1918

W. I. LENIN





Brief



an die amerikanischen Arbeiter



20. August 1918



Lenin, Band 28, Seite 48- 62

(Prawda Nr. 178, 22. August 1918)

Auszüge und Hervorhebungen von der Komintern (SH)





Genossen ! Ein russischer Bolschewik, der an der Revolution von 1905 teilgenommen hatte und dann viele Jahre in Eurem Lande verbrachte, erbot sich, meinen Brief an Euch zu übermitteln. Ich habe seinen Vorschlag mit um so größerem Vergnügen angenommen, weil gerade jetzt die amerikanischen revolutionären Proletarier eine besonders große Rolle zu spielen berufen sind als die unversöhnlichen Feinde des amerikanischen Imperialismus, des stärksten Imperialismus, der noch frisch ist, der sich als letzter in das weltweite Völkergemetzel um die Aufteilung der kapitalistischen Profite eingeschaltet hat. Gerade jetzt haben die amerikanischen Milliardäre, diese modernen Sklavenhalter, in der blutigen Geschichte des blutigen Imperialismus eine besonders tragische Seite aufgeschlagen, indem sie – ganz gleich ob direkt oder indirekt, offen oder heuchlerisch verbrämt – ihre Einwilligung zu dem Feldzug der englischen und japanischen Räuber gaben, dessen Ziel es ist, die erste sozialistische Republik zu erwürgen. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Hinsichtlich des Entwicklungsstandes der Produktivkräfte der vereinten menschlichen Arbeit, der Anwendung von Maschinen und aller Wunder der modernen Technik hat Amerika unter den freien, zivilisierten Ländern den ersten Platz eingenommen. Aber zugleich rückte Amerika auch hinsichtlich der Tiefe des Abgrunds, der zwischen einer Handvoll skrupelloser, in Laster und Luxus erstickender Milliardäre und den Millionen der ewig an der Grenze des Elends lebenden Werktätigen klafft, mit an die erste Stelle. Das amerikanische Volk, das der Welt das Vorbild eines revolutionären Krieges gegen die feudale Sklaverei gegeben hatte, geriet in die moderne, die kapitalistische Lohnsklaverei unter einer Handvoll Milliardäre, und so kam es, dass es die Rolle eines gedungenen Henkers spielte, der 1898, dem reichen Pack zu Liebe, unter dem Vorwand, die Philippinen zu „befreien“ , diese abwürgte und jetzt, 1918, der Russischen Sozialistischen Republik unter dem Vorwand, sie vor den Deutschen zu „schützen“ , an die Gurgel fährt.

Doch die vier Jahre des imperialistischen Völkermordens waren nicht umsonst. Der Betrug, den die Schurken aus beiden Räubergruppen, der englischen wie der deutschen, am Volke verübt haben, ist durch unbestreitbare, offensichtliche Tatsachen restlos entlarvt worden. Die vier Kriegsjahre haben an ihren Resultaten das allgemeine Gesetz des Kapitalismus in seiner Anwendung auf den Krieg um die Teilung der Beute zwischen den Räubern [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] gezeigt:

Wer am reichsten und mächtigsten war, der hat am meisten profitiert und zusammengerafft, wer am schwächsten war, der wurde bis aufs Letzte ausgeplündert, gepeinigt, ausgepresst und gewürgt. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Die englischen imperialistischen Räuber waren hinsichtlich der Zahl ihrer „Kolonialsklaven“ stärker als die anderen. Die englischen Kapitalisten haben nicht ein Fußbreit ihres „eigenen“ (d.h. durch Jahrhunderte hindurch zusammengeraubten) Landes verloren, sie haben dagegen alle deutschen Kolonien in Afrika eingesteckt, Mesopotamien und Palästina an sich gerissen, Griechenland erdrosselt und gehen daran, Russland auszuplündern. (Seite 49)

Die deutschen imperialistischen Räuber waren hinsichtlich der Organisation und Disziplin „ihrer“ Heere stärker als die anderen, aber schwächer in Bezug auf Kolonien. Sie haben alle Kolonien verloren, dafür aber halb Europa ausgeplündert und die größte Zahl kleiner Länder und schwacher Völker erwürgt. Was für ein hehrer „Befreiungs“krieg hüben wie drüben ! Wie gut haben doch die Räuber beider Kräftegruppen, die englischen und französischen, sowie die deutschen Kapitalisten, zusammen mit ihren Lakaien, den Sozialchauvinisten, d.h., den Sozialisten, die sich zu „ihrer“ Bourgeoisie geschlagen haben, „das Vaterland verteidigt!“ (Seite 49 – 50).

Man kann wohl sagen, die amerikanischen Milliardäre waren reicher als alle anderen und befanden sich geographisch in der sichersten Lage. Sie haben sich am meisten bereichert. Sie haben sich alle, selbst die reichsten Länder, tributpflichtig gemacht. Sie haben Hunderte Milliarden Dollar zusammengeraubt. Und an jedem Dollar haften die Spuren der schmutzigen Geheimverträge zwischen England und seinen „Alliierten“, zwischen Deutschland und seinen Vasallen, der Verträge über gegenseitige „Hilfe“ bei der Unterdrückung der Arbeiter und der Verfolgung der auf den Positionen des Internationalismus stehenden Sozialisten. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] An jedem Dollar klebt ein Klumpen Schmutz von den „profitablen“ Kriegslieferungen, an denen in jedem Lande die Reichen sich bereicherten und die Armen zu Grunde gingen. Jeder Dollar trägt Blutspuren – aus jenem Meer von Blut, das die 10 Millionen Gefallenen und 20 Millionen Verstümmelten vergossen haben, in dem hehren, edlen, geheiligten Befreiungskampf, in dem es darum geht, ob dem englischen oder dem deutschen Räuber die größte Beute zufallen wird, ob dem englischen oder dem deutschen Henker der Vorrang beim Erwürgen der schwachen Völker der Erde gebührt.

Wenn die deutschen Räuber in ihrer Bestialität ihrer militärischen Massaker den Rekord geschlagen haben, so schlugen die Engländer den Rekord nicht nur in Bezug auf die Menge der zusammengeraubten Kolonien, sondern auch hinsichtlich ihrer raffinierten widerwärtigen Heuchelei. Gerade jetzt verbreiten die englischen, französischen und amerikanischen Zeitungen in Millionen und aber Millionen Exemplaren Lügen und Verleumdungen über Russland, um ihren Raubzug gegen Russland heuchlerisch damit zu rechtfertigen, dass man es gegen die Deutschen „schützen“ wolle. (Seite 50)

Als im Oktober 1917 die Arbeiter Russlands ihre imperialistische Regierung gestürzt hatten, bot die Sowjetmacht, die Macht der revolutionären Arbeiter und Bauern, offen einen gerechten Frieden an, einen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen, einen Frieden unter völliger Wahrung der Gleichberechtigung aller Nationen und wandte sich mit diesem Friedensangebot an alle kriegführenden Länder.

Aber gerade die englische, französische und amerikanische Bourgeoisie hat unser Angebot nicht angenommen; gerade sie weigerte sich, mit uns über den allgemeinen Frieden auch nur zu reden ! Sie waren es, die Verrat an den Interessen aller Völker übte, die das imperialistische Gemetzel in die Länge zog ! Gerade sie, die darauf spekulierte, Russland von Neuem in den imperialistischen Krieg hineinzuziehen, wollte nichts von Friedensverhandlungen wissen und ließ dadurch den ebenso räuberischen deutschen Kapitalisten freie Hand, die dann Russland den annexionistischen Gewaltfrieden von Brest-Litowsk aufzwangen ! [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Man kann sich nur schwer eine Heuchelei vorstellen, die widerlicher wäre als die, mit der sich die englische, französische und amerikanische Bourgeoisie bemüht, die „Schuld“ für den Brester Frieden auf uns abzuwälzen. Ausgerechnet die Kapitalisten jener Länder, in deren Hand es lag, die Brester Verhandlungen zu allgemeinen Verhandlungen über einen allgemeinen Frieden zu machen, treten jetzt als „Ankläger“ gegen uns auf ! Die englischen und französischen imperialistischen Aasgeier, die sich am Raub der Kolonien und am Völkergemetzel gütlich getan, ziehen nun schon fast ein ganzes Jahr nach Brest den Krieg hin und haben auch noch die Stirn, uns , die Bolschewiki, „anzuklagen“ , uns, die wir allen Ländern einen gerechten Frieden angeboten haben, uns , die wir die verbrecherischen Geheimverträge zwischen dem ehemaligen Zaren und den englischen und französischen Kapitalisten zerrissen, vor die Öffentlichkeit gebracht und der allgemeinen Schande presigegeben haben.

Die Arbeiter der ganzen Welt, in welchem Lande sie auch leben mögen, begrüßen uns, sympathisieren mit uns, zollen uns Beifall dafür, dass wir den eisernen Ring der imperialistischen Bindungen, der schmutzigen imperialistischen Verträge, der imperialistischen Ketten gesprengt haben, dafür, dass wir uns die Freiheit erzwungen und um dieser Freiheit willen keine noch so schweren Opfer gescheut haben, dafür, dass wir uns als sozialistische Republik, wenn auch von den Imperialisten bis aufs Blut gepeinigt und ausgeplündert, doch außerhalb des imperialistischen Krieges gehalten und vor der ganzen Welt das Banner des Friedens, das Banner des Sozialismus entrollt haben. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 51 - 52)

Was Wunder, wenn die internationale Imperialistenbande uns deswegen hasst, wenn sie uns „anklagt“ , wenn alle Lakaien der Imperialisten, darunter auch unsere rechten Sozialrevolutionäre und Menschewiki, uns ebenfalls „anklagen“ . Aus dem Hass dieser Kettenhunde des Imperialismus gegen die Bolschewiki und aus der Sympathie der klassenbewussten Arbeiter aller Länder schöpfen wir immer wieder die Gewissheit, dass unsere Sache gerecht ist. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Der ist kein Sozialist, der nicht begreift, dass man um des Sieges über die Bourgeoisie, um des Übergangs der Macht an die Arbeiter, um des Beginns der internationalen proletarischen Revolution willen keinerlei Opfer scheuen darf und soll, selbst nicht das Opfer, einen Teil des Territoriums zu verlieren oder schwere Niederlagen hinzunehmen, die uns der Imperialismus beibringen kann. Der ist kein Sozialist, der nicht durch Taten bewiesen hat, dass er zu schwersten Opfern von Seiten „seines“ Vaterlandes bereit ist, wenn nur die Sache der sozialistischen Revolution tatsächlich vorankommt.

Um „ihrer“ Sache willen, d.h., um der Eroberung der Weltherrschaft willen, schreckten die Imperialisten Englands und Deutschlands nicht davor zurück, eine ganze Reihe Länder, von Belgien und Serbien bis Palästina und Mesopotamien, zu Grunde zu richten, zu erwürgen. Nun, und die Sozialisten ? Sollen sie etwa um „ihrer“ Sache, um der Befreiung der Werktätigen der ganzen Welt vom Joch des Kapitals, um der Erkämpfung eines dauerhaften Friedens willen, sollen sie etwa abwarten, bis sich ein Weg ohne Opfer findet ? Sollen sie etwa fürchten, den Kampf zu beginnen, solange kein leichter Erfolg „garantiert“ ist ? Sollen sie etwa die Sicherheit und Integrität „ihres“ von der Bourgeoisie geschaffenen „Vaterlands“ höher stellen als die Interessen der sozialistischen Weltrevolution ? Dreifache Verachtung verdienen diese Halunken aus den Reihen des internationalen Sozialismus, diese Lakaien der bürgerlichen Moral, die so denken. (Seite 52)

Sie tun so, als verstünden sie nicht den Unterschied zwischen einem Übereinkommen der „Sozialisten“ mit der Bourgeoisie (der einheimischen wie der fremden) gegen die Arbeiter, gegen die Werktätigen, und einem Übereinkommen, das getroffen wird zum Schutz der Arbeiter, die ihre Bourgeoisie bezwungen haben, mit der Bourgeoisie einer Landesfarbe gegen die Bourgeoisie einer anderen Landesfarbe, um die Gegensätze zwischen den verschiedenen Gruppen der Bourgeoisie auszunutzen.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 53)

Als die deutschen imperialistischen Räuber im Februar 1918 ihre Heere gegen das wehrlose Russland warfen, da seine Armee demobilisiert und sich der internationalen Solidarität des Proletariats anvertraut hatte, noch bevor die internationale Revolution voll ausgereift war, da schwankte ich nicht im Geringsten, mit den französischen Monarchisten ein gewisses „Übereinkommen“ zu treffen. Das hinderte mich nicht im Geringsten, mit de Lubersac in Bezug auf Dienste „übereinzukommen“, die uns französische Offiziere, Fachleute im Sprengwesen, bei der Sprengung von Eisenbahnlinien erweisen wollten, um dadurch die deutsche Invasion aufzuhalten.. Das war das Muster eines „Übereinkommens“, das jeder klassenbewusste Arbeiter billigen wird, ein Übereinkommen im Interesse des Sozialismus. Der französische Monarchist und ich, wir drückten einander die Hand, obwohl wir wussten, dass jeder von uns seinen „Partner“ gern hätte aufknüpfen lassen. - Aber unsere Interessen fielen vorübergehend zusammen. Gegen die angreifenden deutschen Räuber machten wir uns im Interesse der russischen und der internationalen sozialistischen Revolution die ebenso räuberischen Gegeninteressen der anderen Imperialisten zu Nutze.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 53 – 54).

Auf diese Weise haben wir im Interesse der Arbeiterklasse Russlands und der anderen Länder gehandelt, das Proletariat gestärkt und die Bourgeoisie der ganzen Welt geschwächt [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] ; wir haben von der in jedem Krieg absolut gesetzmäßigen und unumgänglichen Methode des Manövrierens, Lavierens und Zurückgehens Gebrauch gemacht in Erwartung des Zeitpunkts, da die schnell heranreifende proletarische Revolution in einer Reihe fortgeschrittener Länder hereingereift sein würde.

Eine solche Taktik wird das Werk der sozialistischen Revolution erleichtern, ihren Vormarsch beschleunigen, die internationale Bourgeoisie schwächen und die Positionen der Arbeiterklasse festigen, die diese besiegt. (Seite 54)

Das amerikanische Volk hat diese Taktik schon längst, und zwar zum Nutzen der Revolution, angewandt. Als es seinen großen Befreiungskrieg gegen seine Unterdrücker, die Engländer, führte, hatte es auch mit anderen Unterdrückern, den Franzosen und Spaniern zu tun, denen ein Teil der jetzigen Vereinigten Staaten von Nordamerika gehörte. In seinem schweren Befreiungskampf schloss das amerikanische Volk ebenfalls „Übereinkommen“ mit den einen Unterdrückern gegen die anderen, um die Unterdrücker zu schwächen und diejenigen zu stärken, die im Interesse der großen Masse der Unterdrückten revolutionär gegen die Unterdrückung kämpften. Das amerikanische Volk nutzte die zwischen den Franzosen, Spaniern und Engländern bestehende Zwietracht aus und kämpfte zuweilen sogar gemeinsam mit den Armeen der einen Unterdrücker, der Franzosen und Spanier, gegen die anderen Unterdrücker, die Engländer; es besiegte zuerst die Engländer und machte sich dann (zum Teil durch Loskaufen) von den Franzosen und Spaniern frei.

Die historische Tätigkeit ist nicht das Trottoir des Newski-prospekts, sagte der große russische Revolutionär Tschernyschewski. Wer die Revolution des Proletariats nur „unter der Bedingung“ „akzeptiert“ , dass sie leicht und glatt vonstatten gehe, dass die Proletarier verschiedener Länder sofort mit einer vereinten Aktion beginnen, dass von vornherein eine Garantie gegen Niederlagen gegeben, dass der Weg der Revolution breit, frei und gerade sei, dass man auf dem Weg zum Siege nicht zeitweise schwerste Opfer bringen, nicht „in einer belagerten Festung ausharren“ oder nicht die schmalsten, ungangbarsten, gewundensten und gefährlichsten Bergpfade erklimmen müsse – der ist kein Revolutionär, der hat sich nicht frei gemacht von der Pedanterie der bürgerlichen Intelligenz, der wird in Wirklichkeit immer wieder in das Lager der konterrevolutionären Bourgeoisie hinabgleiten, wie unsere rechten Sozialrevolutionäre, wie die Menschewiki und sogar (wenn auch seltener) die linken Sozialrevolutionäre.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Ebenso wie die Bourgeoisie lieben es diese Herren, uns das „Chaos“ der Revolution, die „Zerstörung“ der Industrie, die Arbeitslosigkeit und den Brotmangel vorzuhalten. Wie heuchlerisch sind doch diese Anschuldigungen von Seite der Leute, die den imperialistischen Krieg begrüßt und unterstützt oder sich mit Kerenski, der diesen Krieg fortsetzte, „verständigt“ haben „ Es ist doch der imperialistische Krieg, der an all diesem Unheil Schuld ist. Aus dem Kriege hervorgegangen, muss die Revolution notgedrungen durch unglaubliche Schwierigkeiten und Qualen hindurch, dieses Erbe des mehrjährigen, verheerenden, reaktionären Völkermordens. Uns „Zerstörung“ der Industrie oder „Terror“ vorwerfen ist Heuchelei oder stupide Pedanterie und bedeutet, die grundlegenden Bedingungen des rasenden, auf die Spitze getriebenen Klassenkampfes, der Revolution heißt, nicht begreifen können. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 55).

In Revolutionszeiten hat der Klassenkampf stets und in allen Ländern unvermeidlich die Form des Bürgerkriegs angenommen, ein Bürgerkrieg jedoch ohne schwerste Zerstörungen, ohne Terror und ohne Einschränkung der formalen Demokratie im Interesse dieses Krieges ist undenkbar.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 55-56).

Im amerikanischen Volk lebt eine revolutionäre Tradition, welche die besten Vertreter des amerikanischen Proletariats übernommen haben, die uns Bolschewiki wiederholt ihrer vollen Sympathie versicherten.

Die Repräsentanten der Bourgeoisie begreifen wohl, dass die Abschaffung der Negersklaverei, der Sturz der Sklavenhalterherrschaft es wert war, dass das ganze Land lange Jahre des Bürgerkriegs, einen Abgrund von Zerstörung, Verwüstung und Terror, diese Begleiterscheinungen eines jeden Krieges, auf sich nahm. Jetzt aber, da es sich um eine unermesslich größere Aufgabe handelt, um die Aufgabe, die kapitalistische Lohnsklaverei abzuschaffen, die Herrschaft der Bourgeoisie zu stürzen jetzt können und wollen die Repräsentanten und Anwälte der Bourgeoisie ebensowenig wie die Reformsozialisten, die von der Bourgeoisie eingeschüchtert worden sind und vor der Revolution Angst haben, nicht begreifen, dass der Bürgerkrieg notwendig und gerecht ist.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 56).

Die amerikanischen Arbeiter werden nicht mit der Bourgeoisie gehen. Sie werden mit uns sein, für den Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie. In dieser meiner Überzeugung bestärkt mich die ganze Geschichte der internationalen wie der amerikanischen Arbeiterbewegung.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 57).

Ich erinnere mich auch der Worte eines der beliebtesten Führer des amerikanischen Proletariats, Eugene Debs, der – ich glaube Ende 1915 – im „Appeal to Reason“ in dem Artikel „What shall I fight for“ (Wofür werde ich kämpfen?) schrieb (ich zitierte diesen Artikel Anfang 1916 in einer öffentlichen Arbeiterversammlung in Bern in der Schweiz [ siehe Lenin Werke, Band 22. Seite 124 – Die Red. ],

dass er, Debs, sich eher füsilieren ließe, als dass er die Kredite für den gegenwärtigen verbrecherischen und reaktionären Krieg bewilligte; dass er, Debs, nur den einen geheiligten und vom Standpunkt der Proletarier berechtigten Krieg kenne: eben den Krieg gegen die Kapitalisten, den Krieg zur Befreiung der Menschheit von der Lohnsklaverei ! [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 57).

Es wundert mich keineswegs, dass Wilson, das Oberhaupt der amerikanischen Milliardäre, der Handlanger der kapitalistischen Magnaten, Debs ins Gefängnis sperrren ließ. Mag die Bourgeoisie gegen die wahren Internationalisten, die wahren Vertreter des revolutionären Proletariats, wüten ! Je größer ihre Wut und ihre Brutalität, desto näher der Tag der siegreichen proletarischen Revolution.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Ihre Diener werfen uns Terror vor … Die englischen Bourgeois haben ihr 1649, die Franzosen ihr 1893 vergessen. Der Terror war gerecht und berechtigt, als die Bourgeoisie ihn zu ihren Gunsten gegen die Feudalherren anwandte. Der Terror wurde ungeheuerlich und verbrecherisch, als sich die Arbeiter und armen Bauern erdreisteten, ihn gegen die Bourgeoisie anzuwenden ! Der Terror war gerecht und berechtigt, als er angewandt wurde, um eine ausbeutende Minderheit durch eine andere ausbeutende Minderheit zu ersetzen. Der Terror wurde ungeheurlich und verbrecherisch, als man daran ging, ihn dazu anzuwenden, JEDE ausbeutende Minderheit zu stürzen, als er im Interesse der wirklich gewaltigen Mehrheit, im Interesse des Proletariats und des Halbproletariats, der Arbeiterklasse und der armen Bauern angewandt wurde ! [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 57 - 58).

Die internationale imperialistische Bourgeoisie hat in „ihrem“ Krieg 10 Millionen Menschen gemordet und 20 Millionen zu Krüppeln gemacht, in einem Krieg, der darum geführt wird, ob die englischen oder die deutschen Räuber die ganze Welt beherrschen sollen.

Wenn unser Krieg, der Krieg der Unterdrückten und Ausgebeuteten gegen die Unterdrücker und Ausbeuter, in allen Ländern eine halbe oder eine ganze Millionen Opfer kostet, so wird die Bourgeoisie sagen, die Opfer ihres Krieges seien berechtigt, die unseres Krieges aber verbrecherisch.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 58).

Das Proletariat ist ganz und gar anderer Ansicht.

Das Proletariat macht sich jetzt inmitten der Greuel des imperialistischen Krieges aus eigener Erfahrung jene große Wahrheit ganz zu eigen, die alle Revolutionen lehren, die Wahrheit, die den Arbeitern von ihren besten Lehrern, den Begründern des modernen Sozialismus, als Vermächtnis hinterlassen worden ist. Diese Wahrheit besagt, dass eine Revolution nur dann erfolgreich sein kann, wenn der Widerstand der Ausbeuter gebrochen wird.

Wir wissen, dass die Bourgeoisie in allen Ländern der sozialistischen Revolution unvermeidlich wütenden Widerstand entgegengesetzt und dass dieser Widerstand mit dem Anwachsen der Revolution wachsen wird. Das Proletariat wird diesen Widerstand brechen, und im Kampf gegen die sich wehrende Bourgeoisie wird es endgültig reif für den Sieg und die Macht. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 58).

Mag die korrupte bürgerliche Presse jeden Fehler, den unsere Revolution begeht, in die Welt hinausposaunen. Wir fürchten unsere Fehler nicht. Mit dem Ausbruch der Revolution sind die Menschen nicht zu Heiligen geworden. Jahrhundertelang unterdrückt und eingeschüchtert, niedergehalten in Not, Unwissenheit und Verwilderung, können die werktätigen Klassen die Revolution nicht durchführen, ohne Fehler zu machen. Und der Leichnam der bürgerlichen Gesellschaft lässt sich nicht, wie ich schon sagte [ siehe Lenin, Werke, Band 27, Seite 432 – Die Red. ], in einem Sarg vernageln und ins Grab senken. Zur Strecke gebracht, verfault der Kapitalismus, geht er mitten unter uns in Verwesung über, verpestet die Luft, vergiftet unser Dasein und umstrickt das Neue, Frische, Junge und Lebendige mit tausend Fäden und Banden des Alten, Morschen und Toten.[ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 59).

Auf je hundert unserer Fehler, die die Bourgeoisie und ihre Lakaien (darunter unsere Menschewiki und die rechten Sozialrevolutionäre) in die Welt hinausschreien, kommen 10 000 große, heroische Taten, die um so größer und um so heroischer sind, als sie einfach sind, nicht in die Augenfallen, sich im Alltag des Fabrikviertels oder des weltverlorenen Dorfes abspielen und von Menschen begangen werden, die es nicht gewohnt sind ( und auch keine Möglichkeit dazu haben), jeden ihrer Erfolge in alle Welt hinauszuposaunen. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Aber auch wenn das Gegenteil der Fall wäre – ich weiß wohl, dass eine solche Annahme unzutreffend ist -, auch wenn auf 100 unserer richtigen Handlungen 10 000 Fehler entfielen, - , ja auch dann noch wäre unsere Revolution groß und unbesiegbar; und sie wird auch vor der Weltgeschichte groß und unbesiegt dastehen, denn es ist das erste Mal , dass nicht die Minderheit, nicht allein die Reichen und Gebildeten, sondern die wirklichen Massen, die ungeheure Mehrheit der Werktätigen selbst ein neues Leben aufbauen, aus eigener Erfahrung über die schwierigsten Fragen sozialistischer Organisationen entscheiden. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Ein jeder Fehler in dieser Arbeit, bei diesem äußerst gewissenhaften und aufrichtigen Mitwirken von Dutzenden Millionen einfacher Arbeiter und Bauern an der Neugestaltung des Lebens – ein jeder solcher Fehler wiegt Tausende und Millionen „fehlerlose“ Erfolge der ausbeutenden Minderheit auf, alle die Erfolge im Übervorteilen und Überlisten der Werktätigen. Denn nur durch solche Fehler werden es die Arbeiter und Bauern lernen , das neue Leben aufzubauen, werden sie es lernen, ohne Kapitalisten auszukommen; nur so werden sie sich den Weg durch tausend Hindernisse hindurch - zum siegreichen Sozialismus bahnen. (Seite 59) ( [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ]

Wir wissen, Genossen amerikanische Arbeiter, dass Ihr uns wohl noch nicht so bald zur Hilfe kommen werdet, denn die Entwicklung der Revolution in den verschiedenen Ländern vollzieht sich in verschiedenen Formen und in verschiedenem Tempo ( und kann sich auch nicht anders vollziehen). Wir wissen, es kann auch so kommen, dass die europäische Revolution nicht in den nächsten Wochen ausbricht, so schnell sie auch in letzter Zeit heranreift. (Seite 61)

Wir bauen darauf, dass die internationale Revolution unausbleiblich ist; das bedeutet aber keineswegs, dass wir törichterweise damit rechnen, die Revolution werde unbedingt innerhalb einer bestimmten kurzen Frist beginnen. Wir haben in unserem Land zwei große Revolutionen erlebt, 1905 und 1917, und wir wissen, dass Revolutionen weder auf Bestellung noch auf Verabredung gemacht werden. Wir wissen, dass die Umstände, die unsere , die russische Abteilung des sozialistischen Proletariats vorgeschoben haben, nicht auf unsere Verdienste zurückzuführen sind, sondern auf die besondere Rückständigkeit Russlands; wir wissen, dass vor dem Ausbruch der internationalen Revolution eine Reihe von Niederlagen einzelner Revolutionen möglich ist.

Und dennoch sind wir fest davon überzeugt, dass wir unbesiegbar sind, denn die Menschheit wird durch das imperialistische Gemetzel nicht gebrochen werden, sondern sie wird es überwinden. Und das erste Land, dass die Zwangsketten des imperialistischen Krieges zerrissen hat, war unser Land. Wir haben die schwersten Opfer gebracht, um diese Ketten zu sprengen, und wir haben sie gesprengt . Wir stehen außerhalb der imperialistischen Abhängigkeitsverhältnisse, wir haben vor der ganzen Welt das Banner des Kampfes für den völligen Sturz des Imperialismus entrollt.

Wir befinden uns gleichsam in einer belagerten Festung, solange uns nicht andere Abteilungen der internationalen sozialistischen Revolution zur Hilfe kommen. Aber diese Abteilungen sind vorhanden , sie sind zahlreicher als die unsrigen; sie wachsen, reifen heran und erstarken, je länger die Bestialitäten des Imperialismus fortdauern. Die Arbeiter brechen mit ihren Sozialverrätern, mit den Gompers, Henderson, Renaudel, Scheidemann, Renner. Langsam, aber unentwegt, kommen die Arbeiter zur kommunistischen, bolschewistischen Taktik, zur proletarischen Revolution, die allein imstande ist, die Kultur, die Menschheit vor dem Untergang zu retten.

Mit einem Wort, wir sind unbesiegbar, denn unbesiegbar ist die proletarische Weltrevolution. [ hervorgehoben von der Komintern (SH) ] (Seite 62)

N. Lenin