Karl Marx

Enthüllungen der diplomatischen Geschichte des 18. Jahrhunderts

Über den asiatischen Ursprung der russischen Despotie

 

Artikel geschrieben für die englische Zeitung

"The Free Sheffield Press"

1856

 

 

 

Zu Beginn seiner Regierung (1462 bis 1505) war Iwan III. den Tataren noch tributpflichtig: die Lehnsfürsten machten ihm seine Autorität noch streitig. Nowgorod, das Haupt der russischen Republiken, beherrschte den Norden Rußlands; Polen-Litauen erstrebte die Eroberung Moskaus; und die livländischen Ritter endlich waren noch nicht entwaffnet.

Am Ende seiner Regierung sehen wir Iwan III. auf einem unabhängigen Throne sitzen, ihm zur Seite die Tochter** des letzten Kaisers von Byzanz, Kasan zu seinen Füßen und den Rest der Goldenen Horde scharenweise nach seinem Hofe strömend; Nowgorod und die übrigen russischen Republiken unterworfen -- Litauen geschwächt und sein König ein Werkzeug in Iwans Händen -- die livländischen Ritter besiegt.

Das erstaunte Europa, das zu Beginn von Iwans Regierung kaum eine Ahnung von der Existenz Moskaus gehabt hatte, welches zwischen den Tataren und Litauern eingeklemmt lag, war von dem plötzlichen Erscheinen eines ungeheuren Reiches an seiner Ostgrenze geblendet, und Sultan Bajaset, vor dem Europa zitterte, war es, der zum ersten Mal die hochmütige Sprache der Moskowiter zu hören bekam.

Wie nun vollbrachte Iwan diese gewaltigen Taten? War er ein Held? Die russischen Historiker selbst entlarvten ihn als erklärten Feigling ...

Iwan befreite Moskau vom Tatarenjoch nicht durch einen kühnen Handstreich, sondern durch die zähe Arbeit von 20 Jahren. Er brach nicht das Joch, sondern befreite sich verstohlenerweise davon ... Der Charakter jedes Volkes wächst mit seiner Befreiung von einem fremden Joche; der Moskaus in den Händen Iwans schien sich eher zu verkleinern. Man vergleiche nur Spanien in seinen Kämpfen gegen die Araber mit Moskau in seinen Kämpfen gegen die Tataren.

* Karl Marx: "Die Geschichte der Geheimdiplomatie im 18. Jahrhundert." Mit Kommentaren von D. B. Rjasanow und B. Rabehl. Olle & Wolter Verlag, Berlin: 25 Mark.

** Nach herrschender Meinung: Nichte.

Zur Zeit der Thronbesteigung Iwans war die Goldene Horde längst schon geschwächt; innerlich durch heftige Fehden, äußerlich durch ihre Lösung von den Nogaj-Tataren, das plötzliche Auftauchen Timur Tamerlans, den Aufstieg der Kosaken und die Feindseligkeit der Krimtataren.

Um sieh gegen die Goldene Horde zu erheben, brauchte der Moskowiter nichts zu ersinnen, sondern lediglich die Tataren zu imitieren. Aber Iwan erhob sich nicht. Demütig nahm er es hin, ein Sklave der Goldenen Horde zu sein.

Durch Bestechung einer Tatarin verleitete er den Khan dazu, den mongolischen Ansässigen das Verlassen Moskaus zu befehlen. Mit ähnlichen, hinterhältigen und betrügerischen Schritten erschlich er sich vom Khan immer weitere Zugeständnisse, die allesamt für dessen Macht ruinös waren. So eroberte er nicht die Macht, sondern stibitzte sie.

Er vertreibt seinen Feind nicht aus dessen Festen, sondern lockt ihn heraus. Während er noch immer vor des Khans Gesandten im Staube kriecht und sich ihm als Tributpflichtigen andient, umgeht er mit Lug und Trug die Tributzahlungen, indem er alle Schliche des flüchtigen Sklaven anwendet, der es nicht wagen würde, seinem Herrn entgegenzutreten, sondern sich nur aus dessen Reichweite stiehlt.

Am Ende erwacht der Mongole aus seiner Betäubung, und die Stunde des Kampfes schlägt. Iwan, der schon beim bloßen Gedanken an einen Waffengang zittert, sucht sich hinter seiner eigenen Angst zu verkriechen und die Wut seines Feindes ins Leere laufen zu lassen, indem er ihm das Ziel nimmt, an dem dieser seine Rache hätte üben können. Er wird nur vom Einschreiten der Krimtataren, seiner Verbündeten, gerettet. Gegen einen zweiten Einfall der Horde zieht er demonstrativ solch übertriebene Heerscharen zusammen, daß allein das Gerücht ihrer Kopfzahl den Angriff verhindert. Beim dritten Einfall stiehlt er sich als ehrloser Deserteur aus der Mitte von 200 000 Mann davon.

Gegen seinen Widerstand zurückgeschleppt, sucht er um die Bedingungen der Sklaverei zu feilschen, und als er schließlich seine Armee mit seiner eigenen Sklavenangst angesteckt hat, zieht er sie in eine allgemeine ungeordnete Flucht hinein.

Moskau erwartete darauf ängstlich seinen endgültigen Untergang, als es plötzlich vernimmt, daß die Goldene Horde durch einen Angriff des Krim-Khans auf ihre Hauptstadt zum Rückzug gezwungen und auf ihrem Rückzuge von den Kosaken und Nogaj-Tataren vernichtet worden sei.

So wurde die Niederlage zum Erfolg, und Iwan hatte die Goldene Horde nicht etwa aus eigener Kraft geschlagen, sondern indem er sie mit geheuchelter Kampfeslust zur Offensive reizte, welche die Reste ihrer Lebenskraft aufzehrte, und sie sodann den tödlichen Streichen der Stämme ihrer eigenen Rasse überließ, die er als seine Verbündeten hatte gewinnen können. Er schlug einen Tataren mit dem andern ...

Aber wenn dieser Schwindler auch zu klug war, vor den Augenzeugen seiner Schmach das Betragen eines Eroberers hervorzukehren, so begriff er den. noch nur zu gut, wie der Sturz des Tataren-Reiches aus der Entfernung verblüffend wirken mußte, mit welchem Glorienschein er ihn umgeben und wie dadurch sein glorreicher Eintritt in den Kreis der europäischen Mächte gefördert werden würde.

Er nahm also nach außen hin die theatralische Pose des Eroberers an, und es gelang ihm tatsächlich, unter einer Maske stolzer Empfindlichkeit und reizbarer Überheblichkeit die Aufdringlichkeit des mongolischen Sklaven zu verbergen, der stets dessen eingedenk war, daß er den Steigbügel von des Khans niedrigstem Abgesandten geküßt hatte.

Er äffte in gedämpfteren Tönen die Stimme seiner früheren Herren nach, die noch immer seine Seele erschreckte. Einige stehende Redensarten der modernen russischen Diplomatie, wie zum Beispiel die Großmut, die verletzte Wurde des Herrschers, sind den diplomatischen Instruktionen Iwans III. entliehen.

Nach dem Fall Kasans schickte er sich zu einem langgeplanten Feldzug gegen Nowgorod an, das Haupt der russischen Republiken. War die Abschüttlung des Tatarenjoches in seinen Augen die erste Bedingung der moskowitischen Größe, so war die Abschüttlung der russischen Freiheit die zweite. Als die Republik Wjatka sich für neutral zwischen Moskau und der Goldenen Horde erklärt und die Republik Pskow (Pleskau) mit ihren zwölf Städten Zeichen des Unwillens gezeigt hatte, umschmeichelte Iwan letztere und gab vor, erstere zu vergessen, sammelte inzwischen aber seine ganze Macht gegen das Große Nowgorod, mit dessen Untergang er das Schicksal der übrigen russischen Republiken besiegelt wußte.

Mit der Aussicht auf Teilhabe an dieser reichen Beute brachte er die Lehnsfürsten hinter sich, während er die Bojaren mit dem Appel! an ihren blinden Haß gegen die Nowgoroder Demokratie anlockte.

So bewerkstelligte er es, mit drei Armeen gegen Nowgorod zu marschieren und es mit dieser erdrückenden Übermacht zu Fall zu bringen. Dann aber, um sein Wort gegenüber den Fürsten nicht halten zu müssen, um sein unveränderliches "Vos non vobis" nicht zu verwirken, und zugleich in der Sorge, daß Nowgorod wohl ohne vorherige Zubereitung noch nicht verdaulich geworden sei, hielt er es für nötig, plötzliche Mäßigung zur Schau zu stellen und sich mit einem Lösegeld und der Anerkennung seiner Oberherrlichkeit zu bescheiden; doch in die Unterwerfungsurkunde der Republik schmuggelte er einige doppeldeutige Worte, die ihn zu ihrem obersten Richter und Gesetzgeber machten.

Dann schürte er die Streitigkeiten zwischen Patriziern und Plebejern, die in Nowgorod ebenso wie in Florenz tobten. Einige Klagen der Plebejer nahm er zum Anlaß, sich wieder in der Stadt einzufinden, ihren Adel, dessen feindliche Gesinnung ihm gegenüber er gut kannte, in Ketten nach Moskau zu bringen ...

Nachdem er einen Gesandten der Republik dazu bestochen hatte, ihn bei einer öffentlichen Audienz als Souverän zu adressieren, beanspruchte er flugs alle Rechte eines Despoten -- die Selbstauflösung der Republik.

Wie er vorhergesehen, antwortete Nowgorod auf seine Usurpation mit einem Aufstand, mit einem Massaker am Adel und der Unterwerfung unter Litauen. Nun klagte dieser moskowitische Zeitgenosse Machiavellis in Tonfall und Pose moralischer Entrüstung:

"Es waren die Nowgoroder, die ihn zu ihrem Souverän erkoren, und als er sich letzten Endes ihren Wünschen beugte und jene Würde annahm, da verleugneten sie ihn, da waren sie so schamlos, ihn vor dem Gesichte ganz Rußlands der Lüge zu zeihen; sie wagten es, das Blut ihrer die Treue haltenden Landsleute zu vergießen und den Himmel und die heilige Erde der Reußen zu verraten, indem sie eine fremde Religion und einen fremden Herrn in deren Grenzen riefen"

Er führte die vereinten Heerscharen Moskaus und seiner Vasallen gegen die Republik.

Als sie die bedingungslose Kapitulation ablehnte, besann er sich auf- die von den Tataren wohlbekannte Art des Eroberns durch Einschüchterung. Einen ganzen Monat lang zog er um Nowgorod einen immer engeren Kreis von Feuer und Verwüstung, hielt sein Schwert derweil ständig gezückt und wartete ruhig ab, bis die Republik -- von Parteiungen zerrissen -- durch alle Stadien wilder Verzweiflung, düsterer Mutlosigkeit und hoffnungsloser Ohnmacht gegangen. Nowgorod wurde versklavt; ebenso die anderen russischen Republiken.

Es ist auch heute noch bemerkenswert, welch große Mühe sich Moskau gab -- ebenso wie das moderne Rußland -, wenn es galt, Republiken zu Leibe zu gehen. Nowgorod und seine Kolonien führen den Reigen an, die Kosakenrepublik folgt und Polen schließt ihn ab.

Iwan schien die Ketten, mit denen die Mongolen Moskau gefesselt, bloß an sich gerissen zu haben, um mit ihnen die russischen Republiken in Bande zu schlagen ...

Er suchte sich den Fürsten von Twer, den mächtigsten der russischen Vasallen, als erstes Objekt seiner Machenschaften aus. Zuerst trieb er ihn zur Offensive und in eine Allianz mit Litauen, dann brandmarkte er ihn als Verräter, preßte ihn zu immer weiteren Konzessionen, die die Verteidigungsfähigkeit des Fürsten vernichteten, bediente sich darauf der zwielichtigen Lage, in welche diese Konzessionen den Fürsten vor seinen eigenen Untertanen gebracht hatten, und ließ schließlich dieses Geflecht von Intrigen seine Wirkung tun ...

Die griechisch-orthodoxe Religion erwies sich als eines seiner machtvollsten Werkzeuge. Wen in aller Welt aber erwählte Iwan, um die Erbschaft von Byzanz anzutreten, um das Brandmal des mongolischen Sklaven unter dem Mantel der im Purpur Geborenen zu verbergen, um den Thron des Emporkömmlings von Moskau mit dem ruhmvollen Reiche des heiligen Wladimir zu verknüpfen und in seiner Person der griechischen Kirche ein neues weltliches Oberhaupt zu geben? Den Papst zu Rom.

Am Hofe des Papstes lebte die letzte Prinzessin von Byzanz. Iwan entlockte sie dem Papst unter dem Eid, seinem Glauben abzuschwören -- einem Eid, aus dem ihn zu entlassen er dem eigenen Primas befahl.

Man braucht bloß eine Reihe von Namen und Daten durch andere zu ersetzen, und es tritt klar zutage, daß zwischen der Politik Iwans III. und der des heutigen Rußland nicht nur Ähnlichkeit, sondern Gleichheit herrscht.

Iwan III. wiederum vervollkommnete nur die traditionelle moskowitische Politik, die Iwan 1. Kalita ihm vererbt hatte. Iwan Kalita, der mongolische Sklave, erwarb seine Größe dadurch, daß er die Kraft seines größten Feindes, des Tataren, gegen seine kleineren Feinde, die russischen Fürsten, lenkte. Nur durch Lug und Trug vermochte er die Macht des Tataren in seinem Sinne zu lenken ...

Durch betrügerische Ausnutzung einer feindlichen Macht Vorteile zu gewinnen, diese Macht gerade durch deren Ausnutzung zu schwächen und sie schließlich gerade daran zugrunde gehen zu lassen, daß sie sich als Werkzeug hatte gebrauchen lassen -- diese Politik wurde Iwan Kalita durch den eigentümlichen Charakter der zugleich herrschenden wie beherrschten Rasse eingegeben. .Seine Politik blieb auch die Iwans III.

Und sie ist heute die Politik Peters des Großen und des heutigen Rußland, wie auch immer der Name, das Land und der Charakter der von ihnen ausgenutzten feindlichen Macht gewechselt haben mögen.

In der Tat ist Peter der Große der Erfinder der modernen russischen Politik, aber er wurde es nur, indem er der alten moskowitischen Methode der Ausdehnung durch Anmaßung ihren rein lokalen Charakter nahm und sie ihrer zufälligen Beimischungen entkleidete; indem er sie in eine abstrakte Formel goß, ihre Ziele verallgemeinerte und ihren Gegenstand von der bloßen Beseitigung bestimmter gegebener Machtgrenzen zum Streben nach unbegrenzter Macht ausweitete

Kurz: Moskau ist in der scheußlichen und erbärmlichen Schule mongolischer Sklaverei aufgewachsen und großgezogen worden. Seine Stärke erwarb es nur dadurch, daß es in den Fertigkeiten des Sklaventums zum Virtuosen wurde.

Sogar nach seiner Selbstbefreiung spielte Moskau seine hergebrachte Rolle des zum Herrn gewordenen Sklaven noch weiter. Peter der Große war es endlich, der die politische Handfertigkeit des mongolischen Sklaven mit dem stolzen Streben des mongolischen Herrschers vereinigte, dem Dschingis-Khan in seinem letzten Willen die Eroberung der Erde vermacht hatte.

Ein charakteristischer Zug der slawischen Rasse muß jeden Betrachter erstaunen. So gut wie überall beschränkte sie sich auf das Binnenland und üherließ die Küsten nicht-slawischen Stämmen. Finnisch-tatarische Stämme hielten die Schwarzmeerküsten, Litauer und Finnen diejenigen des Baltischen und Weißen Meeres.

Wo immer Slawen wie an der Adria und Teilen der Ostsee zur Küste vordrangen, mußten sie sich bald fremdes Herrschaft beugen. Das russische Volk teilte dieses gemeinsame Schicksal der slawischen Rasse.

Geradezu als Zeugnis dieser antimaritimen Eigenart der slawischen Rasse hat kein Fußbreit der baltischen Küste wirklich die russische Nationalität angenommen; ebensowenig die tscherkessische und mingrelische Ostküste des Schwarzen Meeres.

Nur die Küste des Weißmeeres, soweit sie sich zu kultivieren lohnte, einige Teile der nördlichen Schwarzmeerküste und ein Küstenstrich des Asowschen Meeres sind tatsächlich von russischen Bewohnern besiedelt worden, die es jedoch den neuen Umständen, in die sie versetzt wurden, zum Trotz immer noch verschmähen, sich dem Meere zuzuwenden, und hartnäckig an der Landratten-Tradition ihrer Ahnen festhalten.

Von Anfang an brach Peter der Große mit allen Traditionen der slawischen Rasse: "Es ist Wasser, was Rußland braucht ... "Wollte man sich nur lokal ausbreiten, so genügte das Festland dazu; wollte man universale Aggression betreiben, so war Wasser dazu das erste Erfordernis.

Nur durch die Umwandlung Moskaus aus einem ausschließlichen Binnenland in ein meerumspültes Reich konnten die hergebrachten Schranken der moskowitischen Politik durchbrochen und zu jener kühnen Synthese verschmolzen werden, die in ihrer Vereinigung der Methode des unmerklichen Vordringens des mongolischen Sklaven mit den welterobernden Tendenzen des mongolischen Herrschers die Triebkraft der modernen russischen Diplomatie bildet ...

Den Thron des Zaren von Moskau nach Petersburg verlegen, hieß ihn in eine Lage bringen, in der er nicht einmal vor Beleidigungen sicher sein durfte, solange nicht die ganze Küste von Libau bis Tornea unterworfen war -- eine Aufgabe, die erst 1809 durch die Eroberung Finnlands völlig gelöst wurde. "Sankt Petersburg ist das Fenster, von dem aus Rußland Europa übersehen kann", sagte Algarotti*. Von Anbeginn war es eine Herausforderung für die Europäer, ein Ansporn zu weiteren Eroberungen für die Russen.

Die Festungen Russisch-Polens in heutiger Zeit sind nur ein weiterer Schritt beim Vollzuge derselben Idee. Modlin, Warschau und Iwangorod sind mehr als nur Zitadellen, die ein rebellisches Land in Schach halten sollen. Sie stellen die gleiche Bedrohung für den

* Italienischer Schriftsteller (1712 bis 1764). Gesprächspartner Friedrichs II. der ihn nach Berlin rief.

Westen dar, die Petersburg durch seine unmittelbare Lage hundert Jahre zuvor für den Norden darstellte. Sie sollen Rußland in Panslawien verwandeln, wie die baltischen Provinzen Moskau in Rußland verwandelten.

Durch die Verlegung der Hauptstadt schnitt Peter die natürlichen Bande entzwei, die das System des unmerklichen Vordringens der alten moskowitischen Zaren mit den natürlichen Fähigkeiten und Bestrebungen der großen russischen Rasse verknüpften. Indem er seine Hauptstadt an das Ufer eines Meeres verlegte, sprach er den antimaritimen Instinkten dieser Rasse offen Hohn und würdigte sie zu einem bloßen Triebrad in seinem politischen Räderwerk herab.

Waren die moskowitischen Zaren, die ihre Gebietsaneignungen hauptsächlich mit Hilfe der tatarischen Khans vornahmen, genötigt gewesen, Moskau zu tatarisieren, so war Peter der Große, der sich entschlossen hatte, mit Hilfe des Westens zu wirken, gezwungen, Rußland zu zivilisieren.

Indem er die baltischen Provinzen an sich riß, erfaßte er mit einem Griff die zu diesem Prozeß notwendigen Werkzeuge. Sie lieferten ihm nicht nur die Diplomaten und Generäle, also die Köpfe, die er zur Ausführung seines Systems der politischen und militärischen Ausrichtung nach Westen nötig hatte, sie verschafften ihm auch zugleich ein Heer von Bürokraten, Schullehrern und Gamaschenknöpfen, die den Russen jenen Firnis von Zivilisation anzudrillen hatten, der sie zu den technischen Errungenschaften der Völker des Westens befähigt, ohne sie doch mit deren Ideen zu erfüllen.



 

 

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