Lenin

Über den Spartakusbund

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lenin über den Spartakusbund

 Zitatensammlung

aus Anlass des 100. Jahrestags der Gründung des Spartakusbundes

1. Januar- 1916 - 1. Januar 2016

zusammengestellt von Wolfgang Eggers

 

 

Der Name "Spartakusleute", den die deutschen Kommunisten jetzt tragen, diese einzige Partei in Deutschland, die wirklich gegen das Joch des Kapitalismus kämpft, war von diesen gewählt worden, weil Spartakus einer der hervorragenden Helden eines der größten Sklavenaufstände vor ungefähr zweitausend Jahren war.

* * *

Als der deutsche "Spartakusbund" mit so weltbekannten und weltberühmten Führern, mit so treuen Vorkämpfern der Arbeiterklasse wie Liebknecht, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Franz Mehring endgültig seine Verbindung zu Sozialisten vom Schlage Scheidemanns und Südekums abgebrochen hatte, diesen Sozialchauvinisten (Sozialisten in Worten und Chauvinisten in der Tat), die sich durch ihr Bündnis mit der imperialistischen Raubbourgeoisie Deutschlands, und mit Wilhelm H. mit ewiger Schande bedeckt haben, als der 'Spartakusbund' den Namen 'Kommunistische Partei Deutschlands' annahm, da war die Gründung einer wahrhaft proletarischen, wahrhaft internationalistischen. wahrhaft revolutionären III. Internationale, der Kommunistischen Internationale, Tatsache geworden. Formell ist diese Gründung noch nicht vollzogen, aber faktisch besteht die III. Internationale heute schon.

(21. Januar 1919, Lenin Werke, Band 28, Seite 442)

* * *

"Die Übereinstimmung unserer Taktik mit der Taktik der Gruppe Karl Liebknechts ist kein Zufall, sondern ein Schritt auf dem Wege zu der im Entstehen begriffenen III. Internationale." (Lenin)

 

* * *

"Das deutsche Proletariat ist der treueste, zuverlässigste Verbündete der russischen und der internationalen proletarischen Revolution." (Lenin)

 

* * *

Die deutsche Spartakusgruppe hat die Ehre des deutschen Sozialismus und des deutschen Proletariats gerettet. (Lenin, Band 35, Seite 345)

 

 

 

" Die internationale Spaltung der gesamten Arbeiterbewegung ist jetzt schon ganz offen zu Tage getreten (II. und III. Internationale).

Auch die Tatsache des bewaffneten Kampfes und des Bürgerkriegs zwischen den beiden Richtungen ist zu Tage getreten: (...), in Deutschland - die Scheidemann samt Noske und Co. mit der Bourgeoisie gegen die Spartakusleute." (Lenin, "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus", Band 22, Seite 197)

 

"Beide linken Gruppen in Deutschland, sowohl die ISD (Int. Soz. Deutschlands) als auch die "Internationale" (oder Spartakus-Gruppe, zu der eben Liebknecht gehört, haben ausdrücklich den Sozialpazifismus des Zentrums abgelehnt."

Grimm kritisiert die Anträge der Mehrheit eben vom Standpunkt des Zentrums aus, weil diese Mehrheit sich dem Standpunkt Liebknechts nähern will.

Mit Liebknecht sein, das heißt

1. den Hauptfeind im eigenen Lande angreifen;

2. die Sozialpatrioten des eigenen Landes (und nicht nur des Auslandes, mit Verlaub zu sagen, Genosse Grimm!) entlarven, bekämpfen, sich mit ihnen nicht - mit Verlaub zu sagen, Genosse Grimm! - gegen die Linksradikalen vereinigen;

3. nicht nur die Sozialpatrioten, sondern auch die Sozialpazifisten und die "Zentrumsleute" im eigenen Lande offen kritisieren und deren Schwächen bloßlegen;

4. die parlamentarische Tribüne zur Aufforderung des Proletariats zum revolutionären Kampfe, zum Umkehren der Waffen, benutzen;

5. unzensurierte Flugblätter verbreiten und ungenehmigte Versammlungen organisieren;

6. proletarische Demonstrationen arrangieren, wie z. B. solche auf dem Potsdamer Platz in Berlin, wo Liebknecht verhaftet worden ist;

7. zu Streiks der Munitionsarbeiter aufrufen, wie es die Gruppe "Internationale" mittels unzensuierter Flugblätter getan hat;

8. offen die Notwendigkeit einer vollständigen "Regeneration" der heutigen, sich auf reformistische Tätigkeit beschränkenden, Parteien beweisen und in diesem Sinne handeln, wie das Liebknecht getan hat;

9. die Vaterlandsverteidigung im imperialistischen Kriege unumwunden ablehnen;

10. gegen den Reformismus und Opportunismus innerhalb der Sozialdemokratie auf der ganzen Linie kämpfen;

11. gegen die gewerkschaftlichen Führer, die in allen Ländern, namentlich in Deutschland, England, in der Schweiz, die Avantgarde des Sozialpatriotismus und des Opportunismus bildeten, ebenso rücksichtslos vorgehen usw.

Es ist klar, dass von diesem Standpunkt aus manches am Entwurf der Mehrheit auszusetzen wäre. Darüber kann aber nur in einem besonderen Artikel gesprochen werden. Jetzt gilt es zu betonen, dass die Mehrheit jedenfalls Schritte in diese Richtung vorschlägt, Grimm aber diese Mehrheit nicht von links, sondern von rechts angreift, nicht vom Standpunkte Liebknechts aus, sondern vom Standpunkt des Zentrums.

Ist es nicht eine internationale Tatsache, dass die Bourgeoisie und ihre Regierungen selbst in den Krieg führenden Ländern, England und Deutschland an der Spitze, nur die Liebknecht-Richtung verfolgt, das Zentrum aber toleriert?

Vorwärts nach links, selbst wenn es Austritt einiger sozialpatriotischer Führer bedeuten würde! - das ist, kurz gesagt, der politische Sinn der Anträge der Mehrheit.

(Lenin, Band 23, Seite 293-294, geschrieben in deutscher Sprache)

 

 

"Wir sind fest überzeugt, dass die Wellen der Revolution diesen schmutzigen Schaum von der internationalen Arbeiterbewegung rasch wegspülen werden. In Deutschland brodelt es schon in der proletarischen Masse, die durch ihre beharrliche, hartnäckige und ausdauernde Organisationsarbeit in den langen Jahrzehnten der europäischen "Windstille" von 1871 bis 1914 der Menschheit und dem Sozialismus so viel gegeben hat. Die Zukunft des deutschen Sozialismus repräsentieren nicht die Verräter Scheidemann, Legien, David und Co., und auch nicht die schwankenden, charakterlosen, in der Routine der 'friedlichen' Periode steckengebliebenen Politiker wie die Herren Haase, Kautsky und ihresgleichen. Die Zukunft gehört jener Richtung, die einen Karl Liebknecht hervorgebracht hat, die die 'Spartakusgruppe' schuf (...) Die objektiven Bedingungen des imperialistischen Krieges bieten die Gewähr dafür, dass sich die Revolution nicht auf die erste Etappe der russischen Revolution, dass sie sich nicht auf Russland beschränken wird. Das deutsche Proletariat ist der treueste, zuverlässigste Verbündete der russischen und der internationalen proletarischen Revolution."(Lenin, Werke, Band 23, Seite 386)

 

"Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal (...) der wirklichen Internationalisten: der völlige Bruch sowohl mit dem Sozialchauvinismus als auch mit dem 'Zentrum', der rückhaltlose revolutionäre Kampf gegen die eigene imperialistische Regierung und die eigene imperialistische Bourgeoisie. Ihr Prinzip: 'Der Hauptfeind steht im eigenen Land'. Schonungsloser Kampf gegen die süßliche sozialpazifistische Phrase (der Sozialpazifist ist Sozialist in Worten, bürgerlicher Pazifist in der Tat; die bürgerlichen Pazifisten träumen vom ewigen Frieden ohne die Abschüttelung des Jochs und der Herrschaft des Kapitals) sowie gegen alle Ausflüchte, die den Zweck haben, in Abrede zu stellen, dass der revolutionäre Kampf des Proletariats und die proletarische, sozialistische Revolution in Verbindung mit dem gegenwärtigen Krieg möglich, angebracht und aktuell sind.

Der bedeutendste Vertreter dieser Strömung: In Deutschland die 'Spartakusgruppe' oder 'Gruppe Internationale', der Karl Liebknecht angehört. Karl Liebknecht ist der berühmteste Repräsentant dieser Strömung und der neuen, wirklichen, proletarischen Internationale.(...) Liebknecht allein vertritt den Sozialismus, die Sache des Proletariats, die proletarische Revolution. Die ganze übrige deutsche Sozialdemokratie ist nach dem treffenden Ausdruck Rosa Luxemburgs (ebenfalls Mitglied und eine Führerin der 'Spartakusgruppe') ein stinkender Leichnam."

(Lenin, Werke, Band 24, Seite 63-64)

 

Es ist Tatsache, dass wir Prawdisten, und nur wir, für die Einheit einzig und allein mit zwei Gruppen von deutschen Sozialisten eintreten ('Spartakus' und 'Arbeiterpolitik'), mit den Gruppen, die sich der Politik Karl Liebknechts, d.h. der Politik der Zerstörung der inneren Einheit in Deutschland anschließen. Karl Liebknecht: Nicht Burgfrieden, sondern Burgkrieg. (...) Es lebe die Einheit solcher Sozialisten und Arbeiter aller Länder, die nicht nur in Worten mit Karl Liebknecht sympathisieren, sondern die in der Tat die gleiche Politik gegen ihre eigenen Kapitalisten betreiben!" (Lenin, Werke, Band 24, Seite 117-118-119)

 

"'Spartakusgruppe' oder Gruppe 'Internationale' heißt die Gruppe in Deutschland, der Karl Liebknecht angehört. In letzter Zeit haben gewisse Leute, besonders solche, die ein Interesse daran haben, Verwirrung zu stiften, ein großes Geschrei erhoben, die Gruppe Liebknechts habe sich mit den Kautskyanern in der neu gegründeten 'Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands' vereinigt. In Wirklichkeit hat sich die Gruppe Liebknechts nicht völlig mit den Kautskyanern vereinigt, sie hat ihre organisatorische Selbständigkeit gewahrt und ist lediglich einen zeitweiligen und bedingten Block gegen die Sozialchauvinisten eingegangen. (...) als es hieß, unverzüglich eine präzise und klare Antwort auf die Frage zu geben, ob man mit den Scheidemännern und ihren Agenten zusammen gehen sollte, da zerfiel das Bündnis von Karl Liebknecht und seiner Gruppe mit Kautsky und Co. mit einem Schlag. Unsere Partei hat die Initiative zu einer solchen endgültigen Abgrenzung ergriffen und bereits begonnen, die Elemente einer III. Internationale zusammenzuschließen. Die Übereinstimmung unserer Taktik mit der Taktik der Gruppe Karl Liebknechts ist kein Zufall, sondern ein Schritt auf dem Wege zu der im Entstehen begriffenen III. Internationale." (Lenin, Werke, Band 24, Seite 318)

 

"Die deutsche 'Spartakusgruppe' hat in ihren in deutscher Sprache im Jahre 1915 erschienenen 'Leitsätzen' die Behauptung aufgestellt, dass es in der Ära des Imperialismus keine nationalen Kriege geben könne. Das ist eine offenkundig unrichtige Behauptung, denn der Imperialismus verschärft die nationale Unterdrückung, folglich sind nationale Aufstände und nationale Kriege (jeder Versuch einen Unterschied zwischen Aufstände und Kriegen zu konstruieren, wäre zum Scheitern verurteilt) nicht nur möglich und wahrscheinlich, sondern geradezu unausbleiblich." (Lenin, Werke Band 26, Seite 147)

 

"Die revolutionären Matrosen der deutschen Flotte, die von vornherein wussten, dass ihr Unternehmen zum Scheitern verurteilt war, gingen heldenmütig in den sicheren Untergang, nur um durch ihren Tod den im Volke noch schlummernden Geist des Aufruhrs zu wecken. Die 'Spartakusgruppe' betreibt ihre revolutionäre Propaganda immer intensiver. Der Name Liebknecht, des unermüdlichen Kämpfers für die Ideale des Proletariats, wird in Deutschland mit jedem Tag populärer. Wir glauben an die Revolution im Westen. Wir wissen, dass sie unvermeidlich ist, aber auf Bestellung lässt sie sich natürlich nicht machen." (Lenin, Werke, Band 26, Seite 286)

"Wenn man die Proletarier Europas des Verrats anklage, schreibt Kautsky, so sei das eine Anklage gegen Unbekannte. Sie irren, Herr Kautsky! Schauen Sie in den Spiegel, und Sie werden die 'Unbekannten' sehen, gegen die sich diese Anklage richtet. Kautsky stellt sich naiv, er tut so, als begriffe er nicht, wer eine solche Anklage erhebt und welchen Sinn sie hat. In Wirklichkeit jedoch weiß Kautsky sehr gut, dass die deutschen 'Linken', die Spartakusleute, Liebknecht und seine Freunde, diese Anklage erhoben haben und erheben. (...) Kautsky begreift nicht, dass diese 'Anklage' (...) nahezu die einzige Form ist, in der die deutschen Sozialisten, die den Sozialismus nicht verraten haben, Liebknecht und seine Freunde, ihren Appell an die deutschen Arbeiter zum Ausdruck bringen, die Scheidemänner und Kautsky abzuschütteln, derartige 'Führer' von sich zu stoßen, sich frei zu machen von ihren verdummenden und vulgarisierenden Predigten, sich gegen sie, ohne sie, über sie hinweg zur Revolution zu erheben!" (Lenin, Werke, Band 28, Seite 291 und 292)

 

 

Als der deutsche "Spartakusbund" mit so weltbekannten und weltberühmten Führern, mit so treuen Vorkämpfern der Arbeiterklasse wie Liebknecht, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Franz Mehring endgültig seine Verbindung zu Sozialisten vom Schlage Scheidemanns und Südekums abgebrochen hatte, diesen Sozialchauvinisten (Sozialisten in Worten und Chauvinisten in der Tat), die sich durch ihr Bündnis mit der imperialistischen Raubbourgeoisie Deutschlands, und mit Wilhelm H. mit ewiger Schande bedeckt haben, als sich der "Spartakusbund" den Namen "Kommunistische Partei
Deutschlands" gegeben hatte -wurde die Gründung der wirklich proletarischen, wirklich internationalistischen, wirklich revolutionären IH. Internationale, der Kommunistischen
Internationale, Tatsache. Formal ist diese Gründung noch nicht erfolgt, aber faktisch besteht heute bereits die III. Internationale. (21. Januar 1919, Lenin Werke, Band 28, Seite 442)

 

 

Die Revolution in Deutschland - das als eines der fortgeschrittensten kapitalistischen Länder besonders wichtig und charakteristisch ist - hat sofort 'Sowjet'formen angenommen. Der ganze Entwicklungsgang der deutschen Revolution und besonders der Kampf der 'Spartakusleute', d.h. der wahren und einzigen Vertreter des Proletariats, gegen den Bund des Verrätergesindels, der Scheidemänner und Südekums, mit der Bourgeoisie - all das zeigt klar, wie die Geschichte in Bezug auf Deutschland die Frage gestellt hat:

'Sowjetmacht' oder bürgerliches Parlament, unter welchem Aushängeschild (ob als 'National'versammlung oder als 'konstituierende' Versammlung) es auch immer auftreten möge.

Das ist die weltgeschichtliche Fragestellung. Heute kann und darf man das ohne Übertreibung sagen.

Die 'Sowjetmacht' ist der zweite weltgeschichtliche Schritt oder die zweite weltgeschichtliche Etappe in der Entwicklung der Diktatur des Proletariats. Der erste Schritt war die Pariser Kommune.

(...)

Die drei Richtungen im internationalen Sozialismus, von denen seit 1915 in der bolschewistischen Presse unablässig gesprochen wird, zeigen sich uns heute im Lichte der blutigen Kämpfe und des Bürgerkriegs in Deutschland mit besonderer Klarheit.

Karl Liebknecht, dieser Name ist den Arbeitern aller Länder bekannt. Überall, und besonders in den Ententeländern, ist dieser Name zum Symbol der Ergebenheit eines Führers für die Interessen des Proletariats, der Treue zur sozialistischen Revolution geworden. Dieser Name ist das Symbol des wahrhaft ehrlichen, wahrhaft opferbereiten, schonungslosen Kampfes gegen den Kapitalismus. Dieser Name ist das Symbol des unversöhnlichen Kampfes gegen den Imperialismus, eines kampfes nicht in Worten, sondern in Taten, der gerade dann größte Opferbereitschaft offenbart, wenn das „eigene“ Land vom Taumel imperialistischer Siege erfasst ist. Mit Liebknecht und den „Spartakusleuten“ geht alles, was unter den Sozialisten Deutschlands ehrlich und wirklich revolutionär geblieben ist, alles Beste und Überzeugte im Proletariat, die ganze Masse der Ausgebeuteten, die erfüllt sind von Empörung und unter denen die Bereitschaft zur Revolution wächst.

Gegen Liebknecht sind Scheidemann, Südekum und die ganze Bande der verabscheuungswürdigen Lakaien des Kaisers und der Bourgeoisie. Das sind ebensolche Verräter am Sozialismus wie die Gompers und Victor Berger, die Henderson und Webb, die Renaudel und Vandervelde. Das ist jene dünne Oberschicht der von der Bourgeoisie korrumpierten Arbeiter, die wir Bolschewiki (auf die russischen Südekum, die Menschewiki, anwendend) „Agenten der Bourgeoisie in der Arbeiterbewegung“ nannten und die von den Besten der Sozialisten Amerikas äußerst prägnant und zutreffend als „labor lieutenants of the capitalist class“, „Arbeiterlieutnants der Kapitalistenklasse“, bezeichnet werden. Das ist der neueste , moderne Typus sozialistischer Verräterei, denn in allen zivilisierten, fortgeschrittenen Ländern plündert die Bourgeoisie – sei es auf dem Wege kolonialer Unterdrückung oder indem sie aus formal unabhängigen schwachen Völkern finanziellen „Nutzen“ zieht – eine Bevölkerung aus, die die Bevölkerung des „eigenen“ Landes zahlemmäßig um ein Vielfaches übertrifft. Hieraus ergibt sich für die imperialistische Bourgeoisie die ökonomische Möglichkeit zur Erzielung von „Extraprofiten“ und zur Verwendung eines Teils dieses Extraprofits zur Korruption einer bestimmten Oberschicht des Proletariats, um sie in ein reformistisches, opportunistisches Kleinbürgertum zu verwandeln, das vor der Revolution Angst hat.

Zwischen den Spartakusleuten und den Scheidemännern stehen die schwankenden, charakterlosen „Kautskyaner“, die Gesinnungsgenossen Kautskys, die sich „Unabhängige“ nennen, in Wirklichkeit aber völlig, auf der ganzen Linie heute von der Bourgeoisie und den Scheidemännern, morgen von den Spartakusleuten abhängig sind und teils den Ersteren, teils den Letzteren Gefolgschaft leisten, Menschen ohne Gesinnung, ohne Charakter, ohne Politik, ohne Ehre und Gewissen, die lebendige Verkörperung philiströser Zerfahrenheit, die sich in Worten zur sozialistischen Revolution bekennen, in Wirklichkeit aber unfähig sind, diese, als sie begonnen hat, zu begreifen, und auf Renegatenart die „Demokratie“ überhaupt, das heißt in Wirklichkeit die bürgerliche Demokratie verteidigen.

In jedem kapitalistischen Land erkennt jeder denkende Arbeiter, in der entsprechend den nationalen und geschichtlichen Bedingungen veränderten Situation, eben diese drei Hauptrichtungen sowohl bei den Sozialisten als auch bei den Syndikalisten, denn der imperialistische Krieg und der Beginn der proletarischen Weltrevolution bringt in der ganzen Welt gleichartige politische und ideologische Strömungen hervor.

* * *

Obige Zeilen waren noch vor dem bestialischen und niederträchtigen Meuchelmord geschrieben, den die Regierung Ebert-Scheidemann an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg verübt hat. Diese Henkersknechte, diese Lakaien der Bourgeoisie, haben es den deutschen Weßgardisten, den Kettenhunden des geheiligten kapitalistischen Eigentums ermöglicht, Risa Luxemburg zu lynchen und Karl Liebknecht hinterrücks zu ermorden, wobei sie sich des offensichtlich erlogenen Vorwands bedienten, er sei „auf der Flucht“ erschossen worden (als der russische Zarismus die Revolution von 1905 im Blut erstickte, griff er oft zu derartigen Mordtaten unter dem selben erlogenen Vorwand, die Häftlinge wären „auf der Flucht“ erschossen worden), und zugleich deckten diese Henker die Weißgardisten durch die Autorität einer angeblich gänzlich schuldlosen, angeblich über den Klassen stehenden Regierung ! Man findet keine Worte für die ganze Abscheulichkeit und Niedertracht dieser Henkertaten der Pseudosozialisten. Die Geschichte hat offenbar einen Weg gewählt, auf dem die Rolle der „Arbeiterlieutenants der Kapitalistenklasse“ die „äußerste Grenze“ der Bestialität, Schändlichkeit und Niedertracht erreichen soll. Mögen die Kautskyaner, diese Narren, in ihrer Zeitung „Die Freiheit“ nur immer von einem „Gericht“ schwätzen, dem Vertreter „aller“ „sozialistischen“ Parteien (die Scheidemann, die Henker, werden von diesen Lakaienseelen weiterhin Sozialisten genannt) angehören sollen ! Diese Helden philiströsen Stumpfsinns und kleinbürgerlicher Feigheit begreifen nicht einmal, dass das Gericht ein Organ der Staatsmacht ist und dass der Kampf und der Bürgerkrieg in Deutschland eben darum gehen, in wessen Händen diese Macht liegen soll: in den Händen der Bourgeoisie, die die Scheidemann als Henker und Progromhelden und die Kautsky als Barden der „reinen Demokratie“ „bedienen“ werden, oder in den Händen des Proletariats, das die kapitalistischen Ausbeuter stürzen und ihren Widerstand brechen wird.

Das Blut der Besten der weltumspannenden proletarischen Internationale, der unvergessliche Führer der sozialistischen Weltrevolution wird immer neue Arbeitermassen stählen zum Kampf auf Leben und Tod. Und dieser Kampf wird zum Sieg führen. (Lenin, Band 28, Seite 442 - 445)

Noch sind die Ausbeuter stark genug, um die besten Führer der proletarischen Weltrevolution zu ermorden und zu lynchen, um in den Ländern und Gebieten, die von ihnen okkupiert oder erobert werden, die Opfer und Leiden der Arbeiter zu vergrößern. Aber die Ausbeuter der ganzen Welt werden nicht mehr die Kraft haben, den Sieg der proletarischen Weltrevolution aufzuhalten, die der Menschheit die Befreiung bringt vom Joch des Kapitals, von der ständigen Gefahr neuer und im Kapitalismus unvermeidlicher imperialistischer Kriege. (Lenin, Werke, Band 28, Seite 448-449)

 

1. Kongress der Kommunistischen Internationale

REDE BEI DER ERÖFFNUNG DES KONGRESSES

2. MÄRZ 1919


Im Auftrag des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Rußlands eröffne ich den ersten internationalen kommunistischen Kongreß. Vor allem bitte ich alle Anwesenden, sich zum Andenken der besten Vertreter der III. Internationale, Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs; von den Sitzen zu erheben. (Alle e r h e b e n sich von den Plätzen.)

Genossen!

Unsere Zusammenkunft ist von weittragender weltgeschichtlicher Bedeutung. Sie beweist den Bankrott aller Illusionen der bürgerlichen Demokratie. Denn nicht nur in: Rußland, sondern auch in den entwickeltsten kapitalistischen Ländern Europas, wie in Deutschland, ist der Bürgerkrieg zur Tatsache geworden. . . . . . '. .

Die Bourgeoisie hat heillose Angst vor der wachsenden revolutionären Bewegung des Proletariats. Dies ist verständlich, wenn wir bedenken, daß die Entwicklung nach dem imperialistischen Kriege unausbleiblich die revolutionäre Bewegung des Proletariats fördert, daß die internationale Weltrevolution beginnt und in allen Ländern wächst.

Das Volk ist sich der Größe und Tragweite der sich gegenwärtig abspielenden Kämpfe bewußt. Nur muß eine praktische Form gefunden werden, die das Proletariat in den Stand setzt, seine Herrschaft zu verwirklichen.

Diese Form ist das Sowjetsystem mit der Diktatur des Proletariats.

Diktatur des Proletariats! Das war bisher Latein für die Massen.

Mit der Ausbreitung des Sowjetsystems in der ganzen Welt ist dieses Latein in alle modernen Sprachen übersetzt worden: die praktische Form der Diktatur ist durch die Arbeitermassen gefunden. Sie ist den großen Arbeitermassen verständlich geworden durch die Sowjetmacht in Rußland, durch die Spartakisten in Deutschland und ähnliche Bewegungen in anderen Ländern, zum Beispiel die Shop Stewards Committees in England. Alles dieses beweist, daß die revolutionäre Form der proletarischen Diktatur gefunden, daß das Proletariat jetzt praktisch imstande ist, seine Herrschaft auszuüben.

Parteigenossen!

Ich glaube, nach den Ereignissen in Rußland, nach den Januarkämpfen in Deutschland ist es besonders wichtig zu bemerken, daß auch in anderen Ländern die neueste Form der Bewegung des Proletariats sich zur Geltung durchringt und sich Geltang verschafft. Heute lese ich zum Beispiel in einer antisozialistischen:Zeitung die telegrafische Mitteilung, daß die englische Regierung den Rat der Arbeiterdelegierten in Birmingham empfangen und ihre Bereitwilligkeit erklärt hat, die Räte als wirtschaftliche Organisationen anzuerkennen. Das Sowjetsystem hat nicht nur im zurückgebliebenen Rußland, sondern auch in dem entwickeltsten Lande Europas, in Deutschland, und dem ältesten Lande des Kapitalismus, in England, gesiegt.

Mag die Bourgeoisie noch so wüten, mag sie noch Tausende von Arbeitern niedermetzeln, der Sieg ist unser, der Sieg der kommunistischen Weltrevolution ist gesichert.

(Lenin; Werke, Band 28, Seite 469 - 470)

 

Bis heute erscheint die Zeitung „Avanti " unter strenger Zensur. In dieser Ausgabe jedoch, die zufällig in unsere Hände gelangte, lese ich eine Korrespondenz aus dem Parteileben in der Ortschaft Cavriago - wahrscheinlich ein kleiner Ort, denn auf der Karte ist er nicht zu finden - und siehe da, die Arbeiter nehmen dort in einer Versammlung eine Resolution an, in der sie ihrer Zeitung wegen deren unversöhnlicher Haltung volle Sympathie bezeigen und erklären, daß sie den deutschen Spartakusleuten beipflichten – und dann kommen einige Worte, die, wenn auch italienisch geschrieben, dennoch in der ganzen Welt verstanden werden: „Sovieristi russi" - sie begrüßen die russischen „Sowjetisten" und geben ihrem Wunsch Ausdruck, daß das Programm der russischen und der deutschen Revolutionäre in der ganzen Welt angenommen werde und dazu diene, den Kampf gegen die Bourgeoisie und die Militärherrschaft zu Ende zu führen. Wenn man eine solche Resolution aus so einem kleinen italienischen Nest liest, dann kann man sich mit vollem Recht sagen: Die italienischen Massen sind für uns, die italienischen Massen haben verstanden, was die russischen „Sowjetisten" sind, was das Programm der russischen „Sowjetisten" und der deutschen Spartakisten ist. Aber ein solches Programm hatten wir damals gar nicht! Wir hatten kein gemeinsames Programm mit den deutschen Spartakisten, und doch werfen die italienischen Arbeiter alles beiseite, was sie in ihrer bürgerlichen Presse gelesen haben, die, korrumpiert von Millionären und Milliardären, in Millionen Exemplaren Verleumdungen über uns verbreitet. Die italienischen Arbeiter hat sie nicht betrügen können. Die italienischen Arbeiter haben verstanden, was die Spartakisten und „Sowjetisten" sind, und haben gesagt, daß sie mit ihrem Programm sympathisieren - zu einer Zeit, als es ein solches Programm überhaupt noch nicht gegeben hat. Daher war auch unsere Aufgabe auf diesem Kongreß so leicht. Wir brauchten nur das als Programm schriftlich festzulegen, was sich schon im Bewußtsein und in den Herzen sogar solcher Arbeiter eingeprägt hatte, die in irgendeinem kleinen Ort durch Polizeiund Militärsperren von uns abgeschnitten sind. Daher haben wir so leicht, so völlig einmütig in allen Hauptfragen zu einem einstimmigen Beschluß kommen können, und wir sind fest überzeugt, daß diese Beschlüsse im Proletariat aller Länder einen mächtigen Widerhall finden werden.

(Lenin: Über die Gründung der Kommunistischen Internationale, Werke, Band 28, Seite 496-497)

 

Hätten wir es mit einem einheitlichen Imperialismus zu tun, der den Kapitalismus durch und durch umgeformt hätte, dann wäre unsere Aufgabe hunderttausend Mal leichter. Es würde sich dann ein System ergeben, wo alles allein dem Finanzkapital untergeordnet wäre. Dann braucht man nur die Spitze zu entfernen und das übrige Proletariat zu übergeben. (..) In der Wirklichkeit ist die Entwicklung derart, dass man ganz anders vorgehen muss. Der Imperialismus ist ein Überbau übder dem Kapitalismus. Wenn er zerfällt, haben wir es mit dem Zerfall der Spitze und der Bloßlegung des Fundaments zu tun. (...) In Wirklichkeit existiert der gewaltige Untergrund des alten Kapitalismus. Der Überbau ist der Imperialismus, der den Krieg herbeigeführt hat, und dieser Krieg ist der Ausgangspunkt für die Diktatur des Proletariats geworden. Diese Phase kann man nicht überspringen. Diese Tatsache charakterisiert das eigentliche Tempo der Entwicklung der proletarischen Revolution in der ganzen Welt und wird auf viele Jahre hianus eine Tatsache bleiben. Die westeuropäischen Revolutionen werden vielleicht glatter verlaufen, aber trotzdem wird die Reorganisierung der ganzen Welt, die Reorganisierung der meisten Länder viele, viele Jahre erfordern.

(Lenin, Werke Band 29, "VIII. Parteitag der KPR(B)", Seite 153-154)

Dasselbe muss ich hinsichtlich der nationalen Frage sagen. Auch hier nimmt Gen. Bucharin das Gewünschte für die Wirklichkeit. Er sagt, man dürfe das Selbstbestimmungsrecht der Nationen nicht anerkennen. Die Nation - das bedeutet die Bourgeoisie mitsamt dem Proletariat. Wir Proletarier werden das Selbstbestimmungsrecht irgendeiner schnöden Bourgeoisie anerkennen ! Das ist doch ganz und gar ungereimt! Nein, entschuldigen Sie, das reimt sich mit dem, was ist. Streichen Sie das, dann wird ein Phantasiegebilde herauskommen. Sie berufen sich auf den Differenzierungsprozess, der sich innerhalb der Nation vollzieht, auf den Prozess der Scheidung von Proletariat und Bourgeoisie. Aber wir werden noch sehen, wie diese Differenzierung verlaufen wird.

Man nehme zum Beispiel Deutschland, das Muster eines fortgeschrittenen kapitalistischen Landes, das in der Organisiertheit des Kapitalismus, des Finanzkapitals, Amerika übertraf. In vielen Beziehungen, in der Technuk, in der Produktion und in politischer Hinsicht stand es hinter Amerika zurück, aber in Bezug auf die Organisiertheit des Finanzkapitalismus, in Bezug auf die Verwandlung des monopolistischen Kapitalismus in einen staatsmonopolistischen Kapitalismus war Deutschland Amerika voraus. Man sollte meinen, das wäre ein Muster. Und was geschieht dort ? Hat sich das deutsche Proletariat von der Bourgeoisie differenziert ? Nein ! Wurde doch nur von einigen Großstädten berichtet, dass die Mehrheit der Arbeiter dort gegen die Scheidemänner ist. Und wie ist das gekommen ? Durch das Bündnis der Spartakusleute mit den Unabhängigen, den deutschen dreimal verfluchten Menschewiki, die alles durcheinander bringen und das Rätesystem mit der Konstituante verheraten wollen ! Das ist es doch, was in diesem Deutschland vorgeht ! Und das ist doch ein fortgeschrittenes Land.

(Lenin, Werke Band 29, "VIII. Parteitag der KPR(B)", Seite 155-156)

"Rühme dich nicht, wenn du in die Schlacht ziehst, sondern erst, wenn du aus der Schlacht zurückkehrst!" Das Gleiche gilt auch für das Selbstbestimmungsrecht der Nationen. "Ich will nur das Selbstbestimmungsrecht der werktätigen Klassen anerkennen", sagt Gen. Bucharin. Sie wollen also nur das anerkennen, was in Wirklichkeit in keinem einzigen Land außer in Russland erreicht worden ist. Das ist lächerlich.

(Lenin, Werke Band 29, "VIII. Parteitag der KPR(B)", Seite 156)

Man muss da die Entwicklung der betreffenden Nation abwarten, die Differenzierung des Proletariats von den bürgerlichen Elementen, die unvermeidlich ist. Gen. Bucharin will nicht warten. Er ist voller Ungeduld. Nirgendwo außer in Russland gibt es sie [die Selbstbestimmung], und in Voraussicht all der Entwicklungsstadien in den anderen Ländern soll man nichts aus Moskau dekretieren. Darum eben ist dieser Vorschlag [von Bucharin] prinzipiell unannehmbar. (...) Der Kommunismus wird nicht auf dem Wege der Gewalt Wurzel fassen.

(Lenin, Werke Band 29, "VIII. Parteitag der KPR(B)", Seite 160)

(...) Deshalb müssen wir den anderen Nationen erklären, dass wir konsequente Internationalisten sind und den freiwilligen Bund der Arbeiter und Bauern aller Nationen anstreben." (Lenin, Werke Band 29, "VIII. Parteitag der KPR(B)", Seite 181)

 

Wenn es zwischen uns und den Spartakusleuten jenes volle kameradschaftliche Vertrauen geben wird, dess es für den einheitlichen Kommunismus bedarf, jenes kameradschaftlicvhe Vertrauen, das mit jedem Tag entsteht, das vielleicht in einigen Monaten geschaffen sein wird, dann wird es auch im Programm niedergelegt werden. Aber das zu proklamieren, solange es das noch nicht gibt, bedeutet, sie zu Dingen drängen, zu denen sie durch eigene Erfahrung noch nicht gelangt sind. (Lenin, Werke Band 29, "VIII. Parteitag der KPR(B)", Seite 179)

Die Genossen, die auf dem Kongress hier in Moskau den Spartakusbund vertraten, erzählten uns, dass in Westdeutschland, wo die Industrie besonders hoch entwickelt, wo der Einfluss der Spartakusleute unter der Arbeiterschaft am stärksten ist, dass dort, obwohl die Spartakusleute noch nicht gesiegt haben, in sehr vielen der größten Betriebe die Ingenieure, die Betriebsleiter zu ihnen kamen und sagten: 'Wir gehen mit euch'. Bei uns gibt es das nicht. Offenbar haben dort das höhere Kulturniveau der Arbeiter, die stärkere Proletarisierung des technischen Personals und vielleicht eine ganze Reihe anderer Ursachen, die uns unbekannt sind, Verhältnisse geschaffen, die sich von den unsrigen etwas unterscheiden. Jedenfalls liegt hier eines der Haupthindernisse für unsere weitere Vorwärtsbewegung. Wir müssen sofort, ohne auf die Unterstützung durch andere Länder zu warten, sofort und unverzüglich die Produktivkräfte entwickeln. das muss ein für alle Mal gesagt werden. Ohne bürgerliche Spezialisten ist das unmöglich. Natürlich sind die meisten dieser Spezialisten völlig von der bürgerlichen Weltanschauung durchdrungen. Man muss sie in eine Atmosphäre kameradschaftlicher Zusammenarbeit versetzen, ihnen Arbeiterkommissare beigeben, sie mit kommunistischen Zellen umgeben und in eine solche Lage bringen, dass sie nicht aus der Reihe tanzen können, aber man muss ihnen ermöglichen, unter besseren Bedingungen zu arbeiten als im Kapitalismus, denn diese von der Bourgeoisie erzogene Schicht wird sonst nicht arbeiten." (Lenin, Werke Band 29, "VIII. Parteitag der KPR(B)", Seite 164-165)

 

Ein Genosse aus Lettland sprach davon, in welche Lage die dortigen Genossen geraten sind. Ein großer Teil des Landes hat ein Elend durchgemacht, von dem die Moskauer Arbeiter keine Vorstellung haben - das Elend der Invasion und der wiederholten Verheerung der Dörfer durch die vorrückenden Truppenhaufen. Jetzt rücken die Deutschen auf Dwinsk vor, um Riga abzuschneiden. Vom Norden her helfen ihnen die von England finanzierten estnischen Weißgardisten, unterstützt von Freiwilligen, die die von den Milliardären Englands, Frankreichs und Amerikas bestochenen Schweden und Dänen herüberschicken. Sie handeln nach einem für uns völlig klaren gemeinsamen Plan und nutzen dabei den Umstand aus, dass sie in Deutschland durch blutige Unterdrückung die Bewegung der Spartakusleute und Revolutionäre geschwächt haben. Und obwohl sie fühlen, dass sie mit einem Bein im Grabe stehen, haben sie dennoch den Augenblick für günstig genug befunden, Hindenburg einen Teil der Truppen zur Verfügung zu stellen, um vom Westen Druck auf das gepeinigte und gequälte Lettland zu verstärken und uns zu bedrohen. Andererseits hat Koltschak im Osten eine Reihe von Siegen errungen und bereitet somit die Bedingungen für den letzten und entscheidenden Vorstoß der Ententeländer vor.

Wir sind überzeugt, dass die werktätigen Massen begriffen haben, worum der Krieg geht. Sie wissen, dass diese wenigen Monate das Schicksal sowohl unserer Revolution als auch, im beträchtlichen Maße, das der internationalen Revolution entscheiden werden, dass dieser Versuch der Kapitalisten, Sowjetrussland in die Knie zu zwingen, sich darum so verstärkt hat, dass sie darum mit solcher Wut über uns herfallen, weil sie wissen, dass bei ihnen im Innern derselbe Feind steht: die bolschewistische Bewegung. Diese wächst auch bei ihnen schnell und unaufhaltsam. (Lenin, Band 29, Seite 243 - 245)

Sowohl unter der Sklaverei wie unter der Leibeigenschaft kann die Herrschaft einer kleinen Minderheit über die ungeheure Mehrheit der menschen des Zwangs nicht entbehren. Die ganze Geschichte ist erfüllt von unausgesetzten Versuchen der unterdrückten Klassen, die Knechtschaft abzuschütteln. Die Geschichte der Sklaverei kennt Kriege um die Befreiung von der Sklaverei, die sich viele Jahre Jahrzehnte hinzogen. Übrigens ist der Name "Spartakusleute", den die deutschen Kommunisten jetzt tragen, diese einzige Partei in Deutschland, die wirklich gegen das Joch des Kapitalismus kämpft, von diesen gewählt worden, weil Spartakus einer der hervorragenden Helden eines der größten Sklavenaufstände vor ungefähr zweitausend Jahren war. Eine Reihe von Jahren hindurch war das, wie es schien, allmächtige Römische Reich, das ganz auf Sklaverei beruhte, Erschütterungen und Schlägen ausgesetzt durch einen gewaltigen Aufstand von Sklaven, die sich bewaffnet und unter dem Kommando von Spartakus zu einer riesigen Armee zusammengeschlossen hatten. Schließlich wurden sie aber geschlagen, ergriffen und von den Sklavenhaltern grausam gefoltert. Solche Bürgerkriege ziehen sich durch die ganze Geschichte, seitdem die Klassengesellschaft besteht. (Lenin, Band 29, Seite 472)

 

Der Kampf für die Sowjetmacht ist der politische Kampf des Proletariats in seiner höchsten, bewusstesten, revolutionärsten Form. Lieber mit den revolutionären Arbeitern gehen, wenn sie in einer Teilfrage oder einer zweitrangigen Frage einen Fehler machen, als mit den 'offiziellen' Sozialisten oder Sozialdemokraten, wenn sie keine aufrichtigen, standhaften Revolutionäre sind, unter den Arbeitermassen keine revolutionäre Arbeit leisten wollen oder sie nicht zu leisten verstehen, in dieser Teilfrage aber zusammen mit uns eine richtige Taktik verfolgen. Und die Frage des Parlamentarismus ist jetzt eine Teilfrage, eine zweitrangige Frage. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren meiner Ansicht im Recht, als sie sich auf der Januarkonferenz der Spartakusleute 1919 in Berlin [Gründunsparteitag der KPD - Anmerkung von W. E.] gegen die Mehrheit dieser Konferenz für die Teilnahme an den Wahlen zum bürgerlichen deutschen Parlament, zur konstituierenden 'Nationalversammlung' einsetzten. Aber sie waren natürlich noch mehr im Recht, als sie es vorzogen, in der Kommunistischen Partei zu verbleiben, die in einer Teilfrage einen Fehler macht, als mit den direkten Verrätern am Sozialismus, wie Scheidemann und seine Partei zusammenzugehen oder mit jenen Lakaienseelen, Doktrinären, Feiglingen, willenlosen Helfershelfern der Bourgeoisie und Reformisten in der Tat, wir Kautsky, Haase, Däumig und diese ganze 'Partei* der deutschen 'Unabhängigen'.

Die unlösliche Verbindung mit der Masse der Arbeiter, das Vermögen, ständig in ihr zu agitieren, an jedem Streil teilzunehmen, auf jede Anforderung der Masse zu reagieren, das ist die Hauptsache für eine kommunistische Partei. (Lenin, Band 29, Seite 554-555)

 

Der Imperialismus kann die Spaltung der Arbeiter in einigen Ländern ziemlich lange betreiben (...), aber die Vereinigung der Revolutionäre, die Vereinigung der Massen mit ihnen, die Verjagung der Gelben schreitet im Weltmaßstab unablässig fort. Die riesigen Erfolge der Kommunistischen Internationale beweisen das: In Amerika wurde bereits eine kommunistische Partei gegründet, in Paris hat sich das Komitee zur Wiederherstellung der internationalen Verbindungen und das Komitee zum Schutz der Gewerkschaftsbewegung auf die Seite der III. Internationale gestellt, (...) In England stehen wir unmittelbar vor der Gründung einer kommunistischen Partei (...). Die schwedischen Linken, die norwegischen Sozialdemokraten, die holländischen Kommunisten, die schweizerische und die italienische sozialistische Partei stehen bereits in einer Reihe mit den deutschen Spartakusleuten und den russischen Bolschewiki. Die Kommunistische Internationale ist innerhalb einiger Monate des Jahres 1919 zu einer Weltinternationale geworden, die die Massen führt und den Verrätern des Sozialismus in der 'gelben' Internationale der Berner und Luzerner Kumpanei einen kompromisslosen Kampf angesagt hat.

 

Die Geschichte hat jetzt in großem, welthistorischem Maßstab die Ansicht bestätigt, die wir stets verfochten haben, nämlich dass die revolutionäre deutsche Sozialdemokratie (...) der Partei am nächsten kam, , wie sie das revolutionäre Proletariat braucht, um siegen zu können.

Jetzt, im Jahre 1920, nach all den schmachvollen Bankrotten und Krisen der Kriegszeit und der ersten Nachkriegsjahre, ist deutlich zu sehen, dass von allen Parteien des Westens gerade die deutsche revolutionäre Sozialdemokratie die besten Führer hervorgebracht und sich auch schneller erholt hat, schneller genesen und wiedererstarkt ist als die anderen. Das sieht man sowohl am Spartakusbund als auch am linken, proletarischen Flügel der 'Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands', der einen unentwegten Kampf gegen den Opportunismus und die Charakterlosigkeit der Kautsky, Hilferding, Ledebour und Crispien führt. Wirft man jetzt einen Gesamtblick auf eine vollständig abgeschlossene Geschichtsperiode, nämlich die von der Pariser Kommune bis zur ersten Sozialistischen Sowjetrepublik, so zeichnet sich das Verhältnis des Marxismus zum Anarchismus überhaupt in ganz bestimmten, scharf ausgeprägten Umrissen ab. Der Marxismus hat zu guter Letzt recht behalten.

(Lenin, Werke, Band 31, Seite 18)

 

Brief an Clara Zetkin vom 26. Juli 1918

Es freut uns alle in höchstem Maße, dass Sie, Genosse Mehring und andere "Spartakusgenossen" in Deutschland, "mit Kopf und Herz mit uns" sind. Das bringt Zuversicht, das beste Elemente der westeuropäischen Arbeiterschaft uns doch - trotz aller Schwierigkeiten - zu Hilfe kommen werden.

(Lenin, Werke, Band 35, Seite320)

 

Brief an W. W. Worowski vom 20. 9. 1918

Die heutige "Prawda" brachte Auszüge aus einem Artikel Kautskys gegen den Bolschewismus.

Der schändliche Unsinn, das kindische Gestammel und der platteste Opportunismus Kautskys geben Anlass zu der Frage: Warum tun wir nichts zum Kampf gegen die theoretische Verflachung des Marxismus durch Kautsky?

Darf man es dulden, dass sogar Menschen wie Mehring und Zetkin sich mehr "moralisch" (wenn man sich so ausdrücken darf) als theoretisch von Kautsky abgrenzen? Kautsky, so heißt es, hätte wahrhaftig etwas Besseres einfallen können, als jetzt gegen die Bolschewiki zu schreiben. Ist das etwa ein Argument? Darf man denn so die eigene Position schwächen? Das bedeutet doch nur, Kautsky Waffen in die Hand zu geben !!

Und das, anstatt zu schreiben:

Kautsky hat

sowohl die Marxsche Lehre vom Staat als auch die Marxsche Lehre von der Diktatur des Proletariats, von der bürgerlichen Demokratie, vom Parlamentarismus, von der Rolle und Bedeutung der Kommune usw. absolut nicht verstanden und in rein opportunistischem Sinne entstellt.

Man müsste Folgendes tun:

1. eingehend mit den Linken (den Spartakusleuten und anderen) sprechen und sie anregen, in der Presse mit einer prinzipiellen, theoretischen Erklärung aufzutreten, in der erläutert wird, dass Kautsky in der Frage der Diktatur nicht den Marxismus vertritt, sondern plattestes Bernsteinianertum an den Tag legt.

(Lenin, Werke Band 35, Seite 338-339)

 

 

Brief an die Mitglieder der Spartakusgruppe vom 18. 10. 1918

Werte Genossen!

Heute kam die Nachricht, daß die Spartakusgruppe zusammen mit den Bremer Linksradikalen die energischsten Schritte tut, um die Schaffung der Arbeiter- und Soldatenräte in ganz Deutschland zu fördern. Ich benutze diese Gelegenheit, um unsere besten Wünsche den deutschen revolutionären Sozialdemokraten-Internationalisten zu übermitteln.

Die Arbeit der deutschen Spartakusgruppe, die unter den schwierigsten Umständen eine systematische revolutionäre Propaganda trieben und wirklich die Ehre des deutschen Sozialismus und des deutschen Proletariats gerettet haben. Jetzt kommt die Zeit: die schnell reifende deutsche Revolution ruft die Spartakusgruppe zur wichtigsten Rolle, und wir hoffen alle mit Zuversicht, daß die deutsche sozialistische, proletarische Republik bald entscheidende Schläge dem Weltimperialismus bringen wird.

Hoffentlich wird auch das Buch des Renegaten Kautsky gegen die Diktatur des Proletariats einen gewissen Nutzen bringen. Die Wahrheit dessen, was die Spartakusgruppe immer gegen die Kautskyaner gesagt hatte, wird bestätigt werden, und die Massen werden schneller den versumpfenden Einfluß von Herrn Kautsky und Co. loswerden.

Mit besten Grüßen und mit fester Hoffnung, in nächster Zeit den Sieg der proletarischen Revolution in Deutschland begrüßen zu können.

Ihr N. Lenin

(Lenin, Werke Band 35, Seite 345)

 

FERNSPRUCH

AN DEN VERTRETER DER RSFSR IN BERLIN

Berlin

An den russischen Botschafter Joffe


übermitteln Sie unverzüglich Karl Liebknecht unseren heißesten Gruß.

Die Befreiung des Vertreters der revolutionären Arbeiter Deutschlands aus dem Gefängnis ist das Zeichen einer neuen Epoche, der Epoche des siegreichen Sozialismus, die sich jetzt Deutschland wie auch der ganzen Welt eröffnet.

Im Namen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Rußlands (Bolschewiki)

Lenin Swerdlow Stalin

(Lenin Werke, Band 35, Seite 347)