Jenny Marx (von Westphalen)

 

zum 200. Geburtstag

12. Februar 1814

 

Jenny von Westphalen wurde am 12.02.1814 in einer adeligen Familie in Salzwedel geboren. Als junges Mädchen wurde sie gemeinsam mit Karl Marx unterrichtet. Mit der Hochzeit stellte sie ihr Leben in den Dienst der Arbeit ihres Mannes. Sie nannte sich “sein Sekretär”, war gleichermaßen seine Lektorin und Managerin. Sie hatte  entscheidenden Anteil daran, dass  ihr Mann sein Werk vollbringen konnte. Ihr Leben war gezeichnet durch die Fürsorge für die drei überlebenden Töchter, von insgesamt sieben Kindern, die sie unter teilweise sehr beengten Lebensumständen versorgte und grosszog. Jenny Marx starb nach langer und schwerer Krankheit mit 67 Jahren am 02. Dezember 1881 in London.

 

 

 

Jugendfreunde - haben zusammen studiert

 

 

Karl und Jenny

 

Jenny von Westphalen

zur Zeit ihrer Verlobung mit Karl Marx

 

 

 

Jenny Marx - ein Jahr nach der Hochzeit


 

 

Jenny Marx in den sechziger Jahren

 

Heinrich Heine bei Karl und Jenny Marx

Paris 1844

 

 

Engels mit Familie Marx

 

Sohn Edgar Marx

(wahrscheinlich von Friedrich Engels gezeichnet)

 

Eleanor Marx 1860

 

Tochter Eleanor

 

Tochter Eleanor

 

Eleanor Marx 1880

 

 

Eleanor Marx 1890

 

Tochter Laura

 

Tochter Laura

 

Laura Marx

 

Laura Marx 1850

 

 

Laura Marx 1870

Laura Marx 1870

 

 

 

Tochter Jenny Marx - 1850

 

Jenny Marx mit ihrer ältesten Tochter Jenny

(Foto aus den fünfziger Jahren)

 

Jenny und Jenny

 

Tochter Jenny - 1860

 

 

Tochter Jenny Longuet 1865

 

Tochter Jenny - 1880

 

Karl Marx mit seiner Tochter Jenny Marx

 

 

Jenny Marx 1870

 

 

Statue von Jenny Marx vor ihrem Geburtshaus in Salzwedel

 

 

 

Ehe und Familie

von Karl und Jenny Marx

 

 

KARL MARX ÜBER SEINE FRAU JENNY:

Marx an Engels, am 1. März 1982

Du weißt, dass wenige Leute demonstrativ vom Pathos mehr abgeneigt sind [als ich]; immerhin würde es eine Lüge sein zu bestreiten, dass mein Denken zum großen Teil durch Erinnerungen an meine Frau in Anspruch genommen wird, ein solches Stück vom schönsten Teil meines Lebens!

 

 

Friedrich Engels über Jenny Marx:

“Was eine solche Frau mit so scharfem, kritischem Verstande … geleistet hat, das hat sich nicht an die Öffentlichkeit vorgedrängt, das steht nicht in den Annalen der zeitgenössischen Presse verzeichnet.”

 

Friedrich Engels

Rede am Grabe von Jenny Marx

Gehalten am 5. Dezember 1881.
Aus dem Französischen.

["L'Égalité" Nr. 1 vom 11. Dezember 1881]

|293| Freunde!

 

Die Frau mit dem edlen Herzen, die wir heute beisetzen, wurde 1814 in Salzwedel geboren. Ihr Vater, Baron von Westphalen, war in Trier eng mit der Familie Marx befreundet; die Kinder der beiden Familien wuchsen zusammen heran. Als Marx die Universität bezog, hatten er und seine künftige Frau sich bereits entschieden, ihre Geschicke für immer zu verbinden.

Im Jahre 1843 fand die Hochzeit statt, nachdem Marx als Chefredakteur der ersten "Rheinischen Zeitung" bekannt geworden und die Zeitung von der preußischen Regierung unterdrückt worden war. Von da an hat Jenny die Schicksale, die Arbeiten, die Kämpfe ihres Mannes nicht bloß geteilt, sie hat daran mit dem höchsten Verständnis und mit der glühendsten Leidenschaft größten Anteil genommen.

Das junge Paar ging nach Paris; das freiwillige Exil wurde bald zum erzwungenen. Die preußische Regierung verfolgte Marx sogar in Paris. Mit Bedauern muß ich erwähnen, daß ein Mann wie A. v. Humboldt sich bereit fand, gemeinsam mit der preußischen Regierung zu erwirken, daß die Regierung Louis-Philippe Marx aus Frankreich auswies. Er begab sich nach Brüssel. Die Februarrevolution brach aus. Inmitten der Unruhen, die dieses Ereignis in Brüssel verursachte, verhaftete die belgische Polizei nicht nur Marx, sondern warf auch seine Frau ohne allen Anlaß ins Gefängnis.

Der revolutionäre Aufschwung von 1848 brach schon im nächsten Jahre zusammen. Von neuem begann das Exil, zuerst in Paris, dann, infolge Einmischung der französischen Regierung, in London. Diesmal war es ein Exil mit all seinem Elend. Alle üblichen Leiden der Verbannten hätte Jenny noch verwinden können, obgleich diese die Ursache waren für den Verlust von drei Kindern, darunter zwei Knaben; daß aber alle Parteien, die der |294| Regierung wie die der Opposition (Feudale, Liberale, sogenannte Demokraten) sich gegen ihren Gatten verschworen, ihn mit den elendesten und niederträchtigsten Verleumdungen überschütteten, daß die gesamte Presse sich ihm ausnahmslos verschloß, daß er hilf- und wehrlos dastand vor Gegnern, die er und sie verachteten - das hat sie tief getroffen. Und das dauerte jahrelang.

Aber es nahm ein Ende. Nach und nach kam die europäische Arbeiter" klasse in politische Bedingungen, die ihr einige Aktionsmöglichkeiten gaben. Die Internationale Arbeiterassoziation wurde gestiftet. Sie zog eine zivilisierte Nation nach der anderen in den Kampf, und in diesem Kampf kämpfte ihr Mann als erster unter den ersten. Endlich kam die Zeit, die ihre vergangenen Leiden zu lindern begann. Sie erlebte es, daß die niederträchtigen Verleumdungen, die hageldicht auf ihren Mann herabgeregnet, wie Spreu zerstoben; sie erlebte es, die Lehren ihres Mannes, die die Reaktionäre aller Länder versucht hatten zu ersticken, frei und siegreich in allen zivilisierten Ländern, in allen zivilisierten Sprachen verkündet zu hören. Sie erlebte es, daß die revolutionäre Bewegung des Proletariats, ihres Sieges bewußt, ein Land nach dem anderen, von Rußland bis Amerika, erfaßte. Eine ihrer letzten Freuden war noch, als sie auf ihrem Sterbebett den schlagenden Beweis der unverwüstlichen Lebenskraft erhielt, den die deutsche Arbeiterklasse trotz aller Ausnahmegesetze bei den letzten Wahlen erbracht hat.

Was eine solche Frau, mit so scharfem und so kritischem Verstande, mit einem politisch so sicheren Takt, mit solch einer leidenschaftlichen Energie, solch großer Kraft der Hingabe, in der revolutionären Bewegung geleistet, das hat sich nicht an die Öffentlichkeit vorgedrängt, ist niemals in den Spalten der Presse erwähnt worden. Was sie getan hat, wissen nur die, die mit ihr gelebt haben. Aber ich weiß, daß wir oft ihre kühnen und klugen Ratschläge vermissen werden - kühn ohne Prahlerei, klug, ohne der Ehre je etwas zu vergeben.

Von ihren persönlichen Eigenschaften brauche ich nichts zu sagen. Ihre Freunde kennen diese Eigenschaften und werden sie niemals vergessen. Wenn es jemals eine Frau gab, die ihr größtes Glück darin gesehen hat, andere glücklich zu machen, so war es diese Frau.

 

 

 

LENIN ÜBER JENNY MARX:

 

Im Jahre 1843 vermählte sich Marx in Kreuznach mit Jenny von Westphalen, seiner Jugendfreundin, mit der er schon als Student verlobt war. Seine Frau entstammte einer reaktionären preußischen Adelsfamilie. Ohr älterer Bruder war preußischer Innenminister in einer der reaktionärsten Epichen, 1850 - 1858.

(Lenin, Band 21, Seite 35)

Am 2. Dezember 1881 starb seine Frau. Am 14. März 1883 entschlief Marx still in seinem Lehnstuhl.

(Lenin, Band 21, Seite 38)

 

 

 

 

 

 

 

JENNY MARX (von Westphalen)

BRIEFE

 

Jenny Marx an Joseph Weydemeyer in Frankfurt a.M.

London, den 20. Mai [1850]

Lieber Herr Weydemeyer!

Bald ist ein Jahr verflossen, seit ich bei Ihnen und Ihrer lieben Frau eine so freundliche, herzliche Aufnahme fand, seit ich mich in Ihrem Hause so wohl und heimisch fühlte, und in der ganzen langen Zeit habe ich kein Lebenszeichen von mir gegeben; ich schwieg, als Ihre Frau mir so freundlich schrieb, ich blieb selbst stumm, als wir die Kunde von der Geburt Ihres Kindes erhielten. Dies Verstummen hat mich oft selbst gedrückt, aber ich war meistens unfähig zu schreiben, und selbst heute noch wird es mir schwer, sehr schwer.

Allein die Verhältnisse zwingen mir die Feder in die Hand - ich bitte Sie, uns die von der "R e v u e" e i n g e g a n g e n e n o d e r e i n g e h e n d e n G e l d e r s o b a l d al s m ö g l i c h z u s c h i c k e n. Wir haben s i e s e h r, s e h r n ö t i g. Es kann uns sicher niemand nachsagen, daß wir je viel Wesens von dem gemacht haben, was wir seit Jahren geopfert und ertragen haben, das Publikum ist wenig oder fast nie mit unsern persönlichen Angelegenheiten behelligt worden, mein Mann ist in diesen Dingen sehr empfindlich, und er opfert lieber das Letzte auf, als daß er sich zu demokratischen Betteleien, wie die großen offiziellen Männer, hergeben sollte.

Was er aber wohl von seinen Freunden, namentlich in Köln, erwarten konnte, war eine tätige, energische Teilnahme für seine "Revue". Diese Teilnahme konnte er vor allem da erwarten, wo seine Opfer für die "Rh.Ztg." 1*) bekannt waren. Statt dessen ist aber das Geschäft durch nachlässige, unordentliche Betreibung gänzlich ruiniert worden, und man weiß nicht, ob die Verschleppung des Buchhändlers oder die der Geschäftsführer und Bekannten in Köln, oder ob das ganze Benehmen der Demokratie überhaupt am schädlichsten waren.

Mein Mann ist hier fast erdrückt worden von den kleinlichsten Sorgen des bürgerlichen Lebens, und zwar in einer so empörenden Form, daß die ganze Energie, das ganze ruhige, klare, stille Selbstbewußtsein seines Wesens nötig waren, um ihn in diesen täglichen, stündlichen Kämpfen aufrechtzuerhalten. Sie wissen, lieber Herr Weydemeyer, welche Opfer

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1*) "Neue Rheinische Zeitung"

#608# 6 - Jenny Marx an Joseph Weydemeyer - 20. Mai 1850

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mein Mann der Zeit[ung] brachte, Tausende steckte er bar hinein, das Eigentum der Zeitung übernahm er, beschwatzt durch die demokratischen Biedermänner, die sonst selbst für die Schulden hätten haften müssen, zu einer Zeit, wo schon wenig Aussicht mehr zur Durchführung da war. Um die politische Ehre des Blatts, um die bürgerliche Ehre der Kölner Bekannten zu retten, ließ er sich alle Lasten aufbürden, seine Maschine gab er hin, alle Einnahmen gab er hin, ja beim Fortgehn borgte er 300 Reichstaler, um die Miete für das neugemietete Lokal, um die rückständigen Honorare für Redakteure etc. zu zahlen - und er war gewaltsam vertrieben.

Sie wissen, daß wir von allem nichts für uns übrigbehalten, ich kam nach Frankfurt, um mein Silber zu versetzen, das Letzte, was wir hatten [416]; in Köln ließ ich meine Möbel verkaufen, weil ich Gefahr lief, Wäsche und alles mit Beschlag belegt zu sehen.

Mein Mann ging beim Anbrechen der unglücklichen Epoche der Kontrerevolution nach Paris, ich folgte ihm mit meinen drei Kindern

2*). Kaum in Paris eingewohnt, wird er vertrieben, mir selbst und meinen Kindern wird der längere Aufenthalt versagt. Ich folge ihm wieder übers Meer. Nach einem Monat wird unser 4tes Kind 3*) geboren. Sie müßten London und die hiesigen Verhältnisse kennen, um zu wissen, was es heißt, 3 Kinder und die Geburt eines 4ten. Miete allein mußten wir monatlich 42 Taler bezahlen. Alles dieses waren wir imstande, aus eignem aufgenommenem Vermögen zu bestreiten. Aber unsre kleinen Ressourcen erschöpften sich, als die "Revue" erschien. Trotz Übereinkunft trafen die Gelder nicht ein und erst in einzelnen kleinen Summen, so daß wir hier in die schrecklichsten Lagen gerieten.

Ich werde Ihnen nur E i n e n Tag aus diesem Leben schildern, so wie er war, und Sie werden sehen, daß vielleicht wenig Flüchtlinge ähnliches durchgemacht haben. Da die Ammen hier unerschwinglich sind, entschloß ich mich, trotz beständiger schrecklicher Schmerzen in der Brust und im Rücken, mein Kind selbst zu nähren. Der kleine arme Engel trank aber mir so viel Sorgen und stillen Kummer ab, daß er beständig kränkelte, Tag und Nacht in heftigen Schmerzen lag. Seit er auf der Welt ist, hat er noch keine Nacht geschlafen, höchstens 2 bis 3 Stunden. In der letzten Zeit kamen nun noch heftige Krämpfe hinzu, so daß das Kind beständig zwischen Tod und elendem Leben schwankte. In diesen Schmerzen sog er so stark, daß meine Brust wund ward und aufbrach; oft strömte das Blut ihm in sein kleines bebendes Mündchen. So saß ich eines Tages da, als plötzlich unsre Hauswirtin, der wir im Lauf des Winters über 250 Reichstaler gezahlt, und mit der wir kontraktlich übereingekommen waren, das spätere Geld nicht ihr, sondern ihrem Landlord auszuzahlen, der sie früher hatte pfänden lassen, eintrat und den Kontrakt leugnete, die 5 £, die wir ihr noch schuldeten, forderte, und als wir sie nicht gleich hatten (Nauts Brief kam zu spät),

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2*) Jenny, Laura und Edgar - 3*) Heinrich Guido

#609# 6 - Jenny Marx an Joseph Weydemeyer - 20. Mai 1850

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traten zwei Pfänder ins Haus, legten all meine kleine Habe mit Beschlag, Betten, Wäsche, Kleider, alles, selbst die Wiege meines armen Kindes, die beßren Spielsachen der Mädchen, die in heißen Tränen dastanden. In 2 Stunden drohten sie alles zu nehmen - ich lag dann auf der flachen Erde mit meinen frierenden Kindern, meiner wehen Brust. Schramm 4*), unser Freund, eilt in die Stadt, um Hülfe zu scharfen. Er steigt in ein Kabriolett, die Pferde gehn durch, er springt aus dem Wagen und wird uns blutend ins Haus ge- bracht, wo ich mit meinen armen zitternden Kindern jammerte.

Den Tag drauf mußten wir aus dem Hause, es war kalt und regnicht und trüb, mein Mann sucht uns eine Wohnung, niemand will uns nehmen, wenn er von 4 Kindern spricht. Endlich hilft uns ein Freund, wir bezahlen und ich verkaufe rasch alle meine Betten, um die vom Skandal der Pfändung ängstlich gemachten Apotheker, Bäcker, Fleischer, Milchmann zu bezahlen, die plötzlich mit ihren Rechnungen auf mich losgestürmt kommen. Die verkauften Betten werden vor die Tür gebracht, auf eine Karre geladen - was geschieht? - Es war spät nach Sonnenuntergang geworden, das englische Gesetz verbietet das, der Wirt dringt mit Konstablern vor, behauptet, es könnten auch von seinen Sachen dabei sein, wir wollten durchgehn in ein fremdes Land. In weniger als 5 Minuten stehen mehr als 2- 3 hundert Menschen gaffend vor unsrer Tür, der ganze Mob von Chelsea. Die Betten kommen zurück, erst am anderen Morgen nach Sonnenaufgang durften sie dem Käufer übergeben werden; als wir nun so durch den Verkauf unserer sämtlichen Habseligkeiten instand gesetzt waren, jeden Heller zu zahlen, zog ich mit meinen kleinen Lieblingen in unsre jetzigen kleinen 2 Stübchen im Deutschen Hotel, 1 Leicester Street, Leicester Square, wo wir für 5 1/2 £ die Woche menschliche Aufnahme fanden.

Verzeihen Sie, lieber Freund, daß ich so breit und weitläufig selbst nur Einen Tag unsres hiesigen Lebens Ihnen geschildert; es ist unbescheiden, ich weiß es, aber mein Herz strömte heut abend in meine zitternden Hände, und ich mußte einmal mein Herz ausschütten vor Einem unsrer ältesten, besten und treusten Freunde. Glauben Sie nicht, daß mich diese kleinlichen Leiden gebeugt haben, ich weiß nur zu gut, wie unser Kämpfen kein isoliertes ist und wie ich namentlich noch zu den auserwählt Glücklichen, Begünstigten gehöre, da mein teurer Mann, die Stütze meines Lebens, noch an meiner Seite steht. Allein was mich wirklich bis ins Innerste vernichtet, mein Herz bluten macht, das ist, daß mein Mann so viel Kleinliches durchzumachen hat, daß ihm mit so wenig zu helfen gewesen wäre, und daß er, der so vielen gern und freudig half, hier so hilflos stand. Aber, wie gesagt, glauben Sie nicht, lieber Herr Weydemeyer, daß wir an irgend jemand Ansprüche machen, wenn wir von i r g e n d j e m a n d V o r s c h ü s s e e r h a l t e n, so ist mein Mann n o c h i m s t a n d e, d u r c h s e i n V e r m ö g e n s i e z u e r s t a t t e n. Das einzige, was mein Mann wohl von denen verlangen konnte, die manchen Gedanken,

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4*) Conrad Schramm

#610# 6 - Jenny Marx an Joseph Weydemeyer - 20. Mai 1850

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manche Erhebung, manchen Halt von ihm hatten, war, bei seiner "Revue" mehr geschäftliche Energie, mehr Teilnahme zu entwickeln.

Das bin ich so stolz und kühn zu behaupten, das wenige war man ihm schuldig. Auch weiß ich nicht, ob mein Mann nicht mit vollem Recht 10 Sgr. an seinen Arbeiten verdient hat. I c h g l a u b e, e s w a r d a b e i n i e m a n d b e t r o g e n. Das schmerzt mich. Aber mein Mann denkt anders. Er hat noch nie, selbst in den schrecklichsten Momenten, die Sicherheit der Zukunft, selbst den heitersten Humor verloren und war ganz zufrieden, wenn er mich heiter sah und unsere lieblichen Kinder um ihr liebes Mömchen herumschmeichelten. Er weiß nicht, daß ich Ihnen, lieber Herr Weydemeyer, so weitläufig über unsere Lage geschrieben, machen Sie daher auch keinen Gebrauch von diesen Zeilen. Er weiß nur, daß ich Sie in seinem Namen gebeten habe, die Vertreibung und Übersendung der Gelder soviel als irgend möglich zu beschleunigen. Ich weiß, daß Sie von diesen Zeilen nur den Gebrauch machen, den Ihnen Ihre t a k t v o l l e, d i s k r e t e Freundschaft für uns eingibt.

Leben Sie wohl, lieber Freund. Ihrer lieben Frau sagen Sie das Herzlichste von mir, und Ihren kleinen Engel küssen Sie von einer Mutter, die manche Träne auf ihren Säugling niedertröpfeln ließ.

Sollte Ihre Frau selbst stillen, so teilen Sie ihr nichts mit von diesem Brief. Ich weiß, wie jede Aufregung angreifend ist und den kleinen Würmchen schadet. Unsere drei ältesten Kinder gedeihen prächtig, trotz alledem und alledem. Die Mädchen sind hübsch, blühend, heiter und guter Dinge, und unser dicker Junge ist ein Ausbund von komischem Humor und der drolligsten Einfälle voll.

Der kleine Kobold singt den ganzen Tag komische Lieder mit ungeheurem Pathos und einer Riesenstimme, und wenn er die Worte aus Freiligraths Marseillaise

"O Juni, komm und bring uns Taten, Nach frischen Taten lechzt das Herz" [448] mit furchtbarer Stimme erschallen läßt, dröhnt das ganze Haus.

Vielleicht ist es der weltgeschichtliche Beruf dieses Monats, wie seiner beiden unglücklichen Vorgänger, den Riesenkampf zu eröffnen, bei dem wir uns alle wieder die Hand reichen werden.

Leben Sie wohl.

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Jenny Marx an Adolf Cluß in Washington

[London, 28. Oktober 1852]

 

Lieber Herr Cluß!

Sie werden den kommunistischen Monstre-Prozeß nach der "Kölnischen Zeitung" verfolgt haben. Die Sitzung vom 23. Oktober gab dem Ganzen nun eine so großartige, interessante und für die Angeklagten günstige Wendung, daß wir alle anfangen, uns wieder etwas zu fühlen. [601] Sie können denken, daß die "Partei Marx" Tag und Nacht tätig ist und mit Kopf, Händen und Füßen zu arbeiten hat. Diese Überbeschäftigung ist auch der Grund, weshalb ich heute wieder als stellvertretender Berichterstatter vor Ihnen erscheine. Der Intimus des Herrn Willich, Herr Dietz, jetzt auch in Amerika, hat sich sämtliche Aktenstücke, Briefe, Protokolle etc. etc. der Willichschen Clique s t e h l e n l a s s e n. Sie wurden von der Anklage als Beweis der gefährlichen Tätigkeit der Partei vorgebracht. Um nun die Angeklagten damit in Verbindung zu bringen, ward ein künstlicher Zusammenhang meines Mannes mit dem notorischen Spion Cherval ersonnen. So wurde mein Mann die Brücke, das künstliche Mittelglied, zwischen den theoretischen Kölnern [7] und den Tatenmännern, Mordbrennern und Plünderern in London. Stieber und die Anklage hatten sich Kolossales von diesem Coup erwartet. Er verpuffte in der Luft. Neue Effekte mußten her- vorgerufen werden, und so entstand das Lügengewebe der Sitzung vom 23. Oktober. Alles, was die Polizei vorgebracht, ist Lüge.

Sie stiehlt, fälscht, erbricht Pulte, schwört falsche Eide, zeugt falsch, und zu alledem behauptet sie, das Privilegium zu haben gegenüber den Kommunisten, die hors [de] la société 1*) stehn!

Dies und die Manier, wie die Polizei in ihrer schuftigsten Gestalt alle Funktionen des öffentlichen Ministeriums übernimmt, den Saedt in den Hintergrund drängt, unbeglaubigte Zettel, bloße Gerüchte, Rapporte, Hörensagen als wirklich gerichtlich erwiesene Tatsachen, als Beweise vorbringt, ist wahrhaft haarsträubend. Von hier aus mußten sämtliche Beweise der Fälschung beigebracht werden. Mein Mann hatte also den ganzen Tag bis in die Nacht hinein zu arbeiten. Von den Wirten mußten amtlich beglaubigte Zeugnisse beigebracht werden, ebenso mußten die Handschriften der angeblichen Protokollführer Liebknecht und Rings amtlich beglaubigt wer- den zum

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1*) außerhalb der Gesellschaft

#641# 6 - Jenny Marx an Adolf Cluß - 28. Oktober 1852

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Beweis der Polizeifälschung. Dann mußten sämtliche Sachen, 6-8 mal abgeschrieben, auf den verschiedensten Wegen nach Köln spediert werden, über Frankfurt, Paris etc., da alle Briefe an meinen Mann sowie alle Briefe von hier nach Köln 2*) erbrochen und unterschlagen werden. Das Ganze ist jetzt ein Kampf zwischen der Polizei einerseits und meinem Mann andrerseits, dem man alles, die ganze Revolution, selbst die Leitung des Prozesses in die Schuhe schiebt. Stieber hat jetzt zuletzt meinen Mann als östreichischen Spion ausgeschrien. Dafür hat mein Mann einen prächtigen Brief von Stieber an ihn aus der Zeit der "N[euen] Rheinischen] Zeitung" aufgefunden, der wahrhaft blamierend ist.

3*) Ebenso fanden wir noch einen Brief von Becker, wo er sich über Willichs Narrheiten und dessen "Militärverschwörungen" lustig macht. 4*) Willich, aus Haß gegen Becker, hat den Zeugen Lieutnant Hentze, von dem er bisher Almosen bekommen, hier in London instruiert. Kurz und gut, es werden Dinge vorkommen, die man nicht glauben würde, wenn man sie nicht selbst erlebte. Alle diese Polizeigeschichten lenken nun das Publikum und somit die Geschwornen von der eigentlichen kommunistischen Anklage ab, und der Haß der Bourgeois gegen die entsetzlichen Mordbrenner wird paralysiert durch den horror vor der Niederträchtigkeit der Polizei, so daß man jetzt selbst an die Freisprechung unsrer Freunde glauben kann. Der Kampf mit dieser mit Geld und allen Kampfesmitteln ausgerüsteten offiziellen Macht ist natürlich ganz interessant und um so glorreicher, wenn er für uns siegreich ausfallen sollte, als auf der einen Seite Geld und Macht und alles steht, während wir oft nicht wußten, wo das Papier herholen, um die Briefe zu schreiben etc. etc.

Beiliegende Erklärung haben heute F[reiligrath], Marx, Engels und Wolff erlassen. 5*) Wir schicken sie heut an die "Tribune". Sie können sie auch publizieren.

Entschuldigen Sie mein konfuses Schreiben, aber ich habe auch et- was in der Intrige mitgewirkt und abgeschrieben, daß mir die Finger brennen. Daher das Durcheinander. Ihr Aufsatz aus der "Turn- Zeitung" [602] hat hier großen Beifall gefunden. Mein Mann fand ihn ausgezeichnet und namentlich auch stilistisch sehr brillant.

Andre haben Sie lieber in Ihrer weniger theoretischen Schreibmanier und wünschten, daß Sie stets der alte, humoristische, fidele Cluß bleiben möchten.

Eben kommen von Weerth und Engels ganze Packe von Kaufmannsadressen und kaufmännischen Scheinbriefen an, um die Aktenstücke, Briefe etc. zu befördern.

[An dieser Stelle folgt im Original die erwähnte, von Wilhelm Wolff abgeschriebene Erklärung 5*).]

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2*) Im Original: London - 3*) siehe vorl. Band, S. 172/173 -

4*) ebenda, S. 170 - 5*) Karl Marx/Friedrich Engels: "Erklärung an die Redaktionen englischer Zeitungen"

#642# 6 - Jenny Marx an Adolf Cluß - 28. Oktober 1852

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Eben kommt wieder eine Ladung kolossalen Scandales mit den "Kölnischen" an. Zwei Depeschen gehen sogleich wieder unter Kaufmannsadressen ab. Bei uns ist jetzt ein ganzes Büro etabliert.

Zwei, drei schreiben, andre laufen, die andren schrappen die Pennies zusammen, damit die Schreiber fortexistieren und Beweise des unerhörtesten Skandals gegen die alte offizielle Welt beibringen können. Dazwischen singen und pfeifen meine 3 fidelen Kinder 6*) und werden oft hart angerannt von ihrem Herrn Papa.

Das ist ein Treiben. Leben Sie wohl, lieber Herr Cluß, und schreiben Sie bald wieder an Ihre Freunde.

Mit hoher obrigkeitlicher Erlaubnis Jenny Marx

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6*) Jenny, Laura und Edgar Marx