spezielle Webseite

Zum 125. Jahrestag der Gründung der II. Internationale

14. Juli 1889 - 14. Juli 2014

NEU:

Bilder von der Zweiten Internationale

 

 

 

Anmerkung der Komintern (SH)

zur Gestaltung dieser Webseite.

Wenn wir bisher zwei Klassiker nebeneinander abgebildet haben, wollten wir damit stets die welthistorische Bedeutung ihres gemeinsamen Werkes hervorheben:

Marx und Engels

Lenin und Stalin

Stalin und Enver Hoxha

Engels und Lenin

 

Engels und Lenin finden auf dieser Webseite zum ersten Mal in der Geschichte der kommunistischen Weltbewegung ihren gemeinsamen Ehrenplatz, denn sie beide waren es schließlich, die dafür gesorgt hatten, dass der marxistische Charakter der II. Internationale bis zum Kriegsanfang 1914 vorherrschte. Diese historische Tatsache wird ungerechtfertigter Weise all zu häufig übersehen, wenn nur von der marxistischen I. und III. Internationale gesprochen wird. Die II. Internationale war bis zum Jahre 1914 noch eine Internationale, die vom Marxismus geprägt war, obwohl ihr jahrelanger Zerfallsprozess schon nicht mehr durch den Verrat der Opportunisten und Revisionisten zu verhindern war. 1912 wurde in der Baseler Resolution immerhin noch die Entstehung der Revolution hervorgehoben, die durch einen imperialistischen Kriegsausbruch unvermeidlich verursacht werde. Das entsprach vollkommen der Lehre des Marxismus.

 Wenn wir die Zweite Internationale verteidigen, dann verteidigen wir dabei in erster Linie das große Werk von Engels und Lenin, insbesondere ihren Kampf gegen die opportunistischen Verräter der Zweiten Internationale.

Engels and Lenin erscheinen hier also auf der Webseite zusammen, und obwohl sie nicht persönlich miteinander in der Zweiten Internationale kämpfen konnten und Lenin erst Jahre nach dem Tod von Engels ein Führer in der Zweiten Internationale wurde, so ist es der Marxismus den sie in die Zweite Internationale hineingetragen haben

Erstens:

Die Periode der II. Internationale ist von ideologisch wichtiger Bedeutung als Übergangsperiode vom Marxismus zum Leninismus. Engels trug zu Lebzeiten den Marxismus in die Zweite Internationale hinein und Lenin trug den Marxismus-Leninismus in die Dritte Internationale hinein. Die opportunistische Entwicklung in der II. Internationale war entscheidend für die Entwicklung des Marxismus zum Leninismus.

Zweitens:

Die Periode der II. Internationale war von organisatorischer Bedeutung - als Übergangsperiode von der Internationalen Arbeiter-Assoziation (I. Internationale) zur Kommunistischen Internationale.

Drittens:

Die Periode der II. Internationale ist von großer Bedeutung für die Ausbreitung und Internationalisierung der revolutionären proletarischen Bewegung - ist die Übergangsperiode von der Pariser Kommune zur Oktoberrevolution, - die Übergangsperiode von der sozialistischen Arbeiterweltbewegung zur kommunistischen Weltbewegung. In Abgrenzung vom Opportunismus der II. Internationale ist einst unsere Kommunistische Weltbewegung entstanden.

 

Lenin:

 

"Die I. Internationale legte den Grundstein zum internationalen proletarischen Kampf für den Sozialismus.

Die II. Internationale war die Epoche, in der in einer Reihe von Ländern der Boden für eine weite Ausbreitung der Bewegung unter den Massen bereitet wurde. Die II. Internationale (1889-1914) war eine internationale Organisation der proletarischen Bewegung, die in die Breite wuchs was nicht ohne zeitweiligs Sinken des revolutionären Niveaus, nicht ohne zeitweiliges Erstarken des Opportunismus abging, der schließlich zum schmählichen Zusammenbruch dieser Internationale führte.

Die III. Internationale übernahm die Früchte der Arbeit der II. Internationale, beseitigte deren opportunistischen, sozial-chauvinistischen, bürgerlichen und kleinbürgerlichen Unrat und begann , die Diktatur des Proletariats zu verwirklichen." ( Lenin: "Die Dritte Internationale und ihr Platz in der Geschichte" , 15. April 1919)

Unsere stalinistisch-hoxhaistische Weltpartei schöpft also unbedingt nicht nur aus den Lehren und Erfahrungen der I. und III. Internationale, sondern auch aus den revolutionären Erfahrungen der II. Internationale. Wenn wir die II. Internationale verteidigen, dann verteidigen wir in erster Linie das Werk von Engels und Lenin, insbesondere ihren Kampf gegen die Verräter an der II. Internationale.

Engels war es, der den revolutionären Geist der II. Internationale von Anfang an bis zu seinem Tode prägte. Und Lenin war es, der diesen revolutionären, marxistischen Geist in der II. Internationale verteidigte und hoch hielt.

Diese beiden Klassiker haben zwar nicht persönlich zusammen gearbeitet, aber ihr Werk, dass sie in der II. Internationale vollbrachten, ist für uns als ein gemeinsames, unsterbliches Werk zu kategorisieren.

 

 

 

Stalin:

"Der Unterschied zwischen Lenin und Engels ist der Unterschied zweier sie voneinander trennender geschichtlichen Perioden."

(Band 7, Seite 202)

 

"Was die politischen Losungen und die politischen Beschlüsse der Parteien der II. Internationale betrifft, so genügt es, sich der Geschichte der Losung "Krieg dem Kriege" zu erinnern, um die ganze Falschheit und die ganze Fäulnis der politischen Praxis dieser Parteien zu erkennen, die ihre antirevolutionäre Tätigkeit mit pompösen revolutionären Losungen und Resolutionen bemänteln. Allen erinnerlich ist die pompöse Demonstration der II. Internationale auf dem Baseler Kongress, wo den Imperialisten mit allen Schrecken des Aufstands gedroht wurde, falls die Imperialisten es wagen sollten, den Krieg zu beginnen, und wo die dräuende Losung "Krieg dem Kriege" ausgegeben wurde. Aber wer erinnert sich nicht, dass nach einiger Zeit, unmittelbar vor Beginn des Krieges, die Baseler Resolution zu den Akten gelegt wurde und den Arbeitern eine neue Losung gegeben wurde - einander hinzumorden zum Ruhme des kapitalistischen Vaterlands? Ist es da nicht klar, dass revolutionäre Losungen und Resolutionen keinen Pfifferling wert sind, wenn sie nicht durch die Tat bekräftigt werden? Es genügt, die Leninsche Politik der Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg und die verräterische Politik der II. Internationale während des Krieges einander gegenüberzustellen, um die ganze Plattheit der opportunistischen Politikaster, die ganze Größe der Methode des Leninismus zu erkennen."

Stalin, "Grundlagen des Leninismus", II - Die Methode; Band 6

 

 

 

Engels

und die II. Internationale

Friedrich Engels spielte bei der Vorbereitung aller Kongresse von 1889 bis 1893 eine entscheidende Rolle.
1889
ENGELS war an der Gestaltung und Umsetzung des Programms der Zweiten Internationale beteiligt. 
 
1893
Engels nimmt als Ehrenvorsitztender am Züricher Kongress der "Zweiten Internationale" teil. 

Engels war nicht nur der beste Ratgeber der II. Internationale,

sondern auch der unumstrittene geistige Führer der internationalen Arbeiterbewegung.

Engels' Führungstätigkeit in der internationalen Arbeiterbewegung verstärkte sich bedeutend mit der Gründung der II. Internationale. Sein Kampf für den Zusammenschluss der neuen internationalen Vereinigung der sozialistischen und Arbeiterparteien auf der Grundlage des Marxismus und für die Verbreitung des wissenschaftlichen Kommunismus unter den Proletariern aller Länder spiegelt sich in vielen seiner Arbeitern wider.

 

Ende der 80er Jahre drängten die proletarischen Parteien und Organisationen verstärkt nach einem internationalen Zusammenschlusws, um ihre Kräfte für den Sturz des Kapitalismus zu vereinen. Die Bedingungen für die Schaffung einer neuen internationalen Organisation des Proletariats waren herangereift. Darüber schrieb Engels am 4. Januar 1888 an den rumänischen Sozialdemokraten Nadejde: "Diese Fortschritte sind so groß, dass, zumindest für die europäische Partei, eine gemeinsame internationale Politik möglich und notwendig geworden ist."

 

 

In der Anfangszeit der II. Internationale führte Friedrich Engels einen unermüdlichen Kampf für die Verteidigung des Marxismus gegen den Opportunismus, verbreitete er weiter den wissenschaftlichen Kommunismus in der internationalen Arbeiterbewegung und stärkte die sozialistischen Parteien, die sich seit 1889 in der II. Internationale zusammengeschlossen hatten. Er gab der II. Internationale wichtige Hinweise für die Ausarbeitung ihrer Strategie und Taktik. Im Geiste der internationalen Solidarität vermittelte er auch ganz konkret materielle Unterstützung der Parteien und der Arbeiter der verschiedenen Länder in den Streik - und Wahlkämpfen gegen die Bourgeoisie.

 

 

Pariser Gründungskongress der II. Internationale

Engels erkannte die Gefahr, dass das Verlangen der Arbeiter nach internationalem Zusammenschluss von den Opportunisten ausgenutzt werden könnte, sich an die Spitze der internationalen Arbeiterbewegung zu stellen. Diese Erkenntnis veranlasste ihn, seine wissenschaftlichen Arbeiten, selbst die Arbeit am dritten Band des "Kapitals", zu unterbrechen und sich aktiv in die Vorbereitung des Pariser Kongresses von 1889 einzuschalten.

"Engels (er war damals 68 Jahre alt) stürzt sich wie ein Jüngling in den Kampf", schrieb später W. I. Lenin über diese Zeit (Band 12, Seite 367).

Engels betrachtete es als wichtigste Aufgabe, die internationale Einheit des Proletariats auf der Grundlage des wissenschaftlichen Kommunismus zu sichern, und unternahm alles, um den Sieg der marxistischen Kräfte zu garantieren und die Machenschaften der Opportunisten - der Possibilisten in Frankreich und der Führer der Social Democratic Federation in England - zu durchkreuzen.

Die Briefe an Paul Lafargue vom 21., 23. und 25. März 1889 und an Wilhelm Liebknecht vom 4., 5. und 17. April 1889 zeigen, mit welcher Tatkraft Engels die Vorbereitung des Pariser Kongresses 1889 leitete.

Engels leistete selbst eine umfangreiche organisatorische Arbeit und unterstützte die französischen Marxisten bei der Vorbereitung des Kongresses mit zahlreichen konkreten Ratschlägen und Hinweisen. Er mahnte und drängte Paul Larfargue, den Aufruf zur Einberufung des Kongresses zu erlassen und dafür zu sorgen, dass die ausländischen Genossen ihn unterschreiben. Er redigierte ihn, veranlasste seine Übersetzung ins Englische und übersetzte ihn ins Deutsche. Zusammen mit Eleanor Marx trug er zur Veröffentlichung und Verbreitung des Aufrufs bei. Engels' Bemühungen waren von Erfolf gekrönt. Am 17. Juli 1889 konnte er an Friedrich Adolph Sorge schreiben: "Unser Kongress sitzt und ist ein brillanter Erfolg."

Der Pariser Internationale Sozialistische Arbeiterkongress von 1889 wurde zum Gründungskongress der II. Internationale. Er stellte sich in allen wesentlichen Punkten von Anfang an auf den Boden des Marxismus. Der Kongress orientierte die internationale Arbeiterbewegung auf den Kampf gegen Militarismus und Krieg, die Bildung und Stärkung politischer Arbeiterparteien und gewerkschaftlicher Massenorganisationen in allen Ländern. Er forderte den Kampf um demokratische Rechte, die Ausnutzung aller legalen Möglichkeiten des Kampfes und wies auf das Ziel der Arbeiterbewegung hin: die Eroberung der politischen Macht.

Den Beschluss, am 1. Mai 1890 für den Achtstundentag und die internationale Solidarität zu demonstrieren, bezeichnete Engels als das "Beste, was unser Kongress vollbracht hat". Mit diesem Beschluss wurde der große Weltfeiertag und Kampftag der Arbeiterklasse geboren. Der auf dem Pariser Gründungstag der II. Internationale angenommene Beschluss über die Maifeier war, wie Engels wiederholt betont, von großer Bedeutung für die Mobilisierung der Massen und die Festigung der internationalen proletarischen Solidarität. Im Vorwort zur vierten deutschen Ausgabe des "Manifests der Kommunistischen Partei" (1890) stellte Engels mit Stolz fest, dass der von Marx und ihm 1848 in die Welt hinausgesandte Kampfruf "Proletarier aller Länder - vereinigt euch !" bei den Arbeitern großen Widerhall gefunden hatte. Das wurde bei den großen Demonstrationen zum 1. Mai im Jahre 1890 sichtbar. In seinen anlässlich des 1. Mai geschriebenen Grußadressen ("Den österreichischen Arbeitern zum 1. Mai 1893", "Den deutschen Arbeitern zum 1. Mai 1893", "Trotz alledem [ Grußadresse an die französischen Arbeiter zum 1. Mai 1893]" und andere) forderte Engels das internationale Proletariat auf, die Heerschau der proletarischen Kräfte am 1. Mai jedes Jahr zu einer Tradition zu machen. Diese Heerschau zeige den engen Zusammenhang zwischen den internationalen und den nationalen Aufgaben des Proletariats.

 

 

Sein umfangreicher Briefwechsel mit den Führern der internationalen Arbeiterbewegung diente dazu, die revolutionären Erfahrungen der Arbeiterbewegung der verschiedenen Länder zu verallgemeinern und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen zu vermitteln. Die Briefwechsel von Engels zeigen uns, wie sehr sich Engels um die ideologische und organisatorische Festigung der Parteien bemühte, wie er unversöhnlich gegen alle Spielarten des Opportunismus auftrat und auch bei der Überwindung dogmatischer und sektiererischer Fehler half.

Konsequent und prinzipienfest verteidigte Engels die Lehre von der revolutionären Partei der Arbeiterklasse und die Notwendigkeit einer selbständigen proletarischen Klassenpolitik. Die ideologische Einheit aller Parteien und ihre Disziplin müssen, so forderte Engels, auf der hohen Bewusstheit und internationalistischen Aktivität ihrer Mitglieder beruhen, auf die Teilnahme jedes Parteimitgliedes an der Ausarbeitung einer internationalistischen Politik und Taktik der Parteien.

Wiederholt wies Engels alle sozialistischen Parteien darauf hin, dass es notwendig sei, die marxistische Theorie schöpferisch anzuwenden. Theoretische Plattformen sind "nutzlos, wenn sie nicht an die wirklichen Bedürfnisse der Leute anzuknüpfen verstehen." Der internationale Marxismus ist eine "lebendige Theorie der Aktion, der Arbeit mit der Arbeiterklasse in jedem möglichen Stadium ihrer Entwicklung." Er ist nicht "eine Sammlung von Dogmen, die auswendig zu lernen und aufzusagen sind wie eine Beschwörungsformel oder ein katholisches Gebet." Die richtige Anwendung der marxistischen Theorie erfordere, wie Engels wiederholt betonte, die Taktik der internationalen proletarischen Parteien auf Grund der konkreten historischen Situation in den einzelnen Ländern auszuarbeiten und dabei die Erfahrungen des revolutionären Kampfes der Massen wissenschaftlich zu verallgemeinern.

Am 4. September 1892 schrieb er an Karl Kautsky: " In unserer Taktik steht eins fest für alle modernen Länder und Zeiten: Die Arbeiter zur Bildung einer eigenen, unabhängigen und allen bürgerlichen Parteien entgegengesetzten Partei zu bringen."

 

Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Briefe Engels' leidenschaftlicher Kampf für die internationale Einheit und Geschlossenheit der Arbeiterklasse. Engels ging davon aus, dass es notwendig und möglich ist, in den Grundfragen des Klassenkampfes größtmögliche Übereinstimmung in der internationalen Arbeiterbewegung zu erzielen. Unermüdlich wirkte er deshalb für die Zusammenarbeit der sozialistischen Parteien und für ihre Erziehung im Geiste des proletarischen Internationalismus. Stets wies er darauf hin, dass die internationalen und nationalen Aufgaben der Arbeiterbewegung nicht voneinander zu trennen sind.

Engels war unablässig um die Festigung und Sicherung der internationalen Arbeitereinheit auf marxistischer Grundlage innerhalb der II. Internationale bemüht. Aktiv nahm er an der Vorbereitung der internationalen sozialistischen Kongresse teil. Seine Briefe an Paul Lafargue vom 28. Juni 1891, an Laura Lafargue vom 12. und 20. Juli und 17. August 1891, an Friedrich Adolph Sorge vom 9. - 11. August 1891 und andere zeugen davon, wie aufmerksam Engels die Vorarbeiten zum Internationalen Sozialistischen Arbeiterkongress in Brüssel (16. - 22. August 1891) verfolgte.

 

Internationaler Sozialistischer Arbeiterkongress in Brüssel (16. - 22. August 1891)

 

An der Vorbereitung des nächsten Kongresses der II. Internationale in Brüssel 1891 war Engels ebenfalls entscheidend beteiligt. Einige Briefe widerspiegeln seine Unterstützung der marxistischen Parteien bei der Ausarbeitung der richtigen Taktik zur Einberufung des Kongresses, die die Opportunisten isolierte und den Sieg der Anhänger des Marxismus sicherte ( siehe die Briefe an Paul Larfargue vom 15. und 19. September 1890, an Friedrich Adolph Sorge vom 27. September 1890, an Leo Frankel vom 25. September 1890 u.a.).

 

In seiner Arbeit "Über den Brüsseler Kongress und die Lage in Europa" wird Engels' herausragende Rolle als Führer des internationalen Proletariats besonders deutlich.

Er trat allen Versuchen der Opportunisten, vor allem der Possibilisten, die internationale Einheit der Arbeiterbewegung zu untergraben, entgegen. Den marxistischen Führern gab er konkrete Hinweise, um Fehler zu berichtigen, die bei der Vorbereitung begangen worden waren. Die Bemühungen von Engels und anderen führenden marxistischen Kräften der internationalen Arbeiterbewegung hatten schließlich zur Folge, dass sich der Brüsseler Kongress von Anbeginn auf den Boden des Marxismus stellte. Der Brüsseler Kongress, der die Arbeiter aller Länder zum Kampf gegen die Kriegsgelüste und Kriegsbündnisse der herrschenden Klassen aufrief, eine internationale Arbeiterschutzgesetzgebung forderte und andere wichtige Beschlüsse fasste, hatte für die weitere Entwicklung der internationalen Arbeiterbewegung große Bedeutung. Engels begrüßte die Ergebnisse des Kongresses. Am 2. September 1891 teilte er seinem Freund Friedrich Adolph Sorge mit: "Die Marxisten haben nach Prinzip wie nach Taktik auf der ganzen Linie gesiegt ..."

 

 

Internationaler Sozialistischen Arbeiterkongress in Zürich(16. - 12. August 1893)

 

Auch bei der Vorbereitung des Züricher Internationalen Sozialistischen Arbeiterkongresses (16. - 12. August 1893) ergriff Engels sofort die Initiative, als es darauf ankam, den erneuten Versuchen der Opportunisten, die internationale Arbeitereinheit zu spalten, entgegenzutreten. Als er erfuhr, dass der Kongress der Trade-Unions in Glasgow beschlossen hatte, die Einladung zu dem sozialistischen Kongress in Zürich abzulehnen und einen eigenen, separaten Arbeiterkongress zur Frage des Achtstundentages einzuberufen, entwickelte Engels einen Plan, der es ermöglichte, die Verwirklichung dieses Beschlusses zu durchkreuzen. Er empfahl, Protestresolutionen zu erlassen; diese sollten nicht nur von den sozialistischen Parteien, sondern auch von den Gewerkschaften ausgehen. Es sei dies, schrieb er am 11. September 1892 an August Bebel, "eine prachtvolle Gelegenheit ..., den Engländern den Standpunkt klar zu machen und ihnen zu zeigen, dass das klassenbewusste Proletariat nicht daran denkt, sich unter die Leitung von Leuten zu begeben, denen das Lohnsystem für eine ewige und unerschütterliche Welteinrichtung gilt."

Engels' Anstrengungen und die Bemühungen der revolutionären Kräfte der internationalen Arbeiterbewegung waren von Erfolg gekrönt. Die Arbeiter Deutschlands, Frankreichs, Spaniens und anderer Länder des Kontinents lehnten die Einladung der reformistischen Führer der Trade-Unions ab. Der von diesen geplante Kongress fand nicht statt.

 

Ein Höhepunkt des Züricher Kongresses war Engels' Auftreten am letzten Verhandlungstag. Er hielt eine leidenschaftliche Rede, in der er auf die Notwendigkeit hinwies, gemeinsam zu einem einheitlichen Standpunkt zu gelangen, um die Einheit und die Schlagkraft des internationalen Proletariats zu stärken. In seiner "Schlussrede auf dem Internationalen Sozialistischen Arbeiterkongress in Zürich" sagte Engels:

"Wir müssen die Diskussion zulassen, um nicht zur Sekte zu werden, aber der gemeinsame Standpunkt muss gewahrt bleiben."

Seine Eindrücke vom Züricher Kongress spiegeln sich in Briefen an Laura Lafargue vom 21. August 1893, an Friedrich Adolph Sorge vom 7. Oktober 1893 und in anderen Briefen wider.

 

 

 

Große Aufmerksamkeit widmete Engels der Entwicklung und Festigung der internationalen Beziehungen zwischen den Sozialisten der verschiedenen Länder. Den Austausch von Informationen zwischen den einzelnen sozialistischen Parteien über ihre Tätigkeit, ihre gegenseitige Unterstützung in der Presse und Ähnliches hielt er für wichtige Mittel zur Förderung des Zusammenschlusses der internationalen Arbeiterbewegung. Engels forderte dazu auf, so objektiv und ausführlich wie möglich zu informieren. Er kritisierte mehrmals den "Vorwärts", das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, wegen seiner teilweise ungenauen und oberflächlichen Berichterstattung über die Arbeiterbewegung in England und Frankreich. An Paul Larfargue, August Bebel und andere Führer der Arbeiterbewegung schrieb er ausführlich über die Notwendigkeit einer sorgfältigen Auswahl der Auslandskorrespondenten für die sozialistischen Zeitungen.

Aber auch die persönlichen Kontakte zwischen den Führern der sozialistischen Parteien trugen wesentlich zur Festigung der internationalen Zusammenarbeit bei. Engels selbst war Initiator einer Reihe internationaler Zusammenkünfte von Sozialisten. Wiederholt wies Engels darauf hin, wie wichtig es sei, dass Vertreter der Bruderparteien an Parteitagen und Kundgebungen in anderen Ländern teilnehmen.

 

In seinem Brief an Laura Lafargue vom 20. Juni 1893 betonte Engels ausdrücklich, dass Beziehungen zwischen den sozialistischen Parteien nur auf dem Prinzip der vollen Gleichberechtigung beruhen können. Eine "internationale Vereinigung kann nur zwischen Nationen bestehen, deren Existenz, Autonomie und Unabhängigkeit in inneren Angelegenheiten daher schon in dem Begriff Internationalität eingeschlossen sind."

Ganz entschieden aber wandte er sich gegen die unbegründeten Hegemonieansprüche in der internationalen Arbeiterbewegung, die von einzelnen Parteien bisweilen erhoben wurden. Nicht die subjektiven Wünsche ihrer Führer bestimmen die Stellung dieser oder jener Partei in der internationalen Arbeiterbewegung, erklärte Engels, sondern entscheidend ist die objektive Rolle, welche die Partei im Befreiungskampf der Arbeiterklasse spielt. Engels stellte nicht in Abrede, dass in der einen oder anderen Etappe des Kampfes einzelne Parteien die revolutionäre Avantgarde der internationalen Bewegung bilden können, wies jedoch darauf hin, dass der Sturz des Kapitalismus im internationalen Maßstab auf keinen Fall die Sache nur einer Partei sein kann.

"... weder Franzosen noch Deutsche, noch Engländer", konkretesierte er diesen Gedanken in seinem Brief an Paul Larfargue am 27. Juni 1893, "werden den Ruhm genießen, den Kapitalismus allein gestürzt zu haben; ... Die Befreiung des Proletariats kann nur eine internationale Aktion sein ..."

 

Engels war sich bewusst, dass die Arbeiterbewegung ein solches Niveau erreicht hatte, dass gemeinsame Schritte der verschiedenen nationalen Formationen der Arbeiterklasse möglich machte. Er betonte jedoch, dass diese Schritte vorher von allen Teilnehmern beraten werden müssten und nur in freiwilligem Zusammenwirken durchzuführen seien.

"Unbedingte Voraussetzung für jede internationale Aktion", schrieb er an Paul Larfargue, "muss sein, dass man sich im Voraus über den Inhalt und die Form verständigt. Es scheint mir unzulässig, dass eine Nationalität allein öffentlich die Initiative ergreift und dann die anderen auffordert, ihr zu folgen."

Wiederholt sprach Engels davon, dass es ein großer Fehler wäre, Probleme der Arbeiterbewegung eines beliebigen Landes getrennt von den gemeinschaftlichen Aufgaben des gesamten internationalen Proletariats zu lösen. Er empfahl den Sozialisten, stets daran zu denken, dass jeder ihrer Schritte auch für ihre Klassenbrüder in den anderen Ländern von Bedeutung ist und sie verpflichtet sind, dies zu berücksichtigen.

Engels hob hervor, dass die Tätigkeit der einen Parteien unvermeidlich auch die anderen Parteien beeinflussen, dass

"... die ein einem Land eroberten Erfolge auf alle anderen mächtig zurückwirken." Hiervon ausgehend, empfahl Engels den sozialistischen Parteien, ihre Taktik untereinander abzustimmen.

Er verurteilte jene Sozialisten, die nicht beachteten, dass sich die Arbeiterbewegung keineswegs immer nach ihren subjektiven Vorstellungen entwickelt, und stellte fest, dass zum Beispiel in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo der Kampf der Arbeiterklasse in Formen vor sich ging, die sich in vielem von denen des europäischen Kontinents unterschieden, einige Führer der Sozialistischen Arbeiter-Partei von Nord-Amerika die unterschiedlichen Entwicklungsbedingungen nicht begriffen und sich deswegen von den Massen des kämpfenden Proletariats lösten.

Engels maß der weiteren Festigung der internationalen proletarischen Beziehungen, den internationalen Kongressen und Konferenzen, vor allem aber den direkten Kontakten und Begegnungen der Vertreter der Parteien große Bedeutung bei. Als besonders wichtig erachtete er die Herstellung ständiger Verbindungen zwischen den beiden größten Abteilungen der Arbeiterklasse auf dem Kontinent - den französischen Sozialisten und den deutschen Sozialdemokraten. Diese Verbindung betrachtete er als starke Barriere gegen die chauvinistischen Bestrebungen der reaktionären Kräfte in den beiden Ländern, aber auch als Bollwerk gegen den gleichzeitig zunehmenden Opportunismus. In den sozialistischen Parteien, in erster Linie in der deutschen Sozialdemokratie, der einflussreichsten Partei der II. Internationale, nahm die offen opportunistische, reformistische Strömung gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Form des Revisionismus an, der die revolutionären Grundlagen der marxistischen Lehre offen revidierte. Engels und die anderen revolutionären Marxisten stellten sich daher die wichtigste Aufgabe, nämlich verstärkte Propaganda des Marxismus, seine Verteidigung gegen Entstellungen und Vulgarisierung, Kampf gegen Versuche der herrschenden Klassen in Europa, mit Hilfe der Opportunisten die internationale Arbeiterbewegung von innen her zu zersetzen und zu spalten. Trotz seines hohen Alters leistete Engels für die internationale Arbeiterbewegung einen enormen theoretischen und politischen Beitrag. In den Händen der sozialistischen Parteien war vor allem die Herausgabe des dritten Bandes des Kapitals" - Ende 1894 - eine mächtige ideologische Waffe.

 

 

Unermüdlich rief Engels die Parteien der II. Internationale dazu auf, die revolutionären Traditionen der I. Internationale zu verteidigen und fortzusetzen. Er forderte von den Sozialisten, die revolutionären Erfahrungen der I. Internationale zu studieren und anzuwenden, wobei er hoffte, dass die II. Internationale diese Erfahrungen bereichern würde.

 

Die II. Internationale rechtfertigte jedoch die Hoffnungen nicht, die Engels in sie gesetzt hatte. War sie in den ersten Jahren ihres Bestehens, als Engels ihr mit Ratschlägen und Kritik zur Seite stand, eine marxistische Kampforganisation, so gewannen nach Engels' Tod und mit der Entwicklung des Kapitalismus zum Imperialismus die Reformisten und Revisionisten sowie die versteckten Opportunisten, die Zentristen, immer größeren Einfluss.

Das führte 1914 schließlich zu ihrem schmählichen Zusammenbruch. Nichtsdestoweniger trug Engels' Aktivität bei der Verbreitung des Marxismus und des proletarischen Internationalismus in der Arbeiterbewegung in den ersten Jahren der II. Internationale ihre Früchte.

Sie war ein Beitrag zur Erziehung der wahrhaft revolutionären Elemente in den Parteien der II. Internationale, die das Banner des Marxismus und des proletarischen Internationalismus hochhielten - allen voran W. I. Lenin und der revolutionäre Flügel der russischen Sozialdemokratie.

 

 

 

 

 

 

 

Resolution

Internationaler Sozialistenkongress

in Paris 1900

 

 

 

 

 

 

KARL LIEBKNECHT

Eine Entgegnung an Collmar

Zuschrft an eine Kommission des Internationalen Sozialistenkongresses in Stuttgart

20. August 1907

 

 

 

Rosa Luxemburg

7. Internationaler Sozialistenkongress

vom 18. bis 24. August 1907 in Stuttgart

 

 

Lenin

über die

II. Internationale:

An das Internationale Sozialistische Büro

21. Juni 1905

 

 

 

 

 

 

Die russischen Arbeiter und die Internationale


8. Dezember 1913

 

 

 

 

 

 

 

Die Lage und Aufgaben der Sozialistischen Internationale


1. November 1914

 

 

 

 

 

 

 

Resolutionsentwurf der linken Sozialdemokraten für die Erste Internationale Sozialistische Konferenz


13. Juli 1915

 

 

 

 

 

 

Sozialismus und Krieg

(1915)

 

 

 

 

 

 

 

Über den Sozialchauvinismus

Beilage zum “Sozial-Demokrat”, Nr. 42, vom 1. Juni 1915

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Opportunismus

und der Zusammenbruch

der II. Internationale

Januar 1916

 

 

 

 

 

Vorschläge

des Zentralkomitees der SDAPR

an die zweite sozialistische Konferenz

Februar-März 1916

 

 

 

 

 

Antwort an P. Kijewski (J. Pjatakow)

Geschrieben im August - September 1916.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Militärprogramm

der proletarischen Revolution


September 1916

 

 

 

 

 

Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus

Oktober 1916

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Aufgaben unserer Partei in der

Internationale (über die III. Zimmerwalder Konferenz)


Oktober 1917

 

 

 

 

 

 

DIE PROLETARISCHE REVOLUTION

UND DER RENEGAT KAUTSKY

Oktober - November 1918

( nur Auszüge)

 

 

 

"Krieg führen zum Sturz der internationalen Bourgeoisie", sagt Lenin, "einen Krieg, der hundertmal schwieriger, langwieriger, komplizierter ist als der hartnäckigste der gewöhnlichen Kriege zwischen Staaten, und dabei im voraus auf Lavieren, auf die Ausnutzung der (wenn auch zeitweiligen) Interessengegensätze zwischen den Feinden, auf Verständigungen und Kompromisse mit möglichen (wenn auch zeitweiligen, unbeständigen, schwankenden, bedingten) Verbündeten verzichten - ist das nicht eine über alle Maßen lächerliche Sache? Ist das nicht dasselbe, als wollte man bei einem schwierigen Aufstieg auf einen noch unerforschten und bis dahin unzugänglichen Berg von vornherein darauf verzichten, manchmal im Zickzack zu gehen, manchmal umzukehren, die einmal gewählte Richtung aufzugeben und verschiedene Richtungen zu versuchen?" (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 31, S. 51 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S. 715].)

 


 

 

 

Stalin

über die

II. Internationale:

 

 

Man betont gewöhnlich den überaus kämpferischen und überaus revolutionären Charakter des Leninismus. Das ist völlig richtig. Aber diese Besonderheit des Leninismus erklärt sich aus zwei Gründen:

erstens daraus, dass der Leninismus aus dem Schoße der proletarischen Revolution hervorging, deren Stempel er notwendigerweise tragen muss;

zweitens daraus, dass er heranwuchs und erstarkte im Ringen mit dem Opportunismus der II. Internationale, dessen Bekämpfung die notwendige Vorbedingung für den erfolgreichen Kampf gegen den Kapitalismus war und ist.

Man darf nicht vergessen, dass zwischen Marx und Engels einerseits und Lenin andererseits ein ganzer Zeitabschnitt der ungeteilten Herrschaft des Opportunismus der II. Internationale liegt, dessen rücksichtslose Bekämpfung eine der wichtigsten Aufgaben des Leninismus sein musste“ (Stalin, Band 8, Seite 64).

J. W. STALIN

GESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)
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KURZER LEHRGANG

 

KAPITEL VI
Die Partei der Bolschewiki in der Periode des imperialistischen Krieges. Die zweite Revolution in Russland
(1914 bis März 1917)

 

2
Der Übergang der Parteien der II. Internationale auf die Seite ihrer imperialistischen Regierungen
Der Zerfall der II .Internationale in einzelne sozialchauvinistische Parteien

 

Lenin hatte wiederholt vor dem Opportunismus der II. Internationale und vor der Wankelmütigkeit ihrer Führer gewarnt. Immerfort betonte er, dass die Führer der II. Internationale nur in Worten gegen den Krieg seien, dass sie im Falle eines Kriegsausbruchs ihren Standpunkt ändern und auf die Seite der imperialistischen Bourgeoisie überlaufen könnten, dass sie Anhänger des Krieges werden könnten. Gleich die ersten Kriegstage bestätigten Lenins Voraussicht.

Im Jahre 1910 war auf dem Kopenhagener Kongress der II. Internationale der Beschluss angenommen worden, dass die Sozialisten in den Parlamenten gegen Kriegskredite stimmen müssen. Während des Balkankriegs im Jahre 1912 hatte der Baseler Kongress der II. Internationale erklärt, dass die Arbeiter aller Länder es für ein Verbrechen halten, um der Vergrößerung der Profite der Kapitalisten willen aufeinander zu schießen. So war es in Worten, in Resolutionen.

Als aber der Gewittersturm des imperialistischen Krieges losbrach, als es galt, diese Beschlüsse in die Tat umzusetzen, erwiesen sich die Führer der II. Internationale als Fahnenflüchtige und Verräter an der Sache des Proletariats, erwiesen sie sich als Lakaien der Bourgeoisie, wurden sie Anhänger des Krieges.

Am 4. August 1914 stimmte die deutsche Sozialdemokratie im Parlament für die Kriegskredite, für die Unterstützung des imperialistischen Krieges. Dasselbe tat die übergroße Mehrheit der Sozialisten Frankreichs, Englands, Belgiens und anderer Länder.

Die II. Internationale hörte auf zu existieren. Sie zerfiel in der Tat in einzelne sozialchauvinistische Parteien, die gegeneinander Krieg führten.

Die Führer der sozialistischen Parteien gingen, das Proletariat verratend, auf die Position des Sozialchauvinismus und der Verteidigung der imperialistischen Bourgeoisie über. Sie halfen den imperialistischen Regierungen, die Arbeiterklasse an der Nase herumzuführen und sie mit dem Gift des Nationalismus zu verseuchen. Diese Sozialverräter begannen unter der Flagge der Vaterlandsverteidigung die deutschen Arbeiter auf die französischen, und die englischen und französischen Arbeiter auf die deutschen zu hetzen. Nur eine unbedeutende Minderheit in der II. Internationale verblieb auf der Position des Internationalismus und wandte sich gegen den Strom, zwar nicht ganz sicher und nicht ganz entschieden, aber sie wandte sich immerhin gegen den Strom.

Nur die Partei der Bolschewiki erhob sofort und ohne Schwanken das Banner des entschlossenen Kampfes gegen den imperialistischen Krieg. In seinen im Herbst 1914 verfassten Thesen über den Krieg wies Lenin darauf hin, dass der Zusammenbruch der II. Internationale kein Zufall war. Die II. Internationale wurde zugrunde gerichtet von den Opportunisten, gegen die die besten Vertreter des revolutionären Proletariats schon lange ihre warnende Stimme erhoben hatten.

Die Parteien der II. Internationale waren schon vor dem Kriege vom Opportunismus angesteckt. Die Opportunisten predigten offen den Verzicht auf den revolutionären Kampf, predigten die Theorie des „friedlichen Hineinwachsens des Kapitalismus in den Sozialismus“. Die II. Internationale wollte nicht gegen den Opportunismus kämpfen, sie wollte mit ihm Frieden halten und gab ihm die Möglichkeit, sich zu festigen. Indem sie gegenüber dem Opportunismus eine versöhnlerische Politik betrieb, wurde die II. Internationale selbst opportunistisch.

Die imperialistische Bourgeoisie bestach systematisch mittels ihrer aus den Kolonien, aus der Ausbeutung rückständiger Länder gezogenen Profite, durch höhere Arbeitslöhne und andere Brosamen die Oberschicht der qualifizierten Arbeiter, die so genannte Arbeiteraristokratie. Aus dieser Arbeiterschicht waren nicht wenige Führer der Gewerkschaften und Genossenschaften, Gemeindevertreter und Parlamentsabgeordnete, Journalisten und sozialdemokratische Parteibeamte hervorgegangen. Angesichts des Krieges wurden diese Leute, die ihre Stellung zu verlieren fürchteten, zu Gegnern der Revolution, zu eifrigsten Verteidigern ihrer Bourgeoisie, ihrer imperialistischen Regierungen.

Die Opportunisten wurden zu Sozialchauvinisten.

Die Sozialchauvinisten, darunter die russischen Menschewiki und Sozialrevolutionäre, predigten im eigenen Lande den Klassenfrieden der Arbeiter mit der Bourgeoisie und nach außen den Krieg gegen andere Völker. Sie täuschten die Massen über die wahren Kriegsschuldigen durch die Erklärung, dass die Bourgeoisie ihres Landes am Kriege nicht schuld sei. Viele Sozialchauvinisten wurden Minister in den imperialistischen Regierungen ihres Landes.

Nicht weniger gefährlich für die Sache des Proletariats waren die versteckten Sozialchauvinisten, die so genannten Zentristen. Die Zentristen - Kautsky, Trotzki, Martow und andere - rechtfertigten und verteidigten die offenen Sozialchauvinisten und verrieten somit im Verein mit den Sozialchauvinisten das Proletariat, wobei sie ihren Verrat mit „linken“, auf Betrug an der Arbeiterklasse berechneten Phrasen vom Kampf gegen den Krieg verschleierten. In der Tat unterstützten die Zentristen den Krieg, denn der Vorschlag der Zentristen, nicht gegen die Kriegskredite zu stimmen und sich bei der Abstimmung über die Kriegskredite auf Stimmenthaltung zu beschränken, bedeutete die Unterstützung des Krieges. Sie forderten ebenso wie die Sozialchauvinisten den Verzicht auf den Klassenkampf während des Krieges, um ihre imperialistische Regierung nicht an der Kriegführung zu behindern. Der Zentrist Trotzki war in allen wichtigen Fragen des Krieges und des Sozialismus gegen Lenin, gegen die bolschewistische Partei.

Lenin begann schon in den ersten Kriegstagen die Kräfte zur Schaffung einer neuen, der III. Internationale zu sammeln. Bereits in seinem Manifest gegen den Krieg vom November 1914 machte es sich das Zentralkomitee der bolschewistischen Partei zur Aufgabe, an Stelle der schmählich zusammengebrochenen II. Internationale die III. Internationale zu schaffen.

Im Auftrag Lenins sprach im Februar 1915 Genosse Litwinow auf der Londoner Konferenz der Sozialisten der Ententeländer. Litwinow forderte den Austritt der Sozialisten (Vandervelde, Sembat, Guesde) aus den bürgerlichen Regierungen Belgiens und Frankreichs und den völligen Bruch mit den Imperialisten, den Verzicht auf Zusammenarbeit mit ihnen. Er verlangte von allen Sozialisten den entschiedenen Kampf gegen ihre imperialistischen Regierungen und die Verurteilung der Bewilligung der Kriegskredite. Aber Litwinows Stimme fand auf dieser Konferenz keinen Widerhall.

Anfang September 1915 versammelte sich in Zimmerwald die erste Konferenz der Internationalisten. Lenin bezeichnete diese Konferenz als „den ersten Schritt“ in der Entwicklung der internationalen Bewegung gegen den Krieg. Auf dieser Konferenz wurde von Lenin die Zimmerwalder Linke gebildet. In dieser Zimmerwalder Linken nahm jedoch nur die Partei der Bolschewiki mit Lenin an der Spitze den einzig richtigen, bis zu Ende konsequenten Standpunkt gegen den Krieg ein: Die Zimmerwalder Linke gab in deutscher Sprache die Zeitschrift „Der Vorbote“ heraus, worin Artikel Lenins veröffentlicht wurden.

Im Jahre 1916 gelang es, in dem Schweizer Dorf Kiental die zweite Konferenz der Internationalisten einzuberufen. Sie wird die zweite Zimmerwalder Konferenz genannt. Zu dieser Zeit hatten sich in fast allen Ländern Gruppen von Internationalisten herausgebildet, zeichnete sich die Abspaltung der internationalistischen Elemente von den Sozialchauvinisten schärfer ab. Die Hauptsache war aber, dass die Massen selber zu diesem Zeitpunkt unter dem Einfluss des Krieges und des durch ihn hervorgerufenen Unheils eine Linksentwicklung durchgemacht hatten. Das Kientaler Manifest wurde auf Grund einer Vereinbarung der verschiedenen Gruppen, die sich auf der Konferenz bekämpften, ausgearbeitet. Es war ein Schritt vorwärts im Vergleich mit dem Zimmerwalder Manifest.

Aber auch die Kientaler Konferenz nahm die leitenden Grundsätze der Politik der Bolschewiki nicht an: Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg; Niederlage der eigenen imperialistischen Regierungen im Kriege; Organisierung der III. Internationale. Nichtsdestoweniger trug die Kientaler Konferenz zur Auslese der internationalistischen Elemente bei, aus denen sich in der Folge die Kommunistische, die III. Internationale bildete.

Lenin kritisierte die Fehler der inkonsequenten Internationalisten, linker Sozialdemokraten wie Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts, aber gleichzeitig half er ihnen, den richtigen Standpunkt einzunehmen.

 

 

3
Theorie und Taktik der bolschewistischen Partei in den Fragen des Krieges, des Friedens und der Revolution

 

Die Bolschewiki waren keine einfachen Pazifisten (Friedensanhänger), die rührselig nach Frieden seufzen und sich auf Friedenspropaganda beschränken, wie das die meisten linken Sozialdemokraten taten. Die Bolschewiki waren für einen aktiven revolutionären Kampf um den Frieden bis zum Sturz der Macht der kriegslüsternen imperialistischen Bourgeoisie. Die Bolschewiki verbanden die Sache des Friedens mit der Sache des Sieges der proletarischen Revolution; sie hielten für das sicherste Mittel zur Beendigung des Krieges und zur Erreichung eines gerechten Friedens, eines Friedens ohne Annexionen und Kontributionen, den Sturz der Macht der imperialistischen Bourgeoisie.

Der menschewistischen und sozialrevolutionären Absage an die Revolution, der verräterischen Losung von der Einhaltung des „Burgfriedens“ während des Krieges stellten die Bolschewiki die Losung der „Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg“ entgegen. Diese Losung bedeutete, dass die Werktätigen, darunter die in den Soldatenrock gesteckten bewaffneten Arbeiter und Bauern, die Gewehre gegen ihre eigene Bourgeoisie kehren und deren Macht stürzen müssen, wenn sie den Krieg loswerden und einen gerechten Frieden erreichen wollen.

Der menschewistischen und sozialrevolutionären Politik der Verteidigung des bürgerlichen Vaterlandes stellten die Bolschewiki die Politik der „Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischen Kriege“ entgegen. Dies bedeutete, dass es notwendig ist, gegen die Kriegskredite zu stimmen, illegale revolutionäre Organisationen in der Armee zu schaffen, die Verbrüderung der Soldaten an der Front zu unterstützen und revolutionäre Aktionen der Arbeiter und Bauern gegen den Krieg zu organisieren, um diese Aktionen in den Aufstand gegen die eigene imperialistische Regierung überzuleiten.

Die Bolschewiki waren der Meinung, dass im imperialistischen Krieg die militärische Niederlage der zaristischen Regierung für das Volk das geringste Übel wäre, denn sie würde den Sieg des Volkes über den Zarismus und den erfolgreichen Kampf der Arbeiterklasse für die Befreiung von kapitalistischer Sklaverei und imperialistischen Kriegen erleichtern. Hierbei vertrat Lenin die Auffassung, dass die Politik der Niederlage der eigenen imperialistischen Regierung nicht nur von den russischen Revolutionären, sondern von den revolutionären Parteien der Arbeiterklasse aller kriegführenden Länder durchgeführt werden müsse.

Die Bolschewiki waren nicht gegen jeden Krieg. Sie waren nur gegen den Eroberungskrieg, gegen den imperialistischen Krieg. Die Bolschewiki waren der Meinung, dass es zwei Arten von Kriegen gibt:

a) einen gerechten Krieg, der kein Eroberungskrieg, sondern ein Befreiungskrieg ist, der das Ziel hat, entweder das Volk gegen einen äußeren Überfall und gegen Unterjochungsversuche zu verteidigen, oder das Ziel der Befreiung des Volkes von der Sklaverei des Kapitalismus, oder endlich das Ziel der Befreiung der Kolonien und abhängigen Länder vom Joche der Imperialisten, und

b) einen ungerechten, einen Eroberungskrieg, der das Ziel hat, fremde Länder zu erobern, fremde Völker zu versklaven.

Einen Krieg der ersten Art unterstützten die Bolschewiki. Was den Krieg der zweiten Art betrifft, so waren die Bolschewiki der Auffassung, dass man gegen ihn einen entschiedenen Kampf bis zur Revolution und bis zum Sturz der eigenen imperialistischen Regierung führen muss.

Gewaltige Bedeutung für die Arbeiterklasse der ganzen Welt hatten Lenins theoretische Arbeiten während der Kriegszeit. Im Frühjahr 1916 schrieb Lenin das Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Lenin zeigte in diesem Buch, dass der Imperialismus das höchste Stadium des Kapitalismus ist, in welchem dieser bereits aus dem „fortschrittlichen“ Kapitalismus umgeschlagen ist in den parasitären Kapitalismus, in den faulenden Kapitalismus, dass der Imperialismus sterbender Kapitalismus ist. Dies bedeutete natürlich nicht, dass der Kapitalismus von selbst absterben werde, ohne die Revolution des Proletariats, dass er, faul bis ins Mark, von selbst ein-stürzen werde. Lenin hat immer gelehrt, dass es ohne die Revolution der Arbeiterklasse unmöglich ist, den Kapitalismus zu stürzen. Darum wies Lenin, als er den Imperialismus als sterbenden Kapitalismus bezeichnete, in diesem Buche zugleich nach, dass der „Imperialismus der Vorabend der sozialen Revolution des Proletariats ist“.

Lenin zeigte, dass das kapitalistische Joch in der Epoche des Imperialismus immer schwerer wird, dass unter den Bedingungen des Imperialismus die Empörung des Proletariats gegen die Grundlagen des Kapitalismus wächst, dass sich innerhalb der kapitalistischen Länder Elemente einer revolutionären Explosion anhäufen.

Lenin zeigte, dass sich in der Epoche des Imperialismus die revolutionäre Krise in den kolonialen und abhängigen Ländern verschärft, dass die Kräfte der Empörung gegen den Imperialismus, dass die Elemente des Befreiungskrieges gegen den Imperialismus anwachsen.

Lenin zeigte, dass sich unter den Bedingungen des Imperialismus die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung und die Widersprüche des Kapitalismus besonders verschärft haben, dass der Kampf um die Märkte für Warenabsatz und Kapitalausfuhr, der Kampf um Kolonien, um Rohstoffquellen - periodische imperialistische Kriege um eine Neuaufteilung der Welt unvermeidlich macht.

Lenin zeigte, dass es gerade infolge dieser Ungleichmäßigkeit der Entwicklung des Kapitalismus zu imperialistischen Kriegen kommt, die die Kräfte des Imperialismus schwächen und es möglich machen, die Front des Imperialismus an dem Punkt zu durchbrechen, der sich als der schwächste erweist.

Auf Grund von alledem kam Lenin zu der Schlussfolgerung, dass die Durchbrechung der imperialistischen Front durch das Proletariat an irgendeiner Stelle oder einigen Stellen durchaus möglich ist, dass der Sieg des Sozialismus ursprünglich in einigen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist, dass der gleichzeitige Sieg des Sozialismus in allen Ländern infolge der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung des Kapitalismus in diesen Ländern - unmöglich ist, dass der Sozialismus vorerst in einem Lande oder einigen Ländern siegen wird, während die übrigen Länder für eine gewisse Zeit bürgerliche Länder bleiben werden.

Hier die Formulierung, die Lenin dieser genialen Schlussfolgerung in zwei verschiedenen, in der Periode des imperialistischen Krieges geschriebenen Artikeln gegeben hat:

1. „Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt, dass der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist. Das siegreiche Proletariat dieses Landes würde sich nach Enteignung der Kapitalisten und nach Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenstellen und würde die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf seine Seite ziehen ...“ (Aus dem Artikel „über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa“, geschrieben im August 1915.) (Lenin, Ausgew. Werke in zwei Bänden, Bd. I, S.753.)

2. „Die Entwicklung des Kapitalismus geht in den verschiedenen Ländern höchst ungleichmäßig vor sich. Anders kann es auch nicht sein bei der Warenproduktion. Daher die unumgängliche Schlussfolgerung: der Sozialismus kann nicht gleichzeitig in allen Ländern siegen. Er wird vorerst in einem Lande oder einigen Ländern siegen, die übrigen aber werden für eine gewisse Zeit bürgerlich oder vorbürgerlich bleiben. Das muss nicht nur Reibungen hervorrufen, sondern auch das direkte Bestreben der Bourgeoisie anderer Länder, das siegreiche Proletariat des sozialistischen Staates niederzuwerfen. In diesen Fällen wäre ein Krieg von unserer Seite rechtmäßig und gerecht. Dies wäre ein Krieg für den Sozialismus, für die Befreiung anderer Völker von der Bourgeoisie.“ (Aus dem Artikel „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“, geschrieben im Herbst 1916.) (Lenin, Ausgew. Werke in zwei Bänden, Bd. I, S. 878.)

Das war eine neue, eine abgeschlossene Theorie der sozialistischen Revolution, eine Theorie von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern, von den Bedingungen seines Sieges, von den Perspektiven seines Sieges, eine Theorie, die Lenin in ihrem Grundriss schon im Jahre 1905 in der Broschüre „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“ dargelegt hatte.

Sie unterschied sich von Grund aus von der Konzeption, die bei den Marxisten in der Periode des vorimperialistischen Kapitalismus im Schwange war, als die Marxisten der Meinung waren, dass der Sieg des Sozialismus in irgendeinem einzelnen Lande unmöglich sei, dass der Sieg des Sozialismus in allen zivilisierten Ländern gleichzeitig erfolgen werde. Lenin hat auf Grund der vorhandenen Daten über den imperialistischen Kapitalismus, die er in seinem vortrefflichen Buch „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ darlegte, diese Konzeption als veraltet verworfen, sie umgekehrt, und eine neue theoretische Konzeption aufgestellt, die den gleichzeitigen Sieg des Sozialismus in allen Ländern als unmöglich ansieht, den Sieg des Sozialismus in einem einzeln genommenen kapitalistischen Lande hingegen als möglich anerkennt.

Die unabschätzbare Bedeutung der Leninschen Theorie der sozialistischen Revolution besteht nicht nur darin, dass sie den Marxismus um eine neue Theorie bereichert und ihn weitergeführt hat. Ihre Bedeutung besteht auch noch darin, dass sie den Proletariern der einzelnen Länder eine revolutionäre Perspektive gibt, ihre Initiative für den Ansturm gegen die eigene nationale Bourgeoisie auslöst, sie lehrt, die Kriegssituation zur Organisierung eines solchen Ansturms auszunutzen, und ihren Glauben an den Sieg der proletarischen Revolution festigt.

Das war die theoretische und taktische Einstellung der Bolschewiki zu den Fragen des Krieges, des Friedens und der Revolution.

Auf Grund dieser Einstellung führten die Bolschewiki ihre praktische Arbeit in Russland durch.

Trotz grausamer Polizeiverfolgungen unternahmen die Dumadeputierten - die Bolschewiki Badajew, Petrowski, Muranow, Samoilow und Schagow - zu Anfang des Krieges eine Rundreise durch eine Reihe von Organisationen und hielten Referate über die Stellung der Bolschewiki zum Kriege und zur Revolution. Im November 1914 wurde eine Beratung der bolschewistischen Fraktion der Reichsduma zur Erörterung der Frage der Stellung zum Kriege veranstaltet. Am dritten Tage wurden sämtliche Teilnehmer dieser Beratung verhaftet. Das Gericht verurteilte alle Deputierten zur Aberkennung der Rechte und zur Verbannung nach Ostsibirien. Die zaristische Regierung beschuldigte die bolschewistischen Deputierten der Reichsduma des „Hochverrats“.

Vor Gericht entrollte sich ein Bild der Tätigkeit der Dumadeputierten, das unserer Partei Ehre machte. Die bolschewistischen Deputierten benahmen sich vor dem zaristischen Gericht mutig und verwandelten es in eine Tribüne zur Entlarvung der Eroberungspolitik des Zarismus.

Anders benahm sich der in diesem Prozess mitangeklagte Kamenew. Infolge seiner Feigheit sagte er sich schon bei der ersten Gefahr von der Politik der bolschewistischen Partei los. Kamenew erklärte vor Gericht, dass er mit den Bolschewiki in der Frage des Krieges nicht einverstanden sei, und bat, zum Beweise dessen den Menschewik Jordanski als Zeugen vorzuladen.

Große Arbeit leisteten die Bolschewiki gegen die Kriegsindustriekomitees, die mit der Kriegsversorgung beschäftigt waren, und gegen die Versuche der Menschewiki, die Arbeiter dem Einfluss der imperialistischen Bourgeoisie zu unterwerfen. Die Bourgeoisie hatte ein Lebensinteresse daran, den imperialistischen Krieg vor der Allgemeinheit als einen Krieg des ganzen Volkes hinzustellen. Die Bourgeoisie erlangte während des Krieges durch die Schaffung ihrer allrussischen Organisation, der Semstwo- und Stadtverbände, großen Einfluss auf die Staatsangelegenheiten. Notwendig war es für sie, auch die Arbeiter ihrer Führung, ihrem Einfluss zu unterwerfen. Die Bourgeoisie ersann hierfür ein Mittel - die Schaffung von „Arbeitergruppen“ bei den Kriegsindustriekomitees. Die Menschewiki griffen diese Idee der Bourgeoisie auf. Es war für die Bourgeoisie vorteilhaft, in diese Kriegsindustriekomitees Arbeitervertreter hineinzuziehen, die unter den Arbeitermassen für die Notwendigkeit einer Erhöhung der Arbeitsproduktivität in den Munition, Geschütze, Gewehre, Patronen herstellenden Fabriken und anderen Rüstungsbetrieben agitieren sollten. „Alles für den Krieg, alles in den Krieg“, das war die Losung der Bourgeoisie. In Wirklichkeit bedeutete diese Losung: „Bereichere dich, was das Zeug hält, an den Kriegslieferungen und an dem Raub fremder Territorien.“ Die Menschewiki nahmen aktiv an dieser pseudopatriotischen, von der Bourgeoisie eingefädelten Sache teil. Sie halfen den Kapitalisten durch gesteigerte Agitation für die Teilnahme der Arbeiter an der Wahl von „Arbeitergruppen“ bei den Kriegsindustriekomitees. Die Bolschewiki waren gegen diese Mache. Sie waren für den Boykott der Kriegsindustriekomitees und führten diesen Boykott erfolgreich durch. Ein Teil der Arbeiter jedoch nahm trotzdem an der Tätigkeit der Kriegsindustriekomitees unter Leitung des bekannten Menschewiks Gwosdew und des Provokateurs Abrossimow teil. Als jedoch die Arbeiterbevollmächtigten im September 1915 zwecks endgültiger Wahl der „Arbeitergruppen“ der Kriegsindustriekomitees zusammentraten, da stellte sich heraus, dass die Mehrheit der Bevollmächtigten gegen die Beteiligung an diesen war. Die Mehrheit der Arbeitervertreter nahm eine scharfe Resolution gegen die Beteiligung an den Kriegsindustriekomitees an und erklärte, dass die Arbeiter sich die Aufgabe stellen, für den Frieden, für den Sturz des Zarismus zu kämpfen.

Große Arbeit entfalteten die Bolschewiki auch in Armee und Flotte. Sie erklärten den Massen der Soldaten und Matrosen, wer an den unerhörten Greueln des Krieges und den Leiden des Volkes schuld ist, sie machten ihnen klar, dass die Revolution für das Volk der einzige Ausweg aus dem imperialistischen Gemetzel ist. Die Bolschewiki schufen Zellen in Armee und Flotte, an der Front und in der Etappe, und verbreiteten Flugblätter mit Aufrufen gegen den Krieg.

In Kronstadt schufen die Bolschewiki das „Hauptkollektiv der Kronstädter Militärorganisation“, das mit dem Petrograder Parteikomitee enge Verbindung unterhielt. Beim Petrograder Parteikomitee wurde eine militärische Organisation zur Arbeit in der Garnison geschaffen. Im August 1916 meldete der Leiter der Petrograder Geheimpolizei, dass in dem „Kronstädter Kollektiv die Sache sehr ernst, konspirativ betrieben wird und dass die Teilnehmer lauter verschwiegene und vorsichtige Leute sind. Auch an Land hat dieses Kollektiv seine Vertreter“.

Die Partei betrieb an der Front Agitation für die Verbrüderung zwischen den Soldaten der kriegführenden Armeen und hob hervor, dass der Feind die Weltbourgeoisie ist und dass man den Krieg nur durch Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg beendigen kann, dadurch, dass man die Gewehre gegen seine eigene Bourgeoisie und ihre Regierung richtet. Immer mehr häuften sich die Fälle, dass einzelne Truppenteile sich weigerten, zum Angriff vorzugehen. Solche Tatsachen waren schon 1915 und besonders 1916 zu verzeichnen.

Besonders große Arbeit entfalteten die Bolschewiki in den Armeen der Nordfront im Ostseegebiet. Der Oberbefehlshaber der Nordfront General Russki erstattete Anfang 1917 im Instanzenwege Meldung über die gewaltige revolutionäre Arbeit, die die Bolschewiki an dieser Front entfaltet hatten.

Der Krieg bedeutete den größten Umschwung im Leben der Völker, im Leben der internationalen Arbeiterklasse. Er setzte das Schicksal der Staaten, das Schicksal der Völker, das Schicksal der sozialistischen Bewegung auf eine Karte. Darum war er zugleich der Prüfstein, die Probe für alle Parteien und Strömungen, die sich sozialistisch nannten. Bleiben diese Parteien und Strömungen der Sache des Sozialismus, der Sache des Internationalismus treu, oder werden sie es vorziehen, die Arbeiterklasse zu verraten, ihre Banner einzurollen und sie der eigenen, der nationalen Bourgeoisie zu Füßen zu legen? So stand damals die Frage.

Der Krieg zeigte, dass die Parteien der II. Internationale die Probe nicht bestanden, dass sie die Arbeiterklasse verrieten und vor der eigenen nationalen, imperialistischen Bourgeoisie die Banner einzogen.

Diese Parteien konnten auch nicht anders handeln, sie, die in ihrer Mitte den Opportunismus groß gezüchtet hatten und in der Praxis der Zugeständnisse an die Opportunisten, an die Nationalisten erzogen waren.

Der Krieg zeigte, dass die Partei der Bolschewiki die einzige Partei war, die die Prüfung in Ehren bestand und der Sache des Sozialismus, der Sache des proletarischen Internationalismus bis zu Ende treu blieb.

Das ist auch verständlich: nur eine Partei von neuem Typus, nur eine im Geiste des unversöhnlichen Kampfes gegen den Opportunismus erzogene Partei, nur eine von Opportunismus und Nationalismus freie Partei, nur eine solche Partei konnte die große Prüfung bestehen und der Sache der Arbeiterklasse, der Sache des Sozialismus und des Internationalismus, treu bleiben.

Die bolschewistische Partei war gerade eine solche Partei.

 

 

 

Stalin:

Grundlagen des Leninismus

(Kapitel: Theorie, Band 6)

 

Man sagt, die Parteien der II. Internationale hätten vor dem imperialistischen Krieg gedroht, "Krieg dem Kriege" zu erklären, falls die Imperialisten den Krieg beginnen sollten. Man sagt, dass unmittelbar vor Beginn des Krieges diese Parteien die Losung "Krieg dem Kriege" zu den Akten gelegt und die entgegengesetzte Losung "Krieg für das imperialistische Vaterland" verwirklicht haben. Man sagt, dass infolge dieses Losungswechsels Millionen Arbeiter ihr Leben haben opfern müssen. Es wäre aber falsch zu glauben, dass es hier Schuldige gebe, dass irgendwer der Arbeiterklasse untreu geworden sei oder sie verraten habe. Weit gefehlt! Alles sei so gekommen, wie es kommen musste. Erstens, weil die Internationale, so erfährt man, "ein Instrument des Friedens" und nicht des Krieges sei. Zweitens, weil bei dem damals vorhandenen "Entwicklungsstand der Produktivkräfte" nichts anderes unternommen werden konnte. "Schuld" seien die "Produktivkräfte". Herrn Kautskys "Theorie der Produktivkräfte" erklärt "uns" das haargenau. Und wer an diese "Theorie" nicht glaubt, sei kein Marxist. Die Rolle der Parteien? Ihre Bedeutung in der Bewegung? Aber was kann die Partei ausrichten gegen einen so entscheidenden Faktor wie den "Entwicklungsstand der Produktivkräfte"?...

Solcher Beispiele der Verfälschung des Marxismus könnte man eine ganze Menge anführen.

Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass dieser verfälschte "Marxismus", der die Blöße des Opportunismus verdecken soll, nur eine europäisch umgemodelte Form der Theorie der "Nachtrabpolitik" ist, gegen die Lenin schon vor der ersten russischen Revolution kämpfte.

Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass die Vorbedingung für die Schaffung wirklich revolutionärer Parteien im Westen darin besteht, diese theoretische Verfälschung zunichte zu machen.

 

 

Die Helden der II. Internationale behaupteten (und behaupten auch weiter), dass zwischen der bürgerlich-demokratischen Revolution einerseits und der proletarischen anderseits ein Abgrund klaffe oder jedenfalls eine chinesische Mauer stehe, die die eine von der anderen durch ein mehr oder minder langes Intervall trennt, in dessen Verlauf die zur Macht gelangte Bourgeoisie den Kapitalismus entwickelt, während das Proletariat seine Kräfte sammelt und sich zum "entscheidenden Kampf" gegen den Kapitalismus vorbereitet. Dieses Intervall wird in der Regel auf viele Jahrzehnte, wenn nicht auf noch längere Zeit veranschlagt. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass diese "Theorie" der chinesischen Mauer unter den Verhältnissen des Imperialismus jedes wissenschaftlichen Sinnes bar ist, dass sie nur eine Bemäntelung, eine Beschönigung der konterrevolutionären Gelüste der Bourgeoisie ist und nichts anderes sein kann. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass unter den Verhältnissen des Imperialismus, der mit Zusammenstößen und Kriegen schwanger geht, unter den Verhältnissen des "Vorabends der sozialistischen Revolution", wo der "blühende" Kapitalismus sich in den "sterbenden" Kapitalismus verwandelt (Lenin) und die revolutionäre Bewegung in allen Ländern der Welt anwächst, wo sich der Imperialismus mit allen reaktionären Kräften ohne Ausnahme, einschließlich des Zarismus und Feudalismus, verbündet und damit den Zusammenschluss aller revolutionären Kräfte, von der proletarischen Bewegung im Westen bis zur nationalen Befreiungsbewegung im Osten, notwendig macht, wo die Abschüttelung der Überreste der feudal-fronherrschaftlichen Zustände ohne den revolutionären Kampf gegen den Imperialismus unmöglich wird - es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass die bürgerlich-demokratische Revolution in einem mehr oder weniger entwickelten Lande unter solchen Verhältnissen an die proletarische Revolution herankommen muss, dass die erste in die zweite hinüberwachsen muss.

 

 

 

Früher beschränkte sich die nationale Frage gewöhnlich auf einen engen Kreis von Fragen, die hauptsächlich die "zivilisierten" Nationalitäten betrafen. Irländer, Ungarn, Polen, Finnen, Serben und einige andere Nationalitäten Europas - das war der Kreis der nicht vollberechtigten Völker, für deren Schicksal sich die Führer der II. Internationale interessierten. Die Millionen und aber Millionen der Völker Asiens und Afrikas, die unter der nationalen Bedrückung in ihrer rohesten und grausamsten Form litten, blieben gewöhnlich außerhalb ihres Gesichtsfeldes. Man konnte sich nicht entschließen, Weiße und Farbige, "Zivilisierte" und "Unzivilisierte" auf eine Stufe zu stellen. Zwei, drei nichts sagende und süßsaure Resolutionen, die die Frage der Befreiung der Kolonien geflissentlich umgingen - das war alles, womit die Führer der II. Internationale paradieren konnten. Jetzt muss diese Zwiespältigkeit und Halbheit in der nationalen Frage als beseitigt angesehen werden. Der Leninismus hat dieses schreiende Missverhältnis aufgedeckt, die Scheidewand zwischen Weißen und Farbigen, zwischen Europäern und Asiaten, zwischen "zivilisierten" und "unzivilisierten" Sklaven des Imperialismus niedergerissen und auf diese Weise die nationale Frage mit der Frage der Kolonien verknüpft. Dadurch wurde die nationale Frage aus einer Einzelfrage und innerstaatlichen Frage zu einer allgemeinen und internationalen, zur Weltfrage der Befreiung der unterdrückten Völker der abhängigen Länder und der Kolonien vom Joche des Imperialismus.

Früher wurde das Prinzip der Selbstbestimmung der Nationen gewöhnlich falsch ausgelegt und nicht selten zu dem Recht der Nationen auf Autonomie eingeengt. Manche Führer der II. Internationale gingen sogar so weit, dass sie aus dem Selbstbestimmungsrecht ein Recht auf kulturelle Autonomie machten, das heißt das Recht der unterdrückten Nationen, ihre eigenen Kultureinrichtungen zu besitzen, während die gesamte politische Macht in den Händen der herrschenden Nation belassen werden sollte. Dieser Umstand führte dazu, dass die Idee der Selbstbestimmung Gefahr lief, sich aus einem Mittel des Kampfes gegen Annexionen in ein Mittel zur Rechtfertigung der Annexionen zu verwandeln. Jetzt muss diese Konfusion als überwunden angesehen werden. Der Leninismus hat den Begriff der Selbstbestimmung erweitert, indem er ihn auslegte als das Recht der unterdrückten Völker der abhängigen Länder und der Kolonien auf voll-ständige Lostrennung, als das Recht der Nationen auf selbständige staatliche Existenz. Damit wurde die Möglichkeit ausgeschlossen, Annexionen zu rechtfertigen durch die Auslegung des Selbstbestimmungsrechts als des Rechtes auf Autonomie. Das Prinzip der Selbstbestimmung selbst wurde somit aus einem Mittel zur Täuschung der Massen, das es in den Händen der Sozialchauvinisten während des imperialistischen Krieges zweifellos war, zu einem Mittel der Entlarvung aller und jeglicher imperialistischer Gelüste und chauvinistischer Machinationen, zu einem Mittel der politischen Aufklärung der Massen im Geiste des Internationalismus.

Früher pflegte man die Frage der unterdrückten Nationen als rein rechtliche Frage zu behandeln. Feierliche Proklamierung der "nationalen Gleichberechtigung", unzählige Deklarationen über "Gleichheit der Nationen" - damit begnügten sich die Parteien der II. Internationale, die die Tatsache zu vertuschen suchten, dass "Gleichheit der Nationen" unter dem Imperialismus, wo eine Gruppe von Nationen (die Minderheit) von der Ausbeutung der anderen Gruppe von Nationen lebt, eine Verhöhnung der unterdrückten Völker ist. Jetzt muss diese bürgerlich-rechtliche Auffassung in der nationalen Frage als entlarvt angesehen werden. Der Leninismus hat die nationale Frage von den Himmelshöhen hochtrabender Deklarationen auf die Erde heruntergeholt, indem er erklärte, dass Deklarationen über "Gleichheit der Nationen", die nicht von den proletarischen Parteien durch direkte Unterstützung des Befreiungskampfes der unterdrückten Völker bekräftigt werden, hohle und verlogene Deklarationen sind. Damit wurde die Frage der unterdrückten Nationen zur Frage der Unterstützung, der Hilfe, der wirklichen und ständigen Hilfe für die unterdrückten Nationen in ihrem Kampf gegen den Imperialismus, für die wirkliche Gleichheit der Nationen, für ihre selbständige staatliche Existenz.

Früher pflegte man die nationale Frage reformistisch zu behandeln, als eine gesonderte, selbständige Frage, ohne Zusammenhang mit der allgemeinen Frage der Herrschaft des Kapitals, des Sturzes des Imperialismus, der proletarischen Revolution. Stillschweigend wurde vorausgesetzt, dass der Sieg des Proletariats in Europa möglich sei ohne direktes Bündnis mit der Befreiungsbewegung in den Kolonien, dass die nationale und koloniale Frage im stillen, "ganz von selbst", gelöst werden könne, abseits von der breiten Heerstraße der proletarischen Revolution, ohne revolutionären Kampf gegen den Imperialismus. Jetzt muss dieser antirevolutionäre Standpunkt als entlarvt angesehen werden. Der Leninismus hat den Beweis erbracht, und der imperialistische Krieg und die Revolution in Rußland haben bestätigt, dass die nationale Frage nur im Zusammenhang mit der proletarischen Revolution und auf dem Boden der proletarischen Revolution gelöst werden kann, dass der Weg zum Siege der Revolution im Westen über das revolutionäre Bündnis mit der Befreiungsbewegung der Kolonien und der abhängigen Länder gegen den Imperialismus führt. Die nationale Frage ist ein Teil der allgemeinen Frage der proletarischen Revolution, ein Teil der Frage der Diktatur des Proletariats.

Die Frage ist die: Sind die im Schoße der revolutionären Befreiungsbewegung der unterdrückten Länder vorhandenen revolutionären Möglichkeiten bereits erschöpft oder nicht, und falls sie nicht erschöpft sind, besteht begründete Hoffnung darauf, diese Möglichkeiten für die proletarische Revolution nutzbar machen, die abhängigen und kolonialen Länder aus einer Reserve der imperialistischen Bourgeoisie zu einer Reserve des revolutionären Proletariats, zu seinem Bundesgenossen machen zu können?

Der Leninismus bejaht diese Frage, das heißt, er vertritt die Ansicht, dass im Schoße der nationalen Befreiungsbewegung der unterdrückten Länder revolutionäre Potenzen vorhanden sind, und hält es für möglich, diese für den Sturz des gemeinsamen Feindes, für den Sturz des Imperialismus nutzbar zu machen. Die Mechanik der Entwicklung des Imperialismus, der imperialistische Krieg und die Revolution in Rußland bestätigen völlig die Schlussfolgerungen des Leninismus in dieser Hinsicht.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass das Proletariat der "herrschenden" Nationen die nationale Befreiungsbewegung der unterdrückten und abhängigen Völker unterstützen, entschieden und aktiv unterstützen muss. (Kapitel: Die nationale Frage).

 

 

Die Todsünde der II. Internationale besteht nicht darin, dass sie seinerzeit die Taktik der Ausnutzung der parlamentarischen Kampfformen anwandte, sondern darin, dass sie die Bedeutung dieser Formen überschätzte, sie als die nahezu einzigen Kampfformen betrachtete und dass die Parteien der II. Internationale, als die Periode der offenen revolutionären Schlachten anbrach und die Frage der außerparlamentarischen Kampfformen in den Vordergrund rückte, sich von den neuen Aufgaben abwandten, sie ablehnten.

Erst in der nachfolgenden Periode, in der Periode der offenen Aktionen des Proletariats, in der Periode der proletarischen Revolution, als die Frage des Sturzes der Bourgeoisie zu einer Frage der unmittelbaren Praxis wurde, als die Frage nach den Reserven des Proletariats (Strategie) zu einer der brennendsten Fragen wurde, als alle Formen des Kampfes und der Organisation - die parlamentarischen wie die außerparlamentarischen (Taktik) - mit voller Bestimmtheit hervortraten, erst in dieser Periode konnten eine fest umrissene Strategie und eine ausgearbeitete Taktik des Kampfes des Proletariats geschaffen werden. Die genialen Gedanken von Marx und Engels über Taktik und Strategie, die die Opportunisten der II. Internationale hatten in Vergessenheit geraten lassen, wurden gerade in dieser Periode von Lenin ans Licht gezogen. Aber Lenin beschränkte sich nicht auf die Wiederherstellung der einzelnen taktischen Leitsätze von Marx und Engels. Er entwickelte sie weiter und ergänzte sie durch neue Gedanken und Leitsätze, wobei er all dies zu einem System von Regeln und leitenden Grundsätzen für die Führung des Klassenkampfs des Proletariats vereinigte. Lenins Schriften wie "Was tun?", "Zwei Taktiken", "Der Imperialismus", "Staat und Revolution", "Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky", "Die Kinderkrankheit" werden zweifellos als wertvollster Beitrag in die allgemeine Schatzkammer des Marxismus, in sein revolutionäres Arsenal eingehen. Die Strategie und Taktik des Leninismus ist die Wissenschaft von der Führung des revolutionären Kampfes des Proletariats.

 

Isolierung der Parteien der II. Internationale, die die Hauptstütze der Politik der Verständigung mit dem Imperialismus bilden.

 

(Kapitel - Strategie und Taktik)

 

 

VIII
DIE PARTEI

 

In der vorrevolutionären Periode, in der Periode der mehr oder weniger friedlichen Entwicklung, als die Parteien der II. Internationale in der Arbeiterbewegung die herrschende Kraft darstellten und die parlamentarischen Kampfformen als die Grundformen galten - unter diesen Bedingungen hatte die Partei nicht die ernste und entscheidende Bedeutung und konnte diese auch nicht haben, wie die Partei sie dann unter den Bedingungen der offenen revolutionären Schlachten gewann. Zur Verteidigung der II. Internationale gegen verschiedene Angriffe erklärte Kautsky, dass die Parteien der II. Internationale ein Friedensinstrument und kein Kriegsinstrument seien, dass sie gerade deshalb nicht imstande gewesen seien, während des Krieges, in der Periode der revolutionären Aktionen des Proletariats, irgend etwas Ernstes zu unternehmen. Das ist völlig richtig. Aber was bedeutet das? Das bedeutet, dass die Parteien der II. Internationale untauglich sind für den revolutionären Kampf des Proletariats, dass sie keine Kampfparteien des Proletariats sind, die die Arbeiter zur Macht führen, sondern ein Wahlapparat, der für Parlamentswahlen und den parlamentarischen Kampf eingerichtet ist. Daraus erklärt sich eigentlich auch die Tatsache, dass in der Periode der Herrschaft der Opportunisten der II. Internationale nicht die Partei, sondern die Parlamentsfraktion die maßgebende politische Organisation des Proletariats war. Es ist bekannt, dass die Partei in dieser Periode in Wirklichkeit ein Anhängsel und dienstbares Element der Parlamentsfraktion war. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass unter solchen Bedingungen und mit einer solchen Partei an der Spitze von einer Vorbereitung des Proletariats auf die Revolution nicht einmal die Rede sein konnte.

Die Sache änderte sich jedoch von Grund aus mit dem Anbruch der neuen Periode. Die neue Periode ist die Periode offener Zusammenstöße der Klassen, die Periode revolutionärer Aktionen des Proletariats, die Periode der proletarischen Revolution, die Periode der direkten Vorbereitung der Kräfte zum Sturz des Imperialismus, zur Ergreifung der Macht durch das Proletariat. Diese Periode stellt dem Proletariat neue Aufgaben: die gesamte Parteiarbeit auf neue, auf revolutionäre Art umzubauen, die Arbeiter im Geiste des revolutionären Kampfes um die Macht zu erziehen, Reserven auszubilden und heranzuziehen, das Bündnis mit den Proletariern der benachbarten Länder herzustellen, feste Verbindungen mit der Befreiungsbewegung der Kolonien und der abhängigen Länder zu schaffen usw. usf. Zu glauben, dass diese neuen Aufgaben mit den Kräften der alten sozialdemokratischen Parteien, die in den friedlichen Verhältnissen des Parlamentarismus erzogen wurden, gelöst werden können - heißt sich zu hoffnungsloser Verzweiflung, zu einer unausbleiblichen Niederlage verurteilen. Die alten Parteien weiter an der Spitze zu belassen, wo man solche Aufgaben zu bewältigen hat, heißt völlig ungerüstet dastehen. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass das Proletariat sich mit einer solchen Sachlage nicht abfinden konnte.

Daraus folgt die Notwendigkeit einer neuen Partei, einer Kampfpartei, einer revolutionären Partei, die kühn genug ist, die Proletarier in den Kampf um die Macht zu führen, die genügend Erfahrung hat, um sich in den komplizierten Verhältnissen der revolutionären Situation zurechtzufinden, und genügend Elastizität besitzt, um Klippen jeder Art auf dem Wege zum Ziel zu umgehen.

Ohne eine solche Partei ist an einen Sturz des Imperialismus, an die Eroberung der Diktatur des Proletariats gar nicht zu denken. Diese neue Partei ist die Partei des Leninismus.

 

 

Die Parteien der II. Internationale, die gegen die Diktatur des Proletariats kämpfen und die Proletarier nicht zur Macht führen wollen, können sich natürlich einen Liberalismus wie die Fraktionsfreiheit gestatten, da sie eine eiserne Disziplin gar nicht brauchen. Die Parteien der Kommunistischen Internationale aber, die ihre Arbeit auf die Aufgabe einstellen, die Diktatur des Proletariats zu erkämpfen und sie zu festigen, können weder auf "Liberalismus" noch auf Fraktionsfreiheit eingehen.

 

 

 

 

 

STALIN

Band 6

- Über die internationale Lage:

Was bedeutet aber der Machtantritt der Parteien der II. Internationale? Er bedeutet, dass sie sich unvermeidlich selbst als Lakaien des Imperialismus, als Verräter am Proletariat entlarven werden, denn die Regierungspraxis dieser Parteien kann nur zu einem Ergebnis führen: zu ihrem politischen Bankrott, zum Anwachsen der Gegensätze innerhalb dieser Parteien, zu ihrer Zersetzung und ihrem Zerfall. Aber die Zersetzung dieser Parteien führt unvermeidlich zur Zersetzung der Macht der Bourgeoisie, denn die Parteien der II. Internationale sind die Stütze des Imperialismus.