1918

W. I. Lenin





Resolution,



angenommen in der gemeinsamen Sitzung des Gesamtrussischen

Zentralexekutivkomitees, des Moskauer Sowjets, der Betriebskomitees

und der Gewerkschaften;



22. Oktober 1918

Iswestija WZIK“ Nr. 231, 23. Oktober 1918

Lenin, Band 28, Seite 119 – 121.

erstmals von der Komintern (SH) im Internet veröffentlicht im April 2010



Die revolutionäre Bewegung der proletarischen Massen und der Bauernschaft gegen den imperialistischen Krieg hat in der letzten Zeit in allen Ländern, besonders auf dem Balkan, in Österreich und in Deutschland gewaltige Erfolge erzielt. Aber eben diese Erfolge haben die internationale Bourgeoisie, an deren Spitze jetzt die englisch-amerikanische und die französische Bourgeoisie getreten ist, ganz besonders in Wut versetzt und das Bestreben hervorgerufen, sich schleunigst als konterrevolutionäre Kraft zu organisieren, um die Revolution, in erster Linie aber ihren gegenwärtigen Hauptherd, die Sowjetmacht in Russland, niederzuringen.

Im Kriege geschlagen und im Innern durch eine mächtige revolutionäre Bewegung bedroht, suchen die deutsche Bourgeoisie und die deutsche Regierung krampfhaft nach Rettung. Eine Strömung in den herrschenden Kreisen Deutschlands hofft noch, durch Verschleppungsmanöver bis zum Winter Zeit zu gewinnen und die militärische Verteidigung des Landes auf einer neuen Befestigungslinie vorbereiten zu können. Eine andere Strömung sucht verzweifelt nach einem Übereinkommen mit der englischen und französischen Bourgeoisie gegen das revolutionäre Proletariat und die Bolschewiki. Da diese Strömung aber bei den Siegern, den englischen und französischen Imperialisten, auf äußerste Unnachgiebigkeit stößt, versucht sie, diese mit der bolschewistischen Gefahr zu schrecken und durch Dienstleistungen gegen die Bolschewiki, gegen die proletarische Revolution für sich günstig zu stimmen.

Die Bourgeoisie der von Deutschland unterworfenen und besetzten Länder ist noch eifriger auf ein Übereinkommen mit der Entente bedacht, besonders in Fällen, wo sie, wie zum Beispiel in Finnland, in der Ukraine usw., sieht, dass sie ihre Macht über die ausgebeuteten, werktätigen Massen nur mit Hilfe ausländischer Bajonette aufrechterhalten kann.

Unter diesen Verhältnissen sieht sich die Sowjetmacht in folgende eigenartige Lage versetzt: einerseits waren wir der proletarischen Weltrevolution noch niemals so nahe wie heute, andererseits aber befanden wir uns niemals in einer so gefährlichen Situation wie heute. Heute gibt es schon nicht mehr zwei ungefähr gleich starke Gruppen imperialistischer Räuber, die sich gegenseitig zerfleischen und schwächen. Übriggeblieben ist allein die Siegergruppe, die Gruppe der englischen und französischen Imperialisten. Sie will die ganze Welt unter die Kapitalisten aufteilen, sie macht es sich zur Aufgabe, die Sowjetmacht in Russland um jeden Preis zu stürzen und sie durch eine bürgerliche Staatsmacht zu ersetzen. Sie rüstet jetzt zum Angriff auf Russland von Süden her, beispielsweise über die Dardanellen und das Schwarze Meer oder über Bulgarien und Rumänien, wobei offenbar zumindest ein Teil der englischen und französischen Imperialisten darauf hofft, dass die deutsche Regierung, im offenen oder stillschweigenden Einvernehmen mit ihnen, ihre Truppen nur in dem Maße aus der Ukraine abzieht, wie die Ukraine von den englischen und französischen Truppen besetzt werden wird, um es nicht zu dem sonst unvermeidlichen Sieg der ukrainischen Arbeiter und Bauern kommen zu lassen und um zu verhindern, dass sie eine ukrainische Arbeiter – und Bauernregierung bilden.

Noch ist die Erkenntnis nicht überall und nicht zutiefst in die breiten Massen der Arbeiter und Bauern eingedrungen, dass hinter dem Rücken der Krasnowschen und weißgardistischen Konterrevolutionäre der Angriff einer unvergleichlich gefährlicheren Macht auf unser Land vorbereitet wird, der macht der internationalen konterrevolutionären Bourgeoisie, in erster Linie der englisch-amerikanischen und der französischen Bourgeoisie. Diese Erkenntnis müssen wir unermüdlich in die Massen tragen. Auf die Festigung der Südfront, auf die Schaffung und Bewaffnung einer Roten Armee, die unvergleichlich stärker sein muss, als sie heute ist, müssen wir die größte Aufmerksamkeit richten. Jede Arbeiterorganisation, jede Vereinigung der Dorfarmut, jede sowjetische Dienststelle muss die Frage der Stärkung der Armee immer wieder an erster Stelle auf die Tagesordnung setzen, muss immer wieder überprüfen, ob wir genug getan haben, welche neuen Maßnahmen wir ergreifen können und müssen.

In der Stimmung unserer Arbeiter – und Bauernmassen ist ganz offensichtlich ein Umschwung eingetreten. Die äußerste Kriegsmüdigkeit haben die Massen überwunden. Die Armee wird geschaffen und ist bereits geschaffen. Eine neue, kommunistische Disziplin ist entstanden, eine bewusste Disziplin, eine Disziplin der Werktätigen. Und dies gibt uns allen Grund, mit Bestimmtheit zu hoffen, dass wir das sozialistische Vaterland verteidigen können und erfolgreich verteidigen werden und dass die proletarische Weltrevolution siegen wird.