zum 200. Geburtstag

31. Mai 2017

"Wer nicht den Mut hat, Sozialist zu sein, wird notwendig Reaktionär."

(Georg Herwegh)

Georg Herwegh

31. Mai 1817 - 7. April 1875

 

Herwegh war kein Poetlein, sondern ein wirklicher Poet, dem es gegeben war, zu singen und sagen, was ein großes Volk im ersten taumelnden Erwachen zu historischem Leben dachte und fühlte. Und diesem Poeten hat eben dies Volk durch seinen Rückfall in die alte Knechtseligkeit die Schwingen für immer gebrochen. Das mag man ein tragisches Schicksal nennen, ein tragisches Schicksal auch insofern, als das Opfer nicht ohne eigene Schuld war. Die Audienz, die Herwegh im Herbst 1842, als er wie kein Dichter vor ihm und nach ihm eine große Triumphfahrt durch Deutschland machte, beim König von Preußen nahm, schnitt sein Leben mitten entzwei.

Aus: Mehring, Franz: Georg Herwegh. 19. August 1896, in derselbe: Aufsätze zur deutschen Literatur von Klopstock bis Weerth, Berlin 1961, S. 501.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute feiern wir den 200. Geburtstag eines der ersten und bekanntesten Arbeiterdichter Deutschlands - Georg Herwegh - der Dichter der 1848-Revolution und der beginnenden deutschen Arbeiterbewegung.

Georg Herwegh war mit Karl Marx befreundet seit 1842 und arbeitete für die "Rheinische Zeitung" Nach der Februarrevolution von 1848 war Herwegh führendes Mitglied der Deutschen demokratischen Gesellschaft in Paris. Als er aus Deutschland ausgewiesen wordenwar, verbrachte Georg Herwegh ein langes Exilleben in der Schweiz. Georg Herwegh verkehrte in verschiedenen Kreisen, so auch in Kreisen von Bakunin, Lassalle und vielen anderen. 1865 brach Georg Herwegh mit Lassalle. 1863 hatte er für den ADAV das berühmte "Bundeslied" geschrieben. Georg Herwegh schloss sich der Ersten Internationale an und wurde deren "Ehrenkorrespondent". Ab 1869 gehörte er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Eisenacher) an.

Uns interessiert natürlich am meisten, was Marx und Engels in ihren Beziehungen zu Georg Herwegh gesagt haben ?

Hierzu veröffentlichen wir folgende Dokumente aus ihren Gesammelten Werken:

 

 

 

FRANZ MEHRING

Georg Herwegh

19. August 1896

 

Marx und Engels

in ihren Beziehungen zu

Georg Herwegh

 

Karl Marx und Friedrich Engels verteidigte Herwegh gegenüber der bürgerlichen Presse und insbesondere gegenüber den Anfeindungen seitens Bruno Bauer und der Berliner Junghegelianer.

Deswegen stimmten Marx und Engels aber noch lange nicht in Allem überein, was Herwegh schrieb und tat. Sie übten teilweise heftige Kritik an Herwegh, was aus der obigen - von uns veröffentlichten - Dokumentation unschwerlich herauszulesen ist. Wie sich Marx zum Beispiel zu Herweghs sonderbare Audienz beim König gestellt hat, ist aus der "Rheinischen Zeitung" nicht zu ersehen. Aber erfreut wird Marx darüber wohl nicht gerade gewesen sein. Marx glaubte trotz aller Mängel an die Zukunft dieses Dichters und war ihm wohl gesonnen, so wie er überhaupt viel für die Dichtkunst übrig hatte. Daraus ist zu erklären, dass Marx über so manche "Klopper" eines Georg Herwegh großzügig hinwegsah und "fünf gerade sein" ließ , was für Marx allerdings in prinzipiellen Fragen niemals in Frage gekommen wäre.

 

 

 

 

 

Franz Mehring:

Georg Herwegh

19. August 1896

[Die Neue Zeit, 14. Jg. 1895/96, Zweiter Band, S. 673-677. Nach Gesammelte Schriften, Band 10, S. 493-498]

Vor einigen Monaten starb Otto Roquette, ein kleines Poetlein, das im Jahre 1851 mit einem niedlichen Gedichtchen einen großen Erfolg gehabt und sich darnach einige vierzig Jahre vergebens abgequält hatte, mit einer Unzahl von Dramen und Romanen auf der Höhe dieses Erfolges zu bleiben! Die bürgerlichen Zeitungen knüpften an den Todesfall lange Abhandlungen über die „Tragik eines Dichterlebens", eine Tragik, mit der es bei Lichte besehen nicht weit her war. Roquettes einer großer Erfolg stammte daher, dass die Nation beim Erscheinen seines ersten Werkchens sich in einem heillosen Katzenjammer befand, in einem so heillosen Katzenjammer, dass ihr jede glitzernde Nichtigkeit gut genug war, um sich über ihr graues Elend hinwegzutäuschen. Roquettes erstes Werk war nicht besser und nicht schlechter als seine späteren, die nur deshalb nicht einen gleichen Erfolg hatten, weil die Nation doch niemals wieder in den tiefen Abgrund moralischer Zerknirschung geraten ist, in dem sie sich 1851 – und allerdings durch ihre eigene Schuld – befand. Roquettes Schicksal mag deshalb seine Freunde bekümmern, aber es ist nicht abzusehen, was darin von „Tragik" gesteckt haben soll.

Viel eher ließen sich solche Betrachtungen an das Schicksal Georg Herweghs knüpfen, dessen Hinterbliebene sich eben bemühen, den von ihm angeblich oder wirklich vor dem Richterstuhl der Geschichte verlorenen Prozess zu erneuern. Herwegh war kein Poetlein, sondern ein wirklicher Poet, dem es gegeben war, zu singen und sagen, was ein großes Volk im ersten taumelnden Erwachen zu historischem Leben dachte und fühlte. Und diesem Poeten hat ebendies Volk durch seinen Rückfall in die alte Knechtseligkeit die Schwingen für immer gebrochen. Das mag man ein tragisches Schicksal nennen, ein tragisches Schicksal auch insofern, als das Opfer nicht ohne eigene Schuld war. Die Audienz, die Herwegh im Herbst 1842, als er wie kein Dichter vor ihm und nach ihm eine große Triumphfahrt durch Deutschland machte, beim König von Preußen nahm, schnitt sein Leben mitten entzwei.

Es hieße die ganze damalige Zeit verkennen, wenn man Herweghs Erscheinen im Berliner Schlosse vom Standpunkt eines raubeinigen Republikanertums verurteilen wollte. Nichts lag ihm dabei ferner als ein Verrat an seinen Idealen, und so wurde die Sache von den vorgeschrittensten Zeitgenossen auch keineswegs angesehen. Aber so verzeihlich Herweghs Begegnung mit dem romantischen Könige sein mochte, so war sie doch ein falscher Schritt, dessen verhängnisvolle Konsequenzen Herwegh nur immer mehr verstrickten, je mehr er sich von ihnen zu befreien suchte. Der trotzige Brief, den er nachträglich an den König richtete, um nachzuholen, was er in der Audienz selbst versäumt hatte, führte zu einer Reihe reaktionärer Maßregelungen gegen die Presse, der eben erst ein wenig die Flügel gelüftet worden waren; als der Dichter polizeilich aus dem preußischen Staate getrieben wurde, folgte ihm das Kreuzigel derselben Massen, die ihn eben mit Hosianna! empfangen hatten. Und das hat der Dichter nie verwunden.

Legt man die beiden Bände der „Gedichte eines Lebendigen" nebeneinander, zwischen die jene Audienz fällt, so erkennt man auf den ersten Blick den klaffenden Riss. Wohl enthält auch die zweite Sammlung noch manche schönen Gedichte, aber sie stehen doch ziemlich vereinzelt zwischen angeärgerten und überpfefferten Spottliedern, die durchaus nicht zu Herweghs Art und Weise passten. Ihnen fehlt Heines weltbefreiender Witz, und es gehört nicht einmal eine besonders fein entwickelte ästhetische Empfindung dazu, um zu spüren, dass der Ärger, den der Dichter an anderen auslässt, im Grunde der Ärger über sich selbst ist. Sein Saitenspiel war und blieb zerbrochen, in allem wenigstens, was Herweghsche Eigenart war. Selbst sein bestes Gedicht aus späteren Tagen, das „Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein", ist eine keineswegs talentlose, aber doch allzu sklavische Nachahmung eines bekannten Gedichts von Shelley, und schwerlich verschuldete es nur die packendere Melodie, dass Audorfs schlichte Arbeitermarseillaise ihm so schnell beim deutschen Proletariat den Rang abgelaufen hat. Es ist nun einmal nicht zu leugnen, dass in Herweghs Leben der warme Sommer fehlt und der früchtereiche Herbst und selbst das wärmende Herdfeuer des Winters. Dies Leben war ein kurzer, strahlender Frühling, und darnach kam eine lange Nacht, arm an Arbeit und arm an Freuden.

Im einzelnen zu unterscheiden, wie viel von diesem freudlosen Schicksal auf eigene Torheit, wie viel auf fremde Schuld fiel, das wäre eine wahrscheinlich nicht sehr erquickende, aber vielleicht doch lehrreiche Aufgabe, deren Lösung je nachdem auch dem Andenken des Dichters geschuldet wäre. Irgendein unparteiischer Versuch dazu ist bisher noch von keiner Seite unternommen worden. Die Feinde haben sich begnügt, die Schattenseiten Herweghs ins Ungeheuerliche zu übertreiben und selbst die infamsten Verleumdungen über ihn zu verbreiten, wie jene Spritzledergeschichte, die zehnmal widerlegt, doch immer wieder selbst in den gelehrtesten Werken königlich preußischer Geschichtsschreiber auftaucht. Die Freunde haben sich an das gehalten, was keine Verleumdung diesem Dichterleben rauben kann. Herweghs Name steht leuchtend an der Schwelle der modernen deutschen Geschichte; mehr als eines seiner Gedichte kann nur mit der deutschen Sprache untergehen; sein Lied auf den Lippen, ist manch tapferer Kämpfer für die Freiheit gefallen, und mit langen Jahrzehnten tatloser Verstimmung versöhnt die Tatsache, dass der Dichter nie den Tag von Damaskus gesehen hat, den ihm der romantische König in der berufenen Audienz prophezeit hatte. So mag der Wanderer dankbar im Schatten eines Baumes ruhen, ohne viel zu fragen, ob dieser Baum alle Früchte gereift hat, die er hätte reifen können.

Der erste Versuch, den Schleier zu zerstreuen, der vom Jahre 1843 bis zum Jahre 1876 über Herweghs, Leben liegt, geht von seiner Familie aus. Und er fängt leider die Sache am verkehrten Ende an. Soweit Herweghs Witwe, die noch als hochbetagte Matrone lebt, daran beteiligt ist, wäre es unrecht, mit ihr zu rechten. Sie ist ihrem Gatten stets die treueste Beraterin gewesen, man darf sie seinen guten Genius nennen, und die Treue, die sie seinem Andenken bewahrt, entwaffnet jede Kritik. Dagegen wäre es auch unrecht zu verschweigen, dass Herr Marcel Herwegh seinem Vater gefährlicher wird, als die schlimmsten reaktionären Verleumder ihm je geworden sind: nämlich durch die Art, wie er den brieflichen Nachlass Georg Herweghs schriftstellerisch oder vielmehr büchermacherisch ausschlachtet. Ohne jede Ahnung von dem psychologischen Problem, um das es sich bei dem endgültigen Urteil über den Dichter handelt, glaubt Herr Marcel Herwegh die Sache seines Vaters siegreich durchsetzen zu können, indem er kunterbunt Briefe aus dessen Nachlass herausreißt und sie, gewürzt mit hämischen Bemerkungen über Männer, denen es vergönnt gewesen ist, mehr zu leisten, als sein Vater geleistet hat, in die Öffentlichkeit wirft.

Die erste dieser Veröffentlichungen, die Briefe Lassalles an Herwegh, ist kürzlich schon von Bernstein in der „Neuen Zeit“ besprochen worden. Sie ist die weitaus erträglichere, freilich nur, weil sie sich weit mehr um Lassalle als um Herwegh dreht, und wir erkennen vollkommen die Gründe an, aus denen Bernstein, trotz manchen scharfen Tadels, über die Herausgebertätigkeit des Herrn Marcel Herwegh so mild und schonend urteilt, wie sich nur immer mit der Wahrheit verträgt. Wir würden ebenso gern über alle formellen Unzuträglichkeiten in der zweiten Veröffentlichung des Herrn Marcel Herwegh hinwegsehen, wenn die Sache hier nicht doch wesentlich anders läge. Das bei Albert Langen in München erschienene Buch ist ein ziemlich starker Band von nahe an vierhundert Seiten, der auf dem Umschlage den breit und fett und rot gedruckten Titel „1848" trägt und in einem kleineren Nebentitel Briefe von und an Herwegh verheißt. Diese Briefe beschränken sich aber keineswegs auf das Jahr 1848, sondern reichen von 1843 bis 1882, also in eine Zeit, wo Herwegh längst tot war. Der letzte mitgeteilte Brief vom 12. März 1882 bezieht sich nicht einmal auf Georg Herwegh und enthält außer Freundschaftsversicherungen des Verfassers für die Familie Herwegh an Tatsächlichem nur eine Bemerkung über „Triumphe" des Herrn Marcel Herwegh in einer Kunst. Die Kunst selbst ist nicht genannt, aber unmöglich kann es die Kunst des Schriftstellers sein.

Die Schnitzer des Herrn Marcel Herwegh treten in dieser zweiten Veröffentlichung viel aufdringlicher auf als in der ersten, und schon deshalb können sie um so weniger übersehen werden. Er weiß in der dichterischen Tätigkeit seines eigenen Vaters so wenig Bescheid, dass er Georg Herweghs bekanntes, 1844 in den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern" abgedrucktes Gedicht „Verrat" als ein ungedrucktes Gedicht aus dem Jahre 1848 mitteilt. Seine erläuternde Herausgebertätigkeit besteht zum großen Teile darin, dass er, sobald ihm ein Name in den Briefen aufstößt, das Konversationslexikon wählt, um die biographischen Skizzen über den Träger dieses Namens abzuschreiben. Zum Unglück für Herrn Marcel Herwegh erbt sich in mancher Familie, wenn auch nicht in jeder, der Geist des Vaters auf den Sohn fort, und in solchen Fällen ist für ihn guter Rat teuer. Er beglückt beispielsweise den Leser seines Buches mit einer Biographie des Sohnes Savigny, weil in einem Briefe aus dem Jahre 1847 beiläufig der Vater Savigny erwähnt wird. Doch ist es unmöglich, diese schulknabenhaften Schnitzer, von denen das Buch wimmelt, im Einzelnen aufzuzählen.

In einem anderen Teile seiner erläuternden Anmerkungen verrät Herr Marcel Herwegh allerdings ein nicht ganz unbeträchtliches literarisches Talent. Er schneidet sie nämlich geschickt auf die literarischen Bedürfnisse der kapitalistischen Presse zu, und auch nicht ohne Erfolg, wie die lauten Trompetenstöße beweisen, womit bürgerliche und selbst reaktionäre Blätter, wie die „Post", das Organ König Stumms, sein Buch angekündigt haben. Georg Herwegh freilich könnte sich über diesen Erfolg im Grabe umdrehen, und er hätte auch allen Grund dazu. Bewiesen wird dadurch nämlich nichts, als dass die reaktionäre Presse den Dichter Herwegh gar nicht mehr, um so mehr aber andere Leute fürchtet, die Herr Marcel Herwegh zu Ehren seines Vaters herunterzureißen bemüht ist. Wir machen ihm daraus keinen Vorwurf, dass er in Bakunins Briefen an seine Eltern, die er sonst nicht ohne Lücken mitteilt, eine öde Schimpferei über Marx hat stehenlassen; wohl aber ist es nicht schicklich, dass er sonstige Mitteilungen, die sich in dem Briefwechsel seiner Eltern über Marx finden, auf einen selbstfabrizierten Waschzettel zusammendrängt, der sofort in seiner ganzen Ungewaschenheit in die kapitalistische Presse übergehen konnte und auch übergegangen ist. Herr Marcel Herwegh erzählt uns: „Marx eignete sich vortrefflich, den letzten Scholastiker vorzustellen", eine historisch sehr geistreiche Charakteristik, wenn wir nur sicher wären, dass ihr Urheber im Konversationslexikon richtig nachgeschlagen hat, was ein Scholastiker ist. Herr Marcel Herwegh beklagt dann, dass Marx in seinem Herzen zwei schlechte Ratgeber: die Eifersucht und den Neid, niemals vollständig zum Schweigen gebracht, und erzählt eine Schnurre, wonach Ruge im Jahre 1843 den Familien Marx und Herwegh den Vorschlag gemacht habe, gemeinsam ein Phalanstere zu gründen. Die Familie Herwegh „durchschaute auf den ersten Blick die Sachlage", aber die Familien Ruge und Marx ließen sich auf das Abenteuer ein, und die Folge? „Vierzehn Tage später waren die Familien entzweit; Herwegh und Frau aber blieben mit Marx' und Ruges im besten Einvernehmen." Die Geschicklichkeit, womit Herr Marcel Herwegh diesen ganzen Quatsch auf wenig mehr als eine Seite zusammenzudrängen weiß, verdient reichlich die Anerkennung, welche sie in der kapitalistischen Presse gefunden hat.

Wo Herr Marcel Herwegh alle diese Albernheiten aufgegabelt hat, wissen wir nicht. Über die Phalanstere-Schnurre, deren winziger Kern darin besteht, dass Marx und Ruge in demselben Hause wohnten, lohnt es sich nicht, weiter zu reden. Tatsächlich kam zuerst nicht Marx mit Ruge, sondern Ruge mit Herwegh auseinander. Ruge skandalisierte sich über gewisse Abenteuer Herweghs und erklärte ihn deshalb für einen „Lumpen". Marx bewunderte diese Abenteuer zwar auch nicht, wie sie denn nichts weniger als bewundernswert waren, aber er wollte Herwegh deshalb nicht gleich einen „Lumpen" genannt wissen und sprach die Hoffnung aus, dass Herwegh sich trotz alledem zu einer „großen Zukunft" durcharbeiten werde. Dieser Streit über Herwegh gab dem – innerlich allerdings schon aus prinzipiellen Gründen zerfallenen – Freundschaftsverhältnis zwischen Marx und Ruge den letzten Stoß. Marx schneidet dabei nur insofern schlecht ab, als Herwegh allerdings keine „große Zukunft" gehabt hat. In diesem Falle hat der Philister einmal richtiger gesehen als das Genie. Die Frage, ob das ein Triumph für den Philister oder das Genie ist, mag man je nachdem beantworten: in keinem Falle war es für Herwegh ein Triumph, von dem Philister richtiger erkannt zu werden als von dem Genie. Und muss denn Herr Marcel Herwegh wirklich noch im Jahre 1896 die ganze Wucht seiner geistigen Überlegenheit auf Marx herab schmettern, weil dieser arme „Scholastiker" im Jahre 1844 so gutmütig war, an eine „große Zukunft" Georg Herweghs zu glauben?

Schneidet man das ganze Brimborium des Herrn Marcel Herwegh von seiner Veröffentlichung weg und wirft man es in den Papierkorb, wohin es gehört, so bleibt schließlich auch nur ein ziemlich magerer Rest. Herwegh hat in den Revolutionsjahren mit einer ziemlichen Anzahl von Persönlichkeiten korrespondiert, die damals im politischen Vordergrunde standen, dazu mit Leuten ganz verschiedenen Charakters, mit Bakunin, Marx, Robert Blum, Julius Fröbel, Struve, Hecker, aber die Briefe sind so gut wie durchweg flüchtige Gelegenheitsbriefe ohne besondere politische Bedeutung, und das beweist eben doch nur, dass Herwegh damals schon ganz außerhalb der aktuellen Bewegung stand. Psychologisch am interessantesten ist der Briefwechsel zwischen Herwegh und seiner Gattin bei ihren jeweiligen Trennungen. Wenn man ihn liest, so freut man sich über das Geschick, womit eine kluge und tapfere Frau den geliebten Mann aus dem herausreißen möchte, was wir seine tatlose Verstimmung nannten und was Herweghs Feinde freilich mit schärferen Worten kennzeichneten, aber man empfängt auch den niederschlagenden Eindruck, dass aller Liebe Müh' umsonst war. Historisch am interessantesten ist an dem Buche der Wiederabdruck einer Schrift, die Frau Emma Herwegh ihrerzeit „Zur Geschichte der deutschen demokratischen Legion aus Paris" veröffentlicht hat; der wesentliche Inhalt daraus ist vor einiger Zeit im Feuilleton der „Neuen Zeit“ veröffentlicht worden.

Nach dem Tode Georg Herweghs wurde von berufener Seite mitgeteilt, dass Ferdinand Freiligrath und Ludwig Pfau sich seines schriftlichen Nachlasses annehmen würden. Ist die Nachricht richtig gewesen, so könnten wir nach den von Herrn Marcel Herwegh in seiner zweiten Veröffentlichung mitgeteilten Proben vollkommen wohl begreifen, weshalb jene geeigneten Männer die Hand davon gelassen haben. Möglich, dass diese Proben schlecht ausgewählt sind und dass sich in Herweghs Nachlass noch manches findet, das der Veröffentlichung wert wäre. Aber dann sollte die Familie für einen Herausgeber sorgen, der seiner Aufgabe gewachsen ist. Für eine leidige Buchmacherei steht Georg Herweghs Andenken zu hoch.

 

 

Briefe von und an Georg Herwegh

 

 

BRIEFE UND SCHRIFTEN

 

 

GEDICHT EINES LEBENDIGEN

 

 

GEDICHTE UND KRITISCHE AUFSÄTZE

 

 

 

NEUE GEDICHTE

 

 

Link zu weiteren Texten

 

 

sein berühmtes Bundeslied

 

Mann der Arbeit aufgewacht!
Und erkenne Deine Macht!
Alle Räder stehen still,
Wenn Dein starker Arm es will.
Awake you working man
And discover your potency!
All wheels will stand still
When your strong arm decides.

 

Zur Gründung des ADAV schrieb Herwegh 1863 Das Bundeslied als Hymne auf das revolutionäre Proletariat. Im Folgenden die letzten drei von insgesamt zwölf Strophen des Bundeslieds:

Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still.
Wenn dein starker Arm es will.

Deiner Dränger Schar erblaßt,
Wenn du, müde deiner Last,
In die Ecke stellst den Pflug.
Wenn du rufst: Es ist genug!

Brecht das Doppeljoch entzwei!
Brecht die Not der Sklaverei!
Brecht die Sklaverei der Not!
Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

Das Bundeslied wurde sehr schnell verboten und konnte jahrelang nur illegal verbreitet werden. Gleichwohl gilt es bis heute als eines der bekanntesten deutschen Arbeiterkampflieder

1866 kehrte er als Mitstreiter der Arbeiterklasse nach Deutschland zurück und wurde noch im selben Jahr zum Ehrenkorrespondenten der ersten Internationale (Internationale Arbeiterassoziation) ernannt. 1869 schloss er sich der von August Bebel und Wilhelm Liebknecht gegründeten marxistisch-revolutionären Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) an, mit der sich der ADAV 1875 vereinigte.

Georg Herwegh

Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein

1863

You are many, they are few.
(Eurer sind viele, ihrer sind wenige.)

Bet und arbeit! ruft die Welt,

Bete kurz! denn Zeit ist Geld.

An die Türe pocht die Not –

Bete kurz! denn Zeit ist Brot.

Und du ackerst, und du säst,

Und du nietest, und du nähst,

Und du, hämmerst, und du spinnst –

Sag, o Volk, was du gewinnst!

Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,

Schürfst im Erz- und Kohlenschacht,

Füllst des Überflusses Horn,

Füllst es hoch mit Wein und Korn –

Doch wo ist dein Mahl bereit?

Doch wo ist dein Feierkleid?

Doch wo ist dein warmer Herd?

Doch wo ist dein scharfes Schwert?

Alles ist dein Werk! o sprich,

Alles, aber nichts für dich!

Und von allem nur allein,

Die du schmiedst, die Kette, dein?

Kette, die den Leib umstrickt,

Die dem Geist die Flügel knickt,

Die am Fuß des Kindes schon

Klirrt – o Volk. das ist dein Lohn.

Was ihr hebt ans Sonnenlicht,

Schätze sind es für den Wicht,

Was ihr webt, es ist der Fluch

Für euch selbst – ins bunte Tuch.

Was ihr baut, kein schützend Dach

Hat's für euch und kein Gemach;

Was ihr kleidet und beschuht,

Tritt auf euch voll Übermut.

Menschenbienen, die Natur,

Gab sie euch den Honig nur?

Seht die Drohnen um euch her!

Habt ihr keinen Stachel mehr?

Mann der Arbeit, aufgewacht!

Und erkenne deine Macht!

Alle Räder stehen still,

Wenn dein starker Arm es will.

Deiner Dränger Schar erblaßt,

Wenn du, müde deiner Last,

In die Ecke lehnst den Pflug,

Wenn du rufst: Es ist genug!

Brecht das Doppeljoch entzwei!

Brecht die Not der Sklaverei!

Brecht die Sklaverei der Not!

Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

 

 

1832: Ich will die Einheit nicht anders als mit Freiheit, und will lieber Freiheit ohne Einheit als Einheit ohne Freiheit (I want unity but not without liberty, and I prefer liberty without unity to unity without liberty).

 

GEDICHTE

 

Georg Herwegh

Zukunftslied

Sommer 1844

Übermüt'ge Triumphierer,

Weh euch, wenn ihr's noch nicht fühlt,

Wie der treffliche Minierer

Schon den Boden unterwühlt,

Daß ihr in der Geisterstunde

Kläffend unser Ohr zerreißt! –

Doch wir wissen, ihr seid Hunde,

Und ihr glaubt an keinen Geist.

Aber kommen wird ein Pfingsten

Donnernd über euer Haupt

Und ein Festtag der Geringsten,

Der des Hochmuts Stamm entlaubt.

Der sich lange selbst vergessen,

Ist am Ziel der Unglücksbahn,

Und der Mensch, der sie durchmessen,

Kommt beim Menschen endlich an.

Fort mit eurer Ahnenbilder

Übernächtigem Gesicht!

Geht und pflanzt in eure Schilder,

Ritter, ein Vergißmeinnicht!

Nur ein Ritter ohne Tadel,

Nur ein Priester soll noch sein:

Für die ganze Welt den Adel!1

Für die Menschheit Brot und Wein!

Keine Steuern, keine Zölle,

Des Gedankens Freiverkehr!

Keinen Teufel in der Hölle,

Keinen Gott im Himmel mehr!

Nieder mit dem Blutpokale,

Drin der Kirche Wahnwitz kreist!

Ein Kolumb zerbricht die Schale,

Wenn er eine Welt beweist.

Einmal noch uns aufzuraffen

Zu des Lebens Maienlust,

Reißen wir das Schwert der Pfaffen

Aus der Menschheit wunder Brust!

Zwischen Jägern und Gehetzten

Sei entbrannt die wilde Schlacht,

Bis man Frieden auf dem letzten

Eingestürzten Tempel macht.

Zittert, zittert' blöde Toren,

Vor der Zukunft eh'rnem Tritt –

Ja, die Zeit ist neu geboren,

Ja, und ohne Kaiserschnitt;

Und erobert wird das Leben,

Und wir jubeln gloria:

Alle Schulden sind vergeben,

Denn kein Gläubiger ist da.

Durch die Wolken seh ich's tagen,

Und die Nebel, sie verwehn;

Mit dem Pegasus am Wagen

Muß es endlich vorwärtsgehn.

Eine Phalanx laßt uns schlingen,

Die kein Henker brechen kann,

Und wie jener Römer singen,

Nur: die Waffen und den Mann!

Ungestüm in tausend Gliedern,

Tausend Adern glüht der Streit,

Und ein Arsenal von Liedern

Liegt in Deutschland kampfbereit.

Denn wir wissen, die Erhörung

Wird kein Flehender empfahn:

Drum die Fahne der Empörung

Trag die Poesie voran!

 

 

Georg Herwegh

Ihr lieben Herren von Eisenach!

»Kladderadatsch«

September 1859

Deutschland spielt eine traurige Roll,

In unserm Herzen wohnt Scham und Groll,

Drum laßt uns machen ein Protokoll,

Das jeglicher unterschreiben soll!

So habt ihr gesprochen, ihr Weisen, ach!

Ihr lieben Herren von Eisenach!

Ihr wart nicht erhitzt und nicht bespitzt,

Ihr habt nicht gedonnert und nicht geblitzt.

Wenn ihr im Parlamente sitzt,

Könnt ihr das tun – doch müßt ihr itzt

Der Mäßigung euch befleißen, ach!

Ihr lieben Herren von Eisenach!

Staatsmännisch wird alles angebahnt

Es wird nicht geturnert und nicht gejahnt;

Der Michel, wenn er wieder zahnt

Und greinen will, wird zur Ruh, ermahnt.

Ihr werdet doch auch nicht beißen, ach!

Ihr lieben Herren von Eisenach.

Der Michel, wenn er im Fieber liegt,

Der wird gar sänftlich eingewiegt!

Und wenn ihr euch mal zu hoch verfliegt,

Mit einem Korbe, den ihr kriegt,

Könnt ihr viel Zeitungen speisen, ach!

Ihr lieben Herren von Eisenach.

Germania, die hohe Braut,

Wird nächstens einem Mann getraut,

Der Bräutigam ist sehr erbaut

Und läßt sich sagen: Sprecht nicht zu laut,

Sonst schicken sie euch auf Reisen, ach!

Ihr lieben Herren von Eisenach.

Ich dank euch gleichfalls für die Ehr,

Euer deutsches Vertrauen rührt mich sehr.

Und wenn ich der Kladderadatsch nicht wär,

Wollt ich euch danken noch viel mehr,

Hör ich mein Vaterland preisen, ach!

Ihr lieben Herren von Eisenach.

 

Georg Herwegh

Die Borriesäerei

Frei nach Theodor Körner

Mai 1860

Das Volk steht auf, der Sturm bricht los:

Courage, Courage – braucht's jetzt bloß.

Zwanzig Millionen deutscher Philister

Nehmen es auf mit einem Minister.

Und riesengroß – aus dem Tintenfaß

Steigt Deutschlands schwarz ingrimmiger Haß.

Pfui über den Buben in Hannover!

Auf Lüneburgs Heide, da wächst kein Hofer.

Pfui über den elend erbärmlichen Wicht!

Selbst Hassenpflug erreicht ihn nicht,

Selbst Judas ist ihm nicht zu vergleichen,

Der Judas verriet keine deutschen Eichen!

Das Volk steht auf, der Sturm bricht los:

Auf solchem Zorne wächst kein Moos.

Ein solcher Zorn wird leben bleiben,

Solange die Deutschen Adressen schreiben.

Das macht die Garibaldiluft,

Glaub ich, das macht der Frühlingsduft!

Die Menschen sind jetzt wie besessen;

Der»Edelste« hat den Adel vergessen.

Das macht der Nationalverein!

Wer einen Taler Kassenschein

Bezahlt, der kann nach Lust und Willen

Sein oratorisch Bedürfnis stillen.

Das Volk steht auf, der Sturm bricht los:

Des Parlaments gealterter Schoß,

Aus dem man einst den Kaiser geschnitten,

Läßt wieder einmal zu Gevatter bitten.

Die Heidelberger Doktorenzunft

Verspricht uns baldige Niederkunft;

Verspricht die Freiheit aufs Brot wie Butter

Der Welcker, der macht die Wehemutter.

Ich hörte, das alte Weib sei tot;

Doch nein, es ißt noch das Jammerbrot

Der Erde – zu Heidelberg am Necker,

Die Leute dort werden immer kecker.

Das Volk steht auf, der Sturm bricht los:

Das wird für Deutschland ganz famos.

So von den Dächern herab zu schwatzen!

Staatsmänner, o Borries, sind keine Spatzen.

Zwar ich gesteh, im deutschen Reich

Lebt mancher Lump noch, der dir gleich;

Nicht nur Minister, auch Potentaten

Du hast nur zuerst die Karten verraten.

Drum mußt du bleiben der Sündenbock

Und hören, was geschlagen die Glock:

Kein deutscher Schneider flickt dir den Rock,

Kein deutscher Friseur frisiert dein Gelock,

Kein deutscher Bayer trinkt mit dir Bock.

Auf einen deutschen Eichenblock

Gehört dein Haupt; ein deutscher Stock

Gehört auf deinen welschen – Hindern.

Werd ich es nicht, doch möcht ich lindern

Die Schmerzen dir und will ein Schock

Von Venedeys deutscher Broschüre dir senden,

Die kannst du als Prießnitzschen Umschlag verwenden.

 

 

Georg Herwegh

Einladung in die Berge

Juli 1845

Komm, mein Mädchen, in die Berge,

Wo der Himmel tiefer blaut

Und das stille Volk der Zwerge

Uns kristallne Schlösser baut.

Wo der Liebe morgenhellen

Traum kein Schleicherohr belauscht

Und: Triumph! von tausend Quellen

Der vereinte Donner rauscht.

Wie entfremdet ist die Erde,

Wie entweiht ihr Element,

Seit der Mensch mit Angstgebärde

Nur nach Schattenbildern rennt.

Wieviel Staub auf allen Wegen

Wühlt er auf zu seiner Ruh –

Komm, auf unbetretnen Stegen

Führ ich dich den Sternen zu!

Komm, wo kaum der Gemse Spuren

Reinstem Schnee sind eingedrückt

Und das Reich der Kreaturen

Lebt in erster Lust beglückt;

Dort, das Silberhaupt in Ehren,

Sieh den Gletscher! Welch ein Mann,

Den ein Sonnenblick verklären,

Aber nicht mehr schmelzen kann!

Komm, wo dir der Sturm die Locken

Aus der heißen Wange streicht,

Kaum der dumpfe Klang der Glocken

Und kein Glauben dich erreicht.

Während er im Tale zittert,

Losgebundner Knechte Schwarm,

Ruhen wir, wenn's hochgewittert,

Freudetrunken Arm in Arm.

Komm, mein Mädchen, laß dich fassen,

Tragen zu des Adlers Nest;

Menschen lieben, Menschen hassen,

Und wer bliebe felsenfest?

Was sie beten, was sie fluchen,

Ach, ich konnt es nie verstehn –

Blumen laß uns, Blumen suchen!

Mädchen, willst du mit mir gehn?

 

 

Georg Herwegh

»Ich hatt einen Kameraden«

Ein altes Thema mit neuen Variationen

Oktober 1867

Was donnern die Kanonen drein

Bei Solferino und Magenta?

Wer stürzt sich in des Feindes Reihn,

Dem Feind verhaßt an Po und Brenta?

Drob freut Viktor Emanuel sich:

Du stolzes Östreich, beuge dich!

Kennst du, die ich geladen,

Die rote Bluse nicht? –

Ich hab einen Kameraden,

Einen bessern findst du nicht.

Und als du dann mit Appetit

Sizil'sches Vesperbrot gegessen;

Als vor der Bluse Bomba flieht –

Hat dir sein Staatskleid nicht gesessen?

Denkst du daran, mein tapfrer Re,

Wer dir gebahnt St. Elmos Höh?

Denkst du, von wessen Gnaden

Du – – wie sagt das Gedicht?

»Ich hatt einen Kameraden,

Einen bessern findst du nicht.«

Heißt mich nicht reden, heißt mich schrein,

Cavour ist jetzt ein Mann, ein stiller.

»Dank vom Haus Östreich« – nein, o nein,

Vom »Haus Savoyen« meinte Schiller!

Bei Aspromonte schießt man sich –

Emanuel, ich kenne dich!

Ha! wie freut er sich Schaden!

Ich schrei dir ins Gesicht:

Du hattst einen Kameraden,

Einen bessern findst du nicht!

Und jetzt, da Pi Sand verrinnt,

Da bald es heißt: »Petri am letzten –«

Seht, die Ratazzia beginnt

Auf ihn, den nimmer müd sie hetzten!

Ob ihr ihn auch in Ketten legt,

Der hoch der Einheit Fahne trägt,

Der von der Freiheit Gnaden,

Italia, für dich ficht –

Du hast einen Kameraden,

Einen bessern findst du nicht.

 

 

Georg Herwegh

Eine Stimme aus der Ferne

Mai 1860

Deutschland sammelt für Arndt,

Das ist sehr löblich.

Er hat's so oft gewarnt,

Getreu und gröblich.

Hat so oft es gewarnt,

Getreu und geduldig;

Ja, Deutschland ist dem Arndt

Ein Denkmal schuldig.

Neunzig Jahre! Wer kann

So lange gesund sein?

Das muß ein großer Mann

Im Deutschen Bund sein.

Neunzig Jahre! wie alt!

Das ist entsetzlich.

Denn Deutschland ist doch halt

Nicht immer ergötzlich.

Neunzig Jahre gewacht

Für all die faulen

Schlingel; den Propheten gemacht

Unter den Saulen.

Deutschland wie Ilium

Glaubt nicht Kassandren;

Doch auf dem Bettel herum

Können wir wandren.

Mit der Büchse umher

Laufen die Boten –

Deutschland ehrt nichts so sehr

Als seine Toten.

Mit der Büchs in der Rund

Bei Fürsten und Prinzen;

Mancher gibt hin den Bund

Um ein Gericht Linsen!

Mit der Büchse umher

Gehn sie und klappern;

Deutschland, was willst du mehr,

Als wieder plappern?

Kommen zu mit auch – ach!

Dafür zu sammeln!

Sollt in einem Almanach

Ein Verschen stammeln.

Hätt ich die Musen mir hold

Sogleich gefunden,

So würd ich jetzt in Gold

Mit Geibel gebunden.

Haben all geschirrt

Den Hippogryphen,

Und von Gesinnung wird

Der Klepper triefen.

Legen alle die Hand –

Aufs Herz – wie erhaben!

Gevenedeytes Land

Bis Pommern und Schwaben!

Wollt ihr wirklich in Erz

Den Alten gießen?

Habt acht! man wird zum Scherz

Ein bißchen schießen.

Und das Metall im Fluß

Wird klagend erbeben;

Es nimmt ein welscher Schuß

Dem Gießer das Leben.

Habt acht! es wird die Sonn

Sich dann verschleiern;

Die Professoren in Bonn,

Die werden feiern.

Werden feiern, doch nicht

Das Fest des Alten;

Sie können am Jüngsten Gericht

Die Pauke halten.

Was ist mein Deutschland? was?

Frag ich mit Trauer.

O Alter, du weißt jetzt das

Dort oben genauer,

Genauer, als du es hier

Auf Erden gewußt hast;

Ich bitte dich, sag es mir,

Wofern du Lust hast!

Deutschland sammelt für Arndt

Viel tausend Taler.

Was half's, daß er euch gewarnt,

Ihr Prahler!

 

 

Georg Herwegh

Antwort

1845

Zu dem Meere, zu dem Meere

Folge mir, Geliebter, nach;

Über ihm steht noch der hehre,

Unentweihte Schöpfungstag.

Uns zum Haupt ein Meer von Sternen,

Unter uns die heil'ge Flut,

Um uns eine Welt von Fernen,

In uns eine Welt von Glut.

Tausend Wellenaugen blinken

Glückberauscht ob unserm Bund,

Und die luft'gen Algen winken

Uns zum stillen Pflanzengrund.

Hör den Riesensturm der Töne,

Oh, wie lieb ich ihn so sehr!

Bild der Jugend, Bild der Schöne,

Ew'ger Anmut Bild, das Meer.

Daß ich dich im Arme hielte

Eine einz'ge kleine Stund,

Deinen warmen Herzschlag fühlte,

Einen Hauch von deinem Mund –

Fürchten wollt ich nicht die Wellen,

Die im Sturm manch Schiff zerschellt.

Sprich, sind wir nicht auch ' Rebellen

Gegen eine Sklavenwelt?

 

 

Georg Herwegh

Ultimatum an die Kleinen

Juli 1866

Nicht im Lager von Österreich,

Nicht im Lager von Preußen

Sucht uns, ob die Lüge gleich

Auftut alle Schleusen!

Österreich ist uns zu feist,

Preußen uns zu mager

Und es lebt der deutsche Geist

Heut in anderm Lager.

Weil ihr aber alle blind,

Wittelsbach und Welfe,

So erlaubt, daß ich geschwind

Auf den Weg euch helfe!

So ein Deutschland bis zum Belt

Stünd nach unsern Sinnen,

Müßten wir mit aller Welt

Drum den Krieg beginnen!

So ein Deutschland bis ans Meer

Rechts und links gedrungen!

Etwas frische Seeluft wär

Gut für unsre Lungen.

So ein Deutschland, wo im Rat

Volkesstimm geehrt ist;

So ein Deutschland, wo zur Tat

Jeder Arm, bewehrt ist.

Nicht ein Deutschland, das noch tanzt

Um die Bundeslade

Und auf Schutt und Moder pflanzt

Sein Panier, – wie schade!

Nicht ein Deutschland, wo noch mit

Herrschen die Kosaken,

Weil man aus dem Purpur schnitt

Dreißig Kinderjacken!

Wenn ihr denkt, aufs alte Ziel

Wieder hinzusteuern,

Wenn ihr denkt, das alte Spiel

Wieder zu erneuern;

Wenn ihr denkt, ins alte Joch,

An den alten Karren

Uns zu spannen, weil wir doch

Stets die alten Narren;

Wenn ihr denkt, den faulsten Thron

Ewig zu beschützen

Und auf eine Million

Söldner euch zu stützen;

Wenn ihr glaubt, daß wir das Blut

Abermals vergießen

Und, wenn gnädig ihr geruht

Unsre Augen schließen;

Wenn ihr glaubt, daß wiederum

Wir aus euren Händen

Junker – uns und Pfaffentum

Ruhig lassen spenden;

Wenn ihr mit dem Siegesfest

Glaubt die Glut erloschen,

Weil ihr pfiffig abgepreßt

Uns die letzten Groschen;

Wenn ihr heute noch nicht wißt,

Was die Uhr geschlagen,

Und die Stunde hofft mit List

Wieder zu vertagen;

Wenn ihr heut noch nicht begreift,

Daß der Freiheit Samen

Endlich für uns alle reift

Dann, in Gottes Namen!

Dann, Herr Pfordten und Herr Beust

Und ihr Herrn Triarier,

Dann belehren euch die Fäust

Unsrer Proletarier!

 

 

Georg Herwegh

Die Arbeiter an ihre Brüder

Frei nach dem Türkischen

1866

Wir schüren in den Essen

Die Feuer Tag und Nacht,

Am Webstuhl, an den Pressen

Steht unsre Friedenswacht.

Wir schürfen in dem Qualme

Der Gruben nach Metall,

Den Segen goldner Halme

Dankt uns der Erdenball.

Doch wenn das Korn gedroschen,

Dann heißt es: Stroh als Lohn,

Dann heißt's – für uns den Groschen,

Den Taler dem Patron.

Dann heißt's: für uns den Schragen,

Das weiche Bett dem Gauch!

Dann heißt's: Nichts in den Magen

Und Kugeln in den Bauch!

Vergebens aus der Tiefe

Steigt der Beraubten Chor,

Mit seinem Vollmachtsbriefe

Ans Glück, zum Licht empor.

Was hilft es, daß wir trotzen,

Solang noch mordbereit

Ihr gegen uns den Protzen

Die starken Arme leiht?

O weh, daß ihr im Bunde

Mit ihnen uns verließt

Und daß ihr uns wie Hunde

Auf ihr Geheiß erschießt!

Ach, wenn sie euch nicht hätten,

Wär alles wohlbestellt;

Auf euren Bajonetten

Ruht die verkehrte Welt.

An euren Bajonetten

Klebt aller Zeiten Fluch;

Wir trügen keine Ketten,

Trügt ihr kein buntes Tuch;

Wir brauchten nicht zu fronen

Für Sultan und Vezier,

Nicht länger für die Drohnen

Zu darben brauchten wir.

Wir hätten nicht zu beben

Vor Pascha oder Scheik

Und könnten bald erleben

Den großen Fürstenstreik.

Durch euch sind wir verraten,

Durch euch verkauft allein

Wann stellt ihr, o Soldaten,

Die Arbeit endlich ein?

 

 

Georg Herwegh

Verrat!

Verrat – ihr habt’s gesprochen,

Verrat – ihr habt's erkannt.

Es sei mit euch gebrochen;

Die Brücken sind verbrannt.

Doch habt ihr selbst vergessen,

Wie ihr das Volk verkauft,

Wie ihr euch auf Kongressen

Um Kronen habt gerauft?

Erst lief er vor dem Berge,

Der deutsche Sumpf, davon,

Dann höhnten sie, die Zwerge,

Die Revolution,

Die Nüchternen den Zecher,

Der endlich niedersank,

Weil er den Freiheitsbecher

Bis auf die Hefen trank.

Schönredner, mit der Urne

Der toten Herrlichkeit,

Beschritten im Kothurne

Die Bühne unsrer Zeit;

Sie haben in dem Schutte

Den Unrat aufgerührt,

Den Geßlerhut, die Kutte

In Frankreich eingeführt.

Auf heißer Opferstätte

Habt ihr, nach deutscher Art,

Vergoldet unsre Kette

Und – vor dem Rost bewahrt.

Schleppträger der Bourbonen –

O pfui, ein garstig Lied!

Wo sind die Nationen,

Die Deutschland nicht verriet!

Zu Zeugen ruf ich Polen,

Das Heldenvolk, herbei,

Das dreimal ward bestohlen

In schnöder Räuberei;

Zu Zeugen jene tote

Italische Republik, –

Fluch euch, Ischariote

Der deutschen Politik!

Wir wollen's auch verraten,

Das schlechte Vaterland

Der vierzig Potentaten

Und deinen Unverstand,

Wie du in grauer Ferne,

O Volk, dein Heil erschaust

Und lieber auf die Sterne

Als auf dich selbst vertraust.

Wir wollen es verkünden,

Verraten laut und dreist,

Was ihr für »Burgen gründen«

Wollt unserm deutschen Geist;

Verraten, welche Schelle

Zu deutschen Ohren klingt

Und welche trübe Quelle

Im deutschen Sande springt.

Wie du das Wort beschnitten,

Eunuchen-Regiment,

Wie feige wir's gelitten

Und was man Freiheit nennt,

Freiheit für »das erstarkte

Germanische Geschlecht«:

Den Stock auf offnem Markte

Und das geheime Recht!

Wie ihr in blindem Schnauben

Das letzte Licht erstickt

Und euren alten Glauben

Mit neuen Lappen flickt

Und wie wir die Genarrten

Bei eurer Weisheit sind

Und wie in deutschen Karten

Der König nur gewinnt;

Wie ihr, getreue Stände,

Den Rücken biegt so krumm,

Wie offen eure Hände,

Und euer Mund – wie stumm!

In Rätseln und in Runen

Hüllt ihr nur Knechtssinn ein;

Ihr könnt nicht die Tribunen

Des deutschen Volkes sein!

Drum sei mit euch gebrochen!

Die Brücken sind verbrannt.

Verrat! ihr habt's gesprochen,

Und ihr habt recht erkannt.

Du Land, das sonder Scheue

Zertritt die junge Saat,

Du machst Verrat zu Treue

Und Treue zu Verrat!

 

 

Georg Herwegh

Die drei Sterne

Es traten einst um Mitternacht

Der Sterne drei zusammen,

In nie gesehner heller Pracht,

In nie gesehnen Flammen.

Da scholl es aus des ersten Mund

Von blasser Silberlippe:

»Ich tat den Weg den Völkern kund

Zu eines Gottes Krippe.«

Und stolz darein der zweite schaut,

Wie um sich selbst zu sonnen:

»Auf mich hat Caesar einst vertraut

Und eine Welt gewonnen.«

»Zu mir blickt«, fuhr der dritte fort,

»Das schönste Kind von allen.« –

Am Himmel klang noch laut sein Wort,

Der Stern war schon gefallen.

 

 

Georg Herwegh

Sie war, sie war mein eigen

Sie war, sie war mein eigen,

Des Frühlings schönste Blume mein,

Mein Herz schlug in den Zweigen

Als Vögelein.

Die Blume ist verdorben,

Verdorben, als der Sommer kam,

Das Vöglein ist gestorben

Vor Leid und Gram.

Was soll ich stehn und klagen,

Ein welkes Blatt am Herbstesstrauch

Wohin du die Blume getragen,

Sturm, trage mich auch.

 

 

Georg Herwegh

Chlodwig

Juli 1868

Brule ce que tu as adoré,
Adore ce que tu as brulé,
Fier Sicambre!

Wir kommen aus der Schwärmerei

Allmählich in die Praxis

Und haben unsre Posten frei

Gemacht von Thurn und Taxis.

Die Briefe können leichtbeschwingt

Um einen Groschen reisen,

So weit die deutsche Zunge klingt –

Gelobt sei Blut und Eisen!

Wir zahlen alle gleichen Zoll

Für Zucker, Kaffeebohnen,

Der feinste Mokka droben soll

Die Zöllner einst belohnen.

Besteuert ist der Knaster auch,

Für Flinten, wie wir lesen;

Wir machen viel und wissen: Rauch

Ist alles ird'sche Wesen.

Zehn Schüsse pro Minute! wer

Wagt länger noch zu hadern?

Zehn Schüsse! Niemand zweifelt mehr

An diesen Hinterladern.

Der große Braun, der große Metz,

Die Besten und die Bessern,

Sie harrten nur auf Königgrätz,

Um in die Spree zu wässern.

Der Schweizer Bluntschli ist bereit,

Ganz Baden zu verschenken;

Crispinus pflegte jederzeit

Sehr liberal zu denken.

Der Welfe ließ, ein blöder Tor,

Gewaltsam sich vertreiben;

Der kleine Waldeck zieht es vor,

Sich selber zu entleiben.

Wie's an der Isar ist bestellt?

Fragt nach bei andern Leuten!

Die Bretter sollen dort die Welt,

Der Pfordten nichts bedeuten.

O Michel, in Erfüllung geht

Dein allerkühnstes Hoffen:

Vorn Asperg bis nach Celle steht

Dir jedes Zuchthaus offen.

Du wirst in Handel und Justiz

Dich brüderlich vergleichen;

Dann wird der Stock des alten Fritz

Dich überall erreichen.

Die Einheit war kein leerer Wahn –

Heil ihm, der das erkannt hat!

Der stolze Sicambrer betet an,

Was er so lang verbrannt hat.

Verbrannt – erschossen – du wirst dich nun

Materiell erheben!

Mein Deutschland, laß die Toten ruhn –

Und König Chlodwig leben!

 

 

Georg Herwegh

Gutenbergslied

bei der Feier der Erfindung der Buchdruckerkunst zu Konstanz, 1840

Kennt ihr, kennt ihr das freie Wort,

Das mit der Sonne kreist?

Das mit den Wogen donnert fort?

Das mit dem Sturme reist?

Das reich wie Tau vom Himmel tropft,

An Hütten und Paläste klopft?

Kennt ihr den freien Geist?

Kennt ihr, kennt ihr das Zauberschwert,

Dem jede Lüge fällt?

Kennt ihr den Meister, lieb und wert?

Kennt ihr der Helden Held?

Von Gutenberg singt mir ein Lied,

Ein Lied vom guten Waffenschmied,

Ein Lied vom Mann der Welt!

Die Wahrheit klingt von Ohr zu Ohr,

Sie klingt von Mund zu Mund,

Sie hat wie Sterne ihren Chor

Und tut sich allwärts kund;

Das Wort rauscht wie das freie Meer

Frei um die weite Erde her

Und schließt den Völkerbund.

Und der es so aus stummer Nacht

Erlöst, der das getan,

Der tausendfältig es gemacht,

Dem stimmt ein Loblied an!

Heil ihm, Heil ihm und seinem Werk!

Dem Gutenberg, dem besten Berg!

Heil jedem freien Mann!

 

 

Georg Herwegh

Festgruß zum Basler Schützenfest 1844

Ein Jubel, tausendtönig,

Verkündiget dein Nahn;

Du ziehst, dein eigner König,

O Volk, zum Fest heran!

Ein Volk schwingt seine Mützen –

Ihr großen Herrn, Respekt!

Und auch der Schütz der Schützen

Hat sich im Zug versteckt.

Ein Fest der Liebe soll es,

Ein Fest des Bundes sein,

Die Asche unsres Grolles

Wir streun sie in den Rhein;

Der mag sie weiterwälzen,

Ob man sie draußen braucht,

Indes auf unsren Felsen

Ein Brand der Liebe raucht.

Ihr frohgeschmückten Zecher,

Vergeudet nicht den Saft,

Und leert heut jeden Becher

Auf unsre Brüderscbaft!

Denkt bei dem Blut der Reben

Des Ackers, blutigrot,

Trinkt: auf ein freies Leben!

Und einen großen Tod!

O grüßt ihn dort, den Boden,

Mit Leichen eingesät!

O nehmt ihn mit, den Odem,

Der dort herüberweht!

Dort lest, wenn's eure Feder

Zu schreiben auch vergaß:

Zwölfhundert! und ein jeder

War ein Leonidas!

Dort sind sie hingezogen

Und haben's wohl gezeigt,

Wie man mit Schwert und Bogen

Den Feind zur Hölle geigt.

Man tanzte neue Weisen

Auf diesem Ehrenfeld;

Zwölfhundert Schweizer-Eisen

Mit einer Söldnerwelt!

Zwar sind sie all geschwunden

Durch Feindes Überwucht;

Doch der hat überwunden,

Der solchen Tod gesucht.

Wohl konnt der Feind sie töten;

Doch bleibt in jedem Krieg

Geschlagen, wer erröten

Muß über seinen Sieg.

Drum Sohn des Wallis, blicke

Heut nicht so düster drein!

Es werden die Geschicke

Vor Abend anders sein.

Die jüngst mußt unterliegen

In Tagen bittren Leids,

Heut ist's an ihr zu siegen,

Heut gilt die junge Schweiz!

In deinem Gletschermeere

Zerscheitern wird sie bald,

Die üppige Galeere

Der römischen Gewalt;

Der vor vierhundert Jahren

Gerufen: »Es muß gehn!«

Der Geist der Heldenscharen

Wird in uns auferstehn!

 

 

Georg Herwegh

Auch ein Fortschritt

Oktober 1859

Wir zogen von Gotha bis Eisenach

In zehen Jahren, gemach, gemach;

Von Gotha bis Eisenach sind drei Meilen

Staatsmänner sollen sich nicht übereilen.

Wir zogen von Gotha bis Eisenach

Zehn Jahre; – wir streben den Griechen nach:

Zehn Jahre mußten sie Troja belagern –

Sie hatten Achill, wir hatten Gagern.

Wir zogen von Gotha bis Eisenach –

O Politik, o trauriges Fach!

Es ist sehr schwierig, den Stall zu rein'gen

Und sein langwierig Deutschland zu ein'gen.

Wir zogen von Gotha bis Eisenach,

Wo Luther dem Teufel geboten Schach;

Wir werfen noch immer mit Tintenfässern,

Doch wir verstehn's, die Tinte zu wässern.

Wir zogen von Gotha bis Eisenach

Zehn Jahre vertrocknet ist mancher Bach,

Manch Herz verdorrt wie eine Dattel,

Auch mancher Freund nicht fest mehr im Sattel.

Wir zogen von Gotha bis Eisenach –

Manch eiserner Trutz wie Glas zerbrach;

Dem Rausch folgt oft ein greulicher Kater,

Wir singen wieder den »Landesvater«.

Es schläft sich so süß in Eisenach –

Eine schöne Gegend, auch nicht zu flach;

Die Ochsen können dort stehn am Berge,

Im Thüringer Wald gibt's viele Zwerge.

Im Thüringer Wald bei Eisenach,

Wohl unter germanischer Eichen Dach,

Da sitzen die Feen, sie sitzen und sinnen

Ich möchte wohl wissen, was sie jetzt spinnen.

Sie sitzen und sinnen um Eisenach –

Besinnen ist eine schöne Sach:

Wo bleibt der Gagern? und werden wir's bringen

Mit Gottes Hilfe noch bis Meiningen?

Man kann auch bis Jena von Eisenach,

Viel schneller als anno Sechse, ach!

Die Eisenbahn ist eine schöne Erfindung,

Der Deutsche Bund ist eine schöne Verbindung!

 

 

Georg Herwegh

An Emma zum Geburtstag

10. Mai 1860

Ich träumte von Schätzen die ganze Nacht,

Die ich dir wollte senden,

Und drüber bin ich aufgewacht

Mit leeren, leeren Händen.

Die Blumen schmücken dieses Jahr

Zwei Gräber deiner Lieben;

Die Blumen der Freude sind sogar,

Ich glaube, ausgeblieben.

Eins schleicht sich nach dem andern fort –

Und wären wir beständig?

Zuletzt bleibt noch ein Menschenwort

Am sichersten lebendig.

Mit solchem Worte denkt dein Mann

Dich baldigst zu begrüßen,

Und diesen Schatz legt er alsdann

Dir, lieber Schatz, zu Füßen.

 

 

Georg Herwegh

Der sterbende Republikaner

Im Zimmer, klein und enge,

Stirbt Hungertods ein Mann;

Und draußen tobt die Menge:

»Heil Philipp Orleans!«

Wo sind, die sich gesellten

Dem Sterbenden in der Not?

Wer reicht dem Julihelden

Das letzte Stückchen Brot?

»Ein Stückchen Brot, ihr Herren,

Und keinen Königsthron!

Ein Stückchen Brot, ihr Herren,

Und keine Million !

Kam es euch aus dem Sinne,

Wie ich einst König war?

Hielt diese Hand nicht inne,

Die Krone lief Gefahr!

Ihr wäret drum betrogen,

Hätt sie mir gut gedeucht!

Ich hab sie wohl gewogen,

Ich fand sie viel zu leicht!

Ich will nicht eure Kronen,

Ich brauch nur wenig Sous

Von euren Millionen

Zu einer Leichentruhl

Ich focht für eure Flaggen,

Und wär euch nun so fremd?

Ein Stückchen Brot! Ein Laken

Zu meinem Sterbehemd!«

Und lauter tobt die Menge:

»Heil Philipp Orleansl«

Im Zimmer, klein und enge,

Stirbt Hungertods der Mann.

»Leis schlägst du Herz zum Ende,

Und niemand schaut es an;

Kein Mensch hat an die Wände

Mir nur ein Kreuz getan!

Kein Gott! kein Brotl wie wenig

Bracht mir der blut'ge Sieg!

Es lebe – wer? der König?

Nein doch – die Republik!«

 

 

 

Georg Herwegh

Bei Einführung der Höflichkeit in der französischen Armee

1872

Aller Sitte sind sie bar,

Sind das eingefleischte Böse;

Drillen wollen sie nun gar

Menschlich ohne Rippenstöße!

Freiheit, Gleichheit, Brüderschaft

Spuken in den welschen Köpfen;

Deutsche Krieger! unsre Kraft

Laßt aus deutscher Zucht uns schöpfen!

König, Gott und Vaterland

Heißt die deutsche Prachtdevise.

Lust'ger deutscher Heldenstand

Was erträgst du nicht für diese?

König, Gott und Vaterland

Gingen sicherlich verloren,

Schlüg kein deutscher Lieutenant

Dich mehr um die deutschen Ohren.

 

 

 

Georg Herwegh

Der Dichter des Augustus

oder

Der neue Sängerkrieg

November 1868

»Nun sei bedankt, mein lieber Schwan,

Mach anderswo dich feister,

Gelockt hat auf die falsche Bahn

Dich Lübecks Bürgermeister.

Du buhlst mit einem neuen Stern

Und schickst zurück den meinen;

Du lobst den Herrn, ›vom Herrn der Herrn

Erkoren‹, nicht den deinen.

Emanuel von Geibel, ach,

Wie lang dich nähren soll er?

Bezahlt hat dich der Wittelsbach,

Und du besingst den Zoller!«

Der König schweigt und Cäsar spricht:

»Ich fühl mich sehr gehoben

Durch deines Sängers Festgedicht

Und übern Main geschoben.

Horazen spann ich nebst Virgil

An meinen Siegeswagen;

Der tiefe Sinn im kind'schen Spiel

Erfüllt mich mit Behagen.

Vom Fels zum Meer! belohnen muß

Ich endlich diese Braven;

Ich laß dir deinen Musikus

Und Hermann Linggs Oktaven.«

Er sagt's und öffnet frohgestimmt

Die allerhöchsten Schleusen

Der Gnade; Bayerns Muse nimmt

Sich ein Billett nach Preußen.

 

 

 

Georg Herwegh

Der Schwabenkaiser

August 1867

Bedenk ich die Sache ganz genau,
So brauchen wir gar keinen Kaiser.
Heine

Ein Schwab und nicht ein Preuße war

Als Kaiser uns versprochen,

Wir pflegen schon sechshundert Jahr

Auf diesen Mann zu pochen.

Der Dichter sucht von Zeit zu Zeit

Ihn aus dem Schlaf zu pfeifen;

Nie weiß er die Gelegenheit,

Der Kaiser, zu ergreifen.

O sprich, mein heimatlich Genie,

Wann wirst du einmal fertig?

Vor Zukunftsträumen siehst du nie,

Was not tut gegenwärtig.

Wach auf, wach auf, 's ist heller Tag!

Hervor aus deiner Kammer,

Und ende keck mit einem Schlag

Den deutschen Katzenjammer!

Hilf gründen uns ein Vaterland

Zum Ärger der Kalmücken;

Dir, Kaiser, ist ja längst bekannt,

Wo uns die Schuhe drücken.

In Ruhe bleiben werden wohl

Die welschen Faselhänse;

Bring wieder auf das Kapitol

Den Adler statt der Gänse!

Tilg unsre Schmach, o Herr, und tritt

Der Zwietracht auf den Nacken,

Die deinen Purpur uns zerschnitt

Zu dreißig Kinderjacken!

Wach auf, wach auf, und greife frisch

Nach deinem Feldherrnstabe!

Sonst nimmt man auch von deinem Tisch

Die Krone, alter Schwabe.

Hinweg mit Kolben, Axt und Speer,

Dem ritterlichen Plunder!

Studier das neue Mordgewehr,

Das Hinterladungswunder!

Wie kommt's, daß man zu Königgrätz

Dich, Kaiser, nicht zu Roß sah?

Von Moltke hört ich und von Rhetz,

Doch nichts von Barbarossa.

Ach, Waiblingen, sie sagen schon,

Du seist nur eine Mythe,

Und du verlierst sogar den Thron

Im schwäbischen Gemüte.

Ja, in mir selber tobt ein Schwall

Aufrührischer Gedanken,

Ich werde mich in keinem Fall

Um deinen Bart mehr zanken.

Sechshundert Jahr zu hatten dein,

War leeres Stroh gedroschen;

Ich geh zum Nationalverein

Mit dreißig Silbergroschen.

Ich will mit einen neuen Herrn

Statt meines alten kaufen;,

Zum Kaiser hab ich grad so gern

Die Zollern wie die Staufen.

 

 

 

Georg Herwegh

Zur Schillerfeier in Zürich

Prolog für die Festvorstellung im Theater am 10. November 1859

Vivos voco

Vor hundert Jahren kam ein Schwan gezogen

Vom Geisterland, ein wunderbarer Schwan.

Nach kurzer Rast heimwärts ist er geflogen –

Wir rufen ihm auf seine Sternenbahn

Hinauf den Gruß vom niederen Gestade

Und denken heut der sonnenhellen Pfade,

Die er dahinzog, und der lichten Spur,

In deren Schein verklärt ward die Natur,

Licht floß ihm von der reinen Schwinge nieder,

Licht strahlt' er in des Schicksals dunkeln Gang,

Vom Glanz der Wahrheit blitzte sein Gefieder,

Und der Gedanke ward bei ihm Gesang,

Der ihn entzückt in trunknem Flug

Bis vor den Thron der Schönheit trug.

Ein Alexander barg in goldnem Schrein

Das hohe Lied von Ilium.

Doch unsern Dichter, in dem Heiligtum

Des Herzens schloß ein ganzes Volk ihn ein.

Und trennt uns groß’ und kleine Leidenschaft

Und gegenseitig bitteres Verneinen –

Dem Genius verbleibt die Kraft,

Uns alle um sich zu vereinen.

Wir grüßen ihn, den Herrscher unsrer Seelen,

Als gält's in dieser trüben Zeit

In ihm den Führer uns zu wählen,

An seinem Wort das Schwert zu stählen,

Bis wir's gebrauchen in dem Streit.

Wir wissen nicht, was uns beschieden,

Es waltet heut ein böser Stern:

Wir hatten Krieg und haben keinen Frieden,

Und donnern hör ich schon von fern.

Doch sehn wir auch, wie trotz dem Bleigewichte

Der Finsternis ein Volk jetzt aufwärts strebt;

Die Freiheit ist die Flut der Weltgeschichte,

Und manche Woge sehn wir, die sich hebt.

Wir sehen auch, es schwindet das Vertrauen

Auf jeden ird'schen Herrscherstab;

Drum wollen wir auf jene Krone bauen,

Die er der Menschheit wiedergab.

Von außen kommt kein Brecher ihrer Ketten;

Der eigne Adel in ihr wird sie retten.

Der Menschheit Bild in herrlichster Vollendung,

Wie sich's in tiefem Schauen ihm enthüllt,

Zu offenbaren – das war seine Sendung;

Er hat sie treu erfüllt.

Und sehnend wenden Millionen heut

Den Blick zu ihm, den Blick nach innen;

Und wie uns auch der Lärm der Welt zerstreut,

Wir sammeln uns zu weihevollem Sinnen. –

Wo ist im großen Menschenstrom die Welle,

Die so der Glut von oben sich verschließt,

Daß nicht ein Teil von ihr des Himmels Helle,

Frei von des Stoffes Wucht, entgegenfließt?

Wer ist, der um den Glanz erworbner Habe

Den angebornen Glanz so von sich warf,

Daß er hier fürder keiner andern Labe

Als aus dem Born gemeinen Glücks bedarf?

Wer ist in dieser frohbewegten Schar,

Wenn er den Mißklang unsrer Welt empfunden,

Der ihm nicht dankbar für den Wohllaut war,

Den er in seinen Melodien gefunden?

Wer ist, dem nicht der eigne Manneszorn

Aus seinem Wort veredelt widertönte,

Daß noch mit Blüten sich des Mißmuts Dorn,

Wenn auch mit Leidesblüten krönte?

Denn tief im Schönen wurzelte sein Glaube:

Durchs Schöne führt der Weg aus niedrer Qual,

Durch jene Kunst, die einst zum zweiten Mal

Den Menschen schuf – aus der Hellenen Staube.

Und solcher ew'gen Schönheit Zauber wußt

Zu legen er in jenen letzten Klang,

Als, mit dem Todespfeil in seiner Brust,

Den Pfeil, den rettenden, er für euch sang.

Ihr wißt, mit Leibesaugen hat er nie

Die Alpen, Zeugen jener Tat, geschaut,

Hervor aus seiner Seele sprangen sie,

Die ja mit allen Höhen war vertraut

Und allen Tiefen – nichts hat ihn erschreckt,

Er forscht' und forschte, bis er die Gesetze,

Unwandelbar im Flüchtigen, entdeckt.

O sprecht, von allen, welche Schätz um Schätze

Turmhoch auf dieser Erde auf gespeichert –

Hat einer so wie er die Welt bereichert?

Sein erster Schritt, wie war er stolz und kühn!

Doch welcher Segen sollt uns noch erblühn,

Als er an dir den Freund gefunden, Goethe!

Wie Streben rasch an Streben sich erhöhte!

Wie ihr vereint dem Ziel seid zugeeilt

Und großgesinnt die Palme habt geteilt!

Es werden Sterne auf – und niedergehn

Solch einen Bund wird man nicht wiedersehn

Der Kunst getreue Wächter, Hand in Hand,

So stehn sie da, gepriesen und bewundert,

Nie mehr getrennt wird man von Land zu Land

Sie nennen, von Jahrhundert zu Jahrhundert.

Innig verbunden, haben sie ein Band

Fest wie kein anderes um uns geschlungen.

Der von der Glocke uns das Lied erfand,

Hat er nicht selbst, wie sie, in Freud und Leid,

In kummer- wie in hoffnungsvoller Zeit

In unserm ganzen Leben mitgeklungen?

Seit jenem Tag, da mit ureigen neuer

Gewalt des Worts er Rechnung abgefodert

Der alten Welt und seines Zornes Feuer

Erschreckend wie entzückend hat gelodert!

Die Lava war es himmlischen Genies,

Der später jener edle Wein entsprossen,

An die ein volles Dichterparadies

Der schönsten Schöpfungen sich angeschlossen.

Es sorgt das Leben schon, uns abzukühlen:

Mit zwanzig Jahren wird man stets so fühlen.

Ihr, junge Herzen, haftet fest das Echte

In eures Dichters erstem Jugendschwung –

Ach, nur zu frühe vor dem Rausch der Knechte

Lernt in uns schweigen die Begeisterung. Bleibt jung!

Bleibt jung! Bleibt jung!

Er siegt, der Geist, der einst auf schwachen Planke

Kolumb gerettet und Kolumbs Gedanken

Und Philipps Flotte, die der Welt gedräut,

Wie kindisch Spielzeug in den Wind zerstreut.

Und scheitert auch ein königlicher Schwärmer,

Verzweifelt nicht: das gute Werk gelingt.

Aus tiefem, unbekanntem Schoß entspringt

Der Heilung Quell – je tiefer, desto wärmer.

So lehren uns der Mutter Erde Schichten,

So lehren uns der Menschenwelt Geschichten.

Blickt auf den Tell und jene Hirten hin!

Auf Frankreichs Retter, auf die Schäferin!

Vorahnend wollt er uns die Quellen zeigen,

Daraus die Geister der Erlösung steigen.

Die Zeit, die wir gesehn im WalIenstein:

»Wo nichts der Bürger galt, der Krieger alles!«

Bald sollt sie brechen über uns herein,

Die schwere Stunde unsres tiefsten Falles.

Wir lagen da zertrümmert und vernichtet;

Der Geist, der in ihm lebt, der hat uns aufgerichtet

Und wenn wir gut und wenn wir groß gehandelt,

So war's, weil er den Menschen umgewandelt,

Und wenn die Kraft des Volkes Wunder tat,

So war's, weil in ihm aufging seine Saat.

Mächtig wie deiner Wogen Schwall, o Meer,

Prächtig wie deiner Lieder Schall, Homer,

So in die Seelen sang er feurigen Mut,

So in die Seelen schwang er himmlische Glut.

In Not Lind Drängen wuchs an ihm empor

An seinen Gesängen

Ein Heldenchor.

Und als der Kampf entbrannt war ohnegleichen

»Um Herrschaft und um Freiheit« in der Welt,

Da standen unsres Schillers Zeichen

Mit uns im Feld.

Und als geschlagen ward die letzte Schlacht,

Hat uns zum Sieg geführt auch seine Macht.

Er war im Bild vergangner Zeiten

Der bessern künftigen Prophet

Und wird, ein Freund, das deutsche Volk begleiten,

Solang ein deutsches Volk besteht.

Im Schmuck der Jugend, wie in grauer Locke,

Wir sind ihm alle, alle treu verblieben –

Er selbst ist heute jene reine Glocke,

Drauf VIVOS VOCO deutlich steht geschrieben.

Sie kommen all, die Lebenden, die Seinen,

Bezwungen von des Rufes Hochgewalt,

Und wenn sie einst als Wetterbrecher schallt,

Sie werden alle wiederum erscheinen. –

Ihr aber bleibt von seinem Feste fern,

Die ihr ihm den Tribut der Liebe stahlt,

Der Fackeln, die zu löschen ihr befahlt,

Bedarf kein Stern.

Ihr Toten möget ruhen in dem Herrn,

Der euch bezahlt.

Doch wisst! Ihm, dem aufs Haupt der Musen Gunst

Ausgoß jedweder Himmelsschöne Tau –

Ihm war der Gipfel aller Menschenkunst

Der Freiheit Bau.

Ihr habt an ihm auch euren Witz geübt,

Auch seines Wortes klarsten Sinn getrübt,

Des Volkes Augen werden aber hell;

Es ruft: Ich hin Johanna, ich bin Tell!

Und »wenn kein Meister will die Form zerbrechen,

Mit weiser Hand, zu rechter Zeit«,

Tells Dichter wird ein Volk nicht schuldig sprechen,

Das endlich »selber sich befreit«.

»Das Reich der Freiheit hat dir Gott gegründet«,

O Schweiz, nur dir allein?

Sein Wort hat überall gezündet;

Das Reich der Freien, es muß größer sein.

Deutschland und Schweiz! Wie uns ein Strom, der Rhein

So hält ein Geistesstrom uns heut zusammen,

Und wie wir glühen von denselben Flammen,

Sei unser Gruß dem, der sie angefacht,

Demselben Genius von uns gebracht!

Erhebt euch! nicht vor einem Meister,

Der vor sein Volk in Purpur tritt;

Erhebt vor einem Fürsten euch der Geister,

Der nur für Menschenwürde stritt!

Erhebt euch heute dem zur Ehre,

Der euch so oft der dumpfen Schwere,

Der Angst des Irdischen enthob

Er ist zu groß für unser Lob;

Nur Liebe dringt in! seine Sphäre,

Nur Liebe werd ihm drum zuteil:

Heil, Schiller, Heil!

Die Feuer flammen, und die Glocken läuten,

Doch ist's nicht allerorten gut bestellt,

Und manche Bretter möchten heut bedeuten

Wohl eine andere als diese Welt.

»Die nur den Geist anrufen in der Not,

Und denen grauet gleich, wenn er sich zeigt« –,

Für sie ist unser Dichter tot

Und schweigt.

Doch kann's geschehen, daß in dem Volksgemüt,

Das liebend dich so lange schon in stiller

Andacht gehegt, ein neuer Sinn erglüht –

O gib ihm deinen Segen, großer Schiller,

Daß es kein Spiel jetzt treibt mit deinem Namen,

Und daß es endlich ruft: So will ich, denn so will er, Amen!

 

 

 

Georg Herwegh

Die Ureigentümerin

Herbst 1870

Bei Wörth die ersten Prügel schon

Erhalten hatte Mac Mahon;

Geschlagen war am Sauerbach

Die Schlacht, und Berthold Auerbach,

Die Seelengröße der Geschütze

Bewundernd, in der Preußenmütze,

Mit seinem Astronomenchor

Drang stammverwandt nach Straßburg vor.

Versunken saß ich in Gedanken;

Mit war, als hört ich lautes Zanken;

Alldeutschland schrie: Nun kann ich holen,

Was mir die Welschen einst gestohlen!

Gemach, ihr Deutschen, schrien die Kelten,

Ihr stahlt es uns, spart euer Schelten!

Gemach, ihr Kelten, schrien die Finnen,

Ihr stahlt es uns, trollt euch von hinnen

Was habt ihr Finnen hier zu schaffen?

Das Land war unser, schrien die Affen.

Wir waren vor den Affen hier,

Brummt Fisch und Sauriergetier.

Und wir, entgegneten die Schnecken,

Wir hatten hier im Meeresbecken

Schon vor Äonen manches Haus;

Hinaus, Eindringlinge, hinaus!

So ging's entlang die Stufenleiter

Der Wesen ad absurdum weiter.

Die Sonne nahm zuletzt das Wort:

»Oh, ihr Gorillentsproßnen dort!« –

Begann sie – »die ihr euch erfrecht,

Zu pochen auf historisch Recht,

Und euch dafür, zum Spaß der Kronen,

Bekriegt mit Flinten und Kanonen;

Ihr Träger herrlichster Kultur,

Die ihr in Schillern wohl und Goethen

Als höchste Kunst die Kunst zu töten

Erlernt habt; eins vergaßt ihr nur,

Daß dieser ganze Erdenbettel

Einst mein war, Einschlag so wie Zettel,

Und wieder mein wird, wenn's gelegen

Dem unbekannten Weltstrategen.

In meiner Sonnenseele leid

Tut mir's, daß ihr so töricht seid,

Die plumpsten Götzen anzubeten,

Die Eisen- und die Blutpropheten –

O dürft ich eueren Planeten

Mit annexieren vor der Zeit,

Dem Mordgebrüll, den Siegesmärschen

Ein Ende machen und dem närr'schen

Weltherrschaftsdünkel in Berlin,

Das ich von je nicht gern beschien!

Der Aufschub hat mich oft verdrossen –«

Hier wacht ich auf – ich glaub, ein Kreuz

Ward von den frommen Söhnen Teuts

Am Münster just entzwei geschossen:

Die Sonne hatte zornerfüllt

Am Himmel droben sich verhüllt.

 

 

Georg Herwegh

Abfertigung

März 1870

Ein bettelpreußisches Journal

Hat mir durch einen grünen Jungen

Im Tone »nationalliberal«

Ein de profundis abgesungen.

Vielleicht hat's recht, trägt Deutschland gern

Die Schleppe preußischer Despoten,

Dies »neue Deutschland« bleib mir fern

Und zähle mich zu seinen Toten.

 

 

Georg Herwegh

Einem Andern

Mai 1863

Du neues Dichterblümchen,

Du bist von deinem Rühmchen

Schon gänzlich enrhümiert.

Sukzeßchen um Sukzeßchen!

Köchinnen und Prinzeßchen

Sind alle enchantiert.

Balladen und Romänzchen,

Doch ohne Heines Schwänzchen,

Sonett und Triolett

Und jugendgreise Sprüchlein –

Man findet dich, Eunüchlein,

An jedem Damenbett.

Du sprichst zu deinem Volke:

»Sing, spiele, geige, polke,

Berausch dich dudeldick!

Kannst malen wie in München,

Auch Gräber übertünchen –

Nur laß die Politik!

Kannst Schiller feiern und Uhland,

Doch mach kein Thrasybul-Land

Hier aus dem Lande Teuts;

Behalte deine Dreißige,

Bezahl Fußvolk und Reisige,

Und trage fromm dein Kreuz!«

So sprichst du, kein Verrina,

Drum liest dich auch ganz China,

Ucker- und Muckerland;

Du spielst nicht den Propheten

Bei Herrn Belsazars Feten

Mit Zeichen an der Wand.

Du bist ein zarter Flenner,

Kein lyrischer Mordbrenner,

Der Kinderherzen schreckt;

Du hast mit deiner Fackel

Kein Glaubenstabernakel

Im Tempel angesteckt,

O holdes Musensöhnchen,

Du kannst dein Lorbeerkrönchen

Im Frieden grünen sehn;

Ihr Dichter, seid nur harmlos,

So könnt ihr auch gendarmlos

Mit einem König gehn.

 

 

 

Georg Herwegh

Xenien und Aphorismen

1841-1849

Die Zeit

Eiliger flöge mein Wagen, von mutigen Rossen gezogen,

Aber es schleppen ihn auch Ochsen und Esel zum Ziel.


Der Philosoph

»Freund, ich liebe nun schon seit 20 Jahren die Weisheit!«

Und sie hat noch kein Kind? Sentimentaler Patron!


Fortschritt – Fortschritt ruft die Schnecke

Und bleibt nach wie vor im Drecke.


Heuchlerisch Kreuz! Du Schwert, des Spitze sich gegen die Erde,

Statt in männlicher Faust gegen den Himmel gekehrt.


Alles lindert die Zeit, selbst dem Sklaven macht sie die Kette süß.


Man vergoldet uns die Ketten, um sie vor dem Roste zu sichern.


Nicht am freundlichen Tag will sich der Samen entfalten,

Nur im Dunkel der Nacht wirft er die Hülle von sich;

Nur im Dunkel der Nacht schwillt ein Erlösungsgedanke,

Und in Kerkern allein wurzelt die Blume der Tat.


O hätt ich die Posaune des Engels am Jüngsten Tag, ich

würde nicht so lange damit warten, jetzt schon blies ich darein: Erwachet!


Was geht euch doch der Himmel an,

Beschränkt euch auf die Erde,

Die Knecht und Herrn hinausgetan,

Daß sie zum Himmel werde!


Betet ihr Fürsten zum Kreuz, ihr habt ihm alles zu danken,

Während das Volk nur euch leider dem Kreuze verdankt.


Das fromme Pack läßt auf Erden die Kronen gelten, weil es im Himmel selbst danach verlangt.


Wie verhaßt wird den Reichen das Christentum werden, wenn die Armen damit argumentieren. So wird es durch seine anscheinende Restitution fallen.


Abschaffung der Freiheit ist dem Philister nicht so fürchterlich wie Abschaffung des Eigentums.


Die Freiheit der Welt ist solidarisch Wo man für oder gegen sie kämpft, kämpft man für oder gegen die Freiheit der ganzen Welt.


O Land der Orden und der Titel,

O Land der Federfuchserei –

Wann gibt dir Gott mehr Bauernkittel

Statt der Bedientenliverei!


Ein Volk, das nicht frei sein will, hat auf keinen Zoll Land oder Wasser Anspruch, so auch nicht auf das linke Rheinufer.


Ihr könnt euch heiser schrein,

Der Rhein ist unser, der Rhein

Als müßte der Franke mit Willen

Dulden die Fürstenbastillen,

Bereit, ihm die Kehl zuzuschnüren,

Wenn er sich wieder sollt rühren

Drum still, kein Zoll gehört dem Knecht,

Seid frei – dann habt ihr' recht!


Freiheit! rufen wir wohl, doch weniger, traun! als der Knabe

Für ein Vogelnest wagt, haben wir alle getan.


Wenn ihr keine Hände mehr habt, dann erst ist es Zeit, das Schwert im Maul zu führen.


Fliehe wohin du willst, selbst im Paradiese besitzt noch

Unsere Diplomatie deutsche Spione genug.


Und doch trägt jeder unbewußt

Den Jakobiner in der Brust;

Es wird, solange Menschen leben,

Auch ewig eine Linke geben;

Und gar bei Hofe sitzt, o Schreck,

Das Herz nie auf dem rechten Fleck.


Was hat die liebe deutsche Kunst

Doch mit der Politik zu schaffen?

»Sie blüht durch der Monarchen Gunst« –

Da hört doch die bezahlten Laffen.

Der Unsinn soll uns nicht erschüttern

Und unter seine Herrschaft beugen.

Wahr ist's: Tyrannen können groß sie füttern,

Doch Freiheit nur kann Kunst erzeugen.


Paläste sind Ballast geworden. Man wirft sie über Bord, um leichter zu segeln.


Just als Künstler protestiere gegen diese Gegenwart! Die Kunst ist erst möglich, wenn ein Volk einen sozialen Ruhepunkt gefunden hat.


Die roten Tage (im Kalender) liebt ich schon als Kind –' es waren die freien Tage.


Die Menschheit wird durch die geschmähte Hefe in die Höhe getrieben werden.


Nur das Volk kann das Volk retten.


Prometheus hat das Feuer vom Himmel gestohlen, wir tragen’ s in den Himmel.


Ich wollte allein frei sein – es geht nicht! Die Freiheit ist solidarisch. Freisein heißt bis jetzt befreien.


Dem Volke

Daß auch der Staub nicht mehr am Boden bleibt,

Schickt Gott den Sturm, der ihn zum Himmel treibt.


Doch das Volk, der Lazarus, liegt zu lange begraben,

Und ich begreif's, der Gestank treibet die Herren hinweg

Aber Geduld, der Tag wird kommen, an dem ihr dahinsinkt

Und der Lazarus euch allen zum Schrecken ersteht.


Der Glaube der Kommunisten an die Sache. Kein Philosoph geht für sein System in den Tod, aber das Volk!


Völker, versteht euch doch und reicht euch freudig die Hände. Immer wart ihr doch die Betrogenen! und ihr hab euch zerfleischt, statt vereinigt gegen den gemeinsamen Feind.


Nicht geopfert hat man die deutschen Völker, sondern im Haus geschlachtet


In Frankreich hat die Revolution ihre Kinder verschlungen, in Deutschland die Kinder die Revolution.


Nero spielte den Policinell, und Policinelle haben seitdem wie oft den Nero gespielt.


Die rote Fahne erschreckt euch? dazu? Gabt ihr nicht die Farbe dazu?


Wer nicht den Mut hat, Sozialist zu sein, wird notwendig Reaktionär.

 

 

Georg Herwegh

Fragmente und Aphorismen

1870-1875

Ich liebe Deutschland, glaubt es mir,

Doch ganz entsetzlich ist

Mir solch ein Patriot beim Bier,

Wenn er Franzosen frißt.


Siehst du, Herr, spricht der Minister,

Alles können wir probieren,

Immer werden die Philister,

Wenn du siegst, illuminieren.


Deutschlands Erbfeind ist Preußen.


Gott, König, Vaterland, die Umkehr von Liberté, Egalité, Fraternité.


Sooft das Blut wie Wasser floß,

Sprachst du ein fromm Gebet

Und riefest: Gott ist groß,

Und Krupp ist sein Prophet.


Von dem Thron der Kinderstube

Stieg er auf den Thron der Macht.

Ach, 's ist nicht der erste Bube,

Den zum König man gemacht.

Ob der letzte? Trübe Frage,

Der das Schicksal sich vermummt,

Da nach jedem Siegestage

Aller Widerspruch verstummt.

Doch wohin bin ich geraten?

Klüger ist's, die Politik

Überlaß ich den Soldaten

Und den Ausgang dem Geschick.

Gottesfurcht und fromme Sitte

Rufen mir gebietrisch Halt,

Deutschland hoch! Bei jedem Schritte

Stößt man auf den Staatsanwalt.


Man treibt die Völker Knall und Fall

Wie eine Herde Vieh

Aus einem in den andern Stall

Und nennt es Strategie.

Und hat man dann das Heldentum

Mit frommer Hand gepflegt –

Wer heilt die Wunden, die der Ruhm

Daheim der Freiheit schlägt?


O ja – Wir reichen am Schluß

Die Hände zum Völkerbunde –

Wenn wir's auf sechzig Schuß

Gebracht in der Sekunde.


Lustig, dank dem Uckermärker,

Lustig blüht das Reich empor,

Die Kasernen und die Kerker

Stehn im allerschönsten Flor.

Gegen äußere Bedrängnis

Sind wir demantfest geeint,

Und zum Schweigen im Gefängnis

Bringen wir den innern Feind.

Wenn er klagt, daß man mit Haber

Ihn dort füttre – 's ist nicht wahr;

Soll man ihn mit Gänselaber

Stopfen wie die Gründerschar?

Wenn er klagt, daß man dem Geiste

Jede Nahrung dort entzieh –-

Eine Lüg ist's, eine dreiste,

Und Barbaren sind wir nie

 

 

Georg Herwegh

Immer mehr!

April 1866

Allüberall Geschrei nach Brot,

Vom Atlas bis Archangel!

In halb Europa Hungersnot,

Im halben bittrer Mangel!

Die Scheuern leer, die Steuern schwer,

Die Ernten schlecht geraten –

Doch immer mehr und immer mehr

Und immer mehr Soldaten!

Geld her für Pulver und für Blei!

Für Reiter und für Rosse!

Chassepots, Zündnadeln, allerlei

Weittragende Geschosse!

Dem Kaiser Geld! dem Papste Geld!

Nur immer frisch von hinten

Geladen! Denn der Lauf der Welt

Hängt ab vom Lauf der Flinten.

 

 

Georg Herwegh

Zuchthaus

März 1870

Du Fürst auf deinem Siegerthron,

So glaubensstark, so bibelfest,

Der, trotzend einer Nation,

Nach Gottes Wort uns köpfen läßt;

Ihr winzigen Vasallen auch,

In eurem Purpur, halbzerlumpt,

Die ihr zu souveränem Brauch

Vielleicht die Guillotine pumpt;

Gespenster der Vergangenheit,

Die man kaum noch mit Namen nennt,

Die ihr von Gottes Gnaden seid –

Ja wohl, und keine Gnade kennt –;

Wenn ohne Henker euer Witz

Verloren ist, so gebt im Staat

Dem Henker einen Ehrensitz

Und macht ihn zum Geheimerat!

Es hat schon mancher schlechtre Mann,

Auf dessen Brust kein Orden fehlt,

Den Genius, der Wolle spann,

Im Zuchthaus langsam totgequält.

Langsam, ganz langsam – Glied für Glied!

Ich preis des Henkers milde Hand;

Doch euer Zuchthaus – – Schweig, mein Lied;

Mal nicht den Teufel an die Wand!

 

 

 

Georg Herwegh

Ich bin nicht ganz von dir getrennt

Ich bin nicht ganz

Von dir getrennt;

Im Abendglanz,

Wenn schweigend brennt

Die Meeresflut

Zu Füßen dir,

O denk, die Glut,

Sie kommt von mir –

Vielleicht, vielleicht,

Dann wird dir warm,

Dein Herz beschleicht

Ein stiller Harm,

Und hörbar kaum,

Für sich allein,

Spricht’s wie im Traum:

Ich harre dein –

 

 

 

Georg Herwegh

Der neue Polyphem

1865

Kennt ihr den neuen Polyphem,

Den pfiffigen Zyklopen?

Es liegt sein Reich sehr angenehm

Im Schoße von Europen.

Sein Nachbar, ihm zur Rechten, ist

Besitzer von Sibirien;

Zur Linken hat man, wie ihr wißt,

Eroberungs-Delirien.

Schiffbrüchiger Regenten Schar,

Mit legitimstem Öle

Gesalbt vom Höchsten jedes Haar,

Kam jüngst in seine Höhle.

Das war ein Lärmen, ein Skandal,

Ein Poltern, ein Gepoche!

Sie schrien: »Wir pfeifen nicht einmal

Mehr auf dem letzten Loche.

Das letzte Loch – O Missetat!

Ist zu,- wir sind gefangen!

Wär's noch der Alte,

fänd sich Rat

Ins Freie zu gelangen.

Er söffe täglich einen Schlauch,

Er söffe täglich zweie,

Und zur Erbauung söff er auch

Am Tag des Herrn wohl dreie.

Und wenn er dann besoffen wär,

So könnten wir entwischen;

Doch dieser Neue sauft nichts mehr

Als Wasser mit den Fischen.«

»O Schwaben«, krächzt der Oberschwab,

»Was wird aus euch, ihr Holden?«

»O Bayern«, ächzt ein junger Knab,

»Was wird nun aus Isolden?«

Dem Sachsen fährt's durch Mark und Bein.

»Wer wird mein Zuchthaus erben?«

Vaduz will nicht gefressen sein,

Und Lobenstein nicht sterben.

Der Mecklenburger seufzt: »Die Kunst

Des Prügelns geht zugrunde!«

Das Schwein von Hessen-Kassel grunzt

So was vom Dank der Hunde.

»Geduld, ihr Herrn!« ruft Polyphem,

»Und schreit nicht vor dem Streiche!

Kommt alle dran; doch welchen nehm

Ich mir zuerst im Reiche?

Das ist die Frage! mit der Zeit

Wird sich das andre finden;

Wir müssen deutsche Gründlichkeit

Mit deutscher Tat verbinden.

Zieht ruhig heim und lebt derweil –

Das Leben einer Rose!

Ich habe keine solche Eil,

Auch fehlt mir noch die Sauce.

An welcher Sauce speis ich ihn?

That is the other question

Man wird sie lösen in Berlin,

Der Bismarck oder – Twesten.«

So lautete der Spruch des Manns;

Ich werd ihn nie vergessen.

Er gleicht dem Esel Buridans,

Und niemand wird gefressen

 

 

 

Georg Herwegh

Deutschland erklärt

1860

Deutschland erklärt von allen Seiten,

Deutschland erklärt unter allen Breiten,

Deutschland erklärt vom Brocken zum Brenner,

Deutschland erklärt durch die edelsten Männer,

Deutschland erklärt durch die Dicken und Magern,

Deutschland erklärt durch Welcker und Gagern,

Deutschland erklärt durch Weise und Toren,

Deutschland erklärt durch Professoren,

Deutschland erklärt durch Hans und Grete,

Deutschland erklärt durch Geheimeräte,

Deutschland erklärt durch Räte des Hofes,

Deutschland erklärt durch oves und boves,

Deutschland erklärt von Ost nach Westen,

Deutschland erklärt durch die Guten und Besten,

Deutschland erklärt durch Whigs und durch Tories,

Deutschland erklärt sich – gegen den Borries.

Deutschland erklärt: Hol ihn der Schinder!

Das ist nicht mehr die Sprache der Kinder.

Deutschland erklärt ihn würdig der Schleife

Zum Kreuz! Das ist politische Reife.

Deutschland erklärt mit stolzen Worten:

Er ist noch schlimmer als von der Pfordten;

Er ist der Lümmel unter den Lümmeln –

Der Schurke will Hannover verkümmeln.

Deutschland erklärt: Jetzt muß aus Frankfort

Endlich der alte Hundegestank fort!

Deutschland erklärt – Gott sei uns gnädig –

Die Throne von Liliput nächstens für ledig.

Deutschland erklärt sich fürs Recht der Hessen

In Kammerreden und stolzen Adressen;

Deutschland erklärt sich fürs Recht der Holsten,

Für Annektieren – das ist am tollsten!

Deutschland erklärt die französische Rüstung

Für sehr gefährlich voll Entrüstung;

Deutschland zu Stuttgart am Nesenbache

Erklärt – seine Hochachtung für die Schweizer Sache.

Deutschland erklärt in jeglicher Zeitung,

Eine militärische Oberleitung

Sei allerhöchstes Bedürfnis in diesen

Zeiten, um etwas besser zu schießen.

Deutschland erklärt, von nun an zu dichten

Nur Epopöen, nicht Dorfgeschichten;

Deutschland erklärt im allgemeinen

Recht hübsche Sachen – das will ich meinen!

Doch wenn nun Deutschland alles erklärt hat

Wenn es Elsaß und Lothringen noch begehrt hat,

Wenn's jeden Mittelstaat bekehrt hat

Und ihn das wahre Zentrum gelehrt hat –

Wird Deutschland dann nach allem Erkläricht

Auch etwas tun, um den alten Kehricht

Hinauszufegen? – Ich glaub's schwerlich,

Und alles bleibt in Deutschland erklärlich.

 

 

 

Georg Herwegh

Den Reichstäglern

Nach bekannter Melodie

Juni 1873

Elsaß und Lothringen habt ihr,

Habt alles, was Moltkes Begehr,

Und habt die deutsche Einheit –

Ihr Lieben, was wollt ihr noch mehr?

Auf euere deutsche Einheit

Hat Redwitz ein ganzes Heer

Langweil'ger Sonette gedichtet –

Ihr Lieben, was wollt ihr noch mehr?

Mit euerer deutschen Einheit

Habt ihr euch blamiert so sehr

Und die Freiheit zugrunde gerichtet –

Was will der Bismarck noch mehr?

 

 

 

Georg Herwegh

Tristia

Oktober 1869

Sie rufen: Ave Cäsar, Ave!

Besänftigt hat sich mancher Brave

Und läuft dem Überwinder zu –

O Einheit, welch ein Schatz bist du!

Einheit im Zoll, Einheit in Waffen!

Das neue Deutschland ist geschaffen.

Wir werden, dank der Uckermark,

Nach innen und nach außen stark.

Kein Feind wird uns mehr überraschen,

Kein Schnapphahn wagen abzuwaschen

Im Rheine das Dezemberblut:

Achthunderttausend Mann sind gut.

Sie sind sehr gut, daß wir im Innern

Uns nicht etwa zu laut erinnern,

Wer unter Preußens Kugeln fiel:

Achthunderttausend Mann sind viel.

Den Leuten, die am besten schießen,

Gehört die Welt, das ist erwiesen;

Und niemals hab ich noch gesehn,

Daß die Erschoßnen auferstehn.

Das deutsche Land, der sichre Boden,

Tut sich nicht auf; Horaz schreibt Oden,

Virgilius besingt den Mann,

Arma virumque, der gewann.

Ich selber bin, ihr Herrn Kollegen,

Um eine Rolle noch verlegen;

Am Ende spiel ich den Ovid

Und nenne Tristia mein Lied.

 

 

Georg Herwegh

Tell

Er hat sein letztes Wort gesprochen,

Zu Fall ist der Tyrann gebracht,

Und was ein Apfel einst verbrochen,

Hat nun ein Apfel gutgemacht.

Doch deines Kindes Blut vergossen??

Ei, Tell, ich hätte nicht geschossen!

Vom Volke ist der Druck gehoben,

Frei glänzt der Gletscher in der Luft,

Frei ist der Herr im Himmel oben

Und frei der Tote in der Gruft.

Doch deines Kindes Blut vergossen??

Ei, Tell, ich hätte nicht geschossen!

Die Wolken wollen nicht vom Orte,

Die Ströme wollen nicht mehr gehn,

Sie wollen alle an dem Orte

Des schönsten Landes stille stehn.

Doch deines Kindes Blut vergossen??

Ei, Tell, ich hätte nicht geschossen!

Und heiter blickt des Hirten Miene,

Weil nun sein Lamm kein Geier schreckt,

Und lauter donnert die Lawine,

Weil sie hinfort nur Freie deckt.

Doch deines Kindes Blut vergossen??

Ei, Tell, ich hätte nicht geschossen!

Es flammen ringsum Feuerzeichen,

Und einen Helden grüßt man dich;

Doch seh ich scheu die Mütter weichen

Und alte Kinder flüchten sich,

Tell, wußtest du, wie's dort beschlossen?

Ei, Tell, es hätt kein Fürst geschossen!

 

 

Georg Herwegh

Was macht Deutschland?

Ein immerwährender Kalender für alle Tage des Jahres Oktober 1859

Sonntag. Deutschland pflegt sich –

Wohl zu besinnen,

Montag. Deutschland regt sich –

Was wird's beginnen?

Dienstag. Deutschland trägt sich –

Mit großen Gedanken.

Mittwoch. Deutschland bewegt sich

In gesetzlichen Schranken.

Donnerstag. Deutschland frägt sich –

Ob's endlich soll?

Freitag. Deutschland schlägt sich

Schlägt sich wie toll!

Sonnabend. Deutschland legt sich –

Zu Protokoll!

 

 

 

Georg Herwegh

Golgatha

Januar 1873

An dem einen Kreuz die Liebe,

Ihr zur Seiten in Gestalt

Zweier Mörder oder Diebe –

Kleiner Diebe – die Gewalt!

Wenn ich so in unsern Tagen

Mir betrachte dieses Bild,

Muß ich mich im stillen fragen,

Wem der Menschen Inbrunst gilt,

Ob nicht manchmal sich beim Beten

Unsrer Frommen Blick verirrt

Und ein Strolch statt des Propheten

Gegenstand der Andacht wird.

Auf der Höhe thront im Leben

Und erringt sich Ruhm und Preis,

Wer das Kreuz des Schächers neben

Christi Kreuz zu ehren weiß;

Wer vor einem gnadenreichen

Heiland niederkniet im Staub,

Aber Leichen türmt auf Leichen,

Um zu sichern seinen Raub.

Schade, daß ich nie begriffen,

Schwarz und weiß zugleich zu sein!

Hat mich drum auch ausgepfiffen

Mancher Preuße, groß und klein.

 

 

 

Georg Herwegh

An Borussia

1847

Und so wären's vierzig Jahre,

Seit ein Fürst in tiefster Nacht –

Nicht der jetz'ge, Gott bewahre –

Guter Hoffnung dich gemacht,

Seit du trächtig, niederträchtig,

Arme Preußenhündin du:

Doch nun gehst du, o wie prächtig!

Deinem Wochenbette zu.

Denn du fängst mit einem Male

So gewaltig an zu schrein,

Und man raunt im Fürstensaale:

Sollten dies die Wehen sein?

Hat das Ohr auch recht vernommen?

Jüngster Tag, und bist du nah?

Willst du wirklich niederkommen?

Wirklich, o Borussia?

Und was sagt der Ritter Bunsen,

Hocherfahren, tiefgelehrt?

Hat er nicht für aufgedunsen,

Voller Winde dich erklärt?

Solltest du zum Zeitvertreibe

Gar nur wassersüchtig sein?

Oder trägst du mehr im Leibe

Als den freien, deutschen Rhein?

Und die preußischen Auguren,

Loben sie der Adler Flug?

Was sie im Urin erfuhren,

Ist's beruhigend genug?

Haben sie trotz aller Mühe –

Und die Herrn sind so geschickt!

In dem Herzen deutscher Kühe

Nichts Gefährliches erblickt?

Nichts! es spricht der neuste Ukas

Auch dem kleinsten Zweifel Hohn,

Und man macht den Doktor Lukas

Deinethalb nun zum Baron,

Daß er glücklich dich entbinde,

Wenn die Zeit herangerückt,

Und mit Schonung deinem Kinde

Schnell den Kopf zusammendrückt.

Zwar ich möcht es kaum bedauern,

Denn der Balg verheißt nicht viel,

Und ich wette, just die Bauern

Fehlen in dem Kartenspiel;

Doch gar viele sind berufen

Und nur wenige erwählt –- – –

Wenn man christlich einst die Hufen

Irdischen Besitzes zählt.

Zwar wir haben nichts zu essen,

Doch der König wird nicht matt,

Und er macht mit neuen Späßen

Uns, mit neuen Reden satt;

Zwar der Schwager schwingt die Knute,

Die Kosaken prügeln schon,

Doch wir haben eine gute

Deutsche Konstitution.

 

 

 

Georg Herwegh

Polen an Europa

März 1846

Der heil'ge Krieg ist neu entglommen,

Die Söhne Polens werden wach,

Wir haben unser Schwert genommen

Nach fünfzehn Jahren tiefer Schmach.

An dich, du stumme Zeugin unsrer Klage

Und unsrer namenlosen Qual,

An dich, Europa, richten wir die Frage:

Verläßt du uns zum zweitenmal?

Ist's nicht ein Kampf für deine Sache?

Ein Kampf, von jedem Flecken rein?

Auf! Polens Adler will der Rache

Gebenedeiter Engel sein.

Die Saat ist reif, es rauschen unsre Sensen,

Wir schwingen auch für dich den Stahl:

Die Hoffnung sieh in unsern Augen glänzen –

Verlaß uns nicht zum zweitenmal!

Du liegst an alter Schuld erkranket –,

Europa, o entsühne dich!

Und schnell, solang die Waage schwanket,

Wirf noch dein Herz hinein für mich.

Dein Zaudern wäre dreifach ein Verbrechen,

Denn dreifach ist der Feinde Zahl;

Für dich und mich ein dreifach Joch zu brechen,

Verlaß mich nicht zum zweitenmal.

Ein wildes Meer von Aufruhrflammen,

Der Zorn der ganzen Weit vereint,

Schlag über seinem Haupt zusammen

Und trümmre nieder unsern Feind!

Deutschland! sei zwischen uns ein Bundeszeichen,

Der Freiheit loderndes Signal!

Auch Polens Aar trägt einen Kranz von Eichen:

Verlaß mich nicht zum zweitenmal.

Auf, Preußen, schüttle deine Ketten!

Erkämpf dein Recht, der Tag ist da!

Es gilt ja mich und euch zu retten –

Auf, Ungarn! auf, Italia!

O Galliens Hahn, sprich, bist du blind geworden

Und ahnst du nicht den Morgenstrahl?

Sie nahn, sie wüten, die Barbarenhorden –

Verlaßt uns nicht zum zweitenmal!

 

 

 

Georg Herwegh

Aus der Schweiz

Ich habe nun ein freies Land gefunden;

Doch nirgends wird auf Rosen uns gebettet,

Und ist der Leib nicht eben angekettet,

Bleibt ewig uns die Seele doch gebunden.

Ich fühl es heiß in meinen schönsten Stunden:

Es hat mein grollend Herz zu viel verwettet,

Ich habe nur die Liebe mir gerettet,

Der Haß ist an der Grenze längst entschwunden.

O tretet ein in diesen kleinen Erker,

Ihr alle, die noch unversöhnt geblieben,

Und lernet wieder eure Heimat lieben.

Hier schmacht ich wie Kolumbus in dem Kerker,

Ich habe hundert Segel vor den Blicken

Und muß die Lust zum Steuern wohl ersticken !

 

 

 

Georg Herwegh

Der Gefangene

Zehn Jahre! seit den letzten Vogel ich

Im Blütenwald sein Liedchen schlagen hörte;

Zehn Jahre! seit der blaue Himmel sich

Zum letzten Male meinem Blick bescherte;

Zehn Jahre! was ist weiter dein Begehr?

Kann meine Wange sich noch blässer färben?

Sieh, diese Hand bricht keine Kronen mehr;

Laß, König, laß mich in der Freiheit sterben!

Zehn Jahre! meine Sehnen sind erschlafft,

Mein Auge kann die Kette nicht mehr sehen;

O zittre nicht! kaum hab ich noch die Kraft,

Zwei Schritte bis zum Grabe hinzugehen,

Ein Herr der Welt – und dein ein zahllos Heer! –

Und ich ein kranker Mann – ein Bau in Scherben –

Nein! diese Hand bricht keine Kronen mehr;

Laß, König, laß mich in der Freiheit sterben!

Zehn Jahre hat in dieser Kerkergruft

Mein Herz so treu dem Tode zugeschlagen;

Zehn Jahre! jetzt, o jetzt nur so viel Luft,

Gen Himmel eine Seele hinzutragen!

Ein wenig Luft! ei, fällt dir das so schwer?

Willst du schon wieder neue Söldner werben?

Sieh, diese Hand bricht keine Kronen mehr;

Laß, König, laß mich in der Freiheit sterben!

Zehn Jahre haben meinen Mut geknickt

Und meines Lebens Blüte mir genommen;

Man hat das Lied mir in der Brust erstickt,

Der letzte Funken ist schon längst verglommen.

Und noch nicht? Sprich, was weiter dein Begehr?

Kann meine Wange sich noch blässer färben?

Sieh, diese Hand bricht keine Kronen mehr;

Laß, König, laß mich in der Freiheit sterben!

 

 

 

Georg Herwegh

An Richard Wagner

Januar 1866

I

Vielverschlagner Richard Wagner,

Aus dem Schiffbruch von Paris,

Nach der Isarstadt getragner,

Sangeskundiger Ulyß!

Ungestümer Wegebahner,

Deutscher Tonkunst Pionier,

Unter welche Insulaner,

Teurer Freund, gerietst du hier!

Und was hilft dir alle Gnade

Ihres Herrn Alkinous?

Auf der Lebenspromenade

Dieser erste Sonnenkuß?

Die Philister, scheelen Blickes,

Spucken in den reinsten Quell;

Keine Schönheit rührt ihr dickes,

Undurchdringlich dickes Fell.

Ihres Hofbräuhorizontes

Grenzen überstiegst du keck,

Und du bist wie Lola Montez

Dieser Biedermänner Schreck.

»Solche Summen zu verplempern,

Nimmt der Fremdling sich heraus!

Er bestellte sich bei Sempern

Gar ein neu Kornödienhaus!

Ist die Bühne, drauf der Robert,

Der Prophet, der Troubadour

Münchens Publikum erobert,

Eine Bretterbude nur?

Schreitet nicht der große Vasco

Weltumsegelnd über sie?

Doch Geduld – du machst Fiasko,

Hergelaufenes Genie!

Ja, trotz allen deinen Kniffen,

Wir versalzen dir die Supp;

Morgen wirst du ausgepfiffen –

Vorwärts, Franziskanerklubl!«

II

So in Prosa und in Reimen

Heult der wilde Bajuvar,

Und es heulen die »Geheimen«:

»Bayerland ist in Gefahr!«

Ach, vergebens baute jener

Ludovik die Propylän,

Denn die Sprache der Athener

Wird man niemals hier verstehn.

Wie die Narren dir's verübeln,

Wie's den Pöbel baß verdrießt,

Wie er seinen Schmutz in Kübeln

Schimpfend über dich ergicßt;

Weil Horazens schwarze Vettel

Nicht mit dir zu Pferde sitzt;

Weil einmal ein Bankozettel

In der Muse Händen blitzt;

Weil des reichen Schachs Kamele

Zeitig angelangt einmal,

Eh Firdusi seine Seele

Ausgehaucht in Not und Qual;

Weil einmal ein goldner Regen

In den Schoß des Künstlers fällt –

Ruiniere meinetwegen

Alle Könige der Welt.

Hol den Hort der Nibelungen,

Den versunknen, aus dem Rhein!

Und was Orpheus einst gesungen,

Sollt es dir unmöglich sein?

Tiger, Affen, Schweinehunde,

Meyerbären macht' er zahm;

Leider hab ich keine Kunde,

Wie sich Sanchos Tier benahm.

Aber laß des Esels Knirschen

Dich nicht stören im Genuß!

Iß, mit wem du willst, die Kirschen,

Lieber Zukunftsmusikus!

Nur empfehl ich dir das eine:

Bist du fertig, sag ade!

Warte nicht, bis man die Steine

An den Kopf dir wirft – o weh!

Suche niemals mehr auf solcher

Erde dir ein Lorbeerblatt,

Hinge selbst das Vlies, das Kolcher,

Über jedem Tor der Stadt!

 

 

 

Georg Herwegh

Fromme Wünsche

Juli 1864

Herr; dein Himmel hängt voll Geigen;

Überm Sirius, da hat's

Auch für mich im Sternenreigen

Beim Konzert noch einen Platz.

Statt der schlechten Musikanten

Und der guten Menschen hier,

Spielen droben die brillanten

Seraphim das Weltklavier.

Keine Kleider, keine Falten,

Feigenblätter nicht einmal

Tragen dort die Lichtgestalten,

Brauchen weder Hut noch Schal:

Doch was hilft's mir zu erklären

Kind! wir haben ein Billett

Für die Harmonie der Sphären –

Wenn sie Lust zur Oper hätt?

Lust zum irdischen Soupieren,

Auch zum Trinken dann und wann,

Was ich schwerlich mit Papieren

Auf dein Jenseits zahlen kann?

Herr im Himmel, den ich preise,

Sieh, du hast bei mir Kredit,

Mehr als Salomo, der weise

Bankier in der rue Lafitte.

Seit in deinem Urgehirne

Aufgewacht der Schöpfungstrieb,

Eh dein Finger auf die Stirne

Evas ipse feci schrieb –

Unversiegbar strömt der Bronnen

Deines Reichtums immerzu,

Und die schönste deiner Sonnen

Gilt vor dir nicht einen Sou.

Deine Kraft wird nicht erschlaffen,

Deine Firma nicht bankrott,

Gabst du manchmal auch den Pfaffen

Die Prokura, lieber Gott.

Schuldig bleiben wirst du keinen

Wechsel, den sie ausgestellt;

Dennoch hätt ich lieber – einen

Auf ein Haus in dieser Welt.

Sind die Juden dir zuwider,

Findet sich wohl auch ein Christ

Unter ihnen, der so bieder

Wie Pereire und Rothschild ist.

Bis ich droben, neu geboren,

Mich erquickt am ew’gen Lenz

Willst du mich auf Erden schmoren

Lassen wie den Sankt Lorenz?

Vorgezogen hab ich immer

Einem Heil'gen auf dem Rost

Ein profanes Frauenzimmer

Und trichinenfreie Kost.

Pflücken möcht ich mir die Rose

Meines Glücks auf Erden schon

Und nicht warten auf die große

Letzte Liquidation.

 

 

 

Georg Herwegh

Ein neuer Leich vom himmlischen Reich

Februar 1866

Melodie: Als Noah aus dem Kasten war

Als Mammut noch und Mastodon

Bei uns erfreuten sich der Sonn,

Spazierenging der Elefant

Noch in des Deutschen Vaterland;

Als aus der Schweiz noch nicht gebraust

Der freie Rhein und noch gehaust

Kein Asiate an der Spree,

Trank man schon am Hoangho Tee.

Und wo ihn tranken mehr als drei

Chinesen, kam die Polizei,

Und wo ein Kessel überlief,

Da ging's dem Bürgermeister schief.

Das sind wohl hunderttausend Jahr,

Und alles ist noch, wie es war,

In China, mein ich – deutet nicht

Auf andre Länder dies Gedicht.

Wir sind auf unsre Eichen stolz,

Auch Mecklenburg hat schönes Holz,

Doch überragt uns China weit

In dieser trichinösen Zeit.

Dort ist lackiert des Ochsen Joch,

Dort gibt es kein Verfassungsloch,

Dort schlichtet jeglichen Konflikt

Der Bi-Ba-Bambus sehr geschickt.

Und wenn befiehlt der Potentat,

So schlitzt sich der Geheimerat,

So schlitzet sich – o frommer Brauch! –

Das ganze Tribunal den Bauch.

Der Kaiser hockt auf seinem Thron

Und tituliert sich »Himmelssohn«;

Ich denke, das heißt ungefähr

»Von Gottes Gnaden«, wo nicht mehr.

Wir haben aus dem Fernen Ost

Bekommen mit der letzten Post

Die Rede, die dort im Konzil

Der Kaiser hielt – beim Schattenspiel.

La bourse, sprach er, ou la vie!

Chinesen, zahlt und fragt nicht, wie?

Die Rede las ich eben jetzt.

Graf Bismarck hat sie übersetzt.

 

 

 

Georg Herwegh

Du willst zur Kirche

Du willst zur Kirche, mein frommes Schätzchen?

Bitt Gott, er soll vernünftig sein!

Und gibt er im Himmel uns ein Plätzchen,

So sei's ein Plätzchen apart und allein.

Ich möchte lieber in Sturm und Wettern

Zur tiefsten Hölle hinuntergehn,

Als droben mit allen Basen und Vettern,

Mein schönes Mädchen, dich wiedersehn.

 

 

Georg Herwegh

Die Soziale

Aus dem Italienischen

Vom Nordkap zum Atlas, vom Ural zu den Anden

Empor, ihr geknechteten Brüder, empor!

Vor unserm Kriegsruf zerstäubt mit Schanden

Der Erden-Könige zitternder Chor.

Herunter die Wappen! Fort mit den Baronen!

Man kauft nicht die Ehre mit Gold in der Hand.

Und nieder die Gitter –'s ist aus mit den Drohnen;

Wenn unser die Arbeit, ist unser das Land.

Auf, Schmiede der Zeit, schwingt die wuchtigen Hämmer!

Und während sie prassen in Üppigkeit,

Laßt uns brechen die Burgen nichtsnutziger Schlemmer

Seid einig und schrecklich, ihr Schmiede der Zeit!

Geknechtete Brüder, warum noch gezaudert?

Nur heute den Kampf noch! Die Zukunft ist dein;

Ein Volk von Reichen blickt auf dich und schaudert –

Denn du, armes Volk, wirst ein Riese einst sein!

 

 

 

Georg Herwegh

Tod Napoleons II.

Könnt ich an eines Königs Grabe weinen,

Hier flösse endlos meiner Tränen Zoll,

Ich rief den Lüften, flehte zu den Steinen

Und bät die Erde, daß sie weinen soll.

Nicht weinen, weil sie dich so früh begraben,

Begraben, ehe eine Welt noch dein;

Nicht darum – größer ist es, nichts zu haben,

Noch größer, als ein Herr der Welt zu sein!

Ich weinte nicht, weil etwa du gewaget

Und dann verloren ein gewaltig Spiel,

Ich habe niemals noch den Stern beklaget,

Der nächtlich aus dem dunkeln Äther fiel.

Wozu? ist doch der Wünsche Ziel hienieden

Zu sagen: Seht, ich leuchtete einmal!

Man läßt sich willig an den Felsen schmieden,

Wenn man das Feuer erst vom Himmel stahl.

Doch Schwingen haben und nicht fliegen können,

Weil schon ein andrer flog zu hoch hinan;

In eignen Gluten tatenlos verbrennen,

Weil schon ein anderer zu viel getan –

Das ist's, was dir mein Mitleid zugewendet;

O tief, o tief beklagenswerter Fluch,

Daß, weil der Vater schon als Held geendet,

Deckt einen Frühling hier das Leichentuch!

Allein – ihr seid ja beide nicht die Meinen;

Mein ist das Herz, das in der Hütte bricht;

Um einen Bettler darf die Muse weinen,

Du warst ein Kaiserssohn ich weine nicht.

 

 

 

Georg Herwegh

Der schlimmste Feind

Februar 1871

Dies Volk, das seine Bäume wieder

Bis in den Himmel wachsen sieht

Und auf der Erde platt und bieder

Am Knechtschaftskarren weiter zieht;

Dies Volk, das auf die Weisheit dessen

Vertraut, der Roß und Reiter hält,

Und mit Ergebenheitsadressen

Frisch, fromm und fröhlich rückt ins Feld:

Dies Volk, das einst aus Cäsars Schüssel

Und Becher sich so gern erfrischt

Und sich, wie Mommsen, seinen Rüssel

An Cäsars Tischtuch abgewischt;

Dies Volk, das gegen Blut und Eisen

Jungfräulich schüchtern sich geziert,

Um schließlich den Erfolg zu preisen,

Womit man Straßburg bombardiert.

Dies Volk, das im gemeinen Kitzel

Der Macht das neue Heil erblickt

Und als »Erzieher« seine Spitzel

Den unterjochten »Brüdern« schickt,

Die Alten, Lieben, Wohlbekannten

Von Anno Sechsundsechzig her,

Schafott- und Bundesbeil-Votanten,

Sie schüfen Deutschland? – Nimmermehr!

Sie werden mit verschmitzten Händen

Entreißen euch des Sieges Frucht;

Sie werden euren Lorbeer schänden,

Daß euch die ganze Welt verflucht!

Frankreichs gekrönter Possenreißer

Wird nach Paris zurückgebracht;

Euch holt man einen Heldenkaiser

Aus mittelalterlicher Nacht.

Das Blut von Wörth, das Blut von Spichern,

Von Mars-la-Tour und Gravelotte,

Einheit und Freiheit sollt es sichern –

Einheit und Freiheit? Großer Gott!

Ein Amboß unter einem Hammer,

Geeinigt wird Alt-Deutschland stehn;

Dem Rausche folgt ein Katzenjammer,

Daß euch die Augen übergehn.

Mit patriotischem Ergötzen

Habt ihr Viktoria geknallt;

Der Rest ist Schweigen oder Lötzen,

Kriegsidiotentum, Gewalt.

Es wird die Fuchtel mit der Knute

Die Heilige Allianz erneun;

Europa kann am Übermute

Siegreicher Junker sich erfreun.

Gleich Kindern laßt ihr euch betrügen,

Bis ihr zu spät erkennt, o weh! –

Die Wacht am Rhein wird nicht genügen,

Der schlimmste Feind steht an der Spree.

 

 

 

Georg Herwegh

O wag es doch nur einen Tag!

Januar 1845

Frisch auf, mein Volk, mit Trommelschlag

Im Zorneswetterschein!

O wag es doch, nur einen Tag,

Nur einen, frei zu sein!

Und ob der Sieg vor Sternenlicht

Dem Feinde schon gehört –

Nur einen Tag! es rechnet nicht.

Ein Herz, das sich empört.

O wart in deiner tiefen Not

Auf keinen Ehebund;

Wer liebt, der gehet in den Tod

Für eine Schäferstund:

Und wer die Ketten knirschend trug,

Dem ist das Sterben Lust

Für einen freien Atemzug

Aus unterdrückter Brust.

Laß deine Weisen fort und fort

Nur Tod und Schrecken sehn,

Dem Volk soll vor Prophetenwort

Der Ruf der Ehre gehn.

Horch auf, der letzte Würfel fällt,

Dein Abend, er ist nah,

Noch einmal stehe vor der Welt

In deiner Größe da!

O tilg nur einen Augenblick

Aus deiner Sklaverei,

Und zeig dem grollenden Geschick,

Daß sie nicht ewig sei;

Erwach aus. deinem bösen Traum:

Reif ist, die du gesucht,

Und schüttle nicht zu spät vorn Baum,

Wenn sie gefault, die Frucht.

Wach auf! wach auf! die Morgenluft

Schlägt mahnend an dein Ohr –

Aus deiner tausendjähr'gen Gruft

Empor, mein Volk, empor!

Laß kommen, was da kommen mag:

Blitz auf, ein Wetterschein!

Und wag's, und wär's nur einen Tag,

Ein freies Volk zu sein!

 

 

 

Georg Herwegh

Für Polen

März 1846

Das Lied vom Rhein – es klang so hell

Im Süden gestern noch und Norden;

Wie ist das Weiße doch so schnell

In Deutschland wieder schwarz geworden!

Wo stob er hin, der Sängerchor?

Und warum schweigt er heut so stille?

Ach! er erschien, ach! er verlor

Sich – immer nach der Herren Wille.

Was gestern Recht war für den Rhein,

Ist's heute nicht auch Recht für Polen?

Soll Polen nicht auch Polen sein,

Weil wir als Räuber mitgestohlen?

Ist Fürstenwort solch Zauberwort,

Daß es kann Tag in Nacht verkehren?

Sind Herz und Hirn bei uns verdorrt?

Und läßt Vernunft sich so entehren?

Vergaßet ihr das Einmaleins,

Ihr unergründlich tiefen Denker,

Ihr Zionswächter unsres Rheins

Und jeder fremden Freiheit Henker!

O deutsches Volk, das hoffend drängt

Sich an der reichen Zukunft Schwelle,

Was auch die Sterne dir verhängt,

Sei nicht des Zaren Spießgeselle!

Horch auf den Sturm, der neu erbraust,

Auch deine Frucht vom Baum zu schütteln,

Eh eisige Barbarenfaust

Dich wird aus deinen Träumen rütteln!

Tritt nicht, was du bei dir gesät,

In fremdem Land mit Rosseshufen;

Nicht deine eigne Majestät

In Völkern, die nach Freiheit rufen!

Du suchst dich selbst aus tiefem Grund

Der harten Knechtschaft aufzuschwingen,

Willst du dein Joch zur selben Stund

Den andern auf den Nacken zwingen?

Soll noch einmal im wilden Streit

Hinmorden unsrer Kinder Lanze

Die ewige Gerechtigkeit

Dem alten Gleichgewichtspopanze?

Weh über uns in solchem Krieg!

Wir wandeln keine Ruhmesbahnen.

Ich rufe. den Empörern Sieg!

Und jede Schmach auf deutsche Fahnen!

 

 

 

Georg Herwegh

Die Kerzen, die hellen

Die Kerzen, die hellen,

Die bringt mir zur Nacht,

Und einen Gesellen,

Der lacht, der lacht.

Ich habe den Scherz

Aufs Banner geschrieben,

Zum Teufel das Herz,

Das mir übriggeblieben.

Bringt Hörner und Geigen

Zum Schweigen das Leid,

Hinweg mit den Neigen

Vergangener Zeit.

Komm, lust'ger Gesell,

Wenn die Gläser zerspringen,

So hör ich den Quell

Der Vergessenheit singen.

Die Freundschaft, die Treue,

Die Liebe ward schal,

Die Flut drum erneue

Im Lebenspokal.

Doch trinken – allein?

Wie die Stunden sich dehnen!

Hilf Gott, in den Wein

Fallen die Tränen.

 

 

 

Georg Herwegh

Ordonnanzen!

April 1846

Ordonnanzen! Ordonnanzen!

Meine Völker müssen tanzen,

Wie ich ihnen aufgespielt!

Eins – zwei – drei – und Runde! Runde!

Tanzet, ihr getreuen Hunde,

|: Wenn der König es befiehlt. :|

Lernt des Lebens Lust begreifen,

Euer König wird euch pfeifen

Und ihr werdet ihn verstehn.

Nur im Kreise, nur im Kreise,

Nach dem Takt der Russenweise,

|: Nur um mich sollt ihr euch drehn. :|

Ich bin euer Kopf und Magen,

Antwort Ich auf alle Fragen,

Aller Rede letzter Sinn;

Ihr der Abglanz nur des Fürsten

Und wer wagte noch zu dürsten,

|: Wenn ich selber trunken bin? :|

Volksvertreten? Volksvertreten?

Beten sollt ihr, ruf ich, beten!

Ich bin Solon und Lykurg!

Brecht mir nicht des Schweigens Siegel,

Denn ich habe Schloß und Riegel;

|: Gott ist eine feste Burg! :|

Ordonnanzen! Ordonnanzen!

Meine Völker müssen tanzen,

Wie ich ihnen aufgespielt!

Tanzt, o Polen – tanzt, o Deutsche,

Alle nach derselben Peitsche, I

|: Wenn der König es befiehlt! :|

Ich bin König, meine Gründe

Donnern durch Kanonenschlünde

In des Pöbels taubes Ohr;

Rasselt irgendwo die Kette,

Hunderttausend Bajonette

|: Schaffen Ruhe wie zuvor. :|

Wer sich rühret, wird geschlossen

Und wo möglich schon erschossen,

Eh man ihm das Urteil fällt.

Die Justiz – geheim und schnelle,

Fördert noch vor Tageshelle

|: jeden Meutrer aus der Welt. :|

Freiheit – welch ein toll Begehren!

Ja, der Henker soll sie lehren

Euch zum Schrecken und zum Graus;

Wird der Vorrat hier zu mager,

Hilft ja gern mein lieber Schwager

|: Mir mit seinen Galgen aus. :|

Ordonnanzen! Ordonnanzen!

Meine Völker müssen tanzen,

Wie ich ihnen aufgespielt!

Tanzt, ihr Deutschen – tanzt, ihr Polen,

Wie der Zar es mir befohlen,

|: Wie's der König euch befiehlt :|

Jeder Flügel sei beschnitten,

Auch dem Amor – der die Sitten

Unsres Reichs kompromittiert.

Und von nun an sei bewußtes

Bett von weiland Herrn Prokrustes

|: Als Reichsehbett eingeführt. :|

 

Nur ein Vorurteil ist Liebe;

Unsre ungestümen Triebe

Zügl ich durch ein christlich Joch.

Ich bin Herr von allen Sachen,

Und allein das – Kindermachen

|: Laß ich euch in Gnaden noch. :|

Ich verbiete, ich erlaube,

Ich nur denke, ich nur glaube,

Und ihr alle seid bekehrt.

Jeden Zweifel löst die Knute:

Hat man denn das Absolute

|: In Berlin umsonst gelehrt? :|

Seid ihr denn nicht meine Knechte?

Und ihr fragt nach einem Rechte,

Wenn der König was befiehlt?

Ordonnanzen! Ordonnanzen!

Meine Völker müssen tanzen,

|: Wie ich ihnen aufgespielt! :|

 

 

 

Georg Herwegh

Zum neunzehnten Mai

Eröffnungstag der neuen preußischen Volkskammern

1862

Ich sah, wie sie gleich einem Hund,

Den Trützschler feig erschossen

Und Dortüs Blut auf Freiburgs Grund

Am frühen Tag vergossen.

Ich sah, wie sich in wilder Lust

Die Knechte drauf besoffen,

Als hätt mich selber in die Brust

Ihr Standrechtsblei getroffen.

Ich sah, von Zorn und Scham bewegt,

Wie diese frommen Beter

Durch ihre Häscher ausgefegt

Den Saal der Volksvertreter.

Ich sah sie – niemals im Gefecht,

Doch immer in Gamaschen,

Bereit, zu greifen in das Recht

Und in des Volkes Taschen.

Ich sah, wie neulich ein Profos

Sein Zepter nahm vom Nagel.

Oh, dieser Augenblick war groß –

Für Junker und Janhagel!

Ich sah und hört – wie sie gelobt

Den Herrn mit Harf und Psalter,

Und wie zu Roß und Fuß getobt

Das ganze Mittelalter.

Wie lang noch? rief ich endlich aus,

Will keine Hand sich rühren?

Ich wanderte von Haus zu Haus

Und klopfte an die Türen:

Heraus! Ihr Männer meiner Wahl,

Heran, zu meiner Urne!

Hinschreit ich durch den weißen Saal

Auf ehernem Kothurne;

Hinschreit ich wieder durch die Welt,

Zerbrochne Herrscherstäbe

Und Kronen schmücken mein Gezelt;

Ich leb, ich leb, ich lebe!

Ich lebe, und ich winde schon

Den Kranz für meine Streiter;

Ich bin die Revolution!

Nur weiter, Kinder, weiter!

 

 

 

Georg Herwegh

Warum dieser scheue Blick?

Warum dieser scheue Blick?

Diese heilige Gebärde?

Himmel, gib sie mir zurück!

Kind, besinn dich auf die Erde!

Nimm die volle Ährengarbe!

Schweife nicht in blauer Luft!

Gegenwart allein ist Farbe,

Und die Sehnsucht ist der Duft.

Ist nicht einst der Herr der Herrn

Aus der Höh herabgestiegen?

Sieht man nicht des Äthers Stern

Täglich in der Flut sich wiegen?

Hast du Phöbos nie gesehen,

Der im Meer sich niederlegt?

Und man will die Erde schmähen,

Die im Schoß den Himmel trägt?

Nicht um zweifelhaftes Glück

Sei ein Herzenslenz verloren!

Oft schon hat der Augenblick

Eine Ewigkeit geboren!

Laß nicht in die Ferne rücken,

Was so nah, so fühlbar nah!

Wage frisch um dich zu blicken

Und die Götter sind noch da!

Weil die Lippen rot, geküßt!

Frisch geküßt, weil du auf Erden!

Denn wer hier nicht selig ist,

Oh, der kann es dort nicht werden!

 

 

Georg Herwegh

Sonett

Ich habe nie mein Elend mir vergoldet,

Stets seine Dolche schärfer noch gespitzt

Und blutig, blutig auf mein Herz geritzt;

Ich habe nie den Reim als Arzt besoldet.

O daß ihr endlich es mir glauben wolltet,

Wie tief der Tod mir in der Seele sitzt,

Wenn es in meinem Liede flammt und blitzt

Ihr reichtet mir die Hand, statt daß ihr grolltet!

Ihr wisset ja: Gewitter machen kalt;

So werd ich denn vor meinem Winter alt –

Was griff ich auch so frühe in die Saiten?

Allein – kein Menschenleben braucht's zum Glück!

Ich fühle oft, es ist ein Augenblick,

In dem wir uns die Ewigkeit erstreiten!

 

 

 

Georg Herwegh

Guter Rat

gegeben im Juni 1866

Warum willst du sorgenvoll

Länger noch dich quälen,

Fragend: »Welche Farbe soll

Ich zum Banner wählen?«

Schwarzweiß, schwarzgelb, schwarzrotgold –

Welche Musterkarte

Liegt vor Deutschland aufgerollt!

Warte, Teurer, warte!

Sei kein Hippopotamus,

Freund, und lern verstehen

Eine gute Fahne muß

Sich vor allem drehen.

Salbe mit dem Öle sie

Sämtlicher Parteien,

Daß beim Drehen sie sich nie

Untersteht zu schreien.

Und inzwischen winde nur

Weiter deine Sträuße;

Morgen kriegt sie der Pandur

Oder auch der Preuße.

Ist nur eine Farbe gut?

Mancher Schwärmer glaubt's, ach!

Bis er röchelnd liegt im Blut;

Siegen bleibt die Hauptsach.

Warte, warte jedenfalls,

Wem das Glück, die Metze,

Werfen wird an seinen Hals

Sich und ihre Schätze.

Suche deine Meinung klug

Möglichst zu verhüllen;

Erst beim Triumphatorzug

Gilt es laut zu brüllen.

Brülle, brülle, brülle dann,

Laß den Sieger leben!

Viele Stellen hat der Mann,

Viele zu vergeben.

Ob's der Paul, ob's Peter sei,

Schakal oder Tiger –

Rufe: Zwei mal zwei ist drei!

Vivat hoch der Sieger!

 

 

Georg Herwegh

Veni, creator spiritus!

1845

O sprich, was soll es werden

Mit dir, du deutscher Geist!

Du bist ja auf der Erden

Entfremdet und verwaist!

Laß sehn, ob du noch reißen

Dich magst aus deinem Bann

Und ob der Stein der Weisen

Noch Funken geben kann!

Wirf ab die Wolkenhülle,

Wirf ab dein himmlisch Kleid,

Und stürz dich in die Fülle

Der ganzen Sterblichkeit,

Steig ins gemeine Leben

Von deinem kalten Thron,

Ins Leben und ins Streben

Von einer Nation.

Du hattest dich so scheue

In Pergament verbaut;

Da schliefst du wie ein Leue

In einer Eselshaut –

Wir können solche Pfiffe

Bei Löwen nicht verstehn;

O Löwe, laß die Griffe

Statt der Begriffe sehn.

Zerreiß, o Geist, die Netze,

Drein dumpfer Wahn uns flicht;

Du gabst genug Gesetze,

Oh, halte dein Gericht!

Fall in die schnöden Horden,

Ein zündender Wetterstrahl,

Die mit dem Golde morden,

Und heile mit dem Stahl!

O Freiheit, Glutgedanke,

Erschaffe deine Welt,

Und brich die letzte Schranke,

Die dich gefangenhält;

Nicht mehr mit mildem Glanze

Umleuchte unsre Stirn,

Im Kriegsschmuck, mit der Lanze

Spring aus des Denkers Hirn!

Hervor aus deiner Stille,

Darin du brütend liegst!

Hinaus, ein Riesenwille,

Damit du endlich siegst!

Als freie Tat, o Wonne,

In die Welt mit kühnem Schwung,

Wie eine rote Sonne

Aus bleicher Dämmerung!

Wir müssen uns verwandeln,

Die Puppenzeit ist aus,

Wir müssen nun im Handeln,

In einem letzten Strauß

Der Schwingen Kraft ermessen;

Der Herbst der Rede naht:

Frisch auf, ihr deutschen Pressen,

Und keltert eine Tat!

 

 

 

Georg Herwegh

Den schwäbischen Freunden

Ostern 1870

Und es ahnet der Knecht nur die Gewaltsamen
Hölderlin

Noch ging es nicht verloren,

Des edlen Dichters Wort

Tönt, immer neu geboren,

In edlen Herzen fort.

Mir ist, als hör ich jenen,

Wenn ihr so schlicht und recht

Dem schwäbischen Hellenen

Wie aus der Seele sprecht:

»Des kleinen Volkes Lachen

Mag Cäsar immerhin;

Doch schwerer ist's, den Schwachen

Zu beugen ihren Sinn.

Wir gaben und wir gaben

Zu lang schon Blut und Geld,

Als wären nur die Raben

Zu füttern auf dem Feld.

Wir gaben Roß und Reiter

Hinweg von unserm Pflug –

Uns dünkt, es sind der Streiter

Im Herrendienst genug.

Ob sie auf uns in Gnaden,

Ob zornig drohend blickt,

Ob sie, mit Gold beladen,

Uns den Versucher schickt –

Wir rufen ihren Bütteln

Und ihren Vögten halt;

Wir wollen rütteln, rütteln

Am Baume der Gewalt;

Ja rütteln, durch das tolle

Gerassel unbeirrt,

Bis das kanonenvolle

Europa nüchtern wird;

Bis diese Chassepotwunder,

Sadowas Knalleffekt,

Den Hinterladungsplunder

Vergessenheit bedeckt.«

 

 

 

Georg Herwegh

Frühlingsnacht

So sel'ge Stille traf ich nie!

Kaum lispelt's in den Zweigen,

Als hätten ein Geheimnis sie

Den Menschen zu verschweigen.

Kaum plätschert noch die Welle fort,

Kaum knospet's in den Hecken,

Als gälte es, die Sterne dort

Am Himmel nicht zu wecken.

Die guten Geister senken sich

Auf ihren Strahlen nieder

Und bringen, die bei Tag entwich,

Die Ruh den Träumen wieder.

Mein Schifflein treibt im Sturm allein,

Und niemand will es retten;

So müd dies Haupt, es schläft nicht ein –

Ich muß ihm tiefer betten.

 

 

 

Georg Herwegh

An Richard Wagner

Februar 1873

Die nüchterne Spree hat sich berauscht

Und ihren Verstand verloren;

Andächtig hat dir Berlin gelauscht

Mit großen und kleinen Ohren.

Viel Gnade gefunden hat dein Spiel

Beim gnädigen Landesvater,

Nur läßt ihm der Bau des Reichs nicht viel

Mehr übrig für dein Theater.

Wärst du der lumpigste General,

So würd man belohnen dich zeusisch;

Genügen laß dir für dieses Mal

Dreihundert Tälerchen preußisch.

Ertrage heroisch dies Mißgeschick

Und mache dir klar, mein Bester,

Die einzig wahre Zukunftsmusik

Ist schließlich doch Krupps Orchester.

 

 

 

Georg Herwegh

Kaisergrütli

September 1872

Drei Kaiser beisammen – was gibt’s zu retten?

Was gibt's zu schmieden für neue Ketten?

Der Völkerärzte – was gibt's zu heilen?

Drei Salomons-Schwerter – wo gibt's zu teilen

Ein neues Polen? Wer sind die Bedrohten?

Sind es die Schwarzen? Sind es die Roten?

Ist's einer der widerspenst'gen Vasallen,

Die sich geweigert, nach Mekka zu wallen?

Dreht man den Armesünderstrick

Vielleicht für Frankreichs Republik?

Und fühlen die Herren von Gottes Gnaden

Trotz aller Thiersschen Füsilladen

Sich nicht ganz wohl? Der weiße Zar,

Was will er? Holt er sein Honorar

Dafür, daß er so brüderlich

Den Bruder am Seinestrand ließ im Stich? –

Die Wächter der Donau, der Hüter des Rheins –

Die drei, wie lange bleiben sie eins?

Und wenn sie umarmt sich mit Entzücken,

Wer wird den andern zuerst erdrücken?

Und wenn sie ewige Freundschaft geschlossen,

Von wem wird wieder zuerst geschossen?

So fromme Herrn, so gute Christen –

Wer wird den andern überlisten?

Wer kann uns sagen, wer tut uns kund:

Was bedeutet der Kaiser-Grütlibund?

So hör ich fragen die Kreuz und Quer;

Unser Berlin indessen putzt sich sehr,

Die europäischen Providenzen

Sehn es im Gründerschmucke glänzen!

Madai steht stolz wie ein Titus da,

Seit er zerstöret Barackia;

»Kein Lump soll unter die Augen treten«,

So rief er, »den fremden Majestäten!«

Die hohe Cäsarenstadt wimmelt von Spitzeln,

Die inspiriertesten Federn kritzeln

Von Friedenstauben und Kriegesenten –

Oh, meine teuren Korrespondenten,

Ich kenne das Menu der Kaisertische,

Ich riech die kongreßlich gräßlichen Fische

Und begehre nimmer und nimmer zu schauen,

Was die Götter bedecken mit Nacht und mit Grauen.

 

 

 

Georg Herwegh

Im Frühling

1849

O laß sie träumen den Kaiserwahn,

Alt-Deutschlands Ritter und Recken;

Wie werden sich vor dem roten Hahn

Die roten Adler verstecken!

O laß sie träumen noch eine Nacht!

Dann wetzen wir aus die Scharte,

Dann werden Fidibusse gemacht

Aus der europäischen Karte.

Die Völker kommen und läuten Sturm –

Erwache, mein Blum, erwache!

Vom Kölner Dome zum Stefansturm

Wird brausen die Rache, die Rache.

Vorn Stefansturm zum stillen Prag

Und weiter, weiter nach Polen

Das ist der Könige Jüngster Tag;

Der Teufel, er wird sie holen.

Die alten Kohorten am Tiberstrom

Stehn auf beim Klang der Trompeten;

Die Glocken schweigen, du ewiges Rom

Vergiß dein Singen und Beten!

Die Glocken schweigen, die Pfaffen schrein

In ihren zertrümmerten Hallen;

Den Heiligen wird der goldne Schein

Vom zitternden Haupte fallen.

Die Henker falten, vor Schrecken bleich,

Die blutigen Hände zusammen;

Und aus dem stürzenden Österreich

Hoch lodern werden die Flammen.

Das alles, das alles soll geschehn

In kommenden Frühlingstagen –

Herrgott, laß die Welt nicht untergehn,

Eh die Nachtigallen schlagen!

 

 

 

Georg Herwegh

Endlich!

August 1870

In den Kneipen, durch die Pressen

Hat man Beifall ihm gezollt,

Weil der Teufel, pflichtvergessen,

Ihn so lang nicht holen wollt.

Von den Thronen ward als Retter

Hochgepriesen der Tyrann; –

Endlich zieht das Donnerwetter

Eines Volks auf ihn heran!

Braust vernichtend ihm entgegen,

Schlachtenblitz auf Schlachtenblitz!

Aufgeweckt von deutschen Schlägen

Rührt sich endlich die Justiz!

 

 

 

Georg Herwegh

An einen Bekannten der einen Orden erhalten hatte

Mein Freund, du bist sehr fromm geworden!

Du trägst ein Kreuz gar auf der Brust!

Bei Gott, ein sonderbarer Orden,

Von dem ich bisher nichts gewußt!

So wäre es denn wahr, du schwörtest

Ab, was als Jüngling du getan?

Es wäre wahr, und du gehörtest,

Ein Lebender, den Toten an?

Und dieses Kreuz hier soll bedeuten

Nur deiner stolzen Seele Grab,

Die Endschaft aller Herrlichkeiten,

Die sie dem Freund zu kosten gab?

Oh, du hast früh gesenkt die Flügel,

Früh dich im Staube hingestreckt!

Auf deines Herzens Leichenhügel

Hat Gnade dir ein Ziel gesteckt!

Zeuch hin den Weg zur Schädelstätte!

Doch wird dir einst dein Kreuz zur Last,

Erdrückt dich deine goldne Kette,

Such nicht vor meinem Hause Rast!

Wenn dich dein Schmeicheltroß verlassen,

O kehre niemals bei mir ein.

Ich möchte wahrlich dich nicht hassen,

Und doch mir selbst nicht treulos sein.

 

 

 

Georg Herwegh

Es sitzen die Schuster

1859

Es sitzen die Schuster, sie sitzen und raten,

Ich meine die höheren Schuster der Staaten,

Die Schuster, die wieder den Gang der Welt

Besorgen, damit sie nicht strauchelt und fällt.

Nicht mein ich Hans Sachsens poetische Innung,

Ich meine die Schuster mit Schustergesinnung,

Das hochwohlgeborne, gebildete Pack,

Die Schuster im diplomatischen Frack.

Sie haben gesessen auf hundert Kongressen,

Zu Morgen, zu Mittag, zu Abend gegessen,

Manierliche Herrchen mit Sternen bespickt,

Die kein Astronom noch am Himmel erblickt,

Und haben die Taschen voll goldener Dosen,

Sind ruhige Leute, die nie sich erbosen,

Sie schnupfen wie Grazien – Gott sei Dank –

Und waschen sich täglich – Die Krallen sind blank.

 

 

 

Georg Herwegh

Bekehrungsstrophen für meine schwäbischen Freunde

Oktober 1866

Herr Fortschritt blies aus seiner Friedenspfeife

Den dicksten Qualm – allein vergeblich war's,

Vergeblich war Gepolter und Gekeife –

Krieg! rief der Bismarck, Krieg! Lex mihi Mars!

Er hat sein Recht vom Tisch des Herrn genommen

Mit drei- bis viermalhunderttausend Mann;

Der Thron von Nassau hat ein Loch bekommen,

Und der von Sachsen scheint mir nahe dran.

Die Christenscheike kann man leichter zwingen

Als einen Mohrenkönig ungetauft;

Kein schwarzer Freiligrath wird sie besingen,

Wenn man sie je nach Afrika verkauft.

Ihr hattet nichts als euren Alexander

In Babylon – doch nicht aus Philipps Bett,

Das Bundesstaatsschiff war ein schlechter Brander

Und faul bis auf das allerletzte Brett.

Der Teufel wird von Belzebub vertrieben –

Was hilft's, daß man mit Catoworten prunkt?

Ergebt euch drein!

Seid praktisch, meine Lieben;

Germania braucht einen Mittelpunkt.

Und das Gesetz der Schwere, dem Poeten

Zum Trotz, beherrscht Geschichte wie Natur;

Und um die Sonne kreisen die Planeten

Herunter bis zum Schwäbischen Merkur.

Der ganze Tierkreis huldigt – tut desgleichen!

So wird's euch wohl auf dieser Erde gehen!

Der Löwe brüllt vor Freude – doch im Zeichen

Des Krebses bleibt die neue Sonne stehn.

 

 

 

Georg Herwegh

Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust

März 1870

Zwei Seelen wohnen auch in meiner Brust

Die eine möchte gern den Junker klopfen;

Die andre hört ihn mit geheimer Lust

Euch euer vorlaut Maul fürs erste stopfen.

Zwei Seelen wohnen auch in meiner Brust:

Die eine möcht euch, Ärmste, gern beklagen,

Daß ihr ertragen solchen Hohn gemußt;

Die andre fragt: Warum habt ihr's ertragen?

Was ist zu tun? So, wie die Dinge sind,

So schwank ich zwischen Wehmut und Gelächter.

Rebus sic stantibus und wie ein Kind

Kann ich nur sagen: Ihr seid beide schlechter!

 

 

Georg Herwegh

Abschied

Lebwohl! was könnt ich auch dir bieten?

Lebwohl! Lebwohl! mein ander Herz!

In deiner Hütte schläft der Frieden,

Und in die Fremde irrt der Schmerz!

Du bist ein Weib! und eine Stütze

Suchst an dem Manne du für dich!

Du suchst ein Haupt, verschont vom Blitze,

Such einen andern denn als mich!

Du könntest einen Zauber sprechen,

Und alle Himmel wären mein!

Doch müßte ich den Zauber brechen,

Weil deine Ruh der Preis würd sein!

Lebwohl! ich werd dir nicht mehr folgen!

Lebwohl! Lebwohl! ich ziehe gern!

Lebwohl! Lebwohl! rett vor den Wolken

In deinen Himmel dich, mein Stern!

Dein Leben – daß es Gott beschütze –

Ein Maitag sei's im Morgenlicht,

Eh ihm der Sonne Glut und Hitze

Die Rosen von dem Haupte bricht!

Der Tod sei dir die Hippokrene,

Die jeden Durst der Seele stillt;

Willkommen wie die erste Träne,

Die erster Lieb im Auge quillt!

Der Herr behüte dich in Gnaden!

Ein Wetter lagert sich um mich.

Es könnte endlich sich entladen

Und träfe dann auch dich, auch dich!

Ich will dir nicht den Frieden trüben!

Nimmt auch der Wahnsinn ganz mich ein;

Lebwohl! ich will dich ewig lieben

Und doch von dir geliebt nicht sein!

 

 

 

Georg Herwegh

Post festum

September 1872

Vorüber sind mit ihrer Pracht

Manöver und Parade,

Schloßfreiheitsjubel, Zaubernacht

Und Monstreserenade.

Madai benahm sich sehr geschickt,

Die Polizei war fleißig,

Nur zwanzig Menschen sind erstickt,

Verwundet sind nur dreißig.

Die Herrn sind fort, die Diener auch

Zerstreut in alle Winde;

Sie hinterließen, wie's der Brauch,

Viel Trinkgeld fürs Gesinde.

Ein Hausknecht Bismarcks ward Komtur,

Weiß nicht, von welchem Orden;

Ein goldnes Kalb, wie ich erfuhr,

Ist Reichsbaron geworden.

Laßt uns, ihr Lieben, ungestört

Der Ruhe nun genießen;

Freund Thiers hat noch nicht aufgehört,

Die Roten zu erschießen.

Zwar, daß die Schwarzen man verbannt,

Macht manches Herz beklommen;

Kannst ruhig sein, lieb Vaterland,

Sie werden wiederkommen.

Die Welt ist rund, für jeden Platz

Läßt sich retour bezahlen;

Such für den Winter dir Ersatz

In deinen Liberalen.

 

 

Georg Herwegh

Zwei Lieder

1868

I

Die Liebe ist ein Edelstein,

Sie brennt jahraus, sie brennt jahrein

Und kann sich nicht verzehren;

Sie brennt, solang noch Himmelslicht

In eines Menschen Aug sich bricht,

Um drin sich zu verklären.

Und Liebe hat der Sterne Macht,

Kreist siegend über Tod und Nacht,

Kein Sturm, der sie vertriebe!

Und blitzt der Haß die Welt entlang,

Sie wandelt sicher den alten Gang,

Hoch über den Wolken, die Liebe!

II

So sprach zum Tropfen Tau die Welle:

»Komm, folge mir auf meiner Bahn!

Ich will dich tragen, wandre schnelle

Mit mir hinab zum Ozean.«

So sprach der Tau: »Dank für die Ehre!

Mir ist viel wohler hier allein –

Soll ich ein Tropfen in dem Meere

Von Millionen Tropfen sein?

Zieh hin, in Bitterkeit zu enden!

Ich sterb in einer Blume Schoß,

Die heute in geliebten Händen

Verwelken darf – o selig Los!

Lock mich nicht über diese Schwelle!

Hier ist mein Glück, denn Glück ist Ruh.«

Und weiter klatschend floß die Welle

Dem Meere der Vernichtung zu.

 

 

 

Georg Herwegh

Das Reden nimmt kein End

1848

Zu Frankfurt an dem Main –

Sucht man der Weisen Stein;

Sie sind gar sehr in Nöten,

Moses und die Propheten,

Präsident und Sekretäre,

Wie er zu finden wäre –

Im Parla – Parla – Parlament

Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main –

Da wird man uns befrein;

Man wird die Republiken

Im Mutterleib ersticken,

Und Bassermann und Welcker

Beglücken dann die Völker

Im Parla – Parla – Parlament

Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main –

Bald zieht der Kaiser ein!

Schon träuft der Gnade Manna,

Ihr Knechte, Hosianna!

Mathy, der Schuft, Minister –

Triumph, ihr Herrn Philister!

Im Parla – Parla – Parlament

Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main _

Die Wäsche wird nicht rein;

Sie bürsten, und sie bürsten,

Die Fürsten bleiben Fürsten,

Die Mohren bleiben Mohren

Trotz aller Professoren

Im Parla – Parla – Parlament

Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main –

Ist alles Trug und Schein.

Alt-Deutschland bleibt zersplittert,

Das Kapitol erzittert,

Umringt von Feindeslagern,

Die Gänse giga – gagern

Im Parla – Parla – Parlament,

Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main –

So schlag der Teufel drein!

Es steht die Welt in Flammen,

Sie schwatzen noch zusammen,

Wie lange soll das dauern?

Dem König Schach, ihr Bauern!

Dein Parla – Parla – Parlament,

O Volk, mach ihm ein End!

 

 

Georg Herwegh

Zum eidgenössischen Schützenfest in Zürich

vom 3. bis 12. Juli 1859

Wetterumzogen brausen die Wogen;

Aber die Sterne, sie sind dir gewogen!

Steure, du Schweizer, im Völkerorkan

Ruhig, wie Tell ihn gesteuert, den Kahn!

Tapfere Schützen werden sie schützen,

Kräftige Stutzen werden sie stützen,

Sichere Hand und sicherer Blick

Werden behüten die Republik.

Einstens vor Schergen tief in den Bergen

Kam sie die heilige Quelle zu bergen.

Trüben sie draußen die Rhone, den Rhein –

Quelle, bleib helle! der Strom wird rein.

Quelle, bleib helle! schneeschimmernde Wälle,

Sendet herunter die läuternde Welle!

Sendet, an ewigem Glanz so reich,

Klarheit hinaus ins verworrene Reich!

Fort mit den kranken, den Todesgedanken!

Heiter den Himmlischen wollen wir danken:

Säulen der Freiheit, ihr stehet noch fest!

Sonne der Freiheit, verkläre dies Fest!

Liebend umschlossen alle die Sprossen

Halte am Stamme der Eidgenossen!

Segne sie alle, die Männer in Wehr,

Die von den Alpen und die vom Meer!

Segne, die ringen und mutig sich schwingen,

Ringende Geister und Herzen mit Schwingen!

Segne das Spiel und den friedlichen Schuß,

Blitzende Sonne des Julius!

Doch wenn die alten, die finstern Gewalten

Kommen, hier oben im Lichte zu walten

Treffer im Himmel, zu unserem Heil

Lenke die Kugel, wie einst den Pfeil!

 

 

 

Zwei Preussenlieder.

Georg Herwegh

I. An Borussia.

Und so wären's dreißig Jahre,
Seit ein Fürst in tiefster Nacht –
Nicht der Jetz'ge, Gott bewahre! –
Guter Hoffnung dich gemacht;
Seit du trächtig, niederträchtig,
Arme Preußenhündin du:
Doch nun gehst du, o wie prächtig!
Deinem Wochenbette zu.

Denn du fängst mit Einemmale
So gewaltig an zu schrei'n,
Und man raunt im Fürstensaale:
Sollten das die Wehen sein?
Hat das Ohr auch recht vernommen?
Jüngster Tag, und bist du da?
Willst du wirklich niederkommen?
Wirklich, o Borussia?

Und was sagt der Ritter Bunsen,
hocherfahren, tiefgelehrt?
hat er nicht für aufgedunsen,
Voller Winde dich erklärt?
Solltest du zum Zeitvertreibe
Gar nur wassersüchtig sein?
Oder trägst du mehr im Leibe
Als den freien deutschen Rhein?

Und die preußischen Auguren,
Loben sie der Adler Flug?
Was sie im Urin erfuhren,
Ist's beruhigend genug ?
Haben sie trotz aller Mühe, –
Und die Herrn sind so geschickt! –
In den Herzen deutscher Kühe
Nichts Gefährliches erblickt?

Nichts! es spricht der neuste Ukas
Auch dem kleinsten Zweifel Hohn,
Und man macht den Doktor Lukas
Deinethalb nur zum Baron,
Daß er glücklich dich entbinde,
Wenn die Zeit herangerückt,
Und mit Schonung deinem Kinde
Schnell den Kopf zusammendrückt.

Zwar ich möcht' es kaum bedauern,
Denn der Balg verheißt nicht viel,
Und ich wette, just die Bauern
Fehlen in dem Kartenspiel;
Doch gar viele sind berufen
Und nur Wenige erwähl – – –
Wenn man christlich erst die Hufen
Irdischen Besitzes zählt.

Zwar wir haben nichts zu essen,
Doch der König wird nicht matt,
Und er macht mit neuen Spässen
Uns, mit neuen Reden satt;
Zwar der Schwager schwingt die Knute,
Die Kosacken prügeln schon,
Doch wir haben eine gute
Deutsche Konstitution.

II. L'état c'est moi!

Ordonnanzen! Ordonnanzen!
Meine Völker müssen tanzen,
Wie Ich ihnen aufgespielt!
Eins – zwei – drei –- und Runde! Runde!
Tanzet ihr getreuen Hunde,
Wenn der König es befiehlt.

Lernt des Lebens Lust begreifen:
Euer König wird Euch pfeifen,
Und Ihr werdet ihn verstehn.
Leise, leise, nur im Kreise,
Nach dem Takt der Russenweise,
Nur um Mich sollt Ihr Euch drehn!

Ich bin Euer Kopf und Magen,
Antwort' Ich auf alle Fragen,
Aller Rede letzter Sinn;
Ihr der Abglanz nur des Fürsten –
Und wer wagte noch zu dürsten,
Wenn Ich selber trunken bin?

Volksvertreten? Volksvertreten?
Beten sollt Ihr, Ihr sollt beten,
Ich bin Solon und Lykurg!
Brecht mir nicht des Schweigens Siegel,
Denn Ich habe Schloß und Riegel:
Gott ist eine feste Burg!

Ordonnanzen! Ordonnanzen!
Meine Völker müssen tanzen,
Wie Ich ihnen aufgespielt!
Tanzt, o Polen, tanzt, o Deutsche,
Alle nach derselben Peitsche,
Wenn der König es befiehlt!

Ich bin König, meine Gründe
Donnern durch Kanonenschlünde
In des Pöbels taubes Ohr';
Rasselt irgendwo die Kette,
Hunderttausend Bajonette
Schaffen Ruhe wie zuvor.

Freiheit – welch ein toll Begehren,
Ja, der Henker soll sie lehren
Euch zum Schrecken und zum Graus;
Wird der Vorrath hier zu mager,
Hilft ja gern mein lieber Schwager
Mir mit seinen Galgen aus.

Ordonnanzen! Ordonnanzen!
Meine Völker müssen tanzen,
Wie Ich ihnen aufgespielt!
Tanzt ihr Deutsche, tanzt ihr Polen,
Wie der Czar es Mir befohlen,
Wie's der König Euch befiehlt.

Jeder Flügel sei beschnitten,
Auch dem Amor, der die Sitten
Uns'res Reichs kompromittirt.
Und von nun an sei bewußtes
Bett von weiland Herrn Prokrustes
Als Reichseh'bett eingeführt.

Nur ein Vorurtheil ist Liebe;
Eure ungestümen Triebe
Zügl' ich durch ein christlich Joch.
Ich bin Herr von allen Sachen,
Und allein das – Kindermachen
Laß ich Euch in Gnaden noch.

Ich verbiete, Ich erlaube,
Ich nur denke, Ich nur glaube,
Und Ihr Alle seid bekehrt.
Jeden Zweifel löst die – Knute;
Hat man denn das Absolute
In Berlin umsonst gelehrt?

Seid Ihr denn nicht meine Knechte?
Und Ihr fragt nach einem Rechte,
Wenn der König' was befiehlt?
Ordonnanzen! Ordonnanzen!
Meine Völker müssen tanzen,
Wie Ich ihnen aufgespielt!

 

 

 

Georg Herwegh

Essetai ämar (ΕΣΣΕΤΑΙ ΗΜΑΡ)

1862

Besiegt, gefangen der Rebell,

Besiegt vom Sohn des Verhuel,

Vom schlechtesten der beste Mann,

Ormuz besiegt von Ahriman!

So klang die Trauerkunde, so –

Doch einer in Paris war froh.

Der Tag wird kommen.

Besiegt, der unser Banner trug,

Dem jedes Herz entgegenschlug,

Der unser Stolz, der unser Glück.

Besiegt! es war ein Bubenstück,

Ein höllisch Spiel, das man agiert.

Man hat den Judas dekoriert.

Der Tag wird kommen.

Besiegt – zum ersten Male, ja!

Besiegt wie der auf Golgatha!

Sieg voll Entsetzen und voll Graus –

Die Menschheit pfeift den Sieger aus,

Und in den schurkischen Triumph

Tönt eine Geisterstimme dumpf:

Der Tag wird kommen.

Der Tag, wo man die Kugeln zählt,

Die unsre Märtyrer entseelt,

Und auch die Kugel, gottverflucht,

Nach der ihr jetzt vergeblich sucht;

Ach! die gehemmt des Helden Lauf

Ein Engel hob sie weinend auf:

Der Tag wird kommen.

Und haben sie am Aspromont

Ihn feig verraten auch gekonnt,

Und ruht, verwundet wie Achill,

Auf seinem Lager bleich und still

Der Allgeliebte – sei es drum!

Achill fiel, doch auch Ilium,

Der Tag wird kommen.

Blick hin, Ratazzi-Ganelon,

Blick hin auf deines Königs Thron,

Und dann blick auf die Schmerzensstatt,

Und sprich: Wer ist von beiden matt?

Der König, in des Kaisers Joch?

Der Held, der fallend ruft: »Und doch!

Der Tag wird kommen.«

Horch! durch die weite, weite Welt

Nur eine Frage: Lebt der Held?

Nur eine Sorge, die um ihn,

Und nur Verachtung für Turin!

Nur eine Größe, dran man glaubt,

Und heiliger, wie seins, kein Haupt!

Der Tag wird kommen.

Der, nie geschlagen, immer schlug

Und immer sprach: »Wir sind genug !«

Und vor des Feindes, Übermacht

Der seinen Mut vertausendfacht:

Er hat die Waffen unbefleckt

Nur vor den Brüdern fromm gestreckt

Der Tag wird kommen.

Noch ist sein Lorbeer nicht verdorrt,

Noch wirkt Marsalas Wunder fort,

Und auferstehen werden sie,

Die am Volturn, von Sankt-Marie,

Und einst am Tiber wird erneut,

Der Gancia-Glocken Sturmgeläut.

Der Tag wird kommen.

Und kommen wird sie dann nach Rom

Und kommen in den Peters-Dom,

Die Freiheit, auch mit wundem Fuß,

Urbi et orbi! schallt ihr Gruß,

Und kommen wird auch ein Homer,

Ein Schicksalswort zu singen schwer:

Der Tag wird kommen.

 

 

 

 

Georg Herwegh

Huldigung

August 1848

Glocken, tönt! Kanonen, donnert! Zion, öffne deine Tore!

Israel, zieh ihm entgegen, bring ihm Palm und Trikolore,

Dem Messias der Monarchen; tu die frohe Botschaft kund

Dem Messias der Propheten – – aus dem alten Deutschen Bund!

Gnädigst hat er angenommen eines goldnen Zepters Bürde;

Angenommen die Entsagung unsrer eignen Manneswürde.

Legt euch, ihr empörten Wellen! Platz, du Volkesozean,

Platz dem kaiserlichen Steuer auf der stolzen Siegesbahn!

Schweigen wird der Herr gebieten dieser Zeit bewegtem Meere,

Retten in den deutschen Hafen Östreichs scheiternde Galeere;

Bändiger der Elemente, der den Frieden uns verheißt:

Eine Schöpfung ohne Leben und ein Chaos ohne Geist.

Glocken, tönt! Kanonen, donnert! Aller Segen kommt von oben.

Blast, ihr Dichter, die Posaunen! denn die Prinzen soll man loben.

Zweifel, nüchterner Geselle, schau die Menge hochgestimmt,

Wie sie trunken den Johannes schon für den Erlöser nimmt!

O Erlöser, tu ein Wunder! Öffne diesem Volk die Augen!

Schade freilich, daß nur Fürsten zum Erlösertume taugen.

Wohl vergessen und verschollen wäre längst der Heil'ge Christ,

Hätt die Bibel nicht bewiesen, daß er kein Plebeier ist.

In der kaiserlichen Hofburg jubilieren sie und zechen

An des Wahnsinns düstrer Stätte, in dem Hause der Verbrechen;

Und die vielbelobte Treue (daß der Himmel sie verdamm!)

Schlingt die buhlerischen Arme um den alten Sündenstamm.

Freude herrscht in Trojas Hallen – die Minister sind geraten!

All die glühenden Apostel wandeln sich in Apostaten;

Wie ergiebig ist die Ernte, und die Schnitter wie behend!

Und wir dreschen ruhig weiter leeres Stroh im Parlament.

Aber tückisch im Verstecke lauert Austria, die Spinne,

Lauert, wie sie das Vertrauen dummer Fliegen sich gewinne;

Und an ihren Spinnefaden reihn wir zu der Einheit Kranz

Vierunddreißig schöne Perlen unsres deutschen Vaterlands.

Und was bringt er dir zum Danke? Edelstein aus allen Kronen,

Bringt als schönste Morgengabe dir den Fluch der Nationen;

Habsburg – Lothringen! Der Herrschaft unerbittliches Gesetz

Erbt von Metternich, dem Henker, auf den Schlächter Windisch-Grätz.

Wehe ruft im Todeskrampfe, Wehe das zertretne Böhmen!

Ewig wie die Flut der Weichsel wird des Polen Klage strömen;

Eine neue Trauerbotschaft kündet uns der Flammenschein:

Die Barbaren ziehen heute in den Dom von Mailand ein.

- Dich vergiften deine Ärzte, die den Samen der Verwesung

In die Adern dir geträufelt; hoffe nicht mehr auf Genesung,

Krankes Deutschland, nur im Fieber sprachst du von der neuen Welt;

Denn der Acker der Geschichte bleibt von Knechteshand beste

Schau, wie sie am Wege stehen, hunderttausend Domestiken,

Bettelnd einen Strahl der Gnade sich aus des Tirolers Blicken:

Feiger Pöbel, laß sie schallen, deiner Stimme Donnerkraft!

Alles treibst du mit Behagen, doch du dienst mit Leidenschaft.

Gestern war es, daß sie riefen: Barrikaden! Barrikaden!

Und im Bußhemd vor dem Volke stand der Gott von Gottes Gnaden.

Unnütz in den Staub zerronnen ist das letzte Heldenblut,

Schneckensaft der Rest – zum Färben eines Purpurmantels gut.

Die Cäsaren kommen wieder nach den Idus dieses Märzen,

Noch einmal sind wir belogen, und der Himmel wollte scherzen

Schließt euch, schließt euch, Hoffnungsblüten, denn ihr seid zu früh erwacht,

Und Europa deckt noch immer kalt und stumm die alte Nacht.

Opfern wir dem neuen Götzen, daß in einer Weihrauchwolke

Sich verhülle und vergrabe diese Schmach dem deutschen Volke!

Glocken, tönt! Kanonen, donnert! Schmeichle, schmeichle feilen Erz!

Geht ein jeder Schuß doch mitten durch der jungen Freiheit Herz.

 

 

Georg Herwegh

Liberales Jagdvergnügen

1872

Trotz Infanterie und Kavallerie

Und Artillerievermehrung,

Trotz allem eurem Mordgenie

In glänzendster Bewährung:

Trotz eurem großen Schlachtengott

Und euren Schlachtengötzen,

Trotz Festung, Zuchthaus und Schafott

Hubertusburg und Lötzen;,

Trotz Kanzelparagraphen und

Trotz Hochverratsprozessen,

Trotz eurer Dichter feilem Mund

Und euren feilen Pressen;

Trotz eurem Militärarrest

In modrichten Verliesen –

Das dulce et decorum est

Vorläufig abzubüßen;

Trotz eurem Barbarossaspuk

Und anderen Phantomen,

Trotz Auerbach, der Barden Schmuck,

und seinen »Astronomen«;

Trotz allein Rheuma, allem Ruhm,

Trotz Krupp und allen Krüppeln,

Trotz allem Flintenstudium

Und Laskers Zukunftsknüppeln;

Trotz allem Heldenübermut

Der neuen Weltzerzauser,

Trotz allein noch verheißnen Blut

Durch Werder oder Mauser;

Trotz Vivatschrein und Wacht am Rhein

Und Transpanetverschwendung

Und Siegesfestsalbaderein

Von Zollerns hoher Sendung;

Trotz einer Beute, fabelhaft,

Und trotz dem Fonds der Welfen,

Die beide mit vereinter Kraft

Zwingdeutschland bauen helfen:

Trotz allem wär der Fuß von Ton

Nicht länger zu verstecken?

Trotz allem könnt ein Steinchen schon

Den Reichskoloß erschrecken?

Von Nebenbuhlern schwer bedroht

Wär euer Herr und Lenker?

Herbei, ihr Freunde in der Not

Und wohldressierten Denker!

Die ihr Gewalt ihn auf Gewalt,

Wie Pelion auf Ossa,

Ließt türmen und ihm nachgelallt:

»Wir gehn nicht nach Kanossa« –

Herbei, ihr Weisen an der Spree,

Ihr unbefleckten Lilien,

Erklärt den Krieg zu Land und See

Den römischen Reptilien!

Tut diese Schwarzen in den Bann,

Die Syllabusverbreiter,

Den rechten Glauben lehren dann

Kanonen, Fußvolk, Reiter.

 

 

 

Georg Herwegh

An Hecker

I

Im Frieden deines Muttenz,

Die große Seele Huttens,

Sie möge mit dir sein!

Wie er des Volkes Wecker,

So stehest du, o Hecker,

Verlassen und allein.

Die Stunde war gekommen,

Du hast das Schwert genommen,

Du hast's gewagt, gewagt:

Im Dunkel ihrer Tannen

Die träumenden Alemannen

Zornsprühend aufgejagt.

Heiß lag das Rächereisen,

In Frankfurt unsre Weisen,

Sie schmiedeten es nicht;

Sie schwankten, die Verzagten,

Sie tagten, ach! und tagten,

Und nirgends ward es Licht.

Da kamen deine Schützen

Und warfen ihre Mützen

Und rüttelten den Thron;

Du Herrlicher, du Treuer,

Wie glühtest du vom Feuer

Der Revolution.

Die Menge staunt' und hörte,

Sie jubelte und schwörte;

O wunder – wunderbar!

Du führtest mutig weiter

Das Fähnlein deiner Streiter

Entgegen der Gefahr.

Doch als dich in den Bergen

Die königlichen Schergen

Erdrückt in einer Schlacht,

Da ist der Schwarm zerstoben,

Um Gott den Herrn zu loben,

Der alles wohlgemacht.

II

»Heil Windisch-Grätz und Welden!

Ei siehe da die Helden

Des neuesten Geschmacks!

Die Republik verblutet,

Die Knute überknutet

Der Säbel Cavaignacs.

Und aus des Elends Gruben

Da schallt es: Fluch euch Buben!

Fluch aus der Armut Mund!

Die Hungrigen erschossen,

So haben sie geschlossen

Mit uns den Bruderbund!«

Die schwere Zeit der Sühne

Verwandelt die Tribüne

Zum Mördertribunal;

Und tief ins Herz, du Freier,

Drückt ein bezahlter Schreier

Dir der Verleumdung Stahl.

Die müden Jünger schlafen,

Die Freiheit wird von Sklaven

Geschändet und entweiht:

Sie stirbt am Kreuz, verraten,

Schon würfeln die Soldaten

Um ihr zerrissen Kleid.

Die andern aber eilen

Sich in die Welt zu teilen

Mit gierig froher Hand;

Der Judas nimmt die Kasse,

Ein Kainsmal ins blasse

Antlitz sei ihm gebrannt!

Hoch stehn im Ruhmesscheine

Die Esel, die die Steine

Geschleppt zu Babels Turm;

Schau Polen dort und sage,

Ordnung vom Jüngsten Tage,

Wann läutest du uns Sturm?

O Zukunft hell und prächtig,

Die Kön'ge sind allmächtig,

Wir tragen wieder still

Das Joch, das uns beschieden,

Und Deutschland ist zufrieden,

Es gehe, wie es will.

Sie haben dich verlassen

Und singen auf den Gassen

Dein Lob, du Manneszier!

Was helfen die Gesänge?

Des Kaiseradlers Fänge

Sind off en über dir.

Gebeugt, doch nicht gebrochen,

Daß er im Staub gekrochen,

Vergäß ein Fürst die Schmach?

Er wird sich fürstlich rächen,

Und wird das Volk zerbrechen,

Das ihn einst nicht zerbrach.

Die Blutat von Brigitten,

Wir haben's feig gelitten;

Der Tränen sind genug –

Triumph! es siegt das Schlechte,

Und vor dem Rausch der Knechte

Schweigt die Begeisterung.

 

 

 

Georg Herwegh

Sonett

1845

Dem Glanz der Throne bin ich wohl entronnen,

Und niemand sucht mich bei den Schmeichler-Chören,

Der bunte Pomp; wie könnt er mich betören!

Um keine kreis ich eurer Tagessonnen.

Doch hab ich wenig oder nichts gewonnen:

Nur allen kann die Freiheit angehören,

Die ganze Welt muß sich mit dir empören –

Sonst hast du nur ein eitel Werk gesponnen.

Drum fühl ich tief: Ich bin kein freier Mann,

Und ob ich keines Fürsten Joch mehr schleppe,

So bleibt doch jeder Sklave mein Tyrann.

Ich flieh umsonst Palast und Marmortreppe,

Und alles, was ich mir erobern kann,

Ist Einsamkeit in dieser Menschensteppe.

 

 

Georg Herwegh

Achtzehnter März

März 1873

Achtzehnhundert vierzig und acht,

Als im Lenze das Eis gekracht,

Tage des Februar, Tage des Märzen,

Waren es nicht Proletarierherzen,

Die voll Hoffnung zuerst erwacht

Achtzehnhundert vierzig und acht?

Achtzehnhundert vierzig und acht,

Als du dich lange genug bedacht,

Mutter Germania, glücklich verpreußte,

Waren es nicht Proletarierfäuste,

Die sich ans Werk der Befreiung gemacht

Achtzehnhundert vierzig und acht?

Achtzehnhundert vierzig und acht,

Als du geruht von der nächtlichen Schlacht,

Waren es nicht Proletarierleichen,

Die du, Berlin, vor den zitternden, bleichen

Barhaupt grüßenden Cäsar gebracht

Achtzehnhundert vierzig und acht?

Achtzehnhundert siebzig und drei,

Reich der Reichen, da stehst du, juchhei!

Aber wir Armen, verkauft und verraten,

Denken der Proletariertaten –

Noch sind nicht alle Märze vorbei,

Achtzehnhundert siebzig und drei.

 

 

 

Georg Herwegh

Epilog zum Kriege

Februar 1871

Germania, der Sieg ist dein!

Die Fahnen wehn, die Glocken klingen,

Elsaß ist dein und Lotharingen;

Du sprichst: »Jetzt muß der Bau gelingen,

Bald holen wir den letzten Stein.«

Gestützt auf deines Schwertes Knauf,

Lobst du in frommen Telegrammen

Den Herrn, von dem die Herren stammen,

Und aus Zerstörung, Tod und Flammen

Steigt heiß dein Dank zum Himmel auf.

Nach vierundzwanzig Schlachten liegt

Der Feind am Boden, überwunden;

Bis in die Stadt voll Blut und Wunden,

Die keinen Retterarm gefunden,

Brichst du dir Bahn – du hast gesiegt!

Schwarz, weiß und rot! um ein Panier

Vereinigt stehen Süd und Norden;

Du bist im ruhmgekrönten Morden

Das erste Land der Weit geworden:

Germania, mit graut vor dir!

Mir graut vor dir, ich glaube fast,

Daß du, in argen Wahn versunken,

Mit falscher Größe suchst zu prunken

Und daß du, gottesgnadentrunken,

Das Menschenrecht vergessen hast.

Schon lenkt ein Kaiser dich am Zaum,

Ein strammer, strenger Zepterhalter.

Hofbarden singen ihre Psalter

Dem auferstandnen Mittelalter,

Und 89 wird ein Traum.

Ein Traum? Du sahst, wie Frankreich fiel

Durch einen Cäsar, sahst die Sühne

Vollzogen auf der Schreckensbühne

Deutschland, gedeihe, wachse, grüne,

Geläutert durch dies Trauerspiel!

 

 

 

Georg Herwegh

In kühler Laube

In kühler Laube fanden

Am Abend wir uns ein,

Und tranken miteinander

Den süßen roten Wein.

Es leuchtete dein Antlitz

In deinen Wein hinein –

Du schlürftest dein eigen Antlitz

Und konntest nüchtern sein?

Es brannten deine Augen

Hinein in meinen Wein

Wie war es anders möglich?

Ich mußte trunken sein.

 

 

 

Georg Herwegh

Herr Wilhelm

Preußiscbe Konfliktpoesien

Januar 1863

I

Und immer mehr und immer mehr

Und immer mehr Soldaten!

Herr Wilhelm braucht ein großes Heer,

Er sinnt auf große Taten.

Er braucht's nicht wider Dänemark,

Er braucht's nicht wider Kassel –

Für solchen Quark, spricht Herr Bismarck,

Genügt ein stark Gerassel.

Er braucht es nicht am Rhein, am Po;

Die Flammenzeichen rauchen

Schon längst nicht mehr – drum sagt mir, wo,

Wozu mag er's gebrauchen?

Er braucht es nicht für Griechenland;

Denn ach! Athen und Sparta,

Sie haben noch nicht hergesandt

Um unsre Magna Charta.

Er braucht es nicht wie Friederich

Auf fernen Siegesbahnen –

Herr Wilhelm braucht es innerlich

Für seine Untertanen.

Er braucht es für des Freiheitswolfs

Weit aufgesperrten Rachen;

Er braucht es, wenn wir Bockum-Dolffs

Zum Bürgermeister machen.

Er braucht’s um seiner Stände Saal

Holdschützend zu umgeben;

Er braucht's gelegentlich einmal,

Die Sitzung aufzuheben.

Er braucht es, den gemeinen Mann

Hochnäsig anzuschnarren

Und, wenn er murrt, zeitlebens dann

Im Zuchthaus einzuscharren.

Er braucht es ja! – von Wacht- zu Wacht-

Paraden hinzustrolchen

Und dann in stiller Mitternacht

Hausknechte zu erdolchen –

Für Junker, die kein Glück gehabt

In Schafzucht und in Wolle,

An Leib und Seele abgeschabt,

Für Junker – welche Rolle!

Herr Wilhelm braucht ein großes Heer,

Braucht Pulver und Patronen;

An Jesum Christum glaubt er sehr,

Doch mehr noch an Kanonen.

Die Infanterie, die Kavallerie,

Die Artillerie entfalten

Die Gottesgnadenmonarchie

In dreierlei Gestalten.

Er kann, o Volk, wie einen Hund

Aufs Bajonett dich spießen,

Kann dich zusammenreiten und

Kann dich zusammenschießen.

Die drei sind eins – und wißt ihr's nicht,

So sollt ihr's eben lernen;

Dreijähr'gen Glaubensunterricht

Erteilen die Kasernen.

II

»Von Gottes Gnaden ist mein Thron!

Ich hab ihn nicht durch Schnäpse

Erschwindelt wie Napoleon

Vom kaisermachenden Plebse.

Von Gottes Gnaden ist mein Thron!

Ich will beweisen heraldisch,

Ich bin kein Viktor, und mein Roon,

Der ist nicht garibaldisch.

Von Gottes Gnaden ist mein Thron!

Nicht Ochsen sind's noch Kälber,

Die mir aufs Haupt gesetzt die Kron;

Ich nahm die Krone selber.

Von Gottes Gnaden bin ich, ja!

Ihr salvatores mundi,

Lumpazius, Lumpazia,

Lumpazivagabundi!

Wir Hohenzollern sind sehr stolz

Auf unsern Stamm seit Jahren!

Doch pflegt man nicht aus unserm Holz

Zu schneiden die Cäsaren.

Auch hat von Barbarossa nie

Geträumt mir, daß ich wüßte;

Man hatte nicht der Poesie

Gelegt mich an die Brüste.

Die Muse hat mich nicht umgarnt

Mit ihren falschen Netzen;

An Körner, Schenkendorf und Arndt

Konnt ich mich nie ergötzen.

Ich habe wenig mich befaßt

Mit Dichtern, nur den Kinkel

Kenn ich – den ich erschossen fast

In einem Festungswinkel.

Laßt mich in Ruh mein Paschalik

Selbstherrscherlich regieren;

Ein König hat zu allem Geschick –

Ihr sollt mir nicht soufflieren.

Ich bin nicht euer Demiurg,

Deutschland aus nichts zu stampfen;

Die ganze Wolkenkuckucksburg,

Ihr Vögel, wird verdampfen,

Im Käfig wird's euch offenbar,

Ob meine Macht reell ist;

Lassalle im Käfig wird es klar,

Wenn's drin auch nicht sehr hell ist.

Den Holzstoß zünd ich wieder an

Für Zeitungen und Schriften;

Die Schreiber kommen später dran,

Die mir das Volk vergiften.

Hochtragen soll mein Junkertum

Vormärzlichste Standarten –

Lebt wohl und seid nur nicht so dumm

Von mir was zu erwarten.

Auch müßt ihr für den Einheitstaat

Euch nicht zu sehr erhitzen;

Es ist ein höchst spitzbübischer Rat,

Euch preußisch zu bespitzen.

Ich habe nie als Komödiant

Gespielt im deutschen Fache;

’s ist besser Preußen in der Hand,

Als Deutschland auf, dem Dache!

Gehabt euch wohl! Trinkt Wein und Bier,

Auch Sprit kann euch nicht schaden;

Und gebt mir Geld! Denn sonst regier

Der Teufel, von Gottes Gnaden.«

III

Biblische Geschichte

Wartet nur, sprach Pharao,

Will euch Juden Mores lehren!

Moses aber sprach: »Oho!

Spiele nicht mit Schießgewehren;

Denn es fühlt wie du den Schmerz;

Wir sind keine Hottentotten.

Doch ein souveränes Herz

War von jeher hartgesotten.«

Und der Pharao gedacht

Nur an Garden und an Linien;

Exerzierte Tag und Nacht,

Mußten stehen wie die Pinien;

Mußten machen rechts und links,

Links und rechts vor seinem Schlosse

Und probieren vor der Sphinx

Die weittragenden Geschosse.

Einen Meister der Dressur

Ließ er aus Berlin verschreiben;

Denn vom Menschen sollte nur

Noch der Pudel übrigbleiben.

Pharao erhob sein Heer

Auf die höchste Bildungsstufe,

Und Ägyptens Militär

War von afrikan'schem Rufe.

Hatt auch einen neuen Knopf

Eingeführt in seinen Reichen,

Den die Junker an dem Zopf

Trugen als Gesinnungszeichen.

Rüstete das ganze Jahr,

Nannte sich von Apis' Gnaden –

Wißt ihr, wer der Apis war? –

Und hielt täglich drei Paraden.

Er vermehrte mit Genie

Alle überflüss'gen Posten,

Und das ganze Nilland schrie

Über die enormen Kosten.

Eine Konstitution

Gab's zwar, doch in Hieroglyphen,

Und ein König hilft sich schon,

Wenn sich Leute drin vertiefen.

Jeder Zoll ein Korporal!

Konnt man ihm am Schnurrbart lesen;

Groß ist der Soldaten Zahl,

Rüstow sagt, sehr groß gewesen.

Damit ist er kriegsbereit

Denen Juden nachgezogen;

Pharao war sehr gescheit,

Und er hat sich doch betrogen!

Glaubte sich auf festem Land,

Und das Land begann zu brausen;

Glaubte sich auf bestem Sand,

Und der Sand begann zu sausen.

Aus dem Boden wogt's und wallt's –

Pharao, laß dich bekehren!

Aus den Wogen höhnt's und hallt's:

Spiele nicht mit Schießgewehren.

Auf dem letzten Loche pfiff

Der Tyrann mit seiner Rotte;

»Hätt ich«, seufzt’ er, »doch ein Schiff

Oder auch die deutsche Flotte!

Wär's die Amazone gar

Oder lieber Noahs Arche,

Drein von jedem Vieh ein Paar

Mit sich nahm der Patriarche –

Müßt’ ich nicht in hellem Zorn

Jetzt elendiglich ersaufen,

Fing ich wieder an von vorn,

Wenn die Wasser sich verlaufen.«

Aber höher stieg die Flut,

Stieg ihm über seine Sporen,

Stieg ihm über seinen Hut,

Stieg ihm über seine Ohren.

In dem Roten Meer ertrank

Pharao, so Roß wie Reiter.

Juda lachte fast sich krank,

Die Geschichte ist sehr heiter.

Mirjam, die die Pauke schlug,

Tanzt’ und sang, die Schwester Mosis:

»Gott im Himmel selbst vertrug

Keine solche Hochmutsdosis.

In das Rote Meer gestürzt

Hat er ihn mit seinen Leuten.«

Sang die Jungfrau, hochgeschürzt;

Wilhelm, kannst du dieses deuten?

IV

Nicht mit sanftem Klagelaut

Sucht sein ledern Herz zu rühren;

Pochen müßt ihr, pochen laut

An des Junkerkönigs Türen.

Wenn er spricht: Wer will herein?

Und wer wagt es, mich zu stören?

Sprecht: Du sollst heut klar und rein

Eines Volkes Willen hören.

Wenn er spricht: Bleibt vor dem Tor,

Knechte, bleibt im Staube liegen!

Sprecht: Du königlicher Tor,

Hoffst du so das Recht zu biegen?

Wenn er spricht: Nur die Gewalt

Sitzt auf meines Thrones Stufen –

Sprecht: Es tönet aus dem Wald,

Herr, wie du hineingerufen.

Wenn er spricht: Wie Sand am Meer

Hab ich Fußvolk, hab ich Reiter –

Sprecht: Mein Lieb, was willst du mehr?

Schrecklich, schrecklich! aber weiter!

Wenn er spricht: Seid auf der Hut,

Denn ich halt mein Pulver trocken

Sprecht: Ihr nahmt den Geßlerhut

Auch schon ab von euren Locken.

Wenn er spricht: Der Satanas

Lehrt schon meine Truppen schießen!

Sprecht: Doch wird das Pulver naß,

Wenn sie Tränen drauf vergießen.

Tränen, daß sie deiner Lust

Dienen zu verruchten Zielen,

Daß sie auf der Väter Brust,

Auf die Brüder sollen zielen;

Tränen, ach! um Graudenz bloß –

O du Mann von Blut und Eisen –

Die Gewehre gehn nicht los,

Aber du, du gehst auf Reisen.

Gehest über den Kanal,

Um, mit Not dem Sturm entronnen,

Selber in der Freiheit Strahl,

Dem verhaßten, dich zu sonnen.

Gehest über den Kanal,

Wo ein Volk zu Gottes Ehre

Seinen Herrn geköpft einmal –

Miserere! Miserere!

 

 

Georg Herwegh

Armes Frankreich

Ansicht Bonapartes über das Regieren

Nach dem Französischen

November 1862

Abschaffen laßt uns, also sprach Cäsar im Höllenrat,

Was noch von Frankreich übrig ist in unserm Musterstaat;

Keck aus dem Wege räumen laßt uns jetzt mit Fuß und Hand

Das alberne Gesetz, das uns noch immer widerstand;

Zur Allmacht schwingen wir uns auf mit souveräner Kraft –

Nein! spricht die Kammer – ergo wird die Kammer abgeschafft;

Wollt einem großen Fürsten ihr durchkreuzen seine Bahnen?

Abschaffen, wißt es, kann der Fürst zur Not die Untertanen.

Ich fühle, daß in seiner Gunst der Himmel mir verlieh

Ein unerreichbar unerreicht abschaffendes Genie;

Abschaffen heißt regieren; ja, ein Römer wollt, mit Recht,

Abschaffen einst mit einem Streich das menschliche Geschlecht. –

Ich will, damit mein Ruhm dereinst bis an die Sterne reiche,

Ich will: in diesem Lande hier, dem schönen Frankenreiche,

Dem Lande, das mein Onkel, ach! das ich geliebt so sehr,

Sei alles, alles abgeschafft, nichts, gar nichts geb es mehr.

Ich werde Papst sein künftig, Ich Reverendissimus;

Ich werde General sein, Ich Generalissimus;

Von allen Interessen Ich Protektor, Ich allein,

Ich werd Staats-Ober-Richter, Ich Staats-Ober-Wähler sein.

Den Zirkus öffn ich Meinem Volk, wenn es sich langeweilt,

Gut Wetter wird von Mir, von Mir wird Regen ausgeteilt;

Und fürder soll nichts aufrecht stehn auf diesem Erdenstrich

Als eine Macht, die meinige, als ein Mann – der bin Ich.

Abschaffen laßt die Pressen uns, abschaffen die Tribünen,

Die hunderttausendstimmig noch sich gegen mich erkühnen,

Und sei's mit List, sei's mit Gewalt – geht's doch aus einem Sack –

Abschaffen laßt die Städte uns mit ihrem Bürgerpack.

Daß ich dem Übel mit dem Grund zugleich ein Ende mache,

Sei Buch und Autor abgeschafft, der Mensch mitsamt der Sache,

Ins alte ausgewaschne Bett verrottet alter Zeiten

Den Strom der Revolution gilt es zurückzuleiten;

Durch Pfaffengeist, Soldatengeist dick eingefinstert werde

Von China bis nach Mexiko die ganze, ganze Erde:

Ja, alles werde ausgelöschte und hält mein Schicksal stand,

Auslösch ich auch die Sonne noch in unsers Herrgotts Hand.

 

 

 

Georg Herwegh

Kampfprolog im Himmel

Juni 1866

Ach, wo ist der beßre Mann?

Wo die beßte Sache?

Alles, was ich schauen kann,

Ist ein Tag der Rache.

Wem von ihnen bleibt das Reich?

Frevelhafte Frage!

Beider Taten wiegen gleich

Auf der großen Waage.

Schwarzer Kugel Bleigewicht

In der Schalen eine

Traurig wirft der Blum und spricht:

»Habsburg, das ist deine!«

Neben ihm ein junger Held

Weist die Wundenmale;

Dortüs schwarze Kugel fällt

In die andre Schale.

Um den Schlachtengott im Kreis

Schweben die Walküren:

»Vater, sag, der Siegespreis,

Wem wird er gebühren?«

Sann der Alte hin und her,

Hat den Spruch verkündigt:

»Beide Schächer haben schwer

Sich am Volk versündigt,

Freiburg und Brigittenau!

Rastatt, Arads Galgen!

Zwei Despoten, blond und grau –

Mögen sie sich balgen!

Schwert an Schwert und Schild an Schild

Mögen wild ertönen!

Nur das Recht des Stärkern gilt

Bei den Erdensöhnen.

Doch wenn müde bis zum Tod

Beide sich bestritten –

Über sie auf mein Gebot

Ruft mir dann den Dritten!

Denn ich will in Nacht und Graus

Ihr Geschlecht begraben –«

Sprach es, und zum Leichenschmaus

Rauschen Odins Raben.

 

 

 

Georg Herwegh

Heinrich Heine

1863

I

Mit uns allen geht es ex;

»Trägst du noch so hoch den Scheitel«,

Spricht ein alter Versifex.

»Unter der Sonn ist alles eitel.«

Brutus, Cassius sind ex,

Die es einst so toll getrieben,

Und ich hab an meinen Rex

Keine Briefe mehr geschrieben.

Mit dem stolzen Flug ist's ex,

Aus ist’s mit den Sturmgesängen;

An dem Leim des goldnen Drecks

Bleiben jetzt die Spatzen hängen.

Einer nach dem andern schleicht

Sich vom Tanze – die Poeten

Werden klug – man kann so leicht

Einen Fuß sich übertreten.

Pauken und Trompetenschall

Ist verstummt; nur leise, leise

Klingt es noch – der Karneval

Geht zu Ende – glückliche Reise!

Wär's nur mit der vollen Kraft,

Wär's nur mit den vollen Gluten,

Mit der vollen Leidenschaft,

Daß man taucht in Lethes Fluten!

Doch das Leben kühlt uns ab,

Langsam, eh wir drunten liegen,

Daß wir nicht im feuchten Grab

Noch einmal den Schnupfen kriegen.

II

Deine Schuhe drücken dich,

Und du schaust nach höhern Sternen,

Schauest höher noch als ich

In die nebelgrausten Fernen.

Und du sprichst: »Mein Auge hängt

Nicht mehr an der Erde Brüsten,

Höher als die Milchstraß drängt

Mich ein heimatlich Gelüsten.

Von dem Meere stammt sie her,

Und das Meer hat viele Klippen;

Bitter, bitter wie das Meer

Schmecken Aphrodites Lippen.

Hab die Erdenschönheit satt,

Auch die Frau im Marmelsteine,

Ach! die keine Arme hat,

Mir zu helfen!« – Lieber Heine,

Sing und stirb! Unsterblich wacht

Doch die arme Dichterseele;

Mitten durch die Todesnacht

Schluchzt ihr Lied die Philomele.

Sing und stirb! und fluche nicht

Dieser Erde Rosenlauben!

Teurer Dichter, suche nicht

Trost in einem Seehundsglauben!

Sing und stirb Wir sorgen schon,

Daß kein Atta Troll dir schade;

Schwebe hin, Anakreon,

Zu der Seligen Gestade!

Rasch vorbei am Höllensumpf!

Hör nicht das Koax! und trage

Deine Lieder im Triumph

In des Pluto Dichterwaage!

Grüß den Aristophanes

Dort auf Asphodeloswiesen;

Ich hier oben will indes

Deinen Lorbeer fromm begießen.

 

 

Georg Herwegh

Zur Feier des 18.Juni 1860

Wie Geisterhauch klingt's durch die Stille;

Es hat die Welt den Winter satt:

Mehr als die Blätter der Sibylle

Weissagt mir jedes grüne Blatt.

Es kann ja so nicht ewig dauern!

Das Leben kommt und hält Gericht

Und wirft ein Korn in finstre Mauern,

Das wachsend ihren Bau zerbricht.

Mir ist, als hätt auch unsre Eichen

Die Ahnung neuen Sturms erschreckt,

Als hätt ich in des Frühlings Zeichen

Urplötzlich neuen Sinn entdeckt.

Mir ist, als ob die Rosen sprächen

Von heißen Schlachten mir ins Ohr;

Mir ist, als ob die Dornen stächen

Viel spitziger als je zuvor.

Die Ritter haben schon die Helme

Und Sporen wieder angetan,

Und drohender wächst für die Schelme

Das schlanke Birkenreis heran.

Die kleinen Blumenglocken haben

Sich revoltiert und läuten Sturm,

Der Efeu schwört, er will begraben

Den allerletzten Zwingherrnturm.

O Frühling, ew'ge Rechtsverwahrung!

O Frühling, ewiger Protest!

Du Alkoran, du Offenbarung!

Du Allergutenseelenfest!

Vom Süden bringen uns die Schwalben

Die wunderbarste Botschaft her –

Und ihr, ihr Müden und ihr Halben,

Glaubt keine Auferstehung mehr?

Ihr Müden, Halben und ihr Kalten,

O schwingt euch nach aus eurer Gruft!

Ihr Menschenherzen, baut die alten,

Die alten Schlösser in die Luft!

Und baut sie neu, und baut sie wieder,

Und immer wieder, und vertraut:

Der Himmel senkt sich einst hernieder

Mit allen, was wir drein gebaut.

Seht ihr Italiens Banner wallen?

Hört ihr aus dunkelm Lorbeerbusch,

Hört ihr Palermos Nachtigallen?

Hört ihr sie schlagen? Das ist Tusch!

Das ist des »Räubers« Siegsfanfare!

O süßer Garibaldi-Mai,

Mach uns vom heil'gen Januare

Und mach uns vom Dezember frei!

 

 

 

 

Georg Herwegh

Kein Preußen und kein Österreich!

1848

Kein Preußen und kein Österreich!

Ein Deutschland! wie vermessen!

Der Jungfer wurd das Herz so weich,

Sie freut sich wie besessen;

Ein Prinz hat ihr den Hof gemacht

Und beim Dessert an sie gedacht.

Steh auf, Germania,

Dein Bräutigam ist da!

Kein Preußen und kein Österreich!

Und Österreich soll thronen?

Er ist ein Mann – wir sind ihm gleich,

Und wir – sind Millionen.

Und Millionen schwören hoch

Und rufen laut: Kein neues Joch

Und keine Fürsten mehr!

Dem Volk allein die Ehr!

Kein Preußen und kein Österreich!

Was helfen uns die beiden?

Das eine ist schon totenbleich,

Das andre am Verscheiden.

Wir brauchen solche Sonnen nicht

Und folgen unserm eignen Licht,

In unsrer Brust dem Stern;

Wir wollen keinen Herrn.

Kein Preußen und kein Österreich!

Und tränk er ganze Bäche

Auf unser Wohl – o Schelmenstreich!

Das Volk bezahlt die Zeche.

Und Fürstenwein ist teurer Wein,

Drum schenkt uns einen andern ein:

Gut Wind und gut Geschick

Der deutschen Republik!

Kein Preußen und kein Österreich!

Dem Wort soll Recht verbleiben.

Und geht's uns schief, so wolln wir gleich

Durch Thurn und Taxis schreiben.

Indes, Herr Johann ohne Land,

Verzeiht der Deutschen Unverstand

Und denkt beim nächsten Glas.

In vino veritas!

 

 

 

 

Georg Herwegh

Die Garibaldi-Hymne

Übersetzt für Oberst Rüstow, gesungen von den Alpenjägern im Feldzuge von 1859

1860

Die Gräber sind offen, die Toten erstanden,

Die Märtyrer alle aus unseren Landen,

Den Kranz in den Locken, das Schwert in der Rechten

Und flammend im Herzen,

Italien, dich!

Nur vorwärts, nur vorwärts, ihr blühenden Scharen!

Laßt flattern im Winde die Banner, die wahren;

Auf alt mit dem Eisen! auf all mit dem Brande,

Im Herzen dem Brande,

Italien, für dich!

Hinaus aus Italien! hinaus nun zur Stunde!

Hinaus aus Italien! O Fremder, hinaus!

Die Erde der Blumen, der Töne, der Lieder,

Zur Erde der Waffen jetzt werde sie wieder!

Mit hundert von Ketten die Hand war gebunden,

Doch nicht ihr entwunden,

Legnano, dein Schwert.

Der Stock soll, der deutsche, Italien nicht zähmen,

Ins Joch soll kein Sohn sich der Römer bequemen!

Italien will nicht mehr die Fremden, die Dränger,

Will Knecht sein nicht länger

Am eigenen Herd.

Hinaus aus Italien! hinaus nun zur Stunde!

Hinaus aus Italien!

O Fremder, hinaus!

Die Häuser Italiens für uns sind erbauet,

Und dort an der Donau das deine man schauet.

Du stiehlst uns das Brot und das Land uns, das schöne,

Doch unsere Söhne,

Die wollen jetzt wir.

Zwei Meer und die Alpen zur Grenze! uns tragen

Von Ufer zu Ufer die feurigen Wagen.

Hinweg jedes Zeichen der Trennung, der alten,

Für Italien entfalten

Wir unser Panier.

Hinaus aus Italien! hinaus nun zur Stunde!

Hinaus aus Italien! O Fremder, hinaus!

Jetzt nicht mehr gesprochen, die Arme bewehret!

Entgegen dem Feinde die Stirne gekehret!

Bald zwischen uns beiden die Berge als Schranke,

Wenn nur ein Gedanke,

Italien, wird sein.

Nicht Sieg und nicht Beute kann helfen – drum schnelle!

Verschlossen dem Räuber Italiens Schwelle!

Italiens Völker in eines verschmolzen!

Die Städte, die stolzen,

Die hundert in eins!

Hinaus aus Italien! hinaus nun zur Stundet

Hinaus aus Italien! O Fremder, hinaus!

 

 

 

Georg Herwegh

Aux armes, Citoyens!

Mai 1866

Hoch zum Himmel flackern

Seh ich Kriegesglut

Will sie ewig gackern,

Unsre Schwätzerbrut?

Nach den Thronen wende

Nicht, o Volk, den Blick;

Nimm in deine Hände

Selber dein Geschick!

In die eignen Fäuste

Setze dein Vertraun;

Willst du auf die Beuste,

Auf die Pfordten baun?

Habsburg, Hohenzollern,

Ach, und Deutscher Bund –

Gibt es keinen vollern

Klang im deutschen Mund?

Doch im Traum den Schlaffen

Wird sie nicht beschert;

Nur ein Volk in Waffen

Ist der Freiheit wert.

Nur ein Volk in Waffen

Spricht ein gültig Wort,

Kann ein Deutschland schaffen

Ohne Brudermord.

Waffen, Waffen, Waffen

In des Volkes Faust,

Daß es allen Pfaffen,

Allen Junkern graust!

Waffen, kein Geklügel!

Männlichen Entschluß!

Rühre deine Flügel,

Deutscher Genius!

Rauscht, ihr deutschen Fahnen!

Rausche, deutscher Aar!

Über des Sieges Bahnen

Breite dein Flügelpaar!

Rauscht, ihr Schwarzwaldstannen,

Rauscht dem Morgen zu!

Auf, ihr Alemannen,

Auf aus eurer Ruh!

Auf, du Stamm der Franken,

Der so lustig blüht!

Und du, voll Gedanken,

Schwäbisches Gemüt l

Auf, der roten Erde

Ahnungsvoller Sohn!

Hörst du nicht der Pferd,

Fernen Hufschlag schon?

Auf, an Berg und Düne!

Auf, du deutsche Welt!

Schicksalsbaum, ergrüne

In dein Walser-Feld!

Auf, ihr alten Katten

Mit dem Eisenring!

Steht mir nicht im Schatten,

Sachsen, so gering!

Auf, ihr lieben Holsten,

Mit der Treue Glanz!

Fehlet nicht im vollsten

Deutschen Einheitskranz.

Hoch am Himmel lodert

Jungen Tages Brand;

Unser Schiff vermodert

Schier im dürren Sand.

Laßt die Anker lichten!

Lichten und wohlauf

Uns das Steuer richten

Nach der Sonne Lauf!

Auf, an Rhein und Pregel!

Unsre Fahrt beginnt.

Schlesien, web die Segel!

Preußen, mach den Wind!

 

 

 

Georg Herwegh

Harmlose Gedanken (2)

Fortsetzung

April – Mai 1860

I

Nationalvereinsgermane,

Du verläßt das Reich der Träume,

Du wirst praktisch, deine Jahne

Klettern auf die Freiheitsbäume.

Klettern auf die höchsten Spitzen,

Langen nach den süßen Trauben,

Wollen den Entsagungswitzen

Blöder Füchse nicht mehr glauben.

Höchst gesinnungstücht'ge Steiße

Seh ich an den Masten schwanken;

Alle richten nach dem Preise

Gottvertrauend die Gedanken.

Lächelnd schaut sich den Tumult an,

Pfiffig lächelnd, der von Zollern;

Doch den alten Schwabensultan

Hör ich in der Ecke kollern.

Zu vergeben nicht ein Jota

Deines Rechts, hast du beschlossen;

Fürchterlicher Ernst von Gotha

Wird es jetzt – nur nicht geschossen!

Nicht der rohen Tat Gemeinheit

Rettet uns aus der Bedrängnis;

Mutter Deutschland, hoff die Einheit

Nur aus unbefleckter Empfängnis!

II

Nationalvereinsgermane,

Freiligräthlich vor der Seele

Steht mir schon die Karawane

Frankfurtpilgernder Kamele.

Und der wohlbekannte Mufti

An der Spitze der Bewegung,

Und die wohlbekannten Schufti

Alle voll von edler Regung!

Und der wohlbekannte Rheinfluß,

Der so sanft die Reden wässert,

Und der wohlbekannte Einfluß,

Deutschland – der sich nicht verbessert!

Und die wohlbekannten Fragen

Ohne Antwort – ach! und leider

Von den deutschen Hiobsplagen

Unsre Beule an der Eider!

Und das wohlbekannte Ruder

In der Hand des »Demiurgen«,

Und die allerdümmsten Luder,

Deutsche Ritter ohne Burgen!

Rochus, Herr von Pumpernickel,

Der am Ende jeder Woche

Schreiben wird die Leitartikel,

Wenn der Venedey gesprochen;

Wenn der Waitz und Ehren-Besel-

Er staatsmännisch aufgetreten

Oder wenn ein andrer Esel

Bileams ums Wort gebeten;

Wenn Konfuzius die Trias

Predigt mit Erlösermienen

Oder sonsten ein Messias

Sucht sein Kreuzchen zu verdienen.

Wenn ein preuß'scher Rattenfänger

Spielt die Annexierer-Weise,

Oder wenn ein krit'scher Gänger

Tief versinkt in Östreichs – Schönheit.

III

Doch erst abends bei der Bowle

Wirst du deine Größe zeigen;

Marseillaise, Carmagnole

Werden frech zum Himmel steigen.

Schwer bezopft wirst du die letzte

Hose von den Lenden streifen,

Dreißig dir von Gott gesetzte

Schlingel heimlich auszupeitschen.

Spielen mit den dreißig Kronen

Wirst du wie mit Eierschalen,

Lehren dreißig Millionen,

Mit der Faust im Sack zu prahlen.

Nationalvereinsgermane,

So verwegen, so gefährlich

Kann der Mensch in seinem Wahne

Werden um einen Taler jährlich!

IV

Die Vorfrage

»Viel schneller, als ihr glaubt,

Wird Deutschland einig, ihr Kinder:

Wir kommen unter ein Haupt

Und unter einen Zylinder.

Um einen Reichsschirm dann

Sind wir auch nicht verlegen,

Der Haupt und Hut und Mann

Beschützt vor Sonn und Regen.

Von Schleswig bis Friul

Soll dieser Schirm sich spannen –«

Halt, deutscher Thrasybul,

Was machst du mit den – Tyrannen?

»Wenn man Adressen schreibt,

Denk ich, so werden sie gehen,

Wenn jeder sich selbst entleibt,

So ist's um sie geschehen.«

V

Das sind die Kämpfer für Recht und Licht

Die sich dir dringend empfehlen:

O deutsches Volk, vergiß sie nicht

Ins – Parlament zu wählen.

Das sind die Kämpfer für Recht und Licht!

Ich seh manch lieben Bekannten,

Ich seh auch manches Schafsgesicht

Und manchen Komödianten.

Es ist der alte Mummenschanz,

Von dem sie wieder träumen;

Deutschland sucht wiederum beim Schwanz

Den Esel aufzuzäumen.

Deutschland läßt vor dem Tatenblitz

Den Donner der Rede rollen,

Mein Deutschland polstert den alten Sitz

Mit neuen Protokollen.

Sagt an, wer mag den besten Kohl

Im deutschen Lande bauen?

Wer ist der Cincinnatus wohl,

Dem wir uns anvertrauen?

Wir werden im Danaidenfaß

Aufs neue waschen den Zobel,

Und werden machen den Pelz nicht naß

Und werden sein sehr nobel.

Sehr nobel – es wird der große Hinz,

Der große Kunz ergießen

Sein großes Herz – ein großer Prinz

Wird wohl auch einen erschießen.

Ich kenne das Stück, ich kenne den Saal

Ist schwarz-rot-golden behangen:

Jakobus spielt zum zweitenmal

Auf allgemeines Verlangen.

 

 

 

Georg Herwegh

Antwort an Geibel

Februar 1870

Wenn von außen der Feind uns droht,

Wohl mit klingenden Saiten

Im gewappneten Aufgebot

Ziemt's dem Dichter zu schreiten.

Eisern wie ein geschwungenes Schwert

Soll sein Hymnus ertönen,

Bis ihm gnädig ein Gott beschert,

Siegerstirnen zu krönen.

Aber wo mit Gewalt und List

Haupt feindselig und Glieder

Sich befehden im innern Zwist,

Da verstummen die Lieder.

Eh sie diente, der Volkspartein

Zwietracht weiter zu tragen,

Lieber wollt ich am nächsten Stein

Meine Harfe zerschlagen.

Geibel

Ach! ein bayrisches Guldenstück

Ist kein preußischer Taler;

Darum folge nur Cäsars Glück,

Nationalliberaler!

Unsere leidigen Volkspartein

Sind dir, Barde, zuwider;

Wenn sich Haupt und Glieder entzwein,

Klagst du, schweigen die Lieder.

Aber wenn sich Gewalt und List

Auf dem Throne verbinden,

Wenn sie traurigen Haß und Zwist

Frech in Deutschland entzünden –

Eisern, wie ein geschwungenes Schwert

Will dein Hymnus ertönen,

Bis uns Narren ein Gott beschert,

Siegerstirnen zu krönen.

Eine Harfe besitzest du, Mann,

Die dir Phöbus erhalte;

Wohl mir, daß ich noch spielen kann

Meine Leier, die alte!

Eh sie diente, von Königgrätz

So zu singen und sagen,

Lieber wollt ich dem Braun und Metz

Um die Köpfe sie schlagen.

 

 

 

Georg Herwegh

Immer stärker!

Nicht wahr, es ist doch eine schöne Sache, wenn man so ein Heer von viermalhundertfünfzigtausend Mann unter Waffen stellen kann, um an ihrer Spitze der ganzen Welt zu imponieren!

Friedrich Wilhelm IV. zum Fürsten Pückler am 7. Januar 1851 (Briefwechsel und Tagebücher des Fürsten Pückler-Muskau, 1874, 3. Band, Seite 439).

Schwarz-weiß-rot, schwarz-weiß-rot,

Aller Freiheit sichrer Tod!

Unser Brot und unsre Rechte

Sind verschenkt, und Bismarcks Knechte

Brüllen. Stärke tut uns not!

's ist vollbracht, 's ist vollbracht!

Manches Feld wird über Nacht

Neu gedeckt sein für die Raben.

Alles will der Preuße haben,

Und der Preuße hat die Macht:

Kruppschen Stahl, Kruppschen Stahl

Und Soldaten ohne Zahl

Und Strategen ohnegleichen,

Die auf hunderttausend Leichen

Uns erbaut ein Ruhmesmal!

Stets bereit, stets bereit,

Stehen sie da zum heil'gen Streit;

Unser großer Machiavelli

Ist um einen casus belli

Niemals in Verlegenheit.

In Berlin, in Berlin

Lernt der Michel Disziplin,

Und wenn die Trompeten blasen,

Führt man ihn mit schönen Phrasen,

Mannesseelen, sagt, wohin?

 

 

 

Georg Herwegh

Harmlose Gedanken

April 1860

I

Ist nicht Deutschland mehr als je derselben Katastrophe ausgesetzt, von der es in den ersten Jahren dieses Säkulums ereilt ward? – Hat Deutschland Maßnahmen getroffen gegen die Wiederkehr jener Katastrophe, die aus der Liste der Nationen strich und ihm wie Griechenland nach Philipps Zeiten nichts Nationales als seine Literatur ließ?
Times

Deutschland, sie sagen, du hängst den Kopf –

Mir geht ins Herz das Gestichel –

Du seist ein tatenloser Tropf;

So sagen die Leute, o Michel l

Das alte Lied vorn alten Malheur

Hör ich von neuem erklingen:

Du werdest's nimmer zum Akteur

Auf dieser Bühne bringen –

Wo alles läuft, wo alles rennt,

Die Zuaven und Turkos schwärmen

Für Völkerglück. – Du hast kein Talent

Zu welthistorischem Lärmen!

Du dehnst dich ruhig auf deinem Pfühl

Und träumst von Hegel und Fichte,

Und hast doch erlebt so dumpf und schwül

Hundstage der Weltgeschichte.

Hundstage – die Völker wurden toll,

Doch Deutschland rief vernünftig:

»Man soll nicht nur zerstören, man soll

Auch wieder aufbauen künftig.

Eh ich Zwing-Uri zerstöre, traun,

Was setz ich an seine Stelle?

Wie werd ich die Gefängnisse baun

In Zukunft und die – Kasernen?

Man muß der Stimme der Natur

Vor allem sich bequemen;

Und schrein die Schafe nach der Schur:

Wer wird sie übernehmen?

Sind alles Fragen von Wichtigkeit,

Gediegen, tief und edel;

Daran soll man die Dichtigkeit

Erkennen der deutschen Schädel!« –

Ja, Michel, du bist kein Franzos,

Der stets nur negativ ist,

Er kennt die Oberfläche bloß,

Du weißt allein, was tief ist.

Ja, Deutschland, du bist tief im Wort

Und bist im Tun noch weiser;

Du läßt nicht einen Herzog fort,

Bis fertig du – mit dem Kaiser.

Ein Kaiser, das ist der höchste Wunsch,

Den wir im Herzen tragen;

Wir lassen ihn bei Wein und Punsch

Die Schlachten der Zukunft schlagen.

II

Wie treibt man’s mit Schleswig-Holstein, schon zwölf Jahre lang? Was ist seit zehn Jahren für Kurhessens Volksrecht geschehen? Wie kommt es, daß die große teutonische Rasse von weder zahlreicheren noch zivilisierten Völkern in fortwährender Angst um ihre Freiheiten, ja um ihre Existenz erhalten, wird?
Times

Deutschland ist ein romantischer Staat,

Der des Gedankens Mondschein

Vorzieht der klassischen Sonne der Tat

Man muß halt alles gewohnt sein.

Den italienischen Stiefel nimmt

Und wird gestiefelter Kater

Herr Viktor – so was täte bestimmt

Kein deutscher Landesvater.

Die Strippen des Stiefels behält sich vor

Der kleine Sünder Hannes –

Was Karl nicht konnte, kann Franz Moor;

Doch Deutschland – sag, was kann es?

Kann lesen und schreiben, das ist wahr,

Auch sehr viel Tinte vergießt es.

Das Pulver hat's erfunden sogar;

Doch Deutschland – sag, wo schießt es?

Es blitzt des Krieges Wetterstrahl,

Doch Deutschland – sag, wo blitzt es?

Die Völker sitzen beim Friedensmahl,

Doch Deutschland – sag, wo sitzt es?

Zu sitzen wieder wie Anno acht

Und vierzig in Frankfurt dacht es;

Doch wenn es ein Parlament gemacht

Das Parlament, was macht es?

III

Das alte Loyalitätsgefühl ist im Schwinden, das deutsche Volk geringe Ursache, einen Herrenwechsel zu fürchten.
Times

Du hängst den Kopf, dein Herz ist schwer,

Und Kummer drückt und Sorg es;

Mein deutscher Michel, du lachst nicht mehr

Selbst nicht über Hermann Orges.

O tröste dich, dich hat das Glück

Bewahrt zu höheren Zielen:

Es ist ja ein erbärmlich Stück,

Das sie erbärmlich spielen.

Der gestern mit dem Dolch auf Pump

Ein Brutus wollte werden

Du hast's erlebt, wie weit ein Lump

Es jetzo bringt auf Erden!

Du hast's erlebt, das Ruder nimmt Des Staates

Robert Macaire,

Dem einst die Sterne hatten bestimmt

Das Ruder – einer Galeere.

Du hast's erlebt – du weißt, wie faul

Es aussieht in der Kulisse:

Sie protestieren mit dem Maul,

Und hinten kriegen sie Schmisse.

Du große Denkernation,

O trockne die Augen, die feuchten;

Dir bleibt die höhere Mission,

Die Bühne zu – erleuchten.

Die Juden ausgenommen, ist

Nicht jeder geboren zum Handeln;

Die Szene kann der Maschinist

Auch ohne dich verwandeln.

Und was er tut, ist wohlgetan,

Singt Gellert oder Lavater:

Du, Michel, zünde die Lichter an

Im großen Welttheater.

Der Schiller und Goethe, der Lessing und Kant,

Das sind gewaltige Kerzen;

Sie sind noch nicht heruntergebrannt

Wie andere deutsche Herzen.

Sie haben geleuchtet, sie leuchten hell,

Sie blitzen gleich Gewittern

Und werden manchem Policinell

Die Späße noch verbittern.

Sie sind gefährlicher, als du meinst:

Von diesen Lichtern wird stammen

Der hochverrätrische Funke, der einst

Die Bude steckt in Flammen. –

Die Bude der Bretter, welche die Welt,

Die heutige Welt bedeuten:

Für Buben ein großes Tatenfeld,

Zu enge den ehrlichen Leuten.

Und brennt er ab, der Komödien-Staat

Mit Zepter, Kronen und Ketten,

Es wird den Theaterapparat

Kein Branddirektor retten.

Wir bauen auf des Hauses Stätt

Ein neues im großen Stile;

Da wollen wir sitzen im ersten Parkett,

Um – zuzuschauen dem Spiele.

 

 

 

Georg Herwegh

Groß

Mai 1872

»Seid umschlungen, Milliarden!«

Hör ich mit Begeisterung

Singen unsre Einheits-Barden:

Welche Federn! welcher Schwung!

Sah man jemals solche Beute?

Wir verstehen unser Fach,

Ja, ihr Professorenleute,

Wir sind groß, brüllt Auerbach.

Gottesfurcht und fromme Sitte,

Blut und Eisen wirkten gut,

Und vor unserm Reich der Mitte

Zieht Europa stolz den Hut.

Geibel wird ein Epos schreiben;

Einen blinderen Homer

Wüßt ich nirgends auf zutreiben:

Wir sind groß – es freut mich sehr.

Elsaß unser – Dank, ihr Streiter!

Lothringen in deutscher Hand!

Immer länger, immer breiter

Machen wir das Vaterland.

Eine Million Soldaten

Stehen da, wenn Cäsar spricht,

Stramm gedrillt zu Heldentaten:

Wir sind groß – ich leugn es nicht.

Töricht zwar ins Herz geschlossen

Hatt ich einst ein Ideal,

Das zerfetzt nun und zerschossen

Liegt im preußischen Spital.

Doch was kümmern uns die Wunden,

Die der Ruhm der Freiheit schlug!

Mag sie, wie sie kann, gesunden:

Wir sind groß – das ist genug.

 

 

 

Georg Herwegh

Dilemma

Juni 1872

Soll ich vor dem Papste knien

Oder vor Barbarossa?

Wohin soll ich? nach Berlin?

Oder nach Kanossa?

Ist's die geistliche Miliz

Oder die profane,

Die mein Untertanenwitz

Schreibt auf seine Fahne?

Ist's die Jesuitenzucht

Oder der Kaserne

Dunkelarrest? (die Siegesfrucht!)

Wo sind Deutschlands Sterne?

Wo erglänzt ein Hoffnungsstrahl?

Ist's der Köhlerglaube?

Oder ist's der Kruppsche Stahl

Und die Pickelhaube?

Bismarck oder Escobar –

Welchen soll ich wählen?

Sind es nicht am Ende gar

Zwei verwandte Seelen?

 

 

 

Georg Herwegh

Mein Deutschland, streck die Glieder!

Februar 1849

Mein Deutschland, strecke die Glieder

Ins alte Bett, so warm und weich;

Die Augen fallen dir nieder,

Du schläfriges deutsches Reich.

Hast lange geschrien dich heiser –

Nun schenke dir Gott die ewige Ruh!

Dich spitzt ein deutscher Kaiser

Pyramidalisch zu.

O Freiheit, die wir meinen,

O deutscher Kaiser, sei gegrüßt!

Wir haben auch nicht einen

Zaunkönig eingebüßt.

Sie sind uns alle verblieben;

Und als wir nach dem Sturm gezählt

Die Häupter unsrer Lieben,

Kein einziges hat gefehlt.

Deutschland nimmt nur die Hüte

Den Königen ab, das genügt ihm schon;

Der Deutsche macht in Güte

Die Revolution.

Die Professoren reißen

Uns weder Thron noch Altar ein;

Auch ist der Stein der Weisen

Kein deutscher Pflasterstein.

Wir haben, was wir brauchen;

Gesegnet sei der Völkerlenz!

Wir dürfen auch ferner rauchen

In unsrer Residenz.

Wir haben Wrangels Säbel,

Berlin und seinen Wolkensteg;

Das Maultier sucht im Nebel

Noch immer seinen Weg.

Wie freun sich die Eunuchen!

Die bilden jetzo den ersten Stand,

Der Welcker frißt die Kuchen

Den Königen aus der Hand.

Du hältst dir einen Gesandten,

Deutschland, im Stillen Ozean

Und fühlest den Elefanten

In Indien auf den Zahn.

Die Fragen sind erledigt,

Die Pfaffen machen bim bam bum;

Den Armen wird gepredigt

Das Evangelium.

Wir bauen dem lieben Gotte

Den hohen Dom zu Cöllen aus

Und geben eine Flotte

Auf Subskription heraus.

Die schwarz-rot-goldnen Wimpel

Besorgt der Jakob Venedey,

Als Wappen nahm er den Gimpel,

Sein eignes Konterfei.

Fünfhundert Narrenschellen

Zu Frankfurt spielen die Melodie

Das Schiff streicht durch die Wellen

Der deutschen Phantasie.

 

 

 

Georg Herwegh

Er tröste sich

Oktober 1856

Die Pourtalès in Neuchâtel

Die wollten mal Policinell

Zu ihrem König machen –

Ha! Ha! das war zum Lachen.

Der Punch schrieb aus Germanien,

Sie sollten die Kastanien

Ihm aus dem Feuer holen –

Sie taten, wie befohlen.

Und eines Morgens um die drei

Probierten sie die Meuterei,

Des andern Tags jedoche

War schon ein Graf im Loche.

Auf seinem Thron saß eben Fritz

Und trank sich wieder einen Spitz,

Der König und seine Kujone –

Der Wein, der war nicht ohne.

Die Pfropfen flogen hin und her,

Der Flaschen wurden immer mehr,

Und Fritz, der Hohenzoller,

Der wurde immer voller.

Und als man ihm die Mär gebracht,

Da hält er sich den Bauch und lacht:

»Sie ist verrückt, ich glaube,

Die fromme Pickelhaube!

So wird man seiner Feinde Spott,

Eine feste Burg bist du, o Gott;

Alleene mich verläßt er,

Und Neuenburg ist fester.

Indes der Schaden ist nicht groß,

Fahr wohl, fahr wohl, du luftig Schloß!

Wenn ich Berlin behalte,

So bleib ich doch der alte.

Denn mein Berlin, das kennt mir schon

Von wegen seiner Rebellion

Gerät mein Volk in Hitze,

So zieh ich nur die Mütze.

Und alles ruft: es lebe Punch!

Und alles tanzt nach meinem Wunsch:

Wir singen im Mondenscheine

Die Freiheit, die ich meine.

's ist keine Ordnung in der Schweiz,

Im Winter regnet's, im Sommer schneit's,

Es ragen die Berge, die Lümmel,

So unverschämt zum Himmel.

Und zudem auch – bedenk ich's recht

Ist ihr Champagner herzlich schlecht;

Dem Lande fehlt der Glauben,

Und sauer sind die Trauben.«

Da riefen die Kujone Oh,

Der König ist ein Cicero!

Champagner, Herr von Keller!

Doch keinen Neuchâteller.

 

 

 

Georg Herwegh

Ich weiß, dein Vater war der Wind

Ich weiß, dein Vater war der Wind,

Der mit der Woge buhlte, Kind.

Ich weiß, daß alle dich verklagen

Ich weiß, was deine Schwestern sagen,

Ich weiß, wie falsch die Wellen sind,

Und kenn auch dich, du holdes Kind.

Ich weiß, du wirst aus weißen Händen

Den Todespfeil mir lächelnd senden.

In deinem Arm ist keine Ruh,

Der Wind ist flüchtig nicht wie du.

In deinen Augen steht geschrieben:

Weh allen denen, die mich lieben.

Da tönt mir deine Stimme her

Ich folge dir und weiß nichts mehr.

 

 

 

Georg Herwegh

Den Siegestrunkenen

Januar 1872

Vorüber ist der harte Strauß,

Der welsche Drache liegt bezwungen,

Und Bismarck-Siegfried kehrt nach Haus

Mit seinem Schatz der Nibelungen;

Stolz blickt auf ihrer Kinder Schar

Germania, die Heldenmutter;

Stolz blickt das Denkervolk sogar

Auf Döllinger, den Afterluther.

Ihr habt ein neues deutsches Reich,

Von Junkerhänden aufgerichtet.

Redwitz besingt den Schwabenstreich

Und hat ein dickes Buch gedichtet;

Ihr habt ein neues Oberhaupt,

Ihr Elsaß-Lothringen-Verspeiser;

Den Papst, an den ihr nicht mehr glaubt,

Ersetzt ein infallibler Kaiser.

Ihr wähnt euch einig, weil die Pest

Der Knechtschaft sich verallgemeinert,

Weil täglich noch der kleine Rest

Lebend'ger Seelen sich verkleinert;

Ihr wähnt euch einig, weil ein Mann

Darf über Krieg und Frieden schalten

Und euch zur Schlachtbank führen kann

Mit der Parol: das Maul gehalten!

Ach, Einheit ist ein leerer Schall,

Wenn sie nicht Einheit ist im Guten,

Wenn ihr korinthisches Metall

Uns mahnt an Mord und Städtegluten;

Ach, Einheit ist ein tönend Erz,

Wenn sie nur pochend auf Kanonen

Zu reden weiß an unser Herz –

Und klingt es anders von den Thronen?

Einheit des Rechtes ist kein Schild,

Der uns bewahrt vor Unterdrückung;

Nur wo als Recht das Rechte gilt,

Wird sie zum Segen, zur Beglückung.

Nur diese war's, die wir erstrebt,

Die Einheit, die man auf den Namen

Der Freiheit aus der Taufe hebt;

Doch eure stammt vom Teufel: Amen!

 

 

 

Georg Herwegh

Seinem Ludwig Feuerbach

† den 13. September 1872

Durch Himmel und durch Hölle deinen Gang

Hast du gemacht wie jener große Dante.

Von göttlicher Komödie sprach man lang,

Bis sie als menschliche dein Blick erkannte.

 

 

 

 

 

A U F S Ä T Z E

 

Georg Herwegh

Adresse an das französische Volk

1848

Der Sieg der Demokratie für ganz Europa ist entschieden. Gruß und Dank vor allem dir, französisches Volk! In drei großen Tagen hast du mit der alten Zeit gebrochen und das Banner der neuen aufgepflanzt für alle Völker der Erde.

Du hast endlich den Funken der Freiheit zur Flamme angefacht, die Licht und Wärme bis in die letzte Hütte verbreiten soll.

Die Stimme des Volkes hat zu den Völkern gesprochen und die Völker sehen der Zukunft freudig entgegen. Vereint auf einem Schlachtfeld treffen sie zusammen, zu kämpfen den letzten, unerbittlichen Kampf für die unveräußerlichen Rechte jedes Menschen.

Die Ideen der neuen französischen Republik sind die Ideen aller Nationen, und das französische Volk hat das unsterbliche Verdienst, ihnen durch seine glorreiche Revolution die Weihe der Tat erteilt zu haben. Ja, überall in Europa erwachen die demokratischen Ideen, überall stehen Millionen Männer bereit, dafür zu leben und zu sterben.

Während die Allmacht des Volkes Wunder wirkt, komm die Ohnmacht sogenannter absoluter Mächte immer deutlicher zum Vorschein.

Unerschrocken und glücklich hat die Schweiz ihrer koalisierten Schwäche Trotz geboten, unerschrocken und glücklich schreitet Italien vorwärts.

Deutschland ist bereits in seinen tiefsten Tiefen erregt um wird und kann in dem begonnenen Kampfe nicht zurück bleiben, dem es längst durch den Gang seiner geistigen Entwicklung mit vorgearbeitet hat.

Die Freiheit bricht sich Bahn, und die Tyrannei selbst ist verdammt, ihr durch blinden Widerstand Bahn brechen zu helfen und ihr Verbündeter zu werden.

Französisches Volk, wir gehen Hand in Hand mit dir.

Wie groß und schwierig auch immer unsere Aufgabe ist; wir fühlen die Kraft mit der Arbeit wachsen.

Erhalte nur du deine Freiheit – das einzige, was der Erhaltung wert ist.

Erhalte allen deinen Kindern, was sie alle erkämpften und die einzige Hilfe, welche wir von dir begehren, ist, daß du standhaft bleibst und uns zujauchzest, wenn wir von den Zinnen des von deutschen Händen eroberten Deutschlands dir zurufen:

Es lebe die Freiheit, die Gleichheit, die Bruderliebe!

Es lebe die Demokratie!

Es lebe die europäische Republik!

Georg Herwegh

Aus dem Aufruf an die polnischen Demokraten in Paris

1848

Die polnische Frage ist eine Lebensfrage für uns wie für euch, und die Garantie einer glücklichen Lösung liegt in unserer wie in eurer unwandelbaren demokratischen Gesinnung.

Die Demokratie ist die einzige siegreiche Waffe der Zeit gegen den Absolutismus, und obschon unsere Sympathien eurem ganzen Vaterland gelten, haben wir uns doch mit unserem Gruß zunächst an euch gewandt, die ihr zuerst erkannt und ausgesprochen habt: Auch für Polen kein Heil als in der Demokratie!

Mut, ihr Brüder! Eure Stunde ist gekommen. Schon hat die Gerechtigkeit eine der Mächte ereilt, die sich an euch so schwer versündigt. Wir haben es in den Staub sinken sehen vor dem Zorn der Nation, das Regiment, das seine schmähliche Laufbahn damit begonnen hatte, euch zu verraten und in eurem heldenmütigen Kampf zu verlassen. Der Tag der Rache an unserm gemeinsamen Feind ist nahe, und die deutschen Demokraten werden die Waffen nicht eher niederlegen, als bis der Name des polnischen Volkes voller und herrlicher als je widerklingt im Konzert der europäischen Völker. Also sei es!

Wir gehen einen Weg zusammen, und unsere Geschicke sind verbunden – unser Feldgeschrei für heute aber laute: Kein freies Deutschland ohne ein freies Polen, kein freies Polen ohne ein freies Deutschland!

 

Georg Herwegh

Nacht und Morgen

Neue Zeitgedichte von Franz Dingelstedt. Stuttgart, Cotta 1851

1851

Es wäre uns lieb, wenn wir bei Anzeige dieses Buches Autor und Produkt trennen könnten. Wir haben nämlich Schwäche, nur in der Gesellschaft ehrenhafter Leute uns behaglich zu fühlen, und möchten uns daher den Herrn Theaterintendanten Dingelstedt gern ein paar Schritte vom Leibe halten. Unglücklicherweise geht es nicht wohl an, bei Beurteilung lyrischer Gedichte den Dichter aus dem Spiele zu lassen, und wir müssen demnach für eine halbe Stunde die Wesenheit eines solchen Zeitpoeten zu ertragen suchen, so es gehen mag. Wir unterziehen uns dieser Unbequemlichkeit, weil es uns an der Zeit scheint, gegenüber der in Deutschland sich immer breiter machenden lyrischen Hektik und hofrätlichen Niederträchtigkeit einmal ein unverhohlen Wort äußern. Es läßt sich ertragen und entschuldigen, wenn preußische Hoftroubadour und Pensionär Geibel einen B gedankenloser Lyrik nach dem andern von sich gibt, denn in seinen Versen ist wenigstens Formschönheit, in seinen Strophen Melodie. Auch ist Geibel im Grunde genommen seelenguter Kerl, welcher nicht daran schuld ist, daß er statt Verstand bloß Romantik im Gehirn hat, und nichts d. kann, daß er von hysterischen Teekannen zum großen Dichter ausgerufen wurde. Wenn aber die absolute Impotenz mit der Prätension auftritt, was Rechtes zu sein, wenn ein jämmerlicher Renegat sich erfrecht, aus einem königlichen Liebesboudoir hervor seine schwächliche Hofratsgalle auf die beste Sache und ihre treusten Verfechter zu spritzen, wenn ein herzloser Schöngeist es wagt, vor den Augen des von Leuten seines Gelichters tausendfach verratenen deutscher Volkes versedrechselnd mit schwarz-rot-goldenen Glacéhandschuhen zu kokettieren, so darf und soll diese Anmaßung, dieses Erfrechen, diese Koketterie der verdienten Züchtigung nicht entgehen ...

Diese Gedichtsammlung entzieht sich, um es gleich zu sagen, der berühmten literarischen Kategorie »Schund« nur durch den äußerlichen Umstand, daß sie mit neuen Letten auf schönes Papier bei Cotta gedruckt ist. Kaum sind seit Jahren Papier und Druckerschwärze an ein wertloseres Gereimsel verschwendet worden. Wir wußten zwar schon von früher her, was Herr Dingelstedt im Fache der Impertinen zu leisten vermöge, aber in solcher Zeit das Publikum mit derartigem Zeug zu behelligen, für so abgeschmackt hielten wir aufrichtig gestanden, selbst den Herrn Hofrat nicht. Er hebt sein »Nacht und Morgen« mit einem Singsang an, in welchem die verbrauchtesten Bilder und Redensarten von der Nach die auf Deutschland gelastet, von dem Morgen, der angebrochen, zu einem saft- und kraftlosen Brei zusammengerührt werden. Nicht die entfernteste Spur eines selbständigen Gedankens, nicht die leiseste Andeutung einer ursprünglich Gefühlsregung; die abgetragensten Lumpen vom Kleide der Zeit mühsam zusammengeflickt und phraseologisch appretiert. Teuerster Herr Hofrat, Sie verstanden Ihre Reimschneiderei früher wenigstens besser. Gelernt haben Sie inzwischen durchaus nichts, aber manches vergessen. Vorzeiten wußten Sie die aus Byron, Béranger und anderen zusammengestohlenen Lappen doch immerhin mit einiger Gewandtheit vor dem Publikum zur Schau zu stellen. Freilich vertrauten dieser Ihrer Gewandtheit zuletzt in dem Grade, daß fremde Federn ohne weiteres als Ihre eigenen aufsteckten. Erinnern Sie sich, daß Sie in der Novellenzeitung für 1845 drucken ließen: »Zwei Nachbarskinder«, Novelle von Franz Dingelstedt? Ei, wir meinen, Sie hätten sich sollen mit dem Ruhme eines Übersetzers dieser Novelle begnügen, deren Original in dem von Lady E. Stuart Wortley herausgegebenen »Keepsake for 1837« zu finden ist, wörtlich zu finden unter dem Titel: »The Fancy Ball«. Aber so ein literarischer Eroberer nimmt eben ungeniert, wo er etwas findet. Sie haben das ohne Zweifel von den Vorfahren einiger Freunde gelernt mit welchen Sie in Stuttgart verkehrten, und zum Dank der empfangenen Lehren ergriffen Sie die Gelegenheit vorliegendem Opus die Besatzung der »Ritterbank« in württembergischen Kammer zu beweihräuchern. Sie scheinen Umgang auch benützt zu haben, um sich diverse noble Passionen anzugewöhnen. Sonst wäre es wenigstens nicht recht erklärbar, warum Sie (S. 39) als »moderner an dem Euter der Ziege Amalthea sich« zum Bock trinken wollten. Zeus, Amalthea, Bock, welch ein erhabenes und originelles Bild! Da sage noch einer, Herrn Dingelstedts Phantasie sei erloschen. Die Abteilung »Nachtwächter als Hofpoet« könnte man der Überschrift nach für Selbstironie halten. Allein das ist ganz ernst gemeint. Herr Dingelstedt macht förmlich Parade mit seiner Schmach. Er prahlt ordentlich damit, daß ihm vergönnt gewesen, den Kronprinzen die Kronprinzessin des Stuttgarter Hofes mit den schalsten Speichelleckereien anzusüßeln. Und diese Jammerseligkeit nennt er »Zeitgedichte« und hat die Frechheit, mit einer Zunge, an welcher noch dieser Hofschranzenmundleim klebt, den Namen Börnes auszusprechen, um gleich hinterher »Erzherzog Reichsverweser« zuzumuten, der möge »ums die feste Höhe droben im Freiheitsstrahle« führen. Schon dieses faselnde Durcheinander zeigt, daß wir es hier mit einem der herz- und charakterlosesten Windbeutel zu tun haben, welche je »in Zeitgedichten gemacht«. Herr Dingelstedt macht weiterhin verzweifelte Anstrengungen, witzig zu sein, und hier ist es, wo er am schlagendsten seine Nullitätät beweist, denn da kann er die ärmliche Blöße nicht mit entlehnten und tausendmal wiedergekauten Tiraden zudecken. Man glaubt einen alten gichtbrüchigen Hofhund zu sehen, welcher Polka tanzen will. Und dabei wirft sich der Mensch in die Brust und gibt sich ein Air, als wollte er sagen: Bin ich nicht der witzigste Teufelskerl von der Welt? Habe ich nicht Geist für eine Milliarde Distichen und Xenien aller Art? z. B.

»Reichsverweser«:
Nomen et omen habet! Doch schrecke der doppelte Sinn nicht;
Aus der Verwesung steigt blühendes Leben empor.

Wie fein, wie neu, wie graziös und wie prophetisch! Welch herrlich blühendes Erfurter und Dresdener Leben ist aus der »Verwesung« emporgestiegen! Nein, wer solchen tiefen Humor, solchen blitzenden Witz nicht anbetet, muß ein Barbar, muß ein Schwabe sein. Und nicht allein glänzenden Witz, sondern auch zartfühlende Humanität dokumentiert Herr Dingelstedt. Dem Parlamentsmitglied Rösler sagt er im wundervollen Epigramm, überschrieben der »Asperg perspektivisch«:

Nur zu, Kanarienvögelein;
Dein Bauer wird bald fertig sein.

Wenn die Menschen recht schlecht werden, sagt Goethe irgendwo, haben sie keinen Anteil mehr als die Schadenfreude. Und aber Herrn Dingelstedts Strohfiedel hat viele Saiten. Nachdem er so kostbar witzig gewesen, wird er wieder pathetisch und singt »Zwei österreichische Tage« in einer Tonart, woraus hervorgeht, daß Herr Dingelstedt, gleich anderen bankrotten Renomméen, München nur als einstweiliges Absteigequartier auf der Reise nach Wien betrachtet. Haben doch literarische Bankeroutiers von jeher einen Zug dahin verspürt, wie Fr. Schlegel und Gentz. Zwar hält der wohlverwandte Herr Laube den Posten der Theaterintendanz dort besetzt, allein es wird sich neben diesem Edeln und neben dem nicht minder edlen Herrn Hurter wohl noch ein Plätzchen für den gleich edeln Verfasser von »Nacht und Morgen« ausfindig machen lassen.

Doch genug und übergenug. Good bye, Herr Hofrat und Hoftheaterintendant, seien Sie in Zukunft nicht mehr so ungalant, englischen Damen sans facon ihre Novellen zu stehlen.

 

 

Georg Herwegh

Die neue Literatur

Das Gewesne wollte hassen
Unsre rüstigen, neuen Besen.

Ich schreibe nicht für bevorzugte Geschlechter, ich schreibe nicht für Gelehrte, ich schreibe einzig und allein für mein Volk, für mein deutsches Volk!

Ich habe mit den ersten nichts zu tun, denn ich weiß, daß jeder Versuch, auf sie einzuwirken, von vornherein an ihrer vornehmen Indolenz scheitern müßte; sie fürchten den Genius und ziehen sich zurück, wo sie sein Brausen verspüren. In der Poesie gibt es keine Stammtafeln, gibt es keine Wappenschilde, in der Poesie gibt es Menschen, nichts als Menschen; die Poesie ist die größte Gleichmacherin auf Erden und darum eben nicht salonfähig.

Ich achte die Wissenschaft, ich liebe sie als unser höchstes Kleinod, aber ich schreibe nicht für ihre falschen Vertreter; für jene Perücken, die den Geist auf die Folter leerer Formen spannen. Den echten Jüngern der Wissenschaft hingegen habe ich nichts Neues zu sagen; aber auch das Alte, nach meiner Art vorgetragen, würden sie vielleicht nicht verstehen; wir suchen eine Wahrheit, allein unterscheiden uns durch die Methode; unser Weg, zu der Wahrheit zu gelangen, ist ein zwiefacher.

Ich schreibe einzig und allein für mein Volk, für mein deutsches Volk! Was seine besten Genien in stillen Nächten geträumt und gesungen, was sie Tiefes heraufgefördert aus den Schachten der Kunst und Wissenschaft, das will ich meinem Volke zeigen, ich will es ihm zu deuten und zu erklären versuchen. Echte Kritik ist ja nichts anderes als Vermittlung der Produktion an die Masse. Wo etwas Tüchtiges in der Literatur geleistet worden ist, wo ein Dichterherz im Einklang geschlagen hat mit dem Herzen des Volkes, wo ein Sänger gesungen von unsern Freuden, mitgelitten unsere Lei. den, wo ein Sänger Balsam geträufelt in unsere Wunden, da will ich keinen Augenblick anstehen und begeisternd rufen: »Das ist der Mann, den sollt ihr lieben; das ist der Dichter, dem sollt ihr eure Teilnahme schenken! Kümmert euch nicht um das Geschrei mutwilliger Toren, und stoßt ihn nicht weg von euch; hilft euch das Schwert nicht, hilft euch das Kreuz nicht, so helfen euch am Ende die Musen!«

Nicht Verachtung, wie so viele getan, Liebe will ich predigen dem deutschen Volke für seine Literatur, für seine Poesie, für seine auserwählten, berufenen Geister. Aber Liebe nicht nur für den toten marmornen Ruhm, Liebe nicht bloß für Schiller und Goethe, für Herder und Lessing, für Tieck und Novalis, Liebe nicht bloß für das künstlerische Erbe der Vergangenheit, nein, Liebe, warme, brünstige Liebe auch für die Samenkörner der Zukunft, für die poetischen Sprößlinge, die so herrlich gedeihen vor unsern Augen. Ich möchte die Liebe der Nation erwecken für ihre aufblühende, für ihre junge Literatur. Denn ich lebe derselben Überzeugung, die jüngst in diesen Blättern, im Artikel »Staatsleben und Literatur«, so entschieden ausgesprochen wurde, nämlich der Überzeugung, daß die gegenwärtige Beschaffenheit der schönen Wissenschaften in Deutschland keineswegs eine rückgängige Bewegung verrate, sondern auf einen bedeutenden Fortschritt der Zeit hinweise. Warnen will ich die Nation, daß sie sich nicht hintergehen lasse von den Lügenworten einiger Obskuranten, die Schmähung, über Schmähung häufen auf die schönsten Talente, deren wir uns in diesem Augenblicke erfreuen! Wo will das Volk Trost suchen für sein unsägliches Elend, wenn es seine dichterische Zukunft im Keime erstickt? Wer wird ihm Blumen flechten um das gequälte, sorgenvolle Haupt, wenn es seine Sänger verstoßen wollte? jede Zeit. jedes Jahrhundert hat seinen eigenen Gedanken, der seine Offenbarung findet in den erleuchteten Geistern einer Nation. Wir haben solche Geister. Es ist ein großes Vermächtnis – das Vermächtnis der deutschen Literatur vor dem Jahre 1830, aber werden seine Zinsen groß genug sein, uns zu ernähren in alle Zukunft? Werden wir nicht neuer Organe, neuer Fürsprecher der Menschheit bedürfen? Darum fordere ich Wartung und Pflege, ja Achtung selbst in ihrer Verirrung für die junge Literatur! Mein geringes Talent gehört ihr ausschließlich an, und ich werde mich nicht scheuen, ihr jegliches Opfer zu bringen. Ich verhehle mir dabei nicht, daß sie mancherlei Verirrungen sich hat zuschulden kommen lassen, daß sie manche Fehler begangen hat; aber was ihren bessern Teil betrifft, war sie sich stets des reinsten Strebens bewußt bei all diesen Verirrungen, und ihre Fehler waren nur eine Ausartung ihrer Tugenden. Ach! sie hat ihre Schwächen so sehr, so schmerzlich schwer gebüßt. Anstatt an Apollo und die Musen in letzter Instanz zu appellieren, berief sich der Fanatismus auf den Staat, der, wie ich ewig behaupten werde, in Sachen des Herzens, des Gemüts, der unzugänglichste Richter ist, ja dem gar keine Stimme hierüber zukommt, was er auch selbst zugestanden hat durch jenes gemäßigte Verfahren bei einem bekannten literarischen Prozesse. Die junge Literatur besaß den Mut, keck die Fragen des Jahrhunderts herauszugreifen aus dem Zetteltopfe der Zeit und sie poetisch zu gestalten. Man hat ihr daraus ein Verbrechen, ein großes Verbrechen gemacht. Was in der Wirklichkeit vor ihr liegt, sollte sie denn das nicht dichterisch behandeln dürfen? »Wenn an dem Glauben, an der Liebe, an der Ehre gerüttelt wird und der Dichter dieses kecke, mitunter wohl auch freche Treiben darstellt, ohne die Subjekte desselben zu verdammen, wenn er seine, seien es auch zum Verderben bestimmte Gefäße der Unehre mit einer gewissen Langmut trägt: so erheben kurzsichtige oder böswillige Beurteiler ihr moralisches Zeter. Bedächten sie doch, daß, so gewiß in den Grundsätzen und Instituten, an welchen auf diese Weise gerüttelt wird, etwas Wahres ist, dieselben so gewiß nur geläutert und neu befestigt aus dem Prozesse hervorgehen können; daß aber auch, so gewiß der Geist seine Unendlichkeit sucht, diese Richtung der Zeit nicht zurückgedrängt werden kann.« – Es ist aber nicht genug, daß dieselbe nicht zurückgedrängt werde, man soll die Geburten des modernen Geistes nach Kräften erleichtern, damit wir bald möglichst unsere Bedürfnisse erkennen und über uns ins klare kommen! Das deutsche Volk wird, hoffe ich, so billig sein und der jungen Literatur trotz allen fanatischen Einflüsterungen endlich einmal ihr Recht angedeihen lassen.

Die junge Literatur unterscheidet sich ganz wesentlich von jeder früheren, und die Nation ist ihr zu besonderem Danke verpflichtet. Die junge Literatur ist nämlich durch und durch von ihrem Ursprunge an demokratisch, was sich zum Teil bis in die kleinsten Nuancen derselben hinaus nachweisen läßt. Sie braucht zu ihren Tragödien und Novellen nicht mehr jenen fürstlichen Apparat, der selbst Shakespeare zu großartigen Effekten noch zuläßlich dünkte. Für sie ist in jedem Zimmer ein Roman, für sie rauscht in jedem Herzen die Melodie des Schicksals. Während der Dichter in früheren Zeiten sich zurückzog aus dem Gewühle der Welt, stürzt die junge Literatur sich mitten in den Strom des Lebens und schöpft aus ihm die meisten Wellen. Der Dichter vereinsamt sich nicht mehr, er sagt sich von keiner gesellschaftlichen Beziehung mehr los, kein Interesse des Volkes und der Menschheit bleibt seinem Herzen fremd; er ist nicht nur demokratischer, er ist auch universeller geworden. Es fällt heutzutage manches in den Bereich poetischer Gestaltung, woran vor einem Jahrzehent noch keine Seele gedacht. Mag auch der Tendenz seither oft die Schönheit geopfert worden sein, es ist ein Fehler, der sich leicht gutmachen läßt, und wirkliche Produktionen der neuesten Zeit, namentlich im Fache des komischen Romans, beruhigen vollkommen über die echte Schöpfungskraft unserer jungen Autoren. Unsere neue Literatur ist eine Tochter der Kritik, unsere besten Schriftsteller haben in den Journalen ihre Studien vor dem Publikum gemacht, manches keimende Talent schlägt noch jetzt denselben Weg ein. – Die Kritik hat uns von der Form der Tyrannei befreit und uns befruchtende Ideen zugeführt, die auch in neuen schönen Gestalten sich verkörpern werden, wenn nicht alle Anzeichen trügen. Wir sind auf einer Höhe philosophischer Betrachtung angelangt, wie sie kaum Lessing geahnt haben mag. Unsere Kritik kann Goethe und Börne nacheinander ans Herz drücken; sie kann Goethe lieben und braucht Börne doch nicht zu tadeln, daß er so grausam mit jenem Dichter verfahren. Sie weiß, daß Börne ein Blitz war, der nur die Höhen der Welt getroffen.

Ich gedenke in einer Reihenfolge von Artikeln die Geschichte der jungen Literatur bis zu ihrer jetzigen Gestaltung und leider auch Spannung sowie die Bedeutung der einzelnen literarischen Persönlichkeiten zu entwickeln und will nur einen vorläufigen kurzen Umriß ihres Ursprungs und ihrer Verzweigung geben.

Die Julirevolution [Fußnote] erweckte in Deutschland zwei Genien, deren Einfluß auf die Jugend seinesgleichen sucht, die nicht nur die Schöpfer neuer Ideen, sondern auch die Schöpfer einer ganz neuen Sprache geworden sind. Ich meine Heinrich Heine und Ludwig Börne. Es herrscht bloß der Unterschied zwischen beiden, daß es Börne zeit seines Lebens mit jeder Silbe Ernst, fürchterlicher Ernst gewesen, bei Heine dagegen alles Spiel, wenn auch genialisches Spiel, ist; daß Börne als unerbittlicher Sansculotte gestorben und Heinrich Heine allem Anschein nach als Adjunkt des Fürsten Pückler enden wird. Erst seit Börnes Tod stellte sich der gewaltige Unterschied der beiden Männer so schlagend heraus. Die literarische Jugend wollte sich lange nicht für den einen gegen den anderen aussprechen. jetzt ist es geschehen, die erste Begeisterung, der erste Rausch hat sich verloren; die Literatur teilt sich unbedingt in zwei feindliche Lager; das Feldgeschrei des einen ist Börne, das Feldgeschrei des andern lautet Heine.

Dort steht Gutzkow mit einer kleinen Zahl Befreundeter, hier stehen die Herren Laube, Kühne und Mundt. Ich meine, die Nation sollte nicht lange unschlüssig sein, wem sie ihre literarische Zukunft anvertrauen will.

Georg Herwegh

Der Hecht unter den Karpfen

oder Louis Napoleon in Baden-Baden

1860

Guten Leuten und schlechten Musikanten mögen die Haare zu Berg stehen, aber es ist doch so: Worte und Versprechungen galten, gelten und werden in der Politik so wenig gelten als im Handel. Auch die Politik kreditiert nicht ohne Hypotheken. Der politische Rechtstrieb hilft nichts, wenn man nicht ein genügendes Unterpfand in Händen hat. Sonst wären die Kasseler mit ihrem Kurfürsten, die Schweizer mit dem Bürger von Salenstein weiter gekommen. Verträge werden nur so lange gehalten, als man ein Interesse hat, sie zu halten, oder nicht die Macht, dieselben zu brechen.

Politik und Moral sind zweierlei. Tugend ist eine schöne Gegend, aber eine schöne prima donna soll vor allem gut singen und ein Staatsmann vor allem gut spielen. Der letztere darf nie vergessen, daß er möglicherweise einen Partner hat, der ihn überlisten will und den er mit bloßer Rechtlichkeit nicht aus dem Sattel heben wird. Noble Redensarten sind Sprenkeln für die Drosseln. Politik ist ein sehr schmutziges Handwerk, und wer sich die Finger nicht besudeln kann, soll sie davon lassen. Politik ist vor allem aber die große Kunst eines Fürsten, seinen Nebenfürsten zu düpieren.

Diese verruchten Gedanken stiegen in uns auf, als wir hörten, daß Louis Napoleon den deutschen Fürsten einen Besuch in Baden abstatten wollte, Louis Napoleon, der Mann, welcher den Bruch zwischen Moral und Politik am gründlichsten vollzogen und die absolute Gewissenlosigkeit zur Richtschnur seines Handelns gemacht hat. Der Hecht, wie ihn der Hallenser Löwe nennt, kommt soeben von einem seiner gelungensten Raubzüge, er hat Savoyen und Nizza verschluckt, seine Soldateska hat ihm Vivat dafür gerufen und seine Epiciers haben illuminiert. Wir stellen uns nun vor, wie ihn die Karpfen in Baden-Baden – mit obligaten Reverenzen empfangen. Einige Physiognomien überraschen ihn durch ihren vollständigen Mangel an Intelligenz. Er faßt sich jedoch schnell und redet sie ungefähr folgendermaßen an:

»Meine lieben Karpfen, haben Sie keine Furcht vor mir! Ich bin kein Aschantee, kein Oger, kein Menschenfresser. Ich gleiche weder Rinaldini noch Garibaldini, Ich bin ein gewöhnlicher Hecht. Und wenn man Ihnen gesagt hat, daß ich Zähne besitze, so ist das allerdings schwer zu leugnen, aber ich besitze diese Zähne nicht, um damit zu beißen, sondern nur, um mir von Ihnen auf den Zahn fühlen zu lassen. Treten Sie einmal gefälligst näher, Sie kleiner Ostphale; Sie, bravster Monarch, lassen Sie Ihre neue Eisbüchse in Ruhe, und Sie, scharfsichtiger Hannoveraner, lassen Sie sich vom Herrn Grafen Borries den Arm geben; erschrecken Sie nicht, blinder Hesse! Der Hecht ist Ihr bester Freund, und an allen Mißverständnissen zwischen uns sind nur ein paar dumme Jungen schuld, welche Steine ins Wasser geworfen und die guten Karpfen alarmiert haben. Diesen dummen Jungen muß jetzt ein Maulkorb angelegt werden. Nehmen Sie sich die französische Presse, zum Muster, Soll ich Ihnen etwa einige meiner Lumpaci abtreten? Wollen Sie den Limayrac? Wollen Sie Joncières, mein alter ego? Wollen Sie meinen Schiller aus der Patrie? Wollen Sie jemanden vom Constitutionnel oder wünschen Sie meinen Havin vom Siècle? Was soll diese Aufregung? Wozu wird sie führen? Zu einem deutschen Parlament? Mit einem Parlament können Sie bei Ihrem beschränkten Fürstenverstand nicht regieren. Und wohin wird das Parlament Sie führen? Zu einem Kriege mit mir, mit Frankreich? Zu einem Kriege, in welchem ich meinen Thron vielleicht, Sie aber den Ihrigen ganz sicher verlieren, wenn's Ihrem Volke ernst ist. Dreißig Karpfen werden mit keinem Hecht fertig. So viel Einsicht haben selbst die Deutschen. Nehmen Sie also Vernunft an. Beschwichtigen Sie vor allem diese Aufregung gegen Frankreich. Es ist ja nichts leichter, als den Ochsen, die da dreschen, das Maul zu verbinden und z. B. den Hermann Orges hinzuschicken, wo der Pfeffer wächst, wie ich mit den Feinden der öffentlichen Ordnung zu tun pflege. Überlegen Sie sich's, ob's nicht in der Tat vorteilhafter für Sie wäre, das halbe Deutschland an mich abzutreten, als das ganze in die Hände der Demagogen zu spielen! Sie wissen, ich brauche jetzt nur abstimmen zu lassen, und Europa, Asien und Afrika fallen mir zu. Durch die Erfindung, die ich gemacht habe, jeden, der für mich stimmt, hundert, jeden, der gegen mich stimmt, nur einen Stimmzettel abgeben zu lassen, bin ich meines Erfolges gewiß. Aber keine Furcht! Ich bin gekommen, um Öl in die aufgeregten Wogen zu gießen, um Frieden zu bringen und Sie meiner besten Absichten zu versichern. Nur verlange ich ein öffentliches Vertrauensvotum von Ihnen, sonst spiel ich die letzte Karte aus, die ich aus meiner Demagogenzeit mir zurückgelegt habe die Revolution. Wissen Sie, was das für Sie bedeutet? Lassen Sie Vertrauen blasen nach allen vier Weltgegenden. Sagen Sie Ihrem Volk, wie uneigennützig ich bin und wie ich mir höchstens einmal gelegentlich die Wiedererstattung meiner Reisespesen ausbedingen werde, etwa Landau und Saarlouis. Laichen Sie ruhig weiter auf Ihren Thronen und Thrönchen; weder Rogen noch Milch sind bedroht. Es ist nicht wahr, daß ich Sie in brauner Sauce verspeisen wollte. Karpfen, rettet die Zivilisation und – embrassons-nous!«

Die Karpfen sind gelehrig; wir haben welche gekannt, welche auf das Zeichen einer Glocke zur Fütterung herbeikamen. Die Karpfen versprechen dem Hecht, die Zivilisation gemeinschaftlich mit ihm zu retten. Louis umarmt ein Dutzend Deutschländer; Vertrauensgruppe; die Flügeltüren werden geöffnet. Die Croupiers von Baden sind sehr gerührt. Europa ist beruhigt. Deutschland ist beruhigt, der »Schwäbische Merkur« ist beruhigt, vor allem aber ist einer beruhigt, Er. Er fühlt, daß Er jetzt schlafen könne den Schlaf des Gerechten, denn seine Augen haben gesehen Hessen und Baden, Württemberg und Bayern, Nassau und Hannover, Koburg und Weimar, seine Augen haben gesehen den Jakobus Venedey, der sein »Paradies« verlassen und herübergekommen ist von Badenweiler, sie haben gesehen endlich den großen Spiegelkarpfen von Preußen. Der Hecht hat sich mit ihnen gemessen und sich wahrlich nicht zu klein gefunden. Er hat ihnen allen gegeben Instruktionen, und sie werden diese Instruktionen getreulich befolgen. Adieu, Presse! Adieu, Parlament! Adieu, deutsche Einheit! Du wirst nicht, wie wir vor einigen Tagen meinten, statt zu »Fleisch« zu Wasser werden; du wirst werden zu Wasser und Brot mit Einzelhaft für jedes Mitglied des Nationalvereins. Der erhabene Erschießer von Rastatt, dein man die Fahne der Reichsverfassung in die Hand geben will, die er einstens in Blut und Kot getreten, wird Mittel finden, auch mit den neuen Trützzschlern in derselben ritterlichen Weise aufzuräumen, wie solches im Jahr ohne Gnade 1849 geschehen ist. Wir rufen dies den Herren mit kurzem Gedärm ins Gedächtnis zurück.

Nun aber geht hin, ihr politischen Kindergärtner, ihr Ammen und Hebammen des deutschen Volks, gängelt es weiter an der schwarz-rot-goldenen Nabelschnur und predigt das Evangelium des Vertrauens. Die Fürsten sind mit dem Jahr 1860 plötzlich so tugendhaft und moralisch geworden wie ein deutsch-katholischer Pastor. Der blonde Sekretär des Parlaments der Zukunft hat den schwarzen Bösewicht der florentinischen Republik ein für allemal abgetakelt. Vertrauenl Vertrauen! Was machen die vierzig Millionen lieben Kleinen ? Habt acht, daß sie nicht fallen, nicht in Versuchung fallen, sondern ordentlich weiter beten: »Landesvater unser, der du bist, der du warst, der du sein wirst.«

Edler Spiegelkarpfen, du hast vier Bartfäden, sagt die Naturgeschichte, die im Jahr 1849 nicht abgerissen sind, an sie wollen wir unsere Hoffnung knüpfen. Deine Schuppen können groß werden wie ein Achtgroschenstück; dein Name sei gepriesen, und du sollst gebieten über Weißfische und Goldfische, über Barben und Schleien und über sämtliche Grundeln in den deutschen Infusionsstaaten. Du sollst gebieten über die ganze Karpfenfamilie, bis der Hecht wieder einmal kommt und den Karpfen, namentlich den Rheinkarpfen, die Schuppen nicht nur von den Augen, sondern vom ganzen Leibe fallen. – – – – Mein Gott! ist denn kein Brutus unter den Hofräten in Heidelberg?!

 

 

Georg Herwegh

Am Grabe eines deutschen Flüchtlings

Juli 1860

In der Zeit der Reden und Redensarten ist es nicht meine Sache, Worte zu machen. Wiederum ein Flüchtling, der in fremder Erde begraben wird! Mühe und Arbeit, das war sein Los auf der Welt. Vergeblich wartete er elf Jahre darauf, zurückgerufen zu werden in die Heimat; aber Fürsten und Prinzregenten – sie werden noch manchen warten lassen! Arme, treue Seele, du hast es jetzt überwunden. Sei sie dir leicht, die fremde, republikanische Erde, leichter als die dumpfe heimatliche Luft manchem der Freunde draußen ist! – Morgen tragen sie in das »Invalidenhaus« mit allem Pomp der Erde einen Fürsten, während dich heute ein Dutzend Freunde aus dem Invalidenhaus zum Grabe begleitet! Ich sehe dich lächeln über jenen Pomp! Leb wohl, du braver, ehrlicher Republikaner! Nach altem, frommem Brauch werfe ich eine Scholle Erde auf dein Grab. Leb wohl.

 

Georg Herwegh

Die deutschen Professoren

Eine zoologische Abhandlung

Ja, ihr seid die Leute, mit euch wird die Weisheit sterben.

Hiob 12,2

Eine zoologische Abhandlung; ich werde sie anders benennen, sobald man mir beweist, daß ein Professor dem Staate je einen Menschen erzogen hat. Ausgenommen sind die Herren Professoren Schelling, Schiller, Fichte, Hegel, überhaupt die jungen und alten Zelebritäten unserer Nation, die das Unglück hatten, diesen traurigen Namen als Aushängeschild gebrauchen zu müssen. Es ist das schöne Vorrecht unseres Jahrhunderts, daß es eine Wahrheit nur dann als Wahrheit anzuerkennen hat, wenn sie aus dem Munde eines Patentierten, eines Angestellten kommt. Glaube, Liebe und Hoffnung sind offiziell geworden, und Gott selbst existiert nur, solange nicht die Menschheit, sondern ein Professor es behauptet. Mein Charakter als Bürger, als vernünftiger Mann berechtigen mich heutzutage nicht mehr, ohne Hindernisse zu meiner Nation zu reden. Will ich mit einen Einfluß nicht nur auf die guten, sondern auch auf die bösen Geister erobern, so muß ich mich zur Annahme irgendeines Titels oder Ranges bequemen; ich muß einen Laufpaß vom Staate haben, wenn die liebe Jugend, die eine Karriere zu machen gedenkt, mir zuhorchen soll.

Von zehn Untugenden, die ich besitze, habe ich immer neun einem Professor zu danken. Wenn ich trotz meinen hochverehrten Lehrern ein Mensch geworden bin, so preise ich dafür meinen Genius, der sorgsam über die ihm anvertraute Seele gewacht hat. Mein Feind wird es mir nicht nachsagen können, daß ich einem Professor eine Schuld abzutragen hätte. Ich bin heute auf hundert Sachen stolz, für die ich in der Schule Schläge, auf höheren Anstalten Verweise bekommen habe. Der unvertilgbare Spott der deutschen Jugend, den sie über ihre Lehrer, allerdings oft recht unhöflich ausgießt, ist wahr, unendlich wahr. Von dreißig Schülern stehen in der Regel zwanzig moralisch hoch über ihrem Professor.

Sie besitzen noch, was der letztere vergeudet und verloren hat, die poetische Mitgift des Lebens, ganz und ungeschmälert. Sie haben nicht den Fonds von Kenntnissen wie er sehr richtig, so unbedeutend diese oft bei den Lehrern sind; sie haben nicht seine Erfahrungen – sie mögen sich glücklich schätzen; aber sie haben noch Blut im Herzen statt griechischer Partikeln und sind noch naiv genug, bei sich anzufragen, was es sie eigentlich interessieren könne, ob »ut« den Indikativ oder Konjunktiv regiere.

Warum sie die blühende Gegenwart aufgeben sollen, um in eine verwitterte Vergangenheit sich zurückzuversetzen? Warum man ihnen Luft und Sonne stehle, um sie auf die staubigen Bänke der Schule oder des Kollegiums zu bannen? Daß sie es den Nachgebornen einst wieder so machen können? Daß sie ewig nur ein Rad im Kreise drehen? Ist es der Mühe wert, so viel schöne Jahre zu verschleudern, um es endlich nicht weiter zu bringen als der Herr, der vom Katheder herunter die unfruchtbare Weisheit doziert? Alle Erziehung soll nur darauf hinauslaufen, den Menschen zu einem freien Mann zu bilden oder vielmehr, da der Mensch so lange frei ist, bis er einem deutschen Professor unter die Hände gerät, die angeborne Freiheit zu erhalten, zu entwickeln, ihr Inhalt und Fülle zu gehen Nicht daß ich mein Brot erwerbe, nicht, dass ich Jurist, nicht, dass ich Theolog, nicht, dass ich Mediziner werde, ist es zunächst, warum ich lene, warum ich mir Kenntnisse sammle; ich lerne, ich sammle mir Kenntnisse zunächst, um durch diese Bereicherung meines Geistes freier und unabhängiger von den Zufälligkeiten des Lebens zu machen. Der Jüngling denkt früher an das Ideal als an das Brot; der Professor, wie er sein soll, meistens nur noch an das letztere. Er ist der treugehorsame Diener des Staats, seine erste Pflicht, dem Staat ebenso treue, gehorsame Diener herauszubilden. Welches bessere Mittel findet er zu Erfüllung dieser seiner Obliegenheit, als seine Untertanen, die Schüler, recht bald fühlen zu lassen, daß sie zunächst seine und so gradatim immer wieder die Sklaven eines Höheren sind bis in das religiöse Gebiet, da auch in diesem Gott stets als ein kleiner Tyrann geschildert wird. Das Altertum ist dem Professor nur vorhanden, um ihm Gelegenheit zu geben, den Kram von Notizen, die er durch Sitzfleisch sich angeeignet, vor den erstaunten Zöglingen recht prunkend auszubreiten; die Schlacht von Marathon findet er hübsch, weil er dabei eine geographische Bemerkung machen kann. Die Reden des Demosthenes patriotisch, weil sie im reinsten attischen Dialekte geschrieben sind. Am lustigsten benehmen sich diese Pygmäen den Männern der Geschichte gegenüber. Für den Kammerdiener gibt es keinen großen Mann. Da ist kein Held, an dem sie nichts auszusetzen wissen, und jedes Phantom von einem Professor wird die geistreiche Phrase anbringen: »Wäre Hannibal nach der Schlacht bei Cannä nur gegen Rom aufgebrochen!« Kleiner Hannibal! Großer Professor!

Heinrich Heine hat diese Weltverbesserer himmlisch gezeichnet in dem Verse:

Zu fragmentisch ist Welt und Leben,

Ich will mich zum deutschen Professor begeben,

Der weiß das Leben zusammenzusetzen,

Und er macht ein verständlich System daraus;

Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen

Stopft er die Lücken des Weltenbaus.

Die Däumlingsnatur, wie sie sich spreizt und wichtig tut, kann wahrhaftig nicht besser charakterisiert werden. ja, so sind die Leute, welche das Elend Deutschlands immer größer füttern! – Die Eitelkeit eines Professors ist leider nicht so unschuldig wie die eines Frauenzimmers, sie ist herrisch, eigensinnig, tyrannisch; sie möchte alles nach sich ummodeln, alles in das Prokrustesbett ihrer jeweiligen, meist ärmlichen Begriffe spannen. Wie manches Talent ist durch die Schuld dieser Herren schon untergegangen! Wie mancher Keim ward durch ihre sublime Torheit schon erstickt! Ein Professor muß ein Steckenpferd haben, und wehe dem, der es nicht mit ihm reitet! Der Professor ist ein Phlegma, und wehe dem, der es nicht mit ihm ist!

Ein junger Mann ist warm und vollblütig, er liebt, das Leben im Prisma der Poesie anzuschauen; zufällig hat er einen Professor der Mathematik, dem seine Erziehung anvertraut ward; er muß ein Stümper in der Mathematik werden, statt daß er es, seiner Anlage nach, vielleicht zum Meister in der Poesie gebracht hätte. Das Talent, Talente zu entdecken, geht einem Professor in der Regel ab. Seine Rute ist meistens eine Birken-, selten eine Wünschelrute. Unsere Jugend wird systematisch zur Lüge erzogen, indem sie das Unglück hat, Köpfen unter die Hände zu fallen, die alles aus ihr machen, nur nicht, zu was sie von Gottes Gnaden berufen ist.

Haß gegen jede schönere, freiere Lebensnatur ist die Mitgift einer echten professorischen Natur. Ich kenne einen Lehrer, der es mir heute noch nicht verzeiht, daß ich in einem Kollegium über Geschichte als den passendsten Kommentar dazu Börnes »Briefe aus Paris« unter dem Tisch gelesen. Wenn er vollends gewußt hätte, daß die Reden, die beim Hambacher Feste gehalten wurden, in meinem Pulte gewesen wären! Ich schlechter Mensch!

Ein Professor ist ein Allerweltsmann. Er liest mit dem einen Auge den Homer, mit dem andern das Basler »Missionsblatt«. Unvergeßlicher Mann mit der flanellenen Halsbinde, der du mir einst die Tränen des Achilles kommentiert!

Derselbe Pietist erklärte uns den Sophokles. Durch ihn wäre ich nie zu einer Einsicht in die Ökonomie des griechischen Dramas gelangt; ich hätte von Sophokles nicht mehr erfahren als von Livius und Tacitus, von denen ich lange Zeit nur wußte, daß jener mit einem halben, dieser mit einem ganzen Hexameter anfange.

Ich war gewohnt, bei dem nächtlichen Religionsunterricht mein Licht immer fünf Minuten früher auszulöschen als mein begeisterter Lehrer das seinige, und so wurde ich bald als ein arger Zweifler bekannt. »Wie steht es mit Ihrem Herzen?« lautete die honigsüße Frage bei der monatlichen Revue. Wie steht es mit Ihrem Herzen? d. h. im pietistischen Jargon: Sind Sie orthodox, oder sind Sie vernünftig? Oh, Deutschland hat noch seine Originale!

Mein Humor verläßt mich, wenn ich an den letzten Teil meiner Abhandlung denke. Zorn, frommer Zorn führt meine Feder. Ein deutscher Professor ist geschworner Feind aller Politik. Er fand das Bestehende vernünftig, noch ehe Schelling und Hegel geboren waren. Untertänigkeit, Kriecherei, Speichelleckerei – ein Wörterbuch, ein Königreich um ein Wörterbuch, in dem das richtige Prädikat steht! Ich hasse jeden Kultus, zu welchem der Schneider am meisten beiträgt; so habe ich mich denn aus Eigensinn in meiner Jugend nie schwarz getragen. Da wurde eines Tages eine allerhöchste Person erwartet. Ich hatte ein graues Röckchen an, mein Professor verzweifelte. Ich tröstete mich mit Napoleon; die allerhöchste Person kam nicht. Wie glücklich war der gute Mann!

Ich hätte für Polen kein Gefühl, für die Edelsten und Unglücklichsten meines Vaterlandes keine Tränen haben dürfen, hätte ich vorher die Erlaubnis eines deutschen Professors nachsuchen wollen. Bete, arbeite und krieche – – es leben die deutschen Professoren!

 

 

Georg Herwegh

Literatur und Volk

Le peuple, c'est ma muse.

Béranger

Im Anfange schuf Gott die Freiheit.

Und als er die Freiheit geschaffen hatte, schuf er den Frühling.

Und als er den Frühling geschaffen hatte, schuf er den Dichter.

Den Frühling hatte er der Erde geschenkt als das heiligste Symbol seines Erstgebornen. Das himmlische Auge des Lenzes sollte den Menschen liebend ermahnen, wie er treulos ihrer vergäße.

Und der Herr sprach zur Freiheit:

Du bist die nächste an meinem Throne und sollst teilhaben an meinem unsterblichen Teil; du sollst nicht vergehen, ehe denn ich selber vergehe. Aber du mußt wandeln hinfüro unter den Menschen und mußt wachen und schlafen, hungern und dürsten, lieben und hassen wie sie. Du wirst dein Brot betteln vor den Türen, und sie werden den Stein dir verweigern, da du dein Haupt hinlegest; sie werden Ketten und Banden, aber, so wahr ich der Herr bin, nimmermehr ein Grab für dich haben.

Du wirst fliehen müssen zu Löwen und Tigern, hinaus in den Sand der Wüste; du wirst bergen müssen dein Antlitz in der Nacht der Höhlen und Klüfte! sie werden am Abende fragen: wo ist sie hin, die Herrliche? Lasset uns retten die Jungfrau aus den Händen der Ungläubigen! Und mit dem Morgensterne werden sie dein nicht mehr gedenken.

Darum habe ich dir einen Bruder zugegeben, der Botschaft trage umher in der Welt; wenn du hungerst oder dürstest, wenn du gefangen bist und in Ketten schmachtest.

Und er rief dem Frühlinge:

Gehe hin, und löse die Bande der Wasser, daß sie jauchzen durch die Täler der Erde und donnernd schlagen an die tauben Ohren dieses Geschlechtes.

Spanne aus deine Fittiche und reinige mir mein Haus von den dunkeln Wolken des Winters, daß sie meine Sterne sehen und wandeln wie die Kinder des Himmels.

Bringe her deine Düfte von Ost und West, von Nord und Süd, und berausche ihr nüchternes Herz, daß sie sich erheben, zu erlösen mein Kind, das gefangen sitzt im Turme des Tyrannen!

Spreite deinen Teppich unter die Füße der Sterblichen, daß sie an der Blume lernen, wie man sein Haupt wiegt, frei in freier Luft.

Und der Herr wandte sich gegen den Aufgang:

Höre mich, du Kind der Sonne; höre mich, du Sohn der Wüste! Habe ich Bande angelegt deinen Rennern oder Bande den Wipfeln deiner Zedern? Tritt über die Schwelle deiner Hütte, und sitze in den Schatten dieser blühenden Palmen! Habe ich nicht ihrer jegliche gekrönt, und sind sie nicht allzumal Fürsten? So auch ihr – jeder von euch ist ein König, und keiner spreche zu seinem Bruder: Neige dich nieder vor mir in den Staub, daß ich meinen Fuß setze auf deinen Nacken, denn der Herr hat mich bestellet zum Herrschen über dich und deine Kinder und die Kinder deiner Kinder!

Und der Herr wandte sich gegen Mittag:

Höret mich an, ihr Bewohner der Gestade des Meeres! Verlaßt eure Höhlen des Grausens, und badet euch im warmen Strahl meiner verjüngten Sonne! Ich habe das Schilfrohr gepflanzet an eure Ufer und seine grünen Augen erschlossen, daß es ein Spiegel sei eurem Herzen und ein Zeichen sei euern Lippen! Wie rauscht es so frisch und fröhlich dahin! Birgt es sich auch vor mir in die Nacht der Einöden, und bin ich doch größer als der Größten einer von euern Drängern und Zwingherren!

Und es wandte sich der Herr weiter gegen Mitternacht:

Hervor aus deinen Hütten, du Sohn des Frostes! Mein Hauch hat zertaut den Schnee deiner Berge, und mein Speer hat zertrümmert den Harnisch des Eises! Im lauen Äther schwankt wieder der Birke zartes Laub und flüstert dir zu: Schaue mich an – auch du sollst teilhaben an der Herrlichkeit der Welt!

Da verhüllte Gott sein Haupt und kehrte sein Antlitz gegen Abend.

Söhne des Westens, Söhne Germaniens! Ich habe eure Erde vom Schlummer erweckt und den stillen Bächen ihre Sprache wiedergegeben. Ich habe Blumen keimen lassen am Strand eurer Flüsse, daß eure Jungfrauen herunterkommen mögen ins Tal und sich Kränze winden um die reinen Schläfen. Wo sind sie, die da singen und spielen und Reigen tanzen, daß ich das Land vom Tode befreit? Ha! wie sie donnern, die Wasser von euren Bergen, und wie es zaget, das Herz in eurer Brust!

Nicht also! Wenn blutig meine Sonne untergeht hinter den Säulen meines Himmels und ihr letztes Licht erblassend sich wiegt auf dem dunkeln Laube deiner Eichen, wenn die düstern Zweige ihr Totenlied rauschen dem sinkenden Tage, dann denket, daß ich es bin, der hinschreitet über die Gipfel eurer Haine und euch zuruft:

Ich bin der Herr; ihr sollt keinen andern Herrn haben außer mir:

Aber die Freiheit war umsonst geschaffen worden; umsonst hatte der Frühling seine Blumenaugen aufgeschlagen. Nur selten erhob sich noch ein junger Arm für die Erstgeborne des Himmels, nur selten schlug noch ein junges Herz für deren heiligstes Symbol. Wohl kehrte der Lenz wieder alle neun Monden, wohl lösten sich noch alljährlich die starren Wasser, wohl schüttelten noch im Abendrot die Eichen ihre schwarzen Häupter, wohl jauchzten noch in die sommerwarmen Lüfte die Palmen des Ostens – aber achl sie hatten ihren göttlichen Sinn verloren, und ihre Deutung hatte man vergessen.

An den brausenden Strömen hingen Gefangene ihre Harfen auf, und unter den duftenden Palmen wischten Sklaven sich den Schweiß von der heißgesengten Stirne. Aus den Hirtenstäben waren Zepter geworden, und keine Kränze von weichen Blumen schmückten mehr die Scheitel der Sterblichen, sondern sie trugen Kränze, geschmiedet von den bösen Geistern der Tiefen, und man nannte dieselbigen Kronen.

Freiheit und Frühling waren unverstanden auf Erden da erbarmte sich der Herr seines Volkes und sandte ihm Sänger und Dichter, es zu trösten und aus der Natur ihm zu lesen den Willen des Allmächtigen. Bis die Freiheit wieder in die Welt käme, sollte die Poesie ihre Stelle vertreten. Während der Übermut der Gewaltigen selbst nach den Sternen des Himmels die verbrecherischen Hände ausstreckte, nagte der Mann der Hütte an der harten Rinde seines Brotes.

Tränen waren sein Salz, und sein Honig sollte die Poesie sein.

Ich habe nur Menschen geschaffen, rief der Herr, und das Geschlecht des Niedrigsten ist so alt wie das des Höchsten! Wenn mein Bauer müde heimkehrt am Abend zum häuslichen Herde, so soll er ein Lied haben und wissen, daß auch er von fürstlichem Stamme; wenn ihm das Joch zu schwer wird auf seinem Halse, so soll er einen Sang vernehmen, der ihn fortreißt in die Männerschlacht und ihm den Dolch zwingt in die freie Hand. Und er erweckte sofort eine Nachtigall auf den sieben Inseln, und die Nachtigall hieß Homer. Da aber die Nachtigallen am schönsten singen, wenn sie blind sind, so war auch der erste Dichter des Volkes blind.

Nicht mehr im blumigen Grase, auf dem Purpur der Könige knieten die Dichter, nicht mehr von den Lilien des Feldes, von den Lilien in den Wappenschildern der Großen sangen sie; es gab nur noch eine Poesie des Palastes, keine Poesie der Hütte mehr. Auch die Armut und das Elend wollte seinen Dichter und seinen – Rächer haben, und der Herr erweckte eine neue Nachtigall, jene »Nachtigall mit der Adlersklaue«, und taufte sie Béranger. Die Nachtigallen aber kennen nur den Klang ihres Liedes, und so kennt auch der zweite Dichter des Volkes keinen andern.

Mein Märchen ist aus; ich will es morgen deuten. Von einer dritten Nachtigall habe ich noch nichts erfahren.

Wir leben zugleich in einer doppelten Atmosphäre, in einer sinnlichen und in einer übersinnlichen. Der Umfang, die Ausdehnung beider sind dieselben, und ihre Grenze ist die Grenze des Alls. Die übersinnliche entspricht der sinnlichen bis ins einzelne; sie ist überall vorhanden, aber an den verschiedenen Orten in verschiedenen Gestalten. Sie hat ihren blauen Himmel und ihren trüben Dunst, sie ist gewitterschwül und frostig, niederdrückend und luftig, sie hat ihre Meteore wie die sinnliche. Noch war kein Land der Welt so unglücklich, daß ihm dieses übersinnliche Fluidum gemangelt hätte, in dem die Geister leben und atmen. Wie jede menschliche Brust die irdische Luft einsaugt, so ist auch jedermann eingeladen, die himmlische, geistige einzuatmen. Vor großen Verkehr der Geister ist niemand ausgeschlossen, und der Geringste wie der Höchste nimmt Anteil an demselben der eine unmittelbareren, der andere mittelbareren.

So wurde denn auch die Literatur, das Gedankenarchiv der bevorzugten Geister, von jeher als das Eigentum des Volkes betrachtet, als das ewige Kapital, von dem die ganze Mit- und Nachwelt zehren dürfe. Nicht für diese, nicht f, jene Klasse, für alles, was denken konnte, war von Anbeginn gedacht und gesungen worden. Dichter waren die frühesten Erzieher des Menschengeschlechts, nach ihnen kam die Philosophen. Nur die letztern bedurften Mittelspersonen und Unterhändler: die Dichter wandten sich geradezu die Nation und wurden verstanden.

Dieses allgemeine Verständnis nahm im Laufe der Zeit immer mehr ab; es wurde eingeschränkter, in je reicheren Gestaltungen der Weltgeist auf Erden sich offenbarte. Wo einst ein Sänger und Dichter von Millionen begriffen wurde, da werden jetzt oft zehn Dichter nicht von tausend Menschen begriffen. Deren, die schreiben, sind beinahe mehr als der die lesen. Es gibt in der modernen Welt mehr einzelne über die Masse sich erhebende Talente, dafür aber bei weit weniger durchschnittliche Bildung.

Je vielseitiger und tiefer unsere Literatur geworden desto mehr wurde sie dem Volk im eigentlichen Sinne, den unteren Kreisen der Nation, entfremdet.

Bei den Alten war die Poesie eine ewige Hymne auf Freiheit, bei uns ist sie ein Ersatz für dieselbe, ein Trost ihren Verlust. Der Jubel hat nur eine, allen verständliche Sprache, das Elend braucht tausenderlei Ausdrücke und Wen- dungen. Die Alten hatten ein ganzes, gesundes Herz, haben lauter gebrochene Herzen. Das Christentum hat auf die Freimachung des innern Menschen angewiesen, damit einst unsere Befreiung nach außen mehr Erfüllung und Gehalt habe. Der ungläubige Heide ließ sich keinen Schein für die Zukunft ausstellen, sondern wollte immer und in jedem Augenblicke jedem andern gegenüber der freie Mann sein. Freiheit war die Parole der alten Völker, Freiheit das Panier, unter dem sich alle versammelten; Freiheit und Nationalität waren Worte, die jedes griechische Herz, die jeder griechische Kopf begriff. Das Raffinement unserer Gefühle war den Alten unbekannt; bei ihnen gab es für alle immer eine Freude, einen Schmerz, eine Leidenschaft; bei uns hat jeder seine absonderlichen Privatschmerzen und Privatleidenschaften. Jeder ist sich selbst der Nächste geworden, und er singt nur, was ihm behagt, was ihn quält, und fragt nicht darnach, ob er damit auch eine Saite am Herzen seines Volkes berühre.

Ob wir mit so tiefsinniger Versenkung in uns selbst gewonnen oder verloren, wer will entscheiden? Glücklicher, glaube ich, sind wir nicht geworden.

Zu diesem Mangel an einem großartigen nationalen Interesse, zu diesem innern Unterschiede antiken und modernen Lebens, der Dichter und Volk so streng auseinanderhält, kommt noch ein äußerer Grund, welcher den unmittelbaren Einfluß der Literatur auf die Nation erschwert.

Bekanntlich wurde erst zur Zeit Herodots der Gebrauch des Wortes »Dichter« allgemeiner. Bis dahin hatte man nur von Sängern gewußt und damit ausgedrückt, daß die Poesie eigentlich gehört, nicht gelesen werden solle. Während bei unserer schlechten Bühnenverfassung selbst die besten Werke dramatischer Kunst nur zu Hause im stillen Kabinette gelesen werden, war bei den Griechen dies nicht einmal mit den epischen Dichtern der Fall. Auch Herodot trug seine Geschichte dem versammelten Volke vor.

Man hat schon gesagt, die Unpopularität der heutigen Dichter sei ein Beweis für deren größere Tiefe und Schönheit. Allein gibt es ein wundervoll tieferes Buch als die Bibel? Singt die Nachtigall der sieben Inseln, Homer, nicht so schön, als nur je blinde Nachtigallen gesungen haben? Und Béranger, die »Nachtigall mit der Adlersklaue« wer übertrifft sie am unsterblichsten Humor?

Wir wollen sie nicht zurückwünschen, die alten Zeiten; wir wollen nicht verkennen, welch ungeheurer Fortschritt auch in den scheinbaren Gebrechen der unsrigen sich offenbart; wissen wir doch, daß die Befreiung des innern Menschen uns einst die äußere Freiheit um so sicherer garantiert. Aber jener bärtige Grenadier, den ich in einem deutschen Theater sprach hatte nicht so unrecht, wenn er sagte, der Spektakel aber tauge nichts, so viele Kronen bringen sie doch nie zusammen, als er in Dresden beieinander gesehen. Gewiß ein leiser unbewußter Vorwurf gegen unsere Geistesaristokratie. Die Poesie der Hütte, die eben in Béranger einen so beredter Anwalt gefunden, wird von unsern deutschen Dichtern völlig vernachlässigt. Es ist viel Großes, Herrliches geschrieben worden in unserm Jahrhundert, eine Menge bedeutender sozialer Fragen wurde in der jüngsten Zeit in poetischer Weise von den tüchtigsten Geistern erledigt, man kann sich nur freuen über die schaffenslustige Regsamkeit in der neuester literarischen Epoche – aber man betrachte einmal der Reihe nach die Stoffe, welche die verschiedenen Dichter sich zur Behandlung gewählt haben, wird das Verständnis derselben sich über die Mittelklasse der Nation hinaus erstrecken? Wieviel setzen nicht die schönen Romane, Blasedow und Münchhausen, voraus! Immer das Beste ist in einer Art abgefasst, daß nur der Literat zur vollkommenen Erkenntnis desselben durchdringen kann. Von Uhland ist allerdings manche! volkstümlich geworden – was wollen aber selbst zwölf Auflagen bedeuten, wenn man bedenkt, daß keine stärker war als tausend Exemplare?

Dichter, die jeder Stufe der Bildung zugänglich sind, besitzen wir zurzeit noch keine. – Ich bin nicht so einfältig zu verlangen, daß der »Musenalmanach« z. B. in Zukunft so eingerichtet sein sollte, daß sein Verständnis gar keine Bildung erforderte ich halte einzig für wünschenswert, daß die guter Schriftsteller zuweilen auch in einer Weise schreiben, die nicht einer jahrelangen Vermittlung bedarf, bis die Quintessenz des geistigen Gehaltes unter das Volk kömmt. Das Volk der Hütte hat so gut seine Poesie als der Faulenzer im Palaste, so gut seine geheimen Schmerzen und Freuden als die Leute, welche sich zu den Gebildeten zählen. Da wird immer von Heranbildung der Nation gesprochen – wie ist aber eine solche möglich, wenn unsere großen Geister es verschmähen, sich zu ihr herabzulassen, und ihre Puppen immer aus der vornehmen Sphäre entlehnen. Das Volk hat für echte Poesie immer einen glücklichen Sinn; man versuche nur, ihm direkt gegenüberzutreten, sich direkt an die Massen zu wenden, im Volksliede, im nationalen Drama. Es ist freilich auch der strengste Richtet und wird sich nie von abgestandenen Ideen betören lassen, an welche die Menschheit den Glauben verloren hat.

 

 

Georg Herwegh

Platens Lieder und Romanzen

Ihr könnt mich nur nach leichten Worten messen,
In diesen Busen konntet ihr nicht sehn:
Ach, jeder Schmerz ist nur ein Selbstvergessen,
Und jedes Lächeln kommt mich hoch zu stehn.

Man hat es vielleicht kaum begriffen, manche allzu leidenschaftliche Freunde haben es mir wohl gar bitter verdacht, daß ich einen Mann, der nie in die nächste Berührung mit dem Volke gekommen, so hastig und begeistert in die Reihe der Demokraten eingeführt habe. Das ist eben der beklagenswerte, unverzeihliche Fehler unserer Partei, daß sie überall sogleich abspricht, wo sie nicht den unmittelbarsten Ausdruck ihrer Sinn- und Denkweise findet, daß sie so blind ist, den Genius der Freiheit zu verkennen, wenn er einmal statt der Jakobinermütze den Lorbeer trägt. Das Auditorium eines Dichters ist immer zahlreicher als das eines Publizisten; der Demokrat sollte daher mit viel weniger Mißtrauen und weit mehr Liebe an einen Sänger herangehen, der, wenn er auch keine Adressen verfertigt und keine Broschüren über Preßfreiheit verfaßt, doch in seiner Art das gleiche mit den Edelsten seiner Zeit angestrebt. Auch der beste Staat hat für den Einzelmenschen erdrückende Institutionen, und solange es Dichter gibt, haben sich dieselben in Opposition gestellt mit den Satzungen der Politik. Das harmloseste Lied ist, wenn man Konsequenzen daraus ziehen wollte, hochverräterisch. Eine Seite der Freiheit wird der Welt nie verlorengehen, und das ist die Seite, welche sich in den Sängern der Völker herausgebildet; die Subjektivität wird ewig Protest einlegen gegen jegliche Beengung durch die Objektivität. Mit dem ersten Dichter wurde der erste Protestant geboren; schon Homer war ein Protestant. Der Protestantismus war dem Begriffe nach längst in der Poesie vorhanden, ehe die Religion noch den glücklichen, zutreffenden Ausdruck für denselben gefunden hatte. Glücklicher Ausdruck? Ach! unsere schönsten Gedanken klingen in fremden Lauten an unser Ohr, und vielleicht nicht ohne Bedeutung ist es, daß das herrliche Wort »Demokrat« das Wort eines untergegangenen Volkes ist!

Sonderbar, um wieder auf die Dichter zurückzukommen, ist es, daß sie gerade von Dichtern am schmerzlichsten Mißverstanden werden. Hinter jeder trüben Wolke soll allerdings das Morgenrot der Versöhnung lauschen – die trübe Wolke selbst aber darf nicht wegdisputiert werden, man muß ringen mit ihr, um durchzubrechen zum Frieden. Herr Prutz, der doch selbst Dichter ist, will in den »Halleschen Jahrbüchern« alle Poeten zum Glücke kommandieren und kann nicht begreifen, wie es in einer so hübschen Zeit, als die unsrige ist, so viele Mißgestimmte gebe, warum nicht von jeder Leier ein Halleluja erklinge auf die göttliche Notwendigkeit und Hymnen des Dankes erschallen an den Weltgeist für unsere artigen Zustände. Prutz will die Poesie auf das Postament der Philosophie hinaufschrauben und verlangt Dinge von den Dichtern, wodurch die Dichter eben aufhören würden, Dichter zu sein. Die Herren wollen doch sonst allem möglichen in der Welt seine Berechtigung vindizieren, warum nicht auch diesem Laut des Schmerzens, der durch alle Dichtungen der Gegenwart hindurchklingt?

Diese Unzufriedenheit, dieses Mißbehagen schützt uns vor der Verknöcherung unserer jetzigen Lage und trägt sein gutes Teil dazu bei, die Weltgeschichte im Fluß zu erhalten. Ich beklage einen Dichter, ich beklage ein Volk, das zufrieden ist.

Die Nation urteilt immer gerechter als die Kritik, und keine hochtrabende Phrase ist imstande, sie Männern abspenstig zu machen, die sie einmal für ihre Lieblinge erklärt hat; sie läßt eher zehn Philosophen als einen Dichter untergehen, und wird sich die Liebe zu ihrem Nikolaus Lenau, zu ihrem Anastasius Grün, zu ihrem Adelbert Chamisso, selbst zu Heine, wo er seine Unarten nicht zur Schau trägt, nie rauben lassen. Sie wird es mit Gleichgültigkeit anhören, wenn man ihr vorsagt: dieser Reim ist unecht, dieses Bild ist zu weit getrieben, diese Farbe zu stark aufgetragen; sie wird ewig glühend den Sänger ans Herz drücken, der ihren liebsten Regungen Sprache verliehen, ihrem Kummer Worte gegeben, ihr Elend in Harmonien gebracht, der ein Spiegel ist, in dem sie sich selbst anschaut.

Zuweilen begegnet es, daß mutwillige Kritiker ein Vorurteil erwecken gegen einen Schriftsteller, das erst viele Jahre nachher mit Mühe und Not ausgerottet werden kann. Es ist dies der Fall mit August Platen, dessen Zukunft man seit seiner »Verhängnisvollen Gabel« und dem »Romantischen Ödipus« schon zum voraus beiseite gelegt hatte. Die Masse des Volks hat man ihm abwendig gemacht, und meine Aufgabe soll sein, von Zeit zu Zeit nachzuweisen, welche mit unserm ganzen Wesen und Treiben verwandte Töne in seinen Liedern zu vernehmen sind, wenn man das richtige Gehör besitzt, wie wir, trotz seiner oft schroffen Eigentümlichkeit, uns selbst ganz wiederhaben in seinen Dichtungen ...

 

Georg Herwegh

Die Literatur im Jahre 1840

Ein neues Dezennium! Viel schwüle Luft hat sich wieder gesammelt in den Tälern und auf den Bergen. Wird sie milde als Regen niederträufeln oder donnernd in Gewittern sich entladen? Wird die alte Juliussonne auf Blumen oder auf Schlachtfelder scheinen? Wir es ein Sänger, wird es ein Held sein, dessen die Menschheit bedarf? Wird der Fernhintreffer seine Leier spielen oder seine Pfeile absenden? Wird es Blut geben, und wem wird es den Purpur färben? Ich weiß es nicht, will es nicht wissen.

Der Friede ist mir teuer, denn ich liebe die Musen; aber ich fürchte den Krieg nicht, denn ich liebe die Freiheit. Wir sind nicht mehr jene kindischen Poeten, welche jammern und winseln, wenn ein Kanonenschuß bei der Feile eines hübschen Verses sie stört; wir stürzen hinaus, wenn es draußen wogt und stürmt, und zerschlagen getrost unsere Harfe, ehe sie in die Hände eines Moskowiten fällt. Unser Glaube ist einer mit dem Glauben der Menschheit; das Schöntun mit schönen Träumen hat aufgehört, es ist etwas anderes als ein Kaiser, der im Kyffhäuser schläft, etwas anderes als der alte Barbarossa, auf das wir warten.

Nicht jeder besitzt den unvergleichlichen Mut des Herrn Wolfgang Menzel, aus der Hand des Schöpfers wie ein Zigeuner die Geschichte der Zukunft oder die Zukunft der Geschichte zu erraten. Der Weltgeist ist zuweilen ein Weib und hat Launen. Er spottet der Buchhändlerspekulationen.

Wir wollen der Zukunft kein Horoskop stellen, wir wollen nicht prophezeien, wir wollen nur ahnen und ahnen lassen, nur Andeutungen geben.

Ich wollte über Literatur schreiben und habe mit der Politik angefangen. Natürlich! Das Abzeichen der modernen Literatur ist es eben, daß sie ein Kind der Politik, deutscher gesprochen, ein Kind der Juliusrevolution ist. Das sind nun zehn Jahre her, und sie hat bei keinem der besseren Schriftsteller ihre Mutter verleugnet. Selbst das industrielle Element, das in den jüngsten Tagen so überwiegend in ihr geworden ist, beweist durch unverfälschte Aktenstücke diese ihre Abkunft. Man möge unbesorgt sein: Dieser literarische Krämersinn wird in Deutschland so gut seine Endschaft erleben wie der politische in Frankreich. Die Freiheit hat in dem letzten Dezenium nur Studien gebracht, die Literatur vielleicht auch. Die Irrfahrten, die Odysseen werden bald aufhören; die Zeit war eine Penelope, die bei Nacht das Gewebe immer wieder auftrennte, das sie bei Tage gefertigt; ihre unverschämten Freier werden sie nicht lange mehr umlagern; der Erwählte wird kommen und das Gewebe vollendet werden. Was sie darauf sticken wird? Ein Schwert oder eine Feder? Auch das weiß ich nicht. Und wüßt ich's, würde ich es nicht verraten, noch einmal.- Die neue Literatur ist ein Kind der Juliusrevolution. Sie datiert von der Reise Börnes nach Frankreich, von Heinrich Heines Reisebildern. Sie datiert von der Opposition gegen Goethe.

Von der Opposition gegen Goetbe? Ja! Ich liebe Goethe, ich weiß, daß er der größte Künstler ist, den Deutschland geboren; ich weiß, daß seine Gedanken das lautere Gold des Herzens und der Vernunft – ich finde die grundsätze fluchwürdig, aus denen ihn z. B. Menzel angefochten; aber Goethe war kalt, indifferent, er sympathisierte nur mit der Ewigkeit, nicht auch mit der Zeit, die ein integrierender Teil von jener ist. Und die Zeit forderte Sympathien. Nur wer ihr diese bewies, wurde von ihr auf den Schild gehoben. Wir haben die Opposition gegen Goethe auf ein sehr bescheidenes Maß zurückgeführt; wir sind uns bewußt, hinter der reinen Schönheit seiner Produktionen noch unendlich zurück zu sein und dennoch haben wir gewonnen. Statt der Höfe ist das Volk der Mäcenas seiner Talente geworden. Mit der Buchhändlerbörse in Leipzig wurde der oberhoheitlicbe Schutz für unsere Dichter entbehrlich.

Die Muse der Geschichte hat die ersten Blätter der neuen Literatur geschrieben. Ich erinnere an Börnes »Briefe aus Paris«, an Heines »Französische Zustände«. Die deutsche Professorennatur wird im einzelnen immer viel an solchen Büchern auszusetzen haben und mit ihrer historischen Nase tausend Gebrechen an denselben hervorspüren. Den Kritiker kümmert das wenig. Für sind es Bücher, die eine Richtung geben, für ihn steht ihr Wert fest. Lessing, Klopstock, Goethe, Schiller – wer von ihnen hat sich für die Geschichte der Zeit in ihrem Detail interessiert? Wer von ihnen ausschließlich einer Partei mit Begeisterung sich angenommen? Keiner. Der jungen Literatur war dies aufbehalten. Hier erst findet sich ein politischer Glaube neben dem poetischen. Welcher Natur dieser Glaube ist, ward von uns schon bei verschiedenen Gelegenheiten nachgewiesen. Das Prinzip der neuen Literatur ist, um es zum tausend und ersten Male zu sagen, das demokratische.

Durchgängig und zuerst machte sich die literarische Revolution im Stil bemerklich. Es ist eine ganz neue Sprache, die man im letzten Jahrzehnt geschrieben. Sie ist rasch wie der Gang der Zeit, schneidend wie ein Schwert, schön wie die Freiheit und der Frühling. Die Sätze verraten eine beinahe ängstliche Hast, sie sind kurz; was man behauptet, für das steht man auch ein; die Rezensenten haben das Wir abgeschafft und das kecke Ich an seine Stelle gesetzt.

Börne hatte in Paris keine Muße, Gedichte zu schmieden, er mußte all seine Blumen zur Prosa verwenden; Heine ebenso. Unsere Prosa ist viel mit Poesie versetzt worden, gewiß nicht zu ihrem Nachteile. Die Schönrednerei einiger Literaten darf uns ja nicht verführen, über diese ganze stilistische Tendenz den Stab zu brechen.

Das Schwert der Revolution wird in der Literatur immer zunächst zum kritischen Messer. So war denn in den Tagen nach der Juli-Umwälzung die literarische Tätigkeit der Deutschen hauptsächlich eine publizistische. Die Aufmerksamkeit der Nation war auf die politischen Journale gerichtet. Erst als das Stuttgarter Literaturblatt geistig sich überlebt hatte und die politischen Organe mehr eingeschränkt wurden, trat mit dem »Literaturblatt« zum »Phönix« eine Reformation in der Literatur ein. Die poetischen Heroen ausgenommen, ward allen Novellen – und Romankünstlern vor dem Jahre 1830 der Handschuh hingeworfen. Man schätzte nach wie vor ihr formelles Talent, zog es sogar dem der jüngeren Posten vor; aber man vermisste etwas bei ihnen, für das einem die sprachliche Glätte, die gute Konzeption, die ironischen Hiebe keinen Ersatz boten – das war der Charakter der neuen Zeit, die Sympathie mit der Nation. Die Schönheit sollte keineswegs der Tendenz geopfert werden. Die Schönheit wurde beibehalten als das oberste Gesetz jeder Ästhetik; nur verlangte man von ihr; sie solle sich des Streites begeben mit ihrer gleichgöttlichen Schwester, der Freiheit, sie solle Arm in Arm wandeln mit ihr.

Produktiv machte sich die junge Literatur lange Zeit hindurch nur in der Lyrik geltend. Anastasius Grün schrieb seine »Wiener Spaziergänge«, ihm folgten Nikolaus Lenau mit seinen schönen Polenliedern, Julius Mosen mit seinen revolutionären Romanzen und Balladen. Die Initiative hatte Heinrich Heine mit seinem »Buch der Lieder« gegeben, der allerdings nicht nur für seine Ideale, sondern auch für seine >Launen alle nur mögliche Freiheit in Anspruch nahm, an den aber doch seine sämtlichen lyrischen Gegner und Rivalen nicht hinaufreichten. Was diese Leute so sehr an Heines Gedichten tadeln, den unversöhnenden Schluß, wie sie so unausstehlich sich ausdrücken, so mögen sie versichert sein, daß Heine denselben gar leicht einen sentimentalen Schwanz anhängen könnte, wenn er nur wollte. Er will aber einmal nicht. – Als Politiker, als Kritiker werde ich Heine, namentlich gegenwärtig, nicht anerkennen; den Poeten aber lasse ich ihm nicht streitig machen.

Erst in den zwei letzten Jahren hat sich die neue Literatur auch in andern Gebieten produktiv hervorgetan. Laube, Kühne, Mundt sind nicht über die Kritik hinausgekommen, dagegen haben sich viel junge Sprossen als Ersatzmänner eingefunden. Wie tief der komische Roman, der mit so viel Glück angebaut wird, in unser Leben eingreifen wird, läßt sich noch gar nicht berechnen. Wieviel läßt sich in dessen Bereich ziehen! Er kann der eigentliche Hebel der Zeit werden.

Nach dem komischen Roman ist es hauptsächlich das Drama, das einer neunen Blüte entgegensieht. Der komische Roman und das Drama werden es auch sein, dem wir in diesem Jahre das Schönste zu verdanken haben werden, wenn uns das Schicksal verdammt, noch länger mit der bloßen Poesie uns zu begnügen. Doch – wir haben vielleicht wenig Muße mehr, in ein Theater zu gehen!

 

 

Georg Herwegh

Eröffnung

Das äußere Leben einer Nation ist nur das halbe Leben derselben. Mag dies eine Wahrheit sein, die man auf der Straße findet, unsere Publizisten scheinen sie doch gar nicht zu kennen oder beobachten sie wenigstens nicht genugsam, sie hätten sonst längst die löbliche Gewohnheit der französischen politischen Blätter nachgeahmt und der Besprechung der literarischen Interessen unseres Volkes eine Spalte in ihren Journalen eröffnet. Es ist rein unmöglich, das eigenste Wesen des Deutschen zu verstehen, ohne seine Literatur, seine seine Poesie. Können wir auch nicht gerade bis zur Evidenz erweisen, welche wirkliche Taten aus den Schöpfungen unserer ersten Dichter und Denker hervorgeblüht, wie die Franzosen den Ursprung ihrer modernen Helden teilweise ganz speziell auf Racine und Corneille zurückführen – so viel wissen wir, ein unentbehrlicher Kommentar zum Leben unseres Volkes bleibt dessen Literatur immerhin.

Es ist eine Lüge, daß unsere Gedanken schon zensiert auf die Welt kommen, wir besitzen die schönste, wahrhaftigste –Republik, unsere Literatur. Die Anarchie, die unleugbar gegenwärtig in ihr herrscht, ist vorübergehend, und alles weist auf eine baldige Lösung der literarischen Wirren hin. Zu dieser Lösung will auch die »Deutsche Volkshalle« beiragen und eröffnet hiemit eine Nische für Kunst und Poesie, für die Literatur in ihrem ganzen Umfange, in ihren verschiedensten Verzweigungen, eine Nische, groß genug für unsere größten Geister, aber zu klein für das Standbild eines literarischen Thersites, eines Johannes Minkwitz oder Friedrich Carovè.

Die Literatur und, genauer bestimmt, hier die Kritik, muß der Politik unter die Arme greifen. Hat die Politik die Aufgabe, den Bürger zu emanzipieren, so übernimmt die Literatur das vielleicht nicht minder schöne Amt, den Menschen in uns frei zu machen. Die Reform hat sich nicht auf den Staat zu beschränken, auch das stille, geistige Schaffen des Volkes nimmt die Aufmerksamkeit des Publizisten in Anspruch; äußeres und inneres Leben darf nicht mehr getrennt, beide müssen in Beziehung zueinander gedacht, beide durch einander erklärt werden. Nicht nur von außen her, von oben herab, auch von innen heraus muß uns geholfen werden.

Der Zweck, welchen die »Deutsche Volkshalle« vor Augen hat, ist kein anderer als der, wofür die Menschheit von jeher gestritten, wofür namentlich in den letzten Jahrzehnten so viele Tüchtige mit der besten Kraft ihrer Seele gekämpft, so mancher Wackere seine bürgerliche Existenz aufgeopfert. Der kritische Teil der »Halle« wird hierin dem politischen treulich zur Seite stehen. Beide streben das gleiche an, Verbesserung unserer Zustände, und unterscheiden sich nur in der Wahl der Mittel, indem der letztere die Literatur zu Hilfe nimmt. Wir dürfen über dem Bürger nicht den Menschen vergessen, über die Politik nicht die Poesie. »Nicht Kirche und Staat, die freie Persönlichkeit des Menschen ist die erste und Hauptinstitution der Gesellschaft, und eine Hauptstelle, wo die Aufgabe der Jahrhunderte sich jetzt erkennen läßt, ist der stille Busen, das menschliche Herz.« So sei mir denn jeder willkommen mit den Schätzen, die er in dem stillen Busen, in dem menschlichen Herzen erbeutet hat, er soll an mir einen gerechten, nach Umständen enthusiastischen, immer aber seines Amtes wohl bewußten Kritiker finden. Werde ich mich auch Erscheinungen mit Vorliebe hingeben, in denen das Herz der Zeit pulsiert, es soll mir doch nie begegnen, daß ich bedeutsame Individualitäten unter Standpunkte nötige, wodurch die persönliche Berechtigung derselben geschmälert werden könnte. Ich werde die Feinheiten ästhetischer Kombination so gut zu schätzen wissen wie den großartigen Gedanken, der eine Produktion beherrscht. Nur was zusammenhanglos dasteht mit dem Leben der Nation oder gar deren Interessen verletzt, werde ich mit unerbittlicher Strenge bekämpfen ...

 

Georg Herwegh

Der Mangel politischer Bildung bei den deutschen Literaten

Man kann einen Dichter entschuldigen, wenn er sich auch nicht gerade tatsächlich mit den Fragen beschäftigt, weiche die Herzen der Besten seiner Zeit bewegen, wenn er sich zurückzieht in die stille Klause seines Gemachs, unbedrängt vom lärmenden Geräusch des Tages, und dort, in sich versunken, über der Erschaffung neuer poetischer Gestalten brütet. Aber nimmermehr zu entschuldigen ist er, wenn er seinen Sinn für jene Fragen förmlich verschließt, verdammungswürdig, wenn er in eine unfreie Opposition gegen dieselben sich stellt.

Die Blätter der »Deutschen Volkshalle« haben schon öfters Zeugnis abgelegt, daß sie die hohe Bedeutung und den unvergleichbaren Wert des poetischen Wortes für die Nation gar wohl zu schätzen wissen; sie haben anerkannt, daß die Wirkung dichterischer Komposition weit ausgreifender, weit universaler ist als das bloße Räsonnement des Politikers oder Kritikers oder auch Philosophen, die alle am Ende mehr auf den Kopf als auf Herz und Gemüt berechnet sind. Unsere letzte Hoffnung haben wir noch auf die Musen gesetzt, und zwar nicht so, daß sie uns bloß beruhigen sollten über eine unerträgliche Gegenwart – denn für den Verlust der Freiheit gibt es wenig Trost –, sondern daß sie uns anfeuern und begeistern sollten zur Eroberung eines längst verlornen Kleinods. Wenn wir hiemit der Poesie eine der ersten Rollen in der Weltgeschichte zugeteilt haben, so haben wir zugleich auch das Ansinnen und die Forderung an sie gestellt, daß sie sich nicht zur Kupplerin erniedrigen und nicht mit neuen Lappen alte Märchen flicken solle, die ihren Sinn verloren.

Man möge uns aber nicht mißverstehen. Mit solchem Ansinnen haben wir keineswegs die Meinung ausgesprochen, als sollte der Dichter nur die Heroen der Weltgeschichte, die Streiter im Dienste der Wahrheit, die Kämpfer für Recht, die Schildhalter der Freiheit zu seinem Vorwurfe erwählen, nur solche der poetischen Behandlung für würdig erachten, Shakespeare hat uns Schufte jeder Gattung vorgeführt, vorgeführt, wie es allein der Dichter durfte, ganz objektiv, wie sie waren, wie sie sind, wie sie leibten und lebten, in all ihrem trüben Glanze, ihrem trostlosen Prunke, ihrem blühenden Elend. Sie wurden oft mit grausamer Vorliebe von ihm behandelt, sie schienen vier Akte hindurch fast im Besitze des Rechts zu sein, bis im fünften Akte das Gericht über sie erging und der Dichter sie mit ihrem Gold und ihrem Purpur und allen ihren schönen Redensarten dem Teufel überantwortete.

Hier liegt es eben. Der Dichter darf alle möglichen Figuren der Geschichte, der Vergangenheit und der Gegenwart, in poetischen Produktionen uns vor Augen führen; er darf einen Dionys und einen Möros, jeden in seiner individuellsten, konkretesten Wahrheit darstellen; aber er darf den Schurken nicht recht behalten lassen, das Gift nicht mit Honig überkleistern.

Die einfachste Definition von Verbrechen ist: Eingriff in die Rechte eines Individuums oder einer Gesamtheit von Individuen; Schmälerung der persönlichen Freiheit, Beeinträchtigung derselben in irgendeiner Beziehung.

Der Dichter ist Richter im höchsten, umfassendsten Sinne des Wortes und wird daher nie gutheißen können, was der Freiheit von der res privata an bis zur res publica hinauf im geringsten Eintrag tut.

Wird die Freiheit des einzelnen von irgendeiner weltlichen Macht angegriffen, so hat er mit seinen Blumen stets das Opfer, niemals den Schlächter zu bekränzen. Nur zum Richter der Weltgeschichte selbst, zum Richter des Schicksals darf er sich nicht aufwerfen. Hier muß er mit wahrhaft frommem Sinne anerkennen, daß die augenblickliche scheinbare Aufopferung der persönlichen Freiheit der Freiheit im ganzen und großen zuliebe stattfindet.

Die Erhebung beklagenswerter Erscheinungen, solange sie im Rechte und in der Macht sitzen, in die Atmosphäre der Poesie, ist und wird ewig eine Lüge bleiben. Wie kalt, wie trostlos kalt läßt einen nicht Lamartines »Chant du Sacre«, welcher die Feierlichkeiten bei der Krönung Karls X. zum Gegenstande hat! Man muß ein Herz haben wie ein Bourbon, um von dieser toten Pracht im mindesten sich rühren zu lassen.

Solche Persönlichkeiten werden der poetischen Behandlung erst fähig, wenn sie ihrem Untergange entgegeneilen, und dann sind wieder eigentlich nicht sie es, welche auf Poesie Anspruch machen können, sondern der Sieg der Freiheit, der in ihrem Sturze sich offenbart, die Nemesis der Weltgeschichte, die alles aus dem Wege räumt, was die ungehemmteste Bewegung des Geistes irgend beeinträchtigen könnte.

Aber – hält man entgegen – hat nicht Shakespeare bei jeder Gelegenheit seine Königin Elisabeth verherrlicht, hat nicht Tasso sein »befreites Jerusalem« unter den Auspizien des Herzogs von Ferrara vollendet, hat nicht Goethe als Minister an einem fürstlichen Hofe gelebt, hat es selbst Schiller verschmäht, Unterstützungen von hoher Hand anzunehmen? Willst du darum so ungerecht sein und alles über den Haufen werfen, was sie anerkannt Herrliches dem deutschen Volke und der fernsten Nachwelt hinterlassen? Du wagst es, den Genius anzuklagen, weil seine Füße die Schwelle eines Palastes betreten haben? So würden wir am Ende unserer schönsten Werke beraubt!

Nicht so. Man kann einstimmen in die lauteste Bewunderung, welche solchen Geistern von allen Völkern gezollt wird; man kann tief überzeugt sein, daß der Dichter seinen Beruf, seine Mission erst wahrhaft begriffen hat, wenn er zum Volke sich gesellt, und wird darum doch nicht in Abrede stellen, daß der echte Dichter, selbst im Purpur und in der Tiara, wider Willen predigen muß das Evangelium der Freiheit. Goethe mußte seinen »Faust«, seinen »Werther«, seinen »Egmont«, Schiller seinen »Don Carlos« schreiben; denn der Genius in ihnen war mächtiger als sie selbst.

Aber ihr Leben war ein Widerspruch. Schiller kann noch eher entschuldigt werden als Goethe; er war arm von Mutterleibe an und wollte nur eine sorgenfreie Existenz, um ungestört seinem poetischen Drange sich hingeben zu können; er hat seinen Glauben nirgends verleugnet und ist stets die Schlange im Schoße der hohen Herren geblieben. Doch muß ich, was den Charakter betrifft, auch hier Béranger weit vorziehen, der, arm geboren, arm sterben will und selbst jede Gabe aus den Händen seiner Freunde zurückweist. Loben muß ich in solcher Beziehung einen der größten Maler Frankreichs, den Maler David, der sein ganzes Leben hindurch alle Anerbietungen fremder Fürsten ausgeschlagen, der außer Napoleon nichts gemalt hat als Republikaner und ewig Republikaner; der nach der Schlacht von Waterloo dem stolzen Wellington, der sich von ihm porträtieren lassen wollte, weit stolzer zur Antwort gab: »Ich male keinen Engländer!«

Welchen unberechenbar größeren moralischen Eindruck würden unsere großen Dichter und Denker machen, wenn sie fern von den Palästen in den niederen Sphären des Volkes geblieben wären, wenn sie ihr Leben mehr in Einklang gebracht hätten mit ihren Worten! Sie haben der Freiheit viel geschadet; sie haben so hübsche Verse auf dieselbe gemacht und durch ihre soziale Stellung ihr so schnurstracks entgegen gehandelt! Sie sind schuld daran, wenn von vielen Seiten her die empörende Behauptung laut wurde, wohl sei die Freiheit etwas höchst Poetisches, aber auch etwas höchst Unpraktisches. Sie hätten der bloß einseitigen Freiheit des Dichters, der bloßen ästhetischen Bequemlichkeit nie die Würde des Menschen, die Freiheit des Mannes zum Opfer bringen sollen. Wir wären vielleicht ärmer um einige Produktionen; aber die, welche wir besäßen, würden dann eindringlicher reden zum Herzen der Nation, weil sie aus dem Herzen und Kopfe der Männer kämen, die ihr nahe gestanden.

Verhehlen wir es uns nicht; es liegt auch einigermaßen an uns, daß die größten Genien unseren Kreisen entfremdet wurden. Wir sind oft so lange gleichgültig gegen dieselben und stoßen sie beinahe zurück, bis sie die Aufmerksamkeit erlauchterer Zirkel erregen und man von oben her sich derselben bemächtigt. So haben wir schon manchen verloren, der bei ein wenig Teilnahme der Unsrige geworden und für uns, statt gegen uns in die Schranken getreten wäre. Die Nation sollte die Lenkung ihrer jugendlichen Geister übernehmen und sie für ihren Dienst brauchbar machen.

Das Bestreben der »Deutschen Volkshalle« ist insoferne ein doppeltes: einmal die Dichter für das Volk und dann das Volk für seine Dichter zu gewinnen. Sie hat es mehr mit den werdenden als mit den fertigen Geistern zu tun; sie wird stets so billig sein, bei allen ästhetischen Gebrechen der jungen Literatur das wahre, das demokratische Element derselben nicht zu verkennen, immerhin aber darauf hinarbeiten, daß die Wahrheit auch im Gewande der Schönheit sich zeige. Kämpfen, unerbittlich kämpfen wird sie, wo die Poesie oder Philosophie in den Dienst veralteter oder verkehrter Richtungen genommen wird.

Ich kann hier wohl am leichtesten an einige Erscheinungen der neuesten Zeit anknüpfen.

Die Schriftsteller vor der Julirevolution sind immer noch eher zu entschuldigen als die Schriftsteller nach dem Jahre 1830, welche zwei Revolutionen hinter sich haben, aber dessenungeachtet den Geist des Jahrhunderts böslich verdrehen.

Teils veraltete, teils unfreie Richtungen machen sich seit einiger Zeit im »Freihafen« geltend. Das eben ausgegebene vierte Heft des Jahrgangs 1839 enthält interessante Briefe des verstorbenen Wilhelm Waiblinger an seinen Vater und von Heinrich König, dem freisinnigen Abgeordneten, lehrreiche Aufschlüsse über die neueste russische Literatur. Rudolf Kausler bringt einen zweiten Artikel über Ludwig Tieck und die deutsche Romantik, der sehr wissenschaftlich gehalten ist, jedoch mehr von einer guten, geschickten Verarbeitung fremder, als von einer Fülle eigener Gedanken zeugt.

Unbegreiflich ist es, daß eine so verfehlte Produktion wie »Julius der Dritte, vorgeschichtliche Novelle von M. Eternicht« Aufnahme gefunden. Hier entschädigt einen weder die Kunst für eine falsche Politik noch eine auf der Höhe der Zeit stehende politische Ansicht für die ästhetische Unzulänglichkeit. Der Verfasser gibt sich durchweg die wichtigste Miene von der Welt, und wißt ihr, was als Ziel der deutschen Geschichte zuletzt geweissagt wird? Anschließung Preußens an Östreich, ein deutscher Kaiser aus preußischer Linie und Wiedereroberung des Elsasses und Straßburgs! Und das alles soll vollendet sein im Jahre des Herrn 1850. O quel bruit pour une omelette!

Der zweite Aufsatz, gegen den wir Einsprache tun müssen, führt den Titel: »Hegel und die christliche Freiheit«. Von F. A. Maerker. – Christliche Freiheit! Es ist wahr, das Christentum predigt die Freiheit; der Begriff Freiheit aber war vorhanden, ehe es ein Christentum gab. Freiheit ist Freiheit: nicht tückisch, nicht heidnisch, nicht christlich. Die Freiheit hat nur einen Glauben, den Glauben an sich selbst.

Wie hoch ich Lamennais schätze, davon habe ich in diesen Blättern schon mehrere Male den Beweis gegeben. Und doch kann ich mich mit seiner Art und Weise, die demokratischen Prinzipien aus dem Evangelium abzuleiten, mit seinem evangelischen Radikalismus, nicht ganz verständigen. Er hat dadurch seinen und unsern Gegnern das Recht eingeräumt, auch ihrerseits die Bibel als Beleg zu zitieren. Lamennais hat eine Dogmatik geschrieben, besser, als je ein Theolog sie schreiben wird – wer bürgt uns aber dafür, daß nicht auch die Aristokratie die so allgemein gefaßten Lehren des Evangeliums für ihre Zwecke ausbeuten könnte?

Herr Maerker ist übrigens nur der Vorredner und Übersetzer einer akademischen Rede, welche Hegel bei der dritten Säkularfeier der Augsburgischen Konfession im Jahre 1830 in lateinischer Sprache gehalten hat.

Die Freiheit braucht nicht christlich zu sein; wir dürfen sie nicht aufgeben, und wenn sie ein Heide wäre. Brutus war gewiß ein so freier Mann als Hegel und seine Schüler. Mag alles zuletzt auf die Religion bezogen werden müssen, nehmt wenigstens die Freiheit aus. Diese ist nur von sich selbst abhängig,

Wir sind seit dem Jahre 1830 um einen guten Schritt vorwärts gekommen, und Herr Maerker hätte sich nicht die Mühe zu geben brauchen, diese Rede drucken zu lassen, dem Redakteur des »Freihafens« hätte ich übrigens so viel politischen Takt zugetraut, sie nicht aufzunehmen.

Wozu immer solche captationes benevolentiae?

 

Georg Herwegh

Rettung Platens

Ich kenne keine schönere Pflicht als die, einen Toten in sein Rechte einzusetzen. Seit Platens gemißhandeltes Herz in italischer Erde ruht, hat sich manche freundliche Stimme über ihn erhoben; seit diese Brust voll Lieder in Staub gesunken hat man gerne die Eitelkeit vergessen, die so unbändig darin gehaust. Er hatte bei seinem Leben leidenschaftlich um di Teilnahme des Volkes gerungen und fand sie nirgends al in den Zirkeln der Aristokratie, die seinem stolzen Sinne so zuwider sein mußten. Seine Geburt war vielleicht sein größtes Unglück; sein zweites unsere Unfähigkeit, eine ungewöhnliche Individualität gewähren zu lassen, unser trauriger Hang, alles nach unsern Begriffen ummodeln zu wollen Jedermann soll denken, wie wir denken, jedermann fühlen wie wir fühlen. Nirgends werden so viel originale Naturen totgeschlagen als in Deutschland und England. Ich erinnere in letzterer Beziehung nur an den armen Shelley, der landesflüchtig werden mußte, weil er sich unglücklicher fühlte als die blonden Ladies der britischen Insel, weil ihm der Jammer der Menschheit mehr Sorgen machte als dem Sprecher des Hauses der Lords auf seinem Wollsacke. Ein sonniger Blick des Wohlwollens, und wir hätten die oft marmorkalten Gebilde Platens zum wärmsten Leben erwecken können. Alle Gunst und Gnade von oben tröstete ihn nicht für die beharrlich stumpfe Gleichgültigkeit der Nation.

Unsere großen Geister haben sich schwer an dem Sänger der »Abbassiden« versündigt. Die Freunde Platens waren alle so gewöhnlich, keiner derselben war imstande, den Dichter in seiner Tiefe zu erfassen; das Beste, was sie ihm darbringen zu können glaubten, waren schale Lobhudeleien. Und seine Feinde waren so geistreich! Sie besaßen so viel Witz, so viel grausamen, mordenden Witz! Die Schmähungen Heines hatten die unseligsten Folgen. jeder Pinsel, der nicht wußte, was nur Poesie ist, meinte nun das Recht zu haben, herzufallen über diesen eigentümlichen, in seinem Kerne untadelhaften Geist.

Die Stimmen des Tadels fangen an zu verhallen. Das schönste Denkmal ward August Platen durch Gutzkow in den literarischen Übersichten von Lewalds »Europa« gesetzt. Von Heine verlautet, daß er eingestehe, er habe Platen immer hoch geachtet. Freiligratb sang im »Musenalmanach« von ihm als von einem Dichter, dem, wie wenigen, Dichterfeuer im Herzen brannte. Immermann, welcher Platen in seinem »im Irrgarten der Metrik umhertaumelnden Kavalier« und namentlich in seinem »Tulifäntcben« so herb angegriffen hatte, hat sich eines andern besonnen und gesteht in seinem »neuen Münchhausen« wenigstens: »Der Graf von Platen kommt in die Walhalla, und er gehört auch hinein, trotz aller seiner Torheiten und Mißgriffe.«

Darüber herrscht kein Zweifel mehr, daß er ein Dichter, ein echter Dichter gewesen.

Er hat sich noch einen andern Anspruch auf unsere Liebe erworben durch seine freie, großartige Gesinnung. Die Cottasche Gesamtausgabe hat viele Lieder Platens ausgeschlossen, die soeben in einer andern Buchhandlung unter dem Titel »Gedichte aus dem ungedruckten Nachlasse des Grafen August von Platen-Hallermünde« erschienen sind. Seine Polenlieder sind das Herrlichste, was je auf dem Grabe von Helden gesungen wurde, und er schlägt die Harfe mit göttlichem Zorne. Ihm war in den hohen Regionen bei weitern nicht so heimisch zumute, wie sein Stand glauben lassen könnte; ein guter, der beste Teil seines Herzens gehörte dem Volke an. Wir wollen ihm verzeihen, daß er geschrieben:

Du weißt es längst, man kann hienieden

Nichts Schlechtres als ein Deutscher sein!

Wir wollen ihm verzeihen, um der Verse willen, die er an einen bekannten Dichter, der einst selbst Freiheitslieder gesungen, gerichtet hat.

Die Feder Marats, wieder in Blut getaucht,

Steht auf und lehrt scheuseliges Henkertum.

Die Feder Marats? Nein, die deine

Wahrlich abscheulicher, zehnmal, ist sie.

Er schrieb für Freiheit, mindestens wie er sie

In seiner teuflisch kochenden Brust verstand:

Du glühst für Knechtschaft, willst Vernichtung

Predigen über ein ganzes Volk uns.

Nicht bloß sie selbst, ihr Name sogar – es spricht's

Dein feiler Mund – soll schwinden und untergehn:

Nur dich hinweg, dich, Name Polens!

Rufst du, dir schreib ich es nach mit Schauder.

Ihr Name selbst? wie kränkte der Name dich?

Ihr Name bleibt, und gingen sie selbst zugrund!

Er ward mit Heldenblut geschrieben,

Menschlichem Ruhme die schönste Sternschrift.

Du freilich wichst demütigen Schritts zurück,

Wenn fremde Macht anfiele das Vaterland.

Sie starben, ja, doch nicht entgingst du

Ihrem gebrochenen Heldenblicke.

Sie schrecken dich im Tode sogar, und nach

Dem Tod verfolgt dein schnödes Gedicht sie noch.

O seltne Großmut! Solche Seelen

Nährt der entartete deutsche Boden!

Du höhnst den Leichnam, aber ich leg indes

Dies kurze Lied auf mächtigen Aschenkrug:

Hier liegt ein Volk! und dort bei dir ging

Menschengefühl in Sophistik unter.

 

 

 

Georg Herwegh

arbeitete für die von Karl Marx redigierte

Rheinische Zeitung

 

in Englisch:

Brief von Marx an Herwegh

Marx To Georg Herwegh [155a]
In Paris

MECW Volume 38, p. 119;
Written: 8 August 1847;
First published in: 1848. Briefe von und an Georg Herwegh, Munich, 1896;

 

Brussels, 8 August 1847

Dear Herwegh,

I hasten to acknowledge receipt of your letter. I learn no more from it than I already knew in advance, namely that the whole thing was the most miserable piece of tattle. All I wanted was a few lines from you in order to show Engels in black and white the nature of German petty bourgeois gossip in Paris. I assure you that, since I moved from Paris, and despite all the precautions I have taken to make myself unfindable and inaccessible, these old women have continued to pursue me with trifles of this kind. Only by being excessively rude can one free oneself of these fools.

I am only sorry to have disturbed you with such stuff in your retreat. — It’s typical of these old women to want to hush up and sugar over any genuine party struggle while mistaking for revolutionary activity the German habit of gossiping and making trouble. Les malheureux. [the wretches] Here in Brussels we don’t suffer from that misère at least.

The Prussian Embassy here has been vigilantly shadowing and observing Bornstedt in order to catch him out in some transgression or other. At last they've succeeded. They denounced him and brought down 3 actions on his head: 1) fiscal, for contravening the stamp law, 2) political, for saying in his paper that Louis Philippe ought to be killed, 3) an action for calumniating a Belgian grandee, Mr Osy, whom Bornstedt had accused, and rightly so, of profiteering on corn.

None of the 3 actions is of any consequence here, and they will almost certainly result in making the Prussian Embassy, already little esteemed, appear ridiculous. What have Louis Philippe, Osy and the Belgian stamp law to do with them?

The examining magistrate himself declared that all these actions were pour le roi de Prusse. [for the King of Prussia, i. e. for nothing] The Brüsseler-Zeitung, on the other hand, which, despite its many failings, does have some merit and might well have improved, particularly now that Bornstedt has expressed his readiness to help us in every way, is threatened with a sudden pecuniary disaster. How have the noble Teutons behaved in this affair? The booksellers have cheated Bornstedt because he couldn’t prosecute them. The opposition of all shades, instead of lifting a finger to help, whether in the literary or financial sense, found it more convenient to take exception to the name of Bornstedt. And will such people ever be short of excuses for doing nothing? Now it’s the man who’s no good, now the wife, now the policy, now the style, now the format — or even the distribution is more or less risky, etc., etc. These gentry want things presented to them on a platter. If there’s only one opposition paper which is immune from censorship, which is a thorn in the flesh of the government, and whose editor, by the very logic of the enterprise, shows himself complaisant towards all that is progressive, is not this above all an opportunity to be exploited? And, if the paper is inadequate, to make it adequate? But no, our Germans always have 1,000 wise sayings up their sleeve to show why they must let an opportunity slip. An opportunity to do something is to them only a source of embarrassment.

My manuscripts, too, are faring in much the same way as the Brüsseler-Zeitung, and on top of that the jackasses keep writing to me day after day, asking why I'm not having anything published, and even reproach me for having written French in preference to nothing at all. One will long have to atone for having been born a Teuton.

Farewell. Warm regards to your wife and yourself from my wife and me.

In Paris you'll find an additional list of errata for my French scrawl [The Poverty of Philosophy]. Without it some passages are unintelligible.

As soon as you have an hour to spare and nothing better to do, write to your

Marx

[Postscript from Jenny Marx to Emma and Georg Herwegh]
I take advantage of this little space to send you, dear Mrs Herwegh, and your dear husband my hearty greetings. How are you and your two youngsters? They came a little en retard compared to my three. We only need a girl to make three couples. My girls are wonderful, but the boy, the boy!! Un petit monstre. Our best greetings, remember sometimes
Your
Jenny Marx

 

 

Marx To Georg Herwegh
In Paris


Source: MECW Volume 38, p. 140
Written: 26 October 1847


Brussels, 26 October 1847
rue d'Orléans, 42, Faubourg Namur

Dear Herwegh,

I wanted to give Engels a letter to bring you, but there was so much pressing business on the day of his departure that this was lost sight of and forgotten.

I had further been asked by Countess Hatzfeld to write you a few lines of introduction for her. I imagine that by now you will already have made her acquaintance. For a German woman, she has developed great vigour sparring with her husband.

Here in Brussels we have founded two public democratic societies.

1. A German Workers’ Societywhich already has about 100 members. Besides debates of quite a parliamentary nature, there is also social entertainment with singing, recitation, theatricals and the like.

2. A smaller cosmopolitan-democratic society to which Belgians, French, Poles, Swiss and Germans belong.

If you come up here again you'll find that even in little Belgium more can be done by way of direct propaganda than in big France. Moreover, I believe that, however minor it may be, public activity is infinitely refreshing for everyone.

It is possible, there being now a liberal ministry [formed in August 1847] at the helm, that we shall run into some trouble with the police, for liberals always remain liberals.

But we shall be able to deal with them. Here it is not as in Paris, where foreigners confront the government in isolation.

Since it is impossible in present circumstances to make any use of the book trade in Germany, I have agreed with Germans from Germany to produce a review-monthly — supported by subscriptions to shares.In the Rhine Province and Baden a number of shares have already been bought up. We intend to make a start as soon as there’s enough money to last 3 months.

If subscriptions in any way permitted, we would establish our own type-setting room here, Which could also be used for printing separate works.

Now I should like you to tell me:

1. Whether you, for your part, would also be prepared to drum up a few subscriptions for shares (25 talers per share).

2. Whether you are prepared to collaborate and to figure as a collaborator on the title page.

But I would ask you, since you have in any case long owed me a letter, to overcome for once your aversion to writing and to reply soon. I also wanted to request you to ask Bakunin by what route, to what address and by what means a letter can be conveyed to Tolstoy.

My wife sends her warm regards to you and your wife.

The strange business of the Prussian Embassy in Paris is certainly indicative of our sovereign’s [Frederick William IV of Prussia] mounting and impotent rage.

Farewell.

Your
Marx

[The address written by Jenny Marx on the fourth page of the letter]

Dr Gottschalk, General Practitioner in Cologne.

[Beneath it Karl Marx has written]

Dear Herwegh,

Due to an oversight, the above wrong address nearly appeared on this letter.

 

 

 

 

BIOGRAPHIE

Georg Herwegh

Geb. 31. 5. 1817 in Stuttgart; gest. 7. 4. 1875 Lichtenthal (bei Baden-Baden)

Der Sohn eines Stuttgarter Gastwirts begann die in Württemberg mögliche theologische Ausbildung auf Staatskosten, wurde vom Tübinger Stift relegiert, belegte ab Herbst 1836 Jura und brach das Studium nach einem halben Jahr aus finanziellen Gründen ab. Seither war er literarisch tätig: Zuerst in Stuttgart an August Lewalds Europa, nach der Flucht in die Schweiz im Sommer 1839 (um dem Militärdienst zu entgehen) an Johann Georg August Wirths Deutscher Volkshalle in Emmishofen. H.s frühe Literaturkritiken erfaßten den gesellschaftlichen Funktionswandel der Literatur seit 1830 und erörterten ästhetische Grundpositionen unter dem emanzipatorischen Aspekt der Demokratisierung literarischer Produktion und Kommunikation.

Sie konkretisierten die in rhetorischer Allgemeinheit gehaltenen politischen Aussagen der 1841 gedruckten Gedichte eines Lebendigen, die H. zum Hoffnungsträger des um demokratische Rechte kämpfenden deutschen Bürgertums werden ließen und trotz sofortigen Verbots in Deutschland eine beispiellose Verbreitung fanden. Bei seinem Aufenthalt in Paris im Herbst/Winter 1841/42 wurde H. mit Heinrich Heine bekannt, studierte französische Revolutionsgeschichte, die utopischen Sozialisten und veröffentlichte politische und sozialkritische Lyrik.

Nach der Redaktionsübernahme des Deutschen Boten aus der Schweiz unternahm H., um Mitarbeiter für das zensurfreie Blatt zu gewinnen, eine Deutschlandreise im Herbst 1842, die von der antifeudalen deutschen Opposition zu politischen Demonstrationen genutzt wurde. H. ließ sich zu einer Audienz bei Friedrich Wilhelm IV. bewegen, schickte dem preußischen König danach aber einen Brief („Wort unter vier Augen“), in dem er gegen das inzwischen ausgesprochene Verbot des Deutschen Boten protestierte. H. wurde aus Preußen ausgewiesen; wegen des politischen Charakters der Zeitschrift mußte H. auch den Kanton Zürich verlassen. Er erwarb zwar das Schweizer Bürgerrecht, wohnte aber nach seiner Heirat mit Emma Siegmund ab Herbst 1843 in Paris. Im Sommer war der Torso der verbotenen Zeitschrift aus der Schweiz mit Beiträgen von Bruno Bauer, Friedrich Engels, Friedrich Hecker, Moses Heß, Johann Jacoby erschienen. Dieser sofort in Deutschland und der Schweiz verbotene Sammelband dokumentierte nicht nur die werdende Kritik an den politischen Zuständen in Deutschland, die atheistischen Konsequenzen der junghegelianischen Philosophie, sondern auch den Übergang deutscher Gesellschaftstheoretiker auf sozialistische Positionen. Nach Erscheinen des 2. Teils der Gedichte eines Lebendigen Ende 1843 arbeitete H. an deutschen Emigrationsblättern in Frankreich, Belgien, England, Amerika und der Schweiz.

Nach Ausbruch der französischen Februarrevolution 1848 wählten die deutschen Emigranten in Paris H. zum Präsidenten des republikanischen Komitees und zum politischen Leiter der „Deutschen demokratischen Legion“. Dieser Freischarenzug kam zur Unterstützung der in Süddeutschland kämpfenden Republikaner zu spät und wurde im Gefecht bei Niederdossenbach im April 1848 geschlagen. Der Festnahme nur knapp entkommen, floh H. in die Schweiz. Es folgte ein jahrzehntelanges erneutes Exil mit materiellen Entbehrungen. Seine revolutionär-demokratischen Stellungnahmen zum europäischen Revolutionsgeschehen veröffentlichte H. in Vers und Prosa in verschiedenen liberalen und demokratischen Blättern. Den Sieg der europäischen Reaktion geißelte H. in satirischen Dichtungen und Artikeln in der deutschen und Schweizer Presse, u. a. im Kladderadatsch, später in sozialdemokratischen Zeitungen. H. lebte ab 1851 in Zürich; 1866 amnestiert, kehrte H. nach Deutschland zurück und ließ sich in Lichtenthal bei Baden-Baden nieder.

Ab 1860 war H. mit Ferdinand Lassalle befreundet. H. wurde Bevollmächtigter des „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“ (ADAV, gegründet 1863) in der Schweiz und schrieb 1863 auf Drängen Lassalles, angeregt durch Shelleys Song to the men of England das Bundeslied für den ADAV mit den seither zum Symbol proletarischen Klassenkampfs gewordenen Versen „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“. Mit großer Entschiedenheit verurteilte H. 1870 den Ausbruch des deutsch-französischen Krieges. Er trat für die Pariser Commune (26. März bis 28. Mai 1871) ein und warnte vor dem deutschen Kaiserreich: „Du bist im ruhmgekrönten Morden das erste Land der Welt geworden, Germania mir graut vor Dir“.

H.s gesamtes Schaffen war geprägt vom Kampf um die Durchsetzung der Ideale der Französischen Revolution. In der Heraufkunft der Demokratie sah H. im Sinne Karl Löwiths den „revolutionären Bruch im 19. Jh.“, eine „Zeitenwende“, das „Ende der alten Welt“. Dieses Epochenbewußtsein zeigte sich schon in den frühen Schriften. Seit 1843 erwies sich H. als Demokrat, der nur in einer republikanischen Verfassung die Demokratie verwirklicht sah, diese auf revolutionärem Wege herstellen wollte und sich in diesem Zusammenhang vom Liberalismus abgrenzte. Darunter verstand er diejenige Richtung, die reformistisch gesinnt war und die sich auch mit der konstitutionellen Monarchie sowie einem eingeschränkten Wahlrecht zufrieden gab. Gemeint waren vor allem die süddeutschen Liberalen.

Nach Ausbruch der Februarrevolution 1848 in Paris, die er miterlebte, schrieb H. in nahezu gleichlautenden Briefen an seine Freunde, den Arzt Karl von Pfeufer und den Arzt und Demokraten Johann Jacoby: „Ich habe den schönsten Tag des Jahrhunderts mitgemacht ... So sind die Franzosen denn abermals das erste Volk der Welt. Ich sage Volk, denn das Volk im vollsten Sinn des Worts, ohne Führer, ohne Deputierte, ohne Professoren, ohne Journalisten, hat die Taten dieser Woche vollbracht ... Kinder von 8 bis 16 u. 20 Jahren haben das Schicksal der Welt entschieden. Und man will noch nicht an die Jugend, an das Volk, an das Unmögliche glauben.“ Und weiter: „Das Volk hat auch ... nicht Einen Exzess begangen, ich schwöre es Dir und beschwöre Dich, nach Kräften dazu beizutragen, daß die schönste aller Revolutionen in Deutschland überall vindiziert bleibe“.

H. betrachtete sich inzwischen als Sozialist und das hieß für ihn: „Keine Demokratie ohne Sozialismus, kein Sozialismus ohne Demokratie“. In diesem Sinne war für H. in der Revolution von 1848 ein Zusammengehen mit der Mehrheit der Liberalen und Demokraten nicht möglich, die er die „anständigen und honetten Leute“ nannte, d. h. diejenigen, welche in der Republik „die Klassenherrschaft, die Geldherrschaft und den Kasten-Egoismus für ewige Zeiten begründen wollen.“

Aus: Pepperle, Ingrid : Georg Herwegh, in: Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten, hg. v. Manfred Asendorf u. Rolf von Bockel, Stuttgart Weimar 1997, S. 263-264.

 

 

Georg Herwegh in 6 Bänden

 

Inhaltsverzeichnis Band 1

Vorwort zur Ausgabe
Einleitung

Gedichte eines Lebendigen. Mit einer Dedikation an den Verstorbenen.
An den Verstorbenen.
An Frau Carolina S. in Zürich.
Leicht Gepäck.
Wer ist frei?
Arndt’s Wiedereinsetzung.
Gebet.
Der letzte Krieg.
Der sterbende Trompeter.
Reiterlied.
Rheinweinlied.
Das freie Wort.
Der beste Berg.
Drei Gutenbergslieder.
I.
II.
III.
Die Jungen und die Alten.
Protest.
Aufruf.
Neujahr.
Frühlingslied.
Der Freiheit eine Gasse!
Vive le Roi!
Vive la République.
Dem deutschen Volk.
Das Lied vom Hasse.
Gesang der Jungen bei der Amnestirung der Alten.
An die deutschen Dichter.
Anastasius Grün.
Béranger.
Der Gang um Mitternacht.
Schlechter Trost.
Strophen aus der Fremde.
I. Auf dem Berge.
II.
Ufnau und St. Helena.
I.
II.
Jacta alea est.
An die Zahmen.
Gegen Rom.
An den König von Preußen.
Zuruf.
Sonette. Aus einer grössern Sammlung „Dissonanzen.“
I.
II.
III.
IV. An A. A. L. Follen in Zürich.
V.
VI.
VII.
VIII.
IX. Den Naturdichtern.
X.
XI. Shelley.
XII.
XIII.
XIV.
XV.
XVI.
XVII.
XVIII.
XIX.
XX.
XXI.
XXII. Die Geschäftigen.
XXIII.
XXIV.
XXV.
XXVI.
XXVII.
XXVIII. Einer Schriftstellerin.
XXIX.
XXX. Freiligrath.
XXXI. Unsern Künstlern.
XXXII.
XXXIII. Russophobie.
XXXIV. Pferdeausfuhrverbot.
XXXV. Franz Dingelstedt’s Jordanslied.
XXXVI. Ludwig Uhland.
XXXVII. Deutsche und französische Dichter.
XXXVIII.
XXXIX.
XL.
XLI.
XLII.
XLIII.
XLIV.
XLV. Der Gefangene.
XLVI. Einem Schauspieler.
XLVII.
XLVIII. Hölderlin.
XLIX.
L.
LI. Byron’s Sonett an Chillon.
LII. Grabschrift.
Zum Andenken an Georg Büchner den Verfasser von Danton’s Tod.
I.
II.
III.
Schlusslied.
Avis in Betreff etwaiger Druckfehler.

Gedichte eines Lebendigen. Zweiter Band.
An die deutsche Jugend.
Morgenruf.
Im Frühjahr.
Husarenlied.
Champagnerlied.
Die Epigonen von 1830.
I.
II.
Die drei Zeichen.
J . . . . . ?
Die deutsche Flotte.
Bei Hamburgs Brand.
Eine Erinnerung.
Einkehr in die Schweiz.
Heimweh.
Die Schweiz.
Aus den Bergen.
Unseren Künstlern.
I. Bei einem Gemälde von Cornelius.
II.
Wohlgeboren und Hochwohlgeboren.
I. Wohlgeboren.
II. Hochwohlgeboren.
Die Partei.
Duett der Pensionirten.
Heidenlied.
1841. 1843.
Pour le mérite.
Amnestie.
Parabel.
Den Einbastillirten.
Die Ruthe.
Wiegenlied.
Den Deutschen.
Xenien.
I.
II. Hundscourage.
III. Concedo!
IV. Entpuppung.
V. Dem Censor.
VI. A baculo ad angulum?
VII. Frage.
Antwort.
VIII. Zeitgemäßer Fortschritt.
IX. Alles für das Volk, nichts durch das Volk.
X. An das Volk.
XI. An Ditto.
XII. X für U.
XIII. Unsres Wegs!
XIV. Andre Zeiten, andre Sitten.
XV. Zwei Fliegen mit Einer Klappe.
XVI. Die Unerlauchten.
XVII. Unglückliche Liebe.
XVIII. Hausordnung.
XIX. Die (alte) kölnische Zeitung.
XX. Hermes Psychopompos.
XXI. Die Allgemeine.
XXII. Herr von Cotta.
XXIII. Ditto.
XXIV. Zurücktritt der Oberdeutschen Zeitung.
XXV. Dieselbe als Wöchnerin.
XXVI. Derselbigen Grabschrift.
XXVII. Die Jahrbücher der Gegenwart.
XXVIII. O Weimar!
XXIX. Hahn-Hahn.
XXX. Rückert.
XXXI. Uhland.
XXXII. Lenau.
XXXIII. Platen.
XXXIV. Ludwig Feuerbach.
XXXV. Bestiale Poesie.
XXXVI. Kommentatoren.
XXXVII. Pegasus im Joche.
XXXVIII. Opera posthuma.
XXXIX. Dauer im Wechsel.
XL. Was man nicht lassen kann.
XLI. Bauer-Krieg.
XLII. Der neueste Sündenfall.
XLIII. Guten Morgen, Nachbar!
XLIV.
XLV. Panem, non Circenses!
XLVI. Die Kommunisten.
XLVII. Neuchristliche Malerei.
XLVIII. Metternich.
XLIX. Çà ira!
L. Der Kunstprotektor.
LI. Griechische Revolution.
LII. Parzielle Auferstehung.
LIII. Das Reskript an Willibald Alexis.
LIV. Antigone in Spree-Athen.
LV. Seydelmann auf dem Todbette.
LVI. Sanssouci.
LVII. Die Dekorirten.
LVIII. Verschiedene Auffassung.
LIX. Zahn um Zahn!
LX. Prärogative.
LXI. Der rothe Adler.
LXII. Roth I. II. III. IV. – Schwarz.
LXIII. „Quid novi ex Africa?“
LXIV. Eichhorn.
LXV. Was klein, ist niedlich.
LXVI. Practica est multiplex.
LXVII. Simile claudicat.
LXVIII. Das neueste rheinpreußische Strafgesetzbuch
LXIX. Die Verwerfung.
LXX.
LXXI. Wind, Wind.
LXXII. Kabinetsordre.
LXXIII. Zur Farbenlehre.
LXXIV.
LXXV. Christlich-Germanisch.
Vom armen Jakob und von der kranken Lise.
Der arme Jakob.
Die kranke Lise.
Auch dieß gehört dem König.

Gedichte bis 1848.
Die junge Gefangene.
Mein Kind, wär’ ich ein König,
Malen soll ich Dich, Geliebte?
Wir spielen mit einander
Ich weiß es, meine Lieder
Des Mädchens Thränen.
Komm’, komm’, wir wollen nach Hause,
(Doppelte Liebe.)
Aus dem die Welten sprangen,
Ich hatte lang verborgen
Der Maler.
I.
II.
Wellenklage.
Der Todtengräber
Apostrophe an die Lyriker.
Innere Religionsgeschichte
I.
II.
III.
Kleiner Krieg.
Deutsche Kritik.
Das Leben.
Schiller’s Monument.
Die Züricher.
Karl Streckfuß und seine Garantie der preußischen Zustände.
Heinrich Laube.
Fürst Pückler in Afrika.
Derselbe.
Heinrich Heine.
Die Historiosophie. Hegel an Brutus.
Die Napoleoniden.
Börne.
Judenmanie.
Gutzkow’s Savage.
Menzel.
Derselbe.
Die Allgemeine Zeitung.
Die Zeitung für die elegante Welt.
Die Hallischen Jahrbücher.
Dieselben.
Saphir’s Humorist.
Die Abendzeitung.
Franz Dingelstedt.
Der Politiker an den Dichter.
Apoll in Frankreich.
Unnöthige Klage.
Mein Gebet.
Metamorphose.
Der Verbannte zum Guttenbergsfeste.
Platen 1837.*
Der Gefangene.
Tod Napoleon’s II.
Lied von der Weisheit.
Tell.
Lied ohne Titel.
An einen Bekannten, der einen Orden erhalten hatte.
Todtenopfer für den Dichter Franz Gaudy.
Der sterbende Republikaner.
Lieder.
I.
III.
Einer Frommen.
Derselben.
Gebet.
Sonett*.
Abschied.
Frühlingsnacht.
Auf!
Blumen springen aus der Erde,
Warum dieser scheue Blick?
Blumen schuf allüberall der Herr,
Weil eine Schaar von schwarzen kleinen Raben
Als ich in die Welt gezogen,
Ich weine an dem Strande, –
Barbarossa’s letztes Erwachen.
Kennt ihr, kennt ihr das freie Wort,
Die Blätter meiner Laube.
Im Herbst.
Ich hab’ es abermalen tief empfunden:
Was singst du noch von Liebe,
Cliquen.
Aus der Schweiz.
Ohne Titel.
Allen Verliebten.
Meine Zukünftige.
Zur Hochzeit.
Ihre Heimkehr.
Dem philosophischen Nebenbuhler.
Auswanderer.
An K. Gutzkow.
Die drei Sterne.
Shelley’s Abschied von England.
An ein Kind.
Am Züricher See.
Romanze.
Auf Chamisso’s Tod.
Berglied
Rahel. Sonette* an eine Jüdin.
1.
2.
3.
4.
An mein Liebchen.
I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
Kleinigkeiten.
I.
II.
III.
IV.
V. La fille perdue.
VI.
Morgens.
Abends.
Naturstimmen.
I.
II.
Meine Nachbarin.
Aeltere Lieder.
Sieh’, die Blumen welken so zufrieden
Ich folgte stille jedem Deiner Tritte,
Alle Menschen haben Augen
In kühler Laube fanden
Geht nun auch diese Liebe,
Ja immer Friede mit den Guten
Verrat!
Festgruß.
Weihnachts-Lieder.
I.
II.
III. An Karl Gutzkow (damals in Hamburg).
O wag’ es doch nur Einen Tag!
Polens Sache, deutsche Sache. I.
Polens Sache, deutsche Sache. II.
Uebermüt’ge Triumfirer,
1845.
Und so wären’s dreißig Jahre,
L’état c’est moi!
Das Reden nimmt kein End’.
Kein Oesterreich!
Huldigung.

Dramatisches.
Die Industrieritter.

Anhang
Editorische Hinweise (Textkonstitution, Apparat)
Verzeichnis der Siglen und Abkürzungen (Siglen, Abkürzungen)

Apparat
Gedichte eines Lebendigen
Gedichte eines Lebendigen. Zweiter Band
Gedichte bis 1848

Namenregister
Verzeichnis der Überschriften und Gedichtanfänge
Inhaltsverzeichnis

 

 

Inhaltsverzeichnis Band 2

Einleitung

Gedichte 1849-1875    
Mein Deutschland strecke die Glieder
Hecker
Im Frühling!!
Herr Kadett.
Er tröstet sich.
Die drei Juden des Kredits.
Bonaparte couche!
Kürassiere Clam Gallas, durch München ziehend.
Zum eidgenössischen Schützenfest.
Ein neues Lied nach alter Weise.
Ihr lieben Männer von Eisenach!
Auch ein Fortschritt.
Was macht Deutschland?
Die Schillerfeier in Zürich.
An etliche Männer zu Frankfurt.
Harmlose Gedanken.
I.    Deutschland, sie sagen, du hängst den Kopf! –
II.    Deutschland ist ein romantischer Staat
III.    Du hängst den Kopf, dein Herz ist schwer
Dies ist die neuste Elegie von Chablais und Faucigny.
♪♪♪_ ♪♪♪_ ♪♪♪
Eine Stimme aus der Ferne.
Hyperborriesmus.
Deutschland erklärt!
Deutschland erklärt [zweite Fassung]
Zur Feier des 18. Juni 1860.
Harmlose Gedanken eines „Undeutschen.“
I.    ? Die Vorfrage.
II.    Das sind die Kämpfer für Recht und Licht!
A bout portant.
Harmlose Gedanken. (Fortsetzung von früher.)
I.    Nationalvereinsgermane
II.    Nationalvereinsgermane
III.    Doch erst Abends bei der Bowle
Harmlose Gedanken. (Fortsetzung.)
Harmlose Gedanken. (Fortsetzung.)
Altes und Neues aus dem deutschen Reiche.
Nebelbilder.
Was Deutschland will.
Zum neunzehnten Mai.
Ultimatum.
Armes Frankreich.
Ἔσσεται ἦμαρ.
Herr Wilhelm.
I.    Und immer mehr, und immer mehr
II.    „Von Gottes Gnaden ist mein Thron!
III.    Biblische Geschichte.
IV.    Nicht mit sanftem Klagelaut
Zweckessen.
Heinrich Heine.
1.    Mit uns Allen geht es ex
2.    – – – – – –
3.    Deine Schuhe drücken dich
Einem Andern.
Zum Fürstentag.
Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein.
Ferdinand Lassalle.
Ex ossibus ultor.
Die Soziale.
Wilhelm der Raßler, oder Viel Lärmen um Nichts.
Der neue Polyphem.
An R. Wagner.
I.    Vielverschlagner Richard Wagner
II.    So in Prosa und in Reimen
Macte puer –
Reiseblätter. München.
Ein neuer Leich vom himmlischen Reich.
Alle Neun.
Aux armes, citoyens!
Aux armes, citoyens ! [zweite Fassung]
Kampfprolog im Himmel.
Schwäbische Kunde.
Guter Rath.
Les rois s’en vont.
Les rois s’en vont. [zweite Fassung]
Bekehrungsstrophen für meine schwäbischen Freunde.
Ballade vom verlorenen König.
Der Schwabenkaiser.
Le grand directeur.
„Ich hatt’ einen Kameraden.“
Zwei Lieder.
1.    Die Liebe ist ein Edelstein
2.    So sprach zum Tropfen Thau die Welle
Fromme Wünsche.
Chlodwig.
Die Dichter des Augustus oder der neueste Sängerkrieg.
Immer mehr!
Tristia.
Antwort.
Abgeblitzt.
Zwei Seelen wohnen auch in meiner Brust –
Abfertigung
Ein Gruß G. Herweghs an die Wiener Burschenschaft „Freya“
Fiat justitia! Vivat mundus!
Code Bismarck.
Schaffot – Zuchthaus.
Endlich!
Der schlimmste Feind.
Epilog zum Kriege.
Den Siegestrunkenen.
Groß.
Die Namen.
Dilemma.
Kaisergrütli.
Jesuiten-Feldzug.
Liberales Jagdvergnügen.
Seinem Ludwig Feuerbach
Post festum.
Zur neuen Glaubenslehre.
Golgatha.
An Richard Wagner.
Ende gut, Alles gut.
Achtzehnter März.
Eine Antwort.
Das historische Recht.
Phyloxera ante portas.

Nachgelassene Gedichte    
Jugendgedichte    
Arbor habet flores pulchros hoc tempore forma
Ernst begrüßen wir die ersten Stunden
Von einem Schrank an grauer Klosterwand
Märchen.
Wenn ich zu dem Liebchen gehe
Da geht sie nun, im Lockenhaar
Die Kerzen, die hellen
Zu Abend will es mit mir gehen
Gewitter
Die Sonne schien, die Knospe sprang
Die Sonne hat ihr letztes Roth
Durchtobt in wildem Flusse
Der Lenz ist da – mit blauem Auge grüßt er
Wer singen will, den laßt doch immer singen
Ein neues Leben hat die Kunst begonnen
Nur ein Diplom!
Ihr saht wohl manchen holden Leib
Der Wasserfall
Erotisch
Gedichte an Personen    
Einer hübschen Schauspielerin.
Blieb nicht verschlossen stets mein Mund
O laß sie strömen, Deiner Seele Gluten!
O schönes Mädchen, liebe mich!
Improvisirt
Gessners Monument.
An L. Feuerbach
An F.
An Emma
An Marie d’Agoult
Lermontow
Es naht die Nacht
Sie war, sie war mein eigen
Ich weiß, dein Vater war der Wind
Ich bin nicht ganz von Dir getrennt
An Franz Liszt
In zwei Tagen
An Cosima von Bülow ins Album
An Emma zum Geburtstag
Zu Reuleaux’s Abschieds-Feier
Politische Gedichte bis 1848
Ich habe Reißaus genommen
Was will der Knabe in dem Ocean
Nicht abgefallen bin ich den Camönen
Der deutsche Rhein und das deutsche Volk.
Herr Gott, erhalte Alles
Ein einig Deutschland bis zum Belt
Ich geisselt’ jüngst im Uebermut
Da zog sich der König in Jammer und Graus
Veni, creator spiritus
Und ihr, o Führer, Reuter aus dem Bügel
Stoßseufzer.
Dem Frankfurter Parlament
Dulce et decorum est
 Politische Gedichte nach 1848
Du Burg in Wien
(Deutschland schläft noch nicht genug) oder Klagelied eines Elberfelders.
Es sitzen die Schuster
Sie feiern Schiller
Die Garibaldi-Hymne.
Hört man wie in diesen Tagen
Zur Krönung Wilhelms I.
Von Gottes Gnaden! Ruft die Schaar
Die acht und vierzig Stunden.
An die Parlamentarier
Par ordre du Mufti
Der Nürnberger-Bierkrieg.
Die Arbeiter an ihre Brüder.
Ultimatum an die Kleinen.
Reiseblätter – Karlsruher Schützenfest 1867.
Bald werden’s neunzehn Jahre sein
Pas de zèle!
Den schwäbischen Freunden.
Man schlägt sich, man verträgt sich.
Ich habe für die Einheit geschwärmt
Der Mensch fängt beim Baron erst an
Bei Einführung der Höflichkeit in der französischen Armee.
Den Reichstäglern.
Von dem Thron der Kinderstube
Immer stärker!
Sonstige späte Gedichte
Gib acht!
Zur Hochzeit vom Herrn Weber in Baden-Baden
Einer Frauenzeitung bestimmt
Streut sie nur nach allen Winden
 Album- und Widmungsverse    
Auf Blumenpfaden
An Ferdinand Kommerell
An Friedrich Rohmer
Virtus in extremis!
Jedes Schneegänschen
Auch der Sänger soll sein Scherflein
An Alfred Meißner
Einen Freund von Autographen
Frau Anastasia Gräfin von Wimpffen.
In’s Gedenkbuch der Frau von Suckow
Dedikation der „Gedichte eines Lebendigen“
Georg Herwegh-Eisenbahnautograph
Ins Album der Gräfin Zeppelin-Aschhausen
Ins Album der Gräfin Zeppelin-Aschhausen
Antwort auf einen Spruch der Gräfin Zeppelin-Aschhausen
Bei Ueberreichung einer Schale mit dem Bild der Diana
In demselben Briefcouvert
Epigramme und Xenien    
1.    Gibt es nicht schon hier im Erdental
2.    Was geht euch doch der Himmel an
3.    Heuchlerisch Kreuz! Du Schwert, deß Spitze sich gegen die Erde
4.    Meiner Mutter –
5.    Willst dich auch der Zeit ergeben?
6.    Dem Volke
7.    O Land der Orden und der Titel
8.    Bisher blieb er im Land, vierfüßig waren die Helden
9.    Bruno Bauer und der König von Preußen
10.    Gehet sie auch nicht auf im Westen die Sonne der Zukunft
11.    Ihr Herodesse mordet umsonst, und eurem Schwerte
12.    Wißt ihr warum Amor jetzt Bundesgenosse der Fürsten?
13.    Und doch trägt jeder unbewußt
14.    Die neue Begründung der literarischen Zeitung
15.    Deutschland
16.    Frage
17.    Wer nicht auf Pergamente baut
18.    Gern rief’ ich zu Zeugen die pochenden Herzen der Jugend
19.    Freiheit rufen wir wohl, doch weniger traun als der Knabe
20.    Laßt die Dichter doch mit Politik sich beschäftigen.
21.    Wenn noch das Volk von Liebe was verstünde
22.    Freundlich erinnern die Pfaffen sich hier noch deiner und rühmen
23.    Fliehe, wohin du willst, selbst im Paradiese besitzt noch
24.    Gerne noch leucht’ ich am Abend – auch mit den Farben des Friedens.
25.    Laube
26.    Schmelzet die Götzen zusammen im Feuer der christlichen Liebe.
27.    Absetzung
28.    Gehe mir aus dem Lichte – so bittet der Grieche
29.    Christliche Demagogie – du suchst auf Erden die Freiheit
30.    Die Freiheit
31.    Traun! mich wundert, wie einst mit solch erbärmlichen Zirkel
32.    Das X-thum
33.    Raphael
34.    Freiligrat und Geibel
35.    Ob er aus Ueberzeugung katholisch geworden?
36.    Allegorisch verklärt der christliche Glaube die Kunst hier.
37.    Welch ein schuftiger Wirt! Gott schriebe mit doppelter Kreide
38.    Was hat die liebe deutsche Kunst
39.    Völker, versteht euch doch und reicht euch freudig die Hände
40.    Betet ihr Fürsten zum Kreuz; ihr habt ihm Alles zu danken
41.    4. September
42.    Strauß
43.    Der Liberale
44.    Der Philosoph
45.    Hol’ euch Alle der Teufel! Ihr bliebt ja ewig im Dunkeln
46.    Die Allgemeine Zeitung geht wie die Huren im Dunkeln
47.    Die Zeit
48.    Am Vesuv
49.    O Freund der Wahrheit laß dir raten
50.    Ihr könnt Euch heiser schreien
51.    Ihr thätet beßer euch schämen
52.    Religion und Philosophie
53.    Das historische Recht!
54.    Ach wie liebt ihr sie doch die Griechen, Römer und Franken!
55.    Auferstehung – o Genügen!
56.    Arme Völker! seht sie knieen Freiheit heischend an den Thronen
57.    Die neue Poesie
58.    Die Botschaft
59.    Bis hieher und nicht weiter! das ist die Grenze der Freiheit.
60.    Ein prasselnd Feuer sei der Witz, hier seh’ ich nur Kathederschweiß
61.    Leichenrede der Hallischen Jahrbücher
62.    Dem Korn gleich fiel ich schwer zu Boden
63.    Berlin
64.    Auch du, Romantikus, schweig’ still!
65.    Ich denk’ aber, Ihr laßt nun den Firlefanz
66.    Nicht am freundlichen Tag will sich der Saamen entfalten
67.    Kein Dompfaff mehr, den ich nicht hörte
68.    Wie schweifen im unendlichen Meer
69.    Zu viel!
70.    Doch das Volk, der Lazarus, liegt zu lange begraben
71.    Jakob Venedey
72.    Nero spielte den Polichinell, und die Polichinelle
73.    In Frankreich hat die Revolution ihre Kinder verschlungen
74.    Siehst du, Herr, spricht der Minister
75.    So oft das Blut wie Wasser floß
76.    O ja – Wir reichen am Schluß
77.    Es singen die Thoren
78.    Ich liebe Deutschland
79.    Sind es schlechte Witze
80.    R. W. deutscher Reichsgeneralzukunftsmusikdirektor.

Nachgelassene Aphorismen und Reflexionen    
1.    Die früheren Weisen
2.    Wenn ihr keine Hände mehr habt
3.    Erschafft oder repräsentirt die Presse
4.    Die Literatur aus der Zeit
5.    Der politische Dichter
6.    An die französischen Regirungsblätter
7.    Mein Pegasus das Pferd Mazeppas
8.    In Paris.
9.    Unsere Zeit
10.    O hätt ich die Posaune
11.    An Feuerbach und Strauß
12.    Die Literatur von 30
13.    Bis sie ausgeheuchelt haben
14.    Die Kreuzzüge, die Revolutionszüge.
15.    Hamburg
16.    An die Türen will ich schlagen
17.    Gewiß wird auch der neue Stern
18.    Wirf einen Stein ins Wasser
19.    Und glaubt ihr wohl, daß ohne Wehen
20.    Platen.
21.    An Freiligrath
22.    Man wirft den Kot auf die Altäre
23.    Meine Sympathie und Antipathien mit und gegen Göthe.
24.    Die neue Geschichte
25.    Lehren der Geschichte.
26.    Gotische und griechische Tempel.
27.    Das Drama.
28.    Orpheus zähmte
29.    Nicht geopfert hat man die deutschen Völker
30.    Alles lindert die Zeit
31.    Der Deutsche braust wie das Meer
32.    Lieber Freund
33.    Die Völker danken den Königen
34.    Wer gab dem Volk von je die meisten Feste?
35.    Paläste sind Ballast geworden.
36.    Auf Koth macht Alles einen Eindruck.
37.    Rom hat nur Asche, kein Feuer mehr.
38.    Der Canaille die Freiheit geben?
39.    König und Pöbel sind mir verhaßt
40.    Erst ein Leben, und dann eine Kunst!
41.    Das fromme Pack läßt auf Erden
42.    Das Talent schmeichelt
43.    Erst wenn das Geschlecht frei
44.    Die Communisten
45.    Gebt den Völkern!
46.    Winzige Herrscher
47.    Der Demokratismus
48.    Abschaffung der Freiheit
49.    Die Wahrheit ist dem Deutschen ein Leichnam
50.    Blut soll fließen
51.    Wie verhaßt wird den Reichen das Christenthum werden
52.    Baut ihn aus, den Kölner Dom
53.    Wir haben die Schneide
54.    Die Freiheit, die nicht Poesie
55.    Man vergoldet uns die Ketten
56.    Die ganze Stimmung, die nicht dogmatisirt
57.    Die politische Poesie ist ein Umweg
58.    Ihr glaubt an Gott
59.    Ein Volk, das nicht frei sein will
60.    Feuerbach und Schelling.
61.    O deutsches Volk
62.    Was wirkt, das ist.
63.    Welche Rechte hat der Mensch?
64.    Der absolute Wert der Bücher hat aufgehört.
65.    Das letzte Ziel unserer klassischen Literatur
66.    Was man gelernt ist Lüge
67.    Philosophie und Poesie scheinen
68.    Die Philosophie hat keine Professoren
69.    Politische Lyrik!
70.    Ich hasse das Absolute
71.    Warum sollen nur die Sünden der Revolution
72.    Jetzt, da die Hegelische Philosophie
73.    Die einzige Unsterblichkeit
74.    Lord Byrons letzte Zeilen
75.    Der Mensch soll nach Schelling schuld sein
76.    Schelling
77.    Als Fichte zur Nation redete
78.    Schelling
79.    Wehe der Philosophie
80.    Schelling hat uns von je
81.    Erkenne dein Wesen
82.    Fichte und Schelling
83.    On adore les rois, comme Ahriman
84.    Gesinnung ist keine Poesie?
85.    Politik und Poesie, – politische Poesie
86.    Unsere Literatur muss sich zu der Würde
87.    Nur das Volk kann das Volk retten.
88.    Wär’s noch die Liebe
89.    Nur wer leidet
90.    Der Glaube der Communisten an die Sache.
91.    Feuerbach und die Schwaben.
92.    Gebt neue Thaten
93.    Das Licht, das andern leuchten soll
94.    Mit der Freiheit sind auch alle Grazien entflohn.
95.    Das Gericht, das wir auf Erden
96.    Keinem eine Scholle
97.    Wollt ihr besitzen, wie die Reichen
98.    Ich wollte allein frei sein
99.    Die Freiheit ist in keiner Partei
100.    Prometheus hat das Feuer
101.    Der Mensch, Selbstzweck
102.    Die Freiheit der Welt ist solidarisch.
103.    Wer nichts besitzt, ist besessen.
104.    Lieber ein Jahr gesungen
105.    Der freie Mann kennt nur ein Heut
106.    Die rothen Tage (im Kalender)
107.    Wie die Franzosen, hat auch uns
108.    Ihr klagt Fürsten, ihr klagt Minister an
109.    Der Dichter sei der Gletscher
110.    Schafft dem Lande die Freiheit
111.    Solidarität der Freiheit.
112.    Die Franzosen können die Freiheit beweinen
113.    Milton zuerst Politiker
114.    Die Deutschen wissen
115.    Was ist der Beruf des Dichters?
116.    Die Menschheit wird durch die geschmähte Hefe
117.    Der deutsche Geist war bis jetzt die Säule
118.    Was soll ein einzelner großer Mann?
119.    Hoffe nichts von Oben.
120.    Lothringen wollt ihr?
121.    Der Wein läuft trüb aus der Presse.
122.    Religion! denn die Menschen sind schwach
123.    Ein Krösus ist besessen
124.    Eine Zeit, in der das Gold mordet
125.    Gott ist zum Heil der Welt gestorben.
126.    Das Christentum, die religiöse Carricatur
127.    Wir handeln
128.    Pourquoi juge-t-on la poésie
129.    Die rothe Farbe erschreckt Euch?
130.    Deutschlands Erbfeind ist Preussen.
131.    Der beste Beweis, dass Frankreich
132.    Das stinkende Eigenlob
133.    Um uns nicht durch den Krieg ruinieren zu lassen
134.    Wir brauchen Elsaß und Lothringen!!!
135.    Der Stahl der Kruppschen Kanonen
136.    Liberté, Egalité, Fraternité.

Anhang    
Editorische Hinweise
Textkonstitution
Apparat
Verzeichnis der Siglen und Abkürzungen

Apparat     
Gedichte 1849-1875
Nachgelassene Gedichte    
Jugendgedichte
Gedichte an Personen
Politische Gedichte bis 1848
Politische Gedichte nach 1848
Sonstige späte Gedichte
Album- und Widmungsverse
Epigramme und Xenien
Nachgelassene Aphorismen und Reflexionen

Namenregister
Konkordanz der Neuen Gedichte zu Lyrik I und Lyrik II
Verzeichnis der Überschriften und Anfangszeilen
Inhaltsverzeichnis

   

BAND 3 - in Vorbereitung

 

Inhaltsverzeichnis Band 4

Einleitung

Nacht und Morgen
[Zum Konflikt mit Alexander Herzen]
[Zum Konflikt mit Alexander Herzen]
[Abschiedsworte für Professor Ludwig]
[Zum Streit um die Berufung Moleschotts]
Erklärung.
[Gottfried Semper über die Ästhetik des Schmucks]
[Moleschotts Antrittsvorlesung]
Dufraisse über Camille Desmoulins.
[Brachvogels „Narziß“]
[Zur Brachvogel-Kritik]
[Zur Brachvogel-Kritik]
[Heinrich Meyerhöfer]
[„Die Grille“ von Charlotte Birch-Pfeiffer]
[Othello mit Ira Aldridge]
[Macbeth mit Ira Aldridge]
[Shylock mit Ira Aldridge]
Zur Kriegsfrage.
[Challemel-Lacour über die literarischen Salons im 18. Jahrhundert in Paris]
[Gottfried Semper und die Bauprojekte im Kratz]
Deutschland und Oestreich.
Ein Zeitbild.
Mazzini’s Stellung zu dem jetzigen Kampfe in Italien.
Ein Sturm in einem Glas Wasser oder die süddeutsche Aufregung.
[Zustand Neapels]
Zum Waffenstillstand.
Zur Friedensfrage.
Eine kleine Abfertigung
Vom Friedensschauplatz.
Vom Friedensschauplatz.
Der italienische Salat
Vom Friedensschauplatz.
Mazzini „über das Frühstück von Villafranca“
[Was Italien will]
Die Ermordung des Grafen Anviti in Parma
[Über Garibaldis Entlassung]
[Dufraisse über Agrippa d’Aubigné]
Das Ende vom Lied oder das Lied vom Ende –
Die Revanche für Waterloo.
Der Hecht unter den Karpfen oder Louis Napoleon in Baden-Baden.
[Am Grabe eines deutschen Flüchtlings]
[Der Krieg in Italien]
[Über die spekulative Ästhetik]
[Wagners „Tannhäuser“ in Paris]
Li Svizzeri volontari sotto Garibaldi
[Söldner und Freiheitskämpfer]
[Cherbuliez über Garibaldi]
[Zum Tode Piero Cironis]
[Zum Tode Piero Cironis]
Piero Cironi.
Der Tag von Aspromonte. Eine Stimme aus den Gefängnissen.
[Erklärung zum Arbeiterkongreß in Zürich]
[Erklärung zum Arbeiterkongreß in Zürich]
Heinrich Heine.
Deutschlands Siege über Dänemark
Die Ausweisung Mazzini’s.
Noch ein Wort über die Ausweisung „des Lehrers und Freundes
von Garibaldi“.
[Zur Ausweisung Mazzinis]
Was man sich in Turin über die Maßregelung Mazzini’s erzählt.
„Auf Einen Schelmen anderthalbe“
[Zum Polytechnikumskonflikt]
[Zum Polytechnikumskonflikt]
[Zum Polytechnikumskonflikt]
[Über Ferdinand Lassalles Tod]
An die Redaktion des „Social-Demokrat.“
Protest.
Zur Beachtung.
Zur Warnung.
Erklärung.
Zur Erläuterung.
[König Lear] Einleitung.
[Zähmung einer Widerspenstigen] Einleitung.
[Die beiden Veroneser] Einleitung.
[Die Komödie der Irrungen] Einleitung.
[Ende gut, alles gut] Einleitung.
[Troilus und Cressida] Einleitung.
[Wie es euch gefällt] Einleitung.
[Korrespondenz in der „République française“ vom 22. November 1871]
[Korrespondenz in der „République française“ vom 29. November 1871]
[Korrespondenz in der „République française“ vom 14. Dezember 1871]

Anhang

Editorische Hinweise
Verzeichnis der Siglen und Abkürzungen
Apparat

Personenregister
Inhaltsverzeichnis

 

 

Inhaltsverzeichnis Band 5

Einleitung

1 An Rosina Katharina Herwegh, 19. Juli 1832
2 Eintragung im Desideratenbuch der Tübinger Museumsgesellschaft, Ende 1835
3 An Ephorus Sigwart, 12./13. April 1836
4 An das Inspektorat des Tübinger Stifts, 22. Mai 1836
5 An das Inspektorat des Tübinger Stifts, 17. Juni 1836
6 An das Inspektorat des Tübinger Stifts, 28. Juli 1836
7 An das Inspektorat des Tübinger Stifts, 31. Juli 1836
8 An Karl Gutzkow, 1. Juli 1839
9 An Wilhelm Gerstel, 28. Juli 1839
10 An Karl Gutzkow, kurz vor dem 14. August 1839
11 An Wilhelm Gerstel, 23. August 1839
12 An Pauline, vermutlich August 1839
13 An Alexander Weill, 10. Oktober 1839
14 An Karl Gutzkow, 4. Dezember 1839
15 An Wilhelm Gerstel, 28. Dezember 1839
16 An Karl Gutzkow, 29. Dezember 1839
17 An Wilhelm Gerstel, 3. Januar 1840
18 An Georg Stoll, Februar/März 1840
19 An Wilhelm Gerstel, Ende April/Anfang Mai 1840
20 An Peter Hörle und Wilhelm Gerstel, erste Maihälfte 1840
21 An Wilhelm Gerstel, Ende Mai/Anfang Juni 1840
22 An Wilhelm Gerstel, 1840
23 An Wilhelm Gerstel, 1840
24 An Wilhelm Gerstel, 1840
25 An Unbekannt, 1840
26 An Wilhelm Gerstel, 1840
27 An Wilhelm Gerstel, 1840
28 An Wilhelm Gerstel, Ende Juni 1840
29 An Wilhelm Gerstel, Anfang Juli 1840
30 An Julie Cramer, 1. Juli 1840
31 An Wilhelm Gerstel, Anfang Juli 1840
32 An August Adolf Ludwig Follen, 1840
33 An Wilhelm Gerstel, Mitte bis Ende August 1840
34 An Wilhelm Gerstel, 1840
35 An Conrad Ott, 28. Dezember 1840
36 An Wilhelm Gerstel, 26. April 1841
37 An August Gerstel, 29. April 1841
38 An Robert Eduard Prutz, 1. Juni 1841
39 An Franz Dingelstedt, 1. Juni 1841
40 An Karl Gutzkow, 6. Juni 1841
41 An einen Verleger, 21. Juni 1841
42 An Max Cohen, 29. Juli 1841
43 An Wilhelm I., König von Württemberg, 11. September 1841
44 An Robert Eduard Prutz, 7. Oktober 1841
45 An Heinrich Lindemann, 18. Oktober 1841
46 An August Adolf Ludwig Follen, 29. November 1841
47 An Julius Fröbel, 8. Dezember 1841
48 An Franz Liszt, 14. Dezember 1841
49 An George Sand, Dezember 1841
50 An Arnold Ruge, 16. Januar 1842
51 An Ferdinand Freiligrath, 4. März 1842
52 An Arnold Ruge, März 1842
53 An Robert Eduard Prutz, 8. April 1842
54 An Julius Fröbel, 11. Juni 1842
55 An Julius Fröbel, Anfang August 1842
56 An Ludwig Feuerbach, 3. September 1842
57 An Robert Eduard Prutz, 4. September 1842
58 An einen hochgeehrten Herrn, 5. September 1842
59 An Adolf Rutenberg, 6. September 1842
60 An Adolf Böttger, Oktober 1842
61 An Julius Fröbel, etwa 10. November 1842
62 An Emma Siegmund, 16. November 1842
63 An Emma Siegmund, 18. November 1842
64 An Emma Siegmund, 21. November 1842
65 An Emma Siegmund, 22. November 1842
66 An die Redaktion der „Rheinischen Zeitung“, 22. November 1842
67 An Emma Siegmund, 23. November 1842
68 An Eduard Gottheiner, November 1842
69 An Emma Siegmund, 26. November 1842
70 An Emma Siegmund, 27. November 1842
71 An Emma Siegmund, 28. November 1842
72 An Emma Siegmund, 30. November 1842
73 An Emma Siegmund, 1. Dezember 1842
74 An Emma Siegmund, 4. Dezember 1842
75 An den König von Preußen, Dezember 1842
76 An Emma Siegmund, 10. Dezember 1842
77 An Emma Siegmund, 12. Dezember 1842
78 An Robert Eduard Prutz, 12. Dezember 1842
79 An Emma Siegmund, 17. Dezember 1842
80 An Emma Siegmund, 6. Januar 1843
81 An Emma Siegmund, 8. Januar 1843
82 An Otto Wigand, 8. Januar 1843
83 An Emma Siegmund, 9. Januar 1843
84 An Emma Siegmund, 13. Januar 1843
85 An Johann Jacoby, 14. Januar 1843
86 An Gustav Kolb, 15. Januar 1843
87 An Emma Siegmund, 15. Januar 1843
88 An Emma Siegmund, 18. Januar 1843
89 An Emma Siegmund, 20. Januar 1843
90 An Emma Siegmund, 24. Januar 1843
91 An Emma Siegmund, 26. Januar 1843
92 An den Polizeirat von Zürich, 28. Januar 1843
93 An Emma Siegmund, 30. oder 31. Januar 1843
94 An Emma Siegmund, 3. Februar 1843
95 An Emma Siegmund, 4. Februar 1843
96 An Emma Siegmund, 10. Februar 1843
97 An Arnold Ruge, 11. Februar 1843
98 An Stadtschultheiß Gutbrod, 11. Februar 1843
99 An Wilhelm I., König von Württemberg, 11. Februar 1843
100 An Emma Siegmund, 12. Februar 1843
101 An Emma Siegmund, 14. Februar 1843
102 An Johann Heinrich Emanuel Mousson, 16. Februar 1843
103 An Emma Siegmund, 15. Februar 1843
104 An Karl Marx, 17. Februar 1843
105 An Emma Siegmund, 18. Februar 1843
106 An Emma Siegmund, 19. Februar 1843
107 An Emma Siegmund, 20. Februar 1843
108 An Emma Siegmund, 22. Februar 1843
109 An Julius Fröbel, 29. März 1843
110 An Julius Fröbel, 30. März 1843
111 An Stadtschultheiß Gutbrod, 15. April 1843
112 An Albert Schott d. Ä., 17. April 1843
113 An Robert Eduard Prutz, 25. Juli 1843
114 An August Adolph Ludwig Follen, Ende Oktober 1843
115 An Marie d’Agoult, Dezember 1843
116 An Marie d’Agoult, Ende Dezember 1843
117 An Arnold Ruge, Karl Marx und Friedrich Wilhelm German Mäurer, 28. Dezember 1843
118 An Marie d’Agoult, 28. Dezember 1843
119 An Friedrich Klincksiek, 29. Dezember 1843
120 An Friedrich Klincksiek, vermutlich 1844
121 An Marie d’Agoult, Anfang 1844
122 An Marie d’Agoult, zwischen dem 21. und 25. Januar 1844
123 An Jacob Venedey, Januar 1844
124 An Marie d’Agoult, 30. Januar 1844
125 An Marie d’Agoult, Anfang Februar 1844
126 An Marie d’Agoult, vermutlich 1844
127 An Carl Ludwig Rominger und Theodor Lehmann, 16. Februar 1844
128 An August Adolf Ludwig Follen, 17. Februar 1844
129 An Heinrich Börnstein, 17. Februar 1844
130 An Marie d’Agoult, 20. Februar 1844
131 An Friedrich Wilhelm German Mäurer, Frühjahr 1844
132 An Marie d’Agoult, 24. Februar 1844
133 An Marie d’Agoult, 25. Februar 1844
134 An Marie d’Agoult, 27. Februar 1844
135 An Marie d’Agoult, 28. Februar 1844
136 An Marie d’Agoult, 1. März 1844
137 An Marie d’Agoult, 2. März 1844
138 An Marie d’Agoult, 5. März 1844
139 An Jakob Venedey, 5. März 1844
140 An Marie d’Agoult, 7. März 1844
141 An Marie d’Agoult, 8. März 1844
142 An Marie d’Agoult, 12. März 1844
143 An Marie d’Agoult, 14. März 1844
144 An Marie d’Agoult, 16. März 1844
145 An Marie d’Agoult, 19. März 1844
146 An Marie d’Agoult, 19. u. 20. März 1844
147 An Marie d’Agoult, vermutlich 21. März 1844
148 An Marie d’Agoult, 23. März 1844
149 An Marie d’Agoult, 24. März 1844
150 An Marie d’Agoult, 26. März 1844
151 An Marie d’Agoult, 30. März 1844
152 An Marie d’Agoult, Anfang April 1844
153 An Marie d’Agoult, 3. April 1844
154 An Marie d’Agoult, 13. April 1844
155 An Marie d’Agoult, 30. April 1844
156 An Marie d’Agoult, 1. Mai 1844
157 An Marie d’Agoult, 4. Mai 1844
158 An Marie d’Agoult, Mitte Mai 1844
159 An Marie d’Agoult, 17. Mai 1844
160 An Marie d’Agoult, 22. Mai 1844
161 An Marie d’Agoult, 27. Mai 1844
162 An Marie d’Agoult, 2. Juni 1844
163 An Marie d’Agoult, 6. Juni 1844
164 An Marie d’Agoult, 11. Juni 1844
165 An Marie d’Agoult, 19. Juni 1844
166 An Süsette Follen, Juli 1844
167 An Marie d’Agoult, Juli 1844
168 An Karl Ewald Hasse, 29. Juli 1844
169 An Gustav Siegmund, Ende Juli/Anfang August 1844
170 An Marie d’Agoult, 9. August 1844
171 An Emma Herwegh, 24. August 1844
172 An Marie d’Agoult, 24. August 1844
173 An Albert Schott d. Ä., 31. August 1844
174 An Cölestin F. Bernays, 24. September 1844
175 An Marie d’Agoult, 25. September 1844
176 An Karl Ewald Hasse, 12. Oktober 1844
177 An Marie d’Agoult, Mitte Oktober 1844
178 An Marie d’Agoult, Mitte Oktober 1844
179 An Albert Franck, 21. Oktober 1844
180 An Marie d’Agoult, Mitte bis Ende Okt. 1844
181 An Marie d’Agoult, Ende Oktober 1844
182 An Marie d’Agoult, vermutlich Oktober 1844
183 An Marie d’Agoult, vermutlich Ende 1844
184 An Marie d’Agoult, vermutlich Ende 1844
185 An Marie d’Agoult, vermutlich 1844
186 An Marie d’Agoult, Ende Januar 1845
187 An Marie d’Agoult, Ende Januar/Anfang Februar 1845
188 An Heinrich Heine, Januar 1845
189 An Heinrich Börnstein, 23. Februar 1845
190 An die Buchhandlung Brockhaus und Avenarius, 24. Februar 1845
191 An Albert Schott d. Ä., 8. März 1845
192 An Nicolas Martin, Mitte bis Ende März 1845
193 An die Buchhandlung Brockhaus und Avenarius, 31. Mai 1845
194 An Marie d’Agoult, Anfang Juni 1845
195 An Karl Pfeufer und Jacob Henle, Juni 1845
196 An Emma Herwegh, 30. Juni 1845
197 An Emma Herwegh, 3. Juli 1845
198 An Emma Herwegh, 5. Juli 1845
199 An Emma Herwegh, 7. Juli 1845
200 An Emma Herwegh, 9. bis 11. Juli 1845
201 An Heinrich Bernhard Oppenheim, 12., 13. oder 14. Juli 1845
202 An die Buchhandlung Brockhaus und Avenarius, Juli 1845
203 An Emma Herwegh, 15. Juli 1845
204 An Emma Herwegh, 20. Juli 1845
205 An Ernst Boger, 27. Juli 1845
206 An Emma Herwegh, 27. Juli 1845
207 An Emma Herwegh, 4. August 1845
208 An Emma Herwegh, 13. August 1845
209 An Otto Wigand, 18. September 1845
210 An Marie d’Agoult, 9. Oktober 1845
211 An Marie d’Agoult, 19. Oktober 1845
212 An Karl Pfeufer, 30. November 1845
213 An Marie d’Agoult, 1. Januar 1846
214 An Karl Heinzen, 22. Januar 1846
215 An Marie d’Agoult, Anfang bis Mitte Februar 1846
216 An Marie d’Agoult, März 1846
217 An Marie d’Agoult, März 1846
218 An Karl Brenner, 8. März 1846
219 An Marie d’Agoult, kurz nach dem 12. März 1846
220 An Karl Brenner, zwischen dem 9. und 19. März 1846
221 An einen Buchhändler, vermutlich 1846
222 An Heinrich Heine, 1. oder 2. April 1846
223 An Karl Pfeufer, 7. Mai 1846
224 An Karl Pfeufer, zwischen dem 8. und 16. Mai 1846
225 An Heinrich Heine, 17. Mai 1846
226 An einen verehrtesten Herrn Doktor, 6. Juni oder Juli 1846
227 An Emma Herwegh, Juli 1846
228 An Frau Cless, 20. August 1846
229 An Karl Theodor Ernst von Siebold, 3. November 1846
230 An Emma Herwegh, 16. Dezember 1846
231 An Emma Herwegh, 22. Dezember 1846
232 An Emma Herwegh, 3. Januar 1847
233 An Emma Herwegh, 13. Januar 1847
234 An Emma Herwegh, 21. Januar 1847
235 An Emma Herwegh, 16. Februar 1847
236 An Emma Herwegh, 4. März 1847
237 An Emma Herwegh, 10. März 1847
238 An Marie d’Agoult, zweite Hälfte April oder zweite Hälfte Mai 1847
239 An verehrteste Frau, 19. Mai 1847
240 An Karl Vogt, 19. September 1847
241 An Emma Herwegh, 18. Oktober 1847
242 An Emma Herwegh, 21. Oktober 1847
243 An Emma Herwegh, 26. Oktober 1847
244 An Emma Herwegh, 30. Oktober 1847
245 An Karl Marx, 1. November 1847
246 An Emma Herwegh, 3. November 1847
247 An Emma Herwegh, 10. November 1847
248 An Emma Herwegh, 13. November 1847
249 An Emma Herwegh, 1. Dezember 1847
250 An Marie d’Agoult, 4. Dezember 1847
251 An Emma Herwegh, 6. Dezember 1847
252 An Emma Herwegh, 7. Dezember 1847
253 An Emma Herwegh, 11. Dezember 1847
254 An Emma Herwegh, 13. Dezember 1847
255 An Adalbert Bornstedt, 15. Dezember 1847
256 An Emma Herwegh, 18. Dezember 1847
257 An Marie d’Agoult, letzte Dekade Februar bis Mitte April 1848
258 An Karl Pfeufer, 25. Februar 1848
259 An Johann Jacoby, 27. Februar 1848
260 An Johann Jacoby, 28. Februar 1848
261 An Cölestin F. Bernays, am oder kurz nach dem 6. März 1848
262 An Friedrich Hecker, 15. März 1848
263 An den Publizisten Börnstein, 21. März 1848
264 An Johann Jacoby, 30. März 1848
265 An Otto von Corvin, Anfang April 1848
266 An Johann Jacoby, Mitte April 1848
267 An Heinrich Börnstein, 18. April 1848
268 An Heinrich Bernhard Oppenheim, Sommer 1848
269 An die Redaktion der Zeitung La Réforme, 14. Juni 1848
270 An Johann Jacoby, 4. August 1848
271 An den Représentant du Peuple, 14. August 1848
272 An Julius Fröbel, 12. Dezember 1848

Anhang
Editorische Hinweise
Verzeichnis der Siglen und Abkürzungen

Apparat
Personenregister
Inhaltsverzeichnis

 

Inhaltsverzeichnis Band 6

Einleitung

273 An Emma Herwegh, 11. Juli 1849
274 An Emma Herwegh, 13. Juli 1849
275 An Emma Herwegh, 19. Juli 1849
276 An Emma Herwegh, 22. Juli 1849
277 An Emma Herwegh, 24. Juli 1849
278 An Emma Herwegh, 2. August 1849
279 An Emma Herwegh, 14. August 1849
280 An Emma Herwegh, 28. August 1849
281 An Emma Herwegh, August 1849
282 An Emma Herwegh, September 1849
283 An Emma Herwegh, 15. September 1849
284 An Emma Herwegh, 13. November 1849
285 An Emma Herwegh, Ende November 1849
286 An Emma Herwegh, 11. Dezember 1849
287 An Emma Herwegh, 11. Dezember 1849
288 An Emma Herwegh, vermutlich 18. Dezember 1849
289 An Alexander Herzen, 20. Dezember 1849
290 An Emma Herwegh, 22. Dezember 1849
291 An Emma Herwegh, 23. Dezember 1849
292 An Alexander Herzen, 4. Januar 1850
293 An Alexander Herzen, Anfang Januar 1850
294 An Alexander Herzen, zwischen dem 12. und 15. Januar 1850
295 An Alexander Herzen, 19. Januar 1850
296 An Alexander Herzen, vermutlich 21. Januar 1850
297 An Alexander Herzen, vermutlich 22. Januar 1850
298 An Alexander Herzen, 26. Januar 1850
299 An Alexander Herzen, 30., 31. Januar oder 1. Februar 1850
300 An Alexander Herzen, 4. Februar 1850
301 An Alexander Herzen, 10. oder 11. Februar 1850
302 An Alexander Herzen, 10. oder 11. Februar 1850
303 An Alexander Herzen, vermutlich 15. Februar 1850
304 An Alexander Herzen, 20. Februar 1850
305 An Emma Herwegh, 15. oder 22. März 1850
306 An Emma Herwegh, 19. März 1850
307 An Emma Herwegh, Frühjahr 1850
308 An Alexander Herzen, vermutlich 26. März 1850
309 An Emma Herwegh, Frühjahr 1850
310 An Emma Herwegh, 16. April 1850
311 An Emma Herwegh, Frühjahr 1850
312 An Emma Herwegh, 26. April 1850
313 An Emma Herwegh, Frühjahr 1850
314 An Alexander Herzen, 21. Mai 1850
315 An Natalie und Alexander Herzen, 1. oder 2. Juni 1850
316 An Natalie Herzen, 2. Juni 1850
317 An Alexander Herzen, etwa 20. Juni 1850
318 An Alexander Herzen, vermutlich 7. Juli 1850
319 An Emma Herwegh, 30. Juli 1850
320 An Rudolf Bollier, 3. August 1850
321 An Adolf Kolatschek, 28. Oktober 1850
322 An Adolf Kolatschek, 1. Dezember 1850
323 An Alexander Herzen, Mitte Januar 1851
324 An Adolf Kolatschek, 30. Januar 1851
325 An Adolf Kolatschek, 21. Februar 1851
326 An Adolf Kolatschek, 12. März 1851
327 An Adolf Kolatschek, 24. März 1851
328 An Adolf Kolatschek, 19. April 1851
329 An Adolf Kolatschek, 23. April 1851
330 An Adolf Kolatschek, 24. April 1851
331 An Emma Herwegh, 25. April 1851
332 An Emma Herwegh, 8. Mai 1851
333 An Emma Herwegh, 22. Juni 1851
334 An Emma Herwegh, 5. Juli 1851
335 An Emma Herwegh, Sommer 1851
336 An Emma Herwegh, Sommer 1851
337 An Emma Herwegh, 16. Juli 1851
338 An Emma Herwegh, 13. Oktober 1851
339 An François Wille, Herbst 1851
340 An François Wille, 29. September 1851
341 An François Wille, kurz nach dem 16. November 1851
342 An Ludwig Feuerbach, 3. Dezember 1851
343 An François Wille, Ende Dezember 1851
344 An François Wille, um Neujahr 1852
345 An Emma Herwegh, 13. Januar 1852
346 An François Wille, 14. Januar 1852
347 An François Wille, 16. Januar 1852
348 An Adolf Kolatschek, 17. Januar 1852
349 An François Wille, Mitte Januar 1852
350 An Alexander Herzen, Mitte Januar 1852
351 An Emma Herwegh, 7. Februar 1852
352 An Emma Herwegh, 8. Februar 1852
353 An Adolf Kolatschek, 8. Februar 1852
354 An Adolf Kolatschek, 9. Februar 1852
355 An Adolf Kolatschek, 14. Februar 1852
356 An Emma Herwegh, 14. Februar 1852
357 An Emma Herwegh, 16. Februar 1852
358 An Emma Herwegh, 24. Februar 1852
359 An Emma Herwegh, Februar 1852
360 An Adolf Kolatschek, 24. Februar 1852
361 An Emma Herwegh, 25. Februar 1852
362 An Emma Herwegh, 17. März 1852
363 An Emma Herwegh, 25. März 1852
364 An Adolf Kolatschek, 25. März 1852
365 An François Wille, März/April 1852
366 An François Wille, Frühjahr 1852
367 An Adolf Kolatschek, 6. April 1852
368 An Emma Herwegh, 6. April 1852
369 An Emma Herwegh, 8. April 1852
370 An Emma Herwegh, 1852
371 An Emma Herwegh, 16. April 1852
372 An Emma Herwegh, 20. April 1852
373 An Emma Herwegh, 2. Mai 1852
374 An François Wille, nach dem 2. Mai 1852
375 An Emma Herwegh, 12. Mai 1852
376 An Adolf Kolatschek, 15. Mai 1852
377 An François Wille, Sommer 1852
378 An Emma Herwegh, 19. Juni 1852
379 An Emma Herwegh, 2. Juli 1852 185
380 An François Wille, vor dem 7. Juli 1852
381 An François Wille, vor dem 7. Juli 1852
382 An Emma Herwegh, vermutlich Juli 1852
383 An Johann Friedrich August Eichelberg, kurz vor oder am 7. August 1852
384 An Moses Hess, 7. August 1852
385 An Emma Herwegh, 28. August 1852
386 An Emma Herwegh, 20. September 1852
387 An Fanny Piaget, Herbst 1852
388 An Fanny Piaget, Herbst 1852
389 An Emma Herwegh, 11. Oktober 1852
390 An Emma Herwegh, 30. November 1852
391 An Emma Herwegh, 13. Dezember 1852
392 An François Wille, 15. Dezember 1852
393 An François Wille, kurz nach dem 15. Dezember 1852
394 An François Wille, nach dem 15. Dezember 1852
395 An Emma Herwegh, 20. Dezember 1852
396 An François Wille, 31. Dezember 1852
397 An Marie d’Agoult, Januar 1853
398 An Marie d’Agoult, Januar 1853
399 An Emma Herwegh, 2. Februar 1853
400 An Emma Herwegh, 16. April 1853
401 An Emma Herwegh, 7. Mai 1853
402 An François Wille, 4. Juni 1853
403 An Emma Herwegh, Sommer 1853
404 An Emma Herwegh, 18. Juli 1853
405 An Emma Herwegh, 30. Juli 1853
406 An Emma Herwegh, 6. August 1853
407 An Adolf Kolatschek, 23. September 1853
408 An Franz Hanke, 15. Juni 1854
409 An Emma Herwegh, Dezember 1854
410 An einen Buchhändler, 1854
411 An François Wille, erstes Halbjahr 1855
412 An Otto Volger, 8. Dezember 1855
413 An Otto Volger, 13. Dezember 1855
414 An Otto Volger, 1855 bis Sommer 1856
415 An Molly Hölzel, 19. April 1856
416 An Johann Jacoby, 12. August 1856
417 An Johann Jacoby, 18. August 1856
418 An Carolyne Sayn-Wittgenstein, zwischen dem 14. Oktober und 21. November 1856
419 An Franz Liszt, zwischen dem 14. Oktober und 21. November 1856
420 An Carolyne Sayn-Wittgenstein, 9. Februar 1857
421 An Otto Volger, 11. Februar 1857
422 An Otto Volger, 29. März 1857
423 An Heinrich Meyerhöfer, 1. April 1857
424 An Emma Herwegh, 28. August 1857
425 An Otto Volger, 2. November 1857
426 An Otto Volger, 12. November 1857
427 An Otto Volger, 12. November 1857
428 An Otto Volger, 26. November 1857
429 An Otto Volger, 28. November 1857
430 An Ignaz Heim, vermutlich 1857
431 An Otto Volger, 21. Januar 1858
432 An Unbekannt, 14. Mai 1858
433 An Carolyne Sayn-Wittgenstein, 15. Mai 1858
434 An Cosima und Hans von Bülow, 16. Mai 1858
435 An Gottfried Semper, Mai 1858
436 An François Wille, 30. Mai 1858
437 An Emma Herwegh, 11. Oktober 1858
438 An Unbekannt, Oktober 1858
439 An Emma Herwegh, 16. Oktober 1858
440 An Emma Herwegh, 3. März 1859
441 An Emma Herwegh, 8. März 1859
442 An Emma Herwegh, 14. März 1859
443 An Emma Herwegh, 16. März 1859
444 An Emma Herwegh, 21. März 1859
445 An Emma Herwegh, 22. März 1859
446 An Emma Herwegh, 23. März 1859
447 An Emma Herwegh, 28. März 1859
448 An Emma Herwegh, 29. März 1859
449 An Emma Herwegh, 5. April 1859
450 An Emma Herwegh, 12. April 1859
451 An Richard Wagner, kurz nach dem 16. Juni 1859
452 An Richard Wagner, kurz nach dem 3. Juli 1859
453 An David Kalisch, 16. September 1859
454 An David Kalisch, 26. September 1859
455 An Franz Bizonfy, 17. November 1859
456 An Emma Herwegh, Ende Februar bis Anfang März 1860
457 An David Kalisch, Ende März/Anfang April 1860
458 An Károly Mária Kertbeny, 28. April 1860
459 An Hermann Marschall von Bieberstein, 3. Oktober 1860
460 An Emma Herwegh, 11. Juni 1861
461 An Emma Herwegh, 16. Juni 1861
462 An Emma Herwegh, 21. Juni 1861
463 An Emma Herwegh, 1. bis 5. Juli 1861
464 An Emma Herwegh, 11. Juli 1861
465 An Emma Herwegh, 20. Juli 1861
466 An Emma Herwegh, 5. August 1861
467 An Emma Herwegh, 12. August 1861
468 An Ludwig Feuerbach, 12. August 1861
469 An Emma Herwegh, 17. August 1861
470 An Jakob Dubs, 2. September 1861
471 An Ferdinand Lassalle, 8. Oktober 1861
472 An Francesco De Sanctis, nach Mitte Oktober 1861
473 An Franz Dingelstedt, 17. Januar 1862
474 An Ferdinand Lassalle, 16. bzw. 23. März 1862
475 An Carlo Matteucci, 6. Mai 1862
476 An Jacob Moleschott, 18. Mai 1862
477 An Ferdinand Lassalle, 26. Juni 1862
478 An Ferdinand Lassalle, 28. Juni 1862
479 An Ferdinand Lassalle, 1. Juli 1862
480 An Sophie von Hatzfeldt, 14. Juli 1862
481 An Gottfried Keller, 19. Juli 1862
482 An Emma Herwegh, 27. Juli 1862
483 An Emma Herwegh, 29. Juli 1862
484 An Emma Herwegh, 2. August 1862
485 An Emma Herwegh, 4. August 1862
486 An Emma Herwegh, 7. August 1862
487 An Emma Herwegh, 11. August 1862
488 An Emma Herwegh, 15. August 1862
489 An Emma Herwegh, 20. August 1862
490 An Emma Herwegh, 25. August 1862
491 An Franz Dingelstedt, 25. August 1862
492 An Emma Herwegh, 29. August 1862
493 An Emma Herwegh, 2. September 1862
494 An Emma Herwegh, 5. September 1862
495 An Emma Herwegh, 6. September 1862
496 An Emma Herwegh, 24. September 1862
497 An Ferdinand Lassalle, 23. Oktober 1862
498 An Adolf Strodtmann, 29. Oktober 1862
499 An Ludwig Schweigert, 6. November 1862
500 An Fedor Streit, 11. November 1862
501 An Fedor Streit, 12. oder 19. November 1862
502 An Ludmilla Assing, 9. Dezember 1862
503 An Adolf Strodtmann, 11. Januar 1863
504 An Ludmilla Assing, 15. Januar 1863
505 An Ludmilla Assing, März 1863
506 An Ferdinand Lassalle, 11. April 1863
507 An Ferdinand Lassalle, 3. Mai 1863
508 An Ferdinand Lassalle, Juni 1863
509 An Oscar Klepperbein, 7. Juni 1863
510 An Ferdinand Lassalle, 5. Juli 1863
511 An Ferdinand Lassalle, 7. Juli 1863
512 An Ferdinand Lassalle, 15. Juli 1863
513 An Ferdinand Lassalle, 24. Juli 1863
514 An Ferdinand Lassalle, Anfang August 1863
515 An Friederike Friedland, 14. August 1863
516 An Eugénie Fétis, 19. Oktober 1863
517 An Ferdinand Lassalle, 25. Oktober 1863
518 An Wilhelm Rüstow, 26. Oktober 1863
519 An Ludmilla Assing, 24. Dezember 1863
520 An Johann Karl Kappeler, Dezember 1863
521 An Johann Karl Kappeler, 9. Januar 1864
522 An Franz Reuleaux, 9. Januar 1864
523 An Johann Karl Kappeler, 20. Januar 1864
524 An Ludmilla Assing, 21. Februar 1864
525 An Paul Challemel-Lacour, 3. März 1864
526 An August Reimann, 18. Juni 1864
527 An Reinhold Schlingmann, kurz nach dem 31. August 1864
528 An Emma Herwegh, 2. September 1864
529 An Ludwig Schweigert, 14. September 1864
530 An die Meyer-Zeller’sche Buchhandlung, 7. Oktober 1864
531 An die Redaktion des „Sozial-Demokraten“, 4. März 1865
532 An Johann Philipp Becker, 4. März 1865
533 An Johann Philipp Becker, 11. März 1865
534 An Johann Philipp Becker, 21. März 1865
535 An Karl von Bruhn, kurz vor dem 24. März 1865
536 An Johann Philipp Becker, 24. März 1865
537 An Karl von Bruhn, 29. März 1865
538 An Johann Philipp Becker, Anfang April 1865
539 An Emma Herwegh, kurz vor dem 30. Mai 1865
540 An Sophie von Hatzfeldt, 30. Juni 1865
541 An Emma Herwegh, 30. Juni 1865
542 An Emma Herwegh, 17. August 1865
543 An Károly Mária Kertbeny, 26. Oktober 1865
544 An Ernst Dohm, 7. November 1865
545 An Eduard Schmidt-Weissenfels, 22. Dezember 1865
546 An den Sekretär der Königlich Bayerischen Akademie der bildenden Künste, vermutlich 1865
547 An Karl Beck, 3. Januar 1866
548 An Karl Beck, 13. Januar 1866
549 An Julius Haußmann, 14. Februar 1866
550 An Emma Herwegh, 1. April 1866
551 An Franz Dingelstedt, 7. April 1866
552 An Hermann Ulrici, 13. April 1866
553 An Franz Dingelstedt, 18. April 1866
554 An Franz Dingelstedt, 21. April 1866
555 An Wilhelm Rüstow, 23. April 1866
556 An Franz Dingelstedt, 26. April 1866
557 An Emma Herwegh, 8. Mai 1866
558 An Franz Dingelstedt, 9. Mai 1866
559 An Emma Herwegh, 12. Mai 1866
560 An Emma Herwegh, 26. Mai 1866
561 An Emma Herwegh, 25. Juni 1866
562 An Wilhelm Rüstow, 9. Juli 1866
563 An Wilhelm Rüstow, 12. Juli 1866
564 An Wilhelm Rüstow, 16. Juli 1866
565 An Wilhelm Rüstow, 22. Juli 1866
566 An Wilhelm Rüstow, 27. Juli 1866
567 An Emma Herwegh, 1. August 1866
568 An Gustav Siegmund, 2. August 1866
569 An Wilhelm Rüstow, 2. August 1866
570 An Wilhelm Rüstow, 2. August 1866
571 An Wilhelm Rüstow, 4. August 1866
572 An Wilhelm Rüstow, 7. August 1866
573 An Julius Haußmann, 11. September 1866
574 An Julius Haußmann, kurz vor dem 4. Oktober 1866
575 An Friedrich August Leo, 1. November 1866
576 An Franz Dingelstedt, 3. November 1866
577 An Franz Dingelstedt, 24. November 1866
578 An Franz Dingelstedt, 2. Dezember 1866
579 An Friedrich August Leo, 15. Dezember 1866
580 An Julius Haußmann, vermutlich zweites Halbjahr 1866
581 An Franz Dingelstedt, 10. Februar 1867
582 An Franz Dingelstedt, 15. März 1867
583 An Franz Dingelstedt, 18. Mai 1867
584 An Wilhelm Rüstow, 24. Mai 1867
585 An Franz Dingelstedt, 25. Juli 1867
586 An Emma Herwegh, 6. August 1867
587 An Emma Herwegh, 17. August 1867
588 An Emma Herwegh, 2. Oktober 1867
589 An Emma Herwegh, 12. Oktober 1867
590 An Emma Herwegh, 1. November 1867
591 An Louis de Ronchaud, 20. Mai 1868
592 An die Redakteure des „Beobachters“, Julius Haußmann, Karl Mayer, 6. Juli 1868
593 An Unbekannt, 4. Oktober 1868
594 An Emma Herwegh, 25. August 1869
595 An Emma Herwegh, 31. August 1869
596 An Unbekannt, vermutlich 18. Oktober 1869
597 An Friedrich Gerstäcker, 28. Oktober 1869
598 An Moritz von Gans-Ludassy, 16. Dezember 1869
599 An die Wiener und Prager Burschenschaft, 3. März 1870
600 An Moritz von Gans-Ludassy, 7. März 1870
601 An Theodor Winkler, 29. März 1870
602 An Johann Georg Uehlin, 17. Juni 1870
603 An Ferdinand Weibert, 21. Dezember 1870
604 An Ferdinand Weibert, 1. Januar 1871
605 An Ferdinand Weibert, 17. Januar 1871
606 An Ferdinand Weibert, 22. Januar 1871
607 An Unbekannt, 25. Januar 1871
608 An Herrn Dr. Vogel, 25. Januar 1871
609 An Ferdinand Weibert, 26. Januar 1871
610 An Ferdinand Weibert, 4. März 1871
611 An Ada Herwegh de Paula Souza, Ende März 1871
612 An Ada Herwegh de Paula Souza, 16. April 1871
613 An Ferdinand Weibert, 23. Juni 1871
614 An Johann Philipp Becker, 26. Juni 1871
615 An Emma Herwegh, 24. August 1871
616 An Richard Wagner, 1. Oktober 1871
617 An Johann Philipp Becker, 9. Oktober 1871
618 An Unbekannt, 27. Oktober 1871
619 An Unbekannt, 13. November 1871
620 An die Redaktion der „République française“, 1871/1872
621 An Marcel Herwegh, 7. Februar 1872
622 An Malwyda Meisenbug, nach dem 27. August 1872
623 An den „Beobachter“, 17. September 1872
624 An Otto Volger, 6. März 1873
625 An Otto Volger, 15. März 1873
626 An Otto Volger, 21. März 1873
627 An Otto Volger, 21. März 1873
628 An Otto Volger, 25. März 1873
629 An das Festkomitee zur Einweihung des Uhland-Denkmals, 12. Juli 1873
630 An Otto Volger, 25. August 1873
631 An Otto Volger, 28. August 1873
632 An Otto Volger, 29. August 1873
633 An Eduard Schröder, 3. September 1873
634 An Unbekannt, 29. Juli 1867-1874
635 Erwiderung auf die Einladung zum Weimarer Dichtertag, 13. August 1874
636 An Eduard Hallberger, 11. Dezember 1874
637 An Sophie von Hatzfeldt, 18. Dezember 1874
638 An Paul Challemel-Lacour, Mitte bis Ende Dezember 1874
639 An Unbekannt, ab 1867

Nachtrag
N 1 An Karl Mathy, September 1842
N 2 An Stephan Born, 1847
N 3 An Julius Seidlitz, 1847/1848
N 4 An Robert Blum, 8. August 1848

Anhang
Editorische Hinweise
Verzeichnis der Siglen und Abkürzungen
Apparat

Corrigenda zu Band 5
Namenregister
Inhaltsverzeichnis

 

 

aus den 6 Bänden

Namensverzeichnis : KARL MARX

Marx, Karl (1818-1883) I 786; II 316, 319, 321, 336, 400, 424, 481; IV 114, 118, 275-280, 282; V 101, 116, 117, 130, 145, 153, 185, 186, 187, 208, 268, 341, 346, 359, 365, 371, 373, 377, 379, 398, 399, 403, 404, 429, 430, 434; VI 326, 356, 357, 361, 547, 565, 623, 645, 654, 660, 664, 675-677, 680-682, 684, 702, 729, 747
Maßmann, Hans Ferdinand (1797-1874) I 325

Namensverzeichnis: FRIEDRICH ENGELS

Engels, Friedrich (1820-1895) I 755; II 313, 319; IV 114, 117, 118, 242, 275-279, 282; V 61, 186, 268, 271, 343, 352, 406, 429; VI 356, 357, 547, 645, 664, 675-677, 681, 682, 684, 702, 747

 

 

 

 

 

„Hier ruht, wie er’s gewollt, in seiner Heimat freien Erde
Georg Herwegh 31. Mai 1817 – 7. April 1875
Von den Mächtigen verfolgt,
Von den Knechten gehaßt,
Von den meisten verkannt,
Von den Seinen geliebt.“

– Grabinschrift Liestal