Konstantin Alexandrowitsch Fedin

24. Februar (12 Februar, alter Kalender) 1892 - 15 Juli 1977

 

Vorbemerkung

Diese Webseite wird von der Komintern (SH) aus Anlass des 40. Todestags von Fedin veröffentlicht.

Wenn wir an den 40. Todestag von Fedin erinnern, dann tun wir Kommunisten dies heute weder mit einer allgemeinen revisionistischen Lobeshymne, noch mit einer so genannten "Anti-Revisionismuskritik", die Fedin pauschal als "Revisionisten" verurteilt. Als Kommunisten gehen wir stets historisch an die Beurteilung von Schriftstellern heran, die in frühen Schaffensjahren große Beiträge für die Sache des Kommunismus geleistet haben und sich dann im "reiferen" Stadium in revisionistische Schriftsteller verwandelt haben. Das Gleiche gilt umgekehrt für bürgerliche Schriftsteller, die sich im Laufe ihrer Schaffensperiode dem Kommunismus zugewandt haben.

Wir sind verpflichtet, beide Seiten zu beleuchten und dabei die wertvollen Seiten hervorzuheben und diese von den schlechten Seiten abzugrenzen. Es bleibt für uns Kommunisten zu jeder Zeit die Aufgabe, die kommunistischen Beiträge gegen den revisionistischen Verrat zu verteidigen. Das haben wir bereits bei anderen Schriftstellern so gehandhabt (zum Beispiel bei Simonow), und das tun wir auch diesmal bei Fedin.

Die Komintern (SH) setzt von Anfang an auch auf dem Gebiet der Literatur den Kampf gegen den Sowjetrevisionismus fort. Fedin gehört zu der überwiegenden Mehrheit aller sowjetischen Schriftsteller, die revisionistischen Verrat an der Sowjetunion Lenin und Stalins insbesondere nach dem Tod Stalins begingen, wobei Fedin als revisionistischer Leiter des sowjetischen Schriftstellerverbandes eine besondere Schuld auf sich geladen hat. Diesen revisionistischen Einfluss hat Fedin u.A. auch auf die Schriftsteller in der DDR ausgeübt. Fedin spielte eine nicht unbedeutende Rolle in der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaftsgesellschaft, und damit bei der Förderung der Beziehungen zwischen der sozialfaschistischen DDR-Führung und den sozialfaschistischen Kreml-Zaren.

Die Heldenfigur seines Werkes "Städte und Jahre", Andrej Starzow, ist die problematischste Figur. Sie stimmt mit der Entwicklung Fedins überein: Der Held endet im Verrat an der Revolution. In seinem Roman "Die Flamme" (1961) hatte Fedin das große Ideal der Weltrevolution verraten. Die Pschologisierung des "Schreckens des Krieges" verdrängt den Klassencharakter des revolutionären Krieges und die revolutionäre Heldengestalt verblasst. Die marxistisch-leninistischen Inhalte wurden durch revisionistische Inhalte ersetzt.

Einst ein armer junger Schriftsteller, der sich mit einpaar Jobs über Wasser zu halten versuchte,war Fedin unter der Herrschaft der Chruschtschowclique ein Führer der privilegierten Intellektuellenschicht.

1951 sagte Fedin bezüglich seines Romans "Städte und Jahre": "Das, was vor dreißig Jahren niedergeschrieben wurde - anders, als ich es heute täte [!] -, vermag ich nicht mehr zu ändern."

Fedin berief sich hierbei auf das berühmte Wort von Tschernyschewski:

"Es geht nicht an, im Alter zu ändern, was in der Jugend geschrieben worden ist."

Deswegen müssen wir stets sorgfältig darauf achten, ob der revolutionäre Inhalt alter Werke von den Revisionisten verfälscht worden ist oder nicht.

Wir grenzen uns ab gegen alle bürgerlichen Agenturen innerhalb der proletarischen Literatur, die das Ziel verfolgen, die proletarische Literatur der bürgerlichen Literatur anzupassen und sie in den Dienst der Bourgeoisie zu stellen.

Die Verbürgerlichung der proletarischen Literatur wird erstens auf offen revisionistischem Wege vollzogen (z.B. "Literatur des ganzen Volkes"). Und zweitens versucht die Bourgeoisie die proletarische Literatur dadurch zu schwächen, dass die einstigen revolutionären Werke von Schriftstellern nur deswegen verworfen werden, weil diese später verbürgerlicht sind. Das ist die offene und verdeckte bürgerliche Methode zur Liquidierung der proletarischen Literatur.

Was ist unsere prinzipielle Haltung zur Frage, wie wir einen Schriftsteller beurteilen müssen, der einmal revolutionär war und dann zum Renegaten wurde?

An erster Stelle beurteilen wir jedes einzelne Werk nach seinem Gesamtinhalt:

Kann man aus einem Werk Wissen, Zuversicht, neue Kraft für den Sieg der Sache des Weltproletariats schöpfen oder kann man das nicht? Trägt ein Werk dazu bei, die brennendsten Fragen des Kampfes für den Weltkommunismus zu beantworten oder nicht ?

Das Weltproletariat verwirft jedes schriftstellerische Werk, welches die sozialistische Weltrevolution hemmt und eignet sich nur solche an, die ihm auf dem Weg zur Befreiung dienlich sind. Wir Kommunisten sind dabei behilflich.

Zunächst muss man diese Frage in jedem Einzelfall differenziert beantworten, denn der Weg zum Renegatentum ist nicht bei allen Schriftstellern der gleiche. Und außerdem gibt es Schriftsteller, die tiefer gesunken sind als andere.

Schwierig ist die Frage zu beantworten, welches Werk noch als revolutionär gelten kann und welches schon als revisionistisch zu beurteilen ist. Der Übergang ist mehr oder weniger fließend, selbst in ein und demselben Werk.

Die 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus lehren, dass wir jeder Literatur nur ihre revolutionären Elemente entnehmen, während wir alle bürgerlich-revisionistischen Elemente unbedingt entlarven und verwerfen müssen. Das ist auch die Richtschnur für die Veröffentlichung der Werke von Fedin. Wir veröffentlichen nur die revolutionäre Literatur von Fedin und verwerfen hingegen seine revisionistische Literatur.

 

Zum 40. Todestag von Konstantin Fedin

Der 40. Todestag fällt zusammen mit dem 100. Jahrestag der Oktoberrevolution, weswegen wir Fedins Schaffen im Lichte der Oktoberrevolution beleuchten wollen.

Zunächst gehörte Fedin den "Serapionsbrüdern" an, einer Gruppe junger Schriftsteller, die gegenüber der neuen Sowjetregierung eine teils distanzierte - teils kritische Haltung eingenommen hatte, dann aber in der Mehrzahl zu sowjetischen Schriftstellern wurden. Dies geschah vor Allem Dank Gorki, der diese Literatengruppe unter seine Fittiche genommen hatte.

Die Große Oktoberrevolution hatte Fedin neue Aufgaben gestellt. Es ging in seiner Literatur darum, das Leben der revolutionären Massen zu schildern, deren Ideale in Heldengestalten zu verkörpern und durch eben diese Gestalten den Weg zum Aufbau des Sozialismus zu erhellen. Ein besonderer Platz gebührt Konstantin Fedins Romanen, die das Schicksal eines Kommunisten in der der Zeit vor der Oktoberrevolution ("Frühe Freuden") und während des Bürgerkriegs ("ein ungewöhnlicher Sommer") gestalten.

Hervorzuheben ist Fedins Werk "Ein ungewöhnlicher Sommer".

Dieser Roman hat zum Thema die Ereignisse im Bürgerkrieg 1919. Der Kampf der Helden Kirill Iswekow und Pjotr Ragosin für die Sowjetmacht ist nicht nur verbunden mit ihrem Freundeskreis, mit Familienangehörigen, sondern darüber hinaus mit den Volksmassen. Fedin schreibt:

"Die Zukunft des russischen Lebens ist von seiner sowjetischen Ordnung nicht zu trennen. Der wahrhaft große Held der Gegenwart ist der Kommunist. Sein tätiger Wille ist gleichbedeutend mit dem Sieg. Ich war denn auch bestrebt, zur wichtigsten handelnden Person meiner letzten Romane eben diesen Helden zu machen, indem ich sein Werden in der Zeit vor der russischen Revolution und während des Bürgerkriegs zeigte."

Die von Fedin geformte Gestalt Kirill Iswekows ist eine der markantesten Typen der Kommunisten in der Sowjetliteratur. Seinem Charakter nach ist er in den Grundzügen bereits den sowjetischen Helden der späteren Zeit sehr verwandt, obwohl die Situation, in der Fedin ihn auftreten lässt, weit zurück liegt.

Gegen Ende des "ungewöhnlichen Sommers" wird Stalins führende Rolle im Feldzug gegen die Weißgardisten Denekins hervorgehoben.

Auf der allgemeinen Grundlage der klassischen russischen Literatur und insbesondere unter Anleitung Gorkis stellte Fedin sein Schaffen in den Dienst der proletarischen Befreiungsbewegung, in den Dienst der Oktoberrevolution. Als Schüler Gorkis gehörte Fedin bald zu den "Ingenieuren der sozialistischen Seele" Vor Allem aber war die Lehre des Marxismus-Leninismus richtungsweisend für Fedins Literatur. Während seiner Zeit in Deutschland studierte Fedin Schriften von Lenin, die ihm ein russischer Lebensgefährte gab. Er nahm auch im August 1918 an einer Versammlung der deutschen Spartakisten teil, als er nach Berlin gereist war. Hierüber schrieb er den Aufsatz "Die Spartakisten". Fedin schrieb auch über die Novemberrevolution in Deutschland.

Nach der Oktoberrevolution übernahm Fedin eine Funktion im Moskauer Volkskomissariat für Bildungswesen.

Fedin war an der Front gewesen, um die Oktoberrevolution zu verteidigen. Nach Beendigung des Bürgerkriegs gehörte Fedin zu den ungefähr 300 Schriftstellern - wie Ostrowski, Furmanow, Fadejew, Leonow und Malyschkin - die die Reihen der Sowjetliteratur verstärkten. (Darunter auch der später revisionistische Schriftsteller Scholochow)

Die Oktoberrevolution verlangte von Konstantin Fedin eine klare Entscheidung darüber, auf welcher Seite der Barrikade er steht.

"Das stärkste Gefühl", sagte Konstantin Fedin über diese Jahre, "das mein Verhältnis zur Revolution bestimmte, war die Liebe zu Russland, zur Heimat. Sie wurde von der Revolution nicht erstickt, sondern bildet mit ihr eine Einheit. Sie führte auch jene der Revolution zu, die vorher außerhalb der revolutionären Gedankenwelt gestanden hatten, denn sie mussten sofort fühlen, dass die Revolution eine patriotische, volkstümliche Tat war."

Als ein Schriftsteller, der mit der sozialistischen Revolution verbunden war und während des Bürgerkriegs in den Reihen der Roten Armee für den Bestand der Sowjetmacht gekämpft hatte, stellte und beantwortete Fedin zugleich die Frage der historischen Perspektive des deutschen und russischen Volkes - wie in seinem Buch "Städte und Jahre". Fedin war davon überzeugt, dass nur die sozialistische Revolution die Völker von der Last der Vergangenheit, vom menschlichen Elend, von den imperialistischen Raubkiege befreien kann. Hiermit verband Fedin in seinem Roman "Städte und Jahre" viele Fragen, die damals auch für die deutschen Revolutionäre höchste Bedeutung hatten: die Fragen der revolutionären Moral, der Platz der Intelligenz in der Revolution, das Verhältnis der Bauernschaft zur Revolution, des organisierten Kampfes gegen die Konterrevolution, und schließlich die Frage des proletarischen Internationalismus.

Gorki schrieb über Fedin und seinen Roman "Städte und Jahre":

"Konstantin Fedin ist ein ernsthafter, tiefer Schriftsteller, der konzentriert und überlegt arbeitet. Er ergreift nicht übereilt das Wort, aber alles, was er sagt, hat Gewicht. Jetzt schreibt er einen großen Roman, und ich höre, dass ihm die Arbeit gelingt. Ich habe das Buch sofort gelesen, 'in einem Zug', und mit Vergnügen habe ich es heute noch einmal gelesen. Ein interessantes Buch. 'Städte und Jahre' muss man kennen, wenn man über die russische Literatur mitreden will."

 

 

Biographische Notiz

Fedin stammte aus einfachen Verhältnissen.

Anlässlich einer Reise durch Deutschland wurde er 1914, nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, wegen seiner russischen Staatsbürgerschaft zivilinterniert. Fedin lebte während dieser Zeit in verschiedenen Städten, so in Zittau, Dresden, Görlitz, Zwickau und Nürnberg, gab Sprachstunden und trat als Schauspieler auf. Dort kam er auch mit deutschen Expressionisten in Berührung. Erst 1918 durfte er im Rahmen eines Gefangenenaustausches in seine Heimat zurückkehren. Dieser Zeit setzte er in seinem 1924 erschienenen Roman Städte und Jahre ein Denkmal. 1931 verbrachte er, an Tuberkulose erkrankt, einen Kuraufenthalt in Davos, der ihm durch Gorki ermöglicht wurde. Aus diesem Erleben verfasste er den Roman Sanatorium Arktur .

Fedin arbeitete auch als Dozent am Maxim-Gorki-Institut für Literatur, wo Autoren ausgebildet wurden.

Fedin war Mitglied der literarischen Gruppe Serapionsbrüder.

Am 10. Mai 1933 wurden Fedins Bücher von den Nazis öffentlich verbrannt. Am 31. August 1933 schrieb Fedin an Gorki:

"Die Deutschen haben mich 'verbrannt' (ich rechne es mir, sozusagen, zur Ehre an)."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

WERKE

 

Auszug aus:

"Ein ungewöhnlicher Sommer"

 

 

 

 

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Im Aufbauverlag erschienen die Gesammelte Werke von Fedin in 10 Bänden.

Der erste Band, "Begegnungen mit der Vergangenheit", enthält die Erzählungen und eine kurze Autobiographie. In dem zweiten Band, "Sanatorium Arktur", sind in chronologischer Reihenfolge die kleinen Romane "Anna Timofewna", "Der Alte", "Ich war Schauspieler" und Sanatorium Arktur" enthalten. Die weiteren Bände enthalten die Romane: "Städte und Jahre" (Band III), "Die Brüder" (Band IV), "Raub der Europa" (Band V), "Frühe Freuden" (Band VI), "Ein ungewöhnlicher Sommer", Band VII und VIII). Der Roman "Die Flamme" (Band IX). An die neun Bände erzählender Prosa schließt sich ein Band mit ausgewählten Aufsätzen über Literatur und den ersten beiden Teilen der Erinnerungen "Gorki unter uns" an. Als dritter Teil folgt der Aufsatz über "Jegor Bulytschow und die Anderen".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fedin-Museum