Lenin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lenin, Band 23, Seite 229 - 244

Die Lehren der Revolution

[Geschrieben: der Aufsatz Ende Juli [Mitte August], das Nachwort am 19. (6.) September 1917. Veröffentlicht: der Aufsatz im „Rabotschij", [1] Nr. 8–9, 12.–13. September (30.–31. August), das Nachwort im September 1917 in der Broschüre „Die Lehren der Revolution", Verlag „Priboj" Gezeichnet: in „Rabotschij", Nr. 8: N–kow, in Nr. 9: N. Lenin. Nach Sämtliche Werke, Wien-Berlin 1931, S. 79-96]

 

 

Jede Revolution bedeutet einen jähen Umschwung im Leben gewaltiger Volksmassen. Ist ein solcher Umschwung nicht herangereift, so kann es auch keine richtige Revolution geben. Und wie jeder Umschwung im Leben eines beliebigen Menschen ihn vieles lehrt, ihn vieles erleben und empfinden lässt, so erteilt auch die Revolution dem ganzen Volke in kurzer Zeit die inhaltsreichsten und wertvollsten Lehren.

In der Zeit der Revolution lernen Millionen und aber Millionen Menschen in jeder Woche mehr als in einem Jahre des gewöhnlichen schläfrigen Lebens. Denn bei dem jähen Lebensumschwung eines ganzen Volkes wird besonders klar sichtbar, welche Klassen des Volkes diese oder jene Ziele verfolgen, über welche Kraft sie verfügen, mit welchen Mitteln sie vorgehen.

Jeder klassenbewusste Arbeiter, jeder Soldat, jeder Bauer muss sich aufmerksam in die Lehren der russischen Revolution hineindenken, besonders jetzt, Ende Juli, wo es klar wurde, dass die erste Phase unserer Revolution mit einem Misserfolg geendet hat.

In der Tat, sehen wir zu, was die Massen der Arbeiter und Bauern erstrebten, als sie die Revolution machten? Was erwarteten sie von der Revolution? Man weiß, dass sie Freiheit, Frieden, Brot, Land erwarteten.

Was sehen wir aber jetzt?

Statt der Freiheit beginnt man die frühere Willkür wiederherzustellen. Für die Soldaten an der Front wird die Todesstrafe eingeführt, die Bauern werden vor Gericht gestellt, wenn sie den gutsherrlichen Boden eigenmächtig in Besitz nehmen. Die Druckereien der Arbeiterzeitungen werden zerstört. Die Arbeiterzeitungen werden ohne Gerichtsbeschluss verboten. Die Bolschewiki werden verhaftet, wobei gegen sie oft entweder gar keine oder offenkundig verleumderische Anklagen erhoben werden.

Man wird vielleicht einwenden, dass die Verfolgungen der Bolschewiki keine Verletzung der Freiheit sind, da ja nur bestimmte Personen wegen einer bestimmten Beschuldigung verfolgt werden. Aber dieser Einwand ist eine notorische und offensichtliche Unwahrheit, denn wie kann man wegen Vergehen einzelner Personen, selbst wenn diese Beschuldigungen erwiesen und gerichtlich festgestellt sein sollten, eine Druckerei zerstören und Zeitungen verbieten. Etwas anderes wäre es, wenn die Regierung die ganze Partei der Bolschewiki, ihre Richtung selbst, ihre Auffassungen durch ein Gesetz für verbrecherisch erklärt hätte. Aber jeder weiß, dass die Regierung des freien Russlands nichts dergleichen tun konnte und auch nicht getan hat.

Das Wesentliche ist jetzt, dass die Zeitungen der Grundbesitzer und Kapitalisten die Bolschewiki wütend beschimpften wegen ihres Kampfes gegen den Krieg, gegen die Grundbesitzer und gegen die Kapitalisten und die offene Verhaftung und Verfolgung der Bolschewiki schon zu einer Zeit forderten, wo noch keine einzige Beschuldigung gegen irgendeinen Bolschewik erfunden worden war. Das Volk will Frieden. Die revolutionäre Regierung des freien Russlands aber begann wieder einen Eroberungskrieg zu führen, und zwar auf Grund derselben Geheimverträge, die der frühere Zar Nikolaus II. mit den englischen und den französischen Kapitalisten im Interesse der Plünderung fremder Völker durch die russischen Kapitalisten abgeschlossen hatte. Diese Geheimverträge sind unveröffentlicht geblieben. Die Regierung des freien Russlands hat sich auf Ausflüchte beschränkt, ohne allen Völkern einen gerechten Frieden vorzuschlagen.

Es ist kein Brot da. Wieder rückt der Hunger heran. Alle sehen, dass die Kapitalisten und die Reichen den Staat bei den Heereslieferungen gewissenlos betrügen (der Krieg kostet jetzt dem Volke 50 Millionen Rubel täglich), dass sie durch die hohen Preise unerhörte Profite einstecken, während zu einer ernsten Kontrolle der Produktion und der Verteilung durch die Arbeiter nicht das Geringste getan wurde. Die Kapitalisten werden immer frecher, werfen die Arbeiter auf die Straße, und das zu einer Zeit, wo das Volk darbt, weil keine Waren da sind. Die ungeheure Mehrheit der Bauern hat laut und klar auf einer Reihe von Kongressen erklärt, dass sie das Eigentum der Gutsherren am Grund und Boden für eine Ungerechtigkeit und für Raub halten. Die Regierung aber, die sich revolutionär und demokratisch nennt, führt monatelang die Bauern an der Nase herum und prellt sie mit Versprechungen und Verschleppungen. Monatelang hinderten die Kapitalisten den Minister Tschernow, Verordnungen über das Verbot des Kaufs und Verkaufs von Land zu erlassen. Und als endlich die Verordnung erlassen worden war, erhoben die Kapitalisten eine infame verleumderische Hetze gegen Tschernow und setzen diese Hetze auch jetzt fort.

Die Regierung geht in ihrer Frechheit so weit, dass sie anfängt, die Bauern wegen „eigenmächtiger" Besitzergreifung dem Gericht zu übergeben.

Man führt die Bauern an der Nase herum, indem man ihnen zuredet, bis zur Konstituierenden Versammlung zu warten. Die Einberufung dieser Versammlung aber wird von den Kapitalisten immer wieder verschleppt. Jetzt, wo unter dem Druck der Forderung der Bolschewiki diese Einberufung auf den 30. September festgesetzt worden ist, schreien die Kapitalisten offen, es sei eine „unmöglich" kurze Frist, und verlangen, dass die Einberufung der Konstituierenden Versammlung verschoben wird. Die einflussreichsten Mitglieder der Partei der Kapitalisten und Grundbesitzer, der Kadettenpartei oder der Partei der „Volksfreiheit", zum Beispiel die Panina, propagieren unverblümt die Verschiebung der Einberufung der Konstituierenden Versammlung bis zur Beendigung des Krieges.

Mit dem Grund und Boden wartet bis zur Konstituierenden Versammlung. Mit der Konstituierenden Versammlung wartet bis zum Kriegsende. Mit dem Kriegsende wartet bis zum vollen Sieg. Das also kommt heraus. Die Kapitalisten und Grundbesitzer, die ihre Mehrheit in der Regierung haben, verhöhnen geradezu die Bauern.

Wie konnte das aber in einem freien Lande, nach dem Sturz der zaristischen Macht, geschehen?

In einem unfreien Lande wird das Volk vom Zaren und einem Häuflein Grundherren, Kapitalisten, Beamten regiert, die niemand gewählt hat.

In einem freien Lande wird das Volk nur von denen regiert, die es selbst hierzu gewählt hat. Bei den Wahlen teilt sich das Volk in Parteien, und gewöhnlich bildet jede Klasse der Bevölkerung ihre besondere Partei, zum Beispiel bilden die Grundbesitzer, die Kapitalisten, die Bauern, die Arbeiter besondere Parteien. Die Regierung des Volkes geschieht deshalb in freien Ländern vermittels des offenen Kampfes der Parteien und der freien Vereinbarung dieser Parteien untereinander.

Nach dem Sturz der zaristischen Macht am 27. Februar 1917 wurde Russland im Verlauf von ungefähr vier Monaten wie ein freies Land regiert, nämlich vermittels des offenen Kampfes der sich frei bildenden Parteien und einer freien Vereinbarung zwischen diesen. Um die Entwicklung der russischen Revolution zu begreifen, muss man also vor allem studieren, welches die Hauptparteien waren, die Interessen welcher Klassen sie vertraten und wie die Beziehungen aller dieser Parteien zueinander waren.

Nach dem Sturz der zaristischen Macht ging die Staatsmacht in die Hände der ersten Provisorischen Regierung über. Sie bestand aus Vertretern der Bourgeoisie, d. h. der Kapitalisten, denen sich auch die Grundbesitzer angeschlossen hatten. Die Partei der „Kadetten", die Hauptpartei der Kapitalisten, stand an erster Stelle als die führende und regierende Partei der Bourgeoisie.

Die Macht ist nicht zufällig dieser Partei zugefallen, obwohl natürlich nicht die Kapitalisten gegen die zaristischen Truppen gekämpft, ihr Blut für die Freiheit vergossen haben, sondern die Arbeiter und Bauern, die Matrosen und Soldaten. Die Macht ist deshalb der Partei der Kapitalisten zugefallen, weil diese Klasse die Kraft des Reichtums, der Organisation und des Wissens in den Händen hatte. In der Zeit nach 1905 und besonders während des Krieges hatte die Partei der Kapitalisten und der sich ihnen anschließenden Grundbesitzer in Russland, was ihre Organisation anbelangt, die größten Erfolge zu verzeichnen.

Die Kadettenpartei war immer monarchistisch, sowohl im Jahre 1905 wie in der Zeit von 1905 bis 1917. Nach dem Siege des Volkes über die zaristische Tyrannei erklärte sich diese Partei für republikanisch. Die geschichtliche Erfahrung zeigt, dass, wenn das Volk die Monarchie besiegt hatte, die Parteien der Kapitalisten stets bereit waren, republikanisch zu sein, um nur die Privilegien der Kapitalisten und ihre Allmacht über das Volk aufrecht zu erhalten.

In Worten tritt die Kadettenpartei für „Volksfreiheit" ein, in Wirklichkeit tritt sie für die Kapitalisten ein, und alle Grundbesitzer, alle Monarchisten, alle Schwarzhunderter traten dann auch sogleich auf ihre Seite. Der Beweis dafür sind die Presse und die Wahlen. Alle bürgerlichen Zeitungen und die gesamte Schwarzhunderter-Presse stimmten nach der Revolution in die Melodie der Kadetten ein. Alle monarchistischen Parteien, die es nicht wagten, offen aufzutreten, unterstützten bei den Wahlen, zum Beispiel in Petrograd, die Kadettenpartei.

Nachdem die Kadetten die Regierungsmacht bekommen hatten, richteten sie alle Anstrengungen darauf, den vom Zaren Nikolaus II., der mit den englischen und französischen Kapitalisten geheime Raubverträge geschlossen hatte, begonnenen räuberischen Eroberungskrieg fortzusetzen.

Auf Grund dieser Verträge wurde den russischen Kapitalisten versprochen, im Falle des Sieges von Konstantinopel, von Galizien, von Armenien usw. Besitz zu ergreifen. Dem Volke gegenüber aber beschränkte sich die Regierung der Kadetten auf leere Ausflüchte und Versprechungen, in denen sie alle Entscheidungen über die wichtigen, für die Arbeiter und Bauern notwendigen Angelegenheiten bis zur Einberufung der Konstituierenden Versammlung verschob, ohne jedoch den Termin der Einberufung festzusetzen.

Das Volk begann, die Freiheit ausnützend, sich selbständig zu organisieren. Die Hauptorganisation der Arbeiter und der Bauern, die die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung Russlands ausmachten, waren die Arbeiter-, Bauern- und Soldatendeputiertenräte. Diese Räte begannen sich bereits während der Februarrevolution zu bilden, und einige Wochen später waren in den meisten größeren Städten Russlands und in vielen Landkreisen alle klassenbewussten fortgeschrittenen Elemente der Arbeiterklasse und der Bauernschaft durch die Räte vereinigt.

Die Räte wurden vollkommen frei gewählt. Die Räte waren echte Organisationen der Volksmassen, der Arbeiter und Bauern. Die Räte waren die wirklichen Organisationen der übergroßen Mehrheit des Volkes. Die Arbeiter und Bauern im Soldatenrock waren bewaffnet.

Selbstverständlich konnten und mussten die Räte die ganze Staatsmacht in ihre Hände nehmen. Bis zur Einberufung der Konstituierenden Versammlung dürfte es im Staate keine andere Macht als die der Räte geben. Nur dann wäre unsere Revolution eine wirkliche Volksrevolution, eine wirkliche demokratische Revolution geworden. Nur dann könnten die werktätigen Massen, die wirklich den Frieden erstreben, die wirklich kein Interesse an einem Eroberungskrieg haben, eine Politik einleiten und entschieden und fest durchführen, die dem Eroberungskrieg ein Ende gemacht und zum Frieden geführt hätte. Nur dann könnten die Arbeiter und Bauern die Kapitalisten, die „am Kriege" wahnsinniges Geld verdienen und das Land zur Zerrüttung und Hungersnot brachten, bändigen. Aber in den Räten stand der kleinere Teil der Deputierten auf Seiten der Partei der revolutionären Arbeiter, der bolschewistischen Sozialdemokraten, die die Übergabe der ganzen Staatsmacht in die Hände der Räte forderten. Der größere Teil der Deputierten in den Räten stand auf Seiten der menschewistischen Sozialdemokraten und der Sozialrevolutionäre, die gegen die Übergabe der Macht an die Räte waren.

Statt für die Beseitigung der Regierung der Bourgeoisie und ihre Ersetzung durch eine Regierung der Räte traten diese Parteien ein für eine Unterstützung der Regierung der Bourgeoisie und für das Paktieren mit ihr, für die Bildung einer gemeinsamen Regierung. In dieser Politik des Paktierens jener Parteien mit der Bourgeoisie, denen die Mehrheit des Volkes Vertrauen entgegenbrachte, nämlich der Sozialrevolutionäre und Menschewiki, besteht der Hauptinhalt der ganzen Entwicklung der Revolution in den ganzen fünf Monaten, die seit ihrem Beginn verflossen sind.

Betrachten wir nun zunächst, wie dieses Paktieren der Sozialrevolutionäre und Menschewiki mit der Bourgeoisie vor sich ging, und suchen dann die Erklärung dafür zu finden, warum die Mehrheit des Volkes ihnen Vertrauen schenkte.

Das Paktieren der Menschewiki und Sozialrevolutionäre mit den Kapitalisten geschah in allen Perioden der russischen Revolution bald in der einen, bald in einer anderen Form.

Ende Februar 1917, gleich nachdem das Volk gesiegt hatte und die zaristische Macht gestürzt worden war, wurde Kerenski als „Sozialist", in die Provisorische Regierung der Kapitalisten aufgenommen. In Wirklichkeit ist Kerenski nie Sozialist gewesen, er war bloß Trudowik, und zu den „Sozialrevolutionären" begann er sich erst seit März 1917 zu zählen, wo es bereits nicht mehr gefährlich und auch nicht ohne Vorteil war. Die Provisorische Regierung der Kapitalisten versuchte sofort durch Kerenski, als den stellvertretenden Vorsitzenden des Petrograder Rates, den Rat an sich zu ketten und ihn zu zähmen. Der Rat, d. h. die in ihm überwiegenden Sozialrevolutionäre und Menschewiki, ließ sich zähmen, indem er sich sofort nach der Bildung der Provisorischen Regierung der Kapitalisten bereit erklärte, „sie zu unterstützen", „insofern" sie ihre Versprechungen halten würde.

Der Rat betrachtete sich als Organ, das die Handlungen der Provisorischen Regierung prüft und kontrolliert. Die Führer des Rates errichteten eine sogenannte „Kontaktkommission", d. h. eine Kommission, um mit der Regierung Kontakt, Fühlung zu halten. In dieser Kontaktkommission führten die Sozialrevolutionären und menschewistischen Führer des Rates ständige Unterhandlungen mit der Regierung der Kapitalisten, so dass sie eigentlich die Stellung von Ministern ohne Portefeuille oder nicht-offiziellen Ministern einnahmen.

Den ganzen März und fast den ganzen April hindurch dauerte dieser Zustand an. Die Kapitalisten arbeiteten mit Verschleppungen und Ausflüchten, indem sie Zeit zu gewinnen suchten. Die Regierung der Kapitalisten tat während dieser Zeit keinen einigermaßen ernsten Schritt zur Entwicklung der Revolution. Selbst fürihre direkte unmittelbare Aufgabe, für die Einberufung der Konstituierenden Versammlung tat die Regierung nicht das Geringste, sie gab die Frage nicht an die Provinz weiter, ja sie schuf nicht einmal eine zentrale Kommission zur Vorbereitung der Frage. Die Regierung hatte nur eine Sorge: im Stillen die von dem Zaren mit den Kapitalisten Englands und Frankreichs geschlossenen internationalen Raubverträge zu erneuern, möglichst vorsichtig und unbemerkt die Revolution zu bremsen, alles zu versprechen und nichts zu halten. Die Sozialrevolutionäre und Menschewiki spielten in der „Kontaktkommission" die Rolle von Hausnarren, die man mit üppigen Phrasen, Versprechungen, Vertröstungen fütterte. Wie die Krähe in der bekannten Fabel, unterlagen die Sozialrevolutionäre und Menschewiki den Schmeicheleien, hörten gern die Beteuerungen der Kapitalisten, dass sie die Räte hochschätzten und ohne sie keinen Schritt täten.

In Wirklichkeit verstrich die Zeit, und die Kapitalistenregierung tat nichts für die Revolution. Aber gegen die Revolution brachte sie es in dieser Zeit fertig, die geheimen Raubverträge zu erneuern, richtiger, sie zu bestätigen und durch ergänzende, ebenso geheime Verhandlungen mit den Diplomaten des englisch-französischen Imperialismus zu „beleben". Gegen die Revolution brachte sie es in dieser Zeit fertig, den Grund zu einer konterrevolutionären Organisation (oder wenigstens zu einer Annäherung) der Generale und Offiziere der Feldarmee zu legen. Gegen die Revolution brachte sie es fertig, eine Organisation der Industriellen, Fabrikanten, Werkherren in die Wege zu leiten, die unter dem Druck der Arbeiter gezwungen waren, eine Konzession nach der anderen zu machen, aber gleichzeitig begannen, die Produktion zu sabotieren und, auf eine günstige Gelegenheit wartend, ihre Stilllegung vorzubereiten.

Doch die Organisation der fortgeschrittenen Arbeiter und Bauern in den Räten ging vorwärts. Die Besten der unterdrückten Klassen spürten, dass die Regierung trotz ihrer Verständigung mit dem Petrograder Rat, trotz der Redseligkeit Kerenskis, trotz der „Kontaktkommission", ein Feind des Volkes, ein Feind der Revolution bleibt. Die Massen fühlten, dass, wenn man den Widerstand der Kapitalisten nicht bricht, die Sache des Friedens, die Sache der Freiheit, die Sache der Revolution unausbleiblich verloren sein wird. In den Massen wuchs die Ungeduld und die Erbitterung.

Sie kam am 20.-21. April zum Durchbruch. Die Bewegung brach spontan aus, von niemand vorbereitet. Die Bewegung richtete sich mit einer solchen Schärfe gegen die Regierung, dass ein Regiment sogar bewaffnet aufmarschiert und vor dem Marienpalais erschienen war, um die Minister zu verhaften. Allen wurde es handgreiflich klar, dass die Regierung sich nicht halten kann. Die Räte konnten die Macht ohne den geringsten Widerstand von irgendwelcher Seite übernehmen (und hätten es tun müssen). Statt dessen unterstützten die Sozialrevolutionäre und Menschewiki die fallende Kapitalistenregierung, verstrickten sich noch mehr durch das Paktieren mit ihr, machten noch verhängnisvollere, zum Untergang der Revolution führende Schritte.

Die Revolution lehrt alle Klassen mit einer Schnelligkeit und Gründlichkeit, wie sie in der gewöhnlichen, friedlichen Zeit nie vorkommt. Die Kapitalisten, die am besten organisiert, die in den Dingen des Klassenkampfes und der Politik am erfahrensten sind, haben rascher als die anderen gelernt. Als sie sahen, dass die Stellung der Regierung unhaltbar geworden war, griffen sie zu einer Methode, die während vieler Jahrzehnte nach 1848 von den Kapitalisten der anderen Länder zur Nasführung, Spaltung und Schwächung der Arbeiter praktiziert worden ist. Diese Methode ist das sogenannte „Koalitionsministerium", d. h. ein vereinigtes, aus der Bourgeoisie und den Überläufern des Sozialismus zusammengesetztes, gemeinsames Ministerium.

In den Ländern, wo Freiheit und Demokratie neben der revolutionären Arbeiterbewegung am längsten besteht, in England und Frankreich, haben die Kapitalisten mehrmals und mit großem Erfolg diese Methode angewandt. Die „sozialistischen" Führer, die in das Ministerium der Bourgeoisie eintraten, erwiesen sich unweigerlich als Strohmänner, als Puppen, als Kulisse für die Kapitalisten, als Werkzeug des Arbeiterbetrugs. Die „demokratischen und republikanischen" Kapitalisten Russlands haben dieselbe Methode in Anwendung gebracht. Die Sozialrevolutionäre und Menschewiki ließen sich sofort übers Ohr hauen, und am 6. Mai war das „Koalitions"-Ministerium mit Tschernow, Zeretelli und Co. eine Tatsache.

Die Hausnarren der Sozialrevolutionären und menschewistischen Parteien jubelten, selbstverliebt sich im Glanz des Ministerruhms ihrer Führer sonnend. Die Kapitalisten rieben sich vor Vergnügen die Hände, da sie in der Person der „Räteführer" Gehilfen gegen das Volk für sich fanden, da sie das Versprechen von ihnen erhielten, die „Angriffsaktionen an der Front", d. h. die Wiederaufnahme des schon einmal zum Stillstand gekommenen imperialistischen Raubkrieges, zu unterstützen. Die Kapitalisten kannten die ganze aufgeblasene Ohnmacht dieser Führer, sie wussten, dass die Versprechungen der Bourgeoisie – hinsichtlich der Kontrolle oder sogar Organisierung der Produktion, einer Friedenspolitik und dergleichen mehr – niemals erfüllt werden würden.

So kam es auch. Die zweite Phase in der Entwicklung der Revolution, vom 6. Mai bis zum 9. oder bis zum 18. Juni, hat die Spekulation der Kapitalisten auf die Leichtigkeit, die Sozialrevolutionäre und Menschewiki zum Besten zu halten, vollkommen bestätigt.

Während Plechanow und Skobelew sich und das Volk mit hochtrabenden Phrasen täuschten, man werde den Kapitalisten 100 Prozent des Profits wegnehmen, ihr „Widerstand sei gebrochen" und ähnliches mehr, fahren die Kapitalisten fort, sich zu konsolidieren. Zur Bändigung der Kapitalisten wurde in dieser Zeit in Wirklichkeit nichts, rein gar nichts unternommen. Die Minister aus den Überläufern des Sozialismus erwiesen sich als Schwatzmaschinen, um die Aufmerksamkeit der unterdrückten Klassen abzulenken, während der ganze Apparat der Staatsverwaltung in Wirklichkeit in den Händen der Bürokratie (des Beamtentums) und der Bourgeoisie blieb. Der berüchtigte Paltschinski, der stellvertretende Wirtschaftsminister, war der typische Vertreter dieses Apparats, der jede Maßnahme gegen die Kapitalisten, gleich welcher Art, hinderte. Die Minister schwätzten – alles blieb beim Alten.

Der Minister Zeretelli wurde von der Bourgeoisie besonders zur Bekämpfung der Revolution verwendet. Ihn schickte man, Kronstadt zu „beruhigen", als die dortigen Revolutionäre in ihrer Verwegenheit es wagten, den ernannten Kommissar abzusetzen. Die Bourgeoisie eröffnete in ihren Zeitungen eine ungeheuer lärmende, böswillige, wütende Hetzkampagne voller Lügen und Verleumdungen gegen Kronstadt, gegen das man die Beschuldigung erhob, „sich von Russland lostrennen zu wollen", indem man diese und ähnliche Albernheiten in tausend Variationen wiederholte und das Kleinbürgertum und die Spießer in Angst versetzte. Der typischste Vertreter des bornierten, erschrockenen Philistertums, Zeretelli, ließ sich am „ehrlichsten" in die Falle der bürgerlichen Hetze locken, suchte am eifrigsten Kronstadt „zu beruhigen und kleinzukriegen", ohne seine Rolle eines Lakaien der konterrevolutionären Bourgeoisie zu begreifen. Das Resultat war, dass er das Werkzeug wurde für die Durchführung einer „Vereinbarung" mit dem revolutionären Kronstadt, derzufolge der Kommissar von Kronstadt nicht einfach von der Regierung ernannt, sondern in Kronstadt gewählt und von der Regierung bestätigt werden sollte. Auf derlei jämmerliche Kompromisse verschwendeten die vom Sozialismus zur Bourgeoisie übergelaufenen Minister ihre Zeit.

Wo kein Bourgeois-Minister sich zeigen konnte, um die Regierung zu verteidigen, vor den revolutionären Arbeitern oder in den Räten, da erschien ein „sozialistischer" Minister, Skobelew, Zeretelli, Tschernow usw. (richtiger, dorthin wurde er von der Bourgeoisie geschickt) und verrichtete gewissenhaft das bürgerliche Werk, gab sich alle Mühe, die Regierung zu verteidigen, die Kapitalisten reinzuwaschen, narrte das Volk mit der Wiederholung von Versprechungen, Versprechungen und Versprechungen, mit den Ratschlägen, zu warten, zu warten und zu warten.

Der Minister Tschernow war besonders durch den Kuhhandel mit seinen bürgerlichen Kollegen in Anspruch genommen: bis in den Julimonat hinein, bis zu der dann, nach der Bewegung vom 3. bis 4. Juli, eingetretenen neuen „Krise der Macht", bis zum Austritt der Kadetten aus dem Ministerium war der Minister Tschernow mit der nützlichen, interessanten, das Volk tief angehenden Sache beschäftigt, seine bürgerlichen Kollegen zu „überreden", ihnen ins Gewissen zu reden, damit sie zum Mindesten in ein Verbot des Kaufs und Verkaufs von Grund und Boden einwilligen. Dieses Verbot war in feierlichster Weise den Bauern auf dem allrussischen Kongress (Rat) der Bauerndeputierten in Petrograd versprochen worden. Aber beim Versprechen ist es auch geblieben. Tschernow konnte es weder im Mai noch im Juni erfüllen, er konnte es so lange nicht, bis die revolutionäre Welle des spontanen Ausbruchs am 3.-4. Juli, die mit dem Austritt der Kadetten aus dem Ministerium zusammentraf, die Möglichkeit gab, diese Maßnahme durchzuführen. Aber auch dann blieb diese Maßnahme vereinzelt und war außerstande, den Kampf der Bauernschaft gegen die Grundbesitzer um den Grund und Boden ernstlich zu fördern.

An der Front hatte währenddessen der „revolutionäre Demokrat" Kerenski, das neu gebackene Mitglied der Partei der Sozialrevolutionäre, jene konterrevolutionäre, imperialistische Aufgabe der Erneuerung des imperialistischen Raubkrieges, jene Aufgabe, die der dem Volk verhasste Gutschkow nicht erfüllen konnte, mit Erfolg und Glanz erfüllt. Er berauschte sich an seiner eigenen Beredsamkeit, die Imperialisten, die mit ihm wie mit einer Schachfigur spielten, beweihräucherten ihn, er wurde umschmeichelt, er wurde vergöttert – alles dafür, weil er treu und redlich den Kapitalisten diente, die „revolutionären Truppen" zu überreden suchte, sich zur Wiederaufnahme des Krieges bereitzufinden, der in Ausführung der Verträge des Zaren Nikolaus II. mit den Kapitalisten Englands und Frankreichs geführt wird, damit die russischen Kapitalisten Konstantinopel und Lemberg, Erzerum und Trapezunt bekommen sollen.

So verging die zweite Phase der russischen Revolution, vom 6. Mai bis zum 9. Juni. Die konterrevolutionäre Bourgeoisie erstarkte, konsolidierte sich hinter der Deckung und unter dem Schutze der „sozialistischen" Minister, indem sie die Offensive sowohl gegen den äußeren wie gegen den inneren Feind, d. h. gegen die revolutionären Arbeiter vorbereitete.

Für den 9. Juni bereitete die Partei der revolutionären Arbeiter, der Bolschewiki, eine Demonstration in Petrograd vor, um der unaufhaltsam anwachsenden Unzufriedenheit und Empörung der Massen einen organisierten Ausdruck zu verleihen. Die in Abmachungen mit der Bourgeoisie verstrickten, durch die imperialistische Politik der Offensive gebundenen Sozialrevolutionären und menschewistischen Führer waren entsetzt, da sie den Verlust ihres Einflusses in den Massen spürten. Es erhob sich ein allgemeines Geheul gegen die Demonstration, ein Geheul, das diesmal die konterrevolutionären Kadetten mit den Sozialrevolutionären und den Menschewiki vereinte. Unter ihrer Führung, im Resultat ihrer Politik des Paktierens mit den Kapitalisten, trat ganz ausgeprägt hervor, zeigte sich mit verblüffender Klarheit eine Schwenkung der kleinbürgerlichen Massen zu einem Bündnis mit der konterrevolutionären Bourgeoisie. Darin liegt die historische Bedeutung, darin liegt der Klassensinn der Krise vom 9. Juni.

Die Bolschewiki sagten die Demonstration ab, da sie nicht die geringste Lust hatten, die Arbeiter in einen Verzweiflungskampf gegen die vereinigten Kadetten, Sozialrevolutionäre und Menschewiki zu führen. Doch die letzteren sahen sich, wollten sie noch ein Restchen des Vertrauens der Massen retten, gezwungen, eine allgemeine Demonstration auf den 18. Juni festzusetzen. Die Bourgeoisie war außer sich vor Wut, da sie darin mit Recht ein Schwanken der kleinbürgerlichen Demokratie zum Proletariat hin erblickte, und beschloss, durch die Offensive an der Front die Aktion der Demokratie zu paralysieren.

In der Tat, der 18. Juni brachte einen außerordentlich eindringlichen Sieg der Losungen des revolutionären Proletariats, der Losungen des Bolschewismus unter den Petrograder Massen, und am 19. Juni wurde von der Bourgeoisie und dem Bonapartisten[2] Kerenski feierlich die gerade am 18. Juni begonnene Offensive an der Front verkündet.

Die Offensive bedeutete faktisch die Wiederaufnahme des Raubkrieges im Interesse der Kapitalisten, entgegen dem Willen der ungeheuren Mehrheit der Werktätigen. Mit der Offensive war deshalb unvermeidlich verbunden einerseits eine riesige Verstärkung des Chauvinismus und der Übergang der militärischen (und folglich auch der staatlichen) Macht auf eine Militärbande von Bonapartisten, und anderseits der Übergang zur Vergewaltigung der Massen, zur Verfolgung der Internationalisten, zur Aufhebung der Agitationsfreiheit, zu Verhaftungen und Erschießungen derer, die gegen den Krieg sind.

Hatte der 6. Mai die Sozialrevolutionäre und Menschewiki mit einem Seil an den Siegeswagen der Bourgeoisie gebunden, so hat der 18. Juni sie als Diener der Kapitalisten mit einer Kette angeschmiedet.

Die Erbitterung der Massen infolge des wiederaufgenommenen Raubkrieges wuchs natürlich noch schneller und stärker. Am 3. und 4. Juli erfolgte die Explosion ihrer Empörung, eine Explosion, die die Bolschewiki zurückzuhalten versuchten, und der sie selbstverständlich versuchen mussten, eine möglichst organisierte Form zu verleihen.

Die Sozialrevolutionäre und Menschewiki, als Sklaven der Bourgeoisie, von ihrem Herrn angeschmiedet, waren mit allem einverstanden: mit der Herbeirufung reaktionärer Truppen nach Petrograd, mit der Wiederherstellung der Todesstrafe, mit der Entwaffnung der Arbeiter und der revolutionären Truppen, mit den Verhaftungen, Verfolgungen, den Zeitungsverboten ohne Gerichtsbeschluss. Die Macht, die die Bourgeoisie in der Regierung nicht ganz an sich nehmen konnte und die die Räte nicht übernehmen wollten, die Macht glitt in die Hände der Militärclique, der Bonapartisten, die selbstverständlich von den Kadetten und den Schwarzhundertern, den Grundbesitzern und Kapitalisten unterstützt wurde.

Von Stufe zu Stufe. Nachdem die Sozialrevolutionäre und Menschewiki die schiefe Ebene des Paktierens mit der Bourgeoisie betreten hatten, rutschten sie unaufhaltsam nach unten und liegen nun auf dem Grund. Am 28. Februar versprachen sie im Petrograder Rat der bürgerlichen Regierung die bedingte Unterstützung. Am 6. Mai retteten sie sie vor dem Zusammenbruch und ließen sich in ihre Diener und Verteidiger verwandeln, indem sie der Offensive ihre Zustimmung gaben. Am 9. Juni vereinigten sie sich mit der konterrevolutionären Bourgeoisie in dem gegen das revolutionäre Proletariat gerichteten wütenden Feldzug von Rohheit, Lügen und Verleumdungen. Am 19. Juni billigten sie die begonnene Wiederaufnahme des Raubkrieges. Am 3. Juli willigten sie in die Herbeirufung reaktionärer Truppen ein: der Beginn der endgültigen Übergabe der Macht an die Bonapartisten. Von Stufe zu Stufe.

Dieses schmähliche Ende der Parteien der Sozialrevolutionäre und Menschewiki ist kein Zufall, sondern das durch die Erfahrung Europas mehrfach bestätigte Ergebnis der ökonomischen Lage der Kleinbesitzer, des Kleinbürgertums.

Jeder hat natürlich beobachten können, wie die Kleinbesitzer sich abrackern, wie sie sich anstrengen, um sich „emporzuarbeiten", richtige Besitzer zu werden, zur Stellung des „soliden" Besitzers, zur Stellung der Bourgeoisie empor zu klimmen. Solange der Kapitalismus herrscht, gibt es für die kleinen Besitzer keinen anderen Ausweg: entweder selbst in die Stellung der Kapitalisten gelangen (und das ist im besten Falle für einen kleinen Besitzer unter hundert möglich) oder in die des ruinierten Kleinbesitzers, des Halbproletariers, und dann des Proletariers abwandern. Dasselbe auch in der Politik: die kleinbürgerliche Demokratie, zumal ihre Führerschaft, läuft der Bourgeoisie nach. Die Führer der kleinbürgerlichen Demokratie vertrösten ihre Massen mit Versprechungen und Beteuerungen über die Möglichkeit einer Verständigung mit den Großkapitalisten, im besten Falle erhalten sie von den Kapitalisten Konzessiönchen für eine kleine Oberschicht der werktätigen Massen, aber in allem Entscheidenden, in allem Wichtigen erwies sich die kleinbürgerliche Demokratie stets als Nachläuferin der Bourgeoisie, als ihr ohnmächtiges Anhängsel, als ein gefügiges Werkzeug in den Händen der Finanzkönige. Die Erfahrung Englands und Frankreichs hat dies mehr als einmal bestätigt.

Die Erfahrung der russischen Revolution, wo die Ereignisse besonders unter dem Einfluss des imperialistischen Krieges und der durch ihn hervorgerufenen äußerst tiefgehenden Krise, sich mit ungewöhnlicher Schnelligkeit entwickelte, diese Erfahrung vom Februar bis Juli 1917 hat die alte marxistische Wahrheit von der schwankenden Stellung des Kleinbürgertums außerordentlich schlagend, anschaulich bestätigt.

Die Lehre der russischen Revolution ist: es gibt für die werktätigen Massen keine andere Rettung aus der eisernen Zange des Krieges, der Hungersnot, der Versklavung durch die Grundbesitzer und Kapitalisten, als in dem völligen Bruch mit den Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki, in der klaren Erkenntnis ihrer Verräterrolle, in der Ablehnung irgendwelcher Abmachungen mit der Bourgeoisie, in dem entschlossenen Übergang auf die Seite der revolutionären Arbeiter. Einzig und allein die revolutionären Arbeiter, wenn sie von den armen Bauern unterstützt werden, sind imstande, den Widerstand der Kapitalisten zu brechen, das Volk zur Erkämpfung des Grund und Bodens ohne Ablösung, zur vollständigen Freiheit, zur Besiegung der Hungersnot, zur Besiegung des Krieges, zu einem gerechten und dauerhaften Frieden zu führen.

 

Nachwort

Dieser Artikel ist, wie aus dem Text ersichtlich, Ende Juli geschrieben.

Die Geschichte der Revolution im August hat das im Artikel Ausgeführte vollkommen bestätigt. Ende August brachte dann der Aufstand Kornilows eine neue Wendung der Revolution hervor, indem er dem ganzen Volke anschaulich zeigte, dass die Kadetten im Bunde mit den konterrevolutionären Generalen danach trachten, die Räte auseinanderzujagen und die Monarchie wiederherzustellen. Wie stark diese neue Wendung der Revolution ist, ob es ihr gelingen wird, der verhängnisvollen Politik des Paktierens mit der Bourgeoisie ein Ende zu bereiten, wird die nahe Zukunft lehren.

 

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Anmerkungen

[1] „Rabotschij" (der „Arbeiter") – Zentralorgan der SDAPR (Bolschewiki), das vom 7. September (25. August) bis zum 15. (2.) September an Stelle des verbotenen „Proletarij" erschien. Im ganzen sind, die Abendausgaben mitgerechnet, zwölf Nummern erschienen.

 

[2] Bonapartismus (nach dem Namen der zwei französischen Kaiser Bonaparte) nennt man eine Regierung, die unparteiisch zu scheinen sucht, indem sie den äußerst zugespitzten Kampf der Parteien der Kapitalisten und der Arbeiter gegeneinander ausnützt. In Wirklichkeit den Kapitalisten dienend, betrügt eine solche Regierung am meisten die Arbeiter durch Versprechungen und kleine Almosen.