1918

Wladimir Iljitsch Lenin







Brief an die Arbeiter Europas und Amerikas



12. - 20. Januar 1919



Prawda, Nr. 16 , vom 24. Januar 1919

[ noch vor der Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs begonnener und nach der Ermordung beendeter Brief– Anmerkung der Komintern (SH) ]

Lenin, Band 28, Seite 441 - 449



Genossen!

Am Schluss meines Briefes an die amerikanischen Arbeiter vom 20. August 1918 schrieb ich, dass wir uns in einer belagerten Festung befinden, solange uns andere Armeen der internationalen sozialistischen Revolution nicht zur Hilfe gekommen sind. Die Arbeiter brechen mit ihren Sozialverrätern, den Gompers und Renner, fügte ich hinzu. Die Arbeiter nähern sich langsam, aber unentwegt der kommunistischen und bolschewistischen Taktik.

Seit der Zeit, da diese Worte geschrieben wurden, sind noch keine 5 Monate vergangen, und es muss gesagt werden, dass das heranreifen der proletarischen Weltrevolution im Zusammenhang mit dem Übergang der Arbeiter verschiedener Länder zum Kommunismus und Bolschewismus in dieser Zeit außerordentlich rasch vor sich gegangen ist.

Damals, am 20. August 1918, hatte nur unsere, die bolschewistische Partei, entschieden mit der alten, der II. Internationale der Jahre 1889 bis 1914 gebrochen, die während des imperialistischen Krieges 1914 – 1918 so schändlich Bankrott gemacht hatte. Nur unsere Partei hatte rücksichtslos den neuen Weg beschritten vom Sozialismus und Sozialdemokratismus, der sich durch das Bündnis mit der raublüsternen Bourgeoisie mit Schmach und Schande bedeckt hatte, zum Kommunismus, von kleinbürgerlichen Reformismus und Opportunismus, von denen die offiziellen sozialdemokratischen und sozialistischen Partzeien bis ins Mark durchsetzt waren und durchsetzt sind, zur wahrhaft proletarischen, revolutionären Taktik.

Heute, am 12. Januar 1919, sehen wir schon eine ganze Reihe kommunistischer proletarischer Parteien, nicht nur in den Grenzen des ehemaligen Zarenreiches, zum Beispiel in Lettland, Finnland, Polen, sondern auch in Westeuropa, in Österreich, Ungarn, Jolland und schließlich in Deutschland. Als der deutsche „Spartakusbund“ mit so weltbekannten und weltberühmten, der Arbeiterklasse so treu ergebenen Führern wie Liebknecht, Rosa Luxemburg, Klara Zetkin und Franz Mehring endgültig seine Verbindung mit Sozialisten vom Schlage Scheidemanns und Südekums abbrach, mit diesen Sozialchauvinisten (Sozialisten in Worten, Chauvinisten in der Tat), die durch ihr Bündnis mit der raublüsternen imperialistischen Bourgeoisie Deutschlands und mit Wilhelm II, ewige Schmach auf sich geladen haben, als der „Spartakusbund“ den Namen „Kommunistische Partei Deutschlands annahm, da war die Gründung einer wahrhaft proletarischen, wahrhaft internationalistischen, wahrhaft revolutionären III. Internationale, der Kommunistischen Internationale, Tatsache geworden. Formell ist diese Gründung noch nicht vollzogen, aber faktisch besteht die III. Internationale heute schon.

Heute muss schon jeder klassenbewusste Arbeiter, jeder aufrechte Sozialist sehen, was für einen niederträchtigen Verrat am Sozialismus diejenigen begangen haben, die gleich den Menschewiki und den „Sozialrevolutionären“ in Russland, den Scheidemann und Südekum in Deutschland, den Renaudel und Vandervelde in Frankreich, den Henderson und Webb in England, den Gompers und Co in Amerika im Kriege 1914 bis 1918 „ihre“ Bourgeoisie unterstützten. Dieser Krieg hat sich sowohl von Seiten Deutschlands vollständig als imperialistischer, reaktionärer Raubkrieg entlarvt als auch von Seiten der Kapitalisten Englands, Frankreichs, Italiens und Amerikas, die sich jetzt um die Teilung der zusammengeraubten Beute, um die Aufteilung der Türkei, Russlands, der afrikanischen und polynesischen Kolonien, des Balkans usw. zu streiten beginnen. Das heuchlerische Gerede Wilsons und der „Wilsonisten“ von „Demokratie“ und „Völkerbund“ entlarvt sich erstaunlich rasch, wenn wir sehen, dass die französische Bourgeoisie das linke Rheinufer okkupiert, dass die französischen, englischen und amerikanischen Kapitalisten die Türkei (Syrien, Mesopotamien) und einen Teil von Russland (Sibirien, Archangelsk, Baku, Krasnowodsk, Aschchabad usw.) okkupieren, wenn wir sehen, wie die Feindschaft wegen der Teilung der beute zwischen Italien und Frankreich, zwischen Frankreich und England, zwischen England und Amerika, zwischen Amerika und Japan ständig zunimmt.

Und neben jenen feigen, halbschlächtigen, von den Vorurteilen der bürgerlichen Demokratie völlig durchtränkten „Sozialisten“, die gestern noch „ihre“ imperialistischen Regierungen verteidigten und sich heute auf platonische „Proteste“ gegen die militärische Intervention in Russland beschränken – neben ihnen wächst in den Ententeländern die Zahl derer, die den kommunistischen Weg gehen, den Weg Macleans, Debs', Loriots, Lazzaris, Serratis, den Weg von Menschen, die begriffen haben, dass allein der Sturz der Bourgeoisie, die Zerstörung der bürgerlichen Parlamente, dass nur die Sowjetmacht und die Diktatur des Proletariats imstande sind, den Imperialismus niederzuringen, den Sieg des Sozialismus zu sichern und einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten.

Damals, am 20. August 1918, beschränkte sich die proletarische Revolution auf Russland, und die „Sowjetmacht“, d.h., die Ausübung der gesamten Macht im Staate durch die Sowjets der Arbeiter -, Soldaten – und Bauerndeputierten, schien damals noch (und war es ja auch wirklich) eine nur russische Erscheinung zu sein.

Heute, am 12. Januar 1919, sehen wir eine mächtige „Sowjet“bewegung nicht nur in den einzelnen Teilen des ehemaligen Zarenreiches, zum Beispiel in Lettland, in Polen, in der Ukraine, sondern auch in westeuropäischen Ländern, sowohl in neutralen Ländern (Schweit, Holland, Norwegn) als auch in Ländern, die durch den Krieg gelitten haben (Österreich, Deutschland). Die Revolution in Deutschland – das als eines der fortgeschrittensten kapitalistischen Länder besonders wichtig und charakteristisch ist – hat sofort „Sowjet“formen angenommen. Der ganze Entwicklungsgang der deutschen Revolution und besonders der Kampf der „Spartakusleute“, d.h., der wahren und einzigen Vertreter des Proletariats, gegen den Bund des Verrätergesindels, der Scheidemänner und Südekums, mit der Bourgeoisie – all das zeigt klar, wie die Geschichte in Bezug auf Deutschland die Frage gestellt hat:

Sowjetmacht“ oder bürgerliches Parlament, unter welchem Aushängeschild (ob als „National“versammlung oder als „Konstituierende“ Versammlung) es auch immer auftreten möge.

Das ist die weltgeschichtliche Fragestellung. Heute kann und darf man das ohne jede Übertreibung sagen.

Die „Sowjetmacht“ ist der zweite weltgeschichtliche Schritt oder die zweite weltgeschichtliche Etappe in der Entwicklung der Diktatur des Proletariats. Der erste Schritt war die Pariser Kommune. Die geniale Analyse des Inhalts und der Bedeutung dieser Kommune, die Marx in seinem „Bürgerkrieg in Frankreich“ gegeben hat, zeigt, dass die Kommune einen neuen Staatstypus, den proletarischen Staat, geschaffen hat. Jeder Staat, auch die demokratischste Republik, ist nichts als eine Maschine zur Unterdrückung einer Klasse durch eine andere. Der proletarische Staat ist die Maschine zur Niederhaltung der Bourgeoisie durch das Proletariat, und diese Niederhaltung ist notwendig angesichts des wütenden, verzweifelten, vor nichts haltmachenden Widerstands, den die Gutsbesitzer und Kapitalisten, die ganze Bourgeoisie mitsamt ihren Helfershelfern, alle Ausbeuter leisten, sobald man darangeht, sie zu stürzen, sobald man die Expropriation der Expropriateure in Angriff nimmt.

Das bürgerliche Parlament, auch das demokratischste in der demokratischsten Republik, in der das Eigentum der Kapitalisten und ihre Macht erhalten bleibt, ist eine Maschine zur Unterdrückung von Millionen Werktätiger durch kleine Häuflein von Ausbeutern. Solange sich unser Kampf im Rahmen der bürgerlichen Ordnung hielt, mussten die Sozialisten, die Kämpfer für die Befreiung der Werktätigen von der Ausbeutung, die bürgerlichen Parlamente ausnutzen als eine Tribüne, als einen Stützpunkt für die propagandistische, agitatorische und organisatorische Arbeit. Sie aber heute, da die Weltgeschichte die Zerstörung dieser ganzen Ordnung, den Sturz und die Niederhaltung der Ausbeuter, den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus auf die Tagesordnung gesetzt hat, sich heute auf die bürgerlichen Parlamente, auf die bürgerliche Demokratie beschränken, sie als „Demokratie“ überhaupt bschönigen, ihren bürgerlichen Charakter vertuschen und vergessen, dass das allgemeine Wahlrecht, solange das Eigentum der Kapitalisten erhalten bleibt, ein Werkzeug des bürgerlichen Staates ist – das heißt, das Proletariat schändlich verraten, auf die Seite seines Klassenfeindes, der Bourgeoisie, übergehen, heißt Verräter und Renegat zu sein.

Die drei Richtungen im internationalen Sozialismus, von denen seit 1915 in der bolschewistischen Presse unablässig gesprochen wird, zeigen sich uns heute im Lichte der blutigen Kämpfe und des Bürgerkriegs in Deutschland mit besonderer Klarheit.

Karl Liebknecht, dieser Name ist den Arbeitern aller Länder bekannt. Überall, und besonders in den Ententeländern, ist dieser Name zum Symbol der Ergebenheit eines Führers für die Interessen des Proletariats, der Treue zur sozialistischen Revolution geworden. Dieser Name ist das Symbol des wahrhaft ehrlichen, wahrhaft opferbereiten, schonungslosen Kampfes gegen den Kapitalismus. Dieser Name ist das Symbol des unversöhnlichen Kampfes gegen den Imperialismus, eines kampfes nicht in Worten, sondern in Taten, der gerade dann größte Opferbereitschaft offenbart, wenn das „eigene“ Land vom Taumel imperialistischer Siege erfasst ist. Mit Liebknecht und den „Spartakusleuten“ geht alles, was unter den Sozialisten Deutschlands ehrlich und wirklich revolutionär geblieben ist, alles Beste und Überzeugte im Proletariat, die ganze Masse der Ausgebeuteten, die erfüllt sind von Empörung und unter denen die Bereitschaft zur Revolution wächst.

Gegen Liebknecht sind Scheidemann, Südekum und die ganze Bande der verabscheuungswürdigen Lakaien des Kaisers und der Bourgeoisie. Das sind ebensolche Verräter am Sozialismus wie die Gompers und Victor Berger, die Henderson und Webb, die Renaudel und Vandervelde. Das ist jene dünne Oberschicht der von der Bourgeoisie korrumpierten Arbeiter, die wir Bolschewiki (auf die russischen Südekum, die Menschewiki, anwendend) „Agenten der Bourgeoisie in der Arbeiterbewegung“ nannten und die von den Besten der Sozialisten Amerikas äußerst prägnant und zutreffend als „labor lieutenants of the capitalist class“, „Arbeiterlieutnants der Kapitalistenklasse“, bezeichnet werden. Das ist der neueste , moderne Typus sozialistischer Verräterei, denn in allen zivilisierten, fortgeschrittenen Ländern plündert die Bourgeoisie – sei es auf dem Wege kolonialer Unterdrückung oder indem sie aus formal unabhängigen schwachen Völkern finanziellen „Nutzen“ zieht – eine Bevölkerung aus, die die Bevölkerung des „eigenen“ Landes zahlemmäßig um ein Vielfaches übertrifft. Hieraus ergibt sich für die imperialistische Bourgeoisie die ökonomische Möglichkeit zur Erzielung von „Extraprofiten“ und zur Verwendung eines Teils dieses Extraprofits zur Korruption einer bestimmten Oberschicht des Proletariats, um sie in ein reformistisches, opportunistisches Kleinbürgertum zu verwandeln, das vor der Revolution Angst hat.

Zwischen den Spartakusleuten und den Scheidemännern stehen die schwankenden, charakterlosen „Kautskyaner“, die Gesinnungsgenossen Kautskys, die sich „Unabhängige“ nennen, in Wirklichkeit aber völlig, auf der ganzen Linie heute von der Bourgeoisie und den Scheidemännern, morgen von den Spartakusleuten abhängig sind und teils den Ersteren, teils den Letzteren Gefolgschaft leisten, Menschen ohne Gesinnung, ohne Charakter, ohne Politik, ohne Ehre und Gewissen, die lebendige Verkörperung philiströser Zerfahrenheit, die sich in Worten zur sozialistischen Revolution bekennen, in Wirklichkeit aber unfähig sind, diese, als sie begonnen hat, zu begreifen, und auf Renegatenart die „Demokratie“ überhaupt, das heißt in Wirklichkeit die bürgerliche Demokratie verteidigen.

In jedem kapitalistischen Land erkennt jeder denkende Arbeiter, in der entsprechend den nationalen und geschichtlichen Bedingungen veränderten Situation, eben diese drei Hauptrichtungen sowohl bei den Sozialisten als auch bei den Syndikalisten, denn der imperialistische Krieg und der Beginn der proletarischen Weltrevolution bringt in der ganzen Welt gleichartige politische und ideologische Strömungen hervor.

* * *

Obige Zeilen waren noch vor dem bestialischen und niederträchtigen Meuchelmord geschrieben, den die Regierung Ebert-Scheidemann an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg verübt hat. Diese Henkersknechte, diese Lakaien der Bourgeoisie, haben es den deutschen Weßgardisten, den Kettenhunden des geheiligten kapitalistischen Eigentums ermöglicht, Risa Luxemburg zu lynchen und Karl Liebknecht hinterrücks zu ermorden, wobei sie sich des offensichtlich erlogenen Vorwands bedienten, er sei „auf der Flucht“ erschossen worden (als der russische Zarismus die Revolution von 1905 im Blut erstickte, griff er oft zu derartigen Mordtaten unter dem selben erlogenen Vorwand, die Häftlinge wären „auf der Flucht“ erschossen worden), und zugleich deckten diese Henker die Weißgardisten durch die Autorität einer angeblich gänzlich schuldlosen, angeblich über den Klassen stehenden Regierung ! Man findet keine Worte für die ganze Abscheulichkeit und Niedertracht dieser Henkertaten der Pseudosozialisten. Die Geschichte hat offenbar einen Weg gewählt, auf dem die Rolle der „Arbeiterlieutenants der Kapitalistenklasse“ die „äußerste Grenze“ der Bestialität, Schändlichkeit und Niedertracht erreichen soll. Mögen die Kautskyaner, diese Narren, in ihrer Zeitung „Die Freiheit“ nur immer von einem „Gericht“ schwätzen, dem Vertreter „aller“ „sozialistischen“ Parteien (die Scheidemann, die Henker, werden von diesen Lakaienseelen weiterhin Sozialisten genannt) angehören sollen ! Diese Helden philiströsen Stumpfsinns und kleinbürgerlicher Feigheit begreifen nicht einmal, dass das Gericht ein Organ der Staatsmacht ist und dass der Kampf und der Bürgerkrieg in Deutschland eben darum gehen, in wessen Händen diese Macht liegen soll: in den Händen der Bourgeoisie, die die Scheidemann als Henker und Progromhelden und die Kautsky als Barden der „reinen Demokratie“ „bedienen“ werden, oder in den Händen des Proletariats, das die kapitalistischen Ausbeuter stürzen und ihren Widerstand brechen wird.

Das Blut der Besten der weltumspannenden proletarischen Internationale, der unvergessliche Führer der sozialistischen Weltrevolution wird immer neue Arbeitermassen stählen zum Kampf auf Leben und Tod. Und dieser Kampf wird zum Sieg führen. Wir haben in Russland im Sommer 1917 die „Julitage“ erlebt, als die russischen Scheidemänner, die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, ebenfalls „von Staats wegen“ den „Sieg“ der Weißgardisten über die Bolschewiki deckten, als auf den Straßen Petrograds die Kmosaken den Arbeiter Woinow wegen Verbreitung bolschewistischer Aufrufe lynchten. Wir wissen aus Erfahrung, wie schnell die Massen durch solche „Siege“ der Bourgeoisie und ihrer Schranzen von den Illusionen des bürgerlichen Demokratismus, der „allgemeinen Volksabstimmung“ und dergleichen kuriert werden.



* * *

Bei der Bourgeoisie und den Ententeregierungen machen sich jetzt gewisse Schwankungen bemerkbar. Ein Teil sieht, dass in den alliierten Truppen in Russland, die den Weißgardisten helfen und damit der schwärzesten monarchistischen uns gutsherrlichen Reaktion dienen, bereits die Zersetzung beginnt: dass die weitere militärische Einmischung und die Bemühungen, Russland zu besiegen, für längere Zeit eine millionenstarke Besatzungsarmee erforderlich machen und dass dies das sicherste Mittel ist, um die proletarische Revolution auf schnellstem Wege in die Ententeländer zu übertragen. Das Beispiel der deutschen Besatzungstruppen in der Ukraine ist überzeugend genug.

Ein anderer Teil der Bourgeoisie in den Ententeländern setzt sich nach wie vor für die militärische Intervention in Russland ein, für die „ökonomische Einkreisung“ (Clemenceau) und die Erdrosselung der Sowjetrepublik. Die gesamte dieser Bourgeoisie hörige Presse, d.h., die meisten der von den Kapitalisten gekauften Tageszeitungen Englands und Frankreichs, prophezeit der Sowjetmacht einen raschen Zusammenbruch. Sie malt die Schrecken der Hungersnot in Russland in den schwärzesten Farben, verbreitet Lügenmärchen über „Unruhen“ und den baldigen „Bankrott“ der Sowjetregierung. Die Truppen der Weißgardisten, Gutsbesitzer und Kapitalisten, denen die Entente mit Offizieren und Munition, mit Geld und Hilfstruppen beisteht, diese Truppen schneiden das hungernde Zentralgebiet und den Norden Russlands von seinen Kornkammern ab, von Sibirien und dem Don.

Die hungernden Arbeiter in Petrograd und Moskau, in Iwanowo-Wosnessensk und anderen Arbeiterzentren leiden tatsächlich große Not. Nie und nimmer hätten die Arbeitermassen solche Not ertragen können, solche Hungerqualen, zu denen sie die militärische Intervention der Entente verurteilt (eine Intervention, die sehr häufig mit heuchlerischen Versprechungen getarnt wird, keine „eigenen“ Truppen zu schicken, wobei aber „Farbige“, Munition, Geld und Offiziere weiter geschickt werden) – nie und nimmer hätten die Massen solche Leiden ertragen können, wenn die Arbeiter nicht verstünden, dass sie die Sache des Sozialismus sowohl in Russland als auch in der ganzen Welt verfechten.

Die „alliierten“ Truppen und die Weißgardisten halten Archangelsk, Perm, Orenburg, Rostow am Don, Baku, Aschchabad besetzt, aber die „Sowjetbewegung“ hat Riga und Charkow erobert. Lettland und die Ukraine werden Sowjetrepubliken. Die Arbeiter sehen, dass ihre schweren Opfer nicht umsonst sind, dass die Sowjetbewegung in der ganzen Welt siegreich voranschreitet und sich ausbreitet, dass sie wächst und erstarkt. Jeder neue Monat harten Kampfes und schwerer Opfer stärkt die Sache der Sowjetmacht in der ganzen Welt und schwächt ihre Feinde, die Ausbeuter.

Noch sind die Ausbeuter stark genug, um die besten Führer der proletarischen Weltrevolution zu ermorden und zu lynchen, um in den Ländern und Gebieten, die von ihnen okkupiert oder erobert werden, die Opfer und Leiden der Arbeiter zu vergrößern. Aber die Ausbeuter der ganzen Welt werden nicht mehr die Kraft haben, den Sieg der proletarischen Weltrevolution aufzuhalten, die der Menschheit die Befreiung bringt vom Joch des Kapitals, von der ständigen Gefahr neuer und im Kapitalismus unvermeidlicher imperialistischer Kriege.

N. Lenin