1918

W. I. Lenin







Bericht in der gemeinsamen Sitzung des Gesamtrussischen

Zentralexekutivkomitees, des Mokauer Sowjets, der

Betriebskomitees und der Gewerkschaften



22. Oktober 1918

(„Prawda“ - Nr. 229, 23. Oktober 1918)

Lenin, Band 28, Seite 104 – 118

hier: vollständiger Text mit Anmerkungen der Komintern (SH)

(Stürmischer, nicht enden wollender Beifall und Hurrarufe.)

Genossen !

Mir scheint, dass unsere heutige Lage bei all ihrer Widersprüchlichkeit dadurch gekennzeichnet werden kann, dass wir erstens der proletarischen Weltrevolution niemals so nahe waren wie jetzt und dass wir uns zweitens niemals in einer gefährlicheren Situation befunden haben als jetzt. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Eben auf diese beiden Feststellungen, besonders auf die zweite, möchte ich heute ausführlicher eingehen. Ich glaube, die breiten Massen sind sich kaum der ganzen Gefahr bewusst, die sich über uns zusammenballt, da wir aber nur gestützt auf die breiten Massen vorgehen können, so besteht die Hauptaufgabe der Vertreter der Sowjetmacht darin, diesen Massen die volle Wahrheit zu sagen über die heutige Lage, wie schwer diese auch zeitweise sein möge. Was die Feststellung anbelangt, dass wir der sozialistischen Weltrevolution nahe sind, so ist darüber schon oft gesprochen worden, und ich werde mich kurz fassen. In der Tat ist einer der größten Vorwürfe, den nicht bloß die Bourgeoisie, sondern auch die kleinbürgerlichen Schichten erheben, die den Glauben an den Sozialismus verloren haben, sowie viele so genannte Sozialisten, die sich an ein Leben in friedlichen Zeiten gewöhnt und an den Sozialismus nicht geglaubt haben – einer der größten Vorwürfe, den sie alle gegen die Sowjetmacht erhoben haben, ist der, dass wir die sozialistische Umwälzung in Russland aufs Geratewohl vollziehen, denn im Westen sei die Revolution noch nicht herangereift.

Genossen ! Jetzt, im fünften Kriegsjahr, ist der allgemeine Zusammenbruch des Imperialismus eine offensichtliche Tatsache geworden[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] ; jetzt beginnt schon ein jeder zu verstehen, dass die Revolution in allen kriegführenden Ländern unvermeidlich ist. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Wir aber, denen man ursprünglich sagte, dass uns nur einige wenige Tage oder Wochen zu leben beschieden seien, wir haben in diesem einen Jahr Revolution so viel getan, wie keine proletarische Partei der Welt je getan hat. Unsere Revolution ist eine internationale Erscheinung geworden. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Dass der Bolschewismus jetzt eine internationale Erscheinung ist, davon spricht auch die gesamte Bourgeoisie, und aus diesem Eingeständnis geht klar hervor, dass unsere Revolution vom Osten nach dem Westen übergreift und dort einen immer besser vorbereiteten Boden vorfindet. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Sie wissen, dass in Bulgarien die Revolution ausgebrochen ist. Die bulgarischen Soldaten haben haben mit der Bildung von Sowjets begonnen. Jetzt laufen Nachrichten ein, dass in Serbien gleichfalls Sowjets gebildet werden.Obwohl die englisch-französische Entente den Völkern goldene Berge verspricht für den Fall, dass sie sich erheben und von Deutschland abrücken, obwohl die reichsten und mächtigsten Kapitalisten der Welt, die Kapitalisten von Amerika, England und Frankreich, so viel versprechen, wird es ganz klar, dass die Bourgeoisie der verschiedenen kleinen Staaten, in die Österreich jetzt zerfällt, dass sich diese Bourgeoisie auf keinen Fall halten wird, dass ihre Herrschaft, ihre Macht in diesen Staaten äußerst kurz und vorübergehend sein wird, weil die Arbeiterrevolution überall an die Tür pocht.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

In verschiedenen Ländern erkennt die Bourgeoisie, dass sie sich in ihren Staaten nur mit Hilfe ausländischer Bajonette wird halten können. Und nicht nur in Österreich, auch in Deutschland, in Ländern, deren Lage noch vor kurzem stabil schien, hat, wie wir sehen, die Revolution begonnen. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Wir erhaltern von dort Nachrichten, in der deutschen Presse ist schon von einem Rücktritt des Kaisers die Rede, und die Parteipresse der Unabhängigen Sozialdemokraten hat vom Reichskanzler bereits die Genehmigung erhalten, von einer deutschen Republik zu sprechen. Das will schon etwas heißen. Wir wissen, dass die Zersetzung der Truppen sich verstärkt hat, dass dort direkte Aufrufe zum Aufstand der Truppen verbreitet werden. Wir wissen, dass im Osten Deutschlands in der Armee Revolutionskomitees gebildet worden sind, sie geben revolutionäre Literatur heraus, die die Soldaten revolutioniert. Deshalb kann man mit voller Bestimmtheit sagen, dass die Revolution von Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde heranreift, [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] und das sagen nicht nur wir – nein, das sagen eben alle Deutschen aus den Reihen der Kriegspartei und der Bourgeoisie, die fühlen, dass die Ministersessel wackeln, dass das Volk den Ministern nicht vertraut, dass sie sich nicht mehr lange in ihrer Regierung halten werden. Das sagen alle, die die Lage der Dinge kennen, sie alle sprechen davon, wie unvermeidlich die Volksrevolution und vielleicht sogar die proletarische Revolution in Deutschland ist.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Wir wissen sehr wohl, was für eine gewaltige proletarische Bewegung auch in den anderen Ländern entstanden ist.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Wir haben gesehen, wie Gompers in Italien auftauchte und auf Rechnung der Ententemächte, mit Unterstützung der ganzen italienischen Bourgeoisie und der Sozialpatrioten, die Städte Italiens bereiste und den italienischen Arbeitern predigte, der imperialistische Krieg müsse weiter geführt werden. Wir haben gesehen, wie in den Notizen, die darüber in der italienischen sozialistischen Presse erschienen, nur Gomper's Name stand, während alles Übrige von der Zensur gestrichen worden war, oder wie Notizen gebracht wurden, in denen es spöttisch hieß: „Gompers nimmt an Banketten teil und schwatzt.“ Und die bürgerliche Presse hat zugegeben, dass Gompers überall ausgepfiffen wurde. Die bürgerliche Presse schrieb: „Aus der Haltung der italienischen Arbeiter lässt sich schließen, dass sie wohl nur Lenin und Trotzki gestatten, in Italien herumzureisen.“ Die Italienische Sozialistische Partei hat im Kriege einen gewaltigen Schritt vorwärts, d.h., nach links, getan. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Wir wissen, dass es in Frankreich unter den Arbeitern viel zuviel Patrioten gegeben hat; man hatte ihnen gesagt, Paris und dem französischen Territorium drohe große Gefahr. Aber auch dort ändert sich das Verhalten des Proletariats. Auf dem letzten Parteitag wurden beim Verlesen eines Briefes über das Vorgehen der Alliierten, dern englischen und französischen Imperialisten, Rufe laut „ Es lebe die sozialistische Republik!“, und gestern traf die Nachricht ein, dass in Paris eine Versammlung von 2000 Metallarbeitern stattgefunden hat, die die Sowjetrepublik in Russland begrüßt hat.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Wir sehen, dass sich von den drei sozialistischen Parteien in England nur eine, die Unabhängige Sozialistische Partei, nicht offen als Verbündete der Bolschewiki bekennt, während die Britische Sozialistische Partei und die Sozialistische Arbeiterpartei in Schottland ausdrücklich erklären, sie stehen zu den Bolschewiki. In England beginnt sich der Bolschewismus ebenfalls zu verbreiten, und die spanischen Parteien, die auf Seiten des englisch-französischen Imperialismus standen und in denen man zu Beginn des Krieges nur ein paar Leute hätte finden können, die eine entfernte Vorstellung von den Internationalisten gehabt hätten, alle diese Parteien begrüßen auf ihrem Parteitag die russischen Bolschewiki.

Der Bolschewismus ist zur weltumspannenden Theorie und Taktik des internationalen Proletariats geworden ! (Beifall,) Der Bolschewismus hat es zustande gebracht, dass vor den Augen der ganzen Welt eine regelrechte sozialistische Revolution abrollte, dass es unter den Sozialisten in der Frage, ob für oder gegen die Bolschewiki, faktisch zu einer Spaltung kommt. Der Bolschewismus hat es zustande gebracht, dass das Programm für die Schaffung eines proletarischen Staates aufgestellt wird. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Den Arbeitern, die nicht wussten, wie die Dinge in Russland liegen, da sie nur die von Lügen und Verleumdungen strotzenden bürgerlichen Zeitungen zu Gesicht bekamen, begann ein Licht aufzugehen, als sie sahen, dass die proletarische Regierung über ihre Konterrevolutionäre einen Sieg nach dem anderen erringt, als sie sahen, dass es außer unserer Taktik, außer der revolutionären Handlungsweise unserer Arbeiterregierung keinen anderen Ausweg aus diesem Krieg gibt. Und wenn am vergangenen Mittwoch in Berlin eine Demonstration stattfand und die Arbeiter ihre Entrüstung über den Kaiser Ausdruck gaben und versuchten, an seinem Schloss vorbeizumarschieren, so sind sie danach zur russischen Botschaft gezogen, um ihre Solidarität mit der Handlungsweise der russischen Regierung zum Ausdruck zu bringen.

Das ist das Bild, dass wir in Europa im fünften Kriegsjahr sehen ! Darum sagen wir auch: Niemals waren wir der Weltrevolution so nahe, niemals war es so augenscheinlich, dass das russische Proletariat seine Macht unter Beweis gestellt hat, und es ist klar, dass uns Millionen und aber Millionen Proletarier in der ganzen Welt folgen werden. Das ist es eben – ich wiederhole es noch einmal -, weshalb wir der Weltrevolution niemals so nahe waren und weshalb wir uns noch niemals in einer so gefährlichen Situation befunden haben, denn früher hat man niemals mit dem Bolschewismus als mit einem internationalen Faktor gerechnet.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Es schien, als wäre es lediglich eine Folge der Kriegsmüdigkeit der russischen Soldaten, lediglich ein Ausbruch der Unzufriedenheit der im Kriege erschöpften russischen Soldaten, und sobald diese Unzufriedenheit vergangen, sobald erst der Frieden, und sei es auch der schlimmste Gewaltfrieden, hergestellt wäre, würden alle Schritte zur staatlichen Neuschöpfung und zu sozialistischen Reformen unterdrückt werden. Davon waren alle überzeugt; doch als wir vom imperialistischen Krieg, der durch den ärgsten Gewaltfrieden beendet worden war, zu den ersten Schritten staatlicher Neuschöpfung übergingen, als wir es den Bauern ermöglichten, in der Praxis ein Leben ohne die Gutsbesitzer zu führen und ihre Stellung gegen die Gutsbesitzer festzulegen, sich in der Praxis davon zu überzeugen, dass sie ihr Leben auf dem enteigeneten Grund und Boden nicht für die Kulaken und nicht für neue Kapitalisten, sondern wirklich für die Werktätigen selbst aufbauen, als die Arbeiter sahen, dass sie die Möglichkeit erhalten haben, ihr Leben ohne die Kapitalisten aufzubauen, dass sie diese schwierige, aber großartige Aufgabe, ohne deren Lösung sie niemals der Ausbeutung entgehen werden, meistern können, da wurde es allen klar und zeigte sich in der Praxis, dass keine Kraft auf Erden, dass keine Konterrevolution die Sowjetmacht wird stürzen können.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Um in Russland zu dieser Überzeugung zu gelangen, brauchten wir Monate. Man sagt, die Bauern im Dorf hätten erst im Sommer 1918, erst gegen den Herbst zu, den Sinn und die Bedeutung unserer Revolution begriffen. In der Stadt war dieses Bewusstsein schon lange vorhanden, damit es jedoch bis in jeden Kreis, in jeden entlegenen Amtsbezirk und in jedes Dorf vordrang, damit der Bauer nicht aus Broschüren und Reden, sondern aus seinem eigenen Leben ersehen konnte, dass der Werktätige und nicht der Kulak den Grund und Boden erhalten soll und dass man den Kulaken bekämpfen, dass man den Kulaken besiegen muss, indem man sich selbst organisiert, dass die Welle der Aufstände, die diesen Sommer über das ganze Land rollte, von den Gutsbesitzern, Kulaken und Weißgardisten unterstützt wurde, damit er die Macht der Konstituante am eigenen Leibe, auf seinem eigenen Buckel zu spüren bekam und aus eigerner Erfahrung prüfen konnte – dazu bedurfte es langer, langer Monate, aus denen das Dorf jetzt gestählt hervorgeht; und die Massen der armen Bauern, die keine fremde Arbeit ausplündern, haben erst jetzt, nicht aus Broschüren, aus denen die werktätigen Massen niemals feste Überzeugungen schöpfen werden, sondern auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen gesehen, dass die Sowjetmacht die Macht der ausgebeuteten Werktätigen ist und dass jedes Dorf die Möglichkeit hat, an der Errichtung des Fundaments des neuen sozialistischen Russlands zu arbeiten. Es bedurfte langer Monate, um nach 1918 auch im übrigen Russland mit voller Gewissheit und gestützt auf Berichte von Genossen, die von ihren praktischen Erfahrungen ausgingen, sagen zu können, dass es bei uns auf dem flachen Lande keinen noch so weltverlorenen Winkel gibt, wo man nicht wüsste, was die Sowjetmacht ist, und wo man sie nicht verteidigen würde, denn das Dorf hat die ganze Gefahr erkannt, welche von Seiten der Kapitalisten und Gutsbesitzer droht, hat auch die Schwierigkeiten der sozialistischen Umgestaltung gesehen und ist nicht davor zurückgeschreckt, sondern hat sich gesagt: Wir werden diese Arbeit mit Millionen und aber Millionen Händen anpacken, wir haben in diesem Jahr Vieles gelernt und werden noch Vieles hinzulernen. So sprechen jetzt in Russland Millionen und aber Millionen mit voller Überzeugung, auf Grund ihrer eigenen Erfahrung.

Erst jetzt wird das auch der westeuropäischen Bourgeoisie klar, die bisher die Bolschewiki nicht ernst genommen hat, erst jetzt wird es ihr klar, dass hier bei uns die einzige dauerhafte Macht geschaffen wurde, die mit den werktätigen Massen geht und bei diesem wahres Heldentum und Opferbereitschaft auszulösen imstande ist. Und als diese proletarische Macht Europa zu infizieren begann [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] , als sich herausstellte, dass das durchaus nicht irgendeine Eigentümlichkeit Russlands ist und dass die vier Jahre Krieg in der ganzen Welt eine Zersetzung der Armeen hervorgerufen haben, während man früher erklärt hatte, lediglich Russland wäre seiner Rückständigkeit und ungenügenden Vorbereitung wegen dahin gekommen, dass seine Armee im vierten Kriegsjahr auseinandergelaufen sei – wie könnte denn so etwas in den zivilisierten parlamentarischen Ländern möglich sein ?

Heute aber sieht ein jeder, dass nach vier Jahren Weltkrieg, da Millionen Menschen hingemordet oder zu Krüppeln geschossen worden sind, damit die Kapitalisten sich bereichern können, da es Zehntausende von Deserteuren gibt – diese ungewöhnliche Erscheinung macht sich nicht nur in Russland und Österreich, sondern auch in Deutschland bemerkbar, das so mit seiner Ordnung geprahlt hat - , wo es nun soweit gekommen ist, hat die Weltbourgeoisie eingesehen, dass sie es mit einem ernsteren Feind zu tun hat, und sie begann sich zusammenzuschließen, und je mehr wir uns der proletarischen Weltrevolution näherten, desto enger schloss sich die konterrevolutionäre Bourgeoisie zusammen.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

In manchen Ländern will man die Revolution auch weiterhin mit einer Handbewegung abtun, wie die Koalitionsminister im Oktober die Bolschewiki abgetan und erklärt hatten, in Russland werde es nie zu einer bolschewistischen Herrschaft kommen. In Frankreich zum Beispiel sagt man, die Bolschewiki wären ein Häuflein Verräter, die das eigene Volk an die Deutschen verkaufen. Dass die französischen Bourgeois so reden, ist ihnen eher zu verzeihen als den linken Sozialrevolutionären, denn dafür sind sie ja Bourgeois, um für Lügenmärchen Millionen hinauszuwerfen. Als aber die französische Bourgeoisie die Entwicklung des Bolschewismus in Frankreich sah, als sieh sah, dass sogar Parteien, die nicht revolutionär waren, mit revolutionären Losungen für die Bolschewiki auftraten, da erkannte sie, dass sie es mit einem gefährlichen Gegener zu tun hat: mit dem Zusammenbruch des Imperialismus und der Überlegenheit der Arbeiter im revolutionären Kampf.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Jedermann weiß, dass die proletarische Revolution wegen des imperialistischen Krieges gegenwärtig besonders gefährdet ist, weil sie in allen Ländern ungleichmäßig heranwächst, denn das politische Leben spielt sich in allen Ländern unter verschiedenen Verhältnissen ab, in dem einen Lande ist das Proletariat zu sehr geschwächt, während es in einem anderen stärker ist. In dem einen Lande ist die Spitzengruppe des Proletariats schwach, und in anderen Ländern kommt es vor, dass es der Bourgeoisie zeitweise gelingt, die Arbeiter zu spalten, wie es in England und Frankreich geschah. Deshalb eben entwickelt sich die proletarische Revolution ungleichmäßig, und deshalb hat die Bourgeoisie erkannt, dass das revolutionäre Proletariat ihr stärkster Gegner ist. Sie schließt sich zusammen, um den Zusammenbruch des Weltimperialismus aufzuhalten.

Jetzt hat sich die Situation für uns geändert, und die Ereignisse entwickeln sich mit ungeheurer Geschwindigkeit. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Ursprünglich gab es zwei Gruppen imperialistischer Räuber, die sich gegenseitig vernichten wollten, nun aber haben sie gemerkt – besonders am Beispiel des deutschen Imperialismus, der sich noch vor kurzem ebenso stark wie England und Frankreich dünkte -, dass das revolutionäre Proletariat ihr Hauptfeind ist.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] . Jetzt, wo Deutschland von innen durch die revolutionäre Bewegung zersetzt wird, hält sich der englisch-französische Imperialismus für den Herrn der Welt. Dort ist man überzeugt, dass die Bolschewiki und die Weltrevolution seine Hauptfeinde sind. Je stärker sich die Revolution entwickelt, desto fester schließt sich die Bourgeoisie zusammen.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Manch einer von uns und besonders viele aus der breiten Masse, die sich jetzt davon überzeugt haben, dass sie mit unseren Konterrevolutionären, mit den Kosaken, den Offizieren und den Tschechoslowaken fertig werden können, glauben, damit sei die Sache erledigt, und geben sich keine Rechenschaft darüber, dass das jetzt nicht genügt, dass es einen neuen, viel gefährlicheren Feind gibt: dieser Feind ist der englisch-französische Imperialismus. Bisher hat er in Russland, zum Beispiel bei der Truppenlandung in Archangelsk, nicht viel Erfolg gehabt. Ein französischer Autor, der Herausgeber einer Zeitung, die er „La Victoire“ nennt, hat erklärt, der Sieg über die Deutschen genüge Frankreich nicht, es müsse auch den Bolschewismus besiegen, und der Feldzug gegen Russland sei kein Angriff auf Deutschland, sondern ein Feldzug gegen das bolschewistische revolutionäre Proletariat und gegen die Pest, die sich über die ganze Welt verbreite.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Darum eben zieht jetzt über uns eine neue Gefahr herauf, die noch nicht zur vollen Größe ausgewachsen und noch nicht ganz zu übersehen ist, eine Gefahr, die von den englischen und französischen Imperialisten in aller Stille heraufbeschworen wird und die wir klarer erkennen müssen, um sie den Massen durch ihre Führer zum Bewusstsein zu bringen, denn die Engländer und Franzosen hatten weder in Sibirien noch in Archangelsk großen Erfolg – im Gegenteil, sie mussten eine Reihe von Niederlagen einstecken -, jetzt aber richten sie alle Anstrengungen darauf, Russland vom Süden her, entweder von den Dardanellen, vom Schwarzen Meer aus, oder auf dem Landwege über Bulgarien und Rumänien zu überfallen. Da diese Leute das Militärgeheimnis wahren, können wir nicht sagen, inwieweit dieser Feldzug vorbereitet ist und welchen dieser beiden Pläne – oder vielleicht haben sie noch einen dritten Plan – sie gewählt haben; darin besteht ja gerade die Gefahr, dass wir das nicht genau wissen können. Aber wir wissen ganz genau, dass so etwas in Vorbereitung ist; die Presse dieser Länder ist mitunter nicht sehr vorsichtig, und irgendein Journalist lässt manchmal alles verlogene Gerede vom Bund der Nationen beiseite und legt die Hauptziele offen dar.

Bei den herrschenden Kreisen in Deutschland sehen wir jetzt klar zwei Strömungen, zwei Pläne zur Rettung, wenn eine Rettung überhaupt noch möglich ist. Die Einen sagen: Gewinnen wir Zeit, ziehen wir die Sache bis zum Frühjahr hin, vielleicht werden wir noch auf der Befestigungslinie militärischen Widerstand leisten können; die Anderen sehen in der Hauptsache ihre Rettung in England und Frankreich und richten ihre ganze Aufmerksamkeit darauf, mit England und Frankreich ein Abkommen gegen die Bolschewiki zu erzielen, darauf ist ihre ganze Aufmerksamkeit gerichtet. Und weist Wilson heute auch das Friedensangebot in grober und verächtlicher Weise zurück, so veranlasst das die Partei der deutschen Kapitalisten, die ein Abkommen mit England suchen, noch keinesfalls, auf ihre Pläne zu verzichten. Sie wissen, dass es mitunter ein stillschweigendes Einvernehmen geben kann und dass sie, wenn sie den englischen und französischen Kapitalisten gegen die Bolschewiki zur Hand gehen werden, vielleicht für diese Dienste eine Belohnung bekommen. In der kapitalistischen Gesellschaft ist das gang und gäbe – für erwiesene Dienste wird gezahlt. Sie denken: Vielleicht helfen wir den englischen und französischen Kapitalisten, irgend etwas zu ergattern, dann werden sie Einiges von der Beute uns überlassen. Zahlen und sich bezahlen lassen, das ist die Moral der kapitalistischen Welt.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Und mir scheint, wenn diese Leute auf einen bestimmten Teil des englisch-französischen Kapitals rechnen, so verstehen sie zu rechnen und hoffen mindestens auf Milliarden. Ein Teil dieser Herrschaften versteht sich auf einen solchen Kalkül.

Ein solches stillschweigendes Einvernehmen zwischen der deutschen Bourgeoisie und der Bourgeoisie der Ententeländer ist wahrscheinlich auch schon erzielt worden. Dem Wesen nach läuft es darauf hinaus, dass die englischen und französischen Kapitalisten gleichsam sagen: Wir werden nach der Ukraine kommen, aber solange unsere Okkupationstruppen noch nicht dort sind, sollt ihr Deutschen eure Truppen nicht abziehen, sonst werden in der Ukraine die Arbeiter an die Macht kommen, und dort würde gleichfalls die Sowjetmacht triumphieren. So urteilen sie, weil sie verstehen, dass die Bourgeoisie aller besetzten Länder, die Bourgeoisie Finnlands, der Ukraine und Polens, sehr wohl weiß, dass die nationale Bourgeoisie sich auch nicht einen einzigen Tag lang halten kann, wenn die deutschen Besatzungstruppen abziehen, und deshalb verschachert die Bourgeoisie dieser Länder, die sich gestern noch den Deutschen verkaufte, die die deutschen Imperialisten ihrer Ergebenheit versicherte und mit ihnen ein Bündnis gegen die eigenen Arbeiter abschloss, wie dies die ukrainischen Menschewiki und die Sozialrevolutionäre in Tiflis getan haben – deshalb verschachert sie jetzt wieder ihr Vaterland an all und jeden. Gestern haben sie es an die Deutschen verschachert, und heute verschachern sie es an die Engländer und Franzosen. So sieht der Schacher aus, der hinter den Kulissen getrieben wird. Da sie sehen, dass die englische und französische Bourgeoisie siegt, wechseln sie alle auf deren Seite über und wollen sich mit dem englisch-französischen Imperialismus gegen uns, auf unsere Kosten verständigen.

Wenn sie ihren künftigen Herrn und Gebieter, den englischen und französischen Milliardären, erklären, dass sie sich auf ihre Seite stellen, sagen sie: Euer Gnaden werden die Bolschewiki besiegen. Sie müssen uns helfen, denn die Deutschen werden uns nicht retten. Diese Verschwörung der Bourgeoisie aller Länder gegen die revolutionären Arbeiter und die Bolschewiki tritt immer klarer zu Tage, wird immer frecher und nimmt immer offenere Formen an, und es ist unsere unmittelbare Pflicht, die Arbeiter und Bauern aller kriegführenden Länder auf diese Gefahr hinzuweisen. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Ich nehme als Beispiel die Ukraine.

Vergegenwärtigen Sie sich, wie dort die Lage ist und was die Arbeiter und die einsichtigen Kommunisten unter den heutigen Umständen tun sollen. Einerseits sehen sie die Empörung gegen die deutschen Imperialisten, gegen die schreckliche Ausplünderung der Ukraine, andererseits sehen sie aber, dass ein Teil der deutschen Truppen, und vielleicht der größere Teil, abgezogen ist. Vielleicht kommt ihnen da der Gedanke, dem aufgespeicherten Hass und Ingrimm Luft zu machen und die deutschen Imperialisten sofort, ohne auf etwas Rücksicht zu nehmen, anzugreifen. Andere wieder sagen: Wir sind Internationalisten, wir müssen die Dinge sowohl vom Standpunkt Russlands als auch vom Standpunkt Deutschlands sehen; selbst vom Standpunkt Deutschlands aus wissen wir, dass sich die Macht dort nicht halten wird; wir wissen genau, dass, wenn parallel mit dem Sieg der ukrainischen Arbeiter und Bauern die Macht in Russland sich festigen und Erfolge erringen wird, die sozialistische proletarische Ukraine nicht nur siegen, sondern auch unbesiegbar sein wird ! [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Diese einsichtigen ukrainischen Kommunisten sagen sich: Wir müssen sehr vorsichtig sein; vielleicht werden wir morgen schon alle unsere Kräfte anspannen müssen, vielleicht werden wir für den Kampf gegen den Imperialismus und gegen die deutschen Truppen alles aufs Spiel setzen müssen. Vielleicht ist es morgen so weit, aber nicht heute, heute wissen wir, dass sich die Truppen der deutschen Imperialisten von allein zersetzen; es ist bekannt, dass nicht nur bei den Truppen in der Ukraine, sondern auch in Ostpreußen und im übrigen Deutschland revolutionäre Literatur ausgegeben wird. Zugleich ist unsere Hauptaufgabe die Propaganda im Interesse des ukrainischen Aufstands. Das ist so vom Standpunkt der internationalen Revolution, der Weltrevolution, denn das wichtigste Glied in dieser Kette ist Deutschland, denn die deutsche Revolution ist schon herangereift, und vor allem von ihr hängt der Erfolg der Weltrevolution ab. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Wir werden darauf achten, dass unsere Einmischung ihrer Revolution keinen Schaden bringe. Es gilt sich über die Veränderungen und das Heranwachsen einer jeden Revolution klar zu werden. In jedem Lande geht die Revolution ihren besonderen Weg, und diese Wege sind so verschieden, dass die Revolution sich auch um ein oder zwei Jahre verspäten kann. Mit der Weltrevolution geht es nicht so glatt, dass sie überall, in allen Ländern, den gleichen Weg nimmt – dann hätten wir schon längst gesiegt. Jedes Land muss bestimmte politische Etappen durchlaufen. Überall sehen wir das gleiche Streben der Paktierer und ihre Versuche, gemeinsam mit der Bourgeoisie das „Volk vor der Bourgeoisie zu retten“, wie dies bei uns Zereteli und Tschernow getan haben, wie dies in Deutschland die Scheidemänner tun; in Frankreich wird dies auf eigene Art getan. Und jetzt, wo die Revolution an die Tore Deutschlands pocht, dieses Landes mit der stärksten Arbeiterbewegung, die sich durch Organisation und Disziplin auszeichnet, wo die Arbeiter länger gelitten, aber vielleicht mehr revolutionären Hass aufgespeichert haben und mit ihren Feinden besser aufzuräumen verstehen werden, da kann die Einmischung in diese Ereignisse von Leuten, die nicht wissen, in welchem Tempo die Revolution heranwächst, jenen einsichtigen Kommunisten schaden, die sagen: Ich richte meine Aufmerksamkeit vor allem darauf, diesen Prozess zu einem bewussten Prozess zu machen. Jetzt, wo der deutsche Soldat sich davon überzeugt hat, dass man ihn zur Schlachtbank treibt, und ihm dabei sagt, er ziehe ins Feld zur Verteidigung des Vaterlands, er aber in Wirklichkeit die deutschen Imperialisten verteidigt – jetzt naht die Zeit, wo die deutsche Revolution sich so kraftvoll und organisiert entladen wird, dass sie gleich Hunderte internationaler Probleme lösen wird. Deshalb sagen die einsichtigen ukrainischen Kommunisten: Wir müssen alles für den Sieg der Weltrevolution hergeben, doch wir müssen uns bewusst sein, dass die Zukunft uns gehört, und wir müssen im gleichen Schritt gehen mit der deutschen Revolution. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Das sind die Schwierigkeiten, die ich am Beispiel der Überlegungen der ukrainischen Kommunisten aufzeigen wollte. Diese Schwierigkeiten wirken sich auch auf die Lage Sowjetrusslands aus. Heute müssen wir sagen, dass das internationale Proletariat nun aufgewacht ist und mit Riesenschritten vorwärts schreitet, aber unsere Lage ist um so schwieriger, weil sich unser gestriger „Verbündeter“ gegen uns wendet und in uns seinen Hauptfeind sieht. Heute zieht er nicht gegen feindliche Heere zu Felde, sondern gegen den internationalen Bolschewismus. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Heute, da sich an der Südfront die Truppen Krasnows sammeln – wir wissen doch, dass sie von den Deutschen Munition bekommen haben -, da wir den Imperialismus vor allen Völkern entlarvt haben -, bekommen die Leute, die uns wegen des Brester Friedens angeklagt hatten, die Krasnow ausgeschickt hatten, um bei den Deutschen Munition zu holen, mit der sie dann auf die russischen Arbeiter und Bauern schossen – heute bekommen sie Munition von den englischen und französischen Imperialisten. Sie bekommen Munition und verschachern und verkaufen dafür Russland an den meistbietenden Millionär. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Eben darum genügt heute nicht mehr die allgemeine Zuversicht, die sich bei uns herausgebildet hatte, die Zuversicht, dass der Umschwung eingetreten sei. Wir haben alte Feinde, aber außer ihnen werden hinter ihrem Rücken gerade jetzt neue Hilfskräfte für sie zusammengezogen. Wir alle wissen und sehen das. Noch im Februar oder März, noch vor einem halben Jahr, hatten wir keine Armee. Die Armee war kampfunfähig. Die Armee, die durch vier Jahre imperialistischen Krieg gegangen war, als sie nicht wusste, wofür sie kämpft, und unklar empfand, dass sie sich für fremde Interessen schlägt – diese Armee ist auseinandergelaufen, und keine Macht auf Erden konnte sie aufhalten.

Eine Revolution ist nur dann etwas wert, wenn sie sich zu verteidigen versteht, aber die Revolution lernt nicht auf einmal, sich zu verteidigen. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Die Revolution war das Erwachen von Millionen zu einem neuen Leben. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Im Februar und März wussten diese Millionen nicht, wofür sie das Gemetzel fortsetzen sollten, in das der Zar und die Kerenski sie getrieben hatten und dessen Ziele erst im Dezember von der bolschewistischen Regierung entlarvt worden waren. Sie waren sich klar darüber, dass dies nicht ihr Krieg gewesen war, und es bedurfte ungefähr eines halben Jahres, damit der Umschwung eintrat. Dieser Umschwung ist eingetreten; er ändert die Kraft der Revolution. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Erschöpft und bis aufs Blut gepeinigt durch vier Jahre Krieg warfen die Massen im Februar und März alles hin und sagten, es müsse Frieden geschlossen und der Krieg beendet werden. Sie waren nicht imstande, die Frage aufzuwerfen, wofür man Krieg führen soll. Wenn diese Massen jetzt in der Roten Armee eine neue Disziplin, keine Disziplin des Knüppels und keine Disziplin der Gutsbesitzer, sondern die Disziplin der Sowjets der Arbeiter – und Bauerndeputierten geschaffen haben, wenn sie jetzt von größtem Opfermut erfüllt sind, wenn sie in neuer Geschlossenheit da stehen, so deshalb, weil zum ersten Mal im Bewusstsein und aus der Erfahrung von Millionen eine neue, sozialistische Disziplin entsteht und entstanden ist, weil die Rote Armee geboren wurde. Sie wurde erst geboren, als diese Millionen aus eigener Erfahrung erkannten, dass sie selber es waren, die die Gutsbesitzer und Kapitalisten gestürzt haben, dass ein neues Leben aufgebaut wird, dass sie selber dieses neue Leben zu bauen begonnen haben und dass sie dieses Leben aufbauen werden, wenn ein Überfall von außen sie daran nicht hindert. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Als die Bauern ihren Hauptfeind erkannten und den Kampf gegen die Dorfkulaken aufnahmen, als die Arbeiter die Fabrikanten zum Teufel jagten und die Betriebe nach dem proletarischen Prinzip der Volkswirtschaft aufzubauen begannen, erkannten sie die ganze Schwierigkeit des Umbaus, doch sie meisterten sie. Monate waren nötig, um die Arbeit in Gang zu bringen. Diese Monate sind vorüber, und der Umschwung ist eingetreten; vorbei ist die Zeit, da wir kraftlos da standen, und wir sind mit Riesenschritten vorangekommen; vorbei ist die Zeit, da wir keine Armee hatten, da es keine Disziplin gab; eine neue Disziplin wurde geschaffen, und zur Armee sind neue Leute gegangen, die zu Tausenden ihr Leben hingeben.

Das bedeutet, dass die neue Disziplin, die kameradschaftliche Verbundenheit uns umerzogen haben im Kampfe an der Front und im Kampfe gegen den Kulaken im Dorf. Dieser Umschwung, den wir alle miterleben, war schwierig, aber jetzt fühlen wir, dass die Sache in Gang kommt und dass wir von einem ungeregelten, dekretierten Sozialismus zum wirklichen Sozialismus übergehen. Unsere Hauptaufgabe ist heute der Kampf gegen den Imperialismus, und in diesem Kampf müssen wir siegen. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Wir weisen auf die ganze Schwierigkeit und Gefährlichkeit dieses Kampfes hin. Wir wissen, im Bewusstsein der Roten Armee ist ein Umschwung eingetreten, sie beginnt zu siegen, sie bringt aus ihrer Mitte Tausende von Offizieren hervor, die an den neuen proletarischen Kriegsschulen ausgebildet worden sind, und Tausende anderer Offiziere, die außer der harten Schule des Krieges keine Ausbildung bekommen haben. Deshalb übertreiben wir nicht im Geringsten, wenn wir heute, bei aller Anerkennung der Gefahr, dennoch sagen, dass wir eine Armee haben; und diese Armee hat ihre Disziplin geschaffen und ist kampffähig geworden. Unsere Südfront ist keine isolierte Front – sie ist die Front gegen den gesamten englisch-französischen Imperialismus, gegen den mächtigsten Feind in der Welt, aber wir fürchten ihn nicht, weil wir wissen, dass es ihm nicht gelingen wird, mit seinem eigenen inneren Feind fertig zu werden.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Vor drei Monaten noch lachte man, wenn wir davon sprachen, dass es in Deutschland zur Revolution kommen könne; man sagte uns, nur die halbverrückten Bolschewiki könnten an eine deutsche Revolution glauben. Nicht nur die ganze Bourgeoisie, sondern auch die Menschewiki und die linken Sozialrevolutionäre nannten die Bolschewiki Verräter am Patriotismus und erklärten, dass es in Deutschland keine Revolution geben könne. Wir aber wussten, dass man dort unsere Hilfe braucht, und um dieser Hilfe willen mussten wir jedes Opfer, auch die schweren Friedensbedingungen, auf uns nehmen. Man hat uns das vor einigen Monaten gesagt und auch beweisen wollen, aber in diesen wenigen Monaten hat sich Deutschland aus einem mächtigen Reich in ein morsches Stück Holz verwandelt. Die Kraft, die Deutschland zerstört hat, wirkt auch in Amerika und in England; [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] heute ist sie noch schwach, doch mit jedem Schritt, den die Engländer und Franzosen in Russland zu machen versuchen – sie werden versuchen, die Ukraine zu besetzen, wie das die Deutschen getan haben -, mit jedem Schritt wird diese Kraft immer stärker in Erscheinung treten und schrecklicher selbst als die spanische Grippe werden.

Das ist es, weshalb heute, ich wiederhole es, die Hauptaufgabe eines jeden klassenbewussten Arbeiters darin besteht, nichts vor den breiten Massen zu verheimlichen, die wohl kaum wissen, was für eine gespannte Lage wir haben, sondern im Gegenteil, ihnen die volle Wahrheit aufzudecken. Die Arbeiter sind reif genug, um diese Wahrheit zu erfahren. Wir müssen nicht nur die Weißgardisten besiegen, sondern auch den Weltimperialismus. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Wir müssen und werden nicht nur den einen, sondern auch den weit schrecklicheren Feind besiegen. Dazu brauchen wir vor allem die Rote Armee. Jede Organisation in Sowjetrussland soll stets die Frage der Armee an erste Stelle setzen. Heute, wo sich alles gefestigt hat, steht die militärische Frage, die Frage der Stärkung der Armee, im Vordergrund. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] Wir haben die volle Gewissheit, dass wir mit der Konterrevolution fertig werden. Wir wissen, dass wir stark sind, aber wir wissen auch, dass der englisch-französische Imperialismus stärker ist als wir, und wir wollen, dass die Arbeitermassen sich dessen klar bewusst werden. Wir sagen: Die Armee muss um das Zehnfache und noch mehr verstärkt werden, man muss immer wieder darauf verweisen, dass die Disziplin gefestigt wird und dass die klassenbewussten, erfahrenen, organisierten echten Führer dieser Sache zehn Mal mehr Aufmerksamkeit und Fürsorge angedeihen lassen, und dann wird sich das Wachstum der internationalen Revolution nicht auf die Länder beschränken, die schon eine Niederlage erlitten haben. Jetzt beginnt die Revolution schon in den Ländern, die aus dem Krieg als Sieger hervorgegangen sind. Unsere Kräfte müssen mit jedem Tag wachsen, und dieses ununterbrochene Wachstum ist für uns nach wie vor die wichtigste, die volle Garantie dafür, dass der internationale Sozialismus siegen wird !

(Die Rede des Genossen Lenin wird wiederholt durch stürmischen Beifall unterbrochen, der am Schluss der Rede in eine Ovation übergeht. Alle Anwesenden erheben sich wie ein Mann von den Plätzen und jubeln dem Führer der Weltrevolution zu.)