1879 - 1893

Friedrich Engels



Über Paul Singer

Zitate aus Briefen von Engels ( anfangs z. T. noch in Zusammenarbeit mit Marx)

im Zeitraum von 1879 bis 1893



zusammengestellt von Wolfgang Eggers

aus Anlass des 100. Todestages von Paul Singer ( 31. Januar 1911)

herausgegeben von der Kommunistischen Internationale (Stalinisten-Hoxhaisten) am 31. 1. 2011







Brief Nr. 174 –

Brief von Marx und Engels an August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Wilhelm Bracke u.a.

in Leipzig (Zirkularbrief)

(Entwurf) London, 17. / 18. September 1879

MEW, Band 34, Seite 396

Marx bezeichnete diesen Brief als Zirkular – bestimmt für die Parteiführung. Von allen Briefen, die Marx und Engels im Zusammenhang mit der Gründung des illegalen Parteiorgans „Der Sozialdemokrat“ geschrieben haben, kommt dem Zirkularbrief die größte Bedeutung zu. Marx und Engels konzentrierten sich hier auf den Kampf gegen den Rechtsopportunismus, der damals die Hauptgefahr für die Partei darstellte. Dieser Brief diente jedoch nicht nur der richtigen Orientierung der Partei auf eine revolutionäre Politik gegenüber dem Sozialistengesetz, sondern er war und ist überhaupt als Beitrag zur Lehre von der Partei im 19. Jahrhundert von grundsätzlichem politischem und theoretischem Wert. Die Kerngedanken haben bis zur Gegenwart nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt.

Paul Singer stellte sich als einer der fähigsten Organisatoren in der Parteiführung heraus , besonders unter den illegalen Bedingungen des Sozialistengesetzes u.a. was zum Beispiel das illegale Parteiorgan „Sozialdemokrat“ in Zürich anbelangte:

über die Stellung des Redakteurs zu den Zürichern. Sie sind eine Redaktionskommission; sie haben auch die politische Verantwortung; ohne ihre Mitwirkung kann keine Redaktion übernommen werden. Kurz, Hirsch wird einfach darauf hingewiesen, sich mit den 3 Leuten in Zürich zu verständigen, deren namen ihm noch immer nicht angegeben sind. Damit aber die Konfusion vollständig werde, schreibt Liebknecht eine nachricht unter den Brief Vierecks: „Soeben war Singer aus Berlin hier und berichtete: Die Aufsichtskommission in Zürich ist nicht, wie Viereck meint, eine Redaktionskommission, sondern wesentlich Verwaltungskommission, die der Partei, d.i. uns gegenüber für das Blatt finanziell verantwortlich ist; natürlich haben die Mitglieder auch das Recht und die Pflicht, sich mit Dir über die Redaktion zu besprechen ( ein Recht und eine Pflicht, die beiläufig jeder Parteigenosse hat); Dich unter Kuratel zu stellen, sind sie nicht befugt.“ (Seite 396)

. „Es ist eine im Gang der Entwicklung begründete, unvermeidliche Erscheinung, dass auch Leute aus der bisher herrschenden Klasse sich dem kämpfenden Proletariat anschließen und ihm Bildungselemente zuführen. Das haben wir schon im `Manifest` klar ausgesprochen. Es ist aber hierbei zweierlei zu bemerken:

. Erstens (...) Solche Bildungselemente, deren erstes Prinzip ist zu lehren, was sie nicht gelernt haben, kann die Partei gut entbehren.

Zweitens. Wenn solche Leute aus anderen Klassen sich der proletarischen Bewegung anschließen, so ist die erste Forderung, dass sie keine Reste von bürgerlichen, kleinbürgerlichen etc. Vorurteilen mitbringen, sondern sich die proletarische Anschauungsweise unumwunden aneignen. Jene Herren aber, wie nachgewiesen, stecken über und über voll bürgerlicher und kleinbürgerlicher Vorstellungen. In einem so kleinbürgerlichen Land wie Deutschland haben diese Vorstellungen sicher ihre Berechtigung. Aber nur AUSSERHALB der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Wenn die Herren sich als sozialdemokratische Kleinbürgerpartei konstituieren, so sind sie in ihrem vollen Recht; man könnte dann mit ihnen verhandeln, je nach Umständen Kartell schließen etc. Aber in einer Arbeiterpartei sind sie ein fälschendes Element. Sind Gründe da, vorderhand darin zu dulden, so besteht die Verpflichtung, sie NUR zu dulden, ihnen keinen Einfluss auf Parteileitung zu gestatten, sich bewusst zu bleiben, dass der Bruch mit ihnen nur eine Frage der Zeit ist. Diese Zeit scheint übrigens gekommen. Wie die Partei die Verfasser dieses Artikels noch länger in ihrer Mitte dulden, kann, erscheint uns unbegreiflich. Gerät aber solchen Leuten gar die Parteileitung mehr oder weniger in die Hand, so wird die Partei einfach entmannt, und mit der proletarischen Schneid` ist`s am End.“



Marx und Engels sprachen offen aus, was diese Herren tatsächlich beabsichtigten:Wählt also Bourgeois! Kurz: die Arbeiterklasse aus sich selbst ist unfähig, sich zu befreien. Dazu muss sie unter die Leitung `gebildeter und besitzender` Bourgeois treten, die allein `Gelegenheit und Zeit haben` , sich mit dem vertraut zu machen, was den Arbeitern frommt. Und zweitens ist die Bourgeoisie beileibe nicht zu bekämofen, sondern durch energische Propaganda – zu gewinnen. ( MEW, Band 34, Seite 394-408).

Was uns betrifft, so steht uns nach unsrer ganzen Vergangenheit nur ein Weg offen. Wir haben seit fast 40 Jahren den Klassenkampf als nächste treibende Macht der Geschichte, und speziell den Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat als den großen Hebel der modernen sozialen Umwälzung hervorgehoben; wir können also unmöglich mit Leuten zusammengehn, die diesen Klassenkampf aus der Bewegung streichen wollen. Wir haben bei Gründung der Internationale ausdrücklich den Schlachtruf formuliert: Die Befreiung der Arbeiterklasse muss das Werk der Arbeiterklasse selbst sein. Wir können also nicht zusammengehn mit Leuten, die es offen aussprechen, dass die Arbeiter zu ungebildet sind, sich selbst zu befreien und erst von oben herab befreit werden müssen durch philanthropische Groß- und Kleinbürger. Wird das neue Parteiorgan eine Haltung annehmen, die den Gesinnungen jener Herren entspricht, bürgerlich ist und nicht proletarisch, so bleibt uns nichts übrig, so leid es uns tun würde, als uns öffentlich dagegen zu erklären und die Solidarität zu lösen, mit der wir bisher die deutsche Partei dem Ausland gegenüber vertreten haben. Doch dahin kommts hoffentlich nicht. Dieser Brief ist bestimmt zur Mitteilung an alle 5 Mitglieder der Kommission in Deutschland sowie an Bracke … Der Mitteilung an die Züricher steht ebenfalls nichts im Wege. (Seite 407 - 408)





Brief Nr. 176 –

Marx an Friedrich Adolph Sorge

London, 19. September 1879

MEW, Band 34, Seite 411 - 412

Bebel schrieb uns, man wolle ein Parteiorgan in Zürich gründen und verlangte unsere Namen als Mitarbeiter. Darauf nahmen wir an, da … Hirsch … uns … Sicherheit biete, dass solche Doktoren – und Studenten – etc. Pack und Kathedersozialistengesindel, wie es sich in „Zukunft“ etc. breitmacht und auch schon in das „Vorwärts“ einzudringen begann, ferngehalten und die Parteilinie strikt eingehalten würde. Aber nun zeigt sich, dass Hirsch ein Wespennest in Zürich entdeckt hatte. Die 5 Männer … Dr. Höchberg, ...Jüdel Bernstein, sein Sekretär … Schramm, … Viereck … und Kaufmann Singer aus Berlin (Kleinbürger, Bauch, hatte mich vor einigen Monaten besucht), diese 5 Männer konstituierten sich … als konstituierendes Komitee und ernannten als Verwaltungs – und die Redaktion beaufsichtigendes Komitee in Zürich das Trio (Höchberg – Bernstein – Schramm), das in erster Instanz zu entscheiden habe. …. Es sind arme konterrevolutionäre Zungendrescher. … Nun gut. Das wöchentliche Organ erscheint nun ( oder soll erscheinen) in Zürich, unter ihrer Aufsicht und Oberaufsicht der Leipziger. (Redakteur Vollmar.)

Zunächst hagelte es von Seiten Marx' und Engels' harsche Kritik an Paul Singer – zu Recht ! Paul Singer, der im Mai 1882 in London weilte, tauschte mit Engels seine Ansichten über den Charakter des Bismarck'schen 'Regierungssozialismus' aus und holte sich Rat hinsichtlich der einzuschlagenden Taktik der Partei. Singer erkannte damals noch nicht die reaktionären Ziele, die Bismarck mit seinen Verstaatlichungsbestrebungen verfolgte. Mit Engels Hilfe überwand Singer jedoch sehr bald diese theoretischen Unklarheiten.



Brief Nr. 79 –

Engels an August Bebel in Leipzig

London, 16. Mai 1882

MEW, Band 35, Seite 323

Vorgestern war Singer bei mir. Von ihm erfuhr ich, dass die Deckadresse noch gut ist, worüber ich, da wir sie solange nicht benutzt, nicht ganz sicher war. Er hat ein andres Bedenken. Er gehört zu denen, die in der Verstaatlichung von irgend etwas eine halbe oder doch vorbereitend sozialistische Maßregel sehn und daher für Schutzzölle, Tabaksmonopol, Eisenbahnverstaatlichung usw. im Geheimen schwärmen. Es sind das Flausen, die aus dem einseitig übertriebnen Kampf gegen das Manchestertum herüber vererbt sind und namentlich bei den zu uns gekommenen bürgerlichen und studierten Elementen viel Anhang haben, weil sie ihnen in der Debatte mit ihrer bürgerlichen und „jebildeten“ Umgebung das Spiel erleichtern. Ihr habt den Punkt neulich in Berlin, wie er sagte, debattiert, und er ist glücklicherweise überstimmt worden. Wir dürfen uns wegen solcher kleinen Rücksichten weder politisch noch ökonomisch blamieren. Ich suchte ihm klarzumachen: 1. dass Schutzzölle nach unsrer Ansicht in Deutschland total verkehrt sind (in Amerika dagegen nicht), weil unsre Industrie sich unter Freihandel entwickelt hat und Export fähig geworden ist, für diese Exportfähigkeit aber die Konkurrenz des ausländischen Halbfabrikats auf dem innern Markte absolut bedarf; dass eine Eisenindustrie, die 4mal mehr produziert, als das Inland braucht, den Schutzzoll nur gegen das Inland benutzt, dajejen, wie die Tat beweist, im Ausland zu Schleuderpreisen losschlägt; 2. dass das Tabaksmonopol eine so minime Verstaatlichung ist, dass es uns nicht einmal als Exempel in der Debatte nützen kann, das im Übrigen es mir Wurst ist, ob Bismarck es durchsetzt oder nicht, indem das Eine wie das Andere schließlich nur zu unserm Nutzen ausschlagen muss; 3. dass die Eisenbahnverstaatlichung nur den Aktionären nützt, die ihre Aktien über den Wert verkaufen, uns aber gar nicht, weil wir mit den paar großen Kompagnien ebenso rasch fertig werden wie mit dem Staat, falls wir diesen erst haben; dass die Aktiengesellschaften den Beweis bereits geliefert haben, wie sehr der Bourgeoisie als solcher überflüssig ist, indem die ganze Verwaltung von salarierten Beamten geleistet wird und die Verstaatlichung hierzu keinen neuen Beweisgrund hinzufügt. Er hat sich aber die Sache zu fest in den Kopf gesetzt und war nur darüber mit mir einig, dass vom politischen Standpunkt Eure ablehnende Haltung die einzig korrekte sei.









Brief Nr. 124

Engels an Eduard Bernstein in Zürich

London, 8. Februar 1883

MEW, Band 35, Seite 427

Inzwischen scheint mir ein spezieller Angriff auf den Bismarck-Sozialismus veraltet zu sein. Vierecks Blättchen („Süddeutsche Post“) hat alle Neigung dahin verloren, Singer, der das vorletzte Mal stark an Verstaatlichungssucht litt, war das letzte Mal frei davon und ordentlich revolutionär.





Brief Nr. 83

Engels an Eduard Bernstein in Zürich

London, 23. Mai 1884

MEW, Band 36, Seite 150

Singer war hier. Ich habe ihm u.a. meine Ansicht wegen der Taktik bei Stichwahlen gesagt. Ich halte es nämlich für Unsinn, dafür eine für alle Fälle gültige Regel aufstellen zu wollen, die ja auch in Wirklichkeit nie eingehalten wird. Wir haben da eine große Macht in der Hand, die total unbenutzt bleibt, wenn Wahlenthaltung in allen Fällen proklamiert wird, wo keiner der Unsrigen in der Stichwahl. In Wirklichkeit haben sich ja auch immer in solchen Fällen Wahlverträge, z.B. mit dem Zentrum, von selbst gemacht: wir stimmen da für Euch, wenn ihr dort für uns stimmt, und haben uns manchen Sitz verschafft. Ich sagte ihm sogar, dass z.B. in Orten wie Berlin, wo der Wahlkampf fast ganz zwischen uns und dem Fortschritt (bürgerlich-linksliberale Fortschrittspartei- gegründet 1861) liegt,, Verträge vor der Hauptwahl nicht ausgeschlossen sein: ihr tretet uns diese Wahlbezirke ab, dafür wir Euch jene – natürlich nur, wenn man auch darauf rechnen kann, dass es eingehalten wird. Was mir ungeschickt erscheint, ist nur dies: auf Kongressen im Voraus allgemeingültige Regeln aufstellen wollen für taktische Fälle, die der Zukunft angehören.





Brief Nr. 126

Engels an Eduard Bernstein in Zürich

London, 11. November 1884

MEW, Band 36, Seite 234 - 235

Wie es auch mit dem Sozialistengesetz gehn mag,, das Blatt („Der Sozialdemokrat“) und die Druckerei in Zürich werden meiner Ansicht nach fortbestehn müssen. Die Freiheit, selbst wie sie vor 1878 war, gibt man uns nicht wieder. Den Geisern und Vierecken wird man volle Freiheit lassen und dabei den schönen Entschuldigungsgrund, sie gingen so weit, wie sie könnten. Für uns aber wird die nötige Pressefreiheit nur im Ausland zu haben sein. Übrigens ist's auch möglich, dass Versuche gemacht werden, das allgemeine Stimmrecht zu beschneiden, die Feigheit macht dumm, und der Philister ist zu Allem fähig. Zunächst freilich wird man uns Komplimente machen, rechts und links, und die werden nicht bei allen auf steinigen Boden fallen. Namentlich könnte Freund Singer Lust haben, den Leuten zu beweisen, dass er trotz oder wegen seines Bauchs kein Menschenfresser ist.





Brief Nr. 133 -

Engels an August Bebel in Leipzig

London, 11. Dezember 1884

MEW, Band 36, Seite 250

Dass meine Befürchtung ins Wasser gefallen, dass die Macht der Bewegung auch die bürgerlichen Elemente der Partei mit sich fortgerissen und die Fraktion sich auf der Höhe ihrer Wähler halten wird, freut niemanden mehr als mich. Und in der Tat, ich finde Singer, der Sonntag einen Augenblick bei mir war und nächsten Sonntag wiederkommt, ganz verändert. Er fängt wirklich an zu glauben (wörtlich), dass er noch so etwas erleben könne wie eine soziale Umgestaltung. Ich will hoffen, dass es dauert und dass unsre „Jebildeten“ der Versuchung auf die Dauer widerstehn, den andern Parteien zu beweisen, dass sie keine Menschenfresser sind.

Über unsre proletarischen Massen habe ich mich nie getäuscht. Dieser sichre, siegsgewisse und eben deshalb heitre und humoristische Fortgang ihrer Bewegung ist musterhaft und unübertrefflich. Kein europäisches Proletariat hätte die Probe des Sozialistengesetzes so glänzend bestanden und nach sechsjähriger Unterdrückung mit solchem Beweis von Machtzuwachs und Organisationsbefestigungen geantwortet; keins diese Organisation so zustande gebracht, wie es geschehen, ohne allen Konspirationshumbug.

So haben wir es denn zu einer industriellen Umwälzung gebracht, die gründlicher und tiefer und räumlich ausgedehnter und umfassender ist als die der andern Länder, und das mit einem ganz frischen, intakten, nicht durch Niederlagen demoralisierten Proletariats, und endlich – dank Marx – mit einer Einsicht in die Ursachen der ökonomischen und politischen Entwicklung und in die Bedingungen der bevorstehenden Revolution, wie sie keine unsrer Vorgänger besaßen. Dafür aber sind wir auch verpflichtet zu siegen. (Seite 252)





Brief Nr. 137 -

Engels an August Bebel in Plauen bei Dresden

London, 30. Dezember 1884

MEW, Band 36, Seite 260



Freund Singer scheint von meinen Äußerungen nur das aufgefasst zu haben, was mit seinen Ansichten harmonisiert -, man lernt dies leicht im Geschäft, wo es manchmal von Vorteil ist, aber in der Politik wie in der Wissenschaft muss man doch lernen, die Sachen objektiv aufzufassen.

Erstens sagte ich zu S[inger], dass ich mir den Fall noch keineswegs reiflich überlegt (erst abends vorher hatte mich der „S[ozialdemokrat]darauf gelenkt (wahrscheinlich ist gemeint, die Abstimmung über die Dampfersubvention offen zu lassen) und dass das, was ich ihm sage, keineswegs als meine endgültige Meinung zu fassen sei.

Dann aber sagte ich: unter Umständen und Bedingungen könnte es allerdings zulässig werden, dafür zu stimmen, d.h. wenn die Regierung sich verpflichte , dieselbe Staatshilfe, die sie jetzt den Bourgeois bewilligen wollen, auch den Arbeitern zu bewilligen. Also namentlich Verpachtung von Domänen an Arbeitergenossenschaften etc. Da ich nun weiß, dass die Regierung dies nicht tun wird, so heißt das mit andern Worten: den Leuten, die dafür stimmen möchten , einen Weg zeigen, wie sie mit Anstand und ohne sich Zwang anzutun, dagegen stimmen können .

Auch sagte ich Singer, was ihm neu zu sein schien, dass man im parlamentarischen Leben wohl einmal der Fall kommen könne, gegen etwas stimmen zu müssen, von dem man im Stillen wünsche, dass es doch durchgehe.

Nun aber kommt noch eins, was sich erst jetzt herausstellt: es ist sehr möglich, dass die Sozialdemokraten bei der Abstimmung den Ausschlag geben. Und die unendliche Blamage vor der ganzen Welt, wenn die Sache, Donation an die Bourgeoisie, zustande käme durch Eure Stimmen ! Und ohne Gegenleistung ! Ich weiß wahrhaftig nicht, was ich dann den Franzosen und den hiesigen Leuten sagen sollte. Und welcher Triumph bei den Anarchisten, die jubeln würden: da habt ihr's, es sind reine Spießer.

Auch das habe ich S[inger] gesagt, dass, wer dafür stimmt, konsequent auch für Kolonien stimmen muss. (Seite 262) [ historischer Vergleich hierzu: die spätere Schande der Kriegskreditbewilligung der SPD im Jahre 1914]





Brief Nr. 165

Engels an Eduard Bernstein in Zürich

London, 15. Mai 1885

MEW, Band 36, Seite 311 – 312

Ich hatte Singer hier am Sonntag und schnitt alle seine Redensarten kurz ab: die erste Erklärung der Fraktion, sagte er, sei nicht so sehr gegen die Artikel im Blatt (Kritik an der opportunistischen Fraktionsmehrheit in der Dampfersubventionsvorlage] gewesen, als gegen den (angeblich) versuchten Versuch, einen Entrüstungssturm gegen die Fraktion zu erregen. Das, sagte ich, kann das Publikum nicht wissen. Wenn Sie eine öffentliche Erklärung machen, so kann sie sich nur auf öffentlich vorliegende Tatsachen beziehen. Schlagen Sie aber aufs Blatt los wegen Sachen, die gar nicht im Blatt gestanden haben, so sagt das Publikum mit Recht: Was wollen die Herren anders als die freie Meinungsäußerung unterdrücken ? Das musste er zugeben. Dann sagte ich, nach dem mir sehr wohl bekannten Stil zu urteilen, waren die meisten der missliebigen Artikel von Liebkn[echt]. - Singer: Ganz richtig, und wir haben es dem L[iebknecht] dafür auch in der Fraktion gehörig gegeben. - Ich: Dafür aber das Blatt öffentlich zu tadeln, dass es Sachen druckt, die aus der Fraktion selbst kamen, geht nicht an. Das mussten Sie unter sich abmachen. Stattdessen greifen Sie die Redaktion öffentlich an, für Sachen, die reine Interna der Fraktion sind. An wen soll sich denn die Redaktion halten ? Dagegen konnte er auch nichts sagen. Kurz, Sie haben sich blamiert durch einen unüberlegten Schritt, und wer vor dem Publikum den Sieg hat, ist die Redaktion. Das musste er auch indirekt zugeben. Da ich mich einfach an die entscheidenden Punkte hielt und all seinen persönlichen Klatsch, dessen er viele hatte, gleich Null setzte, waren wir in zehn Minuten fertig.

Es ist viel wichtiger, dass dem in Deutschland gedruckten Quatsch gegenüber der theoretische Standpunkt gewahrt wird, als dass die Handlungsweise der Fraktion kritisiert wird.

Aber vergiss nicht die alte Regel: über der Gegenwart der Bewegung und des Kampfes nicht die Zukunft der Bewegung zu vergessen. Und die gehört uns. Der dritte Band des „Kapitals“ schlägt alle Kerle mit einem Schlag tot. (Seite 313) [ Hier warnt Engels vor der sich abzeichnenden opportunistischen Theorie Bernsteins: Die Bewegung ist alles – das Ziel nichts“.]





Brief Nr. 244 -

Engels an August Bebel in Plauen - Dresden

London, 18. März 1886

MEW, Band 36, Seite 463



Die Rückspiegelung der Stimmung bei den Herren der Fraktionsmajorität in der Sozialistengesetz-Debatte ist allerdings frappant. Sie möchten wohl, aber es geht nicht, und so müssen sie, so schwer es ihnen wird, sich relativ korrekt aussprechen, und der Effekt der Debatte im Ganzen ist recht gut, namentlich, da Singer durch den Fall Ihring genötigt war, scharf aufzutreten [ Paul Singer entlarvte die Lockspitzeltätigkeit der preußischen Polizei am Beispiel des Angehörigen der politischen Partei Ferdinand Ihring. Singer hatte an der Arbeiterversammlung, in der Ihring bloßgestellt wurde, teilgenommen. Nach seinem mutigen Auftreten im Reichstag begann die Reaktion ein Kesseltreiben gegen Singer, das bis zur Ausweisung ging. Beim Verlassen Berlins am 3. Juli 1886 bereiteten ihm die Berliner Arbeiter eine machtvolle Abschiedskundgebung. Sein Abschiedsgruß an die Berliner Arbeiter wurde am 8. Juli in 20 000 Exemplaren verbreitet.]





Brief Nr. 315 -

Engels an Laura Lafargue in Paris

London, 24. Februar 1887

MEW, Band 36, Seite 620

Überall, wo es anging, begleiteten die Fabrikanten die Arbeiter an die Wahlurne und achteten darauf, dass sie für Bismarck stimmten, wenn sie nicht sofort aus ihrer Arbeitsstelle entlassen werden wollten. Und all das wird sich aufs Neue und verstärkt bei der Stichwahl zeigen, in der wir unsere meisten Sitze zu erobern hoffen.

Singer ist der Lockroy [ Engels vergleicht den Wahlsieg von Paul Singer mit dem französischen Radikalen E. Lockroy - „der Erstgewählte Frankreichs“. Wie aus einem Brief Paul Singers an Engels vom 7. März 1887 hervorgeht, hatte ihm Engels zu seinem großen Wahlsieg gratuliert ] - le premier èlu de l'allmagne. Er hatte 32 227 Stimmen, dessen sich kein andres Mitglied rühmen kann.



Brief Nr. 368 -

Engels an Laura Lafargue in Paris

London, 11. Oktober 1887

MEW, Band 36, Seite 709



Nächste Woche erwarte ich Bebel und wahrscheinlich auch Singer. Ihr Parteitag scheint ein großer Erfolg gewesen zu sein, und der rechte Flügel der Partei hat eine direkte Abfuhr erhalten: Geiser und Viereck waren zu feige, den Aufruf zum Parteitage zu unterzeichnen, und infolgedessen wurde ihnen das Recht aberkannt, weiterhin eine Vertrauensstellung in der Partei zu bekleiden.





Brief Nr. 11 -

Engels an Friedrich Adolph Sorge in Rochester

London, 22. Februar 1888

MEW, Band 37, Seite 24 und 33 [ Brief an Laura Lafargue am 25. Februar 1888 ]



Bebel und Singer haben den Preußen eine heillose Niederlage beigebracht, beim Sozialistengesetz [ Großen Einfluss auf den Ausgang der Debatte hatte das Auftreten der sozialdemokratischen Abgeordneten August Bebel und Paul Singer, die die Spitzelwirtschaft enthüllten und nachwiesen, dass das Ministerium Puttkamer mit gesetzwidrigen Mitteln gegen die Arbeiterbewegung vorging. Das Gesetz wurde nicht um 5 Jahre – wie die Regierung gefordert hatte -, sondern um nur insgesamt zwei Jahre bis zum 1. Oktober 1890 verlängert. Die neuen Artikel über einschneidende Verschärfungen des Gesetzes wurden nicht angenommen ]. Zum ersten Mal hat ganz Europa auf unsre Reichstagsleute horchen müssen. Du wirst Bebels Rede in der Gleichheit“ gelesen haben – ein Meisterstück, worin er sich selbst übertroffen.

Bebel und Singer errangen im Reichstag nicht nur in der ersten, sondern auch in der dritten Lesung des Gesetzentwurfs einen brillanten Sieg. (Seite 33)





Brief Nr. 233 -

Engels an Laura Lafargue in Paris

London, 19. Oktober 1890

MEW, Band 37, Seite 483

Da unsere Abgeordneten keine Vergütung erhalten, können wir nicht immer die besten Leute bekommen, sondern müssen von denen, die sich in einer mehr oder weniger bürgerlichen Position befinden, die am wenigsten Schlechten nehmen. Deshalb sind unsre Massen weitaus besser als die Fraktion . Letztere kann sich dazu gratulieren, dass sie solche Esel und dunklen Gestalten (viele davon wahrscheinlich Polizeispitzel) als Opposition hat. Wenn sie gegen Bebel, Singer und Fischer rebellieren sollte, wird man gegen sie vorgehen müssen – doch ich bin sicher, dass Bebel immer stark genug sein wird, sie zu ducken.





Brief Nr. 243 -

Engels an Friedrich Adolph Sorge in Hoboken

London, 26.November 1890

MEW, Band 37, Seite 505

Jetzt kommen schon die Gratulationen zu meinem übermorgigen 70sten Geburtstag, und nun melden sich auch noch Singer, Bebel, Liebknecht zum Besuch hier an. Ich wollt, die Geschichte wär' vorüber, es ist mir gar nicht geburtstäglich zumut, und dabei nun noch der unnütze Lärm, den ich sowieso nicht ausstehen kann. Und schließlich bin ich ja großenteils doch nur derjenige, der den Rum von Marx einerntet !



Brief Nr. 244 -

Engels an Laura Lafargue in Le Perreux

London, 1. Dezember 1890

MEW, Band 37, Seite 507

Meine liebe Laura,

Endlich ! Ich habe den 70. Geburtstag hinter mir. Am Donnerstag kamen Bebel, Liebknecht und Singer. Am Freitag Briefe und Telegramme en masse, letztere aus Berlin (3), Wien (3), Paris (rumänische Studenten und Frankel), Bern (Russische Sozialdemokraten), Leipzig Stadt und Land, Bochum (Klassenbewusste Bergleute – miners), Stuttgart (Sozialdemokraten Württembergs), Fürth, Höchst (Pauli), London (Arbeiterverein), Hamburg. Die Fraktion schickte mir ein prächtiges Album mit ihren 35 Bildern, Dietz ein Buch mit Photos einiger ausgezeichneter Münchener Bilder, die Solinger ein Messer mit Signum usw. usw. Mit einem Wort, ich war ganz erschlagen.

Doch es ist eine gute Sache. Man kann seinen 70. Geburtstag nur einmal feiern. Es wird mich höllisch viel Zeit kosten, auf alle diese Briefe zu antworten – allein auf diejenigen, die ich persönlich beantworten muss . Das ist die Prosa, die der Poesie des Lebens folgt, und um mich daran zu gewöhnen, beginne ich mit dem einzigen Brief, den ich mit wahrer Freude schreiben kann – den einen an Dich.

Bebel sieht ziemlich angegriffen und erheblich älter aus als beim letzten Mal. Auch Singer wird grau.

Morgen wird der Reichstag eröffnet, und wir hatten die größte Mühe, Singer und Bebel hier zu halten, damit sie mit Burns, C[unninghame-] Graham, Thorne und anderen bei Tussy zusammenkommen.



Brief Nr. 243 -

Engels an Friedrich Adolph Sorge in Hoboken

London, 8. April 1891

MEW, Band 38, Seite 79

Singer und Bebel haben in sehr liebenswürdiger Weise an mich geschrieben [ Paul Singer, der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, hatte Engels am 2. April 1891 geschrieben und ihn von der bevorstehenden Silberhochzeit August Bebels (6. April 1891) unterrichtet. Er bat Engels, Bebel zu diesem Ereignis Glückwünsche zu senden ] . Die Deutschen können sich noch immer nicht dran gewöhnen, dass jemand in Amt und Würden nicht Anspruch auf zarteres Anfassen hat als andere Leute. Das war im Grunde die Hauptsache der Kränkung. Da ich auf die Liebknechtsche pomphafte Schmiralia [ die sozialdemokratische Reichstagsfraktion nahm im „Vorwärts“ vom 13. Februar 1891 in einem von Wilhelm Liebknecht verfassten Leitartikel zur Marxschen Kritik des Gothaer Programmentwurfs Stellung. Darin versuchte er, den prinzipiellen Gehalt der Marxschen Kritik abzuschwächen und insbesondere die Annahme des Kompromissprogramms auf dem Vereinigungsparteitag in Gotha zu rechtfertigen ] nicht geantwortet, überhaupt gar keine Notiz genommen von allen Anzapfungen, wird Liebknecht sich einbilden können, er habe einen großen Sie über mich verfochten. Das Vergnügen lass ich ihm. Er redigiert ihnen das „Vorwärts“ ohnehin rasch genug zuschanden, alle schimpfen darüber. Mit Liebknecht ist und bleibt nichts zu machen, wie er ja auch in Amerika immer mit Rosenberg zu mogeln scheint. Die entscheidende Rolle in der Partei geht mehr und mehr auf Bebel über, und das ist sehr gut. Bebel ist ein ruhiger klarer Kopf, der sich auch theoretisch ganz anders herausgearbeitet hat als Liebknecht. Aber man kann eben Liebknecht nicht abschütteln, er hat dabei wegen seiner Phrasendrescherei und Leidenschaftlichkeit des Tons in Volksversammlungen noch recht viel Wirkung, und so gibt es allerhand Kompromisselei.





Brief Nr. 83 -

Engels an August Bebel in Berlin

London, 24. Oktober 1891

MEW, Band 38, Seite 185

Du, Auer, Singer, Fischer, ihr habt Euch mit Ruhm bedeckt, und die Jämmerlichkeit der Opposition war das Einzige, worüber ihr Euch beklagen konntet, mit solchen Insekten sich herumzuschlagen ist kein Pläsier. Jedenfalls werden die Herren jetzt außerhalb der Partei zeigen, was sie machen können, das sind sie unschädlich, und den besseren Elementen unter den jugendlichen Krakeelern wird jetzt Zeit zur Besinnung gegeben [ Der Erfurter Parteitag der SPD fand vom 14. bis 21. Oktober 1891 statt. Neben W. Liebknecht, Paul Singer, Richard Fischer u.a. setzte sich vor allem August Bebel in zwei grundsätzlichen Reden mit den opportunistischen Auffassungen Vollmars auseinander und verteidigte die marxistische Lehre von Klassenkampf und Sozialismus. Der Parteitag war mit der Annahme des Programms und der Resolution zur Taktik eines der wichtigsten Ereignisse in der Entwicklung der Partei und hatte große Bedeutung für die weitere Entwicklung der sozialistischen Weltbewegung.]





Brief Nr. 91 -

Engels an August Bebel in Berlin

London, 9. November 1891

MEW, Band 38, Seite 209

Ich bin froh zu erfahren, dass schon jetzt in den technisch gebildeten Kreisen soviel Hinneigung zu uns herrscht. Ich habe aber bei den französischen Republikanern zu schöne Erfahrungen gemacht, wie weit man mit solchen, in Zeiten der Gefahr, stillen Anhängern und Sympathisierern kommt und wie greulich man sich blamieren kann, um nicht zu wünschen, dass wir bei einem so wichtigen Geschäft wie die Vergesellschaftung der großen Industrie und des großen Ackerbaus ein paar Jahre Zeit haben, uns die Herren nach Kapazität und Charakter vorher genau anzusehn. Das erspart nicht nur Reibungen, das kann auch in einem kritischen Moment eine sonst unvermeidliche und entscheidende Niederlage abwenden. Es werden ohnehin kolossale Böcke in Massen geschehn, das ist ja unvermeidlich. Du selbst sagst ja, dass unter den Offerten genug sind von Leuten, die mehr Ansprüche haben als Talent und Kenntnisse, und ich vergesse nicht, was Singer mir gelegentlich des Nonne sagte von den Studenten, die die Furcht vor dem Examen in die Sozialdemokratie treibt. Indes ist die Tatsache, dass sie kommen , Anzeichen von dem, was herannaht.





Brief Nr. 132 -

Engels an August Bebel in Berlin

London, 16. März 1892

MEW, Band 38, Seite 307

Heute eine Bitte, um Zusendung des Stenogramms der Sitzung, wo unsre Leute über Elsass-Lothringen gesprochen und Singer eine bezügliche Erklärung namens der Fraktion abgegeben haben soll. Ich bin sicher, deswegen interpelliert zu werden und möchte daher im Besitz der exakten Tatsachen sein. [ In der Reichstagssitzung am 3. März 1892 behauptete der konservative Abgeordnete Hartmann bei der Beratung des Gesetzentwurfs über den Belagerungszustand in Elsass-Lothringen, dass in der elsass-lothringischen Frage Meinungsverschiedenheiten zwischen Wilhelm Liebknecht und Georg von Vollmar bestünden. Paul Singer wies in seiner Antwort namens der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Hartmanns Behauptung zurück und erklärte, dass es für die deutsche Sozialdemokratie keine elsass-lothringische Frage gebe und dass Hartmanns Behauptung, Liebknecht trete für die Rückgabe Elsass-Lothringens an Frankreich ein, nicht der Wahrheit entspreche.]



Brief Nr. 148 -

Engels an August Bebel in Berlin

London, 7. Mai 1892

MEW, Band 38, Seite 307

Lieber August,

Also Samstag, heute über 8 Tage, erwarten wir dich hier [ August Bebel und Paul Singer weilten etwa vom 14. Mai bis 1. Juni 1892 zu Besuch bei Engels in London ], hoffentlich bringst Du Paulus [ Paul Singer] soviel Vertrauen aufs Wasser bei, dass er die Fahrt über Ostende als Probefahrt für die nach Chicago [ Paul Singer plante, im Sommer 1993 nach Chicago zu reisen ] unternimmt; wenn er denn so viel Courage hat, kann er gleich ganz zu Wasser nach Chicago fahren, von Liverpool nach Montreal am Sankt Lorenz und von da durch die Großen Seen, dann ist er gefeit für immer; denn auf den großen Binnenseen werden selbst die ausgepichtesten Ozeans-Seeleute seekrank, und wir 4 waren das Wunder der ganzen Gesellschaft, als wir den Sturm auf dem Eriesee ohne solchen Anfall überstanden (1888 – siehe Reiseberichte von Engels in Band 21 MEW).





Brief Nr. 152

Engels an Ludwig Schorlemmer in Darmstadt

London, 17. Mai 1892

MEW, Band 38, Seite 341

August ist hier und wohnt bei uns, Paul der Dicke [ Paul Singer ] wohnt bei Bernsteins.





Engels an Ludwig Schorlemmer in Darmstadt

London, 128 Mai 1892

MEW, Band 38, Seite 354

Bebel ist noch hier, wird Mitte nächster Woche mit Singer wieder zurückreisen, er hat sich sehr erholt, was aber auch nötig war, er war in der Tat sehr herunter. Das öffentliche Reden bleibt ihm aber noch Monate lang ärztlich verboten. Und die Kräfte Bebels müssen geschont werden. Das ist ein solcher Prachtkerl, wie wir einen zweiten nicht wieder kriegen.





Brief Nr. 165 -

Engels an Friedrich Adolph Sorge in Hoboken

London, 18. Juni 1892

MEW, Band 38, Seite 369

Die letzte Hälfte des Mais war Bebel bei mir, gleichzeitig Singer, der bei Bernstein wohnte. Wir waren die Zeit sehr fidel und haben alles durchgesprochen, was auf die deutsche Bewegung durchzusprechen war. Mit Bebel harmoniere ich vollständig, wir sind fast in allen Punkten der gleichen Ansicht oder kommen doch leicht zur Einigung, was bei diesem klaren und nicht nur die Tatsachen richtig erkennenden, sondern auch theoretisch merkwürdig entwickelten Kopf allerdings seit Jahren der Fall ist und mir nie Schwierigkeiten gemacht hat.

Singer hat großen praktischen Blick und Geschick auf einem engeren Gebiet, geht er darüber hinaus, so kann er wohl Böcke schießen, lässt sich da aber ohne Widerstand von der von ihm offen anerkannten Überlegenheit Bebels leiten. Beide haben nicht nur eingesehn, sondern auch praktisch erfahren, dass Liebknecht absolut verschlissen und ein positives Hindernis für die Partei geworden ist. Er hat sich seit Jahren nicht weiter entwickelt, während die Partei sich auch theoretisch enorm entwickelt hat, wie die Literatur zeigt (selbst kleine Blättchen, über die ich mich gewundert habe). … Das Obige ist natürlich im strikten Vertrauen, nur für Dich geschrieben.





Brief Nr. 148 -

Engels an August Bebel in St. Gallen

Ryde, 20. August 1892

MEW, Band 38, Seite 334

Wenn du eine Vorstellung davon haben willst, wie es dem Generalrat der Internationale mit den Franzosen und ihren Geldbeiträgen ging, so lies die beiden Briefe des Paulus an die Korinther ( gemeint ist Paul Singer ), ewige Klage darüber, dass die Beiträge nicht einkommen wollen, besonders der zweite Brief [ in den zwei Briefen des Paulus an die Korinther werden die Korinther eindringlich ermahnt, ihre Gemeindepflichten zu erfüllen]





Beilage

zum Band 38 MEW – Seite 569

Brief Nr. 1

William Thorne und Eleanor Marx-Aveling an Samuel Gompers in New York

London 25. 1. 1891

An Herrn Samuel Gompers für die American Federation of Labor.

Liebe Genossen,

Als die Genossen Bebel, Liebknecht und Singer kürzlich zum 70. Geburtstag von Friedrich Engels hier waren, trafen sie mit Vertretern der Gasworkers und General Labourers Union ( die etwa 100 000 Männer und Frauen aus über 70 Berufen umfasst) und mehrerer anderer Trade Unions und Organisationen sowie mit John Burns, Cunninghame-Graham, Parlamentsmitglied, und anderen zusammen.

Auf dieser Zusammenkunft war die Auffassung vorherrschend, dass die Zeit gekommen sei, eine enge und organisierte Verbindung zwischen den Arbeiterparteien der verschiedenen Länder herzustellen. Die dringendste Frage ist, zu verhindern, dass unfaire Arbeit aus einem Land ins andere gebracht wird, d.h., dass Arbeiter, die die Bedingungen des Arbeitskampfes in einem bestimmten Land nicht kennen, von den Kapitalisten in dieses Land importiert werden, um die Löhne zu drücken oder die Arbeitszeit zu verlängern, oder aber beides. Der wirksamste Weg, dies zu verhindern, wäre, in jedem Land einen internationalen Sekretär zu ernennen, der mit allen anderen internationalen Sekretären in Verbindung stehen müsste. Sobald irgendeine Schwierigkeit zwischen Kapitalisten und Arbeitern in einem Land auftritt, müssten dann die internationalen Arbeitersekretäre aller anderen Länder sofort davon unterrichtet werden und es als ihre Aufgabe ansehen, den Export von Arbeitern aus ihrem eigenen Land zu verhindern, die zu unfairen Bedingungen den Platz der Ausgesperrten oder Streikenden in dem Land einnehmen sollen, in dem die Schwierigkeiten aufgetreten sind. Da dies die dringlichste und naheliegendste Frage ist, mit der man sich befassen muss, ist anzunehmen, dass eine solche Vereinbarung in jeder Weise den Meinungsaustausch über alle Fragen zwiswchen den Arbeitern aller Nationen erleichtert wird, der für die Arbeiterbewegung mit jedem Tag und jeder Stunde immer notwendiger wird.

Wenn Ihre Organisation die Auffassung der Gasworkers und General Labour Union teilt, würden Sie uns dies dann bitte sofort mitteilenj und den Namen des Sekretärs benennen, der von Ihnen zur Teilnahme dieser wichtigen Sache bestimmt wurde ?

Mit brüderlichem Gruß

W. Thorne (Generalsekretär)

Eleano5r Marx-Aveling (im Namen des Exekutivkomitees) (

[Aus dem Englischen]





Brief Nr. 7

Engels an August Bebel in Berlin

London, 24. Januar 1893

MEW, Band 39, Seite 13

Auf das Stenogramm von Singers Börsenrede bin ich sehr begierig, sie las sich im „Vorwärts“ ganz vorzüglich. Ein Punkt aber wird von allen unsern Leuten bei dem Thema leicht vernachlässigt: die Börse ist ein Instrument, wo die Bourgeoisie nicht die Arbeiter, sondern sich untereinander ausbeuten; der Mehrwert, der an der Börse die Hände wechselt, ist bereits vorhandener Mehrwert, Produkt vergangener Arbeiterausbeutung. Erst wenn diese vollendet, kann er dem Börsenschwindel dienen. Die Börse interessiert uns zunächst nur indirekt, wie auch ihr Einfluss, ihre Rückwirkung auf die kapitalistische Arbeiter- Exploitation nur ein indirekter, auf Umwegen erfolgender ist. Zu verlangen, dass die Arbeiter sich direkt interessieren und entrüsten sollen für die Schinderei, die den Junkern, Fabrikanten und Kleinbürgern an der Börse passiert, heißt verlangen, die Arbeiter sollen die Waffen ergreifen, um ihre eigenen direkten Ausbeuter im Besitz des denselben Arbeitern abgezwackten Mehrwerts zu schützen. Wir danken schönstens. Aber als edelste Frucht der Bourgeoisiegesellschaft, als Herd der äußersten Korruption, als Treibhaus des Panama und anderer Skandäler – und daher auch als ausgezeichnetstes Mittel zur Konzentration der Kapitale, zur Zersetzung und Auflösung der letzten Reste von naturwüchsigem Zusammenhang in der bürgerlichen Gesellschaft und gleichzeitig zur Vernichtung und Verkehrung in ihr Gegenteil aller obligaten Moralbegriffe .- als unvergleichlichstes Zerstörungselement, - in diesem historischen Sinn interessiert uns die Börse auch direkt.



Aus:

Engels' Testament vom 29. Juli 1893

MEW, Band 39, Seite 505

Ich vermache August Bebel, Berlin, Deutsches Reich, Mitglied des Deutschen Reichstags, und Paul Singer, Berlin, ebenso Mitglied des Deutschen Reichstags, als gemeinsamen Treuhändern die Summe von 1000 Pfund, die sie oder der Überlebende von ihnen dazu verwenden sollen, um die Wahl solcher Personen in den Deutschen Reichstag zu einem solchen Zeitpunkt oder solchen Zeitpunkten und an einem solchen Ort oder Orten zu fördern, welche die genannten August Bebel und Paul Singer oder der Überlebende von ihnen nach ihrem oder seinem freien Ermessen für geeignet halten.

Ich vermache alle Bücher, die zum Zeitpunkt meines Todes in meinem Besitz sind oder meiner Verfügung unterstehen und alle meine Urheberrechte den genannten August Bebel und Paul Singer.

Friedrich Engels

(aus dem Englischen)