Lenin über Dzierzynski

 

 

 

 

 

 

 

 

Lenin über Dzierzynski

aus Anlass des 90. Todestags von Feliks Dzierzynski

am 20. Juli 1926

(Sammlung von Texten und Zitaten - zusammengestellt von Wolfgang Eggers)

 

 

 

Lenin, Band 24, Seite 293 - 294

Siebente Gesamtrussische Konferenz der SDAPR(B)

Rede über die Nationale Frage


Ein kurzer Bericht wurde am 15. (2.) Mai 1917 in der „Prawda" Nr. 46 veröffentlicht.


Wir sagen, daß die Grenzen durch den Willen der Bevölkerung bestimmt werden. Rußland, wage es nicht, um Kurland Krieg zu führen!

Deutschland, weg mit den Truppen aus Kurland! So lösen wir die Frage der Lostrennung. Das Proletariat kann nicht zur Gewalt greifen, denn es darf die Freiheit der Völker nicht behindern. Die Losung „Fort mit den Grenzen" wird dann richtig sein, wenn die sozialistische Revolution eine Realität sein wird und nicht eine Methode; dann werden wir sagen: Genossen, kommt zu uns...

Etwas ganz anderes ist die Frage des Krieges. Wenn nötig, werden wir einen revolutionären Krieg nicht ablehnen. Wir sind keine Pazifisten...

Wenn bei uns Miljukow sitzt und Roditschew nach Finnland schickt, der dort schamlos mit dem finnischen Volk feilscht, so sagen wir: Nein, russisches Volk, wage es nicht, Finnland zu vergewaltigen: ein Volk, das selbst andere Völker unterdrückt, kann nicht frei sein. In der Resolution über Borgbjerg sagen wir: Zieht die Truppen ab und überlaßt es der Nation, die Frage selbständig zu entscheiden. Wenn nun morgen der Sowjet die Macht in seine Hände nimmt, so wird das nicht eine „Methode der sozialistischen Revolution" sein, wir werden dann sagen: Deutschland, weg mit den Truppen aus Polen; Rußland, weg mit den Truppen aus Armenien - andernfalls wäre das Betrug.

Von seinem unterdrückten Polen sagt uns Gen. Dzierzynski, daß dort alle Chauvinisten seien. Warum aber sagt niemand von den Polen ein Wort darüber, was mit Finnland, was mit der Ukraine werden soll? Wir debattieren darüber seit 1903 so viel, daß es einem schwerfällt, darüber zu sprechen. Gehe dahin, wohin du willst... Wer nicht auf diesem Standpunkt steht, ist ein Annexionist, ist ein Chauvinist. Wir wollen das brüderliche Bündnis aller Völker. Wenn es eine Ukrainische Republik und eine Russische Republik geben wird, so wird es zwischen ihnen mehr Bindungen, mehr Vertrauen geben. Wenn die Ukrainer sehen, daß wir eine Sowjetrepublik haben, werden sie sich nicht lostrennen, wenn wir aber eine Miljukowrepublik haben werden, werden sie sich lostrennen.

Wenn Gen. Pjatakow, in völligem Widerspruch zu seinen Ansichten, gesagt hat: Wir sind dagegen, daß man jemanden gewaltsam innerhalb der Grenzen festhält, so ist das eben die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes der Nation. Wir wollen durchaus nicht, daß der Bauer in Chiwa unter dem Joch des Chans von Chiwa leben soll. Durch die Entwicklung unserer Revolution werden wir die unterdrückten Massen beeinflussen.

Die Agitation innerhalb der unterdrückten Masse kann nur in dieser Weise betrieben werden.

Aber jeder russische Sozialist, der die Freiheit Finnlands and der Ukraine nicht anerkennt, wird zum Chauvinismus hinabsinken. Und durch keinerlei Sophismen oder Hinweise auf seine „Methode" wird er sich je rechtfertigen können.

 

 

Lenin, Band 36, Seite 445

NOTIZ

FÜR A. G. SCHLJAPNIKOW

UND F.E. DZIERZYNSKI

Geschrieben Ende November 1917.

Zuerst veröffentlicht am 22. April 1920

im „Uralski Rabotschi" Nr. 95.


Für Gen. Schljapnikow und Gen. Dzierzynski

Der Überbringer, Gen. Worobjow, Delegierter aus dem Ural, besitzt ausgezeichnete Empfehlungen von der Lokalorganisation. Die Situation im Ural hat sich sehr zugespitzt: man muß die hiesigen- (in Petrograd befindlichen) Verwaltungen der Uraler Betriebe sofort verhaften, mit dem (Revolutions-)Gericht drohen wegen Auslösung einer Krise im

Ural und alle Uraler Betriebe beschlagnahmen. Bereiten Sie umgehend den Entwurf einer Verfügung vor. (*)

Lenin

(*)

Nach der Oktoberrevolution überwiesen die Verwaltungen der Bergwerksgesellschaften in Petrograd, denen die Mehrzahl der Uraler Betriebe gehörte, den Betrieben für die Bezahlung der Arbeiter kein Geld mehr. Da auch die Verbindung der örtlichen Organe der Sowjetmacht mit dem Zentrum nicht klappte, kam es im Ural zu einer heftigen Geldkrise. Der Uraler Gebietssowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten schickte eines seiner Mitglieder, W. Worobjow, zum Rat der Volkskommissare nach Petrograd.

Er sollte über die Lage im Ural berichten und die Frage der Auszahlung des Arbeitslohnes an die Arbeiter der Uraler Betriebe regeln. J. M. Swerdlow, den W. Worobjow ausführlich über die Lage im Ural unterrichtet hatte, schlug vor, gemeinsam zu W. I. Lenin zu gehen und ihm den Zustand der Uraler Industrie und die Stimmung der Uraler Arbeiter zu schildern. Nach einem Gespräch von 15 Minuten übergab Lenin Worobjow die vorliegende Notiz. Das Uraler Gebiets-Exekutivkomitee führte selbständig die Maßnahmen durch, auf die Lenin in der Notiz hinwies: im Dezember wurde das in Jekaterinburg (heute Swerdlowsk) befindliche Büro der Bergbatfindustriellen-Konferenz des Ural geschlossen, die Leiter wurden verhaftet und die Uraler Betriebe einer nach dem anderen nationalisiert.

 

 

Lenin, Band 26, Seite 372 - 374


SCHREIBEN AN F. E. DZIERZYNSKI

UND ENTWURF EINES DEKRETS ÜBER DEN KAMPF GEGEN KONTERREVOLUTIONÄRE UND SABOTEURE

Geschrieben am 7. (20.) Dezember 1917.

Zuerst veröffentlicht 1924 in der Zeitschrift „Krasny Archiv" (Rotes Archiv)


An Genossen Dzierzynski

Zu Ihrem heutigen Bericht über die Maßnahmen zum Kampf gegen Saboteure und Konterrevolutionäre.

Könnte man nicht etwa folgendes Dekret vorbereiten:

Über den Kampf gegen Konterrevolutionäre und Saboteure.

Die Bourgeoisie, die Gutsbesitzer und alle reichen Klassen machen verzweifelte Anstrengungen, um die Revolution zu untergraben, deren Sache es ist, die Interessen der Arbeiter, der werktätigen und ausgebeuteten Massen zu sichern.

Die Bourgeoisie begeht die schlimmsten Verbrechen, sie kauft den Abschaum der Gesellschaft und verkommene Elemente, setzt sie unter Alkohol, um Pogrome hervorzurufen. Die Anhänger der Bourgeoisie, besonders unter den höheren Angestellten, unter den Bankbeamten usw., sabotieren die Arbeit, organisieren Streiks, um die Regierung bei ihren Maßnahmen zur Verwirklichung sozialistischer Umgestaltungen zu lähmen.

Das geht sogar bis zur Sabotage im Ernährungswesen, wodurch Millionen Menschen von Hunger bedroht sind.

Zum Kampf gegen Konterrevolutionäre und Saboteure sind außerordentliche Maßnahmen notwendig. Ausgehend von dieser Notwendigkeit, beschließt der Rat der Völkskommissare:

1. Personen, die den reichen Klassen angehören (d. h. die ein monatliches Einkommen von 500 Rubel und mehr haben, Besitzer von städtischen Immobilien, von Aktien und Bargeld in Höhe von über 1000 Rubel), ebenso Angestellte der Banken, der Aktiengesellschaften, der staatlichen und öffentlichen Einrichtungen sind verpflichtet, innerhalb von drei Tagen* den Hauskomitees eigenhändig unterzeichnete und mit ihrer Adresse versehene Erklärungen über ihr Einkommen, ihre Dienststelle und ihre Beschäftigung in dreifacher Ausfertigung einzureichen.

2. Die Hauskomitees beglaubigen diese Erklärungen durch ihre Unterschrift, behalten ein Exemplar bei sich und übergeben die zwei übrigen Exemplare der Stadtverwaltung und dem Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (Adresse:.. .**).

____

* Im Manuskript steht, von Lenin geschrieben, über den Worten „innerhalb

von drei Tagen" „innerhalb 24 Stunden". Die Red.

** Im Manuskript hat Lenin für die Adresse Platz gelassen. Die Red.

 

3. Personen, die sich der Verletzung dieses Gesetzes schuldig machen (die keine Erklärungen abgeben oder falsche Angaben machen usw.), ferner Mitglieder der Hauskomitees, die die Bestimmungen über die Aufbewahrung dieser Erklärungen, über ihre Einsammlung und Weiterleitung an die obenerwähnten Institutionen nicht einhalten, werden je nach dem Grad ihrer Schuld mit einer Geldstrafe bis zu 5000 Rubel für jedes Vergehen, mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Verschickung an die Front bestraft.

4. Dieselbe Strafe trifft Personen, die sich der Sabotage ihrer Arbeit schuldig machen oder sich der Arbeit in den Banken, den staatlichen und öffentlichen Institutionen, den Aktiengesellschaften, den Eisenbahnen usw. entziehen.

5. Als erster Schritt zur Einführung der allgemeinen Arbeitspflicht wird angeordnet, daß die in § 1 genannten Personen verpflichtet sind, erstens ständig eine Kopie der obengenannten Erklärung mit einer Bescheinigung des Hauskomitees sowie ihres Vorgesetzten oder der gewählten Körperschaften (Betriebskomitees, Versorgungskomitees, Eisenbahnerkomitees, Angestelltenverbände usw.) bei sich zu tragen. In der Bescheinigung muß angegeben sein, welchen gesellschaftlichen Dienst oder welche gesellschaftliche Arbeit die betreffende Person leistet, ob sie als arbeitsunfähiges Mitglied bei ihrer Familie lebt usw.

6. Zweitens sind diese Personen verpflichtet, sich innerhalb einer Woche nach Erlaß dieses Gesetzes ein Konsum- und Arbeitsbuch (beiliegend ein Muster dieses Buches) zu besorgen, in dem allwöchentlich die Einnahmen und Ausgaben und die Bestätigungen der Komitees und der Institutionen darüber eingetragen werden, welcherart gesellschaftlichen Dienst die betreffende Person leistet.

7. Personen, die nicht unter die in § 1 aufgezählten Bedingungen fallen, geben in den Hauskomitees eine in einem Exemplar ausgefertigte Erklärung über ihr Einkommen und ihre Arbeitsstelle ab und sind verpflichtet, eine von dem Hauskomitee beglaubigte Kopie dieser Erklärung bei sich zu tragen.

 

 

Lenin, Band 27, Seite 515 - 529


V. Gesamtrussischer Sowjetkongreß

4. - 10. Juli 1918


Darin liegt die Bedeutung des Umsturzes, daß der Sozialismus aus dem Bereich des Dogmas, von dem nur Leute reden können, die überhaupt nichts verstehen, aus der Sphäre des Bücherwissens, des Programms übergegangen ist in die Sphäre der praktischen Arbeit.

Heute schaffen die Arbeiter und Bauern mit ihren Händen den Sozialismus.

Vorbei, davon bin ich überzeugt, und zwar unwiederbringlich vorbei sind für Rußland die Zeiten, wo über sozialistische Programme auf Grund von Büchern diskutiert wurde. Heute kann man über den Sozialismus nur auf Grund von Erfahrungen sprechen. Darin eben liegt die Bedeutung des Umsturzes, daß er zum erstenmal den alten Apparat des bürgerlichen Beamtentums und des bürgerlichen Verwaltungssystems hinweggefegt und Bedingungen dafür geschaffen hat, daß die Arbeiter und Bauern selbst an ein Werk gehen, das unglaublich schwierig ist, dessen Schwierigkeiten sich zu verheimlichen lächerlich wäre; denn die Kapitalisten und Gutsbesitzer haben Jahrhunderte hindurch Dutzende Millionen von Menschen gehetzt und verfolgt, wenn sie auch nur daran dachten, die Erde selbst zu verwalten. Jetzt aber, angesichts einer fürchterlichen, wahnsinnigen Zerrüttung, wo der Krieg den ganzen Körper Rußlands so zerschunden hat, daß das Volk einem halbtot geschlagenen Menschen gleicht, in einer Zeit, da uns die Zaren, Gutsbesitzer und Kapitalisten die größte Zerrüttung als Erbschaft hinterlassen haben, müssen neue Klassen, die Arbeiter und diejenigen Bauern, die keine Lohnarbeiter ausbeuten und sich nicht an Spekulantengetreide bereichern, in einigen Wochen, in einigen Monaten das neue Werk, den neuen Aufbau in Angriff nehmen. Jawohl, das ist ein unglaublich schwieriges, aber auch ein unglaublich dankbares Werk. Jeder Monat einer solchen Arbeit und solcher Erfahrungen wiegt zehn, wenn nicht zwanzig Jahre unserer Geschichte auf. Jawohl, wir fürchten uns nicht im geringsten, Ihnen das einzugestehen, was eine Durchsicht unserer Dekrete zeigt: daß wir sie ständig abändern müssen; wir haben noch nichts Fertiges geschaffen, einen solchen Sozialismus, den man in Paragraphen fassen könnte, kennen wir noch nicht.

Die Gewohnheiten des kapitalistischen Systems sind zu stark. Die Umerziehung des Volkes, das jahrhundertelang in diesen Gewohnheiten erzogen wurde, ist ein schwieriges Werk und erfordert viel Zeit. Aber wir sagen: Unser Kampfmittel ist die Organisation. Wir müssen alles organisieren, alles in unsere Hände nehmen, müssen die Kulaken und die Spekulanten auf Schritt und Tritt kontrollieren, ihnen einen schonungslosen Kampf ansagen und sie nicht zu Atem kommen lassen, indem wir jeden ihrer Schritte kontrollieren.

Aus der Erfahrung wissen wir, daß die Änderung von Dekreten notwendig ist, denn wir begegnen neuen Schwierigkeiten, die die Quelle neuer Änderungen sind. Und wenn wir in der Ernährungsfrage jetzt zur Organisierung der Dorfarmut gekommen sind, und wenn jetzt unsere früheren Kollegen, die linken Sozialrevolutionäre, in aller Aufrichtigkeit, an der nicht gezweifelt werden kann, erklären, daß unsere Wege sich getrennt haben, so antworten wir ihnen, ohne zu zaudern: Um so schlimmer für euch, denn das bedeutet, daß ihr dem Sozialismus den Rücken gekehrt habt. (Beifall.)

Genossen! Die Ernährungsfrage — das ist die Hauptfrage, sie ist die Frage, der wir in unserer Arbeit am meisten Aufmerksamkeit widmen.

Eine Menge kleiner, kaum ins Auge fallender Maßnahmen des Rats der Volkskommissare — die Verbesserung der Schiffahrt und des Eisenbahnverkehrs, die Säuberung der Intendanturmagazine, der Kampf gegen die Spekulation — alles das war darauf gerichtet, das Ernährungswesen in Ordnung zu bringen. Nicht nur unser Land, sondern auch alle jene fortgeschrittensten Kulturländer, die vor dem Krieg nicht wußten, was Hungersnot ist, sind jetzt in der ärgsten Notlage, die die Imperialisten durch den Kampf um die Herrschaft dieser oder jener Gruppe geschaffen haben.

Dutzende Millionen von Menschen im Westen leiden Hungerqualen.

Eben das ist es ja, was die soziale Revolution unvermeidlich macht, denn die soziale Revolution erwächst nicht aus Programmen, sondern daraus, daß Dutzende Millionen Menschen sagen: „Ein Hungerleben wollen wir nicht führen, lieber sterben wir für die Revolution!" (Beifall.) Ein furchtbares Unheil — die Hungersnot — ist über uns hereingebrochen, und je schwieriger unsere Lage, je heftiger die Ernährungskrise ist, desto mehr verstärkt sich der Kampf der Kapitalisten gegen die Sowjetmacht.

Sie wissen, daß die Rebellion der Tschechoslowaken ein Aufruhr von Menschen ist, die von den englischen und französischen Imperialisten gekauft worden sind. Ständig muß man hören, daß bald hier, bald dort Aufstände gegen die Sowjets ausbrechen. Die Kulakenauf stände ergreifen immer neue Gebiete. Am Don steht Krasnow, den die russischen Arbeiter in Petrograd großmütig laufen ließen, als er sich stellte und seinen Degen übergab, denn die Vorurteile der Intelligenz sind noch stark, und die Intelligenz protestierte gegen die Todesstrafe. Krasnow wurde freigelassen wegen der Vorurteile der Intelligenz gegen die Todesstrafe. Heute aber möchte ich ein Volksgericht, ein Arbeiter- oder Bauerngericht sehen, das Krasnow nicht erschießen würde, so wie er die Arbeiter und Bauern niederknallt.

Man sagt uns, wenn die Kommission Dzierzynskis Erschießungen vornimmt, so sei das gut, wenn aber ein Gericht offen vor dem ganzen Volk sagt: dieser ist ein Konterrevolutionär und verdient erschossen zu werden, so sei das schlecht. Leute, die es bis zu solch einer Heuchelei gebracht haben, sind politisch tot. (Beifall.) Nein, ein Revolutionär, der nicht heucheln will, kann auf die Todesstrafe nicht verzichten. Es gab keine einzige Revolution und keine einzige Bürgerkriegsepoche, wo es keine Erschießungen gegeben hätte.

Unsere Ernährung ist in einen nahezu katastrophalen Zustand gebracht worden. Wir sind in einen Zeitabschnitt eingetreten, der die schwerste Periode in unserer Revolution ist. Vor uns liegt die schwierigste Periode — eine schwierigere hat es im Arbeiter- und Bauernrußland noch nicht gegeben —, nämlich die Zeit, die bis zur neuen Ernte geblieben ist. Mich, der ich so manche Parteidifferenzen und revolutionäre Streitigkeiten miterlebt habe, nimmt es nicht wunder, daß in einer so schwierigen Periode die Zahl der Leute zunimmt, die hysterisch werden und schreien: Ich trete aus den Sowjets aus, wobei sie sich auf die Dekrete berufen, die die Todesstrafe abschaffen. Aber schlecht ist der Revolutionär, der im Augenblick des heftigen Kampfes vor der Unantastbarkeit des Gesetzes haltmacht.

Gesetze haben in einer Übergangszeit nur provisorische Bedeutung.

Und wenn ein Gesetz die Entwicklung der Revolution hemmt, so wird es aufgehoben oder verbessert. Genossen, je mehr die Hungersnot um sich greift, um so klarer wird es, daß gegen diese verzweifelte Not auch verzweifelte Kampfmaßnahmen nötig sind. Der Sozialismus hat, wie gesagt, aufgehört, ein Dogma zu sein, so wie er auch vielleicht aufgehört hat, ein Programm zu sein.

Beschuldigen, die als Einzelgänger, vom Hunger gequält, den Nutzen der Organisierung sozialistischer Getreideverteilung nicht einsehen und zu individueller

Selbsthilfe greifen, ohne sich um irgend etwas sonst zu kümmern — solche Leute können nicht beschuldigt werden. Wir sagen aber: Wenn Vertreter von Parteien auftreten, wenn wir Leute sehen, die sich einer bestimmten Partei angeschlossen haben, wenn wir große Volksgruppen sehen, dann verlangen wir von ihnen, daß sie diese Sache nicht vom Standpunkt des erschöpften, gequälten und hungrigen Menschen betrachten, gegen den niemand die Hand erhebt, sondern vom Standpunkt der Errichtung der neuen Gesellschaft.

Ich wiederhole: Nie wird es gelingen, den Sozialismus in einer Zeit aufzurichten, wo alles glatt und ruhig ist; es wird nie gelingen, den Sozialismus zu verwirklichen, ohne daß die Gutsbesitzer und Kapitalisten erbitterten Widerstand leisten. Je schwieriger die Lage ist, um so freudiger reiben sie sich die Hände, um so häufiger erheben sie sich zum Aufruhr. Je schwieriger es ist, je mehr Saboteure wir haben, desto lieber stürzen sie sich in tschechoslowakische und Krasnowsche Abenteuer. Und wir sagen:

Das muß eben in nicht althergebrachter Weise überwunden werden, wie schwer es auch sein mag, den Karren vorwärts, bergauf zu ziehen statt ihn rückwärts, bergab rollen zu lassen.

Wer die Hungerqualen wirklich erlebt hat, dem ist es klar, daß die härtesten, schonungslosesten Maßnahmen erforderlich sind, um die Kulaken zu überwältigen und erbarmungslos niederzuhalten.

Diejenigen Sozialisten, die in einem Augenblick auf und davon gehen, wo Dutzende und Tausende von Menschen vor Hunger umkommen, während zur selben Zeit andere so große Getreideüberschüsse besitzen, daß sie diese bis zum August des Vorjahres, als die festen Getreidepreise verdoppelt wurden — wogegen sich die ganze Demokratie empörte —, nicht verkauft haben, diejenigen, die da wissen, daß das Volk unsägliche Hungerqualen leidet, die aber das Getreide nicht zu Preisen verkaufen wollen, zu denen der Mittelbauer es verkauft, diejenigen sind Feinde des Volkes, sie richten die Revolution zugrunde und unterstützen die Gewalttaten, sie sind Freunde der Kapitalisten! Krieg ihnen, und zwar schonungsloser Krieg!

Es ist nicht wahr, daß das ein Kampf gegen die Bauern ist! Wer das sagt, ist der größte Verbrecher, und das größte Unglück ist dem Menschen geschehen, der sich hysterisch zu solchen Reden hat hinreißen lassen. Nein, nicht nur gegen die armen Bauern, sondern auch gegen die Mittelbauern kämpfen wir nicht. Die Mittelbauern haben in ganz Rußland nur unbedeutende Getreideüberschüsse. Die Mittelbauern haben jahrzehntelang vor der Revolution in schlechteren Verhältnissen gelebt als der Arbeiter. Vor der Revolution haben sie nur Not und Unterdrückung kennengelernt. Mit diesen Mittelbauern beschreiten wir den Weg der Verständigung. Die sozialistische Revolution bringt Gleichheit für alle werktätigen Massen; es ist ungerecht, wenn jeder städtische Arbeiter mehr erhält als der Mittelbauer, der weder durch Lohnarbeit noch durch Spekulation fremde Arbeit ausbeutet. Ein solcher Bauer erlebt und sieht mehr Not und Unterdrückung als der Arbeiter und lebt noch schlechter als dieser. Diese Bauern haben keine Organisation und keine Gewerkschaften, die sich mit der Frage der Verbesserung ihrer Lage beschäftigten.

Wenn es Kampf geben wird, werden wir mit kühnen Dekreten und ohne eine Spur von Schwankungen in diesen Kampf gehen. Das wird ein richtiger Kampf für den Sozialismus sein, nicht für ein Dogma, nicht für ein Programm, nicht für eine Partei, nicht für eine Fraktion, sondern für den lebendigen Sozialismus, für die Verteilung von Brot unter die hungrigen Hunderttausende, Millionen Menschen in den führenden Bezirken Rußlands.

Darum, Genossen — wie mühselig und wie schwer auch die Periode sein mag, die wir durchmachen müssen —, sind wir verpflichtet, die ganze Wahrheit zu sagen und dem Volk die Augen darüber zu öffnen, denn nur das Volk wird uns durch seine Initiative und durch seine Organisiertheit helfen, indem es neue und immer neue Verhältnisse schafft und die sozialistische Republik verteidigt. Und wir sagen: Genossen, wenn wir diesen Weg gehen, den wir gewählt und den die Ereignisse bestätigt haben, wenn wir auf diesem Weg fest und unerschütterlich fortschreiten, wenn wir uns weder durch Phrasen noch durch Illusionen, weder durch Betrug noch durch Hysterie von diesem richtigen Weg abbringen lassen, dann besteht auch nicht der leiseste Zweifel, daß wir die größten Aussichten in der Welt haben, uns zu behaupten und mit fester Hand zum Sieg des Sozialismus in Rußland beizutragen, und damit auch beizutragen zum Sieg der sozialistischen Weltrevolution!

 

Lenin, Band 27, Seite 534 - 535


TELEGRAMMWECHSEL MIT J. W. STALIN

Zuerst veröffentlicht am 21. Januar 1936

in der „Prawda" Nr. 21.

7. Juli 1918

1


7. Juli, 1 Uhr nachts

ZARIZYN

AN DEN VOLKSKOMMISSAR STALIN


Heute gegen 3 Uhr nachmittags wurde Mirbach von einem linken Sozialrevolutionär durch Bombenwurf getötet. Dieser Mord liegt offenkundig im Interesse der Monarchisten bzw. der englischen und französischen Kapitalisten.

Die linken Sozialrevolutionäre, die den Mörder nicht ausliefern wollen, haben Dzierzynski und Lacis festgenommen und einen Aufstand gegen uns begonnen. Noch heute nacht werden wir schonungslos aufräumen und dem Volk die ganze Wahrheit sagen: Wir sind um Haaresbreite von einem Krieg entfernt. Wir haben Hunderte von linken Sozialrevolutionären als Geiseln, überall müssen diese erbärmlichen und hysterischen Abenteurer, die zu einem Werkzeug in den Händen der Konterrevolutionäre geworden sind, schonungslos niedergeworfen werden.

Jeder, der gegen den Krieg ist, wird für uns sein.

Was Baku betrifft, so ist es das wichtigste, daß Sie mit Schaumjan dauernd Verbindung halten und daß Schaumian den dem Botschafter Joffe in Berlin gemachten Vorschlag der Deutschen kennt, wonach sie einverstanden wären, die Offensive der Türken auf Baku anzuhalten, wenn wir ihnen einen Teil des Erdöls garantierten. Selbstverständlich werden wir zustimmen. Also seien Sie schonungslos gegenüber den linken Sozialrevolutionären und geben Sie öfters Nachricht.

Lenin


2


7. Juli, 3 Uhr nachts.

Heute noch schicke ich nach Baku einen Kurier mit einem Brief. Alles wird erledigt.

Was die Hysteriker betrifft, so seien Sie gewiß, daß unsere Hand nicht zittern wird. Mit Feinden werden wir auf Feindesart verfahren.

Stalin

 

 

Lenin, Band 28, Seite 165 - 165


REDE AUF EINER VERANSTALTUNG

DER MITARBEITER DER GESAMTRUSSISCHEN

AUSSERORDENTLIGHEN KOMMISSION (TSCHEKA)

7. NOVEMBER 1918

Ein kurzer Bericht wurde am 9. November 1918 in den

Iswestija WZIK" Nr. 244 veröffentlicht.


(Stürmischer Beifall.)

Genossen!

Wir begehen hier den Jahrestag

unserer Revolution, und aus diesem Anlaß möchte ich auf die schwierige Tätigkeit der Außerordentlichen Kommissionen eingehen.

Es ist durchaus nicht verwunderlich, wenn wir nicht nur von Feinden, sondern häufig auch von Freunden Ausfälle gegen die Tätigkeit der Tscheka hören. Fürwahr, wir haben eine schwere Aufgabe übernommen.

Als wir die Leitung des Landes in unsere Hand nahmen, ließ sich natürlich nicht vermeiden, daß wir viele Fehler begingen, und es ist auch natürlich, daß die Fehler der Außerordentlichen Kommissionen am meisten in die Augen springen. Die spießerhafte Intelligenz greift diese Fehler auf, ohne tiefer in das Wesen der Sache eindringen zu wollen. Was mich an dem Geschrei über die Fehler der Tscheka wundert, ist die Unfähigkeit, die Frage im großen Zusammenhang zu sehen. Da werden bei uns einzelne Fehler der Tscheka herausgegriffen und breitgetreten, da wird gejammert.

Wir aber sagen: Aus Fehlern lernen wir. Wie auf allen Gebieten, so sagen wir auch hier, daß wir durch Selbstkritik lernen. Selbstverständlich geht es hierbei nicht um den Mitarbeiterstab der Tscheka, sondern um den Charakter ihrer Tätigkeit, die Entschlossenheit, rasches Handeln und - was das wichtigste ist - treue Ergebenheit erfordert. Wenn ich sehe, was die Tscheka leistet und dies den Angriffen gegenüberstelle, so sage ich:

Das ist doch ein Spießergerede, das keinen Pfifferling wert ist. Es erinnert mich an Kautskys Predigten über Diktatur, die einer Unterstützung der Bourgeoisie gleichkommen. Wir jedoch sagen aus Erfahrung, daß die Enteignung der Bourgeoisie durch schweren Kampf erzielt wird – durch die Diktatur.

Marx sagte: Zwischen Kapitalismus und Kommunismus liegt die revolutionäre Diktatur des Proletariats. Je mehr das Proletariat die Bourgeoisie zu Boden drücken wird, um so wütender wird deren Widerstand sein. Wir wissen, wie man 1848 in Frankreich gegen das Proletariat gewütet hat, und wenn man uns Härte vorwirft, so ist uns unverständlich, wie die Menschen den elementarsten Marxismus vergessen können.

Wir haben den Aufstand der Offiziersschüler im Oktober nicht vergessen, und wir dürfen nicht vergessen, daß" eine Reihe von Aufständen vorbereitet wird. Einerseits müssen wir es lernen, schöpferisch zu arbeiten, und anderseits müssen wir den Widerstand der Bourgeoisie brechen. Die finnische Weiße Garde hat sich bei all ihrer „Demokratie" nicht gescheut, Arbeiter zu erschießen. In den breiten Massen hat sich der Gedanke fest verwurzelt, daß die Diktatur, wie hart und schwer sie auch sei, notwendig ist. Es ist durchaus begreiflich, daß sich in die Tscheka fremde Elemente einschleichen. Durch Selbstkritik werden wir sie abschütteln.

Wichtig für uns ist, daß die Tscheka unmittelbar die Diktatur des Proletariats verwirklicht, und in dieser Hinsicht kann ihre Rolle nicht hoch genug eingeschätzt werden. Einen anderen Weg zur Befreiung der Massen als die gewaltsame Niederbaltung der Ausbeuter gibt es nicht. Damit eben beschäftigen sich die Außerordenthchen Kommissionen, dadurch machen sie sich um das Proletariat so verdient.


Lenin, Band 28, Seite 399

TELEGRAMM

AN J. W. STALIN. UND.F. E.DZIERZYNSKI

14. 1. 1919

Zuerst veröffentlicht 1934 in der Zeitschrift „Proletarskaja Revoluzija" Nr. 3.


Das Zentralkomitee der Partei und der Verteidigungsrat schufen angesichts der schweren Lage bei Perm am 1. Januar 1919 eine besondere Kommission, deren Aufgabe es war, die Ursache der Übergabe Perms zu untersuchen und die Lage am Frontabschnitt der 3 . Armee wiederherzustellen. Der Kommission gehörten F. E. Dzierzynski und J. W. Stalin an. Bei W. I. Lenins Telegramm handelt es sich um die Antwort auf den von J. W. Stalin und F. E. Dzierzynski erhaltenen „Kurzen vorläufigen Bericht über die bisherige Untersuchung der Ursachen des Falls von Perm".


Glasow und derzeitiger Aufenthaltsort

An Stalin und Dzierzynski

Habe erstes Chiffre-Telegramm erhalten und gelesen. Bitte Sie beide sehr, die Durchführung der beabsichtigten Maßnahmen an Ort und Stelle persönlich zu leiten, da sonst Erfolg nicht garantiert ist.

Lenin



Lenin, Ergänzungsband 2, Seite 109 - 111

ENTWURF EINES BESCHLUSSES

DES RATS FÜR VERTEIDIGUNG

ÜBER DIE REGELUNG DER BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER GESAMTRUSSISCHEN TSCHEKA, DER EISENBAHN-TSCHEKA UND DEM VOLKSKOMMISSARIAT FÜR VERKEHRSWESEN

UND BRIEF

AN DIE MITGLIEDER DES RATS

FÜR VERTEIDIGUNG

Beschluß des Rats für Verteidigung

28. II. 1919

Zum erstenmal veröffentlicht 1933

im Lenin-Sammelband XXIV


Zur Regelung der Beziehungen zwischen der Gesamtrussischen Tscheka, der Eisenbahn-Tscheka und dem Kommissariat für Verkehrswesen werden folgende Bestimmungen erlassen:


Gen. Beljakow wird vom Kommissariat für Verkehrswesen als ständiger Verbindungsmann und Mitarbeiter in die Transportabteilung der Gesamtrussischen Tscheka abkommandiert.

Das Kommissariat für Verkehrswesen erteilt allen Strecken die Anweisung, sämtliche Beschwerden über die Tscheka ausschließlich an das Kollegiumsmitglied des Kommissariats für Verkehrswesen Beljakow zu richten.

Die Tscheka wird verpflichtet, darauf zu achten, daß die für Entladungsarbeiten zuständigen Dienststellen und Organisationen das Frachtgut rechtzeitig entladen, und sie, falls das nicht in der von der Tscheka festgesetzten Frist geschieht, zur Verantwortung zu ziehen.

Den Abteilungen der Eisenbahn-Tscheka wird das Recht eingeräumt, die Bahnfernschreiber gegen Bezahlung zu benutzen, wobei mißbräuchliche Benutzung des Fernschreibers strengstens zu ahnden ist. Eine ausführliche Instruktion über die Benutzung des Fernschreibers und die Art und Weise der Abrechnung wird vom Volkskommissar für Verkehrswesen nach Vereinbarung mit dem Vorsitzenden der Gesamtrussischen Tscheka erlassen.

Der Eisenbahn-Tscheka werden die ehemaligen Räume der Bahnpolizei zur Verfügung gestellt, worüber das Volkskommissariat für Verkehrswesen eine besondere Verfügung erläßt. Über die Ausquartierung der Militärwachen aus diesen Räumlichkeiten haben die Genossen Dzierzynski und Skijanski gemeinsam eine Instruktion zu erlassen.

Lebensmittel erhält die Eisenbahn-Tscheka nach den allgemein geltenden Bestimmungen von den Lebensmittelstellen der Eisenbahner.

Solange der vom Rat für Verteidigung verhängte Ausnahmezustand auf den Eisenbahnen anhält, wird den Kreistransportabteilungen der Tscheka das Recht eingeräumt, gegen Personen, die der Bestechlichkeit, des Diebstahls von Frachtgut und Eisenbahnmaterial überführt werden, sowie bei ausschweifender Lebensweise beamteter Personen das höchste Strafmaß zu verhängen.


An die Mitglieder des Rats für Verteidigung

28. II. 1919

Die unterbreiteten Punkte habe ich auf einer Beratung mit den Genossen Newski und Dzierzynski am 28. II. vereinbart.

Rede auf einem Agitatorenlehrgang 111

Ich bitte um die Unterschrift aller Mitglieder des Rats für Verteidigung, damit diese äußerst wichtige Vereinbarung unverzüglich in Kraft gesetzt werden kann.

Sollten ernste Meinungsverschiedenheiten auftreten, bitte ich, mir s o fo r t einen Fernspruch m i t d e m T e x t d e s A b ä n d e r u n g s -

vorschlags zu schicken.

Der Vorsitzende des Rats für Verteidigung

W. Uljanow (Lenin)


 

Lenin, Band 29, Seite 136 - 137


VIII. Parteitag der KPR (B)

18. - 23. März 1919


Die kleinbürgerlichen Elemente schwanken zwischen der alten und der neuen Gesellschaft. Sie können weder die Triebkräfte der alten Gesellschaft noch die der neuen sein.

Die wichtigste Lehre besteht darin, in unserem Verhältnis zur Mittelbauernschaft und zum Kleinbürgertum außerordentlich vorsichtig zu sein. Das verlangen die Erfahrungen der Vergangenheit, das haben wir am Beispiel von Brest erlebt. Wir werden die Linie unseres Verhaltens oft ändern müssen, was dem oberflächlichen Beobachter seltsam und unverständlich scheinen mag. „Wie das", wird er sagen, „gestern habt ihr dem Kleinbürgertum Versprechungen gemacht, und heute erklärt Dzierzynski, daß man die linken Sozialrevolutionäre und die Menschewiki an die Wand stellen wird. Welch ein Widerspruch! . . . "

Ja, das ist ein Widerspruch. Aber widerspruchsvoll ist das Verhalten der kleinbürgerlichen Demokratie selbst, die nicht weiß, wo sie sich hinsetzen soll, die sich zwischen zwei Stühle zu setzen versucht, die von dem einen auf den anderen Stuhl springt und bald nach rechts, bald nach links fällt. Wir haben unsere Taktik ihr gegenüber geändert, und jedesmal, wenn sie sich uns zuwendet, sagen wir ihr: „Willkommen". Wir wollen keineswegs die Mittelbauernschaft expropriieren, wir wollen durchaus nicht der kleinbürgerlichen Demokratie gegenüber Gewalt anwenden.

Wir sagen ihr: „Ihr seid kein ernsthafter Feind. Unser Feind ist die Bourgeoisie. Wenn ihr aber zusammen mit dieser vorgeht, dann sind wir gezwungen, die Maßnahmen der proletarischen Diktatur auch auf euch anzuwenden."

 

 


Lenin, Band 29, Seite 241

FERNSPRUCH

AN DIE GESAMTRUSSISCHE

AUSSERORDENTLICHE KOMMISSION

  1. APRIL 1919

"Iswestija WZIK" Nr. 71, 2. April 1919.



Nach Mitteilung der Gesamtrussischen Außerordentlichen Kommission sind aus Petrograd Meldungen eingetroffen, wonach Agenten Koltschaks, Denikins und der Alliierten versucht haben, das Wasserwerk in Petrograd zu sprengen. Im Keller wurden Sprengstoffe sowie eine Höllenmaschine entdeckt, die von einem Sonderkommando zwecks Vernichtung entfernt wurde, durch deren vorzeitige Explosion jedoch der Kommandeur der Abteilung getötet und 10 Rotarmisten verwundet wurden.

An einzelnen Punkten wird versucht, Brücken zu sprengen und den Eisenbahnverkehr zum Erliegen zu bringen.

Es werden Versuche unternommen, Eisenbahngleise zu demontieren, um den Transport von Lebensmitteln nach dem roten Moskau und Petrograd zu unterbinden.

Die Sozialrevolutionäre und die Menschewiki beteiligen sich aktiv an Aufrufen zu Streiks, zum Sturz der Sowjetmacht.

In Anbetracht der erhaltenen Meldungen ordnet der Verteidigungsrat an: Es sind unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um jeden Versuch, Sprengungen vorzunehmen, Eisenbahnen zu beschädigen und zu Streiks aufzurufen, zu durchkreuzen.

Der Verteidigungsrat ordnet an: Alle Mitarbeiter der Außerordentlichen Kommissionen sind zur Wachsamkeit aufzurufen,- über die getroffenen Maßnahmen ist dem Verteidigungsrat Meldung zu erstatten.

Der Vorsitzende des Verteidigungsrats

W. Uljanow (Lenin)


Lenin, Band 29, Seite 392

HÜTET EUCH VOR SPIONEN!

Tod den Spionen!

Prawda" Nr. 116, 31. Mai 1919.


Die Offensive der Weißgardisten auf Petrograd hat handgreiflich bewiesen, daß die Weißen in der gesamten Frontzone, in jeder großen Stadt über eine breite Organisation verfügen, die sich Spionage und Verrat, Brückensprengungen, die Anzettelung von Aufständen im Hinterland und die Ermordung von Kommunisten und hervorragenden Mitgliedern der Arbeiterorganisationen zum Ziele stellt.

Alle müssen auf der Wacht sein.

Überall ist die Wachsamkeit zu verdoppeln, sind verschiedene Maßnahmen zu überlegen und aufs strengste durchzuführen, um Spione und weiße Verschwörer aufzuspüren und zu ergreifen.

Besonders die Eisenbahner und politischen Funktionäre in ausnahmslos allen Truppenteilen sind zur doppelten Vorsicht verpflichtet.

Alle bewußten Arbeiter und Bauern müssen sich mit Leib und Leben für die Verteidigung der Sowjetmacht einsetzen, müssen zum Kampf gegen Spione und weißgardistische Verräter antreten. Jeder stehe auf der Wacht - in ständiger und militärisch organisierter Verbindung mit den Parteikomitees, mit der Tscheka, mit den zuverlässigsten und erfahrensten Genossen unter den Sowjetfunktionären.

Der Vorsitzende des Rats der Arbeiter- und Bauernverteidigung

W. Uljanow (Lenin)

Volkskommissar für Innere Angelegenheiten

F. Dzierzynski



ENTWURF EINES BESCHLUSSES

DES RATS DER VOLKSKOMMISSARE

ÜBER DAS ENTLADEN VON KARTOFFELN

UND DAS RÄUMEN DER MOSKAUER STRASSEN

UND EISENBAHNSTRECKEN VON SCHNEE

Geschrieben am 27. Januar 1920.

Zum erstenmal veröffentlicht 1933 im Lenin-Sammelband XXIV


Den vorliegenden Entwurf schrieb W. I. Lenin in der Sitzung des Rats der Volkskommissare am 27. Januar 1920, in der ein Bericht des Chefs des Moskauer Militärbezirks und der Garnison der Stadt Moskau A. A. Burdukow über das Entladen von Kartoffeln auf d em Moskauer Eisenbahnknotenpunkt und über das Räumen der Moskauer Straßen und Eisenbahnstrecken von Schnee behandelt wurde. Lenins Entwurf wurde vom Rat der Volkskommissare bestätigt.


1. Das Kommissariat für Ernährungswesen wird beauftragt, innerhalb von 3 Tagen einen Beschluß über eine nochmalige Kartoffelkampagne auszuarbeiten und dem Rat der Volkskommissare vorzulegen.

[ In der Sitzung des Rats der Volkskommissare am 3 1 . Januar 1920. wurde folgender Beschluß angenommen: „Eine Wiederaufnahme der Kartoffelkampagne wird bis zum Frühjahr verschoben mit der Maßgabe, daß das Volkskommissariat für Ernährungswesen verpflichtet wird, in den Monaten April und Mai 1920 neben der Saatgutkampagne den Bedarf Moskaus an Speisekartoffeln in Höhe von 560 000 Pud zu decken." (Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, Zentrales Parteiarchiv.)]

2. Burdukow + Kamenew, Dzierzynski, Kurski werden beauftragt, über die Anzahl der erwachsenen und gesunden Männer, ihre arbeitsfreie Zeit und ihren Einsatz bei dringenden Arbeiten in der Stadt Angaben beizubringen sowie einen Beschlußentwurf über ihren Einsatz vorzulegen.

3. Die Gesamtrussische Tscheka wird beauftragt, einen verantwortlichen, erfahrenen Untersuchungsrichter, der Parteimitglied ist, einzusetzen, der die Angaben über die völlig unbefriedigende Organisation der Arbeitspflicht in Moskau sowohl bei den Arbeitern als auch bei den Angestellten zu untersuchen hat.

Berichterstattung im Rat der Volkskommissare durch Dzierzynski oder seinen Stellvertreter in 4 Tagen.

4. Das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten wird beauftragt, energischere Maßnahmen zu ergreifen, damit der Pflicht zur Schneebeseitigung nachgekommen wird, und darüber innerhalb von 3 Tagen im Rat der Volkskommissare Bericht zu- erstatten.

[Der Bericht über die Maßnahmen, die das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten ergriffen hatte, um durchzusetzen, daß der Pflicht zur Schneebeseitigung nachgekommen wird, wurde in der Sitzung des Rats der Volkskommissare am 31. Januar 1920 entgegengenommen. Der Rat der Volkskommissare faßte einen Beschluß über die Bildung einer Kommission unter Vorsitz F. E. Dzierzynskis, der die Verantwortung für diese Angelegenheit übertragen wurde.]


 

 

 

Lenin, Band 30, Seite 317 - 318

Bericht über die Arbeit des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees

2. Februar 1920

zur Abschaffung der Todesstrafe

Kurze Berichte wurden am 3. Februar 1920 in den Zeitungen „Prawda" Nr. 23 und „Iswestija WZIK"

Nr. 23 veröffentlicht

Zum erstenmal vollständig veröffentlicht


Was die wichtigsten Maßnahmen unserer Innenpolitik betrifft, die sich in der zweimonatigen Berichtsperiode mehr oder weniger von den laufenden Arbeiten abheben, so ist von besonderer Wichtigkeit folgende Verordnung, die der Bestätigung durch das Gesamtrussische ZEK bedarf. Es handelt sich um die Verordnung über die Abschaffung der Todesstrafe. Sie wissen, daß Gen. Dzierzynski, der Leiter der Gesamtrussischen Tscheka und Volkskommissar für Innere Angelegenheiten, sofort nach dem großen Sieg über Denikin, nach der Einnahme von Rostow, dem Rat der Volkskommissare den Vorschlag unterbreitet und ihn in seinem Bereich durchgeführt hat, nämlich die Todesstrafe, soweit deren Anwendung von der Tscheka abhängt, abzuschaffen. Wenn die bürgerliche Demokratie in Europa nach Kräften die Lüge verbreitet, daß Sowjetrußland vorwiegend auf Terror gegründet sei, wenn das sowohl von der bürgerlichen Demokratie als auch von den Sozialisten der II. Internationale verbreitet wird, wenn Kautsky speziell ein Buch mit dem Titel „Terrorismus und Kommunismus" schreiben konnte, in dem er erklärt, daß sich die kommunistische Herrschaft auf den Terrorismus stützt, so können Sie sich vorstellen, wie in dieser Beziehung gelogen wird. Und um diese Lüge zu widerlegen, haben wir uns zu dem Schritt entschlossen, den Gen. Dzierzynski getan und den der Rat der Volkskommissare gebilligt hat. Und diese Maßnahme bedarf der Bestätigung durch das Gesamtrussische ZEK.

Der Terror wurde uns durch den Terrorismus der Entente aufgezwungen, als die stärksten Mächte der Welt, vor nichts zurückschreckend, mit ihren Horden über uns herfielen. Wir hätten uns keine zwei Tage halten können, wären wir diesen Versuchen der Offiziere und Weißgardisten nicht ohne Erbarmen begegnet, und das bedeutete Terror, aber der Terror wurde uns durch die terroristischen Methoden der Entente aufgezwungen.

Sobald wir aber den entscheidenden Sieg errungen hatten, noch vor Beendigung des Krieges, sofort nach der Einnahme von Rostow, verzichteten wir auf die Anwendung der Todesstrafe und zeigten damit, daß wir zu unserem eigenen Programm so stehen, wie wir es versprochen haben. Wir erklären, daß sich die Anwendung von Gewalt aus der Aufgabe ergibt, die Ausbeuter, die Gutsbesitzer und Kapitalisten, zu unterdrücken; wenn das getan ist, verzichten wir auf alle außerordentlichen Maßnahmen. Wir haben das durch die Tat bewiesen. Und ich denke, hoffe und bin sicher, daß das Gesamtrussische ZEK diese Maßnahme des Rats der Volkskommissare einstimmig bestätigen und sie so beschließen wird, daß die Anwendung der Todesstrafe in Rußland unmöglich wird. Selbstverständlich wird uns jeder Versuch der Entente, wieder zu den Methoden des Krieges zu greifen, zwingen, zu dem früheren Terror zurückzukehren; wir wissen, daß wir in einer Zeit der Räuberei leben, wo man mit guten Worten nichts erreicht; das hatten wir im Auge, und sobald der entscheidende Kampf zu Ende war, gingen wir sofort an die Abschaffung dieser Maßnahmen, die in allen übrigen Staaten unbefristet angewandt werden.

 

Lenin, Band 35, Seite 413


236

BRIEF AN M.A.BONTSCH-BRUJEWITSCH

5. II. 1920

Zuerst veröffentlicht 1926


Michail Alexandrowitsch!

Gen. Nikolajew hat mir Ihren Brief übergeben und das Wichtigste berichtet. Ich habe bei Dzierzynski Erkundigungen eingezogen und sofort die beiden von Ihnen erbetenen Telegramme abgeschickt.

Ich benutze die Gelegenheit, Ihnen für die große Arbeit, die Sie auf dem Gebiet der Radioerfindungen leisten, meine tiefe Dankbarkeit und Sympathie auszudrücken. Die Zeitung ohne Papier und „ohne Entfernungen", die Sie schaffen, wird eine großartige Sache sein. Ich verspreche Ihnen, Sie bei dieser und bei ähnlichen Arbeiten in jeder Weise und nach Kräften zu unterstützen.

Mit besten Wünschen W. Uljanow (Lenin)


 

Rede auf der IV. Konferenz der außerordentlichen Kommissionen der Gouvernements (Gouvernements-Tschekas)

6. Februar 1920

 

 

Lenin, Band 31, Seite 253

TELEGRAMM VOM 2. VIII. 1920

Geschrieben am 2. August 1920.

Zuerst veröffentlicht 1945 im Lenin-Sammelband XXXV


An Stalin

Soeben haben wir im Politbüro die Fronten aufgeteilt, so daß Sie sich jetzt ausschließlich mit Wrangel beschäftigen können. Infolge der Aufstände, besonders im Kubangebiet und sodann auch in Sibirien, wächst die Bedrohung durch Wrangel ins Riesenhafte, und im ZK verstärkt sich das Bestreben, mit dem bürgerlichen Polen sofort Frieden zu schließen.

Ich bitte Sie, die Lage in bezug auf Wrangel sehr sorgfältig zu erörtern und Ihr Urteil abzugeben. Mit dem Oberkommandierenden habe ich vereinbart, daß Ihnen mehr Patronen, Verstärkungen und Flugzeuge zur Verfügung gestellt werden. Dzierzynski hat gemeinsam mit seinen Freunden ein polnisches Revolutionskomitee gegründet und ein Manifest herausgegeben.

Lenin



Lenin, Band 31, Seite 519 - 521

VIII. Gesamtrussischer Sowjetkongress

3

Schlusswort zum Bericht über die Tätigkeit des Rats der Volkskommissare

23. Dezember 1920


Wenn man weiter von der Einheit des Proletariats spricht und behauptet, daß wir diese Einheit stören, so fällt es einem schwer, das ohne Lächeln anzuhören. Wir haben hier bei uns von der Einheit des Proletariats gehört und haben jetzt praktisch gesehen, daß die Einheit des Proletariats in der Epoche der sozialen Revolution nur durch die extreme revolutionäre Partei des Marxismus, nur durch den schonungslosen Kampf gegen alle übrigen Parteien verwirklicht werden kann. (Stürmischer Beifall.)

Offensichtlich will man nur von der Herrschaft der Arbeit reden, davon, daß wir die Freiheit der Bauern antasten. Wer aber sind die Bauern? Heißt es etwa nicht in unserer Sowjetverfassung, daß die Bauern Werktätige, Menschen der Arbeit sind? Solche Bauern achten wir und halten sie für vollberechtigte Brüder der Arbeiter. Ohne eine solche Bauernschaft könnten wir keinen einzigen Schritt in unserer Sowjetpolitik tun. Zwischen dem werktätigen Bauern und dem Arbeiter besteht ein brüderlicher Vertrag, der in unserer Verfassung verankert ist. Aber es gibt auch ein anderes Element unter der Bauernschaft. Das ist jenes Element, aus dem die millionenköpfige „Sucharewka" besteht. Ich hoffe, jede Versammlung, sogar von Parteilosen, wird sich darin aufs genaueste zurechtfinden können. Sind etwa die Bauern, die Schleichhandel treiben, Vertreter der Werktätigen? Darin liegt der ganze Sinn der ökonomischen Probleme des Dorfes. Bauern, Kleinbesitzer und Arbeiter sind verschiedene Klassen, und den Unterschied zwischen ihnen werden wir dann beseitigen, wenn wir die Grundlagen der Kleinwirtschaft beseitigen und neue Grundlagen für eine gigantische maschinelle Großwirtschaft schaffen, worauf ich bereits im Referat hingewiesen habe. Das ist ökonomisch unvermeidlich, die Menschewiki und Sozialrevolutionäre aber, die hier aufgetreten sind, stammeln hilflos etwas von einer Gleichheit der Arbeit aller Arbeiter und Bauern. Das sind indes bloße Worte, und zudem ökonomisch falsche und vom wissenschaftlichen Marxismus widerlegte Worte.

Nehmen Sie unsere Revolution in Sibirien, in Georgien, nehmen Sie die Erfahrungen der internationalen Revolution, und Sie werden sich augenscheinlich davon überzeugen, daß diese hochtrabenden Worte von der Gleichheit der Arbeit eitel Lug sind. Sie bringen die Politik der Bourgeoisie gegen uns zum Ausdruck, und nichts anderes ist in ihnen enthalten.

Dan erklärte hier, in der Kanzlei der Gesamtrussischen Tscheka gebe es eine Anweisung, wonach die Menschewiki nicht unter die Oktoberamnestie fallen. Bürger Dan zieht daraus die Schlußfolgerung, daß die Gesamtrussische Tscheka das Präsidium des Gesamtrussischen ZEK schulmeistere und bevormunde. Können wir, die wir an der Macht sind, dem etwa Glauben schenken? Ist es den 70—80 Prozent Kommunisten unter den hier Anwesenden etwa nicht bekannt, daß an der Spitze der Gesamtrussischen Tscheka ein Mitglied des Zentralexekutivkomitees und des Zentralkomitees der Partei steht, nämlich Gen. Dzierzynski, und daß wir im Präsidium des Gesamtrussischen ZEK sechs Mitglieder des Zentralkomitees unserer Partei haben? Unter diesen Umständen anzunehmen, daß das Präsidium der Tscheka oder die operative Verwaltung der Tscheka das Präsidium des Zentralexekutivkomitees schulmeistere und bevormunde, ist natürlich völlig abwegig; es ist einfach lachhaft. Das ist gänzlich uninteressant, und der Vertreter der Partei der Menschewiki hat hier einfach Komödie gespielt. Aber ich möchte, daß Sie nach einigen Tagen irgendeine bürgerliche Zeitung zur Hand nehmen, die in Westeuropa oder Amerika in einer Auflage von einer halben oder einer ganzen Million Exemplaren erscheint. Sie werden dann sehen, daß dort mit riesigen Lettern gedruckt steht, Bürger Dan habe enthüllt, daß die Gesamtrussische Tscheka dem Präsidium des Gesamtrussischen ZEK Anweisungen gebe und es bevormunde.

 

Lenin, Band 35, Seite 474

281

TELEGRAMM AN F.E. DZIERZYNSKI

Geschrieben am 27. Mai 1921.

Zuerst veröffentlicht 1933.


E i l t

Südbezirk, für den Vorsitzenden der Gesamtrussischen Tscheka, Dzierzynski, nach dem derzeitigen Aufenthaltsort

Kopie: Moskau, an Woinow, für die Dreiergruppe zum Kampf gegen die Zerrüttung des Verkehrswesens

Alle ukrainischen Genossen fordern aufs dringlichste, den Kampf gegen den in die Ukraine eindringenden Schleichhandel zu verstärken, da dieser Schleichhandel die begonnene und bereits gute Resultate zeitigende Getreidebeschaffung für die hungernden Zentren der Republik zunichte zu machen droht. Ich bitte darum, dieser Sache mehr Aufmerksamkeit zu schenken und mir mitzuteilen, ob außerordentliche Maßnahmen ergriffen werden, welche Maßnahmen das sind und welche Ergebnisse damit erzielt werden.

Der Vorsitzende des Rats für Arbeit und Verteidigung

Lenin

Lenin, Ergänzungsband 2, Seite 342


SCHLUSSFOLGERUNGEN

F. E. DZIERZYNSKIS ÜBER DIE LAGE

IM VERKEHRSWESEN

Geschrieben am 8. August 1921.

Zum erstenmal veröffentlicht 1959

im Lenin-Sammelband XXXVI


Das Plenum des ZK der KPR(B) untersuchte am 8. August 1921 die Lage im Verkehrswesen und bestätigte die Schlußfolgerungen F. E. Dzierzynskis mit den von W. I. Lenin vorgeschlagenen Änderungen.

Im ersten Punkt der Schlußfolgerungen hieß es, daß alle Partei- und Sowjetorgane nach Maßnahmen zur Verbesserung und Unterstützung des Verkehrswesens forschen müssen.

In den Punkten zwei bis vier der Schlußfolgerungen ging es um die Verstärkung des Apparats des Volkskommissariats für Verkehrswesen durch verantwortliche Mitarbeiter, um die Herausgabe eines Rundschreibens an alle Gouvernementskomitees der KPR(B) über die Lage im Verkehrswesen und um die Bildung einer Unterabteilung Verkehr in der Orginstrukteurabteilung des ZK der KPR(B) zur Leitung der Parteiarbeit im Verkehrswesen.

Im fünften Punkt der Schlußfolgerungen war vorgesehen, Betriebe, die für Zwecke des Transportwesens benötigt wurden, dem Volkskommissariat für Verkehrswesen zu übergeben.


§ 1. Intensiver nach Maßnahmen forschen usw.

2-4 Das Orgbüro soll die Fragen unter Hinzuziehung des Gen. Rudsutak

schnellstens behandeln.

5- Ausarbeiten und auf staatlicher Ebene durchführen.

6- Über Maßnahmen zur Verbesserang des Verkehrswesens und über

eine engere Verbindung des Parteiapparats mit dem der Eisenbahnen.