W. I. Lenin









Lenin

über die Erste Internationale

Auszüge aus Lenins Schriften – erstmalig im Internet zusammengestellt und publiziert

von der Komintern (Stalinisten-Hoxhaisten) im Februar 2010







Die I. Internationale (1864 – 1872) legte den Grundstein für die internationale Organisation der Arbeiter

zur Vorbereitung ihres revolutionären Ansturms gegen das Kapital“

(Lenin, Werke, Band 29; „Die Dritte Internationale und ihr Platz in der Geschichte“).





Die Erste Internationale, begründet von Marx, existierte von 1864 bis 1872. Die Niederlage der heldenhaften Pariser Arbeiter, der ruhmreichen Pariser Kommune, bedeutete das Ende dieser Internationale. Sie ist unvergessen, sie ist für immer eingegangen in die Geschichte des Kampfes der Arbeiter für ihre Befreiung. Sie hat das Fundament gelegt für das Gebäude der sozialistischen Weltrepublik, das zu bauen wir jetzt das Glück haben.

(Lenin Werke, Band 29, Seite 228)







Aus : „Was sind die Volksfreunde“ (1894)

Lenin, Werke, Band 1, Seite 147 bis 149



Er

[ gemeint ist Michailowski = liberaler Volkstümler, Redakteur der Zeitschrift „Russkoje Bogatstwo“ (Russischer Reichtum), die die Versöhnung mit der Zarenregierung propagierte, auf den revolutionären Klassenkampf verzichtete und gegen die Marxisten hetzte ]

will zum Beispiel den Satz widerlegen, dass die Geschichte eine Reihe von Episoden des Klassenkampfes darstellt; nachdem er das mit tiefsinniger Miene als ein „Extrem“ bezeichnet hatte, erklärt er: „Die von Marx begründete Internationale Arbeiterassoziation, organisirt zum Twecke des Klassenkampfes, hinderte die französischen und deutschen Arbeiter nicht, sich gegenseitig abzuschlachten und zu Grunde zu richten“, womit angeblich bewiesen werde, dass der Materialismus seine Rechnung „ohne den Dämon der nationalen Eigenliebe und des nationales Hasses“ gemacht habe. Diese Behauptung beweist das gröbste Unverständnis des Kritikers für die Tatsache, dass die Hauptursache dieses Hasses die sehr realen Interessen der handels – und Industriebourgeoisie bilden und dass er nur eine Vertuschung des Wesens der Sache ist, wenn man von dem Nationalgefühl als selbständigem Faktor redet. Übrigens haben wir ja die tiefsinnige Vorstellung unseres Philosophen von der Nationalität bereits kennengelernt. Herr Michailowski vermag die Internationale nicht anders zu behandeln als mit rein Burenischer [ Lenin gebrauchte diesen Namen als Sammelbegriff zur Kennzeichnung unehrenhafter Methoden in der Polemik ] Ironie: „Marx ist das Haupt der Internationalen Arbeiterassoziation, die zwar zerfallen ist, jedoch wieder auferstehen soll.“ Sieht man freilich das nec plus Ultra [ das höchste Maß ] internationaler Solidarität in einem System „gerechten“ Austausches, wie es mit spießerhafter Banalität von dem Chronisten des inneren Lebens in Nr. 2 des „Russkoje Bogatstwo“ breit getreten wird, und begreift man nicht, dass Austausch, gerechter wie ungerechter, stets die Herrschaft der Bourgeoisie voraussetzt und einschließt und dass ohne die Vernichtung der auf dem Austausch beruhenden Wirtschaftsorganisation die internationalen Zusammenstöße kein Ende nehmen, dann ist es verständlich, dass Herr Michailowski die Binsenwahrheit schlechterdings nicht erfassen kann, dass es kein anderes Mittel zur Bekämpfung des nationalen Hasses gibt als die Organisierung und den Zusammenschluss der Klasse der Unterdrückten zum Kampf gegen die Klasse der Unterdrücker in jedem einzelnen Lande, als die Vereinigung dieser nationalen Arbeiterorganisationen zu einer internationalen Arbeiterarmee für den Kampf gegen das internationale Kapital. Was aber die Bemerkung anbelangt, die Internationale habe die Arbeiter nicht gehindert, sich gegenseitig abzuschlachten, so genügt es, Herrn Michailowski an die Ereignisse der Kommune zu erinnern, die das wahre Verhältnis des organisierten Proletariats zu den Krieg führenden herrschenden Klassen gezeigt haben.

Was an dieser ganzen Polemik des Herrn Michailowski besonders empörend wirkt, sind gerade seine Methoden. Ist er mit der Taktik der Internationale unzufrieden, teilt er die Idee nicht, in deren Namen sich die europäischen Arbeiter organisieren, so soll er sie doch wenigstens direkt und offen kritisieren und seine Vorstellungen von einer zweckmäßigeren Taktik und richtigeren Anschauungen darlegen. Er bringt aber keinerlei bestimmte, klare Einwände vor, sondern flicht hie und da seinem Phrasenschwall unsinnige Hohworte ein. Wie soll man das denn nicht als Schmutz bezeichnen ? - zumal wenn man in Betracht zieht, dass eine legale Verteidigung der Ideen und der Taktik der Internationale in Russland nicht gestattet ist ? Die Methoden des Herrn Michailowski sind dieselben, wenn er gegen die russischen Marxisten polemisiert: statt sich die Mühe zu nehmen, diese oder jene These dieser Marxisten gewissenhaft und exakt zu formulieren, um sie darauf einer offenen und unzweideutigen Kritik zu unterwerfen, zieht er es vor, sich an gelegentlich aufgefangene Bruchstücke marxistischer Beweisführung zu halten und diese zu verfälschen.







Aus: Lenin über Friedrich Engels (1895)

Lenin, Werke, Band 2, Seite 12 bis 13



Marx gründete 1864 die „Internationale Arbeiterassoziation" und leitete diese Vereinigung im Laufe eines vollen Jahrzehnts.


Auch Engels nahm an ihrer Arbeit lebhaften Anteil.

Die Tätigkeit der „Internationalen Arbeiterassoziation", die nach dem Plane von Marx die Proletarier aller Länder vereinigen sollte, war für die Entwicklung der Arbeiterbewegung von ungeheurer Tragweite.

Aber auch nach der Auflösung der „Internationalen Arbeiterassoziation" in den siebziger Jahren hörten Marx und Engels nicht auf, als Einiger der Arbeiterklasse zu wirken.

Im Gegenteil: man könnte sagen, dass ihre Bedeutung als geistige Führer der Arbeiterbewegung immer größer wurde, weil auch die Bewegung selbst ununterbrochen wuchs.


Nach dem Tode von Marx war es Engels allein, der fortfuhr, als Berater und Führer der europäischen Sozialisten zu wirken.

Sowohl die deutschen Sozialisten, deren Kraft trotz der Regierungsverfolgungen schnell und ununterbrochen zunahm, als auch die Vertreter zurückgebliebener Länder, beispielsweise Spanier, Rumänen, Russen, die ihre ersten Schritte überlegen und erwägen mussten, wandten sich an ihn um Rat und Anleitung.

Sie alle schöpften aus der reichen Schatzkammer der Kenntnisse und Erfahrungen des alten Engels.


Marx und Engels, die beide mit der russischen Sprache vertraut waren und russische Bücher lasen, interessierten sich lebhaft für Russland.

Sie verfolgten mit Sympathie die russische revolutionäre Bewegung und unterhielten Beziehungen zu russischen Revolutionären.

Sie waren beide aus Demokraten zu Sozialisten geworden, und das demokratische Gefühl des Hasses gegen politische Willkür war bei ihnen außerordentlich stark.

Dieses unmittelbare politische Gefühl, gepaart mit tiefem theoretischem Verständnis für den Zusammenhang zwischen politischer Willkür und wirtschaftlicher Unterdrückung, sowie ihre reichen Lebenserfahrungen machten Marx und Engels gerade in politischer Hinsicht außerordentlich feinfühlig.

Der heroische Kampf des kleinen Häufleins russischer Revolutionäre gegen die mächtige Zarenregierung fand daher bei diesen bewährten Revolutionären den wärmsten Widerhall.

Hingegen erschien ihnen die Tendenz, um vermeintlicher ökonomischer Vorteile willen sich von der unmittelbarsten und wichtigsten Aufgabe der russischen Sozialisten, der Eroberung der politischen Freiheit, abzuwenden, naturgemäß verdächtig, ja, sie wurde von ihnen geradezu als Verrat an der großen Sache der sozialen Revolution betrachtet.


Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein", lehrten Marx und Engels ständig.


Um aber für seine ökonomische Befreiung zu kämpfen, muss das Proletariat sich gewisse politische Rechte erobern.

Außerdem haben sowohl Marx als auch Engels klar gesehen, dass die politische Revolution in Russland auch für die westeuropäische Arbeiterbewegung von ungeheurer Tragweite sein wird.

Das absolutistische Russland ist von jeher das Bollwerk der gesamten europäischen Reaktion gewesen.

Die außerordentlich vorteilhafte internationale Lage Russlands infolge des Krieges von 1870, der Deutschland und Frankreich für lange Zeit verfeindete, hat natürlich die Bedeutung des absolutistischen Russlands als einer reaktionären Macht nur gesteigert.

Nur ein freies Russland, das nicht nötig hat, die Polen, Finnen, Deutschen, Armenier und andere kleine Völker zu unterdrücken noch Frankreich und Deutschland ständig gegeneinander zu hetzen, wird das jetzige Europa frei von Kriegsbürden aufatmen lassen, wird alle reaktionären Elemente in Europa schwächen und die Kraft der europäischen Arbeiterklasse mehren.

Aus diesem Grunde hegte Engels auch im Interesse der Erfolge der Arbeiterbewegung im Westen den heißen Wunsch, in Russland möge die politische Freiheit ihren Einzug halten.







Aus: Protest russischer Sozialdemokraten (1899)

Lenin Werke, Band 4, Seite 169/170



Der Marxismus hat die gewaltige Bedeutung des ökonomischen Kampfes des Proletariats und die Notwendigkeit eines solchen Kampfes von allem Anfang an erkannt, und schon in den 40er Jahren polemisierten Marx und Engels gegen die utopischen Sozialisten, die die Bedeutung dieses Kampfes leugneten ( MEW, Band 4, Seite 175 – 182 ).

Als sich etwa zwanzig Jahre später die Internationale Arbeiterassoziation bildete, wurde gleich auf dem ersten Kongress im Jahre 1866 in Genf die Frage nach der Bedeutung der Arbeitergewerkschaften und des ökonomischen Kampfes aufgeworfen. Die Resolution dieses Kongresses zeigte genau die Bedeutung des ökonomischen Kampfes auf, wobei sie die Sozialisten und die Arbeiter einerseits vor einer Übertreibung seiner Bedeutung ( die zu jener Zeit bei den englischen Arbeitern zu bemerken war ), andererseits vor einer Unterschätzung seiner Bedeutung warnte ( die sich bei den Franzosen und bei den Deutschen, besonders bei den Lassalleanern, bemerkbar machte ). Die Resolution erkannte die Arbeitergewerkschaften nicht nur als gesetzmäßige, sondern auch als notwendige Erscheinung im Kapitalismus an; sie stellte fest, dass sie für die Organisierung der Arbeiterklasse in ihrem täglichen Kampf gegen das Kapital und für die Beseitigung der Lohnarbeit äußerst wichtig sind. Die Resolution stellte fest, dass die Arbeitergewerkschaften ihre Aufmerksamkeit nicht ausschließlich auf den „unmittelbaren Kampf gegen das Kapital“ lenken sollen, dass sie in der allgemeinen politischen und sozialen Bewegung der Arbeiterklasse nicht beiseite stehen dürfen; sie dürfen sich keine „eng begrenzte“ Ziele stecken, sie müssen vielmehr die allgemeine Bedeutung der unterdrückten Millionen des arbeitenden Volkes erstreben. Seit jener Zeit wurde in den Arbeiterparteien der verschiedenen Länder wiederholt die Frage aufgeworfen – und sie wird natürlich noch mehr als einmal aufgeworfen werden -, ob um gegebenen Zeitpunkt dem ökonomischen oder dem politischen Kampf des Proletariats etwas mehr oder etwas weniger Aufmerksamkeit zu schenken sei; die allgemeine oder prinzipielle Frage steht jedoch auch heute so, dass der einheitliche Klassenkampf notwendigerweise den politischen und den ökonomischen Kampf in sich vereinigen muss, ist der internationalen Sozialdemokratie in Fleisch und Blut übergegangen. Die geschichtliche Erfahrung zeugt ferner unwiderleglich davon, dass das Fehlen der Freiheit oder die Unterdrückung der politischen Rechte des Proletariats es stets notwendig machen, den politischen Kampf in den Vordrgrund zu stellen.





Aus: Über die provisorische revolutionäre Regierung ( 1905)

Lenin Werke, Band 8, Seite 475 und 479



sagt Engels, „dass man [ der Arbeiter ] sich an den Ereignissen beteilige, dass man die Gelegenheit zum handeln benutze, statt, wie bisher, den besitzenden Klassen das Feld für ihre Intrigen frei zu lassen.“

Es handelt sich also um den Kampf für die Republik, um die demokratische, nicht um die sozialistische Revolution. Die Frage des Eingreifens der Arbeiter in die Ereignisse wurde damals auf zweierlei Wege gestellt: Einerseits wurde von den Bakunisten (oder „Allianzisten“, den Begründern der „Allianz“ zum Kampf gegen die Marxsche „Internationale“) die politische Tätigkeit, die Teilnahme an den Wahlen usw. negiert. Andererseits waren sie gegen die Beteiligung an einer Revolution, die nicht die sofortige volle Befreiung der Arbeiterklasse zum Ziel hat, gegen jede Beteiligung an einer revolutionären Regierung. …

Die Bakunisten“, sagt Engels, „hatten seit Jahren gepredigt, jede revolutionäre Aktion von oben nach unten sei verderblich, alles müsse von unten nach oben organisiert und durchgesetzt werden.“

Das Prinzip „nur von unten“ ist also ein anarchistisches Prinzip.

Unfähig, den Aufstand zu leiten, die revolutionären Kräfte zersplitternd, statt sie zu zentralisieren, die Leitung der Revolution den Hernn Bourgeois überlassen, die solide und starke Organisation der Internationale auflösend, „haben uns die Bakunisten in Spanien ein unübertreffliches Muster davon geliefert, wie man eine Revolution nicht machen muss“ (Engels).









Aus : Gegen den Boykott (1907)

Lenin Werke, Band 13, Seite 27



Derselbe Marx, der die revolutionären Traditionen so hoch schätzte und schonungslos jede renegatenhafte und philisterhafte Einstellung zu ihnen geißelte, forderte zugleich von den Revolutionären die Fähigkeit zu denken, die Fähigkeit, die Bedingungen der Anwendbarkeit der alten Kampfmethoden zu analysieren und nicht einfach bekannte Losungen zu wiederholen. Die „nationalen“ Traditionen des Jahres 1792 in Frankreich werden möglicherweise für immer ein Vorbild bestimmter revolutionärer Kampfmethoden bleiben, aber dies hinderte Marx nicht daran, 1870, in der berühmten „Adresse“ der Internationale, das französische Proletariat vor einer falschen Übertragung dieser Traditionen auf die Verhältnisse einer anderen Epoche zu warnen ( siehe MEW, Band 17, Seite 277).





Aus: Der Internationale Sozialistenkongress in Stuttgart (1907)

Lenin Werke, Band 13, Seite 74



Der kürzlich beendete Kongress in Stuttgart war der zwölfte Kongress der proletarischen Internationale. Die ersten 5 Kongresse fallen in die Zeit der ersten Internationale (1866 – 1872), die unter der Führung von Marx stand, der – um den treffenden Ausdruck Bebels zu gebrauchen – versucht hatte, die internationale Einheit des kämpfenden Proletariats von oben her zu verwirklichen. Dieser Versuch konnte keinen Erfolg haben, solange sich nicht nationale sozialistische Parteien heraus gebildet hatten, solange sie nicht erstarkt waren, doch die Tätigkeit der ersten Internationale erwies der Arbeiterbewegung aller Länder große Dienste und hinterließ bleibende Spuren.







Aus: Die Lehren der Kommune (1908)

Lenin Werke, Band 13, Seite 483



In der Vereinigung sich widersprechender Aufgaben – des Patriotismus und des Sozialismus – lag der verhängnisvolle Fehler der französischen Sozialisten. Bereits im Manifest der Internationale, im September 1870, warnte Marx das französische Proletariat davor, sich von der trügerischen nationalen Idee hinreißen zu lassen [ MEW, Band 17, S. 277 ]: Seit der Großen Revolution haben sich tiefe Wandlungen vollzogen, die Klassengegensätze haben sich verschärft, und wenn damals der Kampf gegen die Reaktion ganz Europas die gesamte revolutionäre Nation zusammengeschweißt hat, so darf das Proletariat nunmehr seine Interessen schon nicht mehr mit den Interessen anderer, ihm feindlichen Klassen verbinden; möge die Bourgeoisie die Verantwortung für die nationale Erniedrigung tragen – Sache des Proletariats ist es, für die sozialistische Befreiung der Arbeit vom Joch der Bourgeoisie zu kämpfen.









Aus: Marxismus und Revisionismus ( 1908)

Lenin Werke, Band 15, Seite 20



In den 60er Jahren verschob sich der Kampf vom Gebiet der allgemeinen Theorie auf ein der unmittelbaren Arbeiterbewegung näher liegendes Gebiet: Vertreibung des Bakunismus aus der Internationale... Der Marxismus trug bereits unbestreitbar über alle anderen Ideologien in der Arbeiterbewegung den Sieg davon.

An der Schwelle der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts war dieser Sieg in den Hauptzügen vollendet. Selbst in den romanischen Ländern, wo die proudhonistischen Traditionen sich am längsten behaupteten, hatten die Arbeiterparteien ihre Programme und ihre Taktik faktisch auf marxistische Grundlage aufgebaut. Die neu erstandene internationale Organisation der Arbeiterbewegung – in Gestalt periodischer internationaler Kongresse – stellte sich in allen wesentlichen Punkten von Anfang an und fast kampflos auf den Boden des Marxismus. Doch als der Marxismus alle einigermaßen in sich geschlossenen, ihm feindlichen Lehren verdrängt hatte, begannen die Tendenzen, die in diesen Lehren zum Ausdruck kamen, nach anderen Wegen zu suchen. Formen und Anlässe des Kampfes änderten sich, doch der Kampf selbst ging weiter. Und das zweite Halbjahrhundert der Existenz des Marxismus begann (in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts) mit dem Kampf einer dem Marxismus feindlichen Strömung innerhalb des Marxismus [ nämlich des Revisionismus – Anmerkung der Komintern – 2010 ].





Aus: Dem Gedächtnis Herzens ( 1912)

Lenin Werke Band 18, Seite 11



als Herzen mit Bakunin brach, wandte er seine Blicke nicht dem Liberalismus zu, sondern der Internationale, der Internationale, die von Marx geführt wurde – der Internationale, die begann, „die Heere zu sammeln“, die Heere des Proletariats, „die Arbeiterwelt“ zu vereinigen, „die die Welt verlässt, die genießt, ohne zu arbeiten“ !





Aus: Über das Selbstbestimmungsrecht der Nationen (1914)

Lenin Werke Band 20, Seite 441 - 447



Im Jahre 1864, als Marx die Inauguraladresse für die Internationale verfasste, schrieb er an Engels ( am 4. November 1864 ), dass man gegen den Nationalismus Mazzinis kämpfen müsse. Marx schreibt:

Soweit in der Adresse International Politics“ [internationale Politik]vorkommt, spreche ich von countries“ [ Ländern ], nicht von nationalities [ Nationalitäten ] und denunziere Russland, nicht die minores gentium“ [ kleineren Länder ].

Es unterlag für Marx keinem Zweifel, dass im Vergleich mit der „Arbeiterfrage“ die nationale Frage von untergeordneter Bedeutung ist. Aber von einer Ignorierung der nationalen Bewegungen ist seine Theorie himmelweit entfernt.

Es kam das Jahr 1866. Marx schreibt an Engels über die „Proudhonclique“ in Paris:

Sie „erklärt . . . Nationalitäten für Unsinn, attackiert Bismarck und Garibaldi usw... Als Polemik gegen den Chauvinismus ist ihr Treiben nützlich und erklärlich. Aber als Proudhongläubige ( meine hiesigen sehr guten Freunde Lafargue und Longuet gehören auch dazu ), die meinen, ganz Europa müsse und werde still auf dem Hintern sitzen, bis die Herren in Frankreich 'La misère et l'ignorance' [ 'Das Elend und die Unwissenheit' ] abgeschaftt, . . . sind sie grotesk“ (Brief vom 7. Juni 1866.)

Gestern“, schreibt Marx am 20. Juni 1866, „war im International Council“ [ im Internationalen Rat ] Debatte über die jetzige Kriegssache . . . Die Diskussion was wound up“ [ schloss ab ]wie vorher zu sehen, mit der 'question of nationality'“ [ Nationalitätenfrage ] überhaupt und der Stellung, die wir dazu einnehmen . . . Übrigens rückten die (Nichtarbeiter) Repräsentanten der 'jeune France' [ des 'jungen Frankreich' ]damit heraus, dass alle Nationalität und Nationen selbst 'des préjugés suranés'“ [ veraltete Vorurteile ]sind. Proudhonisierter Stirnerianismus . . . die ganze Welt wartet, bis die Franzosen reif sind, eine soziale Revolution zu machen . . . Die Engländer lachten sehr, als ich meinen speech“ [ Rede ] damit eröffnete, dass unser Freund Lafargue etc., der die Nationalitäten abgeschafft hat, uns 'französisch', i. e. in einer Sprache angeredet, 9/10 des Auditoriums nicht verstand. Ich deutete weiter an, dass gänzlich unbewusst er unter Negation der Nationalitäten ihre Absorption in die französische Musternation zu verstehen scheine“ (MEW, Band 31, Berlin 1965, S. 15, 22, 228/229).

Die Schlussfolgerung aus all diesen kritischen Bemerkungen von Marx ist klar:

Die Arbeiterklasse darf am allerwenigsten aus der nationalen Frage einen Fetisch machen, denn die Entwicklung des Kapitalismus erweckt nicht unbedingt alle Nationen zum selbständigen Leben. Sich aber, wenn nationale Massenbewegungen einmal entstanden sind, von ihnen abwenden, auf eine Unterstützung des Fortschrittlichen in ihnen verzichten, hieße in Wirklichkeit nationalistischen Vorurteilen unterliegen, nämlich: in der „eigenen“ Nation die „Musternation“ sehen (oder, fügen wir von uns aus hinzu, die Nation, die das ausschließliche Privileg auf staatliche Konstituierung besitzt).

[ Vgl. noch den Brief von Marx an Engels vom 3. Juni 1867:Mit wahren Vergnügen aus der Pariser Korrespondenz der Times die Polen freundlichen Exklamationen der Pariser wider Alex[ander] etc. ersehn. Herr Proudhon und seine kleine doktrinäre Clique sind nicht das French People“ [französische Volk ], MEW, Band 31, Seite 302). ]



Aber kehren wir zur Frage Irland zurück.

Am Klarsten kommt die Stellungnahme von Marx zu dieser Frage in folgenden Auszügen aus seinen Briefen zum Ausdruck:

Diese Demonstration der englischen Arbeiter für Fenianismus habe ich auf alle Art zu provozieren gesucht . . . Ich habe früher Trennung Irlands von England für unmöglich gehalten. Ich halte sie jetzt für unvermeidlich, obgleich nach der Trennung Föderation kommen mag.“ Das schrieb Marx im Brief an Engels vom 2. November 1867.

Im Brief vom 30. November desselben Jahres fügte er hinzu:

... was sollen wir den englischen Arbeitern raten ? Nach meiner Ansicht müssen sie Repeal“ [ Aufhebung ] der Union“ ( Irlands mit England, d.h., die Lostrennung Irlands von England), „kurz den Witz von 1783, nur demokratisiert und den Zeitumständen angepasst zu einem Artikel ihres Pronunziamento“ [ Kampfprogramm ]machen. Es ist dies die einzig legale und daher einzig mögliche Form der irischen Emanzipation, die in das Programm einer englischen Partei aufgenommen werden kann. Die Erfahrung muss später zeigen, ob die bloße Personalunion zwischen den 2 Ländern fortexistieren könnte ..

Was die Irländer brauchen, ist:

      1. Selbstregierung und Unabhängigkeit von England.

      2. Agrarische Revolution ...“

Marx, der der irischen Frage ungeheure Wichtigkeit beimaß, hielt in einem Londoner deutschen Arbeiterverein einen anderthalbstündigen Vortrag über dieses Thema. (Brief vom 17. Dezember 1867, MEW, Band 31, Seite 412).

Engels erwähnt in seinem Brief vom 20. November 1868 den Hass gegen die Irländer unter den englischen Arbeitern“, und fast ein Jahr später (24. Oktober 1869) schreibt er, auf dasselbe Thema zurückkommend:

Von Irland nach Russland il n'y a qu' un pas“ [ist es nur ein Schritt ] . . . An der irischen Geschichte kann man sehen, welch ein Pech es für ein Volk ist, wenn es ein anderes unterjocht hat. Alle englischen Schweinereien haben ihren Ursprung in der irischen Pale [ von den Engländern zuerst unterworfener Teil Irlands – der Übersetzer ]. Die Cromwellsche Zeit muss ich noch ochsen, so viel aber scheint mir gewiss, dass die Sache auch in England eine andere Wendung genommen, wenn nicht in Irland die Notwendigkeit gewesen, militärisch zu herrschen und eine neue Aristokratie zu schaffen.“

Erwähnen wir beiläufig noch den Brief von Marx an Engels vom 18. August 1869:

In Posen … haben die polnischen Arbeiter . . . siegreich einen strike beendet durch Hilfe ihrer Berliner Kollegen. Dieser Kampf gegen Monsieur le Capital – selbst in der untergeordneten Form des strike – wird anders mit den nationalen Vorurteilen fertig als die Friedensdeklamationen der Herrn Bourgeois“ (MEW, Band 32, Seite 368).

Die von Marx in der Internationale vertretene Politik in der irischen Frage lässt sich aus Folgendem ersehen:

Am 18. November 1869 schreibt Marx an Engels, dass er im Generalrat der Internationale eine Rede von ungefähr fünf Viertelstunden über das Verhalten des britischen Ministeriums zur irischen Amnestiefrage gehalten und dazu die folgende Resolution vorgeschlagen haben:

Es wird erklärt,

dass Herr Gladstone in seiner Antwort auf die irischen Forderungen nach Freilassung der eingekerkerten irischen Patrioten … die irische Nation bewusst beleidigt; dass er die politische Amnestie an Bedingungen knüpft, die gleicherweise erniedrigend für die Opfer der Missregierung wie für das Volk sind, dem sie angehören;

dass er, der trotz seiner verantwortlichen Stellung der Rebellion der amerikanischen Sklavenhalter öffentlich und begeistert Beifall gespendet hat, jetzt auftritt, um dem irischen Volk die Doktrin der passiven Unterwerfung zu predigen:

dass sein ganzes Verhalten in der irischen Amnestiefrage das wahre und echte Produkt jeber 'Eroberungspolitik' ist, durch deren leidenschaftliche Brandmarkung Herr Gladstone seine Tory-Rivalen aus dem Amt gedrängt hat;

dass der Generalrat der Internationalen Arbeiterassoziation seiner Bewunderung Ausdruck gibt für die tapfere, entschlossene und hochherzige Art, in der das irische Volk seine Amnestiebewegung führt;

dass diese Resolutionen allen Sektionen der Internationalen Arbeiterassoziation und allen mit ihr in Verbindung stehenden Arbeitergesellschaften in Europa und Amerika zur Kenntnis gebracht werden sollen“ ( MEW, Band 32, Seite 399).

Am 10. Dezember 1869 schreibt Marx, er werde die irische Sache im Generalrat der Internationale in folgender Art vorbringen:

„ … dass, ganz abgesehn von aller 'internationalen' und 'humanen' justice for Ireland-Phrase“ [ Gerechtigkeit für Irland ] die sich im international council“ [ Internationalen Rat ]von selbst versteht -, es das direkte absolute Interesse der English Working Class ist, t o g e t r i d of their present connexion with Ireland“ [von ihrer gegenwärtigen Verbindung mit Irland loszukommen ].Und dies ist meine vollste Überzeugung, und aus Gründen, die ich teilweis den englischen Arbeitern selbst nicht mitteilen kann. Ich habe lange geglaubt, es sei möglich, das irische Regime durch English Working Class ascendancy“ [ Aufstieg der englischen Arbeiterklasse ]zu stürzen. Ich habe stets diese Ansicht in der New York Tribune“ (amerikanische Zeitung, an der Marx lange Zeit mitarbeitete)verteten. Tieferes Studium hat mich nun vom Gegenteil überzeugt. Die englische Working Class wird nie was ausrichten, before it has got rid of Ireland“ [ ehe sie sich von Irland gelöst hat] „... die englische Reaktion in England wurzelt in der Unterjochung Irlands“ (Hervorhebungen von Marx; MEW, Band 32 , Seite 414/415 ).

Jetzt dürfte den Lesern die Marxsche Politik in der irischen Frage völlig klar sein.

Der „Utopist“ Marx ist so „unpraktisch“, für die Lostrennung Irlands einzutreten, die auch ein halbes Jahrhundert später nicht verwirklicht ist.

Wodurch wurde nun diese Marxsche Politik hervorgerufen, und war sie nicht ein Fehler ?

Anfangs hatte Marx geglaubt, dass nicht die nationale Bewegung der unterdrückten Nation, sondern die Arbeiterbewegung in der unterdrückenden Nation Irland befreien werde. Marx macht aus den nationalen Bewegungen nichts Absolutes, denn er weiß, dass nur der Sieg der Arbeiterklasse die volle Befreiung aller Nationalitäten bringen kann. Im voraus alle möglichen Wechselbeziehungen zwischen den bürgerlichen Befreiungsbewegungen der unterdrückten Nationen und der proletarischen Befreiungsbewegung in der unterdrückenden Nation in Betracht zu ziehen (gerade das Problem, das die nationale Frage im heutigen Russland so schwierig macht), ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Umstände fügten sich jedoch so, dass die englische Arbeiterklasse auf recht lange Zeit unter den Einfluss der Liberalen geriet, ihr Nachtrab wurde und sich durch eine liberale Arbeiterpolitik selbst enthauptete. Die bürgerliche Befreiungsbewegung in Irland erstarkte und nahm revolutionäre Formen an. Marx überprüft seine Auffassung und berichtigt sie. „Welch ein Pech ist es für ein Volk, wenn es ein andres unterjocht hat.“ Die Arbeiterklasse Englands wird sich nicht befreien, solange Irland nicht von der englischen Unterdrückung befreit ist [ unterstrichen von der Redaktion der Komintern, Februar 2010 ]. Die Reaktion in England wird gestärkt und genährt durch die Versklavung Irlands (wie die Reaktion in Russland durch die Versklavung einer Reihe von Nationen genährt wird !).

Marx, der in der Internationale eine Sympathieresolution für die „irische Nation“, das „irische Volk“ zur Annahme bringt ( der kluge L. Wl. Hätte den armen Marx wegen Vergessens des Klassenkampfes wahrscheinlich in Grund und Boden gedonnert!), propagiert die Lostrennung Irlands von England, „obgleich nach der Trennung Föderation kommen mag“.

Welches sind die theoretischen Prämissen dieser Marxschen Schlussfolgerung ? In England ist die bürgerliche Revolution im Allgemeinen längst abgeschlossen. In Irland aber ist sie noch nicht beendet; sie wird erst jetzt, ein halbes Jahrhundert später, durch die Reformen der englischen Liberalen zu Ende geführt. Wäre der Kapitalismus in England so rasch gestürzt worden, wie Marx anfänglich erwartete, so wäre in Irland für eine bürgerlich-demokratische, gesamtnationale Bewegung kein Raum gewesen. Nachdem sie aber einmal entstanden ist, gibt Marx den englischen Arbeitern den Rat, sie zu unterstützen, ihr einen revolutionären Anstoß zu geben und sie im Interesse ihrer eigenen Freiheit zu Ende zu führen.

Die ökonomischen Bindungen Irlands mit England in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts waren gewiss noch enger als die Bindungen Russlands mit Polen, der Ukraine usw. Das „Unpraktische“ und die „Undurchführbarkeit“ einer Lostrennung Irlands (allein schon in Folge der geographischen Verhältnisse und in Folge der unermesslichen kolonialen Macht Englands) waren augenfällig. Obwohl grundsätzlicher Gegner des Föderalismus, will Marx in diesem Falle sogar eine Föderation zustimmen, wenn nur die Befreiung Irlands nicht auf reformistischem, sondern auf revolutionärem Wege erfolge, kraft der Bewegung der Volksmassen in Irland, unterstützt von der englischen Arbeiterklasse. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass nur eine solche Lösung der geschichtlichen Aufgabe für die Interessen des Proletariats und für eine schnelle gesellschaftliche Entwicklung am günstigsten wäre.

[ Anmerkung von Lenin:

Übrigens ist leicht zu begreifen, weshalb vom sozialdemokratischen Standpunkt aus unter Recht der Nationen auf „Selbstbestimmung“ weder eine Föderation noch Autonomie verstanden werden kann (obwohl, abstrakt gesprochen, das eine wie das andere unter den Begriff „Selbstbestimmung“ fällt). Recht auf Föderation ist überhaupt Unsinn, denn eine Föderation ist ein Vertrag zwischen zwei Partnern. Die Marxisten können unmöglich die Verteidigung des Föderalismus schlechthin in ihr Programm aufnehmen; davon kann gar nicht die Rede sein. Was die Autonomie anbelangt, so verteidigen die Marxisten nicht das „Recht“ auf Autonomie, sondern die Autonomie selbst als allgemeines, universales Prinzip eines demokratischen Staates mit bunter nationaler Zusammensetzung und schroffen Unterschieden in den geographischen und anderen Bedingungen. Daher wäre es ebenso unsinnig, das „Recht der Nationen auf Autonomie“ wie das „Recht der Nationen auf Föderation“ anzuerkennen. ]

Es kam anders. Sowohl das irische Volk als auch das englische Proletariat erwiesen sich als zu schwach. Erst jetzt wird die irische Frage in einem kläglichen Schacher der englischen Liberalen mit der irischen Bourgeoisie gelöst (und das Beispiel Ulsters zeigt, wie schwer das geht) durch eine Bodenreform (mit Loskauf) und eine (bis jetzt noch nicht eingeführte) Autonomie. Was heißt das ? Folgt daraus etwa, dass Marx und Engels „Utopisten“ waren, dass sie „undurchführbare“ nationale Forderungen stellten, dass sie dem Einfluss der irischen kleinbürgerlichen Nationalisten unterlagen (der kleinbürgerliche Charakter der Bewegung der „Fenier“ ist nicht zu bezweifeln) u. dgl. m. ?

Nein. Marx und Engels betrieben auch in der irischen Frage eine konsequent proletarische Politik, die die Massen wirklich im Geist des Demokratismus und Sozialismus erzog. Nur diese Politik war geeignet, es sowohl Irland als auch England zu ersparen, dass die notwendigen Umgestaltungen ein halbes Jahrhundert verschleppt und durch die Liberalen der Reaktion zuliebe verunstaltet wurden.

Die Politik von Marx und Engels in der irischen Frage hat ein höchst bedeutsames Beispiel, das bis auf den heutigen Tag gewaltige praktische Bedeutung bewahrt hat, dafür gegeben, wie sich das Proletariat der unterdrückenden Nationen zu nationalen Bewegungen zu verhalten hat; sie hat gewarnt vor jener „knechtischen Eilfertigkeit“, mit der die Spießbürger aller Länder, Hautfarben und Sprachen bereit sind, jede Veränderung der Staatsgrenzen, die durch die Gewalttaten und die Privilegien der Gutsbesitzer und der Bourgeoisie einer Nation gezogen worden sind, als „utopisch“ zu bezeichenen.

Hätte das irische und das englische Proletariat die Marxsche Politik nicht angenommen, die Lostrennung Irlands nicht als ihre Losung aufgestellt, so wäre das ihrerseits der schlimmste Opportunismus, ein Vergessen der Aufgaben eines Demokraten und Sozialisten, eine Konzession an die englische Reaktion und Bourgeoisie gewesen.





Aus: Lenin über Karl Marx (1914 )

Lenin Werke, Band 21, Seite 37 bis 38

Die Epoche des Neuauflebens der demokratischen Bewegungen Ende der fünfziger und in den sechziger Jahren rief Marx erneut zu praktischer Tätigkeit. 1864 (am 28. September) wurde in London die berühmte 1. Internationale gegründet, die „Internationale Arbeiterassoziation“. Marx war die Seele dieser Organisation, Verfasser ihrer ersten „Adresse“ und einer langen Reihe von Resolutionen, Erklärungen und Manifesten. Indem Marx die Arbeiterbewegung der verschiedenen Länder zusammenfasste und verschiedene Formen des nichtproletatischen, vormarxistischen Sozialismus (Mazzini, Proudhon, Bakunin, der englische liberale Trade Unionismus, die lassalleanischen Rechtsschwankungen in Deutschland u. dgl. m.) in die Bahnen gemeinsamen Handelns zu lenken suchte, wobei, er die Theorien aller dieser Sekten und Schulen bekämpfte, schmiedete er eine einheitliche Taktik des proletarischen Kampfes der Arbeitermasse der verschiedenen Länder. Nach dem Fall der Pariser Kommune (1871), die Marx (im „Bürgerkrieg in Frankreich“ 1871) so tief, treffend, glänzend, wirksam und in revolutionärem Geiste gewürdigt hat, und nach der Spaltung der Internationale durch die Bakunisten war ihr Fortbestehen in Europa unmöglich geworden. Nach dem Haager Kongress der Internationale (1872) setzte Marx die Verlegung des Generalrats der Internationale nach New York durch. Die I. Internationale hatte ihre historische Rolle erfüllt; sie räumte das Feld für eine Epoche unvergleichlich größeren Wachstums der Arbeiterbewegung in allen Ländern der Welt: die Epoche ihrer Entwicklung in die Breite, der Schaffung sozialistischer Massenparteien der Arbeiter auf dem Boden einzelner Nationalstaaten.

Die angestrengte Tätigkeit in der Internationale und die noch angestrengteren theoretischen Studien untergruben endgültig Marx’ Gesundheit. Er setzte seine Neubearbeitung der politischen Ökonomie und die Fertigstellung des „Kapitals“ fort, sammelte zu diesem Zweck eine Menge neuer Materialien und studierte mehrere Sprachen (zum Beispiel die russische); doch Krankheit hinderte ihn, „Das Kapital“ zu vollenden.



Lenin Werke, Band 21, Seite 67 bis 68

In der Periode von 1864 1870, als die Epoche zu Ende ging, in der die bürgerlichdemokratische Revolution in Deutschland zum Abschluss kam, die Epoche, in der die Ausbeuterklassen in Preußen und Österreich dafür kämpften, diese Revolution auf die eine oder andere Weise von oben zum Abschluss zu bringen, verurteilte Marx nicht nur Lassalle, der mit Bismarck „geliebeleit“ hatte, sondern wies auch Liebknecht zurecht, der in „Östreicherei“ verfiel und den Partikularismus verteidigte; Marx forderte eine revolutionäre Taktik, die mit gleicher Schonungslosigkeit sowohl gegen Bismarck wie auch gegen die Austrophilen kämpfte eine Taktik, die sich dem „Sieger“, dem preußischen Junker, nicht anpasste, sondern unverzüglich den revolutionären Kampf gegen ihn von neuem aufnahm, und zwar auf dem Boden der durch die militärischen Siege der Preußen gegeben war. („Briefwechsel“ mit Engels, III, 134, 136, 147, 179, 204, 210, 215, 418, 437, 440/441) In der berühmten Adresse der Internationale vom 9. September 1870 warnte Marx das französische Proletariat vor einem vorzeitigen Aufstand; als der Aufstand aber dennoch ausbrach (1871), begrüßte Marx mit Begeisterung die revolutionäre Initiative der Massen, dieser „Himmelsstürmer“ (Brief von Marx an Kugelmann). Eine Niederlage der revolutionären Aktion in dieser Situation, wie in vielen anderen, war vom Standpunkt des Marxschen dialektischen Materialismus für den ganzen Gang und Ausgang des proletarischen Kampfes ein kleineres Übel als ein Verzicht auf die einmal eingenommene Position, als eine Kapitulation ohne Kampf: eine solche Kapitulation hätte das Proletariat demoralisiert, seine Kampffähigkeit untergraben. Marx, der die Ausnutzung legaler Kampfmittel in Epochen der politischen Stagnation und der Herrschaft der bürgerlichen Legalität sehr wohl zu würdigen wusste, verurteilte in den Jahren 1877/1878, nach Erlass des Sozialistengesetzes, sehr scharf die „Revolutionsphrasen“ eines Most, aber nicht minder heftig, wenn nicht noch heftiger wandte er sich gegen den Opportunismus, der sich damals eine Zeitlang er offiziellen sozialdemokratischen Partei bemächtigt haue, als diese nicht sofort Festigkeit, Standhaftigkeit, revolutionäre Haltung und Bereitschaft an den Tag legte, als Antwort auf das Ausnahmegesetz zum illegalen Kampf überzugehen. (Briefwechsel von Marx und Engels, IV, 397, 404, 418, 422, 424; vgl. auch die Briefe an Sorge.)



Lenin Werke, Band 21, Seite 72 bis 73

Im Jahre 1864 erschien in London die von Marx verfasste „Inaugural-adresse der Internationalen Arbeiterassoziation“ (russische Übersetzung vorhanden). Marx war Verfasser zahlreicher Manifeste, Aufrufe und Resolutionen des Generalrats der Internationale. Dieses ganze Material ist noch bei Weitem nicht bearbeitet, ja nicht einmal gesammelt. Einen ersten Anfang in dieser Richtung macht das Buch von Gustav Jeackh: „Die Internationale“ (russische Übersetzung im Verlag „Snanije“, St. Petersburg, 1906), in dem unter anderem einige Briefe von Marx und von ihm verfasste Resolutionsentwürfe abgedruckt sind. Zu den von Marx verfassten Dokumenten der Internationale gehört die Adresse des Generalrats über die Pariser Kommune, die 1871 in London als Broschüre unter dem Titel: „Der Bürgerkrieg in Frankreich“ erschien (russische Übersetzung, redegiert von Lenin, im Verlag „Molot“, und andere Ausgaben). In die Epoche von 1862 bis 1874 fällt der Briefwechsel von Marx mit Kugelmann, Mitglied der Internationale (zwei russische Ausgaben, die eine in der Übersetzung von A. Goichbarg, die andere redigiert von Lenin).







Aus: Staat und Revolution (1917 )

Lenin Werke, Band 25, Seite 490 – 491



Wir haben gesehen, wie Marx und Engels in ihrer Polemik gegen die Anarchisten besonders eingehend ihre Ansichten über das Verhältnis der Revolution zum Staat klarlegten. Als Engels 1891 die Marxsche „Kritik des Gothaer Programms“ herausgab, schrieb er:

Wir“ (d.h. Engels und Marx) „lagen damals, kaum zwei Jahre nach dem Haager Kongress der (ersten) Internationale, im heftigsten Kampf mit Bakunin und seinen Anarchisten ...“

Die Anarchisten versuchten, gerade die Pariser Kommune so zusagen „für sich“ in Anspruch zu nehmen, als eine Bestätigung ihrer Lehre, dabei hatten sie die Lehren der Kommune und die Analyse dieser Lehren durch Marx überhaupt nicht begriffen. Zu den konkret-politischen Fragen: Soll man die alte Staatsmaschinerie zerschlagen ? - und wodurch ist sie zu ersetzen ? - hat der Anarchismus nichts beigetragen, was auch nur annähernd an die Wahrheit heranreichte.





Die III. - Kommunistische Internationale

Aus: Auf Schallplatten aufgenommene Reden

Lenin Werke, Band 29, Seite 228



Die Erste Internationale, begründet von Marx, existierte von 1864 bis 1872. Die Niederlage der heldenhaften Pariser Arbeiter, der ruhmreichen Pariser Kommune, bedeutete das Ende dieser Internationale. Sie ist unvergessen, sie ist für immer eingegangen in die Geschichte des Kampfes der Arbeiter für ihre Befreiung. Sie hat das Fundament gelegt für das Gebäude der sozialistischen Weltrepublik, das zu bauen wir jetzt das Glück haben.