1917

Wladimir Iljitsch Lenin





Die Aufgaben des Proletariats in unserer

Revolution

[ Auszüge ]



10. April 1917, Petrograd



zuerst veröffentlicht im September 1917 als Broschüre im Verlag „Priboi“.



Lenin, gesammelte Werke, Band 24, Seite 41 – 74





6. Die Doppelherrschaft bringt mit jenen Übergangsmomenten in der Entwicklung der Revolution zum Ausdruck, an dem diese zwar über die gewöhnliche bürgerlich-demokratische Revolution hinausgegangen, aber noch nicht bis zur „reinen“ Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft gelangt ist.

Die klassenmäßige Bedeutung ( und die klassenmäßige Erklärung) dieser labilen Übergangssituation besteht in Folgendem: Wie jede Revolution, hat auch unsere Revolution das größte Heldentum, die größte Selbstaufopferung der Masse für den Kampf gegen den Zarismus erfordert und zugleich mit einem Schlag eine unerhört große Zahl von Kleinbürgern in die Bewegung hineingezogen . (Seite 45)

Eines der wissenschaftlichen und praktisch-politischen Hauptmerkmale jeder wirklichen Revolution ist das ungewöhnlich schnelle, jähe, schroffe Anwachsen der Zahl der zur aktiven, tatkräftigen Anteilnahme am politischen Leben, an der Gestaltung des Staates übergehenden Kleinbürger. (Seite 45 – 46)

Russland ist das kleinbürgerlichste Land unter allen europäischen Ländern. Diese kleinbürgerliche Woge hat alles überflutet, sie hat das klassenbewusste Proletariat nicht nur durch ihre zahlenmäßige Stärke, sondern auch ideologisch überwältigt, das heißt, sie hat sehr breite Arbeiterkreise mit kleinbürgerlichen politischen Ansichten angesteckt, ergriffen.

Das Kleinbürgertum ist im Leben von der Bourgeoisie abhängig, da es selbst ein Eigentümer – und kein Proletarierdasein führt ( was seine Stellung innerhalb der gesellschaftlichen Produktion betrifft ) , und in seiner Denkart folgt es der Bourgeoisie.

7. Die Eigenart der Taktik, wie sie sich aus dem Vorhergehenden ergibt (…) erfordert Kritik, Aufklärung über die Fehler der kleinbürgerlichen Parteien der Sozialrevolutionäre und Sozialdemokraten, Schulung und Vereinigung der Elemente der bewussten proletarischen, der kommunistischen Partei, Befreiung des Proletariats von dem „allgemeinen“ kleinbürgerlichen Taumel. (Seite 47)

Die Führer des Kleinbürgertums „müssen“ das Volk lehren, der Bourgeoisie zu vertrauen. Die Proletarier müssen das Volk lehren, ihr zu misstrauen. (Seite 49)



Die Lage in der Sozialistischen Internationale [vollständiger Text ]

16. Die internationalen Pflichten der Arbeiterklasse Russlands treten gerade jetzt mit besonderem Nachdruck in den Vordergrund

Alles schwört heutzutage auf den Internationalismus, selbst die chauvinistischen Vaterlandsverteidiger, selbst die Herren Plechanow und Potressow; ja selbst Kerenski nennt sich Internationalist. Um so dringendere Pflicht der proletarischen Partei ist es, mit aller Deutlichkeit, Schärfe und Bestimmtheit dem Internationalismus in Worten den Internationalismus der Tat entgegenzustellen. [hervorgehoben von der Komintern (SH) ] ; (Seite 59)

Bloße Aufrufe an die Arbeiter aller Länder, nichtssagende Beteuerungen der Ergebenheit für den Internationalismus, Versuche, direkt oder indirekt eine „Reihenfolge“ der Aktionen des revolutionären Proletariats in den verschiedenen Krieg führenden Ländern festzusetzen, krampfhafte Anstrengungen, zwischen den Sozialisten der Krieg führenden Länder „Vereinbarungen“ über den revolutionären Kampf zu treffen, Bemühungen, sozialistische Kongresse, für eine Friedenskampagne zustande zu bringen usw. usf. - alles das ist, wie aufrichtig die Urheber solcher Ideen, solcher Versuche oder solcher Pläne auch sein mögen, seiner objektiven Bedeutung nach nur Phrasendrescherei, im besten Fall sind es naive, fromme Wünsche, nur geeignet, den Betrug der Chauvinisten an den Massen zu verschleiern. Und die geschicktesten, in den Schlichen und Kniffen des parlamentarischen Schwindels am meisten geübten französischen Sozialchauvinisten haben seit langem jeden Rekord geschlagen in puncto unglaublich geschwollener, wohltönender pazifistischer und internationalistischer Phrasen, die verbunden sind mit einem unerhört schamlosen Verrat am Sozialismus und an der Internationale, mit dem Eintritt in die den imperialistischen Krieg führenden Regierungen, mit der Stimmabgabe für die Kredite oder für die Anleihen (wie es Tscheidse, Skobelew, Zereteli, Steklow in den letzten Tagen in Russland getan haben), mit Maßnahmen gegen den revolutionären Kampf im eigenen Lande usw. usf.

Die guten Leute vergessen oft die harte, grausame Wirklichkeit des imperialistischen Weltkriegs. Diese Wirklichkeit duldet keine Phrasen, sie spottet aller naiven, frommen Wünsche.

Es gibt nur einen wirklichen Internationalismus:

die hingebungsvolle Arbeit an der Entwicklung der revolutionären Bewegung und des revolutionären Kampfes im eigenen Land,

die Unterstützung (durch Propaganda, durch moralische und materielle Hilfe) eben eines solchen Kampfes ,

eben einer solchen Linie und n u r e i n er s o l c h e n a l l e i n in ausnahmslos a l l e n Ländern.

Alles andere ist Betrug und Manilowerei.

Die internationale sozialistische Arbeiterbewegung hat in über zwei Kriegsjahren in allen Ländern drei Strömungen hervorgebracht, und wer den realen Boden der Anerkennung der Existenz dieser drei Strömungen, ihrer Analyse und des konsequenten Kampfes für die wirklich internationalistische Strömung verlässt, der verurteilt sich selbst zur Ohnmacht, zur Hilflosigkeit und zu Fehlern.

Die drei Strömungen sind folgende:

      1. Die Sozialchauvinisten, d.h., Sozialisten in Worten, Chauvinisten in der Tat – das sind Leute, die für die „Verteidigung des Vaterlands“ im imperialistischen Krieg ( und vor allen Dingen im gegenwärtigen imperialistischen Krieg) eintreten. Diese Leute sind unsere Klassengegner. Sie sind auf die Seite der Bourgeoisie übergegangen. Zu ihnen gehört die Mehrheit der offiziellen Führer der offziellen Sozialdemokratie in allen Ländern: die Herren Plechanow und Co in Russland, die Scheidemänner in Deutschland, Renaudel, Guesde, Sembat in Frankreich, Bissolati und Co in Italien, Hyndman, die Fabier und die „Labouristen“ (die Führer der „Arbeiterpartei“) in England, Branting und Co in Schweden, Troelstra und seine Partei in Holland, Stauning und seine Partei in Dänemark, Victor Berger und andere „Vaterlandsverteidiger“ in Amerika usw.

      2. Die zweite Strömung – das so genannte „Zentrum“ - besteht aus Leuten, die zwischen den Sozialchauvinisten und den wirklichen Internationalisten schwanken. Alle Anhänger des „Zentrums“ beteuern hoch und heilig, sie seien Marxisten, Internationalisten, sie seien für den Frieden, für jederlei „Druck“ auf die Regierungen, für jederlei „Forderungen“ an die eigene Regierung, sie solle „den Friedenswillen des Volkes kundtun“, sie seien für alle möglichen Kampagnen zu Gunsten des Friedens, für einen Frieden ohne Annexionen usw. usf. - und für den Frieden mit den Sozialchauvinisten . Das „Zentrum“ ist für die „Einheit“, das „Zentrum“ ist ein Gegner der Spaltung. Das „Zentrum“ ist das Reich der gefälligen kleinbürgerlichen Phrase, des Internationalismus in Worten, des feigen Opportunismus und der Liebedienerei gegenüber den Sozialchauvinisten in der Tat. Der Kern der Sache ist, dass das „Zentrum“ von der Notwendigkeit der Revolution gegen die eigenen Regierungen nicht überzeugt ist, sie nicht propagiert, dass es keinen rückhaltlosen revolutionären Kampf führt, dass es gegen ihn die allerplattesten – und erz“marxistisch“ klingenden – Ausflüchte erfindet.

Die Sozialchauvinisten sind unsere Klassengegner, sie sind die Bourgeois innerhalb der Arbeiterbewegung. Sie vertreten jene Schichten, Zwischenschichten und Gruppen der Arbeiterschaft, die von der Bourgeoisie objektiv bestochen sind (bessere Löhne, Ehrenämter usw.) und die der eigenen Bourgeoisie behilflich sind, kleine und schwache Völker auszuplündern und zu unterdrücken und den Kampf um der Teilung der kapitalistischen Beute willen zu führen.

Das „Zentrum“ - das sind Leute der Routine, zerfressen von der faulen Legalität, korrumpiert durch die Atmosphäre des Parlamentarismus usw., Beamte, gewöhnt an warme Pöstchen und an „ruhige“ Arbeit. Historisch und ökonomisch gesehen, vertreten sie keine besondere Schicht, sie sind lediglich eine Erscheinung des Übergangs von der hinter uns liegenden Periode der Arbeiterbewegung, der Periode von 1871 bis 1914 – einer Periode, die viel Wertvolles geschaffen hat, besonders in der für das Proletariat notwendigen Kunst der langsamen, beharrlichen, systematischen Organisationsarbeit auf breiter und breitester Grundlage -, zu einer neuen Periode, die seit dem ersten imperialistischen Weltkrieg, der die Ära der sozialen Revolution eingeleitet hat, objektiv unumgänglich geworden ist.

Der wichtigste Führer und Repräsentant des „Zentrums“ ist Karl Kautsky, die bedeutendste Autorität der II. Internationale (1889 – 1914), das Musterbeispiel einer vollständigen Aufgabe des Marxismus, ein Musterbeispiel unerhörter Charakterlosigkeit, jämmerlichster Schwankungen und Verrätereien seit August 1914. Der „Zentrum“strömung gehören an Kautsky, Haase, Ledebour, die so genannte „Arbeitsgemeinschaft“ im Reichstag; in Frankreich Longuet, Pressemane und die so genannten „Minoritaires“ (Minderheitler) überhaupt; in England Philip Snowden, Ramsay MacDonald und viele andere Führer der „Unabhängigen Arbeiterpartei“ und zum Teil der „Britischen Sozialistischen Partei“; Morris Hillquit und viele andere in Amerika; Turati, Treves, Modigliani usw. in Italien; Robert Grimm u.a. in der Schweit; Victor Adler und Co in Österreich; die Partei der Organisationskomitees, Axelrod, Tscheidse, Zereteli u.a. in Russland usw.

Selbstverständlich gehen mitunter einzelne Personen, ohne es selbst zu merken, von der Position des „Zentrums“ über und umgekehrt. Jeder Marxist weiß, dass die Klassen sich voneinander unterscheiden, unbeschadet des freien Hinüberwechselns einzelner Personen von einer Klasse zu andern; genauso unterscheiden sich die Strömungen des politischen Lebens voneinander, unbeschadet des freien Hinüberwechselns einzelner Personen von der einen Strömung zur anderen, unbeschadet der Versuche und Anstrengungen, die Strömungen zu vereinigen .

3. Die dritte Strömung sind die wirklichen Internationalisten, denen die „Zimmerwalder Linke“ am nächsten kommt ( im Anhang drucken wir ihr Manifest vom September 1915 ab, damit der Leser sich über die Entstehung dieser Strömung an Hand von authentischem Material unterichten kann).

Ihr wichtigstes Unterschiedungsmerkmal: der völlige Bruch sowohl mit dem Sozialchauvinismus als auch mit dem „Zentrum“, der rückhaltlose revolutionäre Kampf gegen die eigene imperialistische Regierung und die eigene imperialistische Bourgeoisie.

Ihr Prinzip : „Der Hauptfeind steht im eigenen Land.“ Schonungsloser Kampf gegen die süßliche sozialpazifistische Phrase (Der Sozialpazifist ist Sozialist in Worten, bürgerlicher Pazifist in der Tat; die bürgerlichen Pazifisten träumen vom ewigen Frieden ohne die Abschüttelung des Joch und der Herrschaft des Kapitals) sowie gegen alle Ausflüchte , die den Zweck haben, in Abrede zu stellen, dass der revolutionäre Kampf des Proletariats und die proletarische, sozialistische Revolution in Verbindung mit dem gegenwärtigen Krieg möglich, angebracht oder aktuell sind.

Die bedeutendsten Vertreter dieser Strömung: In Deutschland die „Spartakusgruppe“ oder „Gruppe Internationale“, der Karl Liebknecht angehört. Karl Liebknecht ist der berühmteste Repräsentant dieser Strömung und der neuen , wirklichen, proletarischen Internationale.

Karl Liebknecht hat die Arbeiter und Soldaten Deutschlands aufgrufen, die Waffen gegen die eigene Regierung zu kehren . Karl Liebknecht tat das offen von der Tribüne des Parlaments (des Reichstags) herab. Er ging dann zu einer Kundgebung auf den Potsdamer Platz, einen der größten Plätze Berlins, wobei er illegal gedruckte Flugschriften mit der Forderung „Nieder mit der Regierung“ verteilte.. Er wurde verhaftet und zu Zuchthaus verurteilt. Er sitzt jetzt in Deutschland im Zuchthaus, wie überhaupt Hunderte , wenn nicht Tausende wirklicher Sozialisten in Deutschland für ihren Kampf gegen den Krieg eingekerkert sind.

Karl Liebknecht führte in Reden und Briefen einen schonungslosen Kampf nicht nur gegen den eigenen Plechanow und Potressow (die Scheidemänner, Legien, David und Co), sondern auch gegen die eigenen Zentristen , gegen die eigenen Tscheidse, Zereteli (die Kautsky, Haase, Ledebour und Co).

Karl Liebknecht und sein Freund Otto Rühle sind unter 110 Reichstagsabgeordneten die einzigen gewesen, die die Disziplin durchbrochen und die „Einheit“ mit dem „Zentrum“ und den Chauvinisten zerstört haben, die sich gegen alle gestellt haben . Liebknecht allein vertritt den Sozialismus, die Sache des Proletariats, die proletarische Revolution. Die ganze übrige deutsche Sozialdemokratie ist nach dem treffenden Ausdruck Rosa Luxemburgs (ebenfalls Mitglied und eine Führerin der „Spartakusgruppe“) ein stinkender Leichnam .

Eine andere Gruppe der wirklichen Internationalisten in Deutschland wird durch die Bremer Zeitung „Arbeiterpolitik“ vertreten.

In Frankreich stehen den wirklichen Internationalisten am nächsten: Loriot und seine Freunde (Bourderon und Merrheim sind zum Sozialpazifismus abgesunken) sowie der Franzose Henri Guilbeaux, der in Genf die Zeitschrift „Demain“ herausgibt; in England die Zeitung „The Trade Unionist“ und ein Teil der Mitglieder der „Britischen Sozialistischen Partei“ und der „Unabhängigen Arbeiterpartei“ (z.B., Russell Wiiliams, der offen zum Bruch mit den Verrätern am Sozialismus gewordenen Führern aufgerufen hat), der schottische Volksschullehrer und Sozialist Maclean , der von der bürgerlichen Regierung Englands für seinen revolutionären Kampf gegen den Krieg zu Zuchthaus verurteilt wurde; Hunderte englische Sozialisten sind wegen derartiger Verbrechen eingekerkert. Sie und nur sie allein sind wirkliche Internationalisten; in Amerika die „Sozialistische Arbeiterpartei“ und jene Elemente innerhalb der opportunistischen „Sozialistischen Partei“, die seit Januar 1917 die Zeitung „The Internationalist“ herausgeben; in Holland die Partei der „Tribunisten“, die die Zeitung „De Tribune“ herausgibt (Pannekoek, Herman Gorter, Wijnkoop, Henriette Roland-Holst, die in Zimmerweald zum Zentrum gehörte, jetzt aber zu uns übergegangen ist); in Schweden die Partei der Jungen oder Linken mit Führern wie Lindhagen, Ture Nerman, Carleson, Ström, Z. Höglund, der in Zimmerwald an der Gründung der „Zimmerwalder Linken“ persönlich beteiligt war und jetzt für seinen revolutionären Kampf gegen den Krieg zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde; in Dänemark Trier und seine Freunde, die der vollkommen verbürgerlichten „Sozialdemokratischen“ Partei Dänemarks, an deren Spitze Minister Stauning steht, den Rücken gekehrt haben; in Bulgarien die „Tesnjaki“; in Italien stehen den wirklichen Internationalisten Constantino Lazzari, der Sekretär der Partei, und Serati, der Redakteur des Zentralorgans „Avanti!“ am nächsten; in Polen Radek, Hanecki und andere Führer der durch den „Landesvorstand“ vereinigten Sozialdemokratie; Rosa Luxemburg, Tyszka und andere Führer der durch den „Hauptvorstand“ vereinigten Sozialdemokratie; in der Schweiz jene Linken, die das „Referendum“ (Januar 1917) für den Kampf gegen die Sozialchauvinisten und gegen das „Zentrum“ des eigenen Landes motivierten und auf dem Züricher sozialistischen Kantonalparteitag in Töß am 11. Februar 1917 eine revolutionäre prinzipielle Resolution gegen den Krieg einbrachten; in Österreich die jungen linken Freunde Friedrich Adlers, die teilweise in dem „Karl-Marx-Klub“ in Wien wirkten; dieser Klub ist jetzt von der stockreaktionären österreichischen Regierung, die Friedruch Adler wegen seines heldenhaften, wenn auch wenig überlegten Schusses auf einen Minister nach dem Leben trachtet, aufgelöst worden. Usw. usw.

Es kommt nicht auf die Schattierungen an, die es auch unter den Linken gibt. Es kommt auf die Richtung an . Der ganze Kern der Sache ist, dass es nicht leicht ist, in der Epoche des furchtbaren imperialistischen Krieges wirklicher Internationalist zu ein. Solche Menschen gibt es nur wenige, aber nur sie sind die ganze Zukunft des Sozialismus, nur sie sind Führer der Massen und nicht Verführer der Massen.

Die Unterschiede zwischen den Reformisten und Revolutionären, unter den Sozialdemokraten, unter den Sozialisten überhaupt, mussten unter den Verhältnissen des imperialistischen Krieges mit objektiver Zwangsläufigkeit eine Änderung erfahren. Wer sich darauf beschränkt, von den bürgerlichen Regierungern zu „fordern“, sie sollten Frieden schließen oder sie sollten den „Friedenswillen der Völker kundtun“ usw., der gleitet in Wirklichkeit zu Reformen ab. Denn die Frage des Krieges kann, objektiv gesehen, nur revolutionär gestellt werden.

Es gibt keinen anderen Ausweg, der aus dem Krieg zu einem demokratischen, nicht auf Gewalt basierenden Frieden führt, zur Befreiung der Völker von der Schuldknechtschaft der Milliardenzinsen für die Herren Kapitalisten, welche sich „am Kriege“ bereichert haben – es gibt keinen anderen Ausweg als die Revolution des Proletariats.

Von den bürgerlichen Regierungen kann und muss man die verschiedensten Reformen fordern, man kann aber nicht, ohne in Manilowerei, in Reformismus zu verfallen, von diesen tausendfach in die Fäden des imperialistischen Kapitals verstrickten Leuten und Klassen verlangen, sie sollten diese Fäden zerreißen ; werden sie aber nicht zerrissen, so ist alles Gerede vom Krieg gegen den Krieg hohle, betrügerische Phrase.

Die „Kautskyaner“, das „Zentrum“, sind Revolutionäre in Worten, Reformisten in der Tat – Internationalisten in Worten, Helfershelfer des Sozialchauvinismus in der Tat.



Der Zusammenbruch der Zimmerwalder Internationale.

Eine Dritte Internationale muss gegründet werden.



17. Die Zimmerwalder Internationale nahm von Anbeginn an eine schwankende, „kautskyanische“, „zentristische“ Position ein, was denn auch die Zimmerwalder Linke zwang, sich sofort von ihr abzugrenzen, sich abzusondern, mit einem eigenen (in der Schweiz in russischer, deutscher und französischer Sprache gedruckten) Manifest hervorzutreten.

Der Hauptmangel der Zimmerwalder Internationale, die Ursache ihres Zusammenbruchs (denn sie ist ideologisch-politisch bereits zusammengebrochen) sind die Schwankungen, die Unentschlossenheit in der wichtigsten, praktisch alles bestimmenden Frage des völligen Bruchs mit dem Sozialchauvinismus und der von Vandervelde, von Huysmans im Haag (Holland) und anderen geführten sozialchauvinistischen alten Internationale.

Bei uns weiß man noch nicht, dass die Zimmerwalder Mehrheit gerade aus Kautskyanern besteht. Dabei ist das aber eine Tatsache, die man nicht unberücksichtigt lassen darf und die in Westeuropa heute allgemein bekannt ist. Sogar ein Chauvinist wie der extreme deutsche Chauvinist Heilmann, Redakteur der erz-chauvinistischen Chemnitzer „Volksstimme“ und Mitarbeiter der erz-chauvinistischen Parvus-schen „Glocke“ ( der natürlich „Sozialdemokrat“ und eifriger Verfechter der „Einheit“ der Sozialdemokratie ist), musste in der Presse zugeben, dass das Zentrum bzw. das „Kautskyanertum“ und die Zimmerwalder Mehrheit ein und dasselbe sind.

Das Ende des Jahres 1916 und der Anfang des Jahres 1917 haben diese Tatsache endgültig bestätigt. Obwohl das Kienthaler Manifest den Sozialpazifismus verurteilt hat, ist die ganze Zimmerwalder Rechte, die ganze Zimmerwalder Mehrheit zum Sozialpazifismus hinabgeglitten: Kautsky und Co in einer Reihe von Stellungnahmen im Januar und Februar 1917; Bourderon und Merrheim in Frankreich, indem sie einmütig mit den Sozialchauvinisten für die pazifistischen Resolutionen der Sozialistischen Partei (Dezember 1916) und des „Allgemeinen Gewerkschaftsbunds“ (Spitzenorganisation der französischen Gewerkschaften, gleichfall im Dezember 1916) stimmten; Turati und Co in Italien, wo die ganze Partei einen sozialpazifistischen Standpunkt einnahm und Turati persönlich sich in seiner Rede vom 17. Dezember 1916 (und natürlich nicht zufällig) zu nationalistischen , den imperialistischen Krieg beschönigenden Phrasen „hinreißen“ ließ.

Der Vorsitzende von Zimmerwald und Kienthal, Robert Grimm, ging im Januar 1917 ein Bündnis mit den Sozialchauvinisten der eigenen Partei ( Greulich, Pflüger, Gustav Müller u.a. ) gegen die wirklichen Internationalisten ein.

Auf zwei von Zimmerwaldern verschiedener Länder beschickten Beratungen im Januar und Februar 1917 wurde diese zwiespältige und heuchlerische Haltung der Zimmerwalder Mehrheit von linken Internationalisten mehrerer Länder in aller Form gebrandmarkt: von Münzenberg, dem Sekretär der internationalen Jugendorganisation und Redakteur der ausgezeichneten internationalistischen Zeitung „Jugend-Internationale“; von Sinowjew, dem vertreter des ZK unserer Partei; von K. Radek aus der Polnischen Sozialdemokratischen Partei („Landesvorstand“) und von Hartstein, einem deutschen Sozialdemokraten, einem Mitglied der „Spartakusgruppe“.

Dem russischen Proletariat ist viel gegeben; nirgends in der Welt ist es der Arbeiterklasse bisher gelungen, eine solche revolutionäre Energie zu entfalten wir in Russland. Aber wem viel gegeben ist, von dem wird man viel fordern.

Der Zimmerwalder Sumpf darf nicht länger geduldet werden. Es geht nicht an, der Zimmerwalder „Kautskyaner“ wegen die halbe Verbindung mit der chauvinistischen Internationale der Plechanow und Scheidemänner länger aufrecht zu erhalten. Man muss unverzüglich mit dieser Internationale brechen. Man soll nur zur Information in Zimmerwald bleiben.

Gerade wir müssen, gerade jetzt, ohne Zeit zu verlieren, eine neue , revolutionäre, proletarische Internationale gründen, oder richtiger gesagt, wir dürfen uns nicht fürchten, vor aller Welt zu erklären, dass sie schon gegründet ist und wirkt.

Das ist die Internationale jener „wirklichen Internationalisten“, die ich oben genau aufgezählt habe. Sie und nur sie sind die Vertreter der Massen.

Wenn die Zahl solcher Sozialisten auch klein ist, so möge sich doch jeder russische Arbeiter fragen, ob es in Russland am Vorabend der Februar-März-Revolution 1917 viele bewusste Revolutionäre gegeben hat.

Es kommt nicht auf die Zahl an, sondern auf den richtigen Ausdruck der Ideen und der Politik des wirklich revolutionären Proletariats. Das Wesentliche ist nicht die „Proklamierung“ des Internationalismus, sondern die Fähigkeit, selbst in den schwierigsten Zeiten wirklicher Internationalist zu sein.

Wir wollen uns keinen trügerischen Hoffnungen auf Vereinbarungen und internationale Kongresse hingeben. Solange der imperialistische Krieg fortdauert, werden die internationalen Beziehungen in den eisernen Schraubstock der imperialistisch-bürgerlichen Militärdiktatur eingezwängt sein. Wenn sogar der „Republikaner“ Miljukow, der gezwungen ist, die Nebenregierung des Sowjets der Arbeiterdeputierten zu dulden, dem Schweizer Sozialisten Fritz Platten , dem Sekretär der Partei, einem Internationalisten und Teilnehmer an der Zimmerwalder und Kienthaler Konferenz, im April 1917 die Einreise nach Russland verweigerte , obwohl dieser mit einer Russin verheiratet ist und zu den Verwandten seiner Frau reiste, obwohl er in Riga an der Revolution von 1905 teilgenommen, deshalb in einem russischen Gefängnis gesessen und bei der zaristischen Regierung eine Kaution für seine Entlassung hinterlegt hatte, die er zurückbekommen wollte – wenn der „Republikaner „Miljukow in Russland im April 1917 Derartiges tun konnte, so kann man danach beurteilen, was alle Versprechungen und Verheißungen, Phrasen und Deklarationen der Bourgeoisie über einen Frieden ohne Annexionen usw. wert sind.

Und die Verhaftung Trotzkis durch die englische Regierung ? Und das Festhalten Martows in der Schweiz und die Hoffnung, ihn nach England zu locken, wo ihn das Schicksal Trotzkis erwartet ?

Auf internationale Kongresse oder Konferenzen „warten“ heißt Verräter am Internationalismus sein, zumal erwiesen ist, dass man selbst aus Stockholm keine dem Internationalismus treu gebliebenen Sozialisten zu uns lässt, ja nicht einmal Briefe von ihnen durchlässt , trotz der durchaus gegebenen Kontrollmöglichkeiten und der grenzenlosen Strenge der Militärzensur.

Unsere Partei darf nicht „warten“, sondern muss sofort die Dritte Internationale gründen , und Hunderte von Sozialisten in den Kerkern Deutschlands und Englands werden erleichtert aufatmen, Tausende und aber Tausende deutscher Arbeiter, die heute zum Entsetzen des Halunken und Räubers Wilhelm Streiks und Demonstrationen veranstalten, werden in illegalen Flugblättern von unserem Entschluss lesen, von unserem brüderlichen Vertrauen zu Karl Liebknecht und nur zu ihm, von unserem Entschluss, auch jetzt gegen die „revolutionäre Vaterlandsverteidigung“ zu kämpfen, sie werden das lesen und in ihrem revolutionären Internationalismus gestärkt werden.

Wem viel gegeben ist, von dem wird man viel fordern. Es gibt in der Welt kein Land, in dem jetzt eine solche Freiheit herrscht wie in Russland. Benutzen wir diese Freiheit, nicht um die Unterstützung der Bourgeoisie oder der bürgerlichen „revolutionären Vaterlandsverteidigung“ zu predigen, sondern zur kühnen und ehrlichen, proletarischen, Liebknechtschen Gründung der Dritten Internationale, einer sowohl den Verrätern, den Sozialchauvinisten, als auch den schwankenden Gestalten des „Zentrums“ unwiderruflich feindlich gegenüberstehenden Internationale.

      1. Dass von einer Vereinigung der Sozialdemokraten in Russland keine Rede sein kann, darüber bedarf es nach dem oben Gesagten nicht vieler Worte. Lieber zu Zweit bleiben, wie Liebknecht – und das heißt beim revolutionären Proletariat bleiben -, als auch nur einen Augenblick den Gedanken einer Vereinigung mit der Partei des Organisationskomitees, mit den Tscheidse und Zereteli zulassen, die den Block mit Potressow in der „Rabotschaja Gazeta“ dulden, die im Exekutivkomitee des Sowjets der Arbeiterdeputierten für die Anleihe stimmen, die zur „Vaterlandsverteidigung“ hinabgesunken sind.

    Lasst die Toten ihre Toten begraben.

        Wer den Schwankenden helfen will, muss damit beginnen, dass er selbst aufhört zu schwanken.

Wie muss der wissenschaftlich richtige und die Klärung des Klassenbewusstseins des Proletariats politisch fördernde Name unserer Partei lauten ?



19. Ich komme zum letzten, zum Namen unserer Partei. Wir müssen uns Kommunistische Partei nennen, so wie Marx und Engels sich Kommunisten nannten.

Wir müssen wiederholen, dass wir Marxisten sind und auf dem Boden des „Kommunistischen Manifests“ stehen, das von der Sozialdemokratie in zwei Hauptpunkten entstellt und verraten wurde: 1. die Arbeiter haben kein Vaterland; die „Vaterlandsverteidigung“ im imperialistischen Krieg ist Verrat am Sozialismus; 2. die Lehre des Marxismus vom Staat ist von der II. Internationale entstellt worden.

Der Name „Sozialdemokratie“ ist wissenschaftlich unrichtig, wie Marx mehrfach, unter anderem in der „Kritik des Gothaer Programms“ von 1875, gezeigt und wie Engels es 1894 in populärer Weise wiederholt hat [ siehe MEW, Band 19, Seite 15 – 32 sowie Band 22, Seite 417 / 418 ] . Vom Kapitalismus kann die Menschheit unmittelbar nur zum Sozialismus übergehen, d.h. zum Gemeinbesitz an den Produktionsmitteln und zur Verteilung der Produkte nach dem Maße der Arbeitsleistung jedes Einzelnen. Unsere Partei blickt weiter: der Sozialismus muss unvermeidlich allmählich in den Kommunismus hinüberwachsen, auf dessen Banner geschrieben steht: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“

Das ist mein erstes Argument.

Das zweite: Wissenschaftlich unrichtig ist auch der zweite Teil des Namens unserer Partei (Sozialdemokraten). Die Demokratie ist eine der Formen des Staates . Indes sind wir Marxisten Gegner jedes Staates.

Die Führer der Zweiten Internationale (1889 – 1914), die Herrn Plechanow, Kautsky und ihresgleichen, haben den Marxismus verflacht und entstellt.

Der Marxismus unterscheidet sich dadurch vom Anarchismus, dass er die Notwendigkeit des Staates für den Übergang zum Sozialismus anerkennt, aber (und das unterscheidet ihn von Kautsky und o), nicht eines Staates in der Art der gewöhnlichen parlamentarischen bürgerlichen demokratischen Republik, sondern eines Staates wie die Pariser Kommune von 1871, wie die Sowjets der Arbeiterdeputierten von 1905 und 1917.

Mein drittes Argument:

Das Leben , die Revolution hat bei uns schon praktisch , wenn auch nur in schwach entwickelter Form, in Keimform eben diesen neuen „Staat“ geschaffen, der kein Staat im eigentlichen Sinne des Wortes ist.

Es ist das bereits eine Frage der Praxis der Massen und nicht nur eine Theorie der Führer.

Der Staat im eigentlichen Sinne ist die Machtausübung über die Massen durch Formationen bewaffneter Menschen, die vom Volke getrennt sind.

Unser im Werden begriffener , neuer Staat ist auch ein Staat, denn wir brauchen Formationen bewaffneter Menschen, brauchen die strengste Ordnung, brauchen die schonungslose gewaltsame Unterdrückung aller Anschläge der Konterrevolution, sowohl der zaristischen als auch der bürgerlich-Gutschkowschen.

Aber unser im Werden begriffener , neuer Staat ist schon kein Staat mehr im eigentlichen Sinne des Wortes, denn in verschiedenen Orten Russlands sind diese Formationen bewaffneter Menschen die Massen selbst , das ganze Volk und nicht irgendwelche über das Volk gestellte, von ihm getrennte, privilegierte, praktisch unabsetzbare Leute.

Nicht rückwärts blicken gilt es, sondern vorwärts, nicht auf die Demokratie von gewöhnlichem bürgerlichem Typus, die die Herrschaft der Bourgeoisie mit Hilfe der alten, monarchistischen Verwaltungsorgane, der Polizei, des Heeres, der Beamtenschaft festigte. Es gilt vorwärts zu blicken auf die im Werden begriffene neue Demokratie, die schon aufhört, eine Demokratie zu sein, denn Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes, das bewaffnete Volk selbst aber kann nicht über sich selbst herrschen.

Das Wort Demokratie, angewandt auf die kommunistische Partei, ist nicht nur wissenschaftlich unrichtig. Es ist jetzt, nach dem März 1917, eine Scheuklappe , die man dem revolutionären Volk anlegt und die es hindert , frei, kühn, nach eigenem Ermessen das Neue aufzubauen: die Sowjets der Arbeiter -, Bauern – und alle anderen Deputierten, als einzige Macht im „Staate“, als Vorboten des „Absterbens“ jedes Staates.

Mein viertes Argument:

Man muss mit der objektiven Lage des Sozialismus in der ganzen Welt rechnen.

Diese Lage ist nicht mehr dieselbe wie in der Zeit von 1871 bis 1914, in der Marx und Engels sich bewusst mit der unrichtigen, opportunistischen Bezeichnung „Sozialdemokratie“ abfanden. Denn damals , nach der Niederlage der Pariser Kommune, hatte die Geschichte die langsame Organisations – und Aufklärungsarbeit auf die Tagesordnung gesetzt. Eine andere Arbeit gab es nicht. Die Anarchisten waren (und bleiben) nicht nur theoretisch, sondern auch ökonomisch und politisch vollständig im Unrecht. Die Anarchisten beurteilten die Lage falsch, das sie die internationale Situation nicht begriffen: der durch die imperialistischen Profite korrumpierte Arbeiter Englands, die niedergeschlagene Kommune in Paris, die eben (1871) Sieger gewordene bürgerlich-nationale Bewegung in Deutschland, das einen jahrhundertelangen Schlaf schlafende, halb in Leibeigenschaft steckende Russland.

Marx und Engels beurteilten die Lage richtig, sie verstanden die internationale Situation, sie erkannten die Aufgabe: das langsame Vorwärtsschreiten zum Beginn der sozialen Revolution.

Begreifen denn auch wir die Aufgaben und Besonderheiten der neuen Epoche. Wir wollen nicht jene Jammermarxisten nachahmen, von denen Marx sagte: „Ich habe Drachenzähne gesät und Flöhe geerntet.“ [ siehe MEW, Band 3, Seite 498 ].

Der Kapitalismus, der in den Imperialismus übergegangen ist, hat mit objektiver Notwendigkeit den imperialistischen Krieg erzeugt. Der Krieg hat die ganze Menschheit an den Rand des Abgrunds gebracht, er droht, zum Untergang aller Kultur, zur Barbarei, zur Vernichtung weiterer Millionen und aber Millionen Menschen zu führen.

Es gibt keinen Ausweg außer der Revolution des Proletariats.

Und in einem solchen Augenblick, wo diese Revolution beginnt, wo sie ihre ersten, zaghaften, unsicheren, unbewussten, der Bourgeoisie gegenüber allzu vertrauensseligen Schritte macht – in einem solchen Augenblick ist die Mehrheit (das ist wahr, das ist Tatsache) der „sozialdemokratischen“ Führer, der „sozialdemokratischen“ Parlamentarier, der „sozialdemokratischen“ Zeitungen – und das sind ja gerade die Organe zur Beeinflussung der Massen -, ist ihre Mehrheit dem Sozialismus untreu geworden, hat den Sozialismus verraten , hat sich auf die Seite der „eigenen“ nationalen Bourgeoisie geschlagen.

Diese Führer haben die Massen verwirrt, irregemacht, betrogen.

Und wir sollen diesem Betrug Vorschub leisten, ihn erleichtern, indem wir uns an jenen alten und veralteten Namen klammern, der ebenso verfault ist wie die II. Internationale !

Mag sein, dass „viele“ Arbeiter die Bezeichnung Sozialdemokratie ehrlich auffassen . Es ist an der Zeit, zu lernen, das Subjektive vom Objektiven zu unterscheiden.

Subjektiv sind diese sozialdemokratischen Arbeiter treueste Führer der proletarischen Massen.

Die objektive Lage, die Lage in der ganzen Welt ist aber so, dass der alte Name unserer Partei den Betrug an den Massen erleichtert und die Vorwärtsbewegung hemmt , denn auf Schritt und Tritt, in jeder Zeitung, in jeder Parlamentsfraktion, sieht die Masse die Führer , d.h., Leute, deren Worte weithin hörbar, deren Taten weithin sichtbar sind – und sie alle sind „Auch-Sozialdemokraten“ , sind „für die Einheit“ mit den Verrätern am Sozialismus, mit den Sozialchauvinisten, sie alle weisen von der „Sozialdemokratie“ ausgestellte alte Wechsel zur Einlösung vor …

Und die Gegenargumente ? … „Man wird uns mit den Anarcho-Kommunisten verwechseln“ …

Warum fürchten wir denn nicht die Verwechslung mit den Sozialnationalen und Sozialliberalen, mit den Radikalsozialisten, dieser im bürgerlichen Massenbetrug fortgeschrittensten und geschicktesten bürgerlichen Partei der französischen Republik ? … „die Massen haben sich daran gewöhnt, die Arbeiter haben ihre sozialdemokratische Partei 'liebgewonnen'“ …

Das ist das einzige Argument, aber das ist doch ein Argument, das sowohl die Wissenschaft des Marxismus ignoriert als auch die Zukunftsaufgaben in der Revolution, die objektive Lage des Weltsozialismus, den schmachvollen Zusammenbruch der II. Internationale und die Schädigung der praktischen Arbeit durch die das Proletariat in Scharen umgebenden „Auch-Sozialdemokraten“.

Das ist ein Argument des Festhaltens am Gewohnten, ein Argument der Lethargie, eikn Argument der Trägheit.

Wir aber wollen die Welt umgestalten. Wir wollen Schluss machen mit dem imperialistischen Weltkrieg, in den Hunderte Millionen von Menschen hineingezogen, mit dem die Interessen von Hunderten und aber Hunderten Milliarden Kapital verstrickt sind, der ohne die gewaltigste Umwälzung in der Geschichte der Menschheit – ohne die proletarische Revolution – nicht durch einen wirklich demokratischen Frieden beendet werden kann.

Und wir fürchten uns vor uns selber. Wir wollen das „gewohnte“, „liebgewonnene“, schmutzige Hemd anbehalten …

Es ist an der Zeit, sich des schmutzigen Hemdes zu entledigen, es ist an der Zeit, saubere Wäsche anzuziehen.