Lenin

über Clara Zetkin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück

Lenin, Gesammelte Werke, Band 7, Seite 286

Februar - Mai 1904

 

Das ist buchstäblich derselbe Vorwurf und derselbe Spott, die 1895 auch Bebel und Liebknecht trafen, als Clara Zetkin zu ihnen sagte: „Es tut mir in der Seele weh, daß ich dich in der Gesellschaft seh*" (d. h. Bebel in der Gesellschaft von Vollmar und Co.). Es ist wirklich sonderbar, daß Bebel und
Liebknecht damals nicht an Kautsky und Clara Zetkin ein hysterisches Schreiben wegen falscher Beschuldigung des Opportunismus gerichtet haben...

 

 

ANMERKUNGEN
ZU DEM ARTIKEL CLARA ZETKINS
„DER INTERNATIONALE SOZIALISTISCHE
KONGRESS ZU STUTTGART"
Der Internationale Sozialistische Kongreß zu Stuttgart*)

1907


*> Der vorliegende Artikel ist die Übersetzung eines Leitartikels aus der von Clara Zetkin redigierten deutschen sozialdemokratischen Halbmonatsschrift „Die Gleichheit", Organ der Arbeiterfrauenbewegung in Deutschland. Hier ist sehr richtig und mit außerordentlichem Taknt eine Einschätzung des Stuttgarter Kongresses gegeben: In kurzen, klaren, einprägsamen Sätzen ist der gewaltige Ideengehalt der Diskussionen und der Resolutionen des Kongresses zusammengefaßt. Von uns aus fügen wir diesem Artikel einige Anmerkungen bei, um den russischen Leser auf bestimmte Tatsachen hinzuweisen, die aus der westeuropäischen sozialistischen Presse bekannt sind und die von unseren Zeitungen, den kadettischen und halbkadettischen (in der Art des „Towarischtsch"244), die über den Stuttgarter Kongreß viel zusammengelogen haben, größtenteils entstellt worden sind.
Die Frage der Beziehungen zwischen Sozialdemokratie und Gewerkschaften hat am meisten die Einmütigkeit der aufgeklärten Proletarier verschiedener Länder gezeigt. Im Prinzip hat niemand mehr gegen die geschichtliche Grundtendenz des proletarischen Klassenkampfes opponiert, den politischen und ökonomischen Kampf sowie beide Organisationen möglichst innig zu einer einheitlichen Macht der soziaIistischen Arbeiterklasse zu gestalten. Nur der Vertreter der russischen Sozialdemokraten,
Genosse Plechanow, und die Majorität der französischen Delegation suchten mit ziemlich verunglückten Argumenten*) die Besonderheiten ihrer respektiven Länder gegen dieses Prinzip als einschränkende Rücksichtsmomente ins Feld zu führen.
*) Die russische sozialdemokratische Delegation in Stuttgart hatte die Fragen im wesentlichen vorher erörtert, um ihre Vertreter für die Kommission zu benennen. In der Kommission zur Frage der Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und den sozialistischen Parteien vertrat
Plechanow nicht alle russischen Sozialdemokraten, sondern die Menschewiki. Plechanow ging in die Kommission mit der Absicht, das Prinzip der „Neutralität" zu verteidigen. Die Bolschewiki entsandten in die Kommission Woinow, der die Auffassung der Partei verfocht, d. h. einen Beschluß
im Geiste des Londoner Parteitags gegen die Neutralität, für eine möglichst große Annäherung der Gewerkschaften an die Partei. „Verunglückt" waren also in den Augen Clara Zetkins die Argumente nicht des Vertreters der SDAPR, sondern des Vertreters der menschewistischen Opposition in der SDAPR.

Und auch hier siegte schließlich die revolutionäre Tatkraft und das männliche Vertrauen der Arbeiterklasse auf die eigene Aktionsfähigkeit über das pessimistische Evangelium der eigenen Ohnmacht und des starren Festhaltens an alten, ausschließlich parlamentarischen Kampfmethoden, ebenso wie auch nach der anderen Seite über den simplen antimilitaristischen Sport der französischen Halbanarchisten à la Herve.*)
*> Die Verfasserin des Artikels, die beide vom Kongreß zurückgewiesenen Abweichungen vom Sozialismus einander gegenüberstellt: den Halbanarchismus Herves und den auf „ausschließlich parlamentarische" Kampfformen beschränkten Opportunismus, nennt keinen einzigen Vertreter dieses Opportunismus. In der Kommission des Stuttgarter Kongresses nahm bei der Behandlung der Frage des Militarismus Vandervelde in seiner Erwiderung auf eine opportunistische Rede Vollmars dieselbe Gegenüberstellung vor. Vollmar spielt auf einen Ausschluß Herves an, sagte
Vandervelde, ich möchte dagegen protestieren und Vollmar warnen, könnte doch ein Ausschluß der extremen Linken den Gedanken an den Ausschluß der extremen Rechten aufkommen lassen (Vollmar ist einer der „rechtesten" deutschen Opportunisten).
Endlich hat auch in der Frage des Frauenwahlrechts der prinzipielle, scharfe Klassenstandpunkt, der das Frauenwahlrecht nur als einen organischen Teil der Klassenrechte und der Klassensache des Proletariats betrachtet, über die opportunistische, bürgerliche Auffassung gesiegt, die ein verkrüppeltes, beschränktes Frauenwahlrecht als Abschlagszahlung den herrschenden Klassen abzuhandeln hoffte.*)
*> Auf dem Kongreß in Stuttgart verteidigte diesen bürgerlichen Standpunkt lediglich eine Engländerin aus den Reihen der Fabian Society („Gesellschaft der Fabier" - intelligenzlerische quasisozialistische englische Organisation, die einen extremen Opportunismus vertritt).
Gleichzeitig hat der Kongreß - auch in dieser Beziehung den Beschluß der Internationalen Frauenkonferenz bestätigend - unzweideutig ausgesprochen, daß die sozialistischen Parteien in ihren Wahlrechtskämpfen die grundsätzliche Forderung des Frauenwahlrechts ohne Rücksicht auf „Zweckmäßigkeitsgründe"*) erheben und vertreten müssen.
*> Eine Anspielung auf die österreichischen Sozialdemokraten. Sowohl auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz als auch in der Kommission des Kongresses zur Frauenfrage polemisierten die deutschen Sozialdemokratinnen gegen die österreichischen. Clara Zetkin hatte schon früher in der Presse den österreichischen Sozialdemokraten vorgeworfen, sie hätten in der Agitation für das Wahlrecht die Forderung nach dem Frauenwahlrecht hintangestellt. Die Österreicher verteidigten sich sehr ungeschickt, und der Abänderungsantrag Victor Adlers, mit dem vorsichtig versucht wurde, den „österreichischen Opportunismus" in dieser Frage durchzusetzen, wurde in der Kommission mit 12 gegen 9 Stimmen abgelehnt.


Geschrieben September-
Anfang Oktober 1907.
Veröffentlicht im Oktober 1907 Nach dem Text des Sammelbandes,
im Sammelband „Wetterleuchten",
Folge I, St. Petersburg.

 

 

Der Internationale Sozialistenkongress in Stuttgart

Ende August bis Anfang September 1907

Lenin, Gesammelte Werke, Band 13, Seite 69

Zu gleicher Zeit mit dem Internationalen Sozialistenkongreß tagte in Stuttgart in demselben Gebäude die erste Internationale Sozialistische Frauenkonferenz. Auf dieser Konferenz und in der Kommission des Kongresses kam es bei der Erörterung der Resolution zu interessanten Debatten zwischen deutschen und österreichischen Sozialdemokraten. In ihre Kampf um das allgemeine Wahlrecht ließen die letzteren die Forderung nach Gleichstellung der Frauen etwas in den Hintergrund treten: aus praktizistischen Erwägungen heraus stellten sie als ihre Forderung nicht das allgemeine Wahlrecht in den Mittelpunkt, sondern das Wahlrecht für Männer.
In den Reden Clara Zetkins und anderer deutscher Sozialdemokraten wurden die Österreicher mit Recht darauf verwiesen, daß sie falsch gehandelt und dadurch, daß sie nur das Wahlrecht für Männer, nicht aber mit aller Energie auch das Wahlrecht für Frauen verlangten, die Kraft der Massenbewegung geschwächt, hätten.: Die letzten Worte der Stuttgarter Resolution („Forderung des allgemeinen Wahlrechts für Frauen und Mähner") stehen zweifellos im Zusammenhang mit dieser Episode eines übermäßigen „Praktizismus" in der Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung;

Clara Zetkins bemerkte in ihrer Zeitschrift „Die Gleichheit" mit Recht "die Argumente Plechanows' zugunsten der Neutralität seien ebenso verunglückt wie die der Franzosen. Die Resolution des Stuttgarter Kongresses macht, wie Kautsky richtig hervorhob und wovon sich jeder durch aufmerksames Studium überzeugen kann, der prinzipiellen Anerkennung der „Neutralität" ein Ende. Von Neutralität oder Parteilosigkeit steht in ihr kein Wort. Im Gegenteil, es wird mit aller Bestimmtheit die Notwendigkeit anerkannt, innige Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und der sozialistischen Partei herzustellen und diese Beziehungen dauernd zu unterhalten

 

Der Internationale Sozialistenkongress in Stuttgart

September 1907

Lenin, Gesammelte Werke, Band 13, Seite 77

Der Stuttgarter Kongreß tat in der gleichen Richtung einen großen Schritt vorwärts und erwies sich iit einer ganzen Reihe wichtiger Fragen als die oberste Instanz für die Festlegung der politischen Linie des Sozialismus.
Diese Linie legte der Stuttgarter Kongreß noch entschiedener als der Amsterdamer im Sinne der revolutionären Sozialdemokratie gegen den Opportunismus fest. Die von Clara Zetkin redigierte Zeitschrift der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterinnen, „Die Gleichheit", bemerkt dazu treffend:

„...in sämtlichen Fragen haben die besonderen Abweichungen einzelner sozialistischer Parteien nach der opportunistischen Seite hin durch das Zusammenwirken der Sozialisten aller Länder eine kräftige
Korrektur im revolutionären Sinne erfahren."

„In Amsterdam", schreibt das Organ Clara Zetkins,- „war es die Dresdener Resolution,' die das revolutionäre • Leitmotiv der Verhandlungen des proletarischen Weltparlaments "bildete, in Stuttgart waren die Rede Vollmars in der Militärkommission, Päplöws in der Einwanderungskommission, Davids" (und Bernsteins,, fügen wir von uns aus hinzu)' „in der Kolonialkommission peinliche opportunistische Mißtöne des Kongresses. In den meisten Fragen und Kommissionen waren die Vertreter Deutschlands diesmal die Wortführer des Opportunismus."

Und Karl Kautsky schreibt über deri.StuttgartefiKongreß: „ . . . von der führenden Rolle; die bisher die deutsche Sozialdemokratie'in der zweiten Internationale tatsächlich einnahm, war diesmal nichts mehr zu merken."

„Die Resolution, des Stuttgarter. Kongresses sagt alles, was wir brauchen.
Sie macht der Neutralität für immer, ein Ende," Clara Zetkin schreibt: „Im Prinzip hat (in Stuttgart) niemand mehr gegen die geschichtliche Grundtendenz des proletarischen Klassenkampfes opponiert, den politischen und ökonomischen Kampf sowie beide Organisationen möglichst innig zu einer einheitlichen Macht der sozialistischen Arbeiterklasse zu gestalten. Nur der Vertreter der russischen Sozialdemokraten, Gen. Plechanow - (es sollte heißen: der Vertreter der Menschewiki, die Plechanow
als Verfechter der „Neutralität" in die Kommission entsandt hatten); ,"und die Majorität der französischen Delegation suchten mit ziemlich verunglückten Argumenten die Besonderheiten ihrer respektiven Länder gegen dieses Prinzip als einschränkende Rücksichtsmomente ins
Feld zu führen. Die überwältigende Majorität des Kongresses stellte sich auf die Seite der unumwundenen Politik der Einigkeit zwischen Sozialdemokratie und Gewerkschaften..."
Wir müssen bemerken, daß das, wie Clara Zetkin mit Recht meint, verunglückte Argument Plechanows in- dieser Gestalt durch alle legalen russischen Zeitungen die Runde gemacht hat. Plechanow berief sich in der Kommission des Stuttgarter Kongresses darauf, daß es „in Rußland
elf revolutionäre Organisationen gibt"; „mit welcher sollen die Gewerkschaften in Verbindung treten?" (zitiert nach dem „Vorwärts" Nr. 196, 1. Beilage). Dieses Argument Plechanows ist weder iaktisch noch prinzipiell berechtigt. Faktisch kämpfen in jeder Nationalität Rußlands nicht
mehr als zwei Parteien um den Einfluß auf das sozialistische Proletariat:
Sozialdemokraten und Sozialrevolutionäre, polnische Sozialdemokraten und Polnische Sozialistische Partei, lettische Sozialdemokraten und lettische Sozialrevolutionäre (der sogenannte „Lettische Sozialdemokratische Verband"), armenische Sozialdemokraten und Dasdmakzutjun usw. Die
russische Delegation in Stuttgart teilte sich ebenfalls sogleich in zwei Teile. Die Zahl 11 ist ganz willkürlich und führt die Arbeiter irre. Prinzipiell aber ist Plechanow deshalb im Unrecht, weil der Kampf zwischen proletarischem und kleinbürgerlichem Sozialismus in Rußland überall und
allerorts unvermeidlich ist, also auch in den Gewerkschaften. Die Engländer zum Beispiel dachten nicht daran, sich gegen die Resolution zu wenden, obwohl auch bei ihnen zwei sozialistische Parteien einander gegenüberstehen - die Sozialdemokraten (SDF*) und die „Unabhängigen" (ILP**).
* Social Democratic Federation - Sozialdemokratische Föderation. Die 'Red.
** Independent Labour Party - Unabhängige Arbeiterpartei. Die Red.

Die Resolution über das Frauenwahlrecht wurde ebenfalls einstimmig angenommen. Nur eine Engländerin aus der halbbürgerlichen „Gesellschaft der Fabier" vertrat die Zulässigkeit des Kampfes nicht um ein volles, sondern um ein zugunsten der Besitzenden beschränktes Frauenwahlrecht:
Der Kongreß lehnte diesen Standpunkt entschieden ab und sprach sich dafür aus, daß.die .Arbeiterinnen den Kampf um das Wahlrecht nicht gemeinsam mit den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen, sondern zusammen mit;den Klassenparteien des Proletariats fähren sollen. Der Kongreß erkannte an, daß es in der Kampagne für das Frauenwaldrecht notwendig ist, die sozialistischen Prinzipien raid die Gleichberechtigimg: von Männern und Frauen in vollem Umfang zu vertreten, und daß diese Prinzipien nicht aus irgendwelchen Zweckmäßigkeitsgründen geschmälert
werden dürfen.
In der Kommission kam es zu einer interessanten Auseinandersetzung in dieser Frage. Die Österreicher (Victor Adler, Adelheid Popp) suchten ihre Taktik im Kampf um das allgemeine Wahlrecht der Männer folgendermaßen zu rechtfertigen: Um der-Eroberung dieses Rechtes willen sei
es zweckmäßig gewesen, die Forderung des Wählrechts auch für Frauen in ihrer Agitation nicht in den Vordergrund zu rücken. Die deutschen Sozialdemokraten, besonders Clara Zetkin, hatten dagegen schon zu der Zeit protestiert, als die Österreicher ihre Kampagne für das allgemeine Wahlrecht entfalteten. Clara Zetkin erklärte in der Presse, die Forderung des Wahlrechts für Frauen hätte keinesfalls in den Schatten gerückt werden dürfen, die Österreicher hätten opportunistisch das Prinzip Zweckmäßigkeitsgründen zum Opfer gebracht, sie würden den Schwung der Agitation and die Kraft der Volksbewegung nicht geschwächt, sondern verstärkt haben, wenn sie auch das Frauenwahlrecht energisch vertreten hätten. Eine andere hervorragende deutsche Sozialdemokratin, Luise Zietz, schloß sich in der Kommission ganz dem Standpunkt von Clara Zetkin an. Ein Abänderungsantrag Adlers, der die österreichische Taktik indirekt rechtfertigte (in diesem Antrag ist nur davon die Rede, daß es im Kampf um das Wahlrecht für wirklich alle Bürger keine Unterbrechungen geben dürfe, nicht aber davon, daß der Kampf um das Wahlrecht stets
mit der Forderung nach Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern verbunden'sein muß), wurde mit 12 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Der Standpunkt der Kömmission -und des Kongresses kann am besten durch folgende Worte der obenerwähnten Sozialdemokratin Zietz in ihrer Rede auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz wiedergegeben werden (diese Konferenz tagte in Stuttgart zu gleicher Zeit mit dem Kongreß): „Wir müssen "prinzipiell alles fordern, was wir fürrichtig halten", sagte sie, „und nur, wenn unsere Mächt nicht weiter reicht, nehmen wir das, was wir bekommen können. So ist immer die Taktik der Sozialdemokratie gewesen. Je bescheidener wir in unseren Forderungen sind, desto bescheidener wird die Regierung in ihren Bewilligungen sein..." Aus diesem Streit der österreichischen und der deutschen Sozialdemokratinnen kann der Leser ersehen, wie unnachsichtlich die besten Marxisten gegenüber den geringsten Abweichungen von einer konsequenten, prinzipiellen revolutionären Taktik sind.

In dem bereits mehrfach erwähnten Organ Clara Zetkins ist gerade dieser hervorragendste und wichtigste Zug der Resolution des Kongresses gegen den Militarismus außerordentlich richtig erfaßt. „Und auch hier", schreibt Clara Zetkin über die Resolution gegen den Militarismus, „siegte schließlich die revolutionäre Tatkraft und das männliche Vertrauen der Arbeiterklasse auf die eigene Aktionsfähigkeit über das pessimistische Evangelium der eigenen Ohnmacht und des starren Festhaltens an alten, ausschließlich parlamentarischen Kampfmethöden, ebenso wie auch nach der anderen Seite über den simplen antimilitaristischen Sport der französischen Halbanarchisten à la Herve. Die am letzten Ende von der Kommission wie von den 900 Delegierten aller Länder einstimmig angenommene Resolution spricht in kraftvollen. Worten den enormen Aufschwung der revolutionären Arbeiterbewegung seit dem letzten internationalen Kongreß aus und stellt als Grundsatz der proletarischen Taktik ihre Veränderlichkeit, ihre Entwicklungsfähigkeit, ihre Zuspitzung mit dem Reifen der Verhältnisse auf."
Der Herveismus ist abgelehnt, doch nicht zugunsten des Opportunismus, nicht vom Standpunkt des Dogmatismus und der Passivität. Das lebendige Streben nach immer entschiedeneren und neuen Kampfmethoden ist vom internationalen Proletariat in vollem Umfang anerkannt und
mit der ganzen Verschärfung der wirtschaftlichen Widersprüche, mit allen Bedingungen der durch den Kapitalismus ausgelösten Krisen in Verbindung gebracht.

 

VI. („Prager") gesamtrussische Konferenz der SDAPR

Januar 1912

Lenin, Gesammelte Werke, Band 17, Seite 475

Über das Vermögen,
das sich in Händen des ehemaligen Treuhänders befindet,
und über die Kassenberichte


Die Konferenz nimmt die Erklärung der bevollmächtigten Vertreter der Bolschewiki, mit denen das Plenum des ZK im Januar 1910 das Obereinkommen geschlossen hatte, wonach die Bolschewiki das Vermögen ihrer Fraktion bedingt der Kasse des ZK übergaben, zur Kenntnis und


1. erkennt an, daß die Vertreter der Bolschewiki infolge der Verletzung des Obereinkommens durch die Liquidatoren und infolge der Weigerung der Treuhänder, weiter als Mitglieder des Schiedsgerichts zu fungieren, das volle formelle Recht haben, sowohl über das sich in ihrer Verfügung befindliche Vermögen als auch über das in Händen des ehemaligen Treuhänders, Genossin Zetkin, befindliche Vermögen zu disponieren;
2. nach der von den Vertretern der Bolschewiki abgegebenen Erklärung betrachtet die Konferenz die in Händen von Genossin Zetkin befindlichen Geldmittel als unbedingtes Eigentum der Partei, die repräsentiert wird durch das von der Konferenz gewählte ZK und
3. beauftragt das ZK, alle Maßnahmen zu ergreifen, um das Parteivermögen unverzüglich von Genossin Zetkin zu erhalten.

 

DIE LAGE IN DER PARTEI

Unsere Partei ist zweifellos an einem kritischen Punkt ihrer Entwicklung angelangt. Alle Bolschewiki müssen die ganze Kraft einsetzen, um ihre prinzipielle Linie bis zu Ende zu klären, ihre Reihen zu schließen und die Partei wieder wie früher auf den richtigen Weg zu führen.

Im Ausland haben sich eben erst (im Juni und Juli 1911) Ereignisse abgespielt, die eine Krise der zentralen Parteistellen anzeigen. Diese Ereignisse, die in einer Reihe Flugschriften fast aller Fraktionen und Strömungen geschildert und beleuchtet worden sind, laufen darauf hinaus, daß die Liquidatoren (durch das Auslandsbüro des Zentralkomitees die Einberufung des Plenums endgültig vereitelt haben. Die Bolschewiki haben mit diesem Auslandsbüro des ZK, das alle Parteigesetze mißachtet, gebrochen

und im Block mit den „Versöhnlern" und den Polen eine „Technische Kommission" und eine „Organisationskommission" für die Einberufung der Konferenz geschaffen.

Worin besteht die prinzipielle Bedeutung dieser Ereignisse?

Der Bruch mit den Liquidatoren, die ihrerseits mit der SDAPR gebrochen, aber die ganze Parteiarbeit von den Zentralstellen (wie dem Auslandsbüro des ZK) aus gehemmt haben, bedeutet die Beseitigung dieses Hemmschuhs und schafft die Möglichkeit, einmütig an die Wiederherstellung der illegalen und wirklich revolutionären sozialdemokratischen Partei zu gehen. Das ist das erste und wichtigste. Das zweite: der Bruch mit dem Auslandsbüro des ZK, das alle Parteigesetze verletzt hat (und der darauffolgende Austritt Martows und Dans aus der Redaktion des Zentralorgans, an dem sie seit Februar 1910 überhaupt nicht mehr mitgearbeitet hatten), bedeutet die Korrektur jenes Fehlers des Plenums (im Januar 1910), auf Grund dessen die Zentralstellen nicht von parteitreuen Menschewiki, sondern von „Golos"-Leuten, d. h. Liquidatoren besetzt waren. Die prinzipielle Linie des Plenums (Säuberung der Arbeiterpartei von den bürgerlichen Strömungen des Liquidatorentums und des Otsowismus), die von den liquidatorischen Zentralstellen verdeckt war, ist nun freigelegt.

Zum Glück ist das heuchlerische Geschrei der „Golos"-Leute und Trotzkis zur Verteidigung des Auslandsbüros des ZK von einem Schiedsgericht gebührend eingeschätzt worden. Drei deutsche Sozialdemokraten (Mehring, Kautsky und Clara Zetkin) sollten über die bolschewistischen Gelder entscheiden, die dem ZK bedingt übergeben worden waren, sie entschieden jedoch, diese Gelder vorläufig, bis zur Konferenz, nicht dem Auslandsbüro des ZK, sondern der Technischen Kommission zu übergeben. Diese Entscheidung kommt einer Feststellung des Schiedsgerichts gleich, daß das Auslandsbüro des ZK im Unrecht ist.

Wie verhalten sich die anderen Fraktionen im Ausland? Trotzki ist natürlich mit Leib und Seele für die Liquidatoren, die „Wperjod"-Leute ebenfalls (sie haben das noch nicht in der Presse gesagt, aber es ist aus ihren offiziellen Verhandlungen mit der Organisationskommission bekannt).

Plechanow „wartet ab" und propagiert zunächst (siehe die Resolution der Plechanowleute) eine Vereinbarung mit dem Auslandsbüro des ZK.

Das Auslandsbüro des ZK versucht, mit Hilfe Trotzkis, des „Wperjod" und Co. die Einberufung der Konferenz selbst in die Hand zu nehmen.

Ob bei einem solchen „Bündnis" etwas herauskommt, bleibt dahingestellt. Grundsätzlich ist hier ein Fiasko unvermeidlich. Bei diesem Block kann nichts herauskommen, was auch nur im entferntesten Ähnlichkeit mit Parteiarbeit hätte. Ein vom ehemaligen Auslandsbüro des ZK organisierter „Block" bedeutet nichts anderes als ein Intrigenspiel, um die gegen die Partei und gegen die Sozialdemokratie gerichtete Tätigkeit der Gruppe der Herren Potressow, Michail, Juri, Roman und Co. zu verschleiern.

Die Aufgabe der Bolschewiki ist es jetzt, ihre Reihen zu schließen, allen Feinden der Sozialdemokratie eine Abfuhr zu erteilen, allen Schwankenden ein Beispiel zu geben und der illegalen SDAPR auf die Beine zu helfen.

Man sagt: Das ist die Spaltung. Die Heuchelei dieses Geschreis der Herren vom Auslandsbüro des ZK haben sogar die Deutschen durchschaut, denen die russischen Angelegenheiten fremd sind, über Martows deutschsprachige Broschüre, die den Treuhändern zugestellt wurde, urteilte Clara Zetkin: Eine Sudelei.


 

 

Sozialismus und Krieg

Lenin, Werke, Band 21, Seite 329 - 330

1915

Der Prüfstein für jeden Internationalisten muß nach wie vor die ablehnende Haltung gegenüber dem Neokautskyanertum sein. Nur der ist wahrhaft ein Internationalist, der gegen das Kautskyanertum kämpft und begreift, daß das „Zentrum”, auch nach der scheinbaren Schwenkung seiner Führer, in Prinzipienfragen der Verbündete der Chauvinisten und Opportunisten bleibt.

Von größter Bedeutung ist unsere Haltung gegenüber den schwankenden Elementen in der Internationale überhaupt Solche Elemente .- vorwiegend Sozialisten von pazifistischer Färbung – gibt es ebenso in den neutralen wie in einigen kriegführenden Ländern (in England zum Beispiel die Unabhängige Arbeiterpartei). Diese Elemente können unsere Mitläufer werden. Ein Zusammengehen mit ihnen gegen die Sozialchauvinisten ist geboten. Man darf aber nicht vergessen, daß sie nur Mitläufer sind, daß diese Elemente bei der Wiederherstellung der Internationale im Wichtigsten und Wesentlichen nicht mit uns, sondern gegen uns marschieren werden, daß sie mit Kautsky, Scheidemann, Vandervelde und Sembat zusammengehen werden. Auf internationalen Konferenzen darf man sein Programm keinesfalls auf das beschränken, was für diese Elemente annehmbar ist Sonst geraten wir selbst in die Gefangenschaft dieser schwankenden Pazifisten. So war es zum Beispiel auf der Internationalen Frauenkonferenz in Bern. Die deutsche Delegation, die die Auffassungen der Genossin Clara Zetkin unterstützte, spielte auf dieser Konferenz faktisch die Rolle des „Zentrums”. Die Frauenkonferenz sagte nur das, was annehmbar war für die Delegierten aus der opportunistischen holländischen Partei Troelstras und für die Delegierten aus der ILP (Unabhängige Arbeiterpartei), die – wir wollen das nicht vergessen – auf der Londoner Konferenz der „Entente”-Chauvinisten für die Resolution Vanderveldes gestimmt hat. Wir bezeugen der ILP unsere größte Hochachtung für den mannhaften Kampf, den sie während des Krieges gegen die englische Regierung führt. Wir wissen aber, daß diese Partei nie auf dem Boden des Marxismus gestanden hat und auch jetzt nicht auf diesem Boden steht. Und wir halten es gegenwärtig für die Hauptaufgabe der sozialdemokratischen Opposition, die Fahne des revolutionären Marxismus zu entrollen, den Arbeitern unsere Auffassung von den imperialistischen Kriegen fest und bestimmt zu sagen, die Losung revolutionärer Massenaktionen auszugeben, d.h. die Epoche der imperialistischen Kriege zum Beginn einer Epoche von Bürgerkriegen zu machen.

 

Über den Krieg. Aufruf

Lenin, Werke, Band 21, Seite 374

Deutsche Sozialisten, die nicht zur Bourgeoisie übergelaufen sind, haben in der Presse erklärt, daß sie die Taktik der Sozialdemokratischen Arbeiterfraktion Rußlands für „heroisch" halten.
In Deutschland werden illegal Aufrufe gegen den Krieg und gegen die Regierung herausgegeben. Dutzende und Hunderte der besten Sozialisten Deutschlands, darunter auch Clara Zetkin, die bekannte Vertreterin der proletarischen Frauenbewegung, wurden von der deutschen Regierung wegen revolutionärer Propaganda ins Gefängnis geworfen. In ausnahmslos allen kriegführenden Ländern wächst die Empörung der Arbeitermassen, und das Vorbild der revolutionären Handlungsweise der russischen Sozialdemokratie, erst recht aber jeder Erfolg der Revolution in Rußland, wird die große Sache des Sozialismus, des Sieges des Proletariats über die ausbeuterische, blutbesudelte Bourgeoisie unaufhaltsam vorwärtstreiben.

 

 

Erste Internationale Sozialistische Konferenz in Zimmerwald (1915)

4

Ausführungen bei der Erörterung des Manifests und des Resolutionsentwurfs über den Krieg und die Aufgaben der Sozialdemokratie

25. August (7. September)

Lenin, Gesammelte Werke, Ergänzungsband I (Seite 360)

Nun zu der Frage der Verfolgungen:

Sie in Deutschland werden überhaupt nicht ausschließlich legal vorgehen können, wenn Sie wirkliche Aktion wollen. Sie werden die legale mit der illegalen Tätigkeit vereinen müssen. Die alten Methoden genügen nicht mehr in der neuen Situation.
Sie selbst sagen: wir gehen einer Epoche von großen Klassenkämpfen entgegen.
Dann müssen Sie auch die Mittel dazu wollen.
Es ist doch nicht notwendig, das Manifest mit der Namensunterzeichnung erscheinen zu lassen, es könnte auch ohne Namen erscheinen. Jedenfalls sollen Sie nicht halb legal vorgehen wie z. B. CI. Zetkin. Das erfordert zuviel Opfer.
Die Sache steht so: entweder wirklicher revolutionärer Kampf oder nur leeres Geschwätz, das nur den Fahnenflüchtigen helfen wird, gegen welche Liebknecht sich in diesem Briefe so scharf äußert. Für den Frieden sein hat an sich keine Bedeutung. Auch David schreibt: Wir sind nicht für den
Krieg, sondern nur gegen die Niederlage. Den Frieden will jedermann.
Wir müssen der neuen Situation gemäß neue, originelle Kampfesmittel schaffen, die weder den alten deutschen noch den russischen ganz ähnlich sind.


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AN A. M.KOLLONTAI

Juli 1915

Lenin, Gesammelte Werke, Band 30, Seite 169

Nach unserer Ansicht müssen die Linken mit einer gemeinsamen prinzipiellen Erklärung auf den Plan treten, enthaltend 1. die bedingungslose Verurteilung der Sozialchauvinisten und Opportunisten, 2. ein revolutionäres Aktionsprogramm (ob man sagt: Bürgerkrieg oder revolutionäre Massenaktionen - das ist schon nicht mehr so wichtig), 3. die Ablehnung der Losung der „Vaterlandsverteidigung" usw. Eine prinzipielle Erklärung der „Linken", abgegeben im Namen einiger Länder, wäre von gigantischer Bedeutung (natürlich nicht im Geiste der Zetkinschen Gemeinplätze, die sie auf der Frauenkonferenz in Bern praktiziert hat: Clara Zetkin hat den Punkt über die Verurteilung des Sozialchauvinismus umgangen!! aus dem Wunsch heraus, mit den Südekum + Kautsky „in Frieden" zu leben??).

 

 

 

Lenin Brief an Karl Radek

4. August 1915

Lenin, Gesammelte Werke, Band 36, Seite 317 - 318

 

Uns (d. h. allen Linken) kommt es am meisten auf eine klare, vollständige, exakte Prinzipienerklärung** an. Ohne diese sind alle sogenannten „Aktionsprogramme" nur leeres Geschwätz, nur Betrug. Was ist aus der Zetkinschen „Aktionsresolution" in Bern geworden? Nichts im Sinne von Aktion! Nichts im Sinne von Prinzipien !
Die Gruppe Borchardt wird, wenn sie (zusammen mit uns oder gesondert) als anonyme Gruppe („Stern" oder „Pfeil"*** oder wie immer) mit einer exakten Prinzipienerklärung-(-Aufruf zu revolutionären Aktionen auftritt, eine welthistorische Rolle spielen.
Zetkin und Co. jedoch, die alles in der Hand hat (Zeitungen, Zeitschriften, Verbindungen zur „Berner Tagwacht", die Möglichkeit, in die Schweiz zu fahren usw.), hat im Verlaufe von 10 Monaten nichts zur Vereinigung der internationalen Linken getan. Das ist eine Schande!

„Die Opposition in Deutschland ist das Produkt der Gärung unter den Massen, die Bolschewiki aber sind die Orientierung einer kleinen Gruppe von Revolutionären."
Das ist nicht marxistisch.' Das ist Kautskyanertum oder eine Ausflucht.

Die Linken in Deutschland begehen einen historisdien Fehler, wenn sie unter dem Vorwand, daß „sie das Produkt der Gärung unter den Massen sind" (sie = Clara Zetkin, Laufenberg, Borchardt, Thalheimer, Käte Duncker!!! Haha!), ablehnen (anonym, im Namen der Gruppe „Stern" usw.
Die Arbeiter werden sich dann anschließen und über sie nachdenken), mit einer Prinzipienerklärung aufzutreten.
Für die Verstärkung der „Gärung unter den Massen" sind eine linke Deklaration und ein linkes Programm notwendig. In Anbetracht einer solchen Gärung sind sie notwendig. F ü r die Umwandlung
der „Gärung" in „Bewegung" sind sie notwendig. F ü r die Verstärkung der „Gärung" in der verfaulten Internationale sind sie notwendig.
Und zwar sofort!!!

 

Über die Junius-Broschüre

Lenin, Werke, Band 22, Seite 310 - 311

Juli 1916.

(Clara Zetkin schrieb das Vorwort der Junius-Broschüre, die von Rosa Luxemburg verfasst wurde)

 

Endlich ist in Deutschland illegal, ohne Anpassung an die niederträchtige junkerliche Zensur, eine sozialdemokratische Broschüre erschienen, die den Fragen des Krieges gewidmet ist! Der Verfasser, der offenbar dem "linksradikalen" Flügel der Partei angehört, hat seine Broschüre mit Junius gezeichnet (was lateinisch "der Jüngere" heißt) und sie "Die Krise der Sozialdemokratie" benannt. In einem Anhang sind die "Leitsätze über die Aufgaben der internationalen Sozialdemokratie" abgedruckt, die bereits der Berner ISK (Internationale Sozialistische Kommission) vorgelegt und in Nr. 3 ihres Bulletins veröffentlicht worden sind; sie stammen von der Gruppe "Internationale", die im Frühjahr 1915 unter diesem Titel eine Nummer einer Zeitschrift (mit Beiträgen von Clara Zetkin, Mehring, Rosa Luxemburg, Thalheimer, Duncker, Ströbel u.a.) herausbrachte und die im Winter 1915/1916 eine Konferenz von Sozialdemokraten aus allen Teilen Deutschlands abhielt, die diesen Leitsätzen zustimmte.

Die Broschüre ist im April 1915 geschrieben, wie der Verfasser in der vom 2. Januar 1916 datierten Einleitung sagt, und "ganz unverändert" gedruckt worden. Ihr früheres Erscheinen wurde durch "äußere Umstände" verhindert. Sie befaßt sich nicht sosehr mit der "Krise der Sozialdemokratie" als mit der Analyse des Krieges, mit der Widerlegung der Legende von seinem freiheitlichen, nationalen Charakter, mit dem Nachweis, daß dies sowohl von seiten Deutschlands als auch von seiten der anderen Großmächte ein imperialistischer Krieg ist, ferner mit revolutionärer Kritik am Verhalten der offiziellen Partei. Die überaus lebendig geschriebene Broschüre von Junius hat zweifellos im Kampf gegen die auf die Seite der Bourgeoisie und der Junker übergegangene ehemals sozialdemokratische Partei Deutschlands eine große Rolle gespielt und wird sie auch weiterhin spielen, und wir begrüßen den Autor von ganzem Herzen.

Dem russischen Leser, der mit der 1914-1916 im Ausland in russischer Sprache erschienenen sozialdemokratischen Literatur bekannt ist, bietet die Junius-Broschüre nichts prinzipiell Neues. Liest man diese Broschüre und stellt den Argumenten des deutschen revolutionären Marxisten das gegenüber, was zum Beispiel im Manifest des Zentralkomitees unserer Partei (September-November 1914), in den Berner Resolutionen (März 1915) und in den zahlreichen Kommentaren zu ihnen niedergelegt worden ist, so kann man sich nur von der großen Unvollständigkeit der Argumente Junius' und von zwei Fehlern, die er begeht, überzeugen. Wenn wir in den nachfolgenden Ausführungen Kritik an den Mängeln und Fehlern von Junius üben, müssen wir ausdrücklich unterstreichen, daß wir dies um der für Marxisten notwendigen Selbstkritik willen und zur allseitigen Überprüfung der Anschauungen tun, die als ideologische Grundlage der III. Internationale dienen sollen. Die Junius-Broschüre ist im großen und ganzen eine ausgezeichnete marxistische Arbeit, und es ist sehr wohl möglich, daß ihre Mängel bis zu einem gewissen Grade zufälligen Charakters sind.

Der Hauptmangel der Junins-Broschüre und im Vergleich zu der legalen (wenn auch sofort nach ihrem Erscheinen verbotenen) Zeitschrift "Die Internationale" ein direkter Schritt zurück ist das Verschweigen des Zusammenhangs zwischen dem Sozialchauvinismus (der Verfasser gebraucht weder diesen Terminus noch den weniger präzisen Ausdruck Sozialpatriotismus) und dem Opportunismus. Der Verfasser spricht ganz richtig von der "Kapitulation" und dem Zusammenbruch der deutschen sozialdemokratischen Partei, vom "Verrat ihrer "offiziellen Führer", aber weiter geht er nicht. Indessen hat aber schon "Die Internationale" eine Kritik des "Zentrums", d.h. des Kautskyanertums, gegeben und seine Charakterlosigkeit, seine Prostituierung des Marxismus und seine Liebedienerei vor den Opportunisten völlig gerechterweise mit Spott überschüttet. Diese selbe Zeitschrift begann die wahre Rolle der Opportunisten zu entlarven, indem sie z.B. die äußerst wichtige Tatsache mitteilte, daß die Opportunisten am 4. August 1914 mit einem Ultimatum, mit dem fertigen Entschluß, in jedem Fall für die Kredite zu stimmen, erschienen waren. Sowohl in der Junius-Broschüre als auch in den Leitsätzen ist weder vom Opportunismus noch vom Kautskyanertum die Rede! Das ist theoretisch unrichtig, denn man kann den "Verrat" nicht erklären, ohne seinen Zusammenhang aufzudecken mit dem Opportunismus als Richtung, die schon auf eine lange Geschichte, nämlich die Geschichte der ganzen II. Internationale zurückblickt. Das ist praktisch-politisch falsch, denn man kann die "Krise der Sozialdemokratie" weder verstehen noch überwinden, ohne die Bedeutung und die Rolle der zwei Richtungen der offen opportunistischen (Legion, David usw.) und der verkappt opportunistischen (Kautsky und Co.) klargestellt zu haben. Das ist ein Schritt zurück im Vergleich z.B. mit dem historischen Artikel von Otto Rühle im "Vorwärts" vom 12. Januar 1916, in dem er klar und offen die Unvermeidlichkeit einer Spaltung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands nachweist (die Redaktion des "Vorwärts" antwortete ihm mit der Wiederholung süßlicher und heuchlerischer kautskyanischer Phrasen, ohne ein einziges sachliches Argument dagegen anführen zu können, daß bereits zwei Parteien vorhanden sind, die nicht mehr miteinander versöhnt werden können). Das ist erstaunlich inkonsequent, denn in der 12. These der "Internationale" ist direkt die Rede von der Notwendigkeit einer "neuen" Internationale angesichts des "Verrats der offiziellen Vertretungen der sozialistischen Parteien der führenden Länder" und ihrer "Abschwenkung auf den Boden der bürgerlich-imperialistischen Politik". Es ist klar, daß es einfach lächerlich wäre, von einer Teilnahme der alten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands oder einer Partei, die sich mit Legien, David und Co. abfindet, an der "neuen" Internationale zu sprechen.

Wie sich dieser Schritt zurück seitens der Gruppe "Internationale" erklären läßt, wissen wir nicht. Der größte Mangel des gesamten revolutionären Marxismus in Deutschland ist das Fehlen einer festgefügten illegalen Organisation, die systematisch ihre Linie verfolgt und die Massen im Geiste der neuen Aufgaben erzieht: eine solche Organisation müßte sowohl dem Opportunismus als auch dem Kautskyanertum gegenüber eine eindeutige Stellung einnehmen. Das ist um so notwendiger, als die deutschen revolutionären Sozialdemokraten jetzt die beiden letzten Tageszeitungen verloren haben die "Bremer Bürger-Zeitung" und den Braunschweiger "VoIksfreund", die beide in die Hände der Kautskyaner übergegangen sind. Nur die Gruppe der "Internationalen Sozialisten Deutschlands" (ISD) bleibt klar und deutlich für alle auf ihrem Posten.

Einige Mitglieder der Gruppe "Internationale" sind anscheinend wieder in den Sumpf des prinzipienlosen Kautskyanertums hinabgeglitten. Ströbel z.B. ist so weit gegangen, in der "Neuen Zeit" Bernstein und Kautsky Komplimente zu machen! Und erst dieser Tage, am 15. Juli 1916, hat er in den Zeitungen unter dem Titel "Pazifismus und Sozialdemokratie" einen Artikel veröffentlicht, in dem er den trivialsten kautskyanischen Pazifismus verteidigt. Was Junius anbetrifft, so wendet er sich in entschiedenster Weise gegen die kautskyanische Projektemacherei hinsichtlich "Abrüstung", "Abschaffung der Geheimdiplomatie" usw. Es ist möglich, daß es in der Gruppe "Internationale" zwei Strömungen gibt: eine revolutionäre und eine schwankende, zum Kautskyanertum neigende.

 

 

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AN CLARA ZETKIN

26. VII. 1918

Sehr geehrte Genossin Zetkin!
Besten und wärmsten Dank für Ihren Brief vom 27. 6., den mir Genossin Herta Gordon gebracht hat. Ich werde alles tun, um der Genossin Gordon zu helfen.
Es freut uns alle in höchstem Maße, daß Sie, Genosse Mehring und andere „Spartakusgenossen" in Deutschland „mit Kopf und Herz mit uns" sind. Das bringt uns Zuversicht, daß beste Elemente der westeuropäischen Arbeiterschaft uns doch - trotz aller Schwierigkeiten - zu Hilfe kommen werden.
Wir erleben hier jetzt vielleicht die schwierigsten Wochen der ganzen Revolution. Der Klassenkampf und Bürgerkrieg sind in die Tiefe der Bevölkerung gegangen: in allen Dörfern Spaltung - Arme für uns, Großbauern wütend gegen uns. Entente hat Tschechoslowaken gekauft, konterrevolutionärer Aufstand tobt, gesamte Bourgeoisie macht alle Anstrengungen, um uns zu stürzen. Wir hoffen jedoch mit Zuversicht, daß wir diesen „gewöhnlichen" (wie 1794 und 1849) Gang der Revolution
vermeiden und die Bourgeoisie besiegen werden.
Mit großer Dankbarkeit, besten Grüßen und wärmster Hochachtung


Ihr Lenin


PS. Meine Frau bittet mich, Sie ganz besonders zu grüßen. An Genossen Hoschka (seine Rede wie Ihren Artikel haben wir übersetzt) wie an alle, alle Freunde beste Grüße!
PS. Man hat mir soeben das neue Staatssiegel gebracht. Hier der Abdruck. Aufschrift heißt: Sozialistische Föderative Sowjetrepublik Rußland.
Proletarier aller Länder, vereinigt euch.


Zuerst veröffentlidht am 21. Januar 1933 in der „Prawda" Nr. 21.

nach dem deutschsprachigen
Manuskript

 

 

Die Helden der Berner Internationale

18. 5. 1919

Lenin, Gesammelte Werke, Band 29, Seite 388

Der Arbeiter aber sagt: Möge die Bourgeoisie ebenfalls mit einer Hungerration auskommen, damit die Werktätigen die Möglichkeit erhalten, sich etwas zu erholen, damit sie nicht zugrunde gehen. Der „Verbrauchskommunismus" ist die Vorbedingung für die Rettung des Arbeiters. Um den Arbeiter zu retten, darf man kein Opfer scheuen! Ein halbes Pfund den Kapitalisten, ein Pfund den Arbeitern - das ist der Weg, auf dem man die Hungerzeit, den Ruin überwinden muß. Der Konsum des ausgehungerten
Arbeiters ist die Grundlage und die Vorbedingung für die Wiederherstellung der Produktion.
Mit vollem Recht warf Clara Zetkin Kautsky vor:
„Es bandelt sich hier um einen Rückfall in die bürgerliche Ökonomie.
Die Produktion ist der Menschen wegen da, nicht umgekehrt."

Genau die gleiche Abhängigkeit von kleinbürgerlichen Vorurteilen offenbart der unabhängige Herr Kautsky, wenn er über den „Kultus der Gewalt" jammert. Als die Bolschewiki schon 1914 erklärten, daß sich der imperialistische Krieg in den Bürgerkrieg verwandeln wird, schwieg Herr Kautsky, der in einer Partei mit David und Co. saß, die diese Voraussicht (und diese Losung) für „Wahnsinn" erklärten. Kautsky hat die Unvermeidlichkeit der Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg absolut nicht begriffen, und weil er das nicht begriffen hat, beschuldigt er jetzt beide im Bürgerkrieg kämpfenden Seiten! Ist das etwa kein Muster reaktionären spießbürgerlichen Stumpfsinns?

 

 

 

IV. Konferenz der Gewerksdhaften und der Betriebskomitees Moskaus

28. Juni 1918

Lenin, Gesammelte Werke, Band 27, Seite 481

Unsere Lage ist um so schwieriger, als die russische Revolution den anderen Revolutionen vorausgeeilt ist. Daß wir aber nicht allein sind, das zeigen uns die fast jeden Tag eintreffenden Nachrichten, die besagen, wie sich die besten deutschen Sozialdemokraten alle für die Bolschewiki aussprechen, wie in der legalen deutschen Presse Clara Zetkin für die Bolschewiki eintritt;

 

 

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BRIEF AN W.W.WOROWSKI
20. IX. 1918

Lenin, Gesammelte Werke, Band 35, Seite 338 - 339


Lieber Genosse!
Die heutige „Prawda" brachte Auszüge aus einem Artikel Kautskys gegen den Bolschewismus (aus der „Sozialistischen Auslandspolitik").
Der schändliche Unsinn, das kindische Gestammel und der platteste Opportunismus Kautskys geben Anlaß zu der Frage: Warum tun wir nichts zum Kampf gegen die theoretische Verflachung des Marxismus durch Kautsky?
Darf man es dulden, daß sogar Menschen wie Mehring und Zetkin sich mehr „moralisch" (wenn man sich so ausdrücken darf) als theoretisch» von Kautsky abgrenzen? Kautsky, so heißt es, hätte wahrhaftig etwas Besseres einfallen können, als jetzt gegen die Bolschewiki zu schreiben.
Ist das etwa ein Argument? Darf man denn so die eigene Position schwächen? Das bedeutet doch nur, Kautsky Waffen in die Hand zu geben!!
Und das, anstatt zu schreiben:
Kautsky hat sowohl die Marxsche Lehre vom Staat
als auch

„ „ „ von der Diktatur des Proletariats,
„ „ „ von der bürgerlichen Demokratie,
„ „ „ vom Parlamentarismus,
„ a a von der Rolle und der Bedeutung der Kommune usw.
absolut nicht verstanden und in rein opportunistischem Sinne entstellt.

Man müßte folgendes tun:
1. eingehend mit den Linken (den Spartakusleuten und anderen) sprechen und sie anregen, in der Presse mit einer prinzipiellen, theoretischen Erklärung aufzutreten, in der erläutert wird, daß Kautsky in der Frage der Diktatur nicht den Marxismus vertritt, sondern plattestes Bernsteinianertum an den Tag legt;
2. möglichst bald meine Arbeit „Staat und Revolution" in deutscher Sprache herausgeben245;
3. sie wenigstens mit einem Vorwort des "Herausgebers versehen, etwa in der Art:
„Der Herausgeber erachtet das Erscheinen dieser Broschüre gerade im gegenwärtigen Augenblick für besonders dringlich in Anbetracht dessen, daß Kautsky in seinen letzten Arbeiten den Marxismus gerade in den hier behandelten Fragen völlig entstellt, den Standpunkt der Diktatur des Proletariats durch einen platten Sozialliberalismus im Geiste Bernsteins und anderer Opportunisten
ersetzt."
4. Wenn es nicht möglich ist, die Broschüre schneE herauszubringen, sollte man in den (linken) Zeituntjen eine Notiz in der Art des „Vorworts des Herausgebers" bringen.

 

Brief an die Arbeiter Europas und Amerikas

21. Januar 1919

Lenin, Gesammelte Werke, Band 28, Seite 442

Als der deutsche „Spartakusbund" mit so weltbekannten und weltberühmten, der Arbeiterklasse so treu ergebenen Führern wie Liebknecht, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Franz Mehring endgültig seine Verbindung mit Sozialisten vom Schlage Scheidemanns und Südekums abbrach, mit diesen Sozialchauvinisten (Sozialisten in Worten, Chauvinisten in der Tat), die durch ihr Bündnis mit der raublüsternen imperialistischen Bourgeoisie Deutschlands und mit Wilhelm II. ewige Schmach auf sich geladen haben, als der „Spartakusbund" den Namen „Kommunistische Partei Deutschlands" annahm, da war die Gründung einer wahrhaft proletarischen, wahrhaft internationalistischen, wahrhaft revolutionären III. Internationale, der Kommunistischen Internationale, Tatsache geworden. Formell ist diese Gründung noch nicht vollzogen, aber faktisch besteht die III. Internationale heute schon.

 

BRIEF AN DAS ZENTRALKOMITEE
DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS
ANLÄSSLICH DER SPALTUNG


An die Genossen Paul Levi, Clara Zetkin, Eberlein sowie an alle
Mitglieder der Zentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands
28.X. 1919


Liebe Freunde! Ich übersandte Ihnen für die Presse einen vom 10. X. 1919 datierten Brief „Gruß den französischen, italienischen und deutschen Kommunisten", in dem ich unter anderem auf Ihre Meinungsverschiedenheiten mit den Boykottanhängern, Halbsyndikalisten usw. einging.
Heute erfahre ich durch den deutschen Regierungsfunk (aus Nauen) von der Spaltung Ihrer Partei. Wenn die Meldung auch aus einer schmutzigen Quelle stammt, so ist sie in diesem Fall wohl doch richtig, denn die Briefe unserer Freunde aus Deutschland sprechen von der Möglichkeit
einer Spaltung.
Nicht sehr glaubhaft an dieser Funkmeldung scheint lediglich, daß Sie mit 25 Stimmen gegen 18 die Minderheit aus der Partei ausgeschlossen haben und daß diese Minderheit dann angeblich ihre eigene Partei gegründet hat. Ich weiß sehr wenig über die Opposition, die sich da abgespalten
hat, ich habe nur einige Nummern der Berliner „Roten Fahne" gesehen. Sehr begabte Agitatoren, unerfahren, jung, ähnlich unseren „linken Kommunisten" von 1918 (was Unerfahrenheit und Jugend betrifft) — das ist mein Eindruck. Wenn man sich in der Hauptsache einig ist (für die Rätemacht, gegen den bürgerlichen Parlamentarismus), so ist eine Vereinigung meiner Ansicht nach möglich und notwendig - ebenso wie der Bruch mit den Kautskyanern notwendig ist. Wenn die Spaltung nicht
zu vermeiden war, muß man sich bemühen, sie nicht zu vertiefen, muß man sich um Vermittlung an das Exekutivkomitee der III. Internationale wenden und die „Linken" veranlassen, in Thesen und in einer Broschüre ihre abweichenden Ansichten zu formulieren. Vom internationalen Standpunkt gesehen, ist die Wiederherstellung der Einheit der Kommunistischen Partei Deutschlands sowohl möglich als auch notwendig. Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen einen Brief zu diesem Thema zu erhalten.
Ich lege auch einen Brief an die Abgespaltenen bei - ich hoffe, Sie werden ihn übermitteln und gleichzeitig meinen Artikel veröffentlichen, der die Richtigkeit Ihres Standpunkts völlig anerkennt und der vor Erhalt der Nachricht über die Spaltung geschrieben wurde.
Ich drücke Ihnen fest die Hand und wünsche Ihnen von ganzem Herzen Erfolg bei Ihrer schweren Arbeit. In der ganzen Welt entwickelt sich die kommunistische Bewegung ausgezeichnet - langsamer, als wir es uns wünschen würden, aber als breite, mächtige, in die Tiefe gehende und unbesiegbare Bewegung. Ebenso wie in Rußland ist überall ein Stadium der Herrschaft der „Menschewiki und Sozialrevolutionäre" (der „II. Internationale") zu beobachten. Auf diese Herrschaft folgt die Herrschaft der Kommunisten und der Sieg der Diktatur des Proletariats und der Sowjetmacht.


Mit kommunistischem Gruß
!N. Lenin
Zuerst veröffentlicht 1932. Nach dem Manuskript

 

Brief an die deutschen Kommunisten

14. August 1921

Lenin, Gesammelte Werke, Band 32, Seite 540 - 541

Gegen diesen allgemeinen und einstimmiggefaßten Beschluß des III. Kongresses versündigt sich meiner Überzeugung nach nicht wenig der Artikel des Gen. K. Radek: „Der III. Weltkongreß
über die Märzaktion und die weitere Taktik" (im Zentralorgan der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands. „Die Rote Fahne" vom 14. und 15. Juli 1921). Dieser Artikel, den mir ein Genosse aus den Kreisen der polnischen Kommunisten zugeschickt hat, ist ohne jede Notwendigkeit..^ und zum direkten Schaden der Sache - nicht hur gegen, Paul Levi zugespitzt (das wäre noch ganz unwichtig), sondern auch gegen Clara Zetkin. Clara Zetkin selbst hat aber in Moskau, während des III. Kongresses, den „Friedensvertrag" mit der Zentrale der Vereinigten
Kommunistischen Partei Deutschlands über eine gemeinschaftliche, unfraktionelle Arbeit geschlossen! Und dieser Vertrag ist von uns allen gebilligt worden. Gen. K. Radek ist in seinem unangebrachten polemischen Übereifer so weit gegangen, daß er eine direkte Unwahrheit sagt, indem er Clara Zetkin unterstellt, sie wolle „jede allgemeine Aktion der Partei . . . auf den Tag verlegen, wo die großen Massen aufstehen werden".
Selbstverständlich erweist Gen. K. Radek mit solchen Methoden Paul Levi einen Dienst, wie dieser ihn sich besser nicht wünschen könnte. Paul Levi will ja gerade, daß sich die Streitigkeiten endlos hinziehen, daß möglichst viele Leute in die Streitigkeiten hineingezogen werden, daß man Clara Zetkin durch polemische Verletzungen des „Friedensvertrags", den sie selber geschlossen hat und der von der ganzen Kommunistischen Internationale gutgeheißen worden ist, von der Partei abzustoßen sucht. Gen. K. Radek hat mit seinem Artikel ein ausgezeichnetes Beispiel dafür geliefert,
wie man „von links" Paul Levi hilft.

 

 

 

 

 

 

(alle Hervorhebungen von der Komintern [SH])