1917

W. I. Lenin





Um Brot und Frieden



14. Dezember 1917



Jugend-Internationale“, Nr. 11; Mai 1918.

Lenin, Band 26, Seite 387 - 388



Zwei Fragen haben in diesem Monat den Vorrang vor allen anderen politischen Fragen: Die Frage nach Brot – und die Frage nach Frieden !

Der imperialistische Krieg, der Krieg der größten und reichsten Bankfirmen Englands und Deutschlands, dieser Krieg, der um die Verteilung der Beute, um die Beraubung der kleinen und schwachen Völker geführt wird, dieser schreckliche, dieser verbrecherische Krieg, der aller Länder ruiniert, alle Völker ausgepresst hat, dieser Krieg stellt die Menschheit vor ein Dilemma: Entweder wird die ganze Kultur geopfert, oder es muss auf revolutionärem Wege das kapitalistische Joch abgeschüttelt, die Herrschaft der Bourgeoisie beseitigt, die sozialistische Gesellschaft und der dauernde Frieden erobert werden.

Falls der Sozialismus nicht siegt, kann der Friede zwischen den kapitalistischen Staaten nur als Waffenstillstand, als Unterbrechung, als Vorbereitung zu neuem Völkermord gelten. Friede und Brot sind der Arbeiter und Ausgebeuteten Grundforderungen. Der Krieg hat diese Forderungen auf das Äußerste zugespitzt. Die zivilisiertesten und kulturell am meisten entwickelten Länder sind durch den Krieg der Hungersnot ausgesetzt worden. Dagegen hat andererseits der Krieg als großer historischer Prozess die soziale Entwicklung in unerhörter Weise beschleunigt. Der Kapitalismus, der sich zum Imperialismus, das heißt zum monopolisierten Kapitalismus entwickelte, hat sich unter dem Einfluss des Krieges in einen staatsmonopolistischen Kapitalismus verwandelt. Diese Stufe der Entwicklung der Weltökonomie haben wir jetzt erreicht, und sie ist die unmittelbare Vorstufe zum Sozialismus.

Deshalb ist die in Russland ausgebrochene sozialistische Revolution nur der Anfang der sozialistischen Weltrevolution. Friede und Brot, Sturz der Bourgeoisie, revolutionäre Mittel zur Heilung der Wunden, die der Krieg geschlagen hat, vollkommener Sieg des Sozialismus, dem allem gilt der Kampf !

Petrogad, den 14. Dezember 1917