Lenin und Stalin redeten der Revolution das Wort, wo hingegen die chinesischen Revisionisten in diesem Artikel davon sprechen, wir hätten von Lenin zu lernen, in leninistischer Weise die Befreiungsbewegungen der unterjochten Nationen Asiens, Afrikas, Lateinamerikas sowie anderer Erdteile vollauf zu begrüßen und zu unterstützen. Das ist ihrer Meinung nach alles, und dann sollen wir Beifall spenden. Doch wem? Allen, denen die Chinesen raten, die sie lehren, nicht für die Revolution zu kämpfen, nicht den nationalen Befreiungskampf aufzunehmen, sich mit jener Pseudofreiheit und Pseudosouveränität zufriedenzugeben, die sie gewonnen oder von den Imperialisten großzügig geschenkt bekommen haben. Das ist die ganze «Philosophie», die die Chinesen predigen.

In diesem Artikel zeigen sich die chinesischen Revisionisten auch bei der Verwendung von Zahlen als Chauvinisten. Lenin und Stalin führten Ziffern an, um die Zahl der unter der Herrschaft und Ausbeutung des Imperialismus geknechteten Menschen zu illustrieren und zeigten dabei auf, was sie und die Marxisten-Leninisten zu tun haben, um sich selbst und ihre Völker von der Knechtschaft zu befreien. Doch was passiert bei den chinesischen Revisionisten? Sie wiederholen diese Zahlen und vergleichen sie mit der Größe von Chinas Territorium und Bevölkerung, um - angeblich - zu beweisen, dass die «dritte Welt», China darin eingeschlossen, die erdrückende Mehrheit ausmachte und diese «Welt» als Ganzes die Haupttriebkraft der Revolution sei! Das ist eine Verzerrung des Sinns der Zitate von Lenin und Stalin, die in sehr übler anti-marxistischer Absicht erfolgt: die Völker und das Proletariat irrezuführen, damit sie sich nicht zur Revolution erheben, damit sie dem China Mao Tsetungs mit seinen 800 Millionen Menschen eine bis zum Absurden gehende Hochachtung entgegenbringen. Das heißt, sie sollen -, wenn nicht de jure, so doch de facto -. seine Hegemonie in der sogenannten dritten Welt anerkennen, denn die Tatsache, dass China diese Zahlen anführt und sich selbst in die «dritte Welt» einbezieht, zeigte deutlich, welch großes Gewicht es in dieser gewaltigen Zusammenballung von vielen hundert Millionen Menschen haben möchte. Diese «Welt» soll also denken, Chinas Wort sei das Wort des Herrn, und ihre Völker sollen ihm blindlings auf dem Weg in den Abgrund folgen, in den es sie zu führen sucht.

Vor kurzem schrieb ich, dass der chinesische Artikel geraume Zeit nach unserem 7. Parteitag und der Veröffentlichung der Artikel, die diesem Parteitag folgten, erschien. Während dieser Zeit fühlten die chinesischen Pseudotheoretiker der Welt, der kommunistischen Weltbewegung auf den Puls, um ihre Meinung über unsere Thesen herauszubekommen. In diesem Artikel lassen sich versteckte Versuche feststellen, den schlechten Eindruck etwas zu verwischen, den ihre falschen Thesen über die Theorie der «drei Welten» auf der Welt und in der internationalen kommunistischen Bewegung hinterlassen haben. Das ist der Grund dafür, dass die chinesischen Revisionisten in ihrem redaktionellen Artikel aufzuzeigen versuchen -, wenn auch natürlich auf sehr blasse Weise - , dass der amerikanische Imperialismus noch immer mächtig ist, dass seine Wirtschaft nicht schwächer geworden ist, dass seine Streitkräfte nicht verringert, sondern verstärkt worden sind, dass er überall auf der Welt eine große Zahl von Soldaten stehen hat usw. usf. Doch erstaunlicherweise verlieren sie nicht nur kein böses Wort über die NATO, diesen Aggressionspakt gegen die Völker, sie erwähnen sie noch nicht einmal, bringen nicht die geringste Erläuterung, wann und gegen wen dieser berüchtigte Pakt geschaffen wurde. Als ihre Strategie noch nicht den gegenwärtigen Kurs hatte, nahmen Mao Tsetung und die Chinesen bei ihren Äußerungen gegen den amerikanischen Imperialismus und die NATO kein Blatt vor den Mund. Nun schweigt man sich völlig über sie aus. Das ist ein Beweis für ihre Allianz mit dem amerikanischen Imperialismus. Diese «Rückkehr» zu einer ein klein wenig realistischeren Einschätzung vom sowjetischen Sozialimperialismus und vom amerikanischen Imperialismus vollziehen sie, weil sie dazu gezwungen sind. Natürlich bringt sie das gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika nicht in eine schwierige Position, denn die sind an solche Kritiken und Schlagworte gewöhnt, von denen auch Chruschtschow eine erkleckliche Anzahl von sich gab, sogar sehr viel kräftigere als die Chinesen. Die Amerikaner lassen sich durch diese abgedroschenen Phrasen der Chinesen über die wirtschaftliche und militärische Macht des amerikanischen Imperialismus nicht verdrießen. Weder den Vereinigten Staaten von Amerika noch den anderen imperialistischen Staaten machen diese Aussagen der Chinesen auch nur das geringste Kopfzerbrechen, denn sie verstehen den Kern ihrer «Theorie», sind sich im klaren über die Linie, die sie verfolgen, und wissen, dass diese Linie als Ergebnis der vollen Übereinkunft mit ihnen festgelegt wurde.

Doch die Chinesen sind gezwungen, diese «Wendung» zu vollziehen. Dazu zwingen sie der Kampf der Partei der Arbeit Albaniens und die Notwendigkeit, ihre antimarxistischen Thesen ein wenig zu verbrämen, hinterlassen diese doch bei den Menschen auf der Welt nach wie vor einen außerordentlich schlechten Eindruck, wenn diese sehen, dass China den amerikanischen Imperialismus in Schutz nimmt, wenn es das Bündnis mit allen Imperialisten gegen den sowjetischen Sozialimperialismus predigt, wenn es das Bündnis mit der kapitalistischen Unterdrückerbourgeoisie aller Länder der Welt predigt. Deshalb müssen die Chinesen in dieser Richtung einige Stellungnahmen abgeben, einige Ecken abrunden.

Das versucht man mit diesem Artikel zu erreichen, doch vergeblich. Ebenso vergeblich versuchen die chinesischen Revisionisten, sich mit Hilfe dieses Artikels den Anstrich von Realisten zu geben, denen es angeblich darum geht, die Theorie der «drei Welten» zu erläutern, die sie ohne jede theoretische, politische oder militärische Erläuterung als Schlagwort ausgegeben haben. So sehr sie auch zu erklären versuchen, in diesen Ländern der «dritten Welt» gebe es natürlich sowohl reaktionäre Elemente und Führer als auch fortschrittliche Führer, gebe es Agenten des amerikanischen Imperialismus und auch Agenten des sowjetischen Sozialimperialismus usw. usf. - die Verlogenheit ihrer «Objektivität» wird trotzdem offenbar. Diese unaufrichtige Haltung nehmen sie ein, um ihren Lesern zu verstehen zu geben, diese Dinge seien wahr, d.h., wenn sie es auch nicht gesagt hätten, verstünden sie es doch so. Doch die Chinesen sagen mit keinem Wort, was die Völker tun müssen, was das Proletariat gegen die Cliquen tun muss, die in den verschiedenen Ländern der Welt herrschen und Feinde des Volks, ja sogar Agenten des amerikanischen Imperialismus oder des sowjetischen Sozialimperialismus sind.

Der ganze Artikel von «Renmin Ribao» über die «drei Welten» hat keinerlei theoretischen Wert, er hat nichts Marxistisch-Leninistisches an sich. Er ist von vorne bis hinten anti-marxistisch, revisionistisch. In ihm findet man nichts Wahres und kein einziges revolutionäres Ziel. Alles in diesem Artikel wird in den Dienst der konterrevolutionären Sache gestellt - die imperialistischen Mächte zu schützen, den Status quo des Kapitalismus auf der Welt zu wahren. Diesen Status quo will China, um sich unterdessen mit modernen Waffen auszurüsten und Hilfen zur Stärkung seiner Kriegswirtschaft zu erhalten.

Die chinesischen Führer glauben, dieser Artikel werde bei den Völkern und den Kommunisten auf der Welt seine Wirkung ausüben, doch sie irren sich. Und tatsächlich stellen wir fest, dass sich in der Weltöffentlichkeit im Zusammenhang mit diesem «Artikel» von «Renmin Ribao» nichts dergleichen getan hat. Wir haben nur zwei, drei Meldungen und Kommentare der wichtigsten Nachrichtenagenturen über diesen Artikel gesehen, in denen hervorgehoben wird, China greife in einem seiner Leitartikel die Sowjetunion an. Über den «Zëri-popullit»-Artikel vom 7. Juli dagegen wurde überall auf der Welt gesprochen, und zwar nicht nur einige Wochen, sondern monatelang. Und noch immer spricht man über ihn und kommentiert ihn positiv.



MONTAG, 7. NOVEMBER 1977





EIN DREIECKSSPIEL

Gestern las ich die Grußbotschaft der chinesischen Führung an die sowjetische Führung aus Anlass des 60. Jahrestags der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Darin zeigen sich die ersten Anzeichen einer Auflockerung in den Beziehungen zwischen den Führungen dieser beiden Länder. Zuerst wird in der Grußbotschaft über die Bedeutung der Revolution gesprochen, dann heißt es, China wünsche staatliche Beziehungen zur Sowjetunion auf der Grundlage der bekannten fünf Prinzipien sowie der Beschlüsse, die in Peking bei den Gesprächen der beiden Ministerpräsidenten Kossygin und Tschou En-lai gefasst worden seien. Anders ausgedrückt: China antwortet positiv auf Breschnews Avancen hinsichtlich einer Verbesserung der Beziehungen.

Im redaktionellen Artikel der Zeitung «Renmin Ribao», in dem es ebenfalls um den 60. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, ihre internationale Bedeutung usw. usf. geht, heißt es indessen weiter unten in einem Absatz sinngemäß, die sowjetische Führung sei revisionistisch, in der Sowjetunion sei die Diktatur des Proletariats beseitigt worden, die Kommunistische Partei dort habe sich in eine revisionistische Partei, in eine «Partei des ganzen Volkes» verwandelt. Und man bringt noch ein paar solch harmloser und unschädlicher Beiworte. Sind also die Chinesen von den Positionen des aggressiven Angriffs auf die Sowjetunion abgegangen? Bezeichnen sie diese nicht mehr als einen aggressiven, kriegstreiberischen sozialimperialistischen Staat, wie sie es bisher in allen Artikeln ihrer Zeitungen getan haben? Wir werden sehen.

Wie wir feststellen können, hat die chinesische Propaganda seit Titos Besuch den Ton gegenüber der Sowjetunion etwas gemäßigt.

Es wurde sogar ein Binnenschifffahrtsabkommen abgeschlossen, und zwar besonders für den Fluss, an dem vor ein paar Jahren noch der bewaffnete Zusammenstoß stattgefunden hatte.

Titos Rat, die Beziehungen zur Sowjetunion etwas aufzulockern, ist also nicht auf taube Ohren gestoßen. Wir werden später sehen, wohin diese Auflockerung führen wird; wird sie sich weiter ausprägen oder wird es beim Erreichten bleiben? Das ist ein Dreiecksspiel zwischen den Amerikanern, den Sowjets und den Chinesen. Wenn Deng Hsiao-ping schon erklärt hat, China brauche 20 bis 25 Jahre Frieden, um zu einer «sozialistischen» Großmacht zu werden, dann müssen die Gemüter unbedingt beschwichtigt werden. Beschwichtigen muss China auch in den Beziehungen mit der Sowjetunion, denn es wird zum Krieg mit ihr kommen, und wenn dieser Krieg schneller kommt, wird China nicht so aufgebaut werden können, wie sich Deng Hsiao-ping und Hua Guo-feng das vorstellen. In der Perspektive wird China die Unterhosen sowohl da als auch dort herunterlassen, das heißt, sowohl bei den Amerikanern als auch bei den Sowjets. Unter diesen Umständen müssen wir wachsam sein, auf festen marxistisch-leninistischen Positionen verharren und die Verratsmanöver aller revisionistischen Strömungen entlarven, die - gegen die Revolution, gegen den nationalen Befreiungskampf der Völker - auf der Welt kursieren.







MITTWOCH, 9. NOVEMBER 1977





EINE DER REAKTIONÄRSTEN PAROLEN DER CHINESEN

Die berüchtigte Parole der Kommunistischen Partei Chinas, worin die Vereinigten Staaten von Amerika und die reaktionären kapitalistischen Länder der Welt, d.h. die Hälfte der «ersten Welt» und die gesamte «zweite Welt», wie sie sie nennt, dazu aufgerufen werden, sich mit allen Völkern der anderen Länder, die sie in der «dritten Welt» zusammenfasst, zu vereinigen. ist eine der reaktionärsten Parolen überhaupt. Anders ausgedrückt, die Kommunistische Partei Chinas ruft zum imperialistischen Raubkrieg auf. In dieser Frage zeigt sie einige Ähnlichkeit mit der II. Internationale, die in den Jahren 1914-1916 die Parole der «Verteidigung des [bürgerlichen] Vaterlands» ausgab. So betrügt die revisionistische Partei Chinas mit dieser reaktionären Parole die Völker und das Proletariat und kommt dem internationalen Finanzkapital zu Hilfe. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die anderen imperialistischen Staaten, das Bonner Deutschland, Japan und andere, haben den Wunsch und das Ziel, die Welt zu beherrschen, die Völker auszubeuten, das Proletariat zu unterdrücken.

Für die wahren Marxisten-Leninisten ist klar, dass das Proletariat absolut gegen einen solchen Krieg sein muss, dass gerade das Proletariat alle Anstrengungen unternehmen muss um dafür zu sorgen, dass die Regierung und die sogenannte Kommunistische Partei Chinas mit dieser anti-marxistischen politischen Linie, die sie verfolgen, scheitern, eine Niederlage erleiden. Das internationale Proletariat muss genauso gegen die jeweiligen reaktionären Regielungen kämpfen, die in kapitalistischen und revisionistischen Ländern herrschen und ihre Pläne für einen solchen Raubkrieg durchkreuzen, indem es die Vorbereitungen auf einen imperialistischen Krieg verhindert. Und sollte er dennoch ausbrechen, dann muss es ihn in einen Bürgerkrieg verwandeln, um die herrschende Bourgeoisie des Landes zu stürzen und die Macht zu übernehmen.







SAMSTAG, 12. NOVEMBER 1977





INFORMIEREN WIR DIE PARTEI ÜBER DIE ABWEICHUNG CHINAS

Gestern und heute legte ich letzte Hand an den Bericht über die Abweichung der Kommunistischen Partei Chinas vom Marxismusleninismus, den ich auf dem 3. Plenum des Zentralkomitees halten werde. Auf Beschluss des Politbüros werden am Dienstag, den 15. November, alle Plenummitglieder sowie die Ersten Sekretäre der Bezirksparteikomitees zum Sitz des Zentralkomitees kommen, um diesen Bericht zu studieren. Sie werden sich auch mit dem zweiten Bericht vertraut machen, den Genosse Ramiz über die Verbesserung der Arbeit der Partei zur Erziehung der Kommunisten und Kader halten wird. Am Mittwoch, den 16. November, werden die Genossen einen freien Tag haben, um sich auf die Diskussion vorzubereiten, und am Donnerstag beginnen wir dann direkt mit der Diskussion.

Ich meine, dass es sehr dringend und unerlässlich ist, die Partei über die feindliche, antimarxistische Tätigkeit zu informieren, die die Kommunistische Partei Chinas betreibt. Natürlich habe ich mich bemüht, den Bericht, den ich vor dem Plenum halten werde, so verständlich, so klar und so fundiert wie möglich zu machen. Viele theoretische und praktische Fragen der Kommunistischen Partei Chinas und ihrer Führung schon seit der Zeit vor Mao Tsetung müssen gründlicher untersucht werden, denn in der Aktivität dieser Partei und ihrer Führung sind vielerlei revisionistische Erscheinungen festzustellen. Es gibt bei den Chinesen Ausdrucksweisen. Formulierungen, einmal maskiert, ein andermal in einen «philosophischen» Nebel gehüllt, die wir unter dem Blickwinkel des Marxismus-Leninismus und der Situation in China richtig interpretieren müssen. Viele Kommunisten kennen die allgemeine Geschichte der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und militärischen Entwicklung Chinas nicht, und dies gilt nicht nur für die Periode vor der Befreiung, sondern auch für den Zeitraum nach der Gründung der Volksrepublik China. Sie kennen viele Aspekte der Tätigkeit der Kommunistischen Partei Chinas nicht. Auch wir selbst, die Partei und ihre Führung, haben bisher in der Öffentlichkeit wohlwollend über das neue China, seine Kommunistische Partei und Mao Tsetung gesprochen. Wir sagen im Bericht und haben auch schon auf anderen Sitzungen des Zentralkomitees und in den Diskussionsbeiträgen im Politbüro gesagt : nach der Kenntnis, die wir von der Situation in China hatten, nach dem, was wir wussten, meinten wir, die Interessen der Revolution erforderten, verlangten eine solche Unterstützung Chinas und Mao Tsetungs durch uns. Ungeachtet der Kritik, die wir bei vielen ideologischen Problemen an ihnen hatten, glaubten wir im Großen Ganzen, die Kommunistische Partei Chinas kämpfe immerhin gegen den Chruschtschowrevisionismus und dies sei ein Plus für die Sache der Revolution.

Deshalb stellt sich uns die Aufgabe, in der Partei Klarheit über diese Frage zu schaffen, damit auch in dieser Hinsicht Einheit des Denkens besteht. Diese Einheit des Denkens versuchen wir nicht durch Propagandaschlagworte zu stählen, sondern - wie immer bisher - durch unleugbare und im Licht des Marxismus-Leninismus analysierte Tatsachen. Nur so werden wir unsere Kommunisten und unser Volk in diesen neuen Schlachten stählen und auch das eine oder andere schwankende Element entwaffnen, das an diesem Wendepunkt oder in einem Moment, den es für geeignet hält, unweigerlich hervortreten wird.

Die Partei muss ihr ideologisches und politisches Niveau noch weiter heben, sie muss die Probleme gründlich erfassen, sie muss ein tiefes Verständnis von den Schwenks der verschiedenen revisionistischen Gruppierungen in der internationalen Arena haben. So wie sie den Titoismus und den Chruschtschowrevisionismus verstanden hat, so muss sie auch den Maoismus verstehen und sich für uns bevorstehende noch härtere Schlachten rüsten.

Unsere Partei hat große Kraft, eine gewaltige Erfahrung. Diese Erfahrung ist nicht nur dem Studium des Marxismus-Leninismus zu verdanken, sondern wurde in Kämpfen und Anstrengungen, ihn getreulich in die Tat umzusetzen, erworben und gesammelt. Die albanischen Kommunisten haben eine ganze Reihe von Kämpfen durchgestanden, ihr ganzes Leben war Kampf - bewaffneter Kampf gegen den italienischen Faschismus, bewaffneter Kampf gegen den deutschen Nazismus, ideologischer und politischer Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus und seine Diversanten, gegen die gesamte pro-amerikanische Koalition, die unser Land durch Diversanten, ideologisch und politisch bekämpfte. Wir haben einen ideologischen und politischen Kampf gegen den jugoslawischen Titoismus und die mit ihm liierten Verschwörer, Koçi Xoxe und Konsorten, geführt. Wir haben gekämpft gegen die Chruschtschowrevisionisten und ihre Agentur in unserem Land, Liri Belishova, Kóçö Tashko, Maqo Çomo, Panajot Plaku und viele andere. Beqir Balluku,, Abdyl Këllezi, Koço Theodhosi und die anderen, die Agenten der sowjetischen und der titoistischen Revisionisten waren, doch im Verborgenen blieben, arbeiteten auch als Agenten der Chinesen.

Nun hat unsere Partei auch einen unbeugsamen Kampf gegen die chinesischen Revisionisten aufgenommen. Wir wollen hier gar nicht reden von dem großen, gewaltigen Kampf, den sie unter .diesen schwierigen Verhältnissen geführt hat, um den Sozialismus in allen Bereichen aufzubauen, um den neuen Menschen mit neuen Eigenschaften, mit hoher proletarischer Moral zu erziehen, um sein ideologisch-politisches Niveau zu heben, vom Kampf gegen die Schwierigkeiten, gegen die Religion, für die Emanzipation der Frau, für die Elektrifizierung des Landes usw. usf. All dies ist eine gewaltige Erfahrung, die unsere Partei hart macht wie Stahl und befähigt, allen Schwierigkeiten zu trotzen, woher sie auch kommen und welcher Natur sie auch sein mögen. Deshalb müssen wir diese Lage ständig und unablässig festigen.



MONTAG, 21. NOVEMBER 1977





MAO ÜBER DEN DEMOKRATISCHEN ZENTRALISMUS

Mao war mit dem Prinzip des demokratischen Zentralismus, so wie es Lenin erläuterte und anwandte, nicht völlig einverstanden. Mao gab diesem Prinzip «eine sehr viel breitere Bedeutung». Dabei ging es ihm angeblich darum, die chinesische Gesellschaft im Allgemeinen zu charakterisieren und dem demokratischen Zentralismus eine andere Form und einen anderen Inhalt zu geben. Im Gegensatz zu Lenins Theorie ließ Mao Tsetung, was die Beziehungen zwischen Zentrum und Massen anbelangt, dem spontanen Handeln der Massen im Allgemeinen und der Arbeiterklasse im Besonderen freien Lauf. Lenin ließ bekanntlich spontane Disponibilitäten im Gegensatz zu den marxistischen Prinzipien nicht zu. Nach Lenin müssen die Handlungen der Massen und der Klasse von der marxistischen Partei orientiert und geleitet werden.

Mao vertrat den Standpunkt, die Massen müssten selbst, ohne die Führung durch die Arbeiterklasse und ihre Partei und ohne Rücksicht auf die Prinzipien des demokratischen Zentralismus, ihr Leben aufbauen. Wir sahen jedoch sowohl vor der Kulturrevolution als auch und besonders danach, dass diese ganze maoistische Theorie ein derartiges Chaos verursachte, dass selbst Mao überrascht war und sich zu besinnen begann, wie diesem Chaos Schranken zu setzen seien.

Lenin betrachtete den demokratischen Zentralismus als Grundprinzip der Organisation von Partei und Staat. Unter diesem Prinzip verstand er die volle Freiheit der Diskussion über alle Fragen. Waren aber von den höheren Organen Beschlüsse gefasst worden, mussten sie von den unteren Organen unbedingt eingehalten werden. Die unteren Organe mussten gefragt werden; war jedoch der Beschluss gefasst worden, hatten sie sich den darin enthaltenen Anordnungen vorbehaltlos zu unterwerfen. Mao Tsetung verstand auch die Demokratie anders als Lenin, von daher kam er zu der Schlussfolgerung, es könne keinen korrekten demokratischen Zentralismus geben. Für Mao lässt sich der Zentralismus nicht durchführen, weil sich die Auffassungen und Meinungen der Menschen, ihr Verständnis von den Dingen unterscheiden!

Was ist dann für Mao der demokratische Zentralismus? Seiner Ansicht nach ist er in erster Linie ein Zentralismus der «richtigen» Ideen! Das heißt, dass er dieses Prinzip nicht als einen konkreten Ausdruck der Bildung, der Abhängigkeit, der Unterordnung, der Kollektivität und der einheitlichen Leitung der Organe der Partei und des Staates der Diktatur des Proletariats betrachtet, sondern ein idealistisches Verständnis davon hat.





DIENSTAG, 22. NOVEMBER 1977





UNRAT, DEN DIE REVISIONISTEN FABRIZIEREN

Hsinhua brachte gestern Abend lange Auszüge aus einem umfangreichen feindlichen, revisionistischen Artikel, den Kazimierz Mijal, der den Titel eines Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Polens für sich beansprucht, über die chinesische Botschaft in Tirana nach Peking geschickt hat. Diesen Revisionisten haben wir, ohne ihn schon früher zu durchschauen, jahrelang in seiner Arbeit bei der Leitung seiner Kommunistischen Partei unterstützt. Wir haben ihm alle politischen, ideologischen, moralischen und wirtschaftlichen Erleichterungen gewährt. Es stellt sich jedoch heraus, dass er nichts ist als ein Renegat des Marxismus-Leninismus, ein verkappter Feind der Partei der Arbeit Albaniens. Daher ist es nicht notwendig, hier lange auf seine feindliche Tätigkeit einzugehen, die schon vor zwei Jahren aufgedeckt wurde.

Nach dem 7. Parteitag, aber auch schon früher, hat Kazimierz Mijal unsere Partei provoziert, doch diesmal griff er offen die Thesen unseres Parteitags an. Es zeigt sich deutlich, dass er in geheimer Verbindung mit den Chinesen gestanden hat, denn er verficht genau die Thesen, die auch sie gegen unsere Partei vorbringen. Diese Thesen hat Mijal ebenfalls in einigen Briefen dargelegt, die er an unser Zentralkomitee geschickt hat. Der Artikel, von dem hier die Rede ist, enthält in journalistischer Form nur all jene anti-marxistischen und verräterischen Ansichten eines Renegaten, eines Agenten des Imperialismus und des chinesischen Revisionismus, die er auch schon in seinem feindlichen und anti-marxistischen Brief an das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens ausgeführt hat.

In dem Brief, den er uns geschickt hat, erklärt er, er sei bereit, auch mit dem Teufel ein Bündnis einzugehen, wenn der nur gegen den Sowjetrevisionismus sei. Unter anderem vertritt er die These, ein Land, ein Volk oder eine Partei könnten nicht zwei Hauptfeinde haben, sondern, nur einen, und das sei die Sowjetunion, nicht aber auch die Vereinigten Staaten von Amerika. Deshalb seien er und seine angebliche Partei bereit, mit der gesamten Reaktion sowohl der seines Landes als auch der Weltreaktion - gegen den Sowjetimperialismus zusammenzuarbeiten. Das ist die These der Chinesen, die These von der «dritten Welt», die These: „Sich auf einen Imperialismus sützen, um einen anderen Imperialismus zu bekämpfen“.

Doch mit der Zeit wird sich zeigen, dass die chinesischen Revisionisten sich auch der Sowjetrevisionisten annähern, auch mit ihnen innige Freundschaft schließen. Die richtige Linie unserer Partei wird sich jeden Tag mehr durchsetzen. Und wir sind uns bewusst, dass dieser Unrat in der internationalen Arena und in den Reihen der kommunistischen Bewegung aufgetaucht ist und weiter auftauchen wird, weil die revisionistischen Feinde daran arbeiten, unsere Bewegung zu spalten und Schmutz auf die ruhmreiche marxistisch-leninistische Theorie zu werfen. Doch die marxistisch-leninistische Theorie wird triumphieren, unsere Sache ist gerecht, das Weltproletariat wird sie zu seiner Sache machen. Dazu werden natürlich Erläuterungen, Anstrengungen, Kampf nötig sein. Doch wir werden es schaffen, auch diese neue Strömung des Revisionismus, repräsentiert durch die chinesischen Revisionisten, zu entlarven.





MITTIWOCH, 23. NOVEMBER 1977





VERFOLGEN WIR HARTNÄCKIG DEN BAU DER OBJEKTE

Wir dürfen die Arbeiten an der zweiten Phase der Objekte, die wir im Bau haben, nicht vernachlässigen. Im Gegenteil, wir müssen den Bau dieser Objekte, bei denen uns China hilft, rigoros verfolgen, damit sie rechtzeitig fertiggestellt werden. Deshalb müssen wir Bescheid wissen, was wir brauchen und was wir nicht brauchen, warum einiges gekommen ist und einiges nicht. Ständig müssen Forderungen gestellt werden, denn wir wissen, dass China uns zunehmend Schwierigkeiten in den Weg legt und legen wird. Ebenso müssen wir uns über die Arbeit am Werk Nr. 12 auf dem laufenden halten, das Ende dieses Jahres fertiggestellt sein und spätestens im Januar die Produktion aufnehmen muss, damit wir unser eigenes Eisen verhütten können. Deshalb muss das Industrieministerium dazu angehalten werden, die Produktion richtig zu organisieren und den Bau dieses wichtigen Objekts ständig zu kontrollieren.

Es ist unerlässlich, dass wir diese wichtigen Probleme ständig im Auge behalten, rigoros auf die Fristen, auf die Qualität achten, keine überflüssigen Ausgaben dulden. Die Ministerien und ihre Stäbe müssen bei all diesen Problemen Geschick beweisen, in bezug auf die Probleme beim Bau der Objekte wie auch die Probleme bei der Rohstoffbeschaffung im In- und im Ausland. Sie müssen es verstehen, mit besonderem Geschick zu manövrieren, um richtige Kombinationen treffen, vorbeugen, das Notwendige im Voraus tun zu können, anstatt die Dinge erst zu konstatieren, wenn es schon zu spät ist und Defizite entstanden sind.

Will man dieser schwierigen Situation gerecht werden, dann muss man die Zügel straffer ziehen, dann muss man mit hohem Bewusstsein, mit solider Organisation und einer straffen Leitung arbeiten, wobei man der Komplexität unserer sozialistischen Wirtschaft gerecht werden und alle ihre Bereiche miteinander koordinieren muss.





SONNTAG, 27. NOVEMBER 1977





WIR KÖNNEN DEM CHINESISCHEN REVISIONISMUS GEGENÜBER KEINEN MILDEREN TON ANSCHLAGEN

Deng Ying-tschao, die Witwe Tschou En-lais, ist in den Iran gereist, um dem Schah dieses Landes und der Prinzessin Aschraf, dem großen «Freund» und der großen «Freundin» des China Mao Tsetungs, einen Besuch abzustatten. Prinzessin Aschraf ist in China von Mao Tsetung und Tschou En-lai zwei oder drei Mal mit großem Pomp empfangen worden.

Dem Besuch Deng Ying-tschaos ging ein langer Artikel der Nachrichtenagentur Hsinhua und der Zeitung «Renmin Ribao» voraus, in dem von der Größe des Schah-in-Schah die Rede ist, vom «blühenden» Iran, diesem «freien» und «unabhängigen» Land, das angeblich erbittert gegen die beiden Supermächte kämpft. Was für eine ungeheure Schande für China, einen Banditen und Sohn eines Banditen zu verherrlichen, den Amerika mit dem Flugzeug aus der Emigration zurückbrachte, nachdem es mit Dollars und seiner Agent ur den Aufstand Mossadeghs unterdrückt und die Tudeh-Bewegung in Blut erstickt hatte! Dieser Tyrann unterdrückt heute erbarmungslos das iranische Volk, saugt ihm das Blut aus. Dort haben Massen von Menschen keine Arbeit und kein Brot, sie haben nichts anzuziehen, kein Dach über dem Kopf, noch nicht einmal eine Hütte (von den vom Erdbeben zerstörten Gebieten gar nicht zu reden), und das zu einer Zeit, da er persönlich und sein Kreis jedes Jahr Hunderte von Milliarden Dollars einstecken! Solche Leute sind die «großen» und «aufrichtigen» Freunde Chinas.

China ist ein vor dem amerikanischen Imperialismus katzbuckelnder großer Staat geworden, der den Kapitalismus und die gesamte reaktionäre Bourgeoisie verteidigt, unter welcher Maske sie auch auftritt. Es unterstützt den Schah des Iran, die Politik von Washington, Paris, Bonn, London, mit einem Wort, die Politik der Imperialisten jeder Art, jeden Kalibers und jeder Stärke. All dies tarnt es mit einem Feigenblatt, dem angeblichen Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Doch Chinas Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus trägt nur den Charakter territorialer Expansion. Chinas Ziel ist, die nördlich von ihm gelegenen Gebiete - Sibirien, die Mongolei und andere - zu besetzen. Ebenso hat es ein Auge auf ganz Indien und die anderen Länder Südasiens geworfen, etwa Indonesien und die Philippinen, auf die Länder des Fernen Ostens, auf Australien usw., um sie, wenn schon nicht in seine Hand, so doch unter seinen Einfluss zu bringen.

Mao Tsetung wollte, dass China seine alte, Jahrhunderte zurückliegende Größe wiedererlange. Mit anderen Worten, China sollte auch in moderner Zeit das «Reich der Mitte» werden, wie man es vor langem, zur Zeit des Konfuzius und der Kaiser nannte. Mao Tsetung, Liu Schao-tschi und Tschou En-lai kämpften nicht für den Triumph des Sozialismus und des Kommunismus. Sie waren bestrebt, die proletarischen Revolutionen in Asien und nun auf der Welt zu verhindern. Die maoistische Führung Chinas erlaubte Tschiang Kaischecks Truppen den Durchzug nach Birma, wo sie gegen die dortige nationale Befreiungsbewegung kämpften, die von der Kommunistischen Partei Birmas geführt wurde. Ja, sie kämpfen sogar noch heute gegen sie. Auch wenn es heißt, ein Teil dieser Truppen sei nach Taiwan gegangen, so sind doch die maoistischen Führer Chinas in ihrer Freundschaft mit U Ne Win zu dessen wichtigsten Stütze bei seinem Vorhaben geworden, die Kommunistische Partei Birmas zu liquidieren.

Ebenso verfuhren die revisionistischen chinesischen Führer bei der Spaltung und Liquidierung der Kommunistischen Partei Malayas, gegen die der englische Imperialismus seine Schläge gerichtet hatte, wobei Zehntausende von Kommunisten getötet worden waren.

Gleiches geschieht heute auch mit den Kommunisten der Philippinen. Mao Tsetung unterhielt eine enge Freundschaft mit Marcos, diesem kapitalistischen Schlächter, der dabei ist, die nationale Befreiungsbewegung dieses Landes zu liquidieren.

China erhebt Anspruch auf Hegemonie. Es träumt davon, nicht nur die Sowjetunion, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika zu überholen. Doch seine «Lenden», wie man in Gjirokastra sagt, also seine Gegenwärtige Kraft, besonders die wirtschaftliche und militärische, reicht nicht aus, um die hegemonistische Politik zu verwirklichen, an der es bastelt und von der es träumt. Chinas Politik ist versklavend, und das begreifen die Völker, das begreift das Proletariat, das begreift die Bourgeoisie, das begreifen die fortschrittlichen Menschen. Um selbst die Völker versklaven zu können, unterstützt der chinesische Hegermonismus die Versklavung der Völker durch die Imperialisten, die China augenblicklich «Freunde», «Fürsprecher», gar «Befreier der Völker» nennt. Doch in Wirklichkeit hat diese Politik ein Fiasko erlitten und wird auch weiterhin ein Fiasko erleiden, denn ein Mensch mit Urteilsvermögen, der sich bis zu einem gewissen Grad, und sei es auch nur minimal, Gedanken um die Interessen seines Volkes macht, muss die reaktionäre Politik, die China gegenwärtig betreibt, zwangsläufig durchschauen.

In Anbetracht all dessen äußern wir uns deshalb zur Linie und Politik der Kommunistischen Partei und der Regierung Chinas in scharfen Worten, denn die sind den Taten der chinesischen Führung angemessen. Wir Albaner, wir albanischen Kommunisten sind in der Lage festzustellen, dass sie ganz und gar vom marxistisch-leninistischen Weg und vom Weg des Aufbaus des Sozialismus abgewichen sind. Angesichts dieser Fakten, angesichts dieses Verhaltens und dieser Ideologie können wir daher dem chinesischen Revisionismus gegenüber keinen milderen Ton anschlagen.







FREITAG, 2. DEZEMBER 1977





DIE CHINESEN DEHNEN DIE IDEOLOGISCHEN MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN AUF DIE STAATLICHEN BEZIEHUNGEN AUS

Unser Botschafter in Peking teilte uns mit, dass die Chinesen den Mitgliedern unserer Handelsdelegation erklärt haben, sie würden keine Spezialisten für Phosphorite, PVC und ich weiß nicht für welches andere Problem noch nach Albanien schicken, denn : «Es bestehen keine geeigneten Bedingungen. Solange keine guten Bedingungen und Einvernehmen hergestellt worden sind, werden wir keine Spezialisten zu diesen Objekten schicken.» In anderen Worten, die chinesischen Revisionisten fangen an, die zwischen uns und ihnen bestehenden Verträge und Abkommen offen zu sabotieren. Sie beginnen, die ideologischen Gegensätze zu uns auf das Gebiet der staatlichen Beziehungen auszudehnen, nehmen also langsam die alten Positionen der Sowjets ein, was wir natürlich vorausgesehen haben. Heute kommt, glaube ich, das chinesische Flugzeug, und wir werden einen schriftlichen Bericht von unserer Botschaft erhalten. den wir gründlich studieren werden, um dann entsprechend zu handeln.

Zunächst, so meine ich, sollten wir die Chinesen darauf hinweisen, dass diese Handlungsweise eine Verletzung der vertraglichen Verpflichtungen bedeutet, also falsch ist und umgehend aufgegeben werden muss. Wir werden dann sehen, wie sie weiter vorgehen, und dieses Vorgehen aufmerksam und wachsam verfolgen.





FREITAG, 2. DEZEMBER 1977





AUF DER WELT WERDEN KOMMUNISTEN GETÖTET – DIE CHINESEN LÄSST DAS UNGERÜHRT

Die Nachrichtenagenturen melden, dass der Vorsitzende der Kommunistischen Partei der Philippinen zusammen mit einer Gruppe anderer Genossen des Zentralkomitees der Partei von Diktator Marcos verhaftet worden ist.

Die Kommunistische Partei der Philippinen ist eine kämpferische Partei, doch sie ist der totalen Sabotage durch die chinesischen Revisionisten ausgesetzt. Warum sollte der Schlächter Marcos so etwas auch nicht tun, unterhielt doch Mao Tsetung selbst enge Verbindungen mit den Henkern der Kommunistischen Partei der Philippinen? Diktator Marcos und seine schöne Frau mit ihrem tiefen Dekolleté, aus dem der Busen herausquoll, wurden zwei oder drei Mal in Audienz von Mao empfangen. Sie wurden von ihm gelobt und beglückwünscht und bemühten sich um enge und aufrichtige Freundschaft mit Mao Tsetung und China. Und Mao reichte ihnen die Hand.

Auf der anderen Seite metzelt der philippinische Diktator die Marxisten-Leninisten der Philippinen nieder, die für die Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität der Inseln, gegen das fremde Joch und das innere Joch des Kapitals kämpfen. Doch die chinesischen Revisionisten lässt das ungerührt.

Nichts anderes taten sie auch im Fall der Kommunistischen Partei Indonesiens unter Führung von Aidid, als Suharto 500000 Menschen massakrierte. Nicht anders verfuhren die chinesischen Revisionisten auch mit der heroischen Partei Malagas, mit der Partei Birmas, deren Kommunisten U Ne Win, der Freund Mao Tsetungs und der chinesischen Revisionisten, aufrieb. Völlig ungerührt ließen die Chinesen auch die anderen Parteien des Fernen Ostens, mit denen man auf die gleiche Weise verfuhr.

Dies ist ein Verbrechen der maoistischen Führung an den Marxisten-Leninisten in Asien. Inzwischen betreibt sie diese Tätigkeit überall auf der Welt, in Europa, in Lateinamerika, in Afrika, in Australien und überall sonst.

Unter der Maske des Marxismus-Leninismus zielt sie darauf ab, diese Länder und diese Parteien auf dem kapitalistischen Weg zu führen und Chinas Hegemonie über sie zu errichten, um ein Gegengewicht zu den beiden Supermächten zu schaffen und selbst zur Supermacht zu werden.





DONNERSTAG, 8. DEZEMBER 1977





EIN DÜSTERES CHINESISCHES PANORAMA

Das chinesische Panorama ist düster, innerhalb wie außerhalb Chinas.

Mehr als ein Jahr ist seit dem Machtantritt der Clique von Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping verstrichen, und diese zeigt sich nun eifrig bemüht, die bürgerliche kapitalistische Macht und die revisionistische Ideologie in ganz China zu konsolidieren. Die zahlreichen Fakten, die die Presse und die Nachrichtenagenturen bringen, die auf zahlreichen Kontakten zu in Peking akkreditierten Diplomaten verschiedener Länder der Welt basierenden Mitteilungen, die wir von unserer Botschaft in Peking erhalten - all dies zeigt, dass die Situation dort chaotisch ist, sich nicht im Geringsten stabilisiert hat.

Seit dem Machtantritt Hua Guo-fengs gab es nicht nur die Peripetie [=entscheidender Wendepunkt, Umschwung – Anmerkung der Red.] im Schwanken seiner Gruppe bei der Rehabilitierung Deng Hsiao-pings, vielmehr lassen sich schon seit der Zeit des Schlags gegen die sogenannte Vierergruppe ständige Unruhen und, wie es heißt, sogar bewaffnete Zusammenstöße feststellen.

Tatsächlich spricht die offizielle chinesische Presse davon, dass gegenwärtig in allen Provinzen viele Menschen, einmal 10, einmal 17, einmal 20 oder 25 erschossen werden. Und die Zahlen steigen an. Wir sehen, dass in der chinesischen Presse dauernd nach «staatlicher Disziplin» gerufen wird, und zwar nicht nur bei der Arbeit, sondern auch nach innerer Disziplin. Dies wird in vielen Leitartikeln, besonders in «Renmin Ribao», betont. Das zeigt, dass in China nicht alles wie geschmiert und ruhig seinen Lauf nimmt, wie das die Leute der Putschistengruppe Hua Guo-fengs dachten. Anscheinend ist dort die Bewegung gegen Hua Guo-feng ziemlich stark. Neben den Verhaftungen, Einkerkerungen und Erschießungen haben die Putschisten während dieser Zeit auch Kampagnen zur Liquidierung der Kulturrevolution unternommen. Das bedeutet eine Diskreditierung Mao Tsetungs, natürlich indirekt, doch immerhin eine Diskreditierung, weiß man doch, wie sehr propagiert wurde, die Kulturrevolution sei von Mao Tsetung persönlich initiiert und geführt worden (und das stimmte). Nun sagt die Hua-Guofeng-Clique, die Kulturrevolution sei abgeschlossen, während sie doch tatsächlich, laut Mao, weitergehen sollte zur «Liquidierung der Bourgeoisie» in China. Doch der Gruppe Hua Guo-fengs zufolge ist diese «Bourgeoisie in der Partei» wieder hochgekommen, und zu ihrem Pech umfasst diese «Bourgeoisie in der Partei» 12 bis 16 Millionen (ich weiss nicht genau, wie viele neue Elemente während der Kulturrevolution in die Partei kamen), und das waren - wie sie selbst sagten - gesunde Elemente, hervorgegangen aus der Arbeiterklasse und der revolutionären Jugend!

Diese Kulturrevolution hätte also fortgesetzt werden müssen, doch die Putschisten stoppten sie. Warum? Weil sie nicht mit ihr einverstanden waren, weil die von Mao eingeleitete Kulturrevolution - so wie er sie entfaltete und mit den Absichten, die er dabei verfolgte -, in Wirklichkeit ein Kampf gegen die Gruppe von Liu Schao-tschi, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen und all den anderen war, die in ihren Selbstkritiken zugaben, sie seien Monarchisten, Konfuzianer, Konterrevolutionäre gewesen. Hua Guo-feng wollte mit seiner öffentlichen Erklärung vor dem Zentralkomitee zu verstehen geben, die Kulturrevolution sei falsch gewesen und mittlerweile ungeschehen gemacht. Nach Deng Hsiao-ping wurden auch all die andern rehabilitiert, die in der Kulturrevolution verurteilt worden waren, von Peng Tschen bis Peng Dö-huaj, und sicherlich wird auch Liu Schao-tschi rehabilitiert werden.

All die Reaktionäre, denen die Kulturrevolution Schläge versetzte, haben wieder ihre früheren Funktionen erhalten und besetzen Schlüsselpositionen in der Leitung. Sie sind allesamt nicht nur Reaktionäre, Revisionisten, Trotzkisten, Kapitalisten, sondern auch alt. So fiel die Führung in China, sowohl in der Partei als auch im Staat, wieder in die Hand der Reaktion, der alten, zwar schwunglosen, dafür aber bösartigen und rachsüchtigen Reaktion, die nun auf die junge Generation einschlägt und sie auf die Straße wirft. Diese Bande an der Macht begann die Säuberung an der Peking Universität, einem der Hauptzentren der Kulturrevolution. Von dort wurden all die Elemente aus der Arbeiterklasse entfernt, die vor 10-12 Jahren an die Universität gekommen und zu leitenden Kadern und Erziehern der jungen Generation geworden waren. Sie alle wurden von der Universität entfernt, natürlich mit Zeremonien und «mit Blumen», während unten, in den Provinzen, die Prozedur der Ersetzung aller Menschen, die nicht mit der Führung einverstanden sind, durch Getreue der Putschisten weitergeht, insbesondere durch Militärs, denn die gegenwärtige Führung stützt sich auf die Armee. Für sie ist die Partei eben jene nichtexistente Partei, eine amorphe Organisation, ein Etwas mit entarteten Normen, das diese Führung, die ihr mit Waffengewalt aufgezwungen wurde, zu unterstützen, «ja» und «zu Diensten» zu ihr zu sagen hat.

Diese ganze Situation hat jedoch China wirtschaftlich ausgezehrt, geschwächt, sie hat seine staatliche Organisation geschwächt und der Volkswirtschaft schwer geschadet. Das macht sich überall in China bemerkbar. Dort gibt es eine ausgeprägte Unzufriedenheit und Engpässe bei der Versorgung.

Auch die wirtschaftlichen Beziehungen Chinas mit dem Ausland sind viel schwächer geworden - nicht nur mit uns, das sowieso, sondern auch mit den anderen Ländern. Das ist das Ergebnis des großen Verrats, der in China gerade stattfindet, eines Verrats, dessen Wurzeln nicht nur im Machtantritt der Putschistengruppe Hua Guo-fengs und Deng Hsiao pings zu suchen sind, sondern noch sehr viel tiefer sitzen, in der revisionistischen, anti-marxistischen, kapitalistischen Linie der Gruppe Mao Tsetungs.

Wie man uns sagt, herrscht in China unter den Menschen Misstrauen, sie wagen noch nicht einmal, miteinander zu sprechen, denn man denunziert sie bei den Organen der Polizei, der Armee, was unverzüglich Massnahmen nach sich zieht. Das Land ist so groß, dass man nicht weiß, wohin diese Menschen gebracht werden. Werden sie erschossen, aufgehängt oder in Konzentrationslager gesperrt? Ihre Angehörigen wissen nichts darüber. Das sind die Angaben, die unsere Leute von chinesischen Freunden erhalten. Diese Leute, die unsere marxistisch-leninistische Linie unterstützen, sprechen mit uns, doch untereinander können sie so etwas nicht sagen. So sieht also die Situation aus, eine Situation des Terrors, eine überaus drückende Situation für das chinesische Volk, das dieses schlimme Schicksal, das ihm Mao Tsetung und seine Nachfolger bescherten, nicht verdient hat.

Das chinesische Volk kämpfte für die Befreiung seines Landes, für die Unabhängigkeit und den Sozialismus, doch es wurde von der Führung mit Mao Tsetung an der Spitze betrogen und nicht auf den wahren Weg des Sozialismus geführt, zur Konsolidierung der Partei durch die marxistisch-leninistischen Normen und die marxistisch-leninistische Ideologie. Der neue chinesische Staat wurde nicht auf den Weg des Sozialismus gelenkt, sondern setzte den Weg der kapitalistischen Entwicklung, der Entwicklung der reaktionären Bourgeoisie und des Kulakentums fort. Sie alle, mit Mao Tsetung an der Spitze, einschließlich Liu Schao-tschis und der anderen, waren nichts als NÖP-Leute, die die NÖP als eine ständige, sehr lange dauernde Periode verstanden und praktizierten, die schließlich angeblich in den Sozialismus münden würde. Ihr wahres Ziel war es jedoch, den Sozialismus in den Kapitalismus zu integrieren. Sie waren nichts als Bucharinisten.

Wir stellen fest, dass das China Hua Guo-fengs und Deng Hsiaopings auch international in der vollen Bedeutung des Wortes diskreditiert ist. Seine Stimme ist auf der Welt kaum zu hören. Es nimmt zu keinem der kapitalen Probleme Stellung, die die Menschheit, die Völker und die Staaten bewegen. Sein einziges Schlagwort ist: Zusammenschluss aller Staaten der Welt, der «zweiten Welt» und der «dritten Welt», wie es sie nennt, mit dem amerikanischen Imperialismus gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Das ist die ganze Achse der chinesischen Außenpolitik, um diese Achse dreht sich, darauf beschränkt sich die ganze Aktivität. Wenn man eine Nachricht von «Renmin Ribao» oder Hsinhua überhaupt Aktivität nennen kann, dann besteht diese «Aktivität» in nichts anderem als dem einen oder anderen Propagandaartikel oder der Sammlung all jener Meldungen der allerreaktionärsten Nachrichtenagenturen, die zum Weltkrieg hetzen, indem sie den Völkern einreden, der sowjetische Sozialimperialismus sei die Hauptgefahr für sie, deshalb müssten sie gegen ihn aufrüsten und kämpfen.

Dieses Ziel ist also in der chinesischen Außenpolitik vorherrschend: China ruft das Weltproletariat, die unterdrückten Völker, die Völker der Kolonien und Halbkolonien usw. dazu auf, sich mit dem amerikanischen Imperialismus zusammenzuschließen, sich mit der reaktionären Bourgeoisie ihrer Länder zusammenzuschließen, angeblich, um gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu kämpfen. Ein anderes Problem wirft China nicht auf, und es ist dazu auch gar nicht in der Lage. Doch warum ist es dazu nicht in der Lage? Weil es sich selbst in die «dritte Welt» eingereiht hat. Die Länder dieser «dritten Welt» sind jedoch im Großen und Ganzen entweder mit dem amerikanischen Imperialismus oder dem sowjetischen Sozialimperialismus verbunden. China selbst, Mitglied der sogenannten dritten Welt, ist mit dem amerikanischen Imperialismus und seinen Satelliten, also den Cliquen der Länder der „dritten Welt“ verbunden.

Unter diesen Bedingungen kann China keine Meinung haben, keine Frage aufwerfen oder verfechten, die im Interesse eines Staates bzw. von Staatengruppierungen der «dritten Welt» ist, die möglicherweise gegen den amerikanischen Imperialismus aufbegehren. Vielmehr unterstützt es jene kapitalistischen Führungen, die eine von den Zeitumständen abhängige Gegnerschaft zum sowjetischen Sozialimperialismus zur Schau stellen. So ist nicht nur Chinas gesamtes internationales Auftreten verschwommen, ohne Substanz, ohne Feuer, weil nicht revolutionär, sondern es zeigt sich auch klar, dass China die Versklavung der Völker durch die amerikanischen Imperialisten unterstützt. Also hören die Völker, die es Völker der «dritten Welt» nennt und deren Hirte es werden möchte, nicht auf diesen hinterhältigen Hirten, der das Lied des Imperialismus singt, der sie unterdrückt. Die Völker der sogenannten dritten Welt ziehen die Schlussfolgerung, dass die chinesische Politik schlecht, eine volksfeindliche, verlogene Politik ist, so verlogen wie Chinas Auftreten gegen den sowjetischen Imperialismus.

Sowohl die Völker als auch die reaktionären Führer, durch die sie in Knechtschaft gehalten werden, durchschauen, in welcher Absicht China die Sowjetunion angreift. Sie erkennen, dass China diese Politik betreibt und ein antisowjetisches Steckenpferd reitet, weil es bestrebt ist, sich in der sogenannten dritten Welt strategische Positionen und Märkte zu verschaffen.

Wenn die Vereinten Nationen zusammentreten oder auf der Welt irgendein wichtiges Ereignis geschieht - zum Beispiel Sadats Schritte, die Aktivitäten der Amerikaner im Nahen Osten -, wenn Konferenzen stattfinden wie die in Tripolis usw., senkt China seine Stimme zwanzig Meter unter den Meeresspiegel, unterstützt aber, natürlich halblaut, jene, die das Spiel der Amerikaner treiben. China wagt es nicht, laut seine Meinung über die Zugeständnisse und Kompromisse zu sagen, die Israel auf Kosten der arabischen Völker gemacht werden, denn sonst würden ihm die Botschafter der arabischen Länder in China und anderswo auf den Leib rücken, und es wüsste nicht, was es ihnen sagen sollte. Tatsache ist, dass China daran arbeitet, diese Völker zu spalten. Es sieht dieses Problem nicht objektiv, und wie sollte es auch, werden doch die arabischen Völker auf der einen Seite vom amerikanischen Imperialismus und auf der anderen Seite vom sowjetischen Imperialismus bedrängt. Wie wir einen richtigen Weg zu verfolgen, dazu ist China nicht in der Lage, denn seine antisowjetischen Positionen hat es nicht auf prinzipieller Grundlage bezogen wie wir, weshalb es gezwungen ist, mit seiner Meinung zu dieser Frage hinter dem Berg zu halten. Gleichgültig, was die Sowjets sagen, China muss, wie wir auch, seine eigene Meinung über die Ereignisse im Nahen Osten haben. Das bringt es nicht fertig, vielmehr bleibt es jener verräterischen Politik treu, die Politik des amerikanischen Imperialismus müsse unbedingt verteidigt werden.

Also stellen wir fest, dass Chinas allgemeine Politik auf der Welt ein großes Fiasko erlitten hat, denn sie besteht aus unrichtigen Stellungnahmen bzw., in den meisten Fällen, in Schweigen.

China macht ein großes Geheimnis um die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, die es mit den kapitalistischen Ländern entwickelt. Tatsache ist, dass Hunderte von Delegationen des amerikanischen Imperialismus und des Weltkapitalismus nach China kommen. Ebenso reisen Dutzende und Hunderte chinesischer Delegationen, bestehend aus Wirtschaftsfachleuten, Ingenieuren, Technikern, Militärs, in alle kapitalistischen Länder der Welt. Und sie alle schließen natürlich Verträge über die Belieferung mit Maschinen und Technologie, über den Bau von großen Fabriken und Werken und die Lieferung von Rüstungsgütern ab. Alle diese Abkommen kommen hinter den Kulissen zustande, im Dunkeln, die Bezahlung erfolgt durch Clearing, oder man räumt China große Kredite ein. China ist ins Räderwerk der Kreditaufnahme bei multinationalen Gesellschaften, verschiedenen kapitalistischen Staaten und dem amerikanischen Imperialismus geraten. Das ist die ganze Politik Chinas. Seine Exporte sind zurückgegangen, weil die chinesische Wirtschaft nicht mit dem nötigen Ertrag arbeitet.

Was die angeblich guten Beziehungen Chinas zu einer Reihe von Ländern anbelangt, mit denen es befreundet war, so zeigen die Verhältnisse, dass sie auf dem Nullpunkt angelangt sind.

China ist mit Korea nicht im Reinen, denn Korea will auf zwei Hochzeiten tanzen, sowohl bei der Sowjetunion als auch bei China. Es möchte, dass ihm die Sowjetunion große Kredite gibt, aber auch China, das dazu nicht in der Lage ist. Die Koreanische Volksdemokratische Republik will von China, dass es sich bei den Vereinigten Staaten von Amerika für die Wiedervereinigung des Landes einsetzt, doch das tut China nicht, weil es sich seinem großen Freund, den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht entgegenstellen kann. Das ist der Grund dafür, dass Korea nicht auf gutem Fuß mit China steht.

Dasselbe gilt für Vietnam. Kürzlich kam Le Duan nach China, und wie die Meldungen besagen, gelangten die beiden Seiten dabei nicht zu einer Festigung ihrer Freundschaft, weil China Anspruch auf vietnamesische Gebiete erhebt. Es will dem verbrannten und zerstörten Vietnam keine Kredite geben und ist dazu auch nicht in der Lage. Darüber hinaus möchte es auch nicht, dass Vietnam Kredite vom sowjetischen Sozialimperialismus nimmt. China möchte, dass Vietnam ein Vasall der Vereinigten Staaten von Amerika wird, würde sich freuen, wenn es so käme.

China gibt sich den Anschein, als unterhalte es gute Beziehungen zu Kambodscha. Natürlich ist Kambodscha ein sehr armer Staat, kaum aus dem Krieg hervorgegangen, es hat noch keine klar herauskristallisierte Politik. Unter diesen Umständen, auch wegen der schwierigen Situation zwischen Kambodscha und Thailand sowie zwischen Kambodscha und Vietnam, für die territoriale Konflikte verantwortlich sind, scheint es mit China auf gutem Fuß zu stehen.

Nehmen wir Chinas Beziehungen zu Pakistan. Gegenwärtig verhält sich Pakistan China gegenüber kühl, doch China hat begonnen, Brücken der Freundschaft zum Schah-in-Schah und zu den Prinzessinnen des Iran zu schlagen. So schafft sich das «sozialistische» China neue Verbündete unter den schmutzigsten, niederträchtigsten und intrigantenhaftfesten Leuten und Dynastien. China meint, es könne vom Schah des Iran, der unter dem starken Einfluss des amerikanischen Imperialismus und der Ölgesellschaften steht, Kredite erhalten. Der Iran hat viel Kapital im Ausland investiert, besonders aber in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Westdeutschland, also den derzeitigen Freunden Chinas. Außerdem verkaufen die Vereinigten Staaten von Amerika dem Schah des Iran die modernsten Waffen. Für sie ist er, wie Israel, ein Werkzeug gegen die sowjetische Gefahr. Der Schah-in-Schah rüstet auf, denn er hat große Pläne. Er will den Irak, den Persischen Golf besetzen und einer Invasion vom Kaukasus oder vom Kaspischen Meer her die Spitze abbrechen. Oder ist er etwa nicht der Nachfolger der berühmten Kaiser des persischen Reiches, dessen Zweitausendfünfhundertjahrfeier er unter kolossalem Aufwand gefeiert hat! Der Schah des Iran führt ein märchenhaftes Leben wie weiland Harun al Raschid, während das persische Volk leidet wie in der Zeit der Sklaverei. Und mit diesem bürgerlich kapitalistischen Staat und seiner reaktionären Clique unterhält China sehr freundschaftliche Beziehungen.

Was die arabischen Länder betrifft, so ist, wie ich schon sagte, Chinas Politik nicht vorhanden. In den Beziehungen zu diesen Ländern zeichnet es sich durch seine pro-amerikanische und anti-sowjetische Haltung aus. Von dieser Orientierung ist Chinas gesamte Politik im Mittelmeerraum diktiert. So steht China im Gegensatz zu jenen arabischen Ländern, zu denen die Sowjetunion Beziehungen unterhält und die sie unter ihren Einfluss zu bringen versucht. Dagegen hat China zu den anderen arabischen Ländern, die die Vereinigten Staaten von Amerika in ihre Klauen gebracht und ihrem Gesetz unterworfen haben, eine positive Einstellung. Also stehen in diesem Raum auf der einen Seite verschiedene Staaten im Gegensatz zur chinesischen Politik, aber auch die Staaten auf der anderen Seite sind nicht für China, denn sie sehen, dass es nichts unternimmt. Und tatsächlich, was tut China? Es spendet Somalia, dem Präsidenten Mohammed Siad Beifall, weil er die Sowjets aus Somalia verjagte. Daran hat er gut getan, doch China applaudiert ihm gerade deshalb, weil er nach Washington gefahren ist und sein Land unter das Joch des amerikanischen Imperialismus gebracht hat. Das also ist Chinas Politik.

China spendet auch Mobutu Beifall, der ein Verräter, ein Renegat, ein Agent, einer der größten Kapitalisten Afrikas ist. Auf der anderen Seite ist es gegen Angola, weil dort die Sowjetunion Einfluss hat. Diese Politik ist also reaktionär, unrealistisch. Es gibt auch andere, entwickelte kapitalistische Staaten, die ihre allgemeinen Interessen verteidigen, doch sie verteidigen auch ihre besonderen Interessen, gegen den Sowjetimperialismus, wenn nötig aber auch gegen den amerikanischen Imperialismus. China versucht, in den Staaten der sogenannten dritten Welt Fuß zu fassen, doch das möchte es mit nichts im Kopf und nichts in der Tasche erreichen - das Einzige ist, dass es dem einen Imperialismus applaudiert und einen anderen Imperialismus in Worten angreift. Das ist alles, denn in wirtschaftlicher Hinsicht hat es nicht die Möglichkeit zu helfen, zur Zeit kann es noch nicht einmal seine offiziellen und moralischen Verpflichtungen anderen Staaten gegenüber einhalten, weil die Verträge zu einer Zeit unterzeichnet wurden, als sich China als sozialistisches Land ausgab. Heute haben die chinesischen Führer die Maske fallen lassen, deshalb werden sie möglicherweise auch diese Abkommen brechen, die sie unterzeichnet haben.

Uns gegenüber hat China eine feindselige Position bezogen, die es schrittweise auch auf das Gebiet der staatlichen und wirtschaftlichen Beziehungen ausdehnt. Bekanntlich hat uns China einige Kredite zum Bau einer Reihe von Fabriken sowie eines Wasserkraftwerks eingeräumt. Gegenwärtig macht es Schwierigkeiten bei der fristgerechten Lieferung der betreffenden Maschinen und Anlagen. Außerdem haben auch die chinesischen Spezialisten angefangen, große Ansprüche zu stellen. Sie verdienen im Monat doppelt soviel wie ich und wollen trotzdem immer noch mehr. Nicht alle sind üble Leute, doch ihre Botschaft hetzt sie auf, häufig die Hände in den Schoß zu legen, kein Interesse für die Arbeit zu zeigen, und wenn in unserer Presse ein ideologischer Artikel erscheint, nehmen sie eine niederträchtige Haltung ein. So geschah es, dass einer der chinesischen Spezialisten Gemeinheiten auf die Zeitung schrieb, in der die Rede des Genossen Mehmet in Vlora veröffentlicht wurde, und sie absichtlich im Zimmer liegen ließ. Als man ihn darauf ansprach, antwortete er: «Ich habe das geschrieben, weil es meine Meinung ist.» Das sind Provokationen.

Auch was den Handel anbelangt, machen uns die Chinesen, wie ich im Tagebuch schon geschrieben habe, große Schwierigkeiten. Wir kämpfen gegen ihre offensichtlich unrichtige Einstellung, und sie dürfen sicher sein, dass wir von unseren prinzipienfesten marxistisch-leninistischen Standpunkten, die die große Kraft unserer Partei und des albanischen sozialistischen Staates ausmachen, nicht abrücken. Unsere prinzipienfesten marxistisch-leninistischen Standpunkte stellt die ganze Welt fest. Sie sieht, dass wir das einzige unabhängige Land sind, dass wir unsere Meinung offen sagen und alle Feinde der Völker kritisieren und entlarven, Imperialisten, Sozialimperialisten, Revisionisten jeden Schlags, all jene, die die Völker unterdrücken, versklaven und kolonisieren, die gegen die Revolution und das Streben der Völker nach Befreiung kämpfen.

Die Menschen auf der Welt, die verschiedenen Kanzleien fragen sich verwundert, woher wir diese Kraft nehmen. Sie können es natürlich nicht verstehen, doch wir finden diese Kraft in der korrekten marxistisch-leninistischen Linie unserer Partei, in der stählernen Einheit ihrer Reihen und der Einheit von Partei und Volk, wir finden sie in unserer Arbeiterklasse, in der entschlossenen Anwendung des Prinzips, sich auf die eigene Kraft zu stützen. Schließlich finden wir sie auch in der internationalistischen Unterstützung aller Marxisten-Leninisten und fortschrittlichen Menschen auf der Welt, die unsere Volksrepublik lieben und Achtung für die mutige und richtige Politik der Partei der Arbeit Albaniens empfinden. Das ist eine weitere Unterstützung für unser Land.

Es gibt Leute auf der Welt, die die wirtschaftlichen Beziehungen unseres Landes mit der uns umgebenden Welt nicht so begreifen können wie wir, weil die Ansicht aufgebracht worden ist, kein Staat, ob klein, ob groß, könne leben, ohne von irgendjemand Kredite anzunehmen. Das heißt, es gibt Leute, die unsere wirtscharf tliche Unabhängigkeit, die auch politische Unabhängigkeit becteutet, nicht begreifen können, die nicht verstehen können, dass wir in der Lage sind zu leben und sehr gut leben werden - und tatsächlich leben wir sehr gut -, ohne uns selbst die Ketten der wirtschaftlichen und politischen Knechtung aufzuerlegen.

Die Handelsfragen sind eine andere Geschichte. Wir müssen Anstrengungen unternehmen, sogar sehr große Anstrengungen, für unsere Waren Märkte zu finden und harte Devisen zu beschaffen bzw. Clearingvereinbarungen zu erreichen, um die Waren einzuführen, die wir noch nicht selbst herstellen können, und so den Bedarf des Landes für die Weiterentwicklung unserer Volkswirtschaft zu decken. Das werden wir auf jeden Fall selbst, aus eigener Kraft tun. Doch das begreifen weder die kapitalistischen noch die revisionistischen Länder.

Die revisionistischen chinesischen Führer meinten, wir würden uns ihnen beugen, dem Marxismus-Leninismus untreu werden, nur um der paar Kredite willen, die sie uns gaben. Offensichtlich haben sie die große Erfahrung des Kampfes der Partei der Arbeit Albaniens und des albanischen Staates gegen die Tito und die Chruschtschowrevisionisten schnell vergessen und genau deren Weg eingeschlagen. Es zeigt sich ganz deutlich, dass sich die chinesischen Revisionisten in der Haltung und im Handeln uns und der Welt gegenüber kein bisschen von den Sowjetrevisionisten unterscheiden. Sie sind genauso Revisionisten, genauso Sozialimperialisten, mit dem einzigen Unterschied, dass sie neue Sozialimperialisten sind, die sich die koloniale Macht, die sie anstreben, erst schaffen müssen. Doch wann und wie sie sie schaffen werden, ist ein anderes Problem. In den Beziehungen zum Ausland versuchen die Chinesen, ihre verrottete antimarxistische, revisionistische Ideologie als marxistisch-leninistische Ideologie zu verkaufen. Aber es gibt niemand auf der Welt, der so verrückt wäre, dass er Seife als Käse essen würde. Alle, ob nun wahre Marxisten-Leninisten oder Demokraten oder Reaktionäre, begreifen sehr wohl, dass die chinesische Ideologie durchaus nicht marxistisch-leninistisch ist.

Die chinesischen Revisionisten haben den Marxismus-Leninismus über Bord geworfen; sie haben eine neue Form des Revisionismus eingeführt, verpackt in eine ausgeprägt sozialdemokratische kapitalistische Ideologie und vermengt mit den reaktionären. etatistischen, feudalen alten chinesischen Pililosophien. Und diese Politik, diese Ideologie versuchen sie zu verbreiten, doch sie verfängt nirgends. Sie verfängt nur bei einigen iungen. verwirrten «Marxisten-Leninisten», die unter der Brutlampe der chinesischen Kulturrevolution und im Schlagschatten der «großen Autorität» Mao Tsetungs sogenannte marxistisch-leninistische Gruppen gründeten. Diese Elemente. die einige unechte kleine Parteien schufen, können nicht aus ihrer Haut, können diese geistige Koppelung mit den Chinesen, die sie vollzogen haben, nicht lösen. Deshalb schlagen sie sich auf ihre Seite, schreiben in den Zeitungen oder Zeitschriften, die von den Chinesen finanziert werden, um betrügerische, angeblich marxistisch-leninistische Theorien zu verbreiten, plattes, unangebrachtes und im Kern revisionistisches Zeug.

Die diesen Gruppierungen angehören, sind zerstritten, denn die chinesischen revisionistischen Anschauungen können, wie die jedes anderen Revisionismus, niemals zu Einheit und Kohäsion des Denkens und Handelns führen, im Gegenteil, sie bringen Spaltung. So war es bei Mao, der verkündete, in China und in der Kommunistischen Partei Chinas solle es «zwei oder fünf Linien» geben, sollten «hundert Blumen blühen und hundert Schulen miteinander wetteifern», weil es seiner Meinung nach am besten wäre, wenn es möglichst viele Strömungen gäbe. Und in den kapitalistischen Ländern, wo es die pro-chinesischen sogenannten marxistischen Parteien gibt, blühen nicht nur hundert, sondern tausend «Blumen».

Jedermann, jedes Mitglied dieser Anhängselparteien der chinesischer. Revisionisten hat seine eigene Meinung und äußert sie, allerdings nicht, um zu handeln. Doch auch wenn er handelt, handelt er nicht entschlossen. Die Propaganda der Chinesen, die nicht nur unter denen Platz greift, die sich Marxisten nennen, sondern auch unter denen, die sich nicht Marxisten nennen, zielt also darauf ab, dass ausgemacht faschistische Gruppen geschaffen werden, die sich «proletarisch». «revolutionar», «Rote Garde» usw. usf. nennen, in Wirklichkeit aber nichts sind als Agenten der Bourgeoisie und Faschisten, die für China Propaganda treiben. Welchen Einfluss kann China durch sie ausüben? Überhaupt keinen. Allenfalls, dass man sagen kann, China unterhalte Verbindungen zu den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, obwohl die betreffenden in Wirklichkeit gar keine solchen Parteien sind. Die Kommunistische Partei Chinas hat Parteibeziehungen zum Bund der Kommunisten Jugoslawiens hergestellt, hat sich mit ihm ideologisch und politisch vereinigt. Ebenso unterhält sie feste Verbindungen zur Rumänischen Kommunistischen Partei, die gleichzeitig eine Agentur sowohl des amerikanischen Imperialismus als auch des Sowjetrevisionismus und der verschiedenen Strömungen des modernen Revisionismus ist.

Die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat lächeln revisionistischen und pseudo-volksdemokratischen Ländern, beispielsweise Polen, zu. Wir erfahren, dass der chinesische Botschafter in Warschau um eine Verbindung zum polnischen Ministerpräsidenten ersucht hat, um ihm einen Vertrag über den An- und Verkauf von Nahrungsmitteln vorzuschlagen. Doch dieser ließ sich nicht dazu herab, den Chinesen zu empfangen, und antwortete ihm, er solle diese Dinge dem Handelsminister unterbreiten und mit ihm darüber verhandeln. Jeden noch so kleinen Akt, ja selbst Anflug von Auflehnung gegen das sowjetische Joch, den diese Länder erkennen lassen, stellt China unverzüglich heraus, und es versucht den Eindruck zu erwecken, als erfolgten diese verschiedenen Widerstandsäußerungen unter seinem Einfluss. Doch eine solche Auflehnung dieser Länder ist nur natürlich. Sie haben weder früher auf China gehört, noch tun sie es heute, noch werden sie es in Zukunft tun, denn sie kennen es und haben durchaus kein Interesse daran, sich mit ihm zu verbinden. Sie scheren sich kein bisschen um China, doch dieses will so tun, als habe es bei ihnen ein Eisen im Feuer, also den Eindruck erwecken, es sei ein großer Staat, ohne den auf der Welt nichts läuft. Die revisionistischen Cliquen der einstmals volksdemokratischen Länder haben es lieber mit der Sowjetunion zu tun. Oder genauer, wir müssen betonen, dass ihnen tatsächlich vor allem daran gelegen ist, sich mit den westlichen kapitalistischen Ländern und dem amerikanischen Imperialismus zu verbinden.

So sieht das chinesische Panorama im Allgemeinen aus: düster, widerspruchsvoll, voller Gefahren, voller Überraschungen, voller Bündnisse und Übereinkünfte - offenen und verborgenen – mit dem amerikanischen Imperialismus und den anderen Imperialisten der Welt. China ist in eine Reihe von Verhandlungen eingetreten, die gefährlich sind für die Menschheit und für es selbst, es kämpft um Hegemonie und opfert dafür die Interessen des eigenen Volkes und der anderen Völker. Alles, was es angeblich im Interesse der Völker sagt, ist Demagogie, ein schaler und schlecht getarnter Bluff.





FREITAG, 9. DEZEMBER 1977





CHINA HAT NEOKOLONIALISTISCHE ABSICHTEN

Es ist eine Tatsache, dass China gegenwärtig mit der Theorie von der «dritten Welt» große Anstrengungen unternimmt, zu einer Supermacht, einer neokolonialistischen Grossmacht zu werden. Im Großen und Ganzen sind Chinas Anstrengungen derzeit auf die Entwicklung der Wirtschaft und die Stärkung seines Militärpotentials gerichtet. Bei ihrer Verwirklichung hat es sich nicht von der marxistisch-leninistischen Ideologie beseelen lassen, ist es nicht vom Ziel ausgegangen, hauptsächlich und in erster Linie die sozialistische Wirtschaft zu stärken und den Wohlstand des chinesischen Volkes zu heben.

Die chinesischen Führer haben den Weg der maximalen Ausbeutung des großen, arbeitsamen Volkes ihres Landes eingeschlagen, damit China stark genug wird, sich auf der Welt auszubreiten, neue Märkte zu finden und zu besetzen, die Reichtümer anderer Länder und Völker auszubeuten, um zu einer Supermacht zu werden. Doch wenn das revisionistische China dieses Ziel erreichen will, kann es sich gegenwärtig nicht auf einen Kampf an beiden Flanken, gegen beide Supermächte einlassen, deshalb stützt es sich auf den Weltkapitalismus, vertreten durch den amerikanischen Imperialismus und die anderen reichen kapitalistischen Staaten, gegen den sowjetischen Sozialimperialismus.

Diese Absicht hat in China schon vor sehr langer Zeit bestanden. Ich erinnere mich, dass ich irgendwo in meinem Tagebuch auf dieses Problem eingegangen bin. Damals befand sich die chinesische Führung für eine Weile in Euphorie und hatte sich vorgenommen, an beiden Flanken zu kämpfen, sowohl gegen den amerikanischen Imperialismus als auch gegen den Sowjetimperialismus. Und genau zu der Zeit, als Indonesien aus den Vereinten Nationen austrat, gab Tschou En-lai im Namen des Chinas Mao Tsetungs die Parole aus, China solle zusammen mit Indonesien und einer Reihe anderer asiatischer Staaten eine neue Organisation vereinter Nationen gegen die UNO schaffen, die nach dem II. Weltkrieg gegründet worden war! Das war angeblich die Konsequenz aus der maoistischen Strategie im Kampf gegen die beiden Supermächte, die das Gesetz in den Vereinten Nationen machten, doch Chinas Ziel bei diesem Schritt war, die Staaten, vor allem Asien:, aber auch Afrikas um sich zu sammeln und zusammen mit ihnen einen politischen, ideologischen und militärischen Kampf gegen den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus zu führen.

Die Maoisten versuchten also -schon damals, eine Sammlung um das große China zu bewirken und es so zur Führung einer Reihe von Staaten der «dritten Welt» zu machen, jener «dritten Welt», die Roosevelt und später Chruschtschow schon lange vor Mao Tsetung so getauft hatten. Und dies nicht etwa in ideologischer Absicht, so wie Mao es dann 1974 hindrehte. Roosevelt und Chruschtschow ging es darum, wie diese imperialistischen Großmächte dazu beizutragen hätten, dieser «dritten Welt», einer mit neuen Methoden kolonialisierten Welt, also den in diesen Staaten herrschenden Cliquen, wirtschaftliche Subventionen zu verschaffen, um sie unter ihrem wirtschaftlichen, politischen, aber auch militärischen Joch zu halten. Das geschah, weil sich zu jener Zeit vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika starke Stützpunkte in diesen Ländern geschaffen hatten. Und es waren eben und vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika mit ihrem CIA, die Suharto halfen, in Indonesien innerhalb kurzer Zeit 500 000 Kommunisten und Patrioten zu ermorden, und die bei der Liquidierung des engen Freundes der Chinesen und Aidids, Sukarno, ihre Finger im Spiel hatten.

Schon früh festgesetzt hatten sich bei den chinesischen Führern das Großmachtdenken, die Vorstellung von Chinas Vorherrschaft auf der Welt unter der Maske der «Hilfe» für die kleinen Völker, das Streben, China unter dem Vorwand, es zu einem mächtigen angeblich sozialistischen Staat zu machen, in eine Supermacht zu verwandeln. Die Ursache dafür war ihre kapitalistische, revisionistische Großmachtideologie, keinesfalls aber hatte das etwas mit den marxistisch-leninistischen Ideen von der Verteidigung der unterdrückten und leidenden Völker zu tun, keinesfalls ging man dabei von dem Ziel aus, die Befreiungskämpfe und die Revolution zu fördern.

Der von Tschou En-lai schon zu jener Zeit in aller Öffentlichkeit geäußerte Gedanke an die Schaffung einer neuen Organisation vereinter Nationen, losgelöst und im Gegensatz zur bestehenden, erhält nun, zum jetzigen Zeitpunkt, seine wirkliche Bedeutung als politisch-ideologisches Ziel der Maoisten und macht sichtbar, wie diese pseudo-marxistischen Elemente versuchten und versuchen, die jeweiligen Verhältnisse im Interesse ihrer kapitalistischen und auf Vorherrschaft gerichteten Linie auszunutzen. Er bringt also ihre alten Tendenzen, China zur neokolonialistischen Supermacht zu machen, ans Licht.





SAMSTAG, 10. DEZEMBER 1977



DIE CHINESEN WOLLEN DEN HANDEL MIT UNSEREM LAND AUF EIN MINIMUM DROSSELN

Anstatt eine Handelsdelegation aus Peking nach Albanien zu schicken, bestimmten die Chinesen ihren Handelsattaché hier und zwei oder drei weitere Funktionäre der Botschaft in Tirana zu Mitgliedern der Delegation. Über den Leiter der Delegation haben sie noch nicht entschieden, werden es aber später von Peking aus tun. Mit Sicherheit wird es irgendein niedriger Funktionär sein. Mit anderen Worten, in der Meinung, uns damit wirtschaftlich zu schaden, wollen die Chinesen keinen Handel mit uns treiben, oder genauer gesagt, wollen sie den Handel mit uns auf ein Minimum reduzieren.

Natürlich müssen wir mit dieser Situation fertigwerten, und die Hauptsache dabei ist, dass wir den Handel mit verschiedenen Ländern der Welt intensivieren, Märkte für unsere Waren finden und uns die Möglichkeit schaffen, mit dem Erlös aus ihrem Verkauf die Rohstoffe bzw. die anderen, verarbeiteten Waren zu importieren, die wir brauchen. Dies ist der einzig richtige Weg für uns. Wir wollen nicht, dass der Handel mit China zurückgeht, wir wollen nicht, dass die ideologischen Meinungsverschiedenheiten auch auf die Handelsbeziehungen übergreifen, doch da China es will, sind wir gezwungen, so vorzugehen, wie ich oben gesagt habe.

Durch die Ernennung von Angestellten ihrer Botschaft in Tirana wollen uns die Chinesen nicht nur zu verstehen geben, dass sie keinen Handel zu treiben wünschen, ihr Ziel ist auch, die Verhandlungen über den Warenaustausch zwischen unseren beiden Ländern endlos in die Länge zu ziehen, denn besagte Delegation wird ihren Sitz in der chinesischen Botschaft in Tirana haben, und es wird ihr gar nichts ausmachen, sich in ewigen Diskussionen zu verlieren, Streitpunkte zu schaffen, aufzustehen und die Sitzung zu verlassen, in die Botschaft zu gehen, die Gespräche wiederaufzunehmen, keine Meinung zu äußern und keinen Beschluss zu fassen, ohne zuvor Peking gefragt zu haben. Es ist also die Taktik der Chinesen, die Gespräche in die Länge zu ziehen und dafür zu sorgen, dass in Bezug auf den albanisch-chinesischen Handel so gut wie nichts zustande kommt.

Anders wäre es, käme eine komplette Delegation, egal welchen Ranges, aus Peking, denn ihre Mitglieder könnten nur für begrenzte Zeit zu Verhandlungen in unserem Land bleiben, ihren Aufenthalt bei uns nicht sehr in die Länge ziehen. Und ihr Aufenthalt oder ihre Abreise aus Tirana müsste sich entweder in einem regelrechten Ergebnis oder in völliger Ergebnislosigkeit manifestieren. Würden sie jedoch ohne Ergebnis abreisen, bedeutete das eine Schlappe für sie, deshalb vermeiden sie es. Auch wenn wir nach Peking fahren würden, könnte dasselbe passieren. Falls sie nicht einverstanden wären, würden wir aufstehen und gehen, und das brächte zum Ausdruck, dass sie mit uns keinen Handel treiben wollen. Die Welttöffentlichkeit würde verstehen, dass nicht wir es sind, die mit China keinen Handel treiben wollen.

Alle begreifen, was die chinesischen Revisionisten tun. Wie dem auch sei, wir müssen dieser chinesischen Delegation eine Delegation auf der gleichen Ebene gegenüberstellen, die kühlen Bluts mit ihr über den Handelsaustausch diskutiert, ohne die Ideologie und die Politik in diese Verhandlungen hineinzubringen und ohne zuzulassen, dass sie dies tun. Versuchen wir, ihnen möglichst viel zu verkaufen und zu erreichen, dass sie uns möglichst viel verkaufen, natürlich nur, soweit sie dazu bereit sind, mehr können wir nicht tun. Sie werden durch ihre Haltung nicht erreichen, dass wir uns ihnen beugen. Nein, wir werden einen Ausweg finden, werden wie immer erhobenen Hauptes unsere marxistisch-leninistischen Prinzipien verteidigen, und es werden sie sein, die zuerst eine offen feindliche Haltung uns gegenüber einnehmen, auch in den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen.





MONTAG, 12. DEZEMBER 1977







EINE EMPFEHLUNG AN UNSERE PRESSE IM ZUSAMMENHANG MIT CHINA

Ich habe den Genossen empfohlen, in den Zeitungen «Zëri i popullit» und «Bashkimi» über China zu schreiben, Nachrichten über verschiedene, insbesondere wirtschaftliche Fragen zu bringen. Wir haben ideologische Meinungsverschiedenheiten mit der KP Chinas, sogar tiefe, doch wir haben die staatlichen und freundschaftlichen Beziehungen mit dem chinesischen Volk und dem chinesischen Staat nicht abgebrochen. In dieser Situation müssen unsere Leute richtig verstehen, was es heißt, wenn wir sagen, dass wir die politisch-ideologischen Meinungsverschiedenheiten nicht auch auf die wirtschaftlichen und staatlichen Beziehungen übertragen dürfen.

Wir müssen die Wirtschaftsbeziehungen mit China gemäß den bestehenden Abkommen und Verträgen entwickeln. Die Wirtschaftsbeziehungen hindern uns durchaus nicht daran, die Ansichten unserer Partei zu ideologischen Fragen zu äußern. Wenn wir sagen, wir sollten die Wirtschaftsbeziehungen aufrechterhalten, wenn wir sagen, wir sollten die Beziehungen zu China nicht abbrechen, so ist dies eine Forderung, die Gegenseitigkeit verlangt, das heißt, auch wir dürfen keine «frostige» Lage schaffen, nicht etwa auf ideologischem Gebiet, sondern eben in den wirtschaftlichen Beziehungen. Wenn die Beziehungen auf politischem und ideologischem Gebiet eisig sind, heißt das nicht, dass dies auch bei den Handelsbeziehungen so aussehen muss. Sie können normal und zum gegenseitigen Vorteil sein. Deshalb muss man diese Situation richtig verstehen.

Tatsächlich wäre es für China politisch nicht günstig, die Beziehungen zu uns total abzubrechen. Nach wie vor betreibt China selbst eine große Propaganda gegen die Sowjetunion wegen des Abbruchs der Wirtschaftsbeziehungen mit China, der einseitigen Annullierung der Verträge, der Kündigung der Kredite, des Abzugs der Spezialisten und der Verringerung des Handels. Heute propagiert China, dass die Sowjetunion Ägypten dies, Somalia jenes antat, usw. usf. Wird China, das eine solche Propaganda betreibt, in seinen Handlungen uns gegenüber bis zu dieser Stufe der Feindseligkeit gehen? Vielleicht nicht, nicht etwa, weil seine Führer uns mögen, sondern weil sie ihr eigenes Interesse im Auge haben. Dass sie uns nicht mehr wie Freunde behandeln werden, ist uns klar. Uns ist auch klar, dass sie uns die Kredite und den Bau der Fabriken, Kombinate oder Wasserkraftwerke hinauszögern werden. Genauso ist uns klar, dass uns China nicht mehr all die Waren abnehmen wird, die es früher bei uns gekauft hat, und dass es uns nicht alle Waren liefern wird, die wir wollen. Doch auch wir werden sie jeweils so behandeln wie sie uns.

Wir haben zum Beispiel tiefe, unversöhnliche Widersprüche zu Jugoslawien, doch wir treiben Handel und verhandeln in aller Ruhe mit ihm. So machen wir es auch mit den Griechen. Genauso mit den Italienern. Umso weniger gibt es von unserer Seite aus einen Grund, warum wir mit der Volksrepublik China, von der wir bis jetzt sogar Kredite erhalten haben, keine normalen Wirtschaftsbeziehungen unterhalten und keinen Handel treiben sollten.





SONNTAG, 18. DEZEMBER 1977





DIE ZUSAMMENHANGLOSIGKEIT DER CHINESISCHEN AUSSENPOLITIK

Viele Botschafter kapitalistischer Länder der sogenannten dritten Welt wundern sich über die Zusammenhanglosigkeit der chinesischen Außenpolitik in bezug auf die «drei Welten». Sie verstehen einfach nicht, wie es möglich ist, dass ein großes Land, das sich auch noch als sozialistisch ausgibt, eine so wirre Politik betreibt. Und tatsächlich zeigen die Beziehungen, die China zu den verschiedenen Ländern und Staaten hat, dass seine Außenpolitik nicht nur kein Gegenstand ernsthafter Studien ist, sondern in dieser Hinsicht Sorglosigkeit und Naivität an den Tag gelegt wird und, man kann sagen, eine Zusammenhanglosigkeit, die an Dummheit grenzt.

Es ist eben das China Mao Tsetungs und Tschou En-lais, Yä Ljiän-yings und Huang Huas, des heutigen Außenministers, Deng Hsiao-pings und Hua Guo-fengs das diese Politik begonnen hat und nun fortsetzt.

Wie ich in meinen Aufzeichnungen über China geschrieben habe, zeigen seine früheren Positionen, dass sich die chinesischen Führer ganz abkapselten, keinen Versuch unternahmen, mit den anderen Staaten der Welt Verbindungen zu knüpfen. Diese merkwürdige, sozusagen apolitische Haltung der Selbstisolierung erschien den chinesischen Führern gleichsam als der richtigste Weg. Doch warum war das eigentlich der Fall, was zeigte diese Politik? Diese unkluge Politik entsprang in erster Linie der fehlenden inneren Stabilität in China, auch wenn man den Anschein zu erwecken suchte, es gebe Stabilität. Sie zeigte auch, dass in der chinesischen Führung, in der Kommunistischen Partei Chinas eine Reihe entgegengesetzter Ansichten florierte, was verhinderte, dass eine richtige Linie in der Außenpolitik festgelegt wurde. Es gab zahlreiche unterschiedliche Strömungen, und die eine zog dahin, die andere dorthin. So war Chinas Außenpolitik immer schwammig, zögernd, obwohl China den Eindruck eines Staates machte, der vom Gipfel des Olymp oder, besser gesagt, vom Gipfel des Himalaja auf die anderen :herabblickt.

Später krochen die Chinesen aus ihrem Schneckenhaus und begannen, sich in gewisser Weise über die Kontinente auszubreiten, indem sie diplomatische Beziehungen zu einigen Staaten aufnahmen. Doch diese diplomatischen Beziehungen Chinas hatten regionalen, asiatischen, anti-europäischen, gegen die Staaten Lateinamerikas und die anderen kapitalistischen Staaten gerichteten Charakter. Analysieren wir die Ziele der chinesischen Außenpolitik dieser Periode, so zeigt sich, dass China aus der Phase der Isolierung in eine Phase diplomatischer Beziehungen nach eigenem System überging, um eine asiatische Gruppierung bürgerlich-kapitalistischer Staaten zu schaffen, die gewissermaßen die Hegemonie Chinas akzeptieren konnten. Die chinesische Politik war auf die Schaffung dieses Einflusses (um nicht gleich Hegemonie zu sagen) angelegt, während China allen anderen Ländern der Welt gegenüber keinen Vorstoß unternahm, um diplomatische oder auch wirtschaftliche Beziehungen herzustellen, gar nicht zu reden von kulturellen Beziehungen, die es immer vernachlässigt hat. Selbst jetzt unterhält es noch immer keine kulturellen Beziehungen.

Die Herstellung diplomatischer Beziehungen zu den anderen Ländern der Welt verbaute China mit der Taiwanfrage, die es wie einen großen Felsen in den Weg rollte. Es erklärte, wenn irgendein Staat Verbindungen mit dem sozialistischen China herzustellen wünsche, müsse er automatisch die Beziehungen zu Taiwan abbrechen. Dies war sozusagen der Prüfstein bei Chinas Beziehungen zum Ausland. Die kapitalistische Welt allerdings untersuchte die Situation und durchschaute Chinas Absichten. Sie war einerseits an der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu China interessiert, weil es für sie einen großen Markt darstellte, den sie brauchte, konnte aber auf der anderen Seite auch nicht Taiwan opfern.

So setzte China seine Politik der Selbstisolierung und der Herstellung einiger regionaler Beziehungen in Asien sehr lange Zeit fort. Dann kam der Augenblick, da die chinesischen Führer zur Ansicht gelangten, so könne es nicht mehr weitergehen und man müsse eine Formel finden, um den Felsen Taiwan aus dem Weg zu räumen, auf den sie ihn gewälzt hatten. Sie fanden diese Formel, wandten sie an und begannen, mit vielen Staaten diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Diese Beziehungen brachten natürlich noch nicht die Aufnahme Chinas in die Vereinten Nationen mit sich, trotz all unserer Anstrengungen, trotz des Kampfes, den wir in dieser Organisation zusammen mit den anderen Freunden Chinas, die sein Bestes wollten, führten.

Bei den Abstimmungen über Chinas Aufnahme in die Vereinten Nationen wurden von Jahr zu Jahr Veränderungen sichtbar. Die Stimmen für China nahmen zu, wenn seine Außenpolitik vernünftiger wurde, das heißt, wenn es Bereitschaft zeigte, mit Staaten verschiedener Regionen der Welt diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Dennoch stieß die Aufnahme Chinas in die UNO, trotz unserer Anstrengungen, auf den «harten» Widerstand der Vereinigten Staaten von Amerika und all jener Staaten, die durch große Interessen an sie gebunden waren und nicht gegen sie auftreten konnten. Viele Staaten waren also mit den Vereinigten Staaten von Amerika verbunden und von ihnen abhängig und akzeptierten die Bedingungen der Chinesen für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen nicht, so dass China die ganze Zeit außerhalb der UNO blieb.

Doch es kam wieder ein neuer Augenblick in der chinesischen Außenpolitik: die Chinesen änderten ihre Strategie, gingen von der Strategie des Kampfes gegen den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus zur Strategie des Bündnisses mit den Vereinigten Staaten von Amerika gegen die Sowjetunion über. Da begann das Eis auch zwischen China und den Vereinigten Staaten von Amerika zu schmelzen, und zu guter Letzt wurde China in die Organisation der Vereinten Nationen aufgenommen.

Die Positionen, die China nach seiner Aufnahme in die UNO einnahm und die es 12 oder 15 Jahre lang in unzähligen Gesprächen mit dem amerikanischen Botschafter in Warschau vorbereitet hatte, verhalfen der neuen Strategie Mao Tsetungs und Tschou En-lais in den Geheimverhandlungen zwischen den beiden Botschaftern in Warschau und später auch zwischen Kissinger und Mao sowie Tschou En-lai zum Triumph. China schlug einen Kurs der Freundschaft mit allen kapitalistischen Ländern der Welt ein und entfaltete den Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. China entwickelte die wahnsinnige, anti-marxistische, reaktionäre Strategie, mit dem amerikanischen Imperialismus und allen anderen bürgerlich-kapitalistischen Staaten der Welt zur Verständigung zu gelangen und Übereinstimmung zu erzielen, um so eine gemeinsame Front gegen den sowjetischen Sozialimperialismus zu schaffen.

Mao Tsetung verlangte als Bedingung für Chinas Bündnis mit den Vereinigten Staaten, dass diese ihm die Hilfe gaben, die ihm die Sowjetunion verweigerte. Mao Tsetungs «Weisheit» legte es darauf an, dem amerikanischen Imperialismus vorzugaukeln, China werde zu einer festen Barrikade gegen den sowjetischen Sozialimperialismus und dann, stark geworden, auch die Gebiete Sibiriens okkupieren, unter dem Vorwand, sie seien China von den russischen Zaren geraubt worden. Diese «geniale» Idee gab Mao aus, als er Grenzansprüche an die Sowjetunion anmeldete. Dies war Chinas erstes Unterpfand für die Vereinigten Staaten von Amerika, was seine Bereitschaft anbelangte, den Hauptgegner der amerikanischen Imperialisten im Ringen um Vorherrschaft auf der Welt durch Kampf und Scharmützel zu schwächen.

Chinas Politik in seinen Beziehungen zu den anderen Ländern drehte sich also um die Achse China-Vereinigte Staaten von Amerika. Vergessen war Taiwan, vergessen waren Hongkong und Macao, vergessen war auch Vietnam, das sich im Kampf befand. Und gerade, als Vietnam brutal bombardiert wurde, fanden auch die abschließenden Gespräche zwischen Mao und Tschou En-lai auf der einen und Kissinger und Nixon auf der anderen Seite statt. Mao schlug also diesen anti-marxistischen, pro-imperialistischen Weg ein, als Vietnam gerade unter den Bomben von Nixons B-52-Flugzeugen verbrannte, eben des Nixon, der nach Peking reiste, dort von Mao Tsetung und Tschou En-lai begrüßt wurde und mit ihnen vertraute Gespräche führte.

Genau zu dieser Zeit gaben auch die Vereinigten Staaten von Amerika grünes Licht, und alle Freunde der Amerikaner begannen der Reihe nach diplomatische Beziehungen zum «sozialistischen» China Mao Tsetungs aufzunehmen. Dennoch, diese Ausrichtung, diese Strategie Maos musste noch feste Formen erhalten, damit China festlegen konnte, worin diese diplomatischen Beziehungen, die nun aufgenommen wurden, bestanden und welche Richtung sie nehmen sollten.

Damit will ich sagen, dass wir zu Beginn dieser Periode erneut keine sichtbare, überlegte politische Aktivität von seiten Chinas feststellen können. Es war sogar so, dass wir in den Gesprächen mit den Chinesen oft darauf beharrt, unsere Meinung geäußert haben, das sozialistische China müsse diplomatische Beziehungen mit den anderen Ländern der Welt unterhalten, weil es unbedingt nötig sei, dass der Einfluss des sozialistischen China in allen Kontinenten zum Tragen komme und sich dies zu Gunsten der nationalen Befreiungskämpfe der Völker, zugunsten der proletarischen Revolution auswirkt. China und die Kommunistische Partei Chinas schenkten unseren Anregungen und Ansichten zu diesem wichtigen Problem jedoch keinerlei Gehör. Sie behandelten sie von oben herab.

Konkret: China begab sich ins antisozialistische Fahrwasser, und dadurch wurden seine Ideologie, seine Strategie und seine Taktiken noch klarer festgelegt: Freundschaft und Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika, von denen China in Bezug auf Technologie, Wirtschaft und Rüstung profitieren will. China ist ebenfalls für die Freundschaft und das Bündnis mit allen anderen entwickelten kapitalistischen Ländern, von denen es Kredite für neue Technologie und Waffen erhalten wird. Hinsichtlich der anderen Länder, bei denen weder Kredite noch Technologie zu holen waren, musste China mit seiner angeblich sozialistischen, wohlmeinenden, beschützenden Politik Einfluss auf sie gewinnen und so, mit der Freundschaft China-Amerika als Achse, allmählich günstiges Terrain für eine Zunahme seiner künftigen Hegemonie schaffen. Von dieser Strategie ging Mao Tsetung aus, als er die «geniale Analyse» von der «Dreiteilung» der Welt auftischte.

Zu dieser Zeit fanden in China als Ergebnis von Maos Strategie große Veränderungen statt. Dort kamen Elemente an die Macht wie Chinas «Chruschtschow Nr. 2», Deng Hsiao-ping, ein Hauptvertreter der reaktionären Gruppe Liu Schao-tschis. Tschou En-lai bekam Auftrieb, diese Strategie mit Zielrichtung auf die Vereinigten Staaten von Amerika und das Weltkapital gehörig zu entwickeln und liquidierte zusammen mit Mao die Proletarische Kulturrevolution. In Wirklichkeit besaß diese Revolution keine klare, revolutionäre, proletarische Orientierung. Sie hatte nur einen Zweck: Mao Tsetung wollte Liu Schao-tschi die Macht entreißen, seine Macht liquidieren und die Ergebnisse erzielen, die er dann ja auch erzielte.

Ich bin der Ansicht, dass Liu Schao-tschi weiter rechts war als Mao Tsetung, dass er der Fürsprecher der Kompradorenbourgeoisie war, während Mao die nationale Bourgeoisie unterstützte. Mao bekämpfte die nationale Bourgeoisie nicht, im Gegenteil, er beschützte sie. Die Elemente dieser Bourgeoisie strichen sowohl in den Fabriken als auch in den Kommunen Gewinne ein. Sie waren dazu bestimmt, der Hauptrückhalt der gegenwärtigen Politik Hua Guofengs und Deng Hsiao-pings zu sein - und sind es tatsächlich -, die ein Ausfluss des Herzstücks der pro-amerikanischen Politik von Mao Tsetung und Tschou En-lai ist.

Tschou starb, und nach ihm starb auch Mao, und beide hinterließen China als Erbe ein großes Durcheinander. Wer würde die Macht übernehmen? Die «Vier»?! Hua Guo-feng mit der Staatssicherheit, Deng Hsiao-ping, Yä Djiän-ying und viele, viele andere Renegaten mit ihren Anhängern traten in Aktion, und es kam, wie wir wissen, zu dem Staatsstreich. Wie gewöhnlich fand ein Militärputsch statt, doch diesmal unter Führung Hua Guo-fengs, die «Vier» wurden verhaftet und beseitigt, und der zweimal als Antimarxist, Revisionist und Konterrevolutionär gestürzte Deng Hsiao-ping kam wieder an die Macht. Doch Hua Guo-feng und zusammen mit ihm Yä Djiän-ying und Deng Hsiao-ping übernahmen als Erbe ein ideologisch, politisch verwirrtes, aber auch wirtschaftlich angeschlagenes China. Dies verursachte eine große politische Konfusion und eine gleichfalls große Desorganisierung, die der Produktion schadete und für China innerhalb wie außerhalb des Landes eine schwierige Situation heraufbeschwor. Infolgedessen wird China noch Jahre brauchen, um sich auf dem Weg, den zu gehen es beschlossen hat, zu erholen - nicht dem sozialistischen Weg, denn Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping haben auch jenen «sozialistischen» Weg verbaut, den, wie man meinte, China zur Zeit Mao Tsetungs beschritt.

Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping haben offiziell erklärt, die Kulturrevolution in China sei beendet. Das heißt, sie ergiffen die Macht und beschlossen, dass es dort keine proletarische Revolution und auch keine Proletarische Kulturrevolution mehr geben solle. Im heutigen China, wo man weiter das Schlagwort verbreitet, es würden «hundert Blumen blühen» und «hundert Schulen miteinander wetteifern», wird also in Wirklichkeit keine einzige davon blühen, vielmehr wird die Diktatur der brutalen faschistischen Bourgeoisie errichtet werden. Gerade jetzt sprechen Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping mittels aller Presse- und Propagandaorgane davon, man müsse «überall die Disziplin herstellen», sprich: jeden Widerstand gegen diese faschistische Diktatur blutig ersticken. Die Clique, die in China an die Macht gekommen ist, will also die «Einheit» mit Gewalt herstellen. Das gilt für den inneren Bereich, während diese Clique auf internationaler Ebene, also in der Außenpolitik, weiter am Schlagwort von den «drei Welten» festhält. Doch in den «drei Welten» gibt es weder innerhalb einzelner Länder noch zwischen ihnen Einheit. Hierin liegt der Trugschluss dieser absurden Theorie, mit deren Hilfe China seine Hegemonie errichten und zu einer Supermacht auf der Welt werden will. Unter den Staaten, die diese «drei» verschiedenen «Welten» bilden, herrscht keine Einheit, und das bedeutet, dass es bei ihnen ständige Diversität und ewige Dualität gibt, da große Widersprüche zwischen ihnen bestehen. In diesen Staaten herrscht das Gesetz des Dschungels. Gerade in diesen sogenannten drei Welten «blühen hundert Blumen und wetteifern hundert Schulen miteinander», daher ist es für Hua Guofengs China nicht gar so leicht, diese «drei Welten» zu vereinheitlichen und so seine Macht zu etablieren, wie dies innerhalb des Landes gerade mit der Errichtung der bürgerlichen Diktatur geschieht.

Diese Situation hatten weder Mao noch Hua Guo-feng, noch Deng Hsiao-ping vorausgesehen. Sie hatten gemeint, sie würden sich bei den Völkern, den Staaten, der Welt mit dieser ideologischen und politichen Theorie durchsetzen. Doch konnte diese Theorie z u ihrem Pech keinen Erfolg haben.

Wer die Einheit mit der Hälfte der «ersten Welt» oder die Einheit in der «zweiten Welt» oder in der «dritten Welt» unter der Leitung der Chinesen predigt, entsprechend ihrer Parole, alle diese „Welten“ seien angeblich vom sowjetischen Sozialimperialismus bedroht, der nimmt einen kurzsichtigen Standpunkt ein. Weder trägt er der internationalen Lage und den Widersprüchen Rechnung, die den Kapitalismus zerfressen, noch berücksichtigt er, dass wir uns in der Phase der Fäulnis des Imperialismus, in der Phase der proletarischen Revolutionen befinden.

Diese kurzsichtige, reaktionäre Politik hat China in eine Sackgasse gebracht. Deshalb wird sich die chinesische Politik auch weiterhin in einem Zustand ständigen Schwankens befinden, und, noch schlimmer, das Kennzeichen dieses Schwankens werden immer wieder schwere Niederlagen sein, weil die Politik jeder dieser „drei Welten», die China seinem «außerordentlich klugen» Standpunkt entsprechend zu manipulieren sucht, nicht zur Vereinheitlichung tendiert, sondern zur Vorherrschaft und zur Spaltung. Dies steht im Gegensatz zu den Absichten Chinas, das versucht, die «Schafe» unter seinem Hirtenstab zu vereinigen, doch die «Schafe» sìnd gar keine Schafe, sondern Wölfe, und der Wolf kennt seinesgleichen. Die Bestie lebt im Wald, und der Wald ist ein Dschungel.

Welche Haltung zu den amerikanischen Machenschaften im Nahen Osten muss China entsprechend dieser seiner internationalen Politik einnehmen? Chinas Ziel ist, in diesem Raum der Welt den Status quo zu wahren, Ägypten zu seinem gehorsamen Partner zu machen; ebenso ist ihm an der Anerkennung und Achtung der anderen arabischen Länder gelegen. Zugleich zielt dieses Manöver darauf ab, die Spaltung unter den arabischen Völkern aufrechtzuerhalten. Natürlich, auf dem Weg, den es beschritten hat, muss sich China auf die Seite der Amerikaner schlagen und tut es tatsächlich auch, das heisst, es unterstützt die proamerikanischen arabischen Führer, es unterstützt auch Israel, ist also für einen Frieden á la Amerika, bei dem nicht die Freiheit und die Unabhängigkeit der arabischen Völker, sondern die Gier der israelischen Faschisten und der ägyptischen, saudiarabischen und anderen Reichen den Sieg davon trägt.

Es zeigt sich klar, dass diese Position der Chinesen anti-marxistisch ist. China ist gezwungen, diese Position einzunehmen und allen arabischen Völkern vorzuspiegeln, es habe sie verteidigt und verteidige sie weiter. In Wirklichkeit jedoch verteidigt es keines dieser Völker, verteidigt es nicht ihr Streben nach nationaler Befreiung, sondern unterstützt den Kapitalismus und den Imperialismus.

Diese Haltung Chinas haben sämtliche Länder der sogenannten dritten Welt schon früher festgestellt, doch besonders jetzt haben sie große Zweifel an China, daher gefällt ihnen die chinesische Politik nicht und sie bekämpfen sie. Noch nicht einmal jene Staaten aus dieser «dritten Welt», die sich pro-chinesisch gebärden, vertrauen auf China, auch wenn ihre Führer schon einmal nach China gefahren sind, wie zum Beispiel Mobutu von Zaire. Das liegt daran, dass sie wissen, dass China keinerlei Einfluss hat und für ihre Geschicke keine Rolle spielt. Mag es deshalb die Trommel für sie rühren, soviel es will. Die Geschicke der kapitalistischen Cliquen, die in diesen Ländern herrschen, liegen in der Hand des amerikanischen Imperialismus, oder wie derzeit zum Beispiel das Schicksal Äthiopiens, Angolas oder sonst noch irgendeines Landes, in der Hand des sowjetischen Sozialimperialismus.

Deshalb stiess die chinesische Außenpolitik der «drei Welten», der Vereinigung aller Länder in einem Block gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, nicht nur auf Hindernisse, sondern erlitt auch Misserfolge. Diese Misserfolge werden einer nach dem andern kommen, je nach den wechselnden Verhältnissen unter den Staaten der verschiedenen «Welten», wie die Chinesen sie nennen, und zwar wegen der großen Widersprüche, die unter ihnen bestehen. Unter diesen Verhältnissen weiß China weder aus noch ein. Was China heute sagt, bewahrheitet sich morgen nicht und verwandelt sich in das Gegenteil dessen, was es vordem gedacht und geäußert hat. Unter diesen Verhältnissen wird es China nicht gelingen, ein gewisses Gleichgewicht in seiner Außenpolitik zu wahren. Es wird das Gleichgewicht weder so wahren können, wie die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion, mit denen China stillschweigend in Konkurrenz treten will, um ebenfalls seine Vorherrschaft auf der Welt zu errichten, noch wie die anderen kapitalistischen Länder, die große außenpolitische Erfahrung haben und es verstehen, zu manövrieren, Bündnisse zu schließen und zu lösen und bewaffnet, durch Subversion und auf tausenderlei andere Weise zu intervenieren.

So wird China schließlich sagen: «Soll passieren, was will, ich habe mich entschieden, es vorläufig mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu halten und von ihnen und den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern industrielle, landwirtschaftliche und militärische Technologie zu beziehen, also meine Wirtschaft und meinen Zustand zu ordnen und stets im Gegensatz zu jener Supermacht zu stehen, die sich meiner Politik und der Politik meines großen Freundes, der Vereinigten Staaten von Amerika, entgegenstellt.» Dies ist der anti-marxistische Kurs, den China in seiner Außenpolitik verfolgen wird.

Gegenwärtig ist festzustellen, dass angesichts der Niederlagen der chinesischen Politik auf internationaler Ebene von der revisionistischen chinesischen Führung mit Hua Guo-feng an der Spitze nichts zu merken ist, dass sie sich nicht äußert, keine Stellung zu den wichtigen Ereignissen bezieht, die auf der Welt stattfinden. Und warum bezieht es keine Stellung? Weil es sieht, dass jeder Schritt, den es tut, eine neue Niederlage bedeutet. Deshalb schweigt es oder äußert gedämpft die eine oder andere unsinnige Meinung, die niemand täuschen kann und eigentlich nur durch ihren Antisowjetismus, nichts sonst auffällt. Doch auch seinen Antisowjetismus hat es in gewisser Weise zurückgeschraubt, denn bei seiner ungemein schwankenden Politik wird es im Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus nicht bis zum Äußersten gehen, sondern sich ein Hintertürchen offen halten, um leichter manövrieren zu können, falls es mit seinem Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus Schiffbruch erleidet. Das ist natürlich. Wenn China fortfährt, eine solch situationsabhängige, anti-marxistische, kapitalistische Politik zu betreiben, muss es ebenfalls zum politischen Jongleur werden, sonst wird es sich auf diesem Weg nicht halten können, da die anderen es nicht ungeschoren lassen werden. Ungeschoren bleiben, triumphieren, erhobenen Hauptes dastehen könnte es nur, wenn es den Sozialismus verteidigte, wenn es sich von der marxistisch-leninistischen Theorie leiten ließe, doch damit ist es bei ihm aus und vorbei. China ist im Sumpf gelandet, und seine anti-marxistische Politik wird es noch tiefer darin versinken lassen. Nur eine wirklich proletarische Revolution kann China aus diesem Abgrund, aus dieser Tragödie retten.





DIENSTAG, 20. DEZEMBER 1977





AMERIKANISCHE KOMMENTARE ÜBER CHINA

Der Sender, der sich «Stimme Amerikas» nennt, hat inzwischen begonnen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, von der Freundschaft zwischen den USA und dem China Hua Guo-fengs und Deng Hsiao-pings zu sprechen.

In einer ihrer Sendungen brachte die «Stimme Amerikas» ein Interview mit Senator Mansfield, der jetzt Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Japan ist. Er ist eine bekannte amerikanische Persönlichkeit, und wenn ich mich nicht irre, war er Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses des amerikanischen Senats. Mansfield erklärte, die gegenwärtige Haltung dei Volksrepublik China sei ermutigend für die westliche Welt. Ganz unverblümt sagt er, der Sturz der «Viererbande» bedeute den Machtantritt Deng Hsiao-pings als stellvertretender Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas, was er als sehr gute Sache für die USA und die ganze westliche Welt wertet.

Mansfield erklärte, Deng Hsiao-ping sei der Erbe Tschou Enl-ais und sein Testamentsvollstrecker. Deng, so versichert er, werde akkurat Tschous Vorstellungen von der Modernisierung Chinas bis zum Jahr 2000 ausführen. Mansfield, ein guter Kenner Chinas, meint, dieses werde es wohl kaum schaffen, sich bis zum Jahr 2000 zu modernisieren. Nun, wie dem auch sei, die Vereinigten Staaten von Amerika werden ihm Technologie und andere Mittel zur Verfügung stellen, damit es dieses Ziel erreichen kann. So werden, laut Mansfield, zahlreiche Delegationen verschiedener Art zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China ausgetauscht werden, um diese guten, freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu aktivieren und zu festigen. Mansfield unterstrich außerdem, China brauche Devisen, anders ausgedrückt, China brauche Kredite, «und die», setzte er hinzu, «müssen wir ihm geben».

Mansfield ist ganz sicher, dass sich China nicht der Sowjetunion annähern wird, habe es doch einen Weg entschlossener Gegnerschaft zu ihr eingeschlagen. Dieser amerikanische Experte weist die Stimmen zurück, die von einer Annäherung zwischen den Chinesen und den Sowjets reden und kommt zum Schluss, augenblicklich sei es um die amerikanischen Beziehungen mit China gut bestellt, nur: «Wir müssen später», so gibt er zu bedenken, «auf die Möglichkeit einer Annäherung Chinas an die Sowjetunion achten.»

Der Erklärung dieser einflussreichen amerikanischen Persönlichkeit, die nicht zufällig als Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika nach Japan gegangen ist, lässt sich entnehmen. dass Deng Hsiao-ping die Persönlichkeit ist, welche die sicherste Gewähr für die Vorbereitung und Festigung der chinesisch-amerikanischen Allianz bietet. Das stand für uns außer Frage, doch genauso steht für uns außer Frage, dass Deng Hsiao-ping ein Abenteurer ist, der, sollte er mit seiner Gruppe die Macht vollständig in die Hand bekommen, sollten sie den Einfluss der Gegner, die ebenfalls Abenteurer sind, völlig liquidieren können, Chinas Annäherung an die Vereinigten Staaten von Amerika noch mehr beschleunigen mag, vielleicht für eine gewisse Zeit den Status quo wahrt, aber sich, wenn er es für notwendig erachtet, auch an die Sowjetunion heranmachen könnte. Das wird natürlich dann geschehen, wenn sich China tief in die wirtschaftlichen, politischen und militärischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern verstrickt hat, oder wenn es sieht, dass diese ihm nicht geben, was es verlangt. Dann wird China auf beiden Hochzeiten tanzen, das heißt, es wird sich auch der Sowjetunion annähern.





DONNERSTAG, 22. DEZEMBER 1977





DER ENTARTUNGSPROZESS IN CHINA GEHT WEITER

Was wir in Bezug auf die staatlichen Beziehungen Chinas zum jugoslawischen Staat und die Beziehungen der Kommunistischen Partei Chinas zum Bund der Kommunisten Jugoslawiens vorausgesehen haben, bestätigt und verwirklicht sich nun.

Nach Titos Besuch in Peking, nach seinem so spektakulären, prunkvollen und liebevollen Empfang durch Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping und die anderen chinesischen Führer, werden wir nun Zeuge, wie die in den chinesischen Palästen heimlich getroffenen Vereinbarungen in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Die Freundschaft zwischen den chinesischen und den jugoslawischen Revisionisten wird immer dicker, und das nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Dutzende und aber Dutzende von Parteidelegationen, Gewerkschafts-, Frauen-, Wirtschafts- und insbesondere Organisationsdelegationen reisen von China nach Jugoslawien, um sich die jugoslawische Erfahrung in all diesen Bereichen anzueignen. Diese Kontakte, diese Verbindungen, dieser Austausch oder, besser gesagt, diese Übernahme der revisionistischen jugoslawischen Erfahrung durch die Chinesen, erfolgt nicht mehr in der Stille und geheimnisumwittert, verstohlen, sondern im hellen Tageslicht.

Man spricht und schreibt in der Presse darüber, wohin diese Delegationen gehen und mit wem sie Kontakt aufnehmen, was sie wollen und was sie sehen. So erfahren wir denn im Allgemeinen, dass sich diese Delegationen die Erfahrung der jugoslawischen «Selbstverwaìtung» zunutze machen wollen. Mit dieser kapitalistischen Form der Verwaltung haben die Chinesen schon vor langem begonnen, doch jetzt geht es ihnen darum, sie zu perfektionieren, und sie meinen, sie könnten diese Methode der kapitalistischen Ausbeutung der Werktätigen nur dann besser herausbilden, wenn sie die jugoslawische Erfahrung übernehmen. Die chinesischen Revisionisten beschränken sich bei der Übernahme der Erfahrung in der «Selbstverwaltung» der Wirtschaft nicht nur auf das Gebiet der Industrie und auf die jugoslawischen Großunternehmen, die mit ausländischer - amerikanischer, westdeutscher u.a. - Technologie aufgebaut wurden und im Mitbesitz der großen ausländischen kapitalistischen Gesellschaften sind, sondern gehen nach Jugoslawien auch, um sich an den jugoslawischen Staatsfarmen ein Beispiel zu nehmen, die nach dem Modell der kapitalistischen Agrarwirtschaften organisiert sind.

Titos Reise nach Peking erfolgte also nicht zum bloßen Vergnügen oder um China in seinem revisionistischen Kurs zu bestärken, oder um Tamtam zu machen und so den Ruf dieses verräterischen Revisionisten und gebrandmarkten Renegaten aufzubessern. Die Chinesen, die bei den Amerikanern und den anderen entwickelten kapitalistischen Ländern Kredite für den Ankauf moderner Technologie sowohl für die Industrie, als auch für die Landwirtschaft aufnehmen werden und schon aufnehmen, müssen unbedingt eine Staats- und Wirtschaftsorganisation schaffen, die der Erteilung dieser Hilfen durch die Amerikaner, Westdeutschland oder Japan angepasst ist und diesen im Hinblick auf ihre Investitionen in China Sicherheit gibt.

Die imperialistischen und kapitalistischen Länder haben gesehen, dass die Erfahrung, die sie Tito vermittelt haben, in dieser Richtung Früchte getragen hat, so dass sie meinen, die jugoslawische revisionistische Erfahrung müsse mit einigen chinesischen Besonderheiten übernommen werden. Deshalb ergießt sich ein ununterbrochener Strom von Delegationen aus China nach Jugoslawien. Man muss wissen, dass die Jugoslawen Spezialisten sind, wo es darum geht zu manövrieren, die Dinge hinzudrehen, dass sie Psychologen sind und es verstehen werden, die Chinesen so richtig aufs Kreuz zu legen, sowohl die, die dorthin kommen, als auch die chinesische Führung, die sie auf dem kapitalistischen Weg, den sie gewählt hat und nun mit großer Entschlossenheit verfolgt, ordentlich zurechttrimmen werden.

Es dürfte nicht bei dieser Annäherung an Jugoslawien bleiben.

Der Plan des amerikanischen Imperialismus ist weitgesteckt. Wir sehen ebenfalls, wie China versucht, nach Ungarn, nach Polen, möglicherweise auch in die anderen revisionistischen Länder, die unter sowjetischer Führung stehen, einzudringen. Es meint, sich so in sie integrieren oder sie von der Sowjetunion lösen zu können. Dies ist eine alte Politik des amerikanischen und englischen Imperialismus sowie der bürgerlich «demokratischen» Staaten, wobei Tito in der Maske des angeblichen spezifischen Sozialismus der Voraustrupp bei ihren Seiltänzereien ist. Nun werden diesen Karren des «spezifischen Sozialismus» zwei Paar Pferde ziehen - Tito mit Kardelj und Deng Hsiao-ping mit Hua Guo-feng.

Darüber hinaus wird die Kommunistische Partei Chinas in der Ideologie entschlossen den Kurs des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens verfolgen, das heißt: Bündnis mit allen übrigen Revisionistenparteien des Westens oder der anderen Kontinente der Welt. China selbst ist peinlich darauf bedacht, denn es wird, um sein strategisches Ziel zu erreichen, versuchen, die pseudo-kommunistische Maskerade beizubehalten, und es wird diese pseudo-kommunistische Maskerade mit den Maskeraden der anderen Parteien verbinden, die den Marxismus-Leninismus verraten haben und große Anstrengungen unternehmen, in den kapitalistischen Clan einzusickern, um mit dem einheimischen und dem internationalen Kapital auf Kosten des Proletariats der kapi