Schulungstext der Komintern / ML

gegen den Intellektualismus

Die Komintern /ML widmet diesem Kampf gegen den Intellektualismus stets besondere Aufmerksamkeit und der Genosse Wolfgang Eggers hat hier eine kleine , nützliche Zitatensammlung der Klassiker Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha für uns zusammengestellt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.





Lenin

Zitatensammlung über

die bürgerliche / kleinbürgerliche Intelligenz

und der Kampf gegen die intelligenzlerisch - opportunistischen Elemente

I

(1895 – 1916)





Lenin, der ökonomische Inhalt der Volkstümlerrichtung, 1895:

Ihr prahlt, die russische ständelose Intelligenz habe sich stets durch `Reinheit` der Ideen ausgezeichnet – deshalb war sie ja auch stets ohnmächtig.“ (Lenin, Band 1, Seite 436).



Lenin, Rezension über das Buch von K. Kautsky, 1899:

Die labile, widerspruchsvolle Übergangsstellung der hier betrachteten Gesellschaftsschicht kommt darin zum Ausdruck, dass jene zwieschlächtigen, eklektischen Anschauungen unter ihr besonders weit verbreitet sind, jener Mischmasch entgegengesetzter Prinzipien und Ansichten, jenes Bestreben, sich in Worten in die erhabensten Sphären zu erheben und die Konflikte der historischen Bevölkerungsgruppen durch Phrasen zu vertuschen – Anschauungen, die Marx vor einem halben Jahrhundert mit seinen Sarkasmen geißelte.“ (Lenin, Band 4, Seite 196).



Lenin, Entwurf eines Programms unserer Partei, 1899:

Heute, wo die sozialdemokratische Tätigkeit bereits einen ziemlich weiten Kreis sowohl sozialistischer Intellektueller als auch klassenbewusster Arbeiter aufgerüttelt hat, ist es dringend notwendig, die Verbindung zwischen ihnen durch ein Programm zu festigen und auf diese Weise ihnen allen eine feste Basis für die weitere, umfassendere Tätigkeit zu geben.“ (Lenin, Band 4, Seite 224).



Lenin, Vorwort zu der Broschüre „Die Maitage in Charkow“, November 1900:

Was wir vor allem und in erster Linie anstreben müssen, ist nicht, eine künstliche Scheidewand zwischen Intellektuellen und Arbeitern zu errichten, nicht, eine `reine Arbeiter`organisation zu schaffen, sondern eben die erwähnte Vereinigung.“ (Lenin, Band 4, Seite 359).



Lenin, Die Aufgaben der russischen Sozialdemokraten, 1902:

Die Gebildeten, überhaupt die `Intelligenz` , müssen sich gegen die barbarische polizeiliche Unterdrückung durch den Absolutismus auflehnen, der Denken und Wissen folgt, die materiellen Interessen dieser Intelligenz binden sie jedoch an den Absolutismus, an die Bourgeoisie, zwingen sie, inkonsequent zu sein, Kompromisse zu schließen, ihren oppositionellen und revolutionären Elan für ein Beamtengehalt oder für eine Beteiligung an Profiten und Dividenden zu verkaufen.“ (Lenin, Band 2, Seite 338).



Lenin, Revolutionäres Abenteuertum, August- September 1902:

Gegen die Marxsche Lehre von der einzigen wirklich revolutionären Klasse der modernen Gesellschaft führen die Sozialrevolutionäre die Dreieinigkeit `Intelligenz, Proletariat, Bauernschaft` ins Feld, womit sie ihre hoffnungslose Begriffsverwirrung enthüllen. Stellt man die Intelligenz dem Proletariat und der Bauernschaft gegenüber, so bedeutet das, dass man sie als eine bestimmtew soziale Schicht, als eine Gruppe von Personen betrachtet, die eine soziale Stellung einnehmen, welche ebenso bestimmt ist wie die soziale Stellung der Lohnarbeiter und der Bauern. Als eine solche Schicht aber ist die russische Intelligenz gerade eine bürgerliche und kleinbürgerliche Intelligenz. In Hinsicht auf diese Schicht hat Struve durchaus Recht, wenn er seine Zeitung als Organ der russischen Intelligenz bezeichnet. Meint man aber jene Intellektuellen, die noch keine bestimmte soziale Stellung eingenommen haben oder aber vom Leben aus ihrer normalen Stellung bereits hinausgeworfen worden sind und auf die Seite des Proletariats übergehen, so ist es völlig unsinnig, diese Intelligenz dem Proletarier gegenüberzustellen. Wie jede andere Klasse der modernen Gesellschaft bringt das Proletariat nicht nur seine eigene Intelligenz hervor, es gewinnt auch Anhänger aus allen Kreisen der Gebildeten. Der Feldzug der Sozialrevolutionäre gegen das grundlegende `Dogma` des Marxismus beweist wieder einmal nur, dass die ganze Kraft dieser Partei in dem Häuflein jener russischen Intellektuellen verkörpert ist, die sich zwar vom Alten abgewandt, dem Neuen aber noch nicht zugewandt haben.“ (Lenin, Band 6, Seite 190).



Lenin, Brief an einen Genossen über unsere organisatorischen Aufgaben, September 1902:

(Die örtliche Organisation) müsse sowohl aus Arbeitern wie aus Intellektuellen bestehen, denn deren Trennung in zwei Komitees sei schädlich. Das ist durchaus und unbedingt richtig. Es darf nur ein Komitee der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands geben, und ihm müssen politisch bewusste Sozialdemokraten angehören, die sich ganz der sozialdemokratischen Tätigkeit widmen. Man soll sich besonders darum bemühen, dass möglichst viele Arbeiter zu politisch vollauf bewussten Berufsrevolutionären werden und ins Komitee kommen. Man soll sich bemühen, ins Komitee Arbeiterrevolutionäre aufzunehmen, die die meisten Verbindungen und den besten `Ruf` in der Arbeitermasse haben. Besteht ein einheitliches und nicht zwiespältiges Komitee, so gewinnt die Forderung, dass die Komiteemitglieder viele Arbeiter persönlich kennen, besondere Bedeutung. Um alles leiten zu können, was in der Arbeiterschaft vor sich geht, muss man die Möglichkeit haben, überall hinzugelangen, muss man sehr viele Leute kennen, muss man alle Wege und Schliche kennen usw. usf. Dem Komitee müssen daher nach Möglichkeit alle bedeutenden Führer der Arbeiterbewegung aus der Mitte der Arbeiterschaft selbst angehören...“ (Lenin, Band 6, Seite 229).



Lenin, Neue Ereignisse und alte Fragen, 1902

...Intelligenz, die zwar revolutionär gestimmt ist, aber häufig weder eine ständige Verbindung mit der Arbeiterklasse noch eine feste Grundlage klar umrissener sozialistischer Überzeugungen hat...“ (Lenin, Band 6, Seite 270).



Lenin, Mitteilung über die Bildung des „Organisationskomitees“, 15. Januar 1903:

Die Vereinigung, die Wiederherstellung der Einheit der Partei ist die dringendste, eine sofortige Lösung erheischende Aufgabe der russischen Sozialdemokraten. Diese Aufgabe ist sehr schwierig, denn was wir brauchen, ist nicht die Vereinigung einiger Grüppchen revolutionär gesinnter Intellektueller, sondern der Zusammenschluss aller führenden Kräfte der Arbeiterbewegung, die eine ganze große Klasse der Bevölkerung zu selbständigem Leben und Kampf aufgerüttelt hat. Wir brauchen eine Vereinigung auf der Grundlage strenger prinzipieller Einmütigkeit, zu der sich alle oder doch die überwiegende Mehrheit der Komitees, Organisationen und Gruppen, der Intellektuellen UND der Arbeiter, die in verschiedenen Verhältnissen unter verschiedenen Bedingungen tätig und manchmal auf ganz verschiedenen Wegen zu ihren sozialdemokratischen Überzeugungen gelangt sind, bewusst und entschieden durchdringen müssen. Eine solche Vereinigung kann man keinesfalls dekretieren, man kann sie nicht auf einmal bewerkstelligen, nur durch Resolutionen einer Delegiertenversammlung, man muss sie vielmehr systematisch, Schritt für Schritt vorbereiten und erarbeiten.“ (Lenin, Band 6, Seite 304).



Lenin, Les beaux esprits se recontrent, 1903:

Sie lehnen sich niemals entschieden gegen Marx auf – Gott behüte! Im Gegenteil, sie werfen fortwährend mit Zitaten von Marx und Engels um sich und versichern mit Tränen in den Augen, dass sie mit ihnen fast in allem einverstanden seien.“ (Lenin, Band 6, Seite 433).



Lenin, Die Aufgaben der revolutionären Jugend, September 1903:

... so erweist sich, dass es in der heutigen Studentenschaft sechs politische Gruppen gibt: Reaktionäre, Gleichgültige, Akademisten, Liberale, Sozialrevolutionäre und Sozialdemokraten.“ (Lenin, Band 7, Seite 31).

Wenn die politische Gruppierung der Studentenschaft der politischen Gruppierung der Gesellschaft entspricht, bedeutet das dann nicht an sich schon , dass man unter `ideologischer Einigung` der Studentenschaft nur eines von beiden verstehen kann: Entweder die Gewinnung einer möglichst großen Zahl von Studenten für einen ganz bestimmten Kreis sozialer und politischer Ideen oder die möglichst enge Annäherung zwischen den Studenten einer bestimmten politischen Gruppe und den Vertretern dieser Gruppe außerhalb der Studentenschaft? Ist es nicht an sich schon klar, dass man von der Revolutionierung der Studentenschaft nur vom Standpunkt einer ganz bestimmten Auffassung über Inhalt und Charakter dieser Revolutionierung sprechen kann? Für einen Sozialdemokraten zum Beispiel bedeutet sie erstens die Verbreitung der sozialdemokratischen Anschauungen in der Studentenschaft und den Kampf gegen jene Ansichten, die sich zwar `sozialistisch` und `revolutionär` nennen,aber mit dem revolutionären Sozialismus nichts gemein haben, und zweitens das Bestreben, jede demokratische, darunter auch die akademische Bewegung in der Studentenschaft auszuweiten, sie bewusster und entschlossener zu machen.“ (Lenin, Band 7, Seite 35).

Der Bruch der sozialdemokratischen Studenten mit den Revolutionären und Politikern aller übrigen Richtungen bedeutet keineswegs, den Bruch mit den allgemein-studentischen und den Bildungsorganisationen; im Gegenteil, nur wenn man auf dem Standpunkt eines ganz bestimmten Programms steht, kann und soll man in den breitesten Kreisen der Studentenschaft an der Erweiterung des akademischen Gesichtskreises arbeiten und den wissenschaftlichen Sozialismus, d.h. den Marxismus, propagieren.“ (Lenin, Band 7, Seite 34/44).



Lenin, Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück, 1904:

Niemand wird zu leugnen wagen, dass die Intelligenz als besondere Schicht der modernen kapitalistischen Gesellschaft im Großen und Ganzen gerade durch den Individualismus und die Unfähigkeit zur Disziplin und Organisation gekennzeichnet ist (...); hierdurch unterscheidet sich diese Gesellschaftsschicht unter anderem ungünstig vom Proletariat; darin liegt eine der Erklärungen für die Schwächlichkeit und Wankelmütigkeit der Intelligenz, eine Eigenschaft, die das Proletariat so oft zu spüren bekommt; und diese Eigenschaft der Intelligenz steht in unlöslichem Zusammenhang mit ihren gewöhnlichen Lebensbedingungen und ihren Erwerbsverhältnissen, die sich in sehr vielem den Verhältnissen der kleinbürgerlichen Existenz nähern (Arbeit als Einzelperson oder in sehr kleinen Kollektiven usw.) “ (Lenin, Band 7, Seite 266-267).

Disziplin und Organisation, die der bürgerliche Intellektuelle so schwer begreift, eignet sich das Proletariat dank der `Schule` , die es in der Fabrik durchmacht, besonders leicht an. Die Todesangst vor dieser Schule, das völlige Nichtverstehen ihrer organisierenden Bedeutung sind eben für Denkmethoden charakteristisch, die kleinbürgerliche Existenzbedingungen widerspiegeln und jene Art von Anarchismus erzeugen, die von den deutschen Sozialdemokraten Edelanrachismus genannt wird.“ (ebenda, Seite 395).

Hier kann und muss der Proletarier, der durch die Schule der `Fabrik` gegangen ist, dem anarchistischen Individualismus eine Lehre erteilen. Der klassenbewusste Arbeiter hat längst jene Säuglingszeit überwunden, in welcher er den Intellektuellen als solchen mied. Der klassenbewusste Arbeiter weiß jenen reicheren Wissensschatz, jenen weiteren politischen Gesichtskreis, den er bei den sozialdemokratischen Intellektuellen findet, zu schätzen. Aber in dem Maße, wie sich bei uns eine wirkliche Partei herausbildet, muss der klassenbewusste Arbeiter lernen, die Mentalität eines Soldaten der proletarischen Armee von der Mentalität eines bürgerlichen Intellektuellen zu unterscheiden, der mit anarchistischen Phrasen prunkt; er muss lernen, die Erfüllung der Pflichten eines Parteimitglieds nicht nur von den einfachen Mitgliedern, sondern auch von den `Leuten an der Spitze` zu fordern, er muss lernen, der Nachtrabpolitik in organisatorischen Fragen mit derselben Verachtung zu begegnen, mit der er in vergangenen Jahren der Nachtrabpolitik in taktischen Fragen begegnet ist!“ (ebenda, Seite 399).



Lenin, An die Partei, August 1904:

Unter dem Namen `Minderheit` haben sich in der Partei verschiedene Elemente zusammengeschlossen, die miteinander verbunden sind durch das bewusste und unbewusste Bestreben, die Zirkelbeziehungen, die Organisationsformen aus der Zeit vor der Partei aufrechtzuerhalten(...)

Als ihre Bundesgenossen erwiesen sich alle jene Elemente, die in der Theorie und Praxis von den Prinzipien des strengen Sozialdemokratismus abwichen, denn nur das Zirkelwesen konnte das ideologische Eigengeprüge und den Einfluss dieser Elemente bewahren, während das Parteiprinzip sie mit der Auflösung oder mit dem Verlust jedes Einflusses bedrohte (...) Als Hauptkader der Opposition dienten schließlich überhaupt alle jene Elemente unserer Partei, die vorwiegend der Intelligenz angehörten. Im Vergleich zum Proletariat ist die Intelligenz stets individualistischer, schon kraft der Grundbedingungen ihres Lebens und ihrer Arbeit, die ihr nicht unmittelbar eine weitgehende Zusammenfassung der Kräfte gestatten und somit keine unmittelbare Erziehung durch organisierte gemeinsame Arbeit geben. Daher fällt es den intellektuellen Elementen schwerer, sich der Disziplin des Parteilebens anzupassen, und diejenigen von ihnen, die außerstande sind, mit dieser Aufgabe fertig zu werden, entrollen natürlich das Banner des Aufstands gegen die notwendigen organisatorischen Beschränkungen und erheben ihren spontanen Anarchismus zum Kampfprinzip, wobei sie ihn fälschlich als Streben nach `Autonomie` , als Forderung nach `Duldsamkeit` usw. bezeichnen.“ (Lenin, Band 7, Seite 460/462).



Lenin, Über gute Demonstrationen der Proletarier und schlechte Betrachtungen einiger Intellektueller, Dezember 1904:

Sowohl das alte `Rabotscheje Delo` als auch die neue `Iskra` schwören nur deshalb immer wieder auf die Worte Selbsttätigkeit und Selbsterziehung des Proletariats, weil sich hinter diesen Schwüren die intelligenzlerische Verkennung der wirklichen Kräfte und aktuellen Aufgaben des Proletariats verbirgt (...) ... wodurch sie die Aufmerksamkeit des Proletariats auf das Parlamentarismusspielen hinlenken und von der immer näher rückenden Aufgabe des direkten Ansturms gegen die Selbstherrschaft an der Spitze eines Volksaufstandes ablenken.“ (Lenin, Band 8, Seite 19).



Lenin, Die Selbstherrschaft und das Proletariat, 4. Januar 1905:

In der kapitalistischen Gesellschaft ist eine Massenbewegung nur als proletarische Klassenbewegung möglich. (...) Es ist kein Wunder, dass sich unter den revolutionären Intellektuellen gerade diejenigen für den Terror begeistern ( auf lange oder kurze Zeit), die nicht an die Lebensfähigkeit und die Kraft des Proletariats und des proletarischen Klassenkampfes glauben.“ (Lenin, Band 8, Seite 7).

Die Organisationsarbeit aber ist unmöglich ohne einen entschiedenen Widerstand gegen jene organisationsfeindlichen Tendenzen, deren Träger bei uns, wie überall, der charakterlose und seine Losungen wie das Hemd wechselnde intelligenzlerische Teil der Partei ist;“ (Lenin, Band 8, Seite 12).



Lenin, Brief an einen Genossen in Russland, Genf 6. Januar 1905:

Die Intelligenz, zum Unterschied von den Semstwoleuten etc., zur bürgerlichen Demokratie zu rechnen ist größter Unsinn. An sie zu appelieren, eine ´selbständige Kraft` zu werden (...) ist eine Plattheit. Hier wird die reale Grundlage für die breite Demokratie (Bauern, Kustare etc.) ignoriert, werden die Sozialrevolutionäre außer Acht gelassen, die natürlichen und unvermeidlichen Linken der radikalen Intelligenz. Ich kann diesen Gedanken hier nur andeuten, man muss sie in der Presse ausführlicher darlegen.

Bei Starower findet sich eine Unmenge prätentiösen Blödsinns, wie: die ´demokratische Intelligenz` sei der ´Bewegungsnerv`(!) des Liberalismus u.ä. Sein Versuch, den Hinweis auf das ´dritte Element`, auf die Kulturreformer, auf die intellektuellen Semstwoangestellten usw. als ´neues Wort` zu bezeichnen, ist einfach lächerlich. Siehe meine Innerpolitische Rundschau in der `Sarja` Nr. 2-3, in der ein ganzes Kapitel enthalten ist: `Das dritte Element`. Nur die neue `Iskra` konte hier ein ´neues Wort` entdecken.“

Es stimmt nicht, dass die Sozialdemokraten als Avantgarde nur auf die demokratische Intelligenz einwirken können. Sie können auch auf die Semstwoleute einwirken, und tun dies auch.

Es stimmt nicht, dass es außer den Semstwoleuten und der demokratischen Intelligenz niemand gibt, auf den man einwirken kann (die Bauern, die Kustare etc.).

Es stimmt nicht, dass die Intelligenz, zum Unterschied von den Liberalen, die ´bürgerliche Demokratie` darstellt.“ (Lenin, Band 34, Seite 277/278).



Lenin, Arbeiterdemokratie und bürgerliche Demokratie, 24. Januar 1905:

... entbehrt die Auffassung, dass die Intelligenz eine selbständige Kraft werden könne, jeder Grundlage. (...) Die neuentdeckte Intellektuellendemokratie und die Notwendigkeit, sie unter das Banner der Sozialdemokratie zu rufen, wurde von dem bösen Lenin schon vor drei Jahren `entdeckt`!“ (...) ... die russische demokratische Intelligenz ihrer politischen Stellung nach nicht zufällig, sondern notwendigerweise in drei Richtungen zerfällt: in die Richtung des `Oswoboshdenije“, in die sozialrevolutionäre und in die sozialdemokratische Richtung (...) ...jede bringt (...) den Standpunkt entweder der gemäßigten oder der revolutionären Ideologen der bürgerlichen Demokratie oder aber den Standpunkt des Proletariats zu Ausdruck.“ (Lenin, Werke, Band 8, Seite 64).



Lenin, Von der Volkstümlerrichtung zum Marxismus, 24. Januar 1905:

Neben der materialistischen Geschichtsauffassung kommt die alte Auffassung von der Intelligenz zum Vorschein, die angeblich imstande ist, mehr oder minder günstige Wege für das Vaterland zu wählen und zu einem über den Klassen stehenden Richter des Kapitalismus zu werden, nicht aber zum Sprachrohr der Klasse, die gerade infolge der Zerstörung der alten Lebensformen durch den Kapitalismus erzeugt wird.“ (Lenin, Band 8, Seite 72).



Lenin, Die ersten Lehren, Februar 1905:

Die Streikbewegung hat in ganz Russland eine feste Grundlage erhalten. Die sozialdemokratische Partei wird gegründet. - 1901 – der Arbeiter eilt dem Studenten zur Hilfe. Eine Demonstrationsbewegung setzt ein. Das Proletariat trägt seinen Ruf: Nieder mit der Selbstherrschaft! Die radikale Intelligenz teilt sich endgültig in eine liberale, eine revolutionär-bürgerliche und eine sozialdemokratische. Die Beteiligung von Organisationen der revolutionären Sozialdemokratie an den Demonstrationen wird immer breiter, aktiver, unmittelbarer. - 1902 – der gewaltige Streik in Rostow gestaltet sich zu einer hervorragenden Demonstration. Die politische Bewegung des Proletariats lehnt sich schon nicht mehr an die Bewegung der Intellektuellen, der Studenten an, sondern wächst unmittelbar aus dem Streik hervor. Die Beteiligung der organisierten revolutionären Sozialdemokratie ist noch aktiver. Das Proletariat erkämpft für sich und für die revolutionären Sozialdemokraten seines Komitees die Freiheit öffentlicher Massenversammlungen. Das Proletariat stellt sich zum ersten Mal als Klasse allen anderen Klassen und der Zarenregierung gegenüber. - 1903 – wieder verschmelzen die Streiks mit den politischen Demonstrationen, aber auf einer noch breiteren Basis. (...) Man spürt, dass wir am Vorabend von Barrikadenkämpfen stehen (...). Der Vorabend erweist sich jedoch als verhältnismäßig lang, als ob er uns lehren wollte, dass mächtige Klassen ihre Kräfte mitunter monate- und jahrelang sammeln, als ob er die kleinbürgerlichen Intellektuellen, die sich der Sozialdemokratie angeschlossen haben, auf die Probe stellen wollte.“ (Lenin, Band 8, Seite 128).



Lenin, Zwei Taktiken, 14. Februar 1905:

Im Namen der Selbsttätigkeit des Proletariats verteidigten Axelrod und Martynow, Martow und Liber (der Bundist) auf dem Parteitag das Recht der Professoren und Gymnasiasten, Parteimitglieder zu sein, ohne irgendeiner Organisation anzugehören. Im Namen der Selbsttätigkeit des Proletariats wurde die Theorie der `Organisation als Prozess` ausgeheckt, die die Desorganisation rechtfertigte und den Intellektuellenanarchismus pries.“ (Lenin, Band 8, Seite 137).



Lenin, Über ein Kampfabkommen für den Aufstand, 21. Februar 1905:

Der intelligenzlerische Terror und die Massenbewegung der Arbeiter waren getrennt und ermangelten infolge dieses Getrenntseins der notwendigen Kraft. Gerade das hat die revolutionäre Sozialdemokratie immer gesagt. Gerade deshalb bekämpfte sie stets nicht nur den Terror, sondern auch jene Schwankungen in der Richtung zum Terror, die die Vertreter des Intellektuellenflügels unserer Partei mehr als einmal an den Tag legten.“ (Lenin, Band 8, Seite 148).



Lenin, Gesamtplan der Beschlüsse des III. Parteitags, Februar 1905:

Nur wenn die fortgeschrittenen Arbeiter völlig bewusst handeln, wenn die Grenze zwischen Intellektuellen und Arbeitern innerhalb der Sozialdemokratie ganz beseitigt ist, wird eine sozialdemokratische Klassenpartei des Proletariats gewährleistet sein.“ (Lenin, Band 8, Seite 174).



Lenin, Rede über das Verhältnis zwischen Arbeitern und Intellektuellen in den sozialdemokratischen Organisationen – III. Parteitag der SDAPR, 20. April 1905:

Hier wurde gesagt, dass die Träger der sozialdemokratischen Ideen vorwiegend Intellektuelle waren. Das stimmt nicht. In der Epoche des Ökonomismus waren die Träger der revolutionären Ideen Arbeiter und nicht Intellektuelle. (...) Es wurde ferner darauf hingewiesen, dass die Anstifter der Spaltungen gewöhnlich Intellektuelle waren. Dieser Hinweis ist sehr wichtig, löst aber die Frage nicht. Ich habe schon längst in meinen gedruckten Schriften den Rat gegeben, dass man in möglichst großer Zahl Arbeiter in die Komitees aufnimmt. (...) Arbeiter in die Komitees aufzunehmen ist nicht nur eine pädagogische, sondern auch eine politische Aufgabe. Die Arbeiter haben Klasseninstinkt, und bei einiger politischer Übung werden sie ziemlich schnell standhafte Sozialdemokraten. Ich wäre sehr dafür, dass in unseren Komitees auf je 2 Intellektuelle 8 Arbeiter kämen.“ (Lenin, Band 8, Seite 404/405).

Lenin, Resolutionsentwurf über das Verhältnis zwischen Arbeitern und Intellektuellen in den sozialdemokratischen Organisationen – III. Parteitag der SDAPR, 22. April 1905:

In Erwägung,

  1. dass die schon seit der Zeit des Ökonomismus begonnenen Versuche, zwischen den der Partei angehörenden Arbeitern und Intellektuellen Feindschaft und Misstrauen zu säen, vom rechten Flügel unserer Partei bis auf den heutigen Tag systematisch fortgesetzt werden, Versuche, unsere Parteiorganisationen als reine Intellektuellenorganisationen hinzustellen, was von den Feinden der Sozialdemokratie geschickt ausgenutzt wird, Versuche, die sozialdemokratischen Organisationen dessen zu beschuldigen, dass sie durch die Parteidisziplin die Selbsttätigkeit der Arbeiterklasse fesseln, Versuche, mit der Losung des Prinzips der Wählbarkeit groß zu tun, wobei meist keine ernsten Schritte unternommen werden, die Losung in die Tat umzusetzen;

    (...) erinnert der III. Parteitag der SDAPR (...) noch einmal (...) : mit allen Kräften die Verbindung der Partei mit der Masse der Arbeiterklasse zu festigen, immer breitere Schichten von Proletariern und Halbproletariern zu vollem sozialdemokratischem Bewusstsein emporzuheben, ihre revolutionäre sozialdemokratische Selbsttätigkeit zu entwickeln und dafür zu sorgen, dass die Arbeitermasse eine möglichst große Zahl von Arbeitern hervorbringt, die fähig sind, die Bewegung und die Organisationen der Partei zu leiten, sowohl als Mitglieder der lokalen Zentralstellen als auch der Zentralleitung der gesamten Partei; möglichst viele unserer Partei angehörende Arbeiterorganisationen, die der Partei nicht beitreten wollen oder keine Möglichkeit dazu haben, sich wenigstens an die Partei anzuschließen.“ (Lenin, Band 8, Seite 406/407).



Lenin, Rede über die Redaktion von § 9 des Parteistatuts, 21. April 1905:

Die Intellektuellen müssen immer mit eiserner Faust angepackt werden. Sie sind immer die Anstifter aller möglichen Zänkereien, und deshalb beantrage ich, an Stelle des Wortes `Peripherie` die Worte `organisierte Arbeiter`zu setzen. (...) Wenn unser ZK immer wissen wird, wieviel organisierte Arbeiter in der betreffenden Organisation sind, wird es ihre Meinung berücksichtigen müssen und verpflichtet sein, auf Verlangen der organisierten Arbeiter das Lokalkomitee zu kassieren.“ (Lenin, Band 8, Seite 412).



Lenin, Ein neuer revolutionärer Arbeiterbund, 17. Juni 1905:

Indem sie für die Freiheit kämpfen, ohne eine enge Verbindung mit dem proletarischen Kampf um den Sozialismus herzustellen, spielen diese Elemente eine Rolle, deren objektive Bedeutung darauf hinausläuft, die Interessen der Bourgeoisie durchzuführen.“ (Lenin, Band 7, Seite 503).



Lenin, Ein Bild der provisorischen revolutionären Regierung, Juni/Juli 1905:

Schlachtordnung der hauptsächlichen gesellschaftlichen Kräfte:

  1. das Proletariat. Sehr große Organisiertheit, Disziplin. Revolutionär. Kritisch eingestellt zur Kleinbourgeoisie. Weniger ideologische Führer als bei allen übrigen, nur die sozialdemokratische Intelligenz und die sozialdemokratisch gebildeten Arbeiter. Im Vergleich zu vorhergehenden Schicht (die kleinbürgerliche und bäuerliche Schicht) zahlenmäßig viel schwächer, aber Kampffähigkeit viel stärker.“ (Lenin, Band 8, Seite 539).



Lenin, Politischer Streik und Straßenkampf in Moskau, 17. Oktober 1905:

Schließt man die Universität, so eröffnet man den Straßenkampf; öffnet man die Universität, so eröffnet man eine Tribüne für revolutionäre Volksversammlungen, die neue und noch entschlossenere Freiheitskämpfer hervorbringen werden.“ (Lenin, Band 9, Seite 352).



Lenin, Parteiorganisation und Parteiliteratur, 13. November 1905:

Worin besteht nun dieses Prinzip der Parteiliteratur? Nicht nur darin, dass für das sozialistische Proletariat die literarische Tätigkeit keine Quelle des Gewinns von Einzelpersonen oder Gruppen sein darf, sie darf überhaupt keine individuelle Angelegenheit sein, die von der allgemeinen proletarischen Sache unabhängig ist. Nieder mit den parteilosen Literaten! Nieder mit den literarischen Übermenschen! Die literarische Tätigkeit muss zu einem Teil der allgemeinen proletarischen sache, zu einem `Rädchen und Schräubchen` des einen einheitlichen, großen sozialdemokratischen Mechanismus werden, der von dem ganzen politisch bewussten Vortrupp der ganzen Arbeiterklasse in Bewegung gesetzt wird. Die literarische Betätigung muss ein Bestandteil der organisierten, planmäßigen, vereinigten, sozialdemokratischen Parteiarbeit werden.“ (Lenin, Band 10, Seite 30/31).



Lenin, Über die Reorganisation der Partei, 15. und 16. November 1905:

Jetzt wird sich die Initiative der Arbeiter selbst in einem Ausmaß zeigen, von dem wir gestern, als wir noch Konspiratoren und `Zirkelveranstalter` waren, nicht einmal zu träumen wagten. Jetzt ist es so, das die Wirkung der sozialistischen Ideen auf die Massen des Proletariats Wege einschlägt und einschlagen wird, die wir häufig gar nicht verfolgen können. Dementsprechend wird es notwendig sein, für eine richtigere Verteilung der sozialdemokratischen Intelligenz zu sorgen*, damit sie sich nicht dort drängelt, wo die Bewegung schon auf eigenen Füßen steht und, wenn man sich so ausdrücken darf, mit eigenen Kräften auskommt, sondern `nach unten` geht, wo die Arbeit schwieriger ist, die Bedingungen härter sind und erfahrene und kenntnisreiche Menschen dringend gebraucht werden, wo es bedeutend weniger Lichtquellen gibt und das politische Leben schwächer pulsiert.

*) Ich habe auf dem III. Parteitag den Wunsch ausgesprochen, dass in den Parteikomitees auf etwa acht Arbeiter zwei Intellektuelle kommen sollen. Wie veraltet ist dieser Wunsch! Jetzt wäre zu wünschen, dass in den neuen Parteiorganisationen auf ein Parteimitglied der sozialdemokratischen Intelligenz einige hundert sozialdemokratische Arbeiter kommen.

Man kann ja das Verhältnis zwischen den Funktionen der Intellektuellen und der Proletarier (Arbeiter) in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung wohl ziemlich genau mit der allgemeinen Formel ausdrücken: Die Intellektuellen verstehen es gut, Fragen `prinzipiell` zu lösen, ein Schema zu zeichnen und zu beurteilen, was man tun muss ... die Arbeiter aber tun es, setzen die graue Theorie in die lebendige Praxis um. (...) Wir haben so lange in der Emigrationsatmosphäre `theoretisiert` (manchmal, gestehen wir`s nur, ins Leere hinein), dass es wahrhaftig nichts schadet, wenn wir jetzt ein klein wenig, ein ganz klein bisschen `den Bogen nach der anderen Seite überspannen` und die Praxis etwas mehr in den Vordergrund rücken. (...) Besonders wir Emigranten sehnen uns nach der Praxis. Und überdies haben wir doch schon ein recht gutes und vollständiges Programm der ganzen demokratischen Revolution ausgearbeitet. Vereinigen wir uns also, um diese Revolution auch zu vollbringen!“ (Lenin, Band 10, Seite 22/23).



Lenin, Unsere Aufgaben und der Sowjet der Arbeiterdeputierten, November 1905:

Freilich muss der rein proletarische Hauptkern in der provisorischen revolutionären Regierung stark sein, es dürften beispielsweise auf Hunderte von Arbeitern, Matrosen, Soldaten und Bauern nur Dutzende von Deputierten der revolutionären Intellektuellverbände kommen, und ich glaube, das Proletariat wird es verstehen, in der Praxis bald die richtige Proportion herzustellen.“ (Lenin, Band 10, Seite 8).



Lenin, Der Sieg der Kadetten und die Aufgaben der Arbeiterpartei, 28. März 1906:

... die geschwätzige, hochnäsige, selbstzufriedene, bornierte und feige bürgerliche Intelligenz... (Lenin, Band 10, Seite 216).



Lenin, Sozialrevolutionäre Menschewiki, 19. September 1906:

Die beiden großen Spaltungen in den Reihen der Sozialdemokratie – die Spaltung in `Ökonomisten` und Anhänger der alten `Iskra` in den Jahren 1900 bis 1903 und die Spaltung in `Menschewiki` und `Bolschewiki` in den Jahren 1903 bis 1906 – wurden hervorgerufen durch den scharfen Kampf der zwei Richtungen, die in der gesamten internationalen sozialistischen Bewegung festzustellen sind: der opportunistischen Richtung und der revolutionären Richtung (...).“ (Lenin, Band 11, Seite 184).



Lenin, Die Krise des Menschewismus, 7. Dezember 1906:

Passivität, das ist eine Eigenschaft der kleinbürgerlichen Intelligenz und nicht der Revolution.“ (Lenin, Band 11, Seite 344).

... Sozialdemokraten aber, Kommunisten, die ihre Aufgabe darin gesehen hätten, die Aktion der Massen in der Revolution zu `Abenteuern` zu erklären, das hat es noch nicht gegeben. Dazu war es notwendig, dass sich (...) charakterlose und feige russische Kleinbürger, die nicht an sich selbst glauben und bei jeder Wendung der Ereignisse zur Reaktion hin den Kopf hängen lassen, Leute, die (...) als `Intelligenz` bezeichnet werden, für revolutionäre Marxisten ausgeben.“ (Lenin, Band 11, Seite 352/353).

Wir wissen bereits, was hinter der Krise des Menschewismus, dieser seiner Entartung steckt: der Zweifel des kleinbürgerlichen Intellektuellen an der Möglichkeit des weiteren revolutionären Kampfes einerseits, die Furcht, die Revolution für abgeschlossen zu erklären, andererseits. `Der Menschewismus war nur eine instinktive halb spontane Sehnsucht nach einer Partei`, sagt Larin. Der Menschewismus ist die spontane Sehnsucht des Intellektuellen nach einer gestutzten Konstitution und friedlichem Legalismus, sagen wir. Der Menschewismus ist eine quasi-objektive, aus revolutionärem Milieu kommende Apologie der Reaktion. Die Bolschewiki haben von Anfang an (...) die Frage ganz anders gestellt. Sie waren sich des widerspruchvollen Charakters der Interessen und der Aufgaben der verschiedenen Klassen in der bürgerlichen Revolution durchaus bewusst und haben schon damals geradeheraus erklärt: Möglicherweise wird die russische Revolution mit einer konstititionellen Fehlgeburt enden. Als Anhänger und Ideologen des revolutionären Proletariats werden wir unsere Pflicht bis zu Ende erfüllen, wir werden ungeachtet allen Verrats und aller Niederträchtigkeiten der Liberalen, aller Schwankungen, der ganzen Zaghaftigkeit und aller Zweifel der Kleinbürger unsere revolutionären Losungen vertreten, wir werden alle revolutionären Möglichkeiten wirklich bis zu Ende ausschöpfen, wir werden stolz darauf sein, dass wir als erste den Weg des Aufstands beschritten haben und dieser Weg als letzte verlassen, erst wenn es wirklich unmöglich geworden ist, ihn fortzusetzen. Gegenwärtig aber sind wir noch sehr, sehr weit davon entfernt, alle revolutionären Möglichkeiten und Perspektiven für erschöpft zu halten. Unverhohlen und offen propagieren wir den Aufstand und die hartnäckige, beharrliche, langwierige Vorbereitung zum Aufstand. (...) Wir werden dem Proletariat sagen und beweisen, dass der Verrat der Bourgeoisie und die Schwankungen der Kleinbesitzer die bürgerliche Revolution zu Grunde gerichtet haben und dass das Proletariat jetzt selbst eine neue, sozialistische Revolution vorbereiten und durchführen wird. Auf dem Boden des Verfalls der Revolution, d.h. Des völligen Verrats der Bourgeoisie, werden wir daher keinesfalls irgendeinen Block mit der opportunistischen, ja nicht einmal mit der revolutionären Bourgeoisie eingehen, denn der Verfall der Revolution würde bedeuten, dass der bürgerliche Revolutionarismus zur leeren Phrase wird.“ (Lenin, Band 11, Seite 358/359).



Lenin, Zu einem Artikel im Organ des „Bund“, 20. Dezember 1906:

Die Kadetten (die Advokaten, Professoren und sonstigen bürgerlichen Intellektuellen – Anmerkung der Redaktion) sind nicht die bürgerliche Demokratie, sondern der verkörperte Verrat der Bourgeoisie an der Demokratie, ebenso wie beispielsweise die französischen Radikalsozialisten oder die deutschen Sozialliberalen keine sozialistischen Intellektuellen, sondern der verkörperte Verrat der Intelligenz am Sozialismus sind. Wenn man also die bürgerliche Demokratie unterstützen will, dann muss man die ganze Hohlheit des Quasi-Demokratismus der Kadetten entlarven. Daher wird der Revolution und der Sache der Arbeiterklasse gewaltiger Schaden durch die Plechanowleute zugefügt, die uns immer wieder zurufen: Man muss gegen die Reaktion und nicht gegen die Kadetten kämpfen! (...) Was ist der Kern und das Wesen dieses Kampfes? Etwa, dass die Kadetten Bourgeois sind? Natürlich nicht. Der Kern und das Wesen dieses Kampfes bestehen darin, dass die Kadetten leere Schwätzer sind, die das Wort Demokratie im Munde führen, während sie die kämpfende Demokratie verraten. (...) Gegen die Reaktion kämpfen heißt vor allem, die Massen ideologisch von der Reaktion losreißen.Die Stärke und Zählebigkeit des ideologischen Einflusses der `Reaktion` auf die Massen aber besteht durchaus nicht im Einfluss der Schwarzhunderter, sondern eben im Einfluss der Kadetten. Das ist kein Paradoxon. Der Schwarzhunderter ist ein offener und grob dreinschlagender Feind, der brandschatzen, morden und zerstören kann, aber nicht einmal einen unwissenden Bauern zu überzeugen vermag. Der Kadett aber überzeugt sowohl den Bauern als auch den Kleinbürger, (...) dass man auf friedlichem Wege (...) die Freiheit erringen könne.“ (Lenin, Band 11, Seite 380).



Lenin, Sozialdemokratie und Dumawahlen, 13./14. Januar 1907:

Bernsteinianertum, d.h. letzten Endes die Unterordnung der Arbeiterklasse unter die liberale Politik; die Arbeiter müssen den ökonomischen, die Liberalen aber den politischen Kampf führen. Damals wurde Frau Krukowa („Credo“; „Rabotscheje-Delo“-Leute) aus der Sozialdemokratischen Partei hinausgeworfen. Im Verein mit Herrn Prokopowitsch ging sie zu den Liberalen, den Kadetten. Später verließ sie auch die Kadetten und wurde `parteilose` Schriftstellerin in dem `parteilos`- kadettischen `Towarischtsch`.

Frau Krukowa ist keine Einzelerscheinung, sie ist die typische Verkörperung der kleinbürgerlichen Intelligenz, die in der Arbeiterpartei Opportunismus hineinträgt und von den Sozialdemokraten zu den Kadetten, von den Kadetten zu den Menschewiki usw. wandert. Das sind die Leute, die die Trommel rühren und Hurra schreien aus Anlass der Spaltung, die die Menschewiki unter den Petersburger Sozialdemokraten verursachen. Das sind die Leute, denen Arbeiter, die den Menschewiki Gefolgschaft leisten, die Sache des Proletariats ausliefern.“ (Lenin, Band 11, Seite 454).



Lenin, Der Narr als Richter, Januar 1907:

Außer dem Kampf mit Wahlzetteln gibt es noch einen Kampf anderer Art, der in revolutionären Epochen unweigerlich entbrennt. Diesen anderen Kampf zu vergessen sind Leute, die sich dünken, gebildete Intellektuelle zu sein, denen aber die Freiheitsliebe nichts als ein Lippenbekenntnis ist, nur allzu gern geneigt sind. Ihn zu vergessen sind die kleinen Eigentümer geneigt, die abseits stehen vom schärfsten Tageskampf gegen das Kapital und seine Herlfershelfer.“ (Lenin, Band 11, Seite 462).



Lenin, Vorwort zur russischen Übersetzung der Briefe von K. Marx an L. Kugelmann, 5. Februar 1907:

Plechanow hatte im November 1905 (...) direkt von der Notwendigkeit gesprochen, den Gebrauch der Waffen zu erlernen und sich zu bewaffnen. Als aber einen Monat darauf der Kampf ausbrach, beeilte sich Plechanow, ohne die Bedeutung dieses Kampfes, seine Rolle im Gesamtverlauf der Ereignisse, seinen Zusammenhang mit den vorhergehenden Kampfformen auch nur im Geringsten zu analysieren, den bußfertigen Intellektuellen zu spielen:`Man hätte nicht zu den Waffen greifen sollen`.“ (Lenin, Band 12, Seite 99/100).

Im September 1870 hatte Marx den Aufstand eine Torheit genannt. Als sich aber die Massen erhoben, will Marx mit ihnen marschieren, mit ihnen zusammen im Kampfe lernen, nicht aber kanzleimäßige Belehrungen verlesen.“ (ebenda, Seite 103).



Lenin, Intelligenzlerische Kämpen gegen die Herrschaft der Intelligenz, 30. März 1907:

Versucht, Genossen, wenigstens einmal über die Worte nachzudenken, aus denen ihr eure Phrasen flechtet! (...) Eure Phrasen (laufen) auf eine leere Tautologie, auf ein aufgeblasenes und prätentiöses Nichts hinaus.“ (Lenin, Band 12, Seite 312).

Für Sozialdemokraten ist die `Parteilosigkeit` (in der Taktik und in der Politik überhaupt) lediglich eine versteckte und darum besonders schädliche Form der Unterordnung der Arbeiter unter die bürgerliche Ideologie, unter die bürgerliche Politik.

Was aber bei euch, meine Herren, intellegenzlerischen Krieger gegen die `herrschende und bestimmende Rolle der Intelligenz` , herauskommt, ist keine proletarische Tat, sondern eine intelligenzlerische Phrase.“ (Lenin, Band 12, Seite 314).



Lenin, Konfusion und Verärgerung, April 1907:

(...) die Arbeiterpartei ist (...) kein Klub für intellektuelle `Erörterungen` , sondern eine proletarische Kampforganisation. Erörterungen hin, Erörterungen her, aber man muss leben und wirken. (...) Und wenn man nicht mehr weiter weiß, dann fängt man wieder von vorne an. Der Intellektuelle ist voller Launen und ärgert sich über seine eigene Unentschlossenheit, über seine eigene Konfusion.“ (Lenin, Band 12, Seite 324).

Die intelligenzlerischen Glucken des Menschewismus haben Entlein ausgebrütet. Die Glucken müssen wählen: auf dem Wasser oder auf dem Trockenen? Die Antwort, die sie geben ( diese Antwort kann man ziemlich genau ausdrücken mit den Worten: weder auf dem Wasser noch auf dem Trockenen, sondern durch den Schlamm), ist keine Antwort, sondern eine Vertagung, ein Aufschub. (...) Wir wollen auf dem Trockenen gehen. Wir prophezeien euch: Je eifriger, je entschlossener ihr in den Schlamm hineinwatet, desto schneller werdet ihr aufs Trockene zurückkehren.“ (Lenin, Band 12, Seite 325).



Lenin, Vorwort zu den Briefen an Sorge, 6. April 1907:

Daraus sehen wir [Lenin gibt hier ein gutes Beispiel aus Bayern über den Intelligenzler-Opportunismus von Vollmar, der als ein Führer der deutschen Sozialdemokratie im Jahre 1894 die Großbauern gegen deren Knechte unterstützte – Anmerkung der Redaktion], dass Marx und Engels mehr als 10 Jahre systematisch, unentwegt gegen den Opportunismus in der deutschen sozialdemokratischen Partei kämpften und das intelligenzlerische Philistertum und Spießbürgertum im Sozialismus verfolgten. Das ist eine äußerst wichtige Tatsache. Weite Kreise wissen, dass die deutsche Sozialdemokratie als ein Vorbild marxistischer Politik und Taktik des Proletariats gilt, aber sie wissen nicht, welchen ständigen Krieg die Begründer des Marxismus gegen den `rechten Flügel` (ein Ausdruck von Engels) dieser Partei zu führen hatten. Dass dieser Krieg bald nach Engels` Tode aus einem versteckten zu einem offenen wurde, ist kein Zufall. Es ist das unvermeidliche Ergebnis der jahrzehntelangen historischen Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie.

Die deutschen Sozialdemokraten lehrten sie (Marx und Engels) mit größter Beharrlichkeit: Verfallt nicht in Philistertum, in `parlamentarischen Idiotismus` (ein Ausdruck von Marx im Brief vom 19. September 1879), in kleinbürgerlich-intelligenzlerischen Opportunismus.

Heute, wo die internationale Arbeiterbewegung Symptome einer tiefen Gärung und großer Schwankungen offenbart, wo die Extreme des Opportunismus, des `parlementarischen Idiotismus` und des philisterhaften Reformismus die ENTGEGENGESETZTEN Extreme des revolutionären Syndikalismus hervorgerufen haben – heute erlangt die gesamte Linie der Marxschen und Engelsschen `Richtigstellungen` am englisch-amerikanischen und am deutschen Sozialismus außerordentliche Bedeutung.

... die banale Weisheit des zopfigen Liberalismus, der deklamiert, lamentiert, trompetet und orakelt über die Eitelkeit der revolutionären Eitelkeiten, über die Vergeblichkeit des revolutionären Kampfes, über den Zauber konterrevolutionärer `konstitutioneller` Hirngespinste ... Die russische Arbeiterklasse wird sich durch ihre mit vielen Fehlern behafteten revolutionären Aktionen die Freiheit erkämpfen und Europa einen Anstoß geben – fade Tröpfe aber mögen sich brüsten mit der Unfehlbarkeit ihrer revolutionären Untätigkeit.“ (Lenin, Band 12, Seite 370 bis 376).



Lenin, Die Duma und die russischen Liberalen, 10. April 1907:

„“Die `Gesellschaft` und die `Intelligenz` sind einfach klägliche, kümmerliche, feige und niederträchtige Schleppenträger dieser oberen Zehntausend.“

Ein großer Teil der bürgerlichen Intelligenz lebt und nährt sich vom Tische derjenigen, die der Politik den Rücken kehren. Nur wenige Intellektuelle arbeiten in Propagandazirkeln der Arbeiterpartei und kennen den `Wolfshunger` der Volksmassen nach politischen Büchern und Zeitungen, nach sozialistischem Wissen aus Erfahrung. Und natürlich nehmen solche Intellektuellen wenn nicht den Heldentod, so doch tatsächlich das heldenhafte Zuchthausleben des schlechtbezahlten, immer hingrigen, ewig übermüdeten, aufs Äußerste überanstrengten `einfachen` Parteifunktionärs auf sich. Als Belohnung dient einer solchen Intelligenz, dass sie sich befreit hat von den Misthaifen der `Gesellschaft` und sich keine Gedanken mehr darüber zu machen braucht, dass ihr Auditorium Gleichmut gegenüber gesellschaftlich-politischen Fragen an den Tag legen könnte. Ein `Intellektueller` aber, der es nicht versteht, ein diesen Fragen gegenüber nicht gleichgültiges Auditorium zu finden, ähnelt doch einem `Demokraten` und einem Intellektuellen im guten Sinne des Wortes genausowenig, wie eine Frau, die sich des Geldes wegen in eine legale Ehe verkauft hat, einer liebenden Gattin ähnelt. Sowohl hier wie dort handelt es sich um einfache Spielarten einer offiziell hochanständigen und völlig legalen Prostitution.“ (Lenin, Band 12, Seite 379/380).



Lenin, Franz Mehring über die zweite Duma, April 1907:

Die Klasseninteressen der Bourgeoisie drängten sie zur Verständigung mit der Reaktion (zur `Vereinbarung`) gegen die Revolution, und die liberalen Intellektuellen, die die `Vereinbarungstheorie` ausgeheckt hatten, bemäntelten damit ihren Abfall von der Revolution.“ (Lenin, Band 12, Seite 386).



Lenin, V. Parteitag der SDAPR, 1907:

Prokopowitsch ist ein Typ des bürgerlichen Intellektuellen, der um bestimmter, opportunistischer Ziele willen in unserer Partei Fuß zu fassen versucht. (...) Sein Eintritt in den Eisenbahnerbezirk ist der reine Hohn. Er ist eine Tarnung für die Arbeit im Dumamilieu. Und es ist die Schuld unseres ZK, dass der Mann sich einer solchen Tarnung bedienen konnte. Es ist die Schuld unserer Dumafraktion, (...) dass sie es ausgerechnet liberalen Litaraten (...) erleichtert hat, über die Dumatreppe in unsere Partei hereinzukommen.“ (Lenin, Band 12, Seite 452).

Einwände gegen die Abänderungsanträge Trotzkis zu der vom Parteitag angenommenen Resolution der Bolschewiki über die Stellung zu den bürgerlichen Parteien, 15.-16. Mai 1907: In den bürgerlichen Parteien steigt die Zahl der bürgerlichen Intellektuellen, die die Gutsbesitzer, die Fronherren, mit der werktätigen Bauernschaft zu versöhnen suchen und für die Erhaltung aller möglichen Überreste und Überbleibsel der Selbstherrschaft eintreten.“ (Lenin, Band 12, Seite 482).



Lenin, Graf Heyden zum Gedächtnis, September 1907:

Der Einfluss der Intelligenz dagegen, die an der Ausbeutung nicht unmittelbar beteiligt ist, die gelernt hat, mit allgemeinen Redensarten und Begriffen zu operieren, die sich mit allerlei `guten` Vermächtnissen herumschleppt und zuweilen in aufrichtigem Stumpfsinn ihre eigene Stellung zwischen den Klassen zum Prinzip über den Klassen stehender Parteien und einer über den Klassen stehenden Politik erhebt – der Einfluss dieser bürgerlichen Intelligenz auf das Volk ist gefährlich. Hier und nur hier haben wir es mit der Verseuchung breiter Massen zu tun, die imstande ist, wirklich Schaden anzurichten, die die Anspannung aller Kräfte des Sozialismus zum Kampf gegen dieses Gift erfordert.

`Heyden war ein gebildeter, kulturvoller, humaner, duldsamer Mensch`, schreien verzückt die liberalen und demokratischen Geiferer und dünken sich über jeden `Parteistandpunkt` erhaben zu sein und auf einem `allgemeinmenschlichen` Standpunkt zu stehen.

Ihr irrt euch Verehrteste. Es ist das kein allgemeinmenschlicher, sondern ein allgemeinknechtischer Standpunkt. Der Sklave, der sich seiner Sklavenstellung bewusst ist und gegen sie kämpft, ist ein Revolutionär. Der Sklave, der sich seiner Sklaverei nicht bewusst ist und in schweigendem, unbewusstem und stummem Sklavenleben dahinvegetiert, ist einfach ein Sklave. Der Sklave, dem der Speichel zusammenläuft, wenn er selbstzufrieden die Reize des Sklavenlebens beschreibt und über den gütigen und lieben Herrn in Entzücken gerät, ist ein Knecht, ein Lakai. Ihr seid gerade solche Lakaien, ihr Herren vom „Towarischtsch`. Mit widerlicher Gutmütigkeit zerfließt ihr in Rührung darüber, dass ein konterrevolutionärer Gutsbesitzer, der eine konterrevolutionäre Regierung unterstützte, ein gebildeter und humaner Mensch war. Ihr begreift nicht, dass ihr, statt den Sklaven zum Revolutionär zu machen, die Sklaven zu Lakaien macht. Eure Worte über Freiheit und Demokratie sind trügerischer Firnis, angelernte Phrasen, Modegeschwätz oder Heuchelei. Sie sind ein buntbemaltes Aushängeschild. Ihr selbst aber seid übertünchte Särge. Eure niedrige Seele ist voll Knechtsinn, und eure ganze Bildung, Kultur und Aufgeklärtheit ist nur eine Spielart qualifizierter Prostitution. Denn ihr verkauft eure Seele und verkauft sie nicht nur aus Not, sondern auch aus `Liebe zur Kunst!`“ (Lenin, Band 13, Seite 41).

Wenn der `Demokrat` von Bildung schwätzt, dann will er bei seinem Leser die Vorstellung von reichen Kenntnissen, von einem weiten Horizont, von Veredelung des Herzens und Verstandes erwecken. Für die Herren vom Schlage Heydens ist jedoch die Bildung ein dünner Lack, eine Dressur, besteht sie in eingelernten Gentlemanformen bei den brutalsten und schmutzigtsen politischen Geschäften.“ (Lenin, Band 13, Seite 43).



Lenin, Notizen eines Publizisten, 22. August 1907:

Wohl nirgends in der Welt hat das Kleinbürgertum – angefangen von den `Volkssozialisten` und den Trudowiki bis zu den in die Sozialdemokratie hineingeschlüpften Intellektuellen – solche Feigheit und Charakterlosigkeit im Kampf, solch niederträchtig maßlosen Renegatengeist, solche Liebedienerei gegenüber den Helden der bürgerlichen Mode oder der reaktionären Gewalt gezeigt – möge denn unser Proletariat aus unserer bürgerlichen Revolution dreifache Verachtung gegen kleinbürgerliche Schlappheit und kleinbürgerlichen Wankelmut schöpfen. Wie auch unsere Revolution weiter verlaufen möge, welche schweren Zeiten das Proletariat manchmal auch noch wird durchmachen müssen – dieser Hass und diese Verachtung werden seine Reihen enger zusammenschließen, werden es von untauglichen fremden Klassenelementen reinigen, werden seine Kraft vermehren, werden es für die Schläge stählen, die es zu seiner Zeit der gesamten bürgerlichen Gesellschaft versetzen wird.“ (Lenin, Band 13, Seite 65).



Lenin, Das Agrarprogramm der Sozialdemokratie in der ersten russischen Revolution von 1905 bis 1907, November-Dezember 1907:

Die Arbeiterklasse muss der bürgerlichen Gesellschaft das reinste, konsequenteste, entschiedenste Programm der bürgerlichen Umwälzung, einschließlich der bürgerlichen Nationalisierung des Grund und Bodens, geben. Das Proletariat wendet sich in der bürgerlichen Revolution verächtlich vom kleinbürgerlichen Reformertum ab: uns interessiert die Freiheit für den Kampf, nicht aber die Freiheit für spießbürgerliches Glück.

Der Opportunismus der Intellektuellen in der Arbeiterpartei befolgt natürlich eine andere Linie. Statt ein großzügiges revolutionäres Programm der bürgerlichen Umwälzung zu geben, lenkt er die Aufmerksamkeit auf eine kleinbürgerliche Utopie: Verteidigung eines lokalen Demokratismus bei undemokratischem Zentrum, Sicherung eines abseits von den großen `Kalamitäten` liegenden stillen Winkels der Munizipalwirtschaft für kleines Reformertum, Umgehung der Schärfe des äußerst akuten Konflikts in der Bodenfrage nach dem Rezept der Antisemiten, d.h. Dadurch, dass eine große nationale Frage in die Kategorie der kleinen lokalen Fragen eingereiht wird.“ (Lenin, Band 13, Seite 364).

... (...) Renegatentum, (...) Kleinmut, (...) Zerfall und (...) Dekadenz, von denen breite Schichten der kleinbürgerlichen Intellektuellen erfasst wurden, die der Sozialdemokratischen Partei Russlands angehören oder ihr nahestehen. Das Proletariat wird nur gewinnen, wenn dieser Unrat aus der Arbeiterpartei gründlich hinausgefegt wird.“ (Lenin, Band 13, Seite 434).



Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, Februar – Oktober 1908:

Hunderte und Tausende Male wurde verkündet, dass der Materialismus widerlegt sei, und bis zum heutigen Tag führt man fort, ihn zum hundertsten oder zum tausendunersten Male zu widerlegen. Unsere Revisionisten beschäftigen sich alle mit der Widerlegung des Materialismus, wobei sie sich den Anschein geben, als widerlegten sie eigentlich nur den Materialisten Plechanow, nicht aber den Materialisten Engels, nicht den Materialisten Feuerbach, nicht die materialistischen Ansichten von J. Dietzgen, und ferner, als widerlegten sie den Materialismus vom Standpunkt des `neuesten`und `modernen`Positivismus, der Naturwissenschaft usw.“ (Lenin, Band 14, Seite 12).

Die russischen Machisten werden bald den Modenarren gleichen, die vor einem von den bürgerlichen Philosophen Europas schon abgetragenen Hütchen in Verzückung geraten.“ (Lenin, Band 14, Seite 86).

Dem Materialisten ist die Außenwelt, deren Abbild unsere Empfindungen sind, ´faktisch gegeben`. Dem Idealisten ist die Empfindung ´faktisch gegeben`, wobei die Außenwelt als `Empfindungskomplex` hingestellt wird. Für den Agnostiker ist ebenfalls die Empfindung `unmittelbar gegeben`, er geht aber nicht darüber hinaus, weder zur materialistischen Anerkennung der Realität der Außenwelt noch zu der idealistischen Behauptung, dass die Welt unsere Empfindung sei“ (Lenin, Band 14, Seite 105).

Agnostiker ist ein griechisches Wort: a bedeutet griechisch nicht, gnosis – Wissen. Der Agnostiker sagt: Ich weiß nicht, ob es eine objektive Realität gibt, die durch unsere Empfindungen widergespiegelt, abgebildet wird, ich erkläre, dass es unmöglich ist, dies zu wissen (...). Hieraus folgt die Verneinung der objektiven Wahrheit durch den Agnostiker und die Toleranz, die spießerhafte, philiströse, feige Toleranz gegenüber der Lehre von Waldteufeln, Hausgeistern, katholischen Heiligen und ähnlichen Dingen.“ (Lenin, Band 14, Seite 122).

Solch einen Unsinn, wie ´subjetive` Sinne, sagt Engels selber nicht und schreibt das nicht einmalk seinen feinden, den Agnostikern, zu Andere Sinne als menschliche, d.h. ´subjektive`- denn wir urteilen vom Standpunkt des Menschen und nicht eines Waldteufels – gibt es nicht. Sie [Baserow] unterschieben Engels schon wieder Machismus.. (...)

`Die Sinnesvorstellung (ist) eben die außer uns existierende Wirklichkeit...`. Das Ende krönt das Werk! Engels ist nun á la Mach zubereitet, gebraten und mit machistischer Soße serviert. Hoffentlich verschlucken sich unsere verehrten Köche nicht daran.“ (Lenin, Band 14, Seite 107).

Die Sinnesvorstellung ist eben die außer uns existierende Wirklichkeit`!! Das ist ja gerade jener fundamentale Unsinn, die fundamentale Konfusion und das Grundfalsche am Machismus, woraus der ganze übrige Galimathias dieser Philosophie stammt und wofür Mach und Avenarius von den Erzreaktionären und Predigern des Pfaffentums, den Immanenz-Philosophen, in den Himmel gehoben werden.(...) Das ist eine idealistische Lüge oder der Kniff eines Agnostikers, Genosse Basarow; denn die Sinnesvorstellung ist nicht die außer uns existierende Wirklichkeit, sondern nur ein Abbild dieser Wirklichkeit.“ (Lenin, Band 14, Seite 107/108).

Die Erde ist außer uns existierende Wirklichkeit. Sie kann mit unserer Sinnesvorstellung weder `zusammenfallen` ( im Sinne von; dasselbe sein) noch in einer unauflöslichen Koordination mit ihr sein, noch ein ´Komplex von Elementen`sein, die in einer anderen Verbindung mit der Empfindung identisch sind, denn die Erde existierte bereits, als es weder Menschen noch Sinnesorgane noch eine so hoch organisierte Materie gab, dass bei ihr die Eigenschaft, Empfindungen zu haben, irgendwie klar bemerkbar gewesen wäre.“ (Lenin, Band 14, Seite 108/109).

Der moderne Fideismus verwirft die Wissenschaft durchaus nicht; er verwirft nur die ´übermäßigen Ansprüche´ der Wissenschaft, und zwar den Anspruch auf objektive Wahrheit.“ (Lenin, Band 14, Seite 120).

... behauptet der Fideismus entschieden, es existiere etwas, ´außerhalb der sinnlichen Welt`. Die Materialisten lehnen dies in Übereinstimmung mit der Naturwissenschaft auf das Entschiedenste ab. In der Mitte stehen die Professoren, Kantianer, Humeisten ( die Machisten mit eingeschlossen) und andere, die ´eine Wahrheit außerhalb des Materialismus und des Idealismus gefunden haben` und einen ´Ausgleich` herstellen wollen, indem sie erklären, dies sei eine offene Frage. Hätte Engels jemals etwas Derartiges gesagt, so wäre es eine Schmach und Schande, sich Marxist zu nennen.“ (Lenin, Band 14, Seite 111).

Das ganze Unglück unserer Machisten besteht darin, dass sie es unternommen haben, den reaktionären Professoren nachbetend, über dialektischen Materialismus zu reden, wobei sie weder die Dialektik noch den Materialismus kennen“. (Lenin, Band 14, Seite 111/112).

Den unglaublichen Unsinn der reaktionären Professoren über die Materialisten nachplappern, sich 1907 von Engels lossagen und 1908 versuchen, Engels agnostizistisch zu ´bearbeiten` - das ist die Philosophie des ´neuesten Positivismus` der russischen Machisten!“ (Lenin, Band 14, Seite 116).

Die Religionen sind nicht ohne Ursache entstanden, sie erhalten sich unter den gegenwärtigen Verhältnissen durchaus nicht zufällig in der Masse des Volkes, und die Philosophenprofessoren passen sich ihnen ganz ´gesetzmäßig` an.“ (Lenin, Band 14, Seite 119).

Wenn es eine objektive Wahrheit gibt (wie die Materialisten meinen), wenn nur die Naturwissenschaft allein, indem sie die Außenwelt in der menschlichen ´Erfahrung` abbildet, fähig ist, uns die objektive Wahrheit zu vermitteln, so ist damit jeglicher Fideismus unbedingt verworfen. Wenn es aber keine objektive Wahrheit gibt, wenn die Wahrheit ( die wissenschaftliche eingeschlossen) nur die organisierende Form der menschlichen Erfahrung ist, so wird eben damit die Grundthese des Pfaffentums anerkannt, wird diesem Tür und Tor geöffnet, wird Raum geschaffen für die ´organisierenden Formen` der religiösen Erfahrungen.“ (Lenin, Band 14, Seite 120).

Um den Materialismus fortzuentwickeln muss man das abgeschmackte Spiel mit dem Wort: ewige Wahrheit aufgeben, muss man verstehen, die Frage nach dem Verhältnis zwischen absoluter und relativer Wahrheit dialektisch zu stellen.“ (Lenin, Band 14, Seite 127).

Für Bogdanow (wie für alle machisten) schließt die Anerkennung der Relativität unseres Wissens die leiseste Anerkennung der absoluten Wahrheit aus. Für Engels setzt sich die absolute Wahrheit aus relativen Wahrheiten zusammen. Bogdanow ist Relativist, Engels Dialektiker.“ (...) „Jede Stufe in der Entwicklung der Wissenschaft fügt dieser Summe der absoluten Wahrheit neue Körnchen hinzu; aber die Grenze der Wahrheit jedes wissenschaftlichen Satzes sind relativ und können durch die weitere Entwicklung des Wissens entweder weiter oder enger gezogen werden.“ (Lenin, Band 14, Seite 129).

Geschichtlich bedingt ist jede Ideologie, unbedingt aber ist, dass jeder wissenschaftlichen Ideologie (zum Unterschied beispielsweise von der religiösen) die objektive Wahrheit, die absolute Natur entspricht. (...) Dies ist die Trennungslinie zwischen dialektischem Materialismus und Relativismus. (...) Vom Standpunkt des nackten Relativismus kann man jede Sophistik rechtfertigen.“ (Lenin, Band 14, Seite 131).

Die materialistische Dialektik von Marx und Engels schließt unbedingt den Relativismus in sich ein, reduziert sich aber nicht auf ihn, d.h., sie erkennt die Relativität aller unserer Kenntnisse an nicht im Sinne der Verneinung der objektiven Wahrheit, sondern in dem Sinne, dass die Grenzen der Annäherung unserer Kenntnisse an diese Wahrheit geschichtlich bedingt sind.“ (Lenin, Band 14, Seite 132).

`Dogmatik` ... ist dies das Lieblingswort der Idealisten und Agnostiker gegen die Materialisten.“ (ebenda).

Die Wissenschaft sei im Kampfe des Materialismus gegen Idealismus und Religion unparteiisch – das ist eine Lieblingsidee nicht nur Machs, sondern aller modernen bürgerlichen Professoren, dieser, um den treffenden Ausdruck J. Dietzgen zu gebrauchen, `diplomierten Lakaien, die mit einem geschraubten Idealismus Volksbetörung treiben`. (...)

Die menschliche Praxis beweist die Richtigkeit der materialistischen Erkenntnistheorie, erklärten Marx und Engels, und sie bezeichneten die Versuche, die Grundfrage der Erkenntnistheorie isoliert von der Praxis zu lösen, `Scholastik` und `philosophische Schrullen`“. (Lenin, Band 14, Seite 134).

Auf dem Wege der Marxschen Theorie fortschreitend, werden wir uns der objektiven Wahrheit mehr und mehr nähern (ohne sie jemals zu erschöpfen); auf jedem anderen Wege aber können wir zu nichts anderem gelangen als zu Konfusion und Unwahrheit.“ (Lenin, Band 14, Seite 138).

Die Genialität von Marx und Engels äußerte sich (...) unter anderem darin, dass sie das gelahrte Spiel mit Worten, mit ausgetüftelten Termini und schlauen `Ismen` verachteten und einfach und unumwunden erklärten: es gibt eine materialistische und eine idealistische Linie in der Philosophie und dazwischen verschiedene Schattierungen des Agnostizismus.“ (Lenin, Band 14, Seite 142).

... das Wort ´Erfahrung` , auf dem die machisten ihre Systeme aufbauen, diente schon seit langem zur Verhüllung der idealistischen Systeme und dient jetzt bei Avenarius und Co. dazu, den eklektischen Übergang vom idealistischen Standpunkt zum Materialismus zu ermöglichen und umgekehrt. Die verschiedenen `Definitionen` dieses Begriffs drücken nur die beiden Grundlinien in der Philosophie aus, die Engels so glänzend aufgedeckt hat.“ (Lenin, Band 14, Seite 146).

Wir fordern von der Natur Gesetzmäßigkeit. Die Bourgeoisie fordert von ihren Professoren reaktionäre Haltung.“ (Lenin, Band 14, Seite 158).

Engels hatte Recht, als er sagte, dass es nicht darauf ankomme, welcher der zahlreichen Schulen des Materialismus oder des Idealismus sich dieser oder jener Philosoph anschließt, sondern darauf, ob man die Natur, die Außenwelt, die sich bewegende materie oder den Geist, die Vernunft, das bewusstsein usw. als das Ursprüngliche ansieht.“ [siehe MEW, Band 21, 272-274]; (Lenin, Band 14, Seite 162).

Die Idee, dass die Erkenntnis allgemeine Formen ´schaffen`, das ursprüngliche Chaos durch Ordnung ersetzen könne u.ä.m., ist eine Idee der idealistischen Philosophie. Die Welt ist die gesetzmäßige Bewegung der Materie, und unsere Erkenntnis als höchstes Produkt der Natur ist nur imstande, diese Gesetzmäßgkeit widerzuspeigeln.“ (Lenin, Band 14, Seite 165).

Da der Materialismus die von unserem bewusstsein unabhängige Existenz der objektiven Realität, d.h., der sich bewegenden Materie, anerkennt, so muss er unvermeidlich auch die objektive Realität von Zeit und Raum anerkennen, zum Unterschied vor allem vom Kantianismus, der in dieser Frage auf der Seite des Idealismus steht und Zeit und Raum nicht für eine objektive Realität, sondern für Formen der menschlichen Anschauung hält.“ (Lenin, Band 14, Seite 171).

Nach Bogdanow passen sich die verschiedenen Formen von Raum und Zeit der Erfahrung der Menschen und ihrem Erkenntnisvermögen an. In Wirklichkeit verhält es sich gerade umgekehrt: unsere ´Erfahrung` und unsere Erkenntnis passen sich immer mehr dem objektiven Raum und der objektiven Zeit an, indem sie diese immer richtiger und tiefer widerspiegeln.“ (Lenin, Band 14, Seite 184).

Sie [die Machisten] haben ihre Philosophie aus der eklektischen Bettelsuppe geschöpft und fahren fort, dem Leser mit diesem Zeug aufzuwarten. Sie nehmen ein Stückchen Agnostizismus und ein Tröpfchen Idealismus von Mach, vermengen das mit einem Stückchen dialektischen Materialismus von Marx und stammeln, dieses Sammelsurium sei eine Weiterentwicklung des Marxismus. (Lenin, Band 14, Seite 188).

Der Grundzug der Kantschen Philosophie ist die Aussöhnung des Materialismus mit dem Idealismus, ein Kompromiss zwischen beiden, eine Verknüpfung verschiedenartiger, einander widersprechender philosophischer Richtungen zu einem System. Wenn Kant zugibt, dass unsere Vorstellungen etwas außer uns ist, irgendein Ding an sich, entspreche, so ist er hierin Materialist. Wenn er dieses Ding an sich für unerkennbar, transzendent, jenseitig erklärt, tritt er als Idealist auf. (...) Wegen dieser Halbheit Kants führten sowohl die konsequenten Materialisten als auch die konsequenten Idealisten ( und ebenso die ´reinen` Agnostiker , die humeisten) einen schonungslosen Kampf gegren ihn.“ (Lenin, Band 14, Seite 195).

Also die ganze Schule von Feuerbach, Marx und Engels ist von Kant nach links gegangen, zur völligen Ablehnung jeglichen Idealismus und jeglichen Agnostizismus. Unsere machisten aber sind der reaktionären Richtung in der Philosophie gefolgt, sind Avenarius und Mach gefolgt, die Kant vom Standpunkt Humes und Berkeleys aus kritisierten. Jedem Bürger und zumal jedem Intellektuellen steht natürlich das heilige Recht zu, nach Belieben jedem ideologischen Reaktionär zu folgen. Wenn aber Leute, die mit den elementarsten Grundlagen des Marxismus in der Philosophie radikal gebrochen haben, dann anfangen, sich zu winden, konfus zu reden, Ausflüchte zu machen, zu versichern, das sie ´auch` Marxisten in der Philosophie seien, dass sie ´fast` mit Marx übereinstimmen und ihn nur ein ganz klein wenig ´ergänzt` hätten – so ist das schon ein recht peinliches Schauspiel“ (Lenin, Band 14, Seite 202).

Der Marxismus verwirft nicht das, was den einen Positivisten von dem anderen unterscheidet, sondern das, was ihnen gemeinsam ist, das, was einen Philosophen, zum Unterschied vom Materialisten, zum Positivisten macht.“ (Lenin, Band 14, Seite 203).

Ist es da verwunderlich, dass Engels die deutschen Arbeiter ´verschonen` , ihnen die nähere Bekanntschaft mit dieser ganzen Gesellschaft ´flohknackender`Dozenten ersparen wollte“ (Lenin, Band 14, seite 204).

Man beurteilt einen Menschen nicht danach, was er über sich spricht und denkt, sondern nach seinen taten. Man darf auch über die Philosophen nicht nach den Aushängeschildern urteilen, (...) sondern danach, wie sie die theoretischen grundfragen tatsächlich lösen, mit wem sie zusammengehen, was sie lehren und was sie ihren Schülern und Anhängern beigebracht haben.“ (Lenin, Band 14, Seite 215).

Eine Philosophie, die lehrt, dass die physische Natur selbst ein Abgeleitetes ist, ist die reinste Pfaffenphilosophie. Und dieser ihr Charakter wird nicht im Mindesten dadurch geändert, dass Bogdanow selbst sehr eifrig jede Religion abschwört. Dühring war ebenfalls Atheist; (...) nichtsdestoweniger hatte Engels völlig Recht, als er nachwies, dass das Dühringsche `System` ohne Religion nicht zurechtkommt“. [siehe MEW, Band 20, Seite 294/295]; (Lenin, Band 14, Seite 227).

Zu meinen, der philosophische Idealismus verschwinde dadurch, dass man das individuelle Bewusstsein durch das Menschheitsbewusstsein oder die Erfahrung einer Person durch die sozial-organisierte Erfahrung ersetzt, ist genau dasselbe, als wollte man glauben, der Kapitalismus verschwinde, wenn man den einzelnen Kapitalisten durch eine Aktiengesellschaft ersetzt.“ (Lenin, Band 14, Seite 228).

Sowohl Marx und Engels als auch J. Dietzgen betraten die philosophische Arena zu einer Zeit, als bei den fortschrittlichen Intellektuellen im Allgemeinen und in den Arbeiterkreisen im Besonderen der Materialismus vorherrschte. Es ist daher ganz natürlich, dass Marx und Engels ihr ganzes Augenmerk nicht auf eine Wiederholung des Alten richteten, sondern auf eine ernsthafte theoretische Weiterentwicklung des Materialismus, auf seine Anwendung auf die Geschichte, d.h. auf die Vollendung des Gebäudes der materialistischen Philosophie bis oben hinauf. Es ist ganz natürlich, dass sie sich auf dem Gebiet der Erkenntnistheorie darauf beschränkten, die Fehler Feuerbachs zu korrigieren, die Plattheiten des Materialisten Dühring zu verlachen, die Fehler Büchners zu kritisieren (siehe bei J. Dietzgen) und das zu unterstreichen, was diesen in Arbeiterkreisen am meisten verbreiteten und populärsten Schriftstellern besonders fehlte, nämlich die Dialektik. Um die Binsenwahrheiten des Materialismus, die die Reiseprediger in Dutzenden von Auflagen in die Welt hinausschrien, machten sich Marx und Engels und Dietzgen keine Sorge, sondern richteten ihre ganze Aufmerksamkeit darauf, dass diese Binsenwahrheiten nicht vulgarisiert, nicht zu sehr versimpelt würden, nicht zu einer Gedankenstagnation führten (`Materialismus unten`, ´Idealismus oben`), nicht dazu, dass die wertvolle Frucht der idealistischen Systeme, die Hegelsche Dialektik, in Vergessenheit geriete – diese echte Perle, die die Hähne Büchner, Dühring und Co. (samt Leclair, Mach, Avenarius u.a.) aus dem Misthaufen des absoluten Idealismus nicht auszusondern verstanden.“ (Lenin, Band 14, Seite 241).

Den Machisten machen wir (...) ihr rein revisionistisches Verfahren (zum Vorwurf): das Wesen des Materialismus unter dem Deckmantel einer Kritik an seiner Form preiszugeben, die Grundthesen der reaktionären bürgerlichen Philosophie zu übernehmen.“ (Lenin, Band 14, Seite 250/251).

Der Begriff Materie drückt nichts anderes aus als die uns in der Empfindung gegebene objektive Realität. Daher ist die Trennung der bewegung der materie von der Materie gleichbedeutend mit der Trennung des Denkens von der objektiven Realität, mit der Trennung meiner Empfindungen von der Außenwelt, d.h., gleichbedeutend mit dem Übergang auf die Seite des Idealismus. Das Kunststück, das gewöhnlich mit der Verneinung der Materie, mit der Annahme von bewegung ohne Materie vollführt wird, besteht darin, dass man sich über die Beziehung der Materie zum Gedanken ausschweigt. Man stellt die Sache so dar, als gäbe es diese Beziehung nicht; in Wirklichkeit aber wird sie heimlich eingeschmuggelt, bleibt am Anfang der betrachtung unausgesprochen, taucht jedoch später mehr oder weniger unmerklich auf.“ (Lenin, Band 14, Seite 267). „Wesentlich ist, dass der Versuch, Bewegung ohne Materie zu denken, den von der Materie losgetrennten Gedanken einschmuggelt, und das eben ist philosophischer Idealismus.“ (ebenda).

Die Zerstörbarkeit des Atoms, seine Unerschöpflichkeit, die Veränderlichkeit aller Formen der materie und ihrer Bewegung bildeten immer die Stütze des dialektischen Materialismus. Alle Grenzen in der natur sind bedingt, relativ, beweglich, drücken das Näherkommen unseres verstandes an die Erkenntnis der Materie aus, was aber nicht im Mindesten beweist, dass die Natur, die Materie selbst nur ein Symbol, ein konventionelles Zeichen, d.h. ein Produkt unseres Verstandes sei.“ (Lenin, Band 14, Seite 282/283).

Die moderne Physik liegt in Geburtswehen. Sie ist dabei, den dialektischen Materialismus zu gebären. Die Entbindung verläuft schmerzhaft. Außer dem lebendigen und lebensfähigen Wesen kommen unvermeidlich gewisse tote Produkte, einige Abfälle zum Vorschein, die in die Kehrichtgrube gehören. Zu diesen Abfällen gehört der ganze physikalische Idealismus, die ganze empiriokritische Philosophie samt Empiriosymbolismus, Empiriomonismus usw. usf.“ (Lenin, Band 14, Seite 316).

Eine immer raffiniertere Verfälschung des Marxismus, immer raffiniertere versuche, anti-materialistische Lehren als Marxismus auszugeben – das kennzeichnet den modernen Revisionismus, sowohl in der politischen Ökonomie als auch in den Fragen der Taktik und in der Philosophie überhaupt, in der Erkenntnistheorie ebenso wie in der Soziologie.“ (Lenin, Band 14, Seite 334). [hervorgehoben von der Redaktion].

Die Genialität von Marx und Engels liegt gerade darin, dass sie im laufe einer sehr langen Periode, fast eines halben Jahrhunderts, den Materialismus weiterentwickelt, die eine philosophische Grundrichtung vorwärtsgetrieben, sich nicht bei der Wiederholung bereits gelöster erkenntnistheoretischer Probleme aufgehalten, sondern den Materialismus konsequent durchgesetzt haben – dass sie gezeigt haben, wie man denselben Materialismus auf dem gebiet der gesellschaftswissenschaften durchsetzen muss, um den Unsinn, den gespreizten, prätentiösen Galimathias, die zahllosen versuche, eine ´neue` Linie in der Philosophie zu ´entdecken` , eine ´neue´ Richtung zu erfinden usw., wie Kehricht schonungslos hinwegfegten.“ (Lenin, Band 14, Seite 340).

Überall findet man ein unveränderliches Grundmotiv (bei Marx): Verteidigung des Materialismus und verächtlicher Spott über jede vertuschung, jede Konfusion, alle Abweichungen zum Idealismus hin. Um diese beiden grundsätzlichen gegensätze drehen sich sämtliche philosophischen Bemerkungen von Marx; vom Standpunkt der Professorenphilosophie leigt in dieser ´Enge` und ´Einseitigkeit` eben ihr Mangel. In Wirklichkeit ist gerade dieses bewusste Ignorieren der zwitterhaften Projekte zur Versöhnung von Materialismus und Idealismus das größte Verdienst von Marx, der auf einem exakt bestimmten philosophischen Weg vorwärtsschritt.“ (Lenin, Band 14, Seite 341/342).

Den ganzen Kampf gegen Dühring führte Engels vollständig unter der Losung der konsequenten Einhaltung des Materialismus, wobei er den Materialisten Dühring beschuldigte, dass dieser das Wesen der Sache durch Wortschwall verdunkelte, dass er Phrasen drosch, dass er sich einer Betrachtungsweise bediente, die eine Konzession an den Idealismus, den Übergang auf die Position des Idealismus zum Ausdruck brachte. Entweder bis zu Ende konsequenter Materialist oder die Lüge und Konfusion des philosophischen Idealismus – das ist die Fragestellung, wie sie in jedem Absatz des ´Anti-Dühring` geschrieben wurde, beharrte Engels, der sowohl die neue Philosophie als auch die neue Naturwissenschaft ständig verfolgte, mit der alten Entschiedenheit bei seiner klaren und festen Stellungnahme und fuhr fort, den Kehricht der eneuen Systeme und Systemchen hinwegzufegen.“ (Lenin, Band 14, Seite 342).

Der Pragmatismus verspottet die Metaphysik sowohl des Materialismus als auch des Idealismus, preist die erfahrung und nur die Erfahrung, erkennt als einziges Kriterium die Praxis an, beruft sich überhaupt auf die positivistische Strömung... Die Unterschiede zwischen Machismus und Pragmatismus sind vom Standpunkt des Materialismus aus ebenso nichtig und zehntrangig wie die Unterschiede zwischen Empirioktizismus und Empiriomonismus.“ (Lenin, Band 14, Seite 346).

Keinem einzigen dieser Professoren, die auf Spezialgebieten der Chemie, der Geschichte, der Physik die wertvollsten Arbeiten liefern können, darf man auch nur ein einziges Wort glauben, sobald er auf Philosophie zu sprechen kommt. Warum? Aus dem nämlichen Grunde, aus welchem man keinem einzigen Professor der politischen Ökonomie, der imstande ist, auf dem Gebiet spezieller Tatsachenforschung die wertvollsten Arbeiten zu liefern, auch nur ein einziges Wort glauben darf, sobald er auf die allgemeine Theorie der politischen Ökonomie zu sprechen kommt. Denn diese letztere ist eine ebenso parteiliche Wissenschaft in der modernen Gesellschaft wie die Erkenntnistheorie. Im Großen und Ganzen sind die Professoren der politischen Ökonomie nichts anderes, als die gelehrten Kommis der Kapitalistenklasse und die Philosophieprofessoren die gelehrten Kommis der Theologen.

Die Aufgabe der Marxisten ist nun hier wie dort, zu verstehen, sich die von diesen ´Kommis` gemachten Errungenschaften sich anzueignen und sie zu verarbeiten (...), und zu verstehen, die reaktionäre Tendenz derselben zu verwerfen, der eigenen Linie zu folgen und die ganze Linie der uns feindlichen Kräfte und Klassen zu bekämpfen.“ (Lenin, Band 14, Seite 347).

Feindseligkeiten gegen den Materialismus, Lawinen von Verleumdungen gegen die Materialisten - das alles ist im zivilisierten und demokratischen Europa an der Tagesordnung. Das alles geht bis zum heutigen Tage weiter.“ (Lenin, Band 14, Seite 349).

Die neueste Philosphie ist genauso parteilich wie die vor zweitausend jahren. Die kämpfenden Parteien sind dem Wesen der Sache nach, das man durch gelahrt- quacksalberische neue Namen oder durch geistesarme Unparteilichkeit zu verhüllen sucht, der Materialismus und der Idealismus. Der Letztere ist nur eine verfeinerte, raffinierte Form des Fideismus, der in voller Rüstung gewappnet dasteht, über gewaltige Organisationen verfügt und nach wie vor unausgesetzt auf die Massen einwirkt, wobei er sich das geringste Schwanken im philosophischen Denken zunutze macht. Objektiv, klassenmüßig besteht die Rolle des Empiriokritizismus ausschließlich in Handlangerdiensten für die Fideisten in deren Kampf gegen den Materialismus überhaupt und gegen den historischen Materialismus insbesondere.“ (Lenin, Band 14, Seite 363).



Lenin, Marx im Urteil des internationalen Liberalismus, 12. März 1908:

Auch den Marxisten kann es nicht schaden, wenn sie einen Blick darauf werfen, wie sich einflussreiche politische Organe der verschiedenen Länder anlässlich des 25. Todestages von Marx äußern, vor allem die liberalen und `demokratischen` bürgerlichen Zeitungen, die die Möglichkeit, die Lesermassen zu beeinflussen, mit dem Recht vereinigen, im Namen der offiziellen, amtlichen, titelgeschmückten Professorenwissenschaft zu sprechen.“ (Lenin, Band 13, Seite 498).

Den Artikel `Karl Marx und Russland` schreibt der bekannte Überläufer Herr Isgojew – ein Muster jener russischen Intellektuellen, die im Alter von 25 bis 30 Jahren `in Marxismus machen`, im Alter von 35 bis 40 Jahren liberalisieren und sich später als Schwarzhunderter betätigen.“ (Lenin, Band 13, Seite 499).



Lenin, Auf den geraden Weg, 19. März 1908:

Die extreme Verschärfung der Reaktion und ihr zeitweiliger Triumph mussten, bei gleichzeitigem Stocken des unmittelbaren Klassenkampfes, von einer Krise der revolutionären Parteien begleitet sein. (...) - die Flucht der Intellektuellen aus der Partei. Die im Februar dieses Jahres erschienene erste Nummer des Zentralorgans (...) charakterisiert diese Flucht höchst anschaulich: `In letzter Zeit ist die Kreisorganisation mangels Kräften aus den Reihen der Intellektuellen eingegangen`; `Unsere ideologischen Kräfte schmelzen wie Schnee dahin`; `Die Elemente , die illegale Organisationen überhaupt meiden... und die sich der Partei nur während des revolutionären Aufschwungs und der damals vielerorts herrschenden faktischen Freiheit angeschlossen haben, haben unsere Parteiorganisationen verlassen`; `Die Intellektuellen desertieren in letzter Zeit bekanntlich in hellen Scharen aus der Partei!`

Doch die Befreiung der Partei von den halbproletarischen, halbkleinbürgerlichen Intellektuellen beginnt, neue, rein proletarische Kräfte, die sich während des heroischen Kampfes der proletarischen Massen angesammelt haben, zu neuem Leben zu erwecken. `Arbeiter, die den Kern der Partei bilden`, lesen wir, `und die in großer Zahl über den ganzen Kreis verstreut sind – zumeist ohne Kräfte aus der Intelligenz, ohne Literatur, ja sogar ohne jegliche Verbindung zu den zentralen Parteistellen -, denken gar nicht daranaufzugeben ... Die Zahl der Organisierten sinkt nicht ab, sondern nimmt zu ... Kräfte aus den Kreisen der Intellektuellen haben wir nicht, und so müssen die Arbeiter selbst, die klassenbewusstesten unter ihnen, Propagandaarbeit leisten`. Es ergibt sich als allgemeine Schlussfolgerung, dass `in einer ganzen Reihe von Orten `die verantwortliche Arbeit infolge der Flucht der Intellektuellen in die Hände der fortgeschrittenen Arbeiter übergeht`.

Diese Umstellung der Parteiorganisation auf eine andere Basis, sozusagen auf die Klassenbasis, ist natürlich eine schwierige Sache, und sie wird nicht ohne Schwanken vonstatten gehen. Doch nur der erste Schritt ist schwer, und er ist bereits getan. Die Partei hat den geraden Weg der Führung der Arbeitermassen durch fortgeschrittene `Intellektuelle` aus der Arbeiterschaft selbst bereits eingeschlagen [unterstrichen von der Redaktion]. (Lenin, Band 15, Seite 4-5).



Lenin, Über die „Natur“ der russischen Revolution, 26. März 1908:

Der Liberalismus der bürgerlichen Advokaten, Professoren und des übrigen intellektuellen Geschmeißes (...) hat sein konterrevolutionäres Wesen, seine Unfähigkeit, die Bauernrevolution zu leiten, bereits endgültig bewiesen; die Bauernschaft hat noch nicht vollständig begriffen, dass nur auf revolutionär-republikanischem Wege, unter Führung des sozialistischen Proletariats, ein wirklicher Sieg errungen werden kann. Der Bankrott des Liberalismus bedeutete den Triumph der gutsherrlichen Reaktion.“ (Lenin, Band 15, Seite 10).



Lenin, Zur Einschätzung der russischen Revolution, April 1908:

... dass der Dezemberkampf nach der Kommune die größte proletarische Bewegung gewesen ist ... Die Arbeiterklasse Russlands wird im Geiste dieser Auffassung erzogen werden – was immer manche Intellektuelle aus der Sozialdemokratie auch darüber reden und wie sehr sie sich auch darüber beklagen mögen.“

Ist die Tradition gerade dieses Kampfes, die Tradition des bewaffneten Dezemberaufstandes, nicht manchmal das einzige ernsthafte Mittel zur Überwindung anarchistischer Tendenzen innerhalb der Arbeiterpartei – nicht mit Hilfe einer schablonenhaften, philiströsen, spießbürgerlichen Moral, sondern durch die Abkehr von der zwecklosen, sinnlosen, zersplitterten Gewalt zur zielgerichteten Gewalt der Massen, die mit einer breiten Bewegung und mit der Verschärfung des unmittelbaren proletarischen Kampfes verbunden ist?“ (Lenin, Band 15, Seite 50/51).



Lenin, Kadetten des zweiten Aufgebots, 10. Mai 1908:

Das Schwanken des russischen Bauern zwischen den Kadetten und dem opportunistischen Intellektuellen, dem Volkssozialisten, einerseits und dem nach Intellektuellenart inkonsequenten Revolutionär, dem Sozialrevolutionär, andererseits ist Ausdruck der zwiespältigen Lage des kleinen Landwirts, Ausdruck seines Unvermögens, ohne Leitung durch das Proletariat einen konsequenten Klassenkampf zu führen.“ (Lenin, Band 15, Seite 56).



Lenin, Über einige charakteristische Merkmale des gegenwärtigen Verfalls, 2. Juli 1908:

Es ist die Logik der Überspanntheit und Hysterie, wie sie Intellektuelle kennzeichnet, die Logik der Unfähigkeit zu konsequenter, zäher Arbeit, des Unvermögens, grundlegende theoretische und taktische Prinzipien auf die veränderte Situation anzuwenden, die Logik der Unfähigkeit zu propagandistischer, agitatorischer und organisatorischer Arbeit unter Bedingungen, die sich von denen der jüngsten Vergangenheit krass unterscheiden. Statt ihre ganze Kraft auf den Kampf gegen die spießbürgerliche Zerfahrenheit zu konzentrieren, die nicht nur in den oberen, sondern auch in den unteren Klassen Eingang gefunden hat, statt die zersplitterten Kräfte der Partei wieder fester zusammenzuführen zur Verteidigung der erprobten revolutionären Prinzipien – statt dessen werfen diese aus dem Gleichgewicht geratenen, jeder Klassenstütze in den Massen beraubten Leute alles, was sie gelernt haben, über Bord und proklamieren `Revision`, d.h. Rückkehr zum alten Kram, zur revolutionären Handwerkelei, zur aufgesplitterten Tätigkeit kleiner Grüppchen. Kein Heroismus dieser Grüppchen und einzelner Personen im terroristischen Kampf vermag etwas daran zu ändern, dass ihre Tätigkeit, als die Tätigkeit von Angehörigen einer Partei, eine Verfallserscheinung bedeutet. Es ist höchst wichtig, sich über den Satz klar zu werden, den die Erfahrungen aller Länder, in denen die Revolution Niederlagen erlitten hat, bestätigen, dass nämlich in der Niedergeschlagenheit des Opportunisten wie in der Verzweiflung des Terroristen ein und dieselbe psychische Wesensart, ein und dieselbe spezifische Klassennatur, z.B. Des Kleinbürgertums, zum Ausdruck kommt.“ (Lenin, Band 15, Seite 144/145).





Lenin, Zündstoff in der Weltpolitik, 23. Juli 1908:

Ähnlich den meisten russischen liberalen Intellektuellen träumen auch die Opportunisten in unserer Partei bis heute noch von einer bürgerlichen Revolution in Russland, die das Bürgertum `nicht abstößt` und abschreckt, die keine `übermäßige` Reaktion erzeugt und nicht zur Machtergreifung durch die revolutionären Klassen führt. Vergebliche Hoffnung! Pohilisterutopie! Der Zündstoff häuft sich in allen fortgeschrittenen Staaten der Welt so schnell an, die Flammen greifen auf die meisten asiatischen Staaten, die gestern noch in tiefem Schlaf lagen, so offensichtlich über, dass eine Verstärkung der internationalen bürgerlichen Reaktion und eine Zuspitzung jeder einzelnen nationalen Revolution absolut unvermeidlich werden.“

Weniger Illusionen über den Liberalismus der (in Russland wie in der ganzen Welt) konterrevolutionären Bourgeoisie! Mehr Aufmerksamkeit dem Wachstum des internationalen revolutionären Proletariats“ (Lenin, Band 15, Seite 182 und 183).



Lenin, Das Agrarprogramm der Sozialdemokratie in der russischen Revolution, August 1908:

Die bürgerlichen Intellektuellen in Westeuropa (Fabier in England, Bernsteinianer in Deutschland, Broussisten in Frankreich) verlegen (...) das Schwergewicht von den Fragen des Staatsaufbaus auf Fragen der örtlichen Selbstverwaltung. Wir stehen aber gerade vor der Frage des Staatsaufbaus, seiner Agrarbasis, und hier den `Munizipalsozialismus` zu vertreten, heißt in Agrarsozialismus zu machen.“ (Lenin, Band 15, Seite 171).



Lenin, Die Studentenbewegung und die gegenwärtige politische Lage, 3. Oktober 1908:

Es sind Bedingungen möglich, wo eine akademische Bewegung die politische herabsetzt oder sie zersplittert oder von ihr ablenkt – in diesem Falle wären die sozialdemokratischen Studentengruppen natürlich verpflichtet, ihre Agitation gegen eine solche Bewegung zu konzentrieren. Aber jeder sieht, dass die objektiven politischen Bedingungen heute anders sind: Die akademische Bewegung bedeutet den Anfang der Bewegung einer neuen `Generation` der studierenden Jugend ...

Unter solchen Bedingungen würde die Sozialdemokratie einen schweren Fehler begehen, wollte sie sich `gegen eine akademische Aktion` aussprechen. Nein, die zu unserer Partei gehörenden Studentengruppen müssen all ihre Bemühungen auf die Unterstützung. Ausnutzung und Ausweitung dieser Bewegung richten. Wie jede andere Unterstützung primitiver Formen der Bewegung durch die Sozialdemokratie, muss auch diese Unterstützung vor allem und hauptsächlich in ideologischer und organisierender Einwirkung auf die durch den Konflikt in Erregung versetzten breiteren Schichten bestehen, die in dieser Form des Konflikts durchweg ihren ersten politischen Konflikt erleben. Denn das Leben der studierenden Jugend, die im Laufe der letzten zwei Jahre auf die Hochschulen gekommen ist, war von der Politik fast gänzlich losgelöst; diese Jugend wurde nicht nur von den staatstreu gesinnten Professoren und der Regierungspresse, sondern auch von den liberalen Professoren und der ganzen Kadettenpartei im geiste engstirnigen akademischen Autonomismus erzogen. Für eine solche Jugend ist ein umfassender Streik (...) der Beginn eines politischen Konflikts. (...) Unsere Aufgabe besteht darin, der Masse der `akademischen` Protestierenden die objektive Bedeutung dieses Konflikts zu erklären; wir müssen bestrebt sein, ihr zu einem bewusst politischen zu gestalten, die agitatorische Tätigkeit der sozialdemokratischen Studentengruppen zu verzehnfachen und diese ganze Tätigkeit dahin zu lenken, dass die revolutionären Lehren aus der Geschichte der drei Jahre gezogen, dass die Unvermeidlichkeit eines neuen revolutionären Kampfes begriffen und unsere alten – und dennoch durchaus zeitgemäßen – Losungen des Sturzes der Selbstherrschaft und der Einberufung einer Konstituierenden Versammlung aufs Beue zum Gegenstand der Erörterung und zum Anziehungspunkt der politischen Sammlung neuer Generationen der Demokratie werden.“ (Lenin, Band 15, Seite 212-213).



Lenin, Wie Plechanow und Co. den Revisionismus verteidigen, 13. November 1908:

Es handelt sich um Revisionismus, der Streit entbrannte um die Frage, ob es theoretische Unversöhnlichkeit war oder nur kleinliche Fraktionsgehässigkeit, die Plechanow bewogen haben, im Parteiorgan verschiedene seiner Opponenten als `Herren` zu bezeichnen.“ (Lenin, Band 15, Seite 281).



Lenin, Über zwei Briefe, 13. November 1908:

Gerade zu jener Zeit, in den Jahren 1905 bis 1907, wurde in Russland eine solche Menge wichtiger theoretischer sozialdemokratischer Literatur, hauptsächlich Übersetzungen, verbreitet, die noch ihre Früchte tragen wird. Wir werden nicht kleinmütig sein und unsere eigene Ungeduld nicht den Massen aufdrängen. Solche Mengen theoretischer Literatur, in so kurzer Frist in die gleichsam noch jungfräulichen, von sozialistischen Büchern noch fast unberührten Massen geworfen, können nicht mit einem Schlag verdaut werden. Die sozialdemokratische Literatur ist nicht verloren. Sie ist gesät. Sie wächst und wird ihre Früchte tragen – vielleicht nicht morgen, auch nicht übermorgen, sondern etwas später; wir vermögen die objektiven Bedingungen für das Heranreifen einer neuen Krise nicht zu ändern – aber sie wird Früchte tragen.“ (Lenin, Band 15, Seite 285).

Zerfall und Schwanken können nicht geleugnet werden, und diese Tatsache bedarf einer Erklärung. Und es kann keine andere Erklärung dafür geben, als die Notwendigkeit einer neuen Aussonderung.“ (ebenda, Seite 286). „Mögen da und dort sentimentale Leute lamentieren und klagen: wieder Kampf“ wieder innere Reibungen! Wieder Polemik! Wir antworten darauf: Ohne neuen und immer wieder neuen Kampf hat sich niemals und nirgendwo eine wirklich proletarische, revolutionäre Sozialdemokratie herausgebildet.“ (ebenda, Seite 287).

Vergessen wir nicht, dass der Berufsrevolutionär aus den Reihen der Intellektuellen vom sozialdemokratischen Berufsrevolutionär aus den Reihen der Arbeiter abgelöst wird oder vielmehr präziser, dass dieser jenem zur Hilfe kommt.“ (ebenda, Seite 299).



Lenin, Fünfte (Gesamtrussische) Konferenz der SDAPR, 21. - 27. Dezember 1908:

3. Kampf gegen alle Abweichungen vom revolutionären Marxismus, gegen alles Beschneiden der Losung der SDAPR und gegen alle Versuche, ihre illegale Organisation zu liquidieren, wie sie bei einigen dem Einfluss des Verfalls unterlegenen Elementen in der Partei zu beobachten sind. Dabei ist stets zu beachten, dass man allein dann, wenn man den sich bereits deutlich abzeichnenden Prozess des Übergangs der Parteifunktionen in die Hände der sozialdemokratischen Arbeiter selbst fördert, wenn man illegale Parteiorganisationen bildet und sie ständig ausbaut, die Partei auf ihren richtigen Entwicklungsweg führen kann.“ (Lenin, Band 15, Seite 321/322).



Lenin, Auf den Weg, 28. Januar 1909:

Die liquidatorische Strömung stellte die Frage, ob die besten, die aktivsten Elemente die Partei verlassen und die legalen Organisationen als Tätigkeitsbereich wählen, oder ob aus der Partei `die schwankenden intellektuellen und kleinbürgerlichen Elemente` austreten. Es braucht nicht erst besonders betont zu werden, dass die Konferenz, die das Liquidatorentum energisch zurückwies und verurteilte, im Sinne der zweiten Annahme geantwortet hat. Die am stärksten ausgeprägten proletarischen Elemente der Partei, die in prinzipieller Beziehung konsequentesten, wirklich sozialdemokratischen Elemente der Intelligenz sind der SDAPR treu geblieben. Die Austritte bedeuten eine Reinigung der Partei, sie macht sich frei von den wankelmütigsten, von den unzuverlössigen Freunden, den `Mitläufern` , die stets nur eine Zeitlang mit dem Proletariat gingen und sich aus dem Kleinbürgertum oder aus den `Deklassierten` rekrutieren, d.h. aus jenen Leuten, die als Angehörige irgendeiner bestimmten Klasse aus dem Geleise geschleudert worden sind.“ (Lenin, Band 15, Seite 353).



Lenin, Die Liquidierung des Liquidatorentums. 11. Juli 1909:

Das Liquidatorentum im engeren Sinne des Wortes (...) besteht in ideologischer Beziehung in der Leugnung des revolutionären Klassenkampfes des sozialistischen Proletariats überhaupt und in der Ablehnung der Hegemonie des Proletariats (... ) im Besonderen.“ (Lenin, Band 15, Seite 457).

... dass der opportunistische Flügel einer Arbeiterpartei (...) sich in Krisen, in Momenten des Niedergangs und der Zerfahrenheit unvermeidlich entweder als rein liquidatorisch erweisen muss oder aber von den Liquidatoren am Gängelband geführt wird.

... dass sich der proletarischen Partei kleinbürgerliche Mitläufer anschließen, die am wenigsten fähig sind, sich die proletarische Theorie und Taktik zu eigen zu machen und in Augenblicken des Niedergangs standzuhalten, die am meisten dazu neigen, den Opportunismus bis zu Ende zu führen.“ (Lenin, Band 15, Seite 458).



Lenin, Über die Fraktion der Anhänger des Otsowismus und des Gottbildnertums, 11. September 1909:

... ist es unvermeidlich, dass zahlreiche, von kleinbürgerlichem Geist durchdrungene Elemente in die Partei eindringen. Und daran ist nichts Schlimmes. Die historische Aufgabe des Proletariats besteht darin, alle Elemente der alten Gesellschaft, die diese in Gestalt der aus dem Kleinbürgertum stammenden Menschen dem Proletariat hinterlässt, zu verdauen, umzumodeln und umzuerziehen. Dazu ist jedoch erforderlich, dass das Proletariat diese Menschen umerzieht, dass das Proletariat auf sie Einfluss bekommt, nicht aber sie auf das Proletariat. (...) Als diese Elemente auf den Gedanken kamen, ihre `Theorien` , ihre Weltanschauung, d.h. Ihre Beschränktheit der Arbeiterpartei aufzuzwingen, wurde der Bruch mit ihnen unvermeidlich.“ (Lenin, Band 16, Seite 48/49).



Lenin, Brief „An A. M. Gorki“, 16. November 1909:

Ich habe festgestellt, dass ich mich gründlich geirrt hatte. Bei Gott, der Philosoph Hegel hatte Recht: Das Leben schreitet in Widersprüchen voran, und die lebendigen Widersprüche sind um vieles reicher, mannigfacher und inhaltsvoller, als es dem menschlichen Verstand anfänglich scheint. Ich hatte in der [Partei-] Schule lediglich das Zentrum der neuen Fraktion gesehen. (...) Subjektiv haben bestimmte Leute die Schule zu solch einem Zentrum gemacht, objektiv war sie es auch, darüber hinaus aber hat die Schule aus dem echten Srbeiterleben echte fortgeschrittene Arbeiterelemente geschöpft. Es hat sich ergeben, dass sich auf Capri außer dem Gegensatz zwischen der alten und der neuen Fraktion ein Gegensatz entwickelt hat zwischen einem Teil der sozialdemokratischen Intelligenz und den aus Russland gekommenen Arbeitern, die die Sozialdemokratie, koste es , was es wolle, und komme, was da kommen mag, auf den korrekten Weg bringen werden, aller Auslandsstreiterei und -zänkerei, allen ´Historien` usw. u. dgl. zum Trotz. (...) Und weiter hat sich gezeigt, dass sich in der Schule ein Gegensatz zwischen Elementen der capresischen sozialdemokratischen Intelligenz entwickelt hat.

Aus den Worten Michails entnehme ich, lieber A. M., dass Ihnen jetzt sehr schwer ums Herz ist. Sie mussten die Arbeiterbewegung und die Sozialdemokratie gleich von einer solchen Seite, in solchen Erscheinungen, in solchen Formen kennenlernen, die in der Geschichte Russlands und Westeuropas schon mehr als einmal kleingläubige Intellektuelle dahin gebracht haben, an der Arbeiterbewegung und an der Sozialdemokratie zu zweifeln. Ich bin gewiss, dass dies mit Ihnen nicht geschehen wird, und (...) möchte Ihnen fest die Hand drücken. Durch Ihr künstlerisches Talent haben Sie der Arbeiterbewegung Russlands – und nicht allein Russlands - solch gewaltigen Nutzen gebracht, und Sie werden ihr noch so viel Nutzen bringen, dass Sie sich auf keinen Fall den niederdrückenden Stimmungen hingeben dürfen, die durch einzelne Episoden des Kampfes im Ausland entstanden sind. Es gibt Umstände, unter denen das Leben der Arbeiterbewegung unvermeidlich zu diesem Kampf im Ausland, zu Spaltungen, Zänkereien und Streitigkeiten der Zirkel führt – aber nicht deshalb, weil die Arbeiterbewegung innerlich schwach oder die Sozialdemokratie innerlich fehlerhaft wäre, sondern weil jene Elemente, aus denen sich die Arbeiterklasse ihre Partei schmieden muss, allzu verschieden und allzu ungleichartig sind. Aber sie wird ihre Partei auf jeden Fall schmieden, sie wird eine ausgezeichnete revolutionäre Sozialdemokratie in Russland schmieden, und das schneller, als es mitunter vom Standpunkt des dreimal verfluchten Emigrantenlebens scheint, wird sie richtiger schmieden, als man sich das vorstellt, wenn man nach einigen äußeren Erscheinungen und einzelnen Episoden urteilt. Solche Menschen wie Michail sind die Gewähr dafür.

Ich drücke Ihnen und Maria Fjodorowna fest die Hand, denn jetzt habe ich die Hoffnung, dass wir noch einander nicht als Feinde begegnen werden.

Ihr Lenin, Paris. (Lenin, Band 34, Seite 396/397).



Lenin, Das letzte Wort des russischen Liberalismus, 24. Dezember 1909:

Miljukow ist ein praktischer Politiker, Struve ein Doktrinär des Liberalismus, aber ihr friedliches Zusammenleben in einer Partei ist kein Zufall, sondern eine zwangsläufige Erscheinung, denn der bürgerliche Intellektuelle schwankt im Grunde genommen zwischen der Hoffnung auf die Massen (die helfen könnten., die Kastanien aus dem Feuer zu holen) und der Hoffnung auf die oktobristische Bourgeoisie.“ (Lenin, Band 16, Seite 130).

... dass die gebildeten Vertreter des Liberalismus (..) die ärgsten Feinde der revolutionären Sozialdemokratie sind.“ (ebenda, Seite 131).

Revolution und Konterrevolution haben in der Tat das Wesen der Liberalen und der bürgerlichen Intelligenz offenbart; (...) Revolution und Konterrevolution haben uns das Bündnis zwischen der Selbstherrschaft und der Bourgeoisie sowie zwischen der russischen und der internationalen Bourgeoisie offenbart“ (ebenda, Seite 133).



Lenin, Entwurf eines Briefes an die „Treuhänder“ Brief an die drei Deutschen [Kautsky, Mehring, Zetkin – Red.], Februar - Anfang März 1910:

[vollständig hier wiedergegebener Brief von Lenin, da er darin die komplizierte damalige Situation der Parteispaltungen in einem hervorragenden Überblick zusammengefasst hat]

Um den (auf den ersten Blick) seltsamen Vorschlag und die Bitte zu erklären, mit der wir und das ZK uns an Sie wenden, muss man darstellen, in welcher Lage sich unsere Partei befindet.

Um sich diese Lage vorstellen zu können, muss man sich Klarheit verschaffen erstens über das Wüten der Konterrevolution und den furchtbaren Verfall der sozialdemokratischen Organisation und der sozialdemokratischen Arbeit und zweitens über die wichtigsten ideologisch-politischen Strömungen in unserer Partei.

Zur ersten Frage genügt es, auf den überall vor sich gehenden tiefgreifenden Verfall der Organisationen hinzuweisen und darauf, dass sie an vielen Orten ihre Arbeit fast völlig eingestellt haben. Massenflucht der Intelligenz. Nur Arbeiterzirkel und einzelne Mitglieder sind übriggeblieben. Mühevoll bahnt sich der junge, unerfahrene Arbeiter seinen Weg.

Zur zweiten Frage. Während der Revolution gab es in der Sozialdemokratie z w e i Strömungen ( und zwei Fraktionen, tatsächlich Spaltung): die Menschewiki und die Bolschewiki. Stockholm 1906 und London 1907 [Vierter (Vereinigunfs-)Parteitag und Londoner Parteitag]. Ein ooportunistischer und ein revolutionärer Flügel.

Der Niedergang von 1907/08 rief (α) bei den Menschewiki das L i q u i d a t o r e n t u m hervor (Definition), (β) bei den Bolschewiki den Otsowismus ( und den Ultimatismus(. Definition.

(α). Seit März 1908 nahmen die Menschewiki an der Arbeit der Partei im zentralen Maßstab in keiner Weise teil und suchten sie sogar zu hintertreiben (August 1908). Im Ausland haben sie die Herrschaften (Studenten, unreife bürgerliche Intellektuelle etc.). Im Ausland völlige Spaltung ( durch die Menschewiki) und keinerlei Teilnahme ihrerseits an der Parteiarbeit plus Kampf gegen die Partei.

Die Konferenz vom Dezember 1908 prangert das an [Verurteilung des Liquidatorentums mit der Resolution der Fünften (Gesamtrussischen) Konfrenz der SDAPR].

(β). Otsowismus-Ultimatismus bei den Bolschewiki 1908/09. Entschlossener Kampf der Bolschewiki gegen ihn und Kaltstellung der Otsowisten-Ultimatisten. Ihre Entfernung.

Der Verfall in Russland nimmt zu.

Das Auftreten Plechanows im August 1909 ((`Was beliebt?`[Adresse an die liquidatorischen Menschewiki], das Liquidatorentum des `Golos`; Charakterisierung des Liquidatorentums als kleinbürgerlicher Opportunismus; Anerkennung der krise der Partei (eine schwere Krankheit); Austritt aus der Redaktion der ´Gesellschaftlichen Bewegung` , die bei einem bürgerlich-liberalen Verlag Zuflucht gefunden hat)).

Die Bedeutung des Auftretens Plechanows= ein schwaches Echo, durch das alle Beschuldigungen der B o l s c h e w i k i - mit Hilfe eines ihrer F r a k t i o n s g e g n e r - ihre Bestätigung finden.

Der Drang der Menschewiki in Russland zur Partei (insbesondere der Arbeiter: Petersburg, Moskau).

Die Erfahrungen der Vereinigung der P a r t e i auf diesem Boden, auf dem Boden der Anerkennung des Kampfes an 2 Fronten: gegen das Liquidatorentum und gegen den Otsowismus-Ultimatismus.

Die Bedingungen für die Vereinigung unsererseits: vorbehaltlose Anerkennung des Kampfes gegen das Liquidatorentum (halbe Maßnahme des ZK: persönliches Zugeständnis); Beendigung des Fraktionskampfes (=insbesondere der Spaltung im Ausland) und l o y a l e U n t e r o r d n u n g u n t e r d i e M e h r h e i t der Partei (Bolschewiki + Polen insbesondere), die die Partei aus der krise von 1907 – 1909 herausgebracht und sie auf den Weg des konsequenten Kampfes an 2 Fronten geführt hat.

Die Bedingungen der menschewiki: keine klare Definition des Liquidatorentums (halbe Maßnahme in e i n s t i m m i g angenommener Resolution) und G l e i c h h e i t in der Redaktion des Zentralorgans (( faktisch die führende Körperschaft der Gesamtpartei in Anbetracht der überaus großen Schwäche und Labilität des ZK in Russland)).

Im ZK ist es zu einem höchst vagen Kompromiss gekommen: 1. die einstimmig angenommene Resolution bei S t r e i c h u n g der Bezeichnung Liquidatorentum [Resolution ´Die Lage der Partei` - angenommen vom Plenum des ZK der SDAPR am 10. Januar 1910]; 2. 3 und 2 im ZO angesichts der Erklärung der Menschewiki über ´mechanische Unterdrückung` , ´Belagerungszustand` etc; 3. Ablehnung der Menschewiki, sich entschieden, eindeutig und unwiderruflich von der Fraktionszeitung und der Fraktionsorganisation loszusagen und die l o y a l e Unterordnung unter die Mehrheit anzuerkennen.

Hieraus resultieren unsere Befürchtungen. Wenn wir die Fraktion der Bolschewiki auflösen und das Geld dem ZK übergeben (faktisch 5 Machthaber bei einer zufälligen und schwankenden Mehrheit, die durch den Otsowismus-Ultimatismus verdorben ist), befürchten wir (und wir haben allen Grund dazu) eine Spaltung der menschewiki im Ausland und Einschmuggelung des Liquidatorentums durch sie (in gestalt der Gleichheit in der Redaktion).

Wir sind überzeugt, dass bei Spaltungsversuchen, durch die Menschewiki vom Ausland her betrieben, das ZK (d.h. die Bolschewiki + die nationalen Organisationen) nicxht in der Lage wäre, gegen das Liquidatorentum zu kämpfen, und dass man den Fraktionskampf wird v o n N e u e m a u f n e h m e n und Spaltung mit Spaltung wird beantworten müssen.

Die Erfahrung des ´Waffenstillstands`: Bolschewiki haben sich entwaffnet. Die Erfahrungen der ´parteimäßigen Lebensweise`.

Die Bedingungen an die Menschewiki: (α) völlige Abrüstung – Einstellung der Fraktionszeitung, Auflösung der Fraktionskasse, Beendigung der fraktionellen Spaltung im Ausland; (β) l o y a l e Realisierung der Resolution über den Kampf gegen das Liquidatorentum; (γ) l o y a l e Unterordnung unter die Mehrheit im ZO; (δ) l o y a l e Unterstützung des ZK in Russland.

Si non – non [wenn nicht, dann nicht].

Das Kokettieren der Menschewiki mit den Otsowisten-Ultimatisten. Trotzkis Ohnmacht und Nachsicht gegenüber den Liquidatoren.“ (Lenin, Band 34, Seite 405 - 407).





Lenin, Notizen eines Publizisten, 6. März 1910:

Unter den Intellektuellen, besonders unter jenen, die bei der einen oder anderen legalen Tätigkeit ihren `Platz gefunden` haben, reißt völliger Unglaube an die illegale Partei ein, die Abneigung, ihre Kräfte auf eine besonders schwierige und in unseren Zeiten besonders undankbare Arbeit zu verwenden. `Freunde erkennt man im Unglück`, und die Arbeiterklasse, die schwere Jahre des Ansturms sowohl der alten als auch der neuen konterrevolutionären Kräfte durchmacht, wird unvermeidlich beobachten, wie gar viele von ihren intellektuellen `Freunden auf eine Stunde`, von ihren Freunden in den Tagen der Feste, Freunden nur in der Zeit der Revolution, abfallen – von ihren Freundenb, die Revolutionäre in der Zeit der Revolution waren, aber in der Periode des Niedergangs den Halt verlieren und bereit sind, bei den ersten Erfolgen der Konterrevolution den `Kampf um die Legalität` zu verkünden.

In einer Reihe europäischer Länder gelang es vielfach den konterrevolutionären Kräften, die Reste der revolutionären und sozialdemokratischen Organisationen des Proletariats völlig zu vernichten, beispielsweise nach dem Jahre 1848. Der bürgerliche Intellektuelle, der sich in seiner Jugend der Sozialdemokratie angeschlossen hat, ist auf Grund seiner ganzen kleinbürgerlichen Mentalität geneigt zu resignieren: so war es – so wird es sein;

Der Unabhängige, der einmal diese schiefe Bahn betreten hat, merkt gar nicht, wie er immer tiefer abgleitet ... die Unabhängigen unter den Sozialdemokraten tragen indirekt zur Vernichtung der illegalen Partei bei durch ihr Geschrei über deren `Erstarrung` und dadurch, dass sie sich weigern, ihr zu helfen, dass sie den Austritt aus ihr rechtfertigen (...) So geht es von Stufe zu Stufe. Wir werden nicht die Augen davor verschließen, dass der Kampf um die Partei für uns um so schwioeriger wird, je länger sich die konterrevolutionäre Periode hinzieht.“ (Lenin, Band 16, Seite 248/249).



Lenin, Der Jubiläumsnummer der „Zihna“, Juli 1910:

Die liquidatorische Richtung in der SDAPR ist ein Produkt der kleinbürgerlichen Verhältnisse in Russland. (...) Und die in unserer Partei befindliche kleinbürgerliche Intelligenz unterliegt dem Einfluss des konterrevolutionären Liberalismus.“ (Lenin, Band 16, Seite 264).



Lenin, Iwan Wassiljewitsch Babuschkin, 18. Dezember 1910:

Es gibt Menschen, die sich das Märchen ausgedacht haben und es verbreiten, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands sei eine `Intellektuellen`partei, sie sei von den Arbeitern isoliert, die Arbeiter in Russland seien Sozialdemokraten ohne Sozialdemokratie, dies sei insbesondere vor der Revolution und in bedeutendem Maße während der Revolution so gewesen. Die Liberalen verbreiten diese Lüge aus Hass gegen den revolutionären Kampf der Massen, den die SDAPR im Jahre 1905 leitete, und hie und da gibt es auch unter den Sozialisten Leute, die diese verlogene Theorie aus Unverständnis oder Leichtsinn übernehmen. Das Leben von Iwan Wassiljewitsch Babuschkin, die zehnjährige sozialdemokratische Tätigkeit dieses Arbeiters, eines echten Iskristen, sind eine anschauliche Widerlegung dieser liberalen Lüge. I. W. Babuschkin war einer von den fortgeschrittenen Arbeitern, die 10 Jahre vor der Revolution begannen, eine sozialdemokratische Arbeiterpartei zu schaffen. Ohne die unermüdliche, heldenhafte beharrliche Arbeit solcher Vorkämpfer unter den proletarischen Massen hätte die SDAPR nicht nur keine zewhn Jahre, sondern nicht einmal 10 Monate bestehen können. Nur dank der Tätigkeit solcher Vorkämpfer, nur dank ihrer Unterstützung entwickelte sich die SDAPR bis 1905 zu einer Partei, die in den großen Oktober- und Dezembertagen untrennbar mit dem Proletariat verschmolz, die diese Verbindung aufrechterhielt in Gestalt der Arbeiterabgeordneten nicht nur der II., sondern auch der III., der Schwarzhunderterduma.“ (Lenin, Band 16, Seite 369).



Lenin, Der historische Sinn des innerparteilichen Kampfes in Russland, Ende 1910:

Die Theorie, die in dem Kampf des Bolschewismus gegen den Menschewismus einen `Kampf um den Einfluss auf das unreife Proletariat` erblickt, ist nicht neu. Wir begegnen ihr seit 1905 (wenn nicht seit 1903) in unzähligen Büchern, Broschüren und Artikeln der liberalen Presse. Martow und Trotzki tischen den deutschen Genossen marxistisch verbrämte liberale Anschauungen auf.“ (Lenin, Band 16, Seite 381).

Nicht in den `Tiefen des Proletariats`[Trotzki], sondern in dem ökonomischen Inhalt der russischen Revolution liegen die Wurzeln der Differenzen zwischen den Menschewiki und den Bolschewiki“ (ebenda, Seite 382).

... ist Trotzkis Betrachtung grundfalsch, dass (...) innerhalb der russischen Sozialdemokratie (Spaltungen hervorgerufen wurden) durch die Anpassung der Intelligenz an das Proletariat.“ (ebenda, Seite 385).

Es ist leicht zu verstehen, warum die Klasseninteressen der Bourgeoisie die Liberalen zwingen, den Arbeitern einzureden, dass ihre Rolle in der Revolution `begrenzt` sei, dass der Kampf der Richtungen durch die Intellektuellen und nicht durch tiefgehende ökonomische Widersprüche hervorgerufen werde, dass die Arbeiterpartei `nicht Hegemon im Befreiungskampf, sondern `nur Klassenpartei` sein müsse. (...) Das Wort `Klassenpartei`verstehen sie im Sinne von Brentano und Sombart: kümmert euch nur um eure Klasse und lasst ab von den `blanquistischen Träumen` , alle revolutionären Elemente des Volkes im Kampf gegen den Zarismus und den verräterischen Liberalismus zu führen.“ (ebenda, Seite 386/387). .

Warum das Plenum sowohl das Liquidatorentum als auch den Otsowismus für den `Ausdruck des bürgerlichen Einflusses auf das Proletariat` erklärt hat, das hat Trotzki absolut nicht begriffen. In der Tat, man überlege: äußert sich in der Abtrennung der von der Partei verurteilten Strömungen, die den bürgerlichen Einfluss auf das Proletariat zum Ausdruck bringen, der Zerfall der Partei, die Zersetzung der Partei oder ihre Festigung und Reinigung? Zweitens bringt diese Unwahrheit in der Praxis die auf Reklame ausgehende `Politik` der Trotzki-Fraktion zum Ausdruck (...), dass die `Partei` zerfalle, dass beide Fraktionen zerfallen, während er, Trotzki, allein alles rette(...) und sich in den Augen der Deutschen herausstreicht (...) und spricht von `Sozialdemokraten ohne Sozialdemokratie`.“ (ebenda, Seite 396/397).

Trotzki (...) repräsentiert lediglich seine persönlichen Schwankungen und sonst nichts: 1903 bis 1910 war er Menschewiki; 1904 rückte er vom Menschewismus ab, und 1905 kehrte er, lediglich mit ultrarevolutionären Phrasen prunkend, zu den Menschewiki zurück; 1906 wandte er sich abermals vom Menschewismus ab; Ende 1906 verfocht er das Wahlabkommen mit den Kadetten (d.h. ging faktisch wieder mit den Menschewiki), und im Frühjahr 1907 sprach er auf dem Londoner Parteitag davon, dass der Unterschied zwischen ihm und Rosa Luxemburg `eher ein Unterschied in der individuellen Schattierung als in der politischen Richtung` sei. Trotzki begeht heute ein Plagiat an dem geistigen Rüstzeug der einen, morgen an dem der anderen Fraktion, und darum gibt er sich als ÜBER beiden Fraktionen stehend aus. Trotzki ist in der Theorie In NICHTS mit den Liquidatoren und den Otsowisten einverstanden, in der Praxis dagegen ist er IN ALLEM mit den `Golo` und den `Wperjod`- Leuten einverstanden. Wenn darum Trotzki den deutschen Genossen vorredet, er vertrete eine `allgemeinparteiliche Tendenz`, so muss ich erklären, dass Trotzki nur SEINE Fraktion vertritt (...) Die Leser mögen nun selbst urteilen, ob Trotzki eine `allgemeinparteiliche` oder eine `allgemein parteiFEINDLICHE` Tendenz in der Sozialdemokratie Russlands vertritt.“ (ebenda, Seite 398/399).[unterstrichen von der Redaktion]



Lenin, Polemische Notizen, März 1911:

Man kann sagen: das heißt zwischen zwei Stühlen sitzen. Aber darin besteht gerade das Wesen jeglichen Opportunismus. Darin offenbart sich ja gerade die Natur des heutigen bürgerlichen Intellektuellen, der sich als Marxist aufspielt.(...) Die `Ökonomisten` jener Zeit und die Liquidatoren unserer Tage sind die Schrittmacher des gleichen bürgerlichen Einflusses auf das Proletariat.“ (Lenin, Band 17, Seite 152).



Lenin, Vorwort zu der Broschüre „Zwei Parteien“, August 1911:

Die bürgerliche Intelligenz, die zur Revolution gedrängt wird durch das Bewusstsein, dass Russland die Epoche der demokratischen Umwälzungen noch nicht durchgemacht hat, schließt sich Gruppe um Gruppe dem Proletariat an- und rückt gruppenweise wieder von ihm ab, nachdem sie sich durch die Erfahrung überzeugt hat, dass sie dem revolutionären Marxismus nicht gewachsen ist, dass ihr wirklicher Platz außerhalb der sozialdemokratischen Partei ist. Solcherart sind auch unsere Liquidatoren, von denen ein Teil schon ganz klar, geradeheraus und offen über eine neue von ihnen zu schaffende Partei redet.“ (Lenin, Band 17, Seite 213).



Lenin, Brief „An A. I. Rykow“, 25. November 1911:

Domow ist Gymnasiallehrer, ein Philister, eine Memme, aber kein Politiker.“

Ihr glaubt an Worte und kämpft nicht gegen die Taten. Das ist doch wirklich unerhört!“ (Lenin, Band 34, Seite 439).



Lenin, Über die Diplomatie Trotzkis, 8. Dezember 1911:

Mit Trotzki kann man nicht prinzipiell diskutieren, denn er hat keinerlei feste Anschauungen. Mit überzeugten Liquidatoren und Otsowisten kann und soll man diskutieren, aber mit einem Menschen, der sein Spiel damit treibt, die Fehler sowohl der einen wie der anderen zu bemänteln, diskutiert man nicht, ihn entlarvt man als... einen Diplomaten allerniedrigster Sorte.“ (Lenin, Band 17, Seite 361).



Lenin, Prinzipielle Fragen der Wahlkampagne, Dezember 1911/Januar 1912:

Es gibt nichts, was dem Geist des Marxismus mehr im Gegensatz steht als Phrasendrescherei.“ (Lenin, Band 17, Seite 391).

`Die Partei (der Klasse) entsteht lediglich als Produkt der organisatorischen schöpferischen Arbeit der selbsttätigen Arbeiteravantgarde` (`Nascha Sarja`- Hauptorgan der liquidatorischen Strömung, S. 41). Uff! Seien Sie gnädig! In der ganzen Welt wurde doch die Partei in Jahrzehnten sowohl von den fortgeschrittenen Arbeitern als auch von wirklich marxistischen, ganz und gar auf die Seite der Arbeiter übergehenden `Intellektuellen` gebildet und geformt.“ (ebenda, Seite 393).



Lenin, VI. („Prager“) Gesamtrussische Konferenz der SDAPR (Entwurf der Resolution über das Liquidatorentum und über die Gruppe der Liquidatoren), zweite Januarhälfte 1912 :

In Anbetracht dessen,

  1. dass die SDAPR schon etwa vier Jahre lang einen entschiedenen Kampf gegen die liquidatorische Strömung führt, die auf der Parteikonferenz im Dezember 1908 definiert wurde als

    `Versuch eines gewissen Teils der Parteiintellektuellen, die bestehende Organisation der SDAPR zu liquidieren und sie durch eine formlose Vereinigung im Rahmen einer Legalität um jeden Preis zuersetzen, selbst um den Preis einer offenkundigen Absage an das Programm, die Taktik und die Tradition der Partei`;

  2. dass das Plenum des ZK im Januar 1910 in Fortsetzung des Kampfes gegen diese Strömung einstimmig anerkannte, dass sie `ein Ausdruck des Einflusses der Bourgeoisie auf das Proletariat`ist, und den vollständigen Bruch mit dem Liquidatorentum und die endgültige Überwindung dieser bürgerlichen Abweichung vom Sozialismus als Bedingung für die wirkliche Einheit der Partei und für die Verschmelzung der ehemaligen Fraktionen der Bolschewiki und der Menschewiki aufstellte;

  3. dass trotz aller Beschlüsse der Partei und trotz der auf dem Plenum im Januar 1910 von den Vertretern des Menschewismus übernommenen Verpflichtung sich ein Teil der Menschewiki, der sich um die Blättchen `Nascha Sarja` und `Delo Shisni` gruppiert, geweigert hat, beim Wiederaufbau des ZK mitzuhelfen(...)

  4. dass die genannten Publikationsorgane sich gerade nach dem Plenum 1910 entschieden und auf der ganzen Linie dem Liquidatorentum zugewandt haben,, wobei sie /entgegen dem Beschluss des Plenums) `die Bedeutung der illegalen Partei herabsetzen`, sondern eine illegale Partei glatt ablehnen, sie als schon liquidiertt bezeichnen, den Wiederaufbau der illegalen Partei für eine `reaktionäre Utopie` erklären; sie in den Spalten der der Zensur unterliegenden Zeitschriften mit Hohn und Schmähungen überschütten, die Arbeiter auffordern, die Zellen und die Struktur der Partei als `abgestorben` anzusehen usw.;

  5. dass die wenigen, hauptsächlich aus Vertretern der Intelligenz bestehenden örtlichen Grüppchen der Liquidatoren, die ihre Tätigkeit zur Zerstörung der Partei fortsetzen, sich nicht nur dem im Jahre 1911 wiederholten Apell zur Hilfestellung beim Wiederaufbau der illegalen Partei und bei der Einberufung ihrer Konferenz entzogen, sondern nach ihrem Zusammenschluss zu völlig unabhängigen Grüppchen unter den Arbeitern direkt gegen die illegale Partei agitierten und offen gegen ihren Wiederaufbau kämpften – selbst dort, wo die parteitreuen Menschewiki das Übergewicht hatten

- erklärt die Konferenz, dass die genannte Gruppe sich durch ihr Verhalten endgültig außerhalb der Partei gestellt hat. Die Konferenz ruft alle parteitreuen Sozialdemokraten – ohne Unterschied der Strömungen und Schattierungen – auf, gegen das Liquidatorentum zu kämpfen, seine ganze Schädlichkeit für die Sache der Befreiung der Arbeiterklasse herauszustellen und alle Kräfte einzusetzen für den Wiederaufbau und die Konsolidierung der illegalen SDAPR.“ (Lenin, Band 17, Seite 451/452) – vollständiger Wortlaut von Lenins Resolutionsentwurfs)



Lenin, Eine Enquete über die Organisationen des GroßkapitalsPrinzipielle Fragen der Wahlkampagne, April-Juni 1912:

Es ist interessant, einige Angaben der Enquete über die Tätigkeit der Vertretungsorganisationen des Großkapitals festzuhalten.“ (Lenin, Band 18. Seite 45). „`Drittes Element`, d.h. der im Dienste der Kapitalistenverbände stehenden Intelligenz (...) In Anbetracht dessen, dass die Kapitalistenverbände derartige Zahlen nicht selten sehr niedrig angeben, hält der Autor den Schluss für wahrscheinlich, dass sich in den Diensten der Vertretungsorganisationen des Kapitals in verantwortlichen Funktionen eine Armee (!!) von Intellektuellen von nicht weniger als Tausend Mann befindet.“ (Ebenda, Seite 46).



Lenin, Brief „An A.M. Gorki, 1. August 1912:

... eine unschöne Manier haben Sie sich angeeignet, eine spießige, eine Bourgeoismanier – alles abzutun mit der Bemerkung: `Ihr seid ja alle Querulanten!`

Über `Gezänk` bei den Sozialdemokraten schreien mit Vorliebe die Bourgeois, die Liberalen und die Sozialrevolutionäre, die die´heiklen Fragen` nicht ernst nehmen, hinter den andern einhertrotten, diplomatisch lavieren und in Eklektizismus machen. Der Unterschied zwischen den Sozialdemokraten und ihnen allen liegt darin, dass sich bei den Sozialdemokraten hinter dem Gezänk der Kampf zwischen Gruppen verbirgt, ein Kampf, der tiefgehende und klare ideologische Wurzeln hat, während bei jenen die Auseinandersetzungen äußerlich geglättet, innerlich hohl, kleinlich und erbärmlich sind. Niemals und um keinen Preis würde ich den heftigen Kampf der Strömungen bei den Sozialdemokraten gegen die geleckte Hohlheit und Armseligkeit der Sozialrevolutionäre und Co. eintauschen. Ich drücke Ihnen fest die Hand. Ihr Lenin. (Lenin, Band 35, Seite 28/29).



Lenin, Karriere, 18. August 1912:

Die Lebensgeschichte A.S. Suworins (...) spiegelt eine sehr interessante Periode in der Geschichte der ganzen russischen bürgerlichen Gesellschaft wider. Ein armer Schlucker, Liberaler und sogar Demokrat am Beginn seines Lebensweges – Millionär, selbstzufriedener und schamloser Apologet der Bourgeoisie, der jeder Wende in der Politik der Machthabenden kriecherisch mitmacht, am Ende dieses Weges. Ist das etwa nicht typisch für die Masse der `gebildeten` und `intellektuellen` Vertreter der sogenannten Gesellschaft? Nicht jeder natürlich, der zum Renegaten wird, hat einen so tollen Erfolg, dass er es zum Millionär bringt, aber neun Zehntel, wenn nicht 99 von 100 werden eben Renegaten, beginnen als radikale Studenten und enden auf `einträglichen Pöstchen` in dieser oder jener Stellung, bei diesem oder jenem dunklen Geschäft. (...) ... die Wendung der russischen liberalen Bourgeoisie von der Demokratie zur Verteidigung der Reaktion, zum Chauvinismus und Antisemitismus.“ (Lenin, Band 18, Seite 264 und 265).



Lenin, Noch ein Feldzug gegen die Demokratie, 2. und 9. September 1912:

Wir sind der Meinung, dass man historische Ereignisse nach den Bewegungen der Massen und der Klassen in ihrer Gesamtheit beurteilen muss, nicht aber nach den Stimmungen einzelner Personen und Grüppchen.“ (Lenin, Band 18, Seite 306).

Und diese `Verworrenheit` und Ohnmacht des Liberalismus war unvermeidlich, denn er hatte keine Massenbasis, weder in der Bourgeoisie oben noch in der Bauernschaft unten.“ (ebenda, Seite 307).



Lenin, Brief „An die Redaktion des ´Sozial-Demokrat`“, 29. März 1913:

Koba [Stalin am 23. Februar 1913 in Petersburg] ist festgenommen (...) - die Leute fehlen. Die Liquidatoren haben eine ganze Menge Intelligenz, bei uns dagegen werden alle verhaftet.“

Die ganze ´Intelligenz` ist bei den Liquidatoren. Die Arbeitermassen sind bei uns (...), aber eine eigene Intelligenz bringen die Arbeiter nur unter ungeheuren Schwierigkeiten hervor. Langsam und unter großen Schwierigkeiten.“

Ich habe Rosas neues Buch `Die Akkumulation des Kapitals` gelesen. Schauderhaft falsche Auffassungen! Sie hat Marx entstellt.“

Koba hat Zeit gefunden, einen großen Artikel (für drei Nummern des `Prosweschtschenije`) über die nationale Frage zu schreiben. Das ist gut! Man muss für die Wahrheit und gegen die Separatisten und Opportunisten des ´Bund` und der Liquidatoren kämpfen.“ (Lenin, Band 35, Seite 70 und 71).



Lenin, Zum 25. Todestag Josef Dietzgens, 5. Mai 1913:

Vor 25 Jahren, im Jahre 1888, starb der Gerber Josef Dietzgen, ein hervorragender deutscher sozialdemokratischer Schriftsteller und Philosoph.“ (...)

Er ist ein Arbeiter, der selbständig zum dialektischen Materialismus, d.h. zur Philosophie von Marx gelangt ist. Überaus wertvoll für die Charakterisierung des Arbeiters Dietzgen ist die Tatsache, dass er sich nicht für den Begründer einer Schule hielt.

... die materialistische Theorie von der Widerspiegelung der sich ewig bewegenden und verändernden Materie im Bewusstsein des Menschen – eine Theorie, die Hass und Furcht, Verleumdungen und Entsellungen auf seiten der ganzen offiziellen Professorenphilosophie hervorruft. Und mit welcher tiefen Leidenschaft eines wahren Revolutionärs geißelte und brandmarkte J. Dietzgen die `diplomierten Lakaien des Pfaffentums`, die idealistischen Professoren, die Realisten usw.!“ (Lenin, Band 19, Seite 62 – 65).



Lenin, August Bebel, 8. August 1913:

Die letzte Krise in der deutschen Partei, in die Bebel auf das Aktivste eingreifen musste, war die sogenannte `Bernsteiniade`. Der ehemalige orthodoxe Marxist Bernstein gelangte am Ausgang des vorigen Jahrhunderts zu rein opportunistischen, reformistischen Anschauungen. Man versuchte, die Partei der Arbeiterklasse zu einer kleinbürgerlichen Partei sozialer Reformen zu machen. Unter den Beamten der Arbeiterbewegung, unter den Intellektuellen fand die neue opportunistische Seuche zahlreiche Anhänger [unterstrichen von der Redaktion, um auf die Ursprünge des Bündnisses zwischen bürgerlichen Intellektuellen und der Arbeiteraristokratie innerhalb der Reihen der revolutionären und Arbeiterbewegung und der kommunistischen, marxistisch-leninistischen Partei aufmerksam zu machen, die von deutschem Boden ausgingen. Mit dieser sozialen Basis der Bourgeoisie wurde später die ganze sozialistische Welt revisionistisch verseucht]. (Lenin, Band 19, Seite 290).



Lenin, Wie W. Sassulitsch das Liquidatorentum erledigtNoch ein Feldzug gegen die Demokratie, September 1913:

Ein relatives Vorherrschen der Intellektuellen zu Beginn der Bewegung war überall, nicht nur in Russland, zu beobachten. W. Sassulitsch, die diese Tatsache benutzt, um die Arbeiterpartei zu schmähen, macht damit das Liquidatorentum bei allen denkenden Arbeitern, die die Agitation und die Streiks der Jahre 1894 – 1896 miterlebt haben, unmöglich. Jeder, der nicht will, dass man ihm nachsagt, er habe ein kurzes Gedächtnis, weiß, dass die Gruppen der Intellektuellen und der Arbeiter nicht erst 1903, sondern schon ab 1894 (und oft sogar früher) sowohl die ökonomische als auch die politische Agitation, die Streiks und die Propaganda unterstützt haben. Öffentlich zu erklären: `Es ist schwer zu sagen, ob die Organisation die Arbeit unterstützt oder gehemmt hat`, heißt nicht nur eine große, himmelschreiende historische Unwahrheit sagen. Das heißt sich von der Partei lossagen. (...) Die Liquidatoren brauchen die Abkehr von der Partei in der Vergangenheit, nachträglich, um die Abkehr von ihr in der Gegenwart zu rechtfertigen. (...)

W, Sassulitsch schreibt: `(...) viele Arbeiter stellten sich ganze Bibliotheken zusammen, die die Polizei noch nicht konfisziert hatte`. W. Sassulitsch hat eine seltene Fähigkeit, nicht zu bemerken, dass sie sich selbst widerlegt. Wenn die Polizei Bibliotheken `konfisziert` hat, so heißt das, dass die Erörterung des Gelesenen, seine Aneignung und das weitere Studium gerade die illegale Arbeit erforderlich machte! W. Sassulitsch will beweisen, dass `es nichts zu tun gab`, aber aus dem, was sie sagt, folgt: es gab etwas zu tun. (...)

Der Liberale bezeichnet eine schwierige Arbeit als unmöglich, um seine Abkehr von ihr zu tarnen. Den Marxisten zwingt die Schwierigkeit der Arbeit, sich dafür einzusetzen, dass sich die besten Elemente zur Überwindung der Schwierigkeiten enger zusammenschließen.“ (Lenin, Band 19, Seite 386/387).

Aus der Illegalität flüchteten vor allem und in erster Linie die bürgerliche Intelligenz. (...) Es ist bekannt, wie viele Marxisten die illegale Arbeit nach 1905 verlassen haben und in allerlei legalen Intellektuellen-Nestchen untergekrochen sind. (...) Die Liquidatoren, die am meisten über die `proletarische Selbsttätigkeit` usw. schreien, vertreten und verteidigen in Wirklichkeit gerade die der Arbeiterbewegung untreu gewordenen und auf die Seite der Bourgeoisie übergetretenen Intellektuellen.

Bei einzelnen konnte die Flucht aus der Illegalität von Müdigkeit und Depression herrühren. Solche Leute kann man nur bedauern; ihnen muss man helfen, sobald ihre Depression vorübergeht und sich bei ihnen eine Abwendung vom Spießertum, von den Liberalen und von der liberalen Arbeiterpolitik und eine Zuwendung zur proletarischen Illegalität bemerkbar macht. Wenn aber die Müden und Deprimierten die Tribüne der Journalistik besteigen und ihre Flucht nicht für einen Ausdruck der Müdigkeit, der Schwäche, intellektueller Chrakterlosigkeit erklären, sondern als ihr Verdienst hinstellen und dabei die Schuld auf die `aktionsunfähige` oder `unnütze` oder `abgestorbene` usw. Illegalität schieben, dann werden diese Flüchtigen zu widerlichen Renegaten, Abtrünnigen. Dann werden diese Flüchtigen zu den schlechtesten Ratgebern und insofern zu gefährlichen Feinden der Arbeiterbewegung.

Hört man die Liquidatoren solche Elemente verteidigen und über den grünen Klee loben und gleichzeitig hoch und heilig schwören, dass sie, die Liquidatoren, für die Einheit eintreten, zuckt man nur mit den Achseln und fragt sich: Wen wollen sie mit diesem hochtrabenden Unsinn und dieser Heuchelei irreführen? Ist es nicht klar, dass die Existenz der Arbeiterpartei unmöglich ist, wenn man nicht entschieden dagegen kämpft, dass die Abtrünnigkeit von der Partei gepriesen wird?“ (Lenin, Band 19, Seite 388/389).

Wenn aber die Liquidatoren keine neue Partei gründen, keine andere Organisation der Arbeiter bilden, dann bleiben ihre ganze Literatur und der Artikel W. Sassulitschs ein Denkmal der Zerfahrenheit, der von der Partei abgefallenen, charakterlosen Intellektuellen, die sich vom konterrevolutionären Strom der Mutlosigkeit, des Unglaubens, des Spießertums haben mitreißen lassen und den Liberalen hinterhertrotten. Entweder – oder. Einen Mittelweg gibt es hier nicht. Hier kann man nichts `aussöhnen`, kann man nicht die alte Partei `ein bisschen begraben` oder eine neue `ein bisschen gründen`.

Das Besondere der historischen Situation, in der sich Russland befindet, zeigt sich unter anderem gerade darin, dass ein relativ kleiner Parteikern, der sich während der Stürme behaupten und, obwohl bals hier, bald da einzelne organisatorische Fäden immer wieder rissen, standhalten und sich einen ungewöhnlich starken Einfluss auf große Arbeitermassen (...) sichern konnte – dass dieser Kern von einer sehr großen Zahl parteifeindlicher, parteiloser, außerhalb und am Rande der Partei stehender Sozialdemokraten und Beinahe-Sozialdemokraten umgeben ist.“ (Lenin, Band 19, Seite 403).

Eine Partei, die existieren will, kann in der Frage ihrer Existenz nicht die geringsten Schwankungen und keinerlei Vereinbarungen mit denen zulassen, die sie begraben wollen. Leute, die bei einer solchen Vereinbarung Vermittler spielen wollen, gibt es eine Menge, aber alle diese Leute vergeuden, wie eine alte Redewendung lautet, vergeblich Müh` und unnütz Zeit.“ (Lenin, Band 19, Seite 405).



Lenin, Die liberale Bourgeoisie und die Liquidatoren, 26. Oktober 1913:

Die wichtigste Partei der liberalen Bourgeoisie Russlands, die Kadettenpartei, zählt in ihrem Generalstab nicht wenige Leute mit europäischer Bildung. Man kann in unserer Zeit kein gebildeter Mensch sein, ohne allgemeine Kenntnisse über den Marxismus und über die westeuropäische Arbeiterbewegung zu besitzen.

Bei der Fülle bürgerlicher Intellektueller in ihrer Partei besitzen die russischen Kadetten natürlich diese Kenntnisse; sie haben sogar eine Reihe von Leuten, die in ihrer Jugend selbst Marxisten oder Beinahe-Marxisten waren und die mit den Jahren `klüger wurden` und sich in liberale Spießbürger verwandelt haben. All das erklärt den Unterschied in den Beziehungen der alten, europäischen und der neuen, russischen Liberalen zur Sozialdemokratie. Jene suchten ihre Entstehung zu verhindern, bestritten ihre Existenzberechtigung; diese sind gezwungen, sich mit der Tatsache abzufinden. (...) Der Kampf gegen die Sozialdemokratie hat deshalb bei unseren Liberalen die Form des Kampfes für den Opportunismus in den Reihen der Sozialdemokratie angenommen. (Lenin, Band 19, Seite 444).

Die Liberalen hatten begriffen ( und ausgeplaudert ), was alle klassenbewussten, fortgeschrittenen Arbeiter längst begriffen haben, nämlich dass die Gruppe der `Nowaja Rabotschaja Gaseta` und die ihr folgende Sieben eine von der sozialdemokratischen Partei abgespaltene, die Partei negierende und auf die `Illegalität` schimpfende Schutzwehr der liberalen Intelligenz sind, die eine systematische Politik der Zugeständnisse an den bürgerlichen Reformismus, den bürgerlichen Nationalismus usw. betreibt.

Die Einheit der wirklich parteilichen, von der liberalen Bourgeoisie wirklich unabhängigen `außerparlamentarischen Arbeitermehrheit` ist undenkbar ohne entschlossenen Kampf gegen diese Intellektuellenschutzwehr der Liquidatoren der Arbeiterpartei.“ (Lenin, Band 19, Seite 446).



Lenin, Materialien zur Frage des Kampfes innerhalb der Dumafraktion, 29. Oktober 1913:

Die Intellektuellen liefen aus der marxistischen Organisation davon, liquidierten sie. Die Arbeiter liefen den Liquidatoren davon. Nur unehrliche Leute können diese Wahrheit bestreiten.“ (Lenin, Band 19, Seite 454).

Und wem folgten die proletarischen Intellektuellen? In der vorigen Nummer richten 106 Studierende aus Arbeiterkreisen eine Grußadresse an die sechs Abgeordneten und brandmarken die Liquidatoren!“ (Lenin, Band 19, Seite 460).



Lenin, Die Volkstümlerrichtung und das Liquidatorentum, 20. Dezember 1913:

Ist die `Versöhnlichkeit` der Volkstümler samt ihren vielen anderen herrlichen Herzenseigenschaften nicht eine taube Blüte? Eben, eine taube Blüte! Die `Einheit` kleiner Intellektuellengrüppchen aller möglichen Schattierungen wird von den Volkstümlern um den Preis ihrer vollständigen politischen Ohnmacht unter den Massen erkauft. Auch bei uns, den Marxisten, stellen die am meisten über die Einheit lamentierenden Grüppchen - (...) - ebenfalls die Ohnmacht der Intellektuellen dar, während (...) sich die Mehrheit der klassenbewusstenArbeiter um jene schart, die am häufigsten, eifrigsten und erbittertsten als `Spalter` beschimpft werden. Die Schlussfolgerung ist klar, und wie unangenehm sie für die Vielzahl von Intellektuellengrüppchen auch sein möge – die Entwicklung der Arbeiterbewegung wird dazu zwingen, sie anzuerkennen.

Nur gegen diese Gruppen, Grüppchen und Grüpplein entsteht ( in schwerem Kampfe, der unter den bürgerlichen Verhältnissen und angesichts einer Unmenge kleinbürgerlicher Schwankungen unvermeidlich ist) die wirkliche Einheit der von der Mehrheit der klassenbewussten Proletarier geführten Arbeitermassen.

Wer sich in die Theorie des Marxismus hineindenkt, wer die praktische Erfahrung der letzten Jahre eingehend betrachtet, der wird begreifen, dass sich in Russland trotz der buntscheckigen, lärmenden, großmäuligen ( in der Tat aber hohlen und schädlichen) Grüppchen der Volkstümler, Liquidatoren u.a. der Zusammenschlussder Elemente einer wirklichen Arbeiterpartei vollzieht. Die Einheit der Arbeiterklasse erwächst aus dem Zerfall dieser Grüppchen, die vom Proletariat eliminiert werden.“ (Lenin, Band 20, Seite 49 und 50). [unterstrichen von der Redaktion]



Lenin, Die Volkstümlerrichtung und die Klasse der Lohnarbeiter, 18. Februar 1914:

In allen Ländern überwogen vor der Entstehung der Arbeiterbewegung solche `sozialistischen` Lehren, die in Wirklichkeit nur Träumereien kleinbürgerlicher Theoretiker waren, vom Klassenkampf verschont zu werden, ohne ihn auszukommen. In allen Ländern, wie auch in Russland, musste die klassenbewusste Arbeiterbewegung einen hartnäckigen Kampf gegen diese Lehren des kleinbürgerlichen, der Lage und dem Standpunkt der Kleinbesitzer entsprechenden `Sozialismus` bestehen.“ (Lenin, Band 20, Seite 96).

Mit jedem Tag der Entwicklung des Kapitalismus wird der Unterschied zwischen den Klassen immer größer. Die Propaganda der `linken Volkstümler` läuft in Wirklichkeit auf die Demoralisierung und Desorganisierung der Bewegung der Klasse der Lohnarbeiter durch kleinbürgerliche Losungen hinaus.“ (ebenda, Seite 98).



Lenin, Ein radikaler Bourgeois über die russischen Arbeiter, März 1914:

Warum geht es (das Proletariat) aus dem allerschlimmsten ideologischen Zerfall, dem programmatischen. Taktischen, organisatorischen und jeglichem Verfall und den Schwankungen - (...) - mit `ziemlich feststehenden Meinungen` , mit `systematisierten und genügend ausgearbeiteten Methoden` hervor? Nicht nur deshalb, weil die Illegalität diese Meinungen festgelegt, diese Methoden ausgearbeitet hat, sondern auch deshalb, weil es sehr tiefgehende soziale Ursachen, weil es ökonomische Voraussetzungen, weil es Faktoren gibt, die mit jeder neuen Wesrt Eisenbahnlinie, mit jedem weiteren Fortschritt des Handels, der Industrie, des Kapitalismus in Stadt und Land immer stärker und stärker wirken, Faktoren, die das Proletariat vermehren, stärken, stählen und zusammenschweißen, die ihm helfen, nicht dem Kleinbürger zu folgen, nicht wie die Spießbürger zu schwanken, sich nicht feige von der Illegalität loszusagen. Wer darüber etwas nachdenkt, der wird einsehen, welchen gewaltigen Schaden die Versuche anrichten, die fortgeschrittenen Elemente der Klasse der Lohnarbeiter mit der unvermeidlich schwankenden und wankelmütigen kleinbürgerlichen Bauernschaft zu einer Partei zu `verschmelzen`“ (Lenin, Band 20, Seite 162/263).



Lenin, Aus der Vergangenheit der Arbeiterpresse in Russland, 22. April 1914:

Und wenn die legale sozialdemokratische Presse sowohl im Jahre 1905 als auch 1906 und 1907 die Presse zweier Richtungen und zweier Fraktionen war, so kann das wiederum nicht anders erklärt werden als durch den Unterschied zwischen der kleinbürgerlichen und der proletarischen Linie in der Arbeiterbewegung jener Epoche. (...)

... gewährleistete die Taktik des Bolschewismus die Selbständigkeit des Proletariats in der bürgerlichen Krise durch den Kampf für ihre Zuendeführung, durch die Entlarvung des Verrats des Liberalismus, durch die Aufklärung und Zusammenfassung des Kleinbürgertums (besonders des ländlichen) als Gegengewicht gegen diesen Verrat.“ (Lenin, Band 20, Seite 248 und 249).

Nirgends in der Welt ist die proletarische Bewegung `mit einem Schlage` entstanden, nirgends konnte sie so entstehen, konnte sie in klassenmüig reiner Form fertig zur Welt kommen, so wie Minerva dem Haupte Jupiters entstieg. Erst durch lange Kämpfe und mühevolle Arbeit der fortgeschrittensten Arbeiter, aller klassenbewussten Arbeiter gelang es, die proletarische Klassenbewegung von kleinbürgerlichen Beimengungen, Beschränktheiten, Einengungen und Entartungen aller Art zu befreien und sie zu festigen. Die Arbeiterklasse lebt Seite an Seite mit dem Kleinbürgertum, dessen Ruin in die Reihen des Proletariats stets neue und neue Hinzukömmlinge treibt. (...) Einen schlechten Dienst erweisen der Arbeiterbewegung jene ihrer nervenschwachen Freunde aus den Reihen der Intellektuellen, die sich von dem inneren Kampf unter den Sozialdemokraten fernhalten wollen und die Luft mit Geschrei und Aufrufen erfüllen, sich davon fernzuhalten. Es sind dies nette, aber hohle Leute, und hohl ist ihr Geschrei.

Nur wenn sie die Geschichte des Kampfes des Marxismus gegen den Opportunismus studieren, nur wenn sie sich mit der Scheidung der selbständigen proletarischen Demokratie von dem kleinbürgerlichen Mischmasch gründlich und eingehend bekannt machen, werden die fortgeschrittenen Arbeiter ihr Klassenbewusstsein und ihre proletarische Presse endgültig festigen.“ (Lenin, Band 20, Seite 250).



Lenin, Nachwort zum Sammelband „Marxismus und Liquidatorentum“, April 1914:

Überall in der Welt hat das Proletariat, das unvermeidlich in jeder kapitalistischen Gesellschaft durch Tausende von Verbindungsfäden mit dem Kleinbürgertum verknüpft ist, in der Periode der Entstehung der Arbeiterparteien eine Zeit mehr oder weniger langwieriger und beharrlicher ideologisch-politischer Unterordnung unter die Bourgeoisie durchgemacht.Diese allen kapitalistischen Ländern gemeinsame Erscheinung nahm in den verschiedenen Ländern, je nach den historischen und ökonomischen Besonderheiten, verschiedene Formen an.

In England verstand es die liberale Bourgeoisie, unter den Verhältnissen voller politischer Freiheit und der langen Monopolstellung Englands, die Mehrheit der denkenden Arbeiter für Jahrzehnte geistig zu demoralisieren und zu versklaven. In Frankreich machten und machen die Traditionen des republikanischen kleinbürgerlichen Radikalismus sehr viele Arbeiter zu Anhängern der `radikalen` bürgerlichen Partei oder des nicht weniger bürgerlichen Anarchismus. In Deutschland folgten die Arbeiter vor einem halben Jahrhundert noch dem Liberalen Schulze-Delitzsch und unterlagen dem Einfluss der `national-liberalen` (zugleich `königlich-preußischen`) opportunistischen Schwankungen Lassales und Schweitzers, und heute folgen Hunderttausende von Arbeitern dem sich `demokratisch` gebärdenden katholischen `Zentrum` .

In Russland ist die bürgerlich-demokratische Lösung der Bauernfrage bis heute noch nicht vollzogen. Ist es also verwunderlich, wenn sich die kleinbürgerliche Volkstünlerrichtung mit dem Gewan des `Sozialismu` drapiert? Russland ist das am meisten kleinbürgerliche aller kapitalistischen Länder. Und deshalb ist im Marxismus, sobald er in Russland zu einer sozialen Massenströmung wurde, der kleinbürgerliche Intellektuellen-Opportunismus aufgetaucht, zuerst in der Form des `Ökonomismus` und des `legalen Marxismus` (1895-1902), dann in der Form des Menschewismus (1903 – 1908) und schließlich in der Form des Liquidatorentums (1908-1914).“ (Lenin, Band 20, Seite 267).

Das heutige Liquidatorentum, das Liquidatorentum des Jahres 1914 ist dasselbe, was die Gruppe der Zeitung `Towarischtsch` im Jahre 1907 war. Es ist durchaus natürlich, dass in der Verbannung und in der Emigration, wo die Menschen vom lebendigen Leben so losgerissen sind, wo sie so aufgehen in Erinnerungen an das, was vor 7 – 10 Jahren war, Dutzende und aber Dutzende `gewesener Leute` zu finden sind (sehr zahlreich, nur in weit traurigerem, in moralisch schlechten Sinne des Wortes, auch unter den Teilnehmern der Arbeiterpartei in den Jahren 1904 – 1907 aus den Reihen der Intellektuellen, die jetzt auf verschiedenen legalen `einträglichen Pöstchen` festsitzen), die von der `Einheit` der Arbeiterpartei mit der Gruppe der Herren L. M., Th. D., Potressow, Jeshow, Sedow und Co. träumen.“ (Lenin, Band 20, Seite 269).



Lenin, Der ideologische Kampf in der Arbeiterbewegung, 4. Mai 1914:

Der Ökonomismus und das Liquidatorentum sind verschiedene Formen ein und derselben kleinbürgerlichen Intellektuellen-Opportunismus, der seit 20 Jahren besteht. Nicht nur der ideologische, sondern auch der personelle Zusammenhang aller dieser Formen des Opportunismus ist eine Tatsache, die außer Zweifel steht. Es genügt, A. Martynow, den Führer der Ökonomisten, zu nennen, der später Menschewik wurde und jetzt Liquidator ist. Es genügt, sich auf einen solchen Zeugen wie G. W. Plechanow zu berufen, der selbst in sehr vielen Punkten den Menschewiki nahestand und nichtsdestoweniger unumwunden zugab, dass die Menschewiki die intelligenzlerisch-opportunistischen Elemente aufgesaugt haben, dass die Liquidatoren die Fehler des `Ökonomismus` fortsetzen und die Arbeiterpartei zerstören. Den größten Schaden bringen den Arbeitern jene, die (wie die Liquidatoren und Trotzki) diese zwanzigjährige Geschichte des iodeologischen Kampfes in der Arbeiterbewegung umgehen oder entstellen.“ (Lenin, Band 20, Seite 277/ 278).

Was das marxistische `Plenum` im Januar 1910 theoretisch feststellte (das Liquidatorentum ist `bürgerlicher Einfluss auf das Proletariat`), das haben die klassenbewussten Arbeiter in vier Jahren in die Tat umgesetzt, dem haben sie praktisch Geltung verschafft, indem sie die Liquidatoren jedes Einflusses beraubten, sie ihrer Posten enthoben und das Liquidatorentum in eine abseits von der proletarischen Massenbewegung stehende Gruppe von legalen opportunistischen Literaten verwandelten. (...) Die Arbeiterbewegung hat jetzt schließlich über das Liquidatorentum gesiegt und dank diesem Umstand den richtigen Weg des breiten, von der marxistischen Theorie erleuchteten und durch die uneingeschränkten Losungen zusammengefassten Kampfes der fortgeschrittensten Klasse für die höchsten historischen Aufgaben der Menschheit beschritten.“ (Lenin, Band 20, Seite 279).



Lenin, Die Volkstümler und die „fraktionelle Vergewaltigung“, 9. Mai 1914:

Je mehr sich die Arbeiterbewegung entfaltet, je geschlossener ihre Aktionen werden, desto lauter schreien die von den Massen losgelösten Intellektuellengrüppchen über `Fraktionswesen` , `Prawda-Seuche` , `fraktionelle Blendung` usw. Diese guten Leute merken nicht einmal, dass sie sich damit selbst ein Armutszeugnis ausstellen. Dort, wo sie nur eine Naturkatastrophe sehen, über die man nur in lautes Wehklagen ausbrechen kann, dort zeigen sich in Wirklichkeit die Reife und Diszipliniertheit unserer Arbeiterbewegung.“ (Lenin, Band 20, Seite 285).

Sie, die Sie die ganz erbärmliche, ganz prinzipienlose Politik eines von den Massen losgelösten Zirkels betreiben, versuchen mit Ihrem Geschrei über `fraktionelle Vergewaltigung` die Arbeiter nervös zu machen und wollen auf diese wenig anziehende Weise die Befriedigung Ihrer Zirkelinteressen erpressen. Wenn es ein `Fraktionswesen` übelster Sorte gibt, so ist es gerade das Verhalten des liquidatorischen und des volkstümlerischen Zirkels, die den Willen der Arbeiter hintertreiben. (...)

Das Geschrei gegen das `Fraktionswesen` ist zum System geworden. Die Feinde der Marxisten machen von ihm bewusst Gebrauch, um die Arbeiter zu verwirren. Wenn diesem oder jenem Intellektuellen oder Zirkel von Intellektuellen ein Beschluss der Arbeiter nicht gefällt, so schreien sie: Hilfe, `Fraktionswesen`, rettet uns, `fraktionelle Vergewaltigung!“ (ebenda, Seite 287).



Lenin, Die Einheit der Arbeiter und die „Strömungen“ der Intellektuellen , 13. Mai 1914:

Von allen Klassen Russlands erörtert keine einzige Klasse, selbst die gebildete und reiche Bourgeoisie nicht so unumwunden, so scharf umrissen und, nach Maßgabe der Möglichkeit, so offen wie die Arbeiterklasse ihre Taktik, das heißt die Richtung und die Methode ihrer Bewegung. Nur unklugen Leuten oder solchen, die die Beteiligung der breiten Massen an der Politik fürchten, erscheinen die in der Arbeiterpresse ständig zu beobachtenden offenen und leidenschaftlichen Debatten über die Taktik nicht am Platze oder überflüssig. In Wirklichkeit tragen gerade diese heißen Debatten dazu bei, dass alle Arbeiter herangezogen werden und lernen, über alle Seiten ihrer Politik, die Arbeiterpolitik, nachzudenken, dass sie eine feste, klare, bestimmte Klassenlinie der Bewegung herausarbeiten.“ (Lenin, Band 20, Seite 293).

`Nehmen wir an, wir sähen zwei Menschen, die leidenschaftlich über eine Frage streiten, die und selbst betrifft, und dieser Streit wäre uns unangenehm, wir möchten ihm ein Ende machen. Was müssen wir in einem solchen Fall tun? Das ist sonnenklar: untersuchen, wer im Recht ist, und auf seine Seite treten;dann wird sich derjenige, der im Unrecht ist, von seinem Fehler überzeugen, oder es werden sich, wenn er seinen Fehler nicht einsehen kann, seine Kräfte erschöpfen, und er wird aufhören zu streiten. Wenn wir jedoch sowohl den einen als auch den anderen unterstützen und anspornen werden, dann wird des Streitens kein Ende sein`

So schrieben die Arbeiter der Druckerei. Und es ist ganz unmöglich,ihre für alle Arbeiter so einfache Erläuterung der Sache zu widerlegen.

Die Unterstützung `zu gleichen Teilen` oder der Wunsch, `a l l e Strömungen zu vereinigen` oder miteinander zu verschmelzen ( wovon übrigens die mit dem Liquidatorentum sympathisierenden Duma-Abgeordneten reden), bedeutet faktisch nichts anderes als das Bestreben, die Arbeiter von außen her zu kommandieren, in der Hoffnung, die Arbeiter selbst seien nicht imstande, `sich zurechtzufinden` . Jedes Grüppchen von Intellektuellen kann ein Broschürchen oder ein Zeitschriftchen herausgeben und sich `zur Strömung` erklären, wie zum Beispiel das Grüppchen des anti-marxistischen Philosophen Bogdanow oder das Grüppchen Trotzkis oder das Grüppchen des zwischen den Volkstümlern und den Marxisten schwankenden N.N. Himmer u.a.

`Strömungen` gibt es, soviel man will, die Arbeiter aber ruft man auf: unterstützt `zu gleichen Teilen` , erkennt `a l l e S t r ö m u n g e n` an!!!

Natürlich wird jeder einigermaßen klassenbewusste Arbeiter fragen: Worum geht der Streit? Um meinen Kampf? Um meine Politik und Taktik? Um meine Partei?

So werde ich mich selbst zurechtfinden, ihr liebenswürdigen Herren, und werde nur die Taktik für die meine erklären, die ich billige und teile. Das ist sonnenklar.

Nur deshalb, weil es in Russland keine Pressefreiheit gibt und es (besonders in der Provinz) noch Massen von Arbeitern gibt, die zum ersten Mal die eine oder andere Arbeiterzeitung sehen, die sich in den Fragen der Arbeiterpolitik noch absolut `nicht zurechtfinden` - nur deshalb ist es in Russland möglich, dass Intellektuelle so über Arbeiter kommandieren, wie es in den Apellen, `alle Strömungen` anzuerkennen und sie `zu gleichen Teilen` zu unterstützen, zum Ausdruck kommt.

Auf dem Markt kommt es oft vor, dass derjenige am meisten schreit und Gott zum Zeugen anruft, der besonders feule Ware loswerden will.

Auf dem Markt der intellektuellen Geschäftigkeit kommt es oft vor, dass gegen das Kommandieren über Arbeiter am leutesten gerade diejenigen Intellektuellen schreien, die über die Arbeiter kommandieren wollen und eine Unmenge anti-marxistischer und anti-proletarischer `Strömungen` verkünden.

(...) Die Mehrheit der klassenbewussten Arbeiter hat sich zurechtgefunden, hat die Argumente für und wider die eine und die andere Taktik geprüft und die Taktik der `Prawda` als die ihre anerkennt. Die Begründer intelligenzlerischer `Strömungen`, des Liquidatorentums, des Trotzkismus (`Borba`), des Gemischs von Volkstümlerideologie und Marxismus (der `Sowremennik` des Hernn Himmer) u.a. Versuchen jetzt, die Einheit und den Willen dieser Merhheit der Arbeiter zu hintertreiben, zu zerstören. Wir sind überzeugt, dass alle diese intelligenzlerischen `Strömunfen` , die anti-marxistische Ideen propagieren oder diesen Zugeständnisse machen, am Klassenbewusstsein und am Willen der fortgeschrittenen marxistischen Arbeiter zerschellen werden.

Besonders lächerlich ist es, wenn die intellektuellen Begründer von Grüppchen und `Strömungen`, die die Einheit der Arbeiter zerstören, nach `Einheit` schreien. Sie sind gegen die tatsächlich entstandene Einheit der Arbeiter und für eine in Worten versprochene Einheit der intelligenzlerischen Strömungen“ (Lenin, Band 20, Seite 294/295).



Lenin, Über die Verletzung der Einheit (Kapitel V „Die liquidatorischen Ansichten Trotzkis) , Mai 1914:

Bei Trotzki dagegen gibt es keinerlei ideologisch-politische Bestimmtheit, denn das Patent auf den `nichtfraktionellen Charakter` bedeutet lediglich (...) das Patent auf die völlige Freiheit des Hinüberwechselns von einer Fraktion zur andern und zurück.“ (Lenin, Band 20, Seite 332).

In den Phrasen Trotzkis gibt es viel Glanz und Getue, aber Inhalt haben sie keinen.“ (Lenin, Band 20, Seite 332)

... sprechen wir von schlimmstem Fraktionswesen, wo eine abgesonderte Organisation ohne jegliche ideologisch-politische Physiognomie entstehen will. Wenn aber Trotzki seine Ansichten von Stellen in seiner Zeitschrift, welche Ideen er insgeheim und versteckt vertritt (...):

`Die vorrevolutionäre Sozialdemokratie war bei uns nur ihre Vorstellung, ihren Zielen nach eine Arbeiterpartei. In Wirklichkeit stellte sie die Organisation der marxistischen Intelligenz dar, die die erwachende Arbeiterklasse hinter sich herführte.` Das ist die altbekannte liberale und liquidatorische Liedchen, das in Wirklichkeit die Verneinung der Partei einleitet. Dieses Liedchen beruht auf einer Entstellung der geschichtlichen Tatsachen. Bereits die Streiks 1895/1896 haben eine sowohl ideologisch als auch organisatorisch mit der Sozialdemokratie verbundene proletarische Massenbewegung hervorgerufen. Hat etwa bei diesen Streiks, bei der ökonomischen und nichtökonomischen Agitation `die Intelligenz die Arbeiterklasse hinter sich hergeführt?!“ (Lenin, Band 20, Seite 344).

Derartige Typen sind charakteristisch als Trümmer geschichtlicher Gestaltungen und Formationen von gestern.“ (ebenda, Seite 348).



Lenin, Über Abenteuertum, 9. Juni 1914:

In der Geschichte der Sozialdemokratie Russlands wimmelt es von Grüppchen, die `auf eine Stunde` , auf einige Monate entstanden, ohne irgendwelche Wurzeln in den Massen zu haben (Politik ohne Massen aber ist Abenteuerpolitik) [hervorgehoben von der Redaktion], ohne irgendwelche ernsthaften und wohlbegründeten Ideen zu besitzen. In einem kleinbürgerlichen Land ist es unvermeidlich, dass sich in der historischen Periode der bürgerlichen Umgestaltungen den Arbeitern eine buntscheckige Intelligenz anschließt, es ist unvermeidlich, dass diese versucht, allerlei Grüppchen zu bilden, die einen im erwäöhnten Sinne des Wortes abenteuerlichen Charakter haben.

Die Arbeiter, die sich nicht an der Nase herumführen lassen wollen, müssen jedes Grüppchen sowohl auf die Ernsthaftigkeit seiner Ideen als auch auf seine Wurzeln in den Massen hin untersuchen. Nicht aufs Wort glauben („Aufs bloße Wort glauben nur Narren“ - Seite 359 – [Zitat von Lenin, hier passend eingeschoben von der Redaktion]), aufs Strengste prüfen – das ist die Losung der marxistischen Arbeiter.“

Der `Ökonomismus` war eine bürgerliche, opportunistische Strömung, die die Arbeiter den Liberalen unterordnete.“ (Lenin, Band 20, Seite 358).

... indem man die Geschichte studiert, sich in die Ideen einer bestimmten Lehre hineindenkt, die Phrasen durch die Tatsachen überprüft, muss man als ernster Mensch an die Einschätzung der heutigen Strömungen und Grüppchen herangehen.“ (Lenin, Band 20, Seite 359).

Die liberalen Ideen der Liquidatoren sind innerlich verbunden und bilden ein Ganzes: nieder mit der Illegalität, nieder mit den Grundpfeilern, für eine legale Partei, gegen das `Streikfieber` , gegen die höheren Formen des Kampfes usw. Die Sympathie für die Liquidatoren in der bürgerlich-liberalen `Gesellschaft` , sowohl bei den Kadetten als auch bei den parteilosen ( und den an der Peripherie der Partei stehenden) Intellektuellen, ist alten Ursprungs und fest begründet. Das Liquidatorentum ist eine ernsthafte, nur keine marxistische, keine proletarische,sondern bürgerlich-liberale Strömung. Von `Frieden` mit den Liquidatoren können nur Leute ohne Verstand reden. (Lenin, Band 20, Seite 359/360).

Plechanows persönlichen Verdienste in der Vergangenheit sind gewaltig. Im Laufe von 20 Jahren, von 1883 bis 1903, hat er eine Menge ausgezeichneter Werke geschrieben, besonders gegen die Opportunisten, die Machisten und die Volkstümler. Doch seit dem Jahre 1903 schwankt Plechanow in den Fragen der Taktik und Organisation auf lächerlichste Weise.“ (Lenin, Band 20, Seite 360).

Nirgends in der Welt vereinigen die Arbeiterparteien Grüppchen und `Strömungen` von Intellektuellen, sondern sie vereinigen die Arbeiter unter der Bedingung 1. der Anerkennung und Durchführung bestimmter marxistischer Beschlüsse in den Fragen der Taktik und Organisation, 2. der Unterordnung der Minderheit der klassenbewussten Arbeiter unter deren Mehrheit.“ (ebenda).



Lenin, Die Methode des Kampfes der bürgerlichen Intellektuellen, Juni 1914:

In allen kapitalistischen Ländern der Welt bringt die Bourgeoisie im Kampf gegen die Arbeiterbewegung und die Arbeiterparteien zwei Methoden zur Anwendung. Die erste Methode besteht in Gewalt, Verfolgungen, Verbote, Unterdrückung. (...)

Die andere Methode der Bourgeoisie im Kampf gegen die Bewegung besteht in der Spaltung der Arbeiterschaft, in der Desorganisierung ihrer Reihen, in der Bestechung einzelner Vertreter oder einzelner Gruppen des Proletariats, um sie auf die Seite der Bourgeoisie hinüberzuziehen. Die Methoden dieser Art sind keine fronherlichen, sondern rein bürgerliche, moderne, sie entsprechen den entwickelten und zivilisierten Zuständen des Kapitalismus, entsprechen dem demokratischen System. Denn das demokratische System ist eine Art der bürgerlichen Ordnung, es ist die reinste und vollkommenste bürgerliche Ordnung, wo sich neben maximaler Freiheit, Ausdehnung und Klarheit des Klassenkampfes ein Maximum an Schlichen, Kniffen, Listen und `ideologischer` Einwirkung der Bourgeoisie auf die Lohnsklaverei zum Zwecke ihrer Ablenkung vom Kampf gegen die Lohnsklaverei beobachten lässt. (...) Zu den demokratischen Methoden der Verdummung der Arbeiter und ihrer Unterordnung unter die bürgerliche Ideologie gehören die Methoden der Liquidatoren, der Volkstümler und der Kadetten.“ (Lenin, Band 20, Seite 462 und 463).

Die Geschichte hat die Phrasen, die Illusionen zerstreut und den Klassencharakter an den Tag gebracht. Sowohl die Volkstümler als auch die Liquidatoren sind Grüppchen kleinbürgerlicher Intellektueller, Grüppchen, die von der marxistischen Arbeiterbewegung beiseite geschoben worden sind und sich durch Betrug in sie hineindrängen wollen. `Fraktionswesen` (..) das Wörtchen (...) ist den Liquidatoren und den Volkstümlern als einzige Waffe geblieben.“ (ebenda, Seite465).

Wenn wir jetzt das Literatenbündnis der Führer der Volkstümlerrichtung (...) und verschiedener Fraktionen sozialdemokratischer Intellektueller sehen (...) so haben wir nichts anderes vor uns als ein Bündnis bürgerlicher Intellektueller gegen die Arbeiter.“ (ebenda, Seite 469/470).

... dass man in der Politik im Allgemeinen und in der Arbeiterbewegung im Besonderern nur solche Richtungen ernst nehmen kann, die in den Massen verbreitet sind.“ (ebenda, Seite 472).

Es gibt übrigens noch eine andere Erklärung für die Schwankungen Plechanows(...) Zwischen den kämpfenden Strömungen: den Liquidatoren ( die ihre soziale Kraft aus der Sympathie der liberalen Bourgeoisie schöpfen) und den `Prawdisten`(die ihre Kraft aus dem Bewusstsein und der Geschlossenheit der Mehrheit der aus der Finsternis zum Licht erwachenden Arbeiter Russlands schöpfen), entstehen unvermeidlich schwankende Grüppchen von Intellektuellen. Eine soziale Kraft haben sie nicht hinter sich, Einfluss auf die Massen der Arbeiter können sie nicht haben, politisch sind sie Nullen. Statt einer festen und klaren, die Arbeiter anziehenden und durch die Lebenserfahrung bestätigten Linie herrscht in diesen Grüppchen Zirkeldiplomatie. Das Fehlen der Verbindungen mit den Massen, das Fehlen geschichtlicher Wurzeln in den Massenströmungen der Sozialdemokratie in Russland (die Sozialdemokratie ist in Russland seit den Streiks von 1895 eine Massenbewegung geworden), das Fehlen einer festen, einheitlichen, klaren, bis zu Ende bestimmten und in langjähriger Erfahrung erprobten Linie, d.h. das Fehlen von Antworten auf die Fragen der Taktik, der Organisation, des Programms – das ist der Boden, auf dem die Zirkeldiplomatie gedeiht, das sind ihre Merkmale. (ebenda, Seite 479/480).

Tatsachen stehen den Klatschmäulern nicht zur Verfügung. Die Klatschbasen des Zirkels Martows sind außerstande, organisiert zu handeln: dieses oder jenes Kollegium einzuberufen, Material zu sammeln, das von politischem Interesse und von Bedeutung wäre, gemeinsam zu prüfen, zu analysieren, zu überdenken und zu einer formellen, verantwortlichen Entscheidung zu kommen, die dem Proletariat als Richtschnur dienen kann. Dazu sind die Klatschbasen unfähig. Dagegen schwatzen und klatschen, bei Martow (oder anderen, ihm ähnlichen schmutzigen Verleumder) ein- und ausgehen und dunkle Gerüchte aufwärmen, Anspielungen erhaschen und weitergeben – oh, darin sind die Intellektuellen-Klatschbasen große Meister! Wer auch nur einmal in seinem Leben dieses Milieu der intrigierenden Intellektuellen- Klatschbasen kennengelernt hat, der wird gewiss (wenn er nicht selbst eine solche Klatschbase ist) sein ganzes Leben lang Abscheu vor diesen nichtswürdigen Kreaturen haben. Jedem das Seine. Jede Gesellschaftsschicht hat ihre `Lebensart`, ihre Gewohnheiten, ihre Neigungen. Jedes Insekt hat die ihm eigene Kampfeswaffe: Es gibt Insekten, denen dazu die Ausscheidung übelriechender Flüssigkeit dient.“ (ebenda, Seite 484).

Doch gerade darin besteht (...) (die) schmutzigeVerleumdung, dass man dunkle, anonyme Gerüchte in die Presse bringt, ohne imstande zu sein, auch nur einen einzigen ehrlichen Bürger, auch nur eine einzige solide, verantwortliche demokratische Institution als Bürgen für die Glaubhaftigkeit dieser Gerüchte anzuführen! Darin besteht der Kern der ganzen Sache.(...) Mögen die Spießgesellen Dans und Martows oder nervenschwache Intellektuelle, die den `Gerüchten` dieser Herren glauben, bei dem Gedanken an ein bürgerliches Gericht weh und ach schreien. Damit schreckt man uns nicht. Gegenüber Erpressern sind wir immer und unbedingt für die bürgerliche Legalität des bürgerlichen Gerichts.

Wenn ein Mensch sagt: geben Sie mir 100 Rubel, sonst enthülle ich, dass Sie ihre Frau betrügen und mit der N.N. Leben, so ist das eine kriminelle Erpressung. Wir sind in diesem Fall für das bürgerliche Gericht.

Wenn ein Mensch sagt: macht mir politische Zugeständnisse, erkennt mich an als gleichberechtigten Genossen der marxistischen Gesamtheit, sonst werde ich Lärm schlagen über Gerüchte von der Spitzeltätigkeit Malinowskis, so ist das politische Erpressung. Wir sind in diesem Fall für das bürgerliche Gericht.Entweder ihr erhebt eine mit eurer Unterschrift versehene offene Anklage, damit das bürgerliche Gericht euch entlarven und bestrafen kann (andere Mittel zur Bekämpfung von Erpressungen gibt es nicht), oder ihr bleibt als Leute gebrandmarkt, die von den Vertretern von 10 Gewerkschaftsvereinigungen der Arbeiter öffentlich als Verleumder bezeichnet worden sind. Das ist die Wahl, die euch, ihr Herren Martow und Dan, bleibt!“ (ebenda, Seite 486/487)

Doch die bürgerlichen Einflüsse auf die Arbeiter bestanden niemals und nirgends in der Welt nur in ideologischen Einflüssen. Wenn der ideologische Einfluss der Bourgeoisie auf die Arbeiter zurückgeht, untergraben wird, schwächer wird, nahm und nimmt die Bourgeoisie überall und immer Zuflucht zur verzweifeltsten Lüge und Verleumdung. Martow und Dan haben immer gerade dann, wenn sie den Willen der Mehrheit der organisierten Marxisten durchkreuzten, gerade dann, wenn es ihnen an Waffen des ideologischen Kampfes fehlte, nach der Waffe der Insinuationen und der Verleumdung gegriffen.(...) Weder das bürgerliche Bündnis der Führer der Liquidatoren, Plechanows und Trotkis mit den Volkstümlern, noch die Anstrengungen der liberalen Presse, die Vereinigung der Arbeiter mit den Liquidatoren der Arbeiterpartei als Aufgabe der `ehrlichen` Leute zu erklären, noch die Verleumdungskampagne Martows und Dans werden das Wachstum und die Entwicklung der proletarischen Geschlossenheit auf dem Boden der Ideen, des Programms, der Taktik und der organisation des `Prawdismus` aufhalten.“ (Seite 494 und 495).



Lenin, Über die `Wperjod“-Leute und die Gruppe „Wperjod“, Juni 1914:

Die Geschichte der Gruppe `Wperjod`, ihres Zerfalls, ihrer beständigen Blocks mit Trotzki und den Liquidatoren ist von einem gewissen allgemeinen Interesse für die Arbeiter und sogar von einem gewissen Interesse für die ganze Gesellschaft, denn wir sehen hier die typische Erscheinung der Bildung besonderer Grüppchen aus Intellektuellen in der Zeit des Niedergangs und Zerfalls.Ein jeder hat die Freiheit, einebesondere ideologische Gruppe zu bilden und dem Proletariat einen besonderen Weg zu weisen, aber von jedem Begründer einer neuen Gruppe `wird viel verlangt` . Unnötig zu sagen, dass ein Versehen kein Vergehen ist, aber auf Fehlern, die durch die Theorie und die Praxis einer mehr als fünfjährigen Bewegung klargestellt worden sind, zu beharren, bedeutet direkt in den Krieg ziehen gegen den Marxismus, gegen die geschlossene und vereinigte Mehrheit der Arbeiter.“(Lenin, Band 20, Seite 501/502/).

Man muss lachen, wenn man liest, wie diese Grüppchen über Einheit und Spaltung lamentieren! Versteht doch, Verehrteste, dass wohl von der Einheit der proletarischen Massenbewegung, von der Einheit der Arbeiterpartei die Rede sein kann; von der Einheit mit Intellektuellenzirkeln aber, die in 4 Jahren unter den Arbeitern Russlands keine Sympathien gefunden haben, könnt ihr mit Trotzki schwätzen. Es lohnt sich gar nicht, darüber zu streiten.“ (Lenin, Band 20, Seite 502/503).



Lenin, Bericht des ZK der SDAPR zur Brüsseler Konferenz, 23. - 30. Juni 1914:

Materiell, d.h. dem Wesen der Sache nach, ist die Lage so: Russland durchlebt die Epoche bürgerlicher Revolutionen, wo nicht standfeste Grüppchen von Intellektuellen zuweilen geneigt sind, sich als Sozialdemokraten zu betrachten oder jene opportunistische Richtung innerhalb der Sozialdemokratie zu unterstützen, gegen die unsere Partei seit 20 Jahren kämpft ( der `Ökonomismus` in den Jahren 1895-1902); der `Menschewismus` in den Jahren 1903 -1908 und das `Liquidatorentum` der Jahre 1908 – 1914). Die Erfahrung des Augustblocks (1912) der Liquidatoren und seines Zerfalls hat gezeigt, dass die Liquidatoren und ihre Beschützer selbst absolut unfähig sind, eine Partei, eine Organisation zu schaffen. Nur im Kampf gegen diese Gruppen entsteht und kann eine tatsächlich proletarische sozialdemokratische Partei Russlands entstehen, die schon jetzt, trotz ungeheurer Schwierigkeiten, 8/10 der klassenbewussten Arbeiter (wenn man nur die Sozialdemokraten rechnet) oder 7/10 (wenn man sowohl die Sozialdemokraten als auch die Sozialrevolutionäre rechnet) vereinigt hat.“ (Lenin, Band 20, Seite 539).



Lenin, Zu den Ergebnissen des Tages der Arbeiterpresse, 2. und 3. Juli 1914:

Bei der Schaffung einer Arbeiterpresse und einer Arbeitergesamtheit soll, darf und muss man nur mit der aktiven Tätigkeit der Arbeiter selbst, nicht aber mit den Kapitalien reicher `Freunde` rechnen. Bei der Sache der Arbeiterzeitung und der Arbeitergesamtheit ist die Tatsache, dass die Liquidatoren von Nichtarbeitern fest ebensoviel erhalten haben wie von den Arbeitern (5115 Rbl. Und 5651 Rbl.), unseres Erachtens kein Plus, sondern ein Minus, ein weiterer Beweis für die sehr enge Verbindung des Liquidatorentums mit bürgerlichen Intellektuellenkreisen.“ (Lenin, Band 20, Seite 566).



Lenin, Was weiter?, 1. Februar 1915 :

Die Einheit des Proletariats ist seine stärkste Waffe im Kampf für die sozialistische Revolution [hervorgehoben von der Redaktion].Aus dieser unbestreitbaren Wahrheit folgt ebenso unbestreitbar: Wenn kleinbürgerliche Elemente, die den Kampf für die sozialistische Revolution stören können, in beträchtlicher Zahl zur proletarischen Partei stoßen, so ist die Einheit mit solchen Elementen für die Sache des Proletariats schädlich und verhängnisvoll.“ (Lenin, Band 21, Seite 98).



Lenin, Die russischen Südekums, 1. Februar 1915 :

...Sophistik, das heißt, das Herausgreifen der äußeren Ähnlichkeit verschiedener Fälle, ohne den inneren Zusammenhang der Ereignisse durch die Dialektik (d.h. durch das Studium aller konkreten Umstände des Ereignisses und seiner Entwicklung) zu ersetzen..“ (Lenin, Band 21, Seite 107). „... sich den revolutionären Instinkten der Arbeiter durch Sophismen anzupassen.“ (Lenin, Band 21, Seite 369).



Lenin, Wie Polizei und Reaktionäre die Einheit schützen, 3. März 1915 :

Zehntausende durch den Legalismus korrumpierte Führer, Parteibeamte und privilegierte Arbeiter haben die Millionenarmee des sozialdemokratischen Proletariats desorganisiert.“ (Lenin, Band 21, Seite 118).

Der Weg der Arbeiter zur Weltrevolution führt über eine Reihe von Niederlagen und Fehlern, von Misserfolgen und Schwächen, aber er führt zu ihr [hervorgehoben von der Redaktion]. Man muss blind sein, um nicht zu sehen, dass der bürgerliche und kleinbürgerliche Einfluss auf das Proletariat die erste und tiefste, die grundlegende Ursache ist für die Schmach und den Zusammenbruch der Internationale im Jahre 1914. Aber die Schönredner Gardenin und Co. wollen den Sozialismus dadurch kurieren,, dass sie seine einzige gesellschaftlich-geschichtliche Grundlage, den Klassenkampf des Proletariats, völlig preisgeben und den Marxismus endgültig mit spießbürgerlicher, intelligenzlerischer Volkstümelei verwässern. Nichts von beharrlicher Arbeit in Richtung auf den vollständigen Bruch der revolutuonären Arbeiterbewegung mit dem Opportunismus, vielmehr Vereinigung dieser Bewegung mit dem Opportunismus.“ /Lenin, Band 21, Seite 119).



Lenin, Der Zusammenbruch der II. Internationale, Juni 1915:

Der èuropäische` Entwicklungstypus, bei dem gewisse Schichten des Kleinbürgertums, insbesondere die Intellektuellen, und eine zahlenmäßig verschwindend geringe Arbeiteraristokratie die Privilegien der `Großmacht`stellung `ihrer` Nation `genießen` können, musste sich auch in Russland geltend machen.“ (Lenin, Band 21, Seite 255).



Lenin, Wie man Lakaiendienste für die Reaktion mit dem demokratischen Getue vereinigt, Juni 1915 :

Die spezifische Funktion dieser Intelligenz und der genannten Partei (Kadetten) besteht darin, die Reaktion und den Imperialismus durch alle möglichen demokratischen Phrasen, Beteuerungen, Sophismen und Ausflüchte zu bemänteln. (...)

Der Krieg hat den Nutzen gebracht, dass er alles Konventionelles über den Haufen geworfen, alle Hüllen abgerissen, dem Volk sinnfällig die volle Wahrheit offenbart hat: Aufrechterhaltung der Zarenmonarchie bedeutet die Notwendigkeit, Millionen von Menschenleben ( und Miiliarden von Volksgeldern) für die Versklavung fremder Völker hinzugeben. In der Tat hat die Partei der Kadetten eben diese Politik unterstützt, eben dieser Politik gedient.“ (Lenin, Band 21, Seite 264 und 265).



Lenin, Die ehrliche Stimme eines französischen Sozialisten, „Kommunist“ Nr. ½, 1915:

Die gewaltige, in der Welt noch nie da gewesene Befreiungsbewegung einer unterdrückten Klasse, der revolutionärsten Klasse der Geschichte, ist unmöglich ohne revolutionäre Theorie. Sie kann nicht ausgedacht werden, sie wächst heran aus der Gesamtheit der revolutionären Erfahrungen und der revolutionären Ideen aller Länder der Welt. Und eine solche Theorie ist herangewachsen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie heißt Marxismus. Man kann kein Sozialist sein, man kann kein revolutionärer Sozialdemokrat sein, wenn man nicht nach Kräften teilnimmt an der Ausarbeitung und Anwendung dieser Theorie.“ (Lenin, Band 21, Seite 358).[hervorgehoben von der Redaktion]

Sie haben selbst anerkannt, dass `der sterbende Sozialismus` verbunden ist mit bürgerlichen Ideen ( das heißt, er wird von der Bourgeoisie genährt und unterstätzt), mit einer bestimmten ideologischen Richtung im Sozialismus (dem `Reformismus`), mit den Interessen und der besonderen Lage bestimmter Schichten (Parlamentarier, Beamte, Intellektuelle, manche besser gestellten Schichten oder Gruppen von Arbeitern) usw. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine Schlussfolgerung die Sie nicht ziehen. Physische Personen `sterben` den sogenannten natürlichen Tod, aber ideologisch-politische Strömungen können nicht so sterben. Wie die Bourgeoisie nicht sterben will, solange man sie nicht stürzt, so wird auch die von der Bourgeoisie genährte und unterstützte Strömung, die die Interessen der kleinen Gruppen von Intellektuellen und Aristokraten der Arbeiterklasse, die sich mit der Bourgeoisie verbündet hat, zum Ausdruck bringt, nicht sterben, wenn man sie nicht `totschlägt`, d.h. nicht stürzt, nicht jeden Einflusses auf das sozialistische Proletariat beraubt. [hervorgehoben von der Redaktion, weil es heute ohne die vollständige internationale Zerschlagung des gemeinsamen Bündnisses der bürgerlichen Intellektuellen und der Arbeiteraristokratie mit der Weltbourgeoisie keinen Sieg der sozialistischen Weltrevolution geben wird. Der Leninschen Theorie von der Zerschlagung des Bündnisses der bürgerlichen Intellektuellen und der Arbeiteraristokratie ist für die Komintern / ML von außerordentlich wichtiger Bedeutung!]. Diese Strömung ist eben durch ihre Verbindungen mit der Bourgeoisie stark, sie ist dank den objektiven Bedingungen der `friedlichen` Epoche von 1871 bis 1914 zu einer Art kommandierender parasitärer Schicht in der Arbeiterbewegung geworden. Das ist unbedingt notwendig, nicht nur zu `tadeln` , sondern Sturm zu läuten, diese Parasitenschicht schonungslos zu entlarven, zu stürzen, `ihrer Posten zu entheben`, ihre `Einheit` mit der Arbeiterbewegung zu zerschlagen, denn eine solche `Einheit` bedeutet in Wirklichkeit Einheit des Proletariats mit der nationalen Bourgeoisie und Spaltung des internationalen Proletariats, Einheit der Lakaien und Spaltung der Revolutionäre.

`Die Intransigenz ist eine Kraft`, sagte Golay mit Recht und verlangt, dass `der auferstehende Sozialismus` intransigent sei. Ist es aber für die Bourgeoisie nicht einerlei, ob das Proletariat seinen Frieden mit ihr direkt oder indirekt, durch die Vermittlung ihrer Anhänger, Verteidiger, Agenten innerhalb der Arbeiterbewegung, d.h. der Opportunisten, macht? Das latztere ist für die Bourgeoisie sogar vorteilhafter, da es ihr einen dauerhafteren Einfluss auf die Arbeiter sichert!

Golay hat tausendmal Recht, wenn er sagt; dass es einen sterbenden Sozialismus und einen auferstehenden Sozialismus gibt; dieses Sterben und dieses Auferstehen stellt aber gerade den schonungslosen Kampf gegen die Richtung des Opportunismus dar, nicht nur den ideologischen Kampf, sondern auch die Entfernung dieser hässlichen Geschwulst aus den Arbeiterparteien, den Ausschluss bestimmter Vertreter diese dem Proletariat fremden Taktik aus den Organisationen, den vollständigen Bruch mit ihnen. Sie werden weder physisch noch politisch sterben, die Arbeiter aber werden mit ihnen brechen, sie in den Abgrund stoßen, wohin die Lakaien der Bourgeoisie gehören, und am Beispiel ihrer Fäulnis ein neues Geschlecht erziehen, richtiger gesagt: neue Armeen des Proletariats, die zum Aufstand fähig sind.“ (Lenin, Band 21, Seite 359/360).



Lenin, Der Opportunismus und der Zusammenbruch der II. Internationale, Ende Juli 1915:

Worin besteht das ökonomische Wesen der `Vaterlandsverteidigung` im Kriege 1914/1915? Die Antwort darauf ist im Basler Manifest bereits gegeben. Alle Großmächte führen den Krieg um die Ausplünderung, ukm die Aufteilung der Welt, um die Märkte, um die Unterjochung der Völker. Der Bourgeoisie bringt das eine Erhöhung der Profite. Der dünnen Schicht der Arbeiterbürokratie und Arbeiteraristokratie, weiter dem Kleinbürgertum (den Intellektuellen usw.), das sich der Arbeiterbewegung `angeschlossen` hat, stellt das Brocken von diesen Profiten in Aussicht. Die ökonomische Grundlage des `Sozialchauvinismus` (dieser Ausdruck ist präziser als der Ausdruck Sozialpatriotismus, der das Übel beschönigt) und des Opportunismus ist ein und dieselbe: das Bündnis einer verschwindend kleinen `Oberschicht` der Arbeiterbewegung mit `ihrer` nationalen Bourgeoisie gegen die Massen des Proletariats. Ein Bündnis zwischen den Lakaien der Bourgeoisie und der Bourgeoisie selbst gegen die von der Bourgeoisie ausgebeutete Klasse. Der Sozialchauvinismus ist der vollendete Opportunismus.(Lenin, Band 21, Seite 450). [unterstrichen von der Redaktion].

Der Sozialchauvinismus ist die direkte Weiterführung und Vollendung des Millerandismus, des Bernsteinianertums, der englischen liberalen Arbeiterpolitik, er ist ihre Summe, ihr Fazit, ihr Resultat.“

Das Bündnis mit der Bourgeoisie war ideell und geheim. Es wurde jetzt offen und ordinär. Gerade aus dem Bündnis mit der Bourgeoisie und den Generalstäben schöpft der Sozialchauvinismus seine Kraft.“ (Lenin, Band 21, Seite 450 – 451).

Einheit mit dem Opportunismus ist die Einheit des Proletariats mit seiner nationalen Bourgeoisie, d.h. Die Unterwerfung unter sie, die Spaltung der internationalen, revolutionären Arbeiterklasse.“ (Lenin, Band 21, Seite 452).

... worin das Wesen der Politik der gesamten internationalen Bourgeoisie gegenüber der Arbeiterbewegung des 20. Jahrhunderts besteht: Man muss sie von innen heraus korrumpieren, indem man ihre Oberschicht kauft.“ (Lenin, Band 21, Seite 453).



Lenin, Zur Frage der Dialektik, 1915:

Die menschliche Erkenntnis ist nicht (resp. Beschreibt nicht) eine gerade Linie, sondern eine Kurve, die sich einer Reihe von kreisen, einer Spirale unendlich nähert. Jedes bruchstück, Teilchen, Stückchen dieser Kurve kann verwandelt (einseitig verwandelt) werden in eine selbständige, ganze, gerade Linie, die ( wenn man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht) dann in den Sumpf, zum Pfaffentum führt ( wo sie durch das Klasseninteresse der herrschenden Klassen v e r a n k e r t wird). Geradlinigkeit und Einseitigkeit, Erstarrung und Verknöcherung, Subjektivismus und subjektive Blindheit, voilà die erkenntnistheoretischen Wurzeln des Idealismus. Und das Pfaffentum (= philosophischer Idealismus) besitzt natürlich erkenntnistheoretische Wurzeln, ist nicht ohne Boden, es ist zwar unstreitig eine taube Blüte, aber eine taube Blüte, die wächst am lebendigen Baum der lebendigen, fruchtbaren, wahren, machtvollen, allgewaltigen, objektiven, absoluten menschlichen Erkenntnis.“ (Lenin, Band 36, Seite 349).



Lenin, Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht, Januar-Februar 1916:

Die sozialistische Revolution kann in der nächsten Zukunft beginnen. In diesem Falle wäre die sofortige Aufgabe des Proletariats: die Erkämpfung der politischen Macht, die Expropriation der Banken und die Verwirklichung anderer diktatorischer Maßregeln. Die Bourgeoisie – und besonders die Intelligenz vom Typus der Fabier und Kautskyaner – wird sich bemühen, die Revolution in solch einem Augenblick zu zerstückeln und zu bremsen, indem sie ihr beschränkte demokratische Ziele vorschreiben wird. Wenn alle rein demokratischen Forderungen imstande sind, beim schon beginnenden Ansturm der Proletarier gegen die Grundlagen der Macht der Bourgeoisie der Revolution im gewissen Sinne im Wege zu stehen, so wird die Notwendigkeit, die Freiheit aller unterjochten Völker (das heißt das Selbstbestimmungsrecht) zu verkünden und zu verwirklichen, ebenso aktuell während der sozialistischen Revolution, wie sie für den Sieg der bürgerlich-demokratischen Revolution war, zum Beispiel in Deutschland im Jahre 1848 oder in Russland im Jahre 1905.“ (Lenin, Band 22, Seite 155).