Schulungstext der Komintern / ML

gegen den Intellektualismus

Die Komintern /ML widmet diesem Kampf gegen den Intellektualismus stets besondere Aufmerksamkeit und der Genosse Wolfgang Eggers hat hier eine kleine , nützliche Zitatensammlung der Klassiker Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha für uns zusammengestellt, die allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.







Lenin

Zitatensammlung über

die bürgerliche / kleinbürgerliche Intelligenz

und der Kampf gegen die intelligenzlerisch - opportunistischen Elemente

II

(1917 – 1923)





Lenin, Briefe aus der Ferne, 12. März 1917:

... unter dem Druck der (...) Massen stehend, ist die Regierung gezwungen, zu lügen, sich zu drehen und zu winden, Zeit zu gewinnen, möglichst viel zu `proklamieren` und zu versprechen (Versprechungen sind das Einzige, was sogar in Zeiten wahnwitziger Teuerung sehr billig ist), möglichst wenig davon durchzuführen, mit der einen Hand Zugeständnisse zu machen und sie mit der anderen wieder zurückzunehmen.

Unter bestimmten Umständen, in dem für sie günstigsten Fall, kann die neue Regierung, gestützt auf alle organisatorischen Fähigkeiten der gesamten russischen Bourgeoisie und der bürgerlichen Intelligenz, den Zusammenbruch etwas hinausschieben. Aber sogar in diesem Falle ist sie nicht imstande, dem Zusammenbruch zu entgehen, denn es ist UNMÖGLICH, sich den Klauen des furchtbaren, vom Weltkapitalismus gezeugten Ungeheurs, des imperialistischen Krieges und der Hungersnot zu entwinden, ohne den Boden der bürgerlichen Verhältnisse zu verlassen, ohne zu revolutionären Maßnahmen überzugehen, ohne an den großen geschichtlichen Heldenmut des russischen und internationalen Proletariats zu appellieren.

Daraus folgt: Wir werden die neue Regierung nicht mit einem Schlag stürzen können, oder wir werden, falls uns das gelingt (in revolutionären Zeiten erweitern sich die Grenzen der Möglichen tausendfach), die Macht nicht behaupten können, wenn wir der ausgezeichneten Organisation der gesamten russischen Bourgeoisie und der gesamten bürgerlichen Intelligenz nicht eine ebenso ausgezeichnete Organisation des Proletariats entgegenstellen, des Proletariats als Führer der ganzen unübersehbaren Masse der armen Bevölkerung in Stadt und Land, der Halbproletarier und der kleinen Eigentümer.“ (Lenin, Band 23, Seite 337).



Lenin, Ein Vortrag über die Revolution von 1905, 9. Januar 1917:

Zum ersten Male hat Russland im Jahre 1825 eine revolutionäre Bewegung gegen den Zarismus gesehen, und diese Bewegung war fast ausschließlich durch die Adligen vertreten. Seitdem und bis zum Jahre 1881, als Alexander der Zweite durch die Terroristen hingerichtet wurde, sind die Intellektuellen aus dem Mittelstand an die Spitze der Bewegung getreten. Sie haben den höchsten Opfermut entwickelt und die ganze Welt durch ihre heldenhafte terroristische Methode des Kampfes in Erstaunen gesetzt. Sicher fielen diese Opfer nicht umsonst, sicher haben sie – sowohl in direkter als auch in indirekter Weise – zur späteren revolutionären Erziehung des russischen Volkes beigetragen. Aber ihr unmittelbares Ziel, das Erwachen einer Volksrevolution, haben sie nicht erreicht und nicht erreichen können.

Erst dem revolutionären Kampfe des Proletariats ist es gelungen. Erst die Wellen des Massenstreiks, indem sie über das ganze Land gingen, im Zusammenhange mit den grauenhaften Lehren des imperialistischen Russisch-Japanischen Krieges, haben die breite Masse der Bauernschaft aus ihrer Lethargie geweckt. Das Wort `Streiker` hat bei den Bauern eine neue Bedeutung bekommen: es hieß annähernd so etwas wie Revell, Revolutionär, was früher durch das Wort `Student` ausgedrückt wurde. Während aber der `Student` dem Mittelstaqnde angehörte, entfremdete er sich dem Volke. Der `Streiker` , der kam selbst aus dem Volke, der gehörte selbst zu den Ausgebeuteten, der kam so oft aufs Land, aus Petersburg ausgewiesen, und erzählte den Dorfgenossen von der Feuersbrunst, die die Städte ergriffen hat und die sich gegen die Adligen sowohl wie gegen die Kapitalisten richtete. Ein neuer Tyypus erschien im russischen Dorfe, der junge Bauer, ein sogenannter `Bewusster` . Er verständigte sich mit den `Streikern` , er las Zeitungen und erzählte den Bauern die Ereignisse in den Städten, er klärte die Dorfgenossen über die Bedeutung der politischen Forderungen auf, er spornte sie zum Kampfe gegen die adligen Großgrundbesitzer, gegen die Pfaffen und die Beamten an.“ (Lenin, Band 23, Seite 250/251).



Lenin, Siebente Gesamtrussische Konferenz der SDAPR (B), 13. Mai 1917:

Ein Genosse brachte eine Resolution mit aus der Provinz (...), in der es hieß, dass die Bauern sich des gutsherrlichen Inventars bemächtigten, es aber nicht nach Höfen verteilen, sondern in Gemeinbesitz überführen. Sie setzen eine gewisse Reihenfolge, eine gewisse Ordnung fest, um mit diesem Inventar alle Ländereien zu bestellen. Bei diesen Maßnahmen gehen sie davon aus, was zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion getan werden muss. Diese Tatsache ist, trotz des Geschreis der Gutsbesitzer und Kapitalisten, das sei Anarchie, von gewaltiger grundsätzlicher Bedeutung. Wenn die Herrschaften schwatzen und schreien, dass das Anarchie sei, und die Bauern würden warten, ja, so wäre das wirklich Anarchie. Die Bauern zeigen, dass sie von den wirtschaftlichen Verhältnissen und der öffentlichen Kontrolle emhr verstehen als die Beamten, dass sie diese Kontrolle hundertmal besser realisieren. Eine solche Maßnahme, die natürlich für ein kleines Dorf leicht durchführbar ist, treibt unvermeidlich zu umfassenderen Maßnahmen. Wenn die Bauern das gelernt haben werden – und sie haben begonnen, es zu lernen, dazu braucht man nicht die Kenntnisse bürgerlicher Professoren -, werden sie selber zu dem Schluss gelangen, dass es notwendig ist, das Inventar nicht nur für die kleinen Wirtschaften, sondern für die Bearbeitung des gesamten Bodens ausnutzen. (...) Wichtig ist nur, dass sie glücklicherweise nicht jene große Zahl kleinbürgerlicher Intellektueller vor sich haben, die sich Marxisten, Sozialdemokraten nennen und mit wichtiger Miene das Volk darüber belehren, dass für die sozialistische Revolution die Zeit noch nicht gekommen sei und dass die Bauern daher jetzt das Land nicht in Besitz nehmen dürften. Zum Glück gibt es in den russischen Dörfern nur wenige solcher Herren, (...) Da wir wissen, dass die Bauern selbst an Ort und Stelle diese Initiative ergriffen haben, so ist es unsere Pflicht und Schuldigkeit, zu sagen, dass wir eine solche Initiative unterstützen und empfehlen. Nur so ist die Gewähr gegeben, dass die Revolution sich nicht auf Maßnahmen formaler Natur beschränkt, dass der Kampf gegen die Krise nicht Gegenstand von Kanzleiberatungen und Schingarjowschen Schreibereien bleibt, sondern dass die Bauern tatsächlich in organisierter Weise vorwärtsschreiten werden im Kampf gegen die Lebensmittelnot und für die Steigerung der Produktion.“ (Lenin, Band 23, Seite 278/279).



Lenin, Werden die Bolschewiki die Staatsmacht behaupten?, 1. Oktober 1917:

Die Lügnermethode der Bourgeoisie besteht darin, dass sie den Sowjets die Macht nicht übergibt, jeden ernsten Schritt der Sowjets sabotiert, die Regierung nicht aus den Händen gibt, die Macht über den Boden und über die Banken usw. behält, dabei aber die Schuld an der Zerrüttung den Sowjets in die Schuhe schiebt! (...)

Der Staat, liebe Leute, ist ein Klassenbegriff. Der Staat ist ein Organ oder eine Maschine der gewaltanwendung einer Klasse gegen eine andere. Solange er eine Maschine der Gewaltanwendung der Bourgeoisie gegen das Proletariat ist, solange kann es nur eine proletarische Losung geben: Zerstörung dieses Staates. Sobald es sich aber um einen proletarischen Staat handelt, um eine Maschine der Gewaltanwendung des Proletariats gegen die Bourgeoisie, sind wir durchaus und uneingeschränkt für eine starke Staatsmacht und für den Zentralismus.“ (Lenin, Band 26, Seite 100).

Die Revolution ist der heftigste, wütendste, erbittertste Klassenkampf und Bürgerkrieg. Keine einzige große Revolution in der Geschichte ist ohne Bürgerkrieg ausgekommen. Dass aber der Bürgerkrieg ohne eine `außerordentlich komplizierte Situation` denkbar sei, kann nur ein Mann im Futteral [Hauptfigur der gleichnamigen Novelle von Tschechow] glauben. Gäbe es keine außerordentlich komplizierte Situation, so gäbe es auch keine Revolution. Wer Wölfe fürchtet, der meide den Wald.“

Ein Gespräch mit einem reichen Ingenieur kurz vor den Julitagen. Der Ingenieur war früher einmal Revolutionär, war Mitglied der sozialdemokratischen, ja sogar der bolschewistischen Partei gewesen. Jetzt ist er die verkörperte Angst, die verkörperte Wut über die rabiaten und nicht zu bändigenden Arbeiter. Ja, wenn es wenigstens noch Arbeiter wären wie die deutschen – meinte er (ein gebildeter Mann, der im Ausland war) -, ich verstehe natürlich die Unausbleiblichkeit der sozialen Revolution überhaupt, aber bei uns, angesichts des durch den Krieg so gesunkenen Niveaus der Arbeiter ..., bei uns ist das keine Revolution, es ist der Abgrund.

Er wäre bereit, die soziale Revolution anzuerkennen, wenn die Geschichte ebenso friedlich, ruhig, glatt und akkurat an die Revolution heranführte, wie ein deutscher D-Zug in die Bahnhofshalle einfährt. Der würdevolle Schaffner öffnet die Wagentür und ruft: `Haltestelle Soziale Revolution. Alles aussteigen!` Warum sollte man da nicht seine Stellung als Ingenieur bei den Tit Titytsch aufgeben und eine Ingenieurstellung bei den Arbeiterorganisationen annehmen? (Lenin, Band 26, Seite 103).

An das Brot hatte ich, ein Mensch, der keine Not kannte, nicht gedacht. Das Brot stellte sich für mich irgendwie von selbst ein, als eine Art Nebenprodukt der schriftstellerischen Arbeit. Zur Grundlage des Ganzen, zum Klassenkampf ums Brot, dringt das Denken durch die politische Analyse auf einem ungewöhnlich komplizierten und verschlungenen Wege vor. Aber ein Vertreter der unterdrückten Klasse, wenn auch einer der gut bezahlten und durchaus intelligenten Arbeiter, packt den Stier bei den Hörnern, mit jener bewundernswerten Einfachheit und Geradheit, mit jener festen Entschlossenheit, mit jener erstaunlichen Klarheit des Blicks, von der wir Intellektuellen himmelweit entfernt sind. Die ganze Welt zerfällt in zwei Lager: `wir`, die Werktätigen, und `sie`, die Ausbeuter.

Keine Spur von Betretenheit aus Anlass des Geschehens: es ist eine der Schlachten im langwierigen Kampf der Arbeit gegen das Kapital. Wo Holz gehauen wird, da fallen Späne.

`Wie qualvoll ist doch diese `außerordentlich komplizierte Situation` der Revolution` - so denkt und fühlt der bürgerliche Intellektuelle.

`Wir haben `sie` unter Druck gesetzt,`sie` wagen nicht, so frech zu sein wie früher. Packen wir noch fester zu, und wir werden sie ganz stürzen` - so denkt und fühlt der Arbeiter.“ (Lenin, Band 26, Seite 104/105).



Lenin, Rede auf dem Ersten Gesamtrussischen Kongress der Kriegsflotte, 15 November 1917:

Die Bourgeoisie und die bürgerlichen Intellektuellenkreise sabotieren die Volksmacht in jeder Weise. Die werktätigen Massen dürfen sich auf niemand anders verlassen, als auf sich selbst.“ (Lenin, Band 26, Seite 338).



Lenin, Rede über die Nationalisierung der Banken, 16. Dezember 1917:

Bei allen Entscheidungen des Rates erklären sie (`Nowaja Shisn`), sie seien mit uns einverstanden, aber nur prinzipiell. Das ist die Methode der bürgerlichen Intelligenz, aller Kompromissler, die mit ihrem ständigen Einverständnis im Prinzip und ihrer Ablehnung in der Praxis alles zu Grunde richten. Wenn ihr alle Dinge so gut kennt und so erfahren seid, warum helft ihr uns dann nicht, warum sehen wir auf unserem schweren Wege eurerseits nichts als Sabotage? Ihr geht von einer richtigen wissenschaftlichen Theorie aus, aber für uns ist die Theorie die Begründung beabsichtigter Handlungen, um uns von ihrer Richtigkeit zu überzeugen, und nicht Grund für lähmende Angst. (...) Wenn die Bücher uns nichts als Hemmnisse und ständige Furcht vor jedem neuen Schritt brächten, dann hätten sie keinerlei Wert. Niemand außer den utopischen Sozialisten hat behauptet, dass man ohne Widerstand, ohne die Diktatur des Proletariats und ohne die alte Welt mit eiserner Hand anzupacken siegen könne. Ihr habt auch diese Diktatur prinzipiell akzeptiert, übersetzt man aber diesen Ausdruck ins Russische, nennt man ihn `eiserne Hand` und wendet das praktisch an, dann weist ihr warnend auf die Kompliziertheit und Verworrenheit der Dinge hin.

Ihr wollt um keinen Preis zugeben, dass diese eiserne Hand, die zerstört, gleichzeitig aufbaut. (...)

Wir werden die Fachleute (...) zur Mitarbeit auffordern, aber erst dann, wenn die Schlüssel in unseren Händen sein werden. Dann werden wir sogar ehemalige Millionäre als Sachverständige beschäftigen können. We arbeiten will – bitte sehr! Ihr dürft nur nicht jedes revolutionäre Beginnen zu einem toten Buchstaben machen, darauf werden wir uns nicht einlassen. Das Wort Diktatur des Proletariats ist für uns ein ernstes Wort, und wir werden sie zur Wirklichkeit machen.“ (Lenin, Band 26, Seite 384 – 386).



Lenin, Durch den Zusammenbruch des Alten Verängstigte, 25. - 28. Dezember 1917:

Die Bolschewiki sind erst zwei Monate an der Macht... (...)

Die historische Perspektive vermögen diejenigen nicht zu verstehen, die erdrückt sind von dem gewohnten Trott des Kapitalismus, die betäubt sind durch den gewaltigen Zusammenbruch des Alten, durch das Krachen und Getöse, durch das `Chaos` (das scheinbare Chaos) des auseinanderfallenden, einstürzenden jahrhundertealten Gebäudes des Zarismus und der Bourgeoisie, diejenigen, die verängstigt sind durch die Tatsache, dass der Klassenkampf sich bis zum Äußersten verschärfte und in den Bürgerkrieg umschlug, den einzigen rechtmäßigen, einzig gerechten, einzig heiligen Krieg, nicht im pfäffischen Sinne, sondern im menschlichen Sinne des Wortes, in den heiligen Krieg der Unterdrückten gegen die Unterdrücker für den Sturz dieser Unterdrücker, für die Befreiung der Werktätigen von jeder Unterdrückung. Im Grunde genommen stehen alle diese niedergedrückten, betäubten, verängstigten Bourgeois, Kleinbürger und `Bedienstete der Bourgeoisie` . Oft ohne sich dessen selbst bewusst zu sein, im Banne jener alten, albernen, sentimentalen, intelligenzlerisch-banalen Vorstellung von der `Einführung des Sozialismus` , die sie vom `Hören-sagen` gewonnen, wobei sie Bruchstücke der sozialistischen Lehre herausgreifen, die Entstellungen dieser Lehre durch Ignoranten und Halbgebildete nachplappern und uns Marxisten den gedanken und sogar den Plan zuschreiben, den Sozialismus `einführen` zu wollen.

Uns Marxisten sind solche Gedanken, geschweige denn Pläne fremd. Wir haben stets gewusst, gesagt und immer wieder gesagt, dass man den Sozialismus nicht `einführen` kann, dass er im Verlauf des angespanntesten, heftigsten, bis zur Raserei, bis zur Verzweiflung zugespitzten Klassenkampfes und Bürgerkriegs heranwächst, dass zwischen dem Kapitalismus und dem Sozialismus eine lange Periode der `Geburtswehen` liegt, dass die Gewalt stets Geburtshelfer der alten Gesellschaft ist, dass der Übergangsperiode von der bürgerlichen zur sozialistischen Gesellschaft ein besonderer Staat entspricht (d.h. Ein besonderes System der organisierten Gewalt über eine bestimmte Klasse), nämlich: die Diktatur des Proletariats. Die Diktatur aber setzt voraus und bedeutet einen Zustand des latenten Krieges, einen Zustand militärischer Kampfmaßnahmen gegen die Gegner der proletarischen Staatsmacht.

Im Grunde genommen ist dieses ganze Intellektuellengeheule über die Unterdrückung des Widerstands der Kapitalisten nichts anderes als ein Überbleibsel der alten `Verständigungspolitik` , um sich `höflich` auszudrücken. Spricht man aber mit proletarischer Offenheit, so muss man sagen: Die fortdauernde Kriecherei vor dem Geldsack – das ist der wirkliche Inhalt des Geheuls gegen die Gewalt, die jetzt (leider noch allzu wenig und nicht energisch genug) von den Arbeitern gegen die Bourgeoisie, gegen die Saboteure, gegen die Konterrevolutionäre angewendet wird. (...)

Habgier, schmutzige, bösartige, tolle Habgier des Geldsacks, Verängstigung und Speichelleckerei seiner Kostgänger – das ist die wirkliche soziale Grundlage des jetzigen Geheuls der jämmerlichen Intelligenzler von der `Retsch` bis zur `Nowaja Shisn` gegen die Gewaltanwendung durch das Proletariat und die revolutionäre Bauernschaft. Das ist die objektive Bedeutung ihres Geheuls, ihres elenden Gestammels, ihres komödiantenhaften Geschreis von der `Freiheit` (der Freiheit der Kapitalisten, das Volk zu unterdrücken) usw. u. dgl. m. Sie wären `bereit`, den Sozialismus anzuerkennen, wenn die Menschheit auf einmal, mit einem effektvollen Sprung zum Sozialismus hinübersetzen könnte, ohne Reibungen, ohne Kampf, ohne Zähneknirschen der Ausbeuter, ohne mannigfaltige Versuche der Ausbeuter, die alte Ordnung zu behaupten oder sie auf Umwegen, heimlich, wieder herzustellen, ohne immer neue `Antworten` der revolutionären proletarischen Gewalt auf solche Versuche. Diese intellektuellen Kostgänger der Bourgeoisie wären `bereit`, den Pelz zu waschen, brauchten sie ihn nur nicht nass zu machen, wie es in dem bekannten deutschen Sprichwort heißt.

Wenn die Bourgeoisie und die Beamten, die Angestellten, die Ärzte, die Ingenieure u.a., die daran gewöhnt sind, ihr zu dienen, zu den äußersten Widerstandsmaßnahmen greifen, so entsetzen sich diese Intelligenzler darüber. Sie zittern vor Angst und erheben ein lauteres Gekreisch über die Notwendigkeit der Rückkehr zur `Verständigungspolitik`. Uns aber, wie auch alle aufrichtigen Freunde der unterdrückten Klasse, können die äußersten Widerstandsmaßnahmen der Ausbeuter nur freuen, denn wir erwarten das Mannbarwerden, das Reifwerden des Proletariats für die Machtausübung nicht vom Zureden und Überreden, nicht von der Schule süßlicher Predigten oder belehrenden Deklamationen, sondern von der Schule des Lebens, von der Schule des Kampfes. Um zur herrschenden Klasse zu werden und die Bourgeoisie endgültig zu besiegen, muss das Proletariat es erlernen, denn auf einmal kann es diese Fähigkeit nirgendwo hernehmen. Lernen aber muss man im Kampf. Lehren kann aber nur ein ernster, hartnäckiger, verzweifelter Kampf. Je erbitterter der Widerstand der Ausbeuter ist, desto energischer, entschlossener, erfolgreicher wird deren Unterdrückung durch die Ausgebeuteten sein. Je mannigfaltiger die Versuche und Anstrengungen der Ausbeuter sein werden, die alte Ordnung zu behaupten, desto schneller wird das Proletariat es lernen, seine Klassenfeinde aus ihren letzten Schlupfwinkeln zu vertreiben, die Wurzeln ihrer Herrschaft zu untergraben, den Boden selbst abzutragen, auf dem die Lohnsklaverei, das Elend der Massen, die Bereicherung und die Unverfrorenheit des Geldsacks gedeihen konnten (und mussten). (...)

Den Sieg werden die Ausgebeuteten davontragen, denn auf ihrer Seite ist das Leben, die Stärke der Zahl, die Stärke der Masse, der unerschöpfliche Kraftquell alles Selbstlosen, Ideellen, Ehrlichen, Vorwärtsstrebenden, alles zum Aufbau des Neuen Erwachenden, die Macht des ganzen gewaltigen Vorrats an Energie und Talenten des sogenannten `einfachen Volkes` , der Arbeiter und Bauern. Ihrer ist der Sieg.“ (Lenin, Band 26, Seite398 – 401).



Lenin, Wie soll man den Wettbewerb organisieren? , 25. - 28. Dezember 1917:

Die Nachläufer und Kostgänger der Bourgeoisie schilderten den Sozialismus als einfürmige, eintönige, graue Staatskaserne. Die Lakaien des Geldsacks, die Soldknechte der Ausbeuter, die Herren bürgerlichen Intellektuellen, `schreckten` mit dem Sozialismus das Volk, das gerade unter dem Kapitalismus zur Zwangsarbeit und zum Kasernendasein, zur übermäßigen, eintönigen Arbeit, zum Hungerdasein und zu entsetzlichem Elend verurteilt ist.“

Natürlich kann diese in der Geschichte der menschheit gewaltigste Ablösung der unfreien Arbeit durch die Arbeit für sich selbst nicht ohne Reibungen, Schwierigkeiten, Konflikte, nicht ohne Gewaltanwendung gegenüber den eingefleischten Schmarotzern und ihrem Anhang vor sich gehen.“ (Lenin, Band 26, Seite 405).

Die Arbeiter und Bauern sind nicht im Geringsten von den sentimentalen Illusionen der Herren Intelligenzler, dieser ganzen haltlosen Bande (...) angesteckt, die sich gegen die Kapitalisten heiser `schrien`, gegen sie `gestikulierten` , sie `verdonnerten` , um zu heulen und sich wie verprügelte junge Hunde zu benehmen, als es zum Handeln, zur Verwiklichung der Drohungen, zur praktischen Durchführung des Sturzes der Kapitalisten kam.“

Die große Sache der Ablösung der unfreien Arbeit durch die Arbeit für sich selbst, durch die in gigantischem, gesamtstaatlichen Maßstab ( in gewissem Grade auch im internationalen, im Weltmaßstab [unterstrichen von der Redaktion]) planmäßig organisierte Arbeit, erfordert außer `militärischen` Maßnahmen zur Unterdrückung des Widerstands der Ausbeuter auch riesige organisatorische Anstrengungen des Proletariats und der armen Bauernschaft.

Die organisatorische Aufgabe ist mit der Aufgabe der schonungslosen militärischen Niederhaltung der Sklavenhalter von gestern (der Kapitalisten) und der Meute ihrer Lakeien, der Herren bürgerlichen Intellektuellen, zu einem untrennbaren Ganzen verflochten. Wir waren immer die Organisatoren und Leiter, wir haben kommandiert – sagen und denken die Sklavenhalter von gestern und ihre Handlanger aus den Reihen der Intellektuellen -, wir wollen es auch weiter bleiben, wir werden dem `einfachen Volk` , den Arbeitern und Bauern, nicht gehorchen, wir werden uns ihnen nicht unterordnen, wir werden unser Wissen in eine Waffe zur Verteidigung der Vorrechte des Geldsacks und der Herrschaft des Kapitals über das Volk verwandeln. So reden, denken und handeln die Bourgeois und die bürgerlichen Intellektuellen. Von ihrem selbstsüchtigen Standpunkt aus ist ihr Verhalten begreiflich: Den Speichelleckern und Kostgängern der Fronherren, den Pfaffen, Amtsschreibern, Beamten, wie sie Gogol schilderte, den `Tellektuellen` , die Belinski hassten, fiel es ebenfalls `schwer` , sich von der Leibeigenschaft zu trennen. Aber die Sache der Ausbeuter und ihres Intellektuellentrosses ist eine aussichtslose Sache. Die Arbeiter und Bauern brechen ihren Widerstand – leider noch nicht entschieden, energisch und rücksichtslos genug – und werden ih endgültig brechen. `Sie` glauben, dass das `einfache Volk` , die `einfachen` Arbeiter und armen Bauern mit der gewaltigen, im weltgeschichtlichen Sinne des Wortes wahrhaft heroischen Aufgabe organisatorischen Charakters, vor die die sozialistische Revolution die Werktätigen gestellt hat, nicht fertig werden. `Ohne uns werden sie nicht auskommen`, trösten sich die Intellektuellen, die gewohnt sind, den Kapitalisten und dem kapitalistischen Staat zu dienen. Ihre dreisten Erwartungen werden sich nicht erfüllen: schon jetzt treten gebildete Menschen hervor, die auf die Seite des Volkes, auf die Seite der Werktätigen übergehen und diesen helfen, den Widerstand der Lakaien des Kapitals zu brechen. (...) Mit dem alten, albernen, unsinnigen, schändlichen und niederträchtigen Vorurteil, nur die sogenannten `höheren Klassen` , nur die Reichen oder diejenigen, die durch die Schule der reichen Klasse gegangen sind, seien imstande, den Staat zu verwalten, den organisatorischen Aufbau der sozialistischen Gesellschaft zu leiten, muss unter allen Umständen aufgeräumt werden. (...) Nein! Die Arbeiter werden keinen Augenblick vergessen, dass ihnen die macht des Wissens not tut. Der ungewöhnliche Drang nach Bildung, den die Arbeiter an den Tag legen, gerade jetzt an den Tag legen, ist ein beweis dafür, dass man sich in dieser Hinsicht im Proletariat keinem Irrtum hingibt noch hingeben kann. Der Arbeit eines Organisators ist aber auch der einfache Arbeiter und Bauer gewachsen, der lesen und schreiben kann, der Menschenkenntnis und praktische Erfahrung besitzt. Unter dem `einfachen Volk` , von dem die bürgerlichen Intellektuellen so hochmütig und geringschätzig reden, gibt es eine Masse solcher Leute. Die Arbeiterklasse und die Bauernschaft sind ein noch unberührter und unversiegbarer Quell solcher Talente“ (Lenin, Band 26, Seite 406(407).

Die Reichen und die Gauner – das sind zwei Seiten ein und derselben Medaille, zwei Hauptarten von Parasiten, die der Kapitalismus großgezogen hat, sie sind die Hauptfeinde des Sozialismus; diese Feinde müssen unter die besondere Aufsicht der ganzen Bevölkerung gestellt werden; gegen sie muss rücksichtslos vorgegangen werden, sobald sie die Regeln und Gesetze der sozialistischen Gesellschaft auch nur im Geringsten übertreten. Jede Schwäche, jedes Schwanken, jede Sentimentalität in dieser Hinsicht wäre das größte Verbrechen am Sozialismus.

Um die sozialistische Gesellschaft von diesen Parasiten zu sichern, muss man eine allgemeine, von Millionen und aber Millionen Arbeitern und Bauern freiwillig, energisch, mit revolutionärem Enthusiasmus unterstützte Rechnungsführung und Kontrolle über die Menge der Arbeit, die Produktion und die Verteilung der Produkte organisieren, die jeder ehrliche, verständige und tüchtige Arbeiter und Bauer durchaus bewältigen kann, der er durchaus gewachsen ist, muss man die aus den Reihen der Arbeiter und Bauern selbst hervorgehenden organisatorischen Talente zum Leben erwecken, muss man unter ihnen den Wettbewerb um organisatorische Erfolge entfachen und im gesamtstaatlichen Maßstab in Gang bringen, müssen die Arbeiter und Bauern klar den Unterschied erkennen zwischen dem notwendigen Ratschlag des gebildeten Menschen und der notwendigen Kontrolle des `einfachen` Arbeiters und Bauern über die Schlamperei, die bei den `Gebildeten` eine so gewöhnliche Erscheinung ist.

Diese Schlamperei, Nachlässigkeit, Unordentlichkeit, Ungenauigkeit, die nervöse Hast, die Neigung, Taten durch Diskussionen, Arbeit durch Gerede zu ersetzen, diese Neigung, alles in der Welt anzufangen und nicht zu Ende zu führen, ist eine jener Eigenschaften der `Gebildeten`, die sie keineswegs aus ihrer schlechten Natur und noch weniger aus Böswilligkeit, sondern aus allen ihren Lebensgewohnheiten, ihren Arbeitsverhältnisse, ihrer Übermüdung, der anormalen Trennung der geistigen Arbeit von der körperlichen usw. usf. ergeben.

Unter den Fehlern, Mägeln, Missgriffen unserer Revolution spielen jene Fehler usw. eine nicht geringe Rolle, die durch diese bedauerlichen – aber im gegebenen Augenblick unvermeidlichen – Eigenschaften der Intellektuellen aus unserer Mitte und durch das Fehlen einer genügenden Kontrolle der Arbeiter über die organisatorische Arbeit der Intellektuellen verursacht werden.

Die Arbeiter und Bauern sind noch `zaghaft`; davon müssen sie sich befreien und werden sie sich z w e i f e l l o s befreien. Ohne Ratschläge, ohne Anleitung durch die Gebildeten, die Intellektuellen, die Fachleute kann man nicht auskommen. Jeder halbwegs verständige Arbeiter und Bauer versteht das sehr gut, und die Intellektuellen in unserer Mitte können sich nicht über Mangel an Aufmerksamkeit und kameradschaftlicher Achtung seitens der Arbeiter und Bauern beklagen. Aber eine Sache sind Ratschläge und Anleitung – eine andere Organisierung der praktischen Rechnungsführung und Kontrolle. Die Intellektuellen geben sehr oft ausgezeichnete Ratschläge und Anleitungen, es ist jedoch geradezu lächerlich, absurd, schändlich, wie `linkisch` , wie unfähig sie sind, diese Ratschläge und Anleitungen durchzuführen und eine p r a k t i s c h e Kontrolle darüber zu schaffen, dass das Wort auch zur Tat werde.

Hier kann man auf keinen Fall o h n e d i e f ü h r e n d e R o l l e der Organisatoren, der Praktiker aus dem `Volke` , aus den Reihen der Arbeiter und werktätigen Bauern auskommen. `Nicht Götter brennen die Tontöpfe!` Diese Wahrheit müssen sich die Arbeiter und Bauern ganz besonders fest einprägen. Sie müssen begreifen, dass jetzt alles auf die Praxis ankommt, dass gerade jener geschichtliche Augenblick eingetreten ist, wo die Theorie in die Praxis umgesetzt wird, durch die Praxis belebt, durch die Praxis korrigiert, durch die Praxis erprobt wird, wo die Marxschen Worte sich besonders bewahrheiten: `Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme` (Marx-Engels, Ausgewählte Briefe, Dietz 1953, Seite 351).

Jeder Schritt der praktischen, wirklichen Zügelung und Beschränkung, der restlosen Erfassung und Überwachung der Reichen und Gauner ist wichtiger als ein Dutzend ausgezeichneter Betrachtungen über den Sozialismus. Denn `grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum`.

Es gilt, einen Wettbewerb der praktischen Organisatoren aus den Reihen der Arbeiter und Bauern untereinander zu organisieren. Jede Schablone und jeder Versuch, von oben her ein Schema festzulegen, wozu die Intellektuellen so sehr neigen, muss bekämpft werden. Mit demokratischem und sozialistischem Zentralismus haben weder die Schablone noch das Festlegen eines Schemas von oben her irgend etwas gemein. Die Einheit im Grundlegenden, im Wichtigsten, im Wesentlichen wird nicht gestört, sondern gesichert durch die Mannigfaltigkeit der Einzelheiten, der lokalen Besonderheiten, der Methoden des Herangehens an die Dinge, der Methode der Durchführung der Kontrolle, der Wege zur Ausrottung und Unschädlichmachung der Parasiten ( der Reichen und Gauner, der Tagediebe und Hysteriker unter der Intelligenz usw. usf.).“

... kein einziger Gauner (auch keiner von denen, die sich vor der Arbeit drücken) darf frei herumspazieren, sondern muss im Gefängnis sitzen oder schwerste Zwangsarbeit verrichten; kein einziger Reicher, der die Regeln und Gesetze des Sozialismus verletzt, darf dem Schicksal des Gauners entgehen, das mit Recht das Schicksal des Reichen werden muss.`Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!` [hervorgehoben von der Redaktion] - das ist das praktische Gebot des Sozialismus.

(...) In welcher Kommune, in welchem Viertel einer großen Stadt, in welcher Fabrik, in welchem Dorf gibt es keine Hungernden, keine Arbeitslosen, keine reichen Müßiggänger, keine Halunken, Lakaien der Bourgeoisie, Saboteure, die sich Intellektuelle nennen“ (Lenin, Band 26, Seite 410 – 413).



Lenin, Außerordentlicher IV. Gesamtrussischer Sowjetkongress, 16. März 1918:

Die Bourgeoisie schreit, die Bolschewiki hätten ja die Armee zersetzt, es sei keine Armee vorhanden, und daran seien die Bolschewiki schuld. Aber werfen wir einen Blick in die Vergangenheit, Genossen, betrachten wir vor allem die Entwicklung unserer Revolution. Wissen Sie denn nicht, dass die Desertion und die Zersetzung in unserer Armee lange vor der Revolution begonnen hat, schon im Jahre 1916, dass jeder, der die Armee gesehen hat, das zugeben muss? Und was hat unsere Bourgeoisie getan, um das zu verhindern? Ist es denn nicht klar, dass die einzige Chance zur Rettung vor den Imperialisten damals in ihren Händen lag, dass sich diese Chance im März und April bot, als die Sowjetorganisationen mit einer einfachen Handbewegung gegen die Bourgeoisie die Macht ergreifen konnten, und wenn die Sowjets damals die Macht ergriffen hätten, wenn die bürgerliche und die kleinbürgerliche Intelligenz“ (Lenin, Band 27, Seite 170).

Der Kongress erkennt die Handlungsweise des Zentralexekutivkomitees und des Rats der Volkskommissare als richtig an, die den Beschluss fassten, diesen unglaublich schweren und demütigenden Gewaltfrieden zu schließen, weil wir keine Armee haben und weil durch den Krieg die Kräfte des Volkes bis aufs Äußerste erschöpft sind, dessen Handlungen von der Bourgeoisie und der bürgerlichen Intelligenz nicht unterstützt, sondern für deren egoistische Klassenzwecke ausgenutzt worden sind.“ (Lenin, Band 27, Seite 189).



Lenin, Entwurf des Artikels `Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht“, 28. März 1918:

Niedergedrückt vom kapitalistischen System, können wir uns gegenwärtig nicht einmal genau vorstellen, welche reichen Kräfte in den Massen der Werktätigen, den mannigfältigen Arbeitskommunen eines großen Staates, in den intellektuellen Kräften stecken, die bisher als willenlose und stumme Vollstrecker der Vorschriften der Kapitalisten arbeiteten, welche Kräfte noch da sind und in der sozialistischen Gesellschaft entfaltet werden können. Unsere Aufgabe besteht lediglich darin, allen diesen Kräften den Weg zu ebnen.“ (Lenin, Band 27, Seite 198).

Das Wichtigste und Aktuelle ist jetzt gerade die Losung der praktischen Arbeit und der Sachlichkeit. Daraus folgt, dass die Heranziehung der bürgerlichen Intelligenz zur Arbeit jetzt eine aktuelle, lösungsreife und notwendige Aufgabe des Tages ist. Es wäre unsinnig bis zur Lächerlichkeit, in dieser Heranziehung irgendeiner Erschütterung der macht, irgendeine Abweichung von den Prinzipien des Sozialismus order irgendein unzulässiges Kompromiss mit der Bourgeoisie zu sehen. Wer eine solche Meinung äußert, würde ohne jeden Sinn Worte wiederholen, die für eine ganz andere Tätigkeitsperiode der revolutionären proletarischen Partei Geltung hatten.

Im Gegenteil, gerade zur Erfüllung unserer revolutionären Aufgaben, gerade damit diese Aufgaben keine Utopie und kein frommer Wunsch bleiben, sondern tatsächlich zur Realität werden, damit sie sofort verwirklicht werden, gerade um dieses Zieles willen müssen wir jetzt die praktische Arbeit und die Sachlichkeit der organisatorischen Arbeit zu unserer ersten, aktuellen und wichtigsten Aufgabe machen. Es kommt jetzt gerade darauf an, von allen Seiten an die praktische Erfahrung jenes Gebäudes heranzugehen, dessen Plan wir bereits längst entworfen haben, für das wir den Boden energisch genug erkämpft und gründlich genug gesichert haben, für das wir in genügender Menge Material zusammengetragen haben und das wir jetzt mit einem Gerüst umgeben, um, die Arbeitsbluse angetan und ohne Angst, unsere Bluse mit allen möglichen Hilfsmaterialien zu beschmutzen, in strenger Befolgung der Anweisungen der Personen, die die praktische Arbeit leiten – an diesem Gebäude zu bauen, zu bauen und abermals zu bauen.“ (Lenin, Band 27, Seite 204).



Lenin, Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht (Schluss), März - April 1918:

Die ganze Eigenart der gegenwärtigen Lage besteht vom Standpunkt vieler, die als Sozialisten gelten möchten, darin, dass die Menschen sich an die abstrakte Gegenüberstellung von Kapitalismus und Sozialismus gewöhnt haben, wobei sie zwischen beiden in tiefsinniger Weise das Wort `Sprung` setzen (manche erinnertensich, was sie bei Engels gelesen haben, und fügten noch tiefsinniger hinzu: `Der Sprung aus dem reiche der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit`[MEW, Band , Seite ]. Dass die Lehrmeister des Sozialismus einen Umschwung unter dem Gesichtswinkel der Wendungen der Weltgeschichte als `Sprung` bezeichneten und dass solche Sprünge Perioden von 10 und vielleicht noch mehr Jahren umfassen, darüber verstehen die meisten sogenannten Sozialisten nicht nachzudenken, die vom Sozialismus `in Büchern gelesen haben`, aber niemals ernstlich in die Sache eingedrungen sind. Natürlich stellt die vielgerühmte `Intelligenz` in solchen Zeiten eine unendliche Zahl von Klageweibern: die einen beweinen die Konstituierende Versammlung, die anderen die bürgerliche Disziplin, die dritten die kapitalistische Ordnung, die vierten den kultivierten Gutsbesitzerm die fünften die imperialistische Großmachtstellung und so weiter und so fort.

Das wirklich Interesannte an der Epoche großer Sprünge besteht darin, dass die Unmenge von Trümmern des Alten, die sich mitunter schneller anhäufen als die Keime des Neuen ( die nicht immer sofort sichtbar werden), die Fähigkeit erfordert, das Wesentliche in der Linie oder in der Kette der Entwicklung herauszugreifen. Es gibt historische Momente. Wo es für den Erfolg der Revolution am wichtigsten ist, möglichst viele Trümmer anzuhäufen, d.h. Möglichst viele alte Einrichtungen zu sprengen; es gibt Zeiten, wo genügend gesprengt worden ist und die `prosaische` (für den kleinbürgerlichen Revolutionär `langweilige`) Arbeit der Säuberung des Bodens von den Trümmern auf die Tagesordnung tritt; es gibt Zeiten, wo die sorgsame Pflege der Keime des Neuen am wichtigsten ist, die unter den Trümmern auf dem vom Schutt noch schlecht gesäuberten Boden hervorsprießen.

Es genügt nicht, Revolutionär und Anhänger des Sozialismus überhaupt zu sein. Man muss es verstehen, in jedem Augenblick jenes besondere Kettenglied zu finden, das mit aller Kraft angepackt werden muss, um die ganze Kette zu halten und den Übergang zum nächsten Kettenglied mit fester Hand vorzubereiten, wobei die Reihenfolge der Glieder, ihre Form, ihre Verkettung, ihr Unterschied voneinander in der historischen Kette der Ereignisse nicht so einfach und nicht so simpel sind wie in einer gewöhnlichen. Von einem Schmied hergestellten Kette

Der Kampf gegen die bürokratische Entstellung der Sowjetorganisation wird durch die Festigung der Verbindung der Sowjets mit dem `Volke`, im Sinne der Werktätigen und Ausgebeuteten, durch die Geschmeidigkeit und Elastizität dieser Verbindung gesichert.(Lenin, Band 27, Seite 264/265).

Eine ungewöhnlich schwere, komplizierte und gefährliche Lage in internationaler Hinsicht; die Notwendigkeit, zu lavieren und sich zurückzuziehen; eine Periode des Abwartens neuer Ausbrüche der Revolution, die qualvoll langsam im Westen heranreift; innerhalb des Landes eine Periode langsamen Aufbaus und schonungslosen `Durchgreifens`, langwierigen und hartnäckigen Kampfes der proletarischen strengen Diszipliniertheit gegen die drohende Elementarkraft kleinbürgerlicher Zügellosigkeit und Anarchie – das sind in Kürze die kennzeichnenden Züge der besonderen Phase der sozialistischen Revolution, wie wir durchmachen. Das ist jenes Glied in der historischen Kette der Ereignisse, das wir jetzt mit aller Kraft anpacken müssen, um auf der Höhe der Aufgabe zu sein bis zum Übergang zu dem nächstfolgenden Glied, das uns anzieht durch seinen besonderen Glanz, den Glanz der Siege der internationalen proletarischen Revolution.

Man versuche, den üblichen, landläufigen Begriff des `Revolutionärs` zu vergleichen mit den Losungen, die sich aus den Besonderheiten des Zeitraums, den wir durchleben, ergeben: lavieren, sich zurückziehen, abwarten, langsam aufbauen, schonungslos durchgreifen, streng disziplinieren, der Zügellosigkeit zu Leibe rücken ... Ist es ein Wunder, dass manche `Revolutionäre`, wenn sie das hören, von edler Entrüstung erfasst werden und anfangen, gegen uns wegen Vergessen der Tradition der Oktoberrevolution, wegen Paktierens mit den bürgerlichen Spezialisten, wegen Kompromissen mit der Bourgeoisie, wegen Kleinbürgerlichkeit, wegen Reformismus usw. usf. `zu wettern`?

Das Pech der Jammerrevolutionäre besteht darin, dass es sogar denen unter ihnen, die sich von den besten Motiven der Welt keiten lassen und sich durch unbedingte Ergebenheit für die Sache des Sozialismus auszeichnen, an Verständnis mangelt für den besonderen und besonders `unangenehmen` Zustand, durch den das rückständige Land unweigerlich hindurch musste, das durch den reaktionären und unseligen Krieg verheert war, das die sozialistische Revolution lange vor den fortgeschritteneren Ländern begonnen hat; - dass es ihnen an Ausdauer mangelt in den schwierigen Augenblicken eines schwierigen Übergangs. Es ist ganz natürlich, dass die `offizielle` Opposition solcher Art gegen unsere Partei von der Partei der `linken Sozialrevolutionäre` ausgeht. Persönliche Ausnahmen von den Gruppen- und Klassentypen sind natürlich vorhanden und werden stets vorhanden sein. Die sozialen Typen aber bleiben. In einem Land mit einer Bevölkerung, in der die Kleineigentümer ein ungeheures Übergewicht über die rein proletarischen Elemente haben, wird unweigerlich der Unterschied zwischen dem proletarischen und dem kleinbürgerlichen Revolutionär hervortreten, und von Zeit zu Zeit äußerst scharf hervortreten. Der kleinbürgerliche Revolutionär wankt und schwankt bei jeder Wendung der Ereignisse, wechselt hin und her von ingrimmigem Revolutionarismus im März 1917 zu Lobliedern auf die `Koalition` im Mai, zum Hass gegen die Bolschewiki (oder zum Beweinen ihres `Abenteuertums`) im Juli, zum ängstlichen Abrücken von ihnen Ende Oktober, zu ihrer Unterstützung im Dezember – und schließlich, im März und April 1918, rämpfen diese Typen am häufigsten geringschätzig die Nase und sagen: `Ich gehöre nicht zu denen, die Hymnen auf die `organische` Arbeit, den Praktizismus und die Allmählichkeit anstimmen.`

Der soziale Ursprung dieser Typen ist der Kleineigentümer, der durch die Schrecken des Krieges, den plötzlichen Ruin, die unerhörten Qualen des Hungers und der Zerrüttung wild geworden ist, der hysterisch hin und her läuft, nach einem Ausweg und nach Rettung suchend, und schwankend zwischen Vertrauen zum Proletariat und seiner Unterstützung einerseits und Anfällen von Verzweiflung [Lenin schreibt auf Seite 249, Band 27 auch von „oft geheuchelter Verzweiflung“ - Anmerkung der Redaktion] andrerseits. Man muss sich klar machen und fest einprägen, dass auf dieser sozialen Basis kein Sozialismus aufgebaut werden kann. Führen kann die werktätigen und ausgebeuteten Massen nur eine Klasse, die ohne Schwankungen ihren Weg geht, nicht kleinmütig wird und auch bei den mühsamsten, schwersten und gefährlichsten Übergängen nicht in Verzweiflung gerät. Hysterische Aufwallung brauchen wir nicht. Wir brauchen den gemessenen Schritt der eisernen Bataillone des Proletariats.“ (Lenin, Band 27, Seite266 – 268).



Lenin, Tagung des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees, 28. April 1918:

Wenn wir, als einzelner Trupp des Weltproletariats, als erste vorgerückt sind, so nicht deshalb, weil dieser Trupp stärker organisiert wäre. Nein , er ist schlechter, schwächer, weniger organisiert als andere, es wäre jedoch die größte Albernheit und Pedanterie, so zu urteilen, wie viele: nun ja, wenn der am besten organisierte Trupp das Werk begonnen hätte, ihm der weniger organisierte Trupp und dann der drittbeste Trupp gefolgt wären, dann wären wir alle bereitwillig Mithelfer der sozialistischen Revolution. Da es aber nun einmal nicht so gegangen ist, wie es im Buch steht [hervorgehoben von der Redaktion], da sich herausgestellt hat, dass der führende Trupp nicht von den anderen Trupps unterstützt wurde, so sei unsere Revolution zum Untergang verurteilt. Wir aber sagen: Nein, unsere Aufgabe ist es, die gesamte Organisation zu ändern, unsere Aufgabe besteht, da wir allein sind, darin, die Revolution zu behaupten, ihr wenigstens eine gewisse festung des Sozialismus zu sichern, wie schwach und wenig ausgedehnt sie auch sein mag, bis die Revolution in den anderen Ländern heranreift, bis die anderen Trupps eintreffen. Wer aber von der Geschichte erwartet, dass sie die sozialistischen Trupps der verschiedenen Länder in strenger Aufeinanderfolge und Planmäßigkeit in bewegung setzt, der hat keine Ahnung von der Revolution, oder aber er lehnt es aus Dummheit ab, die sozialistische Revolution zu unterstützen.“ Lenin, Band 27, Seite 280).

Wenn man uns sagt, dass man die Diktatur des Proletariats in Worten anerkennt, praktisch aber Phrasen zusammenschreibt, so zeigt das eigentlich, dass man von der Diktatur des Proletariats keine Ahnung hat; denn das bedeutet keineswegs bloß den Sturz der Bourgeoisie oder den Sturz der Gutsbesitzer – das hat es in allen Revolutionen gegeben-, unsere Diktatur des Proletariats bedeutet die Sicherung der ordnung, der Disziplin, der Arbeitsproduktivität, der Rechnungsführung und Kontrolle, der proletarischen Sowjetmacht, die fester und standhafter ist als die frühere. Das ist es, was ihr nicht fertigbringt, das ist es, was wir nicht gelernt haben, das ist es, was die Arbeiter brauchen, eben deswegen ist es gut, ihnen einen Spiegel vorzuhalten, wo alle diese Mängel deutlich sichtbar sind.“ (Lenin, Band 27, Seite 290).

(Bucharin) „verschwieg aber, was die Rechnungsführung, die Kontrolle und die Disziplin betrifft. Wie gleicht die Geistesverfassung dieser Menschen, wie gleicht ihre Mentalität den Stimmungen der Kleinbourgeoisie: den Reichen zum Teufel jagen, eine Kontrolle aber braucht man nicht. So sehen sie die Sache; das bezaubert sie und das trennt den klassenbewussten Proletarier von der Kleinbourgeoisie und sogar von den extremsten Revolutionären; das ist es, wenn der Proletarier sagt: Organisieren wir uns, nehmen wir uns zusammen, sonst werden diese Kleineigentümer, von denen es Millionen gibt, uns aus dem Sattel werfen. Hier trennt sich der klassenbewusste Proletarier vom Kleinbürger, hier rückt die Revolution von der Kleinbourgeoisie ab. Und wie blind solche Menschen sind, davon reden sie nicht.“ (Lenin, Band 27, Seite 293).



Lenin, Grundlegende Leitsätze zur Wirtschafts – und Bankpolitik, April 1918:

Praktische Bedingungen, damit die bürgerliche Intelligenz und die Saboteure, die sich willens zeigen, mit der Sowjetmacht zu arbeiten, zur Arbeit herangezogen werden können.“ (Lenin, Band 27, Seite 311).



Lenin, Über „linke“ Kinderei und über Kleinbürgerlichkeit, 5. Mai 1918:

`Der Friedensschluss hat bereits zu einer Verschärfung des Ringens zwischen den imperialistischen Staaten geführt`.

Jawohl, das ist Tatsache. Das ist von entscheidender Bedeutung. Das ist der Grund, weshalb die Gegner des Friedensschlusses objektiv ein Spielzeug in den Händen der Imperialisten waren, in ihre Falle gerieten. Denn solange nicht eine internationale, mehrere Länder umfassende sozialistische Revolution ausgebrochen ist, die so stark ist, dass sie den internationalen Imperialismus besiegen könnte, solange ist es die direkte Pflicht der Sozialisten, die in einem einzelnen (besonders rückständigen) Lande gesiegt haben, keinen Kampf gegen die Giganten des Imperialismus aufzunehmen, dem Kampf aus dem Wege zu gehen, abzuwarten, bis das Ringen der Imperialisten gegeneinander diese noch mehr schwächt und die Revolution in den anderen Ländern noch näher bringt. Diese einfache Wahrheit haben unsere `Linken` im Januar, Februar und März nicht begriffen, sie fürchten sich auch jetzt, sie offen anzuerkennen; sie bricht sich Bahn durch alle ihre verworrenen `einerseits und andererseits`. (Lenin, Band 27, Seite 319).

Kann denn ein Kommunist, der halbwegs die Lebensbedingungen und die Mentalität der werktätigen, ausgebeuteten Massen kennt, auf diesen Standpunkt eines typischen Intellektuellen, eines Kleinbürgers, eines Deklassierten, der wie ein Junker oder Schlachtschitz gesinnt ist, hinabgleiten, der die `Mentalität des Friedens` für `untätig` erklärt, das Herumfuchteln mit dem Pappschwert aber für eine `Tätigkeit`hält?Denn es ist nichts anderes als ein Herumfuchteln mit dem Pappschwert, wenn unsere `Linken` die allgemein bekannte und durch den Krieg in der Ukraine ein übriges Mal bewiesene Tatsache umgehen, dass die durch das dreijährige Gemetzel erschöpften Völker nicht ohne Atempause Krieg führen können, dass ein Krieg, wenn keine Kräfte da sind, um ihn im nationalen Maßstab zu organisieren, durchweg eine Mentalität kleinbesitzerlichen Zerfalls und nicht proletarischer eiserner Disziplin erzeugt.. An der Zeitschrift `Kommunist` sehen wir auf Schritt und Tritt, dass unsere `Linken` keine Ahnung haben von der proletarischen eisernen Disziplin und ihrer Vorbereitung, dass sie völlig durchtränkt sind von der Mentalität des deklassierten kleinbürgerlichen Intellektuellen. (Lenin, Band 27, Seite 320/321).

Unsere Taktik bleibt, wenn wir nicht auf die Schreier hören wollen: abwarten, aufschieben, den Kampf vermeiden, zurückweichen. Wenn wir die Schreier beiseite schieben und uns `zusammennehmen`, eine wirklich eiserne, wirklich proletarische, wirklich kommunistische Disziplin schaffen, dann haben wir ernste Chancen, viele Monate zu gewinnen. Und dann werden wir mit unserem Rückzug, sogar (im schlimmsten der schlimmen Fälle) bis zum Ural, es unserem Verbündeten ( dem internationalen Proletariat) erleichtern, uns zur Hilfe zu kommen und die Strecke `aufzuholen`(um in der Sprache der Sportler zu reden), die den Beginn revolutionärer Explosionen von der Revolution trennt. (Lenin, Band 27, Seite 323). [Hervorhebung von der Redaktion].

Es mangelt bei uns immer noch an der für den Erfolg des Sozialismus notwendigen Schonungslosigkeit, und zwar nicht, weil keine Entschlossenheit da wäre. Entschlossenheit ist bei uns zur Genüge da. Es fehlt jedoch an der Fähigkeit, schnell genug eine genügende Zahl von Spekulanten, Marodeuren und Kapitalisten, die die Ma0nahmen der Sowjetmacht durchkreuzen, dingfest zu machen. Denn diese `Fähigkeit` erlangt man nur durch die Organisierung der Rechnungsführung und Kontrolle! Zweitens fehlt es an der genügenden Festigkeit bei den Gerichten, die, anstatt Schmiergeldnehmer zu erschießen, sie mit einem halbem Jahr Gefängnis bestrafen. Diese unsere Mängel haben die gleiche soziale Wurzel: den Einfluss des kleinbürgerlichen Elements, seine Kraftlosigkeit.“ (Lenin, Band 27, Seite 337).

Ist es etwa nicht klar, dass wir in dieser eigenartigen Lage bestrebt sein müssen,, zweierlei Fehler zu vermeiden, von denen jeder auf seine Art ein kleinbürgerlicher Fehler ist? Einerseits wäre es ein nicht wieder gut zu machender Fehler, wenn man erklären wollte, da das Missverhältnis zwischen unseren ökonomischen `Kräften` und unserer politischen Kraft eine anerkannte Tatsache ist, hätte man `folglich` die Macht nicht ergreifen sollen. So denken `Menschen im Futteral`(„Dr Mann im Futteral“ - Hauptfigur der gleichnamigen Novelle von Tschechow), die vergessen, dass es niemals eine `Übereinstimmung` geben wird, dass es sie in der Entwicklung der Gesellschaft, dass der vollständige Sozialismus nur entstehen wird aus der revolutionären Zusammenarbeit der Proletarier aller Länder , durch eine Reihe von Versuchen – von denen jeder, einzeln genommen, einseitig sein, an einer gewissen Nichtübereinstimmung leiden wird [hervorgehoben von der Redaktion].

Andrerseits wäre es ein ausgesprochener Fehler, den Schreihälsen und Phrasenhelden freies Spiel zu lassen, die sich an `feurigem` Revoluzzertum begeistern, aber unfähig sind zu konsequenten, durchdachten, abgewogenen, auch die schwierigen Übergänge in Rechnung stellenden revolutionären Arbeit.“ (Lenin, Band 27, Seite 338/339).

Jetzt ist die Macht erobert, behauptet, gefestigt in den Händen einer Partei, der Partei des Proletariats, sogar ohne `unzuverlässige Mitläufer`. Jetzt von Paktierertum sprechen, wo nicht die Rede ist und gar nicht die Rede sein kann von einer Teilung der Macht, von einem Verzicht auf die Diktatur der Proletarier gegen die Bourgeoisie, heißt, wie ein Papagei, eingelernte, aber unverstandene Worte einfach wiederholen. Wenn man es `Paktierertum` nennt, dass wir in einer Lage, wo wir das Land verwalten können und müssen, bemüht sind, unter den vom Kapitalismus geschulten Elementen die kulturell am höchsten stehenden, ohne mit Geld zu knausern, heranzuziehen, sie in unseren Dienst zu stellen gegen den kleinbürgerlichen Zerfall, so heißt das, dass man überhaupt unfähig ist, über die ökonomischen Aufgaben des sozialistischen Aufbaus nachzudenken,“ (Lenin, Band 27, Seite 339).

Das ist eine gute Lehre für die Arbeiter, die wissen, dass gerade die Vorhut des Proletariats für die Einführung der Arbeitsdisziplin ist, dass gerade das Kleinbürgertum nichts unversucht lässt, um diese Disziplin zu erschüttern.“ (Lenin, Band 27, Seite 341).

Nur diejenigen sind würdig, sich Kommunisten zu nennen, die verstehen, dass es unmöglich ist, den Sozialismus aufzubauen oder einzuführen, ohne bei den Organisatoren der Trusts zu lernen. Denn der Sozialismus ist keine Erfindung, sondern bedeutet, dass die proletarische Vorhut, die die Macht erobert hat, das, was, die Trusts geschaffen haben, sich zu eigen zu macht und anwendet. Wo sollen wir, die Partei des Proletariats, die Fähigkeit hernehmen, die Großproduktion nach dem Typus der Trusts, als Trusts, zu organisieren, wo sollen wir sie hernehmen, wenn nicht von erstklassigen Fachleuten des Kapitalismus?

Es wäre müßig von uns, sie belehren zu wollen, wenn man sich nicht das kindische Ziel stellen will, bürgerlichen Intellektuellen Sozialismus `beizubringen` : man muss sie nicht belehren, sondern enteignen (was in Russland `entschlossen` genug getan wird), man muss ihre Sabotage brechen, muss sie als Schicht oder Gruppe der Sowjetmacht unterordnen. Wir unsererseits müssen bei ihnen – wenn wir keine Kommunisten im Kindesalter und mit dem Auffassungsvermögen von Kindern sein wollen -, wir müssen bei ihnen lernen und es gibt so manches zu lernen, denn die Partei des Proletariats und die Vorhut des Proletariats hat keine Erfahrung in der selbständigen Organisierung von Riesenbetrieben, die für Dutzende Millionen Menschen arbeiten.“ (Lenin, Band 27, Seite 343).

Bucharin hat bemerkt und hervorgehoben, was es in der Frage des Staates Gemeinsames zwischen einem proletarischen und einem kleinbürgerlichen Revolutionär geben kann. Bucharin hat aber gerade das `nicht bemerkt` , was den einen vom andern trennt.“ (ebenda, Seite 345).



Lenin, Referat über den Kampf gegen die Hungersnot auf der gemeinsamen Sitzung des Gesamtrussischen ZEK, 4. Juni 1918:

Ein ausgetretener Weg ist der Weg der Willfährigkeit gegenüber den Kulaken und Spekulanten; es ist leicht, diesen Weg einzuschlagen und ein verlockendes Bild zu entwerfen. Intellektuelle, die sich Sozialisten nennen, sind bereit, uns solche Bilder an die Wand zu malen, und solche Intellektuellen gibt es wie Sand am Meer. Wir aber sagen euch: Wer mit der Sowjetmacht gehen will, wer sie schätzt und sie als Macht der Werktätigen, als Macht der ausgebeuteten Klasse betrachtet, den rufen wir auf, einen anderen Weg einzuschlagen.“ (Lenin, Band 27, Seite 434).



Lenin, Rede auf dem gesamtrussischen Kongress der internationalistischen Lehrer, 5. Juni 1918:

Gesagt werden muss, dass die Hauptmasse der Intellektuellen des alten Russlands sich als direkter Gegner der Sowjetmacht erweist und dass es zweifellos nicht leicht sein wird,, die dadurch entstehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Der Prozess der Gärung unter den breiten Lehrermassen beginnt eben erst, und die wahren Volkslehrer dürfen sich nicht in der Organisation des Gesamtrussischen Lehrerverbandes abkapseln, sondern müssen voll Zuversicht mit der Propaganda unter die Massen gehen. Dieser Weg führt zum gemeinsamen Kampf des Proletariats und der Lehrerschaft für den Sieg des Sozialismus. (Unter dem Beifall des ganzen Saales verlässt Lenin die Versammlung.); (Lenin, Band 27, Seite 444/445).



Lenin, Rede auf einer Kundgebung im Simonow-Unterbezirk ( Kurzer Zeitungsbericht), 28. Juni 1918:

Die Arbeiterklasse und die Bauernschaft dürfen sich nicht allzusehr auf die Intelligenz verlassen, da viele der Intellektuellen, die zu uns kommen, dauernd auf unseren Sturz warten.“ (Lenin, Band 27, Seite 493).



Lenin, IV. Konferenz der Gewerkschaften und der Betriebskomitees Moskaus, 27. Juni bis 2. Juli 1918:

Diese ganze famose Gesellschaft nutzt die Hungersnot zu einem nochmaligen Versuch aus, den Gutsbesitzern und Kapitalisten wieder zur Macht zu verhelfen. Genossen, die Erfahrungen unserer Revolution bestätigen die Worte, durch die sich die Vertreter des wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und seine Anhänger, stets von den utopischen Sozialisten, von den kleinbürgerlichen Sozialisten, von den intelligenzlerischen Sozialisten, von denschwärmerischen Sozialisten unterscheiden. Intellektuelle, Schwärmer, kleinbürgerliche Sozialisten – sie glaubten, glauben und schwärmen vielleicht noch jetzt davon, dass es gelingen werde, den Sozialismus auf dem Wege der Überzeugung einzuführen.Die Mehrheit des Volkes werde sich überzeugen, und wenn sie sich überzeugt habe, werde die Minderheit sich fügen, die Mehrheit werde abstimmen, und der Sozialismus werde eingeführt werden. (B e i f a l l.) Nein, so glücklich ist die Erde nicht eingerichtet; die Ausbeuter, die Bestien von Gutsbesitzern, die kapitalistische Klasse lassen sich nicht überzeugen. Die sozialistische Revolution bestätigt, was alle gesehen haben – den allergrößten Widerstand der Ausbeuter. Je stärker der Druck der unterjochten Klassen ist, je entschiedener die unterdrückten Bauern und unterdrückten Arbeiter ihre Initiative, ihre selbständige Initiative entfalten, desto wütender wird der Widerstand der Ausbeuter. Und wir durchleben die schwerste, die qualvollste Periode des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus – eine Periode, die unvermeidlich in allen Ländern eine lange Periode sein wird, weil, wie gesagt, die Unterdrücker auf jeden Erfolg der unterdrückten Klasse mit neuen und immer neuen Versuchen des Widerstandes, des Sturzes der Macht der unterdrückten Klasse antworten.“ (Lenin, Band 27, Seite 466/467).

... dass uns niemand zu Hilfe kommen wird, dass aus einer anderen Klasse keine Helfer, sondern Feinde zu uns kommen, dass die Sowjetmacht keine ihr treu ergebene Intelligenz in ihren Dienst hat. Die Intelligenz stellt ihre Erfahrungen und Kenntnisse – das höchste Gut des Menschen – in den Dienst der Ausbeuter und nutzt alles aus, um uns den Sieg über die Ausbeuter zu erschweren; sie wird es so weit bringen, dass Hunderttausende verhungern werden, aber sie wird den Widerstand der Werktätigen nicht brechen. Wir haben niemanden außer der Klasse, mit der wir die Revolution vollbracht haben, der Klasse, mit der wir durch die allerschwerste Zeit hindurchgehen werden – die Industriearbeiterschaft, das städtische und ländliche Proletariat, das die gleiche Sprache spricht, das in Stadt und Land alle Feinde – Kulaken und Reiche – zu besiegen verstehen wird. (...)

Schon mehr als einmal ist es den Arbeitern, den unterdrückten Klassen gelungen, die Macht zu ergreifen, aber noch niemals ist es ihnen gelungen, diese Macht zu behaupten. Dazu ist es nötig, dass die Arbeiter nicht nur über die Fähigkeit verfügen, sich zum heldenhaften Kampf zu erheben und die Ausbeutung abzuschütteln, sondern sie müssen auch zu Organisation, Disziplin und Ausdauer fähig sein, sie müssen urteilsfähig sein, wenn ringsum alles wankt und schwankt, wenn man angegriffen wird, wenn endlose unsinnige Gerüchte durch die Luft schwirren. Eben in solchen Zeiten liegt auf den Betriebskomitees, die in allen Stücken eng mit der breiten Millionenmasse verbunden sind, die gewaltige staatliche Aufgabe, in erster Linie zu einem Organ zur Lenkung des Staatslebens zu werden.

Wenn wir so handeln werden, wenn jedes Betriebskomitee begreifen wird, dass es ein Führer der größten Revolution der Welt ist, dann werden wir den Sozialismus für die ganze Welt erobern!“ (Beifall, der in eine stürmische Ovation übergeht.) ; (Lenin, Band 27, Seite 476 und 477).



Lenin, V. Gesamtrussischer Sowjetkongress, 4. - 10. Juli 1918:

Am Don steht Krasnow, den die russischen Arbeiter in Petrograd großmütig laufen ließen, als er sich stellte und seinen Degen übergab, denn die Vorurteile der Intelligenz sind noch stark, und die Intelligenz protestierte gegen die Todesstrafe. Heute aber möchte ich ein Volksgericht, ein Arbeiter- und Bauerngericht sehen, das Krasnow nicht erschießen würde, so wie er die Arbeiter und Bauern niederknallt. Man sagt uns, wenn die Kommission Dzierzynskis Erschießungen vornimmt, so sei das gut, wenn aber ein Gericht offen vor dem ganzen Volk sagt: dieser ist ein Konterrevolutionär und verdient erschossen zu werden, so sei das schlecht. Leute, die es bis zu solch einer Heuchelei gebracht haben, sind politisch tot. (Beifall). Nein, ein Revolutionär, der nicht heucheln will, kann auf die Todesstrafe nicht verzichten. Es gab keine einzige Revolution und keine einzige Bürgerkriegsepoche, wo es keine Erschießungen gegeben hätte.“ (Lenin, Band 27, Seite 519).



Lenin, Brief an die amerikanischen Arbeiter, 20. August 1918:

Wer die Revolution des Proletariats nur ´unter der Bedingung` ´akzeptiert`, dass sie leicht und glatt vonstatten gehen, dass die Proletarier verschiedener Länder sofort mit einer vereinten Aktion beginnen, dass von vornherein eine Garantie gegen Niederlagen gegeben, dass der Weg der Revolution breit, frei und gerade sei, dass man auf dem Weg zum Siege nicht zeitweise schwerste Opfer bringen, nicht ´in einer belagerten Festung ausharren` oder nicht die schmalsten, ungangbarsten, gewundensten und gefährlichsten Bergpfade erklimmen müsse – der ist kein Revolutionär, der hat sich nicht frei gemacht von der Pedanterie der bürgerlichen Intelligenz, der wird in Wirklichkeit immer wieder in das Lager der konterrevolutionären Bourgeoisie hinabgleiten, wie unsere rechten Sozialrevolutionäre, wie die Menschewiki und sogar (wenn auch seltener) die linken Sozialrevolutionäre.

Ebenso wie die Bourgeoisie lieben es diese Herren, uns das ´Chaos` der Revolution, die ´Zerstörung` der Industrie, die Arbeitslosigkeit und den Brotmangel vorzuhalten. (...) Es ist doch der imperialistische Krieg, der an all diesem Unheil schuld ist. (Lenin, Band 28, Seite 55).

O wie human und gerecht ist doch diese Bourgeoisie! Ihre Diener werfen uns Terror vor ... Die englischen Bourgeois haben ihr 1649, die Franzosen ihr 1793 vergessen. Der Terror war gerecht und berechtigt, als die Bourgeoisie ihn zu ihren Gunsten gegen die Feudalherren anwandte. Der Terror wurde ungeheuerlich und verbrecherisch, als sich die Arbeiter und armen Bauern erdreisteten, ihn gegen die Bourgeoisie anzuwenden! (Lenin, Band 28, Seite 57).

Wir sind unbesiegbar, denn unbesiegbar ist die proletarische Weltrevolution!“ (Lenin, Band 28, Seite 62).



Lenin, Rede auf dem I. Gesamtrussischen Kongress für Bildungswesen, 29. August 1918:

Je höher der kulturelle Stand eines bürgerlichen Staates war, desto raffinierter hat er gelogen, wenn er behauptet, die Schule könnte außerhalb der Politik stehen und der Gesellschaft als Ganzem dienen. In Wirklichkeit war die Schule voll und ganz in ein Werkzeug der Klassenherrschaft der Bourgeoisie verwandelt worden; sie war ganz und gar von bürgerlichem Kastengeist durchtränkt, sie sollte den Kapitalisten gefügige Knechte und tüchtige Arbeiter liefern. Der Krieg hat gezeigt, wie die Wunder der modernen Technik zur Vernichtung von Millionen Arbeitern und zur unermesslichen Bereicherung der am Krieg profitierenden Kapitalisten dienen. Der Krieg ist von innen und außen unterhöhlt worden, denn wir haben die Lügen der Kapitalisten entlarvt und ihr die Wahrheit entgegengestellt. Wir sagen: Unsere Aufgabe auf dem Gebiet des Schulwesens ist gleichfalls der Kampf für den Sturz der Bourgeoisie; wir erklären offen, dass es Lüge und Heuchelei ist zu behaupten, die Schule stehe außerhalb des Lebens, außerhalb der Politik. Was hat die von den höchst gebildeten Repräsentanten der alten bürgerlichen Kultur proklamierte Sabotage gezeigt? Anschaulicher als jeder beliebige Agitator, als alle unsere Reden und Tausende von Broschüren hat die Sabotage gezeigt, dass diese Leute das Wissen als ihr Monopol betrachten und es zu einem Werkzeug ihrer Herrschaft über die sogenannten ´niederen Schichten` machen. Sie haben ihre Bildung ausgenutzt, um den sozialistischen Aufbau zu untergraben, und sind offen gegen die werktätigen Massen aufgetreten. (...)

Ungeachtet des scheinbaren Zerfalls vieler Institutionen und des Frohlockens der sabotierenden Intelligenz, sehen wir, dass die im Kampfe gewonnenen Erfahrungen die Massen gelehrt haben, ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Alle, die nicht in Worten, sondern in der Tat mit dem Volk sympathisieren, der beste Teil der Lehrerschaft, wird zur Hilfe kommen – und darin sehen wir das sichere Unterpfand dafür, dass die Sache des Sozialismus siegen wird.“ (Lenin, Band 28, Seite 74, 75 und 76).



Lenin, Rede in der Festsitzung des Gesamtrussischen Zentralrats und des Moskauer Rats der Gewerkschaften, 6. November 1918:

Dieser Begriff ( proletarische Diktatur) war früher ein unbekanntes Bücherlatein, eine Verbindung schwer verständlicher Wörter. Die Intellektuellen suchten eine Erklärung für diesen Begriff in wissenschaftlichen Büchern, die ihnen jedoch nur eine sehr verschwommene Vorstellung davon gegeben haben, was denn die proletarische Diktatur in Wirklichkeit ist. Und unser Hauptverdienst im vergangenen Jahr besteht darin, dass wir diese Worte aus dem unverständlichen Latein in ein verständliches Russisch übersetzt haben. Die Arbeiterklasse hat sich im vergangenen Jahr nicht mit Philosophierereien beschäftigt, sondern hat die proletarische Diktatur praktisch geschaffen und sie trotz der aufgebrachten Intellektuellengemüter in die Tat umgesetzt. (...)

Es war uns nicht gegeben, all die reichen Erfahrungen, das Wissen und die technische Bildung der bürgerlichen Intelligenz auszunutzen. Mit boshaftem Lächeln hat die Bourgeoisie den Bolschewiki prophezeit, dass sich die Sowjetmacht kaum zwei Wochen halten werde; sie hat sich deshalb nicht nur davor gedrückt, ihre Arbeit weiter zu verrichten, sondern hat sich auch überall, wo sie nur konnte, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln der neuen Bewegung, dem neuen Aufbau widersetzt. Der die ganze alte Lebensweise zerbrach.

Die Bourgeoisie hat bei weitem nicht ihren Widerstand aufgegeben. Ihre Erbitterung wächst mit jedem Tag, sie wächst um so schneller, je mehr wir uns dem Ende der alten kapitalistischen Welt nähern. Im Zusammenhang damit, dass der Bolschewismus erstarkt und sich im Weltmaßstab entwickelt, hat sich die internationale Lage jetzt so gestaltet, dass gegen die Sowjetrepublik eine Allianz der Imperialisten aller Spielarten aufmarschieren kann und der Widerstand der Bourgeoisie aus einem nationalen zu einem internationalen wird.“ (Lenin, Band 28, Seite 123/124).



Lenin, VI. Gesamtrussischer Außerordentlicher Sowjetkongress, 9. November 1918:

Die Stellung der Gewerkschaften ist eine andere geworden. (...) Diese Organisationen machten sich an die Arbeit ohne die Hilfe all jener Intellektueller, die es sich von Anfang an zur Aufgabe gemacht hatten, ihre Kenntnisse und ihre Hochschulbildung – dieses Resultat des von der Menschheit erworbenen Wissens – dazu auszunutzen, die Sache des Sozialismus zu hintertreiben und zu verhindern, dass die Wissenschaft den Massen beim Aufbau der gesellschaftlichen Wirtschaft, der Volkswirtschaft, ohne Ausbeuter helfe. Diese Leute machten es sich zur Aufgabe, die Wissenschaft auszunutzen, um den Arbeitern, die die Verwaltungsarbeit, eine Arbeit, zu der sie am wenigsten vorbereitet waren, in Angriff nahmen, Knüppel zwischen die Beine zu werfen und ihnen Hindernisse in den Weg zu legen. Wir können sagen, dass das Haupthindernis beseitigt ist. Das war ungeheur schwer. Die Sabotage aller zur Bourgeoisie tendierenden Elemente ist gebrochen. Trotz der gewaltigen Hindernisse ist es den Arbeitern gelungen, diesen wichtigsten Schritt zu tun, wodurch das Fundament für den Sozialismus gelegt wurde. Wir übertreiben keineswegs und fürchten uns nicht, die Wahrheit zu sagen. Gewiss, es ist wenig getan worden vom Standpunkt der Erreichung des Endziels, aber viel, ungewöhnlich viel vom Standpunkt der Festigung des Fundaments. Wenn man vom Sozialismus spricht, so darf man von einem bewussten Aufbau des Fundaments durch die breitesten Arbeitermassen nicht in dem Sinne sprechen, dass sie zu den Büchern gegriffen, Broschüren gelesen hätten, sondern das Bewusstseinsmoment besteht hier darin, dass sie mit eigener Energie, mit eigenen Händen an das außerordentlich schwierige Werk herangegangen sind. Sie haben tausend Fehler gemacht, unter jedem Fehler haben sie selbst gelitten, und jeder Fehler hat sie gehärtet und gestählt in ihrer Arbeit bei der Organisierung der Verwaltung der Industrie, die heute geschaffen ist und nun auf festem Boden ruht. Sie haben ihre Arbeit zu Ende geführt. Jetzt wird diese Arbeit anders vonstatten gehen als damals; heute weiß es die ganze Masse der Arbeiterschaft, wissen es nicht nur die Führer und Vorkämpfer, sondern tatsächlich die breitesten Schichten, dass sie selbst mit eigenen Händen den Sozialismus aufbauen, dass sie das Fundament errichtet haben und dass keine Macht im Lande sie daran hindern kann, dieses Werk zu Ende zu führen. (...) Und daher beschränken wir uns darauf, was im Interesse der Entfaltung der Revolution absolut notwendig ist: auf keinen Fall der Entwicklung der Massen vorauseilen, sondern abwarten, bis die Vorwärtsentwicklung aus der eigenen Erfahrung dieser Massen, aus ihrem eigenen Kampf hervorgeht.“ (Lenin, Band 28, Seite 132/133).



Lenin, Versammlung der Moskauer Parteiarbeiter, 5. und 6. Dezember 1918:

Sehr im Irrtum wäre jeder, dem es einfiel, auf unsere Tage die Losung unseres revolutionären Kampfes aus jener Periode zu übertragen, als zwischen uns keinerlei Versöhnung möglich war, als das Kleinbürgertum gegen uns eingestellt war, als unsere unbeugsame Haltung von uns die Anwendung des Terrors forderte. Jetzt wäre das nicht Unbeugsamkeit, sondern einfach Dummheit, ungenügendes Verständnis für die Taktik des Marxismus. Als wir den Brester Frieden schließen mussten, schien dieser Schritt vom beschränkt-patriotischen Gesichtspunkt aus ein Verrat an Russland zu sein; vom Gesichtspunkt der Weltrevolution aus gesehen aber war es ein richtiger strategischer Schritt, der der Weltrevolution am meisten geholfen hat. Die Weltrevolution ist gerade jetzt ausgebrochen, wo die Sowjetmacht zum Vertreter des ganzen Volkes geworden ist. Und obwohl die kleinbürgerliche Demokratie immer noch schwankt, sind ihre Illusionen jetzt untergraben.“ [unterstrichen von der Redaktion]. (Lenin, Band 28, Seite 208).

(Die kleinbürgerliche Intelligenz ) „sie schwankt, aber wir brauchen sie ebenfalls für unsere sozialistische Umgestaltung. Wir wissen, dass man den Sozialismus nur aus Elementen der großkapitalistischen Kultur aufbauen kann, und die Intelligenz ist ein solches Element. Wenn wir sie schonungslos bekämpfen mussten, so nicht, weil der Kommunismus und dazu verpflichtete, sondern der Gang der Ereignisse, der alle `Demokraten` und alle in die bürgerliche Demokratie Verliebten von uns abstieß. Jetzt besteht die Möglichkeit, diese Intelligenz für den Sozialismus auszunutzen, die Intelligenz, die nicht sozialistisch ist, die niemals kommunistisch sein wird, die aber jetzt durch den objektiven Gang der Ereignisse und das Kräfteverhältnis uns gegenüber netral und gutnachbarlich gestimmt ist. Auf die Intelligenz stützen werden wir uns niemals, wir werden uns nur auf den Vortrupp des Proletariats stützen, der alle Proletarier und die gesamte Dorfarmut voranführt. Eine andere Stütze kann es für die Kommunistische Partei nicht geben. Aber eine Sache ist es, sich auf die Klasse zu stützen, welche die Diktatur verkörpert, und eine andere, über die anderen Klassen zu herrschen.“ (...) [hervorgehoben von der Redaktion] Allein das Proletariat kann herrschen.“

Wir müssen sagen: Die Macht bleibt bei derselben Klasse. Unsere Losung in Bezug auf die kleinbürgerliche Demokratie war Verständigung, man hatte uns aber zum Terror gezwungen. Wenn ihr wirklich mit uns in gutnachbarschaftlichen Beziehungen leben wollt, dann seid so gut, ihr Herren Genossenschaftler und Intellektuellen, diese oder jene Aufträge zu erfüllen. Wenn ihr diese Aufträge nicht erfüllt, so verstoßt ihr gegen das Gesetz, so seif ihr unsere Feinde, und wir werden euch bekämpfen. Steht ihr aber auf dem Boden gutnachbarschaftlicher Beziehungen und erfüllt ihr diese Aufträge, so ist das für uns vollauf genug. Wir haben eine feste Stütze. Dass ihr schlapp seid, daran haben wir nie gezweifelt. Doch dass wir euch vrauchen, das bestreiten wir nicht, denn ihr seid das einzige gebildete Element.

Müssten wir den Sozialismus nicht aus Elementen aufbauen, die uns der Kapitalismus als Erbe hinterlassen hat, so wäre die Aufgabe leicht. Doch eben darin liegt ja die Schwierigkeit des sozialistischen Aufbaus, dass wir den Sozialismus aus Elementen aufbauen müssen, die vom Kapitalismus durch und durch verdorben sind. Darin eben liegt die Schwierigkeit des Übergangs, dass er mit der Diktatur verbunden ist, die nur von einer Klasse – dem Proletariat – ausgeübt werden kann.

Wir müssen uns zur Intelligenz so verhalten, wie Marx im Hinblick auf die Angestellten der Pariser Kommune sagte, dass jeder Arbeitgeber die rechten Gehilfen und Buchhalter zu finden und, falls diese sich irren, ihre Fehler zu korrigieren weiß; sollten sie aber nichts taugen, so ersetzt er sie durch neue, bessere.

Wir können die Macht nicht aufbauen, wenn ein solches Erbe der kapitalistischen Kultur wie die Intelligenz nicht ausgenutzt wird. (...) Hier muss das klassenbewusste Proletariat begreifen, dass herrschen nicht bedeutet, alle diese Aufgaben selber zu bewältigen. (Lenin, Band 28, Seite 210/211 und 212).

Die westeuropäische Revolution – die unser Vorbild nachzuahmen beginnt, muss uns stärken. Wir müssen die eingetretenen Veränderungen berücksichtigen, müssen alle Elemente berücksichtigen, ohne uns irgendwelchen Illusionen hinzugeben, wohl wissend, dass die Schwankenden weiter schwanken werden, solange die sozialistische Weltrevolution nicht völlig gesiegt hat. (Lenin, Band 28, Seite 213); [ hervorgehoben von der Redaktion ].

Ein jeder weiß, dass sich unter den `freunden` des Bolschewismus, seit wir gesiegt haben, viele Feinde befinden. Häufig schleichen sich bei uns völlig unzuverlässige, betrügerische Elemente ein, die politisch schwanken, die uns verraten und verkaufen. Das wissen wir sehr gut, doch ändert sich dadurch unsere Einstellung nicht. Das ist geschichtlich unvermeidlich. Wenn die Menschewiki uns vorhalten, unter den Sowjetangestellten geben es eine Menge Elöemente, die sich eingeschlichen haben und denen es selbst im zivilrechtlichen Sinne an Ehrlichkeit gebricht, so entgegnen wir ihnen:

Wo sollen wir denn bessere hernehmen, was sollen wir tun, damit die besten Menschen sofort an uns zu glauben beginnen? Eine Revolution, die auf einen Schlag siegen und überzeugen könnte, die auf einen Schlag veranlassen könnte, an sie zu glauben, eine solche Revolution gibt es nicht. Die Revolution beginnt in einem Lande, in anderen Ländern aber glaubt man nicht an sie. Unsere Revolution hält man dort für einen Alpdruck, ein Chaos, und von unseren organisierten `chaotischen` Versammlungen, die bei uns Sowjets genannt werden, verspricht man sich in anderen Ländern nichts. Das ist durchaus normal. Wir mussten uns viel erkämpfen. Wenn man also sagt: Mit Chintschuk muss man vernünftige Vereinbarungen treffen – er versteht es, Läden einzurichten -, so sage ich: Auch mit den anderen müsst ihr Vereinbarungen treffen, nehmt die Kleinbürger, die vielerlei tun können.

Wenn wir diese Losung `Trefft Vereinbarungen` draußen im Land allen ins Bewusstsein hämmern, wenn wir begreifen, dass eine neue Klasse zur Macht erwacht, dass Menschen die Verwaltung in die hand nehmen, die die etwas mit einer so komplizierten Sache zu tun hatten und die natürlich Fehler begehen – dann geraten wir nicht in Verlegenheit. Wir wissen, dass man nicht fehlerlos leiten kann. Aber außer Fehlern sehen wir, wie manch einer in stümperhafter Weise von der Macht nur als Macht Gebrauch macht, wenn er sagt: Ich bin an der Macht, ich habe angeordnet, und du hast zu gehorchen. Wir sagen: In Bezug auf eine ganze Reihe von Elementen der kleinbürgerlichen Demokratie, der Gewerkschaften, der Bauern und Genossenschaftler darf man sich nicht an diese Losung halten, sie hört jetzt auf, notwendig zu sein. Darum ist es vernünftiger, mit der kleinbürgerlichen Demokratie, insbesondere mit der Intelligenz, Vereinbarungen zu treffen – das ist unsere Aufgabe. Natürlich werden wir die Vereinbarungen auf unserer Plattform treffen, wir werden dies als Staatsmacht tun.“ (Lenin, Band 28, Seite 217/218), (...) „ Wer glaubt, dass wir von den Positionen, die wir errungen haben, auch nur ein Hundertstel oder ein Tausendstel abtreten – ist im Irrtum. Wir werden keinen Fingerbreit abgeben.“ (ebenda, Seite 219).



Lenin, Wervolle Eingeständnisse Pitirim Sorokins, 20. November 1918:

Die bürgerlichen Intellektuellen fürchten wir nicht, und gegen die böswilligen Saboteure und Weißgardisten unter ihnen werden wir keinen Augenblick lang den Kampf abschwächen. Aber die Losung des Tages ist, die Wendung in ihren Reihen zu uns hin auszunutzen verstehen. Es gibt bei uns noch eine ganze Menge übelster Vertreter der bürgerlichen Intelligenz, die sich bei der Sowjetmacht `angebiedert` haben: sie davonjagen, sie durch Intellektuelle ersetzen, die uns gestern noch ganz bewusst feindlich gesinnt waren und sich heute bloß neutralk verhalten, ist eine unserer dringendsten Aufgaben, die Aufgabe sämtlicher Sowjetfunktionäre, die mit der ´Intelligenz´ in Berührung kommen, die Aufgabe aller Agitatoren, Propagandisten und Organisatoren.“ (Lenin, Band 28, Seite 187).



Lenin, Rede auf dem II. Gesamtrussischen Kongress der Volkswirtschaftsräte, 26. Dezember 1918:

Darum werden wir jeden Versuch, das praktische Handeln durch Erörterungen zu ersetzen, die nichts anderes sind als verkörperte Kurzsichtigkeit, schlimmsten Stumpfsinn und Intellektuellendünkel, rücksichtslos nach den Bestimmungen des Kriegsrechts verfolgen (Stürmischer Beifall). (Lenin, Band 28, Seite 387).



Lenin, Ein kleines Bild zur Klärung großer Fragen, Ende 1918/ Anfang 1919:

Wer einen Menschewiki als Sozialisten oder als politischen Leiter oder auch nur als politischen Berater empfehlen wollte, der würde einen ungeheuren Fehler begehen, denn die Geschichte der Revolution in Russland hat endgültig bewiesen, dass die Menschewiki (und die Sozialrevolutionäre) keine Sozialisten, sondern kleinbürgerliche Demokraten sind, die fähig sind, bei jeder ernsten Verschärfung des Klassenkampfes zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie auf die Seite der Bourgeoisie überzugehen. Aber die kleinbürgerliche Demokratie ist kein zufälliges politisches Gebilde, nicht irgendeine Ausnahme, sondern ein notwendiges Produkt des Kapitalismus, wobei nicht nur die alte, vorkapitalistische, ökonomische reaktionäre Mittelbauernschaft `Lieferent` dieser Demokratie ist, sondern auch die in ihrer Kultur kapitalistische, auf dem Boden des Großkapitalismus aufwachsende Genossenschaft, die Intelligenz usw. Haben es doch sogar rückständigen Russland neben den Kolupajew und Rasuwajew Kapitalisten gefunden, welche es verstanden, die kulturell entwickelte menschewistische, sozialrevolutionäre und parteilose Intelligenz in ihren Dienst zu stellen. Sollten wir etwa dümmer sein als diese Kapitalisten und es nicht verstehen, ein solches `Baumaterial` für den Aufbau des kommunistischen Russlands auszunutzen?“ (Lenin, Band 28, Seite 397/398).



Lenin, Referat auf dem II. Gesamtrussischen Gewerkschaftskongress, 22. und 24. Januar 1919:

Es gibt kein einziges Land, wo die Herren Adligen sich nicht über die Emporkömmlinge aus der Bourgeoisie und dem Mittelstand lustig gemacht hätten, die sich unterfingen, die Staatsgeschäfte zu führen. Natürlich macht sich jetzt die ganze Blüte, oder besser gesagt, die taube Blüte der bürgerlichen Intelligenz ebenfalls über jeden Fehler lustig, den die neue Macht begeht, insbesondere, da die neue Klasse wegen des rasenden Widerstands der Ausbeuter, wegen des Feldzugs der verbündeten Ausbeuter der ganzen Welt gegen eins der schwächsten und am wenigsten vorbereiteten Länder wie Russland, da die verbündeten Werktätigen ihre Umwälzung mit rasender Geschwindigekit vollziehen mussten, unter Bedingungen, unter denen man nicht so daran denken konnte, dass die Umwälzung sich glatt vollzieht, als vielmehr daran, dass es gelingt, sich so lange zu halten, bis das westeuropäische Proletariat zu erwachen beginnt. (Lenin, Band 28, Seite 434).



Lenin, Antwort auf den offenen Brief eines Spezialisten, 27. März 1919:

Die Arbeiter und Bauern haben die Sowjetmacht geschaffen, nachdem sie die Bourgeoisie und den bürgerlichen Parlamentarismus gestürzt hatten. Heute ist es kaum zu übersehen, dass das kein Ábenteuer` und keine ´Narrheit` der Bolschewiki war, sondern der Beginn eines weltumfassenden Wechsels zweier welthistorischer Epochen: der Epoche der Bourgeoisie und der Epoche des Sozialismus, der Epoche des Parlemantarismus der Kapitalisten und der Epoche der sowjetischen Staatsinstitutionen des Proletariats. Wenn das vor mehr als einem Jahr die Mehrheit der Intellektuellen nicht sehen wollte (zum Teil nicht sehen konnte), sind wir dann schuld daran?

Die Sabotage wurde begonnen von der Intelligenz und der Beamtenschaft, die in ihrer Masse bürgerlich und kleinbürgerlich ist. Diese Ausdrücke enthalten eine Klassencharakteristik, eine historische Wertung, die richtig oder unrichtig sein kann, die aber keineswegs als Schmäh- oder Schimpfwort betrachtet werden darf. Die Erbitterung der Arbeiter und Bauern über die Sabotage der Intelligenz ist unvermeidlich, und wenn man jemand ´beschuldigen` kann, so nur die Bourgeoisie und ihre freiwilligen und unfreiwilligen Helfer.

Hätten wir gegen die ´Intelligenz` ´gehetzt`, so müsste man uns dafür hängen.. Aber wir haben keineswegs das Volk gegen sie gehetzt, wir haben vielmehr im Namen der Partei und im Namen der Staatsmacht die Notwendigkeit propagiert, der Intelligenz bessere Arbeitsbedingungen zu gewähren. (Lenin, Band 29, S. 216 – 217).

Wir sind dagegen, dass die allgemeinen Lebensbedingungen der Intellektuellen mit einem Schlage auf den Durchschnitt herabgesetzt werden, also sind wir gegen eine Herabsetzung ihrer Entlohnung bis auf den Durchschnittslohn. Aber der Krieg unterwirft sich alles, und um der Erholung der Soldaten willen müssen die Intellektuellen zusammenrücken. Das ist keine erniedrigende, sondern eine gerechte Forderung.

Der Verfasser fordert ein kameradschaftliches Verhalten zu den Intellektuellen. Das ist richtig, das fordern auch wir. Wenn auf der anderen Seite Gruppen von parteilosen oder den Bolschewiki parteilich ablehnend gegenüberstehenden Intellektuellen ebenso klar von ihren Anhängern fordern werden: Verhaltet euch kameradschaftlich gegenüber den erschöpften Soldaten, gegenüber den übermüdeten und durch die jahrhundertelange Ausbeutung erbitterten Arbeitern – dann wird die Sache der Annäherung zwischen den körperlich Arbeitenden und den geistig Arbeitenden mit Riesenschritten vorankommen.

Der Verfasser ofrdert, dass wir unsere Partei und unsere Regierungsinstitutionen von ´gewissenlosen, zufälligen Mitläufern, von den Raffern, Abenteurern, Speichelleckern und Banditen` säubern sollen.

Eine richtige Forderung. Wir haben sie schon längst erhoben und sind dabei, sie zu verwirklichen. ´Neulingen` in unserer Partei lassen wir keinen freien Lauf. Der Parteitag legte sogar eine besondere Neuregistrierung fest. Erwischte Banditen, Raffer, Abenteurer erschießen wir und werden wir erschießen. Aber damit die Säuberung vollständiger ist und schneller erfolgt, ist es nötig, dass die aufrichtige parteilose Intelligenz uns dabei hilft. Wenn sie Gruppen persönlich miteinander bekannter Personen bildet und in deren Namen mit dem Appell hervortritt, loyal in den sowjetischen Institutionen zu arbeiten, `dem werktätigen Bruder zu dienen` - um den Ausdruck des offenen Briefes zu gebrauchen -, dann werden die Geburtswehen der neuen Gesellschaftsordnung beträchtlich verkürzt und erleichtert werden.“ (Lenin, Band 29, Seite 218 /219).



Lenin, VIII. Parteitag der KPR (B), März-April 1919:

Die Schicht der Arbeiter, die in diesem Jahr Russland tatsächlich verwaltet und die ganze Politik gemacht haben, die unsere Stärke bildeten, diese Schicht ist in Russland unglaublich dünn. Wir haben uns davon überzeugt, wir verspüren es am eigenen Leibe. Wenn einmal ein künftiger Historiker die Daten darüber zusammenstellen wird, welche Gruppen während dieser 17 Monate Russland verwaltet haben, wieviel Hunderte oder Tausende Personen diese ganze Arbeit, die ganze unglaubliche Last der verwaltung des Landes auf ihren Schultern getragen haben, wird niemand glauben wollen, dass das mit einer so verschwindend kleinen Zahl von Kräften erreicht werden konnte. Diese Zahl war deshalb so verschwindend klein, weil es in Russland nur eine kleine Zahl intelligenter, gebildeter, befähigter politischer Führer gab. Diese Schicht war in Russland dünn und hat sich in dem Kampf, den wir geführt haben, aufgerieben, überarbeitet, hat mehr getan, als sie vermochte.“ (Lenin, Band 29, Seite 144).

Wir können den Kommunismus nur dann aufbauen, wenn wir ihn mit den Mitteln der bürgerlichen Wissenschaft und Technik den Massen zugänglich machen. Anders kann die kommunistische Gesellschaft nicht aufgebaut werden.. Um sie aber in dieser Weise aufzubauen, muss man den Apparat von der Bourgeoisie übernehmen, muss man alle Spezialisten zur Arbeit heranziehen.“ (Lenin, Band 29, Seite 164).

Die Genossen, die auf dem Kongress hier in Moskau den Spartakusbund vertraten, erzählten uns, dass in Westdeutschland, wo die Industrie besonders hoch entwickelt, wo der Einfluss der Spartakusleute unter der Arbeiterschaft am stärksten ist, dass dort, obwohl die Spartakusleute noch nicht gesiegt haben, in sehr vielen der größten Betriebe die Ingenieure, die Betriebsleiter zu ihnen kamen und sagten: `Wir gehen mit euch.` Bei uns gab es das nicht. Offenbar haben dort das höhere Kulturniveau der Arbeiter, die stärkere Proletarisierung des technischen Personals und vielleicht eine ganze Reihe anderer Ursachen, die uns unbekannt sind, Verhältnisse geschaffen, die sich von den unsrigen etwas unterscheiden.

Jedenfalls liegt hier eines der Haupthindernisse für unsere weitere Vorwärtsbewegung. Wir müssen sofort, ohne auf Unterstützung durch andere Länder zu warten, sofort und unverzüglich die Produktivkräfte entwickeln. Ohne bürgerliche Spezialisten ist das unmöglich. Das muss ein für allemal gesagt werden. Natürlich sind die meisten dieser Spezialisten völlig von der bürgerlichen Weltanschauung durchdrungen. Man muss sie in eine Atmosphäre kameradschaftlicher Zusammenarbeit versetzen, ihnen Arbeiterkommissare beigeben, sie mit kommunistischen Zellen umgeben und in eine solche Lage bringen, dass sie nicht aus der Reihe tanzen können, aber man muss es ihnen ermöglichen, unter besseren Bedingungen zu arbeiten als im Kapitalismus, denn diese von der Bourgeoisie erzogene Schicht wird sonst nicht arbeiten.Eine ganze Schciht mit dem Stock zur Arbeit zwingen ist unmöglich, das haben wir zur Genüge erfahren. Man kann sie zwingen, sich an der Konterrevolution nicht aktiv zu beteiligen, man kann sie einschüchtern, so dass sie sich fürchten, ihre hand nach einem weißgardistischen Flugblatt auszustrecken. In dieser Beziehung handeln die Bolschewiki energisch. Das kann man tun, und das tun wir zur Genüge. Das haben wir alle gelernt. Aber eine ganze Schicht in dieser Weise zur Arbeit zwingen ist unmöglich. Diese Leute sind die Kulturarbeit gewohnt, sie haben sie im Rahmen der bürgerlichen Ordnung geleistet, dh., sie haben die Bourgeoisie durch gewaltige materielle Errungenschaften bereichert, von denen sie dem Proletariat nur winzige Brocken zukommen ließen. Doch sie haben die Kultur vorangebracht, das war ihr Beruf. In dem Maße, wie sie sehen, dass aus der Arbeiterklasse organisierte, fortgeschrittene Schichten emporsteigen, die die Kultur nicht nur schätzen, sondern auch ihre Verbreitung unter den Massen fördern, ändern sie ihr Verhalten uns gegenüber schon ganz anders. Es gibt bei uns eine große Schicht dieser bürgerlichen Ärzte, Ingenieure, Agronomen, Genossenschaftler, und wenn sie in der Praxis sehen werden, dass das Proletariat immer breitere Massen in diese Arbeit einbezieht, dannwerden sie moralisch besiegt und nicht nur politisch der Bourgeoisie entrissen sein. Dann wird unsere Aufgabe leichter werden. Dann werden sie von selbst in unseren Apparat hineingezogen werden, werden sie einen seiner Teile bilden. Dafür muss man Opfer bringen. Dafür sogar zwei Milliarden zu zahlen ist eine Lappalie. Es wäre Kinderei, dieses Opfer zu scheuen, denn das hieße die vor uns stehenden Aufgaben nicht begreifen.

Die Zerrüttung des Verkehrswesens, die Zerrüttung der Industrie und der Landwirtschaft untergräbt die ganze Existenz der Sowjetrepublik. Wir müssen hier die allerenergischsten Maßnahmen ergreifen, wodurch alle Kräfte des Landes bis aufs Äußerste angespannt werden. Den Spezialisten gegenüber dürfen wir keine Politik kleinlicher Schikanen befolgen. Diese Spezialisten sind nicht Helfershelfer der Ausbeuter, sie sind Kulturarbeiter, die in der bürgerlichen Gesellschaft der Bourgeoisie gedient haben und von denen alle Sozialisten in der ganzen Welt gesagt haben, dass sie in der proletarischen Gesellschaft uns dienen werden. In dieser Übergangsperiode müssen wir ihnen möglichst gute Existenzbedingungen gewährleisten. Das wird die beste Politik, das wird das sparsamste Wirtschaften sein. Andernfalls können wir durch die Einsparung einiger Hundert Millionen so viel verlieren, dass dieses Verbrechen nicht mit Milliarden wiederzuerlangen ist“ (Lenin, Band 29, Seite 164/165/166).

Unter der schwankenden Intelligenz haben wir schon einengewaltigen Umschwung herbeigeführt. Wenn wir gestern von der Legalisierung der kleinbürgerlichen Parteien gesprochen haben und heute Menschewiki und Sozialrevolutionäre verhaften, so verfolgen wir bei all solchen Schwankungen ein ganz bestimmtes System. Durch diese Schwankungen zieht sich eine äußerst feste Linie: die Konterrevolution beseitigen, den bürgerlichen Kulturapparat ausnutzen. Die Menschewiki sind die schlimmsten Feinde des Sozialismus, denn sie hüllen sich in ein proletarisches Mäntelchen, aber die Menschewiki sind keine proletarische Schicht. In dieser Schicht gibt es nur eine verschwindend kleine proletarische Oberschicht, sie selbst besteht aus kleinen Intellektuellen. Diese Schicht wendet sich uns zu. Wir werden sie ganz, als Schicht, für uns gewinnen. Jedesmal, wenn sie zu uns kommen, sagen wir ihnen: ´Willkommen`. Bei jeder dieser Schwankungen kommt ein Teil von ihnen zu uns. So war es mit den Menschewiki und den Leuten von der ´Nowaja Shisn`[Neues Leben], so war es mit den Sozialrevolutionären, so wird es mit all diesen schwankenden Elementen sein, die uns noch lange stören werden,die da flennen, aus einem Lager ins andere überlaufen werden – von ihnen ist nichts andres zu erwarten. Aber bei jeder dieser Schwankungen werden wir Schichten der kulturellen Intelligenz für die Reihen der Sowjetfunktionäre gewinnen und jene Elemente beseitigen, die fortfahren, die Weißgardisten zu unterstützen.“ (Lenin, Band 29, Seite 167).

Marx hat sein Leben lang vor allem die Illusionen der kleinbürgerlichen Demokratie und des bürgerlichen Demokratismus bekämpft. Marx hat vor allem das leere gerede von Freiheit und Gleichheit verspottet, wenn sich dahinter nichts anderes verbirgt als die Freiheit der Arbeiter, Hungers zu sterben, oder die Gleichheit eines Menschen, der seine Arbeitskraft verkauft, mit dem Bourgeois, der angeblich auf freiem Markt dessen Arbeit frei und gleichberechtigt kauft usw. (...) Man kann sagen, dass das ganze `Kapital` von Marx der Klarstellung jener Wahrheit gilt, dass die Grundkräfte der kapitalistischen Gesellschaft nur die Bourgeoisie und das Proletariat sind und sein können: die Bourgeoisie als Erbauer dieser kapitalistischen Gesellschaft, als ihr Führer und ihre Triebkraft – das Proletariat als ihr Totengräber, als die einzige Kraft, die fähig ist, sie abzulösen.“ (Lenin, Band 29, Seite 185).



Lenin, Außerordentliche Sitzung des Plenums des Moskauer Sowjets, 9. und 10. April 1919:

... steht uns eine noch viel schwerere Zeit des Hungers bevor. (...) In der Hauptsache können wir nicht auf die Mitarbeiter aus den Reihen der Intelligenz rechnen, die zwar in unseren Dienst getreten sind, unter denen aber trotzdem viele untauglich sind, sondern nur auf die Arbeitermassen.“ (Lenin, Band 29, Seite 246/247).



Lenin, Erfolge und Schwierigkeiten der Sowjetmacht, 17. April 1919:

revolutionen, die man, nachdem man die Macht erobert hat, in die Tasche stecken könnte, um sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, hat es in der geschichte nicht gegeben. Wer da meint, dass solche Revolutionen denkbar seien, ist nicht nur kein Revolutionär, sondern der schlimmste Feind der Arbeiterklasse.

Die Revolution wird durch die Tat, im Kampf, im Feuer den ernstlichsten Prüfungen unterworfen. Wenn due unterdrückt und ausgebeutet bist und daran denkst, die Macht der Ausbeuter abzuschütteln, wenn du den Entschluss gefasst hast, die Sache ihrer Niederwerfung zu Ende zu führen, dann musst du wissen, dass du den Ansturm der Ausbeuter der ganzen Welt zu bestehen haben wirst; und wenn du bereit bist, diesem Ansturm zu begegnen und neue Opfer zu bringen, um im Kampfe zu bestehen, dann bist du ein Revolutionär; andernfalls wirst du zertreten.“ (Lenin, Band 29, Seite 52). „Und wer die kommunistische Gesellschaft aus diesem Material nicht aufbauen will, der ist ein Phrasendrescher und Schwätzer.“ (ebenda, Seite 55).

Die alten utopischen Sozialisten hatten die Vorstellung, man könnte den Sozialismus mit anderen Menschen aufbauen, sie könnten zuerst nette, blitzsaubere und vortrefflich geschulte Menschen erziehen und dann mit ihnen den Sozialismus aufbauen. Wir haben uns darüber immer lustig gemacht und erklärt, dass das Spielerei, ein Zeitvertreib für in Sozialismus machende gezierte Jungfrauen ist, aber keine ernste Politik. Wir wollen den Sozialismus mit den Menschen errichten, die der Kapitalismus erzogen, die er verdorben und demoralisiert, dafür aber auch gestählt hat“ (Lenin, Band 29, Seite 54).

Wenn wir also von der Verwendung der Spezialisten sprechen, so muss man die Lehren eines Jahres Sowjetrepublik in Rechnung stellen; in diesem jahr haben wir die Ausbeuter bezwungen und besiegt, jetzt aber müssen wir die Aufgabe lösen, die bürgerlichen Spezialisten zu verwenden. Hier ist, ich wiederhole das, mit Gewalt allein nichts getan. Hier bedarf es, zusätzlich zur Gewalt und nachdem die Gewalt gesiegt hat, der Organisiertheit, der Disziplin und des moralischen gewichts des siegreichen Proletariats, das sich alle bürgerlichen Spezialisten unterordnet und sie in seine Arbeit einbezieht!“ (Lenin, Band 29, Seite 56).

Den gesamten Apparat der bürgerlichen, kapitalistischen Gesellschaft auszunutzen, eine solche Aufgabe erfordert nicht allein erfolgreiche gewaltanwendung, sie erfordert darüber hinaus Organisation, Disziplin, kameradschaftliche Disziplin der Massen, die organisierte Einwirkung des Proletariats auf die gesamte übrige Bevölkerung, die Schaffung neuer Verhältnisse unter den Massen, die den bürgerlichen Spezialisten erkennen lassen, dass er keinen Ausweg hat, dass es kein Zurück zur alten Gesellschaft gibt und dass er etwas leisten kann nur auf seiten der Kommunisten, die die Massen lenken, das absolute Vertrauen der Massen genießen und darauf hinarbeiten, dass die Früchte der bürgerlichen Wissenschaft und Technik, die Früchte der tausendjährigen Entwicklung der Zivilisation nicht einigen Wenigen zu Gute kommen, die das ausnutzen, um sich abzusondern und zu bereichern, sondern allen Werktätigen ohne Ausnahme.“ (Lenin, Band 29, Seite 57).



Lenin, I. Gesamtrussischer Kongress für außerschulische Bildung, 6. - 19. Mai 1919:

Mir scheint, dass (...) bei der Vorbereitung der außerschulischen Bildung (...) wir (...) in der ersten Zeit vor allem mit Hindernissen zweierlei Art zu kämpfen hatten. Beide Hindernisse haben wir von der alten, kapitalistischen Gesellschaft ererbt, die uns bis heute nicht loslässt und uns hinabzieht mit Tausenden, ja Millionen Fäden, Stricken und Ketten.

Der erste Mangel ist der Überfluss an Abkömmlingen der bürgerlichen Intelligenz, die die neugeschaffenen Bildungseinrichtungen der Bauern und Arbeiter immer wieder als das günstigste Feld für ihre privaten Hirngespinste auf dem Gebiet der Philosophie oder der Kultur betrachtete, wobei auf Schritt und Tritt die albernsten Verdrehungen für etwas ganz Neues ausgegeben wurden, überspanntes und unsinniges Zeug als rein proletarische Kunst und proletarische Kultur aufgetischt wurde.“ (Lenin, Band 29, Seite 324). [Mit dem Proletkult wurde es bürgerlichen Intellektuellen möglich, entscheidenden Einfluss auf das Proletariat zu gewinnen. Lenin führte einen scharfen Kampf gegen den Proletkult. Erst im Jahre 1932 hörte der Proletkult endgültig auf zu bestehen].

... und die besten Gebäude sind Privateigentum. Zuerst werden wir die besten Gebäude beschlagnahmen und dann werden wir über Freiheit sprechen. Wir sagen, Versammlungsfreiheit für die Kapitalisten ist ein unerhörtes Verbrechen gegen die Werktätigen, ist Versammlungsfreiheit für Konterrevolutionäre. Wir sagen den Herren bürgerlichen Intellektuellen, den Herren Anhängern der Demokratie: Ihr lügt, wenn iht uns die Beschuldigung an den Kopf werft, wir verletzten die Freiheit! Als eure großen bürgerlichen Revolutionäre 1649 in England und 1792/1793 in Frankreich die Revolution vollbrachten, gaben sie den Monarchisten keine Versammlungsfreiehit. Darum wird auch die Französische Revolution die Große genannt, weil sie nicht durch die Laschheit und Halbheit, nicht durch das Phrasengedresch der vielen Revolutionen von 1848 gekennzeichnet war, sondern weil das eine Revolution der Tat war, nachdem sie die Monarchisten gestürzt hatte, ihnen völlig den Garaus machte. Genauso werden auch wir es verstehen, mit den Herren Kapitalisten umzugehen, denn wir wissen, dass man, um die Werktätigen vom Joch des Kapitals zu befreien, den Kapitalisten die Versammlungsfreiheit nehmen muss, dass man ihnen ihre ´Freiheit`nehmen oder diese Freiheit beschneiden muss. Es dient das der Befreiung der Arbeit vom Joch des Kapitals“ (Lenin, Band 29, Seite 342/343).

Wenn es auf der Welt nur noch Arbeitende geben wird, wenn die Menschen vergessen haben werden, dass jemand Mitglied der Gesellschaft sein kann, ohne zu arbeiten -das wird noch nicht so bals sein, Schuld an der Verzögerung sind die Herren Bourgeois und die Herren bürgerlichen Intellektuellen -, dann werden wir für für die Versammlungsfreiheit für jedermann sein, während jetzt Versammlungsfreiheit die Versammlungsfreiheit für Kapitalisten und Konterrevolutionäre wäre. Wir stehn mit ihnen im Kampf, wir bieten ihnen die Stirn und erklären, dass wir diese Freiheit aufheben.

Wir gehen in den Kampf – das ist der Inhalt der Diktatur des Proletariats. Vorbei die Zeiten des naiven, utopischen, phantastischen, mechanischen, intelligenzlerischen Sozialismus, wo man die Sache so darstellte, man werde die Mehrheit der Menschen überzeugen, ein prächtiges Bild der sozialistischen Gesellschaft zeichnen, und die Mehrheit werde den Standpunkt des Sozialismus beziehen. Vorbei sind die Zeiten, als man sich und andere mit diesen Kindermärchen unterhielt. Der Marxismus, der die Notwendigkeit des Klassenkampfes anerkennt, dagt: Zum Sozialismus wird die Menschheit nicht anders kommen als über die Diktatur des Proletariats. Diktatur – das ist ein hartes, schweres, blutiges und quälendes Wort, und solche Worte redet man nicht in den Wind. Wenn die Sozialisten mit einer solchen Losung angetreten sind, dann deshalb, weil sie wissen, dass die Ausbeuterklasse nicht anders als in einem verzweifelten, schonungslosen Kampf die Waffen streckt und dass sie mit allen möglichen schönen Worten ihre Herrschaft bemänteln wird.“ (Lenin, Band 29, Seite 343).

Nun hat der Kampf Weltausmaße angenommen, darum stellt sich heute jeder, der mit den Worten , Demokratie` und ´Freiheit` gegen uns auftritt, auf die Seite der besitzenden Klassen, er betrügt das Volk, denn er begreift nicht, dass Freiheit und Demokratie bislang Freiheit und Demokratie für die Besitzenden, aber lediglich Brosamen für die Besitzlosen waren. (...) Wenn ich dem Widerstand einer ganzen Klasse standzuhalten habe, so ist klar, dass ich weder Freiheit noch Gleichheit noch Mehrheitsentscheidung für diese Klasse versprechen kann.“ (Lenin, Band 29, Seite 345). „Wer fremde Arbeit ausbeutet, kann nicht wählen und hat kein Recht gewählt zu werden.“ (Lenin, Band 29, Seite 364).

Die Gleichheit ist Betrug, wenn sie der Befreiung der Arbeit vom Joch des Kapitals widerspricht (...) ... und dass, was hindert, diese Gleichheit praktisch zu nutzen, ist das Eigentum an den Produktionsmitteln, am Geld und am Kapital. (...) Jeder , der Geld besitzt hat faktisch ein Recht auf Ausbeutung. (...) Engels hatte tausendmal Recht, als er schrieb, der Begriff Gleichheit, der nicht die Abschaffung der Klassen beinhaltet, sei ein äußerst dummes und absurdes Vorurteil. Bürgerliche Professoren versuchten, sich auf den Gleichheitsbegriff berufend, uns nachzuweisen, dass wir die Menschen einander gleichmachen wollen. Dieses Unsinns, den sie selber ausgeheckt hatten, versuchten sie die Sozialisten zu beschuldigen. Ignoranten wie sie waren, übersahen sie jedoch, dass die Sozialisten – und gerade die Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels – erklärt haben: Die Gleichheit ist eine leere Phrase, wenn man unter Gleichheit nicht die Abschaffung der Klassen versteht. Wir wollen die Klassen abschaffen, in diesem Sinne sind wir für die Gleichheit. Aber Anspruch erheben, dass wir alle Menschen einander gleichmachen werden, das ist eine hohle Phrase und die dumme Erfindung eines Intellektuellen, der sich – zuweilen in gutem Glauben – dreht und wendet, der mit Worten jongliert, die keinen Inhalt haben, mag er sich auch als Schriftsteller, manchmal als Gelehrter oder als was auch immer bezeichnen.“ (Lenin, Band 29, Seite 346/347).



Lenin, Gruß an die ungarischen Arbeiter, 27. Mai 1919:

Phrasendrescherei streut nur Sand in die Augen, trübt das Bewusstsein, stärkt den alten Stumpfsinn, die Trägheit, die Schablone des Kapitalismus, des Parlemantarismus, der bürgerlichen demokratie.

Die Aufhebung der Klassen ist das Werk eines langwierigen, schweren, hartnäckigen Klassenkampfes, der nach dem Sturz der Macht des Kapitals, nach der Zerstörung des bürgerlichen Staates, nach der Aufrichtung der Diktatur des Proletariats nicht verschwindet (wie sich das Flachköpfe vom alten Sozialismus und von der alten Sozialdemokratie einbilden), sondern nur seine Formen ändert und in vieler Hinsicht noch erbitterter wird.

Im Klassenkampf gegen den Widerstand der Bourgeoisie, gegen die Trägheit, die Schablone, die Unentschlossenheit und die Schwankungen des Kleinbürgertums muss das Proletariat seine Macht behaupten, seinen organisierenden Einfluss stärken, die `Neutralisierung` jener Schichten durchsetzen, die sich fürchten, die Bourgeoisie zu verlassen, und die dem Proletariat allzu unentschlossen folgen...

Um die Klassen aufzuheben, ist eine Periode der Diktatur einer Klasse notwendig, nämlich derjenigen unterdrückten Klasse, die befähigt ist, nicht nur die Ausbeuter zu stürzen, nicht nur schonungslos den Widerstand zu unterdrücken, sondern die auch imstande ist, mit der ganzen bürgerlich-demokratischen Ideologie zu brechen, mit all den Spießerphrasen über Freiheit und Gleichheit schlechthin. (...) - „nur die Klasse, in der die Besten voller Hass und Verachtung gegen alles Spießbürgerliche und Philisterhafte sind, gegen diese Eigenschaften, die im Kleinbürgertum, bei den kleinen Angestellten, bei der ´Intelligenz` so sehr in Blüte stehen – nur die Klasse, die die ´stählende Schule der Arbeit` durchgemacht hat und jedem Werktätigen, jedem ehrlichen Menschen Achtung vor ihrer Leistungsfähigkeit einzuflößen vermag.“ (Lenin, Band 29, Seite 378/379).



Lenin, Die Helden der Berner Internationale, 28. Mai 1919:

Männer, die sich dadurch einen Namen gemacht und die Sympathie der Arbeiter errungen haben, dass sie den Klassenkampf propagierten, seine Unvermeidlichkeit erläuterten, haben – im entscheidenden Augenblick des Kampfes für den Sozialismus – nicht begriffen, dass sie die ganze Lehre vom Klassenkampf völlig aufgeben, sich völlig von ihr lossagen und faktisch in das Lager der Bourgeoisie übergehen, wenn sie die Diktatur der Bourgeoisie mit der Diktatur des Proletariats zu vereinigen suchen.“ (Lenin, Band 29, Seite 381). Wer bei der Lektüre von Marx nicht begriffen hat, dass es in der kapitalistischen Gesellschaft in jedem kritischen Moment, bei jedem ernsten Zusammenstoß der Klassen allein entweder die Diktatur der Bourgeoisie oder die Diktatur des Proletariats geben kann, der hat weder von der ökonomischen noch von der politischen Lehre von Marx etwas verstanden.“ (Lenin, Band 29, Seite 302).

Der Kapitalismus wäre kein Kapitalismus, wenn er die Millionenmassen der Werktätigen, ihre übergroße Mehrheit nicht unterdrückte, einschüchterte, sie nicht in Not und Unwissenheit [von der Redaktion unterstrichen] hielte. Der Kapitalismus kann nicht anders zusammenstürzen als durch eine Revolution, die im Verlauf des Kampfes die früher unberührten Massen mobilisiert. Spontane Ausbrüche sind beim Anwachsen der Revolution unvermeidlich. Ohne sie hat es keine Revolution gegeben und kann es keine Revolution geben.

Die Kommunisten reden der Spontaneität nicht das Wort, sie sind nicht für isolierte Ausbrüche.Die Kommunisten lehren die Massen organisiertes, zielstrebiges, einmütiges, rechtzeitiges, reifes Handeln. Die philisterhaften Verleumdungen der Herren Däumig, Kautsky und Co. können diese Tatsache nicht widerlegen.

Die Philister sind aber nicht fähig zu begreifen, dass die Kommunisten – und mit vollem Recht – es für ihre Pflicht halten, mit den kämpfenden Massen der Unterdrückten zu sein und nicht mit den abseits stehenden und feige abwartenden Helden des Spießbürgertums. Wenn die Massen kämpfen, sind Fehler im Kampf unvermeidlich: die Kommunisten, die diese Fehler sehen, sie den Massen erläutern, die Korrektur der Fehler anstreben und unentwegt den Sieg des Bewusstseins über die Spontaneität verfechten, bleiben mit den Massen. Besser mit den kämpfenden Massen sein, die im Verlauf des Kampfes allmählich die Fehler korrigieren, als mit den Intelligenzlern, den Philistern, den Kautskyanern, die abseits stehend den ´vollen Sieg` abwarten [hervorgehoben von der Redaktion]das ist die Wahrheit, die zu verstehen den Herrn Däumig nicht gegeben ist.“ (Lenin, Band 29, Seite 385).



Lenin, Die große Initiative, 28. Juni 1919:

Die Herren Bourgeois und ihre Schleppenträger, die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre einbegriffen, die sich als Vertreter der ´öffentlichen Meinung` zu betrachten pflegen, machen sich selbstverständlich über die Hoffnungen der Kommunisten lustig, nennen diese Hoffnungen einen ´Affenbrotbaum im Resedatopf`, lachen über die geringe Zahl der Subbotniks im Vergleich zu den massenhaften Fällen von Unterschlagung und Müßiggang, sinkender Produktivität, des Verderbens von Rohstoffen und Produkten usw. Wir antworten diesen Herrschaften:

Käme die bürgerliche Intelligenz mit ihren Kenntnissen den Werktätigen zur Hilfe, und nicht den russischen und ausländischen Kapitalisten, um deren Macht wieder herzustellen, so würde sich die Umwälzung rascher und friedlicher vollziehen. Das ist jedoch eine Utopie, denn die Fragfe wird durch den Kampf der Klassen entschieden, und die Mehrheit der Intelligenz fühlt sich zur Bourgeoisie hingezogen. Nicht mit Hilfe der Intelligenz, sondern trotz ihres Gegenwirkens (wenigstens in den meisten Fällen) wird das Proletariat siegen, indem es die unverbesserlichen bürgerlichen Intellektuellen beiseite schiebt, die Schwankenden ummodelt, umerzieht, sie sich unterordnet und allmählich einen immer größeren Teil von ihnen für sich gewinnt. Die Schadenfreude über die Schwierigkeiten und Misserfolge der Umwälzung, die Panikmacherei, die Propagierung einer Kehrtwendung – all das sind Mittel und Methoden der bürgerlichen Intelligenz im Klassenkampf. Das Proletariat wird sich dadurch nicht täuschen lassen.“ (Lenin, Band 29, Seite 414).

Die bürgerliche Intelligenz, darunter auch die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre, bleibt sich selber treu, wenn sie dem Kapital dient und sich weiter einer durch und durch verlogenen Argumentation bedient: Vor der Revolution des Proletariats warfen sie uns Utopismus vor, und nach der Revolution verlangen sie von uns eine phantastisch schnelle Beseitigung der Spuren der Vergangenheit!

Aber wir sind keine Utopisten und kennen den wahren Wert der bürgerlichen ´Argumente` , wir wissen auch, dass die Spuren des Alten in den Sitten eine gewisse Zeit nach dem Umsturz unvermeidlich die Keime des Neuen überwiegen werden. Wenn das Neue eben erst entstanden ist, bleibt das Alte stets eine gewisse Zeit lang stärker; das ist immer so, sowohl in der Natur als auch im Leben der Gesellschaft. Hohn darüber, dass die Keime des Neuen schwach sind, billiger Intellektuellen-Skeptizismus und dergleichen mehr, all das sind im Grunde Methoden des Klassenkampfes der Bourgeoisie gegen das Proletariat, ist Verteidigung des Kapitalismus gegen den Sozialismus. Wir müpssen die Keime sorgfältig untersuchen, ihnen die größte Aufmerksamkeit entgegenbringen, mit allen Mitteln ihr Wachstum fördern und diese schwachen Keime `hegen und pflegen` . Es ist unvermeidlich, dass einige von ihnen zu Grunde gehen werden. Man kann keine Garantie dafür übernehmen, dass gerade die ´kommunistischen Subbotniks` eine besonders wichtige Rolle spielen werden. Nicht darauf kommt es an. Worauf es ankommt, das ist die Unterstützung aller und jeder Keime des Neuen, von denen das Leben die lebensfähigsten auslesen wird.“ (Lenin, Band 29, Seite 415).



Die große Initiative der ´kommunistischen Subbotniks` muss noch in einer anderen Hinsicht ausgewertet werden, nämlich: zur Reinigung der Partei. Es war ganz unvermeidlich, dass in der ersten Zeit nach dem Umsturz, als die Masse der ´rechtscheffenen` und spießbürgerlich gesinnten Menschen besonders ängstlich war, als die bürgerliche Intelligenz, die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre selbstverständlich mit einbegriffen, durch die Bank Sabotage trieb und vor der Bourgeoisie libedienerte – es war ganz unvermeidlich, dass sich da der regierenden Partei Abenteurer und sonstige überaus schädliche Elemente anbiederten. Eine Revolution, bei der es anders zugegangen wäre, gibt es nicht und kann es nicht geben. Alles kommt darauf an, dass die regierende Partei, die sich auf eine gesunde und starke fortgeschrittene Klasse stützt, es versteht, ihre Reihen zu säubern.“

Die Mobilisierung der Kommunisten für den Krieg hat uns dabei geholfen: Die Feuglinge und Schurken sind von der Partei fortgelaufen. Viel Glück auf den Weg! Eine solche Verringerung der Mitgliederzahl der Partei ist eine ungeheure Steigerung ihrer Stärke und ihres Gewichts. (Lenin, Band 29, Seite 422).



Lenin, Über die gegenwärtige Lage und die nächsten Aufgaben, 5. Juli 1919:

Alle die Schilderungen, die von Aufständen gegen das Koltschakregime gegeben wurden, sind nicht im Geringsten übertrieben. Und nicht nur die Arbeiter und Bauern, sondern auch die patriotisch gesinnte Intelligenz, die seinerzeit samt und sonders Sabotage trieb, jene Intelligenz, die im Bündnis mit der Entente stand – auch sie hat Koltschak abgestoßen.“ (Lenin, Band 29, Seite 454).



Lenin, Alle zum Kampf gegen Denekin! 9. Juli 1919:

Die Riesenverschwörung, die in Krasnaja Gorka ausbrach mit dem Ziel, Petrograd auszuliefern, hat die Frage der Militärfachleute und des Kampfes gegen die Konterrevolution im Hinterland mit besonderer Nachdrücklichkeit neu aufgeworfen (...) Ebenso steht es außer Zweifel, dass die Militärfachleute in der nächsten Zeit einen erhöhten Prozentsatz von Verrätern stellen werden, ebenso wie die Kulaken, die bürgerlichen Intellektuellen, die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre.Es wäre aber ein nicht wieder gutzumachender Fehler und eine unverzeihliche Charakterlosigkeit, deshalb die Frage einer Änderung der Grundlagen unserer Militärpolitik zu stellen. Hunderte und aber Hunderte von Militärfachleuten verraten uns und werden uns verraten, wir werden sie immer wieder ausfindig machen und erschießen, aber bei uns arbeiten systematisch und seit langem Tausende und Zehntausende Militärfachleute, ohne die nicht jene Rote Armee hätte geschaffen werden können, die aus dem Partisanentum unseligen Andenkens herausgewachsen ist und glänzende Siege im Osten zu erringen vermochte. Leute, die Erfahrungen besitzen und an der Spitze unserer Militärverwaltung stehen, weisen mit Recht darauf hin, dass dort, wo die Politik der Partei in Bezug auf die Militärfachleute und die Ausmerzung des Partisanentums am strengsten durchgeführt wird, dass dort, wo die Disziplin am strengsten ist, wo die politsiche Arbeit unter den Truppen und die Arbeit der Kommissare am sorgsamsten betrieben wird, dass sich dort im Großen und Ganzen unter den Militärfachleuten am wenigsten Freunde des Verrats finden, dass dort für solche Leute die geringsten Möglichkeiten zur Ausführung ihrer Absichten bestehen, dass dort kein Schlendrian in der Armee herrscht, dass dort ihre Ordnung und ihr Geist besser sind, dass es dort mehr Siege gibt. Das Partisanentum, seine Spuren, seine Reste, seine Überbleibsel haben sowohl unserer als auch der ukrainischen Armee unermesslich mehr Leiden, Zerfall, Niederlagen, Katastrophen, Vrluste an Menschen und Heeresgut gebracht als sämtliche Verrätereien der Militärfachleute.(...)

Wenn einige Parteiorgane den Militärfachleuten gegenüber nicht den richtigen Ton anschlagen (wie unlängst in Petrograd) oder wenn in einzelnen Fällen die ´Kritik` an den Militärfachleuten zum direkten Hemmschuh einer systematischen und beharrlichen, auf die Ausnutzung der Militärfachleute gerichteten Arbeit wird, so korrigiert die Partei diese Fehler sofort oder wird sie korrigieren.

Das Wichtigste und hauptsächliche Mittel zu ihrer Korrektur ist die verstärkte politische Arbeit in der Armee und unter den Einzuberufenden, die Verbesserung der Arbeit der Kommissare in der Armee, die Verbesserung ihrer Auswahl, die Erhöhung ihres Niveaus, ihre Arbeit zur tatsächlichen Verwiklichung dessen, was das Parteiprogramm fordert und was allzuoft ganz unzulänglich durchgeführt wird: `die Konzentrierung der allseitigen Kontrolle über den Kommandeurstab (der Armee) in den Händen der Arbeiterklasse`. Die Kritik an den Militärfachleuten von außen, die Versuche, die Sache ´im Handstreich` zu korrigieren, sind eine viel zu leichtfertige und deshalb hoffnungslose und schädliche Angelegenheit. Jeder, der sich seiner politischen Verantwortung bewusst ist, dem die Mängel in unserer Armee nahegehen, möge in Reih und Glied treten als Rotarmist oder Kommandeur, als politischer Funktionär oder Kommissar.“ (Lenin, Band 29, Seite 438 – 440).

Wie im Juli vergangenen Jahres erhebt die Konterrevolution in unserem Hinterland, mitten unter uns, ihr Haupt!

Hinter der direkten und offenen Konterrevolution aber (...) - hinter ihr trotten wie immer die schwankenden, charakterlosen, ihr Tun durch Worte beschönigenden Menschewiki, rechten und linken Sozialrevolutionäre einher. Darüber darf es keinerlei Illusionen geben! Wir kennen den ´Nährboden` , der konterrevolutionäre Unternehmungen, Putsche, Verschwörungen usw. hervorbringt, wir kennen dieses Milieu sehr gut. Das ist das Milieu der Bourgeoisie, der bürgerlichen Intelligenz, der kulaken auf dem Lande, des ´parteilosen` Publikums überall, dann der Sozialrevolutionäre und Menschewiki. Die Überwachung dieses Milieus muss verdreifacht und verzehnfacht werden. Die Wachsamkeit muss verzehnfacht werden, denn konterrevolutionäre Anschläge von dieser Seite her sind gerade im gegenwärtigen Augenblick und in der nächsten Zukunft absolut unvermeidlich. Naturgemäß sind auf dieser Basis auch neue Versuche, Brücken zu sprengen, Streiks anzuzetteln, Spionageaffären jeder Art u. dgl. m.“ (Lenin, Band 29, Seite 441).



Lenin, Rede über die Ernährungslage und die militärische Lage, 31. Juli 1919:

Sie (die bürgerliche Intelligenz) bemühen sich zu beweisen, dass der Bürgerkrieg eine hoffnungslose Sache ist.“ (Lenin, Band 29, Seite 520).



Lenin, Brief „An A. M. Gorki“, 31. Juli 1919:

Sie schreiben, dass Sie ´Manschen aus den verschiedensten Schichten` sehen. Sehen ist eins, etwas anderes ist es, ständig in allen Dingen des täglichen Lebens die Berührung zu fühlen. Einer solchen Berührung sind Sie vor allem mit diesen ´Überresten` ausgesetzt – schon allein in Folge Ihres Berufes, der Sie zwingt, Dutzende erboster bürgerlicher Intellektueller zu ´empfangen` , wie auch in Folge des Milieus, in dem Sie leben.

Die ´Überreste`, behaupten Sie, ´bringen der Sowjetmacht etwas wie Sympathie entgegen` , während aus der ´Mehrheit der Arbeiter` Diebe, nur des Vorteils wegen in die Partei eingetretene ´Kommunisten` u. dgl. Hervorgehen! Und Sie versteigen sich zu der ´Schlussfolgerung`, dass man die Revolution nicht mit Hilfe von Dieben, dass man sie nicht ohne die Intelligenz machen kann.

Das ist eine durch und durch kranke Gemütsverfassung, die sich im Umgang mit den erbosten bürgerlichen Intellektuellen verschlimmert hat.

Es wird alles getan, um die Intelligenz (die nichtweißgardistische) zum Kampf gegen die Diebe heranzuziehen. Und mit jedem Monat steigt in der Sowjetrepublik der Prozentsatz der bürgerlichen Intellektuellen, die den Arbeitern und Bauern aus ehrlichem Herzen helfen und nicht nur nörgeln und Gift und Galle speien. In Petrograd kann man das nicht ´sehen` , denn Petrograd ist eine Stadt mit einer außerordentlich großen Zahl bürgerlicher Elemente ( und ´Intellektueller`), die ihre Stellung ( und den Kopf) verloren haben, aber für ganz Russland ist dies eine unbestreitbare Tatsache.

In Petrograd oder von Petrograd aus kann sich davon nur überzeugen, wer politisch außergewöhnlich gut informiert ist, wer besonders große politische Erfahrungen besitzt. Bei Ihnen trifft das nicht zu. Und Sie befassen sich nicht mit Politik und nicht mit Beobachtungen, wie am politischen Aufbau gearbeitet wird, sondern haben einen besonderen Beruf, der Sie in das Milieu erboster bürgerlicher Intellektueller führt, die nichts begriffen, nichts vergessen, nichts hinzugelernt haben, die im besten Fall – imseltensten, allerbesten Fall – verwirrt und verzweifelt sind, die jammern, immer wieder mit den alten Vorurteilen kommen, die verängstigt sind und sich selber Angst machen.

Will man beobachten, so muss man unten beobachten, wo man überblicken kann, wie am Aufbau des neuen Lebens gearbeitet wird, in einer Arbeitersiedlung der Provinz oder auf dem Lande – dort braucht man nicht eine Fülle kompliziertester Daten politisch zu erfassen, dort braucht man nur zu beobachten. Statt dessen haben Sie sich auf die Position eines professionellen Redakteurs von Übersetzungen usw. begeben, auf eine Position, wo man den neuen Aufbau des neuen Lebens nicht beobachten kann, eine Position, wo alle Kräfte vertan werden auf krankhafte Genörgel einer kranken Intelligenz, auf die Beobachtung der ´früheren` Hauptstadt in einer Situation furchtbarer militärischer Bedrohung und bitterster Not.

Sie haben sich auf eine Position begeben, wo Sie a u ß e r s t a n d e s i n d , das neue Leben der Arbeiter und Bauern, das sind neun Zehntel der Bevölkerung Russlands, unmittelbar zu beobachten; wo Sie gezwungen sind, Bruchstücke aus dem Leben der früheren hauptstadt zu beobachten, aus der die Blüte der Arbeiter an die Front und aufs Land gegangen ist und wo unverhältnismäßig viele stellungslose und arbeitslose Intellektuelle zurückgeblieben sind, die Sie speziell ´belagern` . Rät man Ihnen aber, wegzufahren, so lehnen Sie dies hartnäckig ab.

Es ist begreiflich, dass Sie sich krank gemacht haben: das Leben ist für Sie nicht nur schwer, schreiben Sie, es ist Ihnen auch ´aufs Äußerste zuwider`!!! Wie kann es anders sein“ Sich in solch einer Zeit als Redakteur von Übersetzungsliteratrur (die passendste beschäftigung für einen Künstler, um Menschen zu beobachten!) an dem wundesten Punkt festzusetzen! Sie können hier als Künstler unmöglich das Neue in der Armee, das Neue auf dem Lande und das Neue in der Fabrik beobachten und studieren. Sie haben sich selber um die Möglichkeit gebracht, das zu tun, was einen Künstler befriedigen würde – ein Politiker kann in Petrograd arbeiten, Sie aber sind kein Politiker. Heute sinnlos eingeschlagene Scheiben, morgen eine Schießerei, Geschrei aus dem gefängnis, dann ein paar Fetzen aus dem Gerede der müdesten von den in Petrograd zurückgebliebenen Nichtarbeitern, ferner Millionen Eindrücke, vermittelt von der Intelligenz, einer hauptstädtischen Intelligenz ohne Hauptstadt, dann wieder Hunderte Klagen gekränkter Menschen, und in der Zeit, die Ihnen nach der Redakteurstätigkeit noch verbleibt, ist es Ihnen unmöglich, etwas vom Aufbau des Lebens zu sehen (er vollzieht sich in besonderer Weise und am wenigsten in Petrograd) – wie soll man sich da nicht in einen Zustand bringen, in dem einem das Leben aufs Äußerste zuwider wird?

Das Land lebt in einem fieberhaften Kampf gegen die Bourgeoisie der ganzen Welt, die für ihren Sturz furchtbare Rache übt. Das ist natürlich. Weil wir die erste Sowjetrepublik errichtet haben, hageln auf uns die ersten Schläge von allen Seiten nieder. Das ist natürlich. Hier muss man entweder aktiver Politiker sein, oder man muss, wenn einem der Sinn nicht nach Politik steht, als Künstler beobachten, wie das Leben auf neue Art aufgebaut wird, nicht im Zentrum der wütenden Attacken auf die hauptstadt, des wütenden Kampfes gegen Verschwörungen, der geifernden Wut der hauptstädtischen Intelligenz, sondern auf dem Lande oder in einer fabrik in der provinz (oder an der Front). Dort ist es leicht, durch einfache Beobachtung das sich zersetzende Alte vom aufkeimenden Neuen zu trennen.

Das Leben ist Ihnen zuwider geworden, die ´Differenz` mit dem Kommunismus ´wird tiefer` . Worin die Differenz besteht, ist unmöglich zu begreifen. Nicht der geringste Hinweis auf eine Differenz in der Politik oder in den Ideen. Es ist dies die Differenz zwischen der Stimmung von Menschen, die Politik treiben oder völlig aufgehen in einem Kampf von unvorstellbarer Heftigkeit, und der Stimmung eines menschen, der sich künstlich in eine solche Position hineinmanövriert hat, dass er das neue Leben nicht beobachten kann und die Eindrücke von der Fäulnis einer riesigen Hauptstadt der Bourgeoisie die Oberhand gewinnen. (...)

Ich möchte meinen Rat nicht aufdrängen, aber ich muss Ihnen sagen: Ändern Sie radikal die Umgebung, das Milieu wie auch den Wohnort und die beschäftigung, sonst könnte Ihnen das Leben endgültig zuwider werden.“ (Lenin, Band 35, Seite 387-390).



Lenin, Rede auf dem I. Gesamtrussischen Kongress, 3. August 1919:

Pressefreiheit in der kapitalistischen Gesellschaft, das ist die Freiheit, mit der Presse und der Einwirkung auf die Volksmassen Handel zu treiben. Pressefreiheit bedeutet: die Presse, dieses mächtige Werkzeug zur Beeinflussung der Volksmassen, wird vom Kapital ausgehalten. Das also ist die Pressefreiheit, die die Bolschewiki zerschlagen haben, und sie sind stolz darauf, dass sie zum erstenmal eine von den Kapitalisten freie Presse geschaffen haben, dass sie zum erstenmal in einem riesigen Land eine Presse geschaffen haben, die nicht von einer Handvoll Reicher und Millionäre abhängig ist, eine Presse, die ihre ganze Aufgabe darin sieht, gegen das Kapital zu kämpfen – und diesem Kampf müssen wir alles unterordnen. In diesem Kampf kann der Vortrupp der Werktätigen, ihre Avantgarde nur das Arbeiterproletariat sein, das die politisch noch nicht bewussten Bauernmassen zu führen vermag.“ (Lenin, Band 29, Seite 526/527).

Wenn die Amerikaner, Engländer und Franzosen Archangelsk an sich rissen, wenn sie ihre Truppen nach dem Süden schicken, so schützen sie Freiheit und Gleichheit! Mit eben dieser Losung tarnen sie sich, un eben deshalb erhebt sich in diesem wütenden Kampf das Proletariat Russlands gegen das Kapital der ganzen Welt. Dazu eben dienen diese Losungen der Freiheit und Gleichheit, mit denen alle Vertreter der Bourgeoisie das Volk betrügen und die endgültig zu zerschlagen Aufgabe der Intellektuellen ist, die wirklich auf der Seite der Arbeiter und Bauern stehen.“ (Lenin, Band 29, Seite 530).



Lenin, Die Ergebnisse der Woche der Partei in Moskau und unsere Aufgaben, 21. Oktober 1919:

Und mit welch bewundernswertem Geschick diese ´intellektuelle` Gesellschaft die Waffe der Panikmacherei zu handhaben versteht! Denn die Panikmacherei ist zu einer regelrechten Waffe im Klassenkampf der Bourgeoisie gegen das Proletariat geworden. In Zeiten wie der gegenwärtigen wird das Kleinbürgertum zusammen mit der Bourgeoisie zu einer ´reaktionären Masse` und bedient sich dieser Waffe ´mit Leidenschaft`.“ (Lenin, Band 30, Seite 55).



Lenin, VII. Gesamtrussischer Sowjetkongress, 5. - 9. Dezember 1919:

Wenn die französische bürgerliche Intelligenz nach dem jüngsten Wahlsieg der schlimmsten Reaktion und trotz des Reimes, das dort heute gegen die Bolschewiki angewandt wird, erklärt, dass ihr das Bündnis der reaktionärsten Kreise Frankreichs mit den reaktionärsten Kreisen Deutschlands zur Aushungerung der Arbeiter und Bauern Russlands die Schamröte ins Gesicht treibt, so sagen wir uns, (...) dass der Bürgerkrieg, der von uns so unermessliche Opfer gefordert hat, siegreich war. Siegreich nicht nur für Russland selbst, sondern auch welthistorisch gesehen.“ (Lenin, Band 30, Seite 207/208).

Während des imperialistischen Krieges war sich jedermann bewusst, dass dieser Krieg von der Bourgeoisie um ihrer räuberischen Interessen willen geführt wird, dass das Volk in diesem Krieg zu Grunde geht, während die Bourgeoisie sich bereichert. Das ist das Leitmotiv, von dem die Politik der Bourgeoisie in allen Ländern bestimmt wird, das ist es, was für sie verhängnisvoll ist und ihr endgültig zum Verhängnis werden wird. Unser krieg jedoch ist eine Fortsetzung der Politik der Revolution, und jeder Arbeiter und Bauer weiß, und wenn er es nicht weiß, so fühlt er instinktiv und sieht, dass dies ein Krieg ist, der zur Verteidigung gegen die Ausbeuter geführt wird, ein Krieg, der den Arbeitern und Bauern die größten Opfer auferleg, aber vor nichts halt macht, diese Opfer auch den anderen Klassen aufzuerlegen. Wir wissen, dass sie schwerer daran tragen als die Arbeiter und Bauern, denn sie gehörten früher zur Klasse der Privilegierten. Aber wir sind der Meinung: Wenn es sich darum handelt, Millionen Werktätige von der Ausbeutung zu befreien, so wäre eine Regierung, die davor halt machte, den anderen Klassen Opfer aufzuerlegen, keine sozialistische, sondern eine Verräterregierung. (...) Wenn es für diese Elemente schwere Zeiten gegeben hat, so ist daran nicht die bolschewistische Regierung schuld, schuld sind die Weißgardisten, schuld ist die Entente, und der Sieg über sie wird die wirkliche und feste Voraussetzung für eine Besserung der Lage aller dieser Klassen sein.“ (Lenin, Band 30, Seite 212/213).



Lenin, VIII. Gesamtrussische Konferenz der KPR (B) Sowjetkongress, 20. Dezember 1919:

Vor allem warf uns das Kleinbürgertum in Europa bisher unseren Terrorismus, die rücksichtslose Unterdrückung der Intelligenz und des Kleinbürgertums vor. Dazu sagen wir: ´All das habt ihr, haben eure Regierungen uns aufgezwungen.` Wenn man uns des Terrors bezichtigt, entgegenen wir:´Und wenn die Großmächte, die über die Flotte der ganzen Welt verfügen und über hundertmal größere Streitkräfte als wir, uns überfallen und alle anderen kleinen Staaten zwingen, gegen uns zu kämpfen – war das kein Terror?`- Das war regelrechter Terror, als sich alle Großmächte gegen eines der rückständigsten Länder zusammenschlossen. Sogar Deutschland unterstützte ständig die Entente, schon seit der Zeit, als es, noch unbesiegt, Krasnow versorgte, und bis in die jüngste Zeit, da dasselbe Deutschland und blockiert und unseren Gegnern direkten Beistand leistet. Dieser Feldzug des Weltimperialismus, dieser Kriegszug gegen uns, diese Anwerbung von Verschwörern innerhalb des Landes – war das etwa kein Terror? Unser Terror hat seine Ursache darin, dass Streitkräfte über uns herfielen.“ (Lenin, Band 30, Seite 167).

Und wenn hier von Terrorismus gesprochen wird, so muss man auch auf das Verhältnis zu jener Mittelschicht, zu jener Intelligenz eingehen, die sich am meisten über die Rücksichtslosigkeit der Sowjetmacht beklagt, die sich darüber beklagt, dass ihre Lage durch die Sowjetmacht im Verhältnis zu früher schlechter geworden ist. Was wir bei unseren kärglichen Mitteln für die Intelligenz tun können, das tun wir.(...) Und da wir einen revolutionären Krieg führen, können wir natürlich nicht so verfahren, wie alle bürgerlichen Mächte verfahren sind, die die ganze Last des Krieges auf die werktätigen Massen abwälzten. Nein, die gesamte Intelligenz, das gesamte Kleinbürgertum, alle Teile der Mittelschichten müssen und werden die Last des Bürgerkriegs mit uns teilen – sie alle werden diese Last tragen.“ (Lenin, Band 30, Seite 168).

Viele Intellektuelle, die Marx gelesen haben, begreifen nicht, dass freier handel die Rückkehr zum Kapitalismus bedeutet, doch der Bauer versteht das viel leichter. Er versteht, dass der Verkauf des getreides zu freien Preisen in einer Zeit, da der Hingrige bereit ist, jeden Preis zu zahlen und das Letzte wegzugeben, um nicht zu verhungern – dass das Rückkehr zur Ausbeutung bedeutet, dass das Freiheit der Bereicherung für die Reichen und Ruin für die Armen ist. Und wir sagen, dass das ein Staatsverbrechen ist, und im Kampf dagegen werden wir keinen Zollbreit zurückweichen.“ (Lenin, Band 30, Seite 170).



Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, April-Mai 1920:

Unter der Sowjetmacht werden in eure und in unsere proletarische Partei noch mehr Intellektuelle aus dem Bürgertum hineinzuschlüpfen versuchen. Sie werden auch in die Sowjets, in die gerichte und in die Verwaltung hineinschlüpfen, denn man kann den Kommunismus nicht anders und mit nichts anderem aufbauen als mit dem Menschenmaterial, das der Kapitalismus geschaffen hat, man kann die bürgerliche Intelligenz nicht fortjagen und vernichten, sondern muss sie besiegen, ummodeln, umwandeln, umerziehen, genauso wie man in langwierigen Kämpfen, auf dem Boden der Diktatur des Proletariats, auch die Proletarier selbst umerziehen muss, die sich von ihren eigenen kleinbürgerlichen Vorurteilen nicht auf einmal, nicht durch ein Wunder, nicht auf Geheiß der Mutter Gottes, nicht auf Geheiß einer Losung, einer Resolution, eines Dekrets befreien, sondern nur in langwierigen und schwierigen Massenkämpfen gegen den Masseneinfluss des Kleinbürgertums. (...) Wir haben in Russland die bürgerliche Advokatur abgeschafft und haben recht daran getan, sie abzuschaffen, aber unter dem Deckmantel der ´sowjetischen` ´Rechtsbeistände` [im Oktober 1920 aufgelöst] lebt sie bei uns wieder auf).Unter den Sowjetingenieuren, unter den Sowjetlehrern, unter den privilegierten, d.h. am meisten qualifizierten und am besten gestellten Arbeitern in den Sowjetfabriken sehen wir ein ständiges Wiederaufleben durchweg aller der negativen Züge, die dem bürgerlichen Parlementarismus eigen sind, und nur durch wiederholten, unermüdlichen, langwierigen, hartnäckigen Kampf, durch proletarische Organisiertheit und Disziplin werden wir – allmählich – dieses Übels Herr werden.

Gewiss unter der Herrschaft der Bourgeoisie ist es sehr ´schwierig`, die bürgerlichen Gewohnheiten in der eigenen Partei, d.h. in der Arbeiterpartei, zu besiegen: es ist ´schwierig`, die gewohnten, durch bürgerliche Vorurteile hoffnungslos verdorbenen parlamentarischen Führer aus der Partei zu vertreiben; es ist ´schwierig`, eine absolut notwendige (eine ganz bestimmte, wenn auch sehr beschränkte) Zahl von Leuten, die aus dem Bürgertum kommen, der proletarischen Disziplin unterzuordnen; es ist ´schwierig`, eine der Arbeiterklasse durchaus würdige kommunistische Fraktion im bürgerlichen Parlemant zu schaffen; es ist ´schwierig`, zu erreichen, dass die kommunistischen Parlamentarier ihre Zeit nicht mit bürgerlich-parlemantarischen Kinkerlitzchen vertändeln, sondern sich mit der so überaus dringenden Arbeit der Propaganda, Agitation und Organisation unter den Massen befassen. All das ist ´schwierig`, wer wollte es leugnen, es war schwierig in Russland und wird noch unvergleichlich schwieriger sein in Westeuropa und Amerika, wo die Bourgeoisie weit stärker ist, wo die bürgerlich-demokratischen Traditionen und dergleichen stärker sind.“ (Lenin, Band 31, Seite 103/104).



Lenin, Thesen über die Hauptaufgaben des zweiten Kongresses der Kommunistischen Internationale, 4. Juli 1920:

  1. Der Sieg des Sozialismus (als der ersten Stufe des Kommunismus) über den Kapitalismus erfordert vom Proletariat als der einzigen wirklich revolutionären Klasse die Lösung folgender drei Aufgaben. Die erste Aufgabe ist, die Ausbeuter, in erster Linie die Bourgeoisie als ihre ölkonomische und politische Hauptvertreterin, zu stürzen, aufs Haupt zu schlagen, ihren Widerstand zu brechen und jeden Versuch ihrerseits, das Joch des Kapitals und die Lohnsklaverei wieder herzustellen, unmöglich zu machen.

    Die zweite Aufgabe ist, nicht nur das gesamte Proletariat oder seine erdrückende Mehrheit, sondern auch die gesamte Masse der Werktätigen und vom Kapital Ausgebeuteten mitzureißen und für die revolutionäre Vorhut des Proletariats, seine kommunistische Partei, zu gewinnen; sie im ganzen Verlauf des unendlich kühnen und erbarmungslos harten Kampfes gegen die Ausbeuter aufzuklären, zu organisieren, zu erziehen und zu disziplinieren; diese erdrückende Mehrheit der Bevölkerung in allen kapitalistischen Ländern aus der Abhängigkeit von der Bourgeoisie zu befreien und ihr an Hand der praktischen Erfahrung Vertrauen zur führenden Rolle des Proletariats und seiner revolutionären Vorhut einzuflößen.

    Die dritte Aufgabe ist, die unvermeidlichen Schwankungen zwischen Bourgeoisie und Proletariat, zwischen bürgerlicher Demokratie und Sowjetmacht zu neutralisieren und unschädlich zu machen, die in fast allen fortgeschrittenen Ländern bei der zahlenmäßig noch ziemlich starken, wenn auch eine Minderheit der Bevölkerung bildenden Klasse der Kleinbesitzer in der Landwirtschaft, Industrie und im Handel sowie bei der dieser Klasse entsprechenden Schichten der Intelligenz, der Angestellten usw. vorhanden sind.

Die erste und die zweite Aufgabe sind selbständige Aufgaben, von denen jede ihre besonderen Methoden des Vorgehens gegenüber den Ausbeutern wie den Ausgebeuteten erfordert. Die dritte Aufgabe ergibt sich aus den ersten beiden und erfordert nur eine geschickte, rechtzeitige und elastische Verbindung der Methoden der ersten und der zweiten Art, je nach den konkreten Umständen der einzelnen Schwankungen.“ (Lenin, Band 31, Seite 173/174).



Lenin, II. Kongress der Kommunistischen Internationale, 19. Juli – 7. August, 1920:

Schriftsteller, Dichter, Pfaffen, die gesamte Presse beschäftigte sich mit nichts anderem als mit der Verherrlichung des Krieges. Erst jetzt, nach dem kriege,haben die Enthüllungen begonnen. (...) Das Beispiel Keynes zeigt übrigens, wie es kam, dass Zehntausende, Hunderttausende von Kleinbürgern, Intellektuellen oder einfach halbwegs entwickelten, gebildeten Menschen in Europa und Amerika denselben Weg gehen mussten, den Keynes beschritten hat, der sein Amt niederlegte und seiner Regierung ein Buch ins Gesicht schleuderte, das diese Regierung bloßstellte. (...) Das ist nicht allein die Idee [Schuldenannulierung – die Redaktion] des gelehrten Keynes. Diese Idee ergreift Millionen und wird Millionen ergreifen. Millionen Menschen hören, wie bürgerliche Volkswirtschaftler sagen, dass es keinen Ausweg gibt als die Annulierung der Schulden. Deshalb also ´Fluch den Bolschewiki ! ` ( die die Schulden annuliert haben) und Appell an Amerikas ´Edelmut`!! Ich glaube, den Volkswirtschaftlern, die derart für den Bolschewismus agitieren, müsste man im Namen des Kongresses der Kommunistischen Internationale eine Dankadresse senden.“ (Lenin, Band 31, Seite 212-213).

Wenn Sie glauben, dass mit dem Sieg des Proletariats die Intelligenz, die Mittelklasse, das Kleinbürgertum sogleich kommunistisch werden, so sind Sie sehr naiv. Wenn Sie diese Illusion nicht haben, so müssen Sie schon jetzt das Proletariat darauf vorbereiten, dass es seine eigene Linie durchsetzt. Auf keinem einzigen Gebiet der staatlichen Tätigkeit werden Sie eine Ausnahme von dieser regel finden. Am Tag nach der Revolution werden Sie überall opportunistischen Advokaten begegnen, die sich Kommunisten nennen, und Kleinbürgern, die weder die Disziplin der kommunistischen Partei noch die Disziplin des proletarischen Staates anerkennen. Wenn Sie die Arbeiter nicht auf die Schaffung einer wirklich disziplinierten Partei vorbereiten, die alle ihre Mitglieder zwingen wird, sich ihrer Disziplin unterzuordnen, so werden Sie niemals die Diktatur des Proletariats vorbereiten.“ (Lenin, Band 31, Seite 244/245).



Lenin, Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus, März 1922:

Einer der größten und gefährlichsten Fehler von Kommunisten (wie überhaupt von Revolutionären, die erfolgreich den Anfang einer großen Revolution vollbracht haben) ist die Vorstellung, dass eine Revolution von Revolutionären allein durchgeführt werden könne. Umgekehrt, für den Erfolg jeder ernsten revolutionären Arbeit ist es notwendig, zu begreifen und für die Praxis als Richtschnur zu nehnen, dass Revolutionäre lediglich als Avantgarde einer wirklich lebensfähigen und fortschrittlichen Klasse ihre Rolle spielen können. Die Avantgarde erfüllt nur dann die Aufgaben einer Avantgarde, wenn sie es versteht, sich von der unter ihrer Führung stehenden Masse nicht loszulösen, sondern die ganze Masse wirklich vorwärtszuführen. Ohne ein Bündnis mit Nichtkommunisten auf den verschiedenartigsten Tätigkeitsgebieten kann von einem erfolgreichen kommunistischen Aufbau keine Rede sein.“ (Lenin, Band 33, Seite 213).

Jedenfalls gibt es bei uns in Russland noch Materialisten aus dem Lager der Nichtkommunisten – und es wird sie zweifellos noch ziemlich lange geben -, und unsere unbedingte Pflicht ist es, alle Anhänger des konsequenten und streitbaren Materialismus im Kampf gegen die philosophische Reaktion und gegen die philosophischen Vorurteile der sogenannten ´gebildeten Gesellschaft` zu gemeinsamer Arbeit heranzuziehen. Dietzgen der Ältere, den man nicht mit seinem Sohn, einem ebenso anmaßenden wie erfolglosen Literaten, verwechseln darf, brachte die Grundauffassung des Marxismus von den philosophischen Richtungen, die in den bürgerlichen Ländern herrschen und unter ihren Gelehrten und Publizisten Ansehen genießen, richtig, treffend und klar zum Ausdruck, als er sagte, dass die Professoren der Philosophie in der modernen Gesellschaft in der Mehrzahl der Fälle tatsächlich nichts anderes sind als ´diplomierte Lakaien der Pfafferei`.

Unsere russischen Intellektuellen, die sich – wie übrigens auch ihre Kollegen in allen übrigen Ländern – sehr gern für fortschrittliche Leute halten, lieben es durchaus nicht, wenn die Behandlung der Frage in die durch Dietzgens Urteil angegebene Richtung gelenkt wird. Und zwar lieben sie es deshalb nicht, weil ihnen die Wahrheit ein Dorn im Auge ist. Es genügt, ein wenig über die staatliche, ferner die allgemein-ökonomische, die soziale und jeder Art sonstige Abhängigkeit der Gebildeten unserer Zeit von der herrschenden Bourgeoisie nachzudenken, um die absolute Richtigkeit der scharfen Charakteristik Dietzgens zu begreifen. Man braucht sich nur an die übergroße Mehrzahl der in den europäischen Ländern so häufig auftauchenden philosophischen Moderichtungen zu erinnern, angefangen beispielsweise mit denen, die an die Entdeckung des Radiums anknüpften, bis zu denen, die sich heute an Einstein zu klammern suchen, um eine Vorstellung von dem Zusammenhang zu bekommen, der zwischen den Klasseninteressen und der Klassenstellung der Bourgeoisie sowie der Unterstützung, die sie jeglichen Formen der Religion gewährt, und dem Ideeninhalt der philosophischen Moderichtungen besteht. Aus dem Gesagten ist ersichtlich, daaa eine Zeitschrift, die ein Organ des streitbaren Materialismus sein will, erstens ein Kampforgan im Sinne der unentwegten Entlarvung und Verfolgung aller modernen ´diplomierten Lakaien der Pfafferei` sein muss, einerlei, ob diese als Repräsentanten der offiziellen Wissenschaft oder als Freischärler auftreten, die sich ´demokratisch- radikale oder ideell-sozialistische` Publizisten nennen. Eine solche Zeitschrift muss zweitens ein Organ des streitbaren Atheismus sein. Die gesamte einschlägige Literatur in allen Sprachen muss aufmerksam verfolgt und alles, was auf diesem Gebiet von irgendwelchem Wert ist, übersetzt oder mindestens besprochen werden.

Engels hat den Führern des modernen Proletariats schon vor langer Zeit den Rat gegeben, die kämpferische atheistische Literatur vom Ende des 18. Jahrhunderts zur Massenverbreitung unter dem Volk zu übersetzen [MEW, Band 18, Seite 532] . Zu unserer Schande haben wir dies bisher noch nicht getan ( einer von den zahlreichen Beweisen dafür, dass es viel leichter ist, in einer revolutionären Epoche die Macht zu erobern, als diese Macht richtig zu gebrauchen).“ (Lenin, Band 33, Seite214/215).

Nicht minder wichtig, wenn nicht gar noch wichtiger, als das Bündnis mit den konsequenten Materialisten, die nicht der Partei der Kommunisten angehören, ist für die vom streitbaren Materialismus zu leistende Arbeit das Bündnis mit den Vertretern der modernen Naturwissenschaft, die dem Materialismus zuneigen und sich nicht scheuen, ihn entgegen den in der sogenannten ´gebildeten Gesellschaft` herrschenden philosophischen Modeschwankungen zum Idealismus und Skeptizismus zu verfechten und zu propagieren.“

Die Fragen, welche die jüngste Revolution auf dem Gebiet der Naturwissenschaft aufwirft, aufmerksam zu verfolgen und hierzu Naturforscher für die Mitarbeit an der philosophischen Zeitschrift zu gewinnen, ist daher eine Aufgabe, ohne deren Lösung der streitbare Materialismus schlechthin weder streitbar noch materialistisch sein kann. Wenn Timirjasew im ersten Heft der Zeitschrifthervorheben musste, dass schon eine Unzahl Vertreter der bürgerlichen Intelligenz in allen Ländern die Theorie Einsteins, der nach Timirjasews Worten persönlich keinerlei aktiven Feldzug gegen die Grundlagen des Materialismus führt, auszuschlachten versucht, so gilt das nicht nur für Einstein allein, sondern für eine ganze Reihe, wenn nicht die Mehrzahl aller großen Neuerer in der Naturwissenschaft seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Und um einer solchen Erscheinung nicht ratlos gegenüberzustehen, müssen wir begreifen, dass sich ohne eine gediegene philosophische Grundlage keine Naturwissenschaft, kein Materialismus im Kampf gegen den Ansturm der bürgerlichen Ideen und gegen die Wiederherstellung der bürgerlichen Weltanschauung behaupten kann. Um diesen Kampf bestehen und mit vollem Erfolg zu Ende führen zu können, muss der Naturforscher moderner Materialist, bewusster Anhänger des von Marx vertretenen Materialismus sein, das heißt, er muss dialektischer Materialist sein.“ (Lenin, Band 33, Seite 218 / 219).

Es [Artikel von A. Sorokin über Ehen in Petrograd, veröffentlicht in der Zeitschrift „Pod Snamenem Marxisma“ - Red.] ist eines von den Beispielen dafür, wie die moderne Quasi-Wissenschaft in Wirklichkeit als Schrittmacher der krassesten und niederträchtigsten reaktionären Anschauungen dient. (...)

Sicher rechnen sich sowohl dieser Herr als selbst auch die `Russische Technische Gesellschaft`, die die Zeitschrift herausgibt und derartige Betrachtungen veröffentlicht, zu den Verfechtern der Demokratie und betrachten es als schwere beleidigung, wenn man sie als das bezeichnet, was sie in Wirklichkeit sind, nämlich Anhänger der Leibeigenschaft, als Reaktionäre, als ´diplomierte Lakaien der Pfafferei` (...) dass dieser Verfasser die Wahrheit zu Gunsten der Reaktion und der Bourgeoisie verfälscht.“ (Lenin, Band 33, Seite 221/222).

Russland unterscheidet sich in dieser Hinsicht [Thema: „Ehescheidungen“ – Redaktion] von den anderen Ländern lediglich dadurch, dass seine Gesetze die Heuchelei und die rechtlose Lage der Frau und ihres Kindes nicht sanktionieren, sondern offen und im Namen der Staatsmacht der Heuchelei und jeder Rechtlosigkeit den systematischen Krieg erklären.

Eine marxistische Zeitschrift wird auch gegen die modernen ´gebildeten` Anhänger der Leibeigenschaft dieser Sorte Krieg führen müssen. Wahrscheinlich bezieht bei uns ein nicht geringer Teil dieser Leute sogar Staatsgelder und steht im Staatsdienst, um die Jugend aufzuklären, obwohl sie dazu nicht mehr taugen, als notorische Kinderschänder in der Rolle von Erziehern an Schulen für die unterste Altersstufe taugen würden.

Die Arbeiterklasse hat es vermocht, die Macht zu erobern, aber es noch nicht gelernt, sie zu gebrauchen, denn sonst hätte sie derartige Lehrer und Mitglieder gelehrter Gesellschaften schon längst aufs Höflichste in die Länder der bürgerlichen ´Demokratie` hinauskomplimentiert. Dort ist für solche Leibeigenschaftsapostel gerade der richtige Platz. Sie wird es lernen, wenn sie nur will.“ (Lenin, Band 33, Seite 222/223).



Lenin, Brief „An Karl Steinmetz, 19. April 1922:

In allen Ländern der Welt wächst – langsamer, als es zu wünschen ist, aber unaufhaltsam und unentwegt – die Zahl der Vertreter von Wissenschaft, Technik und Kunst, die sich von der Notwendigkeit überzeugen, den Kapitalismus durch eine andere sozialökonomische Ordnung zu ersetzen, und die sich durch die ´schrecklichen Schwierigkeiten` (...) , die Sowjetrussland im Kampf gegen die ganze kapitalistische Welt zu überstehen hat, nicht abgestoßen, nicht abgeschreckt fühlen, sondern im Gegenteil sich dadurch bewusst werden, dass der Kampf unvermeidlich ist und dass man sich nach Kräften daran beteiligen muss, um dem Neuen zu helfen, das Alte zu bezwingen.“ Mit bestem Gruß, Ihr Lenin (Lenin, Band 35, Seite 530/532).