Lenin und Stalin redeten der Revolution das Wort, wo hingegen die chinesischen Revisionisten in diesem Artikel davon sprechen, wir hätten von Lenin zu lernen, in leninistischer Weise die Befreiungsbewegungen der unterjochten Nationen Asiens, Afrikas, Lateinamerikas sowie anderer Erdteile vollauf zu begrüßen und zu unterstützen. Das ist ihrer Meinung nach alles, und dann sollen wir Beifall spenden. Doch wem? Allen, denen die Chinesen raten, die sie lehren, nicht für die Revolution zu kämpfen, nicht den nationalen Befreiungskampf aufzunehmen, sich mit jener Pseudofreiheit und Pseudosouveränität zufriedenzugeben, die sie gewonnen oder von den Imperialisten großzügig geschenkt bekommen haben. Das ist die ganze «Philosophie», die die Chinesen predigen.

In diesem Artikel zeigen sich die chinesischen Revisionisten auch bei der Verwendung von Zahlen als Chauvinisten. Lenin und Stalin führten Ziffern an, um die Zahl der unter der Herrschaft und Ausbeutung des Imperialismus geknechteten Menschen zu illustrieren und zeigten dabei auf, was sie und die Marxisten-Leninisten zu tun haben, um sich selbst und ihre Völker von der Knechtschaft zu befreien. Doch was passiert bei den chinesischen Revisionisten? Sie wiederholen diese Zahlen und vergleichen sie mit der Größe von Chinas Territorium und Bevölkerung, um - angeblich - zu beweisen, dass die «dritte Welt», China darin eingeschlossen, die erdrückende Mehrheit ausmachte und diese «Welt» als Ganzes die Haupttriebkraft der Revolution sei! Das ist eine Verzerrung des Sinns der Zitate von Lenin und Stalin, die in sehr übler anti-marxistischer Absicht erfolgt: die Völker und das Proletariat irrezuführen, damit sie sich nicht zur Revolution erheben, damit sie dem China Mao Tsetungs mit seinen 800 Millionen Menschen eine bis zum Absurden gehende Hochachtung entgegenbringen. Das heißt, sie sollen -, wenn nicht de jure, so doch de facto -. seine Hegemonie in der sogenannten dritten Welt anerkennen, denn die Tatsache, dass China diese Zahlen anführt und sich selbst in die «dritte Welt» einbezieht, zeigte deutlich, welch großes Gewicht es in dieser gewaltigen Zusammenballung von vielen hundert Millionen Menschen haben möchte. Diese «Welt» soll also denken, Chinas Wort sei das Wort des Herrn, und ihre Völker sollen ihm blindlings auf dem Weg in den Abgrund folgen, in den es sie zu führen sucht.

Vor kurzem schrieb ich, dass der chinesische Artikel geraume Zeit nach unserem 7. Parteitag und der Veröffentlichung der Artikel, die diesem Parteitag folgten, erschien. Während dieser Zeit fühlten die chinesischen Pseudotheoretiker der Welt, der kommunistischen Weltbewegung auf den Puls, um ihre Meinung über unsere Thesen herauszubekommen. In diesem Artikel lassen sich versteckte Versuche feststellen, den schlechten Eindruck etwas zu verwischen, den ihre falschen Thesen über die Theorie der «drei Welten» auf der Welt und in der internationalen kommunistischen Bewegung hinterlassen haben. Das ist der Grund dafür, dass die chinesischen Revisionisten in ihrem redaktionellen Artikel aufzuzeigen versuchen -, wenn auch natürlich auf sehr blasse Weise - , dass der amerikanische Imperialismus noch immer mächtig ist, dass seine Wirtschaft nicht schwächer geworden ist, dass seine Streitkräfte nicht verringert, sondern verstärkt worden sind, dass er überall auf der Welt eine große Zahl von Soldaten stehen hat usw. usf. Doch erstaunlicherweise verlieren sie nicht nur kein böses Wort über die NATO, diesen Aggressionspakt gegen die Völker, sie erwähnen sie noch nicht einmal, bringen nicht die geringste Erläuterung, wann und gegen wen dieser berüchtigte Pakt geschaffen wurde. Als ihre Strategie noch nicht den gegenwärtigen Kurs hatte, nahmen Mao Tsetung und die Chinesen bei ihren Äußerungen gegen den amerikanischen Imperialismus und die NATO kein Blatt vor den Mund. Nun schweigt man sich völlig über sie aus. Das ist ein Beweis für ihre Allianz mit dem amerikanischen Imperialismus. Diese «Rückkehr» zu einer ein klein wenig realistischeren Einschätzung vom sowjetischen Sozialimperialismus und vom amerikanischen Imperialismus vollziehen sie, weil sie dazu gezwungen sind. Natürlich bringt sie das gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika nicht in eine schwierige Position, denn die sind an solche Kritiken und Schlagworte gewöhnt, von denen auch Chruschtschow eine erkleckliche Anzahl von sich gab, sogar sehr viel kräftigere als die Chinesen. Die Amerikaner lassen sich durch diese abgedroschenen Phrasen der Chinesen über die wirtschaftliche und militärische Macht des amerikanischen Imperialismus nicht verdrießen. Weder den Vereinigten Staaten von Amerika noch den anderen imperialistischen Staaten machen diese Aussagen der Chinesen auch nur das geringste Kopfzerbrechen, denn sie verstehen den Kern ihrer «Theorie», sind sich im klaren über die Linie, die sie verfolgen, und wissen, dass diese Linie als Ergebnis der vollen Übereinkunft mit ihnen festgelegt wurde.

Doch die Chinesen sind gezwungen, diese «Wendung» zu vollziehen. Dazu zwingen sie der Kampf der Partei der Arbeit Albaniens und die Notwendigkeit, ihre antimarxistischen Thesen ein wenig zu verbrämen, hinterlassen diese doch bei den Menschen auf der Welt nach wie vor einen außerordentlich schlechten Eindruck, wenn diese sehen, dass China den amerikanischen Imperialismus in Schutz nimmt, wenn es das Bündnis mit allen Imperialisten gegen den sowjetischen Sozialimperialismus predigt, wenn es das Bündnis mit der kapitalistischen Unterdrückerbourgeoisie aller Länder der Welt predigt. Deshalb müssen die Chinesen in dieser Richtung einige Stellungnahmen abgeben, einige Ecken abrunden.

Das versucht man mit diesem Artikel zu erreichen, doch vergeblich. Ebenso vergeblich versuchen die chinesischen Revisionisten, sich mit Hilfe dieses Artikels den Anstrich von Realisten zu geben, denen es angeblich darum geht, die Theorie der «drei Welten» zu erläutern, die sie ohne jede theoretische, politische oder militärische Erläuterung als Schlagwort ausgegeben haben. So sehr sie auch zu erklären versuchen, in diesen Ländern der «dritten Welt» gebe es natürlich sowohl reaktionäre Elemente und Führer als auch fortschrittliche Führer, gebe es Agenten des amerikanischen Imperialismus und auch Agenten des sowjetischen Sozialimperialismus usw. usf. - die Verlogenheit ihrer «Objektivität» wird trotzdem offenbar. Diese unaufrichtige Haltung nehmen sie ein, um ihren Lesern zu verstehen zu geben, diese Dinge seien wahr, d.h., wenn sie es auch nicht gesagt hätten, verstünden sie es doch so. Doch die Chinesen sagen mit keinem Wort, was die Völker tun müssen, was das Proletariat gegen die Cliquen tun muss, die in den verschiedenen Ländern der Welt herrschen und Feinde des Volks, ja sogar Agenten des amerikanischen Imperialismus oder des sowjetischen Sozialimperialismus sind.

Der ganze Artikel von «Renmin Ribao» über die «drei Welten» hat keinerlei theoretischen Wert, er hat nichts Marxistisch-Leninistisches an sich. Er ist von vorne bis hinten anti-marxistisch, revisionistisch. In ihm findet man nichts Wahres und kein einziges revolutionäres Ziel. Alles in diesem Artikel wird in den Dienst der konterrevolutionären Sache gestellt - die imperialistischen Mächte zu schützen, den Status quo des Kapitalismus auf der Welt zu wahren. Diesen Status quo will China, um sich unterdessen mit modernen Waffen auszurüsten und Hilfen zur Stärkung seiner Kriegswirtschaft zu erhalten.

Die chinesischen Führer glauben, dieser Artikel werde bei den Völkern und den Kommunisten auf der Welt seine Wirkung ausüben, doch sie irren sich. Und tatsächlich stellen wir fest, dass sich in der Weltöffentlichkeit im Zusammenhang mit diesem «Artikel» von «Renmin Ribao» nichts dergleichen getan hat. Wir haben nur zwei, drei Meldungen und Kommentare der wichtigsten Nachrichtenagenturen über diesen Artikel gesehen, in denen hervorgehoben wird, China greife in einem seiner Leitartikel die Sowjetunion an. Über den «Zëri-popullit»-Artikel vom 7. Juli dagegen wurde überall auf der Welt gesprochen, und zwar nicht nur einige Wochen, sondern monatelang. Und noch immer spricht man über ihn und kommentiert ihn positiv.



MONTAG, 7. NOVEMBER 1977





EIN DREIECKSSPIEL

Gestern las ich die Grußbotschaft der chinesischen Führung an die sowjetische Führung aus Anlass des 60. Jahrestags der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Darin zeigen sich die ersten Anzeichen einer Auflockerung in den Beziehungen zwischen den Führungen dieser beiden Länder. Zuerst wird in der Grußbotschaft über die Bedeutung der Revolution gesprochen, dann heißt es, China wünsche staatliche Beziehungen zur Sowjetunion auf der Grundlage der bekannten fünf Prinzipien sowie der Beschlüsse, die in Peking bei den Gesprächen der beiden Ministerpräsidenten Kossygin und Tschou En-lai gefasst worden seien. Anders ausgedrückt: China antwortet positiv auf Breschnews Avancen hinsichtlich einer Verbesserung der Beziehungen.

Im redaktionellen Artikel der Zeitung «Renmin Ribao», in dem es ebenfalls um den 60. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, ihre internationale Bedeutung usw. usf. geht, heißt es indessen weiter unten in einem Absatz sinngemäß, die sowjetische Führung sei revisionistisch, in der Sowjetunion sei die Diktatur des Proletariats beseitigt worden, die Kommunistische Partei dort habe sich in eine revisionistische Partei, in eine «Partei des ganzen Volkes» verwandelt. Und man bringt noch ein paar solch harmloser und unschädlicher Beiworte. Sind also die Chinesen von den Positionen des aggressiven Angriffs auf die Sowjetunion abgegangen? Bezeichnen sie diese nicht mehr als einen aggressiven, kriegstreiberischen sozialimperialistischen Staat, wie sie es bisher in allen Artikeln ihrer Zeitungen getan haben? Wir werden sehen.

Wie wir feststellen können, hat die chinesische Propaganda seit Titos Besuch den Ton gegenüber der Sowjetunion etwas gemäßigt.

Es wurde sogar ein Binnenschifffahrtsabkommen abgeschlossen, und zwar besonders für den Fluss, an dem vor ein paar Jahren noch der bewaffnete Zusammenstoß stattgefunden hatte.

Titos Rat, die Beziehungen zur Sowjetunion etwas aufzulockern, ist also nicht auf taube Ohren gestoßen. Wir werden später sehen, wohin diese Auflockerung führen wird; wird sie sich weiter ausprägen oder wird es beim Erreichten bleiben? Das ist ein Dreiecksspiel zwischen den Amerikanern, den Sowjets und den Chinesen. Wenn Deng Hsiao-ping schon erklärt hat, China brauche 20 bis 25 Jahre Frieden, um zu einer «sozialistischen» Großmacht zu werden, dann müssen die Gemüter unbedingt beschwichtigt werden. Beschwichtigen muss China auch in den Beziehungen mit der Sowjetunion, denn es wird zum Krieg mit ihr kommen, und wenn dieser Krieg schneller kommt, wird China nicht so aufgebaut werden können, wie sich Deng Hsiao-ping und Hua Guo-feng das vorstellen. In der Perspektive wird China die Unterhosen sowohl da als auch dort herunterlassen, das heißt, sowohl bei den Amerikanern als auch bei den Sowjets. Unter diesen Umständen müssen wir wachsam sein, auf festen marxistisch-leninistischen Positionen verharren und die Verratsmanöver aller revisionistischen Strömungen entlarven, die - gegen die Revolution, gegen den nationalen Befreiungskampf der Völker - auf der Welt kursieren.







MITTWOCH, 9. NOVEMBER 1977





EINE DER REAKTIONÄRSTEN PAROLEN DER CHINESEN

Die berüchtigte Parole der Kommunistischen Partei Chinas, worin die Vereinigten Staaten von Amerika und die reaktionären kapitalistischen Länder der Welt, d.h. die Hälfte der «ersten Welt» und die gesamte «zweite Welt», wie sie sie nennt, dazu aufgerufen werden, sich mit allen Völkern der anderen Länder, die sie in der «dritten Welt» zusammenfasst, zu vereinigen. ist eine der reaktionärsten Parolen überhaupt. Anders ausgedrückt, die Kommunistische Partei Chinas ruft zum imperialistischen Raubkrieg auf. In dieser Frage zeigt sie einige Ähnlichkeit mit der II. Internationale, die in den Jahren 1914-1916 die Parole der «Verteidigung des [bürgerlichen] Vaterlands» ausgab. So betrügt die revisionistische Partei Chinas mit dieser reaktionären Parole die Völker und das Proletariat und kommt dem internationalen Finanzkapital zu Hilfe. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die anderen imperialistischen Staaten, das Bonner Deutschland, Japan und andere, haben den Wunsch und das Ziel, die Welt zu beherrschen, die Völker auszubeuten, das Proletariat zu unterdrücken.

Für die wahren Marxisten-Leninisten ist klar, dass das Proletariat absolut gegen einen solchen Krieg sein muss, dass gerade das Proletariat alle Anstrengungen unternehmen muss um dafür zu sorgen, dass die Regierung und die sogenannte Kommunistische Partei Chinas mit dieser anti-marxistischen politischen Linie, die sie verfolgen, scheitern, eine Niederlage erleiden. Das internationale Proletariat muss genauso gegen die jeweiligen reaktionären Regielungen kämpfen, die in kapitalistischen und revisionistischen Ländern herrschen und ihre Pläne für einen solchen Raubkrieg durchkreuzen, indem es die Vorbereitungen auf einen imperialistischen Krieg verhindert. Und sollte er dennoch ausbrechen, dann muss es ihn in einen Bürgerkrieg verwandeln, um die herrschende Bourgeoisie des Landes zu stürzen und die Macht zu übernehmen.







SAMSTAG, 12. NOVEMBER 1977





INFORMIEREN WIR DIE PARTEI ÜBER DIE ABWEICHUNG CHINAS

Gestern und heute legte ich letzte Hand an den Bericht über die Abweichung der Kommunistischen Partei Chinas vom Marxismusleninismus, den ich auf dem 3. Plenum des Zentralkomitees halten werde. Auf Beschluss des Politbüros werden am Dienstag, den 15. November, alle Plenummitglieder sowie die Ersten Sekretäre der Bezirksparteikomitees zum Sitz des Zentralkomitees kommen, um diesen Bericht zu studieren. Sie werden sich auch mit dem zweiten Bericht vertraut machen, den Genosse Ramiz über die Verbesserung der Arbeit der Partei zur Erziehung der Kommunisten und Kader halten wird. Am Mittwoch, den 16. November, werden die Genossen einen freien Tag haben, um sich auf die Diskussion vorzubereiten, und am Donnerstag beginnen wir dann direkt mit der Diskussion.

Ich meine, dass es sehr dringend und unerlässlich ist, die Partei über die feindliche, antimarxistische Tätigkeit zu informieren, die die Kommunistische Partei Chinas betreibt. Natürlich habe ich mich bemüht, den Bericht, den ich vor dem Plenum halten werde, so verständlich, so klar und so fundiert wie möglich zu machen. Viele theoretische und praktische Fragen der Kommunistischen Partei Chinas und ihrer Führung schon seit der Zeit vor Mao Tsetung müssen gründlicher untersucht werden, denn in der Aktivität dieser Partei und ihrer Führung sind vielerlei revisionistische Erscheinungen festzustellen. Es gibt bei den Chinesen Ausdrucksweisen. Formulierungen, einmal maskiert, ein andermal in einen «philosophischen» Nebel gehüllt, die wir unter dem Blickwinkel des Marxismus-Leninismus und der Situation in China richtig interpretieren müssen. Viele Kommunisten kennen die allgemeine Geschichte der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und militärischen Entwicklung Chinas nicht, und dies gilt nicht nur für die Periode vor der Befreiung, sondern auch für den Zeitraum nach der Gründung der Volksrepublik China. Sie kennen viele Aspekte der Tätigkeit der Kommunistischen Partei Chinas nicht. Auch wir selbst, die Partei und ihre Führung, haben bisher in der Öffentlichkeit wohlwollend über das neue China, seine Kommunistische Partei und Mao Tsetung gesprochen. Wir sagen im Bericht und haben auch schon auf anderen Sitzungen des Zentralkomitees und in den Diskussionsbeiträgen im Politbüro gesagt : nach der Kenntnis, die wir von der Situation in China hatten, nach dem, was wir wussten, meinten wir, die Interessen der Revolution erforderten, verlangten eine solche Unterstützung Chinas und Mao Tsetungs durch uns. Ungeachtet der Kritik, die wir bei vielen ideologischen Problemen an ihnen hatten, glaubten wir im Großen Ganzen, die Kommunistische Partei Chinas kämpfe immerhin gegen den Chruschtschowrevisionismus und dies sei ein Plus für die Sache der Revolution.

Deshalb stellt sich uns die Aufgabe, in der Partei Klarheit über diese Frage zu schaffen, damit auch in dieser Hinsicht Einheit des Denkens besteht. Diese Einheit des Denkens versuchen wir nicht durch Propagandaschlagworte zu stählen, sondern - wie immer bisher - durch unleugbare und im Licht des Marxismus-Leninismus analysierte Tatsachen. Nur so werden wir unsere Kommunisten und unser Volk in diesen neuen Schlachten stählen und auch das eine oder andere schwankende Element entwaffnen, das an diesem Wendepunkt oder in einem Moment, den es für geeignet hält, unweigerlich hervortreten wird.

Die Partei muss ihr ideologisches und politisches Niveau noch weiter heben, sie muss die Probleme gründlich erfassen, sie muss ein tiefes Verständnis von den Schwenks der verschiedenen revisionistischen Gruppierungen in der internationalen Arena haben. So wie sie den Titoismus und den Chruschtschowrevisionismus verstanden hat, so muss sie auch den Maoismus verstehen und sich für uns bevorstehende noch härtere Schlachten rüsten.

Unsere Partei hat große Kraft, eine gewaltige Erfahrung. Diese Erfahrung ist nicht nur dem Studium des Marxismus-Leninismus zu verdanken, sondern wurde in Kämpfen und Anstrengungen, ihn getreulich in die Tat umzusetzen, erworben und gesammelt. Die albanischen Kommunisten haben eine ganze Reihe von Kämpfen durchgestanden, ihr ganzes Leben war Kampf - bewaffneter Kampf gegen den italienischen Faschismus, bewaffneter Kampf gegen den deutschen Nazismus, ideologischer und politischer Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus und seine Diversanten, gegen die gesamte pro-amerikanische Koalition, die unser Land durch Diversanten, ideologisch und politisch bekämpfte. Wir haben einen ideologischen und politischen Kampf gegen den jugoslawischen Titoismus und die mit ihm liierten Verschwörer, Koçi Xoxe und Konsorten, geführt. Wir haben gekämpft gegen die Chruschtschowrevisionisten und ihre Agentur in unserem Land, Liri Belishova, Kóçö Tashko, Maqo Çomo, Panajot Plaku und viele andere. Beqir Balluku,, Abdyl Këllezi, Koço Theodhosi und die anderen, die Agenten der sowjetischen und der titoistischen Revisionisten waren, doch im Verborgenen blieben, arbeiteten auch als Agenten der Chinesen.

Nun hat unsere Partei auch einen unbeugsamen Kampf gegen die chinesischen Revisionisten aufgenommen. Wir wollen hier gar nicht reden von dem großen, gewaltigen Kampf, den sie unter .diesen schwierigen Verhältnissen geführt hat, um den Sozialismus in allen Bereichen aufzubauen, um den neuen Menschen mit neuen Eigenschaften, mit hoher proletarischer Moral zu erziehen, um sein ideologisch-politisches Niveau zu heben, vom Kampf gegen die Schwierigkeiten, gegen die Religion, für die Emanzipation der Frau, für die Elektrifizierung des Landes usw. usf. All dies ist eine gewaltige Erfahrung, die unsere Partei hart macht wie Stahl und befähigt, allen Schwierigkeiten zu trotzen, woher sie auch kommen und welcher Natur sie auch sein mögen. Deshalb müssen wir diese Lage ständig und unablässig festigen.



MONTAG, 21. NOVEMBER 1977





MAO ÜBER DEN DEMOKRATISCHEN ZENTRALISMUS

Mao war mit dem Prinzip des demokratischen Zentralismus, so wie es Lenin erläuterte und anwandte, nicht völlig einverstanden. Mao gab diesem Prinzip «eine sehr viel breitere Bedeutung». Dabei ging es ihm angeblich darum, die chinesische Gesellschaft im Allgemeinen zu charakterisieren und dem demokratischen Zentralismus eine andere Form und einen anderen Inhalt zu geben. Im Gegensatz zu Lenins Theorie ließ Mao Tsetung, was die Beziehungen zwischen Zentrum und Massen anbelangt, dem spontanen Handeln der Massen im Allgemeinen und der Arbeiterklasse im Besonderen freien Lauf. Lenin ließ bekanntlich spontane Disponibilitäten im Gegensatz zu den marxistischen Prinzipien nicht zu. Nach Lenin müssen die Handlungen der Massen und der Klasse von der marxistischen Partei orientiert und geleitet werden.

Mao vertrat den Standpunkt, die Massen müssten selbst, ohne die Führung durch die Arbeiterklasse und ihre Partei und ohne Rücksicht auf die Prinzipien des demokratischen Zentralismus, ihr Leben aufbauen. Wir sahen jedoch sowohl vor der Kulturrevolution als auch und besonders danach, dass diese ganze maoistische Theorie ein derartiges Chaos verursachte, dass selbst Mao überrascht war und sich zu besinnen begann, wie diesem Chaos Schranken zu setzen seien.

Lenin betrachtete den demokratischen Zentralismus als Grundprinzip der Organisation von Partei und Staat. Unter diesem Prinzip verstand er die volle Freiheit der Diskussion über alle Fragen. Waren aber von den höheren Organen Beschlüsse gefasst worden, mussten sie von den unteren Organen unbedingt eingehalten werden. Die unteren Organe mussten gefragt werden; war jedoch der Beschluss gefasst worden, hatten sie sich den darin enthaltenen Anordnungen vorbehaltlos zu unterwerfen. Mao Tsetung verstand auch die Demokratie anders als Lenin, von daher kam er zu der Schlussfolgerung, es könne keinen korrekten demokratischen Zentralismus geben. Für Mao lässt sich der Zentralismus nicht durchführen, weil sich die Auffassungen und Meinungen der Menschen, ihr Verständnis von den Dingen unterscheiden!

Was ist dann für Mao der demokratische Zentralismus? Seiner Ansicht nach ist er in erster Linie ein Zentralismus der «richtigen» Ideen! Das heißt, dass er dieses Prinzip nicht als einen konkreten Ausdruck der Bildung, der Abhängigkeit, der Unterordnung, der Kollektivität und der einheitlichen Leitung der Organe der Partei und des Staates der Diktatur des Proletariats betrachtet, sondern ein idealistisches Verständnis davon hat.





DIENSTAG, 22. NOVEMBER 1977





UNRAT, DEN DIE REVISIONISTEN FABRIZIEREN

Hsinhua brachte gestern Abend lange Auszüge aus einem umfangreichen feindlichen, revisionistischen Artikel, den Kazimierz Mijal, der den Titel eines Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Polens für sich beansprucht, über die chinesische Botschaft in Tirana nach Peking geschickt hat. Diesen Revisionisten haben wir, ohne ihn schon früher zu durchschauen, jahrelang in seiner Arbeit bei der Leitung seiner Kommunistischen Partei unterstützt. Wir haben ihm alle politischen, ideologischen, moralischen und wirtschaftlichen Erleichterungen gewährt. Es stellt sich jedoch heraus, dass er nichts ist als ein Renegat des Marxismus-Leninismus, ein verkappter Feind der Partei der Arbeit Albaniens. Daher ist es nicht notwendig, hier lange auf seine feindliche Tätigkeit einzugehen, die schon vor zwei Jahren aufgedeckt wurde.

Nach dem 7. Parteitag, aber auch schon früher, hat Kazimierz Mijal unsere Partei provoziert, doch diesmal griff er offen die Thesen unseres Parteitags an. Es zeigt sich deutlich, dass er in geheimer Verbindung mit den Chinesen gestanden hat, denn er verficht genau die Thesen, die auch sie gegen unsere Partei vorbringen. Diese Thesen hat Mijal ebenfalls in einigen Briefen dargelegt, die er an unser Zentralkomitee geschickt hat. Der Artikel, von dem hier die Rede ist, enthält in journalistischer Form nur all jene anti-marxistischen und verräterischen Ansichten eines Renegaten, eines Agenten des Imperialismus und des chinesischen Revisionismus, die er auch schon in seinem feindlichen und anti-marxistischen Brief an das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens ausgeführt hat.

In dem Brief, den er uns geschickt hat, erklärt er, er sei bereit, auch mit dem Teufel ein Bündnis einzugehen, wenn der nur gegen den Sowjetrevisionismus sei. Unter anderem vertritt er die These, ein Land, ein Volk oder eine Partei könnten nicht zwei Hauptfeinde haben, sondern, nur einen, und das sei die Sowjetunion, nicht aber auch die Vereinigten Staaten von Amerika. Deshalb seien er und seine angebliche Partei bereit, mit der gesamten Reaktion sowohl der seines Landes als auch der Weltreaktion - gegen den Sowjetimperialismus zusammenzuarbeiten. Das ist die These der Chinesen, die These von der «dritten Welt», die These: „Sich auf einen Imperialismus sützen, um einen anderen Imperialismus zu bekämpfen“.

Doch mit der Zeit wird sich zeigen, dass die chinesischen Revisionisten sich auch der Sowjetrevisionisten annähern, auch mit ihnen innige Freundschaft schließen. Die richtige Linie unserer Partei wird sich jeden Tag mehr durchsetzen. Und wir sind uns bewusst, dass dieser Unrat in der internationalen Arena und in den Reihen der kommunistischen Bewegung aufgetaucht ist und weiter auftauchen wird, weil die revisionistischen Feinde daran arbeiten, unsere Bewegung zu spalten und Schmutz auf die ruhmreiche marxistisch-leninistische Theorie zu werfen. Doch die marxistisch-leninistische Theorie wird triumphieren, unsere Sache ist gerecht, das Weltproletariat wird sie zu seiner Sache machen. Dazu werden natürlich Erläuterungen, Anstrengungen, Kampf nötig sein. Doch wir werden es schaffen, auch diese neue Strömung des Revisionismus, repräsentiert durch die chinesischen Revisionisten, zu entlarven.





MITTIWOCH, 23. NOVEMBER 1977





VERFOLGEN WIR HARTNÄCKIG DEN BAU DER OBJEKTE

Wir dürfen die Arbeiten an der zweiten Phase der Objekte, die wir im Bau haben, nicht vernachlässigen. Im Gegenteil, wir müssen den Bau dieser Objekte, bei denen uns China hilft, rigoros verfolgen, damit sie rechtzeitig fertiggestellt werden. Deshalb müssen wir Bescheid wissen, was wir brauchen und was wir nicht brauchen, warum einiges gekommen ist und einiges nicht. Ständig müssen Forderungen gestellt werden, denn wir wissen, dass China uns zunehmend Schwierigkeiten in den Weg legt und legen wird. Ebenso müssen wir uns über die Arbeit am Werk Nr. 12 auf dem laufenden halten, das Ende dieses Jahres fertiggestellt sein und spätestens im Januar die Produktion aufnehmen muss, damit wir unser eigenes Eisen verhütten können. Deshalb muss das Industrieministerium dazu angehalten werden, die Produktion richtig zu organisieren und den Bau dieses wichtigen Objekts ständig zu kontrollieren.

Es ist unerlässlich, dass wir diese wichtigen Probleme ständig im Auge behalten, rigoros auf die Fristen, auf die Qualität achten, keine überflüssigen Ausgaben dulden. Die Ministerien und ihre Stäbe müssen bei all diesen Problemen Geschick beweisen, in bezug auf die Probleme beim Bau der Objekte wie auch die Probleme bei der Rohstoffbeschaffung im In- und im Ausland. Sie müssen es verstehen, mit besonderem Geschick zu manövrieren, um richtige Kombinationen treffen, vorbeugen, das Notwendige im Voraus tun zu können, anstatt die Dinge erst zu konstatieren, wenn es schon zu spät ist und Defizite entstanden sind.

Will man dieser schwierigen Situation gerecht werden, dann muss man die Zügel straffer ziehen, dann muss man mit hohem Bewusstsein, mit solider Organisation und einer straffen Leitung arbeiten, wobei man der Komplexität unserer sozialistischen Wirtschaft gerecht werden und alle ihre Bereiche miteinander koordinieren muss.





SONNTAG, 27. NOVEMBER 1977





WIR KÖNNEN DEM CHINESISCHEN REVISIONISMUS GEGENÜBER KEINEN MILDEREN TON ANSCHLAGEN

Deng Ying-tschao, die Witwe Tschou En-lais, ist in den Iran gereist, um dem Schah dieses Landes und der Prinzessin Aschraf, dem großen «Freund» und der großen «Freundin» des China Mao Tsetungs, einen Besuch abzustatten. Prinzessin Aschraf ist in China von Mao Tsetung und Tschou En-lai zwei oder drei Mal mit großem Pomp empfangen worden.

Dem Besuch Deng Ying-tschaos ging ein langer Artikel der Nachrichtenagentur Hsinhua und der Zeitung «Renmin Ribao» voraus, in dem von der Größe des Schah-in-Schah die Rede ist, vom «blühenden» Iran, diesem «freien» und «unabhängigen» Land, das angeblich erbittert gegen die beiden Supermächte kämpft. Was für eine ungeheure Schande für China, einen Banditen und Sohn eines Banditen zu verherrlichen, den Amerika mit dem Flugzeug aus der Emigration zurückbrachte, nachdem es mit Dollars und seiner Agent ur den Aufstand Mossadeghs unterdrückt und die Tudeh-Bewegung in Blut erstickt hatte! Dieser Tyrann unterdrückt heute erbarmungslos das iranische Volk, saugt ihm das Blut aus. Dort haben Massen von Menschen keine Arbeit und kein Brot, sie haben nichts anzuziehen, kein Dach über dem Kopf, noch nicht einmal eine Hütte (von den vom Erdbeben zerstörten Gebieten gar nicht zu reden), und das zu einer Zeit, da er persönlich und sein Kreis jedes Jahr Hunderte von Milliarden Dollars einstecken! Solche Leute sind die «großen» und «aufrichtigen» Freunde Chinas.

China ist ein vor dem amerikanischen Imperialismus katzbuckelnder großer Staat geworden, der den Kapitalismus und die gesamte reaktionäre Bourgeoisie verteidigt, unter welcher Maske sie auch auftritt. Es unterstützt den Schah des Iran, die Politik von Washington, Paris, Bonn, London, mit einem Wort, die Politik der Imperialisten jeder Art, jeden Kalibers und jeder Stärke. All dies tarnt es mit einem Feigenblatt, dem angeblichen Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Doch Chinas Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus trägt nur den Charakter territorialer Expansion. Chinas Ziel ist, die nördlich von ihm gelegenen Gebiete - Sibirien, die Mongolei und andere - zu besetzen. Ebenso hat es ein Auge auf ganz Indien und die anderen Länder Südasiens geworfen, etwa Indonesien und die Philippinen, auf die Länder des Fernen Ostens, auf Australien usw., um sie, wenn schon nicht in seine Hand, so doch unter seinen Einfluss zu bringen.

Mao Tsetung wollte, dass China seine alte, Jahrhunderte zurückliegende Größe wiedererlange. Mit anderen Worten, China sollte auch in moderner Zeit das «Reich der Mitte» werden, wie man es vor langem, zur Zeit des Konfuzius und der Kaiser nannte. Mao Tsetung, Liu Schao-tschi und Tschou En-lai kämpften nicht für den Triumph des Sozialismus und des Kommunismus. Sie waren bestrebt, die proletarischen Revolutionen in Asien und nun auf der Welt zu verhindern. Die maoistische Führung Chinas erlaubte Tschiang Kaischecks Truppen den Durchzug nach Birma, wo sie gegen die dortige nationale Befreiungsbewegung kämpften, die von der Kommunistischen Partei Birmas geführt wurde. Ja, sie kämpfen sogar noch heute gegen sie. Auch wenn es heißt, ein Teil dieser Truppen sei nach Taiwan gegangen, so sind doch die maoistischen Führer Chinas in ihrer Freundschaft mit U Ne Win zu dessen wichtigsten Stütze bei seinem Vorhaben geworden, die Kommunistische Partei Birmas zu liquidieren.

Ebenso verfuhren die revisionistischen chinesischen Führer bei der Spaltung und Liquidierung der Kommunistischen Partei Malayas, gegen die der englische Imperialismus seine Schläge gerichtet hatte, wobei Zehntausende von Kommunisten getötet worden waren.

Gleiches geschieht heute auch mit den Kommunisten der Philippinen. Mao Tsetung unterhielt eine enge Freundschaft mit Marcos, diesem kapitalistischen Schlächter, der dabei ist, die nationale Befreiungsbewegung dieses Landes zu liquidieren.

China erhebt Anspruch auf Hegemonie. Es träumt davon, nicht nur die Sowjetunion, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika zu überholen. Doch seine «Lenden», wie man in Gjirokastra sagt, also seine Gegenwärtige Kraft, besonders die wirtschaftliche und militärische, reicht nicht aus, um die hegemonistische Politik zu verwirklichen, an der es bastelt und von der es träumt. Chinas Politik ist versklavend, und das begreifen die Völker, das begreift das Proletariat, das begreift die Bourgeoisie, das begreifen die fortschrittlichen Menschen. Um selbst die Völker versklaven zu können, unterstützt der chinesische Hegermonismus die Versklavung der Völker durch die Imperialisten, die China augenblicklich «Freunde», «Fürsprecher», gar «Befreier der Völker» nennt. Doch in Wirklichkeit hat diese Politik ein Fiasko erlitten und wird auch weiterhin ein Fiasko erleiden, denn ein Mensch mit Urteilsvermögen, der sich bis zu einem gewissen Grad, und sei es auch nur minimal, Gedanken um die Interessen seines Volkes macht, muss die reaktionäre Politik, die China gegenwärtig betreibt, zwangsläufig durchschauen.

In Anbetracht all dessen äußern wir uns deshalb zur Linie und Politik der Kommunistischen Partei und der Regierung Chinas in scharfen Worten, denn die sind den Taten der chinesischen Führung angemessen. Wir Albaner, wir albanischen Kommunisten sind in der Lage festzustellen, dass sie ganz und gar vom marxistisch-leninistischen Weg und vom Weg des Aufbaus des Sozialismus abgewichen sind. Angesichts dieser Fakten, angesichts dieses Verhaltens und dieser Ideologie können wir daher dem chinesischen Revisionismus gegenüber keinen milderen Ton anschlagen.







FREITAG, 2. DEZEMBER 1977





DIE CHINESEN DEHNEN DIE IDEOLOGISCHEN MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN AUF DIE STAATLICHEN BEZIEHUNGEN AUS

Unser Botschafter in Peking teilte uns mit, dass die Chinesen den Mitgliedern unserer Handelsdelegation erklärt haben, sie würden keine Spezialisten für Phosphorite, PVC und ich weiß nicht für welches andere Problem noch nach Albanien schicken, denn : «Es bestehen keine geeigneten Bedingungen. Solange keine guten Bedingungen und Einvernehmen hergestellt worden sind, werden wir keine Spezialisten zu diesen Objekten schicken.» In anderen Worten, die chinesischen Revisionisten fangen an, die zwischen uns und ihnen bestehenden Verträge und Abkommen offen zu sabotieren. Sie beginnen, die ideologischen Gegensätze zu uns auf das Gebiet der staatlichen Beziehungen auszudehnen, nehmen also langsam die alten Positionen der Sowjets ein, was wir natürlich vorausgesehen haben. Heute kommt, glaube ich, das chinesische Flugzeug, und wir werden einen schriftlichen Bericht von unserer Botschaft erhalten. den wir gründlich studieren werden, um dann entsprechend zu handeln.

Zunächst, so meine ich, sollten wir die Chinesen darauf hinweisen, dass diese Handlungsweise eine Verletzung der vertraglichen Verpflichtungen bedeutet, also falsch ist und umgehend aufgegeben werden muss. Wir werden dann sehen, wie sie weiter vorgehen, und dieses Vorgehen aufmerksam und wachsam verfolgen.





FREITAG, 2. DEZEMBER 1977





AUF DER WELT WERDEN KOMMUNISTEN GETÖTET – DIE CHINESEN LÄSST DAS UNGERÜHRT

Die Nachrichtenagenturen melden, dass der Vorsitzende der Kommunistischen Partei der Philippinen zusammen mit einer Gruppe anderer Genossen des Zentralkomitees der Partei von Diktator Marcos verhaftet worden ist.

Die Kommunistische Partei der Philippinen ist eine kämpferische Partei, doch sie ist der totalen Sabotage durch die chinesischen Revisionisten ausgesetzt. Warum sollte der Schlächter Marcos so etwas auch nicht tun, unterhielt doch Mao Tsetung selbst enge Verbindungen mit den Henkern der Kommunistischen Partei der Philippinen? Diktator Marcos und seine schöne Frau mit ihrem tiefen Dekolleté, aus dem der Busen herausquoll, wurden zwei oder drei Mal in Audienz von Mao empfangen. Sie wurden von ihm gelobt und beglückwünscht und bemühten sich um enge und aufrichtige Freundschaft mit Mao Tsetung und China. Und Mao reichte ihnen die Hand.

Auf der anderen Seite metzelt der philippinische Diktator die Marxisten-Leninisten der Philippinen nieder, die für die Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität der Inseln, gegen das fremde Joch und das innere Joch des Kapitals kämpfen. Doch die chinesischen Revisionisten lässt das ungerührt.

Nichts anderes taten sie auch im Fall der Kommunistischen Partei Indonesiens unter Führung von Aidid, als Suharto 500000 Menschen massakrierte. Nicht anders verfuhren die chinesischen Revisionisten auch mit der heroischen Partei Malagas, mit der Partei Birmas, deren Kommunisten U Ne Win, der Freund Mao Tsetungs und der chinesischen Revisionisten, aufrieb. Völlig ungerührt ließen die Chinesen auch die anderen Parteien des Fernen Ostens, mit denen man auf die gleiche Weise verfuhr.

Dies ist ein Verbrechen der maoistischen Führung an den Marxisten-Leninisten in Asien. Inzwischen betreibt sie diese Tätigkeit überall auf der Welt, in Europa, in Lateinamerika, in Afrika, in Australien und überall sonst.

Unter der Maske des Marxismus-Leninismus zielt sie darauf ab, diese Länder und diese Parteien auf dem kapitalistischen Weg zu führen und Chinas Hegemonie über sie zu errichten, um ein Gegengewicht zu den beiden Supermächten zu schaffen und selbst zur Supermacht zu werden.





DONNERSTAG, 8. DEZEMBER 1977





EIN DÜSTERES CHINESISCHES PANORAMA

Das chinesische Panorama ist düster, innerhalb wie außerhalb Chinas.

Mehr als ein Jahr ist seit dem Machtantritt der Clique von Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping verstrichen, und diese zeigt sich nun eifrig bemüht, die bürgerliche kapitalistische Macht und die revisionistische Ideologie in ganz China zu konsolidieren. Die zahlreichen Fakten, die die Presse und die Nachrichtenagenturen bringen, die auf zahlreichen Kontakten zu in Peking akkreditierten Diplomaten verschiedener Länder der Welt basierenden Mitteilungen, die wir von unserer Botschaft in Peking erhalten - all dies zeigt, dass die Situation dort chaotisch ist, sich nicht im Geringsten stabilisiert hat.

Seit dem Machtantritt Hua Guo-fengs gab es nicht nur die Peripetie [=entscheidender Wendepunkt, Umschwung – Anmerkung der Red.] im Schwanken seiner Gruppe bei der Rehabilitierung Deng Hsiao-pings, vielmehr lassen sich schon seit der Zeit des Schlags gegen die sogenannte Vierergruppe ständige Unruhen und, wie es heißt, sogar bewaffnete Zusammenstöße feststellen.

Tatsächlich spricht die offizielle chinesische Presse davon, dass gegenwärtig in allen Provinzen viele Menschen, einmal 10, einmal 17, einmal 20 oder 25 erschossen werden. Und die Zahlen steigen an. Wir sehen, dass in der chinesischen Presse dauernd nach «staatlicher Disziplin» gerufen wird, und zwar nicht nur bei der Arbeit, sondern auch nach innerer Disziplin. Dies wird in vielen Leitartikeln, besonders in «Renmin Ribao», betont. Das zeigt, dass in China nicht alles wie geschmiert und ruhig seinen Lauf nimmt, wie das die Leute der Putschistengruppe Hua Guo-fengs dachten. Anscheinend ist dort die Bewegung gegen Hua Guo-feng ziemlich stark. Neben den Verhaftungen, Einkerkerungen und Erschießungen haben die Putschisten während dieser Zeit auch Kampagnen zur Liquidierung der Kulturrevolution unternommen. Das bedeutet eine Diskreditierung Mao Tsetungs, natürlich indirekt, doch immerhin eine Diskreditierung, weiß man doch, wie sehr propagiert wurde, die Kulturrevolution sei von Mao Tsetung persönlich initiiert und geführt worden (und das stimmte). Nun sagt die Hua-Guofeng-Clique, die Kulturrevolution sei abgeschlossen, während sie doch tatsächlich, laut Mao, weitergehen sollte zur «Liquidierung der Bourgeoisie» in China. Doch der Gruppe Hua Guo-fengs zufolge ist diese «Bourgeoisie in der Partei» wieder hochgekommen, und zu ihrem Pech umfasst diese «Bourgeoisie in der Partei» 12 bis 16 Millionen (ich weiss nicht genau, wie viele neue Elemente während der Kulturrevolution in die Partei kamen), und das waren - wie sie selbst sagten - gesunde Elemente, hervorgegangen aus der Arbeiterklasse und der revolutionären Jugend!

Diese Kulturrevolution hätte also fortgesetzt werden müssen, doch die Putschisten stoppten sie. Warum? Weil sie nicht mit ihr einverstanden waren, weil die von Mao eingeleitete Kulturrevolution - so wie er sie entfaltete und mit den Absichten, die er dabei verfolgte -, in Wirklichkeit ein Kampf gegen die Gruppe von Liu Schao-tschi, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen und all den anderen war, die in ihren Selbstkritiken zugaben, sie seien Monarchisten, Konfuzianer, Konterrevolutionäre gewesen. Hua Guo-feng wollte mit seiner öffentlichen Erklärung vor dem Zentralkomitee zu verstehen geben, die Kulturrevolution sei falsch gewesen und mittlerweile ungeschehen gemacht. Nach Deng Hsiao-ping wurden auch all die andern rehabilitiert, die in der Kulturrevolution verurteilt worden waren, von Peng Tschen bis Peng Dö-huaj, und sicherlich wird auch Liu Schao-tschi rehabilitiert werden.

All die Reaktionäre, denen die Kulturrevolution Schläge versetzte, haben wieder ihre früheren Funktionen erhalten und besetzen Schlüsselpositionen in der Leitung. Sie sind allesamt nicht nur Reaktionäre, Revisionisten, Trotzkisten, Kapitalisten, sondern auch alt. So fiel die Führung in China, sowohl in der Partei als auch im Staat, wieder in die Hand der Reaktion, der alten, zwar schwunglosen, dafür aber bösartigen und rachsüchtigen Reaktion, die nun auf die junge Generation einschlägt und sie auf die Straße wirft. Diese Bande an der Macht begann die Säuberung an der Peking Universität, einem der Hauptzentren der Kulturrevolution. Von dort wurden all die Elemente aus der Arbeiterklasse entfernt, die vor 10-12 Jahren an die Universität gekommen und zu leitenden Kadern und Erziehern der jungen Generation geworden waren. Sie alle wurden von der Universität entfernt, natürlich mit Zeremonien und «mit Blumen», während unten, in den Provinzen, die Prozedur der Ersetzung aller Menschen, die nicht mit der Führung einverstanden sind, durch Getreue der Putschisten weitergeht, insbesondere durch Militärs, denn die gegenwärtige Führung stützt sich auf die Armee. Für sie ist die Partei eben jene nichtexistente Partei, eine amorphe Organisation, ein Etwas mit entarteten Normen, das diese Führung, die ihr mit Waffengewalt aufgezwungen wurde, zu unterstützen, «ja» und «zu Diensten» zu ihr zu sagen hat.

Diese ganze Situation hat jedoch China wirtschaftlich ausgezehrt, geschwächt, sie hat seine staatliche Organisation geschwächt und der Volkswirtschaft schwer geschadet. Das macht sich überall in China bemerkbar. Dort gibt es eine ausgeprägte Unzufriedenheit und Engpässe bei der Versorgung.

Auch die wirtschaftlichen Beziehungen Chinas mit dem Ausland sind viel schwächer geworden - nicht nur mit uns, das sowieso, sondern auch mit den anderen Ländern. Das ist das Ergebnis des großen Verrats, der in China gerade stattfindet, eines Verrats, dessen Wurzeln nicht nur im Machtantritt der Putschistengruppe Hua Guo-fengs und Deng Hsiao pings zu suchen sind, sondern noch sehr viel tiefer sitzen, in der revisionistischen, anti-marxistischen, kapitalistischen Linie der Gruppe Mao Tsetungs.

Wie man uns sagt, herrscht in China unter den Menschen Misstrauen, sie wagen noch nicht einmal, miteinander zu sprechen, denn man denunziert sie bei den Organen der Polizei, der Armee, was unverzüglich Massnahmen nach sich zieht. Das Land ist so groß, dass man nicht weiß, wohin diese Menschen gebracht werden. Werden sie erschossen, aufgehängt oder in Konzentrationslager gesperrt? Ihre Angehörigen wissen nichts darüber. Das sind die Angaben, die unsere Leute von chinesischen Freunden erhalten. Diese Leute, die unsere marxistisch-leninistische Linie unterstützen, sprechen mit uns, doch untereinander können sie so etwas nicht sagen. So sieht also die Situation aus, eine Situation des Terrors, eine überaus drückende Situation für das chinesische Volk, das dieses schlimme Schicksal, das ihm Mao Tsetung und seine Nachfolger bescherten, nicht verdient hat.

Das chinesische Volk kämpfte für die Befreiung seines Landes, für die Unabhängigkeit und den Sozialismus, doch es wurde von der Führung mit Mao Tsetung an der Spitze betrogen und nicht auf den wahren Weg des Sozialismus geführt, zur Konsolidierung der Partei durch die marxistisch-leninistischen Normen und die marxistisch-leninistische Ideologie. Der neue chinesische Staat wurde nicht auf den Weg des Sozialismus gelenkt, sondern setzte den Weg der kapitalistischen Entwicklung, der Entwicklung der reaktionären Bourgeoisie und des Kulakentums fort. Sie alle, mit Mao Tsetung an der Spitze, einschließlich Liu Schao-tschis und der anderen, waren nichts als NÖP-Leute, die die NÖP als eine ständige, sehr lange dauernde Periode verstanden und praktizierten, die schließlich angeblich in den Sozialismus münden würde. Ihr wahres Ziel war es jedoch, den Sozialismus in den Kapitalismus zu integrieren. Sie waren nichts als Bucharinisten.

Wir stellen fest, dass das China Hua Guo-fengs und Deng Hsiaopings auch international in der vollen Bedeutung des Wortes diskreditiert ist. Seine Stimme ist auf der Welt kaum zu hören. Es nimmt zu keinem der kapitalen Probleme Stellung, die die Menschheit, die Völker und die Staaten bewegen. Sein einziges Schlagwort ist: Zusammenschluss aller Staaten der Welt, der «zweiten Welt» und der «dritten Welt», wie es sie nennt, mit dem amerikanischen Imperialismus gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Das ist die ganze Achse der chinesischen Außenpolitik, um diese Achse dreht sich, darauf beschränkt sich die ganze Aktivität. Wenn man eine Nachricht von «Renmin Ribao» oder Hsinhua überhaupt Aktivität nennen kann, dann besteht diese «Aktivität» in nichts anderem als dem einen oder anderen Propagandaartikel oder der Sammlung all jener Meldungen der allerreaktionärsten Nachrichtenagenturen, die zum Weltkrieg hetzen, indem sie den Völkern einreden, der sowjetische Sozialimperialismus sei die Hauptgefahr für sie, deshalb müssten sie gegen ihn aufrüsten und kämpfen.

Dieses Ziel ist also in der chinesischen Außenpolitik vorherrschend: China ruft das Weltproletariat, die unterdrückten Völker, die Völker der Kolonien und Halbkolonien usw. dazu auf, sich mit dem amerikanischen Imperialismus zusammenzuschließen, sich mit der reaktionären Bourgeoisie ihrer Länder zusammenzuschließen, angeblich, um gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu kämpfen. Ein anderes Problem wirft China nicht auf, und es ist dazu auch gar nicht in der Lage. Doch warum ist es dazu nicht in der Lage? Weil es sich selbst in die «dritte Welt» eingereiht hat. Die Länder dieser «dritten Welt» sind jedoch im Großen und Ganzen entweder mit dem amerikanischen Imperialismus oder dem sowjetischen Sozialimperialismus verbunden. China selbst, Mitglied der sogenannten dritten Welt, ist mit dem amerikanischen Imperialismus und seinen Satelliten, also den Cliquen der Länder der „dritten Welt“ verbunden.

Unter diesen Bedingungen kann China keine Meinung haben, keine Frage aufwerfen oder verfechten, die im Interesse eines Staates bzw. von Staatengruppierungen der «dritten Welt» ist, die möglicherweise gegen den amerikanischen Imperialismus aufbegehren. Vielmehr unterstützt es jene kapitalistischen Führungen, die eine von den Zeitumständen abhängige Gegnerschaft zum sowjetischen Sozialimperialismus zur Schau stellen. So ist nicht nur Chinas gesamtes internationales Auftreten verschwommen, ohne Substanz, ohne Feuer, weil nicht revolutionär, sondern es zeigt sich auch klar, dass China die Versklavung der Völker durch die amerikanischen Imperialisten unterstützt. Also hören die Völker, die es Völker der «dritten Welt» nennt und deren Hirte es werden möchte, nicht auf diesen hinterhältigen Hirten, der das Lied des Imperialismus singt, der sie unterdrückt. Die Völker der sogenannten dritten Welt ziehen die Schlussfolgerung, dass die chinesische Politik schlecht, eine volksfeindliche, verlogene Politik ist, so verlogen wie Chinas Auftreten gegen den sowjetischen Imperialismus.

Sowohl die Völker als auch die reaktionären Führer, durch die sie in Knechtschaft gehalten werden, durchschauen, in welcher Absicht China die Sowjetunion angreift. Sie erkennen, dass China diese Politik betreibt und ein antisowjetisches Steckenpferd reitet, weil es bestrebt ist, sich in der sogenannten dritten Welt strategische Positionen und Märkte zu verschaffen.

Wenn die Vereinten Nationen zusammentreten oder auf der Welt irgendein wichtiges Ereignis geschieht - zum Beispiel Sadats Schritte, die Aktivitäten der Amerikaner im Nahen Osten -, wenn Konferenzen stattfinden wie die in Tripolis usw., senkt China seine Stimme zwanzig Meter unter den Meeresspiegel, unterstützt aber, natürlich halblaut, jene, die das Spiel der Amerikaner treiben. China wagt es nicht, laut seine Meinung über die Zugeständnisse und Kompromisse zu sagen, die Israel auf Kosten der arabischen Völker gemacht werden, denn sonst würden ihm die Botschafter der arabischen Länder in China und anderswo auf den Leib rücken, und es wüsste nicht, was es ihnen sagen sollte. Tatsache ist, dass China daran arbeitet, diese Völker zu spalten. Es sieht dieses Problem nicht objektiv, und wie sollte es auch, werden doch die arabischen Völker auf der einen Seite vom amerikanischen Imperialismus und auf der anderen Seite vom sowjetischen Imperialismus bedrängt. Wie wir einen richtigen Weg zu verfolgen, dazu ist China nicht in der Lage, denn seine antisowjetischen Positionen hat es nicht auf prinzipieller Grundlage bezogen wie wir, weshalb es gezwungen ist, mit seiner Meinung zu dieser Frage hinter dem Berg zu halten. Gleichgültig, was die Sowjets sagen, China muss, wie wir auch, seine eigene Meinung über die Ereignisse im Nahen Osten haben. Das bringt es nicht fertig, vielmehr bleibt es jener verräterischen Politik treu, die Politik des amerikanischen Imperialismus müsse unbedingt verteidigt werden.

Also stellen wir fest, dass Chinas allgemeine Politik auf der Welt ein großes Fiasko erlitten hat, denn sie besteht aus unrichtigen Stellungnahmen bzw., in den meisten Fällen, in Schweigen.

China macht ein großes Geheimnis um die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, die es mit den kapitalistischen Ländern entwickelt. Tatsache ist, dass Hunderte von Delegationen des amerikanischen Imperialismus und des Weltkapitalismus nach China kommen. Ebenso reisen Dutzende und Hunderte chinesischer Delegationen, bestehend aus Wirtschaftsfachleuten, Ingenieuren, Technikern, Militärs, in alle kapitalistischen Länder der Welt. Und sie alle schließen natürlich Verträge über die Belieferung mit Maschinen und Technologie, über den Bau von großen Fabriken und Werken und die Lieferung von Rüstungsgütern ab. Alle diese Abkommen kommen hinter den Kulissen zustande, im Dunkeln, die Bezahlung erfolgt durch Clearing, oder man räumt China große Kredite ein. China ist ins Räderwerk der Kreditaufnahme bei multinationalen Gesellschaften, verschiedenen kapitalistischen Staaten und dem amerikanischen Imperialismus geraten. Das ist die ganze Politik Chinas. Seine Exporte sind zurückgegangen, weil die chinesische Wirtschaft nicht mit dem nötigen Ertrag arbeitet.

Was die angeblich guten Beziehungen Chinas zu einer Reihe von Ländern anbelangt, mit denen es befreundet war, so zeigen die Verhältnisse, dass sie auf dem Nullpunkt angelangt sind.

China ist mit Korea nicht im Reinen, denn Korea will auf zwei Hochzeiten tanzen, sowohl bei der Sowjetunion als auch bei China. Es möchte, dass ihm die Sowjetunion große Kredite gibt, aber auch China, das dazu nicht in der Lage ist. Die Koreanische Volksdemokratische Republik will von China, dass es sich bei den Vereinigten Staaten von Amerika für die Wiedervereinigung des Landes einsetzt, doch das tut China nicht, weil es sich seinem großen Freund, den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht entgegenstellen kann. Das ist der Grund dafür, dass Korea nicht auf gutem Fuß mit China steht.

Dasselbe gilt für Vietnam. Kürzlich kam Le Duan nach China, und wie die Meldungen besagen, gelangten die beiden Seiten dabei nicht zu einer Festigung ihrer Freundschaft, weil China Anspruch auf vietnamesische Gebiete erhebt. Es will dem verbrannten und zerstörten Vietnam keine Kredite geben und ist dazu auch nicht in der Lage. Darüber hinaus möchte es auch nicht, dass Vietnam Kredite vom sowjetischen Sozialimperialismus nimmt. China möchte, dass Vietnam ein Vasall der Vereinigten Staaten von Amerika wird, würde sich freuen, wenn es so käme.

China gibt sich den Anschein, als unterhalte es gute Beziehungen zu Kambodscha. Natürlich ist Kambodscha ein sehr armer Staat, kaum aus dem Krieg hervorgegangen, es hat noch keine klar herauskristallisierte Politik. Unter diesen Umständen, auch wegen der schwierigen Situation zwischen Kambodscha und Thailand sowie zwischen Kambodscha und Vietnam, für die territoriale Konflikte verantwortlich sind, scheint es mit China auf gutem Fuß zu stehen.

Nehmen wir Chinas Beziehungen zu Pakistan. Gegenwärtig verhält sich Pakistan China gegenüber kühl, doch China hat begonnen, Brücken der Freundschaft zum Schah-in-Schah und zu den Prinzessinnen des Iran zu schlagen. So schafft sich das «sozialistische» China neue Verbündete unter den schmutzigsten, niederträchtigsten und intrigantenhaftfesten Leuten und Dynastien. China meint, es könne vom Schah des Iran, der unter dem starken Einfluss des amerikanischen Imperialismus und der Ölgesellschaften steht, Kredite erhalten. Der Iran hat viel Kapital im Ausland investiert, besonders aber in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Westdeutschland, also den derzeitigen Freunden Chinas. Außerdem verkaufen die Vereinigten Staaten von Amerika dem Schah des Iran die modernsten Waffen. Für sie ist er, wie Israel, ein Werkzeug gegen die sowjetische Gefahr. Der Schah-in-Schah rüstet auf, denn er hat große Pläne. Er will den Irak, den Persischen Golf besetzen und einer Invasion vom Kaukasus oder vom Kaspischen Meer her die Spitze abbrechen. Oder ist er etwa nicht der Nachfolger der berühmten Kaiser des persischen Reiches, dessen Zweitausendfünfhundertjahrfeier er unter kolossalem Aufwand gefeiert hat! Der Schah des Iran führt ein märchenhaftes Leben wie weiland Harun al Raschid, während das persische Volk leidet wie in der Zeit der Sklaverei. Und mit diesem bürgerlich kapitalistischen Staat und seiner reaktionären Clique unterhält China sehr freundschaftliche Beziehungen.

Was die arabischen Länder betrifft, so ist, wie ich schon sagte, Chinas Politik nicht vorhanden. In den Beziehungen zu diesen Ländern zeichnet es sich durch seine pro-amerikanische und anti-sowjetische Haltung aus. Von dieser Orientierung ist Chinas gesamte Politik im Mittelmeerraum diktiert. So steht China im Gegensatz zu jenen arabischen Ländern, zu denen die Sowjetunion Beziehungen unterhält und die sie unter ihren Einfluss zu bringen versucht. Dagegen hat China zu den anderen arabischen Ländern, die die Vereinigten Staaten von Amerika in ihre Klauen gebracht und ihrem Gesetz unterworfen haben, eine positive Einstellung. Also stehen in diesem Raum auf der einen Seite verschiedene Staaten im Gegensatz zur chinesischen Politik, aber auch die Staaten auf der anderen Seite sind nicht für China, denn sie sehen, dass es nichts unternimmt. Und tatsächlich, was tut China? Es spendet Somalia, dem Präsidenten Mohammed Siad Beifall, weil er die Sowjets aus Somalia verjagte. Daran hat er gut getan, doch China applaudiert ihm gerade deshalb, weil er nach Washington gefahren ist und sein Land unter das Joch des amerikanischen Imperialismus gebracht hat. Das also ist Chinas Politik.

China spendet auch Mobutu Beifall, der ein Verräter, ein Renegat, ein Agent, einer der größten Kapitalisten Afrikas ist. Auf der anderen Seite ist es gegen Angola, weil dort die Sowjetunion Einfluss hat. Diese Politik ist also reaktionär, unrealistisch. Es gibt auch andere, entwickelte kapitalistische Staaten, die ihre allgemeinen Interessen verteidigen, doch sie verteidigen auch ihre besonderen Interessen, gegen den Sowjetimperialismus, wenn nötig aber auch gegen den amerikanischen Imperialismus. China versucht, in den Staaten der sogenannten dritten Welt Fuß zu fassen, doch das möchte es mit nichts im Kopf und nichts in der Tasche erreichen - das Einzige ist, dass es dem einen Imperialismus applaudiert und einen anderen Imperialismus in Worten angreift. Das ist alles, denn in wirtschaftlicher Hinsicht hat es nicht die Möglichkeit zu helfen, zur Zeit kann es noch nicht einmal seine offiziellen und moralischen Verpflichtungen anderen Staaten gegenüber einhalten, weil die Verträge zu einer Zeit unterzeichnet wurden, als sich China als sozialistisches Land ausgab. Heute haben die chinesischen Führer die Maske fallen lassen, deshalb werden sie möglicherweise auch diese Abkommen brechen, die sie unterzeichnet haben.

Uns gegenüber hat China eine feindselige Position bezogen, die es schrittweise auch auf das Gebiet der staatlichen und wirtschaftlichen Beziehungen ausdehnt. Bekanntlich hat uns China einige Kredite zum Bau einer Reihe von Fabriken sowie eines Wasserkraftwerks eingeräumt. Gegenwärtig macht es Schwierigkeiten bei der fristgerechten Lieferung der betreffenden Maschinen und Anlagen. Außerdem haben auch die chinesischen Spezialisten angefangen, große Ansprüche zu stellen. Sie verdienen im Monat doppelt soviel wie ich und wollen trotzdem immer noch mehr. Nicht alle sind üble Leute, doch ihre Botschaft hetzt sie auf, häufig die Hände in den Schoß zu legen, kein Interesse für die Arbeit zu zeigen, und wenn in unserer Presse ein ideologischer Artikel erscheint, nehmen sie eine niederträchtige Haltung ein. So geschah es, dass einer der chinesischen Spezialisten Gemeinheiten auf die Zeitung schrieb, in der die Rede des Genossen Mehmet in Vlora veröffentlicht wurde, und sie absichtlich im Zimmer liegen ließ. Als man ihn darauf ansprach, antwortete er: «Ich habe das geschrieben, weil es meine Meinung ist.» Das sind Provokationen.

Auch was den Handel anbelangt, machen uns die Chinesen, wie ich im Tagebuch schon geschrieben habe, große Schwierigkeiten. Wir kämpfen gegen ihre offensichtlich unrichtige Einstellung, und sie dürfen sicher sein, dass wir von unseren prinzipienfesten marxistisch-leninistischen Standpunkten, die die große Kraft unserer Partei und des albanischen sozialistischen Staates ausmachen, nicht abrücken. Unsere prinzipienfesten marxistisch-leninistischen Standpunkte stellt die ganze Welt fest. Sie sieht, dass wir das einzige unabhängige Land sind, dass wir unsere Meinung offen sagen und alle Feinde der Völker kritisieren und entlarven, Imperialisten, Sozialimperialisten, Revisionisten jeden Schlags, all jene, die die Völker unterdrücken, versklaven und kolonisieren, die gegen die Revolution und das Streben der Völker nach Befreiung kämpfen.

Die Menschen auf der Welt, die verschiedenen Kanzleien fragen sich verwundert, woher wir diese Kraft nehmen. Sie können es natürlich nicht verstehen, doch wir finden diese Kraft in der korrekten marxistisch-leninistischen Linie unserer Partei, in der stählernen Einheit ihrer Reihen und der Einheit von Partei und Volk, wir finden sie in unserer Arbeiterklasse, in der entschlossenen Anwendung des Prinzips, sich auf die eigene Kraft zu stützen. Schließlich finden wir sie auch in der internationalistischen Unterstützung aller Marxisten-Leninisten und fortschrittlichen Menschen auf der Welt, die unsere Volksrepublik lieben und Achtung für die mutige und richtige Politik der Partei der Arbeit Albaniens empfinden. Das ist eine weitere Unterstützung für unser Land.

Es gibt Leute auf der Welt, die die wirtschaftlichen Beziehungen unseres Landes mit der uns umgebenden Welt nicht so begreifen können wie wir, weil die Ansicht aufgebracht worden ist, kein Staat, ob klein, ob groß, könne leben, ohne von irgendjemand Kredite anzunehmen. Das heißt, es gibt Leute, die unsere wirtscharf tliche Unabhängigkeit, die auch politische Unabhängigkeit becteutet, nicht begreifen können, die nicht verstehen können, dass wir in der Lage sind zu leben und sehr gut leben werden - und tatsächlich leben wir sehr gut -, ohne uns selbst die Ketten der wirtschaftlichen und politischen Knechtung aufzuerlegen.

Die Handelsfragen sind eine andere Geschichte. Wir müssen Anstrengungen unternehmen, sogar sehr große Anstrengungen, für unsere Waren Märkte zu finden und harte Devisen zu beschaffen bzw. Clearingvereinbarungen zu erreichen, um die Waren einzuführen, die wir noch nicht selbst herstellen können, und so den Bedarf des Landes für die Weiterentwicklung unserer Volkswirtschaft zu decken. Das werden wir auf jeden Fall selbst, aus eigener Kraft tun. Doch das begreifen weder die kapitalistischen noch die revisionistischen Länder.

Die revisionistischen chinesischen Führer meinten, wir würden uns ihnen beugen, dem Marxismus-Leninismus untreu werden, nur um der paar Kredite willen, die sie uns gaben. Offensichtlich haben sie die große Erfahrung des Kampfes der Partei der Arbeit Albaniens und des albanischen Staates gegen die Tito und die Chruschtschowrevisionisten schnell vergessen und genau deren Weg eingeschlagen. Es zeigt sich ganz deutlich, dass sich die chinesischen Revisionisten in der Haltung und im Handeln uns und der Welt gegenüber kein bisschen von den Sowjetrevisionisten unterscheiden. Sie sind genauso Revisionisten, genauso Sozialimperialisten, mit dem einzigen Unterschied, dass sie neue Sozialimperialisten sind, die sich die koloniale Macht, die sie anstreben, erst schaffen müssen. Doch wann und wie sie sie schaffen werden, ist ein anderes Problem. In den Beziehungen zum Ausland versuchen die Chinesen, ihre verrottete antimarxistische, revisionistische Ideologie als marxistisch-leninistische Ideologie zu verkaufen. Aber es gibt niemand auf der Welt, der so verrückt wäre, dass er Seife als Käse essen würde. Alle, ob nun wahre Marxisten-Leninisten oder Demokraten oder Reaktionäre, begreifen sehr wohl, dass die chinesische Ideologie durchaus nicht marxistisch-leninistisch ist.

Die chinesischen Revisionisten haben den Marxismus-Leninismus über Bord geworfen; sie haben eine neue Form des Revisionismus eingeführt, verpackt in eine ausgeprägt sozialdemokratische kapitalistische Ideologie und vermengt mit den reaktionären. etatistischen, feudalen alten chinesischen Pililosophien. Und diese Politik, diese Ideologie versuchen sie zu verbreiten, doch sie verfängt nirgends. Sie verfängt nur bei einigen iungen. verwirrten «Marxisten-Leninisten», die unter der Brutlampe der chinesischen Kulturrevolution und im Schlagschatten der «großen Autorität» Mao Tsetungs sogenannte marxistisch-leninistische Gruppen gründeten. Diese Elemente. die einige unechte kleine Parteien schufen, können nicht aus ihrer Haut, können diese geistige Koppelung mit den Chinesen, die sie vollzogen haben, nicht lösen. Deshalb schlagen sie sich auf ihre Seite, schreiben in den Zeitungen oder Zeitschriften, die von den Chinesen finanziert werden, um betrügerische, angeblich marxistisch-leninistische Theorien zu verbreiten, plattes, unangebrachtes und im Kern revisionistisches Zeug.

Die diesen Gruppierungen angehören, sind zerstritten, denn die chinesischen revisionistischen Anschauungen können, wie die jedes anderen Revisionismus, niemals zu Einheit und Kohäsion des Denkens und Handelns führen, im Gegenteil, sie bringen Spaltung. So war es bei Mao, der verkündete, in China und in der Kommunistischen Partei Chinas solle es «zwei oder fünf Linien» geben, sollten «hundert Blumen blühen und hundert Schulen miteinander wetteifern», weil es seiner Meinung nach am besten wäre, wenn es möglichst viele Strömungen gäbe. Und in den kapitalistischen Ländern, wo es die pro-chinesischen sogenannten marxistischen Parteien gibt, blühen nicht nur hundert, sondern tausend «Blumen».

Jedermann, jedes Mitglied dieser Anhängselparteien der chinesischer. Revisionisten hat seine eigene Meinung und äußert sie, allerdings nicht, um zu handeln. Doch auch wenn er handelt, handelt er nicht entschlossen. Die Propaganda der Chinesen, die nicht nur unter denen Platz greift, die sich Marxisten nennen, sondern auch unter denen, die sich nicht Marxisten nennen, zielt also darauf ab, dass ausgemacht faschistische Gruppen geschaffen werden, die sich «proletarisch». «revolutionar», «Rote Garde» usw. usf. nennen, in Wirklichkeit aber nichts sind als Agenten der Bourgeoisie und Faschisten, die für China Propaganda treiben. Welchen Einfluss kann China durch sie ausüben? Überhaupt keinen. Allenfalls, dass man sagen kann, China unterhalte Verbindungen zu den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, obwohl die betreffenden in Wirklichkeit gar keine solchen Parteien sind. Die Kommunistische Partei Chinas hat Parteibeziehungen zum Bund der Kommunisten Jugoslawiens hergestellt, hat sich mit ihm ideologisch und politisch vereinigt. Ebenso unterhält sie feste Verbindungen zur Rumänischen Kommunistischen Partei, die gleichzeitig eine Agentur sowohl des amerikanischen Imperialismus als auch des Sowjetrevisionismus und der verschiedenen Strömungen des modernen Revisionismus ist.

Die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat lächeln revisionistischen und pseudo-volksdemokratischen Ländern, beispielsweise Polen, zu. Wir erfahren, dass der chinesische Botschafter in Warschau um eine Verbindung zum polnischen Ministerpräsidenten ersucht hat, um ihm einen Vertrag über den An- und Verkauf von Nahrungsmitteln vorzuschlagen. Doch dieser ließ sich nicht dazu herab, den Chinesen zu empfangen, und antwortete ihm, er solle diese Dinge dem Handelsminister unterbreiten und mit ihm darüber verhandeln. Jeden noch so kleinen Akt, ja selbst Anflug von Auflehnung gegen das sowjetische Joch, den diese Länder erkennen lassen, stellt China unverzüglich heraus, und es versucht den Eindruck zu erwecken, als erfolgten diese verschiedenen Widerstandsäußerungen unter seinem Einfluss. Doch eine solche Auflehnung dieser Länder ist nur natürlich. Sie haben weder früher auf China gehört, noch tun sie es heute, noch werden sie es in Zukunft tun, denn sie kennen es und haben durchaus kein Interesse daran, sich mit ihm zu verbinden. Sie scheren sich kein bisschen um China, doch dieses will so tun, als habe es bei ihnen ein Eisen im Feuer, also den Eindruck erwecken, es sei ein großer Staat, ohne den auf der Welt nichts läuft. Die revisionistischen Cliquen der einstmals volksdemokratischen Länder haben es lieber mit der Sowjetunion zu tun. Oder genauer, wir müssen betonen, dass ihnen tatsächlich vor allem daran gelegen ist, sich mit den westlichen kapitalistischen Ländern und dem amerikanischen Imperialismus zu verbinden.

So sieht das chinesische Panorama im Allgemeinen aus: düster, widerspruchsvoll, voller Gefahren, voller Überraschungen, voller Bündnisse und Übereinkünfte - offenen und verborgenen – mit dem amerikanischen Imperialismus und den anderen Imperialisten der Welt. China ist in eine Reihe von Verhandlungen eingetreten, die gefährlich sind für die Menschheit und für es selbst, es kämpft um Hegemonie und opfert dafür die Interessen des eigenen Volkes und der anderen Völker. Alles, was es angeblich im Interesse der Völker sagt, ist Demagogie, ein schaler und schlecht getarnter Bluff.





FREITAG, 9. DEZEMBER 1977





CHINA HAT NEOKOLONIALISTISCHE ABSICHTEN

Es ist eine Tatsache, dass China gegenwärtig mit der Theorie von der «dritten Welt» große Anstrengungen unternimmt, zu einer Supermacht, einer neokolonialistischen Grossmacht zu werden. Im Großen und Ganzen sind Chinas Anstrengungen derzeit auf die Entwicklung der Wirtschaft und die Stärkung seines Militärpotentials gerichtet. Bei ihrer Verwirklichung hat es sich nicht von der marxistisch-leninistischen Ideologie beseelen lassen, ist es nicht vom Ziel ausgegangen, hauptsächlich und in erster Linie die sozialistische Wirtschaft zu stärken und den Wohlstand des chinesischen Volkes zu heben.

Die chinesischen Führer haben den Weg der maximalen Ausbeutung des großen, arbeitsamen Volkes ihres Landes eingeschlagen, damit China stark genug wird, sich auf der Welt auszubreiten, neue Märkte zu finden und zu besetzen, die Reichtümer anderer Länder und Völker auszubeuten, um zu einer Supermacht zu werden. Doch wenn das revisionistische China dieses Ziel erreichen will, kann es sich gegenwärtig nicht auf einen Kampf an beiden Flanken, gegen beide Supermächte einlassen, deshalb stützt es sich auf den Weltkapitalismus, vertreten durch den amerikanischen Imperialismus und die anderen reichen kapitalistischen Staaten, gegen den sowjetischen Sozialimperialismus.

Diese Absicht hat in China schon vor sehr langer Zeit bestanden. Ich erinnere mich, dass ich irgendwo in meinem Tagebuch auf dieses Problem eingegangen bin. Damals befand sich die chinesische Führung für eine Weile in Euphorie und hatte sich vorgenommen, an beiden Flanken zu kämpfen, sowohl gegen den amerikanischen Imperialismus als auch gegen den Sowjetimperialismus. Und genau zu der Zeit, als Indonesien aus den Vereinten Nationen austrat, gab Tschou En-lai im Namen des Chinas Mao Tsetungs die Parole aus, China solle zusammen mit Indonesien und einer Reihe anderer asiatischer Staaten eine neue Organisation vereinter Nationen gegen die UNO schaffen, die nach dem II. Weltkrieg gegründet worden war! Das war angeblich die Konsequenz aus der maoistischen Strategie im Kampf gegen die beiden Supermächte, die das Gesetz in den Vereinten Nationen machten, doch Chinas Ziel bei diesem Schritt war, die Staaten, vor allem Asien:, aber auch Afrikas um sich zu sammeln und zusammen mit ihnen einen politischen, ideologischen und militärischen Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus zu führen.

Die Maoisten versuchten also -schon damals, eine Sammlung um das große China zu bewirken und es so zur Führung einer Reihe von Staaten der «dritten Welt» zu machen, jener «dritten Welt», die Roosevelt und später Chruschtschow schon lange vor Mao Tsetung so getauft hatten. Und dies nicht etwa in ideologischer Absicht, so wie Mao es dann 1974 hindrehte. Roosevelt und Chruschtschow ging es darum, wie diese imperialistischen Großmächte dazu beizutragen hätten, dieser «dritten Welt», einer mit neuen Methoden kolonialisierten Welt, also den in diesen Staaten herrschenden Cliquen, wirtschaftliche Subventionen zu verschaffen, um sie unter ihrem wirtschaftlichen, politischen, aber auch militärischen Joch zu halten. Das geschah, weil sich zu jener Zeit vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika starke Stützpunkte in diesen Ländern geschaffen hatten. Und es waren eben und vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika mit ihrem CIA, die Suharto halfen, in Indonesien innerhalb kurzer Zeit 500 000 Kommunisten und Patrioten zu ermorden, und die bei der Liquidierung des engen Freundes der Chinesen und Aidids, Sukarno, ihre Finger im Spiel hatten.

Schon früh festgesetzt hatten sich bei den chinesischen Führern das Großmachtdenken, die Vorstellung von Chinas Vorherrschaft auf der Welt unter der Maske der «Hilfe» für die kleinen Völker, das Streben, China unter dem Vorwand, es zu einem mächtigen angeblich sozialistischen Staat zu machen, in eine Supermacht zu verwandeln. Die Ursache dafür war ihre kapitalistische, revisionistische Großmachtideologie, keinesfalls aber hatte das etwas mit den marxistisch-leninistischen Ideen von der Verteidigung der unterdrückten und leidenden Völker zu tun, keinesfalls ging man dabei von dem Ziel aus, die Befreiungskämpfe und die Revolution zu fördern.

Der von Tschou En-lai schon zu jener Zeit in aller Öffentlichkeit geäußerte Gedanke an die Schaffung einer neuen Organisation vereinter Nationen, losgelöst und im Gegensatz zur bestehenden, erhält nun, zum jetzigen Zeitpunkt, seine wirkliche Bedeutung als politisch-ideologisches Ziel der Maoisten und macht sichtbar, wie diese pseudo-marxistischen Elemente versuchten und versuchen, die jeweiligen Verhältnisse im Interesse ihrer kapitalistischen und auf Vorherrschaft gerichteten Linie auszunutzen. Er bringt also ihre alten Tendenzen, China zur neokolonialistischen Supermacht zu machen, ans Licht.





SAMSTAG, 10. DEZEMBER 1977



DIE CHINESEN WOLLEN DEN HANDEL MIT UNSEREM LAND AUF EIN MINIMUM DROSSELN

Anstatt eine Handelsdelegation aus Peking nach Albanien zu schicken, bestimmten die Chinesen ihren Handelsattaché hier und zwei oder drei weitere Funktionäre der Botschaft in Tirana zu Mitgliedern der Delegation. Über den Leiter der Delegation haben sie noch nicht entschieden, werden es aber später von Peking aus tun. Mit Sicherheit wird es irgendein niedriger Funktionär sein. Mit anderen Worten, in der Meinung, uns damit wirtschaftlich zu schaden, wollen die Chinesen keinen Handel mit uns treiben, oder genauer gesagt, wollen sie den Handel mit uns auf ein Minimum reduzieren.

Natürlich müssen wir mit dieser Situation fertigwerten, und die Hauptsache dabei ist, dass wir den Handel mit verschiedenen Ländern der Welt intensivieren, Märkte für unsere Waren finden und uns die Möglichkeit schaffen, mit dem Erlös aus ihrem Verkauf die Rohstoffe bzw. die anderen, verarbeiteten Waren zu importieren, die wir brauchen. Dies ist der einzig richtige Weg für uns. Wir wollen nicht, dass der Handel mit China zurückgeht, wir wollen nicht, dass die ideologischen Meinungsverschiedenheiten auch auf die Handelsbeziehungen übergreifen, doch da China es will, sind wir gezwungen, so vorzugehen, wie ich oben gesagt habe.

Durch die Ernennung von Angestellten ihrer Botschaft in Tirana wollen uns die Chinesen nicht nur zu verstehen geben, dass sie keinen Handel zu treiben wünschen, ihr Ziel ist auch, die Verhandlungen über den Warenaustausch zwischen unseren beiden Ländern endlos in die Länge zu ziehen, denn besagte Delegation wird ihren Sitz in der chinesischen Botschaft in Tirana haben, und es wird ihr gar nichts ausmachen, sich in ewigen Diskussionen zu verlieren, Streitpunkte zu schaffen, aufzustehen und die Sitzung zu verlassen, in die Botschaft zu gehen, die Gespräche wiederaufzunehmen, keine Meinung zu äußern und keinen Beschluss zu fassen, ohne zuvor Peking gefragt zu haben. Es ist also die Taktik der Chinesen, die Gespräche in die Länge zu ziehen und dafür zu sorgen, dass in Bezug auf den albanisch-chinesischen Handel so gut wie nichts zustande kommt.

Anders wäre es, käme eine komplette Delegation, egal welchen Ranges, aus Peking, denn ihre Mitglieder könnten nur für begrenzte Zeit zu Verhandlungen in unserem Land bleiben, ihren Aufenthalt bei uns nicht sehr in die Länge ziehen. Und ihr Aufenthalt oder ihre Abreise aus Tirana müsste sich entweder in einem regelrechten Ergebnis oder in völliger Ergebnislosigkeit manifestieren. Würden sie jedoch ohne Ergebnis abreisen, bedeutete das eine Schlappe für sie, deshalb vermeiden sie es. Auch wenn wir nach Peking fahren würden, könnte dasselbe passieren. Falls sie nicht einverstanden wären, würden wir aufstehen und gehen, und das brächte zum Ausdruck, dass sie mit uns keinen Handel treiben wollen. Die Welttöffentlichkeit würde verstehen, dass nicht wir es sind, die mit China keinen Handel treiben wollen.

Alle begreifen, was die chinesischen Revisionisten tun. Wie dem auch sei, wir müssen dieser chinesischen Delegation eine Delegation auf der gleichen Ebene gegenüberstellen, die kühlen Bluts mit ihr über den Handelsaustausch diskutiert, ohne die Ideologie und die Politik in diese Verhandlungen hineinzubringen und ohne zuzulassen, dass sie dies tun. Versuchen wir, ihnen möglichst viel zu verkaufen und zu erreichen, dass sie uns möglichst viel verkaufen, natürlich nur, soweit sie dazu bereit sind, mehr können wir nicht tun. Sie werden durch ihre Haltung nicht erreichen, dass wir uns ihnen beugen. Nein, wir werden einen Ausweg finden, werden wie immer erhobenen Hauptes unsere marxistisch-leninistischen Prinzipien verteidigen, und es werden sie sein, die zuerst eine offen feindliche Haltung uns gegenüber einnehmen, auch in den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen.





MONTAG, 12. DEZEMBER 1977







EINE EMPFEHLUNG AN UNSERE PRESSE IM ZUSAMMENHANG MIT CHINA

Ich habe den Genossen empfohlen, in den Zeitungen «Zëri i popullit» und «Bashkimi» über China zu schreiben, Nachrichten über verschiedene, insbesondere wirtschaftliche Fragen zu bringen. Wir haben ideologische Meinungsverschiedenheiten mit der KP Chinas, sogar tiefe, doch wir haben die staatlichen und freundschaftlichen Beziehungen mit dem chinesischen Volk und dem chinesischen Staat nicht abgebrochen. In dieser Situation müssen unsere Leute richtig verstehen, was es heißt, wenn wir sagen, dass wir die politisch-ideologischen Meinungsverschiedenheiten nicht auch auf die wirtschaftlichen und staatlichen Beziehungen übertragen dürfen.

Wir müssen die Wirtschaftsbeziehungen mit China gemäß den bestehenden Abkommen und Verträgen entwickeln. Die Wirtschaftsbeziehungen hindern uns durchaus nicht daran, die Ansichten unserer Partei zu ideologischen Fragen zu äußern. Wenn wir sagen, wir sollten die Wirtschaftsbeziehungen aufrechterhalten, wenn wir sagen, wir sollten die Beziehungen zu China nicht abbrechen, so ist dies eine Forderung, die Gegenseitigkeit verlangt, das heißt, auch wir dürfen keine «frostige» Lage schaffen, nicht etwa auf ideologischem Gebiet, sondern eben in den wirtschaftlichen Beziehungen. Wenn die Beziehungen auf politischem und ideologischem Gebiet eisig sind, heißt das nicht, dass dies auch bei den Handelsbeziehungen so aussehen muss. Sie können normal und zum gegenseitigen Vorteil sein. Deshalb muss man diese Situation richtig verstehen.

Tatsächlich wäre es für China politisch nicht günstig, die Beziehungen zu uns total abzubrechen. Nach wie vor betreibt China selbst eine große Propaganda gegen die Sowjetunion wegen des Abbruchs der Wirtschaftsbeziehungen mit China, der einseitigen Annullierung der Verträge, der Kündigung der Kredite, des Abzugs der Spezialisten und der Verringerung des Handels. Heute propagiert China, dass die Sowjetunion Ägypten dies, Somalia jenes antat, usw. usf. Wird China, das eine solche Propaganda betreibt, in seinen Handlungen uns gegenüber bis zu dieser Stufe der Feindseligkeit gehen? Vielleicht nicht, nicht etwa, weil seine Führer uns mögen, sondern weil sie ihr eigenes Interesse im Auge haben. Dass sie uns nicht mehr wie Freunde behandeln werden, ist uns klar. Uns ist auch klar, dass sie uns die Kredite und den Bau der Fabriken, Kombinate oder Wasserkraftwerke hinauszögern werden. Genauso ist uns klar, dass uns China nicht mehr all die Waren abnehmen wird, die es früher bei uns gekauft hat, und dass es uns nicht alle Waren liefern wird, die wir wollen. Doch auch wir werden sie jeweils so behandeln wie sie uns.

Wir haben zum Beispiel tiefe, unversöhnliche Widersprüche zu Jugoslawien, doch wir treiben Handel und verhandeln in aller Ruhe mit ihm. So machen wir es auch mit den Griechen. Genauso mit den Italienern. Umso weniger gibt es von unserer Seite aus einen Grund, warum wir mit der Volksrepublik China, von der wir bis jetzt sogar Kredite erhalten haben, keine normalen Wirtschaftsbeziehungen unterhalten und keinen Handel treiben sollten.





SONNTAG, 18. DEZEMBER 1977





DIE ZUSAMMENHANGLOSIGKEIT DER CHINESISCHEN AUSSENPOLITIK

Viele Botschafter kapitalistischer Länder der sogenannten dritten Welt wundern sich über die Zusammenhanglosigkeit der chinesischen Außenpolitik in bezug auf die «drei Welten». Sie verstehen einfach nicht, wie es möglich ist, dass ein großes Land, das sich auch noch als sozialistisch ausgibt, eine so wirre Politik betreibt. Und tatsächlich zeigen die Beziehungen, die China zu den verschiedenen Ländern und Staaten hat, dass seine Außenpolitik nicht nur kein Gegenstand ernsthafter Studien ist, sondern in dieser Hinsicht Sorglosigkeit und Naivität an den Tag gelegt wird und, man kann sagen, eine Zusammenhanglosigkeit, die an Dummheit grenzt.

Es ist eben das China Mao Tsetungs und Tschou En-lais, Yä Ljiän-yings und Huang Huas, des heutigen Außenministers, Deng Hsiao-pings und Hua Guo-fengs das diese Politik begonnen hat und nun fortsetzt.

Wie ich in meinen Aufzeichnungen über China geschrieben habe, zeigen seine früheren Positionen, dass sich die chinesischen Führer ganz abkapselten, keinen Versuch unternahmen, mit den anderen Staaten der Welt Verbindungen zu knüpfen. Diese merkwürdige, sozusagen apolitische Haltung der Selbstisolierung erschien den chinesischen Führern gleichsam als der richtigste Weg. Doch warum war das eigentlich der Fall, was zeigte diese Politik? Diese unkluge Politik entsprang in erster Linie der fehlenden inneren Stabilität in China, auch wenn man den Anschein zu erwecken suchte, es gebe Stabilität. Sie zeigte auch, dass in der chinesischen Führung, in der Kommunistischen Partei Chinas eine Reihe entgegengesetzter Ansichten florierte, was verhinderte, dass eine richtige Linie in der Außenpolitik festgelegt wurde. Es gab zahlreiche unterschiedliche Strömungen, und die eine zog dahin, die andere dorthin. So war Chinas Außenpolitik immer schwammig, zögernd, obwohl China den Eindruck eines Staates machte, der vom Gipfel des Olymp oder, besser gesagt, vom Gipfel des Himalaja auf die anderen :herabblickt.

Später krochen die Chinesen aus ihrem Schneckenhaus und begannen, sich in gewisser Weise über die Kontinente auszubreiten, indem sie diplomatische Beziehungen zu einigen Staaten aufnahmen. Doch diese diplomatischen Beziehungen Chinas hatten regionalen, asiatischen, anti-europäischen, gegen die Staaten Lateinamerikas und die anderen kapitalistischen Staaten gerichteten Charakter. Analysieren wir die Ziele der chinesischen Außenpolitik dieser Periode, so zeigt sich, dass China aus der Phase der Isolierung in eine Phase diplomatischer Beziehungen nach eigenem System überging, um eine asiatische Gruppierung bürgerlich-kapitalistischer Staaten zu schaffen, die gewissermaßen die Hegemonie Chinas akzeptieren konnten. Die chinesische Politik war auf die Schaffung dieses Einflusses (um nicht gleich Hegemonie zu sagen) angelegt, während China allen anderen Ländern der Welt gegenüber keinen Vorstoß unternahm, um diplomatische oder auch wirtschaftliche Beziehungen herzustellen, gar nicht zu reden von kulturellen Beziehungen, die es immer vernachlässigt hat. Selbst jetzt unterhält es noch immer keine kulturellen Beziehungen.

Die Herstellung diplomatischer Beziehungen zu den anderen Ländern der Welt verbaute China mit der Taiwanfrage, die es wie einen großen Felsen in den Weg rollte. Es erklärte, wenn irgendein Staat Verbindungen mit dem sozialistischen China herzustellen wünsche, müsse er automatisch die Beziehungen zu Taiwan abbrechen. Dies war sozusagen der Prüfstein bei Chinas Beziehungen zum Ausland. Die kapitalistische Welt allerdings untersuchte die Situation und durchschaute Chinas Absichten. Sie war einerseits an der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu China interessiert, weil es für sie einen großen Markt darstellte, den sie brauchte, konnte aber auf der anderen Seite auch nicht Taiwan opfern.

So setzte China seine Politik der Selbstisolierung und der Herstellung einiger regionaler Beziehungen in Asien sehr lange Zeit fort. Dann kam der Augenblick, da die chinesischen Führer zur Ansicht gelangten, so könne es nicht mehr weitergehen und man müsse eine Formel finden, um den Felsen Taiwan aus dem Weg zu räumen, auf den sie ihn gewälzt hatten. Sie fanden diese Formel, wandten sie an und begannen, mit vielen Staaten diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Diese Beziehungen brachten natürlich noch nicht die Aufnahme Chinas in die Vereinten Nationen mit sich, trotz all unserer Anstrengungen, trotz des Kampfes, den wir in dieser Organisation zusammen mit den anderen Freunden Chinas, die sein Bestes wollten, führten.

Bei den Abstimmungen über Chinas Aufnahme in die Vereinten Nationen wurden von Jahr zu Jahr Veränderungen sichtbar. Die Stimmen für China nahmen zu, wenn seine Außenpolitik vernünftiger wurde, das heißt, wenn es Bereitschaft zeigte, mit Staaten verschiedener Regionen der Welt diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Dennoch stieß die Aufnahme Chinas in die UNO, trotz unserer Anstrengungen, auf den «harten» Widerstand der Vereinigten Staaten von Amerika und all jener Staaten, die durch große Interessen an sie gebunden waren und nicht gegen sie auftreten konnten. Viele Staaten waren also mit den Vereinigten Staaten von Amerika verbunden und von ihnen abhängig und akzeptierten die Bedingungen der Chinesen für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen nicht, so dass China die ganze Zeit außerhalb der UNO blieb.

Doch es kam wieder ein neuer Augenblick in der chinesischen Außenpolitik: die Chinesen änderten ihre Strategie, gingen von der Strategie des Kampfes gegen den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus zur Strategie des Bündnisses mit den Vereinigten Staaten von Amerika gegen die Sowjetunion über. Da begann das Eis auch zwischen China und den Vereinigten Staaten von Amerika zu schmelzen, und zu guter Letzt wurde China in die Organisation der Vereinten Nationen aufgenommen.

Die Positionen, die China nach seiner Aufnahme in die UNO einnahm und die es 12 oder 15 Jahre lang in unzähligen Gesprächen mit dem amerikanischen Botschafter in Warschau vorbereitet hatte, verhalfen der neuen Strategie Mao Tsetungs und Tschou En-lais in den Geheimverhandlungen zwischen den beiden Botschaftern in Warschau und später auch zwischen Kissinger und Mao sowie Tschou En-lai zum Triumph. China schlug einen Kurs der Freundschaft mit allen kapitalistischen Ländern der Welt ein und entfaltete den Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. China entwickelte die wahnsinnige, anti-marxistische, reaktionäre Strategie, mit dem amerikanischen Imperialismus und allen anderen bürgerlich-kapitalistischen Staaten der Welt zur Verständigung zu gelangen und Übereinstimmung zu erzielen, um so eine gemeinsame Front gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu schaffen.

Mao Tsetung verlangte als Bedingung für Chinas Bündnis mit den Vereinigten Staaten, dass diese ihm die Hilfe gaben, die ihm die Sowjetunion verweigerte. Mao Tsetungs «Weisheit» legte es darauf an, dem amerikanischen Imperialismus vorzugaukeln, China werde zu einer festen Barrikade gegen den sowjetischen Sozialimperialismus und dann, stark geworden, auch die Gebiete Sibiriens okkupieren, unter dem Vorwand, sie seien China von den russischen Zaren geraubt worden. Diese «geniale» Idee gab Mao aus, als er Grenzansprüche an die Sowjetunion anmeldete. Dies war Chinas erstes Unterpfand für die Vereinigten Staaten von Amerika, was seine Bereitschaft anbelangte, den Hauptgegner der amerikanischen Imperialisten im Ringen um Vorherrschaft auf der Welt durch Kampf und Scharmützel zu schwächen.

Chinas Politik in seinen Beziehungen zu den anderen Ländern drehte sich also um die Achse China-Vereinigte Staaten von Amerika. Vergessen war Taiwan, vergessen waren Hongkong und Macao, vergessen war auch Vietnam, das sich im Kampf befand. Und gerade, als Vietnam brutal bombardiert wurde, fanden auch die abschließenden Gespräche zwischen Mao und Tschou En-lai auf der einen und Kissinger und Nixon auf der anderen Seite statt. Mao schlug also diesen anti-marxistischen, pro-imperialistischen Weg ein, als Vietnam gerade unter den Bomben von Nixons B-52-Flugzeugen verbrannte, eben des Nixon, der nach Peking reiste, dort von Mao Tsetung und Tschou En-lai begrüßt wurde und mit ihnen vertraute Gespräche führte.

Genau zu dieser Zeit gaben auch die Vereinigten Staaten von Amerika grünes Licht, und alle Freunde der Amerikaner begannen der Reihe nach diplomatische Beziehungen zum «sozialistischen» China Mao Tsetungs aufzunehmen. Dennoch, diese Ausrichtung, diese Strategie Maos musste noch feste Formen erhalten, damit China festlegen konnte, worin diese diplomatischen Beziehungen, die nun aufgenommen wurden, bestanden und welche Richtung sie nehmen sollten.

Damit will ich sagen, dass wir zu Beginn dieser Periode erneut keine sichtbare, überlegte politische Aktivität von seiten Chinas feststellen können. Es war sogar so, dass wir in den Gesprächen mit den Chinesen oft darauf beharrt, unsere Meinung geäußert haben, das sozialistische China müsse diplomatische Beziehungen mit den anderen Ländern der Welt unterhalten, weil es unbedingt nötig sei, dass der Einfluss des sozialistischen China in allen Kontinenten zum Tragen komme und sich dies zu Gunsten der nationalen Befreiungskämpfe der Völker, zugunsten der proletarischen Revolution auswirkt. China und die Kommunistische Partei Chinas schenkten unseren Anregungen und Ansichten zu diesem wichtigen Problem jedoch keinerlei Gehör. Sie behandelten sie von oben herab.

Konkret: China begab sich ins antisozialistische Fahrwasser, und dadurch wurden seine Ideologie, seine Strategie und seine Taktiken noch klarer festgelegt: Freundschaft und Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika, von denen China in Bezug auf Technologie, Wirtschaft und Rüstung profitieren will. China ist ebenfalls für die Freundschaft und das Bündnis mit allen anderen entwickelten kapitalistischen Ländern, von denen es Kredite für neue Technologie und Waffen erhalten wird. Hinsichtlich der anderen Länder, bei denen weder Kredite noch Technologie zu holen waren, musste China mit seiner angeblich sozialistischen, wohlmeinenden, beschützenden Politik Einfluss auf sie gewinnen und so, mit der Freundschaft China-Amerika als Achse, allmählich günstiges Terrain für eine Zunahme seiner künftigen Hegemonie schaffen. Von dieser Strategie ging Mao Tsetung aus, als er die «geniale Analyse» von der «Dreiteilung» der Welt auftischte.

Zu dieser Zeit fanden in China als Ergebnis von Maos Strategie große Veränderungen statt. Dort kamen Elemente an die Macht wie Chinas «Chruschtschow Nr. 2», Deng Hsiao-ping, ein Hauptvertreter der reaktionären Gruppe Liu Schao-tschis. Tschou En-lai bekam Auftrieb, diese Strategie mit Zielrichtung auf die Vereinigten Staaten von Amerika und das Weltkapital gehörig zu entwickeln und liquidierte zusammen mit Mao die Proletarische Kulturrevolution. In Wirklichkeit besaß diese Revolution keine klare, revolutionäre, proletarische Orientierung. Sie hatte nur einen Zweck: Mao Tsetung wollte Liu Schao-tschi die Macht entreißen, seine Macht liquidieren und die Ergebnisse erzielen, die er dann ja auch erzielte.

Ich bin der Ansicht, dass Liu Schao-tschi weiter rechts war als Mao Tsetung, dass er der Fürsprecher der Kompradorenbourgeoisie war, während Mao die nationale Bourgeoisie unterstützte. Mao bekämpfte die nationale Bourgeoisie nicht, im Gegenteil, er beschützte sie. Die Elemente dieser Bourgeoisie strichen sowohl in den Fabriken als auch in den Kommunen Gewinne ein. Sie waren dazu bestimmt, der Hauptrückhalt der gegenwärtigen Politik Hua Guofengs und Deng Hsiao-pings zu sein - und sind es tatsächlich -, die ein Ausfluss des Herzstücks der pro-amerikanischen Politik von Mao Tsetung und Tschou En-lai ist.

Tschou starb, und nach ihm starb auch Mao, und beide hinterließen China als Erbe ein großes Durcheinander. Wer würde die Macht übernehmen? Die «Vier»?! Hua Guo-feng mit der Staatssicherheit, Deng Hsiao-ping, Yä Djiän-ying und viele, viele andere Renegaten mit ihren Anhängern traten in Aktion, und es kam, wie wir wissen, zu dem Staatsstreich. Wie gewöhnlich fand ein Militärputsch statt, doch diesmal unter Führung Hua Guo-fengs, die «Vier» wurden verhaftet und beseitigt, und der zweimal als Antimarxist, Revisionist und Konterrevolutionär gestürzte Deng Hsiao-ping kam wieder an die Macht. Doch Hua Guo-feng und zusammen mit ihm Yä Djiän-ying und Deng Hsiao-ping übernahmen als Erbe ein ideologisch, politisch verwirrtes, aber auch wirtschaftlich angeschlagenes China. Dies verursachte eine große politische Konfusion und eine gleichfalls große Desorganisierung, die der Produktion schadete und für China innerhalb wie außerhalb des Landes eine schwierige Situation heraufbeschwor. Infolgedessen wird China noch Jahre brauchen, um sich auf dem Weg, den zu gehen es beschlossen hat, zu erholen - nicht dem sozialistischen Weg, denn Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping haben auch jenen «sozialistischen» Weg verbaut, den, wie man meinte, China zur Zeit Mao Tsetungs beschritt.

Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping haben offiziell erklärt, die Kulturrevolution in China sei beendet. Das heißt, sie ergiffen die Macht und beschlossen, dass es dort keine proletarische Revolution und auch keine Proletarische Kulturrevolution mehr geben solle. Im heutigen China, wo man weiter das Schlagwort verbreitet, es würden «hundert Blumen blühen» und «hundert Schulen miteinander wetteifern», wird also in Wirklichkeit keine einzige davon blühen, vielmehr wird die Diktatur der brutalen faschistischen Bourgeoisie errichtet werden. Gerade jetzt sprechen Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping mittels aller Presse- und Propagandaorgane davon, man müsse «überall die Disziplin herstellen», sprich: jeden Widerstand gegen diese faschistische Diktatur blutig ersticken. Die Clique, die in China an die Macht gekommen ist, will also die «Einheit» mit Gewalt herstellen. Das gilt für den inneren Bereich, während diese Clique auf internationaler Ebene, also in der Außenpolitik, weiter am Schlagwort von den «drei Welten» festhält. Doch in den «drei Welten» gibt es weder innerhalb einzelner Länder noch zwischen ihnen Einheit. Hierin liegt der Trugschluss dieser absurden Theorie, mit deren Hilfe China seine Hegemonie errichten und zu einer Supermacht auf der Welt werden will. Unter den Staaten, die diese «drei» verschiedenen «Welten» bilden, herrscht keine Einheit, und das bedeutet, dass es bei ihnen ständige Diversität und ewige Dualität gibt, da große Widersprüche zwischen ihnen bestehen. In diesen Staaten herrscht das Gesetz des Dschungels. Gerade in diesen sogenannten drei Welten «blühen hundert Blumen und wetteifern hundert Schulen miteinander», daher ist es für Hua Guofengs China nicht gar so leicht, diese «drei Welten» zu vereinheitlichen und so seine Macht zu etablieren, wie dies innerhalb des Landes gerade mit der Errichtung der bürgerlichen Diktatur geschieht.

Diese Situation hatten weder Mao noch Hua Guo-feng, noch Deng Hsiao-ping vorausgesehen. Sie hatten gemeint, sie würden sich bei den Völkern, den Staaten, der Welt mit dieser ideologischen und politichen Theorie durchsetzen. Doch konnte diese Theorie z u ihrem Pech keinen Erfolg haben.

Wer die Einheit mit der Hälfte der «ersten Welt» oder die Einheit in der «zweiten Welt» oder in der «dritten Welt» unter der Leitung der Chinesen predigt, entsprechend ihrer Parole, alle diese „Welten“ seien angeblich vom sowjetischen Sozialimperialismus bedroht, der nimmt einen kurzsichtigen Standpunkt ein. Weder trägt er der internationalen Lage und den Widersprüchen Rechnung, die den Kapitalismus zerfressen, noch berücksichtigt er, dass wir uns in der Phase der Fäulnis des Imperialismus, in der Phase der proletarischen Revolutionen befinden.

Diese kurzsichtige, reaktionäre Politik hat China in eine Sackgasse gebracht. Deshalb wird sich die chinesische Politik auch weiterhin in einem Zustand ständigen Schwankens befinden, und, noch schlimmer, das Kennzeichen dieses Schwankens werden immer wieder schwere Niederlagen sein, weil die Politik jeder dieser „drei Welten», die China seinem «außerordentlich klugen» Standpunkt entsprechend zu manipulieren sucht, nicht zur Vereinheitlichung tendiert, sondern zur Vorherrschaft und zur Spaltung. Dies steht im Gegensatz zu den Absichten Chinas, das versucht, die «Schafe» unter seinem Hirtenstab zu vereinigen, doch die «Schafe» sìnd gar keine Schafe, sondern Wölfe, und der Wolf kennt seinesgleichen. Die Bestie lebt im Wald, und der Wald ist ein Dschungel.

Welche Haltung zu den amerikanischen Machenschaften im Nahen Osten muss China entsprechend dieser seiner internationalen Politik einnehmen? Chinas Ziel ist, in diesem Raum der Welt den Status quo zu wahren, Ägypten zu seinem gehorsamen Partner zu machen; ebenso ist ihm an der Anerkennung und Achtung der anderen arabischen Länder gelegen. Zugleich zielt dieses Manöver darauf ab, die Spaltung unter den arabischen Völkern aufrechtzuerhalten. Natürlich, auf dem Weg, den es beschritten hat, muss sich China auf die Seite der Amerikaner schlagen und tut es tatsächlich auch, das heisst, es unterstützt die proamerikanischen arabischen Führer, es unterstützt auch Israel, ist also für einen Frieden á la Amerika, bei dem nicht die Freiheit und die Unabhängigkeit der arabischen Völker, sondern die Gier der israelischen Faschisten und der ägyptischen, saudiarabischen und anderen Reichen den Sieg davon trägt.

Es zeigt sich klar, dass diese Position der Chinesen anti-marxistisch ist. China ist gezwungen, diese Position einzunehmen und allen arabischen Völkern vorzuspiegeln, es habe sie verteidigt und verteidige sie weiter. In Wirklichkeit jedoch verteidigt es keines dieser Völker, verteidigt es nicht ihr Streben nach nationaler Befreiung, sondern unterstützt den Kapitalismus und den Imperialismus.

Diese Haltung Chinas haben sämtliche Länder der sogenannten dritten Welt schon früher festgestellt, doch besonders jetzt haben sie große Zweifel an China, daher gefällt ihnen die chinesische Politik nicht und sie bekämpfen sie. Noch nicht einmal jene Staaten aus dieser «dritten Welt», die sich pro-chinesisch gebärden, vertrauen auf China, auch wenn ihre Führer schon einmal nach China gefahren sind, wie zum Beispiel Mobutu von Zaire. Das liegt daran, dass sie wissen, dass China keinerlei Einfluss hat und für ihre Geschicke keine Rolle spielt. Mag es deshalb die Trommel für sie rühren, soviel es will. Die Geschicke der kapitalistischen Cliquen, die in diesen Ländern herrschen, liegen in der Hand des amerikanischen Imperialismus, oder wie derzeit zum Beispiel das Schicksal Äthiopiens, Angolas oder sonst noch irgendeines Landes, in der Hand des sowjetischen Sozialimperialismus.

Deshalb stiess die chinesische Außenpolitik der «drei Welten», der Vereinigung aller Länder in einem Block gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, nicht nur auf Hindernisse, sondern erlitt auch Misserfolge. Diese Misserfolge werden einer nach dem andern kommen, je nach den wechselnden Verhältnissen unter den Staaten der verschiedenen «Welten», wie die Chinesen sie nennen, und zwar wegen der großen Widersprüche, die unter ihnen bestehen. Unter diesen Verhältnissen weiß China weder aus noch ein. Was China heute sagt, bewahrheitet sich morgen nicht und verwandelt sich in das Gegenteil dessen, was es vordem gedacht und geäußert hat. Unter diesen Verhältnissen wird es China nicht gelingen, ein gewisses Gleichgewicht in seiner Außenpolitik zu wahren. Es wird das Gleichgewicht weder so wahren können, wie die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion, mit denen China stillschweigend in Konkurrenz treten will, um ebenfalls seine Vorherrschaft auf der Welt zu errichten, noch wie die anderen kapitalistischen Länder, die große außenpolitische Erfahrung haben und es verstehen, zu manövrieren, Bündnisse zu schließen und zu lösen und bewaffnet, durch Subversion und auf tausenderlei andere Weise zu intervenieren.

So wird China schließlich sagen: «Soll passieren, was will, ich habe mich entschieden, es vorläufig mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu halten und von ihnen und den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern industrielle, landwirtschaftliche und militärische Technologie zu beziehen, also meine Wirtschaft und meinen Zustand zu ordnen und stets im Gegensatz zu jener Supermacht zu stehen, die sich meiner Politik und der Politik meines großen Freundes, der Vereinigten Staaten von Amerika, entgegenstellt.» Dies ist der anti-marxistische Kurs, den China in seiner Außenpolitik verfolgen wird.

Gegenwärtig ist festzustellen, dass angesichts der Niederlagen der chinesischen Politik auf internationaler Ebene von der revisionistischen chinesischen Führung mit Hua Guo-feng an der Spitze nichts zu merken ist, dass sie sich nicht äußert, keine Stellung zu den wichtigen Ereignissen bezieht, die auf der Welt stattfinden. Und warum bezieht es keine Stellung? Weil es sieht, dass jeder Schritt, den es tut, eine neue Niederlage bedeutet. Deshalb schweigt es oder äußert gedämpft die eine oder andere unsinnige Meinung, die niemand täuschen kann und eigentlich nur durch ihren Antisowjetismus, nichts sonst auffällt. Doch auch seinen Antisowjetismus hat es in gewisser Weise zurückgeschraubt, denn bei seiner ungemein schwankenden Politik wird es im Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus nicht bis zum Äußersten gehen, sondern sich ein Hintertürchen offen halten, um leichter manövrieren zu können, falls es mit seinem Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus Schiffbruch erleidet. Das ist natürlich. Wenn China fortfährt, eine solch situationsabhängige, anti-marxistische, kapitalistische Politik zu betreiben, muss es ebenfalls zum politischen Jongleur werden, sonst wird es sich auf diesem Weg nicht halten können, da die anderen es nicht ungeschoren lassen werden. Ungeschoren bleiben, triumphieren, erhobenen Hauptes dastehen könnte es nur, wenn es den Sozialismus verteidigte, wenn es sich von der marxistisch-leninistischen Theorie leiten ließe, doch damit ist es bei ihm aus und vorbei. China ist im Sumpf gelandet, und seine anti-marxistische Politik wird es noch tiefer darin versinken lassen. Nur eine wirklich proletarische Revolution kann China aus diesem Abgrund, aus dieser Tragödie retten.





DIENSTAG, 20. DEZEMBER 1977





AMERIKANISCHE KOMMENTARE ÜBER CHINA

Der Sender, der sich «Stimme Amerikas» nennt, hat inzwischen begonnen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, von der Freundschaft zwischen den USA und dem China Hua Guo-fengs und Deng Hsiao-pings zu sprechen.

In einer ihrer Sendungen brachte die «Stimme Amerikas» ein Interview mit Senator Mansfield, der jetzt Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Japan ist. Er ist eine bekannte amerikanische Persönlichkeit, und wenn ich mich nicht irre, war er Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses des amerikanischen Senats. Mansfield erklärte, die gegenwärtige Haltung dei Volksrepublik China sei ermutigend für die westliche Welt. Ganz unverblümt sagt er, der Sturz der «Viererbande» bedeute den Machtantritt Deng Hsiao-pings als stellvertretender Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas, was er als sehr gute Sache für die USA und die ganze westliche Welt wertet.

Mansfield erklärte, Deng Hsiao-ping sei der Erbe Tschou Enl-ais und sein Testamentsvollstrecker. Deng, so versichert er, werde akkurat Tschous Vorstellungen von der Modernisierung Chinas bis zum Jahr 2000 ausführen. Mansfield, ein guter Kenner Chinas, meint, dieses werde es wohl kaum schaffen, sich bis zum Jahr 2000 zu modernisieren. Nun, wie dem auch sei, die Vereinigten Staaten von Amerika werden ihm Technologie und andere Mittel zur Verfügung stellen, damit es dieses Ziel erreichen kann. So werden, laut Mansfield, zahlreiche Delegationen verschiedener Art zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China ausgetauscht werden, um diese guten, freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu aktivieren und zu festigen. Mansfield unterstrich außerdem, China brauche Devisen, anders ausgedrückt, China brauche Kredite, «und die», setzte er hinzu, «müssen wir ihm geben».

Mansfield ist ganz sicher, dass sich China nicht der Sowjetunion annähern wird, habe es doch einen Weg entschlossener Gegnerschaft zu ihr eingeschlagen. Dieser amerikanische Experte weist die Stimmen zurück, die von einer Annäherung zwischen den Chinesen und den Sowjets reden und kommt zum Schluss, augenblicklich sei es um die amerikanischen Beziehungen mit China gut bestellt, nur: «Wir müssen später», so gibt er zu bedenken, «auf die Möglichkeit einer Annäherung Chinas an die Sowjetunion achten.»

Der Erklärung dieser einflussreichen amerikanischen Persönlichkeit, die nicht zufällig als Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika nach Japan gegangen ist, lässt sich entnehmen. dass Deng Hsiao-ping die Persönlichkeit ist, welche die sicherste Gewähr für die Vorbereitung und Festigung der chinesisch-amerikanischen Allianz bietet. Das stand für uns außer Frage, doch genauso steht für uns außer Frage, dass Deng Hsiao-ping ein Abenteurer ist, der, sollte er mit seiner Gruppe die Macht vollständig in die Hand bekommen, sollten sie den Einfluss der Gegner, die ebenfalls Abenteurer sind, völlig liquidieren können, Chinas Annäherung an die Vereinigten Staaten von Amerika noch mehr beschleunigen mag, vielleicht für eine gewisse Zeit den Status quo wahrt, aber sich, wenn er es für notwendig erachtet, auch an die Sowjetunion heranmachen könnte. Das wird natürlich dann geschehen, wenn sich China tief in die wirtschaftlichen, politischen und militärischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern verstrickt hat, oder wenn es sieht, dass diese ihm nicht geben, was es verlangt. Dann wird China auf beiden Hochzeiten tanzen, das heißt, es wird sich auch der Sowjetunion annähern.





DONNERSTAG, 22. DEZEMBER 1977





DER ENTARTUNGSPROZESS IN CHINA GEHT WEITER

Was wir in Bezug auf die staatlichen Beziehungen Chinas zum jugoslawischen Staat und die Beziehungen der Kommunistischen Partei Chinas zum Bund der Kommunisten Jugoslawiens vorausgesehen haben, bestätigt und verwirklicht sich nun.

Nach Titos Besuch in Peking, nach seinem so spektakulären, prunkvollen und liebevollen Empfang durch Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping und die anderen chinesischen Führer, werden wir nun Zeuge, wie die in den chinesischen Palästen heimlich getroffenen Vereinbarungen in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Die Freundschaft zwischen den chinesischen und den jugoslawischen Revisionisten wird immer dicker, und das nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Dutzende und aber Dutzende von Parteidelegationen, Gewerkschafts-, Frauen-, Wirtschafts- und insbesondere Organisationsdelegationen reisen von China nach Jugoslawien, um sich die jugoslawische Erfahrung in all diesen Bereichen anzueignen. Diese Kontakte, diese Verbindungen, dieser Austausch oder, besser gesagt, diese Übernahme der revisionistischen jugoslawischen Erfahrung durch die Chinesen, erfolgt nicht mehr in der Stille und geheimnisumwittert, verstohlen, sondern im hellen Tageslicht.

Man spricht und schreibt in der Presse darüber, wohin diese Delegationen gehen und mit wem sie Kontakt aufnehmen, was sie wollen und was sie sehen. So erfahren wir denn im Allgemeinen, dass sich diese Delegationen die Erfahrung der jugoslawischen «Selbstverwaìtung» zunutze machen wollen. Mit dieser kapitalistischen Form der Verwaltung haben die Chinesen schon vor langem begonnen, doch jetzt geht es ihnen darum, sie zu perfektionieren, und sie meinen, sie könnten diese Methode der kapitalistischen Ausbeutung der Werktätigen nur dann besser herausbilden, wenn sie die jugoslawische Erfahrung übernehmen. Die chinesischen Revisionisten beschränken sich bei der Übernahme der Erfahrung in der «Selbstverwaltung» der Wirtschaft nicht nur auf das Gebiet der Industrie und auf die jugoslawischen Großunternehmen, die mit ausländischer - amerikanischer, westdeutscher u.a. - Technologie aufgebaut wurden und im Mitbesitz der großen ausländischen kapitalistischen Gesellschaften sind, sondern gehen nach Jugoslawien auch, um sich an den jugoslawischen Staatsfarmen ein Beispiel zu nehmen, die nach dem Modell der kapitalistischen Agrarwirtschaften organisiert sind.

Titos Reise nach Peking erfolgte also nicht zum bloßen Vergnügen oder um China in seinem revisionistischen Kurs zu bestärken, oder um Tamtam zu machen und so den Ruf dieses verräterischen Revisionisten und gebrandmarkten Renegaten aufzubessern. Die Chinesen, die bei den Amerikanern und den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern Kredite für den Ankauf moderner Technologie sowohl für die Industrie, als auch für die Landwirtschaft aufnehmen werden und schon aufnehmen, müssen unbedingt eine Staats- und Wirtschaftsorganisation schaffen, die der Erteilung dieser Hilfen durch die Amerikaner, Westdeutschland oder Japan angepasst ist und diesen im Hinblick auf ihre Investitionen in China Sicherheit gibt.

Die imperialistischen und kapitalistischen Länder haben gesehen, dass die Erfahrung, die sie Tito vermittelt haben, in dieser Richtung Früchte getragen hat, so dass sie meinen, die jugoslawische revisionistische Erfahrung müsse mit einigen chinesischen Besonderheiten übernommen werden. Deshalb ergießt sich ein ununterbrochener Strom von Delegationen aus China nach Jugoslawien. Man muss wissen, dass die Jugoslawen Spezialisten sind, wo es darum geht zu manövrieren, die Dinge hinzudrehen, dass sie Psychologen sind und es verstehen werden, die Chinesen so richtig aufs Kreuz zu legen, sowohl die, die dorthin kommen, als auch die chinesische Führung, die sie auf dem kapitalistischen Weg, den sie gewählt hat und nun mit großer Entschlossenheit verfolgt, ordentlich zurechttrimmen werden.

Es dürfte nicht bei dieser Annäherung an Jugoslawien bleiben.

Der Plan des amerikanischen Imperialismus ist weitgesteckt. Wir sehen ebenfalls, wie China versucht, nach Ungarn, nach Polen, möglicherweise auch in die anderen revisionistischen Länder, die unter sowjetischer Führung stehen, einzudringen. Es meint, sich so in sie integrieren oder sie von der Sowjetunion lösen zu können. Dies ist eine alte Politik des amerikanischen und englischen Imperialismus sowie der bürgerlich «demokratischen» Staaten, wobei Tito in der Maske des angeblichen spezifischen Sozialismus der Voraustrupp bei ihren Seiltänzereien ist. Nun werden diesen Karren des «spezifischen Sozialismus» zwei Paar Pferde ziehen - Tito mit Kardelj und Deng Hsiao-ping mit Hua Guo-feng.

Darüber hinaus wird die Kommunistische Partei Chinas in der Ideologie entschlossen den Kurs des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens verfolgen, das heißt: Bündnis mit allen übrigen Revisionistenparteien des Westens oder der anderen Kontinente der Welt. China selbst ist peinlich darauf bedacht, denn es wird, um sein strategisches Ziel zu erreichen, versuchen, die pseudo-kommunistische Maskerade beizubehalten, und es wird diese pseudo-kommunistische Maskerade mit den Maskeraden der anderen Parteien verbinden, die den Marxismus-Leninismus verraten haben und große Anstrengungen unternehmen, in den kapitalistischen Clan einzusickern, um mit dem einheimischen und dem internationalen Kapital auf Kosten des Proletariats der kapitalistischen Länder der Welt zusammenzuarbeiten.

Der Prozess der Entartung Chinas geht weiter.





SAMSTAG, 24. DEZEMDER 1947







MAN DARF DIE HOFFNUNG AUF DAS CHINESISCHE PROLETARIAT UND DAS CHINESISCHE VOLK NICHT VERLIEREN





Es ist natürlich, dass alle Kommunisten auf der Welt, alle fortschrittlichen Menschen, die Völker, die für politische, wirtschaftliche Freiheit usw. kämpfen, über die pro-imperialistische Politik Chinas sehr beunruhigt sind. In der modernen Geschichte der Völker und der Staaten ist es noch nie vorgekommen, dass ein so großes Land so offen eine skandalöse Politik betreibt, um zu einer prinzipienlosen Einheit mit einem mächtigen imperialistischen Staat wie den Vereinigten Staaten von Amerika zu gelangen.

Chinas augenblickliche Haltung wird noch widerlicher und heuchlerischer dadurch, dass es sich noch immer als sozialistisches Land ausgibt und anpreist, als ein Land, das angeblich für die Revolution, für die restlose Zerschlagung des Weltkapitalismus und des Imperialismus kämpft. In dieser Frage geht man inzwischen oft ganz schamlos und unverhüllt vor, ruft laut nach der Einheit mit dem amerikanischen Imperialismus und der gesamten kapitalistischen Weltbourgeoisie, und das nicht nur in den Artikeln von «Renmin Ribao» oder den Materialien der Hsinhua-Korrespondenten, die durch die kapitalistischen Länder reisen und Stützpunkte und Kriegsschiffe der NATO besuchen, Reportagen über die kapitalistische «Kraft» und das kapitalistische «Paradies» schreiben, nein, der Ruf nach «Einheit» mit dem amerikanischen Imperialismus an der Spitze kommt auch von hohen chinesischen Offiziellen, etwa Deng Hsiao-ping bei seinem Interview mit AFP. Und all das wird so dargestellt, wird so behandelt, als sei es ein leninistischer Kurs. In Wirklichkeit ist dies einer der reaktionärsten Kurse, die die internationale kommunistische Bewegung und die fortschrittliche Weltbewegung jemals erlebt haben mögen. Eine derartige Politik ist sowohl für die Völker unannehmbar als auch für die fortschrittlichen Staaten, die ihre politische Würde haben, ihre eigenen Ansichten, - mögen sie aussehen, wie sie wollen - mit denen sie sich verteidigen und kämpfen, um nicht vor einem großen Land oder einem großen Staat zu Kreuze kriechen zu müssen. Es gibt auf der Welt viele Staaten, in denen die bürgerlichen und volksfeindlichen Cliquen herrschen, die in verschiedenen Formen versuchen, die Wirklichkeit zu verhüllen, um ihre Politik und ihre Ziele zu tarnen. Solche Versuche, seine anti-marxistische, volks- und befreiungsfeindliche Tätigkeit zu tarnen, unternimmt auch das revisionistische China, das seine Linie ganz unverschämt als eine richtige, marxistisch-leninistische Linie anpreist. Doch bei uns gibt es eine Volksweisheit: «Das Dorf, das man sieht, braucht keinen Wegweiser.»

Das pseudo-sozialistische China unterwirft sich den Bedingungen des amerikanischen Imperialismus. Mit der Politik, die es verfolgt, mit seiner Strategie und Taktik hat es sich gegen die Revolution und gegen den nationalen Befreiungskampf der Völker gestellt. Faktisch kann es, wenn es die These vertritt, man müsse ein Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Weltkapitalismus eingehen, gar nicht für die Befreiung der Völker von der Knechtung durch den Imperialismus, den Sozialimperialismus und den Weltkapitalismus sein. Das ist ein wesentlicher Punkt. China wird dem nationalen Befreiungskampf der Völker nicht nur keine materielle Hilfe geben, sondern auch keine politische Unterstützung. Das ist ein Standpunkt der Unterwerfung unter das Hauptziel des amerikanischen Imperialismus.

Der amerikanische Imperialismus will die Völker unterwerfen. Jetzt hat er sich an die Aufgabe gemacht, China politisch und wirtschaftlich zu unterwerfen und es in militärische Abhängigkeit von den USA und der NATO zu bringen. Auf diesem Weg befindet sich heute China, das auf die Positionen Washingtons übergegangen ist. China hat es übernommen, die amerikanische Politik als eine «friedliche» Politik zu propagieren, die Vereinigten Staaten von Amerika als nicht aggressiv hinzustellen, als jemand, der den Status quo wünscht und Hilfe zur Entwicklung der Menschheit gibt. China handelt so, um die «Hilfe» zu rechtfertigen, die es heute selbst von den Vereinigten Staaten von Amerika erhält. Mit seiner Haltung ermuntert China also die Vereinigten Staaten von Amerika, ruhig auch in anderen Ländern der Welt zu investieren.

China hat es übernommen (und das ist der glühende Wunsch der amerikanischen Imperialisten), Tag für Tag den sowjetischen Sozialimperialismus anzugreifen, das heißt, den Hauptkonkurrenten des amerikanischen Imperialismus, zugleich aber auch sein eigener Hauptkonkurrent als Supermacht, zu schwächen. Diesen Kampf gegen die Sowjetunion führt China nicht von marxistisch-leninistischen, sondern von den kapitalistischen Positionen eines großen Staates aus, der danach strebt, zu einer imperialistischen Supermacht zu werden. Es führt ihn ausgehend von seinen alter Ambitionen in territorialen Fragen. Deshalb ist die «Theorie» der Chinesen, sie griffen die Sowjetunion an, weil sie ein ideologischer Feind sei, ohne jede Grundlage.

Eine andere Sache, die zeigt, dass das revisionistische China sich in den Dienst des amerikanischen Imperialismus gestellt hat, ist sein Versuch, alle Staaten der Welt um die Vereinigten Staaten von Amerika zu scharen. Das heißt, es will die Staaten, die Widersprüche zum amerikanischen Imperialismus haben, dessen Regie unterstellen. China «rät» diesen Staaten, ihre Widersprüche zum amerikanischen Imperialismus «auszuräumen». In dieser Hinsicht zeigt China größten Eifer, ruft es doch gar das Weltproletariat und die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien dazu auf, sich mit der Bourgeoisie ihrer Länder in einem großen politischen, ideologischen und militärischen Block zu vereinigen, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten von Amerika, gemeinsam mit dem Weltkapitalismus, gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Das bedeutet ebenfalls totale politische und ideologische Unterwerfung unter den amerikanischen Imperialismus.

Die andere wichtige Mission, die die chinesische Politik übernommen hat, ist, die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt, die aus dem Proletariat hervorgegangen sind und für seine Organisierung zur Revolution kämpfen, zu spalten. China, das sich gegen die Weltrevolution, gegen die proletarischen Revolutionen, gegen die leninistischen Thesen stellt, macht mit aller Kraft Front gegen die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, die es spaltet und für deren Liquidierung es kämpft.

In all den Aspekten, auf die ich oben eingegangen bin, bedarf Chinas revisionistische Linie keiner großen Erläuterungen, denn sie ist augenfällig. Die chinesische Politik muss erbarmungslos bekämpf t, sie muss entlarvt werden, denn sie fügt der Weltrevolution, den Völkern und dem Sozialismus großen Schaden zu, sie ist eine opportunistische Politik, die Wasser auf die Mühlen des Imperialismus und des Revisionismus leitet. Das ist verbrecherisch, und die Verbrecher, auch die politischen, müssen entlarvt und aufs Haupt geschlagen werden.

Die derzeitige reaktionäre chinesische Politik beunruhigt die Völker sehr, deshalb muss man ihnen ihre Ziele klar machen. Die Völker erkennen die Gefahr, die die heutige chinesische Politik mit sich bringt, sie verstehen auch die richtigen Ziele und den revolutionären Weg der Partei der Arbeit Albaniens und der Sozialistischen Volksrepublik Albanien. Gerade dann, wenn sie unsere richtigen Auffassungen kennenlernen, unterstützen die Völker, die wahrhaft marxistisch-leninistischen Parteien und viele Staaten, die unterschiedliche politische Meinungen haben, sich aber dem amerikanischen Imperialismus oder irgendeinem anderen versklavenden Imperialismus nicht unterwerfen wollen, die Politik unserer Partei und unseres Staates.

Wir haben bereits früher aufgezeigt, wie der Chruschtschowrevisionismus die Politik der Annäherung an den amerikanischen Imperialismus einleitete, und die Verflechtung der Chruschtschowschen Politik mit der Politik der Reaktion herausgestrichen. Heute brauchen wir alle, die Kommunisten auf der Welt, uns nicht zu wundern, wenn wir sehen, dass sich nun das gleiche zwischen China und den Vereinigten Staaten von Amerika abspielt, das heißt, eine Verflechtung ihrer inneren und internationalen Interessen. Beide Seiten sind durch diese Interessen miteinander verbunden, deshalb machen sie einander Zugeständnisse, selbstverständlich auf Kosten der anderen Völker. Auf der einen Seite versucht der amerikanische Imperialismus, seine hegemonische Macht zu wahren, sie zum Nachteil der anderen sozialimperialistischen Macht sogar noch auszubauen, und auf der anderen Seite bemüht sich auch China, sein eigenes Reich zu schaffen, d.h., seinen Einfluss auf der Welt zu etablieren. Weil also die Interessen dieser beiden großen Staaten - der eine als imperialistischer Staat bestätigt, der andere auf verschiedenste Weise bemüht, sich als solcher zu bestätigen - miteinander verbunden sind, müssen sie zwangsläufig im Gegensatz zu den allgemeinen Interessen des Weltfriedens, zu den Interessen der Befreiungskämpfe der Völker, zu den Interessen der Revolution und der Diktatur des Proletariats stehen.

Derzeit betreibt China diese Politik mit marxistischen Phrasen verkappt, aber auch mit außergewöhnlicher Inkonsequenz, mit einer ungeheuren Schamlosigkeit und ohne groß darauf zu achten, seinen antimarxistischen Weg zu verschleiern. Die Chruschtschowianer gingen nicht genau in der gleichen Weise vor. Sie versuchten und versuchen auch heute noch ständig, sich mit leninistischen Parolen zu tarnen, wobei sie behaupten, ihre politische, ideologische und wirtschaftliche Tätigkeit geschehe «im Interesse der Revolution». Auch seine expansionistischen Absichten tarnt der sowjetische Sozialimperialismus mit der Parole von der «Hilfe für die proletarische Revolution».

Chruschtschow brachte all die anti-marxistischen Parolen von der friedlichen Koexistenz mit dem Imperialismus, vom Übergang zum Sozialismus auf friedlichem, parlamentarischem Weg, durch Reformen usw., sowie die Losung von der «Welt ohne Armeen, ohne Waffen und ohne Kriege» auf, entwickelte sie, doch er schuf dabei immer gleichsam den Eindruck, als gebe es im Kern tiefe Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion.

Es gibt diese Widersprüche zwischen den beiden imperialistischen Supermächten - den Vereinigen Staaten von Amerika, die konsequent ihre Linie verfolgen, jedoch nicht ohne Zickzack in der Politik, und der Sowjetunion, die genauso entschieden ihren sozialimperialistischen Kurs verfolgt, verkappt und ebenfalls mit manchem Zickzack.

Heute jedoch sehen wir, dass die chinesische kommunistische Partei und der chinesische Staat die internationale Arena mit einer häufig unverhüllten, maskenlosen Politik betreten haben, und diese ihre Haltung ist schrecklich, ist anti-marxistisch, volksfeindlich. Die ganze kapitalistische Welt hat großes Interesse daran, dass sich China auf diesem Weg entwickelt. Alle haben inzwischen in diesem Land ihre Hand im Spiel, sie haben ihr Spionagenetz und ihre Politiker in Aktion gesetzt, um es auf diesem Kurs weiter und immer weiter dem Abgrund entgegenzutreiben. An der Spitze aller Agenturen steht natürlich Jugoslawien mit Tito. Die Titoisten sind sehr zufrieden und fühlen sich außerordentlich ermutigt, nicht nur, weil sich zwischen den beiden revisionistischen Staaten Jugoslawien und China sehr günstige wirtschaftliche und politische Beziehungen entwickeln. Sie sind auch zufrieden, weil sie auf diese Weise den Wunsch ihrer Herren, insbesondere des amerikanischen Imperialismus erfüllen, was Chinas schnelle Umwandlung in einen kapitalistischen Staat, wie es auch Jugoslawien ist, anbelangt.

Sicherlich werden Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping, die von der kapitalistischen Bourgeoisie so sehr gepriesen werden, rasch überall die jugoslawische «Selbstverwaltungs-»Organisation in der Wirtschaft einführen, und sie werden diese «Selbstverwaltung», dieses System, das sie dem großen China anpassen werden, mit den politischen Merkmalen versehen, auf die ideologischen Merkmale gründen, die den Verratskurs der Maoisten auf die beste und klarste Weise definieren werden.

Die jugoslawische Nachrichtenagentur TANJUG spricht nicht viel von den «Vier» und auch nicht von ihren Anhängern, denen ein schwerer Schlag versetzt worden ist. Sie rechnet mit einer weiteren Stabilisierung in China. Das heißt für sie, dass die Clique Hua Guo-fengs und Deng Hsiao-pings, die an der Macht ist, im Jahr 1978 zur Stabilität finden, bei der Arbeit und im Land Disziplin herstellen wird. Kurz gesagt, man erwartet, dass dort eine starke Militärdiktatur errichtet wird, dass die Demokratie der Volksmassen unterdrückt und die Dezentralisierung der Wirtschaft durchgeführt wird.

So war es auch in der Sowjetunion, wo die Bolschewistische Partei Lenins und Stalins, die den großen Sieg der Revolution und des Aufbaus des Sozialismus errungen hatte, von innen her zerstört wurde. Trotz Stalins richtiger Haltung und trotz der politisch-ideologischen Arbeit der Bolschewistischen Partei ergriffen die verkappten Revisionisten eines Tages die Macht und verwandelten innerhalb relativ kurzer Zeit die Sowjetunion von einem sozialistischen Land in ein kapitalistisches Land. Heute ist dort eine neue Schicht der kapitalistischen Bourgeoisie entstanden, die sich auf die Streitkräfte und die Staatssicherheit stützt.

Was die Kommunistische Partei der Sowjetunion anbelangt, so wahrt sie die «Tradition», wahrt sie den Ruf (gedankt sei dem Ruf!), doch in Wirklichkeit ist von der Bolschewistischen Kommunistischen Partei Lenins und Stalins nichts übrig geblieben, es ist nicht mehr sie, die die Sowjetunion führt. Dort führt die Armee, die Staatssicherheit, dort führen die Apparatschiks einer revisionistischen Partei. In der Sowjetunion gibt es Widerstand gegen das kapitalistische Regime, das dort errichtet worden ist. Dieser Widerstand scheint von der Rechten auszugehen, doch mit Sicherheit gibt es auch auf der Linken Widerstand, der nicht sichtbar wird, weil die Revolutionäre in tiefster Illegalität sind und arbeiten (während die internationale Bourgeoisie um die konterrevolutionären sowjetischen «Dissidenten» nach wie vor einen ohrenbetäubenden Lärm veranstaltet).

So wird es auch in China sein. Vorläufig kann sich dort Widerstand gegen die Herrschenden nur unter großen Schwierigkeiten und in einigen sporadischen Vorfällen äußern, denn dort hat es eine wirklich revolutionäre marxistisch-leninistische Organisierung niemals gegeben. Deshalb muss in China ein revolutionärer Geist, ein neuer, marxistisch-leninistischer, revolutionärer Geist geschaffen werden. Bei den Kadern und den Massen des Proletariats diesen revolutionären Geist zu schaffen, das wird sicherlich noch seine Zeit brauchen, und während dieser Zeit wird die Militärdiktatur Hua Guofengs und Deng Hsiao-pings, der «Kriegsherren», gleichsam der maoistischen chinesischen neuen Bourgeoisie, ständig zuschlagen und China auf einen ganz und gar kapitalistischen Weg bringen.

Das soll nicht heißen, dass sich in China die revolutionären Elemente nicht rühren werden. Sie werden illegal handeln, mit neuen Methoden natürlich, vielleicht auch mit weniger rigoroser Intensität als in der Sowjetunion. Möglich, dass in China früher gehandelt wird, um die Cliquen, die die Macht ergriffen haben und nun die Revolution unterdrücken, loszuwerden. Man darf die Hoffnung auf das chinesische Proletariat und das chinesische Volk nicht verlieren.





MONTAG, 26. DEZEMBER 1977







KANN DIE CHINESISCHE REVOLUTION ALS PROLETARISCHE REVOLUTION BEZEICHNET WERDEN?

Um eine derart wichtige Frage zu entscheiden, muss man natürlich einerseits über relativ viel Zeit verfügen. Außerdem braucht man ausführlichere und genauere Dokumente über die sehr komplizierte Entwicklung in China, mindestens ab der Periode Sun Yat-sens, der Kuomintang, bis heute. Auf der andere Seite muss man die Entwicklung der Revolution insgesamt und der klassischen französischen bürgerlich-demokratischen Revolution sowie die Entwicklung der bürgerlich-demokratischen Revolution in anderen Ländern kennen.

Ich kann von mir nicht behaupten, die französische bürgerlichdemokratische Revolution in ihrer ganzen Breite und Tiefe zu kennen, immerhin bin ich aber einigermaßen mit ihr vertraut. Ich habe sie nicht nur in Lehrbüchern, sondern danach auch viele wichtige Autoren wie Michelet, Mathiez, Jaurès u.a. studiert, die über diese Revolution geschrieben haben. Bekannt sind uns außerdem die Einschätzungen der Klassiker des Marxismus-Leninismus über die französische Revolution.

In seinem Werk «Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte», in dem er auf die französische Revolution eingeht, definiert Marx sie als Revolution der Jahre 1789-1814. Doch zugleich betont er auch, dass der Anstieg dieser Revolution nur bis zum Jahr 1794 reichte. Er schreibt:

«In der ersten französischen Revolution folgt auf die Herrschaft der Konstitutionellen die Herrschaft der Girondins und auf die Herrschaft der Girondins die Herrschaft der Jakobiner. Jede dieser Parteien stützt sich auf die fortgeschrittenere. Sobald sie die Revolution weit genug geführt hat, um ihr nicht mehr folgen, noch weniger ihr vorangehen zu können, wird sie von dem kühnern Verbündeten, der hinter ihr steht, beiseite geschoben und auf die Guillotine geschickt. Die Revolution bewegt sich so in aufsteigender Linie.»* *( K. Marx / F. Engels, Ausgewählte Werke, Bd. I, S. 275 (alb. Ausgabe).)

Nach dem Sturz der Jakobiner «geht es abwärts» mit der Revolution, beginnt die Periode der Konterrevolution, obwohl die Bourgeoisie an der Macht bleibt.

Darüber hinaus kennen wir den Entwicklungsprozess der proletarischen Revolution, ihre Theorie und Praxis gut, denn wir haben sie in den Werken unserer grossen Klassiker, Marx, Engels, Lenin und Stalin, eingehend studiert. Wir haben uns mit der Entwicklung und dem Sieg der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution in der Sowjetunion, der proletarischen Revolution bei uns und in den anderen, sogenannten sozialistischen Ländern, die sich heute - wie die Sowjetunion - in kapitalistische Länder verwandelt haben, vertraut gemacht, sie studiert.

Ich sage dies alles, weil man Kenntnisse braucht, um dieses Problem, dem wir augenblicklich unser Interesse zuwenden, genau, richtig und gründlich untersuchen, d.h., den Charakter der chinesischen Revolution und die verschiedenen Etappen, die sie durchlaufen hat, bestimmen zu können. Insbesondere muss man die entscheidenden, die Schlüsselmomente kennen, die Ideen, den Fraktionskampf, die verschiedenen Etappen, die Triebkräfte, die alle zusammen eine Revolution ~bestimmen. Danach kann man dann durch eine wissenschaftliche Beurteilung und Analyse der Gesamtfrage vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus aus zu einer richtigen Schlussfolgerung gelangen. Dennoch können wir - auch wenn die Kenntnisse, die wir über China haben, unvollständig, nicht in gebührender Weise durch Gegenüberstellungen und Vergleiche koordiniert und klassifiziert, manchmal vielleicht auch nicht sehr exakt sind eine Meinung über die Revolution dort abgeben, die bisher «sozialistisch», «proletarisch» genannt worden ist, dies jedoch in Wahrheit nicht gewesen zu sein scheint.

Auf Grund meiner Überlegungen, besonders nach all dern, was sich in China ereignet hat und ereignet, bin ich - ohne Anspruch darauf zu erheben, diese Überlegungen stellten eine gründliche Untersuchung dar - zu der Meinung gelangt, dass in China keine Revolution stattgefunden hat, die als proletarische Revolution bezeichnet werden kann wie die Große Sozialistische Oktoberrevolution. Es geht mir hier nicht darum, dass die Etappen der bürgerlichen Revolution hätte übersprungen werden sollen und man direkt hütte zur sozialistischen Revolution übergehen müssen.

Sun Yat-sen vermochte durch seinen Kampf an der Spitze der Kuomintang in vielen Kämpfen und Gefechten - obwohl er sein Werk nicht vollendete - in China die Monarchie zu stürzen und die Republik zu errichten, die demokratische Kanton-Regierung zu bilden, ohne China allerdings einigen zu können. Diese chinesische Republik war eine «bürgerlich-demokratische» Republik, ohne dass in ihr alle Wesenszüge und Merkmale einer fortgeschrittenen bürgerlichen Demokratie schon herausgebildet gewesen wären, auch wenn sie sich in diese Richtung entwickelte. Wie jede bürgerlich-demokratische Revolution nahm auch die von Sun Yat-sen und der Kuomintang geführte meiner Meinung nach eine Reihe politischwirtschaftlicher Reformen vor, die sich gewissermaßen verbessernd auswirkten und auf die Einigung Chinas gerichtet waren. Dieses litt zu jener Zeit unter einer doppelten Herrschaft: der absoluten Monarchie, dem Chaos in den Provinzen, wo die «Kriegsherren» mit ihren autonomen Verwaltungen und ihren beinahe privaten «Armeen» regierten, und unter der Herrschaft einer Reihe imperialistischer Staaten. Diese hatten sich mit ihren Konzessionen festgesetzt, nahezu die gesamte Ostküste dieses großen Landes unter sich aufgeteilt, eigene Kolonien und Handelsniederlassungen geschaffen, durch die sie dem chinesischen Volk zum Vorteil der englischen, amerikanischen, französischen, deutschen usw. Metropolen den Schweiß und das Blut auspressten, intrigierten und Spaltung und Chaos schürten.

Die Proklamation der Republik und der Machtantritt der Kuomintang bedeuteten nicht das Verschwinden der chinesischen Großbourgeoise, der nationalen und der Kompradorenbourgeoisie. Nicht im Geringsten. Diese Bourgeoisie blieb an der Macht und behielt ihre Verbindungen zu den imperialistischen Staaten, vor allem dem amerikanischen Imperialismus bei, bewahrte und entwickelte sie. Sie fuhr fort, Reibereien und Spaltung hervorzurufen, die bis zu bewaffneten Zusammenstößen zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Kuomintang führten. Der Schwiegervater Sun Yat-sens, der auch Tschiang Kai-scheks Schwiegervater war und dem Exekutivkomitee der Kuomintang angehörte, war sogar einer der größten Kompradorenbourgeois Chinas. Wie ihn gab es auch noch viele andere.

Sun Yat-sen und die Kuomintang wählten und beschritten den Weg bürgerlich-demokratischer Reformen, und obwohl sie freundschaftliche Beziehungen zur leninistischen Sowjetunion unterhielten, waren sie doch weit davon entfernt, den leninistischen Weg zur Umgestaltung Chinas zu verfolgen. In seinem Bericht vom 26. Januar 1923 schreibt der Delegierte der Komintern, Sun Yat-sen habe gesagt, das System der Sowjets könne in China nicht eingeführt werden, da in diesem Land jegliche Bedingung fehle, die seine Anwendung begünstige. Es erwies sich, dass Sun Yat-sen nur beschränkt fähig war, ein klares, präzises Programm für die Entwicklung Chinas auszuarbeiten. Seine sozialen Anschauungen und Neigungen waren radikal in Worten, aber blass ihrem Inhalt nach. Die politisch-ideologischen Neigungen Sun Yat-sens, Tschiang Kai-scheks und überhaupt der Kuomintang gingen mehr in die Richtung der bürgerlich-demokratischen Anschauungen Westeuropas, Amerikas und anderer Länder wie Japan. Wie ich gelesen habe, suchte Sun Yat-sen, obwohl es sehr gewagt und gefährlich war, mehrmals Unterstützung – bald bei den inländischen Militärclans, bald bei den Großmächten, etwa den Vereinigten Staaten von Amerika und Japan. Er nahm von ihnen Hilfe für den Aufbau des Regierungssystems, das in China gerade geschaffen wurde. Selbstverständlich war diese Hilfe von Seiten der demokratischen amerikanischen Kreise durchaus nicht uneigennützig. Als imperialistische Macht waren die Vereinigten Staaten von Amerika bestrebt, den Fernen Osten, besonders China, in ihre Klauen zu bringen, sich dort festzusetzen.

Obwohl Sun Yat-sen nur ein fortschrittlicher Demokrat mit liberalen Neigungen blieb, brachte er der Oktoberrevolution und der Sowjetunion Sympathie entgegen. Die von ihm gegründete bürgerlich-demokratische Republik stellte Beziehungen zur Sowjetunion her und hatte in ihr und in Lenin einen mächtigen Helfer, wo es darum ging, die gesellschaftliche, politische und militärische Umgestaltung, die in China gerade begann, weiter voranzutreiben. Sun Yat-sens Testament lässt sehr gut seinen flammenden Wunsch erkennen, die bürgerlich-demokratische Revolution zu Ende zu führen, ebenso das Vertrauen und die Sympathie, die er für die Sowjetunion empfand. Er beschließt sein Testament mit folgenden Worten:

«Liebe Freunde, nun, da ich von euch scheide, möchte ich einer großen Hoffnung Ausdruck geben, der Hoffnung, dass bald die Morgenröte anbrechen wird. Dann werden die Sowjetunion und ihre Freunde und Verbündeten im großen Kampf für die Emanzipation der Völker der Welt ein starkes, entwickeltes und unabhängiges China unter sich aufnehmen. Hand in Hand werden die beiden Länder dem Sieg entgegenschreiten. Brüderliche Grüße.»

In diese Zeit, als die Kuomintang allmächtig war, als an ihrer Spitze Sun Yat-sen stand, als sich die chinesische Republik in Entwicklung befand und mit der Sowjetunion Lenins befreundet war, fällt die Gründung der Kommunistischen Partei Chinas im Jahr 1921.

Die Kommunistische Partei Chinas entstand und entwickelte sich im Schoß der alten chinesischen Gesellschaft und Kultur, und ihre damaligen Mitglieder waren Produkt der konfuzianischen, liberal-demokratischen und schließlich auch marxistisch-leninistischen intellektuellen und moralischen Erziehung. Aber auch später kann man nicht sagen, dass sich die chinesischen Marxisten völlig von der traditionellen Zivilisation gelöst hätten. Diese übte durch ihre individuelle und nationale Psychologie weiter Einfluss auf sie aus.

Vor und nach der Oktoberrevolution nahm die Verbreitung des Marxismus in China mehr den Charakter einer Bewegung für nationale als für soziale Befreiung an. Die ersten marxistischen Gruppen waren durch ideologische Konfusion und Schwanken in der politischen Linie gekennzeichnet. Schu Kiang, der vor 1966 im maoistischen Regime Verantwortlicher für Kulturfragen war, schreibt in einem Artikel vom September 1957: «Werfen wir einen Blick zurück. Wir waren begierig nach allen neuen Kenntnissen, die von den Ausländern kamen, und wir waren nicht in der Lage, zu unterscheiden zwischen Anarchismus und Sozialismus, zwischen Individualismus und Kollektivismus. Nietzsche, Kropotkin und Karl Marx zogen uns gleichermaßen an. Später begriffen wir, dass der Marxismus-Leninismus die einzige Wahrheit und die Waffe zur Befreiung der Menschheit ist. Wir glaubten abstrakt an den Kommunismus, und unsere Akte waren stets vom Wunsch nach individuellem Heldentum diktiert. Wir hatten keine engen Kontakte zu den Arbeitern und den Bauern, wir näherten uns ihnen sehr wenig. Die demokratische Revolution war unser unmittelbares Ziel, die sozialistische Revolution dagegen ein fernes Ideal. Lange Zeit waren wir vom Individualismus beeinflusst. Wir hatten Träume wie Ibsen und liebten sein Motto: 'Der stärkste Mensch auf der Welt ist der, der am einsamsten ist.»

All diesen verschiedenen ideologischen und politischen Anschauungen mussten Zügel angelegt werden, in dem Sinn, dass die Reihen gesäubert und der Einfluss jener Elemente zurückgedrängt werden musste, die Demokraten, nicht aber Marxisten waren und die Grundprinzipien des Marxismus-Leninismus nicht befolgten. Damit meine ich, dass das Terrain gesäubert werden musste, damit eine wirklich kommunistische Partei geschaffen werden konnte, die die Theorie des Marxismus-Leninismus befolgte und unter den Bedingungen Chinas schöpferisch anwandte, aber mit einem tieferen und klareren Verständnis, entsprechend den Ideen, die die Große Sozialistische Oktoberrevolution leiteten, den marxistischen Ideen Lenins.

Die Komintern leistete hierzu ihren Beitrag, und sie war es, die zur Formung der radikaleren, klareren jungen Kader beitrug, die nach der 4.-Mai-Bewegung des Jahres 1919 einer nach dem anderen kamen, von Li Li-san bis Mao Tsetung. Mao Tsetung war viel progressiver als seine Vorgänger, viel revolutionärer, viel konsequenter für den sowjetischen Weg als Sun Yat-sen, aber auch als die anderen, älteren Genossen Tschen Du-hsiu, Li Da-dschao und andere. Dennoch gab es in den Anschauungen der jungen Kader ausgeprägte Züge des chinesischen Nationalismus, der Unabhängigkeit dieses «großen Staates» sowie deutliche Einflüsse der alten philosophischen Ideen des Konfuzius, des Menzius usw.

Das verhinderte, dass die chinesischen Genossen, die im Verlauf des Kampfes und der Auseinandersetzungen geformt wurden, den Marxismus-Leninismus als einen wirklichen Kompass betrachteten, der sie in dem überaus dunklen Wald der chinesischen bürgerlich-demokratischen Revolution leitete, und dass sie eine marxistisch-leninistische politische Linie mit klaren Zielen ausarbeiteten, die sie ohne Schwankungen in allen Etappen der chinesischen Revolution geführt hätte. Dies geschah jedoch - schon von Anfang an - nicht so wie es hätte sein müssen. Man bewahrte vielmehr einige marxistische Formulierungen und Schlagworte, innerlich jedoch war die Kommunistische Partei Chinas keine wirkliche Partei des Proletariats, keine Partei der Revolution, die die Führung in der demokratischen Revolution und ihre Überführung in die proletarische Revolution gewährleisten konnte. Tatsächlich traten in ihr eine Reihe anarchistischer u.a. Abweichungen und Theorien auf. Dieser chaotische Weg ist kennzeichnend für die gesamte Entwicklung Chinas von der Gründung der Partei, der Schaffung der bürgerlich-demokratischen Republik Sun Yatsens bis heute. Die eben gegründete Kommunistische Partei Chinas hätte den Weg der organisatorischen und ideologischen Festigung einschlagen müssen, sie hätte sich bemühen müssen, ihre Eigenständigkeit zu erhöhen, und sie hätte Schritt für Schritt die Bündnisse mit den revolutionären Klassen und Kräften schaffen, für die Stärkung der Stellungen der bürgerlichen Demokratie kämpfen müssen, die sich in der ersten Etappe ihres Aufbaus befand. Das heißt, sie hätte die demokratischen Freiheiten sichern, den Einfluss des Volkes und in erster Linie des Proletariats im Land - in der Staatsmacht, in der Armee und überall - heben, in den Gewerkschaften, die innerhalb der Kuomintang gebildet wurden, leitende Positionen besetzen und ihre eigene gezielte Propaganda entfalten müssen, um ihre Positionen in der Arbeiterklasse zu festigen, sie zur hegemonischen Klasse der Revolution zu machen. Sie hätte zugleich ihren Einfluss im chinesischen Dorf erweitern müssen, denn hier lebte der weitaus größte Teil der Bevölkerung dieses, sozusagen, ganzen Kontinents, und sich konsequenter für die Durchführung der Agrarreform und für das politische und bildungsmäßige Erwachen des Dorfes einsetzen müssen.

Dieser Weg war der Kommunistischen Partei Chinas von Lenin und der Komintern erschlossen worden, er war ihr durch die Oktoberrevolution und die Erfahrung der Sowjetunion gebahnt worden.

Lenin hat eine ganze Reihe von Artikeln über China geschrieben. Interessant ist aber vor allem der Artikel «Demokratie und Volkstümmlerideologie in China», veröffentlicht am 15. Juli 1912. Lenin analysiert darin die Situation in diesem Land, die Revolution von 1911. Er erkannte den progressiven Charakter der Ideen Sun Yat-sens an, trotz all ihrer Beschränktheiten in der Lehre. Die von der Kuomintang geleitete bürgerlich-demokratische Revolution schien Lenin deshalb von besonderem Interesse, weil sie gegen die Unterdrückung durch die westlichen Staaten kämpfte und die Zerstückelung und nationale Auflösung stoppte, die China drohte. Er erkannte die wichtige Rolle, die der Bauernschaft zukam, wobei er stets die Frage nach ihrem revolutionären Wert angesichts des Fehlens des Proletariats in China stellte. Doch am 8. November 1912 schrieb Lenin in der «Prawda» unter anderem über die Bauernschaft:

«Ob die Bauern, die nicht von einer Partei des Proletariats geführt werden, imstande sein werden, ihre demokratische Position gegen die Liberalen zu behaupten, die nur au f den geeigneten Moment warten, um nach rechts umzufallen - das wird die nahe Zukunft zeigen.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 18, S. 445 (alb. Ausgabe).)

Lenin war vollständig davon überzeugt, dass sich in China ein Proletariat herausbilden würde, und betonte:

«Und schließlich wird, in dem Masse, wie in China die Zahl der Shanghais wachsen wird, auch das chinesische Proletariat wachsen. Es wird wahrscheinlich diese oder jene chinesische Arbeiterpartei bilden, die bei gleichzeitiger Kritik an den kleinbürgerlichen Utopien und den reaktionären Anschauungen Sun Yat-sens den revolutionär-demokratischen Kern seines politischen und Agrarprogramms sicherlich sorgfältig herausheben, bewahren und weiterentwickeln wird.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 18, S. 178 (alb. Ausgabe).)

Man sieht schon allein an diesen beiden Artikeln, wie klar Lenin die Aufgaben bestimmte, die ihrer Lösung durch die Kommunistische Partei Chinas harrten.

Auf dem 2. Kongress der Kommintern, der vom 19. Juli bis zum 7. August 1920 stattfand, wurden - in Übereinstimmung mit Lenins Lehren - die Thesen über die nationale und koloniale Frage beschlossen. Ziemlich viele von ihnen betrafen auch China. Der Kongress verabschiedete die These, dass «die Revolution in China und in anderen Kolonialländern ein Programm braucht, das auch die Einbeziehung bürgerlicher Reformen, insbesondere der Agrarreform, zulassen muss». Es wurde aber betont, dass die Leitung der Revolution nicht der demokratischen Bourgeoisie überlassen werden dürfe. Vielmehr heißt es in den Beschlüssen des Kongresses, die Partei des Proletariats habe eine nachdrückliche und systematische Propaganda für die Sowjets anzuleiten und schnellstmöglich Sowjets der Arbeiter und Bauern zu organisieren. Das war die Generallinie der Komintern, die auch die Partei in China zu verfolgen hatte.

Ganz allgemein können wir sagen, dass die Kommunistische Partei Chinas in dieser Situation, die in China eingetreten war, ihre Rolle nicht in gebührender Weise, wohlstudiert und systematisch, ausgehend vom wissenschaftlichen Sozialismus, erfüllte. In dieser Frage gab es unterschiedliche Tendenzen in dieser kleinen Partei, die sich Kommunistische Partei Chinas nannte, Tendenzen, die zu keinem Zeitpunkt zuließen, dass eine richtige marxistisch-leninistische Linie festgelegt wurde und das marxistisch-leninistische Denken und Handeln leiteten. Diese Anfangstendenzen, die bei den wichtigsten Führern der Partei häufig zu Tage traten, waren sehr oft links, manchmal rechtsopportunistisch, manchmal zentristisch, und sie reichten bis zu anarchistischen, trotzkistischen, bürgerlichen, ausgeprägt chauvinistischen und rassistischen Anschauungen. Auch später blieben sie eines der kennzeichnenden Merkmale der von Mao Tsetung und seiner Gruppe geführten Kommunistischen Partei Chinas.

Wollte diese junge Partei unter jenen so komplizierten Verhältnissen und auf einem so großen Kontinent, wo die Ideen des Konfuzius und die feudale Ordnung starke, um nicht zu sagen unverlöschlichte Spuren hinterlassen hatten, einen organisierten, studierten, reifen systematischen Kampf führen, dann mussten die chinesischen Kommunisten absolutes Vertrauen in den wissenschaftlichen Marxismus, in Lenin und die Komintern haben, mussten sie ihr realistisch über die Situation in China berichten, damit die Beschlüsse, welche die Kommintern über China fasste, auch richtig waren und von den chinesischen Kommunisten richtig angewendet wurden.

Dies schaffte die Kommunistische Partei Chinas, bei allem guten Willen der Frischbekehrten, meiner Meinung nach nicht. Darin liegt, so glaube ich, der Ursprung aller Schwankungen nach links und nach rechts, von damals bis heute.

Schon bei der Gründung der Partei zeigten sich zwei Strömungen: der eine Flügel wollte legale Arbeit leisten und mit den bürgerlichen demokratischen Parteien zusammenarbeiten, der andere Flügel verfocht den Standpunkt, man solle keinerlei Verbindung zu den anderen unterhalten. Und im Allgemeinen entschied sich die Partei für die Isolation, anders ausgedrückt, sie nahm eine feindselige Haltung gegenüber allen an deren Parteien ein, einschließlich der Sun Yat-sens, die für das politische Chaos verantwortlich gemacht wurde. In einem Brief, den Tschen Du-hsiu am 6. April 1922 an Woitinski, den Delegierten der Komintern in China, sandte, schreibt er, die chinesischen Kommunisten seien gegen ein Zusammengehen mit der Kuomintang, denn sie hätten andere Ziele. Die Komintern widersprach dieser Auffassung und orientierte die Partei auf eine enge Zusammenarbeit mit der Kuomintang.

Auf dem Kongress der Völker des Fernen Ostens bestimmte die Komintern richtig die Linie der Zusammenarbeit zwischen der Kuomintang und der Kommunistischen Partei Chinas sowie deren Aufgaben für die damalige Periode der chinesischen Revolution. Dort vertrat auch der sowjetische Vertreter die Auffassung, die Kuomintang müsse unterstützt werden als Verbündeter, der für nationale und demokratische Befreiung, für die nationale Emanzipation kämpft.

Gleichzeitig betonte er aber, die Kommunistische Partei Chinas dürfe nicht die von der Kuomintang geleiteten Organisationen und Gewerkschaften unterstützen, sondern müsse sich zusammen mit den proletarischen Massen darauf orientieren und dafür kämpfen, unter den Massen Einfluss zu gewinnen und eigene Organisationen zu schaffen. «Deshalb meinen wir in dieser Frage», sagte er, «dass die Kuomintang kein Hindernis für unsere Arbeit sein sollte, und dass wir aufrichtig mit ihr zusammenarbeiten werden. Das sagen wir ganz offen. Das ist unsere Tendenz, und für uns muss die Bewegung der Arbeiter Chinas dominieren, sie muss sich frei entwickeln, ungeachtet der Existenz der Bourgeoisie mit radikalen Tendenzen und demokratischen Organisationen und Parteien.»

So wurde diese kleine kommunistische Partei von der Komintern und Sowjetrussland, die ihre Arbeit unter den Massen, besondern unter dem Proletariat der Städte, aufmerksam verfolgten, politisch verteidigt und materiell unterstützt. In dieser Richtung machte man rasch Fortschritte, besonders auf gewerkschaftlichem Gebiet, während sich die politischen Erfolge später, langsamer einstellen sollten, beginnend mit der 30.-Mai-Bewegung im Jahr 1925. Die 30.-Mai-Bewegung bewirkte, dass auf dem 4. Parteitag ein neuer Erfolg erzielt wurde. Die Zusammenarbeit zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Kuomintang festigte sich, wurde enger, was sich unmittelbar in der - zeitweiligen - Festigung der nationalen Einheit auswirkte, die nach 1911 geschwächt, um nicht zu sagen ganz aufgelöst war. Aus dieser Zusammenarbeit schöpfte die Kuomitang neue, größere Kraft, doch auch die Kommunistische Partei Chinas kam zu ihrem 4. Parteitag mit vervielfachten Kräften. Auf der 7. Plenarsitzung der chinesischen Kommission des Exekutivkomitees der Kommintern sagte Stalin am 30. November 1926 unter anderem:

«Der ganze Verlauf der chinesischen Revolution, ihr Charakter, ihre Perspektiven sprechen eindeutig dafür, dass die chinesischen Kommunisten in der Kuomintang verbleiben und dort ihre Arbeit verstärken müssen.»'* *(. W. Stalin, Werke, Bd. 8, S. 374375 (alb. Ausgabe).)

Die Zusammenarbeit der beiden Parteien wurde bis 1927 aufrechterhalten. Da gerieten die Dinge durcheinander, und das war nichts Erstaunliches, denn die bürgerliche Reaktion ist und bleibt Reaktion. Tschiang Kai-schek, die Kompradorenbourgeoisie und die chinesische Großbourgeoisie, die im Rahmen dieser chinesischen «Demokratie» aktiv waren, erblickten in der Kommunistischen Partei Chinas wegen des Einflusses, den sie nach und nach, schrittweise in der Arbeiterklasse und der Bauernschaft gewann, eine Gefahr. So kam es zum Bruch, zur Spaltung und zu den Schlägen in Kanton 1926 und in Schanghai 1927, in deren Verlauf eine große Zahl von Proletariern und Kommunisten liquidiert wurde. Das war ein schwerer Schlag für die Gewerkschaften und die Kommunistische Partei Chinas.

Nicht nur in der Haltung zur Kuomintang, sondern auch gegenüber der Arbeiterklasse und der Bauernschaft verstand es die KP Chinas nicht, eine klare marxistisch-leninistische Linie festzulegen. In der bürgerlich-demokratischen Revolution in China spielte die Bauernschaft eine entscheidende Rolle, aber deshalb hätte die Kommunistische Partei Chinas sie noch lange nicht als führende Kraft in der Revolution betrachten müssen. Unter den neuen Bedingungen kam die Führung in dieser Revolution der Arbeiterklasse zu.

Die Leute der Kuomintang kamen nicht aus der Bauernschaft, sondern waren fortschrittliche Elemente der städtischen Bourgeoisie, in erster Linie Intellektuelle, vereint auch mit reaktionären bürgerlichen Elementen, die verhindern wollten, dass in China demokratische Freiheiten verankert wurden. Die Bourgeoisie der neuen chinesischen Republik versuchte, die chinesische Bauernschaft - die armen Bauern, die Mittelbauern und die reichen Bauern - zu ihrem Instrument, zu ihrer Stütze zu machen. Dass die chinesische Bauernschaft ein revolutionäres Element war, lässt sich nicht leugnen. Auch in der französischen bürgerlich-demokratischen Revolution trug diese Klasse solche Merkmale. Obwohl die französische Bauernschaft in einigen Momenten der Revolution eher royalistisch war, war sie im Allgemeinen gegen den Feudalismus und hatte den Wunsch, sich aus der Klammer der schweren Steuern der französischen Feudalen zu befreien, Steuern, die nicht nur in Geld, sondern auch als Fronarbeit zu entrichten waren. Besonders und vor allem aber wollte sie Land.

In China war die Bauernschaft ein fortschrittliches, revolutionäres Element, sie war gegen die Monarchie, gegen die Unterdrückung, gegen die «Kriegsherren» und die Provinzmachthaber. Doch unter ihr musste Arbeit geleistet werden. Die Bourgeoisie, die die Revolution in China gemacht hatte, würde, wie gesagt, versuchen, die Bauernschaft für ihre eigenen Zwecke zu benutzen. In dieser Situation musste die Kommunistische Partei Chinas handeln, ohne aber dabei auf die Positionen der Bourgeoisie der Kuomintang überzugehen, ob nun der «fortschrittlichen» oder der reaktionären. Die KP Chinas musste ihre eigenständige politische Linie haben, und diese Linie musste auf den Lehren von Marx und Lenin gründen.

In dieser Etappe musste die Kommunistische Partei die im Kampf gegen die Monarchie, den Feudalismus, die Rückständigkeit gewonnenen Positionen festigen. Immer unter Berücksichtigung der Etappen durfte sie die Perspektive der Revolution nicht vergessen, durfte sie nicht vergessen, dass sie eine marxistisch-leninistische Partei der Arbeiterklasse, die Speerspitze dieser Klasse war. Damals, als die KP Chinas gegründet wurde, existierte in China ein im Vergleich zur Klasse der chinesischen Bauernschaft verhältnislässig kleines Proletariat. Dennoch, es gab dort ein Proletariat, und die inzwischen gegründete Kommunistische Partei Chinas musste die Partei des Proletariats sein, und diese Partei hatte die Bauernschaft als wichtigsten Verbündeten des Proletariats zu betrachten. Deshalb musste die Partei durch ihre Arbeit die Bauernschaft als Verbündeten für die Arbeiterklasse gewinnen, um die fortschrittliche bürgerlich demokratische Republik zu stärken und dann, wenn die Bedingungen dafür reif waren, zu einer fortgeschritteneren Etappe, zur sozialistischen Revolution überzugehen. Diese Hauptidee, dieses wegweisende revolutionäre Grundprinzip war in der Theorie nicht klar und wurde folglich auch nicht richtig und konsequent in die Praxis umgesetzt.

Nach dem Bruch der KP Chinas mit der Kuomintang im Jahr 1927 begann für die chinesische Revolution eine neue Etappe, die unter dem Namen Zweiter Revolutionärer Bürgerkrieg bekannt ist.

Die Aufgaben der Partei in dieser Etappe wurden auf dem außerordentlichen Plenum des Zentralkomitees festgelegt, das am 7. August 1927 abgehalten wurde. Das Plenum entfernte Tschen Du-hsiu aus der Parteiführung und legte als wichtigste Aufgabe für die Partei die Agrarrevolution fest. Nach dem Plenum gab es einen Aufschwung der revolutionären Bewegung, die Partei begann, ihre eigene Armee zu schaffen. Und der 6. Parteitag der Partei im Jahr 1928 gab Richtlinien für die Weiterentwicklung der Revolution und bestimmte als Hauptaufgabe die Schaffung revolutionärer Stützpunkte und die Bildung der Roten Armee.

Für die revolutionäre Bewegung begann der Aufschwung. Das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale [EKKI] kam im Dezember 1929 zu dem Schluss, dass China in eine tiefe nationale Krise geraten sei und sich im Anfangsmoment des revolutionären Aufschwungs befinde. Es betonte jedoch, dass der Übergang von der nationalen Krise in eine unmittelbar revolutionäre Situation nicht sofort erfolgen werde. Gleichzeitig machte die Komintern das ZK der KP Chinas darauf aufmerksam, dass «die Revolution in China sich ungleichmäßig entwickelt hat». Unter diesen Bedingungen blieben die Festigung der Partei und ihr Kampf, die Massen bewusst zu machen und zu gewinnen, die Hauptaufgabe.

Die Schlussfolgerungen der Komintern wurden, wie mir scheint, von der damaligen chinesischen Führung nicht richtig verstanden. Im Februar 1930 sandte das ZK der KP Chinas ein Rundschreiben an die Parteiorganisationen, in dem die These der Komintern über die ungleichmäßige Entwicklung der Revolution in China faktisch ignoriert wurde und in dem es hieß, ganz China sei von der revolutionären Krise erfasst. Und am 11. Juni 1930 verabschiedete das Politbüro mit Li Li-san an der Spitze die Resolution «Über den neuen revolutionären Aufschwung und die Übernahme der Macht vorläufig in einigen Provinzen». Die chinesische Führung war der Meinung, dass unter den Bedingungen der Krise, die die kapitalistische Welt erfasst hatte, und der Krise, die das Land erdrückte, die revolutionäre Situation in China herangereift sei und man unverzüglich zum Aufstand überzugehen habe, zunächst in einer oder einigen Provinzen, danach im ganzen Land. Sie betonte außerdem, dass der entscheidende Faktor der Revolution der Kampf des Proletariats sei, der Aufstand aber nur durch die Organisierung einer Streikwelle der Arbeiterklasse in den Städten, ohne Angriff der Armee auf die großen Städte, nicht erfolgreich verlaufen könne. Mao Tsetung wiederum betrachtete den Aufstand als eine rein militärische Aktion und war nicht für ein Zusammenwirken von städtischer Arbeiterklasse und Armee.

Im Juni begann der Aufstand. Am 28. Juni zog die Rote Armee in Tschangscha ein. Die Stadt wurde wenige Tage lang gehalten und dann von den Kuomintangtruppen zurückerobert, die den Terror gegen die Einwohner der Stadt und insbesondere die Arbeiterklasse und die Kommunisten entfesselten.

Soweit ich gelesen habe, war die einzige Einheit, die den Aufstand unterstützte und Widerstand leistete, die V. Gruppe der Roten Armee. Die Truppen der Zone von Kiangsi dagegen, wo Tschu Teh und Mao Tsetung die Leitung hatten, blieben nicht, um Tschangscha zu attackieren, sondern drehten stattdessen um, um der V. Armeegruppe zu Hilfe zu kommen. So scheiterte die Großoffensive im Provinzmaßstab. Doch auch danach ging das Politbüro des ZK der KP Chinas nicht von seiner Meinung ab. Am 18. Juli sandte es einen Brief an das EKKI mit der Aufforderung, der Einleitung des Aufstands in Wuhan, Tschangscha und Schanghai zuzustimmen. Das EKKI-Präsidium lehnte diese Forderung ab. Am 5. August wiederholte das Politbüro der KP Chinas seine Forderung. Am 26. August 1930 sandte das EKKI einen Brief an das ZK der KP Chinas, in dem betont wurde, dass der Plan zum Aufstand in einigen Provinzen unbedingt aufgegeben werden müsse.

Im September 1930 wurde in Luschen die dritte Sitzung der 6. Tagung des Zentralkomitees abgehalten. Daran nahm auch Pawel Mif als Vertreter des EKKI teil. Der Bericht, den Tschou En-lai hielt, der in seiner Eigenschaft als Delegierter des ZK der KP Chinas bei der Komintern soeben aus Moskau zurückgekehrt war, war sehr vorsichtig und versuchte den Standpunkt der Komintern mit der Linie von Li Li-san zu versöhnen. Das Plenum betrachtete die Haltung der chinesischen Führung lediglich als ernsten taktischen Fehler, nicht aber als eine Haltung, die im Gegensatz zu den Direktiven der Komintern stand. Vier Monate später, im Januar 1931, hielt das Zentralkomitee eine vierte Sitzung ab. In der Resolution dieser Sitzung stand ausdrücklich, die Führung der Kommunistischen Partei Chinas mit Li Li-san an der Spitze habe eine abenteuerliche, putschistische Politik im Gegensatz zu den Direktiven der Komintern verfolgt. Im Bericht hieß es, Li Li-sans Linie, die großen Städte einzunehmen, ohne dass die Bedingungen dafür schon herangereift gewesen wären, habe im Widerspruch zu den Thesen der Komintern über den Charakter und die Etappen der chinesischen Revolution gestanden.

Die Schuld an ihren Niederlagen und Abweichungen, die Schuld daran, dass sie die Entwicklung der Verhältnisse in China nicht verstanden und nicht die richtigen Schlussfolgerungen daraus gezogen haben, lasten die chinesischen Kommunisten mit Mao Tsetung der Komintern bzw. ihren Vertretern in China an. Sie beschuldigen die Kommintern heftig, sie habe sie an der Entfaltung eines konsequenten Kampfes um die Machtergreifung und den Aufbau des Sozialismus in China gehindert und aus dem Konzept gebracht. Die Periode der chinesischen Revolution ist natürlich lang und kompliziert, doch die Chinesen sind den Nachweis für ihre Ansichten schuldig geblieben. Ich habe oft gesagt, dass sich die Dokumente der Komintern, nicht nur über die chinesische Frage, sondern auch über viele andere Probleme dieser Zeit, in den Händen der Sowjets, in den Archiven der Kommunistischen Partei der Sowjetunion befinden. Viele von ihnen sind nicht veröffentlicht worden, weil die verschiedenen Fraktionen und die gegenwärtigen Sowjetrevisionisten die Wahrheit nicht aus ihren Archiven herauslassen, so dass die Chinesen mit den Fakten nach Belieben manipulieren, sie nach Wunsch interpretieren können. Man kann die chinesische Vertretung bei der Komintern und die Vertreter der Kommintern in China nicht restlos von aller Schuld freisprechen, doch genauso wenig kann man die Kommunistische Partei Chinas freisprechen, die an Ort und Stelle wirkte, denn ihre Handlungen waren nicht reif, die Berichte, die sie über die Lage im Land erstattete, nicht realistisch. Unter diesen Umständen haben möglicherweise einige Beschlüsse der Komintern die Sache nicht getroffen oder sind von den Vertretern der Komintern in China nicht richtig übermittelt und umgesetzt worden, ob dies nun Sowjets oder Chinesen waren. Dafür gibt es viele Gründe, denn zu jener Zeit gab es in der Komintern Elemente wie Trotzki, Bucharin, Sinowjew, Kamenew, die erst später als das entlarvt wurden, was sie waren. Anfang der zwanziger Jahre war der Sowjet Adolf Abramowitsch Joffe als Vertreter der Kommintern nach China geschickt worden. Er war ein Anhänger des Trotzkismus und verübte später Selbstmord. Im Oktober 1923 ging Borodin nach China, auch er ein trotzkistisches Element.

Ich bin jedoch der Meinung, dass die Beschlüsse und Direktiven der Komintern, vor allem in der Zeit Lenins, aber auch in der Zeit Stalins, im Grossen und Ganzen richtig waren.

Betrachten wir die Fakten, so gab es weder in der Periode des ersten Bürgerkriegs bzw. der ersten Periode der Zusammenarbeit Kuomintang-Kommunistische Partei noch in den anderen Perioden eine Richtlinie der Komintern für die Entwicklung des Kampfes der Kommunistischen Partei Chinas als einer selbständigen Partei, die sich als falsch herausgestellt hätte. Stalin forderte grundsätzlich, die Kommunistische Partei Chinas sollte im engen Bündnis mit der Kuomintang kämpfen, als die historische Entwicklung Chinas dies objektiv verlangte. Meiner Meinung nach war das eine richtige Direktive. Doch ich kann nicht glauben, dass Stalin, wie die Chinesen behaupten, die Direktive gegeben haben soll, die Kommunistische Partei Chinas solle liquidiert werden und in der Kuomintang aufgehen, ohne ihre Eigenständigkeit zu wahren. Das kann niemals Stalins Meinung gewesen sein. Die Chinesen sind nicht in der Lage, auch nur ein einziges Dokument vorzuweisen, das dies belegen würde, es gibt aber Dokumente, die das Gegenteil beweisen. Dies wird auch durch die Aussagen der Chinesen selbst untermauert, wonach Stalin angeblich Selbstkritik geübt hat, als Mao Tsetung in Moskau war - allerdings nicht in diesen Fragen. Er soll zugegeben haben, er habe «in einem bestimmten Moment der chinesischen Revolution in gewisser Weise Einfluss auf die Kommunistische Partei Chinas genommen, sich nur auf das Proletariat und weniger auf die Bauernschaft zu stützen». «Das ist der eine und einzige Fehler, den ich China gegenüber begangen habe, und dafür übe ich Selbstkritik», soll Stalin den Chinesen zufolge gesagt haben. Auch wenn das stimmen sollte, ist es dennoch unannehmbar, wie die Chinesen daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, ihre Niederlagen, die Fraktionsauseinandersetzungen in der KP Chinas, das Blutvergießen mit der Kuomintang sei von der «falschen» Politik der Komintern und Stalin verursacht worden! Hierfür müssen authentische Dokumente gefunden werden, denn anscheinend war es viel eher so, dass die chinesischen Kommunisten, aber auch einige der Delegierten Moskaus es nicht verstanden, der Kuomintang und ihren Häuptern gegenüber eine richtige, prinzipienfeste Politik zu entwickeln, die es ihnen erlaubt hätte, ihre maximalen Ziele zu erreichen.

Wir sehen, dass die Zusammenarbeit der chinesischen Kommunisten mit der Kuomintang am Anfang vernünftig, eng war bis dahin, dass beide Seiten an der Militärakademie Whampoa, wo Tschiang Kai-Scheck Kommandeur und Tschou En-lai Kommissar war, gemeinsam Offiziere ausbildeten. Tschou En-lai und Tschiang Kai-Scheck verstanden sich also ausgezeichnet und arbeiteten bestens zusammen. Mao selbst war Verantwortlicher für die Kader(erziehung) in der Kuomintang. Also waren die Direktiven der Komintern nicht falsch. Genauso wenig falsch war auch die Direktive der Komintern (falls dies überhaupt eine Kominterndirektive war), dass die KP Chinas, um in der Zeit der japanischen Aggression die Spaltung zu vermeiden, durch Tschou En-lai eingreifen solle, um Tschiang Kai-schek zu befreien, der am 12. Dezember 1936 vom Kommandeur der chinesischen Nordostarmee verhaftet worden war, was die nationalistischen Kräfte im Krieg gegen Japan zu spalten drohte.

Es ist äußerst schwierig, heute über die Linie und die Tätigkeit der Kommunistischen Partei Chinas der Kuomintang gegenüber, über die Beschlüsse, die das ZK der Partei unter Leitung Li Li-sans 1930 traf, über die Beschlüsse, die es nach dem Scheitern des Aufstands von 1930 fasste, ein Urteil abzugeben, denn die Kommunistische Partei Chinas, in deren Reihen stets Fraktionen wucherten, hat diese wichtigen Ereignisse, die im Land und in der Partei stattfanden, niemals mit der nötigen Objektivität dargestellt. Im Gegenteil, die Fakten, Schlüsse, Meinungen und Absichten wurden entsprechend dem Interesse der Fraktionen, die in der jeweiligen Periode im Zentralkomitee herrschten, verzerrt und interpretiert.

So stehen wir vor zwei Schwierigkeiten: erstens, wir müssen allein auf der Grundlage der Ereignisse zu unserem Urteil kommen, können uns bei unseren Schlussfolgerungen nicht auf Dokumente stützen, und zweitens ist da jene Inkohärenz, beziehungsweise, wie man sagen könnte, jene ideologische Konfusion der Kommunistischen Partei Chinas, die, in Fraktionen zerfallen, zu keinem Zeitpunkt die Ereignisse analysiert und Schlussfolgerungen gezogen hat, an Hand derer man hätte lernen und erziehen können. Soweit wir wissen, sind keine Dokumente veröffentlicht worden, zumindest nicht in Fremdsprachen. Die Kommunistische Partei Chinas hätte dies tun müssen, denn sie hatte und hat die Möglichkeiten dazu.

Nach dem September 1931 begann der nationale Befreiungskampf gegen die japanischen Okkupanten. Auch dieser nationale Befreiungskampf erlebte in seiner Entwicklung manchen Umschwung, nicht nur militärisch, sondern auch ideologisch und politisch. Während dieses Kampfes wurden Bündnisse hergestellt - zwischen der fortschrittlichen Bourgeoisie, der nationalen Bourgeoisie und der Kompradorenbourgeoisie, zwischen der Kuomintang, dem Proletariat und der Bauernschaft, zwischen der Kommunistischen Partei und der Kuomintang.

In dieser ganzen komplizierten Situation ist für uns die Linie und die Leitung der Kommunistischen Partei Chinas wieder nicht klar erkennbar. Wir haben die Materialien - man könnte sie eher Propagandaartikel nennen - gelesen. Doch hier geht es nicht um Propaganda, hier geht es um Fragen von Bündnissen zwischen Proletariat und Bauernschaft, zwischen der Kuomintang und der Kommunistischen Partei Chinas, zwischen der Armee der Kuomintang und der Armee, die von der Kommunistischen Partei Chinas geleitet wurde. Und sie alle zusammen standen, im Bündnis miteinander oder für sich allein, im Kampf gegen die Japaner und gegeneinander. Wir brauchen Dokumente, um den Faden zu finden, der die Dinge durchzieht.

Wir wissen, dass anfänglich im großen Ganzen im Bündnis mit der Kuomintang Krieg geführt wurde, danach ging man zum Krieg gegeneinander über. Tschiang Kai-schek führte die Kuomintang, d.h. die reaktionäre Bourgeoisie. Tatsache ist, dass sich die Kuomintang angesichts der Gefahr, die der Aufstieg der Kommunistischen Partei Chinas und das Anwachsen ihres Kampfes gegen die japanischen Okkupanten in sich barg, von dieser trennte. So schwächte sie von ihrer Seite aus den Kampf gegen die Japaner ab bzw. stellte ihn ein. Unter Führung Tschiang Kai-scheks warf sich die ganze Kuomintang in den Kampf gegen die Kommunistische Partei Chinas und versuchte, wo sie nur konnte, deren Kampfabteilungen zu liquidieren. Mit anderen Worten, sie kam so dem japanischen Okkupanten zu Hilfe. Zugleich festigten sich ihre Beziehungen zum amerikanischen Imperialismus, sie wurden jeden Tag enger, auch gegen den Willen des amerikanischen Sonderrepräsentanten in China, General Marshall, der zunächst die TschiangKai-schek-Lobby unterstützte, später aber, soweit wir gelesen haben, die Regierung Tschiang Kai-scheks für eine «korrupte Regierung» hielt. Doch während und nach dem anti-japanischen Krieg fehlte es auch nicht an Verbindungen der von Mao Tsetung geführten Kommunistischen Partei Chinas mit dem amerikanischen Imperialismus.

Während des Krieges gegen die Japaner hatte es Mao Tsetung geschafft, die Fraktionen von Li Li-san, Wang Ming und vielen anderen zu liquidieren und seine Vorherrschaft errichtet. Neben Mao kamen Tschu Teh, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Lin Biao und viele andere aus dem anti-japanischen Kampf hervorgegangene Führer der chinesischen Revolution in die Führung der Partei, doch auch sie standen ein ums andere Mal im Gegensatz zu Mao und zueinander. Der von Mao Tsetung geführte Kampf in China war also ein nationaler Befreiungskampf gegen die japanischen Okkupanten und gegen die Kuomintang unter Führung Tschiang Kai-Schecks, der de facto mit den Japanern und de jure offen mit dem amerikanischen Imperialismus verbündet war.

Nach dem von Mao Tsetung und Tschu Teh geführten historischen Langen Marsch, der einen richtigen taktischen Rückzug darstellte, um eine Liquidierung der Kräfte der Revolution zu vermeiden, nach der Sammlung in Yenan, der Reorganisierung der Armee und dann dem Angriff, der damit endete, dass Tschiang Kai-schek und die Überreste seiner Armee ins Meer geworfen wurden, wurde China am 1. Oktober 1949 befreit und zur Volksrepublik proklamiert.

Wie man sieht, ist das eine sehr allgemeine Zusammenfassung dieses großen Ereignisses, das über China hinaus auch weltweite Bedeutung hatte, denn die Volksrepublik China wurde geschaffen und hätte zusammen mit der Sowjetunion - wären sie einen wirklich marxistisch-leninistischen Weg gegangen - zu einem mächtigen Bollwerk der großen proletarischen Weltrevolution werden können.

Was die Zeit nach der Befreiung Chinas anbelangt, so stellt sich die Frage (und das ist eine große, bedeutsame Frage, die auf der Grundlage so weniger bzw. auch von uns nicht besonders untersuchter Fakten und Dokumente nicht analysiert und gelöst werden kann) : Baut Volkschina auf dem marxistisch-leninistischen Weg den Sozialismus auf, oder ist und bleibt es eine bürgerliche demokratische Republik? War und blieb die Revolution in China eine bürgerlich-demokratische Revolution, die die erste Etappe der Revolution markiert, oder vermochte sie diese Etappe zu überwinden und zur zweiten Etappe der Revolution überzugehen, zum Sozialismus unter der Diktatur des Proletariats? Das ist eine große Frage, die an Hand von Fakten geklärt werden muss.

Die Zeit der Befreiung wurde von Maotsetung «Neue Demokratie» genannt, deren Ziele und Aufgaben auch bestimmt wurden. Die theoretischen Grundlagen dieser Lehre wurden von Mao Tsetung schon in dem 1940 erschienenen Dokument «Über die Neue Demokratie» gelegt. Nach Mao Tsetung ist die «Neue Demokratie» die für China geeignete Regierungsform, sie gleicht weder den von der Bourgeoisie beherrschten westlichen Republiken noch den proletarischen Sowjetrepubliken.

Die neudemokratische Republik, so Mao Tsetung, werde aus «vier [anti-imperialistischen und antifeudalen] Klassen» (!) bestehen: Proletariat, Bauernschaft, Kleinbourgeoisie und nationale Bourgeoisie. In dieser Republik müsse auch die Wirtschaft neudemokratisch sein, der Staat werde die Leitung übernehmen, aber das Vermögen der Bourgeoise nicht beschlagnahmen, denn der rückständige Charakter der chinesischen Wirtschaft rechtfertige die Existenz einiger kapitalistischer Formen. Gewiss werde gemäß dieser neuen Wirtschaft der Boden aufgeteilt werden, doch die reiche Bauernwirtschaft werde weiter bestehen, denn die oben angeführte Formel sei auch auf die reichen Bauern anwendbar, da ihre Produktion dringend benötigt werde. Die neue Kultur müsse natürlich die ideologische Widerspiegelung dieser Politik und dieser neuen Wirtschaft sein und ihnen dienen.

Diese Politik hat einen liberalen und nationalistischen Beiklang, dennoch hielt Mao Tsetung auch nach der Gründung der Volksrepublik weiter an seiner Linie fest.

Meiner Einschätzung, meinen, Urteil nach wurde in China durch den bewaffneten nationalen Exfreiungskampf eine bürgerlich-demokratische Revolution neuen Typs durchgeführt. Die Kommunistische Partei Chinas stand an der Spitze und führte dessen Kampf zum Sieg, das steht außer Zweifel. Mao Tsetung, der Generalsekretär oder Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, hat sich während jener Periode in dieser Hinsicht und bei diesen Erfolgen große Verdienste erworben. Mit Mao Tsetung haben natürlich auch all jene ihre Verdienste, die auf die eine oder andere Welse, in Einheit oder Diversität des Denkens, dieses Endziel erreichen halfen: die Befrerung Chinas, dies kapitale Problem, und die Errichtung einer demokratischen Volksrepublik dort.

Würde dies ein demokratisches Volksregime sein? Würde es in der Form der bürgerlich-demokratischen Regime des Westens oder Amerikas aufgebaut werden? Dies müssen wir in der Entwicklung betrachten. Dem äußeren Bild nach - an der Spitze stand eine kommunistische Partei, die Mitglied der Komintern war, dem Anschein nach die Richtlinien der Komintern und ihre Generallinie des Kampfes gegen den Faschismus befolgte - konnte die Meinung und Hoffnung entstehen, diese bürgerliche Demokratie, diese erste Etappe, die die chinesische Revolution durchlief, werde sich unterscheiden von der der klassischen bürgerlich-demokratischen Revolution, und die chinesische Republik werde sich unterscheiden von der amerikanischen oder westlichen bürgerlich-demokratischen Republik, sie werde den Weg der Volksdemokratie gehen, einer neuen Form der Diktatur des Proletariats.

Auch wenn Mao Tse tung vor und nach der Befreiung sagte (und dafür gibt es Dokumente), beim Aufbau der Volksrepublik China werde man sich «stark von der amerikanischen Demokratie inspirieren» lassen, schien es doch in der Propaganda und bei vielen anfänglichen Schritten. und auch, weil die Kommunistische Partei Chinas an die Macht kam, als sei China ein Land, das sich darauf vorbereitete, zum Sozialismus zu schreiten. Das war das allgemeine Bild.

Nach der Befreiung konnten der Aufbau des Landes, die Festigung der Staatsmacht und die Schaffung des Staatsapparats, die Stärkung und Modernisierung der Armee nicht erfolgen ohne Kampf und Auseinandersetzungen mit verschiedenen Tendenzen der chinesischen Reaktion, die es innerhalb Chinas gab und die außerordentlich stark auch von außen und den neuen Kadern unterstützt wurde, die in die Partei und den Staatsapparat Eingang fanden. In diesen ersten Jahren können wir also jene radikale Linie der Kommunistischen Partei Chinas zu einem so großen Problem, wie es die Konsolidierung der Republik ist, nicht richtig ausmachen. Und wenn wir Konsolidierung der Republik sagen, dann verstehen wir darunter in erster Linie die Konsolidierung einer richtigen und konsequenten marxistisch-leninistischen Politik zur Festigung der Staatsmacht und zur Vorbereitung der Bedingungen für den Übergang in die Periode des Aufbaus des Sozialismus. Wir können keine richtige Linie zur Organisierung insbesondere einer Partei vom Lenin-Stalinschen Typ feststellen, in der Einheit des Denkens und des Handelns herrschte - die Einheit des marxistisch-leninistischen Denkens und eines organisierten und sehr umsichtigen Handelns im großen China, das aus einem komplizierten Krieg, aus einer komplizierten Situation hervorgegangen war, wo der Feudalismus, die Bourgeoisie und die verschiedenen Schichten der Bauernschaft, die Intelligenz, der Konfuzianismus, der Buddhismus usw. lebendig waren.

In den ersten Jahren war nicht zu erkennen, dass eine solide und fundierte Organisierung der chinesischen Armee nach dem Beispiel der Stalinschen Armee vorgenommen worden wäre. Auch wenn sie im nationalen Befreiungskampf, einem Partisanenkrieg, in großen Abteilungen organisiert gewesen war, trugen diese nicht immer die Merkmale von Partisanenabteilungen, denn es gab Tendenzen zu einer bürgerlichen kapitalistischen Armee. Das lag daran, dass sich der Armee Mao Tsetungs ganze Abteilungen der Kuominang und der «Kriegsherren» angeschlossen hatten. Und so drangen zusammen mit ihnen auch reaktionäre Ansichten in die chinesische nationale Befreiungsarmee ein, denn an der Spitze dieser Abteilungen der Kuomintang und der «Kriegsherren» standen Kommandeure und hohe Offiziere der Kuomintang, gedrillt im Kampf gegen das Volk und gegen den Kommunismus. In dieser Armee, die aus dem Krieg hervorgegangen war, gab es überdies auch noch die alten Anschauungen der «Kriegsherren». Diese Anschauungen durchtränkten sozusagen auch die hohen Kader, die den großen Befreiungskampf geführt hatten, ja sogar Mitglieder der KP Chinas waren. Dies sollten wir später sehen, als einige der wichtigsten militärischen Führer zu Abweichlern wurden und versuchten, die Macht zu ergreifen, den einen und den anderen zu stürzen. Das hieß, dass bei ihnen die alten Anschauungen der «Kriegsherren» bzw. die Anschauungen der hohen militärischen Kader einer bürgerlichen kapitalistischen Armee existierten.

Diesbezüglich lässt sich also nicht erkennen, dass es in jener Zeit eine konsequente, richtige, gut durchdachte und von der Kommunistischen Partei unter Führung Mao Tsetungs richtig formulierte und umgesetzte Politik gegeben hätte. Ihre Politik nannte sich zwar marxistisch-leninistisch, war es aber ihrem Inhalt nach nicht.

Was die ökonomischen Fragen in dieser Periode betrifft, können wir sagen, dass es ziemlich viele positive Veränderungen gab.

In China wurden die Armut und die Arbeitslosigkeit bekämpft, bis zu einem gewissen Grad auch die Rückständigkeit in Bezug auf Bildung und Kultur, obgleich die bürgerlich kapitalistischen Ansichten unter den Massen der Intellektuellen nicht beseitigt wurden. Natürlich konnten diese nicht mit einem Federstrich zum Verschwinden gebracht werden; dennoch, was den Wiederaufbau des zerstörten Landes und, mehr oder minder, die Organisierung des Wirtschaftslebens im Land anbelangt, können wir sagen, dass das Regime der neuen Demokratie eine ganze Reihe erfreulicher, guter Veränderungen brachte. In China gab es keinen Hunger mehr, und das war ein großer Erfolg. Dies sind die sichtbaren Ergebnisse in dieser Etappe des neuen demokratischen Regimes.

Nach dem Sieg der bürgerlich-demokratischen Revolution musste die Kommunistische Partei Chinas sehr vorsichtig vorgehen, und das war natürlich, sie durfte nicht linksradikal sein, durfte nicht die Etappen überspringen. Das ist eine unleugbare Tatsache. Ebenso stellte sich das Problem, dass die Kommunistische Partei Chinas sich nicht «demokratisch», d.h. liberal opportunistisch der chinesischen Bourgeoisie und den Großgrundbesitzern gegenüber zeigen durfte. Doch das tat sie. Tatsache ist, dass sowohl die Liu-Deng-Fraktion als auch die Mao-Fraktion diese Klassen unterstützten und ihnen dabei ernste liberale, opportunistische Zugeständnisse machten.

Die Kommunistische Partei Chinas hätte in erster Linie das Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft konsolidieren müssen, und die chinesische Bourgeoisie hätte den Gesetzen des Proletariats unterworfen werden müssen. Dies wäre absolut unerlässlich gewesen. Dabei hätte sich die Partei verschiedener Formen bedienen können, um die Bourgeoisie zu entwaffnen, sie abzubringen vom Weg der Subversion und der bewaffneten Anschläge, denen die neue Macht möglicherweise ausgesetzt sein würde. Sie hätte auch zeitweilige taktische Zugeständnisse machen können, ohne dabei allerdings die strategischen Ziele der Revolution zu ändern, ohne die Prinzipien zu verletzen. Mit anderen Worten: Sie hatte die Bourgeoisie zu entwaffnen gehabt, zu entwaffnen aber vor allem politisch. In ideologischer Hinsicht hätte sie nicht zulassen dürfen, dass sich ihre Ansichten entwickelten, und ökonomisch hätte sie ihr alle Reichtümer zu entreißen gehabt, über die sie verfügte, hätte sie nicht zulassen dürfen, dass sie nahezu die gleichen Positionen behielt, die sie zu einer Zeit innegehabt hatte, als sich vor allem die Bauernschaft, aber auch das Proletariat in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen befanden, ganz zu schweigen von den politischen und ideologischen Verhältnissen.

Hier lässt sich in der allerersten Zeit nach der Befreiung feststellen, dass sich China vier, fünf Jahre lang abmüht, in Reformen schwimmt, denen es an strikter Beständigkeit fehlt. Wir können dort keine Linie erkennen, die mehr oder weniger die Richtung dieser Massnahmen und Reformen angegeben hätte, kein objektiv studiertes Fortschreiten in allen Richtungen der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen, ideologischen und militärischen Tätigkeit. Im Gegenteil, wir bemerken Schwankungen nach allen Seiten, die Verfechtung der Reformen der volksdemokratischen Periode mit angeblich sozialistischen Tendenzen ist auffällig. Während dieser Zeit wurde die Tendenz beibehalten, wonach die erste Etappe der bürgerlich-demokratischen Revolution lange zu dauern hätte. In dieser Etappe, so predigten die chinesischen Führer, würden parallel zur Entwicklung des Kapitalismus auch die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen. Mao selbst hat gesagt: «Obwohl eine solche demokratische Revolution neuen Typs einerseits den Weg für den Kapitalismus verbreitert, schafft sie andererseits die Voraussetzungen für den Sozialismus.» Auf diese Behauptung stützten sie auch ihre bekannte These von der Koexistenz mit der Bourgeoisie und dem Kapitalismus auf sehr lange Sicht, noch ganze 30 Jahre nach 1956. Im Bericht an den 8. Parteitag der KP Chinas heißt es offen, die nationale Bourgeoisie müsse zusammen mit der Arbeiterklasse die staatliche Leitung in China wahrnehmen, sie müsse einen großen Teil ihres privaten Vermögens behalten. Diese Predigten gaben die Chinesen als schöpferische Anwendung von Lenins Lehren über die NÖP aus. Doch zwischen Lenins Lehren und der chinesischen Theorie und Praxis besteht ein tiefgehender Unterschied, sowohl was den Inhalt als auch was die Anwendungsdauer der NÖP anbetrifft. Lenin gibt zu, dass die NÖP ein zeitweiliger Rückzug war, der eine Zeitlang die Entwicklung des Privatkapitalismus zuließ. Doch er betonte:

«Für die proletarische Macht hat das nichts Schreckliches an sich, solange das Proletariat die Macht fest in Händen hält, das Verkehrswesen und die Großindustrie fest in Händen hält.»* *(* W. 1. Lenin, Werke, Bd. 32, S. 434 (alb. Ausgabe).)

In China dagegen hielt das Proletariat weder 1949 noch 1956 die Staatsmacht vollständig in der Hand, und auch nicht die Großindustrie.

Ein Jahr nach der Verkündung der NÖP betonte Lenin, der Rückzug sei beendet, und gab die Losung aus, die Offensive gegen das Privatkapital in der Wirtschaft sei vorzubereiten. In China dagegen wurde die Dauer der Beibehaltung der Bourgeoisie und des. Kapitalismus auf beinahe eine Ewigkeit veranschlagt.

Mit einem Wort, in der Kommunistischen Partei Chinas gab es in dieser Etappe die Ansicht, die nach der Befreiung errichtete Ordnung müsse eine bürgerlich-demokratische Ordnung sein, auch die Bourgeoisie müsse an der Staatsmacht beteiligt werden, dem Aussehen nach aber solle die Kommunistische Partei Chinas mit Mao Tsetung als Vorsitzendem und Liu Schao-tschi, Tschau En-lai, Deng Hsiao-ping und allen anderen in der Führung an der Macht sein (und war es auch). Das waren die Anschauungen dieser Partei. Es waren keine klaren marxistisch-leninistischen Anschauungen. Da die Anschauungen der KP Chinas nicht völlig marxistisch-leninistisch waren, konnte die Revolution in China nicht zu Ende geführt werden, konnte die Umwandlung der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revolution nicht gewährleistet werden. Der Übergang von der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revolution kann nur vollzogen werden, wenn das Proletariat die Bourgeoisie entschlossen aus der Staatsmacht entfernt, auch dann, wenn sie eine Zeitlang sein Verbündeter gewesen ist. Da in China die Arbeiterklasse die Macht mit der Bourgeoisie teilte, verwandelte sich diese Macht im Kern niemals in die Diktatur des Proletariats, folglich konnte auch die chinesische Revolution keine sozialistische Revolution sein.

Auch das wichtige Problem der Nationen wurde trotz aller Schlagworte nicht auf marxistisch-leninistischem Weg gelöst. Die Direktiven der Komintern über das Problem der Nationalitäten, der Sprachen und des proletarischen Vielvölkerstaates waren den chinesischen Führern nicht nur am Anfang unklar, sondern auch nach der Gründung der Volksrepublik China.

Im Interview mit Emil Ludwig sagt Stalin über die Aufgaben, die sich der marxistisch-leninistischen Partei bei der Schaffung des proletarischen Staates stellen:

«Diese Aufgabe besteht nicht in der Festigung irgendeines 'Nationalstaates, sondern in der Festigung des sozialistischen, und folglich eines internationalen, Staates...»* *( J. W. Stalin, Werke, Bd. 13, S. 101 (alb. Ausgabe).)

Diesen Weg hätte die KP Chinas verfolgen müssen. Bei Mao dagegen, der ständig von Kaisern, von Märchenhelden redet, sie einmal rühmt und einmal angreift, finden wir diese klare Definition des Kampfes für einen internationalen proletarischen Staat nicht. Wir finden diese Definition der Zukunft Chinas, der richtigen Lösung des Problems dieser großen Ansammlung von Nationen auch nicht in der Zeit seiner Reife.

Die staatliche Organisierung Chinas kurz nach der Befreiung war, mindestens für uns Ausländer, nicht so klar erkennbar. Die Organisationsformen und die Verbindungen der Basis mit dem Zentrum wurden nicht deutlich, es war nicht ersichtlich, auf welcher Grundlage die Verwaltungseinteilung erfolgte, und es war, sieht man vom Wiederaufbau im Allgemeinen ab, nicht deutlich zu sehen, welche wirtschaftlichen Orientierungen bestanden: wem wurde Vorrang eingeräumt, der Schwerindustrie, der Leichtindustrie oder der Landwirtschaft? Man redete viel, Direktiven wurden gegeben, doch wir können konstatieren, dass diese Direktiven nicht nur nicht umgesetzt wurden, sondern auch konfus, nicht gut getroffen waren.

Eine Fraktion in der Partei vertrat den Standpunkt, vor allem die Schwerindustrie müsse entwickelt werden; eine andere war dagegen. ihrer Meinung nach musste der Leichtindustrie Vorrang eingeräumt werden; eine dritte Fraktion behauptete, man müsse der Landwirtschaft großes Gewicht geben; es gab auch solche, die sagten, man müsse auf beiden Beinen stehen. Formeln wurden in Menge ausgegeben, soviel man nur will. Nicht, dass gar nichts geschehen wäre, nicht, dass man nicht gearbeitet hätte, aber dennoch, im Allgemeinen waren die Richtlinien, die gegeben wurden, nicht klar und wurden nicht richtig umgesetzt. Diese mangelnde Ausrichtung kam daher, dass es der Kommunistischen Partei Chinas während dieser ganzen Periode, von der Zeit ihrer Gründung bis zur Befreiung des Landes und später, nicht gelang, sich ideologisch zu konsolidieren, im Denken und in den Herzen ihrer Mitglieder die Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin tief zu verankern, sich die Schlüsselfragen dieser unfehlbaren wissenschaftlichen Ideologie anzueignen, sie der eigenen Arbeit zugrundezulegend und unter den Bedingungen Chinas, in der dialektischen Entwicklung des Kampfes in jenem Land Schritt für Schritt anzuwenden. Dies bewirkte, dass die Kommunistische Partei Chinas im Innern in zahlreiche Fraktionen zerfallen war. Zugleich ließ sie zu, dass außer ihr auch andere Parteien der Bourgeoisie bestanden und an der Staatsmacht beteiligt waren. Mao selbst erklärte ihre Beteiligung an der Macht und an der Regierung des Landes mit genau den gleichen Rechten und Prärogativen wie sie die Kommunistische Partei Chinas hatte, sogar für unerlässlich. Und nicht nur das, seiner Meinung nach waren diese Parteien der Bourgeoisie ein «Produkt der Geschichte» und konnten nicht verschwinden, ehe nicht auch die Zeit für das Verschwinden der Kommunistischen Partei Chinas gekommen wäre.

Kurz gesagt, Mao Tsetung war der Ansicht, man müsse auf pluralistischem Weg zum Sozialismus gehen. Das war eine rechte, reaktionäre Parole. Es war keine marxistische Losung, die bis zu einem. gewissen Grad als eine Form des Bündnisses der Kommunistischen Partei Chinas mit anderen traditionellen Parteien hätte verstanden werden können, Parteien, die zur Front gehörten, in der die Kommunistische Partei Chinas die Hegemonie hatte. Nein.

In seinen theoretischen Schriften sagt Mao Tsetung, China könne nicht anders als unter Führung der Bauernschaft befreit werden, da die Revolution in China eine Bauernrevolution sei. Seiner Meinung nach war die Bauernschaft die revolutionärste Klasse, die die Revolution führen musste und «die Revolution führte». Das ist ein großer theoretischer Fehler Mao Tsetungs. Er zeigt, dass er kein Marxist-Leninist, sondern ein Eklektiker und ein Bourgeois-demokrat war. Als fortschrittlicher Demokrat war Mao Tsetung für eine bürgerlich-demokratische Revolution und blieb, als China befreit war, auf dieser Position. Seiner Ansicht nach hatte die Bauernschaft die Hegemonie und die Arbeiterklasse musste ihr Verbündeter sein - weil die Macht in China in erster Linie die Macht der Bauernschaft sein müsse, weil «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse. Doch als die Linie Li Li-sans verfolgt wurde, führte die Armee Maos und Tschu Tehs nicht die Direktive des Zentralkomitees durch, d.h., sie kreiste die festgelegte Stadt nicht ein. Dieser seiner bürgerlich demokratischen Theorie wollte Mao Tsetung den Charakter einer universalen Theorie verleihen, und tatsächlich wurde diese «Theorie» «Maotsetungideen» genannt. Um sie so annehmbar wie nur möglich zu machen, setzten die chinesischen Führer die «Maotsetungideen» dem Marxismus-Leninismus gleich.

In China wurde die Monarchie schon 1911 gestürzt, doch selbst nach der Gründung der Volksrepublik China richteten die Chinesen den Mandschukaiser Pu Yi, den Marionettenkaiser der japanischen Okkupanten, nicht hin. Nachdem sie ihn einige Jahre lang in einem Erziehungslager gehalten hatten, machten sie ihn zum Museumsstück, zu dem Delegationen kamen, um sich mit ihm zu unterhalten und so ein «überzeugendes Bild» davon zu gewinnen, wie solche Menschen im «sozialistischen» China umerzogen werden. Die Reklame, die für diesen Exkaiser gemacht wurde, sollte unter anderem den Königen, den Häuptern und Marionetten der Reaktion in den anderen Ländern, zu denen China Beziehungen unterhält, die Angst nehmen und ihnen den Eindruck geben: «Maos .Sozialismus ist gut, warum sollten wir uns vor ihm fürchten?»! Mit anderen Worten, die zutiefst opportunistische Haltung der chinesischen Revisionisten dem Kaiser Pu Yi gegenüber soll besagen: «Ihr Kaiser, Könige, Sultane, Fürsten, Faschisten, Diktatoren der zweiten und der dritten Welt, ihr gehört zu uns. Mit euch werden wir zum Sozialismus schreiten!» Ein schöner Sozialismus!

Diese Haltung, die mit Klassenkampf nichts zu tun hat, wurde in China auch den Feudalen und Kapitalisten gegenüber eingenommen, deren Reichtümer sowohl in der bürgerlich-demokratischen Revolution Sun Yat-sens als auch nach der Befreiung Chinas durch die Armee Mao Tsetungs nicht angetastet wurden. Es wurde eine «neue Demokratie» ausgerufen, in der praktisch drei Viertel der Reichtümer der Ausbeuter erhalten blieben, denn die Reformen, die im «sozialistischen» China durchgeführt wurden, waren nicht gründlich.

Wir wissen, dass in Frankreich während der bürgerlich-demokratischen Revolution das Vermögen der Kirche und der Feudalen konfisziert wurde, natürlich zu Gunsten der Bourgeoisie. Als diese sah, dass sie durch innere Unruhen und von außen, von Braunschweig und Koblenz, bedroht wurde und unter diesen Umständen ihre politische und wirtschaftliche Macht in Gefahr geriet, schlug sie dem König den Kopf ab, liquidierte nacheinander die verschiedenen Fraktionen der Girondisten, danach der Reihe nach auch die Fraktionen der entschiedeneren Republikaner; bei denen natürlich die Anschauungen des konservativen bürgerlichen Elements eingesickert waren. So kamen die Dantonisten und die Hébertisten auf die Guillotine, so wie später auch Robespierre und SaintJust von ihren rechten Genossen wie Billaud-Varenne und anderen der Kopf abgeschlagen wurde. Die französische Bourgeoisie ließ nicht zu, dass ihre Klasseninteressen angetastet wurden, und genauso wenig, dass der Boden unter die Bauern aufgeteilt wurde, wie es Babeuf und Buonarroti predigten.

In der Kommunistischen Partei Chinas gab es von jeher eine große Zahl von Fraktionen. In jeder marxistisch-leninistischen Partei hat es einmal Fraktionen, ideologische Abweichungen gegeben, doch in China hatten diese Abweichungen anderen Charakter, waren sie vergleichbar den Fraktionen in der französischen bürgerlich-demokratischen Revolution, abgesehen davon, dass in China den politischen Gegnern nicht der Kopf abgeschlagen wurde. Natürlich wahrten diese Fraktionen in China den angeblich ideologischen Charakter, sie waren in Wirklichkeit aber mehr politische Fraktionen mit dem Ziel, ihre persönliche Macht zu errichten. Sie trugen genau den Charakter der Handlungen der «Kriegsherren», die natürlich vermeiden wollten, dass die soeben gegründete chinesische Republik den Weg des Sozialismus, den Weg eines zentralisierten und disziplinierten Staates einschlug.

Bei den Chinesen sind dies «10 Kämpfe», die Mao Tsetung geführt hat. Kämpfe sind das zwar, doch in der Kommunistischen Partei Chinas sehen diese Kämpfe nicht so aus wie die, die in der Bolschewistischen Partei oder unserer Partei geführt wurden, wo auf der einen Seite die wahren Marxisten-Leninisten standen, die für die Verteidigung der Partei und ihrer marxistisch-leninistischen Linie kämpften, und auf der anderen Seite die trotzkistischen, anarchistischen Abweichler und was sonst noch immer. Nein, hier, bei diesen Fraktionen in der Kommunistischen Partei Chinas, ließ sich kein Flügel vom Marxismus-Leninismus leiten. Es gab Fraktionen, bei denen alle von konfusen, eher fortschrittlich bürgerlichen als marxistisch-leninistischen Anschauungen geleitet wurden, andere Fraktionen waren rechter oder auch linker, doch in der Führung der Kommunistischen Partei Chinas gab es niemals eine marxistisch-_ leninistische Fraktion, d.h. einen gesunden marxistisch-leninistischen Kern. Mao Tsetung und die Genossen um ihn herum waren also keine wirklichen Marxisten-Leninisten, sie waren fortschrittliche bürgerliche Demokraten, Marxisten nach außen hin, in der Phraseologie, die indessen bis zum Schluss für die Konsolidierung eines großen fortschrittlichen bürgerlich-demokratischen Staates, für eine «neue Demokratie» kämpften, wie es Mao Tsetung nannte.

Zum letzten Teil (Teil 9)