Lenin

Über die deutsche Novemberrevolution 1918/19

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über die

deutsche Novemberrevolution

1918/19

 

 

aus Anlass des 148. Geburtstag des Genossen Lenin

22. April 1870 - 22. April 2018

und

zum 100. Jahrestag der deutschen Novemberrevolution

vom 9. November 1918

 

(Sammlung von Zitaten - zusammengestellt von Wolfgang Eggers)

 

 

 

Werke, Band 24, Seite 190

Die Parteiagitatoren müssen immer und immer wieder gegen die von den Kapitalisten verbreitete niederträchtige Verleumdung protestieren, unsere Partei trete für einen Separatfrieden mit Deutschland ein; wir halten Wilhelm II. für einen ebensolchen gekrönten Räuber, der gehenkt zu werden verdient, wie Nikolaus II., und die deutschen Gutschkow,d.h. die deutschen Kapitalisten, für ebensolche Annexionisten, Räuber, Imperialisten wie die russischen, englischen and alle anderen Kapitalisten; wir sind gegen Verhandlungen mit den Kapitalisten, wir sind für Verhandlungen und für die Verbrüderung mit den revolutionären Arbeitern und Soldaten aller Länder; wir sind überzeugt, daß die Regierung Gutschkow-Miljukow eben darum bemüht ist, die Lage zu verschärfen, weil sie weiß: die Arbeiterrevolution in Deutschland beginnt, und diese Revolution wird ein Schlag gegen die Kapitalisten aller Länder sein.

 

Werke, Band 24, Seite 198

Die Kapitalisten ziehen den Krieg in die Länge und verbergen diese Tatsache durch Phrasen. Das revolutionäre Proletariat allein kann und wird die Beendigung des Krieges durch die proletarische Weltrevolution herbeiführen, die bei uns zusehends heranreift, die auch bei den Deutschen immer mehr heranreift und in einer Reihe anderer Länder näherrückt.

 

Werke, Band 24, Seite 203-204

Das Proletariat, in Gestalt seiner klassenbewußten Vorhut, ist für den Übergang der Macht in die Hände der revolutionären Klasse, der Arbeiterklasse und der Halbproletarier, für die Entfaltung der proletarischen Weltrevolution, die zusehends auch in Deutschland heranreift, für die Beendigung des Krieges durch eben eine solche Revolution.

Es gibt keinen anderen Ausweg als die proletarische Weltrevolution, die zur Zeit in Rußland gegenüber anderen Ländern am weitesten vorgeschritten ist, aber auch in Deutschland (Streiks, Verbrüderung) zusehends heranreift. Und die Masse schwankt: zwischen dem Vertrauen zu ihren alten Herren, den Kapitalisten, und der Erbitterung über sie; zwischen dem Vertrauen zu der neuen Klasse, die allen Werktätigen den Weg in eine lichte Zukunft eröffnet, zu der einzigen konsequent revolutionären Klasse, dem Proletariat, und der mangelhaften Erkenntnis seiner welthistorischen Rolle.

 

 

Werke, Band 24, Seite 210

Ob der Krieg durch einen wirklich demokratischen Frieden beendet werden wird, hängt vom Verlauf der internationalen proletarischen Revolution ab, die in Rußland bereits jetzt eine günstige Position hat und die zweifellos auch in Deutschland heranreift (Massenstreiks, Verbrüderung).

 

 

Werke, Band 24, Seite 215

Im 19. Jahrhundert haben Marx und Engels, die die proletarische Bewegung der verschiedenen Länder verfolgten und die möglichen Perspektiven der sozialen Revolution erforschten, wiederholt gesagt, daß die Rollen dieser Länder im allgemeinen proportional, entsprechend ihren jeweiligen nationalen geschichtlichen Besonderheiten verteilt sein werden.

Diesen Gedanken drückten sie, kurz gefaßt, so aus: Der französische Arbeiter wird beginnen, der deutsche vollenden.

Dem russischen Proletariat wurde die große Ehre zuteil, zu beginnen, es darf aber nicht vergessen, daß seine Bewegung und seine Revolution nur ein Teil der internationalen revolutionären proletarischen Bewegung sind, die, wie zum Beispiel in Deutschland, von Tag zu Tag stärker und stärker wird. Nur unter diesem Gesichtswinkel können wir unsere Aufgaben bestimmen.

 

 

Werke, Band 24, Seite 230

Jetzt haben wir Massenstreiks und die Verbrüderung an der Front. Sich in dieser Hinsicht auf Prophezeiungen einzulassen, wäre der größte Fehler, daß aber die Sympathie für die Internationale im Wachsen ist und daß eine revolutionäre Gärung in der deutschen Armee beginnt, ist dennoch eine Tatsache, die beweist, daß dort die Revolution heranreift.

 

 

Werke, Band 24, Seite 242

Die Konferenz stellt weiter die Tatsache fest, daß die auf die Seite ihrer kapitalistischen Regierungen übergegangenen englischen und französischen Sozialisten es abgelehnt haben, an einer von Borgbjerg organisierten Konferenz teilzunehmen. Diese Tatsache zeigt klar, daß die englisch-französische imperialistische Bourgeoisie,deren Agenten diese Quasisozialisten sind, diesen imperialistischen Krieg fortsetzen will, in die Länge ziehen will und nicht gewillt ist, die Frage der Zugeständnisse auch nur zu erörtern, die die deutsche imperialistische Bourgeoisie infolge der wachsenden Erschöpfung, des Hungers, der Zerrüttung und – was die Hauptsache ist - der heraufziehenden Arbeiterrevolution in Deutschland durch Vermittlung Borgbjergs versprechen muß.

 

 

Werke, Band 24, Seite 303

Die russische Revolution ist nur die erste Etappe der ersten unter den proletarischen Revolutionen, die der Krieg unausbleiblich erzeugt.

In allen Ländern wächst die Empörung der breiten Volksmassen gegen die Kapitalistenklasse und die Erkenntnis des Proletariats, daß nur der Übergang der Staatsmacht in seine Hände und die Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln die Menschheit vor dem Untergang retten wird.

In allen Ländern, insbesondere in den fortgeschrittensten, in England und Deutschland, wurden Hunderte von Sozialisten, die nicht auf die Seite „ihrer" nationalen Bourgeoisie übergegangen sind, von den Kapitalistenregierungen ins Gefängnis geworfen, die durch diese Verfolgungen anschaulich offenbaren, wie sehr sie sich vor der in den Tiefen der Volksmassen heranreifenden proletarischen Revolution fürchten. Daß in Deutschland die Revolution heranreift, zeigen auch die Massenstreiks, die in den letzten Wochen besonders zugenommen haben, ebenso die zunehmende Verbrüderung zwischen den deutschen und russischen Soldaten an der Front.

 

 

Werke, Band 24, Seite 372

Man wird entgegnen, daß der faktische Waffenstillstand an allen Fronten jetzt den deutschen Kapitalisten zugute käme, denn zur Zeit seien sie es, die die meiste Beute gemacht haben. Das stimmt nicht, denn die englischen Kapitalisten haben noch mehr zusammengeraubt (die deutschen Kolonien in Afrika, die deutschen Inseln im Stillen Ozean, Mesopotamien, einen Teil Syriens usw.) und - im Gegensatz zu den deutschen Kapitalisten - rein gar nichts verloren. Das erstens. Zweitens, sollten die deutschen Kapitalisten eine noch größere Unnachgiebigkeit als die englischen an den Tag legen, so würde das die revolutionäre Entwicklung in Deutschland noch mehr verstärken. Die Revolution in Deutschland wächst ganz offensichtlich. Eine Offensive der russischen Truppen würde diese Entwicklung hemmen. Der „faktische Waffenstillstand" beschleunigt die Entwicklung dieser Revolution.

Drittens, die Lage Deutschlands ist angesichts der wachsenden Hungersnot, des allgemeinen Zusammenbruchs, der wirtschaftlichen Zerrüttung geradezu verzweifelt und ausweglos, sie ist schlimmer als in irgendeinem anderen Land, besonders seitdem Amerika in den Krieg eingetreten ist. Der „faktische Waffenstillstand" wird diese Ursache, die Hauptursache der Schwäche Deutschlands nicht beseitigen, sondern im Gegenteil eher die Lage der anderen Länder verbessern (freie Zufuhr) und die Lage der deutschen Kapitalisten verschlechtern (alle Zufuhren sind gesperrt, es wird schwerer sein, dem Volke die Wahrheit zu verbergen).

Das russische Volk hat die Wahl zwischen zwei Programmen. Das eine ist das Programm der Kapitalisten, das die Tschernow und Zereteli übernommen haben. Es ist das Programm der Offensive, das Programm der Verlängerung des imperialistischen Krieges, der Verlängerung des Gemetzels.

Das andere ist das Programm der revolutionären Arbeiter der ganzen Welt, das in Rußland von unserer Partei vertreten wird. Dieses Programm heißt: die Verbrüderung fördern (ohne den Deutschen zu gestatten, die Russen zu betrügen), sich verbrüdern durch Austausch von Aufrufen, die Verbrüderung und den faktischen Waffenstillstand auf alle Fronten ausdehnen, diese Ausdehnung mit allen Mitteln fördern, um das Heranreifen der Arbeiterrevolution in allen Ländern zu beschleunigen, um den Soldaten aller kriegführenden Länder wenigstens eine zeiweilige Atempause zu verschaffen, den Übergang der Macht in Rußland an die Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten beschleunigen und damit den Abschluß eines wirklich gerechten, wirklich allgemeinen Friedens im Interesse der Werktätigen, nicht aber im Interesse der Kapitalisten beschleunigen.

 

 

Werke, Band 26, Seite 448 - 449

Mit dem revolutionären Krieg steht es also im gegenwärtigen Augenblick folgendermaßen:

Sollte die deutsche Revolution in den nächsten drei, vier Monaten ausbrechen und siegen, dann würde vielleicht die Taktik des sofortigen revolutionären Krieges unsere sozialistische Revolution nicht zugrunde richten.

Wenn aber die deutsche Revolution in den nächsten Monaten nicht ausbricht, so werden die Ereignisse bei einer Fortsetzung des Krieges unvermeidlich so verlaufen, daß schwerste Niederlagen Rußland zwingen werden, einen noch ungünstigeren Separatfrieden zu schließen, wobei dieser Frieden nicht von der sozialistischen Regierung geschlossen würde, sondern von irgendeiner anderen (beispielsweise von einem Block der bürgerlichen Rada und der Tschernowleute oder irgend etwas Ähnlichem).

Denn die bäuerliche Armee, durch den Krieg aufs äußerste erschöpft, würde bereits nach den ersten Niederlagen, wahrscheinlich nicht in einigen Monaten, sondern schon in einigen Wochen, die sozialistische Arbeiterregierung stürzen.

Bei einer solchen Lage der Dinge wäre es eine absolut unzulässige Taktik, das Schicksal der in Rußland bereits begonnenen sozialistischen Revolution aufs Spiel zu setzen nur wegen der Hoffnung auf den Ausbruch der deutschen Revolution in der nächsten Zeit, innerhalb einer sehr kurzen, nach Wochen zählenden Frist. Eine solche Taktik wäre Abenteurerpolitik.

Wir haben kein Recht, ein solches Wagnis einzugehen.

Und die deutsche Revolution wird, was ihre objektiven Grundlagen betrifft, keineswegs erschwert werden, wenn wir einen Separatfrieden schließen. Wahrscheinlich Wird der Taumel des Chauvinismus sie für eine Zeitlang schwächen, aber die Lage Deutschlands bleibt außerordentlich schwer, der Krieg gegen England und Amerika wird sich in die Länge ziehen, der aggressive Imperialismus auf beiden Seiten voll und ganz entlarvt werden. Das Beispiel der sozialistischen Sowjetrepublik in Rußland wird als lebendiges Vorbild vor den Völkern aller Länder stehen, und die propagandistische, revolutionierende Wirkung dieses Vorbilds wird gewaltig sein. Hier - die bürgerliche Ordnung und der völlig als Eroberungskrieg entlarvte Krieg zweier Gruppen von Räubern. Dort – der Frieden und die sozialistische Republik der Sowjets.

 

 

Werke, Band 26, Seite 450

Die Massenstreiks in Österreich und Deutschland, dann die Bildung von Arbeiterräten in Berlin und Wien, endlich der Beginn von bewaffneten Zusammenstößen und Straßenkämpfen in Berlin am 18. - 20. Januar, alles das zwingt zur Anerkennung der Tatsache, daß die Revolution in Deutschland begonnen hat.

Hieraus ergibt sich für uns die Möglichkeit, die Friedensverhandlungen noch für eine gewisse Zeitspanne hinauszuzögern und in die Länge zu ziehen.

 

 

Werke, Band 26, Seite 481

Sie kennen bereits die Telegramme über die Lage der Revolution in Deutschland. Die Feuerzungen des revolutionären Brandes schlagen immer stärker über der ganzen verfaulten alten Weltordnung zusammen.

Es war keine vom Leben losgelöste Theorie, keine Phantasie von Stubengelehrten, daß wir durch die Schaffung der Sowjetmacht ebensolche Versuche auch in anderen Ländern hervorrufen würden. Denn, ich wiederhole das, es gab für die Werktätigen keinen anderen Ausweg aus diesem blutigen Gemetzel. Jetzt werden diese Versuche bereits zu sicheren Errungenschaften der internationalen Revolution.* Wir schließen den historischen Sowjetkongreß unter dem Zeichen der immer mehr anwachsenden Weltrevolution, und die Zeit ist nicht mehr fern, wo die Werktätigen aller Länder sich zu einem einzigen, die ganze Menschheit umfassenden Staat zusammenschließen werden, um mit vereinten Kräften das neue Gebäude des Sozialismus zu errichten. Der Weg zu diesem Aufbau führt über die Sowjets als eine der Formen der beginnenden Weltrevolution.

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* In dem in der „Prawda" Nr. 15 vom. 2. Februar (20. Januar) 1918 veröffentlichten Text folgt der Absatz: „Sie erinnern sich, wie uns die Imperialisten und die bürgerlichen Lakaien ankläfften: ,Ihr, ihr habt mit eurer Politik die Bundesgenossen - England, Amerika, Frankreich - verloren', wie sie kläfften, daß wir ,Rußland isolieren . . . ' Ja, Genossen, wir haben die englischen, französischen und amerikanischen Kapitalisten verloren, die englischen, französischen, deutschen Arbeiter, Soldaten und Bauern jedoch gewonnen. Soll jemand die Stirn haben zu sagen, wir wären jetzt ohne Bundesgenossen." Die Red.

 

 

Werke, Band 26, Seite 481

Deutschland „wird nicht angreifen können", die heranreifende eigene Revolution wird es nicht erlauben.

Das Argument, die Deutschen „werden nicht angreifen können", wurde im Januar und Anfang Februar 1918 von den Gegnern des Separatfriedens millionenmal wiederholt. Die Vorsichtigsten unter ihnen schätzten — natürlich annähernd — die Wahrscheinlichkeit, daß die Deutschen nicht werden angreifen können, auf 25—33 Prozent.

Die Tatsachen haben diese Berechnungen widerlegt. Die Gegner des Separatfriedens setzen sich auch hier sehr oft über die Tatsachen hinweg, da sie deren eiserne Logik fürchten.

Wo lag die Quelle des Fehlers, den wirkliche Revolutionäre (und nicht Gefühlsrevolutionäre) anzuerkennen und zu durchdenken imstande sein müssen?

Etwa darin, daß wir überhaupt im Zusammenhang mit den Friedensverhandlungen manövrierten und agitierten? Nein. Nicht darin. Man mußte manövrieren und agitieren. Man mußte aber auch den „geeigneten Zeitpunkt" bestimmen, sowohl für das Manövrieren und Agitieren — solange es möglich war, zu manövrieren und zu agitieren — als auch für die Einstellung aller Manöver in dem Moment, wo die Frage ihre größte Schärfe annahm.

Die Quelle des Fehlers lag darin, daß unser in revolutionärer Zusammenarbeit bestehendes Verhältnis zu den revolutionären deutschen Arbeitern in eine Phrase verwandelt wurde. Wir halfen den revolutionären deutschen Arbeitern und helfen ihnen auch weiter mit allem, womit wir helfen können — Verbrüderung, Agitation, Veröffentlichung der Geheimverträge usw. Das war eine Hilfe durch die Tat, eine wirkliche Hilfe.

Die Erklärung einiger unserer Genossen aber: „Die Deutschen werden nicht angreifen können", war eine Phrase. Wir haben eben erst die Revolution bei uns erlebt. Wir alle wissen sehr gut, warum es in Rußland leichter war als in Europa, die Revolution zu beginnen. Wir haben gesehen, daß wir die Offensive des russischen Imperialismus im Juni 1917 nicht verhindern konnten, obwohl wir bereits eine Revolution hatten, die nicht nur begonnen hatte, nicht nur die Monarchie gestürzt,sondern auch überall Sowjets geschaffen hatte. Wir sahen, wir wußten, wir erklärten den Arbeitern: Kriege werden von den Regierungen geführt. Um den Krieg der Bourgeoisie zu beenden, muß man die Regierung der Bourgeoisie stürzen.

Die Erklärung: „Die Deutschen werden nicht angreifen können", war daher gleichbedeutend mit der Erklärung: „Wir wissen, daß die deutsche Regierung in den nächsten Wochen gestürzt werden wird." In Wirklichkeit wußten wir das nicht und konnten es auch nicht wissen, und deshalb war die Erklärung eine Phrase.

Eine Sache ist es, vom Heranreifen der deutschen Revolution überzeugt zu sein und dieses Heranreifen ernstlich zu fördern, durch Arbeit, Agitation, Verbrüderung nach Kräften diesem Heranreifen zu dienen — mit allem, was ihr wollt, aber stets mit Arbeit, die dies Heranreifen beschleunigt.

Darin besteht der revolutionäre proletarische Internationalismus. Eine andere Sache ist es, direkt oder indirekt, offen oder versteckt zu erklären, die deutsche Revolution sei bereits herangereift (obwohl das offenkundig nicht der Fall ist), und seine Taktik darauf aufzubauen. Hier gibt es keine Spur von revolutionärem Geist, hier gibt es nur Phrasengeklingel.

Darin liegt die Quelle des Fehlers, der in der „stolzen, blendenden, effektvollen, tönenden" Behauptung lag: „Die Deutschen werden nicht angreifen können."

Nichts anderes als eine Variante desselben phrasenhaften Unsinns ist die Behauptung: „Wir helfen der deutschen Revolution, wenn wir dem deutschen Imperialismus Widerstand leisten, wir beschleunigen damit den Sieg Liebknechts über Wilhelm."

Gewiß, ein Sieg Liebknechts, der möglich und unausbleiblich ist, sobald die deutsche Revolution heranreift und Gestalt annimmt, wird uns von allen internationalen Schwierigkeiten erlösen, er wird uns auch eines revolutionären Krieges entheben. Der Sieg Liebknechts wird uns von den Folgen jeder unserer Dummheiten befreien. Ist das aber eine Rechtfertigung der Dummheit?

Hilft jeder „Widerstand" gegen den deutschen Imperialismus der deutschen Revolution? Wer Lust hat, ein wenig nachzudenken oder sich auch nur die Geschichte der revolutionären Bewegung in Rußland ins Gedächtnis zu rufen, wird leicht erkennen, daß nur ein zweckmäßiger Widerstand gegen die Reaktion der Revolution dienlich ist. Wir kennen und sahen in einem halben Jahrhundert revolutionärer Bewegung in Rußland eine Menge Beispiele unzweckmäßigen Widerstands gegen die Reaktion. Wir Marxisten waren immer stolz darauf, daß wir durch strenge Berücksichtigung der Massenkräfte und der Wechselbeziehungen der Klassen die Zweckmäßigkeit dieser oder jener Kampf form bestimmten. Wir sagten:

Nicht immer ist ein Aufstand zweckmäßig, ohne gewisse Voraussetzungen in den Massen ist er ein Abenteuer; sehr oft verurteilten wir, als unzweckmäßig und schädlich vom Standpunkt der Revolution, die heroischsten Formen des individuellen Widerstands. Im Jahre 1907 haben wir auf Grund bitterer Erfahrungen den Widerstand gegen die Beteiligung an der III. Duma als unzweckmäßig abgelehnt usw. usf.

Um der deutschen Revolution zu helfen, muß man sich entweder auf Propaganda, Agitation, Verbrüderung beschränken, solange man keine Kräfte hat für einen starken, ernsten, entschlossen geführten Schlag in einem offenen militärischen oder insurrektionellen Zusammenstoß, oder man muß sich auf einen solchen Zusammenstoß einlassen, wenn man weiß, daß man damit nicht dem Feinde helfen wird.

Allen (mit Ausnahme derjenigen, die ganz von Phrasen berauscht sind) ist klar, daß die Herbeiführung eines ernsten insurrektionellen oder militärischen Zusammenstoßes, wenn man weiß, daß man keine Kräfte hat, wenn man weiß, daß einem die Armee fehlt, ein Abenteuer ist, das den deutschen Arbeitern nicht hilft, sondern ihren Kampf erschwert und ihrem Feind und unserem Feind das Werk erleichtert.

 

Werke, Band 27, Seite 24

Möge jeder wissen: Wer gegen einen sofortigen, wenn auch noch so schweren Frieden ist, richtet die Sowjetmacht zugrunde. -

Wir sind gezwungen, diesen schweren Frieden durchzustehen. Er wird die Revolution in Deutschland, in Europa nicht aufhalten. Wir werden darangehen, eine revolutionäre Armee aufzubauen, nicht mit Phrasen und Deklamationen (wie diejenigen, die seit dem 7. Januar nichts getan haben, die noch nicht einmal den Versuch gemacht haben, wenigstens unsere fliehenden Truppen zum Stehen zu bringen), sondern durch organisatorische Arbeit, durch Taten, durch die Schaffung einer ernst zu nehmenden, vom ganzen Volk getragenen mächtigen Armee.

 

 

Werke, Band 27, Seite 25 - 26

Lenin erklärt weiter, daß unser russisches Proletariat nicht die geringste Schuld treffe, wenn die deutsche Revolution sich verspätet habe. Sie wird kommen, aber sie ist noch nicht da, und der beste Ausweg für uns ist, Zeit zu gewinnen; wenn wir jetzt den Friedensvertrag unterzeichnen, so werden wir später durch energische organisierte Arbeit, durch Ingangsetzung der Eisenbahnen, durch Regelung der Ernährungsfrage, eine starke und festgefügte Armee zur Verteidigung unserer Revolution schaffen. Bis dahin aber werde bestimmt die sozialistische Revolution in Deutschland ausbrechen.

 

 

Werke, Band 27, Seite 29

Die Bewegung der deutschen Arbeiter, die so rasch begonnen hatte, ist zeitweilig unterbrochen worden.

Wir wissen, daß die Hauptursachen dieser Bewegung nicht beseitigt sind, daß sie verstärkt in Erscheinung treten und unweigerlich in die Breite wachsen werden, weil der qualvolle Krieg sich in die Länge zieht, weil sich die Bestialität des Imperialismus immer tiefer und schamloser enthüllt, so daß den der Politik scheinbar am fernsten stehenden oder doch die sozialistische Politik nicht verstehenden Massen die Augen aufgehen. Das ist der Grund dafür, daß eine so verzweifelte, tragische Situation entstanden ist, die uns jetzt zwingt, den Frieden anzunehmen, und die werktätigen Massen veranlassen wird zu sagen: Jawohl, sie haben richtig gehandelt, sie haben alles getan, was sie konnten, um einen gerechten Frieden anzubieten und den Friedensschluß hinauszuschieben, sie mußten sich dem drückendsten, unglückseligsten Frieden beugen, weil es keinen anderen Ausweg für das Land gibt. Die deutschen Imperialisten befinden sich in einer Lage, wo sie gezwungen sind, mit der Sowjetrepublik einen Kampf auf Leben und Tod zu führen; wenn sie jetzt den geplanten Vormarsch auf Petrograd und Moskau nicht ausführen, so nur deshalb, weil sie durch den blutigen und räuberischen Krieg gegen England gebunden sind, und außerdem, weil sie eine innere Krise durchmachen.

 

 

Werke, Band 27, Seite 47

Man nahm den Beginn von Massenstreiks in Österreich und Deutschland für eine Revolution, die uns angeblich bereits von der ernsten Gefahr befreit hätte, die uns vom deutschen Imperialismus drohte. Anstatt sich ernstlich, sachlich, konsequent um Unterstützung der deutschen Revolution, die auf einem besonders schweren und mühsamen Weg ins Leben tritt, zu bemühen, winkte man geringschätzig ab: „Was können uns die deutschen Imperialisten schon anhaben, zusammen mit Liebknecht werden wir sie sofort beiseite fegen!"

 

 

Werke, Band 27, Seite 49 -50

Man darf die große Losung „Wir setzen auf den Sieg des Sozialismus in Europa" nicht zu einer Phrase machen. Das ist eine Wahrheit, wenn man den langen und schwierigen Weg bis zum vollständigen Sieg des Sozialismus im Auge hat. Es ist eine unbestreitbare philosophisch-historische Wahrheit, wenn man die ganze „Ära der sozialistischen Revolution" in ihrer Gesamtheit nimmt. Aber jede abstrakte Wahrheit wird zur Phrase, wenn man sie auf jede beliebige konkrete Situation anwendet. Unstreitig „lauert in jedem Streik die Hydra der sozialen Revolution". Es ist unsinnig zu behaupten, man könne von jedem Streik sofort zur Revolution übergehen. Wenn wir „auf den Sieg des Sozialismus in Europa setzen" in dem Sinne, vor dem Volke die Bürgschaft zu übernehmen, daß die europäische Revolution unbedingt in den nächsten paar Wochen ausbrechen und siegen werde, unbedingt, bevor die Deutschen imstande sind, Petrograd, Moskau, Kiew zu erreichen und unser Eisenbahnwesen „zu zerschlagen", so handeln wir nicht wie ernste Revolutionäre und Internationalisten, sondern wie Abenteurer.

Wenn Liebknecht die Bourgeoisie in zwei bis drei Wochen besiegt (das ist nicht ausgeschlossen), so wird er uns aus allen Schwierigkeiten heraushelfen.

Das ist unbestreitbar. Aber wenn wir unsere jetzige Taktik im Kampf gegen den jetzigen Imperialismus auf die Hoffnung gründeten, daß Liebknecht ganz bestimmt gerade in den nächsten Wochen siegen muß, dann verdienten wir nur Spott. Wir würden die größten revolutionären Losungen der Gegenwart zu einer revolutionären Phrase machen.

 

 

Werke, Band 27, Seite 56 - 57

Vielleicht sind die Verfasser der Meinung, die Interessen der internationalen Revolution erforderten es, daß man sie anpeitsfht, und daß nur der Krieg ein solches Anpeitschen sein kann, auf keinen Fall der Frieden, der imstande wäre, bei den Massen den Eindruck zu erwecken, als ob der Imperialismus „legitimiert" werden solle? Eine solche „Theorie" wäre ein völliger Bruch mit dem Marxismus, denn dieser hat stets das „Anpeitschen" von Revolutionen abgelehnt, die sich in dem Maße entwickeln, wie die Klassengegensätze, die Revolutionen hervorrufen, immer größere Schärfe gewinnen. Eine solche Theorie wäre gleichbedeutend mit der Auffassung, der bewaffnete Aufstand sei eine Kampfform, die stets und unter allen Umständen obligatorisch wäre. Tatsächlich erfordern die Interessen der internationalen Revolution, daß die Sowjetmacht, die die Bourgeoisie ihres Landes gestürzt hat, dieser Revolution helfe, daß sie aber die Form ihrer Hilfe entsprechend ihren Kräften wähle. Daß man der sozialistischen Revolution im internationalen Maßstab hilft, wenn man es auf die Möglichkeit einer Niederlage dieser Revolution in dem betreffenden Lande ankommen läßt — eine solche Auffassung ergibt sich nicht einmal aus der Theorie des Anpeitschens.

Vielleicht sind die Verfasser der Resolution der Meinung, daß die Revolution in Deutschland bereits begonnen habe, daß sie dort bereits in einen offenen, die ganze Nation erfassenden Bürgerkrieg übergegangen sei, daß wir deshalb unsere Kräfte für die Unterstützung der deutschen Arbeiter einsetzen müßten, daß wir selber untergehen müßten („Verlust der Sowjetmacht"), um die deutsche Revolution zu retten, die bereits ihren entscheidenden Kampf begonnen habe und schweren Schlägen ausgesetzt sei? Von diesem Standpunkt aus würden wir mit unserem Untergang einen Teil der Kräfte der deutschen Konterrevolution ablenken und damit die deutsche Revolution retten.

Durchaus denkbar wäre, daß es unter solchen Voraussetzungen nicht nur „zweckmäßig" (wie sich die Verfasser der. Resolution ausdrückten), sondern geradezu unerläßlich ist, es auf die Möglichkeit einer Niederlage und auf die Möglichkeit des Verlustes der Sowjetmacht ankommen zu lassen.

Es ist jedoch klar, daß diese Voraussetzungen nicht gegeben sind. Die deutsche Revolution reift heran, aber es ist in Deutschland offenkundig noch nicht bis zum Ausbruch der Revolution, bis zum Bürgerkrieg gekommen.

Wenn wir „es auf die Möglichkeit, der Sowjetmacht verlustig zu gehen, ankommen ließen", so würden wir das Ausreifen der deutschen Revolution keineswegs fördern, sondern hindern. Wir würden damit der deutschen Reaktion helfen, würden ihr in die Hände arbeiten, würden die sozialistische Bewegung in Deutschland erschweren, würden breite Massen der Proletarier und Halbproletarier Deutschlands, die noch nicht zum Sozialismus übergegangen sind, vom Sozialismus abstoßen, denn sie würden durch die Niederschlagung Sowjetrußlands ebenso eingeschüchtert werden, wie die englischen Arbeiter eingeschüchtert wurden durch die Niederschlagung der Kommune im Jahre 1871.

 

 

Werke, Band 27, Seite 81 - 82

Unsere Rettung aus all diesen Schwierigkeiten ist, wie gesagt, die Revolution in ganz Europa. Ausgehend von dieser Wahrheit, von dieser ganz abstrakten Wahrheit und geleitet von ihr, müssen wir darüber wachen, daß sie nicht mit der Zeit zur Phrase werde, denn jede abstrakte Wahrheit wird zur Phrase, wenn man sie ohne jegliche Analyse anwendet. Wenn man sagt, daß in jedem Streik die Hydra der Revolution lauert, daß der kein Sozialist ist, der das nicht begreift, so ist das richtig. Jawohl, in jedem Streik lauert die sozialistische Revolution. Wenn man jedoch sagt, jeder gegebene Streik sei ein unmittelbarer Schritt zur sozialistischen Revolution, dann ist das eine völlig leere Phrase. Das haben wir „jeden Tag, den Gott gibt, an dieser selben Stelle" gehört und uns so an den Hacken abgelaufen, daß die Arbeiter alle diese anarchistischen Phrasen in den Wind schlagen, denn ebenso wie es unzweifelhaft ist, daß in jedem Streik die Hydra der sozialistischen Revolution lauert, so klar ist es auch, daß die Behauptung, man könne von jedem Streik zur Revolution übergehen, eine Flause ist. Ebensowenig wie man irgendwie bestreiten kann, daß alle Schwierigkeiten unserer Revolution erst dann überwunden sein werden, wenn die sozialistische Weltrevolution, die jetzt überall heranreift, vollständig ausgereift sein wird, ebenso völlig absurd ist auch die Behauptung, daß wir jede gegebene konkrete momentane Schwierigkeit unserer Revolution bemänteln müssen mit den Worten:

Ich setze auf die internationale sozialistische Bewegung, ich darf nach Herzenslust Dummheiten machen." „Liebknecht wird uns heraushelfen, weil er sowieso siegen wird." Er werde eine so großartige Organisation schaffen, werde alles im voraus so anordnen, daß wir nur die fertigen Formen zu übernehmen brauchen, so wie wir die fertige marxistische Lehre von Westeuropa übernommen haben — und deshalb vielleicht habe sie bei uns in wenigen Monaten gesiegt, während im Westen zu ihrem Sieg Jahrzehnte erforderlich waren. Also ein ganz sinnloses Abenteuer — Übertragung der alten Methode, eine Frage des Kampfes im Triumphzug zu lösen, auf die neue historische Periode, die angebrochen ist, die uns nicht Jammerlappen wie Kerenski und Kornilow entgegengestellt hat, sondern einen internationalen Räuber — den Imperialismus Deutschlands, wo die Revolution erst heranreift, aber offensichtlich noch nicht ausgereift ist. Ein solches Abenteuer war die Behauptung, daß der Feind sich nicht zur Offensive gegen die Revolution entschließen werde. Bei den Brester Verhandlungen war es noch nicht so, daß wir beliebige Friedensbedingungen hätten annehmen müssen. Das objektive Kräfteverhältnis war so, daß die Erlangung einer Atempause für uns zuwenig gewesen wäre. Die Brester Verhandlungen mußten zeigen, daß der Deutsche angreifen wird, daß die deutsche Gesellschaft noch nicht so mit der Revolution schwanger geht, daß sie sofort ausbrechen kann, und man sollte es den deutschen Imperialisten nicht als Schuld anrechnen, daß sie durch ihr Verhalten diesen Ausbruch noch nicht vorbereitet haben oder, wie sich unsere jungen Freunde, die sich für Linke halten, ausdrücken, noch keine Situation geschaffen haben, wo der Deutsche nicht angreifen kann. Wenn man ihnen sagt, daß wir keine Armee haben, daß wir gezwungen waren, zu demobilisieren — daß wir dazu gezwungen waren, obwohl wir keineswegs vergessen haben, daß neben unserem friedlichen Haustier ein Tiger liegt —, dann wollen sie nicht begreifen. Wenn wir gezwungen waren, die Armee zu demobilisieren, so haben wir doch keineswegs vergessen, daß man durch den einseitigen Befehl, das Bajonett in den Boden zu stoßen, dem Krieg kein Ende machen kann.

 

 

Werke, Band 27, Seite 84 - 85

Diese Methode besteht darin, alles an Hand der Tatsachen, Ereignisse und Lehren der Weltgeschichte nachzuprüfen. Ihr sagt, der Deutsche könne nicht angreifen. Aus eurer Taktik folgte, daß man den Zustand des Krieges für beendet erklären konnte. Die Geschichte hat euch eines Besseren belehrt, sie hat diese Illusion zunichte gemacht. Jawohl, die deutsche Revolution wächst, aber nicht so, wie wir es haben möchten, nicht mit der Schnelligkeit, die den russischen Intellektuellen angenehm wäre, nicht in dem Tempo, das unsere Geschichte im Oktober anschlug, als wir in eine beliebige Stadt kamen, die Sowjetmacht proklamierten, und nach wenigen Tagen neun Zehntel der Arbeiter zu uns kamen.

Die deutsche Revolution hat das Unglück, nicht so rasch voranzuschreiten.

Aber wer muß nun mit wem rechnen: wir mit ihr oder sie mit uns? Ihr wünschtet,, daß sie mit euch rechne, aber die Geschichte hat euch eines Besseren belehrt. Das ist eine Lehre, denn es ist eine absolute Wahrheit, daß wir ohne die deutsche Revolution verloren sind — vielleicht nicht in Petrograd, nicht in Moskau, wohl aber in Wladiwostok oder in noch entfernteren Gegenden, wohin wir uns werden zurückziehen müssen und die wohl noch weiter entfernt liegen, als Petrograd von Moskau entfernt ist, aber wir werden in jedem Fall angesichts aller nur denkbaren Peripetien zugrunde gehen, wenn die deutsche Revolution nicht eintritt. Nichtsdestoweniger wird das nicht im geringsten unsere Gewißheit erschüttern, daß wir auch die schwierigste Lage ohne Schwadronieren zu ertragen wissen müssen.

Die Revolution kommt nicht so rasch, wie wir erwartet haben. Das hat die Geschichte bewiesen, das müssen wir als Tatsache hinnehmen; wir müssen damit rechnen, daß die sozialistische Weltrevolution in den fortgeschrittenen Ländern nicht so leicht beginnen kann, wie die Revolution in Rußland begonnen hat, dem Lande eines Nikolaus und Rasputin, wo es einem gewaltigen Teil der Bevölkerung absolut gleichgültig war, welche Völker da in den Randgebieten wohnten und was dort vor sich ging. In einem solchen Lande war der Beginn der Revolution leicht, er war wie ein Kinderspiel.

Ohne Vorbereitung aber die Revolution zu beginnen in einem Land, in dem der Kapitalismus hoch entwickelt ist und auch dem letzten Menschen demokratische Kultur und Organisiertheit beigebracht hat — wäre falsch, wäre Unsinn. Dort nähern wir uns erst der qualvollen Periode des Beginns der sozialistischen Revolutionen. Das ist eine Tatsache. Wir wissen es nicht, niemand weiß es, vielleicht — das ist durchaus möglich — wird sie in einigen Wochen oder sogar in einigen Tagen siegen, aber bauen darf man darauf nicht. Wir müssen gefaßt sein auf ungewöhnliche Schwierigkeiten, auf ungewöhnlich schwere Niederlagen, die unvermeidlich sind, weil die Revolution in Europa noch nicht begonnen hat, obwohl sie morgen beginnen kann; und wenn sie beginnt, dann werden uns natürlich unsere Zweifel nicht mehr plagen, dann wird es keine Fragen wegen des revolutionären Krieges mehr geben, sondern es wird einen einzigen Triumphzug geben. Das wird eintreten, wird unweigerlich eintreten, aber noch ist es nicht soweit. Das ist die einfache Tatsache, die uns die Geschichte gelehrt hat, mit der sie uns sehr schmerzhaft geprügelt hat — aber ein Geprügelter ist das Doppelte wert. Deshalb bin ich der Auffassung, daß, nachdem uns die Geschichte wegen unserer Hoffnung — daß der Deutsche nicht werde angreifen können und wir „mit Hurra" loslegen können — sehr schmerzhaft geprügelt hat, diese Lektion dank unseren Sowjetorganisationen sehr rasch ins Bewußtsein der Massen ganz Sowjetrußlands eindringen wird. Sie sind in dauernder Bewegung, halten Versammlungen ab, bereiten sich zum Kongreß vor, nehmen Resolutionen an, denken über das nach, was geschehen ist. Bei uns werden nicht mehr die alten vorrevolutionären Streitigkeiten geführt, die im engen Parteikreis blieben, sondern alle Beschlüsse werden den Massen zur Erörterung unterbreitet, die fordern, daß man sie an Hand der Erfahrung, in der Praxis prüfe, die sich nie durch leichtfertige Reden hinreißen lassen, sich niemals von dem durch den objektiven Gang der Ereignisse vorgezeichneten Weg abbringen lassen.

Natürlich kann man die Schwierigkeiten, vor denen wir stehen, mit Redensarten abtun, wenn man ein Intellektueller oder ein linker Bolschewik ist: er kann sich natürlich darüber hinwegsetzen, daß wir keine Armee haben, daß die Revolution in Deutschland noch nicht eintritt. Die Millionenmassen aber — und die Politik beginnt dort, wo man mit Millionen zu tun hat; nicht dort, wo man mit Tausenden, sondern dort, wo man mit Millionen zu tun hat, beginnt erst die ernste Politik —, die Millionen wissen, was eine Armee ist, sie haben die Soldaten gesehen, die von der Front zurückkehren. Sie wissen — wenn man nicht einzelne Personen, sondern die wirkliche Masse nimmt —, daß wir nicht Krieg führen können, daß jeder Mann an der Front alles ertragen hat, was nur denkbar war. Die Masse hat die Wahrheit begriffen, daß wir den schwersten, erniedrigendsten Friedensvertrag unterzeichnen müssen, weil wir keine Armee haben und neben uns ein Raubtier liegt. Das ist unvermeidlich, solange die Revolution nicht ausbricht, solange wir unsere Armee nicht gesund machen, solange wir sie nicht nach Hause gehen lassen. Bis dahin wird der Kranke nicht genesen. Den deutschen Räuber aber werden wir nicht „mit Hurra" überwältigen, nicht so abschütteln, wie wir Kerenski und Kornilow abgeschüttelt haben. Das ist die Lehre, die die Massen gezogen haben, ohne die Vorbehalte, mit denen einige ihnen zu kommen suchten, die sich über die bittere Wirklichkeit hinwegsetzen möchten.


Werke, Band 27, Seite 88 - 89

Wenn sich die europäische Revolution verspätet, so stehen uns schwerste Niederlagen bevor, denn wir haben keine Armee, denn wir haben keine Organisation, denn wir können diese beiden Aufgaben nicht sofort lösen. Wenn man es nicht versteht, sich anzupassen, wenn man nicht gewillt ist, auf dem Bauch durch den Schmutz zu kriechen, dann ist man kein Revolutionär, sondern ein Schwätzer, denn so vorzugehen schlage ich nicht deswegen vor, weil mir das gefällt, sondern weil es keinen anderen Weg gibt, weil die Geschichte es nicht so angenehm gefügt hat, daß die Revolution überall zu gleicher Zeit ausreift.

Die Sache entwickelt sich so, daß der Bürgerkrieg als Versuch eines Zusammenstoßes mit dem Imperialismus begonnen hat, ein Versuch, der bewies, daß der Imperialismus durch und durch verfault ist und daß sich die proletarischen Elemente innerhalb einer jeden Armee erheben. Jawohl, wir werden die internationale Weltrevolution erleben, aber vorläufig ist sie ein sehr gutes, ein sehr schönes Märchen — ich verstehe durchaus, daß Kinder schöne Märchen lieben. Ich frage jedoch: Steht es einem ernsten Revolutionär an, an Märchen zu glauben? In jedem Märchen sind Elemente der Wirklichkeit enthalten: wollte man den Kindern ein Märchen erzählen, in dem Hahn und Katze sich nicht in menschlicher Sprache unterhalten, so würde es sie nicht interessieren. Genauso aber, wenn ihr dem Volke sagt, daß der Bürgerkrieg in Deutschland kommt, und gleichzeitig die Bürgschaft dafür übernehmt, daß wir an Stelle des Zusammenstoßes mit dem Imperialismus eine auf dem Schlachtfeld ausgelöste Weltrevolution bekommen, wird das Volk sagen, daß ihr betrügt. Damit kommt ihr nur in eurer Vorstellung, in euren Wünschen über die Schwierigkeiten hinweg, die die Geschichte aufgetürmt hat. Gut, wenn das deutsche Proletariat imstande sein wird, in Aktion zu treten. Habt ihr das aber ausgemessen, habt ihr ein Gerät gefunden, um zu bestimmen, daß die deutsche Revolution an dem und dem Tage ausbrechen wird? Nein, ihr wißt das nicht, und wir wissen es ebenfalls nicht. Ihr setzt alles aufs Spiel. Wenn die Revolution ausbricht, dann ist alles gerettet. Natürlich! Aber wenn sie nicht so kommt, wie wir es wünschen, wenn sie vielleicht nicht schon morgen siegt, was dann? Dann wird die Masse euch sagen: Ihr habt wie Abenteurer gehandelt, ihr habt auf diesen glücklichen Verlauf der Ereignisse gesetzt, der ausgeblieben ist, ihr habt versagt in der Situation, die an Stelle der internationalen Revolution eingetreten ist, die zwar unvermeidlich kommen wird, aber jetzt noch nicht ausgereift ist.

Eine Periode schwerster Niederlagen hat begonnen, der bis an die Zähne bewaffnete Imperialismus hat sie einem Lande beigebracht, das seine Armee demobilisierte, demobilisieren mußte. Was ich vorausgesagt habe, ist in vollem Umfang eingetroffen: an Stelle des Brester Friedens haben wir einen viel demütigenderen Frieden bekommen, durch Verschulden derjenigen, die den Brester Frieden nicht angenommen haben. Wir wußten, daß wir wegen des Zustands der Armee mit dem Imperialismus Frieden schließen. Wir saßen an einem Tisch mit Hoffmann, nicht mit Liebknecht — und damit haben wir der deutschen Revolution geholfen.

Jetzt aber helft ihr dem deutschen Imperialismus, weil ihr ihm Millionenwerte ausgeliefert habt — Geschütze, Munition —, und das mußte jeder voraussagen, der den Zustand der Armee, diesen entsetzlichen Zustand, gesehen hat. Wir würden auch bei der geringsten Offensive der Deutschen unweigerlich und unvermeidlich zugrunde gehen — das sagte jeder wahrheitsliebende Mensch, der von der Front kam. Wir wären in wenigen Tagen eine Beute des Feindes geworden.



Werke, Band 27, Seite 90

Der Versuch, die im Oktober—November, in dieser Periode des Triumphs der Revolution, in einem Lande angewandte Taktik mit Hilfe unserer Phantasie auf den Gang der Ereignisse der Weltrevolution zu übertragen — dieser Versuch ist zum Scheitern verurteilt. Wenn man sagt, die Atempause sei eine Phantasie, wenn eine Zeitung, die sich „Kommunist" nennt — offenbar nach der Kommune —, Spalte für Spalte vollschreibt und versucht, die Theorie der Atempause zu widerlegen, dann sage ich: ich habe viele fraktionelle Zusammenstöße und Spaltungen durchzumachen gehabt, so daß ich darin eine große praktische Erfahrung habe, aber ich muß sagen: ich sehe ganz klar; diese Krankheit wird nicht mit dem alten Mittel — mit fraktionellen Parteispaltungen — geheilt werden, weil das Leben sie früher kurieren wird. Das Leben schreitet sehr rasch voran. In dieser Beziehung arbeitet es großartig. Die Geschichte wird von ihrer Lokomotive so rasch vorwärts gejagt, daß die Mehrheit der Arbeiter in Petrograd — bevor noch die Redaktion des „Kommunist" ihre nächste Nummer herausbringt — sich von den Ideen dieser Zeitschrift enttäuscht abwenden wird, weil das Leben zeigt, daß die Atempause eine Tatsache ist. Wir unterzeichnen jetzt den Frieden, wir haben eine Atempause, wir nutzen sie zur Verteidigung des Vaterlands besser aus — denn wenn wir Krieg führten, so hätten wir jene panisch davonlaufende Armee, die man aufhalten müßte und die unsere Genossen nicht aufhalten können und nicht aufhalten konnten, weil der Krieg stärker ist als Predigten, als zehntausend Räsonnements. Wenn sie die objektive Situation nicht begriffen haben, dann können sie die Armee nicht aufhalten, dann würden sie sie nicht aufhalten. Diese kranke Armee verseuchte den ganzen Organismus, und wir mußten eine neue beispiellose Niederlage einstecken, einen neuen Schlag des deutschen Imperialismus gegen die Revolution — einen schweren Schlag, weil wir aus Leichtsinn uns ohne Maschinengewehre den Schlägen des Imperialismus ausgesetzt haben. Indessen werden wir diese Atempause benutzen, um das Volk zu überzeugen, daß es sich zusammenschließen und kämpfen muß, um den russischen Arbeitern und Bauern zu sagen: „Schafft eine Selbstdisziplin, eine strenge Disziplin, sonst werdet ihr auch weiter unter dem Militärstiefel der Deutschen liegen, wie das jetzt der Fall ist und unvermeidlich der Fall sein wird, bis das Volk es lernt, zu kämpfen, eine Armee zu schaffen, die nicht die Flucht ergreift, sondern imstande ist, unerhörte Leiden auf sich zu nehmen." Das ist unvermeidlich, weil die deutsche Revolution noch nicht da ist und man nicht dafür bürgen kann, dass sie morgen ausbricht.

 

Werke, Band 27, Seite 94

Wir wissen nicht, wie lange die Atempause dauern wird — wir werden versuchen, den Augenblick zu nutzen. Vielleicht wird die Atempause von längerer Dauer sein, vielleicht aber wird sie nur einige Tage dauern. Alles ist möglich, niemand weiß es, niemand kann es wissen, denn alle Großmächte sind gebunden und bedrängt, alle sind gezwungen, an mehreren Fronten zu kämpfen. Die Haltung Hoffmanns wird erstens dadurch bestimmt, daß er vor der Aufgabe steht, die Sowjetrepublik zu zerschlagen, zweitens dadurch, daß Deutschland an einer ganzen Anzahl von Fronten Krieg führen muß, und drittens dadurch, daß in Deutschland die Revolution heranreift, daß sie wächst, und Hoffmann weiß das, er kann nicht, wie behauptet wird, jetzt sofort Petrograd nehmen, Moskau nehmen. Aber er kann das morgen tun, das ist durchaus möglich.

 

Werke, Band 27, Seite 106

Der Parteitag sieht die sicherste Garantie für die Festigung der sozialistischen Revolution, die in Rußland gesiegt hat, nur in ihrer Umwandlung in eine internationale Arbeiterrevolution.

Der Parteitag ist überzeugt, daß vom Standpunkt der Interessen der internationalen Revolution der von der Sowjetmacht unternommene Schritt bei dem gegebenen Kräfteverhältnis in der Weltarena unvermeidlich und notwendig war.

In der Überzeugung, daß die Arbeiterrevolution in allen kriegführenden Ländern unablässig heranreift und die unvermeidliche und völlige Niederlage des Imperialismus vorbereitet, erklärt der Parteitag, daß das sozialistische Proletariat Rußlands mit allen Kräften und allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die brüderliche revolutionäre Bewegung des Proletariats aller Länder unterstützen wird.

 

 

Werke, Band 27, Seite 288 - 289

Die Revolution wird um den Preis des Bürgerkriegs kommen, aber sie ist um so schwieriger, je zivilisierter, je entwickelter ein Staat ist; in Deutschland herrscht der Staatskapitalismus, und deshalb wird die Revolution in Deutschland hundertmal ruinierender und verheerender sein als in einem kleinbürgerlichen Land — auch dort wird es gigantische Schwierigkeiten, ein ungeheures Chaos und Unausgeglichenheit geben. Deshalb sehe ich auch nicht den geringsten Grund für Verzweiflung und Kleinmut darin, daß die russische Revolution zuerst die leichte Aufgabe gelöst hat, den Gutsbesitzer und die Bourgeoisie zu stürzen, und jetzt vor der schwierigeren, der sozialistischen Aufgabe steht.

 

Werke, Band 27, Seite 325

Als wir prinzipielle Gegner der Vaterlandsverteidigung waren, da hatten wir das Recht, diejenigen zu verspotten, die ihr Vaterland angeblich im Interesse des Sozialismus „erhalten" wollten. Als wir das Recht erlangten, proletarische Vaterlandsverteidiger zu sein, da änderte sich die ganze Fragestellung von Grund auf. Es wird unsere Pflicht, die Kräfte aufs vorsichtigste zu berechnen und aufs sorgfältigste abzuwägen, ob unser Verbündeter (das internationale Proletariat) rechtzeitig zur Stelle sein wird. Das Kapital ist daran interessiert, den Feind (das revolutionäre Proletariat) einzeln zu schlagen, noch bevor die Arbeiter aller Länder sich (praktisch, d. h. durch den Beginn der Revolution) zusammengeschlossen haben. Wir dagegen sind daran interessiert, alles nur mögliche zu tun, selbst die kleinste Chance auszunutzen, um den entscheidenden Kampf aufzuschieben bis zu dem Zeitpunkt (bzw. „bis nadh" dem Zeitpunkt) einer solchen Vereinigung der revolutionären Trupps der großen internationalen Armee.

 

Werke, Band 27, Seite 482

Unsere Lage ist um so schwieriger, als die russische Revolution den anderen Revolutionen vorausgeeilt ist. Daß wir aber nicht allein sind, das zeigen uns die fast jeden Tag eintreffenden Nachrichten, die besagen, wie sich die besten deutschen Sozialdemokraten alle für die Bolschewiki aussprechen, wie in der legalen deutschen Presse Clara Zetkin für die Bolschewiki eintritt; dann Franz Mehring, der jetzt in einer Reihe von Artikeln den deutschen Arbeitern beweist, daß nur die Bolschewiki den Sozialismus richtig begriffen haben; wie vor kurzem im württembergischen Landtag ein Sozialdemokrat namens Hoschka mit aller Bestimmtheit erklärt hat, nur in den Bolschewiki erblicke er ein Musterbeispiel von Konsequenz und richtig geführter revolutionärer Politik. Glauben Sie, daß derlei Dinge keinen Widerhall finden unter Dutzenden, Hunderten, Tausenden deutscher Arbeiter, die sich ihnen von vornherein anschließen werden? Wenn es in Deutschland und Österreich so weit kommt, daß Arbeiterräte gebildet werden und ein zweiter Massenstreik ausbricht, dann dürfen wir ohne die geringste Übertreibung, ohne jegliche Selbsttäuschung sagen, daß dies den Beginn der Revolution bedeutet. Wir sagen uns mit absoluter Bestimmtheit:

Unsere Politik war eine richtige Politik, unser Weg war der richtige Weg, wir haben den österreichischen und den deutschen Arbeitern geholfen, sich nicht als unsere Feinde zu fühlen, die die russischen Arbeiter für die Interessen des Kaisers, für die Interessen der deutschen Kapitalisten würgen; wir haben ihnen geholfen, sich als Brüder der russischen Arbeiter zu fühlen, die genau solche revolutionäre Arbeit leisten. (Beifall.)

 

Werke, Band 27, Seite 549

Man weiß nicht, wie sich die revolutionäre Bewegung in Deutschland jetzt entwickeln wird. Unzweifelhaft ist nur, daß dort eine ungeheure revolutionäre Kraft vorhanden ist, die mit eiserner Notwendigkeit in Erscheinung treten muß. Und zu Unrecht beschuldigt man die deutschen Arbeiter, keine Revolution zu machen. Mit dem gleichen Recht könnte man den russischen Arbeitern vorwerfen, im Laufe von 10 Jahren, von 1907 bis 1917, keine Revolution fabriziert zu haben. Aber so ist das doch nicht. Revolutionen werden nicht auf Bestellung gemacht, sie werden nicht im voraus auf diesen oder jenen Zeitpunkt festgesetzt, sondern reifen im Prozeß der historischen Entwicklung heran und brechen aus in einem Moment, der durch das Zusammenwirken einer ganzen Reihe innerer und äußerer Ursachen bedingt ist. Dieser Moment ist nahe und wird unweigerlich und unausbleiblich eintreten. Für uns war es leichter, die Revolution zu beginnen, aber außerordentlich schwer ist es für uns, sie fortzusetzen und zu vollenden. Furchtbar schwer kommt die Revolution in einem so hochentwickelten Land wie Deutschland, in einem Land mit einer so ausgezeichnet organisierten Bourgeoisie, zustande, um so leichter wird es jedoch sein, die sozialistische Revolution siegreich zu Ende zu führen, nachdem sie in den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern Europas aufgeflammt ist und zu lodern beginnt.

 

Werke, Band 28, Seite 9

Wir haben es aber erreicht, daß in einem Lande alle Bindungen mit den Kapitalisten der ganzen Welt zerrissen wurden. Es gibt keinen einzigen Faden, der unsere Regierung mit den Imperialisten verbindet, welche es auch immer sein mögen, und es wird auch niemals solche Fäden geben, auf welchem Wege auch unsere Revolution weiterschreiter. Wir haben es erreicht, daß die revolutionäre Bewegung gegen den Imperialismus in den 8 Monaten, die wir an der Macht sind, kolossale Fortschritte gemacht hat und daß es in einem der Hauptzentren des Imperialismus, in Deutschland, im Januar 1918 zu einem bewaffneten Zusammenstoß kam, doch diese Bewegung wurde blutig unterdrückt. Wir haben, wie in keinem einzigen Lande keine einzige revolutionäre Regierung, unsere revolutionäre Arbeit im internationalen, im Weltmaßstab getan, wir machten uns aber keine Illusionen, daß unser Ziel mit den Kräften eines Landes erreicht werden könne. Wir wußten, daß unsere Anstrengungen unausbleiblich zur Weltrevolution führen werden und daß der Krieg, den die imperialistischen Regierungen begonnen haben, unmöglich von diesen Regierungen beendet werden kann. Beendet werden kann er nur durch die Anstrengungen des gesamten Proletariats, und es war unsere Aufgabe, als wir, eine proletarische, kommunistische Partei, an die Macht gelangten, zu einer Zeit, da in den anderen Ländern die kapitalistische bürgerliche Herrschaft noch erhalten blieb - ich wiederhole, es war unsere vordringlichste Aufgabe, diese Macht zu behaupten, damit von dieser Fackel des Sozialismus weiterhin möglichst viele Funken auf den sich verstärkenden Brand der sozialistischenRevolution fallen.

 

Werke, Band 28, Seite 71

Wir haben viele Opfer gebracht. Der Brester Frieden ist eine einzige schwere Wunde; wir haben auf die Revolution in Deutschland gewartet, aber damals war sie noch nicht herangereift. Das geschieht jetzt. Die Revolution kommt unbedingt, sie ist unausbleiblich. Aber nur ein Dummkopf kann fragen, wann die Revolution im Westen ausbrechen wird. Eine Revolution läßt sich nicht im voraus berechnen, eine Revolution kann man nicht voraussagen, sie kommt von allein. Und sie wächst heran und muß zum Ausbruch kommen.

 

Werke, Band 28, Seite 72 - 73

Die russische Revolution hat gezeigt, daß der Krieg unvermeidlich zum Zerfall der ganzen kapitalisttsdien Gesellschaft führt, daß er sich in einen Krieg der Werktätigen gegen die Ausbeuter verwandelt. Darin liegt die Bedeutung der russischen Revolution.

Wie groß auch die Schwierigkeiten sein mögen, die auf unserem Wege liegen, wie sehr man sich auch in allen Ländern anstrengt, Millionen und aber Millionen für die Verbreitung von Lügen und Verleumdungen gegen die russische Revolution hinauszuwerfen - die Arbeiterklasse der ganzen Welt fühlt, daß die russische Revolution ihre ureigene Sache ist. Parallel mit dem Krieg der einen Imperialistengruppe gegen die andere beginnt überall der Krieg, den die Arbeiterklasse, beseelt vom Beispiel der russischen Revolution, ihrer eigenen Bourgeoisie erklärt. Alle Anzeichen weisen darauf hin, daß Österreich und Italien unmittelbar vor der Revolution stehen; der Zerfall der alten Gesellschaftsordnung schreitet in diesen Ländern rasch voran. In den stabileren und stärkeren Staaten, wie Deutschland, England und Frankreich, vollzieht sich, obwohl etwas anders und weniger bemerkbar, der gleiche Prozeß. Der Zusammenbruch der kapitalistischen Ordnung und des kapitalistischen Krieges ist unvermeidlich. Die deutschen Imperialisten konnten die sozialistische Revolution nicht abwürgen.

 

 

Werke, Band 28, Seite 90 - 92

In Deutschland ist eine politische Krise ausgebrochen. Die panische Kopflosigkeit sowohl der Regierung als auch der Ausbeuterklassen in ihrer Gesamtheit ist vor den Augen des ganzen Volkes klar zutage getreten.

Mit einem Schlag zeigte sich, daß die militärische Lage hoffnungslos ist und daß die herrschenden Klassen von den werktätigen Massen keinerlei Unterstützung erhalten. Diese Krise bedeutet entweder den Beginn der Revolution oder auf jeden Fall, daß es den Massen jetzt völlig augenscheinlich geworden ist, daß die Revolution unvermeidlich ist und nahe bevorsteht.

Die Regierung hat moralisch demissioniert und pendelt hysterisch hin und her zwischen Militärdiktatur und Koalitionsregierung. Aber die Militärdiktatur ist im Grunde genommen schon seit Beginn des Krieges erprobt worden, und gerade jetzt kann sie nicht weiter ausgeübt werden, weil die Armee unzuverlässig geworden ist. Die Einbeziehung der Scheidemann und Co. in die Regierung aber wird den revolutionären Ausbruch nur beschleunigen, wird ihn umfassender und zielstrebiger, bestimmter und entschiedener machen, nachdem sich die ganze klägliche Ohnmacht dieser Lakaien der Bourgeoisie restlos entlarvt haben wird, dieser feilen Kreaturen nach Art unserer Menschewiki und Sozialrevolutionäre, nach Art der Henderson und Sidney Webb in England, der Albert Thomas und Renaudel in Frankreich usw.

Die Krise hat in Deutschland erst begonnen. Sie wird unvermeidlich mit dem Übergang der politischen Macht in die Hände des deutschen Proletariats enden. Das Proletariat in Rußland verfolgt mit größter Aufmerksamkeit und Begeisterung die Ereignisse. Jetzt werden sogar die Schreiben an die gemeinsame Sitzung am 3. Oktober 1918 verbündetsten Arbeiter in den verschiedenen Ländern einsehen, wie sehr die Bolschewiki im Recht waren, als sie ihre ganze Taktik auf die Unterstützung der internationalen Arbeiterrevolution begründeten und sich nicht scheuten, die schwersten Opfer zu bringen. Jetzt werden sogar die Rückständigsten begreifen, welchen maßlos schmählichen Verrat am Sozialismus die Menschewiki und Sozialrevolutionäre begingen, als sie, angeblich um der Annullierung des Brester Friedens willen, ein Bündnis mit der räuberischen englischen und französischen Bourgeoisie eingingen.

Und selbstverständlich denkt die Sowjetmacht schon gar nicht daran, den deutschen Imperialisten dadurch zu helfen, daß sie etwa versucht, den Brester Frieden zu brechen, ihn zu einem Zeitpunkt zu sprengen, da die antiimperialistischen Kräfte innerhalb Deutschlands in Gärung und Wallung geraten - zu einem Zeitpunkt, da die Repräsentanten der deutschen Bourgeoisie sich vor ihrem eigenen Volk wegen des Abschlusses eines solchen Friedens zu rechtfertigen beginnen, da sie nach Mitteln zur „Änderung" der Politik zu suchen beginnen.

Aber das Proletariat Rußlands verfolgt die Ereignisse nicht nur mit Aufmerksamkeit und Begeisterung. Es stellt die Aufgabe, alle Kraft anzuspannen, um den deutschen Arbeitern zu helfen, denen schwerste Prüfungen, der äußerst schwierige Übergang von der Sklaverei zur Freiheit und der hartnäckigste Kampf sowohl gegen den eigenen als auch, gegen den englischen Imperialismus, bevorstehen. Die Niederlage des deutschen Imperialismus wird für eine gewisse Zeit auch bedeuten, daß der englisch-französische Imperialismus frecher, brutaler und reaktionärer wird und seine Expansionsversuche wachsen.

Die bolschewistische Arbeiterklasse Rußlands war immer internationalistisch, nicht in Worten, sondern in Taten, zum Unterschied von jenen Lumpen, den Helden und Führern der II. Internationale, die entweder direkten Verrat übten, indem sie mit ihrer eigenen Bourgeoisie ein Bündnis eingingen, oder sich mit Phrasen herauszureden suchten und sich (nach der Art von Kautsky, Otto Bauer und Co.) Ausflüchte in bezug auf die Revolution ausdachten und gegen jede kühne, große revolutionäre Tat auftraten, die dagegen auftraten, daß auch nur etwas von den eng beschränkten nationalen Interessen zugunsten des Vormarsches der proletarischen Revolution geopfert wird.

Das russische Proletariat wird begreifen, daß jetzt bald von ihm gefordert werden wird, größte Opfer für den Internationalismus zu bringen.

Es naht die Zeit, da die Umstände von uns fordern können, dem deutschen Volk, das sich von seinem Imperialismus befreit, gegen den englisch-französischen Imperialismus Hilfe zu leisten.

Beginnen wir unverzüglich mit der Vorbereitung. Beweisen wir, daß der russische Arbeiter weit energischer zu arbeiten, weit aufopferungsvoller zu kämpfen und zu sterben versteht, wenn es nicht nur allein um die russische Revolution, sondern auch um die Arbeiterrevolution in der ganzen Welt geht.

 

 

Werke, Band 28, Seite 105 - 106

In verschiedenen Ländern erkennt die Bourgeoisie, daß sie sich in ihren Staaten nur mit Hilfe ausländischer Bajonette wird halten können. Und nicht nur in Österreich, auch in Deutschland, in Ländern, deren Lage noch vor kurzem stabil schien, hat, wie wir sehen, die Revolution begonnen.

Wir erhalten von dort Nachrichten, in der deutschen Presse ist schon von einem Rücktritt des Kaisers die Rede, und die Parteipresse der Unabhängigen Sozialdemokraten hat vom Reichskanzler bereits die Genehmigung erhalten, von einer deutschen Republik zu sprechen. Das will schon etwas heißen. Wir wissen, daß die. Zersetzung der Truppen sich verstärkt hat, daß dort direkte Aufrufe zum Aufstand der Truppen verbreitet werden. Wir wissen, daß im Osten Deutschlands in der Armee Revolutionskomitees gebildet worden sind, sie geben revolutionäre Literatur heraus, die die Soldaten revolutioniert. Deshalb kann man mit voller Bestimmtheit sagen, daß die Revolution von Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde heranreift, und das sagen nicht nur wir - nein, das sagen eben alle Deutschen aus den Reihen der Kriegspartei und der Bourgeoisie, die fühlen, daß die Ministersessel wackeln, daß das Volk den Ministern nicht vertraut, daß sie sich nicht mehr lange in ihrer Regierung halten werden.

Das sagen alle, die die Lage der Dinge kennen, sie alle sprechen davon, wie unvermeidlich die Volksrevolution und vielleicht sogar die proletarische Revolution in Deutschland ist.

 

 

Werke, Band 28, Seite 114 - 115

Das ist so vom Standpunkt der internationalen Revolution, der Weltrevolution, denn das wichtigste Glied in dieser Kette ist Deutschland, denn die deutsche Revolution ist schon herangereift, und vor allem von ihr hängt der Erfolg der Weltrevolution ab.

Wir werden darauf achten, daß unsere Einmischung ihrer Revolution keinen Schaden bringe. Es gilt sich über die Veränderungen und das Heranwachsen einer jeden Revolution klarzuwerden. In jedem Lande - wir haben das gesehen und miterlebt und wissen es besser als jeder andere - , in jedem Lande geht die Revolution ihren besonderen Weg, und diese Wege sind so verschieden, daß die Revolution sich auch um ein oder um zwei Jahre verspäten kann. Mit der Weltrevolution geht es nicht so glatt, daß sie überall, in allen Ländern, den gleichen Weg nimmt - dann hätten wir schon längst gesiegt. Jedes Land muß bestimmte politische Etappen durchlaufen. Überall sehen wir das gleiche Streben der Paktierer und ihre Versuche, gemeinsam mit der Bourgeoisie das „Volk vor der Bourgeoisie zu retten", wie dies bei uns Zereteli und Tschernow getan haben, wie dies in Deutschland die Scheidemänner tun; in Frankreich wird dies auf eigene Art getan. Und jetzt, wo die Revolution an die Tore Deutschlands pocht, dieses Landes mit der stärksten Arbeiterbewegung, die sich durch Organisation und Disziplin auszeichnet, wo die Arbeiter länger gelitten, aber vielleicht mehr revolutionären Haß aufgespeichert haben und mit ihren Feinden besser aufzuräumen verstehen werden, da kann die Einmischung in diese Ereignisse von Leuten, die nicht wissen, in welchem Tempo die Revolution heranwächst, jenen einsichtigen Kommunisten schaden, die sagen: Ich richte meine Aufmerksamkeit vor allem darauf, diesen Prozeß zu einem bewußten Prozeß zu machen. Jetzt, wo der deutsche Soldat sich davon überzeugt hat, daß man ihn zur Schlachtbank treibt, und ihm dabei sagt, er ziehe ins Feld zur Verteidigung des Vaterlands, er aber in Wirklichkeit die deutschen Imperialisten verteidigt - jetzt naht die Zeit, wo die deutsche Revolution sich so kraftvoll Und organisiert entladen wird, daß sie gleich Hunderte internationaler Probleme lösen wird. Deshalb sagen die einsichtigen ukrainischen Kommunisten:

Wir müssen alles für den Sieg der Weltrevolution hergeben, doch wir müssen uns bewußt sein, "daß die Zukunft uns gehört, und wir müssen im gleichen Schritt gehen mit der deutschen Revolution.

 

 

Werke, Band 28, Seite 117

Vor drei Monaten noch lachte man, wenn wir davon sprachen, daß es in Deutschland zur Revolution kommen könne; man sagte uns, nur die halbverrückten Bolschewiki könnten an eine deutsche Revolution glauben.

Nicht nur die ganze Bourgeoisie, sondern auch die Menschewiki und die linken Sozialrevolutionäre nannten die Bolschewiki Verräter am Patriotismus und erklärten, daß es in Deutschland keine Revolution geben könne.

Wir aber wußten, daß man dort unsere Hilfe braucht, und um dieser Hilfe willen mußten wir jedes Opfer, auch die schweren Friedensbedingungen, auf uns nehmen. Man hat uns das vor einigen Monaten gesagt und auch beweisen wollen, aber in diesen wenigen Monaten hat sich Deutschland aus einem mächtigen Reich in ein morsches Stück Holz verwandelt.

Die Kraft, die Deutschland zerstört hat, wirkt auch in Amerika und in England; heute ist sie noch schwach, doch mit jedem Schritt, den die Engländer und Franzosen in Rußland zu machen versuchen - sie werden versuchen, die Ukraine zu besetzen, wie das die Deutschen getan haben - , mit jedem Schritt wird diese Kraft immer stärker in Erscheinung treten und schrecklicher selbst als die spanische Grippe werden.

 

 

Werke, Band 28, Seite 131

Schließlich, und das ist das:wichtigste, sind .wir aus der internationalen Isolierung, unter der wir sowohl im Oktober als auch Anfang dieses Jahres gelitten haben, zu einer solchen Situation gelangt, wo sich unser einziger, aber zuverlässiger Bundesgenosse - die Werktätigen und Unterdrückten aller Länder - endlich erhoben hat, wo Führer des westeuropäischen Proletariats,: wie Liebknecht und Adler, die ihre mutigen, heldenhaften Versuche, die Stimme gegen den imperialistischen Krieg zu erheben, mit vielen Monaten Zuchthaus bezahlen mußten, in Freiheit sind, weil ihre Freilassung erzwungen wurde durch die Arbeiterrevolution in Wien und Berlin, die vonTag zu Tag, von Stunde zu Stunde immer mehr um sich greift. Aus der Isolierung sind wir in eine Lage gekommen, wo wir Hand in Hand, Schulter an Schulter mit unseren internationalen Verbündeten stehen. Das ist das Wesentliche, was in diesem Jahr erreicht worden ist. Ich werde mir gestatten, kurz bei diesem Weg, bei diesem Übergang zu verweilen.


 

 

Werke, Band 28, Seite 142 - 143

Genossen, wir alle wissen genau, daß die deutsche Regierung sehr wohl darüber informiert war, daß in der russischen Botschaft deutsche Sozialisten Gastfreundschaft genossen haben und nicht Leute, die sich für den deutschen Imperialismus einsetzten, solche Leute haben die Schwelle der russischen Botschaft nicht überschritten. Ihre Freunde waren die Sozialisten, die gegen den Krieg auftraten, die mit Karl Liebknecht sympathisierten.

Vom ersten Tage des Bestehens der Botschaft an waren sie ihre Gäste, und nur mit ihnen pflegten wir Verkehr. Das hat die deutsche Regierung ausgezeichnet gewußt. Sie spürt jedem Vertreter unserer Regierung genauso eifrig nach, wie die Regierung Nikolaus' II. unseren Genossen nachgespürt hat. Und wenn die Regierung jetzt diese Geste macht, so nicht, weil sich etwas geändert hätte, sondern weil sie sich früher für stärker hielt und nicht fürchtete, daß wegen eines in den Straßen von Berlin in Brand gesteckten Hauses ganz Deutschland auflodern würde.

Die deutsche Regierung hat den Kopf verloren, und jetzt, wo ganz Deutschland in Brand geraten ist, glaubt sie, das Feuer dadurch löschen zu können, daß sie ihre Polizeischläuche gegen das eine Haus richtet.

(Stürmischer Beifall.)

Das ist einfach lächerlich. Wenn die deutsche Regierung den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu erklären beabsichtigt, so sagen wir, daß wir das gewußt haben. Wir haben gewußt, daß sie mit aller Kraft ein Bündnis mit den englischen und französischen Imperialisten anstrebt.

Wir wissen, daß man die Wilson-Regierung mit Telegrammen überschüttet hat, die die Bitte enthielten, die deutschen Truppen in Polen, in der Ukraine, in Estland und Livland zu belassen, weil diese Truppen, wenn auch die englisch-französischen Imperialisten Feinde des deutschen Imperialismus sind, dennoch deren Geschäfte besorgen: sie kämpfen gegen die Bolschewiki. Laßt sie erst dann abziehen, wenn die Entente-freundlichen „Befreiungstruppen" eintreffen, um mit den Bolschewiki aufzuräumen.

Das wissen wir genau, in dieser Hinsicht gibt es hier für uns keine Überraschung. Wir sagten nur, daß jetzt, da Deutschland in Brand geraten ist und ganz Österreich in Flammen steht, da sie Liebknecht freilassen und ihm die Möglichkeit geben mußten, sich in die russische Botschaft zu begeben, wo eine gemeinsame Versammlung russischer und deutscher Sozialisten mit Liebknecht an der Spitze stattfand - daß jetzt ein derartiger Schritt der deutschen Regierung nicht so sehr davon zeugt, daß sie Krieg führen wollen, als vielmehr davon, daß sie völlig den Kopf verloren haben, daß sie bald für die eine, bald f fir die andere Entscheidung sind, denn ihr grimmigster Feind ist über sie gekommen - der englisch-amerikanische Imperialismus, der Österreich durch einen hundertmal schlimmeren Gewaltfrieden niedergeworfen hat, als es der Brester Frieden war. Deutschland sieht, daß diese Befreier es gleichfalls würgen, quälen und martern wollen. Aber zugleich erhebt sich der Arbeiter in Deutschland.

Nicht deshalb hat sich die deutsche Armee als untauglich und kampfunfähig gezeigt, weil sich die Disziplin gelockert hätte, sondern weil die Soldaten, die sich zu kämpfen weigerten, von der Ostfront an die deutsche Westfront geworfen wurden und das mitgebracht haben, was die Bourgeoisie den Weltbolschewismus nennt.

 

 

 

Werke, Band 28, Seite 149 - 151

Die Länder, die eine Niederlage erlitten haben, erleben jetzt den Sieg der Arbeiterrevolution, denn heute sieht jeder, wie gewaltig sie sich entfaltet. Als wir im Oktober die Macht ergriffen, waren wir in Europa nur ein einzelner Funke. Gewiß, die Funken mehrten sich, und diese Funken gingen von uns aus. Es ist" ein gewaltiges Werk, das zu vollbringen uns gelungen ist, doch waren es nur einzelne Funken. Jetzt aber ist in den meisten Ländern, die zur Einflußsphäre des deutschen und österreichischen Imperialismus gehörten, das Feuer ausgebrochen (Bulgarien, Österreich, Ungarn). Wir wissen, daß die Revolution von Bulgarien auf Serbien übergegriffen hat. Wir wissen, wie diese Arbeiter- und Bauernrevolutionen durch Österreich hindurch bis nach Deutschland vorgedrungen sind. Das Feuer der Arbeiterrevolution hat eine ganze Reihe von Ländern erfaßt. In dieser Hinsicht sind unsere Anstrengungen und unsere Opfer gerechtfertigt. Sie waren keine Abenteuer, wie das die Feinde verleumderisch behauptet haben, sondern der notwendige Übergang zur internationalen Revolution, den unser Land durchmachen mußte, das, ungeachtet seiner geringen Entwicklung und seiner Rückständigkeit, auf den vordersten Posten gestellt worden ist.

Das ist das eine, vom Standpunkt des endgültigen Ausgangs des imperialistischen Krieges das wichtigste Resultat. Das andere Resultat, auf das ich schon eingangs hingewiesen habe, besteht darin, daß sich der englisch-amerikanische Imperialismus jetzt ebenso zu entlarven beginnt, wie sich seinerzeit der deutsch-österreichische entlarvt hat. Wir sehen, daß Deutschland seine Herrschaft hätte behaupten und daß es sich zweifellos eine günstige Position im Westen hätte erkämpfen können,.wenn es während der Brester Verhandlungen einigermaßen Selbstbeherrschung geübt, einigermaßen kaltes Blut bewahrt Mtte und fähig gewesen wäre, sich aller Abenteuer zu enthalten. Deutschland hat das nicht getan, denn eine Maschine, wie es ein Krieg von Millionen und aber Millionen ist, ein Krieg, der die chauvinistischen Leidenschaften bis zur Siedehitze steigert, der mit kapitalistischen Interessen verbunden ist, die sich auf Hunderte Milliarden Rubel beziffern lassen - solch eine Maschine, einmal auf Touren gebracht, kann durch keine Bremse angehalten werden. Diese Maschine ist weiter gelaufen, als es die deutschen Imperialisten selber gewollt haben, und hat sie zermalmt. Sie sind steckengeblieben, sie sind in die Lage eines Menschen geraten, der sich, überfressen hat und so seinem Ende entgegengeht. Und in diesen wenig schönen, doch vom Standpunkt des revolutionären Proletariats äußerst nützlichen Zustand sind heute vor unser aller Augen die englischen und amerikanischen Imperialisten geraten. Man könnte meinen, sie hätten bedeutend größere politische Erfahrung als Deutschland, sind es doch Leute, die an ein demokratisches Regime gewöhnt sind und nicht an das Regiment irgendwelcher Junker, in Ländern, die schon vor Jahrhunderten die schwerste Periode ihrer Geschichte durchgemacht haben. Man könnte meinen, diese Leute

würden ihre Kaltblütigkeit bewahren. Wollten wir vom individuellen Standpunkt aus urteilen, ob sie fähig wären, Kaltblütigkeit zu bewahren, vorn Standpunkt der Demokratie überhaupt, wie bourgeoise Philister, wie Professoren, die vom Kampf des Imperialismus und der Arbeiterklasse nichts begriffen haben, wollten wir also vom Standpunkt der Demokratie überhaupt urteilen, so müßten wir sagen, daß England und Amerika Länder sind, in denen die Demokratie jahrhundertelang gepflegt worden ist, daß sich dort die Bourgeoisie wird halten können. Wenn es ihr heute gelänge, sich durch irgendwelche Maßnahmen zu halten, dann wäre das jedenfalls für eine ziemlich lange Zeit. Wie sich aber herausstellt, wiederholt sich mit ihnen dasselbe, was mit dem militär-despotischen Deutschland geschehen ist. In diesem imperialistischen Krieg bestand ein gewaltiger Unterschied zwischen Rußland und den republikanischen Ländern.

Der imperialistische Krieg ist ein so blutiger, bestialischer Raubkrieg, daß er sogar diese wichtigsten Unterschiede verwischt hat r er hat in dieser Hinsicht die freieste amerikanische Demokratie und das halbmilitär-despotische Deutschland einander gleichgestellt.

 

 

Werke, Band 28, Seite 174

TELEGRAMM AN ALLE DEPUTIERTENSOWJETS, AN ALLE, AN ALLE

10. XI. 1918

Heute Nacht traf aus Deutschland die Nachricht vom Siege der Revolution in Deutschland ein. Zuerst sandte Kiel einen Funkspruch, daß die Macht sich dort in den Händen des Arbeiter- und Matrosenrats befindet.

Dann brachte Berlin folgende Meldung:

Freiheits- und Friedensgruß an alle. Berlin und Umgegend in den Händen des Arbeiter- und Soldatenrates. Adolph Hoffmann, Landtagsabgeordneter. Joffe und Botschaftspersonal kommen sofort zurück."

Wir bitten, an sämtlichen Grenzstellen alle Maßnahmen zur Benachrichtigung der deutschen Soldaten zu ergreifen. Aus Berlin kam gleichfalls die Meldung, daß deutsche Soldaten an der Front die Friedensdelegation der alten deutschen Regierung verhaftet und selbst Friedensverhandlungen mit französischen Soldaten aufgenommen haben.

Der Vorsitzende des Rats der-Volkskommissare

Lenin

Prawda" Nr. 244. .

12. November 1918.

 

 

Werke, Band 28, Seite 182 - 183

Der deutsche Imperialismus, von dem manche glaubten, er sei der einzige Feind, ist zusammengebrochen. Die deutsche Revolution, die manchem (um einen bekannten Ausdruck Plechanows zu gebrauchen) ein „Mittelding zwischen Traum und Komödie" zu sein schien, ist Tatsache geworden.

 

 

Werke, Band 28, Seite 193

In der Tat, es haben sich außerordentlich wichtige Ereignisse abgespielt; In Rumänien und in Österreich-Ungarn sind Arbeiterräte gebildet worden, und in Deutschland sprechen sich die Räte gegen eine Nationalversammlung aus, und vielleicht wird schon in einigen Wochen die Regierung Haase-Scheidemann stürzen und durch eine Regierung Liebknecht abgelöst werden.

 

 

Werke, Band 28, Seite 202

Was man uns nach dem Brester Frieden am meisten vorwarf, und was wir von den weniger klassenbewußten Arbeitermassen am häufigsten hören mußten, war, daß wir unsere Hoffnung vergeblich auf die deutsche Revolution setzten, daß sie immer noch nicht da sei. Die deutsche Revolution hat alle diese Vorwürfe widerlegt und die Richtigkeit unserer Ansicht bestätigt, daß sie kommen muß, daß wir gegen den deutschen Imperialismus nicht nur durch den nationalen Krieg, sondern auch durch Propaganda und Zersetzung von innen kämpfen mußten. Die Ereignisse haben uns so sehr recht gegeben, daß hier nichts weiter zu beweisen bleibt. Ebenso verhält es sich mit der Konstituante, hier waren Schwankungen unvermeidlich, und der Gang der Ereignisse hat die Richtigkeit unserer Anschauungen so sehr bestätigt, daß jetzt alle im Westen begonnenen Revolutionen unter der Losung der Rätemacht stehen und diese Rätemacht schaffen. Die Sowjets sind jetzt überall das Charakteristische der Revolution.

Sie griffen von Österreich und Deutschland auf Holland und die Schweiz über (auf Länder mit den ältesten demokratischen Traditionen, die sich selbst im Vergleich zu Deutschland als Westeuropa bezeichnen).

Dort wird die Losung der Rätemacht aufgestellt. Der geschichtliche Zusammenbruch der bürgerlichen Demokratie war also keine Erfindung der Bolschewiki, sondern eine absolute historische Notwendigkeit.

 

 

Werke, Band 28, Seite 213

Denken wir daran, daß Engels gesagt hat, wir sollen durch das Beispiel wirken. Keine Form wird endgültig sein, solange nicht der volle Kommunismus erreicht sein wird. Wir haben keinen Anspruch darauf erhoben, den genauen Weg zu- kennen. Wir schreiten aber unabwendbar und unaufhaltsam zum Kommunismus. Heute bedeutet jede Woche mehr als Jahrzehnte in Friedenszeiten. Das halbe Jahr, das wir seit dem Abschluß des Brester Friedens durchgemacht haben, war eine Zeit der Schwankungen, die sich gegen uns richteten. Die westeuropäische Revolution - die unser Vorbild nachzuahmen beginnt, muß uns stärken. Wir müssen die eingetretenen Veränderungen berücksichtigen, müssen alle Elemente berücksichtigen, ohne uns irgendwelchen Illusionen hinzugeben, wohl wissend, daß die Schwankenden weiter schwanken werden, solange die sozialistische Weltrevolution nicht völlig gesiegt hat. Das wird vielleicht nicht so bald eintreten, obzwar der Gang der Ereignisse in der deutschen Revolution Grund zur Hoffnung gibt, daß dies schneller eintritt, als vielfach angenommen wird. Die deutsche Revolution entwickelt sich so, wie sich auch unsere Revolution entwickelt hat, doch in einem beschleunigten Tempo. Auf jeden Fall steht vor uns die Aufgabe, dem englisch-amerikanischen Imperialismus einen erbitterten Kampf zu liefern.

Dieser hat erkannt, daß der Bolschewismus ein internationaler Faktor geworden ist, und deshalb bemüht er sich, uns so schnell wie möglich zu erwürgen, er will zuerst mit den russischen Bolschewiki und danach mit seinen eigenen aufräumen.

 

 

Werke, Band 28, Seite 319 - 320

In Wirklichkeit besteht absolut kein Unterschied mehr, nicht die Spur eines Unterschieds, zwischen Kautsky und einem konterrevolutionären Bourgeois. Die „auf Sozialismus" frisierten honigsüßen Reden wiederholen dasselbe, was die Kornilow-, Dutow- und Krasnowleute in Rußland in grober Form, ohne Umschweife und ohne Beschönigung aussprechen.

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Die vorstehenden Zeilen waren am 9. November 1918 niedergeschrieben.

In der Nacht vom 9. zum 10. trafen aus Deutschland Nachrichten ein über den Beginn der siegreichen Revolution zuerst in Kiel und anderen Städten im Norden und an der Küste, wo die Macht in die Hände der Arbeiter- und Soldatenräte übergegangen ist, dann auch in Berlin, wo der Rat ebenfalls die Macht übernommen hat.

- Der Schluß, den ich noch zu der Broschüre über Kautsky und die proletarische Revolution zu schreiben hätte, erübrigt sich dadurch.

10. November 1918

 

 

 

Werke, Band 28, Seite 329

REDE AUF DEM MOSKAUER GOUVERNEMENTSKONGRESS DER SOWJETS, DER KOMITEES DER DORFARMUT UND DER RAYONKOMITEES DER KPR(B)

8. DEZEMBER 1918

Kurzer Zeitungsbericht

(Stürmischer Beifall.) Die Ereignisse der letzten Wochen in Österreich und Deutschland - sagte Genosse Lenin zu Beginn seiner Rede - haben gezeigt, daß wir mit der Beurteilung der internationalen Lage recht hatten, als wir unserer Politik eine genaue, klare und richtige Einschätzung aller Folgeerscheinungen des vierjährigen Krieges zugrunde legten, der sich aus einem Krieg, den die Kapitalisten zur Aufteilung der Beute führten, in einen Krieg verwandelt hat, den sie gegen die Proletarier aller Länder führen. Die Revolution in Westeuropa zu beginnen war schwer, aber einmal begonnen, marschiert sie rascher, sicherer und organisierter voran als bei uns.

Auf die Arbeiterbewegung in den anderen Ländern, die uns zu Hilfe kommt, verweisend, rief Genosse Lenin zur Anspannung aller Kräfte auf und stellte fest, daß uns jeder Monat, den wir uns um den Preis schwerer Opfer behaupten, einem bleibenden Siege näher bringt.

 

 

Werke, Band 28, Seite 333

Alle die schönen Losungen wie Volkswille, Konstituierende Versammlung und dergleichen mehr, mit denen alle halben Maßnahmen bemäntelt wurden, waren mit einem Male hinweggefegt, sobald sich der wirkliche Volkswille kundzutun begann. Sie sehen selbst, wie es gekommen ist, wie alle diese Losungen, die Losungen halber Maßnahmen, wie Spreu im Winde zerstoben sind. Und heute sehen wir, daß das nicht nur in Rußland geschieht, sondern auch im Maßstab der ganzen Weltrevolution.


Als die deutsche Revolution ausbrach, wurde es allen klar, daß die Revolution in der ganzen Welt heraufzieht, daß England, Frankreich und Amerika gleichfalls denselben Weg gehen - unseren Weg! Als unsere kleinbürgerlichen demokratischen Schichten ihren Schutzherren nachliefen, begriffen sie nicht, wohin diese sie führen, begriffen sie nicht, daß sie auf dem kapitalistischen Wege geführt werden. Jetzt sehen wir am Beispiel der deutschen Revolution, daß diese Repräsentanten der Demokratie, diese Schutzherren der Demokratie, diese Herren Wilson und Co., einem besiegten Volk ihre Verträge aufzwingen, die noch schlimmer sind als der Brester Vertrag, den man uns aufgezwungen hatte. Wir sehen klar, daß jetzt, wo die Ereignisse im Westen ins Rollen gekommen sind, wo sich die Situation verändert hat, die internationale Demagogie vor dem Bankrott steht. Das Gesicht einer jeden Nation ist jetzt klar erkenntlich.

Jetzt sind die Masken heruntergerissen, und alle Illusionen sind zerschmettert durch einen so schweren Rammbock, wie es der Rammbock der Weltgeschichte ist.

 

 

Werke, Band 28, Seite 336 - 337

Alle haben gesehen, daß dies nur der Anfang der großen Weltrevolution ist. Und diesen Anfang der großen Revolution haben wir, das rückständige „sonderbare" russische Volk gemacht... Man muß schon sagen, daß die Geschichte seltsame Wege geht; einem rückständigen Lande wurde die Ehre zuteil, an der Spitze der großen Weltbewegung zu marschieren. Und die Bourgeoisieder ganzen Welt sieht diese Bewegung und versteht sie. Deutschland, Belgien, die Schweiz und Holland sind von diesem Brand erfaßt.

 

 

Werke, Band 28, Seite 352

Diese Bildung der Komitees der Dorfarmut und ihre Neuwahl als Sowjetinstitutionen bietet die Gewähr dafür, daß das agrarische Rußland jetzt einen Weg beschriften hat, den ein westeuropäischer Staat nach dem anderen, später als wir, dafür aber sicherer als wir, beschreitet. Für sie war es weitaus schwieriger, die Umwälzung zu beginnen, weil sie nicht gegen einen morschen Absolutismus, sondern gegen eine kulturell hochstehende und fest vereinte Kapitalistenklasse anzukämpfen hatten. Doch, wie Sie wissen, hat diese Umwälzung begonnen, und Sie wissen auch, daß die Revolution sich nicht auf Rußland beschränkt hat, daß unsere größte Hoffnung und wichtigste Stütze, daß die Hauptstütze der Weltrevolution, das Proletariat der westeuropäischen, fortgeschritteneren Länder, in Bewegung geraten ist. Wir sind fest davon überzeugt, und der Gang der deutschen Revolution ist ein Beweis dafür, daß dort der Übergang zur sozialistischen Wirtschaft, die Verwendung moderner landwirtschaftlicher Technik, der Zusammenschluß der werktätigen Landbevölkerung - daß sich das alles dort rascher und leichter vollziehen wird als bei uns.

 

 

Werke, Band 28, Seite 363 , 364, 366, 368

Er sah, daß die deutschen Soldaten, die um soviel stärker waren als wir, daß sie von diesem bolschewistischen Bazillus angesteckt worden waren. Und Deutschland ist jetzt von der Revolution erfaßt, dort geht der Kampf um die Rätemacht. Und es zeigte sich, daß der Brester Frieden, den man als den völligen Bankrott der Bolschewiki hingestellt hatte, nur ein Übergang war, um nun, nachdem wir uns in Rußland gefestigt hatten, mit der Schaffung der Roten Armee zu beginnen. Die deutschen Truppen sind vom Bolschewismus angesteckt worden, und ihre Scheinsiege waren nur ein Schritt weiter zum völligen Zusammenbruch des deutschen Imperialismus, waren eine Übergangsstufe zur Ausbreitung und zum Anwachsen der Weltrevolution.

Den Deutschen hatte man gesagt, sie müßten sich gegen eine russische Invasion verteidigen. Jetzt aber wird diese Lüge mit jedem Tag offenkundiger.

Die deutschen Kapitalisten und Generale ließen ihre Truppen auch dann noch gegen Rußland marschieren, als es bereits ein sozialistisches Land geworden war. Und da wurde auch dem unwissendsten deutschen Soldaten klar, daß man ihn die ganzen vier Kriegsjahre hindurch hinters Licht geführt und in den Krieg getrieben hatte, damit die deutschen Kapitalisten Rußland ausplündern konnten. Das gleiche, was den Zusammenbruch des deutschen Imperialismus, was die Revolution in Deutschland hervorgerufen hat, das läßt jetzt mit jedem Tag und mit jeder Stunde die Revolution in Frankreich, England und in anderen Ländern näher rücken. Wir standen allein. Jetzt sind wiT nicht mehr allein.

Jetzt ist Revolution in Berlin, in Österreich, in Ungarn; selbst in der Schweiz, in Holland und in Dänemark, in diesen freien Ländern, die den Krieg nicht gekannt haben - selbst dort wächst die revolutionäre Bewegung,und die Arbeiter fordern dort bereits die Organisierung von Räten. Jetzt hat sich gezeigt, daß es keinen anderen Ausweg gibt. Die Revolution reift in der ganzen Welt heran. Wir sind darin die ersten gewesen, und unsere Aufgabe ist es, diese Revolution so lange zu verteidigen, bis unsere Verbündeten nachrücken, diese Verbündeten aber sind die Arbeiter aller Länder Europas. Diese Verbündeten werden uns um so näher sein, je maßloser sich ihre Regierungen gebärden.

In Deutschland ist die Revolution erst vor kurzem ausgebrochen, erst ein Monat ist seit ihrem Beginn verstrichen, und die akuteste Frage ist dort - Nationalversammlung oder Rätemacht.

Die gesamte Bourgeoisie ist dort für die Nationalversammlung, auch die Sozialisten - diejenigen, die beim Kaiser Lakaiendienste übernahmen, die nicht wagten, den Revolutionskrieg zu beginnen - , sie alle sind für die Nationalversammlung. Ganz Deutschland hat sich in zwei Lager gespalten.

Die Sozialisten sind jetzt für die Nationalversammlung, Liebknecht aber, der drei Jahre im Gefängnis zugebracht hat, steht ebenso wie Rosa Luxemburg an der Spitze der „Roten Fahne". Gestern ist ein Exemplar dieser Zeitung in Moskau eingetroffen. Wir erhielten sie mit großen Schwierigkeiten auf abenteuerlichem Wege. Sie enthält eine Reihe von Artikeln - sie alle, die Führer der Revolution, sprechen in dieser Zeitung vom Betrug des Volkes durch die Bourgeoisie. Deutschlands Wille wurde von den Kapitalisten geknebelt. Sie druckten nur ihre Zeitungen, nun aber schreibt „Die Rote Fahne", daß nur den Arbeitermassen das Recht zusteht, das Volksvermögen zu nutzen. In Deutschland ist schon jetzt, obgleich erst ein Monat seit der Revolution vergangen ist, das ganze Land in zwei Lager gespalten. Die Sozialverräter verkünden mit viel Stimmaufwand, daß sie für die Nationalversammlung sind, während die Sozialisten - die wirklichen, ehrlichen Sozialisten - sagen: „Wir sind alle für die Macht der Arbeiter und Soldaten." Sie sagen nicht: „für die Bauern", denn in Deutschland beschäftigt ein beträchtlicher Teil der Bauern ebenfalls Lohnarbeiter, sondern sie sagen: „für die Arbeiter und Soldaten". Sie sagen: „für die Kleinbauern". Die Rätemacht ist dort bereits zu einer Regierungsform geworden.

Und wir sagen: „Jawohl, Genossen, wir kämpfen nicht nur für Sowjetrußland - wir kämpfen für die Macht der Arbeiter und Werktätigen der ganzen Welt." Während wir den Ansturm des Imperialismus aufhalten, erstarkt die deutsche Revolution.

Auch in allen übrigen Ländern erstarkt die Revolution. Und deshalb, wie immer man sie in Europa auch nennen möge - sie, diese Weltrevolution, ist mit aller Macht herangerückt, und der Weltimperialismus wird untergehen. Und unsere Lage, wie schwer sie auch sei, sie gibt die Gewißheit, daß nicht nur wir für die gerechte Sache kämpfen, sondern daß wir auch Verbündete haben - die Arbeiter eines jeden Landes.

 

Werke, Band 28, Seite 377 - 379

Weil in jeder kapitalistischen Gesellschaft entweder die Bourgeoisie oder das Proletariat ausschlaggebende Bedeutung haben kann, während die kleinen Eigentümer unvermeidlich schwankende, ohnmächtige, törichte Phantasten bleiben, die von einer „reinen", d. h. außerhalb der Klassen oder über den Klassen stehenden Demokratie träumen.

Weil man aus einer Gesellschaft, in der eine Klasse die andere unterdrückt, nicht anders als durch die Diktatur der unterdrückten Klasse herauskommen kann. Weil nur das Proletariat imstande ist, die Bourgeoisie zu besiegen, sie zu stürzen, denn es ist die einzige Klasse, die, vereinigt und „geschult" durch den Kapitalismus, imstande ist, die schwankende Masse der in kleinbürgerlichen Verhältnissen lebenden Werktätigen mitzureißen oder zumindest zu „neutralisieren". Weil lediglich rührselige Kleinbürger und Philister davon träumen können, das Joch des Kapitals abzuschütteln, ohne den Widerstand der Ausbeuter in einem langen und schwierigen Kampf zu unterdrücken, und mit diesen Träumen betrügen sie sich und die Arbeiter. In Deutschland und Österreich ist dieser Widerstand bisher noch nicht offen zutage getreten, weil dort noch nicht mit der Expropriation der Expropriateure begonnen worden ist. Beginnt aber erst einmal diese Expropriation, so wird der Widerstand verzweifelt, ja reisend sein. Die Scheidemanh und Kautsky, die Austerlitz und Renner, die dies sich selbst und den Arbeitern verhehlen, üben damit Verrat an den Interessen des Proletariats, gehen im entscheidendsten Augenblick von der Position des Klassenkampfes und der Beseitigung der Knechtschaft der Bourgeoisie zur Position des Paktierens zwischen Proletariat und Bourgeoisie über, zur Position des „sozialen Friedens" oder der Aussöhnung der Ausbeuter und der Ausgebeuteten.

Die Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte131, sagte Marx. In Revolutionen lernt man rasch. In Deutschland und in Österreich werden die Arbeiter in Stadt und Land bald den Verrat der Scheidemann und Kautsky, der Austerlitz und Renner an der Sache des Sozialismus erkennen.

Das Proletariat wird diese „Sozialverräter",- diese Sozialisten in Worten und Verräter am Sozialismus in Taten, ebenso abschütteln, wie es in Rußland ebensolche Kleinbürger und Philister, die Menschewiki und „Sozialrevolutionäre", abgeschüttelt hat. Das Proletariat wird einsehen - und zwar um so rascher, je vollständiger die - Herrschaft der erwähnten „Führer" sein wird - , daß nur die Ersetzung des bürgerlichen Staates, und sei es auch die demokratischste bürgerliche Republik, durch einen Staat vom Typus der Pariser Kommune (von dem Marx so viel gesprochen hat, Marx, der von den Scheidemann und Kautsky entstellt und verraten worden ist) oder durch einen Staat vom Typus der Sowjets imstande ist, die Bahn zum Sozialismus frei zu machen. Die Diktatur des Proletariats wird die Menschheit vom Joch des Kapitals und von Kriegen erlösen.

Moskau, 23. XII. 1918

Prawda" Nr. 2,

3. Januar 1919

 

 

Werke, Band 28, Seite 408

Wir haben ein besonders schweres Jahr hinter uns und durchleben ein noch schwereres Halbjahr. Aber jedes Halbjahr nach der deutschen Revolution, nach der in England und Frankreich begonnenen Gärung führt uns nicht nur dem Siege der russischen, sondern auch der Weltrevolution entgegen.

 

 

Werke, Band 28, Seite 422

REDE ANLÄSSLICH DER-ERMORDUNGROSA LUXEMBURGS UND KARL LIEBKNECHTS

19. JANUAR 1919

Kurzer Zeitungsbericht

Heute frohlocken in Berlin die Bourgeoisie und die Sozialverräter – es ist ihnen gelungen, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zu ermorden.

Ebert und Scheidemann, die vier Jahre lang die Arbeiter um räuberischer Interessen willen zur Schlachtbank führten, haben jetzt die Rolle von Henkern proletarischer Führer übernommen. Am Beispiel der deutschen Revolution überzeugen wir uns, daß die „Demokratie" lediglich als Deckmantel für bürgerlichen Raub und brutalste Gewalt dient.

Tod den Henkern!

Prawda" Nr. 14.

21. Januar 1919.

 

 

Werke, Band 28, Seite 424

Genossen, das jüngste Ereignis in Deutschland, die viehische, heimtückische Ermordung Liebknechts und Luxemburgs, ist nicht nur das dramatischste und tragischste Ereignis in der beginnenden deutschen Revolution, es wirft auch ein außerordentlich grelles Licht darauf, wie in den gegenwärtigen Strömungen der verschiedenen politischen Ansichten und in den heutigen theoretischen Konzeptionen die Fragen des heutigen Kampfes gestellt werden. Gerade aus Deutschland hörten wir die meisten Reden, beispielsweise über die vielgepriesene Demokratie, über die Losungen Demokratie überhaupt, wie auch über die Losung Unabhängigkeit der Arbeiterklasse von der Staatsmacht. Diese Losungen, von denen man vielleicht auf den ersten Blick annehmen könnte, sie wären nicht miteinander verbünden, sind in Wirklichkeit eng miteinander verbunden. Sie sind eng miteinander verbunden, weil sie zeigen, wie stark noch bis auf den heutigen Tag trotz der gewaltigen im proletarischen Klassenkampf gesammelten Erfahrungen die kleinbürgerlichen Vorurteile sind, wie oft noch bis auf den heutigen Tag der Klassenkampf, um einen deutschen Ausdruck zu gebrauchen, ein reines Lippenbekenntnis ist, ohne all denen, die ihn im Munde führen, wirklich in Kopf und Herz eingedrungen zu sein. Wie kann man in der Tat - wenn wir uns auch nur an das Abc der politischen Ökonomie erinnern, wie wir es uns aus dem „Kapital" von Marx angeeignet haben, an jene Lehre vom Klassenkampf, auf deren Boden wir alle mit beiden Füßen stehen -,- wie kann man heute, wo sich der Kampf in einem derartigen Umfang und einem derartigen Ausmaß verschärft hat, wo es klar geworden ist, daß die sozialistische Revolution in der ganzen Welt auf die Tagesordnung gesetzt worden ist, wo dies praktisch aus den Vorgängen in den demokratischsten Ländern klar hervorgeht - wie kann man da von Demokratie überhaupt reden, oder wie kann man da von Unabhängigkeit reden?

 

 

Werke, Band 28, Seite 428 - 429

Je näher die politischen Formen Frankreichs der Demokratie kamen, desto schneller entstand dort aus einer Sache wie der Dreyfus-Affäre eine Bürgerkriegssituation. Je breiter die Demokratie in Amerika ist, mit seinem Proletariat, seinen Internationalisten und selbst mit seinen einfachen Pazifisten, desto schneller kommt es dort zu Fällen der Lynchjustiz und zu Bürgerkriegsexplosionen. All das wird uns heute um so klarer, als schon die erste Woche der bürgerlichen Freiheit, der Demokratie in Deutschland zu erbitterten Bürgerkriegskämpfen geführt hat, die bei weitem heftiger, bei weitem härter sind als bei uns. Und wer über diese Explosionen unter dem Gesichtswinkel urteilt, ob diese oder jene Parteien Gericht halten werden, wer von dem Standpunkt urteilt, an Liebknecht und Luxemburg sei einfach ein Mord verübt worden, der ist mit Blindheit geschlagen, der zeichnet sich durch feige Denkart aus, der will nicht begreifen, daß es sich hier um Explosionen eines unaufhaltsamen Bürgerkriegs handelt, der unabwendbar aus allen Widersprüchen des Kapitalismus entsteht. Ein Mittelding gibt es nicht und kann es nicht geben. Alles Gerede von Unabhängigkeit oder von Demokratie überhaupt, in welcher Sauce es auch serviert wird, ist schändlicher Betrug, schändlichster Verrat am Sozialismus. Und wenn die theoretische Propaganda der Bolschewiki, die heute faktisch die Gründer der Internationale sind, wenn die theoretische Propaganda der Bolschewiki in bezug auf den Bürgerkrieg nicht weit vordringen konnte und meist vor den Schranken der Zensur und den militärischen Sperrmaßnahmen der imperialistischen Staaten haltmachen mußte, so sind es jetzt schon nicht die Propaganda, nicht die Theorie, sondern die Fakten des Bürgerkriegs, der mit um so größerer Erbitterung geführt wird, je älter und von längerer Dauer die Demokratie der westeuropäischen Staaten ist. Diese Fakten werden selbst in den rückständigsten, stumpfsinnigsten Schädel eindringen. Heute kann man von Leuten, die von Demokratie überhaupt, von Unabhängigkeit reden, von diesen Leuten kann man nur wie von Fossilien sprechen.

 

 

Werke, Band 28, Seite 443 - 447

Brief an die Arbeiter Europas und Amerikas

12. - 20. Januar 1919

 

 

(Lenin; Werke, Band 28, Seite 469 - 470)

 

1. Kongress der Kommunistischen Internationale

REDE BEI DER ERÖFFNUNG DES KONGRESSES

2. MÄRZ 1919


Im Auftrag des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Rußlands eröffne ich den ersten internationalen kommunistischen Kongreß. Vor allem bitte ich alle Anwesenden, sich zum Andenken der besten Vertreter der III. Internationale, Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs; von den Sitzen zu erheben. (Alle e r h e b e n sich von den Plätzen.)

Genossen!

Unsere Zusammenkunft ist von weittragender weltgeschichtlicher Bedeutung. Sie beweist den Bankrott aller Illusionen der bürgerlichen Demokratie. Denn nicht nur in: Rußland, sondern auch in den entwickeltsten kapitalistischen Ländern Europas, wie in Deutschland, ist der Bürgerkrieg zur Tatsache geworden. . . . . . '. .

Die Bourgeoisie hat heillose Angst vor der wachsenden revolutionären Bewegung des Proletariats. Dies ist verständlich, wenn wir bedenken, daß die Entwicklung nach dem imperialistischen Kriege unausbleiblich die revolutionäre Bewegung des Proletariats fördert, daß die internationale Weltrevolution beginnt und in allen Ländern wächst.

Das Volk ist sich der Größe und Tragweite der sich gegenwärtig abspielenden Kämpfe bewußt. Nur muß eine praktische Form gefunden werden, die das Proletariat in den Stand setzt, seine Herrschaft zu verwirklichen.

Diese Form ist das Sowjetsystem mit der Diktatur des Proletariats.

Diktatur des Proletariats! Das war bisher Latein für die Massen.

Mit der Ausbreitung des Sowjetsystems in der ganzen Welt ist dieses Latein in alle modernen Sprachen übersetzt worden: die praktische Form der Diktatur ist durch die Arbeitermassen gefunden. Sie ist den großen Arbeitermassen verständlich geworden durch die Sowjetmacht in Rußland, durch die Spartakisten in Deutschland und ähnliche Bewegungen in anderen Ländern, zum Beispiel die Shop Stewards Committees in England. Alles dieses beweist, daß die revolutionäre Form der proletarischen Diktatur gefunden, daß das Proletariat jetzt praktisch imstande ist, seine Herrschaft auszuüben.

Parteigenossen!

Ich glaube, nach den Ereignissen in Rußland, nach den Januarkämpfen in Deutschland ist es besonders wichtig zu bemerken, daß auch in anderen Ländern die neueste Form der Bewegung des Proletariats sich zur Geltung durchringt und sich Geltang verschafft. Heute lese ich zum Beispiel in einer antisozialistischen:Zeitung die telegrafische Mitteilung, daß die englische Regierung den Rat der Arbeiterdelegierten in Birmingham empfangen und ihre Bereitwilligkeit erklärt hat, die Räte als wirtschaftliche Organisationen anzuerkennen. Das Sowjetsystem hat nicht nur im zurückgebliebenen Rußland, sondern auch in dem entwickeltsten Lande Europas, in Deutschland, und dem ältesten Lande des Kapitalismus, in England, gesiegt.

Mag die Bourgeoisie noch so wüten, mag sie noch Tausende von Arbeitern niedermetzeln, der Sieg ist unser, der Sieg der kommunistischen Weltrevolution ist gesichert.

 

 

 

Werke, Band 29, Seite 1 - 2, 3,

Jetzt aber ruft uns der Verlauf der Revolution in den anderen Ländern ins Gedächtnis, was wir noch vor kurzem selbst erlebt haben. Wir hatten angenommen, daß im Westen, wo die Klassengegensätze entsprechend dem entwickelteren Kapitalismus stärker entwickelt sind, die Revolution einen etwas anderen Weg als bei uns gehen und die Macht sofort von der Bourgeoisie auf das Proletariat übergehen werde. Die gegenwärtigen Vorgänge in Deutschland jedoch besagen das Gegenteil. Die deutsche Bourgeoisie, die sich vereinigt hat, um gegen die proletarischen Massen, die sich erhoben haben, vorzugehen, schöpft ihre Kraft aus der größeren Erfahrung der westlichen Bourgeoisie und führt einen systematischen Kampf gegen das Proletariat. Den deutschen revolutionären Massen aber mangelt es noch an Erfahrung, die sie erst im Prozeß des Kampfes erwerben werden. Alle erinnern sich der Revolution von 1905, als das russische Proletariat ohne jede Erfahrung in den Kampf ging. In der jetzigen Revolution aber haben wir die Erfahrungen, die uns die Revolution von 1905 gegeben hat, berücksichtigt und genutzt.

Es mußte eine gewisse Zeit vergehen, um aus dem Bewußtsein der Massen jenen alten Plunder hinausfegen zu können, der sie daran hinderte, sich in dem Geschehen zurechtzufinden. Das konnte nur erreicht werden durch die praktische Arbeit der Sowjets beim staatlichen Aufbau des Lebens. Heute befinden sich in der gleichen Lage auch die deutschen Arbeitermassen, aus deren Bewußtsein der gleiche Plunder entfernt werden muß, aber dort geht dieser Prozeß in schärferen, grausameren und blutigeren Formen vor sich als bei uns.

 

Werke, Band 29, Seite 42 -43, 44 - 45

Im Weltmaßstab völlig, endgültig zu siegen ist in Rußland allein nicht möglich, das ist erst möglich, wenn zumindest in allen fortgeschrittenen Ländern, oder auch nur in einigen der größten fortgeschrittenen Länder, das Proletariat den Sieg erringt. Dann erst können wir mit voller Überzeugung sagen, daß die Sache des Proletariats gesiegt hat, daß unser erstes Ziel, die Niederwerfung des Kapitalismus, erreicht ist.

Die gelben Sozialisten, die sich jetzt, nachdem sie sich in Bern versammelt hatten, anschicken, uns durch eine Visite prominenter Ausländer zu beglücken, lieben es ganz besonders, Phrasen vorzubringen wie diese:

Die Bolschewiki glauben an die Allmacht der Gewalt." Diese Phrase zeigt nur, daß sie von Leuten ausgesprochen wird, die in der Hitze des revolutionären Kampfes, wo sie die Gewalt der Bourgeoisie voll und ganz zu verspüren bekommen - man sehe, was in Deutschland vor sich geht - , es nicht verstehen, ihrem Proletariat die Taktik der notwendigen Gewalt beizubringen.

Es gibt Bedingungen, unter denen die Gewalt sowohl notwendig als auch nützlich ist, und es gibt Bedingungen, unter denen die Gewalt keinerlei Ergebnisse zu zeitigen vermag. Es hat jedoch Fälle gegeben, wo dieser Unterschied nicht von allen erkannt worden ist, und davon wird gesprochen werden müssen. Im Oktober hat die Gewalt, die Niederwerfung der Bourgeoisie durch die Sowjetmacht, die Entfernung der alten Regierung, die revolutionäre Gewalt einen glänzenden Erfolg gezeitigt.

Warum? Erstens, weil die Massen in den Sowjets organisiert waren, zweitens, weil der Feind - die Bourgeoisie - untergraben, ausgehöhlt, unterwaschen war durch die lange politische Periode vom Februar bis zum Oktober wie ein Stück Eis von den Frühlingsgewässern, weil er innerlich schon völlig entkräftet war. Und die Oktoberbewegung hat, im Vergleich etwa zur jetzigen revolutionären Bewegung in Deutschland, bei uns so leicht zu einem vollen, glänzenden Sieg der revolutionären Gewalt geführt.

Konnte man darauf rechnen, allein durch Anwendung von Gewalt den Weltimperialismus zu stürzen, ohne entsprechende Entwicklung des Proletariats in diesen imperialistischen Ländern?

Wenn man die Frage so stellt - und wir haben als Marxisten immer gelehrt, daß sie so und nur so gestellt werden muß - , so ist klar, daß Anwendung der Gewaltpolitik hier eine vollkommene Albernheit und Sinnlosigkeit gewesen wäre, es hätte von völliger Verständnislosigkeit gezeugt für die Bedingungen, unter denen die Gewaltpolitik Erfolg haben kann.

Jetzt sehen wir das. Wir sind an Erfahrungen reicher geworden. Während wir in der Periode des Brester Friedens unsere Kräfte sammeln und unter den qualvollsten Schwierigkeiten das Fundament einer neuen Armee, der Roten Armee, legen mußten, in einem Lande, das wie kein anderes Land der Welt durch den Krieg ruiniert und gemartert war, während wir in der ersten Hälfte und zu Anfang der zweiten Hälfte des Jahres 1918 Stein um Stein das Fundament der wahrhaft sozialistischen Roten Armee legten, währenddessen wurde der Imperialismus der anderen Länder durch innere Zersetzung, durch den anwachsenden Protest untergraben und entkräftet.

Und die revolutionäre Gewalt in Deutschland hat in dem Augenblick den Sieg davongetragen, da die monatelange Entwicklung des Kampfes den Imperialismus in diesem Lande untergraben hatte, und dasselbe wiederholt sich jetzt bis zu einem gewissen Grade - bis zu einem gewissen Grade, nicht in vollem Umfang - im Hinblick auf die Ententeländer.

 

Werke, Band 29, Seite 83 - 84

Das Anwachsen der revolutionären Bewegung des Proletariats in allen fortgeschrittenen Ländern, die Entstehung und Entwicklung der sowjetischen Form dieser Bewegung, die überall zu verzeichnen ist, d. h. einer Form, die direkt auf die Verwirklichung der Diktatur des Proletariats abzielt, insbesondere schließlich der Beginn und der Verlauf der Entwicklung der Revolution in Österreich-Ungarn und Deutschland, das alles hat deutlich gezeigt, daß die Ära der proletarischen, kommunistischen Weltrevolution angebrochen ist.

2. Um die Ursachen, die Bedeutung und die Ziele dieser Revolution richtig zu verstehen, ist es erforderlich, erstens das Wesen, die eigentliche Natur des Kapitalismus und der bürgerlichen Gesellschaft, die Unvermeidlichkeit ihrer Entwicklung zum Kommunismus klarzustellen und zweitens die Natur des Imperialismus und der imperialistischen Kriege, die den Zusammenbruch des Kapitalismus beschleunigt und die proletarische Revolution auf die Tagesordnung gesetzt haben.

 

 

Werke, Band 29, Seite 164 - 165

 

Die Genossen, die auf dem Kongress hier in Moskau den Spartakusbund vertraten, erzählten uns, dass in Westdeutschland, wo die Industrie besonders hoch entwickelt, wo der Einfluss der Spartakusleute unter der Arbeiterschaft am stärksten ist, dass dort, obwohl die Spartakusleute noch nicht gesiegt haben, in sehr vielen der größten Betriebe die Ingenieure, die Betriebsleiter zu ihnen kamen und sagten: 'Wir gehen mit euch'. Bei uns gibt es das nicht. Offenbar haben dort das höhere Kulturniveau der Arbeiter, die stärkere Proletarisierung des technischen Personals und vielleicht eine ganze Reihe anderer Ursachen, die uns unbekannt sind, Verhältnisse geschaffen, die sich von den unsrigen etwas unterscheiden. Jedenfalls liegt hier eines der Haupthindernisse für unsere weitere Vorwärtsbewegung. Wir müssen sofort, ohne auf die Unterstützung durch andere Länder zu warten, sofort und unverzüglich die Produktivkräfte entwickeln. das muss ein für alle Mal gesagt werden. Ohne bürgerliche Spezialisten ist das unmöglich. Natürlich sind die meisten dieser Spezialisten völlig von der bürgerlichen Weltanschauung durchdrungen. Man muss sie in eine Atmosphäre kameradschaftlicher Zusammenarbeit versetzen, ihnen Arbeiterkommissare beigeben, sie mit kommunistischen Zellen umgeben und in eine solche Lage bringen, dass sie nicht aus der Reihe tanzen können, aber man muss ihnen ermöglichen, unter besseren Bedingungen zu arbeiten als im Kapitalismus, denn diese von der Bourgeoisie erzogene Schicht wird sonst nicht arbeiten." (Lenin, Werke Band 29, "VIII. Parteitag der KPR(B)", Seite 164-165)

 

 

Werke, Band 29, Seite 282 - 283

Wir sagen: Wir kämpfen, wir geben die letzten Kräfte her, wir halten diesen Krieg für den einzig gerechten und rechtmäßigen Krieg.

Wir haben den Sozialismus bei uns und in der ganzen Welt entfacht. Wer uns in diesem Kampf auch nur im geringsten hindert, den werden wir ohne Erbarmen bekämpfen. Wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns. Es gibt aber Menschen - und wir wissen, daß es unter den Menschewiki solche gibt - , die, nicht imstande oder nicht gewillt, die in Rußland vor sich gehenden Ereignisse zu begreifen, sich noch nicht überzeugt haben:

wenn in Rußland diese „schlechten" Bolschewiki eine solche Revolution vollbracht haben, so wird in Deutschland die Revolution unter unermeßlich größeren Qualen geboren. Die dortige demokratische Republik – was ist das? Was ist das - die deutsche Freiheit? Das ist die Freiheit, die wahren Führer des Proletariats zu ermorden: Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Dutzende andere. Damit wollen die Scheidemänner ihre Niederlage hinausschieben. Es ist klar, daß sie nicht regieren können. Seit dem 9. November sind fünf Monate Freiheit in der deutschen Republik vergangen.

In dieser Zeit waren entweder die Scheidemänner oder ihre Helfershelfer die Repräsentanten der Macht. Aber Sie wissen, daß dort die gegenseitige Feindschaft immer stärker wird. Dieses Beispiel zeigt, daß es nur die Diktatur der Bourgeoisie oder die Diktatur des Proletariats geben kann; daß es hier kein Mittelding gibt, ist ersichtlich aus dem, was wir heute beispielsweise in der „Frankfurter Zeitung" lesen. Sie schreibt, das Beispiel Ungarns beweise, daß wir zum Sozialismus werden schreiten müssen. Ungarn hat bewiesen, daß die Bourgeoisie freiwillig die Macht an die Sowjets abtritt, da sie weiß, daß das Land sich in einer solch verzweifelten Lage befindet, daß niemand es retten kann, daß niemand außer den Sowjets das Volk den so schwierigen Weg der Rettung führen kann.

 

 

Werke, Band 29, Seite 383 - 390

Die Helden der Berner Internationale

 

 

Werke, Band 29, Seite 506

So wie der Brester Frieden für Deutschland wird der Versailler Frieden für Frankreich und England mit der Niederlage der Kapitalisten und dem Sieg des Proletariats enden. Auf eben diese Bewegung des Proletariats im Westen weisen auch die Mißerfolge der ersten Invasion der Entente im Süden Rußlands und der zweiten Invasion in Sibirien hin. Diese Mißerfolge haben gezeigt, daß das Proletariat im Westen für uns ist.

Selbst die Bauernschaft Sibiriens und der Ukraine, die früher für Koltschak und Denikin eingetreten ist, hat sich nach den Requirierungen, den Massenplünderungen und den verübten Gewalttaten gegen sie gewandt.

Heute ist es klar, daß Koltschak vernichtet und der Sieg über Denikin nahe ist. Diesen Sieg wird der Sieg des Proletariats im Westen vollenden, denn im Westen nimmt die Arbeiterbewegung überall bolschewistischen Charakter an, und wenn Rußland anfangs mit seiner Sowjetmacht allein dastand, so hat sich ihm in der Folgezeit Räteungarn zugesellt, steht in Deutschland die Übergabe der Macht an die Räte bevor. Der Tag ist nicht fern, da ganz Europa sich zu einer einheitlichen Sowjetrepublik zusammenschließt, die die Herrschaft der Kapitalisten in der ganzen Welt stürzt.

 

 

Werke, Band 30, Seite 140

Wir erleben die Zersetzung des Imperialismus in Westeuropa. Sie wissen, daß es vor einem Jahr selbst den deutschen Sozialisten, wie überhaupt der großen Mehrheit der Sozialisten, die die Situation nicht verstanden, schien, als spiele sich der Kampf zwischen zwei Gruppen des Weltimperialismus ab. Und sie glaubten, dieser Kampf bilde den einzigen Inhalt der Geschichte, es gebe keine Kräfte, die etwas anderes beitragen könnten; sie meinten, daß sogar den Sozialisten nichts andres übrigbleibe, als sich einer dieser Gruppen der mächtigen internationalen Räuber anzuschließen.

So schien es Ende Oktober 1918. Seitdem hat jedoch die Weltgeschichte innerhalb eines Jahres völlig neue Erscheinungen hervorgebracht, Erscheinungen von weitgehender und tiefgreifender Wirkung, die vielen jener Sozialisten die Augen öffneten, die während des imperialistischen Krieges Patrioten waren und ihr Verhalten damit zu rechtfertigen suchten, daß sie vor dem Feind stünden; die ihr Bündnis mit den englischen und den französischen Imperialisten zu rechtfertigen suchten, welche angeblich die Befreiung vom deutschen Imperialismus brächten.

Wieviel Illusionen hat dieser Krieg doch zerstört! Wir erleben die Zersetzung des deutschen Imperialismus, die nicht nur zur republikanischen Revolution geführt hat, sondern auch zur sozialistischen. Sie wissen, daß sich der Klassenkampf in Deutschland jetzt noch mehr zugespitzt hat und daß der Bürgerkrieg, der Kampf des deutschen Proletariats gegen die deutschen Imperialisten, die trotz ihres republikanischen Mäntelchens Vertreter des Imperialismus geblieben sind, immer näher rückt.

 

 

Werke, Band 29, Seite 433 - 434

International gesehen aber war unsere Lage noch nie so günstig wie jetzt, und was uns besonders mit Freude und Kraft erfüllt, das sind die Nachrichten, die wir jeden Tag aus Deutschland bekommen und die zeigen, daß die proletarische Rätemacht in Deutschland unaufhaltsam heranwächst, wie schwer, unter welchen Schwierigkeiten die sozialistische Revolution auch geboren wird. Der deutsche Kornilowputsch hat in Deutschland dieselbe Rolle gespielt wie in Rußland. Nach diesem Kornilowputsch ist in Deutschland nicht nur bei den Arbeitermassen der Städte, sondern auch bei dem Landproletariat ein Umschwung zugunsten der Arbeitermacht eingetreten, und dieser Umschwung ist von weltgeschichtlicher Bedeutung.

Er bestätigt uns nicht nur von neuem die unbedingte Richtigkeit des Weges, sondern gibt uns auch die Überzeugung, daß die Zeit nicht fern ist, da wir Seite an Seite mit einer deutschen Räteregierung marschieren werden.

 

 

Werke, Band 32, Seite 346 - 347

Um die Frage noch klarer zu machen, wollen wir zunächst ein ganz konkretes Beispiel des Staatskapitalismus anführen. Alle wissen, was für ein Beispiel das ist: Deutschland. Hier haben wir das ,letzte Wort' moderner großkapitalistischer Technik und planmäßiger Organisation, die dem junkerlich-bürgerlichen Imperialismus unterstellt sind. Man lasse die hervorgehobenen Wörter aus, setze an Stelle des militärischen, junkerlichen, bürgerlichen, imperialistischen Staates ebenfalls einen Staat, aber einen Staat von anderem sozialen Typus, mit anderem Klasseninhalt, den Sowjetstaat, d.h. einen proletarischen Staat, und man wird die ganze Summe der Bedingungen erhalten, die den Sozialismus ergibt.

Sozialismus ist undenkbar ohne großkapitalistische Technik, die nach dem letzten Wort modernster Wissenschaft aufgebaut ist, ohne planmäßige staatliche Organisation, die Dutzende Millionen Menschen zur strengsten Einhaltung einer einheitlichen Norm in der Erzeugung und Verteilung der Produkte anhält. Davon haben wir Marxisten stets gesprochen, und es lohnt nicht, auch nur zwei Sekunden für ein Gespräch mit Leuten zu verschwenden, die sogar das nicht begriffen haben (die Anarchisten und die gute Hälfte der linken Sozialrevolutionäre).

Sozialismus ist außerdem undenkbar ohne die Herrschaft des Proletariats im Staate: das ist ebenfalls eine Binsenwahrheit. Die Geschichte (von der niemand, vielleicht außer den menschewistischen Flachköpfen ersten Ranges, erwartet hatte, daß sie uns glatt, ruhig, leicht und einfach den ,vollen' Sozialismus bringen werde) nahm einen so eigenartigen Verlauf, daß sie im Jahre 1918 zwei getrennte Hälften des Sozialismus gebar, eine neben der anderen, wie zwei künftige Kücken unter der einen Schale des internationalen Imperialismus. Deutschland und Rußland verkörpern 1918 am anschaulichsten die materielle Verwirklichung einerseits der ökonomischen, produktionstechnischen, sozialwirtschaftlichen Bedingungen und anderseits der politischen Bedingungen für den Sozialismus.

Die siegreiche proletarische Revolution in Deutschland würde mit einem Male, mit größter Leichtigkeit, jede Schale des Imperialismus zerbrechen (leider ist sie aus bestem Stahl verfertigt und läßt sich deshalb nicht durch die Anstrengungen eines jeden Kückens zerbrechen), den Sieg des Weltsozialismus ohne Schwierigkeiten oder mit geringfügigen Schwierigkeiten bestimmt verwirklichen - freilich wenn man den weltgeschichtlichen Maßstab der Schwierigkeit' nimmt, und nicht den engen Spießermaßstab.

Wenn in Deutschland die Revolution noch mit ihrer ,Geburt' säumt, ist es unsere Aufgabe, vom Staatskapitalismus der Deutschen zu lernen; ihn mit edler Kraft zu übernehmen, keine diktatorischen Methoden zu scheuen, um diese Übernahme der westlichen Kultur durch das barbarische Rußland noch stärker zu beschleunigen, ohne dabei vor barbarischen Methoden des Kampfes gegen die Barbarei zurückzuschrecken. Wenn es; unter den Anarchisten und linken Sozialrevolutionären (mir fielen unwillkürlich die Reden von Karelin und Ge im Zentralexekutivkomitee ein) Leute gibt, die imstande sind, in der Art eines Karelin zu räsonieren, daß es uns Revolutionären nicht gezieme, vom deutschen Imperialismus ,zu lernen', so muß man eins sagen: Die Revolution, die solche Leute ernst "nehmen wollte, wäre hoffnungslos (und durchaus verdientermaßen) verloren.

 

 

Werke, Band 32, Seite 537 - 548

Brief an die deutschen Kommunisten

August 1921

 

 

 

Werke, Band 35, Seite 440 - 341

l. X. 1918

Für Gen. Swerdlow

Die Dinge haben in Deutschland solch einen „schnellen Lauf" genommen, daß auch wir nicht zurückbleiben dürfen. Heute aber sind wir bereits zurückgeblieben.

Man muß morgen eine gemeinsame Versammlung einberufen des Zentralexekutivkomitees des Moskauer Sowjets, der Bezirkssowjets, der Gewerkschaften usw. usw.

Es sind eine Reihe von Referaten über den Beginn der Revolution in Deutschland zu halten.

(Sieg unserer Taktik im Kampf gegen den deutschen Imperialismus. Usw.)

Man muß eine Resolution annehmen:

Die internationale Revolution ist innerhalb einer Woche so nahe gerückt, daß wir mit ihr als einem Ereignis der nächsten läge rechnen müssen.

Keinerlei Bündnisse, weder mit der Regierung Wilhelms noch mit der Regierung Wilhelms II. + Ebert und andere Schurken.

Für die deutschen Arbeitermassen, für die Millionen deutscher Werktätiger aber, nachdem sie vom Geist der Empörung ergriffen sind (vorläufig nur von dem Geist),

b e r e i t e n w i r ein brüderliches Bündnis, B r o t , militärische Hilfe vor.


Wir alle setzen das Leben dafür ein, um den deutschen Arbeitern zu helfen, die in Deutschland begonnene Revolution voranzutreiben.

Schlußfolgerung: 1. verzehnfachte Anstrengungen bei der Getreidebeschaffung (alle Vorräte sind einzuziehen - sowo h l f ü r u n s a l s a u c h f ü r d i e deutschen Arbeiter) ;

2. zehnmal mehr Meldungen zur Armee.

Im Früjahr müssen wir eine Dreimillionenarmee haben zur Unterstützung der internationalen Arbeiterrevolution.

Diese Resolution muß Mittwoch Nacht telegrafisch in die ganze Welt gehen.

Setzen Sie die Versammlung auf Mittwoch 2 Uhr an. Wir beginnen um 4 Uhr, mir erteilen Sie das Wort für eine viertelstündige Eröffnung, ich komme und fahre dann sofort zurück. Schicken Sie mir morgen früh den Wagen (am Telefon sagen Sie nur: einverstanden).

Mit Gruß! Lenin

Zuerst veröffentlicht 1933.

 

 

 

 

Brief an die Mitglieder der Spartakusgruppe vom 18. 10. 1918

Werte Genossen!

Heute kam die Nachricht, daß die Spartakusgruppe zusammen mit den Bremer Linksradikalen die energischsten Schritte tut, um die Schaffung der Arbeiter- und Soldatenräte in ganz Deutschland zu fördern. Ich benutze diese Gelegenheit, um unsere besten Wünsche den deutschen revolutionären Sozialdemokraten-Internationalisten zu übermitteln.

Die Arbeit der deutschen Spartakusgruppe, die unter den schwierigsten Umständen eine systematische revolutionäre Propaganda trieben und wirklich die Ehre des deutschen Sozialismus und des deutschen Proletariats gerettet haben. Jetzt kommt die Zeit: die schnell reifende deutsche Revolution ruft die Spartakusgruppe zur wichtigsten Rolle, und wir hoffen alle mit Zuversicht, daß die deutsche sozialistische, proletarische Republik bald entscheidende Schläge dem Weltimperialismus bringen wird.

Hoffentlich wird auch das Buch des Renegaten Kautsky gegen die Diktatur des Proletariats einen gewissen Nutzen bringen. Die Wahrheit dessen, was die Spartakusgruppe immer gegen die Kautskyaner gesagt hatte, wird bestätigt werden, und die Massen werden schneller den versumpfenden Einfluß von Herrn Kautsky und Co. loswerden.

Mit besten Grüßen und mit fester Hoffnung, in nächster Zeit den Sieg der proletarischen Revolution in Deutschland begrüßen zu können.

Ihr N. Lenin

(Lenin, Werke Band 35, Seite 345)

 

 

 

FERNSPRUCH

AN DEN VERTRETER DER RSFSR IN BERLIN

Berlin

An den russischen Botschafter Joffe


übermitteln Sie unverzüglich Karl Liebknecht unseren heißesten Gruß.

Die Befreiung des Vertreters der revolutionären Arbeiter Deutschlands aus dem Gefängnis ist das Zeichen einer neuen Epoche, der Epoche des siegreichen Sozialismus, die sich jetzt Deutschland wie auch der ganzen Welt eröffnet.

Im Namen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Rußlands (Bolschewiki)

Lenin Swerdlow Stalin

(Lenin Werke, Band 35, Seite 347)

 

Werke, Band 35, Seite 448

 

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TELEGRAMM AN DIE GOUVERNEMENTS-EXEKUTIVKOMITEES VON ORJOL UND KURSK UND DIE GOUVERNEMENTSKOMITEESDER PARTEI

    9. XI. 1918

Geheim

Dringend, vordringlich durchgeben

2 Adressen

Orjol. Gouvernements-Exekutivkomitee und Gouvernementskomitee der Kommunisten Kursk. Gouvernements-Exekutivkomitee und Gouvernementskomitee der Kommunisten


Soeben ist Funkspruch aus Kiel eingegangen, gerichtet an das internationale Proletariat, mit der Mitteilung, daß in Deutschland die Macht an die Arbeiter und Soldaten übergegangen ist.

Dieser Funkspruch ist unterzeichnet vom Kieler Matrosenrat.

Außerdem haben deutsche Soldaten an der Front die Friedensdelegation Wilhelms verhaftet und selbst Friedensverhandlungen direkt mit französischen Soldaten begonnen.

Wilhelm hat abgedankt.

Es müssen alle Anstrengungen gemacht werden, um die deutschen Soldaten in der Ukraine schnellstmöglich davon zu unterrichten und ihnen zu raten, gegen die Krasnowtruppen vorzugehen, denn dann werden wir gemeinsam Dutzende Millionen Pud Getreide für die deutschen Arbeiter erobern und den Überfall der Engländer zurückschlagen, die sich gegenwärtig mit einem Geschwader Noworossisk nähern.

Telegrafieren Sie Empfang und Ausführung.

Der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare

Lenin

Zuerst veröffentlicht 1933

 

 

 

Werke, Band 36, Seite 485

 

FUNKSPRUCH AUS MOSKAU

AN ALLE, AN ALLE, AN ALLE !

An alle Deputiertensowjets des Grenzgebiets


Nach letzten Meldungen haben deutsche Soldaten die zu den Waffenstillstandsverhandlungen fahrende Delegation deutscher Generale verhaftet.

Deutsche Soldaten sind in unmittelbare Verhandlungen mit französischen Soldaten getreten. Kaiser Wilhelm hat abgedankt. Kanzler Prinz von Baden ist zurückgetreten. Neuer Kanzler wird der Regierungssozialdemokrat Ebert. Generalstreik in allen Großstädten Süddeutschlands. Die gesamte deutsche Flotte steht auf der Seite der Revolution. Alle deutschen Häfen der Nord- und Ostsee sind in den Händen der revolutionären Flotte. Vom Kieler Soldatenrat erhielten wir einen an das internationale Proletariat gerichteten Funkspruch mit der Mitteilung, daß über der deutschen Flotte die rote Fahne weht und daß heute die Beisetzung der für die Freiheit Gefallenen stattfindet. Es ist sehr wahrscheinlich, daß all das vor den deutschen Soldaten an der Ostfront und in der Ukraine verheimlicht wird. Bringen Sie diese Tatsachen mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln den deutschen Soldaten zur Kenntnis.

Der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten

Tschitscherin

Der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare

Lenin

Moskau

Funkspruch

geschrieben am 10. November 1918.

Zuerst veröffentlicht am 6./7. November 1921