariat die Mehrheit bildet, wo es mehr Kultur, wo es mehr Demokratie gibt – pflegte man früher zu antworten. Nein – entgegnet die Leninsche Theorie der Revolution -, nicht unbedingt dort, wo die Industrie am entwickeltsten ist usw. Die Front des Kapitals wird dort reißen, wo die Kette des Imperialismus am schwächsten ist, denn die proletarische Revolution ist das Ergebnis dessen, dass die Kette der imperialistischen Weltfront an ihrer schwächsten Stelle reißt, wobei es sich erweisen kann, dass das Land das die Revolution begonnen hat, das Land, das die Front des Kapitals durchbrochen hat, kapitalistisch weniger entwickelt ist als andere, entwickeltere Länder, die jedoch im Rahmen des Kapitalismus verblieben sind“ (Stalin, Band 6, Seite 85-86).

Den objektiven Hauptinhalt der nationalen Kriege Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten bürgerlich-nationale Bewegungen, deren Hauptziel es war, die bürgerliche Gesellschaft aus den Fesseln des Feudalismus, des Absolutismus zu befreien. In diesen nationalen Kriegen konnte die Arbeiterklasse objektiv noch nicht ihren Kampf für den Sozialismus entfalten. Trotzdem nahmen Marx und Engels nie die Position des Nationalliberalismus ein. Ihre demokratische Taktik war es, bei all den militärischen Zusammenstößen, in denen die Bourgeoisie um die Macht kämpfte, in allererster Linie die demokratische Volksbewegung als eine demokratische Massenbewegung der Besitzlosen zu unterstützen.

Lenin hob hervor,dass es Marx bei kriegerischen Konflikten, die auf dem Boden des Aufstiegs der Bourgeoisie zur Macht in den einzelnen Nationen ausbrachen, ebenso wie im Jahre 1848 in erster Linie darauf ankam, dass sich die bürgerlich-demokratischen Bewegungen ausdehnten und verschärften, indem sie breitere und mehr `plebejische` Massen, das Kleinbürgertum im Allgemeinen, die Bauernschaft im Besonderen und schließlich die besitzlosen Klassen daran beteiligten. Gerade durch diese Marxsche Erwägung über die Verbreiterung der sozialen Basis der Bewegung und über ihre Entwicklung unterschied sich denn auch die konsequent demokratische Marxsche Taktik grundlegend von der inkonsequenten, zum Bündnis mit den Nationalliberalen tendierenden Taktik Lassallles“ (Lenin, Band 21, Seite 137). Lenin beurteilte die Entscheidung der Frage, ob Marx oder Lassalle Recht gehabt hätte bei ihrer Einschätzung der Umstände des italienischen Krieges von 1859, wie folgt:

Wir sind (entgegen Mehring) der Auffassung, dass Marx Recht hatte und dass Lassalle, ebenso wie in seinem Kokettieren mit Bismarck, auch hierin Opportunist war. Lassalle passte seine Haltung dem Sieg Preußens und Bismarcks, dem Fehlen einer ausreichenden Stoßkraft der demokratischen Nationalbewegungen in Italien und Deutschland an. Eben darin schwankte er nach der Seite einer nationalliberalen Arbeiterpolitik. Marx dagegen förderte und entwickelte eine selbständige, eine konsequent demokratische, der nationalliberalen Feigheit feindliche Politik (Preußens Einmischung gegen Napoleon im Jahre 1859 hätte der Volksbewegung in Deutschland einen Anstoß gegeben). Lassalle schaute mehr nach oben als nach unten, er vergaffte sich in Bismarck. Bismarcks `Erfolg` ist nicht im mindesten geeignet, Lassalles Opportunismus zu rechtfertigen“ (Lenin, Band 21, Seite 130).

Die Marxisten haben die Fortschrittlichkeit der bürgerlich-nationalen Kräfte niemals geleugnet. Nur die heutige Bourgeoisie wärmt aus imperialistischen Gründen die Ideologie der Nationalbewegungen Mitte des 19. Jahrhunderts wieder auf und versucht, sie auf eine vollkommen andere Epoche zu übertragen – und hinterher trotten die Opportunisten, lassen sich vom bürgerlichen Nationalismus ins Schlepptau nehmen, um imperialistische Kriege „im Namen des Marxismus“ zu rechtfertigen. Marx und Engels schritten von ihrer Epoche, von der Epoche der bürgerlich-nationalen fortschrittlichen Bewegung vorwärts, sie strebten danach, diese Bewegung weiterzutreiben, und bemühten sich um ihre Entwicklung `über die Köpfe` der Repräsentanten des Mittelalters hinweg. A. Petrossow strebt, wie alle Sozialchauvinisten, von seiner Epoche, von der Epoche der modernen Demokratie nach rückwärts, er springt hinüber auf den längst überlebten, toten und deshalb zuinnerst verlogenenen Standpunkt der alten (bürgerlichen) Demokratie. (...) Damals, im Jahre 1859 [Marx` Analyse des italienischen Krieges von 1859 – Anmerkung des Verfassers], bildete den objektiven Inhalt des geschichtlichen Prozesses auf dem europäischen Festland nicht der Imperialismus, es waren vielmehr die nationalen bürgerlichen Befreiungsbewegungen.. Haupttriebfeder war die Bewegung der Bourgeoisie gegen die feudalen absolutistischen Kräfte.

Nehmen wir einmal an, zwei Länder führen miteinander Krieg in der Epoche der bürgerlichen nationalen Freiheitsbewegungen. Welchem Land soll man vom Standpunkt der modernen Demokratie des Sieg wünschen? Natürlich dem, dessen Sieg die Befreiungsbewegung der Bourgeoisie kräftiger vorwärtstreiben und stürmischer entwickeln, den Feudalismus stärker unterwühlen wird. Nehmen wir weiter an, dass das bestimmende Moment der objektiven geschichtlichen Situation sich geändert hat und dass an die Stelle des sich national emanzipierenden Kapitals das internationale reaktionäre, imperialistische Finanzkapital getreten ist. Angenommen, das eine Land beherrsche drei Viertel von Afrika, das andere ein Viertel. Objektiver Inhalt ihres Krieges ist die Neuaufteilung Afrikas. Welcher Seite soll man den Sieg wünschen? Die Frage so zu stellen, wie sie früher gestellt wurde, ist sinnlos, denn es fehlen uns die früheren Kriterien der Einschätzung: Es gibt weder eine langjährige Entwicklung der bürgerlichen Befreiungsbewegung noch einen langjährigen Untergangsprozess des Feudalismus. Es ist nicht Sache der modernen Demokratie, dem einen Land bei der Behauptung seines `Rechts` auf die drei Viertel von Afrika beizustehen oder dem andern ( und möge es sich auch ökonomisch rascher entwickeln als das erste) bei der Besitzergreifung von diesen drei Vierteln zu helfen. Die moderne Demokratie wird nur in dem Falle sich selbst treu bleiben, wenn sie sich keiner einzigen imperialistischen Bourgeoisie anschließt, wenn sie sagt, dass `beide das größere Übel` sind, wenn sie in jedem Land die Niederlage der imperialistischen Bourgeoisie herbeiwünscht. Jede andere Entscheidung wird in Wirklichkeit nur eine nationalliberale sein, die mit wahrer Internationalität nichts gemein hat“ (Lenin, Band 21, Seite 131-133).

Die Volksbewegung in den vom Kriege erfassten Ländern war damals zur Zeit von Marx und Engels noch allgemein-demokratisch, ihrem Klasseninhalt nach bürgerlich-demokratisch. Marx und Engels unterstützten den damals demokratisch-bürgerlichen Kampf gegen den Feudalismus, indem sie sich jeweils auf die Seite derjenigen Bourgeoisie stellten, in deren Land die Entfaltung des Proletariats am besten voranschreiten konnte und woran die Proletarier in den anderen Ländern teilhaben sollten, indem Marx und Engels ihnen half, sich zusammenzuschließen und das Proletariat in dem jeweils fortschrittlichsten bürgerlichen Land solidarisch zu unterstützen. Diese Solidarität der Proletarier in den europäischen Ländern während der nationalen Kriege war der Beginn des selbständigen Auftretens des Proletariats in den einzelnen Ländern und ihres gemeinsamen Auftretens später mit der I. Internationale. Es war kein Zufall, dass sich in dieser Epoche die Produktivkräfte im Rahmen einzelner bürgerlicher Länder entwickelten, die sich vom Feudalismus durch nationale Kriege befreiten. Diese Epoche schließt mit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Mit dem Ende der Ära der nationalen Kriege trat das Proletariat in eine Periode über, in der sie begann, die Bourgeoisie erbittert zu bekämpfen, denn die Regierungen mit ihrer nationalen Verteidigung verwandelten sich in Regierungen des nationalen Verrats:

Lenin sagte, ...wenn damals der Kampf gegen die Reaktion ganz Europas die gesamte revolutionäre Nation zusammengeschweißt hat, so darf das Proletariat nunmehr seine Interessen schon nicht mehr mit den Interessen anderer, ihm feindlicher Klassen verbinden; möge die Bourgeoisie die Verantwortung für die nationale Erniedrigung tragen – Sache des Proletariats ist es, für die sozialistische Befreiung der Arbeit vom Joch der Bourgeoisie zu kämpfen“ (Lenin, Band 13, Seite 484).

Mit seinen Arbeiten über den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und über die proletarische Revolution vom 18. März 1871, die zur Pariser Kommune führte, beschäftigte sich Karl Marx mit den historischen Ereignissen, mit denen die Epoche des Übergangs vom vormonopolistischen Kapitalismus zum Imperialismus begannen – die Epoche der voll entfalteten Herrschaft und des Niedergangs der Bourgeoisie, der allmählichen Sammlung der Kräfte des Proletariats und seiner Vorbereitung auf die entscheidenden Klasssenschlachten. Diese Periode war also eine wichtige Etappe in der Entwicklung der internationalen proletarischen Bewegung und ihrer Ideologie, des Marxismus. Die 1. Internationale, von Marx und Engels gegründet , war durch sie zu einer mächtigen internationalen Organisation der Arbeiterklasse mit vielen Sektionen in Ländern Europas und in den USA geworden. Marx schrieb im Band 18 MEW, „Bericht des Generalrats an den Haager Kongress: „Seit unserem letzten Kongress in Basel haben zwei große Kriege das Aussehen Europas verändert: der Deutsch-Französische Krieg und der Bürgerkrieg in Frankreich; ein dritter Krieg ging diesen beiden voraus, begleitete sie und wurde nach ihnen fortgesetzt – der Krieg gegen die Internationale Arbeiter-Assoziation [1. Internationale - Die III. Internationale wurde am Ende des 1. Weltkrieges gegründet und vor dem Ende des 2. Weltkrieges 1943 aufgelöst].

In Verbindung mit der im Juli 1870 in Europa entstandenen Kriegssituation, die für die Internationale eine ernste Prüfung bedeutete, arbeiteten Marx und Engels die Taktik des Proletariats unter den Bedingungen des Deutsch-Französischen Krieges aus. Diese Taktik war nicht nur lehrreich für die Taktik Lenins gegenüber dem Sozialchauvinismus der II. Internationale,

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(dies belegt das folgende Leninzitat: Der Krieg 1870/1871 war die Fortsetzung der bürgerlich-fortschrittlichen (jahrzehntelang währenden) Politik der Befreiung und Einigung Deutschlands. Dass Napoleon III. Aufs Haupt geschlagen und entthront wurde, hat diese Befreiung beschleunigt. Das Friedensprogramm der Sozialisten jener Epoche trug diesem fortschrittlich.bürgerlichen Ergebnis Rechnung und unterstützte die demokratische Bourgeoisie: keine Beraubung Frankreichs, ehrenvoller Frieden mit der Republik. Man sehe, welche Farce der Versuch ist, dieses Beispiel in der Situation des imperialistischen Krieges 1914-1916 sklavisch zu `wiederholen`. Dieser Krieg setzt die Politik der überreifen, reaktionären Bourgeoisie fort, die die Welt ausplünderte, Kolonien eroberte usw. Dieser Krieg kann auf dem Boden bürgerlicher Verhältnisse zu keinem demokratischen `Fortschritt` führen – kraft der objektiven Lage kann er es nicht-, sondern nur zu einer Verstärkung und Erweiterung jeder Unterdrückung überhaupt und der nationalen insbesondere, und zar bei beliebigen Ausgang des Krieges. Jener Krieg beschleunigte die Entwicklung in demokratischer, bürgerlich-fortschrittlicher Richtung: Sturz Napoleons III., Einigung Deutschlands. Dieser Krieg beschleunigt die Enticklung nur der sozialistischen Revolution. Damals hatte das Programm des demokratischen (bürgerlichen) Friedens eine objektive geschichtliche Grundlage. Jetzt fehlt diese Grundlage, und das Geschwätz vom demokratischen Frieden ist ein bürgerliches Lügengewebe, dessen objektiver Sinn darin besteht, die Arbeiter vom revolutionären Kampf für den Sozialismus abzulenken! Damals unterstützten die Sozialisten durch ein demokratisches Friedensprogramm die vorhandene, tiefgehende, sich jahrzehntelang offenbarende demokratisch-bürgerliche Bewegung der Massen ( zum Sturz Napoleons III., zur Einigung Deutschlands). Jetzt unterstützen die Sozialisten durch ein demokratisches Friedensprogramm auf dem Boden bürgerlicher Verhältnisse den Volksbetrug durch die Bourgeoisie, die das Proletariat von der sozialistischen Revolution ablenken möchte. Wie durch die Phrasen von der `Vaterlandsverteidigung` die verlorene Ideologie des nationalen >Befreiungskrieges in die Massen getragen wird, so wird durch die Phrasen vom demokratischen Frieden auf Umwegen dieselbe bürgerliche Lüge eingeschmuggelt!“ (Lenin, Band22, Seite 167). Und auf einer Seite vorher schreibt Lenin hierzu: Rufen wir uns die Grundbegriffe der sozialistischen Lehre ins Gedächtnis zurück, die von den Kautskyanern entstellt werden. Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik, die die herrschende Klassen der kriegführenden Mächte lange vor dem Krieg getrieben haben, mit Mitteln der Gewalt. Der Frieden ist die Fortsetzung der gleichen Politik, unter Berücksichtigung jener Veränderungen im Kräfteverhältnis der Gegner, die durch die Kriegshandlungen eingetreten sind. Der Krieg ändert an sich nicht die Richtung, in der sich Politik vor dem Krieg entwickelt hat, er beschleunigt nur diese Entwicklung“ (Lenin, ebenda, Seite 166). „Infolgedessen kann der Friedensschluss bei beliebigen Ausgang des Krieges nur die Verschlimmerung der politischen und ökonomischen Lage der Massen festlegen – wenn die bürgerliche Gesellschaft bestehen bleibt“ [Lenin, Band 22, Seite 175] und schließlich sprach Lenin von derUnmöglichkeit eines demokratischen Friedens ohne eine Reihe von Revolutionen“ [ebenda]).

sondern ist auch heute noch aktuell im Kampf zur Verteidigung des proletarischen Internationalismus gegen die Neo-Revisionisten. Damals halfen Marx und Engels den deutschen und französischen Arbeitern, ihre revolutionäre Haltung zum Charakter des Eroberungskrieges zu bestimmen, indem sie von den internationalistischen Interessen des Proletariats ausgingen. Die Proletarier ließen sich von der chauvinistischen Propaganda der herrschenden Klassen nicht beeindrucken und hielten am proletarischen Internationalismus fest. Marx begründete die wichtigsten Leitsätze der marxistischen Lehre von den sozialen Ursachen der Eroberungskriege, die von den herrschenden Klassen aus Profitinteressen entfesselt werden. Nach Marx sind alle Eroberungskriege generell mit der Unterdrückung der revolutionären Bewegung, in erster Linie der Befreiungsbewegung des Proletariats, verbunden. Im Falle des Eroberungskrieges Napoleons gegen Deutschland hätte dies eine große Gefahr für die deutsche Arbeiterbewegung bedeutet. Engels bemerkt dazu am 15. August 1870 in einem Brief an Marx: Von einer selbständigen deutschen Arbeiterbewegung ist dann auch keine Rede mehr, der Kampf um Herstellung der nationalen Existenz absorbiert dann alles“. Und in seiner Schrift „Die Rolle der Gewalt in der Geschichte, MEW, Band 21, Seitre 439) bemerkte Engels über die Bedeutung des Kampfes eines Volkes für seine nationale Existenz:Es galt, dem Ausland ein für allemal beizubringen, dass es sich in innere (...) Dinge nicht einzumischen habe (...) und vor diesem nationalen Aufschwung verschwanden alle Klassenunterschiede, zerflossen alle (...) Gelüste und Restaurationsversuche verjagter Fürsten in Nichts“. „In weniger als 5 Wochen brach das ganze, vom europäischen Philister jahrelang angestaunte Gebäude des [französischen – Anmerkung des Verfassers] Kaiserreichs zusammen; die Revolution vom 4. September räumte nur noch den Schutt weg; und Bismarck, der in den Krieg gezogen war, um ein kleindeutsches Kaiserreich zu gründen, fand sich eines schönen Morgens als Stifter einer französischen Republik. Nach Bismarcks eigener Proklamation wurde der Krieg geführt nicht gegen das französische Volk, sondern gegen Louis-Napoleon. Mit dessen Sturz fiel also der Grund zum Kriege weg (...) - als Bismarck nun plötzlich den preußischen Junker herauskehrte (...)“ (ebenda Seite 440), „Rache an Frankreich“ (ebenda, Seite 441) nahm und die brutale Gewalt offen und ungeheuchelt als sein Grundprinzip erklärte“ (ebenda Seite 446). „Wenn die beiden größten und stärksten Nationen des westlichen Kontinents sich gegenseitig durch Feindseligkeit neutralisieren“ (ebenda Seite 447), so trat mit deren ewigen Zankapfel das ein, was Marx in seinem Runschreiben der Internationale laut in die Welt rief: Die Annexion von Elsass und Lothringen macht Russland zum Schiedsrichter Europas“ (MEW, Band 17, Seite 271-279), „dessen Hände dann um so freier sind“ (MEW, Band 21, Engels, Seite 447). Diese Rolle übernimmt heute die Großmacht Europa, nachdem die beiden Supermächte USA und UdSSR sich neutralisierten. Resultat: Friede = schlimmer als Krieg - im besten Fall oder aber der dritte Weltkrieg. Ein sozialistisches Europa würde den Weltkrieg verhindern und den Frieden sichern.

Beide erkannten die Gefahr, dass sich ein Verteidigungskrieg in einen Eroberungskrieg – und umgekehrt – verwandeln kann. Deswegen lehrten sie sowohl den deutschen als auch den französischen Arbeitern, sich gemeinsam gegen die herrschende Klasse in beiden Ländern zu erheben. Als diese Gefahr Wirklichkeit wurde, riefen Marx und Engels die Proletarier beider Länder auf, den Hauptschlag gegen den preußischen Staat zu richten und gleichzeitig die Niederlage des französischen Kaiserreiches für den gewaltsamen Sturz der Bourgeoisie zu nutzen.

Engels, der die Einleitung zu Marx`„Bürgerkrieg in Frankreich“ schrieb, hob die Eigenschaft von Marx hervor,den Charakter, die Tragweite und die notwendigen Folgen großer geschichtlicher Ereignisse klar zu erfassen, zur Zeit, wo diese Ereignisse sich noch vor unseren Augen abspielen oder erst eben vollendet sind“ (MEW, Band 17, Seite 615). Die Kriege der Ausbeuter bringen den Frieden der Ausgebeuteten und Unterdrückten hervor, indem diese einen gerechten Krieg gegen den ungerechten Krieg führen. Marx prophezeite in Bezug auf den Deutsch-Französischen Krieg:

Während das offizielle Frankreich und das offizielle Deutschland sich in einen brudermörderischen Kampf stürzen, senden die Arbeiter einander Botschaften des Friedens und der Freundschaft. Diese einzige große Tatsache, ohnegleichen in der Geschichte der Vergangenheit, eröffnet die Aussicht auf eine hellere Zukunft. Sie beweist, dass, im Gegensatz zur alten Gesellschaft mit ihrem ökonomischen Elend und ihrem politischen Wahnwitz, eine neue Gesellschaft entsteht, deren internationales Prinzip der FRIEDE sein wird, weil bei jeder Nation dasselbe Prinzip herrscht - die ARBEIT!“ (MEW, Band 17, Seite 7). Und Marx schrieb weiter:

Dass nach dem gewaltigsten Krieg der neueren Zeit die siegreiche und die besiegte Armee sich verbünden zum gemeinsamen Abschlachten des Proletariats – ein so unerhörtes Ereignis beweist, nicht wie Bismarck glaubt, die endliche Niederdrückung der sich emporarbeitenden neuen Gesellschaft, sondern die vollständige Zerbröckelung der alten Bourgeoisgesellschaft. Der höchste heroische Aufschwung, dessen die alte Gesellschaft noch fähig war, ist der Nationalkrieg, und dieser erweist sich jetzt als reiner Regierungsschwindel, der keinen andern Zweck mehr hat, als den Klassenkampf hinauszuschieben, und der beiseite fliegt, sobald der Klassenkampf im Bürgerkrieg auflodert. Die Klassenherrschaft ist nicht länger imstande, sich unter einer nationalen Uniform zu verstecken; die nationalen Regierungen sind eins gegenüber dem Proletariat!“ ( MEW, Band 17, Seite 361).

Auch Engels verfügte über umfassende Kenntnisse auf allen Gebieten der Kriegswissenschaft indem er den historischen und dialektischen Materialismus anwendete, um die aktuellen Kriegsereignisse, den Entwicklungsverlauf der militärischen Operationen sowie ihren Ausgang und ihre Folgen mit wissenschaftlicher Präzision vorauszusagen.Jede Vermehrung der militärischen Kräfte des einen Landes zwingt die anderen Staaten, ein Gleiches, wenn nicht mehr zu tun. Und alles das kostet ein wahnsinniges Geld. Die Völker werden durch die Last der Militärausgaben zugrunde gerichtet, der Friede wird beinahe noch kostspieliger als der Krieg, so dass schließlich der Krieg, statt als eine schreckliche Geißel, als eine heilsame Krise erscheint, die einer unmöglichen Situation ein Ende macht. Dies ist der Grund, warum es den Intriganten in den verschiedenen Ländern, die gern im Trüben fischen möchten, möglich wurde, den Krieg herbeizuschwören“ (MEW, Band 21, Seite 345). Und Engels hatte auch gleich das „Heilmittel“ dagegen parat:

Und das Heilmittel? Die Abschaffung des preußischen Systems und die Ersetzung desselben durch ein wirkliches Volksheer, das eine einfache Schule ist, in die jeder Bürger, sobald er fähig ist, die Waffen zu tragen, für die Dauer der zur Erlernung des Soldatenmetiers absolut notwendigen Zeit eingereiht wird; Einstellung der so herangebildeten Leute in stark organisierte örtliche Reservekadres, so dass jede Stadt, jeder Distrikt sein Bataillon hat, zusammengesetzt aus Leuten, die sich kennen und die, wenn es sein muss, in 24 Stunden vollständig ausgerüstet und marschbereit zusammentreten können. Das bedeutet, dass jeder Wehrfähige sein Gewehr und seine Equipierung bei sich zu Hause hat, wie es in der Schweiz der Fall ist. Das Volk, welches dieses System zuerst einführt, wird seine wirkliche militärische Kraft verdoppeln und dabei gleichzeitig sein Kriegsbudget um die Hälfte vermindern. Es wird schon durch die Tatsache, dass es alle seine Bürger bewaffnet, seine Friedensliebe beweisen. Denn diese Armee, welche eins ist mit der Nation, ist ebensowenig zur Eroberung nach außen geeignet, als sie in der Verteidigung ihres heimischen Bodens besiegbar ist. Und dann, welche Regierung würde es wagen, die politische Freiheit anzutasten, wenn jeder Bürger ein Gewehr und fünfzig scharfe Patronen zu Hause zu liegen hat?“ (MEW, Band 21, Seite 345).

Um den internationalen Frieden zu sichern, müssen vorerst alle vermeidlichen nationalen Reibungen beseitigt, muss jedes Volk UNABHÄNGIG und HERR IM EIGENEN HAUS sein“ (MEW, Band 21, Seite 407) [Hervorhebung und Unterstreichung vom Verfasser].

Vor allem konzentrierte sich Engels auf die Analyse und Charakterisierung der abenteuerlichen Kriegspläne, die Schwächen und Fehler der Strategie und Taktik und die Mängel der militärischen Operationen der Herrschenden.Man muss aber nicht nur die Schwächen, sondern auch die Stärken des Gegners kennen“ MEW, Band 22, Seite 14).

So erkannte er den Zusammenhang zwischen der Qualität einer Armee und ihre Abhängigkeit von der Qualität der sozialen und politischen Ordnung. So sei der militärische Zusammenbruch Frankreichs kein Zufall gewesen, sondern die unvermeidliche Folge des Verfalls des durch und durch verrotteten bonapartistischen Regimes:Die Armeeorganisation versagt überall. (...) Eine edle und tapfere Nation sieht alle ihre Anstrengungen zur Selbstverteidigung unwirksam werden, weil sie es zwanzig Jahre lang hingenommen hat, dass ihre Geschicke von einer Abenteuerclique geleitet wurden, die Verwaltung, Regierung, Heer, Marine – tatsächlich ganz Frankreich – zu ihrer persönlichen Bereicherungsquelle machte“ (MEW, Band 17, Seite 78).

Engels unterzog die bonapartistischen Generäle einer vernichtenden Kritik. Er enthüllte die Fehlerrhaftigkeit ihrer Strategie und Taktik, ihre Unfähigkeit, Truppen zu führen und koordiniert zu operieren, und kritisiert die schlechte Ausrüstung der Truppen, die Korruption im Versorgungswesen. Er unterstrich, das das bonapartistische Regime auch während des Krieges seinen verderblichen Einfluss auf die Armee ausübte und die Fehler des französischen Oberkommandos noch dadurch verschlimmert wurden, dass es gezwungen war, sich bei seinen Operationen oft nicht von militärischen Erwägungen leiten zu lassen, sondern von dem Bestreben, das Prestige des Zweiten Kaiserreiches zu retten. Engels verwies darauf, dass die bonapartistische Regierung es aus Furcht vor den Volksmassen von Paris ablehnte, die zum Kampf gegen die revolutionäre Gefahr in der Hauptstadt verbliebenen Truppen an die Front zu senden, wo sie dringend nötig waren ( siehe MEW, Band 17, Seite 55). Auch die preußische Armee, die wegen des damals überlegenen neuen Rekrutierungssystems fälschlicherweise als „Volk in Waffen“ bezeichnet wurde, hatte in Wirklichkeit einen volksfeindlichen Charakter – Unterdrückung von Aufständen nach innen und Durchführung von Eroberungsfeldzügen nach außen. Als die regulären französischen Armeen geschlagen, das Zeite Kaiserreich gestürzt und die räuberischen Bestrebungen Preußens offenkundig geworden waren, standen die Stärkung der nationalen Verteidigung Frankreichs, die Aufstellung neuer militärischer Formationen und die Organisierung des Guerillakrieges gegen die Eindringlinge im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Engels. Obwohl die abenteuerliche Politik der herrschenden Klassen Frankreich an den Rand der nationalen Katastrophe gebracht hatte, rief Engels das französische Volk auf, auch unter diesen Bedingungen den Kampf fortzusetzen, der von Erfolg gekrönt sein würde, wenn es alle Reserven mobilisierte und der Widerstand gegen die Preußen wirklich das ganze Volk, die ganze Nation erfasste. Engels vertrat die Position des Generalrats der Internationale, der in dieser Etappe des Krieges das internationale Proletariat aufforderte, das französische Volk bei seinem Widerstand gegen die Eroberer zu unterstützen. Er entwarf einen konkreten Plan für den Kampf gegen die Preußen und entwickelte die Strategie und Taktik der Koordinierung der militärischen Operationen der neuformierten französischen Truppen mit dem Kampf von Partisanenabteilungen. Engels wies die unzerstörbare Kraft des Volkswiderstandes nach, der durch die Taktik des Partisanenkampfes erzeugt wird ( siehe zum Beispiel „Kriegführung im Gebirge einst und jetzt“, MEW, Band 12, Seite 113). Er setzte sich auch dafür ein,dass der Volkswiderstand in Form des Partisanenkrieges als Methode legitimer Kriegsführung anerkannt wird.

Revolutionskrieg, Massenerhebung und Terrorismus – dazu wird die Monarchie sich nie verstehen. Eher schließt sie Frieden mit ihrem bittersten, ebenbürtigen Feind, ehe sie sich mit dem Volk verbündet(...). Aber der Aufstand der Masse, die allgemeine Insurrektion des Volkes, das sind Mittel, vor deren Anwendung das Königtum zurückschreckt“ (MEW, Engels, Band 6, Seite 369).

Marx und Engels entwickelten die marxistische Lehre von den Kriegen, ihren klassenbedingten Ursachen, Zielen und ihrem Klassencharakter. Wenn man von Marx und Engels lernen will, muss man jeden einzelnen Krieg konkret betrachten, welchen ökonomischen und politischen Klasseninteressen er dient, welche Klasse ihn führt, ob es sich um einen gerechten (Befreiungs- und Verteidigungs-) Krieg oder um einen ungerechten ( räuberischen Ausbeutungs- und Unterdückungs-) Krieg handelt, der ja nichts anderes verteidigt als den Profit. Der Charakter eines Krieges, seine wahre Bedeutung, wird dadurch bestimmt, welche Politik der Krieg fortsetzt, welche Klasse den Krieg führt und welche Ziele sie dabei verfolgt. Alle militärischen Lehren der Geschichte vom nicht-klassengebundenen bewaffneten Kampf und nicht-klassenbedingten Krieg sind leerer Unsinn. Marx und Engels beschränkten sich nicht auf die konkrete Analyse jedes einzelnen Krieges, sondern dadurch gelang es ihnen auch meisterhaft, die gesamte Politik des ganzen Systems der europäischen Staaten in ihren ökonomischen und politischen Wechselbeziehungen zu erfassen, wodurch sie verstanden, auf welche Weise aus diesem System folgerichtig und unvermeidbar die damaligen Kriege entstanden waren. Die Frage, wer dabei den Krieg angefangen hatte, war sowohl ökonomisch als auch politisch völlig unbedeutend angesichts der Tatsache, dass zwei Gruppen von Räubern, zwei oder mehrere Nationen gemeinsam um ihre Beute Krieg führten im Wettstreit um die Weltherrschaft, also wer zukünftig mehr Völker unterjochen, wer mehr rauben sollte, wer den Profit des internationalen Bankkapitals am höchsten steigern könnte. Wenn man einen Krieg richtig verstehen will, dann muss man wie Marx und Engels deren Zusammenhang mit der vorausgegangenen Politik der betreffenden Staaten, des betreffenden Staatssystems, der betreffenden Gesellschaftsordnung und der betreffenden Klassen innerhalb dieser Gesellschaftsordnung berücksichtigen – eine Grundforderung der marxistischen Militärtheorie, um nicht den Lügenmärchen der Bourgeoisie auf den Leim zu gehen – Und nicht nur wir Marxisten-Leninisten müssen so an die Frage der Wahrheitsfindung der Kriege herangehen, sondern diese auch den Massen begreiflich machen. Der Krieg ist immer mit den Interessen bestimmter Klassen verrknüpft, ebenso der Frieden. So gingen Marx und Engels auch an jeden einzelnen Frieden konkret heran, stellten sie die Klassenfrage, wem der Frieden nützt und wem er schadet. Wenn der Krieg die Fortsetzung der Politik der Friedenszeit ist, dann ist der Frieden umgekehrt auch die Fortsetzung der Politik des Krieges. Ein bürgerlicher Friede entwaffnet das Proletariat, und versklavt die annektierten Völker, anstatt ihnen die Freiheit zu geben. Und das trifft insbesondere auf den imperialistischen Frieden zu. Ob von der Fortsetzung der bürgerlichen Friedens- zur Kriegspolitik oder umgekehrt - diesen furchtbaren Teufelskreis durchbricht das Proletariat nach Auffassung von Lenin, dem besten Schüler von Marx und Engels, letztendlich erst durch den proletarisch-weltrevolutionären Krieg zur Befreiung der Arbeitern und Bauern der ganzen Welt vom Joch des Kapitals, denn es ist das Weltkapital, das internationale Bankkapital, das die imperialistischen Kriege unvermeidlich hervorruft und der Frieden ist somit nichts anderes als ein Gewaltfrieden; nichts anderes als die von den Siegermächten den Völkern einseitig aufgebürdeten gigantischen Lasten der Kriegsfolgen mit einer damit der Welt aufgezwungenen, noch gigantischeren, noch raffinierteren Versklavung; nichts anderes als die Zwischenperiode, die das internationale Kapital für den nächsten Krieg benötigt.

Am Beispiel des Deutsch-Französischen Krieges lehrten Marx und Engels dem internationalen Proletariat, zwischen nationalen Befreiungskriegen, Verteidigungskriegen, die der Abwehr einer ausländischen Invasion zum Ziel haben, und Raub- und Eroberungskriegen zu unterscheiden. Es war das große Verdienst von Engels, dass er die Frage des nationalen Widerstandes im Krieg gegen einen fremden Eroberer, des Volkskriegs, der Partisanenbewegung und der Formen und Methoden zur Mobilisierung der Volkskräfte gegen den Aggressor aufgeworfen und ausgearbeitet hatte.Deutschland siegte über Frankreich, Bismarck und Thiers aber siegten über die Arbeiter!“ (Lenin, Band 21, Seite 274). Die Sowjetunion Stalins siegte über den Hitlerfaschismus, über das Dritte Reich, aber der Weltimperialismus mit den USA an der Spitze siegte über das Weltproletariat, über die sozialistische Weltrevolution.

Marx und Engels wiesen nach, dass die Kriegsentwicklung unvermeidbar die Klassengegensätze verschärft und dadurch eine revolutionäre Situation entstehen kann, die die Möglichkeit der revolutionären Erhebung des Proletariats in sich birgt. Das ist ein Gesetz, das heute vor allem im internationalen Maßstab wirkt. Gleichzeitig warnten sie das revolutionäre Proletariat, den Sieg der Revolution durch einen verfrühten Aufstand (genaue Analyse des Kräfteverhältnisses) nicht zu gefährden und damit die Niederlage unvermeidbar zu machen. Auch das gilt ganz besonders heute für die weltrevolutionäre Situation. Marx enthüllte die provokatorische Taktik der Bourgeoisie, die bestrebt war, die Arbeiterklasse zu einem vorzeitigen Aufstand aufzurufen, um sie in einem Meer von Blut zu ertränken (Das ist eine Taktik, die sie bis heute nicht aufgegeben hat und immer wieder anwendet. Die Weltbourgeoisie schreckt auch nicht davor zurück, die proletarische Weltrevolution in einem Weltmeer von Blut zu ertränken, bevor ihr letztes Stündchen geschlagen hat ! ! ). Revolutionen im Weltmaßstab bedeuten in der Regel auch entsprechende Ausmaße auf Seiten der Opfer.

Der Sieg der Pariser Kommune

Lenin definierte die Pariser Kommune alsdie Umwandlung eines Völkerkrieges in einen Bürgerkrieg“ (Lenin, Werke Band 21, Seite 26). Mit dieser wichtigen Definition begründete Lenin auch die Umwandlung des 1. Weltkrieges in einen Bürgerkrieg. Lenin ging dabei von den objektiven Bedingungen des Kapitalismus aus: Eine solche Umwandlung ist natürlich nicht leicht und kann nicht `auf Wunsch` einzelner Parteien vollzogen werden. Aber gerade diese Umwandlung entspricht den objektiven Bedingungen des Kapitalismus im Allgemeinen und seiner Endepoche im Besonderen. In dieser und nur in dieser Richtung haben die Sozialisten zu wirken“ (Lenin, ebenda).

Marx und Engels erkannten, dass der Sieg der Pariser Kommune durch eine besondere Situation der momentanen Schwäche der kriegführenden Gegner begünstigt wurde – die sich im Deutsch-Französischen Krieg nur für einen minimalen Augenblick für den günstigen Ausgang des Aufstandes bot. Die Armeen des französischen Kaiserreiches waren entweder außerhalb von Paris eingeschlossen oder gefangen in Deutschland, und der ausländische, deutsche Feind war erst bis zu den Toren vor Paris vorgedrungen. Mit der Belagerung der Stadt Paris finden wir historisch die altbekannte Tatsache der internationalen kapitalistischen Einkreisung der Arbeitermacht vor, auf die noch ausführlich einzugehen ist. Nur so viel sei hier angemerkt, dass es ausgerechnet die belagernden Soldaten waren, die die belagerten solidarisch unterstützten. Hier haben wir in Keimform den entscheidenden Faktor der internationalistischen solidarischen Unterstützung der aufständischen Arbeiter: Die preußischen Truppen, die die Nordosthälfte von Paris umlagerten, hatten Befehl, keine Flüchtline durchzulassen, doch drückten die Offiziere oft ein Auge zu, wenn die Soldaten dem Gebot der Menschlichkeit mehr gehorchten als dem des Oberkommandos; namentlich aber gebührt dem sächsischen Armeekorps der Ruhm, dass es sehr human verfuhr und viele durchließ, deren Eigenschaft als Kommunekämpfer augenscheinlich war“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 195). Sowohl die äußere als auch die innere Konterrevolution hatten sich während des Kriegsverlaufs gegenseitig geschwächt und waren in einem bestimmten Augenblick neutralisiert und damit kräftemäßig nicht fähig, die Arbeiterrevolution (gemeinsam) niederzuschlagen.

Zum entscheidenden Zeitpunkt an der entscheidenden Stelle das ausschlaggebende Übergewicht an Kräften besitzen – dieses `Gesetz` militärischer Erfolge ist auch Gesetz des politischen Erfolgs, insbesondere in dem schweren, erbitterten Krieg der Klassen, der Revolution heißt“ (Lenin, Band 30, Seite 248).

Der Feind kann in die Lage der Passivität geraten, die wir für unsere Initiative, für unsere Offensive ausnutzen“ (Generallinie der Komintern/ML). Eine ähnliche Situation des geschwächten Klassengegners innerhalb und außerhalb Russlands begünstigte den Sieg der Oktoberrevolution. „Warum begann die Oktoberrevolution, am schwächsten Glied die imperialistische Kette durchzubrechen? Nicht weil das russische Proletariat anderen voraus war, sondern weil die Schwäche und Rückständigkeit des russischen Kapitalismus und die drückende Situation des 1. Weltkrieges die Bolschewiki nötigte, eine vorgeschobene Position vor den anderen Abteilungen der sozialistischen Weltarmee zu beziehen, ohne abzuwarten, bis diese Abteilungen heran marschiert waren, sich erhoben hatten. Zur Zeit des ersten Durchbruchs der imperialistischen Kette an seinem schwächsten Glied, in der Zeit des Sturzes des zaristischen, imperialistischen Russlands durch die Oktoberrevolution, der Entstehung des ersten sozialistischen Staates, dem Sozialismus »in einem Lande«, da befand sich der Kapitalismus in einer Phase, in der er als monopolistischer Kapitalismus schon auf dem absterbenden Ast saß, wo die Welt bereits unter die kapitalistischen Gruppen aufgeteilt war, und die Neuaufteilung kriegerische Zusammenstöße forderte, wo der 1. Weltkrieg die Weltfront des Kapitalismus schwächte und dadurch in einzelnen Ländern den Durchbruch ermöglichte. Die hervorgewachsenen Monopole führten zu einer gewaltigen weltweiten Vergesellschaftung der Arbeit, dass Lenin den sterbenden Kapitalismus als Beginn des Übergangs zum Sozialismus charakterisierte. Dies vollzog sich gesetzmäßig im Kampf der Gegensätze, wobei das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der sprunghaften Entwicklung der kapitalistischen Länder immer schärfer und krasser wirkte - nicht nur auf die imperialistischen Länder selbst, sondern auf ausnahmslos alle Länder der ganzen Welt. Die Oktoberrevolution zerriss also nicht nur deshalb das schwächste Glied in der Kette des Imperialismus, weil Russland ein rückständiges Land war, das Privateigentum leichter abschaffen konnte und der Zarismus schwach war. Die Ursache für den Durchbruch war in erster Linie der Krieg, der das Land in eine verzweifelte Lage mit Hungersnöten gebracht hatte, das Volk so sehr geschwächt hatte, dass der einzige Ausweg für Russland die Oktoberrevolution war.

Der Durchbruch am schwächsten Kettenglied ist demnach nicht allein deswegen am wahrscheinlichsten, weil dort die revolutionären Kräfte am „stärksten“ wirken, denn die internationale Konterrevolution wäre viel zu stark und würde auch die allerstärksten revolutionären Kräfte in jedem Land - isoliert betrachtet - niederringen. Die Sache ist aber die: Wie die bisherigen Revolutionen zeigen, die aus dem 1. und 2. Weltkrieg hervorgegangen sind, hatten sich die imperialistischen Räubergruppen so sehr ineinander verkettet, dass sie, um die Welt untereinander neu aufzuteilen, wozu sie das Gesetz des Imperialismus zwingt, ihre sämtlichen Kräfte hierauf konzentrieren mussten. Das schwächste Kettenglied kann also nur unter der Voraussetzungen abspringen, wenn sich die stärksten Kettenglieder so sehr gegenseitig binden und behindern, dass sie das Abspringen gar nicht verhindern können, selbst wenn sie es wollten. Die Imperialisten konnten also zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Kräfte gar nicht auf die Niederschlagung der Revolution konzentrieren weil ihre Spaltung sie schwächte und »ihre Hände gebunden« waren. Es ist also die Spaltung des Weltimperialismus, die ihre Kette an der schwächsten Stelle zum Zerreißen bringt, also in einem ganz bestimmten Zustand der Schwächung ihrer stärksten Kettenglieder, in einem Zustand, wo die internationale Konterrevolution sich nicht geschlossen gegen eine Revolution vereinigen und zur Hilfe eilen kann, weil eben die internationale Konterrevolution gespalten und geschwächt wird“ (zitiert aus: Generallinie der Komintern/ML).

Die Bestimmung und Festlegung des richtigen Zeitpunkts für den Aufstand in Zusammenhang mit der Beobachtung des Eintretens eines bestimmten, selbst herbeigeführten, inneren Schwächezustands des Gegners kann - in realistischer Einschätzung des eigenen mobilen Kräftepotentials - also für den Sieg oder die Niederlage, für den Ausgang des Aufstandes von großer und entscheidender Bedeutung sein. So warnten Marx und Engels vor den schlimmen Folgen sowohl eines verfrühten als auch eines verspäteten Aufstandes. So auch vor den Folgen eines verfrühten Pariser Aufstand. Marx warnte in seiner Zweiten Adresse des Generalrats der Internationale vom 9. September 1870: „Sich nicht beherrschen lassen durch die nationalen Erinnerungen von 1792“, „die Organisation ihrer eigenen Klasse gründlich durchführen“, sich nicht das Ziel setzen, die Regierung zu stürzen („eine verzweifelte Torheit“). Dasselber schrieb Eugène Dupont, Sekretär der Internationale (des Generalrats) für Frankreich am 7. September 1870 /Will,G., „Histoire du mouvement social en France 1852-1902/Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich 1852-1902). In dem Augenblick aber als der Versuch der französischen Regierung, das Pariser Proletariat zu entwaffnen durch Beschlagnahme der Geschütze der Nationalgarde am 18. März 1871, mit einem revolutionären Aufstand beantwortet wurde, begrüßten ihn Marx und Engels begeistert, stellten sie sich im Bürgerkrieg auf die Seite der Pariser Kommune gegen die Versailler Regierung.. Wie Lenin bemerkte, verhielt sich Marx zur Pariser Revolution „als Teilnehmer des Massenkampfes, den er mit der ihm eigenen Glut und Leidenschaft (...) miterlebte (Lenin, Band 12, Seite 101). Marx gab der Kommune konkrete militärische Ratschläge:Ich riet ihren Mitgliedern, die Nordseite der Anhöhen von Monmartre, die preußische Seite, zu befestigen, und sie hatten noch Zeit, dies zu tun; ich sagte ihnen im Voraus, dass sie sonst in eine Mausefalle geraten würden“ (Marx an Kugelmann 12. 4. 1871). „Marx schätzte die historische Bedeutung der Kommune hoch ein – hätten die Arbeiter während des verräterischen Vorstoßes der Versailler Bande gegen die Bewaffnung des Pariser Proletariats sich kampflos die Waffen wegnehmen lassen, so wäre die verhängnisvolle Wirkung der durch eine derartige Schwäche in die proletarische Bewegung hineingetragenen Demoralisation unendlich viel größer gewesen als der Schaden infolge der Verluste, die die Arbeiterklasse im Kampfe für die Verteidigung ihrer Waffen erlitten hat“ (Lenin, Band 13, Seite 485).

Die Verteidigung der Kommune hielten Marx und Engels für die höchste Pflicht der Arbeiter aller Länder. Bereits in den ersten Tagen der Revolution von Paris mobilisierten sie mit Hilfe der Internationalen Arbeiterassoziation alle Kräfte des internationalen Proletariats zur Unterstützung der Kommunarden. Marx und Engels betrachteten die Pariser Kommune als geistiges Kind der Internationale, als die praktische Verwirklichung ihrer Prinzipien und sahen in ihrer Errichtung einen ungeheuren Gewinn nicht nur für die Arbeiterklasse in Paris, sondern für die Proletarier aller Länder in inhrem Kampf für die Revolution. Wie die Sache auch unmittelbar verlaufe, ein neuer Ausgangspunkt von welthistorischer Wichtigkeit ist gewonnen“ (Marx` Brief an Kugelmann vom 17. April 1871). Mit der Pariser Kommune begann ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte, die Periode des beginnenden Verfalls des Kapitalismus,“ wie Stalin feststellte,“ ... des Hinüberwachsens des alten `freien` Kapitalismus in den Imperialismus und des Sturzes des Kapitalismus in der UdSSR durch die Kräfte der Oktoberrevolution“ (Stalin, Kirow, Shdanow, Bemerkungen zu der Skizze eines Lehrbuchs der neueren Geschichte, Moskau 1938, zit. Nach Geschichte der Diplomatie, Band II, Berlin 1948, Seite 13). „Die Republik der Sowjets ist also jene gesuchte und endlich gefundene politische Form, in deren Rahmen die ökonomische Befreiung des Proletariats, der vollständige Sieg des Sozialismus vollzogen werden muss. Die Pariser Kommune war der Keim dieser Form. Die Sowjetmacht ist ihre Entwicklung und Vollendung“ (Stalin, Fragen des Leninismus, Berlin 1951, Seite 49).

Marx stand mit den Kommunarden in unmittelbarem Kontakt, sammelte Informationen, unterzog sie einer Analyse und verallgemeinerte die Erfahrungen der Pariser Kommune zum Nutzen des gesamten Weltproletariats. Im „Bürgerkrieg in Frankreich“ kennzeichnete Marx die Staatsmacht der bürgerlichen Ausbeutergesellschaft und ihre Armee als eine „öffentliche Gewalt zur Unterdrückung der Arbeiterklasse“ und als „eine Maschine der Klassenherrschaft“. Er kam zu dem Schluss, dass das Pariser Proletariat die Macht nur ergreifen konnte, weil es die Staatsmaschinerie zerschlug, deren „rein unterdrückender Charakter offner und offner“ hervorgetreten war, dass die Arbeiterklasse nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen kann“ (MEW, Band 17, Seite 336). Die Pariser Kommune schaffte das stehende Heer ab und ersetzte es durch Volksbewaffnung. Und wir werden heute die stehenden Heere der ganzen Welt durch die gemeinsame und gegenseitige Bewaffnung aller Völker ersetzen. In seinem Brief an Kugelmann vom 12. 4. 1871 schrieb Karl Marx:

Wenn du das letzte Kapitel meines `Achtzehnten Brumaire` nachsiehst, wirst du finden, dass ich als nächsten Versuch der französischen Revolution ausspreche, nicht mehr wie bisher die bürokratisch-militärische Maschinerie aus einer Hand in die andere zu übertragen, sondern sie zu zerbrechen, und dies ist die Vorbedingung jeder wirklichen Volksrevolution (...).“ Wir möchten hinzufügen und davon ableiten: ... die Vorbedingung der wirklichen Weltrevolution. Wir werden den naiven Glauben in die globalisierte militärische Mission der Weltbourgeoisie durch die proletarische Weltrevolution erschüttern.

Zwar musste das revolutionäre aber ausgehungerte Paris am 28. Januar 1871 kapitulieren,aber mit bisher in der Kriegsgeschichte unerhörten Ehren (...) die Nationalgarde behielt ihre Waffen und Kanonen und trat nur in Waffenstillstand gegen die Sieger. Und diese selbst wagten nicht, in Paris im Triumph einzuziehen (...) Solchen Respekt flößten die Pariser Arbeiter dem Heere ein, vor welchem sämtliche Heere des Kaiserreiches die Waffen gestreckt; und die preußischen Junker, die hergekommen waren, um Rache zu nehmen am Herd der Revolution, mussten ehrerbietig stehenbleiben und salutieren vor eben dieser bewaffneten Revolution“ (Marx, Engels, Ausgewählte Werke, Band I, Seite 450). Die Pariser Kommune war die größte proletarische Bewegung des 19. Jahrhunderts, die Sowjetunion die größte sozialistische Bewegung des 20. Jahrhunderts.

Karl Marx kritisierte die Kommunarden wegen ihrer Sorglosigkeit, wegen ihrer ungenügenden Härte gegenüber den Konterrevolutionären: Paris, arbeitend, denkend, kämpfend, blutend, über seiner Vorbereitung einer neuen Gesellschaft fast vergesend der Kannibalen vor seinen Toren(MEW; Band 17, Seite 349). Marx lehrte die Arbeiter, dass die proletarische Macht organisiert und stark sein muss, dass sie über die erforderlichen Mittel zur Unterdrückung der Konterrevolution verfügen muss, dass auch nach Errichtung der Macht der Arbeiterklasse im nationalen Maßstab - und wir merken hier ausdrücklich an auch nach Errichtung der Macht des Weltproletariats im internationalen !! Maßstab - ihr möglicherweise noch „sporadische Sklavenhalter-Rebellionen“ bevorstehen. Marx unterstrich, dass die allseitige Festigung des proletarischen Staates – auch und besonders des Weltstaates !! ; sei hier heute angemerkt – eine absolute Notwendigkeit ist. Erst dann werden die Anschläge der reaktionären Kräfte zum Scheitern verurteilt sein; sie würdenzwar das Werk des friedlichen Fortschritts für den Augenblick unterbrechen, die Bewegung aber nur beschleunigen, weil sie der Sozialen Revolution das Schwert in die Hand geben“ ( MEW; Band 17, Seite 546). Je grausamer die internationale Konterrevolution ihr Schwert heute gegen das Weltproletariat, gegen die Völker erhebt, um die internationale, imperialistische Sklaverei aufrechtzurhalten, desto größer ist das Schwert, dass sie dem Weltproletariat in die Hand gibt, um die weltimperialistische Tyrannei zu brechen und zu richten – das ist eine der wesentlichen Erkenntnisse des revolutionären Marxismus, das ist eine der wichtigsten Grundsätze, auf der sich die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst von heute stützen wird.

Auch Engels „tadelte“ die Pariser Kommune:

Ich kenne nichts Autoritäreres als eine Revolution, und wenn man mit Bomben und Gewehrkugeln gegen seine Feinde kämpft, scheint mir das ein Akt der Autorität zu sein. Hätte es in der Pariser Kommune ein wenig mehr Autorität und Zentralisation gegeben, so hätte sie über die Bourgeoisie gesiegt. Nach dem Sieg können wir uns organisieren, wie wir wollem, doch für den Kampf scheint es mir notwendig, alle unsere Kräfte zusammenzuballen und sie auf denselben Angriffspunkt zu richten. Und wenn man mir sagt, das sei nicht möglich ohne Autorität und Zentralisation, und das seien zwei absolut verdammenswerte Dinge, dann scheint mir, dass diejenigen, die so sprechen, entweder nicht wissen, was eine Revolution ist, oder dass sie Revolutionäre nur in Worten sind“(Engels, MEW, Band 33, Seite 372-373).

Am schwersten begreiflich ist allerdings der heilige Respekt, womit man vor den Toren der Bank von Frankreich ehrerbietig stehenblieb. Das war auch ein schwerer politischer Fehler. Die Bank in den Händen der Kommune – das war mehr wert als zehntausend Geiseln“ (MEW, Engels, Band 22, Seite 196). Aus den Lehren der Pariser Kommune schöpften Marx und Engels die klaren Forderungen des Arbeitersozialismus, nämlich die Notwendigkeit der gewaltsamen Aneignung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft:Hinter dem Recht auf Arbeit steht die Gewalt über das Kapital, hinter der Gewalt über das Kapital die Aneignung der Produktionsmittel, ihre Unterwerfung unter die assoziierte Arbeiterklasse, also die Aufhebung der Lohnarbeit wie des Kapitals und ihres Wechselverhältnisses“ (MEW, Band 7, Seite 41/42).

Während die demokratischen Kleinbürger die Revolution möglichst rasch... zum Abschluss bringen wollen, ist es unser Interesse und unsere Aufgabe, die Revolution permanent zu machen, so lange, bis alle mehr oder weniger besitzenden Klassen von der Herrschaft verdrängt sind, die Staatsgewalt vom Proletariat erobert und die Assoziation der Proletarier nicht nur in einem Lande, sondern in allen herrschenden Ländern der ganzen Welt so weit vorgeschritten ist, dass die Konkurrenz der Proletarier in diesen Ländern aufgehört hat und dass wenigstens die entscheidenden produktiven Kräfte in den Händen der Proletarier konzentriert sind. Es kann sich für uns nicht um Veränderung des Privateigentums handeln, sondern nur um seine Vernichtung, nicht um Vertuschung der Klassengegensätze, sondern um Aufhebung der Klassen, nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um Gründung einer neuen“ (MEW, Band 7, Seite 247-248).

Und das hier Gesagte veranlasst uns um so mehr zum Festhalten an die Permanenz der Weltrevolution, die eine besondere Form der weltrevolutionären Kriegskunst voraussetzt. Was lernen wir daraus: 1. Man darf die rein militärische Bedeutung des internationalen Klassenkampfes, der Weltrevolution nicht unterschätzen; 2. Bei der „Expropriation der Expropriateure“ darf das revolutionäre Weltproletariat nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Nur beides zusammengenommen sichert die Früchte der siegreichen sozialistischen Weltrevolution.

Eine Revolution ist gewiss die autoritärste Sache, die es gibt, ein Akt, durch den ein Teil der Bevölkerung seinen Willen dem anderen Teil durch Flinten, Bajonette und Kanonen, alles das sehr autoritäre Mittel, aufzwingt; und die Partei, die gesiegt hat, muss ihre Herrschaft durch den Schrecken, den ihre Waffen den Reaktionären einflößen, behaupten. Und hätte sich die Pariser Kommune mit der Autorität eines bewaffneten Volkes gegen die Bourgeoisie bedient, hätte sie sich länger als einen Tag behauptet? Können wir sie nicht umgekehrt tadeln, dass sie sich zu wenig dieser Autorität bedient habe?“ (Engels „Von der Autorität“ ;1872/73) Und zum 20. Jahrestag sagte Engels über die Pariser Kommune:

Seit nunmehr zwanzig Jahren sind die Arbeiter von Paris ohne Waffen, und so ist es überall; in allen zivilisierten Ländern ist das Proletariat der materiellen Verteidigungsmittel beraubt. Überall sind es die Feinde und Ausbeuter der Arbeiterklasse, die über die gesamte bewaffnete Streitmacht verfügen. Doch wozu hat das geführt? Dazu, dass heute, da jeder taugliche Mann durch die Armee geht, diese Armee mehr und mehr die Gefühle und Ansichten des Volkes widerspiegelt, dass diese Armee, das Hauptwerkzeug der Unterdrückung, von Tag zu Tag unzuverlässiger wird. Schon sehen die Männer an der Spitze aller großen Staaten mit Schrecken den Tag nahen, an dem die unter Waffen stehenden Soldaten sich weigern werden, ihre Brüder und ihre Väter zu massakrieren (...) Es lebe die internationale soziale Revolution!“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 186-187).

Marx reagierte auf die Niederlage der Pariser Kommune, und lehrte das Proletariat, wie es mit dieser Niederlage und ihren Folgen umgehen sollte, insbesondere wie die Arbeiterklasse den entfachten Zorn und die blutige Rache der wutschnaubenden Reaktion begegnen sollte. Bismarck ließ 60 000 Krieggefangene frei, um eine konterrevolutionäre Armee gegen die Pariser Kommune aufzustellen, die die deutschen Linien zu diesem Zweck passieren durften. Alle Regierungen der europäischen Staaten war die Angst so sehr in die Knie gefahren, dass sie einen grausamen Feldzug gegen die I. Internationale und die Arbeiterorganisationen organisierte. In dieser reaktionären Offensive entlarvten Marx und Engels die Intrigen der Reaktionäre und leiteten den Kampf für den Zusammenschluss und die unbeirrbare Fortsetzung der Festigung der proletarischen Organisation, den Kampf für die Sammlung neuer Kräfte der Werktätigen und die Reorganisierung der Reihen der I. Internationale, den Kampf gegen den Opportunismus in den eigenen Reihen. Schließlich versuchte der Reaktion mit und ohne Gewalt die internationale Verbreitung der revolutionären Flamme des heroischen Pariser Proletariats zu löschen und die I. Internationale von innen und außen zu liquidieren.

Um die Haltung der Internationale zum proletarischen Internationalismus zu begründen, studierten Marx und Engels eingehend die Geschichte des irischen Volkes. Sie entwickelten den Gedanken, dass das Proletariat der Unterdrückernation im Interesse seiner eigenen Freiheit gegen die Politik der nationalen und militärischen Unterdrückung kämpfen müsse, was Lenin das Grundprinzip des Internationalismus und Sozialismus nannte. Engels schrieb: „An der irischen Geschichte kann man sehen, welch ein Pech es für ein Volk ist, wenn es ein anderes unterjocht hat“ (MEW, Band 32, Seite 378). Die Befreiung Irlands ist eine Notwendigkeit für die englische Arbeiterklasse, um die dadurch erzeugte Schwächung der englischen Herrschaft für die eigene proletarische Revolution zu nutzen. Ohne Untrstützung des bewaffneten nationalen, revolutionären Befreiungskampfes wird es keinen Sieg der proletarischen Weltrevolution geben. Das ist die Lehre aus den Erkenntnissen, die Marx und Engels aus der irischen Befreiungsbewegung zogen.

Marx und Engels betrachteten alle militärischen Fragen vom Standpunkt des internationalen Proletariats aus, von den Arbeiterparteien der Länder und auch von der Ersten Internationale. Insbesondere beharrten sie darauf, sich von der schwankenden liberalen Bourgeoisie selbständig abzugrenzen, die sich historisch aus Feigheit allzu oft auf Kompromisse mit der Reaktion einließ und vor dieser insbesondere in Kriegssituationen kapitulierte. Es hat sich ebenso gezeigt, dass die Angst der Liberalen vor dem revolutionären Volk meist viel größer ist als vor der Reaktion. So hat sich der Marxismus auch in der Militärfrage klar und deutlich vom Lassalleanismus, vom „königlich preußischen Regierungssozialismus“ distanziert ( siehe MEW, Band 16, Seite 79).

Die Kommune war die entschiedene Negation jeder Staatsmacht und darum der Beginn der sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts. Was daher immer ihr Geschick in Paris, sie wird ihren Weg um die Welt machen“ (Marx, MEW, Band 17, Seite 542). Wer nun meint, Marx habe sich indirekt gegen die Staatsmacht des Proletariats ausgesprochen, ist auf dem Holzweg. Es soll sogar „Marxisten-Leninisten in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gegeben haben, die uns auf diesen Holzweg führen zu können glaubten.

Mit der Pariser Kommune begann eine neue Periode im Befreiungskampf des Proletariats, in der der Aufbau proletarischer Parteien im Vordergrund stand, die sich von den Prinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus von Marx und Engels leiten lassen und ohne die die proletarische Revolution nicht erfolgreich verwirklicht werden kann. Gerade an der Peripherie zwischen der Pariser Kommune und der Oktoberrevolution, mit dem Beginn einer neuen Periode des bewaffneten Klassenkampfes, klinkten sich die Opportunisten aller Couleur ein, um daraus Gegensätzlichkeiten zu konstruieren und darauf aufbauend im Trüben zu fischen. Man kann aber nicht die Pariser Kommune gegen die Oktoberrevolution ernsthaft verteidigen wollen , ebensowenig wie man die Oktoberrevolution gegen die Volksrevolution in Albanien und gegen die heutigen, vorzubereitenden sozialistischen Revolutionen verteidigen kann, ohne im Sumpf des Opportunismus elendig zu versinken. Nur die Pariser Kommune, nur die Oktoberrevolution und nur die albanische Volksrevolution sind für uns Marxisten-Leninisten im Sinne des Sozialismus siegreich verlaufen und wird die revolutionäre Weltbewegung stets auf ihren Schultern stehen. Alle anderen Revolutionen halten diesem Kriterium nicht stand und dürfen deswegen nicht mit ihnen auf eine Stufe gehoben werden. Genauso darf man zwischen der Militärtheorie von Marx und Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha keine Gegensätze konstruieren oder etwa den einen oder anderen Klassiker ausklammern. Alle Klassiker waren zu ihrem historischen Zeitpunkt die Führer des Weltproletariats und die Führer der marxistischen Kriegswissenschaft. Und nur alle Klassiker zusammengenommen ergeben das vollständige Bild der marxistisch-leninistischen Militärtheorie und Klassenkriegskunst, aus denen wir für alle Zeiten zu lernen haben. Auf der Grundlage der Erkenntnisse der Klassiker auf dem militärischen Gebiet gehen wir heute an die Verallgemeinerung der gegenwärtigen Erfahrungen des internationalen Klassenkampfes heran, um die marxistisch-leninistische Militärtheorie und die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst ständig weiter zu entwickeln zum Nutzen der proletarischen Weltrevolution. Wir kommunistischen Soldaten kämpfen nur auf diesen theoretischen und praktischen Grundlagen, auf keinen anderen. Wir lassen uns weder ein auf fremde (bürgerliche) Militärtheorien, noch geben wir uns her für irgendwelche, ominöse „Revolutionen“ mit allen möglichen Klasseninteressen. Wir ergreifen das Gewehr ausschließlich für unsere eigenen Interessen, für die proletarische Revolutionen, die ihrem Wesen und Charakter vollkommen der Pariser Kommune, der Oktoberrevolution und der albanischen Volksrevolution entsprechen -das schließt natürlich nicht aus, dass wir alle revolutionären Bewegungen – auch mit der Waffe in der Hand – unterstützen bzw. sogar – wo möglich - deren Führung übernehmen, die direkt oder indirekt für unsere proletarischen Revolutionen nützlich sind. Wir sind weder revisionistische noch sektiererische Soldaten, wir sind marxistisch-leninistische Soldaten !! Soldaten mit sektiererischen oder revisionistischen Fehlern können wir helfen. Fehler korrigieren durch Kritik und Selbstkritik, ist nicht das Problem. Aber ausgemachte Revisionisten oder Sektierer haben in unseren Reihen keinen Platz, und wir werden auch nicht in irgendeiner „Einheitsfront“ Seite an Seite mit ihnen kämpfen, denn sie sind Feinde des Proletariats und versuchen in unsren eigenen Reihen oder in den Reihen einer „Einheitsfront“, auf der Seite der Bourgeoisie zu kämpfen. Einheitsfront mit Truppen, die dem Gegner dienen, auch wenn sie noch so sehr schwören, auf unserer Seite zu stehen, ist ein absolutes Unding. Eine revolutionäre Truppe kann keiner Niederlage entgehen, wenn sie in ihren eigenen Reihen den Feind aktiv werden lässt, um so mehr gilt das für die Führung der roten Truppe.

Um diese und andere Katastrophen zu vermeiden, ist es eben unerlässlich, dass jeder rote Soldat mit seiner geistigen Waffe genauso gut umgehen kann wie mit seiner Waffe in der Hand, und er muss stets lernen, diese beiden „Waffengattungen“ in jedem Augenblick, in jeder Situation in ihrem einheitlichen Gebrauch zu beherrschen. Das unterscheidet die rote Armee von jeder konterrevolutionären Armee (einschließlich der revisionistischen Armee), wo ja noch ( oder wieder) das militaristische System des Gegensatzes zwischen „Hand - und Kopfarbeit“ angewandt wird .