Schulungstext der Komintern / ML

gegen den Intellektualismus

Die Komintern /ML widmet diesem Kampf gegen den Intellektualismus stets besondere Aufmerksamkeit und der Genosse Wolfgang Eggers hat hier eine kleine , nützliche Zitatensammlung der Klassiker Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha für uns zusammengestellt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.







Zitatensammlung von

Marx und Engels

und ihrem Kampf gegen

die intelligenzlerisch - opportunistischen Elemente





Marx, Thesen über Feuerbach 1845-1846:

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern.“ (MEW, Band 3, Seite 7).



Marx und Engels, Deutsche Ideologie, 1845-1846:

Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewusstsein. (...) Da wo die Spekulation aufhört, beim wirklichen Leben, beginnt also die wirkliche, positive Wissenschaft, die Darstellung der praktischen Betätigung, des praktischen Entwicklungsprozesses der Menschen.“

Nicht die Kritik, sondern die Revolution (ist) die treibende Kraft der Geschichte auch der (...) Theorie.“

Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h., die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so dass ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind. Die herrschenden Gedanken sind weiter nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse, die als Gedanken gefassten herrschenden Verhältnisse; also der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft.“

Die Teilung der Arbeit, die wir schon oben als eine der Hauptmächte der bisherigen Geschichte vorfanden, äußert sich nun auch in der herrschenden Klasse als Teilung der geistigen und materiellen Arbeit, so dass innerhalb dieser Klasse der eine Teil als die Denker dieser Klasse auftritt (die aktiven konzeptiven Ideologen derselben, welche die Ausbildung der Illusion dieser Klasse über sich selbst zu ihrem Hauptnahrungszweige machen), während die Andern sich zu diesen Gedanken und Illusionen mehr passiv und rezeptiv verhalten, weil sie in der Wirklichkeit die aktiven Mitglieder dieser Klasse sind und weniger Zeit dazu haben, sich Illusionen und Gedanken über sich selbst zu machen. Innerhalb dieser Klasse kann diese Spaltung derselben sich sogar zu einer gewissen Entgegensetzung und Feindschaft beider Teile entwickeln, die aber bei jeder praktischen Kollision, wo die Klasse selbst gefährdet ist, von selbst wegfällt, wo denn auch der Schein verschwindet, als wenn die herrschenden Gedanken nicht die Gedanken der herrschenden Klasse wären und eine von der Macht dieser Klasse unterschiedene Macht hätten. Die Existenz revolutionärer Gedanken in einer bestimmten Epoche setzt bereits die Existenz einer revolutionären Klasse voraus.“

Je mehr sich die Teilung der Arbeit ausbildet und je mehr die Akkumulation wächst, desto schärfer bildet sich auch diese Zersplitterung aus. Die Arbeit selbst kann nur bestehen unter der Voraussetzung dieser Zersplitterung.“ (alle Zitate siehe MEW, Band 3, Seite 27 – 66).

Der Mangel wirklicher, leidenschaftlicher, praktischer Parteikämpfe in Deutschland machte auch die soziale Bewegung anfangs zu einer bloß literarischen. Der wahre Sozialismus ist die vollkommenste soziale Literaturbewegung, die ohne wirkliche Parteiinteressen entstand und nun, nachdem die kommunistische Partei sich formiert hat, trotz ihr fortbestehen will. Es versteht sich, dass seit dem Entstehen einer wirklichen kommunistischen Partei in Deutschland die wahren Sozialisten immer mehr auf Kleinbürger als Publikum und impotente und verlumpte Literaten als Repräsentanten dieses Publikums sich beschränken werden.“ ( MEW, Band 3, S.441-443). Marx `und Engels` Auseinandersetzung mit den „wahren“ Sozialisten war eine Demarkationslinie zwischen der proletarischen und der kleinbürgerlichen Ideologie.



Marx an Pawel Wassiljewitsch Annenkow in Paris, 28. Dezember 1846:

Ein solcher Kleinbürger vergöttlicht den Widerspruch, weil der Widerspruch der Kern seines Wesens ist. Er selber ist bloß der soziale Widerspruch in Aktion. Er muss durch die Theorie rechtfertigen, was er in der Praxis ist, und Herr Proudhon hat das Verdienst, der wissenschaftliche Interpret des französischen Kleinbürgertums zu sein, was ein wirkliches Verdienst ist, da das Kleinbürgertum ein integrierender Bestandteil aller sich vorbereitenden sozialen Revolutionen sein wird.“ (MEW, Band 27, Seite 451-462).



Engels, Der Status quo in Deutschland, März/April 1847:

Aber unsere wahren Sozialisten sind keine Parteimänner, sondern deutsche Theoretiker.“ (...)

Der wahre Sozialismus hat es tatsächlich fertiggebracht, die revolutionärsten Sätze, die je aufgestellt wurden, zu einem Schutzwall für den Morast des deutschen Status quo zu verwenden. Der wahre Sozialismus ist durch und durch reaktionär.“

Wenn die Bourgeoisie, sozusagen, unser natürlicher Feind, der Feind ist, dessen Sturz unsere Partei zur Herrschaft bringt, so ist der deutsche Status quo noch viel mehr unser Feind, weil er zwischen der Bourgeoisie und uns steht,, weil er uns hindert, der Bourgeoisie auf den Leib zu rücken.“

(MEW, Band 4, Seite 40- 43).



Marx und Engels, Manifest der Kommunistischen Partei – Januar 1848:

Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.“

Sie selbst (die Bourgeoisie) führt also dem Proletariat ihre eigenen – politischen und allgemeinen Bildungselemente, das heißt Waffen gegen sich selbst, zu. Es werden ferner, wie wir sahen, durch den Fortschritt der Industrie ganze Bestandteile der herrschenden Klasse ins Proletariat hinabgeworfen oder wenigstens in ihren Lebensbedingungen bedroht. Auch sie führen dem Proletariat eine Masse Bildungselemente (Aufklärungs- und Fortschrittselemente) zu. In Zeiten endlich, wo der Klassenkampf sich der Entscheidung nähert, nimmt der Auflösungsprozess innerhalb der herrschenden Klasse, innerhalb der ganzen alten Gesellschaft, einen so heftigen, so grellen Charakter an, dass ein kleiner Teil der herrschenden Klasse sich von ihr lossagt und sich der revolutionären Klasse anschließt, der Klasse, welche die Zukunft in ihren Händen trägt. Wie daher ein früher Teil des Adels zur Bourgeoisie überging, so geht jetzt ein Teil der Bourgeoisie zum Proletariat über, und namentlich ein Teil der Bourgeoisieideologen, welche zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben.

Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie gegenüberstehen, ist nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse. Die übrigen Klassen verkommen und gehen unter mit der großen Industrie, das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt. Die Kleinbürger sind reaktionär. Sind sie revolutionär, so sind sie es im Hinblick auf den ihnen bevorstehenden Übergang ins Proletariat, so verteidigen sie nicht ihre gegenwärtigen, sondern ihre zukünftigen Interessen, so verlassen sie ihren eigenen Standpunkt, um sich auf den des Proletariats zu stellen. (...) Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritäten oder im Interesse von Minoritäten. Die proletarische Bewegung ist die selbständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse der ungeheuren Mehrzahl. Das Proletariat, die unterste Schicht der jetzigen Gesellschaft, kann sich nicht erheben, nicht aufrichten, ohne dass der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird.“ (MEW, Band 4, Seite 471-473).

(Die Kommunisten) stellen keine besonderen (d.h. 1888 = „sektiererischen“) Prinzipien auf, wonach sie die proletarische Bewegung modeln wollen.“ (ebenda, Seite 474).

Die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, auf Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt sind.. Sie sind nur allgemeine Ausdrücke tatsächlicher Verhältnisse eines existierenden Klassenkampfes, einer unter unseren Augen vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung.“ (ebenda, Seite 474/475).

Alle Einwüfe, die gegen die kommunistische Aneignungs- und Produktionsweise der materiellen Produktion gerichtet werden, sind ebenso auf die Aneignung und Produktion der geistigen Produkte ausgedehnt worden. Wie für den Bourgeois das Aufhören des Klasseneigentums das Aufhören der Produktion selbst ist, so ist für ihn das Aufhören der Klassenbildung identisch mit dem Aufhören der Bildung überhaupt. (...) Eure Ideen selbst sind Erzeugnisse der bürgerlichen Produktions- und Eigentumsverhältnisse, wie euer Recht nur der zum Gesetz erhobene Wille eurer Klasse ist, ein Wille, dessen Inhalt gegeben ist in den materiellen Lebensbedingungen eurer Klasse (ebenda, Seite 477).

Was beweist die Geschichte der Ideen anders, als dass die geistige Produktion sich mit der materiellen umgestaltet? Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.“ (ebenda, Seite 480).

Die kommunistische Revolution ist das radikalste Brechen mit den überlieferten Eigentumsverhältnissen; kein Wunder, dass in ihrem Entwicklungsgange am radikalsten mit den überlieferten Ideen gebrochen wird.“ (ebenda Seite 481)



Marx und Engels, „Deutsche Professorengemeinschaft“ - 30. November 1848:

Diesem geldgierigen Professorengeschlecht darf nur im Entferntesten der Beutel bedroht werden, so steht die ganze Wissenschaft in Feuer und Flammen. Ihr Monopol wurzelt im Königtum `von Gottes Gnaden`. Sie schreiben ihm Ergebenheitsadressen, dh., sie sind ihrem eigenen Monopol bis zum Tode ergeben. Erringt das Volk den schließlichen Sieg, so werden die Herren trotz alles `Ernstes ihres wissenschaftlichen Berufes` sich schnell auf die Seite der jetzt von ihnen so sehr verdammten Volksouveränität zu stellen wissen. Das Volk wird ihnen aber dann sein `zu spät` zurufen und der ganzen Misere der privilegierten Gelehrsamkeit ein rasches Ende bereiten.“ (MEW, Band 6, Seite 81-82).



Engels, Revolution und Konterrevolution in Deutschland, 24. September 1852:

In allen diesen Fällen bestand der wirklich kämpfende Kern der Aufständischen, jener Kern, der zuerst zu den Waffen griff und sich mit den Truppen schlug, aus den Arbeitern der Städte. Ein Teil der ärmeren Landbevölkerung, Landarbeiter und Kleinbauern, schloss sich ihnen im Allgemeinen nach dem tatsächlichen Ausbruch des Kampfes an. Die Mehrzahl der jungen Männer aller unterhalb der Kapitalistenklasse stehenden Klassen war, wenigstens eine Zeitlang, in den Reihen der aufständischen Truppen zu finden, aber dieser ziemlich bunt zusammengewürfelte Haufen junger Leute lichtete sich sehr bald, als die Dinge eine etwas ernstere Wendung nahmen. Namentlich die Studenten, diese `Vertreter der Intelligenz` , wie sie sich gern selbst bezeichnet, waren die ersten, die fahnenflüchtig wurden, soweit sie nicht durch Verleihung des Offiziersranges, wozu sie sich natürlich sehr selten eigneten, zurückgehalten wurden. (...)

Das Kleinbürgertum, groß im Prahlen, fehlt die Kraft zur Tat, und es scheut vor jedem Wagnis zurück. (...) Demgemäß munterte das Kleinbürgertum mit hochtrabenden Worten und prahlerischem Rühmen der Taten, die es verrichten werde, zum Aufstand auf; kaum war der Aufstand, sehr gegen seinen Willen, ausgebrochen, suchte es gierig, die Macht an sich zu reißen, machte aber von dieser Macht nur Gebrauch, um den Erfolg des Aufstands zunichte zu machen. Wo immer ein bewaffneter Zusammenstoß zu einer ernstlichen Krise führte, waren die Kleinbürger entsetzt über die gefahrvolle Lage, in die sie geraten; entsetzt über das Volk, das ihren großsprecherischen Ruf zu den Waffen ernst genommen; entsetzt über die Macht, die ihnen aufgezwungen; entsetzt vor allem über die Folgen der Politik, auf die sie sich notgedrungen eigelassen, für sich selbst, für ihre gesellschaftliche Stellung, für ihren Besitz. Und im Fall des Sieges, waren sie nicht sicher, sogleich aus Amt und Würden gejagt zu werden und durch die siegreichen Proletarier, die die Hauptmasse ihrer Kampftruppe bildeten, ihre ganze Politik umgestoßen zu sehen? In dieser Lage, zwischen zwei Feuern, die sie links und rechts bedrohten, wusste das Kleinbürgertum mit seiner Macht nichts anderes anzufangen, als den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen, wobei natürlich auch die geringe Aussicht auf Erfolg, die vielleicht noch bestehen mochte, verlorenging, so dass der Zusammenbruch des Aufstands unausbleiblich wurde. (...) Im Mai war der Aufstand ausgebrochen, Mitte Juli 1849 war er gänzlich niedergeworfen. Die erste deutsche Revolution war zu Ende“ (MEW, Band 8, Seite 98-102).



Marx an Ludwig Kugelmann, 5. Dezember 1868:

Lieber Kugelmann, haben Sie die Adresse von Dietzgen? Vor ziemlich langer Zeit schickte er mir das Bruchstück eines Manuskripts über das `Denkvermögen` [es handelt sich um das Manuskript der Schrift: „Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit“, das Dietzgen zur Begutachtung an Marx gesandt hatte. Dietzgen war ein hervorragender Vertreter der Arbeiterintelligenz– Anmerkung], was, trotz einer gewissen Konfusion und zu häufigen Wiederholungen, viel Vorzügliches und – als selbständiges Produkt eines Arbeiters – selbst Bewundernswertes enthält. Sie hatten mir auch versprochen, mir einiges über seine Persönlichkeit mitzuteilen. (MEW, Band 32, Seite Seite 579).



Marx an Friedrich Adolph Sorge – 27. September 1873:

Die Kerls gehen darin [Marx kritisiert hier die Anarchisten, die auf dem Genfer Kongress der I. Internationale 1873 gegen die Beschlüsse des Haager Kongresses über Organisationsfragen den Antrag stellten, dass Intellektuelle als Mitglieder der I. Internationale grundsätzlich auszuschließen seien – Anmerkung der Red.] in mancher Hinsicht weiter als die Jurassiens, z.B. verlangen sie Ausschluss der sogenannten Kopfarbeiter.“



Marx und Engels, „Ein Komplott gegen die Internationale – Bericht über das Treiben Bakunins“ - 1874:

In diesem Bericht zitieren Marx und Engels aus dem Bakuninschen „Revolutionskatechismus“. Unter `Pflichten des Revolutionärs gegen sich selbst` heißt es dort unter § 3 : „Ein Revolutionär (...) verzichtet auf die Wissenschaft der heutigen Welt, die er den zukünftigen Generationen überlässt. Er kennt nur eine Wissenschaft: die Zerstörung“ (zitiert in MEW, Band 18, Seite 427).



Engels, Ergänzung der Vorbemerkung von 1870 zu „Der deutsche Bauernkrieg“, 1. Juli 1874:

Die deutschen Arbeiter haben vor denen des übrigen Europas zwei wesentliche Vorteile voraus. Erstens, dass sie dem theoretischsten Volk Europas angehören und dass sie sich den theoretischen Sinn bewahrt haben, der den sogenannten `Gebildeten` Deutschlands so gänzlich abhanden gekommen ist. Ohne Vorausgang der deutschen Philosophie, namentlich Hegels, wäre der deutsche wissenschaftliche Sozialismus – der einzige wissenschaftliche Sozialismus, der je existiert hat – nie zustande gekommen. Ohne theoretischen Sinn unter den Arbeitern wäre dieser wissenschaftliche Sozialismus nie so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, wie dies der Fall ist. Und welch ein unermesslicher Vorzug dies ist, zeigt sich einerseits an der Gleichgültigkeit gegen alle Theorie, die eine der Hauptursachen ist, weshalb die englische Arbeiterbewegung, trotz aller ausgezeichneten Organisation der einzelnen Gewerke, so langsam vom Flecke kommt, und andererseits an dem Unfug und der Verwirrung, die der Proudhonismus in seiner ursprünglichen Gestalt bei Franzosen und Belgiern, in seiner durch Bakunin weiter karikierten Form bei Spaniern und Italienern angerichtet hat.

Der zweite Vorteil ist der, dass die Deutschen in der Arbeiterbewegung der Zeit nach ziemlich zuletzt gekommen sind. Wie der deutsche theoretische Sozialismus nie vergessen wird, dass er auf den Schultern Saint-Simons, Fouriers und Owens steht, dreier Männer, die bei allen Phantastereien und bei allem Utopismus zu den bedeutendsten Köpfen aller Zeiten gehören und zahllose Dinge genial antizipierten, deren Richtigkeit wir jetzt wissenschaftlich nachweisen – so darf die deutsche praktische Arbeiterbewegung nie vergessen, dass sie auf den Schultern der englischen und französischen Bewegung sich entwickelt hat, ihre teuer erkauften Erfahrungen sich einfach zunutze machen, ihre damals meist unvermeidlichen Fehler jetzt vermeiden konnte. Ohne den Vorgang der englischen Trade-Unions und der französischen politischen Arbeiterkämpfe, ohne den riesenhaften Anstoß, den namentlich die Pariser Kommune gegeben, wo wären wir jetzt?

Man muss der deutschen Arbeiterbewegung nachsagen, dass sie die Vorteile ihrer Lage mit seltenem Verständnis ausgebeutet haben. Zum ersten Mal, seit eine Arbeiterbewegung besteht, wird der Kampf nach seinen drei Seiten hin – nach der theoretischen, der politischen und der praktisch-ökonomischen (Widerstand gegen die Kapitalisten) – im Einklang und Zusammenhang und planmäßig geführt. In diesem sozusagen konzentrischen Angriffe liegt gerade die Stärke und Unbesiegbarkeit der deutschen Bewegung.

Einerseits durch diese ihre vorteilhafte Stellung, andererseits durch die insularen Eigentümlichkeiten der englischen und die gewaltsame Niederhaltung der französischen Bewegung sind die deutschen Arbeiter für den Augenblick in die Vorhut des proletarischen Kampfes gestellt worden. Wie lange die Ereignisse ihnen diesen Ehrenposten lassen werden, lässt sich nicht voraussagen. Aber solange sie ihn einehmen, werden sie ihn hoffentlich so ausfüllen, wie es sich gebührt. Dazu gehören verdoppelte Anstrengungen auf jedem Gebiet des Kampfes und der Agitation. Es wird namentlich die Pflicht der Führer sein, sich über alle theoretischen Fragen mehr und mehr aufzuklären, sich mehr und mehr von dem Einfluss überkommener, der alten Weltanschauung angehöriger Phrasen zu befreien und stets im Auge zu behalten, dass der Sozialismus, seitdem er eine Wissenschaft geworden, auch wie eine Wissenschaft betrieben, d.h. studiert werden will. Es wird darauf ankommen, die so gewonnene, immer mehr geklärte Einsicht unter den Arbeitermassen mit gesteigertem Eifer zu verbreiten, die Organisation der Partei wie der Gewerksgenossenschaften immer fester zusammenzuschließen.“ (MEW, Band 18, Seite 516/517).



Marx an W. Bracke, London 5. Mai 1875:

Es ist unerlässlich, da man im Ausland die von Parteifeinden sorgsamst genährte Ansicht – die durchaus irrige Ansicht – hegt, dass wir die Bewegung der sogenannten Eisenacher Partei insgeheim von hier aus lenken. Noch in einer jüngst erschienenen russischen Schrift („Der Staat und die Anarchie“) macht Bakunin mich z.B. Nicht nur für alle Programme etc. Jener Partei verantwortlich, sondern sogar für jeden Schritt, den Liebknecht, vom Tag seiner Kooperation mit der Volkspartei an, getan hat. Abgesehn davon ist es meine Pflicht, ein nach meiner Überzeugung durchaus verwerfliches und die Partei demoralisierendes Programm auch nicht durch diplomatisches Stillschweigen anzuerkennen.

Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme. [hervorgehoben von der Redaktion].

Konnte man also nicht – und die Zeitumstände ließen das nicht zu – über das Eisenacher Programm hinauszugehen, so hätte man einfach eine Übereinkunft für Aktion gegen den gemeinsamen Feind abschließen sollen. Macht man aber Prinzipienprogramme (statt das bis zur Zeit aufzuschieben, wo dergleichen durch längere gemeinsame Tätigkeit vorbereitet war), so errichtet man vor aller Welt Marksteine, an denen sie die Höhe der Parteibewegung misst. Die Chefs der Lassalleaner kamen, weil die Verhältnisse sie dazu zwangen. Hätte man ihnen von vornherein erklärt, man lasse sich auf keinen Prinzipienschacher ein, so hätten sie sich mit einem Aktionsprogramm oder Organisationsplan zu gemeinschaftlicher Aktion begnügen müssen.“ (Marx-Engels, Ausgewählte Briefe, Dietz 1953, Seite 351).



Marx an Friedrich Adolph Sorge, 19. Oktober 1877:

In Deutschland macht sich in unsrer Partei, nicht so sehr in der Masse, als unter den Führern (höherklassigen und `Arbeitern`) ein fauler Geist geltend (...) Die Arbeiter selbst, wenn sie wie Herr Most et Cons. das Arbeiten aufgeben und Literaten von Profession werden, stiften stets `theoretisch` Unheil an und sind stets bereit, sich an Wirrköpfe aus der angeblich `gelehrten` Kaste anzuschließen.“ (MEW, Band 34, Sdeite 302/303).



Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, 1878:

Aber ehe die Menschen argumentierten, handelten sie. `Im Anfang war die Tat` . Und menschliche Tat hatte die Schwierigkeit schon gelöst, lange ehe menschliche Klugtuerei sie erfand.“ (zitiert bei Lenin, Band 14, Seite 103).



Engels, Anti-Dühring, 1873-1883:

Die wirkliche Einheit der Welt besteht in ihrer Materialität, und diese ist bewiesen nicht durch ein paar Taschenspielerphrasen, sondern durch eine lange und langwierige Entwicklung der Philosophie und der Naturwissenschaft.“ (MEW, Band 20, Seite 41).



Engels an Johann Philipp Becker, 8. September 1879:

Überhaupt wird es bald einmal Zeit, aufzutreten gegen die philanthropischen Groß- und Kleinbürger, Studenten und Doktoren, die sich in die deutsche Partei eindrängen und den Klassenkampf des Proletariats gegen seine Unterdrücker in eine allgemeine Menschenverbrüderungsanstalt verwässern wollen, und das im Augenblick, wo uns die Bourgeois, mit denen man uns verbrüdern will, außer dem Gesetz erklären,unsre Presse zerschlagen, unsere Versammlungen gesprengt, uns der unverhüllten Polizeiwillkür ausgeliefert haben. Die deutschen Arbeiter werden diese Art Kampagne schwerlich mitmachen.“ (MEW, Band 34, Seite 390/391).



Marx an Friedrich Adolph Sorge, 19. September 1879:



Diese Burschen, theoretisch null, praktisch unbrauchbar, wollen dem Sozialismus (den sie sich nach den Universitätsrezepten zurechtgemanscht) und namentlich der sozialdemokratischen Partei die Zähne ausbrechen, die Arbeiter aufklären oder, wie sie sagen, ihnen `Bildungselemente` durch ihre konfuse Halbwisserei zuführen und vor allem die Partei in den Augen des Spießbürgers respektabel machen. Es sind arme konterrevolutionäre Zungendrescher. (...)

Liebknecht hat in der Tat, nachdem er den großen Bock in der Transaktion mit den Lassallern geschlossen, allen diesen Halbmenschen Tür und Tor geöffnet und sie wider seinen Willen eine Demoralisation in der Partei vorbereitet, die nur durch das Sozialistengesetz beseitigt werden konnte. (...)“

Wie dem auch sei: sie [Marx meint hier die intelligenzlerisch-opportunistischen Führer in der Partei - Anmerkung der Redaktion] sind schon so weit vom parlemantarischen Idiotismus angegriffen, dass sie glauben, über der kritik zu stehn, dass sie die Kritik als eine Majestätsbeleidigung verdonnern!“ (MEW, Band 34, Seite 412, 413 und 414).



Marx und Engels, Zurkularbrief an Bebel, Liebknecht, Bracke u.a., 17./18.September 1879:



Es ist eine im Gang der Entwicklung begründete, unvermeidliche Erscheinung, dass auch Leute aus der bisher herrschenden Klasse sich dem kämpfenden Proletariat anschließen und ihm Bildungselemente zuführen. Das haben wir schon im `Manifest` klar ausgesprochen. Es ist aber hierbei zweierlei zu bemerken:

Erstens (...) Solche Bildungselemente, deren erstes Prinzip ist zu lehren, was sie nicht gelernt haben, kann die Partei gut entbehren.

Zweitens. Wenn solche Leute aus anderen Klassen sich der proletarischen Bewegung anschließen, so ist die erste Forderung, dass sie keine Reste von bürgerlichen, kleinbürgerlichen etc. Vorurteilen mitbringen, sondern sich die proletarische Anschauungsweise unumwunden aneignen. Jene Herren aber, wie nachgewiesen, stecken über und über voll bürgerlicher und kleinbürgerlicher Vorstellungen. In einem so kleinbürgerlichen Land wie Deutschland haben diese Vorstellungen sicher ihre Berechtigung. Aber nur AUSSERHALB der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Wenn die Herren sich als sozialdemokratische Kleinbürgerpartei konstituieren, so sind sie in ihrem vollen Recht; man könnte dann mit ihnen verhandeln, je nach Umständen Kartell schließen etc. Aber in einer Arbeiterpartei sind sie ein fälschendes Element. Sind Gründe da, vorderhand darin zu dulden, so besteht die Verpflichtung, sie NUR zu dulden, ihnen keinen Einfluss auf Parteileitung zu gestatten, sich bewusst zu bleiben, dass der Bruch mit ihnen nur eine Frage der Zeit ist. Diese Zeit scheint übrigens gekommen. Wie die Partei die Verfasser dieses Artikels noch länger in ihrer Mitte dulden, kann, erscheint uns unbegreiflich. Gerät aber solchen Leuten gar die Parteileitung mehr oder weniger in die Hand, so wird die Partei einfach entmannt, und mit der proletarischen Schneid` ist`s am End.“

Die Befreiung der Arbeiterklasse muss der Werk der Arbeiterklasse selbst sein. Wir können also nicht zusammengehen mit Leuten, die es offen aussprechen, dass die Arbeiter zu ungebildet sind, sich selbst zu befreien, und erst von oben herab befreit werden müssen, durch philanthropische Groß- und Kleinbürger. Wird das neue Parteiorgan eine Haltung annehmen, die den Gesinnungen jener Herren entspricht, bürgerlich ist und nicht proletarisch, so bleibt uns nichts übrig, so leid es uns tut würde, als uns öffentlich dagegen zu erklären und die Solidarität zu lösen, mit der wir bisher die deutsche Partei dem Ausland gegenüber vertreten haben. Doch DAHIN kommt`s hoffentlich nicht.“ (MEW, Band19, Seite 164-166).

Marx und Engels sprachen offen aus, was diese Herren tatsächlich beabsichtigten:Wählt also Bourgeois! Kurz: die Arbeiterklasse aus sich selbst ist unfähig, sich zu befreien. Dazu muss sie unter die Leitung `gebildeter und besitzender` Bourgeois treten, die allein `Gelegenheit und Zeit haben` , sich mit dem vertraut zu machen, was den Arbeitern frommt. Und zweitens ist die Bourgeoisie beileibe nicht zu bekämofen, sondern durch energische Propaganda – zu gewinnen. ( MEW, Band 34, Seite 394-408).



Marx; Randglossen zu A. Wagners „Lehrbuch der politischen Ökonomie“, 1879/1880:

... aber die Professoren stehn mit einem Fuß immer noch im alten Dreck, was natürlich.“ (MEW, Band 19, Seite 371).



Engels an Eduard Bernstein 17. August 1881:

Engels bezeichnet die Intelligenzen“ alsLeute, die, soweit sie etwas wert sind, uns von selbst zufallen, die aber, wir sie erst werben müssten, uns nur durch Reste alten Sauerteigs schädlich werden können.“ (MEW, Band 35, Seite 215).



Engels an Eduard Bernstein – 25. Oktober 1881:

Was aber die kleinlichen Nörgler, die nichts sind und gern alles wären, am meisten ärgert, ist das:

Marx hat sich durch theoretische und praktische Leistungen die Stellung erobert, dass die besten Leute aller Arbeiterbewegungen in den verschiedenen Ländern volles Vertrauen in ihn haben. Sie wenden sich an in in entscheidenden Momenten um Rat und finden dann gewöhnlich, dass sein Rat der beste ist. Diese Stellung hat er in Deutschland, in Frankreich, in Russland, von den kleineren Ländern nicht zu sprechen. Es ist also nicht Marx, der den Leuten seine Meinung, geschweige denn seinen Willen aufdrängt, es sind diese Leute selbst, die zu ihm kommen. Und gerade darauf beruht der eigentümliche, für die Bewegung äußerst wichtige Einfluss von Marx.“ (MEW, Band 35, Seite 232-233).



Engels , Marx und die `Neue Rheinische Zeitung` 1848-1849, Februar/März 1884:

Ebenso traten wir auch der vom Kleinbürgertum eifrig verbreiteten Täuschung entgegen, als ob die Revolution mit den Märztagen abgeschlossen sei und man jetzt nur noch die Früchte einzuheimsen habe. Für uns konnten Februar und März nur dann die Bedeutung einer wirklichen Revolution haben, wenn sie nicht Abschluss, sondern im Gegenteil Ausgangspunkte einer langen revolutionären Bewegung wurden, in der, wie in der großen französischen Umwälzung, das Volk sich durch seine eigenen Kämpfe weiterentwickelte, die Parteien sich schärfer und schärfer schieden, bis sie mit den großen Klassen, Bourgeoisie, Kleinbürgertum, Proletariat nach und nach in einer Reihe von Schlachttagen erobert wurden. Daher traten wir auch dem demokratischen Kleinbürgertum überall entgegen, wo es seinen Klassengegensatz gegen das Proletariat vertuschen wollte mit der beliebten Phrase: Wir wollen ja alle dasselbe, alle Differenzen beruhen auf bloßen Missverständnissen. Je weniger aber wir dem Kleinbürgertum erlaubten, unsere proletarische Demokratie misszuverstehen, desto zahmer und gefügiger wurde es uns gegenüber. Je schärfer und entschiedener man ihm gegenübertritt, desto williger duckt es sich, desto mehr Konzessionen macht es der Arbeiterpartei. Das haben wir gesehen.“ (MEW, Band 21, Seite 20/21).



Engels an August Bebel, 22./24. Juni 1885:

Diesen ganzen Unrat verdanken wir zum allergrößten Teil Liebknecht mit seiner Vorliebe für gebildete Klugscheißer und Leute in bürgerlichen Stellungen, womit man dem Philister gegenüber dicktun kann. Einem Literatus und einem Kaufmann, die mit dem Sozialismus liebäugeln, kann er nicht widerstehn. Das sind aber gerade in Deutschland die gefährlichsten Leute und die Marx und ich seit 1845 in einem fort bekämpft haben.“ (MEW, Band 36, Seite 335/336).



Engels an Friedrich Adolph Sorge – 29. April 1886:

Überhaupt ist es gut, dass den Deutschen, namentlich seitdem sie so viel Philisterelemente gewählt ( was freilich unvermeidlich war), die Führung etwas streitig gemacht wird. In Deutschland wird alles in ruhigen Zeiten philisterhaft; da ist der Stachel der französischen Konkurrenz absolut nötig. Und der wird nicht fehlen. Der französische Sozialismus ist plötzlich aus einer Sekte eine Partei geworden, und jetzt erst und dadurch erst der Massenanschluss der Arbeiter möglich, denn diese sind dort die Sektiererei übersatt, und das war das Geheimnis, weshalb sie der äußersten Bourgeoispartei anhingen, den Radikalen.“ (MEW, Band 36, Seite 479).



Engels an Friedrich Adolph Sorge – 29. November 1886:

Die Bewegung steht in Amerika da, wo sie bei uns vor 1848 stand, die wirklich intelligenten Leute dort werden zunächst die Rolle zu spielen haben, wie der Kommunistenbund vor 1848 unter den Arbeitervereinen. Nur dass es jetzt in Amerika unendlich schneller gehen wird; (...) jetzt wäre es doppelt nötig, dass auf unsrer Seite ein paar Leute da wären, die in der Theorie und altbewährten Taktik fest im Sattel sind und auch englisch sprechen und schreiben können, denn die Amerikaner sind aus guten Gründen in allen theoretischen Dingen himmelweit zurück, haben zwar keine mittelalterlichen Institutionen aus Europa herübergenommen, wohl aber Massen mittelalterlicher Tradition, Religion, englisches gemeines (feudales) Recht, Aberglauben, Spiritismus, kurz allen Blödsinn, der dem Geschäft nicht direkt schädlich war und jetzt zur Massenverdummung sehr brauchbar ist. Und wenn da theoretisch klare Köpfe vorhanden sind, die ihnen die Folgen ihrer eigenen Fehler vorhersagen können, ihnen klarmachen, wie jede Bewegung, die nicht die Vernichtung des Lonsystems als letztes Zielk stets im Auge behält, irregehn und fehlschlagen mussda kann mancher Unsinn vermieden und der Prozess wesentlich abgekürzt werden.“ (MEW, Band 36, Seite 578 und 579).



Engels an Friedrich Adolph Sorge – 7. Dezember 1889:

Das Widerwärtigste hier ist die den Arbeitern tief ins Fleisch gewachsene bürgerliche Philisterhaftigkeit. Sozial ist die Gliederung der Gesellschaft in zahllose, unbestritten anerkannte Abstufungen, von denen jede ihren eigenen Stolz, aber auch ihren angeborenen Respekt vor ihren `Besseren` und `Höheren` hat, so alt und fest gegründet, dass die Bourgeois noch immer das Ködern ziemlich leicht haben.“ (MEW, Band 37, Seite 321).



Engels an Friedrich Adolph Sorge – 9. August 1890:

(...) wer ernstlich arbeiten will, kann viel leisten und sich auszeichnen. Stattdessen aber dient die Phrase des historischen Materialismus (man kann eben alles zur Phrase machen) nur all zu vielen jüngeren Deutschen nur dazu, ihre eignen relativ dürftigen historischen Kenntnisse – die ökonomische Geschichte liegt ja noch in den Windeln! - schleunigst systematisch zurechtzukonstruieren und sich dann sehr gewaltig vorzukommen. (...) Einer der größten Dienste, die uns das Sozialistengesetz tat, war, uns von der Zudringlichkeit des sozialistisch angehauchten deutschen Studiosus zu befreien. Wir sind jetzt stark genug, auch den deutschen Studiosus verdauen zu können, der sich wieder sehr breit macht (...) Es ist manchmal, als glaubten diese Herren, es sei alles gut genug für die Arbeiter. Wenn diese Herren wüßten, wie Marx seine besten Sachen noch immer nicht gut genug für die Arbeiter hielt, wie er es für ein Verbrechen ansah, den Arbeitern etwas Geringeres als das Allerbeste zu bieten. (...) Aber diese naseweisen Literaten,die mit Gewalt ihren kolossalen Größenwahn befriedigen wollen, intrigieren und klüngeln aus Leibeskräften und bringen dadurch die Parteileitung, der sie viel ungewohnte Mühe und Ärger machen, in größeren Zorn, als sie verdienen. (...) Da schreien nun die Herren Literaten über Unterdrückung der freien Meinungsäußerung usw. (...) Einigen Anhang finden sie bei den Neuangeworbenen, die sich noch durch Phrasen bestechen lassen. Ich werde Bebel und Liebknecht (...) sehn und das Mögliche tun, dass ich sie von der Unklugheit überzeuge, die nicht auf schlagende Beweise von die Partei schädigenden Handlungen, sondern bloß auf Anklagen der Oppositionsmacherei gegründet sind. Die größte Partei im Reich kann nicht bestehen, ohne dass alle Schattierungen in ihr vollauf zu Worte kommen...“ (MEW, Band 37, Seite 439-440).



Engels an Otto von Boenigk, 21 August 1890

Wie Sie von Unbildung der Massen in Deutschland sprechen können nach dem glänzenden Beweis von politischer Reife, den unsre Arbeiter im siegreichen Kampf gegen das Sozialistengesetz gegeben haben, kann ich nicht einsehen. Der lehrhafte eingebildete Dünkel unsrer sogenannten Gebildeten scheint mir ein weit größeres Hindernis. Allerdings fehlt es uns noch an Technikern, Agronomen, Ingenieuren, Chemikern, Architekten usw., aber schlimmstenfalls können wir uns diese kaufen, ebensogut wie die Kapitalisten dies tun, und wenn an ein paar Verrätern – deren es sicher unter dieser Gesellschaft geben wird – ein derbes Exempel statuiert wird, so werden sie es in ihrem Interesse finden, uns nicht mehr zu bestehlen. Aber außer solchen Spezialisten, wozu ich auch die Schullehrer rechne, können wir sehr gut ohne die übrigen „Gebildeten“ fertig werden und ist z.B. der gegenwärtige starke Andrang von Literaten und Studenten zur Partei mit allerhand Schäden verknüpft, sobald diese Herren nicht in den gebührenden Schranken gehalten werden. (...) Das größte Hindernis sind die Kleinbauern und die zudringlichen superklugen Gebildeten, die alles in demselben Verhältnis besser wissen, als sie weniger davon verstehen. ( ... ) Sie sprechen von Abwesenheit einer gleichmäßigen Einsicht. Diese existiert – aber auf der Seite der aus adligen und bürgerlichen Kreisen hervorgegangenen Gebildeten, die gar keine Ahnung haben, wieviel sie noch von den Arbeitern zu lernen haben.“ (in: MEW, Band 37, Seite 447-448).



Engels an August Bebel, 24. - 26. Oktober 1891:

Um die Produktionsmittel in Besitz und Betrieb zu nehmen, brauchen wir Leute, die technisch vorgebildet sind, und zwar in Massen. Diese haben wir nicht, wir sind sogar bis jetzt ziemlich froh gewesen, dass wir von dem „gebildeten“ Volk großenteils verschont blieben. Jetzt ist das anders. Jetzt sind wir stark genug, jedes Quantum gebildeten Quarks vertragen und verdauen zu können; (...) Kommen wir dagegen durch einen Krieg vorzeitig ans Ruder, so sind die Techniker unsere prinzipiellen Gegner, betrügen und verraten uns, wo sie können; wir müssen den Schrecken gegen sie anwenden und werden doch beschissen. Es ist, was den französischen Revolutionären im Kleinen stets passierte, sie mussten, selbst in der gewöhnlichen Verwaltung die wirklich arbeitenden Unterposten mit den alten Reaktionären besetzt lassen, und diese hemmten und lähmten alles (...)“ (MEW, Band 38, Seite 189).



Engels an August Bebel – 9./10. November 1891:

Ich vergesse nicht, was Singer mir gelegentlich des Nonne sagte, von den Studenten, die die Furcht vor dem Examen in die Sozialdemokratie treibt“ (MEW, Band 38, Seite 212).



Engels, Einleitung zu „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“, 1892:

Wie man wohl weiß, besitzen wir Deutsche eine erschreckend gewichtige Gründlichkeit; einen fundamentalen Tiefsinn oder eine tiefsinnige Fundamentalität, wie man es immer nennen mag. So oft einer von uns etwas darlegt, was er als eine neue Doktrin ansieht, hat er es zunächst zu einem allumfassenden System auszuarbeiten. Er hat zu beweisen, dass sowohl die ersten Prinzipien der Logik als auch die Grundgesetze des Universums von aller Ewigkeit her zu keinem andern Zweck existiert haben als dazu, in letzter Instanz zu dieser neuentdeckten, allem die Krone aufsetzenden Theorie hinzuleiten. Und Dr. Dühring war in dieser Hinsicht ganz nach dem nationalen Standard (...) - drei dicke Oktavbände, schwerfällig von außen und von innen, drei Armeekorps von Argumenten, ins Feld geführt gegen alle vorhandenen Philosophen und Ökonomen im Allgemeinen und gegen Marx im Besonderen - (...) das war`s was ich aufs Korn nehmen sollte. (...) Immerhin gab mir die systematische Weitläufigkeit meines Opponenten Gelegenheit, in Opposition zu ihm und in einer zusammenhängenderenn Form als dies früher geschehn war, die von Marx und mir vertretenen Ansichten über diese große Mannigfaltigkeit von Gegenständen zu entwickeln. Und das war der Hauptgrund, der mich diese sonst undankbare Aufgabe in Angriff nehmen ließ.“ (MEW, Band 19, Seite 524-525).



Engels an Karl Kautsky – 1. Juni 1893

Es ist merkwürdig, wie sehr befangen alle diese „jebildeten Stände“ in ihrem Gesellschaftskreis sind. Diese Zentrums- und Freisinnsschwätzer, die jetzt noch bei der Opposition bleiben, vertreten Bauern, Kleinbürger, selbst noch Arbeiter. Und bei denen ist die Wut gegen die stets neu angezogene Steuerschraube und Rekrutenpresse unzweifelhaft da. Aber diese Volkswut wird den Herren Vertretern übermittelt durch jebildete Organe, Advokaten, Händler, Pfaffen, Schulmeister, Doktoren etc., Leute, die infolge ihrer allgemeineren Bildung ein klein wenig weiter sehn als die Parteimassen, die so viel gelernt haben, um zu wissen, dass ein großer Konflikt sie zwischen Regierung und uns zermalmen wird, und die daher den Konflikt vermeiden wollen – nur Kompromiss! Natürlich sehn sie nicht, dass diese Art, den Konflikt aufzuschieben, wenn er kommt, auszufechten.“ (MEW, Band 39, Seite 77).



Engels an Wilhelm Liebknecht, 22. November 1894:

Übrigens ist die Zunahme des kleinbürgerlichen Elements in einer wachsenden Arbeiterpartei unvermeidlich und auch kein Schaden. Ebenso wie die Zunahme der `Akademiker` , durchgefallenen Studenten etc. Vor ein paar Jahren waren sie noch eine Gefahr. Jetzt können wir sie verdauen. Aber man muss auch dem Verdauungsprozess seinen Lauf lassen. Dazu gehört Salzsäure; wenn nich genug vorhanden ist (...), soll man Bebel danken, wenn er sie zugießt, damit wir die nichtproletarischen Elemente eben gut verdauen. Darin besteht eben die Herstellung der wirklichen Harmonie in der Partei, nicht darin, dass man jede wirkliche innere Streitfrage wegleugnet und totschweigt.“ (MEW, Band 39, Seite 330-332).