1917

W. I. Lenin



Die Aufgaben unserer Partei in der

Internationale



Oktober 1917



(Anlässlich der III. Konferenz der Zimmerwalder)

veröffentlicht 1928 in Lenin-Sammelband VII

Lenin, Band 26, Seite 208 - 210

[ Die III. Konferenz der Zimmerwalder fand in Stockholm vom 5. bis 12. September 1917 (n.St.) statt. Auf Beschluss der Aprilkonferenz nahmen die Bolschewiki an der Konferenz teil. Lenin war mit diesem Beschluss nicht einverstanden und stimmte, wie er bereits in seiner Broschüre „Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution“ erklärt hatte (siehe Werke, Band 24, Seite 67/68), lediglich einer eventuellen Teilnhame der Bolschewiki an dieser Konferenz ausschließlich zu Informationszwecken zu, In dem im Mai 1917 geschriebenen Nachwort zu dieser Broschüre hob Lenin die Fehlerhaftigkeit des genannten Beschlusses der Konferenz hervor (siehe Werke, Band 24, Seite 75/76). Lenin führt als Datum der Konferenz den 20. 27. August (n. St) an, ein Datum, das irrtümlich die menschewistische Zeitung „Iskra“ angegeben hatte – die Redaktion]



In Nr. 22 des „Rabotschi Put“ vom 28. September wurde das Manifest der III. Konferenz der Zimmerwalder abgedruckt. Wenn wir uns nicht irren, so wurde es noch in der Zeitung der internationalistischen Menschewiki, der „Iskra“, in Nr. 1 vom 26. September, veröffentlicht, unter Hinzufügung ganz kurzer Angaben über die Zusammensetzung der III. Konferenz der Zimmerwalder (20. -27. August neuen Stils); in anderen Zeitungen erschienen weder das Manifest noch irgendwelche ausführlichen Meldungen über die Konferenz.

Wir verfügen jetzt über einiges Material über diese Konferenz, bestehend aus einem Artikel in der Zeitung der schwedischen linken Sozialdemokraten, der „Politiken“ (dieser Artikel erschien in Übersetzung im Organ der finnischen sozialdemokratischen Partei „Työmies“), und aus zwei schriftlichen Mitteilungen, Mitteilungen eines polnischen und eines russischen Genossen, die an der Konferenz teilgenommen haben. Wir wollen vorerst, auf Grund dieser Nachrichten, über die Konferenz im Allgemeinen berichten, um dann zu ihrer Einschätzung und zur Einschätzung der Aufgaben unserer Partei überzugehen.

I

Auf der Konferenz waren Vertreter der folgenden Parteien und Grippen anwesend:

      1. der deutschen „unabhängigen“ sozialdemokratischen Partei („Kautskyaner“):

      2. der schweizerischen Partei;

      3. der schwedischen linken Partei (die bekanntlich jede Verbindung mit der opportunistischen Partei Brantings abgebrochen hat);

      4. der Norweger und

      5. der Dänen (aus unserem Material ist nicht ersichtlich, ob es sich um die offizielle, opportunistische dänische Partei mit Minister Stauning an der Spitze handelt);

      6. der finnischen sozialdemokratischen Partei

      7. der Rumänen

      8. der SDAPR (Bolschewiki)

      9. der SDAPR (Menschewiki) (Panin hatte mit der Begründung, die Konferenz sei eine nur unvollständige Vertretung, schriftlich erklärt, er werde nicht teilnehmen: Axelrod dagegen kam zweitweise zu den Sitzungen, unterschrieb jedoch nicht das Manifest);

      10. der internationalistischen Menschewiki;

      11. der amerikanischen Gruppe „christlicher internationalistischer Sozialisten“ (?);

      12. der amerikanischen „Gruppe für sozialistische Propaganda“ (allem Anschein nach ist das dieselbe Gruppe, die in meiner Broschüre „Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution (Entwurf einer Plattform der proletarischen Partei)“, Seite 24 [ siehe Werke, Band 24, Seite 64 – die Redaktion ], erwähnt wird, denn eben diese Gruppe begann im Januar 1917 die Zeitung „The Internationalist“ herauszugeben);

      13. der durch den „Landesvorstand“ vereinigten polnischen Sozialdemokraten;

      14. der österreichischen Opposition („Karl – Marx – Klub“), der von der österreichischen Regierung nach der Tötung Stürgkhs durch Friedrich Adler aufgelöst wurde; diesen Klub erwähne ich in derselben Broschüre auf Seite 25 [ siehe ebenda, Seite 65 – die Redaktion];

      15. der bulgarischen „unabhängigen Gewerkschaftsverbände“ (die, wie der Autor des in meinem Besitz befindlichen Briefes hinzufügt, nicht zu den „Tesnjaki“ [„Engherzigen“], d.h., der linken, internationalistischen bulgarischen Partei, sondern zu den „Weitherzigen“, d.h., der opportunistischen bulgarischen Partei gehören): dieser Vertreter traf, wie auch die Vertreter der

      16. serbischen Partei, erst nach Schluss der Konferenz ein.

Von diesen 16 Parteien und Gruppen gehören zu jener „dritten“ Strömung, von der die Resolution unserer Konferenz vom 24. - 29. April 1917 spricht ( und meine Broschüre, Seite 23 [siehe ebenda, Seite 63 – 65 – die Redaktion ], wo diese Strömung als Strömung der „wirklichen Internationalisten“ bezeichnet wird), die Nummer 3, 8, 12, 13 und 14; näher zu dieser „linken“ Strömung, oder zwischen ihr und dem „Zentrum“ der Kautskyaner, stehen dann die Gruppen 4 und 16, obzwar es schwer ist, ihre Position genau zu bestimmen – möglicherweise gehören sie auch zum „Zentrum“. Weiter gehören die Gruppen 1, wahrscheinlich 2, 6 und 7, die Gruppe 10 und wahrscheinlich 15 zum kautskyanischen „Zentrum“. Die Gruppe 5 (wenn es die Partei Staunings ist) und 9 sind Vaterlandsverteidiger, Ministerialisten, Sozialchauvinisten. Schließlich die offenbar vollständig zufällige Gruppe 11.

[ hervorgehoben von der Komintern (SH) Hieraus ist ersichtlich, dass die Zusammensetzung der Konferenz äußerst bunt, ja sogar unsinnig war, denn es fanden sich Leute zusammen, die sich im Grundlegenden nicht einig und daher unfähig sind, wirklich einmütig, wirklich gemeinsam zu handeln, Leute, die in der Grundrichtung ihrer Politik unvermeidlich auseinandergehen müssen. Natürlich sind die „Frucht“ der „Zusammenarbeit“ solcher Leute entweder Zank und „Tratsch“ oder aber Kautschuk – und Kompromiss-Resolutionen, die geschrieben werden, um die Wahrheit zu verbergen. Beispiele und Beweise dafür werden wir sogleich sehen …. [ hier bricht das Manuskript ab – die Redaktion ]