ENVER HOXHA


REDE AUS ANLASS DES TAGES DER UNABHÄNGIGKEITSERKLÄRUNG ALBANIENS UND DER ANKUNFT DER DEMOKRATISCHEN REGIERUNG IN TIRANA

  1. November 1944


Volk Albaniens,

es war an einem ebenso denkwürdigen Tag wie dem heutigen, als im Jahr 1912 nach so langer Knechtschaft das unabhängige Albanien entstand. Unser Land war von allen Seiten durch äußere Feinde bedroht, und neue Sklavenketten sollten fur unser Volk geschmiedet werden, als der Greis Ismail Qemali mit einer Schar mutiger Patrioten in Vlora die Freiheitsfahne entrollte und das albanische Volk aufatmen konnte. Dies war ein großer Sieg fur uns, doch wilde Stürme brausten bald erneut uber unser unglückliches Volk hinweg und die Freiheitsfahne wurde mit Füßen getreten. Sie wurde von den Satrapen des früheren Regimes mißbraucht, zu einem Handelsobjekt herabgewürdigt, wurde dazu benutzt, um die Schändlichkeiten und Gaunereien zu decken, die auf dem Rücken unseres Volkes durchgefuhrt wurden. Die Fahne des Volkes aber, die Fahne eines Ismail Qemali, blieb unbefleckt in den Herzen der albanischen Patrioten, und diese Fahne erhoben und hielten die stahlharten Hände der Kämpfer des Volkes, sie widerstand allen Gewittern und Stürmen heil und aufrecht, als Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit.


Nach so vielen heldenhaften Kämpfen gegen den Faschismus weht heute die rote Fahne von Vlora, gefärbt vom Blut der Helden, die in diesem Antifaschistischen Krieg fielen, stolz am Himmel des freien Albanien. Fünf Jahre sind unter der schweren faschistischen Sklaverei vergangen, fünfmal floss in den Straßen unserer Städte am 28. November das Blut der heroischen Söhne Albaniens, die den Bajonetten der Besatzer und der Landesverräter gegenübertraten. Der Tag der Fahne wurde uns doppelt heilig, als Tag der Unabhängigkeit und als Tag der Einheit des albanischen Volkes.

Am 7. April 1939 senkte sich eine schwere Sklaverei auf unsere Schultern. Der Faschismus, unser und der Menschheit größter Feind, besetzte unser Land. Hitler und Mussolini bereiteten den großen Krieg, bereiteten den Volkermord vor. Unser Land war das erste Opfer.

Der internationale Horizont verfinsterte sich. Europa rüstete fieberhaft; keine Stimme erhob sich zu unseren Gunsten außer dem Ruf unseres Volkes, von den Regierungsvertretern der damaligen Zeit verraten, das Waffen forderte, um gegen die italienischen Eindringlinge zu kämpfen. Der Verrat war ungeheuer. Die intriganten Politiker, die Spekulanten hatten Oberwasser, sie gaben dem Besatzer die Hand, schlossen sich zusammen, um das Volk zu unterdrücken, es zum Sklaven, zum Kanonenfutter zu machen. Die Faschisten und Landesverräter arbeiteten systematisch daran, jeden Widerstand des Volkes zu lähmen, jedes patriotische Gefühl zu ersticken, die Ehre unseres Landes mit Füßen zu treten, unsere Sitten und Gebräuche, unsere Sprache zu liquidieren und Albanien zu kolonisieren. Die Italiener wollten schließlich unser Land zu einer Basis machen, von der aus sie neue Aggressionen gegen unsere Nachbarn und dann gegen die Sowjetunion durchfuhren konnten. Doch mitten im wildesten Terror entstand der große Widerstand unseres Volkes, das sich erhob, um die verlorene Freiheit wiederzugewinnen. Dem barbarischen Faschismus, bis an die Zähne bewaffnet mit den modernsten Kriegsmitteln und unterstützt von den Landesverrätern, stellten sich unsere Kämpfer entgegen, beseelt von ungeheurem Freiheitsdrang und ausgestattet mit eisernem Willen und grenzenloser Opferbereitschaft. Die Sohne des albanischen Volkes, zutiefst getroffen vom Unglück ihres Vaterlandes und auf ihren Schultern das Elend und die Leiden eines ganzen Volkes tragend, erhoben sich. Viele von ihnen fielen schon in den ersten Stunden des Kampfes fur ihr geliebtes Volk. Sie fielen, Lieder auf den Lippen, denn sie wufiten, wofur sie kämpften, wussten, dass sie mit ihrem Blut, mit ihren Opfern das neue Albanien erbauen wurden. Es war der Schlachtruf der Vorhut an das Volk, die dem Volk zurief, dass das Land in todlicher Gefahr sei, es aufforderte, die Waffen zu ergreifen und durch ständigen und schonungslosen Kampf das Vaterland zu befreien. Das albanische Volk vernahm den Schlachtruf seiner Söhne und ergriff die Waffen, denn das Blut, das in den Straßen der Städte und Dörfer floss, war sein eigenes Blut.

Unser ruhmreicher Nationaler Befreiungskampf nahm seinen Anfang.

Es war ein ungleicher Kampf, wir hatten keine Waffen, waren ohne Kleider und Schuhe, es fehlten uns Lebensmittel. Doch wir waren stark, denn wir kämpften für eine große Sache, für die Befreiung des Volkes, dafur, ihm glücklichere Tage zu bringen; wir kämpften, um am Feind, der uns erwürgen wollte, Rache zu nehmen. Ein kleines Volk nahm den Kampf gegen eine große Bestie auf. Wir aber waren stark, denn in unseren Herzen loderte großer Hass gegen die, die unsere Hütten zerstörten und unsere Reichtümer plünderten. Wir ergriffen die Waffen und eröffneten den Kampf, denn wir waren vom Sieg überzeugt und wussten, dass das Recht auf unserer Seite war und wir in diesem Kampf nicht allein standen. Die ganze fortschrittliche, antifaschistische Welt, in einem starken Block vereinigt, lag im Kampf gegen den gleichen Feind, den Feind der Menschheit: den Nazismus und Faschismus.


Volk Albaniens,

drei Jahre bewaffneten Kampfes sind ruhmreiche Seiten unserer Geschichte, geschrieben mit dem Blut der Söhne und Töchter Albaniens.

Unsere Nationale Befreiungsbewegung erweiterte und festigte sich in einem heftigen bewaffneten Kampf, in einem politischen Kampf. Die Feinde waren stark und heimtückisch, sie benutzten Terror und Demagogie und setzten alle ihre Kräfte ein, um unsere Widerstandsbewegung zu liquidieren. Die Verräter unseres Landes, wie Mustafa Kruja, Mehdi Frashëri, Ali Këlcyra, Mithat Frashëri, Abaz Kupi, Shefqet Vërlaci und alle anderen Quislinge, wandten jeden erdenklichen Trick an, um unser Volk zu spalten. Ihre Demagogie war stark, und zu Beginn vermochten diese Banditen, diese blinden Werkzeuge der inneren und äußeren Feinde, einen Teil des Volkes bis zu einem gewissen Grad zu betrügen. Die Organisationen „Balli Kombëtar", „Legaliteti" und alle anderen Terrororganisationen wurden zu einem aktiven Werkzeug der Besatzung. Mit unbeschreiblicher Grausamkeit stürzten sie sich, gemeinsam mit den Deutschen, raubend und vergewaltigend, auf unser Volk und ermordeten eine große Zahl unschuldiger Menschen, Männer, Frauen, Greise und Kinder. Diese Verbrecher spieen Gift und Galle gegen unsere Nationale Befreiungsbewegung und unsere Armee. Unsere Bewegung hielt ihren Angriffen jedoch stand, denn sie hatte feste Grundlagen, war eine demokratische und fortschrittliche Volksbewegung. Unsere Nationale Befreiungsfront sammelte das ehrliche, arbeitende Volk um sich, das sein Brot im Schweiß seines Angesichts und nicht durch Gaunereien und Verrat verdiente. Unsere Nationale Befreiungsfront erfasste alle demokratischen Elemente ohne Ansehen ihrer politischen Tendenzen und ihrer Religion. Sie wurde so zu einem festen Organismus, der dazu geeignet war, diese schwierige, aber heilige Aufgabe erfolgreich zu Ende zu fähren. Unsere Nationale Befreiungsarmee, die im Verlauf vieler blutiger Gefechte entstand und sich festigte, war eine Volksarmee, in der Bauern, Arbeiter und Intellektuelle, wie ein Mann vereint, Schulter an Schulter fiir ein einziges Ziel, für ein freies, ein unabhängiges Albanien, für eine Volksdemokratie kämpften. Und nach dreijährigen heldenhaften Anstrengungen, nach so viel Blut, Leiden und Opfern blieben wir Sieger. Wir schlugen die deutschen Barbaren und die Verräter, ihre Handlanger.

lm Verlauf dieser dreijährigen Kämpfe wurde unsere Nationale Befreiungsfront Wirklichkeit, und die Nationalen Befreiungsrate, Organe des Kampfes und Basen der Volksmacht, wurden gebildet und gefestigt. Sie wurden zur wahren demokratischen Macht des Volkes.

Diese neue Volksmacht zerstörte die alte Staatsmacht, die blindes Werkzeug der Besatzung und der Landesverräter gewesen war. Für die Schaffung der Front und die Errichtung der Herrschaft des Volkes fielen viele Tausende Söhne Albaniens, selbstlos kämpfend, denn sie glaubten an eine glückliche Zukunft unseres Volkes. Unsere Bewegung eröffnete mit ihrer richtigen politischen Plattform dem Volk große Perspektiven, zeigte ihm den Weg, der zum Sieg führte.

Unsere Nationale Befreiungsbewegung, deren Ziel die Vereinigung des gesamten albanischen Volkes war, bemähte sich mit allen Mitteln, die Betrogenen davon zu überzeugen, dass ihr Weg fiir unser Vaterland schädlich ist. Der Aufruf des Antifaschistischen Komitees der Nationalen Befreiung und des Präsidiums des Antifaschistischen Rates Albaniens an diejenigen, die sich noch immer in den Reihen der Feinde befanden, war ein weiterer anschaulicher Beweis fur die Ziele unserer Bewegung.

Nach dreijährigen heldenhaften Anstrengungen, nachdem so viel Blut vergossen worden war, gingen wir aus dem Kampf siegreich hervor.

Der blutrünstige deutsche Feind wurde aus fast ganz Albanien vertrieben, die Banden der Reaktionäre, die Urheber des Brudermords, wurden zerschlagen, und heute feiert das albanische Volk, das seine Freiheit mit Blut errang, mit unbeschreiblicher Begeisterung den 28. November. In das nach heftigem Kampf, Straße um Straße, Haus um Haus befreite Tirana, in die Hauptstadt des freien und demokratischen Albanien zog heute die Demokratische Regierung Albaniens ein, in die Mitte unseres heroischen Volkes, das in den ersten Reihen unseres Kampfes fest und unerschütterlich stand und das alle Massaker der Deutschen und der Landesverräter nicht brechen konnten, sondern nur noch fester zusammenschlossen.


Volk Albaniens,

unser siegreicher Kampf hat das Ansehen unseres Landes erhöht.

Dank diesem Kampf wird der Name Albaniens und seines Volkes von der fortschrittlichen Welt mit Achtung genannt. Man spricht von uns mit Respekt, denn wir waren der großen Allianz des Antifaschistischen Blocks stets treu und werden es auch bleiben. Wir haben Ströme von Blut an der Seite unserer Verbündeten vergossen, die heldenhaft für die Rettung der Menschheit aus den Fängen des deutschen Nazismus kämpften.

Unser heroischer Kampf war eng verbunden mit dem Kampf unserer großen Verbündeten: der Sowjetunion, Englands und Amerikas, und eng verbunden mit dem Kampf der versklavten Völker.

In unseren Kämpfen leitete uns eine unerschütterliche Siegeszuversicht, denn wir hatten die Unterstützung der großen anglo-sowjetisch-amerikanischen Allianz. Jetzt, da die ruhmreiche Rote Armee, geführt vom größten Strategen der Gegenwart, Marschall Stalin, den Hitlerhorden schonungslos Schläge versetzt, ihr Land befreit hat und gegenwärtig siegreich nach Westen vorstößt, um den entscheidenden Angriff auf Hitlers letztes Bollwerk zu unternehmen, erneuern und vermehren sich auch die Kampfenergien unseres Volkes, erstarken seine Kräfte und seine Zuversicht. Die glänzenden Siege der Roten Armee waren auch unsere Siege und die der ganzen Welt, denn sie waren der Hauptfaktor für die Vernichtung dcs Nazismus. Dank dieser Siege verstärkte sich der Nationale Befreiungskampf der unterdrückten Völker. Die Siege der Roten Armee beschleunigten das Herannahen des Tages, den wir heute so feierlich begehen. Und unser kleines, aber unbesiegtes Volk drückt den heroischen Völkern der Sowjetunion und der glorreichen Roten Armee seinen tiefempfundenen Dank aus.

In diesem großen Krieg gingen England und die Vereinigten Staaten von Amerika nicht vor dem deutschen Nazismus in die Knie, sie kämpften und kämpfen heldenmütig für die gemeinsame Sache. Ihr Krieg zu Wasser, zu Land und in der Luft, der der deutschen Kriegsmaschine so schwere Schaden zufügt, ist eine wertvolle Hilfe für unser Volk.

(Anmerkung: Ungeachtet aller Versuche der englischen und amerikanischen Regierungen, unseren Nationalen Befreiungskampf zu sabotieren, beschleunigte der Krieg, den die anglo-amerikanischen Truppen gegen die Nazisten und Faschisten führten, unabhängig von den von ihren Regierungen verfolgten Zielen, den Sieg unseres Volkes.)

Die Eröffnung der zweiten Front und die Zerschlagung des deutschen Widerstands in Frankreich werden den endgültigen Sieg beschleunigen.

Eine große Hilfe für den Nationalen Befreiungskampf unseres Volkes war der heroische Kampf der jugoslawischen Völker. Unsere beiden Nachbar- und Brudervölker nahmen schon in den ersten Tagen der Besetzung den Kampf für die Befreiung ihrer Lander auf. Unsere Armee kämpft nun gemeinsam mit der jugoslawischen Armee in Kossova und in der Metohia; unsere Soldaten und die Jugoslawiens verbinden sich gegenseitig ihre Wunden, die sie im heftigen Kampf gegen den gemeinsamen Feind erhalten haben, und durch ihr Blut werden die Bande der Freundschaft gefestigt. Unsere Brigaden, die Befehl haben, keinen einzigen Deutschen lebend aus Albanien entkommen zu lassen, marschieren gegenwärtig nach Montenegro, wo sie gemeinsam mit den jugoslawischen Brigaden den deutschen Widerstand in diesen Gebieten völlig brechen werden. Mit Blut und Leiden hartet sich die Freundschaft zwischen unserem Volk und den Völkern Jugoslawiens. An diesem großen Festtag für unser Land schicken wir den jugoslawischen Brudervölkern unsere Grüße.

Mit dem griechischen Nachbarvolk haben wir gemeinsam gekämpft und geblutet, haben uns in diesem gemeinsamen antifaschistischen Kampf gegenseitig die Wunden verbunden, und es ist unser Wunsch, ständig gutnachbarliche Beziehungen mit diesem edlen Volk zu unterhalten. Wir müssen jedoch leider feststellen, dass die chauvinistischen, reaktionären Banden des Zervas die albanische Minderheit terrorisieren, ihr Eigentum rauben und sie von Haus und Hof vertreiben.

Elemente des Zervas überschreiten heimlich unsere Grenze und ermorden und verwunden unsere Panisanen. Solche Akte werden wir in unserem Lande nicht dulden. Der griechische Ministerpräsident Papandreou hat annexionistische Ansprüche auf das Gebiet von Gjirokastra und Korça erhoben, auf Nordepirus, wie er diese Teile Aibaniens zu nennen beliebt. Solche Ansprüche erleichtern natürlich keineswegs die Herstellung guter Beziehungen zu dem südlichen Nachbarn. Unsere Grenzen stehen nicht zur Diskussion, denn innerhalb dieser Grenzen gibt es nur albanische Gebiete, die uns unsere Vorfahren hinterlassen, und die wir mit unserem Blut getränkt haben.

Niemand soll es wagen, sie anzugreifen, denn er wird von uns die ihm gebührende Antwort erhalten.

Unsere Nationale Befreiungsbewegung hat der griechischen Minderheit in Albanien die gleichen Rechte gegeben, die auch das albanische Volk genießt. Die Demokratische Regierung Albaniens wird der griechischen Minderheit unseres Landes die demokratischen und nationalen Rechte und Freiheiten garantieren, für die die Söhne der griechischen Minderheit in den Brigaden der Nationalen Befreiung tapfer gekämpft haben.


Volk Albaniens,

heute schlagen wir eine neue Seite unserer Geschichte auf. Es liegt an uns, diese neue Seite der Geschichte so ruhmreich zu gestalten wie den Nationalen Befreiungskampf gegen den Besatzer. Diese neue Seite ist der Kampf um den Wiederaufbau Albaniens, der Kampf um die Entwicklung der Wirschaft, der Kultur, des Unterrichtswesens und des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Niveaus unseres Volkes. Unsere Bewegung begann in den kritischsten Momenten den ungleichen gigantischen Kampf und ging daraus siegreich hervor, weil unser Volk sich wie ein Mann um die Nationale Befreiungsfront scharte. Unsere Nationale Befreiungsbewegung wird auch diesen zweiten Kampf beginnen und ihn ebenfalls siegreich beenden, denn das haben uns diejenigen als Vermächtnis hinterlassen, die auf dem Feld der Ehre fielen, denn das bedeutet das Leben des gesamten Volkes und seine Zukunft. Die deutschen Nazis und die Landesverräter haben großes Unglück über unser Land gebracht, ganze Gegenden niedergebrannt, die Landwirtschaft ist verwüstet, die Wirtschaft des Landes hat schwere Schaden erlitten. Tausende von Familien sind obdachlos und ohne Brot. Die Schulen müssen wieder eröffnet und die Gesundheit des Volkes geschützt werden. Alle diese Aufgaben werden wir erfüllen können, wenn wir unsere Staatsmacht festigen und diejenigen heranziehen, denen das Wohl und Wehe des Volkes am Herzen liegt.

Deshalb stellt sich uns nun die Aufgabe, alles für unsere Staatsmacht herzugeben. Wir müssen sie stärken, damit sie die lebenswichtigen Aufgaben erfullen kann, und dafür muss sich das gesamte Volk jetzt um seine Staatsmacht scharen. Wir müssen unsere Nationale Befreiungsfront festigen und sie in die Lage versetzen, das gesamte Volk mit der Staatsmacht eng zu verbinden, es mit unserer richtigen Politik zu erziehen und in ihm das Bewusstsein für die Bedeutung der Aufgaben, die vor ihm stehen, zu schärfen. Wie während des bewaffneten Kampfes müssen wir uns auch jetzt darüber klar sein, dass, um diese Aufgabe erfüllen zu können, um den Volk eine bessere und glücklichere Zukunft sichern zu können, das gesamte Volk mitarbeiten muss, denn das Volk ist der Faktor dieses gigantischen Werkes. Nicht ein ehrlicher Albaner darf außerhalb der Front stehen, keine einzige Energie darf nutzlos vergeudet werden. Zum Feiertag des 28. November, aus Anlass der Befreiung Tiranas, erlässt das Präsidium des Antifaschistischen Rates der Nationalen Befreiung eine allgemeine Amnestie für alle Mitglieder des „Balli Kombëtar", der „Legaliteti" und der anderen Organisationen, die mit dem Besatzer zusammenarbeiteten. Von dieser Amnestie sind alle Kriegsverbrecher ausgeschlossen, alle, die Morde, Brandschatzungen, Vergewaltigungen und Plünderungen am Eigentum des Volkes begangen haben. Diese Tatsache zeigt die hohen Ziele der Nationalen Befreiungsbewegung, die für das Wohl des Volkes kämpfte und weiter kämpfen wird, jener Bewegung, die die größte Gerechtigkeit zum Prinzip hat.

Ganz Albanien muss sich in eine Baustelle umwandeln; jeder, ob klein, ob groß, muss wissen, dass er nicht für Fremde, sondern für sich selbst, für sein Land arbeitet. Für dieses Land, für das wir auch unser Leben nicht schonten, für dieses Land dürfen wir auch mit unserem Schweiß und unseren Mühen nicht sparen. Wir müssen alles daransetzen, um unsere Armee, diesen großen Faktor unserer Erfolge, zu festigen und sie zu einer modernen Armee im wahrsten Sinne des Wortes zu machen. Sie muss der wahre Beschützer des Volkes und seiner Staatsmacht sein. Um diese wichtige Aufgabe erfüllen zu können, muß unsere Armee sich ihrer Pflichten bewusst sein, muss sie politisch erzogen werden, denn nur auf diese Weise wird sie imstande sein, den Kampf mit dem größten Erfolg zu beenden und lebender Schild der Volksinteressen zu werden.


Volk Albaniens,

die Früchte deines historischen Kampfes musst du selbst pflücken, denn sie gehören dir, weil du sie mit Blut bezahlt hast. Damit uns aber die Räuber, Spekulanten, die Intriganten und gekauften Politiker, jene, die gewohnt sind, auf Kosten unseres Volkes zu leben und das Volk auszupressen, diese Früchte nicht aus der Hand reißen, müssen wir enger denn je unsere Reihen schließen, uns um unsere Staatsmacht, um die Front und die Demokratische Regierung zusammenschließen und so vereint den gesteckten Zielen entgegengehen, die darin bestehen, das soziale und wirtschaftliche Leben unseres Landes zu verbessern.


Es lebe das freie, demokratische Albanien!

Es lebe das albanische Volk!

Es lebe die Nationale Befreiungsarmee!

Es leben unsere großen Verbündeten: England, die Sowjetunion und Amerika!

Es lebe die Verbriiderung der freiheitsliebenden Völker des Balkans!

Es lebe das heroische Volk Tiranas!


Zum ersten Mal veröffentlicht in „Bulletin des Nationalen Befreiungskampfes", Nr. 52, 30. November 1944

Werke, Bd. 2

 

Enver Hoxha