1913

W. I. Lenin





Eugène Pottier

3. Januar 1913



(zum fünfundzwanzigsten Jahrestag seines Todes)

Prawda“ Nr. 2, vom 3. Januar 1913

Lenin, Band 36, Seite 197 – 198





Im November vorigen Jahres, des Jahres 1912, waren seit dem Tode des französischen Arbeiterdichters Eugène Pottier, des Verfassers des berühmten proletarischen Liedes: „Die Internationale“ („Wacht auf, Verdammte dieser Erde“ usw.) , 25 Jahre vergangen.

Dieses Lied ist in allen Sprachen Europas und nicht nur Europas übersetzt. In welches Land ein klassenbewusster Arbeiter auch geraten, wohin ihn sein Schicksal auch verschlagen, wie sehr er sich auch als Fremder fühlen möge, ohne Kenntnis der Sprache, ohne vertraute Menschen, fern von der Heimat – mit der bekannten Weise der „Internationale“ kann er Genossen und Freunde finden.

Die Arbeiter aller Länder haben das Lied ihres Vorkämpfers, des proletarischen Dichters, zu ihrem Lied, zum Lied des Weltproletariats gemacht.







Und die Arbeiter aller Länder ehren jetzt Eugène Pottier. Seine Frau und Tochter leben noch und leben in Armut, wie der Verfasser der „Internationale“ sein ganzes Leben gelebt hat. Er wurde am 4. Oktober 1848 in Paris geboren. 14 Jahre war er alt, als er sein erstes Lied dichtete, und dieses Lied hieß: „Es leben die Freiheit!“ Im Jahre 1848 nahm er als Barrikadenkämpfer an der großen Schlacht der Arbeiter gegen die Bourgeoisie teil.

Pottier entstammte einer armen Familie und blieb sein ganzes Leben lang arm, ein Proletarier, der sich sein Brot als Packer und später als Musterzeichner für Stoffe verdiente.

Seit 1840 fanden alle großen Ereignisse im Leben Frankreichs ihren Widerhall in seinen Kampfliedern; er weckte das Bewusstsein der Zurückgebliebenen, rief die Arbeiter zur Einheit und geißelte die Bourgeoisie und die bürgerlichen Regierungen Frankreichs.

Während der großen Pariser Kommune (1871 wurde Pottier zum Mitglied der Kommune gewählt. Von 3600 Stimmen wurden 3352 für ihn abgegeben. An allen Maßnahmen der Kommune, dieser ersten proletarischen Regierung, wirkte er mit.

Der Fall der Kommune zwang Pottier, nach England und Amerika zu fliehen. Das berühmte Lied: „Die Internationale“ schrieb er im Juni 1871, man kann sagen, am Tage nach der blutigen Mainiederlage ….

Die Kommune war niedergeworfen … aber die „Internationale“ Pottiers hat die Ideen der Kommune in die ganze Welt getragen, und heute ist sie lebendiger denn je.

1876, im Exil, schrieb Pottier das Poem „Die Arbeiter Amerikas an die Arbeiter Frankreichs“. Er schilderte darin das Leben der Arbeiter unter dem Joch des Kapitalismus, ihr Elend, ihre Sklavenarbeit, ihre Ausbeutung und ihre feste Überzeugung vom kommenden Sieg ihrer Sache.

Erst neun Jahre nach der Kommune kehrte Pottier nach Frankreich zurück und trat dort sofort in die „Arbeiterpartei“ ein. 1884 erschien ein erster Band seiner Gedichte. 1887 wurde ein zweiter Band mit dem Titel: „Revolutionslieder“ herausgegeben.

Eine Reihe anderer Lieder des Arbeiterdichters wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht.

Am 8. November 1887 gaben die Pariser Arbeiter den sterblichen Überresten Eugène Pottiers das Geleit zum Friedhof „Père Lachaise“, wo die erschossenen Kommunarden begraben sind. Die Polizei versuchte, den Arbeitern die rote Fahne zu entreißen, und veranstaltete eine blutige Schlägerei. Eine riesige Menge nahm an dem Zivilbegräbnis teil. Von allen Seiten ertönte der Ruf: „Es lebe Pottier!“

Pottier starb in Armut, aber er hat sich ein wahrhaft unvergängliches Denkmal gesetzt. Er war einer der größten Propagandisten mittels des Liedes . Als er sein erstes Lied dichtete, wurden die sozialistischen Arbeiter höchstens nach Dutzenden gezählt. Heute kennen Dutzende Millionen Proletarier das historische Lied Eugène Pottiers …