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ENVER HOXHA



Die tragischen Ereignisse in Chile

Eine Lektion für die Revolutionäre der ganzen Welt

" Zeri i Popullit " - 2. Oktober 1973


Englische Version erneut veröffentlicht von der Kommunistischen Internationale (Stalinisten - Hoxhaisten ) im Dezember 2010.

Deutsche Übersetzung am 11. September 2013 – aus Anlass des 40.Jahrestag des Staatsstreichs in Chile -

übersetzt aus dem Englischen von

Wolfgang Eggers

 



In Chile wütet weiterhin ein konterrevolutionärer Sturm gegen die arbeitenden Massen, die Patrioten und Kämpfer des Landes. Die rechtsgerichteten Kräfte, die mit einem Staatsstreich am 11. September 1973 die Macht erobert hatten, errichteten eine Terrorherrschaft, die selbst die Nazis beneidet hätten. Überall in den Straßen oder am Arbeitsplatz werden Menschen rücksichtslos ermordet und massakriert, ohne Prozess, und ohne irgendeinen Vorwand. Die Sportstadien wurden in Konzentrationslager verwandelt. Alles Fortschrittliche wird mit Füßen getreten. Auf den Plätzen werden Feuer entfacht und Marxistische Bücher verbrannt - wie in Zeiten der Nazis. Während die demokratischen Parteien, Gewerkschaften und demokratischen Organisationen verboten sind, verbreitet sich der mittelalterliche Obskurantismus über das ganze Land. Die fanatischen, ultra-reaktionären „Schwarzhunderter“, diese Agenten des amerikanischen Imperialismus, haben die politische Bühne betreten. Die demokratischen Freiheiten, die die Menschen durch harten Kampf und Blutvergießen errungen hatten, wurden innerhalb eines Tages vernichtet.

Von den Ereignissen in Chile sind nicht nur das chilenische Volk betroffen, sondern alle revolutionären, fortschrittlichen und friedliebenden Kräfte der Welt. Die Revolutionäre und die Werktätigen nicht nur in Chile, sondern auch in anderen Ländern, müssen unbedingt Schlussfolgerungen aus diesen Ereignissen ziehen. Natürlich sprechen wir nicht von einer Analyse, die sich auf rein nationale Gegebenheiten und Aspekten beschränkt, oder von spezifischen Maßnahmen, Mängeln oder Fehler der chilenischen Revolution, die sich nur von innen betrachtet. Wir müssen hier vielmehr von den universellen Gesetzen sprechen, die für alle Revolution gleichermaßen gelten, und die anzuwenden wir verpflichtet sind. Das Problem der Revolution ist im Lichte der Ereignisse in Chile einzuschätzen und zu überprüfen. Richtige und falsche Ansichten über die Fragen der Theorie und Praxis der Revolution müssen sorgfältig auseinander gehalten werden. Es gilt zu prüfen, welche Thesen revolutionär und welche Thesen opportunistisch sind. Es gilt ferner zu klären, welche Einstellungen und Maßnahmen der Revolution dienen und welche der Konterrevolution.

An erster Stelle muss gesagt werden, dass die Zeitspanne, in der die Allende-Regierung an der Macht war, nicht so einfach aus dem Leben des chilenischen Volkes oder gar aus der ganzen Geschichte Lateinamerikas gelöscht werden kann. Entsprechend der Forderungen und Wünsche der breitesten Volksmassen verabschiedete die Regierung der Unidad Popular eine Reihe von Maßnahmen und führte eine Reihe von Reformen durch, um die nationale Freiheit und Unabhängigkeit des Landes und die eigenständige Entwicklung seiner Wirtschaft zu stärken.

Diese Regierung versetzte den lokalen Oligarchien und den amerikanischen Monopolen schwere Schläge, die alle wichtigen Positionen besetzt gehalten hatten und über alle Gesetze des Landes bestimmten. Der Inspirator dieses progressiven und anti-imperialistischen Kurses war Präsident Allende, einer der ehrenhaftesten Persönlichkeiten, die Lateinamerika hervorgebracht hat, ein hervorragender Patriot und demokratischen Kämpfer. Unter seiner Führung kämpfte das chilenische Volk für die Landreform, kämpfte es für die Verstaatlichung der ausländischen Unternehmen, kämpfte es für die Demokratisierung des Lebens des Landes und für die Befreiung Chiles vom Einfluss der USA. Allende unterstützte und stärkte die anti-imperialistische Befreiungsbewegungen in Lateinamerika und machte sein Land zum Zufluchtsort für alle Freiheitskämpfer, die von den Schlägertrupps und den Militärjuntas in ganz Lateinamerika gejagt wurden. Er gewährte der Befreiung der Völker und den anti-imperialistische Bewegungen seine uneingeschränkte Unterstützung und war darüber hinaus vollkommen solidarisch mit dem Kampf der Vietnamesen, Kambodschaner , Palästinenser und anderer Völker.

Würden die großen chilenischen Grundbesitzer, die zusehen mussten, wie ihre Güter an die armen Bauern verteilt wurden, der Fortsetzung dieses Kurs und dieser Handlungen etwa ihren Segen geben ? Würden die Unternehmer von Santiago, die von ihren verstaatlichten Plantagen vertrieben wurden, dies tolerieren ? Oder die amerikanischen Unternehmen, die ihre Machteinfluss verloren ? Es war unvermeidlich, dass sich all diese Kräfte eines Tages verbünden würden, um Allende zu stürzen, um ihre verloren gegangenen Privilegien zurückzuerobern. Hier taucht natürlich die Frage auf: War sich Allende überhaupt im Klaren über diese entstandene Lage, hat er nicht kommen sehen, welche Verschwörungen sich gegen ihn zusammenbrauten ? Natürlich hat er all das kommen sehen. Die Reaktion ging ja offen vor. Minister, Funktionäre der Regierungsparteien und einfache Beamte wurden ermordet. Die Reaktion initiierte und leitete die Organisation der konterrevolutionären Streiks der Lkw-Fahrer, Kaufleute, Ärzte und andere kleinbürgerliche Schichten. Schließlich gab es auch im Juni einen Putschversuch des Militärs, der missglückt war. Mehrere Pläne des CIA für den Sturz der rechtmäßigen Regierung wurden aufgedeckt.

All diese Angriffe durch die innere und äußere Reaktion hätten genügt, um Alarm auszulösen und hätten Allende wachrütteln müssen. Es gab genug Anlass, um das wichtigste Gesetz jeder Revolution anzuwenden, nämlich die konterrevolutionäre Gewalt mit revolutionärer Gewalt zu beantworten. Aber Präsident Allende unternahm nichts und machte auch keinerlei Anstalten, etwas zu tun. Sicherlich kann man ihm keinen Mangel an Idealismus vorwerfen. Er war von seiner Sache überzeugt, für die er mit seinem ganzen Herzen bis zu Ende kämpfte. Er glaubte an die Gerechtigkeit seiner Sache. Es mangelte ihm auch nicht an persönlichem Mut, und er war bereit, ein Höchstmaß an Opfer zu bringen. Aber das Tragische war, dass er glaubte, er könne die reaktionären Kräfte auf dem Wege der Vernunft umstimmen, damit sie ihre Tätigkeit einstellen und sich von der guten Sache des Verzichts auf ihre bisherigen Positionen und Privilegien überzeugen lassen.

In Chile glaubte man, dass die relativ verwurzelten demokratischen Traditionen, das Parlament, die legale Tätigkeit der politischen Parteien, die Existenz einer freien Presse, usw., ein unüberwindliches Hindernis für die reaktionären Kräfte gewesen sei, und keiner die Macht mit Gewalt an sich reißen könne. Die Wirklichkeit hat jedoch das Gegenteil bewiesen. Der Staatsstreich der rechtsgerichteten Kräfte bewies, dass die Bourgeoisie gewisse Freiheiten nur so lange toleriert, wie ihre grundlegenden Interessen nicht beeinträchtigt werden. Aber wenn sie sieht, dass ihre Interessen bedroht sind, dann spielt Ethik keine Rolle für sie.

Die revolutionären und fortschrittlichen Kräfte in Chile haben eine Niederlage erlitten. Das ist zwar sehr bitter, aber nur vorübergehend. Eine konstitutionelle Regierung kann gestürzt werden, Tausende von Menschen können getötet und Dutzende von Konzentrationslager errichtet werden, aber der Freiheitswille der Menschen, der Geist der Revolution, kann weder ausgelöscht noch eingesperrt werden. Die Menschen wehren sich, und dies beweist, dass sich die arbeitenden Massen nicht mit einer Niederlage abfinden werden, sondern dass sie entschlossen sind, Schlüsse ziehen und den revolutionären Weg beschreiten. Der Befreiungskampf gegen Reaktion und Imperialismus verläuft nicht geradlinig, er hat seine Höhen und Tiefen. Es besteht kein Zweifel daran, dass das chilenische Volk, welches seinen hohen Patriotismus, seine Freiheits- und Gerechtigkeitsliebe unter Beweis gestellt hat, und den Imperialismus und die Reaktion so tief hasst, wissen wird, wie es seine Kräfte zu mobilisieren hat, und wie es Schlag auf Schlag im Kampf gegen die Feinde den endgültigen Sieg für sich sicher stellen kann.

Dem chilenischen Volk ist ein großes Unglück widerfahren. Aber auch die modernen Revisionisten haben rundweg eine Niederlage erlitten: ihre opportunistischen Theorien sind auf der ganzen Linie gescheitert. Alle Revisionisten von Moskau bis Italien, Frankreich und von anderen Ländern, hatten das " chilenische Experiment" als ein konkretes Beispiel gepredigt für ihre "neuen Theorien" über den "Weg der friedlichen Revolution ", für den Übergang zum Sozialismus auf dem Wege des Mehrparteiensystems, über die „gezähmte“ Natur des Imperialismus, das Absterben des Klassenkampfes unter den Bedingungen der friedlichen Koexistenz, usw. Die revisionistische Presse machte viel Tamtam um den "chilenische Weg ", der angeblich die Thesen des opportunistischen 20. Parteitag der KPdSU und die reformistischen und utopischen Programme vom Typ eines Togliattis bestätigen würde.

Vom "chilenischen Experiment" versprachen sich die Revisionisten nicht nur eine Bestätigung ihrer "Theorien" über "den parlamentarischen Weg ", sondern sie sahen darin auch ein "klassisches" Beispiel für den Aufbau des Sozialismus unter der Führung einer Koalition zwischen marxistischen und bürgerlichen Parteien. Sie wollten darin eine Bestätigung ihrer These sehen, dass der Übergang zum Sozialismus möglich ist durch Parlamentswahlen und ohne Revolution, dass der Sozialismus aufgebaut werden könne ohne Zerschlagung des alten Staatsapparats der Bourgeoisie. Dieser sollte vielmehr übernommen werden, um die Notwendigkeit der revolutionären Machtergreifung des Volkes überflüssig zu machen.

Die Theorien von der "friedlichen Koexistenz" und vom "friedlichen parlamentarischen Weg" , welche zuerst von den sowjetischen Revisionisten aufgestellt worden waren, und dann auch von den italienischen und französischen Revisionisten und anderen Unterstützern übernommen wurden , sind dafür verantwortlich, zu einem sehr erheblichen Teil dazu beigetragen zu haben, pazifistische Illusionen zu wecken, gegenüber der Bourgeoisie eine opportunistische Haltung einzunehmen und sich vom revolutionären Kampf zu verabschieden.

All die programmatischen Dokumente, die die westlichen revisionistischen Parteien seit dem 20. Parteitag der KPdSU fabriziert hatten, verabsolutieren den "parlamentarischen Weg " des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus, während der nicht-friedliche Weg definitiv verworfen und ausgeklammert wurde. In der Praxis bedeutet dies, dass diese Parteien schließlich auf den revolutionären Kampf verzichteten und dass sie sich auf ein paar Reformen beschränkten mit geringfügigen wirtschaftlichen oder administrativen Ergebnissen. Sie haben sich in bürgerliche Oppositionsparteien verwandelt und biedern sich der Bourgeoisie an, deren Reichtum zu verwalten, genauso wie das die alten sozialdemokratischen Parteien bislang getan haben.

Die Kommunistische Partei Chiles, die eine Hauptstütze der Allende-Regierung darstellt, folgt inbrünstig den Chruschtschow-Thesen des "friedlichen Übergangs", sowohl in Theorie als auch in Praxis. Den Anweisungen Moskaus folgend sei die nationale Bourgeoisie und der Imperialismus jetzt „gezähmt“ worden, und würden diese sich jetzt tolerant und vernünftig verhalten. Angeblich seien in der heutigen Welt neue Klassenbedingungen entstanden, durch die die Konterrevolution Im Zaum gehalten werden könne.

Allerdings zeigt das Beispiel Chiles einmal mehr, dass diese und ähnliche „Theorien“ die arbeitenden Massen desorientiert haben und sie unentschlossen machten, dass ihr revolutionärer Geist dadurch geschwächt wurde, und sie den Drohungen der Bourgeoisie wehrlos ausgesetzt waren, dass ihre Kräfte demobilisiert wurden und es ihnen unmöglich war, entscheidende revolutionäre Aktionen gegen die konterrevolutionären Pläne und Maßnahmen der Bourgeoisie durchzuführen.

Die wahren marxistisch-leninistischen Parteien haben all dies vorausgesagt und die Zeit hat es bestätigt, dass die Revisionisten nämlich gegen die Revolution sind. Ihr Ziel war und ist es, die Sowjetunion in ein kapitalistisches Land zu verwandeln - von einer Basis der Revolution in eine Basis der Konterrevolution. Sie wandten viel Kraft und Zeit auf, um Verwirrung in den Reihen der Revolutionäre zu stiften und die Revolution zu untergraben. Überall nutzten sie die Gelegenheit, um die Flammen der revolutionären Schlachtfelder und nationalen Befreiungskämpfe auszulöschen. Obwohl sie demagogisch vorgeben, im Interesse der Revolution zu handeln, versuchen die Revisionisten mit ihren Ansichten und Tätigkeiten, jegliche revolutionäre Bewegung im Keim zu ersticken oder diese zu sabotieren, sobald sie ausgebrochen ist.


Ihre Abweichung vom Marxismus-Leninismus , ihre Abkehr von den Klasseninteressen des Proletariats, ihr Verrat an der Sache der nationalen Befreiung der Völker, all das führte die Revisionisten zur Abkehr von der Revolution. Sie haben die Theorie und Praxis der Revolution auf wenige reformistische Forderungen gestutzt, die sich im Rahmen der kapitalistischen Ordnung umsetzen lassen, ohne dabei die Grundlagen des Kapitalismus anzutasten. Die Revisionisten versuchen zu beweisen, dass die Trennlinie zwischen der Revolution und Reformen beseitigt sei, dass es unter den heutigen Bedingungen der Weltentwicklung keine Notwendigkeit mehr für einen revolutionären Umsturz gäbe. Sie behaupten zum Beispiel, die gegenwärtige wissenschaftlich-technische Revolution würde alle Klassenwidersprüche in der bürgerlichen Gesellschaft auflösen. Deswegen betrachten sie dies als ein taugliches Mittel für die Integration des Kapitalismus in den Sozialismus, als ein Mittel, um eine "neue Wohlstandsgesellschaft " für alle zu schaffen. Dieser wirren Logik folgend, könne man angeblich nicht mehr von Ausbeutern und Ausgebeuteten sprechen. Und deswegen sei eine soziale Revolution, die Zerschlagung der bürgerlichen Staatsmaschinerie und die Errichtung der Diktatur des Proletariats nicht mehr erforderlich.

Unter der Maske des Leninismus und seiner schöpferische Weiterentwicklung haben es die Revisionisten auf die Eroberung Weltherrschaft abgesehen, verwandeln sie sich in Sozialimperialisten. Sie begannen mit Chruschtschows " friedlicher Koexistenz", mit " friedlichem Wettbewerb", mit "einer Welt ohne Waffen und ohne Kriege", mit dem "parlamentarischen Weg", usw., und sie endeten mit der Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion und mit der Verwandlung des Sozialismus in den Sozialimperialismus.

Somit waren sie gegen die Revolution und gegen den Kampf der Völkerbefreiung, und waren sie gegen die kommunistischen Parteien, die treu den Marxismus-Leninismus verteidigten. Um vor allem ihre Ziele der Auslöschung der Befreiungskämpfe und der revolutionären Bewegungen zu erreichen, dient den Revisionisten der "friedliche Weg" als Grundthese ihrer "Theorie". Mit der Revision der grundsätzlichen Fragen des Marxismus, wie die Theorie der Revolution, und ihre Ersetzung durch opportunistische Thesen, wollen die Revisionisten die Arbeiter davon überzeugen, dass sie sich vom revolutionären Klassenkampf lossagen , sich der Bourgeoisie unterordnen und sich in die kapitalistische Sklaverei fügen müssten.

Andererseits diente die "friedliche Koexistenz " der sowjetischen Führung als eine grundlegende Linie ihrer Außenpolitik. Diese Linie wollten sie der ganzen kommunistischen und nationale Befreiungsbewegung weltweit aufzwingen. Ihr strategisches Ziel läuft auf die Gewinnung einer wohlwollenden Zustimmung seitens der Imperialisten hinaus. Mit der Bekämpfung der revolutionären Bewegungen und Unterdrückung der Befreiungskämpfe wollen sie sich eine Eintrittskarte in die imperialistische Welt verschaffen und ihre imperialistischen Einflusssphären auszubauen.

Die Revisionisten hatten und haben tatsächlich diese Art von " Koexistenz" ( die ja vollkommen den Zielen des Imperialismus und der Bourgeoisie entspricht) als Ablenkungsmanöver benutzt, um die Massen ideologisch und politisch zu entwaffnen, ihre revolutionäre Wachsamkeit abzustumpfen, sie aktionsunfähig zu machen und sie den zukünftigen Angriffen der Imperialisten und Sozialimperialisten wehrlos auszusetzen.

Die sowjetischen Revisionisten, sowie die anderen Revisionisten, die die staatliche Macht an sich gerissen haben, zerstörten die Partei, indem sie diese ihrer revolutionären Theorie beraubten, die leninistischen Normen mit Füßen traten, und dem Liberalismus und der Entartung des Landes Tür und Tor öffenten. Durch die Verbreitung ihrer anti- marxistischen Thesen, dass "der Kapitalismus in den Sozialismus integriert“ werde, dass auch "nicht-proletarische Parteien zum Träger der Ideale des Sozialismus und der Führer der Kampf für den Sozialismus“ werden können, dass sich "auch diejenigen Länder, in denen die nationale Bourgeoisie an der Macht ist, in Richtung Sozialismus“ entwickeln könnten, wollten die Revisionisten nicht nur das Ziel erreichen, die Theorie der Avantgarde-Partei der Arbeiterklasse zu leugnen, sondern auch die Arbeiterklasse ohne Führung zu lassen gegenüber der organisierten Angriffe der Bourgeoisie und der Reaktion.

Die Geschichte hat bewiesen, und die Ereignisse in Chile (wo es noch nicht einmal um die Frage des Sozialismus ging, sondern um ein demokratisches Regime) haben deutlich gemacht, dass die Errichtung des Sozialismus auf parlamentarischem Weg völlig unmöglich ist. Vor Allem ist festzuhalten, dass es bis jetzt noch nie vorgekommen ist, dass die Bourgeoisie den Kommunisten eine Mehrheit im Parlament überlassen hätte, damit diese eine kommunistische Regierung bildet. Selbst gesetzt den Fall, den Kommunisten und ihren Verbündeten würde es gelingen, im Parlament einen Machtzuwachs zu ihren Gunsten zu erreichen, so würde dies am bürgerlichen Charakter des Parlaments oder der Regierung überhaupt nichts ändern. Eine so geschaffene Lage führt niemals zur Arbeitermacht, denn die kann nur auf den Trümmern der zerschlagenen Unterdrückungssystems aufgebaut werden.

Unter solchen Bedingungen, wo die Bourgeoisie den bürokratisch-administrativen Apparat weiterhin in Händen behält, ist es nicht nur unmöglich eine " parlamentarische Mehrheit" herzustellen, die über das Schicksal des Landes entscheiden kann, sondern das ist auch völlig unrealistisch. Die wichtigsten Bestandteile der bürgerlichen Staatsmaschine sind die politische und wirtschaftliche Macht, sowie die Streitkräfte. Solange diese bürgerlichen Kräfte intakt bleiben, das heißt , solange sie nicht beseitigt und durch proletarische Kräfte ersetzt worden sind, solange der alte Apparat von Polizei, Geheimdiensten, etc. unangetastet bleibt, gibt es keine Garantie dafür, dass sich ein Parlament oder eine demokratische Regierung auf Dauer halten kann. Nicht nur in Chile, sondern auch anderswo, ist es die Bourgeoisie, die den Streitkräften Befehl gibt, den konterrevolutionären Staatsstreich durchzuführen.

Die Chruschtschow-Revisionisten habe absichtlich große Verwirrung geschaffen über Lenins sehr klare und präzisen Thesen bezüglich der Beteiligung der Kommunisten im bürgerlichen Parlament und über das Ergreifen der Staatsmacht. Es ist bekannt, dass Lenin die Beteiligung der Kommunisten im bürgerlichen Parlament unter bestimmten Bedingungen durchaus nicht bestritten hat. Aber er betrachtete diese Beteiligung nur als eine Tribüne der Propaganda, um die Interessen der Arbeiterklasse zu vertreten, die Bourgeoisie und ihre staatliche Macht vor den Massen zu entlarven, und um der Bourgeoisie in gewissem Umfang einige Zugeständnisse zugunsten der arbeitenden Menschen abzuringen. Dabei hat Lenin aber gleichzeitig immer davor gewarnt, sich falsche Hoffnungen über den parlamentarischen Kampf zu machen. Der bürgerliche Parlamentarismus ist Illusion und Betrug an den Massen. Lenin lehrt:

    "Die Partei des revolutionären Proletariats braucht die Beteiligung am bürgerlichen Parlament, um die Massen durch die Wahlen und den Kampf der Parteien im Parlament aufzuklären. Jedoch den Klassenkampf auf den Kampf innerhalb des Parlaments beschränken oder diesen Kampf als höchsten, entscheidenden betrachten, dem sie alle anderen Formen des Kampfes unterzuordnen haben, heißt, sich faktisch auf die Seite der Bourgeoisie und gegen das Proletariat zu stellen.“ (V. I Lenin, Werke, Band 30 Seite 262, deutsche Ausgabe).

Indem Lenin Kritik übte am "parlamentarischen Kretinismus" der Vertreter der Zweiten Internationale, die ihre Parteien in Wahlparteien verwandelt hatten, machte er deutlich, wohin der Parlamentarismus in Ideologie , Politik und Praxis führt . Er betonte:

    "Der bürgerliche Staat
kann durch den proletarischen Staat (die Diktatur des Proletariats ) nicht auf dem Wege des 'Absterbens' abgelöst werden, sondern, als allgemeine Regel, nur durch eine gewaltsame Revolution . " V. I Lenin, Werke, Band 25, Seite 412, deutsche Ausgabe) .

Er betonte ferner:

    " Diese Notwendigkeit, die Massen systematisch in
diesen, gerade in diesen Auffassungen über die gewaltsame Revolution zu erziehen, liegt der gesamten Lehre von Marx und Engels zu Grunde“. (Ebenda).

Indem die modernen Revisionisten blindlings den "parlamentarischen Weg" propagieren, folgen sie den Spuren Kautskys und Konsorten. Aber je weiter sie diesen Kurs beschreiten, desto mehr entlarven sie sich selbst, und desto eher werden sie eine Niederlage erleiden. Die ganze Geschichte der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung hat bewiesen, dass die gewaltsame Revolution, die Zerschlagung des bürgerlichen Staatsapparates und die Errichtung der Diktatur des Proletariats das universelle Gesetz der proletarischen Revolution bilden.

    "Die weitere Entwicklung, d.h. die Entwicklung zum Kommunismus“ , so sagt Lenin, "geht über die Diktatur des Proletariats, und kann auch gar nicht anders gehen, denn außer dem Proletariat ist niemand imstande, den
Widerstand der kapitalistischen Ausbeuter zu brechen, und auf anderem Wege ist er nicht zu brechen" (ebenda , Seite 475, deutsche Ausgabe).

Mit Beginn der Phase des Imperialismus, also bis heute, besteht die Gefahr der Errichtung einer faschistischen Militärdiktatur immer dann, wenn die kapitalistischen Monopole gewahr werden, dass ihre Interessen bedroht sind. Darüber hinaus hat es sich erwiesen, vor allem seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum heutigen Tag, dass der amerikanische Imperialismus, der britische Imperialismus und andere dazu übergehen, der Bourgeoisie in verschiedenen Länder zu Hilfe zu eilen, Regierungen zu beseitigen oder revolutionäre Kräfte zu unterdrücken, die auf die eine oder andere Weise die Grundfeste des kapitalistischen Systems gefährden.

Solange Imperialismus existiert , gibt es immer noch Grundlagen und Möglichkeiten genug, die dienlichste Politik durchzusetzen, durch Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder, durch konterrevolutionäre Komplotte, durch den Sturz legaler Regierungen, durch die Liquidierung der demokratischen und fortschrittlichen Kräfte und schließlich durch das Abwürgen der Revolution.

Es ist der amerikanische Imperialismus, der die faschistischen Regimes in Spanien und Portugal aufrecht erhält, der die Wiederbelebung des deutschen Faschismus und des japanischen Militarismus betreibt, die rassistischen Regimes in Südafrika und Rhodesien unterstützt und die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in ihrem eigenen Land befürwortet. Es ist der amerikanische Imperialismus, der dem reaktionären Regime in Südkorea und den Marionetten in Saigon und Pnom Penh hilft, der die zionistische Aggression angezettelt hat und Israel bei der Besetzung der arabischen Gebiete unterstützt. Alle wütenden Stürme des Antikommunismus, der nationalen Unterdrückung und kapitalistischen Ausbeutung gehen von den Vereinigten Staaten von Amerika aus. Überall in Lateinamerika, mit einigen wenigen Ausnahmen, hat der amerikanische Imperialismus seine tyrannischen, faschistischen Regimes eingesetzt, die die Menschen gnadenlos unterdrücken und ausbeuten. Auf diesem Kontinent werden alle Waffen gegen Demonstranten gerichtet, werden damit die Arbeiter und Bauern getötet. Und diese Waffen werden von den Vereinigten Staaten geliefert und befehligt.

Der faschistische Militärputsch in Chile ist nicht allein die Tat der Reaktion vor Ort, sondern auch des Imperialismus. Drei Jahre lang, also während der ganzen Zeit der Präsidentschaft Allendes, wurden die chilenischen rechtsgerichteten Kräfte zu konterrevolutionären Aktionen aufgestachelt, diese organisiert und gefördert durch die Vereinigten Staaten. Die chilenische Reaktion und die amerikanischen Monopole rächten sich an Präsident Allende für seine progressive und anti- imperialistischen Politik, die er verfolgte. All die subversiven Aktivitäten der rechten Parteien und aller reaktionären Kräfte, ihre Gewalt und ihr Terror, wurden durch Druck von außen gelenkt. Die amerikanischen Monopole errichteten wirtschaftliche Blockaden und führten einen politischen Kampf gegen die Regierung Chiles. Hinter der Militärjunta steckte der CIA, die gleichen Verbrecher, die schon so viele andere Staatsstreiche in Lateinamerika, Indonesien, Iran, usw. angezettelt hatten. Die Ereignisse in Chile haben wieder einmal das wahre Gesicht des amerikanischen Imperialismus gezeigt. Es erwies sich einmal mehr, dass der amerikanische Imperialismus ein rabiater Feind aller Völker ist, ein wilder Feind gegen Recht und Fortschritt; ein Feind des Kampfes für Freiheit und Unabhängigkeit, für Revolution und Sozialismus.

Aber die Konterrevolution in Chile ist nicht nur eine Tat der reaktionären Kräfte und der amerikanischen Imperialisten. Die Regierung Allendes wurde auch sabotiert und brutal angegriffen von Seiten der Christdemokraten und anderen Fraktionen der Bourgeoisie. Es handelt sich dabei um solche so genannten „radikal-demokratischen“ Kräfte, mit denen auch die kommunistischen Parteien Italiens und Frankreichs zusammenarbeiten, die behaupten, dass sie den Sozialismus auf dem Wege der Reformen erreichen, also durch den so genannten „friedlichen parlamentarischen Weg“. Die Frey Partei in Chile trägt nicht nur eine "intellektuelle Verantwortung", wie manche behaupten, etwa weil sie sich geweigert hatte, mit der Allende-Regierung zusammenzuarbeiten oder weil es ihr an Loyalität gegenüber der legalen Regierung gefehlt hätte. Sie trägt die Verantwortung auch dafür, dass sie alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel dafür einsetzte, um die Tätigkeit der Regierung zu sabotieren. Sie unterwanderte zusammen mit anderen rechten Kräften die Verstaatlichung der Wirtschaft und verbreitete Verwirrung im Land mittels Tausenderlei Subversionen. Sie verbreitete ein geistiges und politisches Klima, das das Losschlagen der Konterrevolution begünstigte.

Die sowjetischen Revisionisten waren auch in die Ereignisse in Chile verwickelt. Die sowjetischen Führer sind nämlich mit Tausend Fäden im Netzwerk der Intrigen und Komplotte des amerikanischen Imperialismus eingebunden. Sie hatten weder die Absicht noch den Wunsch, der Allende-Regierung zur Hilfe zu eilen, als diese noch an der Macht war, denn das würde einen Konflikt mit dem amerikanischen Imperialismus herauf beschwören und die freundschaftlichen Beziehungen stören.

Diese Haltungen der Chruschtschow-Revisionisten gegenüber Chile, und zur Theorie der Revolution, sind schon vor den chilenischen Ereignissen jedermann bekannt gewesen. Jeder kennt sie in Hinsicht auf die wiederholt tragischen Ereignissen im Iran: während die iranische Reaktion Hunderte und Tausende von Kommunisten, Revolutionäre und fortschrittliche Menschen inhaftierte und tötete, rührten die sowjetischen Revisionisten noch nicht einmal ihren kleinen Finger, geschweige denn übten sie diplomatischen Druck aus ! Die gleiche Haltung nahmen sie auch bei den schockierenden Ereignissen in Indonesien ein, wo etwa 500.000 Kommunisten und fortschrittliche Menschen umgebracht wurden. Auch hier hatten die sowjetischen Revisionisten nichts unternommen; sie hatten noch nicht einmal den Abzug ihrer Botschaft aus Djakarta in Erwägung gezogen. (1) Diese Verhaltensweisen der sowjetischen Revisionisten sind nicht etwa rein zufälliger Natur. Sie zeugen von ihrer geheimen Zusammenarbeit mit den amerikanischen Imperialisten, nämlich die revolutionären Bewegungen zu sabotieren und die Volksbefreiungskämpfe niederzuwerfen.

Diese Haltungen werfen jetzt auch ein bezeichnendes Licht auf den demagogischen Charakter des viel propagierten Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zu Chile.

So sieht es mit der Wahrheit aus. Hinter den schönen Worte über ihre angebliche Solidarität mit dem chilenischen Volk, hinter ihrem demagogischen Geschrei, mit dem sie die öffentliche Meinung täuschen, verbirgt sich ihr Verrat an der Revolution und an den Befreiungsbewegungen der Völker.

Die sowjetische Regierung fror die diplomatischen Beziehungen zu Chile ein, um sich möglichst als Unterstützer der Opfer der Reaktion darzustellen, so als ob sie auf der Seite derer stünde, die für Freiheit und Unabhängigkeit kämpfen, als ob die Revisionisten Verteidiger von progressiven Regime sind. Die sowjetischen Revisionisten helfen einem progressiven Regime nur so lange, wie dies ihren imperialistischen Interessen nützt und nicht länger. Darüber hinaus tun sie nichts. In Wirklichkeit schämen sie sich nicht einmal, normale diplomatische Beziehungen zu einem solch diskreditierten und bankrotten Regime wie das eines Lon Nol zu unterhalten, während sie einen so großen Befreiungskampf wie ihn das kambodschanischen Volkes totschweigen.

Die Ereignisse in Chile haben wieder einmal gezeigt, welche schweren Schicksalsschläge die Völker Lateinamerikas erleiden. Sie bringen auch die Unzulänglichkeiten, Grenzen und Schwächen der Revolution auf diesem Kontinent ans Licht, die ganze Tragweite enormer Schwierigkeiten und Härten. Aber sie stellen auch eine wichtige Lehre dar, nicht nur für die Revolutionäre in Lateinamerika. Alle Revolutionäre der Welt, alle diejenigen, die für die nationale und soziale Befreiung und gegen die imperialistische Einmischung und Gewalt, für die Demokratie und den Fortschritt der Menschheit kämpfen, müssen daraus Lehren ziehen. Dies trifft auch auf die Revolutionäre in der Sowjetunion zu, die sich gegen die revisionistischen Herrscher erheben und diese stürzen müssen. Sie müssen die opportunistischen und anti-leninistischen Theorien entlarven und bekämpfen. Genauso müssen die Revolutionäre in Italien, Frankreich und in anderen entwickelten kapitalistischen Ländern Lehren aus den chilenischen Ereignissen ziehen und entschlossen gegen den Revisionismus kämpfen. Sie müssen die reaktionären Theorien des "friedlichen parlamentarischen Weges" demaskieren, die die Togliatti-Anhänger und andere Revisionisten verbreiten.

Wir sind der festen Überzeugung, dass die Ereignisse in Chile, dass der faschistische Angriff der Reaktion auf die demokratischen Siege des chilenischen Volkes, dass die brutale Einmischung des amerikanischen Imperialismus und seine Unterstützung der Militärjunta, alle Völker der Welt dazu ermutigen werden, wachsam zu sein, die demagogischen Parolen der Imperialisten, Revisionisten und Opportunisten aller Strömungen entschlossen zurückzuweisen und alle ihre Kräfte zu mobilisieren, um ihre nationale Freiheit und Unabhängigkeit, den Frieden und die Sicherheit mutig zu verteidigen.

(1) Die sowjetischen Revisionisten wiesen den Korrespondenten der " Harjan Rakjat ", dem Organ der KP Indonesiens, aus der Sowjetunion aus und empfingen Adam Malik, den Außenminister des indonesischen faschistische Regime. Sie haben auch weiterhin sowjetische Waffen an Indonesien geliefert.




 

 

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