Auch Tito versucht, seine eigene Hegemonie zu errichten. Eigentlich war in den Plänen des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens schon immer das Ziel enthalten, auf seine Weise und in seinen Formen die gesamte kommunistische Weltbewegung zu beeinflussen. Wenn wir hier «kommunistisch» sagen, hat man darunter anti-kommunistisch zu verstehen, denn was Tito wünscht, ist alles andere als eine kommunistische Bewegung.

Diese ganze Stagnation, dieses ganze Durcheinander wird geschaffen, um das Dasein des Kapitals zu verlängern und die Ideen von Marx, Engels, Lenin und Stalin zu bekämpfen. Anders ausgedrückt, die Revisionisten versuchen auf verschiedene Art die kommunistischen Parteien, das Weltproletariat und das Proletariat jedes Landes von den Ideen des Marxismus-Leninismus, von der wahren Wissenschaft der Revolution, der Diktatur des Proletariats und des Klassenkampfes, die zum Sozialismus führen, abzubringen. Sie versuchen außerdem, einige pseudo-marxistische, pseudo-sozialistische und pseudo-demokratische Anschauungen in die Welt zu setzen, die angeblich auf die Periode zugeschnitten sind, die die Menschheit gegenwärtig durchläuft. All diese Antimarxisten behaupten, die Erscheinungen der gegenwärtigen Periode hätten keine Ähnlichkeit mit den Erscheinungen der Periode, in der Marx, Engels und Lenin gelebt und geschrieben haben. Und angeblich bestätigen sich deren Voraussagen, die von ihnen enthüllten Gesetze der Revolution und der Gesellschaft heute in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft nicht. Das ist überhaupt der Kern der anti-marxistischen Theorie. Also können aufbauend auf dieser pseudo-marxistischen Theorie hundertundein Theorien entwickelt werden, von denen jede einzelne den Kampf gegen die proletarische Revolution zum Ziel hat, zugleich aber als proletarische Ideologie hingestellt wird.

Das ist das Ziel all dieser anti-marxistischen Gruppierungen, die sich selbst kommunistisch nennen, vom Titoismus, dem Chruschtschowrevisionismus über den «Eurokommunismus» bis hin zum chinesischen Revisionismus. Auch für den asiatischen Kommunismus» wird sich in Entsprechung zum «Eurokommunismus» ein Name finden lassen. Doch die Chinesen begnügen sich nicht damit, einen Namen zu finden, der auf den asiatischen «Kommunismus» passt. Sie wollen für die Führung des Marxismus-Leninismus auf der Welt gehalten werden. Doch diese Maske ist ihnen schon abgerissen worden und wird auf jeden Fall noch mehr zerfetzt werden, obwohl sie, wie auch die Sowjets, möglichst weit und möglichst lange die «marxistische» Maske zu wahren versuchen werden.





DONNERSTAG, 1. SEPTEMBER 1977





IN DEN KARDINALFRAGEN DES MARXISMUS-LENINISMUS SIND DIE CHINESISCHEN FÜHRER AUSGEMACHTE REVISIONISTEN

Der chinesische Standpunkt, der Europäische Gemeinsame Markt und das «Vereinte Europa» seien zu verteidigen, ist ganz klar revisionistisch, denn der Europäische Gemeinsame Markt ist nichts anderes als eine Form des Exports öffentlichen (nicht mehr privaten) Kapitals im Rahmen des Neokolonialismus, und kennzeichnend für diese Organisation ist der Ausbau der verschiedenen imperialistischen Integrationen. Der chinesischen Theorie zufolge ist das staatsmonopolistische Kapital eine Transformation innerhalb des höchsten Stadiums des Imperialismus, die dem Staat die Möglichkeit gibt, die kapitalistischen Privatmonopole bzw. die privaten Truste und Konzerne bis zu einem gewissen Grad zu kontrollieren. Die Chinesen stützen diese Theorie darauf, dass der kapitalistische Staat die Privatproduktion finanziert, indem er ihr Subventionen und zinsgünstige Anleihen zukommen lässt und außerdem die Unternehmen des öffentlichen Konsums und der öffentlichen Dienstleistungen finanziert. Darunter fallen zum Beispiel die parasitären Aufwendungen für Armee und Polizei, soziale Ausgaben, etwa für Sozialversicherung, Wohnungsbau und so weiter und so fort. Da der kapitalistische Staat also mehr oder weniger eine öffentliche Planung vornimmt, glauben die Revisionisten, sie könnten, indem sie diese Theorie des staatsmonopolistischen Kapitals unterstützen, indem sie in den kapitalistischen Staat eindringen, die kapitalistische Wirtschaft beeinflussen und beherrschen - ohne Kriege, ohne Gewalt, durch parlamentarische Reformen.

Bekanntlich ist die revisionistische Theorie vom staatsmonopolistischen Kapital keinesfalls eine Weiterführung der Theorie des Marxismus-Leninismus, im Gegenteil, sie stellt eine Abweichung von der marxistisch-leninistischen Theorie dar. Lenin hat diese Frage nur beiläufig berührt, in der Zeit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, im Jahr 1917; Stalin hat sie überhaupt nicht erwähnt. Die revisionistische Theorie über das staatsmonopolistische Kapital wurde insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt.

Die Revisionisten vermochten nie, ihre Theorie über das staatsmonopolistische Kapital zu realisieren. Sie gehen nicht über eine Aufzählung der dem Staat in einem bestimmten Stadium der ökonomischen Entwicklung zur Verfügung stehenden neuen Mittel des Eingreifens hinaus, die die ökonomische Waffe eines neuen Typs von Kapitalismus darstellen. Sie sagen, diese Waffe könne den demokratischen und revolutionären Kräften die Möglichkeit geben, diesen Markt des staatsmonopolistischen Kapitals gegen die Monopole zu kehren, indem sie gerade den Staat unter ihre Kontrolle bringen. Doch das ist nur ein Traum.

Also dringen die Chinesen wie alle anderen Revisionisten, insbesondere die westlichen, die aufs eifrigste die Ansicht unterstützen, das «Vereinte Europa» habe eine starke Einheit zu sein und der Europäische Gemeinsame Markt müsse gestärkt werden, nicht tief in dieses Problem ein, um es zu erläutern, denn sie haben keine Argumente, sind theoretisch dazu nicht in der Lage. Deshalb haben sie auf eine theoretische Erklärung dieses Problems verzichtet. Die einzige Definition ihres Ziels haben sie in der Erläuterung gegeben, dieser Zusammenschluss in einem «Vereinten Europa» und eine Festigung des Gemeinsamen Marktes würden dem drohenden Angriff des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus widerstehen. Damit bedeuten sie den Proletariern, sie sollten die Widersprüche, die zwischen ihnen und dem Kapital bestehen, vergessen, sie sollten zulassen, dass der kapitalistische Staat den Monopolen und den Privatinteressen des Kapitals zu Hilfe kommt, sie sollten sich nicht erheben, sie sollten keine theoretischen, praktischen und revolutionären Schlüsse aus den ständigen schweren Krisen des Monopolkapitals ziehen. Sie sagen ihnen, sie sollten keine Maßnahmen treffen, um die Arbeitslosigkeit, den Hunger, die gesellschaftliche Unterdrückung durch das internationale und das einheimische Monopolkapital im engen Bündnis miteinander zu bekämpfen.

Also verfahren die Chinesen in dieser kapitalen Frage unserer marxistisch-leninistischen Theorie und der Praxis der Revolution wie ausgemachte Revisionisten.

Die Chinesen wissen sehr gut, dass die Klassiker des Marxismus-Leninismus auf der Grundlage der materialistischen Methodologie den Kapitalismus in zwei Phasen (oder Stadien) einteilen: den vormonopolistischen Kapitalismus und den monopolistischen Kapitalismus oder Imperialismus. Die zweite Phase, den Imperialismus, nannten sie die höchste und letzte Phase, nach der, vermittels der proletarischen Revolution, unvermeidlich der Sozialismus kommt.. Deshalb bezeichnete Lenin den Imperialismus als den Vorabend der proletarischen Revolution.

Die Renegaten des Marxismus-Leninismus haben immer versucht, den staatsmonopolistischen Kapitalismus als besondere Phase mit völlig neuen Merkmalen vom Imperialismus abzulösen, und ihn dabei auch als «Staatssozialismus» dargestellt. Auch die chinesischen Revisionisten stimmen der revisionistischen These zu, der staatsmonopolistische Kapitalismus sei eine besondere Phase. Darüber hinaus. verkünden sie auch noch, er sei eine unvermeidliche Phase, die jedes Land durchlaufen müsse, ehe der Sozialismus erreicht werde. Mit anderen Worten, sie streben wie alle anderen modernen Revisionisten danach, das Ende des Kapitalismus hinauszuschieben. Dem Proletariat und den Völkern dagegen sagen sie, sie sollten warten, bis diese unvermeidliche Phase eintrete. Und wenn sie dann eingetreten sei, verlaufe der Weg zum Sozialismus nicht über die proletarische Revolution, dieser Übergang müsse vielmehr mit friedlichen, parlamentarischen Mitteln, im Einvernehmen mit den anderen Parteien vollzogen werden. Das heißt, sie predigen den Pluralismus, völlig im Gegensatz zur Lehre Lenins, der festgestellt hat, dass nur durch die Revolution und «...in der Revolution der staatsmonopolistische Kapitalismus direkt in den Sozialismus hinübergeführt wird». Die Chinesen sagen das nicht direkt, doch ihre These von der Einheit und vom Bündnis der «dritten Welt» mit der «zweiten Welt» unter Beilegung der Differenzen mit den ehemals starken kapitalistischen und imperialistischen Ländern und vom Bündnis dieser beiden Welten mit dem amerikanischen Imperialismus gegen den sowjetischen Sozialimperialismus beweist nur den trotzkistischen Weg, den die revisionistischen chinesischen Führer eingeschlagen haben.

Die Verbindungen, die China zu der kapitalistischen Weltwirtschaft herstellt, bedeuten eine Unterstützung für den Neokolonialismus und die Entwicklung des internationalen monopolistischen Finanzkapitals. Auch China gehört zu denen, die Kapitalimporte aus dem Ausland unterstützen und von ihnen profitieren.

Die chinesische Frage ist deshalb nicht ganz einfach. Mit dem Größenwahn der Großmacht meinen die Chinesen, die anderen würden möglicherweise vor ihnen zurückweichen, sich von ihrer Demagogie täuschen lassen, doch ihre Maskerade ist zu grobschlächtig, um nicht durchschaut zu werden.

Der Leninismus lehrt uns, dass der Kapitalismus niedergeworfen werden muss, soll der Sozialismus siegen und die sozialistische Gesellschaft errichtet werden. Deshalb ist es absolut unerlässlich, dass die werktätigen Massen eines Landes unter Führung des Proletariats mit seiner marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei an der Spitze ständig kämpfen und sich im Kampf Klassenbewusstsein und die unerschütterliche Überzeugung erwerben, dass nur durch Kampf der Kapitalismus gestürzt und die kapitalistische Gesellschaft in die sozialistische Gesellschaft umgewandelt werden kann. Im Kampf gegen den Kapitalismus entsteht und wächst auch das Klassenbewusstsein.

Sowohl die Theorie der «drei Welten» als auch die titoistische Theorie von den «blockfreien Ländern» sind Ausgeburt der absurden Theorie von der Machtergreifung durch das Proletariat auf parlamentarischem Weg. Spricht man von der Machtergreifung auf diesem Weg (die unter den heutigen Bedingungen unmöglich ist), so bedeutet dies, künstlich den politischen Kampf vom wirtschaftlichen Kampf zu trennen und diesen Kampf in einer Reihe von Gesetzen, Organisationsformen und Verordnungen münden zu lassen, die die Bourgeoisie bereits geschaffen hat. Der Parlamentarismus bringt also nicht das Proletariat zur Revolution, sondern hilft dem Kapitalismus, indem er dessen ruhigen Gang verbürgt. Kurz gesagt, diese Theorien helfen auch der bürgerlichen Ordnung, die in Jugoslawien schon frühzeitig errichtet worden ist und in China nun errichtet wird, sich normal und störungsfrei zu entwickeln. Nach diesen beiden Theorien dürfen die Streiks der Arbeiter in den Ländern der sogenannten dritten Welt bzw. blockfreien Welt nur wirtschaftlichen Charakter haben, oder manchmal auch nur politischen Charakter, dies aber unter der Bedingung, dass sie sich an den parlamentarischen Weg halten. Das hieße: zersplitterte, begrenzte Streiks, Streiks also, die nur ein, zwei oder drei Fabriken erfassen, nicht aber allgemeine landesweite Streiks von kämpferischem, revolutionärem Charakter. Das bedeutete außerdem, dass die Arbeiterklasse in diesen Streiks geführt würde durch die natürlich von den sozialistischen, sozialdemokratischen u.a. Parteien geleiteten Gewerkschaftsbewegungen, die von der friedlichen Entwicklung des Kapitalismus faseln und behaupten, durch diese Streiks erreiche man einige Reformen, gewinne man einige Mittel zur Erziehung der Arbeiterklasse, so dass diese auf parlamentarischem und friedlichem Weg die Macht ergreifen und den Sozialismus aufbauen könne.

Gegenwärtig erleben wir, wie die Widersprüche des kapitalistischen Systems die Kampfentschlossenheit des Proletariats erhöhen, das sich mit kämpferischem Geist in einen wahrhaft revolutionären Kampf wirft. Ein Generalstreik, der durch nichts aufzuhalten ist, ein derart starker Widerstand der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen in politischen und ökonomischen Grundfragen erschüttert den verfaulten bürgerlichen Staat. Der Kampf des Proletariats in dieser Form reißt die Massen, die ihm folgen und ihre Lebensweise und die Gesellschaft ändern möchten, in die bewusste Revolution hinein. Wenn die Klasse und ihre marxistisch-leninistische Partei an der Spitze dieses Kampfes stehen, lenken sie ihn auf das Ziel der Zerschlagung des kapitalistischen Staates und seiner Ersetzung durch die Diktatur des Proletariats hin. Solche Streiks und Bestrebungen sind für das Proletariat und die unterdrückten und ausgebeuteten Klassen eine große Schule. Wenn ein solcher revolutionärer Zustand einige Monate andauert, so ist das für die Massen das Gleiche wie viele Jahre Schule.

Deshalb sehen wir, dass die modernen Revisionisten, vor allem die Titoisten, die Spanier, Franzosen, Italiener und Chinesen, nicht mehr von der Revolution und der Diktatur des Proletariats reden, nicht mehr von der Hegemonie der Arbeiterklasse, dafür aber von einer normalen und friedlichen Entwicklung auch der Streiks, ob nun mit ökonomischem oder politischem Charakter, im Rahmen einer normalen Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft. Besonders bei den Titoisten und den Chinesen ist diese Seite stark ausgeprägt. Wenn sie sagen, sie seien gegen beide Supermächte, so ist das eine Formel, die nur der Tarnung dient, da sie sich sonst völlig entlarven würden. Doch tatsächlich hört man von beiden Seiten, vor allem aber von den Chinesen mit ihrer Theorie der «drei Welten», nicht nur keinerlei Aufforderung zur revolutionären Bewegung, zur allgemeinen Streikbewegung mit politischem und wirtschaftlichem Charakter gegen die kapitalistischen Mächte, die sie beherrschen, sie rufen sogar das Proletariat und die unterdrückten Massen dieser Länder dazu auf, sich mit jedem zusammenzuschließen, sich also auch mit den bürgerlich-kapitalistischen Führungen zu vereinigen.

Die Chinesen behaupten, die Sowjetunion, die nach Expansion strebe, werde Europa angreifen. Das haben wir auch schon gesagt, und es ist möglich, dass sie dies tut. Doch die Sache ist die, dass die Chinesen selbst Angst haben, die Sowjets könnten genauso China angreifen. Und eben um diesen Angriff abzuwenden, haben sie die These aufgebracht, die Sowjets bedrohten Europa. Ihre Absicht ist, die Sowjetunion gegen Europa zu treiben, damit die Sowjets den Chinesen die Kastanien aus dem Feuer holen. Wenn die Sowjetunion den Krieg erklärt, dann, so glaube ich, zuerst China, weil sie als großer sozialimperialischer Staat in der Richtung angreift, wo sie die «Front» für am schwächsten hält und sich Vorteile verspricht, und weil sie meint, China bedrohe ihre Grenzen. China. strebt die Änderung dieser Grenzen an, deshalb ist es sehr gut möglich, dass die Sowjets, um einen chinesischen Angriff zuvorzukommen, China zuerst angreifen. Geht es also darum, wen die Sowjetunion zuerst angreift, China oder Europa, kann es ganz gut sein, dass sie zuerst China angreift. (Natürlich falls die Sowjetunion nicht zuerst von Europa, von einem Staat [etwa Deutschland] oder vielmehr einer Staatenkoalition, mit einem Wort, von der NATO mit den Vereinigten Staaten von Amerika an der Spitze angegriffen wird.)

Doch die Sache ist die, dass China, um seine Angst zu verbergen und seine Träume zu verwirklichen, die Widersprüche in den anderen Ländern der Welt, vor allem in Afrika, noch mehr verschärft, indem es Intrigen zwischen den Amerikanern und den Sowjets spinnt. Diese drei wollen sich unter der afrikanischen Sonne wärmen, deshalb verschärfen sie die Widersprüche untereinander, suchen nach Verbündeten unter den bürgerlich-kapitalistischen Führungen der afrikanischen Länder und hindern die Völker und das Proletariat dieser Länder daran, die Revolution zu machen. Darin besteht der wütende Anti-marxismus der Chinesen.





FREITAG, 2. SEPTEMBER 1977





HUA GUO-FENG UND TITO FÄLSCHEN DIE GESCHICHTE

Ich lese gerade die Meldungen der ausländischen Nachrichtenagenturen. Dort heißt es, die Gespräche zwischen Tito und Hua Guo-feng gingen in großer Wärme und Herzlichkeit weiter. Jetzt spricht man sogar offen davon, dass «Hua Guo-feng, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, die Gespräche mit Tito, dem Vorsitzenden des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, fortsetzt», was bisher nicht der Fall war. Das heißt, dass eines der Ergebnisse der Gespräche die Herstellung von Parteibeziehungen war. Für uns ist das ganz eindeutig.

Die jugoslawische Nachrichtenagentur TANJUG gibt in groben Zügen den Inhalt der Gespräche mit den Chinesen bekannt. Mit beinahe allem, was Tito sagt, sind die Chinesen einverstanden. Und was wird gesagt? Kein Wort gegen den amerikanischen Imperialismus, kein Wort gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, kein Wort gegen die anderen Imperialisten der entwickelten kapitalistischen Länder - nichts also gegen diese drei großen Gruppierungen, die den Völkern das Mark aus den Knochen saugen. Sie sagen nur, in Afrika gebe es eine Krise, es bestünden Meinungsverschiedenheiten zwischen verschiedenen Staaten dieses Kontinents, allerdings ohne konkret zu erwähnen, wer die Urheber dieser Streitigkeiten, dieser Meinungsverschiedenheiten und der heißen Kriege sind, ohne zu erwähnen, dass sie übereinstimmend der Meinung seien, diese Staaten müssten die Meinungsverschiedenheiten untereinander auf friedliche Weise lösen. Auf der anderen Seite sagen sie, dass sich der Nahe Osten ebenfalls in einer Krise befinde, die durch einen Frieden gelöst werden müsse, der den Palästinensern ihre Rechte gibt.

Und das ist auch schon alles zur internationalen Politik. Gäbe es noch etwas, TANJUG hätte es mit Sicherheit gebracht.

Das Problem wurde also auf zwei Krisen reduziert. Und so ist die Lage «glänzend», so TANJUG, die betont, die «blockfreien Länder» (die Länder der «dritten Welt» finden nicht die leiseste Erwähnung) würden in dieser Frage eine bedeutende Rolle spielen.

Anscheinend äußert sich die Nachrichtenagentur Hsinhua nicht gegen den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus, weil der Freund der Chinesen, Tito, nicht in seinen Gefühlen verletzt werden soll. Was zeigt das aber? Dies zeugt davon, dass die chinesischen Führer vollkommen einig sind mit diesem «sauberen» Freund, den sie großartig empfangen. Es geht hier nicht nur darum, dem Freund einen Gefallen zu tun, diese Haltung ist vielmehr ein Reflex der chinesischen Linie, die pro-amerikanisch und bis jetzt, in Worten, antisowjetisch ist, morgen aber abgemildert und ebenso gut auch pro-sowjetisch werden kann. Dann würde China eine Position einnehmen, wie sie heute Tito auf der Welt und in der internationalen kommunistischen Bewegung innehat. In der internationalen kommunistischen Bewegung repräsentiert Tito den Revisionismus, und er ist der geschworene Feind dieser Bewegung. Diese Position hat auch China bezogen, von dem sich erwiesen hat, dass es mit Tito einig ist. Deshalb ist die internationale kommunistische Bewegung eines, der titoistische, chinesische, sowjetische und sonstige moderne Revisionismus dagegen etwas anderes. Sie stehen auf verschiedenen Seiten der Barrikade, im scharfen unversöhnlichen Kampf gegeneinander.

Diese beiden, Tito und Hua Guo-feng, Geschichtsfälscher, Verfälscher und Verdreher der internatiorialen Lage, Freunde des Imperialismus und des Sozialimperialismus, Gönner des Weltkapitalismus, dem sie helfen, verlieren kein Wort über die großen, unüberbrückbaren, ständigen Widersprüche zwischen den Imperialisten selbst, zwischen den Imperialisten und den unterdrückten Völkern, zwischen den unterdrückten Völkern und ihren Unterdrückerregimen sowie zwischen den Imperialisten und den anderen entwickelten Ländern. Kurz gesagt, für diese beiden Führer vom gleichen Typ, die gegenwärtig in Peking miteinander Gespräche führen, existieren keine antagonistischen Widersprüche auf der Welt.

Seit langem spricht China weder von den großen Streiks des Proletariats noch von der großen Krise, in der der Weltkapitalismus steckt. Und das hat seinen Grund. Würde es über dies alles sprechen, dann würde es den Imperialismus, die entwickelten kapitalistischen Regime und jene Regime der sogenannten dritten Welt, mit denen China einig ist, vor den Kopf stoßen. China will es mit den Führern dieser «dritten Welt» nicht verderben, auch wenn viele von ihnen in scharfem Gegensatz zu ihrem Volk stehen, das sie unterdrücken, in scharfem Gegensatz zum Proletariat, wenn in diesen Ländern also unversöhnliche Widersprüche zwischen Proletariat und Bourgeoisie existieren. Ganz allgemein sprechen die Chinesen nicht davon, weil sie den Staat als den zentralen Pfeiler betrachten, um den sich die revisionistischen Parteien, die revolutionären und demokratischen Elemente, das Proletariat scharen müssen. Sie sollen durch Wahlen diese Staatsmacht des Kapitalismus, die nicht verändert werden darf, gegen die kapitalistischen Monopole, gegen die Konzerne und Truste kehren. Also sollen sie durch Reformen, vermittels dieses kapitalistischen Staates, in den sie eindringen und den sie unterstützen müssen, zum Sozialismus schreiten! Mit dieser Ideologie kann China nicht davon sprechen, kann es das Proletariat nicht anspornen und ermutigen, die großen Streiks gegen seine jahrhundertslangen Unterdrücker in eine starke Kraft gegen das Kapital zu verwandeln.

Wie könnten sich China, Jugoslawien und die Sowjetrevisionisten gegen die Könige und Emire Arabiens und der anderen Nahostländer äußern, die über die Haupterdölreserven verfügen? Tito und Hua Guo-feng unterstrichen die Ölkrise, erklärten sie aber nicht richtig, weil sie nicht für die wirklichen Interessen des Proletariats sind. Diese Ölkrise bedeutet natürlich eine Schwächung des Imperialismus und des Sozialimperialismus und eine Stärkung des Kapitalismus in diesen Ländern mit reaktionären Regimen, die die großen Ölfelder beherrschen und ausbeuten. Ein Teil der Gewinne aus der Erhöhung der Ölpreise fließt in die Kassen der feudalen Könige des Iran, Saudiarabiens und der Emire am Persischen Golf. Wozu führte das? Dies führte zu einer großen Krise, sowohl in den Vereinigten Staaten von Amerika als auch in Europa, verschärfte also auch den Widerspruch zwischen den Imperialisten, den Sozialimperialisten und den anderen Kapitalisten der entwickelten Länder. Es verschärfte ebenso den Widerspruch zwischen dem Proletariat und den werktätigen Massen dieser Länder auf der einen und der kapitalistischen Bourgeoisie und dem kapitalistischen Staat auf der anderen Seite. In dieser Situation ist der kapitalistische Staat gezwungen, die Steuern zu erhöhen, die Arbeitslosigkeit und die Inflation in die Höhe zu treiben. Hieraus entstand die Währungskrise, und dieser Staat, der den staatsmonopolistischen Kapitalismus repräsentiert, ging also mit Macht zum Kampf gegen die Interessen des Proletariats und des werktätigen Volks über. Das musste zwangsläufig so kommen, denn dies ist ein kapitalistischer Staat, der mit aller Kraft bekämpft, der gewaltsam gestürzt werden muss, von dem man nicht glauben darf, er ließe sich durch «Reformen an Basis und Überbau» erobern, wie das die Revisionisten behaupten. Ihrer Aussage nach sind die gegenwärtigen kapitalistischen Staaten inzwischen in einem solchen Grad zum Eckpfeiler der Vergesellschaftung der Produktionsmittel geworden, dass sie sich in einen Bestandteil der gesellschaftlichen Produktion verwandelt haben!





SONNTAG, 4. SEPTEMBER 1977





AUCH HUA GUO-FENG AUF DEN KNIEN VOR TITO

Tito, Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping und die anderen haben ihre politischen Gespräche in Peking beendet. Der abgefeimte Verräter am Marxismus-Leninismus flog zusammen mit Li Hsiän-niän in einem Sonderflugzeug nach Hangtschou, wo er von Hunderttausenden von Menschen mit Blumen und Gongs empfangen wurde.

Die Gespräche ergaben, dass zwischen den Chinesen und den jugoslawischen Revisionisten nahezu vollständige Einheit des Denkens und Handelns besteht. Das betonten beinahe alle ausländischen Nachrichtenagenturen, insbesondere TANJUG, die ausführlich über alle Erfolge berichtet, die sie in den Gesprächen erzielt haben. Wenn man sich über dieses oder jenes nicht hundertprozentig verständigen konnte, «so liegt das an den unterschiedlichen Bedingungen beider Länder». Die französische Nachrichtenagentur nannte dieses Treffen «historisch» und «positiv». Nach dem, was wir nun hören und lesen, sind sie in den staatlichen, den wirtschaftlichen, den politischen und den kulturellen Beziehungen vollständig übereingekommen. Außerdem wurden auch Parteibeziehungen hergestellt. Das ist daraus ersichtlich, dass nun, in den jüngsten Kommuniqués von Hsinhua, als erstes Titos Parteifunktion genannt wird: «Vorsitzender des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens und Präsident der Föderativen .Sozialistischen Republik Jugoslawien». Das heißt, die Hua Guo-fengs haben Tito als Kommunisten anerkannt und gemeinsame Sache mit dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens gemacht. Die These unserer Partei hat sich bestätigt, dass China heute ein Land ist, an dessen Spitze eine revisionistische Partei steht, in deren Führung Renegaten des Marxismus-Leninismus sitzen.

Eines ist erstaunlich! Uns ist zu Ohren gekommen, Tito habe Hua Guo-feng dafür kritisiert, dass sofort nach außen gedrungen sei, über welche Fragen sie diskutiert hätten, das sei nicht seriös! Hua Guo-feng wiederum habe geantwortet, man habe sich über einige Fragen mit der Partei beraten müssen. Später erfuhren wir, was geschehen war. Tito hatte die Frage der Anerkennung des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens durch die Kommunistische Partei Chinas aufgeworfen, denn, so sagte er, eine Nichtanerkennung sei absurd. Und die heuchlerischen chinesischen Führer waren einverstanden gewesen, hatten aber, um nicht die Verantwortung auf sich nehmen zu müssen, ein plumpes Spiel betrieben. Sie hatten Befehl gegeben, die Pekinger Parteiorganisationen sollten die ganze Nacht über versammelt bleiben. Dort war dann die jugoslawische Forderung zur Debatte gestellt worden. Man fragte: «Was meint ihr?» und ging dann zur Diskussion über. Diese ganze Komödie ist nicht die erste, die diese chinesischen Verräter veranstalten. Solche Komödien organisierten sie auch zur Rehabilitierung Deng Hsiao-pings. Sie hatten Deng rehabilitiert, sagten aber, zuvor hätten sie hier und dort Versammlungen abgehalten. So gaben sie diesem Akt den Anstrich, als seien es die Massen, die Partei und die Armee gewesen, die hartnäckig Deng Hsiao-pings Rehabilitierung forderten.

Die chinesischen Führer sind äußerst übel, sehr heuchlerisch, ausgemachte Revisionisten. Was wir vor 14 Jahren in den Artikeln «Die Ergebnisse von Chruschtschows Besuch in Jugoslawien» oder «Chruschtschows Kniefall vor Tito» über Chruschtschow sagten, hat sich also Punkt für Punkt auch in China bestätigt. Hua Guo-feng fiel vor Tito auf die Knie, und alles, was vor 14 Jahren in diesem Artikel geschrieben wurde, hat sich tale quale* *( genauso (ital. im Original)) auch in Peking bestätigt, bis hin zum fehlenden Kommuniqué. Sie hatten guten Grund, kein Kommuniqué herauszugeben. Dennoch stellten die TANJUG-Korrespondenten sehr geschickt und eindeutig nacheinander die Erfolge auf allen Gebieten heraus, von der Wirtschaft bis zur Politik, von der „blockfreien Welt“, die auch die Chinesen übernahmen, bis hin zur Anerkennung des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens und Titos als seines Vorsitzenden. China hatte den Bund der Kommunisten Jugoslawiens sicherlich schon vorher anerkannt, doch nun erkannte es offiziell an, dass «in Jugoslawien der Sozialismus aufgebaut wird».

Wir hatten vor, all diese revisionistischen Entgleisungen der Chinesen nachzuweisen, doch sie haben in den Gesprächen mit Tito selbst den Nachweis erbracht. Alle Marxisten-Leninisten auf der Welt, alle fortschrittlichen Menschen werden sehen, dass China die politische und ideologische Linie geändert hat, sie werden sehen, dass es sich unter die Antimarxisten, die Agenten des amerikanischen Imperialismus eingereiht hat und eine pro-amerikanische Politik betreibt, d.h., sich auf die Vereinigten Staaten von Amerika stützt, um die Sowjetunion zu bekämpfen und einen Weltkrieg anzustiften. Die Meinungsverschiedenheiten oder Gegensätze in Worten, die zwischen Tito und Hua Guo-feng angeblich auftraten, sind bedeutungslos - etwa wenn Tito den Standpunkt vertrat, der Krieg könne vermieden werden, während Hua Guo-feng mit seiner «großen Autorität und Klugheit» bekräftigte, der Krieg stehe unmittelbar bevor. Diese Erklärungen gaben der Presse die Möglichkeit, «einen Widerspruch» zwischen diesen beiden revisionistischen Staaten aufzuspüren, um auch China bei dieser seiner Talfahrt, dieser seiner Kriecherei hinein ins Schlammloch des revisionistischen Verrats mit ein klein bisschen «Autorität» zu versehen.

Während dieser ganzen Gespräche wurde weder über den amerikanischen Imperialismus noch über den sowjetischen Sozialimperialismus gesprochen, man diskutierte nur über Afrika, wo es Unruhen gäbe, die von den afrikanischen Völkern selbst beigelegt werden müssten. Man sprach über den Nahen Osten und sagte, das palästinensische Volk müsse sein Recht erhalten, nichts weiter. Kurz: Was ist dabei herausgekommen? Nichts! Das waren die Hauptfragen.

China stimmte außerdem der von Tito, Ceausescu und anderen verfochtenen These von einer «neuen Weltwirtschaftsordnung» zu.

Also war dieser Besuch für uns wie für die westlichen Nachrichtenagenturen positiv, obwohl wir die Sache aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Für uns war er gut, weil sich Hua Guofeng und Tito entlarvten, für sie war er gut, weil sich China mit dem titoistischen Jugoslawien und den Vereinigten Staaten von Amerika vereinigte. Die Widersprüche zwischen uns und ihnen vertiefen sich. Unser Weg ist dem ihren entgegengesetzt, wir stehen im Kampf mit ihnen. Auch sie stehen natürlich im Kampf mit uns. Wir werden den Kampf fortsetzen, ohne zu zaudern, ohne einzuhalten, den Kampf gegen die beiden Supermächte und die dritte Supermacht, die gerade hochkommt - das pseudosozialistische China.





DIENSTAG, 6. SEPTEMBER 1977





TITO ZIEHT DIE SCHRAUBEN DER CHINESISCH- AMERIKANISCHEN BRÜCKE AN

Tito setzt seine triumphale Rundreise durch China fort. In Hangtschou und besonders in Schanghai wurde er von vielen hunderttausend Menschen großartig empfangen. Das ging sogar so weit, dass Akrobaten Darbietungen auf der Straße gaben, als er vorbeifuhr.

Wie Chruschtschow söhnte sich auch Hua Guo-feng vollkommen mit Titos Linie aus, mit seiner politischen, ideologischen und organisatorischen Linie. Über die organisatorische Linie sprachen sie nicht offen, verständigten sich aber in Wirklichkeit. So lieferte Hua Guo-feng den Beweis, dass er und seine Gruppe sowie Deng Hsiaoping vollständig vom Marxismus-Leninismus abgewichen sind, dass sie auf revisionistischem Kurs sind, dass sie ein Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus eingegangen sind und versuchen, unter ihrer revisionistischen Leitung alle Dissidentenparteien, die in Frontstellung zur sowjetischen Revisionistenpartei stehen, zu sammeln.

So wird die revisionistische Kommunistische Partei Chinas im Bündnis mit Tito Verbindungen zu allen anderen Revisionistenparteien der Welt herstellen, über die Verbindungen hinaus, die sie zu ihren Anhängseln unterhält, die schon bestanden haben oder die sie selbst in Europa oder in anderen Kontinenten ins Leben gerufen hat. Diese Anhängsel sind kleine Gruppen von 20, 30 oder 100 Leuten, die China gewisse Dienste leisten, die die Aufgabe haben, ihm Glückwunschtelegramme zum Parteitag oder irgendeinem anderen Ereignis zu schicken, damit China sie alle nacheinander in der Zeitung «Renmin Ribao» voröffentlichen kann, um in der inländischen und internationalen Öffentlichkeit den Eindruck hervorzurufen, China sei ein marxistisch-leninistisches Land, ein sozialistisches Land und führe die gesamte kommunistische Weltbewegung, abgesehen natürlich von der revisionistischen und sozialimperialistischen Sowjetunion auf der einen und dem sozialistischen Albanien auf der anderen Seite. China zählt die Partei der Arbeit Albaniens nicht einmal zur kommunistischen Weltbewegung. Auch sie ist ihrer Meinung nach «revisionistisch und trotzkistisch».

Man hat in diplomatischen Kreisen angefangen, über unseren Artikel «Chruschtschows Kniefall vor Tito» zu reden. Auch die Weltpresse hat ihn aufgegriffen, druckt ihn ab und kommentiert ihn günstig. Sie hat durchschaut, welche Absicht mit dem Artikel verfolgt wird, und zieht berechtigte Vergleiche zwischen Hua Guo-feng und Chruschtschow.

Hua Guo-feng ist mit Tito übereingekommen, kein Kommuniqué herauszubringen, so wie auch Chruschtschow und Tito keines herausgaben, damals, als wir den Artikel zum ersten Mal veröffentlichten. Doch die Nachrichtenagentur TANJUG lüftete den Schleier. Peinlich genau berichtete sie über alle Beschlüsse, die in den gemeinsamen Gesprächen getroffen wurden, über die gemeinsamen Auffassungen über die großen Weltprobleme und die beiderseitigen Beziehungen.

Der Artikel von «Zëri i popullit»: «Chruschtschows Kniefall vor Tito» passt also auf Hua Guo-feng, der ebenfalls vor Tito auf die Knie fiel, wie der Deckel auf den Topf. Natürlich hat dieser Artikel die Chinesen und die Jugoslawen - verständlicherweise - wild gemacht, denn er schlug ein wie eine Bombe. Mit so etwas hatten sie nicht gerechnet. Trotzdem können wir bis jetzt weder bei den Chinesen noch bei den Jugoslawen irgendeine Reaktion feststellen. Die Reaktion einzig der Diplomaten und der Zeitungen verschiedener Länder der Welt ist günstig für die Partei der Arbeit Albaniens und die Sozialistische Volksrepublik Albanien. Die wahren Marxisten-Leninisten auf der Welt und ihre Parteien pflichteben diesem Artikel völlig bei, der einen neuen Verrat entlarvt, durch den der Weltrevolution und dem internationalen Kommunismus sowie dem Befreiungskampf der Völker kolossaler Schaden zugefügt wird.

Wie stets setzt Tito als Agentur des amerikanischen Imperialismus auch diesmal Nixons und Kissingers Arbeit fort und zieht die Schrauben der Brücke zwischen China und den Vereinigten Staaten von Amerika an.





MITTWOCH, 7. SEPTEMBER 1977





WAS IST DAS GENERALBÜRO IN CHINA?

Die Presseagentur Hsinhua veröffentlichte einen Artikel unter der Überschrift: «Befolgen wir immer die Lehren des Vorsitzenden Mao und beharren wir auf der Fortsetzung der Revolution unter der Diktatur des Proletariats», der am 8. September in der Zeitung «Renmin Ribao» abgedruckt werden wird. Dieser Artikel wurde anlässlich des ersten Todestags von Mao Tsetung von der Gruppe für «theoretische Studien» des Generalbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas verfasst.

Ich betone, dass dieser Artikel vom Generalbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas stammt. Zum erstenmal hören wir von der Existenz eines solchen Büros im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas. Seine Funktionen sind jedoch völlig andere als die solcher Generalbüros in den Apparaten der kommunistischen und Arbeiterparteien, die nach leninistischem Vorbild und nach der marxistisch-leninistischen Theorie aufgebaut sind.

Dieser Artikel hebt zunächst hervor, dass Mao Tsetung «der größte Marxist unserer Zeit ist». Mao Tsetung soll also größer sein als Stalin, das sowieso (für ihn haben die Chinesen nie etwas übrig gehabt), aber auch als Lenin, ja sogar als Marx und Engels!

Darüber hinaus heißt es weiter unten in diesem Artikel: «Genosse Hua Guo-feng, der von Mao selbst ausgewählte Nachfolger, hat die ganze Partei geführt, als die parteifeindliche 'Vierer bande', Wang Hung-wen, Tschang Tschun-tjiao,, Djiang Tjing und Yao Wen-yüan, auf einen Schlag zertrümmert wurde, und damit die Revolution und die Partei gerettet. Das große Banner des Vorsitzenden Mao hochhaltend, hat unser weiser Führer, Vorsitzender Hua, die revolutionäre Tradition vorangeführt» usw. usf. Diese beiden Zitate am Beginn dieses Artikels verdienen, wie wir später noch sehen werden, besondere Beachtung. Sie sind kein Zufall und nicht einfach Lobgesänge, sondern haben mit den Fragen der Organisation und der Leitung der sogenannten Kommunistischen Partei Chinas zu tun. Wie wir später sehen werden, liegt also diesem Artikel zu Grunde, dass der einzige entscheidende Führer dieser Partei, der Armee und des Volkes der Vorsitzende Mao Tsetung war und jetzt, nach ihm, der Vorsitzende Hua Guo-feng ist. Alle anderen stehen weit unter ihnen und haben sich den Meinungen und Weisungen des Vorsitzenden zu fügen.

Über das Werk Maos heißt es in diesem Artikel: «Sein monumentaler Beitrag wird so lange leben wie die Erde und strahlen wie die Sonne. Das große Banner der Ideen Mao Tsetungs ist das Banner des Sieges der Revolution des chinesischen Volkes und der Revolution der Völker der Welt.»

Nun kommen wir zum Kern des Problems. Die zahlenmäßige Stärke der Mitglieder des Generalbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas ist nicht bekannt, man sagt darüber nichts. Es wird nur erläutert, dass zum Personal dieses Büros Kommandanten und Kämpfer der Einheit 8341 der Volksbefreiungsarmee gehören.

Was ist diese Einheit 8341 ? Wir können es nicht genau sagen, denn es wird keinerlei Erläuterung gegeben, doch wie von den Chinesen selbst einmal gesagt, ist das die Abteilung des Sicherheitsdienstes, die mit Mao Tsetungs persönlichem Schutz betraut war, und wenn man von Maos Leibgarde spricht, so versteht sich, dass dies eine große, mit allen Mitteln ausgerüstete Abteilung gewesen sein muss. Dieses Generalbüro wurde vom Vorsitzenden Mao und nur von ihm geleitet, also war dieses Personal «glücklich, Mao Tsetung unterstützen und schützen zu dürfen», der es in seinen Ideen formte.

«Wir», heißt es im Artikel, «möchten den kämpferischen Kurs, den wir unter seiner Führung einschlugen, und seine Ratschläge, die uns das Herz erwärmten, weiter befolgen. Sie werden uns noch mehr ermutigen, gemäß seiner revolutionären proletarischen Linie siegreich vorwärts zu schreiten.»

Liest man im Artikel weiter, so begreift man, dass sein Inhalt nicht das Übliche ist, etwas anderes, als wenn etwa ein Parteikomitee oder eine Betriebsleitung sagt: «Wir wurden von den Ratschlägen des Vorsitzenden Mao zu Siegen geführt.» Nein. Die weitere Analyse dieses Artikels ergibt, dass Mao Tsetung nur durch dieses Personal des Generalbüros führte, dass dieses Büro allmächtig war, über dem Politbüro, über dem Sekretariat, über dem Zentralkomitee und über den stellvertretender Vorsitzenden des Zentralkomitees stand; es stellt sich ebenso heraus, dass dieses Büro wie ein Ei dem anderen dem Nationalen Sicherheitsrat gleicht, den der amerikanische Präsident über der Regierung und über seiner Partei einrichtet, um dann Maßnahmen zu ergreifen, zu handeln und den Ministern oder den anderen Organen seine einzig und allein im Sicherheitsrat diskutierte und gebilligte Politik aufzuzwingen. Also machte Mao die Politik mit dem Personal des Generalbüros des Zentralkomitees der Partei.

Worauf stützen wir diese Schlussfolgerung? Eben darauf, dass es in diesem Artikel heisß, als wichtiger Sektor des Zentralkomitees der Partei habe «das Generalbüro die Aufgabe gehabt, Vorsitzenden Mao und das Zentralkomitee der Partei zu schützen sowie sich mit streng geheimen Parteifragen und anderen wichtigen Problemen zu befassen. Es war eine Frage von praktischer Bedeutung für die Grundinteressen der ganzen Partei, der ganzen Armee und des ganzen Volkes im ganzen Land, ob die Führung des Generalbüros in den Händen des vom Vorsitzendem Mao geleiteten proletarischen Hauptquartiers lag und ob die vollständige Sicherheit des Vorsitzenden Mao, des Zentralkomitees der Partei und der streng geheimen Fragen der Partei gewährleistet wurde». Der Artikel gibt also klaren Aufschluss über die Kompetenzen dieses Büros. Kurz gesagt, wenn dieses Generalbüro existierte, dann wurden das ganze Land, die ganze Partei, der ganze Staat von ihm geleitet, und dieses Büro erhielt seine Befehle und Direktiven von Mao.

Laut diesem Artikel haben sowohl die Gruppe Liu Schao-tschis als auch Lin Biao, als auch die Gruppe der «Vier» versucht, dieses Generalbüro des ZK der Partei unter ihre Leitung zu bringen. Dem Artikel ist zu entnehmen, dass sich Liu Schao-tschi bemühte, seine Leute, das heißt das burgerliche Hauptquartier, in dieses Büro einzuschleusen, und das er sich mit parteifeindlichen Komplotten abgab; dass die Gruppe Liu Schao-tschis das Generalbüro in ihre Hand gebracht hatte, weil, wie nun klar wird, Mao Tsetung in diesem Büro nicht mehr so mächtig war wie zuvor; dass Liu Schao-Ischi die ganze Leitung an sich gebracht hatte, während sich der Vorsitzende Mao auf dem Abstellgleis wiederfand. Das macht verständlich, warum er die Hungweibings mobilisierte.

Wir hielten es damals für einen Fehler, dass Mao Tsetung sich nicht auf die Partei stützte und diese Frage nicht durch die Partei löste, doch nun ist ganz klar zu sehen: er mobilisierte die Hungweibings, weil die Partei seiner Macht entglitten war. Alles dort lag in den Händen des Generalbüros, das Liu Schao-Ischi in seine Fänge gebracht hatte. Also musste Mao Tsetung die Elemente außerhalb der Partei zur Revolution mobilisieren. Daraus erklärt sich, weshalb sich die «rote Garde» erhob und der Befehl gegeben wurde: «Bombardiert das Hauptquartier!». Der Aufruf, «das Hauptquartier zu bombardieren» ist nun leicht zu erklären. Das sollte in erster Linie heissen, das Generalbüro einzunehmen, denn dieses Büro leitete das ganze Land, während alles andere, die Partei, die Gewerkschaften, nur Fassade war und in Abhängigkeit von diesem Büro stand. In der Kulturrevolution ging es demnach darum, die Leitung des Generalbüros zurückzuerobern, die Mao von Liu Schao-tschi, Deng Hsiaoping usw. entrissen worden war. Das bestätigt auch der Artikel, in dem es heißt: «Der Vorsitzende Mao führte uns bei der Entlarvung der parteifeindlichen Verbrechen, die von ihnen (d.h. von der Bande Liu Schao-tschis) im Generalbüro begangen worden waren. Sie wurden ihrer Funktionen enthoben, und das Generalbüro wurde erneut in die Hände des proletarischen Hauptquartiers gelegt.»

Das erinnert an die Zeit der Kriegsherren, die in den von ihnen beherrschten Provinzen taten, was sie wollten; auch wenn es in allen Gebieten, in denen sie herrschten, eine gewisse Verwaltung gab, so hatten sie doch ihre Leute in einigen Schlüsselpositionen und übten durch sie die Herrschaft aus.

Der Artikel dieses Büros, das alles machte, hält sich nicht lange bei dieser Frage auf, sondern springt mit uns in den April des Jahres 1966. Es heißt dort: «Wir stellten ein Buch mit ausgewählten Zitaten des Vorsitzenden Mao zusammen, in Übereinstimmung mit den Erfordernissen des Kampfes, und sandten es Vorsitzendein Mao zur Billigung.» Also war das rote Buch mit den Zitaten Mao Tsetungs doch nicht das Werk Lin Biaos, sondern dieses Generalbüros, während Lin Biao, der natürlich ein einflussreicher Mann und die zweitwichtigste Person nach Mao war, dieses Zitatenbüchlein groß herausbrachte.

Die Funktionen. die dieses Büro hat, sind merkwürdig. Im Artikel heißt es: «Vorsitzender Mao wies uns an, wir sollten die Bewegung auf eine Weise leiten, die der Natur und der Merkmalen der Arbeit des Generalbüros entsprach, und zurückhaltend sein bei der Herstellung breiter Kontakte mit der Geseìlschaft, um das normale Funktionieren des Büros bei der gesamten Arbeit im Dienst des Zentralkomitees der Partei zu gewährleisten.» Sind diese Ausführungen nicht so eindeutig, dass sie weitere Erläuterungen über die großen und merkwürdigen Kompetenzen des Generalbüros überflüssig machen? Dieses Büro hat die Große Kulturrevolution geleitet, doch nicht alles lief wie geschmiert, denn «Lin Biao arbeitete» - so die Leute vom Generalbüro - «mit der 'Viererbande' zusammen und handelte in flagranter Weise den Direktiven des Vorsitzenden Mao entgegen». «Im Versuch. die Macht zu usurpieren», heißt es weiter im Artikel. «schickten sie oft ihre Lakaien in dieses Büro, um schädliche Winde zu säen, sie schürten Aufruhr, organisierten versteckte Angriffe, verbreiteten solch reaktionären Betrug wie 'an allem zweifeln', griffen führende revolutionäre Kader an, stachelten Leute auf, mit Ausländern Komplotte zu schmieden, und schreien sich heiser im vergeblichen Versuch, die Macht im Generalbüro zu usurpieren: 'Tschungnanhai muss ins Chaos gestürzt werden'.»

Was soll das alles heißen? Das soll heißen, dass weder Lin Biao noch Tschou En-lai, noch die anderen Mitglieder des Politbüros, noch sonst irgend jemand das Recht hatte, sich in die Geschäfte des Generalbüros einzumischen. Mit Mao an der Spitze hatte es die Allmacht zu handeln, ganz China, alle Bereiche des Lebens in China zu leiten. Die Mitglieder des Politbüros und des Sekretariats des Zentralkomitees hatten nicht das Recht, geeignete Kader für dieses Büro vorzuschlagen. Wenn jemand geeignetere Kader für dieses Büro vorschlug und sie hineinbrachte, wurde er als Verschwörer angesehen, und die Verschwörung entwickelte sich, ihrer Aussage nach, natürlich von der Quantität zur Qualität, wie das schließlich bei der Truppe der «Vier» der Fall war, die angeblich gewaltsam die Macht übernehmen wollten.

Der Vorsitzende Mao soll das alles gesehen haben, außerdem soll er gesehen haben, dass sich Djiang Tjing mit Lin Biao zusammengetan hatte und Verschwörung betrieb. Und, so heißt es im Artikel, «Vorsitzender Mao gab, ausgehend von dieser Kampflage, besondere Weisungen im Zusammenhang mit der Bewegung im Generalbüro. Die Bewegung ging in den von den unterschiedlichen Umständen gebotenen vielfältigen Formen weiter, und es wurden wirksame Maßnahmen zur Abwehr von Einmischungen getroffen. Das erzog die Massen und gab der Bewegung die Möglichkeit, gut voranzuschreiten.»

Im Artikel heißt es, die Widersprüche seien massiver geworden, da Djiang Tjing nach dem Zwischenfall vom 13. September 1971, als Lin Biao verschwand, getrieben angeblich von ihren konterrevolutionären Motiven, «gemeine Verleumdungen gegen die Einheit 8341 ausstieß», in der Absicht, das Generalbüro des Zentralkomitees und die Einheit zu zerschlagen.

Also müssen wir die Schlussfolgerung ziehen, dass man auf die anderen Führer des Zentralkomitees, des Politbüros und des Sekretariats überhaupt nicht hörte, und dass sie folglich eine Veränderung dieser Verhältnisse wünschten. Nehmen wir einmal an, sie hätten versucht, neue Organisations- und Leitungsnormen zu etablieren und diese Verhältnisse zu beseitigen, die sich hemmend auswirkten, weil dort allein auf Mao Tsetung gehört wurde und dieser durch die Kader des Generalbüros und dieser Abteilung handelte.

Nach dem Artikel arbeiteten auch die «Vier», ebenso wie Liu Schao-tschi, pausenlos darauf hin, «die Führungsmacht im Generalbüro des Zentralkomitees an sich zu reißen, um ihr teuflisches Ziel zu erreichen». Daraus geht hervor, dass es bei den Staatsstreichen, ob nun Liu Schao-tschis oder Maos, Lin Biaos, der sogenannten Vierergruppe oder auch der Truppe Hua Guo-fengs, allen darum ging, unbedingt dieses Generalbüro in die Hand zu bekommen, und es wurde ein Putsch nach dem andern organisiert.

Im Artikel heißt es: «In vielen Fällen wollte die 'Viererbande' hinter dem Rücken des Vorsitzenden Mao im ganzen Land ihre Dokumente, Reden und Tonaufnahmen vertreiben», ohne sich an die Weisung des Vorsitzenden Mao zu halten, dass «alle Dokumente und Telegramme im Namen des Zentralkomitees der Partei erst dann ausgesandt werden dürfen, wenn ich sie durchgesehen habe, andernfalls sind sie ungültig». Im Artikel wird betont: «Wir berichteten Vorsitzendem Mao von ihren Versuchen. Vorsitzender Mao tadelte die 'Viererbande' wegen ihrer geheimen Pläne und entlarvte ihre teuflischen Ziele.»

Es wird also klar ersichtlich, dass Mao Tsetung wie ein Diktator verhinderte, dass irgendeiner seiner Mitarbeiter - Mitglieder des Politbüros und Mitglieder des Sekretariats oder des Ständigen Ausschusses des Politbüros - dem Zentralkomitee, der Partei, den Militärabteilungen, der Verwaltung usw. Direktiven geben konnte. Jeder ihrer Schritte ohne Wissen Maos wurde als teuflisch angesehen.

Angesichts dieser Verhältnisse hat die «Viererbande» natürlich versucht, diesen Zustand zu ändern, und dieses ihr Handeln nennen die Autoren des Artikels ein Komplott mit dem Ziel, das Generalbüro und die politischen Kommissare der Einheit 8341 unter ihre Kontrolle zu bekommen. Doch ihr Versuch scheiterte. In dem vom Personal dieses Büros verfassten Artikel heißt es: «Vorsitzender Mao ermunterte und verteidigte uns ständig. Ständig ermutigte er sein Personal, sich gegen Djiang Tjing zu erheben.» Nachdem Hua Guofeng an die Macht gekommen war, übernahm er damit auch das Generalbüro. Es ist klar, heißt es im Artikel weiter über die «Vier», dass inzwischen «ihr Bemühen darauf abzielte, die Verbindungen des Vorsitzenden Hua und des Zentralkomitees zur Basis abzuschneiden und die Befugnis zu erhalten, im ganzen Land Befehle zu erteilen. Sie stahlen Geheimdokumente der Partei, schalteten absichtlich unsere Wachen aus und betrieben überall eine geheime Tätigkeit.»

Man begreift, welch große, ja gewaltige Macht dieses Büro und diese Spezialabteilung hatten. Deshalb beschloss der Vorsitzende Hua, schlagartig gegen die «Vier» vorzugehen. Und so führte die Einheit 8341, nun unter der Führung des Vorsitzenden Hua und unter seinem und des stellvertretenden Vorsitzenden Yä direktem Kommando, entschlossen den Befehl angeblich des Zentralkomitees durch und inhaftierte die «Viererbande». Diese große und gewaltige Macht, ich zitiere den Artikel, «gab unserem Büro und unserer Einheit die Möglichkeit, inmitten eines scharfen Klassenkampfes auf dem Weg der Fortsetzung der Revolution unter der Diktatur des Proletariats Fortschritte zu machen, und gewährleistete das normale Funktionieren aller Bereiche der Arbeit, etwa Schutz und Dienst für den Vorsitzenden Mao» und jetzt den Vorsitzenden Hua, diese beiden seltenen «Edelsteine».

Für Maos Art, die Arbeit zu leiten, werden im Artikel auch Beispiele gegeben. Um festzustellen, wie die landwirtschaftliche Kooperation und der Getreideankauf durch den Staat funktionierten, gab Mao Anweisung, aus jeder Präfektur eine Person zu bestimmen, die in seiner persönlichen Leibwache arbeiten sollte. Er hielt die Nachforschungen dieser Leute aus seiner persönlichen Wache in den bäuerlichen Gebieten für eine wichtige Sache, um die Lage dort unter Kontrolle zu haben. Deshalb, so heißt es im Artikel, versammelte Mao das Personal des Generalbüros des Zentralkomitees und die Mannschaft der Einheit 8341 und erläuterte ihnen «die Vorzüge von Nachforschungen, was zu erforschen sei und wie man dabei zu verfahren habe»; er erläuterte seinen Wachen bis ins einzelne «die Vorzüge von Nachforschungen in ihren Heimatdörfern». Als diese schließlich zurückkehrten und ihm berichteten - immer nach dem Artikel -, sagte Mao ihnen: «Ich habe nur drei Stunden gebraucht, um mich über die Lage von 60 Millionen Menschen in zwei Provinzen zu informieren. Das ist tatsächlich eine glänzende Methode. Ihr habt als Bindeglied zwischen mir und den Massen der Bauern gedient.» Im Artikel heißt es weiter: «Der Vorsitzende Mao hob drei Finger und sagte: 'Ihr seid mit den Bauern zusammengetroffen und ich bin mit euch zusammengetroffen. So bin ich über diese ganze Entfernung hinweg indirekt mit den Bauern zusammengetroffen. Ihr seid Bauern mit Waffen und Klassenbewusstsein'.»

Ist es für die wahren Marxisten-Leninisten vorstellbar, eine solche Arbeit Leibwächtern der Sicherheitsorgane oder einigen Angestellten, Bürokraten einer Verwaltungsbehörde zu überlassen, die damit beauftragt werden, zu kontrollieren, wie 60 Millionen oder 800 Millionen Bauern leben und arbeiten? Und Mao betrachtet diese Wachen als klassenbewusste Menschen, ohne sich darum zu scheren, dass man, wenn es um eine so große Frage wie das Schicksal der landwirtschaftlichen Kooperation in China geht, die Partei in Bewegung setzen und beauftragen muss, die Kontrolle auszuüben! Wir verstehen nun die Äußerungen, die Mao 1966 unseren Genossen gegenüber machte: «Was soll man sich auf die Parteisekretäre stützen, die sich mit zwei Pfund Schweinefleisch kaufen lassen?» Mao Tsetung hat dies genau so, Wort für Wort, vor den Genossen unserer Delegation, Mehmet und Hysni, gesagt. Das zeigt die Geringschätzung, die Mao Tsetung für die Partei empfand, beziehungsweise seine Meinung, sie existiere gar nicht. Er stützte sich nur auf seine Leibwächter und ausgewählte Leute dieses Büros, die nichts waren als Speichellecker, die Mao Tsetung nach dem Mund redeten.

In dem Artikel gibt es auch noch anderen Blödsinn. Doch dieser Blödsinn wird zur Theorie erhoben, als ob Mao damit große Kostbarkeiten von sich gegeben hätte! Hier einiges davon: «Wenn jeder von euch [d.h. den Wachen] einmal in zwei Monaten einen Brief schreibt, oder auch vier oder fünf Briefe im Jahr, um bei den Bauern anzufragen, ob sie ausreichend zu essen haben, um sich nach der Produktion und den Kooperativen zu erkundigen, und wenn ihr mir dann die Antworten zeigt, dann werde ich wohlinformiert sein.» Im Artikel heißt es weiter: «Unser großer Führer, Vorsitzender Mao, versuchte ständig über verschiedene Kanäle und mit verschiedenen Methoden die jüngste Entwicklung der Gesellschaft kennenzulernen, zu untersuchen und Erfahrung zu sammeln, um die Ansichten und die Wünsche der Massen kennenzulernen, um auf dieser Grundlage die Politik auszuarbeiten und so die Massenbewegung siegreich auf dem richtigen Weg voranzuführen.» Dass ihn nicht der Schlag traf, Mao Tsetung mitsamt seiner «Genialität», der er sich auf die Bürokraten und die Elemente dieser gewissen Einheit stützt, um in seinem «genialen» Kopf die Politik der Partei und die allgemeine Linie zu formulieren, die die Massenbewegung voranführen soll! Das ist untragbar! Das ist, gelinde gesagt, anti-marxistisch.

Der Artikel belegt, dass Mao sich nirgendwo auf die Partei stützte, auch wenn er das behauptete. Er diktierte alles den Leuten seines Personals, erteilte ihnen Befehle und Direktiven. Im Artikel wird betont, Mao habe ihnen gesagt: «Erzählt mir dann, wenn ihr zurückkommt, was ihr gesehen habt.» Und dann kommt die Frage: «Ist das nicht eine gute Idee?» Ich antworte ihnen, dass das eine blödsinnige Idee des Vorsitzenden Mao ist, der sich selbst nicht im geringsten um die Partei und die Volksmacht schert und dann Liu Schao-tschi bezichtigt, er sammle durch Geheimkontakte einige Vertraute um sich. Doch der «große Steuermann« Mao, was hat denn er mit diesem seinem Personal gemacht? Genau das, was auch Liu Schao-tschi tat. Mao Tsetung sagte zu diesen Leuten: «Geht und seht, was die Verschwörer getan hab-en», und er ordnete an: «Keinen einzigen hinrichten, die meisten nicht verhaften, mit Ausnahme der Mörder, der Zerstörer von Reichtum und der Giftmischer.» «Unter Giftmischern», sagte Mao Tsetung, «verstehe ich mehr jene Personen, die Nahrungsmittel vergiften, als diejenigen, die politisches Gift verspritzen.» Was das politische Gift anbelangt, was die Reaktionäre anbelangt, empfahl Mao Tsetung natürlich, sie nicht zu bestrafen, sie nicht hinzurichten, sondern zu erziehen!

Der betreffende Artikel ist sehr lang, 41 Seiten, und auf diesen Seiten gibt es eine endlose Reihe von Histörchen und Märchen, wie dieses allmächtige Büro unter Maos Leitung einen scharfen Kampf zur Verteidigung der angeblich revolutionären Linie Mao Tsetungs geführt und die Kommunistische Partei Chinas und China selbst vor der Katastrophe «bewahrt» hat. Dieses Büro gleicht nicht den Büros, die die Zentralkomitees der kommunistischen Parteien gewöhnlich unterhalten, besonders jene Parteien, die an der Macht sind. Diese Büros haben bei uns nicht die Kompetenzen - und können sie nicht haben -, die dieses «berühmte», auch von einer Abteilung des Sicherheitsdienstes gestützte Büro der Kommunistischen Partei Chinas hat.

In der leninistischen Weise der Organisation der kommunistischen Partei, die unsere Partei praktiziert, sind die Funktionen klar bestimmt. Die Verwaltungsbüros, deren Aufgabe es nur ist, die Direktiven des Zentralkomitees, des Politbüros und des Sekretariats weiterzugeben, dürfen auf gar keinen Fall, nicht im allermindesten, die Kompetenzen der hohen Parteiorgane überschatten. Nur die Plenartagungen dieser Gremien und dann jedes einzelne ihrer Mitglieder, dessen Kompetenzen von dem entsprechenden Organ festgelegt sind, können, dürfen Befehle und Direktiven erteilen und tun das. Und diese Befehle und Direktiven sind nicht persönlich und subjektiv, sondern gründen auf den Direktiven des Parteitags, den Richtlinien des Zentralkomitees, der Zergliederung der Probleme, die vom Politbüro und vom Sekretariat gestellt werden.

Anders ausgedrückt, diese gesamte Arbeitsmethode der Chinesen ist nach Form und Inhalt anti-marxistisch, stützt sich überhaupt nicht auf die Partei. Deshalb vermochten wir niemals zu begreifen, wie die Partei in China funktionierte. Sie weihten uns darin nicht ein, lehnten es ab, eine Parteidelegation zu schicken, die Erfahrungen gesammelt oder vermittelt hätte. Was für eine Erfahrung sollten sie auch vermitteln? Sie wussten, dass ihre Partei nicht wie unsere funktionierte, ihre Partei hatte nicht die Kompetenzen, die unsere Partei hat.

Nun tritt klar zu Tage, wer in der chinesischen Partei herrschte und leitete. In unserer Partei dagegen war und ist die Leitung kollektiv; ihre Gremien, vom Parteitag bis zu den Grundorganisationen, haben ihre festumrissenen Rechte, Pflichten und Kompetenzen.

In China wurde also, wie sich zeigt, ein Kampf um persönliche Macht geführt. Maos Macht war unanfechtbar geworden. Mao hatte sich in einen Gott verwandelt, und es ist ganz leicht zu begreifen, warum der Kult um ihn betrieben und derart aufgebauscht wurde. Mao leitete allein mit einer Gruppe von Menschen, und das waren die, die sich bei ihm anbiederten, die seine Ansichten durchführten. Dejenigen, die nicht Maos Ansichten befolgten, nannte er «Verschwörer», «Revisionisten», nannte er, was er nur wollte, und schaltete sie aus. Das soll nicht heißen, dass es unter denen, die ausgeschaltet wurden, nicht Revisionisten und Verschwörer gegeben hätte. Doch die Arbeits- und Leitungsmethode, eine gewiss parteifeindliche, anti-leninistische Methode, weckt Zweifel an der Unanfechtbarkeit aller Handlungen einer Person, die von einem in einem Generalbüro und einer Sicherheitsabteilung zusammengefassten Personal umgeben ist. Das ist anti-marxistische, persönliche Leitung.

Anscheinend war diese Organisation für Liu Schao-tschi und Deng Hsiao-ping zu einem Hindernis geworden, unabhängig davon, wer sie waren. Sie und ihre revisionistische Bande nahmen diese Situation nicht hin und unternahmen deshalb beizeiten Anstrengungen, schufen Voraussetzungen zur Festigung ihrer Positionen, bildeten Leute aus, brachten die Macht an sich. Mao Tsetung liquidierten sie zwar nicht, schalteten ihn aber eine Zeit lang aus.

Es ist eine Tatsache, dass sich Mao auf die Armee und Lin Biao stützte, dem er es zu verdanken hatte, dass er die Macht in diesem Generalbüro und in der Sicherheitsabteilung zurückgewann. Doch dann - sicherlich, als Mao Tsetung sah, dass Lin Biao und die sogenannte Viererbande Veränderungen in der Leitungs- und Organisationsweise anstrebten, was natürlich auch Veränderungen in den politischen und ideologischen Anschauungen verlangte, als er sah, dass sie zuverlässige Leute mit weiter reichenden revolutionären demokratischen Ansichten für dieses Büro und diese Abteilung auswählen wollten - entdeckte Mao Tsetung mit den Ansichten eines allmächtigen Menschen, die ihn kennzeichneten, zusammen mit seinen Leuten in diesem Büro vorgeblich die Verschwörung Lin Biaos. Dem Artikel nach ging es bei Lin Biaos Verschwörung nicht nur um eine Mine, die gelegt worden sein soll, vielmehr soll er die Flotte, die Bomber usw. usf., kurz, die ganzen Streitkräfte aufgeboten haben, um die Macht zu ergreifen. Woher nahm er nur diese Macht, wo doch Mao Tsetung mit seinen Leuten an der Spitze der Armee, dieses Büros und dieser berühmten Abteilung stand?

Die Maoisten und Huas Leute, die die «Vier» inhaftierten, behaupten, auch deren Komplott habe sich gegen Mao Tsetung gerichtet, uni ihn physisch zu liquidieren, und ihre Kombinationen seien durch verschiedene Versammlungen, Reden, Zitate und viele andere solche Sachen erreicht worden. Doch nichts davon ist glaubwürdig. Eine Tatsache zeigt sich klar: diese Vier, die von Hua Guo-feng ausgeschaltet worden sind, wollten einen neuen Wind in die Führung der Kommunistischen Partei Chinas bringen. Wie fähig und organisiert sie waren, wie richtig ihre Prinzipien und Handlungen waren - darüber lässt sich hier kaum etwas Genaues sagen. Auf den opportunistischen, revisionistischen Positionen der Kommunistischen Partei Chinas unter der Führung Mao Tsetungs war es auch für diese Vier und ihre Genossen schwierig, wirklich klare leninistische revolutionäre Standpunkte in ideologischen, organisatorischen und Leitungsfragen einzunehmen. Tatsache ist, dass Mao Tsetung die persönliche Macht Liu Schaotschis, Deng Hsiao-pings und Peng Tschens mit Hilfe der Hung Weibings und der Führung der Kulturrevolution, in der Tschen Bo-da, Kang Scheng, Lin Biao, Djiang Tjing, Wang Hung-wen, Yao Wen-yüan und Tschou En-lai saßen, liquidierte. Also waren sie es, die Mao die Macht zurückgaben. Als schwankender, jedoch auch despotischer Mensch stützte sich Mao einmal auf die eine, ein andermal auf die andere Fraktion. Er war nicht sicher in seiner politischen Haltung; eine sichere Basis in Partei, Armee oder Staatsmacht hatte er ebenfalls nicht. Die Fraktion von Liu Schao-tschi wurde in der Kulturrevolution natürlich zerschlagen, doch in der Staatsmacht verblieben viele seiner Leute. Einer von ihnen war Tschou En-lai.

Wir erlebten, wie Tschou En-lai in der Kulturrevolution kritisiert wurde, doch Mao rettete ihn. Tschou En-lai wurde Mao und Lin Biao gegenüber zum Opportunisten, huldigte und rühmte aber auch Djiang Tjing; dadurch wollte er Zeit gewinnen, um erneut Kräfte zu sammeln, seine Positionen zu festigen und dann zum geeigneten Zeitpunkt alle seine Gegner auszubooten.

Tatsache ist, dass Tschou En-lais Position, gestützt von Mao Tsetung, nach der Liquidierung Lin Biaos gestärkt wurde, der sich - mit welchen Absichten, können wir nicht wissen - der chinesischen Innen- und Außenpolitik widersetzt haben muss. Die chinesische Strategie wandte sich nach seiner Liquidierung dem revisionistischen Kurs zu, der Verständigung mit den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Titoismus, der Verständigung mit allen kapitalistischen Ländern. Auch die «Vier» waren mit dieser Linie nicht einverstanden, doch Tschou trug den Sieg davon, es gelang ihm sogar, Deng Hsiao-ping, «Chinas Chruschtschow Nr. 2», zu rehabilitieren, an die Macht zu bringen und zu seinem ersten Stellvertreter im Staat zu machen, zum ersten Stellvertreter Maos in der Partei und zum Generalstabschef in der Armee.

Tschou En-lai wusste, dass er sterben würde, deshalb rehabilitierte er Deng Hsiao-ping. Mao setzte dies gegen die «Vier» durch, und Tschou festigte zusammen mit Deng Hsiao-ping, der stellvertretender Parteivorsitzender war und es derzeit ist, die Positionen innerhalb des Generalbüros des Zentralkomitees und der Abteilung 8341.

Nach Maos Tod übernahm Hua Guo-feng die Macht. Wie wir wissen, kam er auf anti-marxistische Weise an die Macht, er war die Person, die Mao zu seinem Stellvertreter erkoren hatte. Dieser Mann hatte die Unterstützung Yä Djiän-yings, er hatte die Unterstützung des Chefs von Maos Wache, des stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralkomitees der Partei, der das Generalbüro leitete, also der wichtigsten Leute Maos. Und so zerschlug er «mit einem Schlag» die «Vier», die nach Tschou En-lais und Maos Tod geglaubt hatten, nun sei die Zeit gekommen, die Macht in die Hand zu nehmen. Die Gruppe Hua Guo-fengs, Deng Hsiao-pings und Yä Djiän-yings war jedoch besser vorbereitet und schaltete die Vier aus.

Im Lichte dieses Artikels betrachtet zeigt sich, dass die Gruppe von Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping, die die Macht angetreten hat und diese ganze ohrenbetäubende Propaganda veranstaltet, die «Vier» seien rücksichtslos am Werk gewesen und hätten in allen lebenswichtigen Bereichen in China Schaden angerichtet, in Wirklichkeit ihre ganze Kritik gegen Mao Tsetung und seine persönliche Leitung richtet, obwohl auch Hua Guo-fengs Leitung eine persönliche Leitung ist und nicht das geringste mit Parteileitung zu tun hat. Alles, was im Namen der Partei, des Zentralkomitees, des Parteitags usw. gesagt wird, ist Fassade oder die von einer kleinen, von einer Junta unterstützten Gruppe festgelegte Linie, einer Gruppe, die diese Anschauungen und diese Politik von ein paar, gewählten oder ernannten, angeblichen Partei- bzw. Staatsorganen absegnen lässt. Wenn Hua Guo-feng und Konsorten behaupten, sie würden sich «vom Banner Mao Tsetungs leiten lassen», so hat man darunter diese Leitung zu verstehen, das heisst die persönliche Leitung. Man muss also davon ausgehen, dass Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping bei der Leitung der Partei und der Volksrepublik China genauso allmächtig sind, wie es Mao war.

Derzeit ist Hua Guo-feng Parteivorsitzender und Ministerpräsident, doch das «berühmte» Generalbüro des Zentralkomitees mit der Sicherheitsabteilung Nummer 8341 ist nicht so vollständig in der Hand Hua Guo-fengs, wie es in der Hand Mao Tsetungs war. Es gab sogar Zeiten, da es von da nach dort pendelte und auch nicht in der Hand Maos war, sondern von einer Hand in die andere überging. Jetzt gibt es in diesem Büro und in dieser Abteilung sowohl Leute Hua Guo-fengs als auch Deng Hsiao-pings als auch Yä Djiän-yings, das heißt, in diesem Büro und dieser Abteilung existieren verschiedene Fraktionen, die darum kämpfen und kämpfen werden, die Oberhand zu gewinnen. Dies wird ein ununterbrochener Kampf sein, bei dem der Sieger ungewiss ist. Dies hängt nicht nur von der Fähigkeit des einen oder de anderen ab, Hua Guo-fengs oder Deng Hsiao-pings oder irgendeines anderen, die Sicherheitskräfte und die Armee völlig neu zu gruppieren, sondern auch von den jeweiligen inneren Verhältnissen, von der Verteilung, dem «Gleichgewicht« der Kräfte, der Sympathisanten des einen und des anderen. So mag der Westen Deng Hsiao-ping brauchen, die «gemäßigten» inneren Kräfte mögen aber einen Hua Guo-feng brauchen, wie er ist, «von Mao bestimmt», und besser in der Lage, die Rolle des «Zentristen» zu spielen. Was die Kräfte der staatlichen Wirtschaftsverwaltung betrifft, so gibt es nichts daran zu diskutieren, dass es Deng Hsiao-ping, Li Hsiän-niän, Fang Yi und andere sein werden, unter deren Leitung die Umwandlung des «chinesischen Sozialismus» in Kapitalismus vollzogen werden wird.

Es ist klar, dass die Leitung in enger wirtschaftlich-politischer Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Imperialismus, mit der kapitalistischen Bourgeoisie der verschiedenen Länder Europas und Asiens und, warum auch nicht, dem sowjetischen Sozialimperialismus erfolgen wird. Die Zeit wird kommen, da Deng Hsiao-ping seine Stellung konsolidieren und Hua Guo-feng entweder als bloße Figur auf dem Posten eines Vorsitzenden der sogenannten Kommunistischen Partei Chinas belassen oder auch gegen ihn irgendeine Verschwörung anzetteln und ihn ins Dunkel stürzen wird. Diese Richtung werden die Geschicke der Volksrepublik China nehmen, und diese Geschicke hat ihr Mao Tsetung mit seinen anti-marxistischen, anti-leninistischen, anarchistischen Ideen vorgezeichnet, den Ideen eines Führers, der persönliche Macht ausübte, der Einfachheit predigte, doch nicht einfach war, der die Massenlinie predigte, in der Praxis aber nicht anwendete, der den Marxismus-Leninismus predigte, aber nicht praktizierte, der den Kampf gegen anmaßende Tendenzen als großer Staat und als großes Volk predigte, aber in seinen Ansichten und Handlungen davon ausging, dass China, mit ihm an der Spitze, auf der Welt zu dominieren habe. Die Theorie der «drei Welten» führt direkt zum Großmachtchauvinismus.

Die «große und breite Weltpolitik» Maos, wie sie im Artikel der «hervorragenden» theoretischen Gruppe des Generalbüros genannt wird, war «eine Sonne und ein Monument des Lebens»! In Wirklichkeit zeigt sie den Größenwahn Maos, seine anti-marxistischen Ideen die persönliche Organisierung der angeblich Kommunistischen Partei Chinas und des angeblich sozialistischen chinesischen Staates.

Nun, nach dem Machtantritt Hua Guo-fengs, wird die ganze Struktur der Partei und des Staates die gleiche bleiben wie zuvor, denn auch diese Leute, sowohl Deng Hsiao-ping als auch Hua Guofeng, stammen aus der Schule Mao Tsetungs, mögen sie auch gegen ihn gewesen sein. Sie übernahmen das berühmte Generalbüro des Zentralkomitees, d.h., sie haben die Armee und den Sicherheitsdienst in der Hand und werden nun das Gesetz machen, werden leiten wie bisher, allerdings dabei Mao Tsetung geschickt bloßstellen. Tatsächlich deckt der von diesem Büro verfasste Artikel auf, dass die ganze Fäulnis, die in der obersten Leitung geherrscht hat und herrschen wird, das Werk Mao Tsetungs ist. Das möchte Deng Hsiao-ping deutlich machen, und andererseits möchte er einige andere Formen der persönlichen Leitung schaffen, zusammen mit Hua Guo-feng oder durch seine Eliminierung, um dieses neue chinesische Reich besser den modernen Leitungsmethoden eines kapitalistischen Landes anzupassen.

Die Chinesen empfingen Tito, sind also mit ihm in der Politik, in der Ideologie und in der Organisation einverstanden und werden aus seinem Erfahrung schöpfen. Doch wir dürfen sicher sein, dass die Chinesen in ihrem Hochmut und Größenwahn einer Großmacht mit 800 Millionen Menschen neue Formen der Organisation ihres kapitalistischen Staates schaffen werden, in denen sowohl etwas vom Titorevisionismus als auch vom Sowjetrevisionismus, am meisten aber vom Imperialismus der Vereinigten Staaten von Amerika enthalten sein wird.

Das China Deng Hsiao-pings möchte zur Supermacht werden. Es stürzt sich in den Strudel aller imperialistisch-kapitalistischen Staaten, macht sich politische, ideologische und organisatorische Formen und Ausrichtungen zu eigen, die es ihm ermöglichen, zur sozialimperialistischen Großmacht zu werden.

Hua Guo-feng oder Deng Hsiao-ping und ihre Verwaltung, in der Partei, Staatsmacht und Armee durcheinandergewürfelt sind, werden sich noch lange Zeit mit marxistischen Ausdrücken tarnen und ihr Land als sozialistisch ausgeben. Das ist durch das Interesse geboten, das Volk im Land und die Weltöffentlichkeit zu täuschen, und wenn ich von Weltöffentlichkeit spreche, hat man sich darunter nicht die kapitalistischen Staaten, nicht die kapitalistischen Führungen vorzustellen, sondern hauptsächlich das Weltproletariat. Solcher Winkelzüge und Lügen bedient sich das China Hua Guo-fengs bei den pseudo-marxistisch-leninistischen Parteien, die total heruntergekommen sind wie die in Australien mit Hill an der Spitze, die sich in eine Agentur der Gegenspionage der australischen Regierung verwandelt hat Gestern las ich in einer Hsinhua-Meldung, «Vanguard», die Zeitung der von Hill geführten Partei, habe einen Artikel zur Entlarvung des sowjetischen KGB in Australien gebracht. Anstatt sich nur Gedanken über den Kampf gegen den sowjetischen KGB zu machen, solle Hill, lieber auch über den Kampf gegen den chinesischen «KGB» and den australischen «KGB» nachdenken.

Also wird sich des jetzige chinesische Regime auch in Zukunft - bis dort die Revolution ausbricht - mit dem Mantel des... Marxismus verkleiden Wir werden kämpfen, um ihnen diese Verkleidung herunterzureißen.

Es war, ist und bleibt das große Interesse der Revolution, des. Weltproletariats, des Sozialismus, Albaniens, dass das große China ein sozialistisches Land sei. Doch leider gibt es zahlreiche Tatsachen, die davon zeugen und die beweisen, dass es nicht so ist. Die Tatsachen zeigen uns, und die Zukunft wird diese bittere Wahrheit bestätigen,. dass sich China sehr rasch auf einem dem Sozialismus entgegengesetzten Weg voranbewegt. Es ist dabei, sich in einen mächtigen kapitalistischen Staat zu verwandeln, in einen bürgerlich demokratischen. Staat, der darum kämpfen wird, neue bürgerliche Formen und Merkmale anzunehmen, um die Bourgeoisie reicher zu machen, das Proletariat und die Völker zu betrügen und so den Triumph der Revolution zu verhindern.





MITTWOCH, 7. SEPTEMBER 1977





EINIGE EMPFEHLUNGEN FÜR DIE GRUPPE VON ERDÖLFACHLEUTEN, DIE NACH CHINA FAHREN WIRD

Die Chinesen willigten ein, dass eine Gruppe unserer Erdölfachleute nach Datjing fährt, um Erfahrungen zu sammeln. Sie haben auch festgelegt, welche Erfahrungen sie uns vermitteln können.

Ich empfahl Genossen Prokop Murra, die Gruppe der Erdölfachleute, die nach China fahren wird, solle sich gegenüber denen, die sie empfangen, korrekt und liebenswürdig verhalten, den Erdölarbeitern gegenüber herzlich sein, stets von der engen Freundschaft sprechen, die unsere beiden Länder verbinde, aufmerksam zuhören, wenn sie von ihren Erfahrungen bei der Erdölförderung berichten, und Fragen stellen. Wenn die Fragen beantwortet werden, sehr gut, wenn sie keine Antwort erhalten, dürfen unsere Leute in den politischen Reden, die möglicherweise bei den Mittag- und Abendessen gehalten werden, nicht stur darauf bestehen. Das Hauptthema in den Gesprächen unserer Erdölfachleute muss die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern und der Erfahrungsaustausch zwischen unseren beiden Ländern sein. Wenn sie politische Themen anschneiden, etwa die Frage des Kampfes nur gegen den sowjetischen Sozialimperialismus oder die Frage der «dritten Welt», sollen sich unsere Leute auf der Grundlage der Linie unserer Partei äußern, d.h., sie sollen sagen, dass die Welt zwei Hauptfeinde hat, den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus, dass die Völker aller Länder außer diesen beiden Feinden auch noch die inneren Feinde haben; sie sollen aber keine solchen Diskussionen und Debatten anfangen, weil sie keine politische Delegation sind, sondern nur eine Delegation von Erdöltechnikern.







DONNERSTAG, 8. SEPTEMBER 1977





TITOS REVISIONISTISCHER WIND WEHT NACH OSTEN

Heute abend sah ich im Belgrader Fernsehen Titos Rückkehr aus der Sowjetunion, Korea und China. Ein triumphaler Empfang in Jugoslawien. Zehntausende von Menschen waren zum Flughafen gekommen, der rote Teppich, der ausgelegt war, hatte eine Länge von mehreren hundert Metern, während der Wagen, den Tito bestiegen hatte, von zehn oder fünfzehn Motorrädern umgeben und von einer endlosen Kette von Autos gefolgt war. Der ganze Konvoi, mit Tito an der Spitze, passierte eine riesige Menschenmenge, die die Straßen an beiden Seiten säumte und aufgedreht und hektisch jubelnd Tito begrüßte. Der Empfang in Belgrad war die Krönung der pompösen Empfänge, die Breschnew, Hua Guo-feng und Deng Hsiaoping sowie Kim Ir Sen diesem Renegaten bereitet hatten. Sie hatten das ganze Volk aufgeboten, um diesen Renegaten des MarxismusLeninismus zu begrüßen, der auf Kosten der Revolution Abkommen zwischen Verrätern, Revisionisten und Imperialisten anbahnt und auflöst.

Die Chinesen und die Koreaner trieben das Volk wie eine Schafherde zusammen und ließen es blöken und hüpfen. Die Chinesen meinen, sie könnten mit ihrer Theorie, dass der sowjetische Imperialismus angeblich «entlarvt werden muss, weil er sich noch mit der Maske des Marxismus-Leninismus tarnt», den Völkern Sand in die Augen streuen. Das ist absolut haltlos, denn die Sowjetrevisionisten haben sich übel entlarvt, und jedermann weiß, dass sie keine Marxisten-Leninisten, sondern Revisionisten, Sozialimperialisten, Renegaten des Marxismus-Leninismus sind. Selbst wenn wir diese «Theorie» für einen Augenblick akzeptierten, ließe sich damit nicht rechtfertigen, dass dieselben Chinesen Tito, einen Renegaten, einen Mittelsmann des Weltkapitalismus, einen Saboteur an der Revolution, so triumphal, unter soviel Aufsehen empfangen, soviel Reklame für ihn machen, dass sie seinen Namen und sein Werk in den Himmel heben. Ist er etwa nicht entlarvt? Doch, entlarvt ist er, sogar die Chinesen selbst haben ihn mit entlarvt. Was soll man also zu diesen Aktivitäten sagen? Chruschtschow kritisierten wir; noch nicht einmal die Wolga kann ihn von seiner Schuld reinwaschen. Bei Tito ist es ebenso. Nun, da Tito nach China gereist ist, können ihn und die neuen chinesischen Chruschtschows nicht der Amur, ja nicht einmal der Jangtsekiang reinwaschen. Im Gegenteil, den Gestank Huas und Dengs riecht man nun in ganz China. Der titoistische Westwind weht nach Osten.

Zur gleichen Zeit, da Tito in Belgrad landete, kam auch der chinesische Landwirtschaftsminister mit dem Flugzeug an. Er kam nach Belgrad, um Erfahrungen über die Entwicklung der kapitalistischen Landwirtschaft in Jugoslawien zu sammeln. Genauso werden sie es mit der «Selbstverwaltung» machen. Die Chinesen werden Dutzende, ja Hunderte von Delegationen schicken, um überall Erfahrungen zu sammeln, in der Absicht, diese titoistische, revisionistische und anarcho-syndikalistische Erfahrung auch in China bestmöglich nutzbar zu machen, unter dem Deckmantel, man baue den Sozialismus auf wie auch Tito, doch einen chinesischen «spezifischen Sozialismus», einsprechend dem jugoslawischen «spezifischen Sozialismus». Das werden auch die Chinesen machen, denn sie sind Titos Partner, und sie werden mit diesem Renegaten im Inland wie international in voller Einheit zusammenwirken.







DONNERSTAG, 8. SEPTEMBER 1977





REVISIONISTISCHE MANÖVER. ANTIMARXISTISCHE STRUKTUR.

In meinen periodischen Aufzeichnungen habe ich über viele Fragen geschrieben, über einige davon auch in scharfem Ton. Unter marxistisch-leninistischem Blickwinkel, vom Standpunkt der theoretischen und praktischen Erfahrung und der leninistischen Organisation unserer Partei aus betrachtet, erschienen mir - und das habe ich auch betont - viele politische, ideologische oder organisatorische Dinge bei der Kommunistischen Partei Chinas, bei Mao Tsetung, beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas, in der chinesischen Revolution und bei den verschiedenen Schlägen gegen Abweichler nicht sehr klar. Sehr oft habe ich mich auch in harten Warten darüber geäußert. Das tat ich, weil mir das kommunistische Bewusstsein, die Erfahrung der Partei und das Studium der Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus nicht erlaubten, angesichts der vielen konfusen und zweifelhaften Verhältnisse den Ton zu mildern. Außerdem habe ich - erbost über all die Dinge auf Kosten des Marxismus-Leninismus, zum Schaden der Sache des Proletariats, die ich sah und las - in diesem meinem Tagebuch in einigen Fällen vielleicht mehr Dampf abgelassen als angebracht gewesen wäre.

Oft habe ich in meinen Aufzeichnungen über diese Fragen die Meinung geäußert, wir könnten mit unseren Anschauungen auf die Kommunistische Partei Chinas Einfluss nehmen. Weder die Genossen noch ich haben es in öffentlichen Reden an positiven und sogar sehr positiven Äußerungen über China mangeln lassen, obwohl wir die chinesische Wirklichkeit kannten und bei vielen verschiedenen Fragen und Problemen Chinas unsere Zweifel hatten. Unsere öffentlichen Stellungnahmen stimmten nicht überein mit der Meinung, die sich unsere Parteiführung durch die Analyse von Chinas jeweiligem politischen Verhalten wirklich gebildet hatte. Bei unseren Kontakten mit den verschiedenen chinesischen Delegationen sagten wir natürlich ebenfalls Gutes über China, über Mao Tsetung sowieso, dock beabsichtigten wir auch, auf kameradschaftliche und diplomatische Weise, d.h. indirekt, indem wir unsere Erfahrung hervorhoben, auf die chinesischen Genossen zugunsten des marxistisch-leninistischen Wegs Einfluss zu nehmen. Und unsere Darlegungen verstanden wir als kritische Stellungnahme zu vielen ihrer Handlungen. Es kam auch vor, dass wir mit Tschou En-lai und mit Li Hsiän-niän direkt aneinander gerieten und ihnen gegenüber in vielen wichtigen Problemen, in denen sie uns ihre falschen Standpunkte aufzwingen wollten, offen Kritik übten. Wir 'befanden uns in erstrangigen politischen Fragen in offenem Gegensatz zu den chinesischen Genossen, besonders in der Stalinfrage. Wir verteidigten Stalin, sie griffen ihn heftig an. Das gleiche gilt für die Frage des Klassenkampfes, wo sie behaupteten, wir würden ihn nicht richtig führen, sie dagegen «gut», während die Wirklichkeit doch vom genauen Gegenteil zeugte und zeugt.

Was all diese Widersprüche wie auch die Widersprüche in der Haltung gegenüber den Sowjets anbelangt, wo die Chinesen in verschiedenen Etappen - von Bukarest bis heute - außerordentliche Schwankungen erkennen ließen, haben wir gekämpft. Die chinesischen Führer, nicht nur Liu Schao-tschi, sondern auch Mao Tsetung, auch Tschou En-lai, auch Li Hsiän-niän, mit Ausnahme Kang Schengs, waren für die Einstellung der Polemik mit den Sowjets. In dieser Frage hatten wir nicht nur theoretische Diskussionen, sondern auch praktische Gegensätze, denn sie wollten nicht nur die Polemik einstellen, sondern auch freundschaftliche Kontakte mit den Sowjets entwickeln, und das nach dem so harten Kampf, den wir gegen sie geführt hatten. Die Chinesen setzten grosse Hoffnungen auf die «sowjetischen Genossen», wie sie sie nach Chruschtschows Sturz nannten, und erklärten uns, wir sollten ihnen gegenüber nicht so schroff auftreten, denn sie würden die Fehler korrigieren. Wir sagten den Chinesen unverblümt, auch die neuen sowjetischen Führer seien Revisionisten, sie würden ihre Ansichten nicht ändern und - ohne Chruschtschow - den Weg des Verräters Chruschtschow fortsetzen.

Die Chinesen waren mit unseren Ansichten nicht einverstanden und ließen sich vor, dem, was wir ihnen sagten, nicht überzeugen. Sie ließen sich nicht überzeugen (darüber habe ich auch schon früher geschrieben), weil sle durch die Einstellung der Polemik mit den Sowjets Zeit gewinnen wollten, um zur Großmacht zu werden. Die Sowjets dagegen dachten anders, meinten, China werde zu einem revisionistischen Land unter ihrer Leitung und ihrem Diktat werden. Als die Chinesen die Absichten der Sowjets durchschauten, wurde die Spaltung vollzogen, und einige Zeit polemisierten sie miteinander. Das ging weiter, während sich gleichzeitig auch die Strategie Chinas änderte, die sich nun den Vereinigten Staaten von Amerika zuwandte. Diese Strategie liquidierte Lin Biao und die «Vier».

All das habe ich geschrieben, und die Zeit bestätigt es. Die Zeit wird noch vieles bestätigen und uns dabei noch deutlicher die große Fäulnis, den grossen Betrug, den Mao Tsetung und seine Anhänger begangen haben, vor Augen führen. Sie wird uns vor Augen führen, wie sie die günstigen revolutionären Verhältnisse in China dazu benutzt haben, das Land ins Chaos zu stürzen. Nun bezichtigt die Clique Hua Guo-fengs die «Vier» und Millionen anderer einfacher Menschen, die den Sozialismus wollten und wollen, sie hätten angeblich darum gekämpft, in China den Kapitalismus zu errichten, ein Chaos zu schaffen, China an die Sowjetunion zu binden und anderer Dinge mehr. Doch die Wirkichkeit sieht anders aus: die herrschende Clique ist eine anti-marxistische Bande, eine Bande von Kapitalisten, die eiligst auf den kapitalistischen Kurs, auf die Annäherung und Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika zumarschiert, um ein Gegengewicht zum sowjetischen Sozialimperialismus zu schaffen, um zur Supermacht zu werden, ein auf kapitalistische Weise wirtschaftlich und militärisch entwickeltes Land und nicht ein großer sozialistischer Staat, wie diese Renegaten behaupten. Auch jene positiven Seiten, die man in den Aussagen Maos finden kann, ohne dass er selbst sie in die Praxis umgesetzt hätte, verschwinden nun.

Die revisionistischen chinesischen Führer empfingen Tito triumphal. Das bedeute, dass sie mit seiner politischen, ideologischen, militärischen und wirtschaftlichen Linie übereinstimmen, dass sie mit der staatlichen Organisation der jugoslawischen Wirtschaft und «Selbstverwaltung» einverstanden sind, dass sie den anti-marxistischen Theorien des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens zustimmen. Diese anti-marxistischen Theorien und Praktiken werden die chinesischen Führer nun auch in China praktizieren. Doch das dient dem Verrat am Marxismus-Leninismus, dient dem amerikanischen Imperialismus und den kapitalistischen Ländern der Welt, die jetzt in China Kapital investieren, Banken gründen, multinationale Gesellschaften aufbauen werden, um es in ihren imperialistischen Sog hineinzuziehen.

Gegen diese Verhältnisse müssen wir ungeachtet der zeitweiligen Niederlagen, die wir erlitten haben, mit größter Härte kämpfen. Wir müssen den Marxismus-Leninismus verteidigen, die Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin, die stets stark, rein, siegreich bleibt. Die Völker und das Proletariat der Welt verlieren weder den Mut noch die Hoffnung auf den Sieg. Sie kämpfen und werden noch härter kämpfen. Sie werden den Verrat dieser Pseudokommunisten mit jedem Tag klarer erkennen, sie werden sehen, dass durch diesen Verrat das Joch des Weitkapitals und des einheimischen Kapitals noch schwerer auf ihrem Rücken lastet. So werden sie zu der von Marx, Engels, Lenin und Stalin gezogenen Schlussfolgerung kommen, dass die Völker und das Proletariat revolutionäre Situationen, marxistisch-leninistische Parteien schaffen müssen, um die Revolution durchzuführen und die Macht zu ergreifen: für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft, einer Gesellschaft, die ihnen gehört, mit einer Staatsmacht der Diktatur des Proletariats.

Die Frage des chinesischen Kommunismus war für mich ein Rätsel. Das sage ich nicht erst jetzt, diesen Zweifel habe ich in meinen Aufzeichnungen schon vor Jahren geäußert. Dieser Zweifel kam bei mir schon gleich nach der Bukarester Beratung auf, angesichts der zaghaften Haltung, die die Chinesen dort einnahmen. Für die chinesische Seite sprach in Bukarest als erster Peng Tschen, Auf die Moskauer Beratung kam aus China Deng Hsiao-ping mit einem den Chruschtschowianern gegenüber sehr versöhnlerischen Referat, er war aber infolge Chruschtschows Vorgehen gezwungen, dieses Referat zu ändern und ein wenig zu verschärfen, denn dieser hatte vor der Beratung ein Material herausgebracht und verteilt, in dem China angegriffen wurde. Ebenso zwang ihn dazu aber auch die entschlossene Haltung unserer Partei, und das ist eine lange Geschichte. Die spätere Haltung der Chinesen - ich spreche von der politischen und ideologischen Haltung - war ein ständiges Schwanken, und genau darin lag das Rätsel, wurzelte der Zweifel. Es gab Perioden, da sie heftig bestrebt waren, die Polemik zwischen uns und den Chruschtschowrevisionisten auszulöschen; es gab auch Momente, da die Polemik zwischen ihnen schärfer wurde. Mit Chruschtschows Sturz wurde die ausgeprägte Tendenz zur Einstellung der Polemik und zur Einheit mit den Chruschtschowianern, angeblich gegen den amerikanischen Imperialismus, wiederbelebt. Nach einer gewissen Zeit änderte sich ihre Strategie erneut. Die Chinesen begannen mit der Kritik an den Sowjetrevisionisten durch die Veröffentlichung unserer Schriften und Reden. Später setzten sie die Kritik dann auch mit der Veröffentlichung eigener Schriften fort. Doch wieder schwankten sie.

Es kam die Periode des scharfen Kampfes zwischen Mao Tsetung und Liu Schao-tschi, die Periode der Kulturrevolution. Die Kulturrevolution war antisowjetisch ausgerichtet, es wurde gegen den Revisionismus, gegen die innere Reaktion und den Kapitalismus, gegen Liu Schao-tschi und den amerikanischen Imperialismus Stellung bezogen.

All diese schwankenden politischen Haltungen ließen uns zweifeln. Doch obwohl diese Haltungen rätselhaft waren, meinte unsere Partei, meinten wir, China als ein großer sozialistischer Staat mit einem großen marxistisch-leninistischen Führer betreibe eine sehr breite Politik, eine Politik mit Perspektive, auch wenn sich diese Politik, wie ich schon früher gesagt habe, nicht im Rahmen der Hauptprinzipien unserer unvergänglichen marxistisch-leninistischen Lehre bewegte. Hierin liegt das Rätsel, doch inzwischen können wir sagen, dass diese Politik Chinas ein großer Betrug, ein großes Tarnungsmanöver der chinesischen Revisionisten war.

Dem Anschein und der Propaganda nach hatte die chinesische Partei die gleiche Struktur wie die einstige Bolschewistische Partei Lenins und Stalins, die Partei der Arbeit Albaniens und alle marxistisch-leninistischen Parteien. Die Ereignisse zeigen uns, dass diese Propaganda Betrug war. Die Kommunistische Partei Chinas hatte scheinbar eine Organisationsstruktur, mit der eine richtige marxistisch-leninistische Linie umgesetzt werden konnte, doch in Wirklichkeit war es nicht so. Auch was die Diktatur des Proletariats in China anbetraf, so propagierten die Chinesen, sie basiere wie in Albanien auf den Lehren des Marxismus-Leninismus. In dieser Frage hatten wir Zweifel. Wir zweifelten nicht etwa, weil wir über die organisatorischen Strukturen der Partei und der Staatsorgane in China Sicheres gewusst hätten, blieb uns doch der Zugang zur Erfahrung dieser Bruderpartei verschlossen, sondern weil uns viele ihrer Einstellungen und Handlungen nicht gefielen. Wir fragten uns: Warum gibt man einem befreundeten Land wie dem sozialistischen Albanien und einer Bruderpartei wie der Partei der Arbeit Albaniens, die in den schwierigsten Augenblicken, die die Kommunistische Partei Chinas durchmachte, an ihrer Seite standen, nicht die Möglichkeit, die Erfahrung der Partei usw. kennenzulernen?

Ich möchte hier noch einmal betonen, dass die Chinesen, wenn Parteidelegationen nach China kamen, alles mit einer lärmenden Propaganda, mit Kundgebungen, mit Applaus, mit Gongs und einigen nichtssagenden Versammlungen überdeckten. Alle Sitzungen waren demonstrativ, und der ganze Besuch war eine Spazierfahrt, hierhin und dahin. Auf die Fragen, die unsere Genossen den chinesischen Genossen stellten, antworteten diese vage oder nur mit einigen auswendig gelernten Schlagworten und Zitaten, so dass man ihnen nichts entnehmen k konnte, oder sie sagten etwas davon, dass dieses oder jenes annähernd so sei wie bei uns. Die Fakten zeigen, dass sie viel politischen, ideologischen und organisatorischen Betrug begingen.

In China gab es Grundorganisationen der Partei, Parteikomitees der Distrikte, der Kommunen, der Provinzen und ein Zentralkomitee. All diese Organe und Organisationen arbeiteten angeblich entsprechend den Normen einer leninistischen Partei. In diese Gremien wurden «demokratisch» Kommunisten gewählt, die ordnungsgemäß zusammentraten und Beschlüsse fassten. Es hieß, die Partei führe die Staatsmacht, die Verwaltung und die Wirtschaft; die Partei stand angeblich über der Armee und kommandierte die Gewehre, und nicht die Gewehre die Partei. Den Worten nach leiteten dort also das Zentralkomitee, das Politbüro oder der Ständige Ausschuss des Politbüros. Sie existierten auch wirklich, doch nur formal, weil die ganze Organisationsstruktur der Partei auf der persönlichen Leitung Mao Tsetungs beruhte, getarnt durch eine sogenannte kollektive Leitung, die nicht funktionierte. Also handelte Mao mit Unterstützung des Generalbüros und seiner Leibwache, über die ich schon geschrieben habe. Auf dieser Grundlage arbeiteten die Staatsmacht, die Fabriken und Kommunen. Es gab einige Ausrichtungen, einige Regeln, einige Gesetze, die alle dort, wo sie arbeiteten, zu befolgen hatten, usw. usf.

Es heißt, die Gruppe Liu Schao-tschis habe eine Charta mit was weiß ich wie viel Punkten zur Organisierung der Betriebe nach dem Muster des sowjetischen Magnitogorsk gehabt, während Mao zur gleichen Zeit eine andere «Charta» formulierte, die er Anschaucharta nannte. Doch dieses «Werk» Maos, so erklären die Chinesen selber, wurde 10 Jahre lang in der Schublade unter Verschluss gehalten. Von wem? Weshalb? Wie konnte das geschehen, war doch der Vorsitzende der Partei, zumindest offiziell, Mao selbst?! Ein merkwürdiger Kampf der Fraktionen und Linien! Anders ausgedrückt: Die Struktur der Kommunistischen Partei Chinas, so stellt sich heraus, war keine Struktur vom Typ der bolschewistischen Partei Lenins. Inzwischen durchschauen wir diese Struktur und diese Linie klar, doch Zweifel daran hatten wir auch schon früher. Wir schrieben, Mao habe in Wirklichkeit die leninistische Struktur des Parteiaufbaus nicht akzeptiert. Er «akzeptierte» sie nur, um seine unmarxistischen oder, sagen wir, bestenfalls eklektischen Ansichten zu tarnen.

Mao brauchte die Revolution in China, um seine persönliche Macht und die Macht einer großen Clique um ihn herum zu organisieren und zu verschleiern. Dort, so scheint es, gab es viele Cliquen, viele Linien. Jede Provinz war wie ein eigenes Königreich, und jeder Provinzchef war ein Kriegsherr. Wir wissen, dass der Leiter des angeblichen Parteikomitees und des Exekutivkomitees alle Schlüsselpositionen in der Provinz in der Hand hatte, er hatte auch die Funktion des Kommandeurs des Armeekorps in der entsprechenden Provinz inne usw.

Tatsächlich wurde diese Organisation Chinas, wie mir scheint, nach der Revolution modernisiert. Am Apparat des alten Regimes des Kaiserreichs und danach Tschiang Kai-Schecks wurden Veränderungen vorgenommen, um ihn der Zeit anzupassen, und diese Veränderungen wurden in ein angeblich marxistisch-leninistisches Gewand gekleidet. Tatsächlich war die Struktur der Partei in China keine Struktur leninistischen Typs, nicht nur, weil dort das Generalbüro und sein Vorsitzender, der Führer der Partei, allmächtig waren, sondern auch noch aus einem anderen Grund: weil in dieser Partei (und die Chinesen selbst geben das zu) mindestens zwei Linien bestanden, denn Mao predigte, es sollten «hundert Blumen blühen», viele Linien zur Entfaltung kommen. Das ist, so habe ich auch schon bei anderer Gelegenheit betont, nichts anderes als der pluralistische Weg zum Sozialismus, einem Sozialismus allerdings, der mit dem in der Lehre von Marx, Engels, Lenin und Stalin definierten wissenschaftlichen Sozialismus nichts gemein hat.

Auch was die Frage der staatlichen Organisation anbetrifft, hatten wir immer Zweifel. Man sagte uns, außer den hohen, zentralen Organen der Staatsmacht und der Staatsverwaltung existierten auch lokale Organe der Staatsmacht und der Staatsverwaltung in den Provinzen. Diese Provinzen in China sind sehr groß und haben Zigmillionen von Einwohnern, so viel wie ein ganzer Staat, etwa Frankreich, Japan oder die Ukrainische Republik. Wie wurden diese Provinzen geleitet? Sie wurden von einem relativ umfassenden sogenannten Parteikomitee geleitet, es mochte an die 100 Mitglieder haben, von einem Politbüro mit 10-12 Mitgliedern und einem Exekutivkomitee, das mehr oder weniger den Bezirksexekutivkomitees in Albanien vergleichbar war. Für China mit seinem so großen Territorium, seiner so großen Bevölkerung, für ein Land mit verschiedenen Nationalitäten war diese verwaltungsmäßige Einteilung verwunderlich.

Wir fragten uns: Wie ist es möglich, dass bei solchen Organisationsformen und bei so großen Problemen die Verbindungen des Zentrums mit diesem ganzen Territorium und mit diesen Millionen von Einwohnern richtig funktionieren? Das war für uns zweifelhaft und zugleich ein Rätsel. Doch offensichtlich wurden sie persönlich geleitet, durch eine Konzentration von Macht und durch bürokratischen Zentralismus; die Befehle und Direktiven gingen von Mao aus, von hier aus erhielten sie der Ministerpräsident und die Minister zur Umsetzung. Mao schickte also von diesem Generalbüro aus die Befehle direkt an die Provinzsekretäre, und das Fußvolk führte sie aus. Wurden Versammlungen und Konferenzen durchgeführt? Sicherlich, sogar viele, und sie dauerten tagelang. Dabei ging es darum, diese oder jene angeblich große Direktive zu erläutern und den Leuten einzubläuen, damit sie sie ganz genau durchführten. Sie wurde dann als Parteidirektive hingestellt, war es in Wirklichkeit jedoch nicht, sondern eine persönliche Direktive. Das führt zur Schlussfolgerung, dass es in diesem sogenannten sozialistischen Regime Chinas keine Partei gab, die führte und leitete, keine kollektive Führung, sondern nur eine bürokratische persönliche Leitung. Diese Art der Organisation in persönlichen Formen spiegelt sich auch in den Provinzen wider. Sooft es Gruppen- und Fraktionskämpfe gibt, heißt es, diese Provinz halte zu Deng Hsiao-ping, jene zu den «Vier» usw. Nehmen wir Schanghai, eine sehr große Stadt mit rund 10 Millionen Einwohnern. Lange Zeit wurde sie als die «Hochburg» der Gruppe der Vier, Dschang, Djiang, Yao und Wang, betrachtet. Später aber wurde sie als Beispiel für Millionen Menschen präsentiert, die auf die Straße gingen und demonstrierten, um die «Viererbande» zu verurteilen. Hierin spiegelt sich auch die große Diskrepanz in der Behandlung von Kadern und Massen in Bezug auf Bezahlung und Vergünstigungen wider. Das Volk führte ein einfaches Leben, und man muss sagen, es war zufrieden, hatte doch die Revolution eine gewisse Veränderung in der wirtschaftlichen Lage gebracht, mindestens Arbeit und das tägliche Brot (Reis) gesichert.

Betrug liegt auch in der Verwendung einer marxistischen Terminologie. Mit ihr tarnten Mao Tsetung und seine Clique ihre bürgerlichen, kapitalistischen und revisionistischen Aktivitäten. Als wir die vier Bände der Werke Mao Tsetungs lasen, zogen wir daraus einige Schlüsse, und diese Schlüsse waren positiv. Ich habe sogar geschrieben, es sei schwer, dort irgendein theoretisch falsch behandeltes Problem zu finden. Mao gab viele Parolen aus, die einfach schienen, aber auch verschwommen, philosophisch, marxistisch. In Wirklichkeit entwickelte sich die chinesische Gesellschaft ganz anders. Was geschah also? Warum deckten sich die Schriften Maos nicht mit den Handlungen dieses allmächtigen Menschen? Das ist die Frage, das Rätsel bei diesem Problem, und dieses Rätsel lässt sich nicht anders erklären als durch die Tatsache, dass diese vier Bände der Werke Maos bei ihrer Zusammenstellung und Vorbereitung für die Veröffentlichung natürlich von kompetenten Leuten überarbeitet wurden, die sich im Marxismus auskannten und den revisionistischen Abweichungen Maos einen marxistisch-leninistischen Anstrich zu geben hatten.

Anders lässt sich dieser Zustand, der in China entstand, mit seinen grossen ideologischen und politischen Unruhen, nicht erklären. Anders lassen sich die Unbeständigkeit in der politischen Linie der Partei und die ständige Änderung der Strategie der chinesischen Partei und des chinesischen Staates, von den Taktiken ganz zu schweigen, nicht erklären. Jetzt wird verständlich, warum Mao Tsetung so begeistert war, als Stalin mit Schmutz beworfen wurde, warum er so begeistert von Chruschtschow war, den er als «Lenin unserer Zeit» bezeichnete (was wir mit eigenen Ohren gehört haben). Diese Begeisterung hat ihren Grund darin, dass Mao gegen den Marxismus-Leninismus, gegen den von Lenin aufgebauten und von Stalin gestärkten sozialistischen Staat, gegen die leninistischen Normen der Partei und der Diktatur des Proletariats war, dass er für eine persönliche Diktatur war und in Chruschtschow einen neuen revisionistischen Diktator sah, einen Feind der Lenin-Stalinischen Prinzipien und Normen.





DONNERSTAG, 15. SEPTEMBER 1977





DIE VERLEUMDUNGEN DER BOURGEOISIE ÜBER UNS WERDEN IN CHINA DEN KADERN ZUGÄNGLICH GEMACHT

Unsere Botschaft sendet uns aus Peking täglich die für die chinesischen Kader gedachte Materialzusammenfassung von Hsinhua. Diese Materialien strotzen von verleumderischen Artikeln über unser Land. Sie sind den bürgerlichen Zeitungen des amerikanischen Imperialismus und anderer imperialistischer Länder entnommen. Jede Verleumdung dieser Zeitungen wird vom chinesischen Propagandabüro abgedruckt, um den sozialistischen Staat in Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens zu diskreditieren. Dieses Büro steht unter der Leitung des Chefs der Abteilung Internationale Verbindungen des Zentralkomitees, die für die Beziehungen zu den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien auf der Welt zuständig ist.

Außer den Lügenmärchen dieser Zeitungen, Albanien schreibe ganz offen dies und jenes gegen China - und diese Lügenmärchen werden in den für die chinesischen Kader zusammengestellten Nachrichtenbulletins vervielfältigt - heißt es auch, in unserem Land würden Hunderte von Pro-chinesen verhaftet, man foltere sie usw. Man schreibt, die albanischen Studenten, die in China lernen, seien nach Albanien zurückgerufen worden und würden nicht mehr nach China zurückkehren. Verleumderisch wird auch behauptet, die Albaner würden sich den chinesischen Spezialisten gegenüber schlecht benehmen und diese seien aus Albanien vertrieben worden.

All diese Verleumdungen der reaktionären westlichen Presse und viele andere werden von den Chinesen abgedruckt und an ihre Kader verteilt. Die Absicht Geng Biaos und der chinesischen Führung ist leicht zu durchschauen. Damit soll nicht nur die Politik unserer marxistisch-leninistischen Partei, die freundschaftliche Politik unseres Staates der Volksrepublik China gegenüber diskreditiert werden. Mit diesen Dingen wollen die Chinesen auch von den Verhaftungen und den Verbrechen, die sie selbst begehen, ablenken, ihre kapitalistische Linie verschleiern, die sie an allen Ecken und Enden vorantreiben und mit den Artikeln in «Renmin Ribao» und anderen Zeitungen, die von den Chinesen bezahlte Pseudomarxisten überall auf der Welt geschrieben haben, zu tarnen versuchen. Anscheinend veröffentlichen die Chinesen in ihrer offiziellen Presse also alle Lobhudeleien über China, Hua Guo-feng, den 11. Parteitag, die Theorie der «drei Welten, Mao Tsetung, Deng Hsiao-ping usw.. usf., während sie den Kadern die Verleumdungen der bürgerlichen Zeitungen über unsere Partei und unsere Land vorsetzen.

Diese Politik, dieses Vorgehen ist noch nicht einmal bei der reaktionärsten Presse üblich. Einer solch heimtückischen Taktik. bediente und bedient sich noch nicht einmal die Bourgeoisie. Kein bürgerlich kapitalistischer Staat, der sich in Widerspruch und in Feindschaft mit einem anderen Staat befindet, greift zu solchen Verleumdungen und Methoden. Nehmen wir zum Beispiel Griechenland und die Türkei. Sie haben in gewichtigen politischen, ideologischen und territorialen Fragen tiefe Meinungsverschiedenheiten, bedrohen einander sogar mit Krieg, doch sie sprechen offen, kritisieren offen, schimpfen offen und veröffentlichen dies in ihren Zeitungen. Die Chinesen dagegen drucken für ihre Kader die Verleumdungen der Bourgeoisie über uns ab und machen sich nicht die Mühe, in diesen internen Zeitungen unsere wirklichen Ansichten, die wirklichen Ansichten jener marxistisch-leninistischen Parteien zu veröffentlichen, die sich über die großen politischen Probleme äußern. Dies ist den Chinesen gar nicht möglich, denn würden sie ihren Kadern. unsere Meinungen bekannt machen, entstünde eine für die Verräter, die im chinesischen Staat und in der Kommunistischen Partei Chinas an die Macht gekommen sind, unerträgliche Situation.

Einst, zur Zeit Mao Tsetungs und Chruschtschows, verfochten die Chinesen die Taktik, in ihren Zeitungen alle Reden Chruschtschows zu veröffentlichen, nicht nur die Reden, in denen er die imperialistischen Beziehungen rühmte, die Reden, in denen er Stalin diskreditierte, sondern auch die, in denen er China angriff. Wir fragten sie: Warum veröffentlicht ihr dar alles? Mao antwortete mit seiner «großen» Philosophie: «Wir veröffentlichen das, damit die Chinesen von den Fehlern der Sowjets lernen.» Dabei, von dieser «blendenden» Philosophie Maos, profitierten die chinesischen Chruschtschows, Liu Schao-tschi, Deng Hsiao-ping - Tschou En-lai nicht ausgenommen. Man veröffentlichte sie so lange, bis Mao sah, dass die Ergebnisse äußerst gefährlich für ihn waren und ihre Veröffentlichung verbot.

Eine andere Frage ist die Haltung der Chinesen zu den neuen. marxistisch-leninistischen Parteien. Sie hatten keinen Funken Vertrauen in die Organisierung dieser Parteien, deswegen unterschätzten, sie sie nicht nur, ihr Prinzip war sogar: «Wir Chinesen werden Verbindung zu allen marxistisch-leninistischen Parteien und Gruppen halten, die gegründet werden, ohne zu unterscheiden, wer recht hat und wer nicht. Später sehen wir dann weiter.» So verstrich eine gewisse Zeit. Als die Chinesen Strategie und Taktik wechselten und große prinzipielle Fehler begingen, als sie einen anti-marxistischen Weg einschlugen, da nahmen sie auch eine andere Haltung zu den. neuen Parteien ein. Die Parteien, die der KP Chinas lobhudelten, waren ihre Freunde, die anderen dagegen ihre Feinde. Und an der Spitze dieser Feinde steht ihrer Meinung nach die Partei der Arbeit Albaniens. Das ist typisch für diese Renegaten, diese Revisionisten, diese Feinde des Kommunismus, die heute China führen. Doch diese ihre Taktik, diese ihre Handlungen werden nicht lang dauern, denn wie sie es auch anstellen mögen, dar Recht wird sich Bahn brechen, das Wort und die Meinung der Partei der Arbeit Albaniens und der anderen marxistisch-leninistischen Parteien werden sich Bahn brechen und das Ohr des chinesischen Volkes erreichen, das Ohr der chinesischen Marxisten-Leninisten, die auch heute zwischen der richtigen Linie unserer Partei und der anti-marxistischen revisionistischen Linie der chinesischen Führung zu differenzieren wissen, denn. die Schriften unserer Partei finden nun überall Verbreitung. Dieser Prozess der Differenzierung wird sich noch verstärken, diese Schriften werden eine noch größere Verbreitung finden, auch wenn von den chinesischen Revisionisten eine scharfe Zensur verhängt werden wird. Doch eine strenge Zensur, so scheint es, wird sich in China nur schwer verwirklichen lassen, denn sie sind dort nicht so organisiert wie die Sowjetrevisionisten, die den alten Apparat des Aufbaus des Sozialismus beibehielten, ihn jedoch in den Dienst ihrer faschistischen Diktatur stellten. In China dagegen herrscht ein Chaos, und dieses Chaos wird, wenn ich mich nicht täusche, noch zunehmen.

Wir stellen fest, dass es in China keine Ruhe, keine Einheit gibt; wir stellen fest, dass keiner denkt wie der andere - in der Führung nicht und erst recht nicht an der Basis. Und dies nimmt den chinesischen Revisionisten die Möglichkeit, so vorzugehen wie die Chruschtschowianer.





FREITAG, 16. SEPTEMBER 1977





WÄGEN WIR ALLES MIT KÜHLEM KOPF AB

Seit Titos Besuch äußert sich die chinesische Propaganda nicht mehr gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Gegen den amerikanischen Imperialismus sagt sie schon seit geraumer Zeit kein Wort mehr. Ebenso wenig spricht diese Propaganda von der «dritten Welt». Was die anbelangt, stieß China auf den Widerstand Titos, der sie als künstliche Einteilung der Welt bezeichnete. Er verfocht und betonte seine Auffassung, es bestünden die Lager, zu denen eine Reihe von Staaten gehörten, außerdem das System der «blockfreien Länder».

Wie ich schon bei anderer Gelegenheit geschrieben habe, bereiteten die Chinesen Tito einen bombastischen Empfang auch in Schanghai, wo er es nicht versäumte, Demagogie à la Tito. zu betreiben - für Jugoslawien, für die «Selbstverwaltung» und für die «sehr fortgeschrittenen» wirtschaftlichen und technologischen Beziehungen, die Jugoslawien mit dieser großen Industriemetropole Chinas herstellen könne. Dies sollte, anders ausgedrückt, heißen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika China über Jugoslawien mit fortgeschrittener Technologie versorgen sollen, so dass China sein Gesicht wahren kann, in seinem Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus nicht übel bloßgestellt wird. So gewinnen die Vereinigten Staaten von Amerika, so gewinnt Tito, und so gewinnt auch China. Wer bei diesen revisionistischen Umtrieben verliert, ist die Revolution.

China hat also den Weg des Verrats am Marxismus-Leninismus und an der Revolution eingeschlagen und wird sich noch tiefer darin verrennen. Wir werden diesen Prozess jetzt mit größter Aufmerksamkeit verfolgen, denn dies betrifft in erster Linie die ganze Welt, im besonderen aber auch uns. Welche Haltung werden die Chinesen uns gegenüber einnehmen? Es ist klar, dass ihre ideologische und politische Haltung im Widerspruch zu unserer stehen wird. Die Opposition und die wechselseitigen Angriffe erfolgen momentan indirekt. Unsere Opposition ist begründet, hat Substanz und ist unanfechtbar. Ihre dagegen ist unbegründet, unfundiert und antimarxistisch.

Sind die Chinesen derzeit an einer solch indirekten Entfaltung der Polemik interessiert, oder wollen sie, dass sie offen betrieben wird? Nach unseren Erfahrungen hat China ständig eine gewisse indirekte Polemik dieser Art praktiziert. Es bekämpfte Tito, um nicht Chruschtschow beim Namen nennen zu müssen; zwei oder drei Jahre lang griff es den «Chruschtschow Nr. 1» an, um nicht Liu Schao-tschis Namen aussprechen zu müssen, gegen den Mao die Proletarische Kulturrevolution ausrief. Deng Hsiao-ping wurde lange Zeit Chinas «Chruschtschow Nr. 2» genannt, usw. Es gibt diese Taktik in Chinas Praxis.

Die Chinesen sagen: «Die anderen sollen uns zuerst attackieren, danach attackieren wir.» Doch auch wir werden uns ihrer Taktik bedienen, solange das Fass noch nicht überläuft. Dann geht es auch darum, dass die Chinesen, um ihre Gemeinheiten zu kaschieren, ihre anti-marxistische ideologisch-politische Einstellung zu verbergen, möglicherweise die Handelsbeziehungen normal fortsetzen und, natürlich mit Verspätung, die vertraglichen Verpflichtungen, die sie uns gegenüber eingegangen sind, einhalten. Es kann aber auch sein, dass sie diese Verpflichtungen nicht einhalten oder sie so verschleppen, dass wir gezwungen sind, Note um Note an sie zu schicken. Und das werden wir tun. Auf jeden Fall müssen wir diese Sache auch unter dem Gesichtsspunkt verfolgen, dass die Chinesen ihren Verpflichtungen uns gegenüber nachkommen. Es ist in unserem Interesse, dass sie ihren Verpflichtungen nachkommen, ohne dass wir dabei irgendein politisches und ideologisches Zugeständnis machen. Wenn es darum geht, anti-marxistische Handlungen von ihrer Seite zu entlarven, werden wir dazu die Formen und Methoden finden, die von allen verstanden werden, ohne das Kind beim Namen zu nennen. So muss unsere gegenwärtige Taktik aussehen, solange sich die antimarxistischen Handlungen der Chinesen gegen uns nicht sichtbar überstürzen. Diese Taktik kann nicht immer gleich bleiben, kann nicht immer von gleicher Intensität sein. Das hängt ab vom Augenblick, von den Umständen und den Fehlern, die die Chinesen begehen werden. Wir müssen alles mit kühlem Kopf abwägen, im Interesse der Weltrevolution, der Reinheit des Marxismus-Leninismus, im Interesse unserer Partei und unseres sozialistischen Vaterlandes.





DONNERSTAG, 6. OKTOBER 1977



DAS SIND ALBERNHEITEN

Die Rede des chinesischen Außenministers vor der UNO war ein Fiasko. Das war keine politische Rede, noch nicht einmal ein gewöhnlicher Artikel, es hörte sich vielmehr an, als spreche Huang Hua vor dem Revolutionskomitee irgendeiner Volkskommune in China. Kann man vor der Organisation der Vereinten Nationen Dinge sagen wie: «Hua Guo-feng ist der weise Führer, und Mao Tsetung persönlich hat ihn zu seinem Nachfolger bestimmt»? Selbst die Königin von England kann, obwohl dort ein Gesetz über die Thronfolge besteht, die Regentschaft im Land nicht einfach an ihren Sohn abtreten, ohne dass zuvor der Kronrat, dann das Unterhaus usw. usf. einberufen worden sind. Dagegen soll in China, einem Land, das sich sozialistisch und marxistisch-leninistisch nennt, Mao Tsetung das Recht haben, selbst den Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten zu bestimmen, wie er dies im Fall von Hua Guo-feng tat. Sagt man auf einer Sitzung der Organisation der Vereinten Nationen, der Vorsitzende der Partei, Hua Guo-feng, habe «auf einen Schlag die Viererbande zerschmettert»? Das sind Albernheiten. Was für einen Eindruck mag eine solche Rede wohl bei den Ländern der sogenannten dritten Welt machen, die China unter seine Fittiche nehmen möchte?







SONNTAG, 9. OKTOBER 1977





DURCH UNSERE HALTUNG ENTLARVEN WIR DIE PLÄNE DER REVISIONISTEN

Die Rede des Vertreters Albaniens vor den Vereinten Nationen hat einen günstigen Eindruck hinterlassen, und genau das hatten wir angestrebt, besonders im Hinblick auf die kleinen Länder der von den Chinesen erfundenen sogenannten dritten Welt und die angeblich von den Titoisten geführten «blockfreien Länder». Wir entlarvten alle diese «Theorien». Das hat ihre Pläne tatsächlich durcheinandergebracht. Der chinesische Plan von der «dritten Welt» war ein grosser teuflischer Plan mit dem Ziel, China zu einer weiteren Supermacht zu machen, eben indem es sich an die Spitze der «dritten Welt» und der «blockfreien Welt» stellt. Daraus erklären sich auch das Ziel der Pekingreise Titos und das Ergebnis der Gespräche zwischen Hua Guo-feng und Tito. Doch durch unsere Haltung, durch die politische und ideologische Behandlung der Fragen auf dem 7. Parteitag und danach im Artikel vom 7. Juli usw. entlarvten wir die von Mao Tsetung und später seinen Nachfolgern ausgeheckten Pläne.

Nun haben wir diese Arbeit fortzusetzen, denn auf der Welt müssen die richtigen marxistisch-leninistischen Prinzipien siegen und verwurzelt werden, bringen sie doch allen Völkern der Erde die wahre Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität, tragen sie doch bei zur Zertrümmerung und Vernichtung des amerikanischen Imperialismus, des sowjetischen Sozialimperialismus und des chinesischen modernen Revisionismus, der ebenfalls danach strebt, zur Supermacht zu werden.





FREITAG, 14. OKTOBER 1977





EIN REVISIONISTISCHER VERSCHNITT

Gestern Abend las ich den Leitartikel von «Renmin Ribao»: «Über das Blühen von hundert Blumen und das Wetteifern von hundert Schulen», die alte Theorie von Mao Tsetung schon aus der Zeit, als die Clique Liu Schao-tschis, Deng Hsiao-pings, Peng Tschens usw. herrschte, gegen die die «Große», ja sogar «Proletarische Kulturrevolution» durchgeführt wurde.

Mao Tsetung brachte diese geradezu «geniale» Idee auf, die seinen opportunistischen Anschauungen entsprach, hatte doch diese Idee zu bedeuten, dass alle bürgerlichen, kapitalistischen, marxistischen, pseudomarxistischen, revisionistischen, trotzkistischen, anarchistischen Ansichten auf jedem Gebiet zur ungehemmten Entwicklung, zur unbeschränkten Diskussion freigegeben werdem sollten. Diese Linie wurzelte in seinen opportunistischen Ansichten, denn wie aus seinen Schriften hervorgeht, hat er den «Sozialismus» in China nicht auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Theorie, sondern eines von ihm produzierten «Theorie»verschnittst geführt, den man «Maotsetungideen» nennt. In diesem «Sozialismus» in China führt nicht nur die Kommunistische Partei Chinas, und das gibt Mao höchstpersönlich zu. Dort führen auch die anderen Parteien der Bourgeoisie, die mit der Kommunistischen Partei Chinas in einer gemeinsamen Front zusammengeschlossen sind. Laut Mao Tsetung müssen auch diese Parteien China regieren, zusammen mit der Kommunistischen Partei. Es versteht sich, dass diese Parteien nach jener «Theorie» nicht nur das Recht haben, beim Aufbau eines neuen China mitzureden, sondern auch ihre philosophischen Anschauungen über die Kunst, die Kultur, den Aufbau des Staats, der Armee usw. usf. zu äußern.

Die Orientierung der Theorie von «den hundert blühenden Blumen und den hundert miteinander wetteifernden Schulen» ging nicht über die philosophische Linie Mao Tsetungs hinaus, nur dass sie als Konkretisierung eines Modellkampfs der Massen, d.h. einer herrschenden Politik der Massendebatten, bezeichnet und gewertet wurde. Was geschah jedoch, als diese «Theorie» des Vorsitzenden Mao in Kraft trat? Es kam, dass die gesamte reaktionäre Bourgeoisie in China begann, Tausende von politischen, theoretischen, kulturellen und anderen Artikeln zu schreiben, die in flagrantem Widerspruch zum Marxismus-Leninismus standen. Mit diesen Artikeln wurde versucht, unter den breiten Volksmassen die Auffassung zu beleben, der in der Sowjetunion unter Stalins Führung aufgebaute Sozialismus sei ungeeignet, deshalb müsse China einen anderen Weg zu seiner Entwicklung beschreiten, den bürgerlich-kapitalistischen Weg. Die ganze Gewaltkampagne, die damals aufgezogen wurde, hatte die Unterstützung der reaktionären Liu-Deng-Clique.

Als man diese Situation erkannte, d.h., als Mao Tsetung und seine Gruppe sahen, dass der Ausbruch dieser «Teufel», die sie selbst aus der Flasche gelassen hatten, äußerst gefährlich war, wurden mit einem Mal Maßnahmen ergriffen, um ihn aufzuhalten. Dieser Ausbruch ging über das hinaus, was Mao beabsichtigt hatte. Ihm und seiner Gruppe gefiel diese Entwicklung des «Erblühens von hundert Blumen und des Wetteiferns von hundert Schulen» zwar, nicht aber in jener Form, die sie annahm. Das zeigte, dass es mit der Entfaltung dieser «genialen» Idee Maos vorbei war.

Jedenfalls entfesselte, wie wir wissen, Mao Tsetung danach die «Große», ja sogar «Proletarische Kulturrevolution» - mit den Studenten, der «Roten Garde» und der Armee. Er liquidierte die Partei und die Massenorganisationen und auf diese Weise auch das Hauptquartier Liu Schao-tschis. Tatsächlich liquidierte Mao Liu Schao-tschi sowie Peng Tschen und einige andere reaktionäre Häupter, nicht aber Deng, den Liu Schao-tschi Nr. 2, und einige andere ausgemachte Revisionisten wie ihn.

Machen wir es kurz. Die Kulturrevolution unternahm einige, natürlich lahme, Anstrengungen, denn ihr Kopf, Mao Tsetung, stand nicht auf wirklich marxistisch-leninistischen Positionen, die es ihm erlaubt hätten, eine solche Revolution, d.h. eine Revolution unter der Diktatur des Proletariats, zu Ende zu führen. In dieser Revolution kam aber nicht die Diktatur des Proletariats an die Macht und zur Ausübung; im Gegenteil, diese Revolution - «proletarisch» und «unter der Diktatur des Proletariats», wie Mao sagte - verlief nicht unter der Führung dieser Diktatur, sondern einiger unklarer, nichtrevolutionärer Anschauungen. Während der Großen Kulturrevolution wurden gute und schlechte Maßnahmen ergriffen, bis es Mao Tsetung erneut mit der Angst zu tun bekam, diesmal vor ihr selbst, und nach der Liquidierung Liu Schao-tschis zusammen mit Tschou En-lai die Bewegung bremste, versuchte, China auf die Positionen zu bringen, die Maos eigenen Vorstellungen entsprachen, nicht auf revolutionäre, marxistisch-leninistische, sondern auf opportunistische, liberale Positionen. Und Mao erreichte dieses Ziel, er rehabilitierte Deng und ernannte ihn gar zum stellvertretenden Ministerpräsidenten und Vizevorsitzenden der Partei.

Indessen gab es nach dem Tod Tschou En-lais im Politbüro eine «Viererbande», wie Hua Guo-feng und Konsorten sie nennen. Sie bezichtigten sie, reaktionär, radikal, pseudolinks zu sein, in Wirklichkeit nannte man sie aber rechts und sagte, sie sei gegen alles. Hua Guo-feng und Konsorten behaupten, die «Vier» seien dafür gewesen, «die Bourgeoisie an die Macht zu bringen, den Sozialismus zu liquidieren» usw. usf. Und so liquidierte Hua Guo-feng zusammen mit der Armee nach Tschou En-lais und Maos Tod «auf einen Schlag» die «Vier», das heißt, er stabilisierte die Lage durch einen Putsch.

Kommen wir nun zu den «hundert Blumen und hundert Schulen». Die Linie der Putschisten ist also klar. Sie brauchten diese alte «Theorie» Mao Tsetungs, doch - so der in «Renmin Ribao» veröffentlichte Leitartikel - sie wurde von den «Vier» in ihrer breiten Entfaltung behindert. Wenn die «Vier» sie behindert haben, so haben sie daran sehr gut getan; Hua Guo-feng und Deng Hsiao-ping mit Konsorten indessen beschuldigen die «Vier», damit ein großes Verbrechen begangen zu haben, und deshalb haben sie nun diesen Leitartikel veröffentlicht, in dem sie predigen, man müsse die «hundert Blumen und hundert Schulen» sich entwickeln lassen. Das heißt, dass alle konfuzianischen und bürgerlich-kapitalistischen philosophischen Strömungen blühen sollen, und diese idealistische, kapitalistische und pragmatische Ideologie, diese «Maotsetungideen» kleidet man in ein marxistisch-leninistisches Mäntelchen. «Diese neue Entwicklung des fortschrittlichen chinesischen Denkens», heißt es in dem Artikel, «ist die Fortsetzung und die genaue Anwendung der Ideen Mao Tsetungs». So ist es tatsächlich : die Entwicklung der unmarxistischen Ideen Mao Tsetungs.

Das braucht der Revisionistenklüngel, der dort die Macht angetreten hat, um das sozialistische China in ein kapitalistisches Land zu verwandeln. Er braucht es, um den Boden für große kapitalistische Investitionen multinationaler Gesellschaften vorzubereiten, für die Schaffung von Großkonzernen in China, die mit den großen Konzernen Amerikas und der anderen wirtschaftlich entwickelten kapitalistischen Länder, d.h. der «zweiten Welt», kooperieren sollen. Diese Welt und die Großkonzerne, die es in ihr gibt, wollen in China investieren, denn sie haben dort kolossale Interessen. Der chinesische Markt ist unermesslich, China hat große Reichtümer. Dementsprechend verlangen diese Länder Stabilität im chinesischen Staat, sie verlangen, dass der Revolution vorgebaut wird. Und um das zu erreichen, genügt es nicht, dass die Staatsmacht in den Händen von Konterrevolutionären liegt, vielmehr müssen auch die Organisation, die Basis und der Überbau des chinesischen Staates kapitalistisch sein. Das heißt, seine wirtschaftlichen, politischen und ideogischen Beziehungen mit den imperialistischen Großmächten müssen sich harmonisch entwickeln. Deshalb kommt ihnen die «Theorie» vom «Blühen der hundert Blumen» und vom «Wetteifern der hundert Schulen», eine typisch revisionistische Theorie, gelegen.

Vorgestern las ich in der französischen Zeitung «Le Monde» einen Artikel, in dem einer ihrer Korrespondenten einige Ansichten des französischen Revisionisten Garaudy behandelte. Darin werden unter anderem die gleichen Ansichten über die Entwicklung von Kunst und Kultur geäußert, wie sie auch die Chinesen vertreten, allerdings ohne den Ausdruck «hundert Blumen und hundert Schulen» zu verwenden. Der Autor des Artikels gibt Garaudys Auffassung wieder, man müsse Kunst, Kultur und Philosophie je nach der Überzeugung und dem Glauben jedes einzelnen sich frei entwickeln lassen. Insbesondere dürfe sich diese Entwicklung auf keinen Fall von überholten Dogmen leiten lassen. Man müsse vielmehr eine Konfrontation der Meinungen gestatten, damit die Zukunft ersonnen und nicht vorausgesehen werde, ersonnen also von den Denkern, denen man die Freiheit lassen müsse, ihre heterogenen Anschauungen zu entwickeln. Anders ausgedrückt: der Artikel zeigt, dass Garaudy genau die gleichen Ansichten predigt wie Mao. Irgendwo schreibt der Korrespondent von «Le Monde», es täte ihm leid, sich während seines Philosophiestudiums an der Pariser Universität nicht auch Kenntnisse in der indischen, der chinesischen, der arabischen Philosophie usw. erworben zu haben.

Ideologisch befinden sich die Chinesen in Gemeinschaft mit allen revisionistischen Strömungen der Welt und stehen auf den gleichen Positionen wie diese. Sie werden ihrerseits die spezifischen Merkmale des chinesischen Revisionismus einbringen, die - bedingt durch die Landschaft der chinesischen Gesellschaft selbst, die Bestrebungen der chinesischen Revisionistenclique und die alte chinesische Philosophie - zutage treten werden. Anders ausgedrückt, der chinesische Revisionismus wird ein ziemlich komplizierter, mystischer und teuflischer Verschnitt sein, denn die Chinesen werden bei der Verteidigung ihrer eklektischen revisionistischen Theorien ständig weiter vorrücken. Kennzeichnend für die revisionistische chinesische Ideologie wird die Erzeugung einer großen Konfusion im nationalen Maßstab sein, und zwar nicht nur, um die revolutionäre Bewegung zu ersticken und den Marxismus-Leninismus in Misskredit zu bringen. Nein, dieser Eklektizismus wird zugleich auch in der Ideologie der anderen Revisionisten Konfusion hervorrufen, besonders in der Ideologie derer, die den Sowjetrevisionismus unterstützen.

Ideologische Konfusion werden die Chinesen nicht nur getrieben vom Wunsch, den Sowjetrevisionismus bloßzustellen, hervorrufen, sondern auch auf Grund der konfuzianischen asiatischen Psychologie und Mentalität Chinas und der idealistischen asiatischen Philosophie im Allgemeinen. Wenn wir von der Philosophie reden, können wir über den Einfluss der Religion auf sie nicht hinwegsehen - des Buddhismus, des Brahmanismus, außerdem des Christentums und des Islam, letzterer in dem Maß, wie sie auf dem asiatischen Kontinent und dem chinesischen Subkontinent eine Rolle zu spielen vermögen.

Darüber hinaus wird Chinas Politik auch von einer großen, andauernden Unbeständigkeit charakterisiert sein. Lange Zeit werden Heuchelei, Lächeln, zugleich aber auch prinzipienlose Schläge, Angriffe und Gegenangriffe ihre Kennzeichen sein. Diese ganze Politik wird geprägt sein von der Tendenz, auch in den anderen Ländern ein Klima der Konfusion zu schaffen, besonders in Asien und Afrika, wo China seinen eigenen vorherrschenden Einfluss ausüben oder, anders ausgedrückt, sich jene Märkte und Einflusszonen verschaffen kann, die es braucht, um zur Supermacht zu werden.

Unter diesem Blickwinkel muss der Kampf gegen den chinesischen Revisionismus geführt werden. Chinas «große» Politik wird nicht nur mit dem entschlossenen Kampf der Partei der Arbeit Albaniens und aller anderen marxistisch-leninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt frontal zusammenprallen, sondern zugleich auch mit dem Widerstand der Völker der sogenannten dritten Welt, mit denen China ein verlogenes politisches Spiel mit vielen Gesichtern und vielen Fahnen treiben zu können glaubt. Es wird in Widerspruch zu dem einen oder dem anderen Volk geraten, denn schon allein der Revisionismus schafft Widersprüche. Doch auch Chinas imperialistische Ziele werden nicht nur zwischen ihm und den Imperialisten, nicht nur zwischen ihm und den großen Industriestaaten, also den anderen Imperialisten, die kleiner sind als der amerikanische Imperialismus und der sowjetische Sozialimperialismus, Widersprüche heraufbeschwören, sondern auch zwischen den Staaten and Völkern, die es «dritte Welt» nennt.

China half Mobutu, stellte sich gegen das kongolesische Volk. Jetzt - beim Konflikt zwischen Äthiopien und Somalia - sehen wir, dass China den Rückzug angetreten hat, weil ihm klar geworden ist, dass es sich in Afrika mit seiner früheren Haltung in Verruf gebracht hat. Gegenwärtig, so scheint es, hält es zu Somalia, das gegen Äthiopien kämpft. Der Krieg zwischen diesen beiden afrikanischen Ländern ist durch die Supermächte verursacht worden, durch die strategischen und wirtschaftlichen Interessen des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus. Der sowjetische Sozialimperialismus hilft Äthiopien, die Vereinigten Staaten von Amerika dagegen helfen Somalia. China musste Somalia gegen Äthiopien unterstützen und tut das nun auch, allerdings sehr vorsichtig. Dennoch schafft das einen weiteren Widerspruch und entlarvt den «großen» Anspruch Chinas, es sei Beistand der kleinen Völker. Wenn es geneigt wäre, den kleinen Völkern zu helfen, dann müsste es festlegen, was für eine Hilfe es ihnen zu geben hat. Doch China ist nicht in der Lage, solch eine richtige Politik festzulegen, denn seine Politik ist nicht marxistisch-leninistisch, sondern konjunkturabhängig, eklektizistisch, kapitalistisch. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als die eine kapitalistische Gruppe zu unterstützen und die andere zu bekämpfen. Wäre Chinas Politik marxistisch-leninistisch, müsste es all jene angreifen, die diese Kriege zwischen den Völkern anzetteln, und den Völkern dieser beiden Länder müsste es ihren wahren Weg zeigen, das heisst, den Weg der wahren Unabhängigkeit, Freiheit und Souveränität, um sie so dem Einfluss und den Einmischungen der Imperialisten und Revisionisten zu entziehen. Das vermag China nicht, deshalb wird seine Politik stets eine konjunkturabhängige, eine kapitalistische Politik sein, eine Politik der ständigen Widersprüche, eine Politik, die es politisch und ideologisch diskreditieren wird.

Chinas wahre Absicht ist es, in erster Linie von den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch von Japan, von Westdeutschland, von Frankreich usw. Kredite zur Stärkung seiner Armee und seiner Wirtschaft zu erhalten. Das sind die beiden Ziele Chinas in Politik und Ideologie. An dieser Ausrichtung ist nichts Marxistisch-Leninistisches. Im Gegenteil, das ist eine bürgerliche Politik und Ideologie, die China zwar in einen Staat mit grossem wirtschaftlich-militärischem Potential, aber mit kapitalistischer Basis und kapitalistischem Überbau verwandeln wird.

Mit jedem Tag und mit jedem Monat werden die Marxisten Leninisten diese antimarxistische Politik Chinas noch klarer erkennen. Auch die armen Völker der Erde, die nach wahrer Freiheit und Unabhängigkeit streben, wollen sich von den Ketten des Kapitals befreien. Auch sie werden täglich klarer erkennen und durchschauen, dass die chinesische Politik genauso versklavend ist wie die Politik des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus. Sie werden begreifen, dass China mit den reaktionären Führungen dieser Länder Politik macht und nicht mit den Völkern.

Natürlich müssen wir Marxisten-Leninisten, besonders die Partei der Arbeit Albaniens, einen großen und scharfen, ungleichen Kampf gegen alle imperialistisch-revisionistischen Mächte führen. Der Kampf, den wir gegen den chinesischen Revisionismus führen, ist natürlich hart und wird immer heftiger werden, ungeachtet der Taktik, die wir aus den angeführten Gründen vorläufig beibehalten werden. Doch das Problem liegt darin, dass alle anderen wahren marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien begreifen müssen, dass wir es mit einem großen Feind zu tun haben und dass unser Kampf sehr scharf, sehr kompliziert ist, dass wir deshalb in seinem Verlauf auf grosse Schwierigkeiten und Hindernisse stoßen, aber auch Siege erringen werden.

Die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien auf der Welt haben eine intensive Arbeit zu leisten, um die Massen der Arbeiter und alle Werktätigen ihrer Länder über die Ziele der Partei, über ihr Minimal- und Maximalprogramm aufzuklären. Es ist wichtig, dass diese Arbeit konkretisiert wird, und sie wird nach und nach konkretisiert werden, doch die Konkretisierung muss zementiert sein und nicht oberflächlich, denn eine oberflächliche Konkretisierung schafft nicht jene solide Möglichkeit, die kritischen Phasen und die schwierigen Augenblicke zu überwinden, auf die die marxistisch-leninistische Bewegung, der Sozialismus, der Kommunismus und die Revolution auf der Welt stoßen werden.







MONTAG, 24. OKTOBER 1977





DENG HSIAO-PINGS INTERVIEW IST EIN FASCHISTISCHES INTERVIEW

Vergangene Woche gab Deng Hsiao-ping AFP (der französischen Nachrichtenagentur) ein Interview, in dem er viele Probleme behandelte und eine Reihe von Fragen des Korrespondenten der Agentur beantwortete. Im allgemeinen zielten die Fragen von AFP darauf ab, die Ansichten der chinesischen Führung, besonders Deng Hsiaopings, kennenzulernen. Und dieser äußerte offen, ungeschminkt die Ansichten der chinesischen Regierung.

Das Hauptproblem, auf das er einging, war, dass die Spannung auf der Welt gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, nach Meinung der chinesischen Revisionisten der Hauptfeind, noch mehr erhöht werden müsse. Deng Hsiao-ping sprach offen davon, die ganze Welt müsse mobilisiert und in einer gemeinsamen Front vereinigt werden, um die Sowjetunion niederzuwerfen, ihre Kriegspläne zu durchkreuzen. «Der von der Sowjetunion ausgebrütete allgemeine Kriegsplan muss zerschlagen werden», sagte er, «und ich hoffe, dass dieses Bemühen die ganze Welt umfassen wird, die dritte Welt, die zweite Welt und sogar die erste Welt, d.h. die USA.» «Diese Mobilisierung», fuhr Deng Hsiao-ping fort, «muss allseitig sein - politisch, ideologisch, wirtschaftlich und militärisch.» Und er rief die Vereinigten Staaten von Amerika und die anderen großen imperialistischen Staaten auf, die Versorgung der Sowjetunion mit Getreide, mit Technologie usw. einzustellen.

«Wir werden», so erklärte Deng Hsiao-ping, «jegliche ausländische Technik und Technologie nehmen, unsere Wirtschaft stärken, unsere Armee und unsere Landesverteidigung stärken und bereit sein für den Krieg gegen die Sowjetunion.» Aus Dengs Antworten geht klar hervor, dass sich China von den Imperialisten große Hilfe verspricht. Deng Hsiao-ping erklärte: «Wir werden die Politik des Vorsitzenden Mao auf dem Feld der auswärtigen Angelegenheiten fortsetzen, besonders die Theorie der drei Welten, die in Zukunft die Grundlage unserer Außenpolitik sein wird. .. Ich war im Jahr 1974 der erste, der diese Theorie vor den Vereinten Nationen darlegte». Und an den AFP-Korrespondenten gewandt, setzte er hinzu: «Der erste, der Beifall spendete, war Ihr ehemaliger Außenminister Michel Jobert.»

Auf die Frage nach der Kritik unserer Partei an der Theorie der «drei Welten» antwortete Deng Hsiao-ping: «Diese Kritik hat für uns keinerlei Bedeutung. . . Wenn einer diese Theorie nicht akzeptieren will, so ist das seine Sache. Der fanatischste Gegner der Theorie der drei Welten ist die Sowjetunion.» Mit anderen Worten, für Deng Hsiao-ping sind wir Albaner das Sprachrohr der Sowjetunion.

Dieser chinesische Faschist gerät in Widerspruch zur Theorie der chinesischen Führung und widerspricht sich selbst, wenn er im Anschluss an die Behauptung, die Sowjetunion sei der gefährlichste und Hauptfeind, die These vertritt, die Sowjetunion sei schwach, weil es ihr an Getreide, an Brot, an Technologie mangle und es nicht wahr sei, dass sie ein Übergewicht an atomaren Massenvernichtungswaffen besitze usw. Ein solch wildes faschistisches Subjekt, das sich als Marxist-Leninist ausgibt und dabei den blutigen imperialistischen Weltkrieg predigt, hat es noch nie gegeben. Das ist Deng Hsiao-ping, hinter dem die Clique der faschistischen chinesischen Armee und sicher auch Hua Guo-feng steht.

Trotzdem, Deng Hsiao-ping erwähnte, in diesem Interview den berühmten Vorsitzenden Hua Guo-feng mit keinem Wort. Er sprach als Vorsitzender der Partei, als Ministerpräsident, als Diktator Chinas, sprach mit unbeschränkter Autorität und herausfordernder Arroganz über seine aggressiven Ziele und eine offene, allseitige Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika und den entwickelten kapitalistischen Ländern der Welt.

In diesem Interview Deng Hsiao-pings sucht man vergebens nach dem Wort «sozialistisch» oder den Begriffen «sozialistisches Land» und «Marxismus-Leninismus». All das ist aus dem Wortschatz dieses Faschisten verschwunden.

Gefragt, was er vom «Eurokommunismus» halte, erklärte Deng Hsiao-ping, er sympathisiere noch nicht mit diesen Parteien, da er den Verdacht habe und befürchte, sie wollten in die Regierungen ihrer Länder eintreten, um eine Entspannung mit der Sowjetunion herbeizuführen. Selbst aber sprach er sich offen gegen eine Entspannung aus. Er betonte, es müsse alles nur mögliche getan werden, um die Spannung zu erhöhen, also die Psychose des neuen imperialistischen Kriegs zu schüren. Weiter sagte er über diese Parteien, China wisse «die Unabhängigkeit, die sie gegenüber der Sowjetunion bekundet haben, zu schätzen, . . . doch wir müssen noch abwarten, ob sich das auch bewahrheiten wird». Und um die Sache abzurunden, setzte er hinzu: «Wir sind mit diesen Problemen nicht so vertraut, befinden sich doch diese Parteien weit von China entfernt, in Europa.» Deng Hsiao-ping betreibt eine nicht nur europäische, nicht nur asiatische, sondern eine «große» Weltpolitik. Wenn er also behauptet, er wisse nicht genau Bescheid über den .«Eurokommunismus», weil die «Eurokommunisten» in Europa sitzen, dann zeigt er damit seine faschistischen Anschauungen, lässt er offen erkennen, dass ihn nichts interessiert, dass er nichts vom Klassenstandpunkt aus, sondern alles nur unter dem Blickwinkel der Entfesselung eines blutigen atomaren Weltkriegs betrachtet.

Das waren die Kernpunkte dieses Interviews, das Deng Hsiao-ping gab. Zum Abschluss des Interviews versäumte es AFP nicht hinzuzufügen, er habe, als es um die Frage unseres Landes ging, erklärt, Albanien sei das Land, das China wegen der Theorie der «drei Welten», wegen seiner Annäherung und Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika angegriffen habe.

Wie schrecklich für die Geschicke der Menschheit und der Revolution ist doch die gegenwärtige Politik Chinas, wie gefährlich ist doch dieser Mann, wie gefährlich die Clique, die nun in China herrscht!

Wir bemühen uns, Chinas Annäherung an die Vereinigten Staaten von Amerika und die kapitalistische Großbourgeoisie der Welt mit Fakten und Dokumenten zu belegen, doch um das zu erkennen, ist tatsächlich nicht viel Verstand nötig, erzählen doch Deng Hsiao-ping und seine Clique selbst weit und breit offen, sie seien nicht nur für eine Annäherung, sondern sogar für ein Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika und allen Kriegstreibern der Welt. Es lässt Deng Hsiao-ping kalt, dass es gerade die Völker und das Proletariat aller Länder sind, die ein Vorgehen, wie er es vorschlägt, in ein Blutbad stürzen würde. Ebenso kalt lässt diesen Faschisten der Befreiungskampf, den die Völker gegen den Imperialismus, den Sozialimperialismus, den Revisionismus aller Schattierungen und die reaktionäre Bourgeoisie ihrer Länder führen. Deng Hsiao-ping und die chinesische Führungsclique sind gegen diese Befreiungskämpfe, deshalb rufen sie zu ihrer Einstellung und zur Unterwerfung der Völker unter das faschistische chinesische Diktat auf.

Das sind wahrhaftig die Ansichten eines blutrünstigen Wahnsinnigen. Die linken Elemente in China haben mit vollem Recht Mao Tsetungs Schritt verurteilt, diese Bestie zu rehabilitieren, die später erneut gestürzt wurde. Doch als die Konterrevolution mit Hua Guo-feng an der Spitze die Macht ergriff, liquidierte dieser die sogenannten Vier, rehabilitierte Deng Hsiao-ping, den sogar er selbst bezichtigt hatte, ein gefährlicher Revisionist und ein Rechter zu sein. Inzwischen hat jedoch Deng Hsiao-ping alle Hemmungen abgelegt. Das zeigt ebenfalls, dass es in der chinesischen Führung tiefe Widersprüche und Spaltung geben muss.

In den Nachrichten heißt es, Wu Dö und Tschen Hsi-liän würden gerade kaltgestellt. Sie waren zwei Elemente im Politbüro, die zusammen mit Hua Guo-feng Deng Hsiao-ping attackierten. Nun beschuldigt man sie in Dazibaos, sie hätten keine Selbstkritik geübt. Das heißt mit einem Wort, sie haben sich Deng Hsiao-ping nicht unterworfen. Doch anscheinend ist auch Hua Guo-feng nicht völlig einverstanden mit Deng Hsiao-ping, und zweifellos lavieren er und seine Gruppe, um Deng und seine Gruppe auszuschalten.

Die Geschichte des chinesischen Staates ist nichts als eine Aufeinanderfolge von Putschen, bei denen es darum geht, welche Truppe die Macht in ihre Hand bringt und ihre Politik macht. Deshalb werden wir in dieser Hinsicht in China noch viel erleben, denn die Gruppe Deng Hsiao-pings möchte allmächtig werden.

Es ist kein Zufall, dass Deng Hsiao-ping diese Politik der Weltöffentlichkeit so unverhüllt verkündete. Natürlich nimmt die gesamte Weltöffentlichkeit, nehmen nicht nur die Marxisten-Leninisten, sondern auch die kapitalistische Großbourgeoisie, auch der amerikanische Imperialismus eine derart brutale Politik, ein derart brutales Diktat von seiten Deng Hsiao-pings nicht hin. Sie durchschauen Chinas Absichten: große Kredite von den imperialistischen und kapitalistischen Ländern zu erhalten, seine Armee und seine Wirtschaft zu stärken, zur Supermacht zu werden und ein Gegengewicht zur Macht der beiden größten Staaten, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, zu bilden. Gewiss sind die Amerikaner und all die internationalen Gesellschaften, die China, die Sowjetunion, Osteuropa und einander finanzieren, nicht so verrückt, den Weg zu gehen, den Deng Hsiao-ping empfiehlt. Zweifellos bricht der Krieg aus, wenn sich die Widersprüche aufs Äußerste zuspitzen. Und diese Widersprüche spitzen sieh wirklich zu. Auf der Welt gibt es wichtige Elemente im Hinblick auf einen Kriegsausbruch, gibt es auch Investitionsgesellschaften, die als Katalysator dabei nicht übersehen werden können. Und genau diese multinationalen Gesellschaften, diese gewaltigen Truste sind es, die den Regierungen die Politik diktieren.

Ich erinnere mich an eine brutale Äußerung Chruschtschows, die von einer Zeitung veröffentlicht wurde. Als eine italienische Delegation in die Sowjetunion kam, um über italienische Investitionen dort zu verhandeln, zeigte Chruschtschow, ohne sich um die beiden italienischen Minister zu kümmern, sofort mit dem Finger auf Agnelli, den Präsidenten von FIAT, und sagte : «Mit dir will ich mich unterhalten, denn die andern da sind heute an der Macht und morgen nicht mehr. Du dagegen wirst immer an der Macht sein, weil du die Macht bist und nicht die da.» Diese Aussage Nikita Chruschtschows war nicht ohne Grundlage. Schlussfolgernd können wir sagen, dass es nicht Deng Hsiao-ping mit seinem Geschwätz ist, der über die Geschicke der Welt entscheidet.





MONTAG, 31. OKTOBER 1977





EIN ANTI-MARXISTISCHES DOKUMENT



Einige vorläufige Bemerkungen zum redaktionellen Artikel der Zeitung «Renmin Ribao» über die «Dreiteilung der Welt»

Dieser lange, angeblich theoretische Artikel ist durch und durch pseudo-marxistisch. Ich werde noch ausführlich auf seinen Inhalt und seinen Zweck eingehen, doch heute möchte ich vorweg betonen, dass dieser Artikel als Entgegnung auf die Thesen unseres 7. Parteitags, seine zentrale Idee und ihre genaue Darlegung in verschiedenen von uns veröffentlichten Artikeln geschrieben wurde.

Ich glaube, dass die Chinesen diesen Artikel deshalb mit ziemlicher Verspätung herausbrachten, weil sie zunächst die kommunistische Weltmeinung und die. Weltmeinung ganz allgemein über die Thesen unseres Parteitags und ihre Weiterentwicklung in den Artikeln, die wir später veröffentlichten, erkunden mussten. Sie sahen, dass die Welt auf die Thesen unserer Partei sehr positiv reagierte. Die Welt verstand, dass wir die pseudo-marxistischen Thesen von Mao Tsetungs Theorie der «drei Welten» sowie Chinas Vorstoß in Richtung auf die Freundschaft und das Bündnis mit dem amerikanischen Imperialismus attackierten.

Anfänglich war es die Taktik der chinesischen Revisionisten, jene pseudo-marxistisch-leninistischen Parteien zu sammeln, die ihnen hinterherlaufen, etwa die «Kommunistische» Partei Frankreichs/ Marxisten-Leninisten, die Belgiens, Hollands usw., und sie gegen uns aufzuwiegeln. Diese Taktik brachte ihnen überhaupt nichts ein, weil das, was die Chinesen und ihre Lakaien taten, bei niemandem Gehör fand. Unter diesen Umständen sah sich China genötigt, diesen Artikel herauszubringen, mit dem in erster Linie nachgewiesen wer den soll, dass die Partei der Arbeit Albaniens die internationale Lage nicht einer richtigen marxistisch-leninistischen Analyse unterzogen habe, dass sie nicht in der Lage sei, die Ereignisse auf wirklich marxistisch-leninistische Weise zu interpretieren. Die Chinesen wollen also mit diesem Artikel vor allem Mao Tsetungs Theorie der «drei Welten» «untermauern», ihr den Anstrich geben, als stütze sie sich völlig auf die Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin. Zu diesem Zweck wird auch eine Unzahl von verstümmelten und verdrehten Zitaten der Klassiker des Marxismus-Leninismus angeführt. Mit diesen Zitaten versuchen die Chinesen zu «belegen», dass der Sowjetrevisionismus gegenwärtig die Hauptgefahr darstelle, woraus die Notwendigkeit erwachse, ein Bündnis der «dritten Welt» mit der «zweiten Welt» und den Vereinigten Staaten von Amerika herzustellen, um den sowjetischen Sozialimperialismus zu zerschlagen.

In diesem Artikel versuchen die Chinesen die Notwendigkeit der Einheit des Proletariats und der unterdrückten Völker zur Herstellung eines Bündnisses mit ihren Unterdrückern «nachzuweisen»! Sie versuchen zu demonstrieren, aus der Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin ergebe sich, dass wir Albaner die Augenblicke, die Bündnisse nicht verstehen, dass wir nicht verstehen, worin die Hauptgefahr besteht, und schließlich, dass wir nicht die Rolle begreifen, die die Staaten der «dritten Welt», ihrer Meinung nach die Hauptkraft der Revolution, angeblich zu spielen haben!

Ein weiteres Ziel, das die Chinesen mit diesem Artikel verfolgen, ist, in allen Ländern, vor allem aber den Ländern der «dritten Welt», den Eindruck zu verwischen, den die Thesen unseres 7. Parteitags bei der internationalen Öffentlichkeit hinterlassen haben, und die große Resonanz, die der Artikel von «Zëri i popullit» «Theorie und Praxis der Revolution» gefunden hat, zu beseitigen. Die Theorie der «drei Welten» ist ein Schlüsselproblem für China. Indem es sich selber zu dieser gewissen «dritten Welt» rechnet, versucht es, seine Hegemonie ideologisch zu rechtfertigen. Die anti-marxistische chinesische Strategie der «drei Welten», die sich in ein marxistisches Mäntelchen kleidet, hat das Ziel, sich die wirtschaftliche, militärische und politische Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika zu sichern, in den Ländern der «dritten Welt» Chinas anti-marxistische Ideologie zu verbreiten, ständig und sorgfältig eigene Märkte in die ser Welt zu erschließen und gleichzeitig den Sowjetrevisionismus an der Besetzung neuer Märkte zu hindern. Auf diese Weise versucht China, mit einer Klappe gleich mehrere Fliegen zu schlagen.

Diese konterrevolutionären strategischen und praktischen Ziele Chinas haben wir entlarvt, und wir müssen sie auch in Zukunft entlarven. In diesem neuen Artikel von «Renmin Ribao» ist nicht die Rede von der Revolution, denn für die Chinesen ist Lenins These, dass der Imperialismus das letzte Stadium des Kapitalismus und der Vorabend der proletarischen Revolution ist, überholt. Die proletarische Revolution existiert für die Chinesen nicht mehr, ist für sie doch das Bündnis mit der Bourgeoisie, mit dem Weltkapitalismus, mit dem amerikanischen Imperialismus an die erste Stelle getreten. Diese chinesische Variante des modernen Revisionismus hat sich nicht nur in den Dienst des amerikanischen Imperialismus gestellt, sondern lässt auch die Tendenz erkennen, alle anderen Revisionistencliquen, die an der Macht sind, die Staatsmacht in der Hand haben, von den Titoisten bis zu den polnischen Revisionisten, um sich zu scharen.

Ein weiteres Ziel der Chinesen ist, die Revisionistencliquen der Länder Osteuropas von der Sowjetunion zu lösen und im Rahmen der sogenannten dritten und zweiten Welt in einem Bündnis an China und den amerikanischen Imperialismus zu binden. China versucht, eine buntscheckige Einheit der Revisionisten auf der Welt zu schaffen, um sie in die Lage zu versetzen, gemeinsam den «Dirigentenstab» zu zerbrechen - den Sowjetrevisionismus, der dadurch, dass er die Nachfolgerschaft Lenins für sich in Anspruch nimmt, weiter Einfluss auf der Welt hat, und der gegenwärtig die Länder Osteuropas unter seinem Joch hält. Der chinesische Revisionismus ist also die Variante des modernen Revisionismus, die in verschiedenen Formen die Vereinigung des Revisionismus überall auf der Welt herzustellen und die eigene Hegemonie zu errichten sucht. Der chinesische Revisionismus arbeitet mit dem Imperialismus zusammen, damit der Sozialismus auf «friedlichem» Weg, in «demokratischen» und «parlamentarischen» Formen, ohne die gewaltsame Revolution, ohne die Hegemonie des Proletariats, also durch eine soziale Revolution unter Führung vieler Parteien, durch Pluralismus siege. Santiago Carrillo, Generalsekretär der «Kommunistischen» Partei Spaniens, hat sich so ausgedrückt: es gehe darum, den heutigen kapitalistischen Staat auf «demokratischem», «parlamentarischem» Weg umzugestalten, und nicht darum, ihn in den Fundamenten zu zerschlagen. In diesem Staat à la Carrillo sollen auch die bürgerlichen Parteien ihren Platz haben. Carrillo predigt, diese «sozialistische» Umgestaltung solle nicht durch Revolution, sondern immer schön sachte und schrittweise vollzogen werden.

Natürlich werden weder der amerikanische Imperialismus noch die entwickelten kapitalistischen Länder des Westens den von China oder Carrillo gepredigten Weg gehen. Sie werden, ohne auf sie zu hören, für ihre eigenen Interessen, um Hegemonie kämpfen. Gegenwärtig sind die Imperialisten und Kapitalisten daran interessiert, große Profite aus den Investitionen herauszuholen, die sie in der Sowjetunion und den ehemals volksdemokratischen Ländern vorgenommen haben und vornehmen. Ebenso sind sie an Investitionen auch in China interessiert. Dieses Ziel werden der amerikanische Imperialismus und die anderen Imperialisten niemals aus dem Auge verlieren, denn durch seine Verwirklichung stärken sie nicht nur ihre wirtschaftlichen, sondern auch ihre politischen und militärischen Positionen und bringen so all diese Länder in eine gewisse Abhängigkeit von sich. Das muss auch der Sowjetunion und China auffallen. Trotzdem sind beide nicht daran interessiert, wegen eines Flohs das ganze Bett zu verbrennen.

Vor allem hat die Sowjetunion kein Interesse daran, einen Krieg in Europa vom Zaun zu brechen, denn dies würde schwere Folgen für sie haben. Falls die Sowjetunion den Krieg beginnt, dann wird sie beim schwächsten Kettenglied des Kapitalismus ansetzen, das heranwächst - und das ist gegenwärtig China, das zudem über große Reichtümer verfügt, die sich ausbeuten lassen. Wie jeder andere Imperialismus wird auch der sowjetische Imperialismus dort zuschlagen, wo am meisten zu gewinnen ist, und nicht dort, wo kein Gewinn zu holen ist wie beispielsweise in Europa. Was er in diesem Raum zu gewinnen hätte, wäre die vollständige Errichtung seiner Hegemonie, doch das ist unmöglich, denn auch wenn der sowjetische Sozialimperialismus es schaffen würde, sich Europa militärisch einzuverleiben, so sähe er sich doch durch die europäischen Völker, die er nicht lange ausbeuten und in Knechtschaft halten könnte, vor ein gewaltiges Hindernis gestellt.

An der Seite des amerikanischen Imperialismus versuchen die chinesischen Revisionisten durch Lüge, durch pseudo-marxistische Schlagworte ideologisch und wirtschaftlich in die Länder der «dritten Welt» einzudringen, um dort ihre Hegemonie zu errichten. China, das zur Supermacht werden will, arbeitet also daran, zunächst politisch und ideologisch den Boden vorzubereiten, danach aktiv zu werden, indem es in diese Länder sein Kapital einströmen lässt, wenn es dieses zu schaffen vermag, und später auch mit militärischer Drohung vorzugehen, wie das jetzt die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion tun.

Die Führung der Kommunistischen Partei Chinas meint nun, die Widersprüche, die in den Beziehungen zwischen ihr und der Partei der Arbeit Albaniens aufgetreten sind und ständig zunehmen werden, bestünden nur in der Beurteilung der internationalen Probleme. Tatsächlich 'besteht einer der wichtigsten Widersprüche zwischen uns genau in der Behandlung dieser Probleme, doch die Widersprüche zwischen uns wurzeln tiefer. Als marxistisch-leninistische Partei enthüllt die Partei der Arbeit Albaniens durch die Untersuchung der internationalen Situation, wo die anti-marxistischen Anschauungen der Kommunistischen Partei Chinas auf diesem Gebiet ihren Ursprung haben. Ganz allgemein entspringen unsere Widersprüche zu dieser Partei der Tatsache, dass die Kommunistische Partei Chinas keine marxistisch-leninistische Partei ist. Weil sie keine solche Partei ist, kann in China die Diktatur des Proletariats gar nicht bestehen, kann dort der Sozialismus gar nicht aufgebaut werden. Im Großen und Ganzen ist unserer Partei dieses Problem klar, trotzdem hat sie die Aufgabe, es noch gründlicher zu untersuchen.

Im redaktionellen Artikel von «Renmin Ribao» ist mit keinem Wort von der Hegemonie des Weltproletariats und von seinem Kampf die Rede. Das Schweigen zur hegemonischen Rolle des Proletariats erklärt sich daraus, dass die Kommunistische Partei Chinas das Proletariat niemals als die führende Klasse in der Revolution betrachtet hat. Und genau das ist der Grund dafür, dass die chinesische Revolution weder vom Proletariat noch von seiner Ideologie geführt wurde. An der Spitze dieser Revolution stand die Bauernschaft. Das blieb auch nach der Proklamation der Volksrepublik China so. Hier findet sich die Erklärung für den Antimarxismus der chinesischen Revisionisten nicht nur innerhalb des Landes, sondern auch auf internationaler Ebene. Ausgehend von einer Interpretation der Widersprüche und der Bündnisse der verschiedenen Kräfte, die ihren anti-marxistischen Vorstellungen entspricht, versäumen sie es nicht, Vergleiche mit den Bündnissen anzustellen, die China zur Zeit seiner Revdlution einging.

Die letztgenannten Fragen müssen wir noch gründlicher untersuchen, nicht nur, weil sie die Grundlage der großen theoretischen und praktischen Fehler darstellen, die in China begangen wurden, sowohl in seiner Innenpolitik als auch in seiner Außenpolitik, sondern auch, weil sie nicht genau ausformuliert sind und so die Möglichkeit offenlassen, sie unterschiedlich zu verstehen und auszulegen. Das liegt eben daran, dass Mao Tsetungs Theorie eklektisch und aus diesem Grund, wie ich auch auf dem 2. Plenum des Zentralkomitees gesagt habe, nur schwer zu fassen ist. Wir haben keine schriftlichen Dokumente über die konkrete Umsetzung der Parteilinie in China. Auch die Dokumente, die es gibt, reflektieren nicht die Realität des Aufbaus in China, die Realität des Aufbaus der Partei und die leninistischen Normen, die die sogenannte Kommunistische Partei Chinas hätte anwenden müssen, aber nicht angewendet hat. In den offiziellen Dokumenten, die wir kennen, gibt es Fragen, die theoretisch richtig dargestellt sind, doch ihre praktische Umsetzung geschah nicht auf marxistisch-leninistischem Weg, die Organisation und die Linie der Partei waren nicht richtig, was sich an den katastrophalen Ergebnissen zeigt, die wir nun sehen.

Wie ich schon zu Beginn betonte, werde ich noch einmal auf dieses anti-marxistische Dokument der Kommunistischen Partei Chinas zurückkommen, um es genauer und besser zu analysieren. Diese Analyse wird dazu beitragen, die Überzeugung unserer Parrei, dass Chinas Weg falsch ist, noch mehr zu festigen. Ausserdem werden wir dafür sorgen, dass auch unsere internationalistischen. kommunistischen Genossen der anderen Parteien und die Weltöffentlichkeit über diese Arbeitsformen aufgeklärt werden, wie sie die Kommunistische Partei Chinas praktiziert, die zum Angriff auf die richtige marxistisch-leninistische Linie unssrer Partei übergegangen ist.





DONNERSTAG, 3. NOVEMBER 1977



NOCH EINMAL ÜBER DEN CHINESISCHEN ARTIKEL ZUR THEORIE DER «DREI WELTEN»

Dies ist ein anti-marxistischer Artikel, denn er leugnet die proletarische Revolution und nimmt den Imperialismus, die Bourgeoisie und die internationale Reaktion in Schutz. In diesem Artikel wird die Einheit des Proletariats mit dem Kapitalismus gepredigt. Durch ihn soll der Boden vorbereitet werden, um China zu einer Supermacht zu machen. Die vorherrschende These der Chinesen auch in diesem Artikel ist der Widerstand gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Aus Demagogie, und um die Leser ihrer Presse oder die wohlgesonnenen Hörer ihres Radios leichter täuschen zu können, stellen sie jedoch dem sowjetischen Sozialimperialismus auch den amerikanischen Imperialismus an die Seite. Das tun die Chinesen, weil sie gesehen halben, dass ihre These, wonach «der amerikanische Imperialismus wie eine Maus geworden ist. . .», nicht gut aufgenommen und entlarvt worden ist.

Aus dem Artikel ergibt sich, dass die «Maus» nicht länger eine Maus, sondern eine Supermacht ist, die über eine starke Wirtschaft und ein großes Militärpotential verfügt, zu weltweiter ökonomischer Expansion neigt. Die Sowjetunion sei genauso, nur, so die chinesischen Revisionisten, aggressiver.

Studiert man diesen Artikel aufmerksam, dann zeigt sich, dass die chinesischen Revisionisten versuchen, Mao Tsetung zeitige Phrasen in den Mund zu legen, in denen es um die Unerlässlichkeit geht, die enge Verbundenheit mit den sozialistischen Ländern zu verstärken, um die Verbundenheit mit dem Weltproletariat, den unterjochten Nationen usw. In Wirklichkeit machen sie jedoch genau das Gegenteil von dem, was sie sagen; denn sie erfüllen keine dieser Pflichten gegenüber den sozialistischen Ländern und dem Weltproletariat. Im Gegenteil, ihre ganze Politik zielt darauf ab, die Einheit des Weltproletariats zu spalten und die Einheit der sozialistischen Länder zu zerstören. In Wahrheit können die chinesischen Revisionisten nicht für die Einheit der sozialistischen Ländern sein und sind es auch nicht, denn sie zählen sie zur «dritten Welt».

Eine andere Frage, um die es im Artikel geht, ist die «schöne Phrase» vom unerlässlichen Kampf gegen alle Erscheinungen des Großmachtchauvinismus in den internationalen Beziehungen. Die chinesischen Revisionisten versäumen es nicht, sie bei passender und unpassender Gelegenheit wiederzukäuen. Wir Albaner, die in der Praxis unserer Beziehungen mit China den chinesischen Großmachtchauvinismus sehr deutlich erkennen konnten, begreifen genau, dass diese Phrasen von vorne bis hinten Bluff sind. So wie wir denken auch viele andere Nationen und Staaten auf der Welt.

Die chinesischen Revisionisten erklären, die internationale Lage müsse in verschiedenen Perioden wissenschaftlich analysiert werden. Diese These wird von ihnen sehr oft betont, wollen sie doch damit einerseits die anderen davon überzeugen, ihre Analysen seien genau, auf der Höhe der Zeit, und andererseits ihre strategische Abweichung und ihre unproletarischen, pseudo-marxistischen Taktiken irgendwie rechtfertigen, also ihr Abschwenken vom Kurs des Marxismus-Leninismus verhüllen. So oft diese Schlagworte auch benutzt werden, sie können den Verrat der chinesischen Revisionisten nicht tarnen.

Nach Aussage den chinesischen Revisionisten ist die Theorie der «drei Welten» vom Vorsitzenden Mao Tsetung erfunden worden. Sie behaupten, Mao habe damit eine «Zusammenfassung der objektiven Gegebenheiten des weltweiten .gegenwärtigen Klassenkampfes» geleistet, es sei dies «eine Übernahme, Verteidigung und Weiterentwicklung der Grundsätze des Marxismus-Leninismus». Es ist eine gute Sache, dass die chinesischen Revisionisten die Vaterschaft für diese These bestimmt haben, zeigt sich doch daran der übertriebene Eifer, mit dem sie die Ideen der Feinde des Marxismus-Leninismus für sich mit Beschlag belegen. In Wirklichkeit sind die «drei Welten» nicht dem Hirn Mao Tsetungs entsprungen.

Dieser Begriff war auf der Welt schon geläufig, ehe ihn die Chinesen benutzten, also schon vor dem Jahr 1974. Die kapitalistische Welt, die gegen Marx und Lenin ist, benutzte den Begriff «dritte Welt», um zu zeigen, dass es neben den großen und sehr großen Ländern auch andere, gerade befreite Länder gab. Die «dritte Welt», diese Ausgeburt des kapitalistischen Wortschatzes, die allein mit dem wirtschaftlichen Entwicklungsniveau dieser Länder zu tun hatte, kopierten die chinesischen Revisionisten und definierten sie, angeblich gestützt auf den Marxismus-Leninismus, als «große Triebkraft»! Es ist unannehmbar, dass die Theorie der «drei Welten» «eine marxistische Feststellung über die gegenwärtige Welt» sein soll, wie das die Propagandisten in Peking behaupten.

In diem Artikel wird behauptet, die Chinesen betrachteten die Erscheinungen des internationalen politischen Lebens unserer Zeit von Positionen des dialektischen Materialismus aus, ausgehend von der Wirklichkeit. Und sie predigen, auch die anderen hätten diese Probleme von den gleichen Positionen aus zu betrachten. Um ihre anti-marxistische Theorie zu «untermauern», führen die Artikelschreiber verstümmelte Zitate von Lenin und Stalin an, die ganz zu Recht festgestellt haben, dass die nationalen und internationalen Probleme im Weltausmaß und nicht isoliert betrachtet werden müssen. Diese hervorragenden Marxisten und Führer des Weltproletariats betrachteten die Welt vom Standpunkt der proletarischen Revolution, vom Standpunkt des Bündnisses des Proletariats mit den unterdrückten Völkern aus. In flagrantem Gegensatz zu den Lehren von Lenin und Stalin, die sie zitieren, betrachten die chinesischen Revisionisten die nationalen und internationalen :Probleme nicht vom Klassenstandpunkt und den Positionen des dialektischen und historischen Materialismus aus, sondern idealistisch und metaphysisch. Sie behandeln diese Fragen auf der Grundlage der Entwicklung, an der China gegenwärtig interessiert ist, um zur Führung der Länder zu werden, die es «dritte Welt» nennt. Das ist eines ihrer Ziele.

Die chinesischen Opportunisten schreiben, Mao Tsetungs «Theorie» über die «Dreiteilung der Welt» beträfe auf den ersten Blick scheinbar nur die Beziehungen zwischen den Ländern und zwischen den Nationen der heutigen Welt. Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen nicht nach einem «ersten Blick». Die Beziehungen zwischen den Länden und Nationen existieren real, doch wir Marxisten-Leninisten müssen diese Beziehungen und ihre Perspektiven unter dem Blickwinkel der Interessen der Revolution sehen. Genau das tun die Chinesen nicht, die ihre Großmachtinteressen, die Interessen ihres Kampfes um die Führung der «dritten Welt» der Revolution entgegenstellen. Der Klassenkampf muss auch in den Ländern der sogenannten dritten Welt geführt werden, doch von welchem Standpunkt aus? Wir sagen: vom Standpunkt der Revolution und des Sturzes der ausbeuterischen Bourgeoisie, des barbarischen Kapitalismus aus. Die chinesischen Opportunisten dagegen sind für die Klassenversöhnung. Damit man ihnen nichts vorwerfen kann, lassen sie hier und da ein Wort fallen, dass diese oder jene Frage vom Klassenstandpunkt aus betrachtet werden müsse, doch leugnen sie die klassenmäßige Betrachtungsweise, wenn sie umgehend hinzusetzen, dese Fragen seien «außerordentlich kompliziert» und stünden «miteinander im Zusammenhang». Das soll heißen, dass die Entwicklung des Klassenkampfes besonders in den Ländern der «dritten Welt» nicht so leicht zu verstehen sei, dass viele Probleme des Klassenkampfes nur mit Hilfe der «hervorragenden chinesischen Gelehrten» zu lösen seien, dass man den Blick deshalb auf China zu richten habe! Sie erklären, man müsse, um zu Schlüssen über die internationalen politischen Erscheinungen kommen und eine richtige Einteilung der politischen Kräfte auf der Welt vornehmen zu können, vom internationalen Klassenkampf als Ganzem ausgehen, und die konkreten Fragen müssten in Verbindung mit der Zeit, dem Ort und den jeweiligen Bedingungen konkret analysiert werden. Obwohl sie das sagen, gehen sie in der Praxis, im Leben anders vor, machen das Gegenteil, indem sie die Erscheinungen und Ereignisse auf abstrakte, irreale, konjunkturabhängige Weise interpretieren und in Beziehung zueinander setzen. Die Begriffe «idealistisch», «metaphysisch», «abstrakt», «isoliert» usw. verwenden die chinesischen Revisionisten auf jene Menschen und Parteien gemünzt, die ihre Sophismen nicht akzeptieren. Mit diesen Schlagworten wenden sie sich auch gegen uns, obwohl sie wissen, dass es nicht wir und die anderen wahren Marxisten-Leninisten auf der Welt, sondern gerade die chinesischen Revisionisten sind, die wie alle anderen Revisionisten das Verständnis und die Anwendung des Marxismus-Leninismus in Theorie und Praxis verschandelt haben, wie es schlimmer nicht mehr geht.

Die Chinesen verkünden großspurig, dass «die Marxisten-Leninisten stets fest auf dem Standpunkt des Weltproletariats stehen, sich immer für die allgemeinen Interessen aller revolutionären Völker im internationalen Klassenkampf einsetzen und an ihrem Maximalprogramm, der Ersetzung des Kapitalismus durch den Kommunismus festhalten». Diese Erklärungen erfolgen im chinesischen Artikel durchweg aus Gründen der Demagogie und nur, um ihre Haltung zu tarnen, denn sie haben niemals von den Positionen des internationalen Proletariats aus gekämpft und tun es auch heute nicht, niemals haben sie die Interessen der revolutionären Völker verteidigt, und sie tun es auch heute nicht. Wenn man mit der Reaktion und den blutigsten Faschisten, etwa Pinochet, Strauss, dem Schah des Iran und Mobutu, die zu den größten Blutsaugern der Völker gehören, Verbindung hält, so bedeutet dies, dass man sich weder um die Interessen des internationalen Proletariats noch um die Interessen des Proletariats eines einzelnen Landes, die sich mit denen des internationalen Proletariats decken, auch nur im Geringsten schert. Die Chinesen sparen nicht an bombastischen Phrasen, doch wir beurteilen ihre Worte nicht unabhängig von ihren Taten. Vergleicht man die «marxistisch-leninistischen» Phrasen der Chinesen mit ihrer praktischen Haltung, dann kommt die Verlogenheit der von ihnen praktizierten Theorien ans Licht.

Die revisionistischen chinesischen Führer lehren das Proletariat, es habe im Verlauf des Kampfes in der internationalen Arena in den verschiedenen Geschichtsperioden zu versuchen, sich mit allen zusammenzuschließen, mit denen ein Zusammenschluss möglich ist, um so zur Entfaltung der fortschrittlichen Kräfte beizutragen. Doch was für eine Haltung nehmen die chinesischen Revisionisten in dieser Hinsicht wirklich ein? Sie appellieren an das internationale Proletariat, sich auch mit der schwärzesten Reaktion zu vereinigen!

Die Chinesen «raten» in diesem Artikel, das Proletariat solle sich in verschiedenen historischen Perioden seine Verbündeten wählen. Doch sie selbst drücken sich um diese richtige These herum, indem sie dem internationalen Proletariat empfehlen, sich mit der Weltreaktion zu versöhnen und mit den reaktionären politischen Kräften zusammenzuschließen. Weiter unten im Artikel führen die Chinesen - um die angebliche Richtigkeit ihrer Haltung zu «untermauern» - eine Reihe weiterer Zitate Lenins und Stalins an, die sie schamlos verstümmeln und verdrehen. Doch welche Ansichten wollen die Chinesen «untermauern»? Es geht um jene, die zusammenhängen mit ihrer angeblich auf den Marxismus-Leninismus gestützten «realistischen Analyse» der Weltlage. In diesen «Analysen» verwenden die Chinesen viele Zitate Lenins und Stalins, die auch wir in unseren Materialien angeführt haben, zum Beispiel Lenins Aussage von 1921: «...[heute] gibt es jedoch auf der Welt zwei Welten: die alte - den Kapitalismus. . . und die heranwachsende neue Welt...», oder Stalins Worte: «Die Welt hat sich entschieden und unwiderruflich in zwei Lager gespalten: in das Lager des Imperialismus und in das Lager des Sozialismus.»

Diese beiden großen Gedanken Lenins und Stalins stellen in jeder Periode die fundamentale Basis jeder Analyse zur Einteilung der politischen Kräfte auf der Welt dar. Weil dies aber ihre Theorie dem «drei Welten» .in sich zusammenfallen lässt, versäumen es die Chinesen nicht, unverzüglich zu betonen, diese beiden Zitate spiegelten .“den neuen Grundwiderspruch in der Welt nach der Oktoberrevolution wider“. Demnach sind also für sie auch diese Feststellungen veraltet, überholt! So haben sie eine «feine Begründung» aufgestöbert, um die Erfindung von den «drei Welten» zu verteidigen. Die Chinesen behaupten: «Niemals vertraten Lenin und Stalin jedoch, es gebe keine anderen Grundwidersprüche in der Welt oder die politischen Kräfte in der Welt könnten nicht mehr in anderer Form eingeteilt werden.» Diese «Begründung» ist völlig überflüssig und dient nur dazu, die Spalten des Artikels zu füllen und den Eindruck zu erwecken, man «begründe» und «argumentiere» in der Polemik denn niemand hat behauptet, Lenin und Stalin seien irgendwann einmal der Meinung gewesen, es gebe auf der Welt nicht auch noch andere Hauptwidersprüche. Als dialektische Materialisten bestimmten Lenin und Stalin die Widersprüche richtig, doch die chinesischen Opportunisten - Eklektiker, die sie sind - bestimmen diese Widersprüche in ihrem Artikel überhaupt nicht. Täten sie es nämlich, käme ans Licht, wie falsch ihre Anschauungen sind und wie sehr sie Marx, Engels, Lenin und Stalin verdrehen.

Die Chinesen starten den Versuch zu «beweisen», die These von den drei Welten», für die sie die Vaterschaft uneingeschränkt Mao zuerkennen, sei die Fortführung der Thesen Lenins, der schon 1920, auf dem 2. Kongress der Kommunistischen Internationale, sagte:



«Das charakteristische Merkmal des Imperialismus besteht darin, dass sich. .. gegenwärtig die ganze Welt in eine grosse Zahl unterdrückter Völker und eine verschwindende Zahl unterdrückender Völker teilt, die über kolossale Reichtümer und gewaltige militärische Kräfte verfügen.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 31, S. 264 (alb. Ausgabe).)

Diese Gedanken Lenins sind richtig, und niemand widerspricht. ihnen, doch sie belegen keinesfalls eine Dreiteilung der Welt, wie es nach dem Geschmack der chinesischen Revisionisten wäre. Jede mögliche politische und ökonomische Analyse der Welt auf der Grundlage der leninistischen Theorie wird unweigerlich das grundlegende Merkmal ihrer Teilung in eine kapitalistische und eine sozialistische Welt augenscheinlich machen, sonst könnte es keine leninistische Analyse sein. Diese Analyse steht nicht im Mindesten im Widerspruch zur Tatsache, dass es auf der Welt ausbeutende und ausgebeutete Nationen gibt, leugnet sie nicht. Dagegen Lenin zu zitieren, um nachzuweisen, seine Ideen seien Grundlage für eine Dreiteilung der Welt, das bringen nur die Verfälscher des Leninismus fertig. Und bei dieser fiktiven Einteilung der Welt sind es die chinesischen Revisionisten, die Lenin verfäschen.

Nehmen wir das andere Zitat, von Stalin 1924 schrieb er in seinem Werk «Über die Grundlagen des Leninismus»:



«a) Die Welt ist in zwei Lager geteilt: in das Lager einer Handvoll zivilisierter Nationen, die über das Finanzkapital verfügen und die die gewaltige Mehrheit der Bevölkerung des Erdballs ausbeuten, und in das Lager der unterdrückten und ausgebeuteten Völker der Kolonien und der abhängigen Länder, die diese Mehrheit bilden.»* *( J. W. Stalin, Werke, Bd. 6, S. 148 (alb. Ausgabe).)

Dieses Zitat führen die Chinesen an, um zu «belegen.», dass es auf der Welt außer dem Grundwiderspruch, auf den sich Lenin und Stalin beziehen, auch andere Widersprüche gibt, die wir albanischen Kommunisten angeblich vergessen haben!

Wir vergessen diese Widersprüche nicht, ganz im Gegenteil, wir haben sie ständig hervorgehoben. Wir vergessen nicht, dass sich diese Widersprüche entsprechend ihrer Rolle in Haupt- und Nebenwidersprüche teilen, dass sich in den komplizierten Prozessen, die sich bei den Dingen und Erscheinungen der realen Welt feststellen lassen, alle möglichen Haupt- und Nebenwidersprüche verflechten. Doch will man die komplizierten Prozesse richtig untersuchen und analysieren, muss man den wichtigsten Widerspruch herausfinden, also den Grundwiderspruch, der die Entwicklung aller anderen Widersprüche bestimmt und von dessen Lösung die Lösung aller anderen Widersprüche abhängt. Wir haben die Gesetze der Dialektik nicht vergessen, sondern halten sogar entschieden an ihnen fest. Die chinesischen Revisionisten wollen sich um die materialistische Dialektik herumdrücken und dabei mit vielen Zitaten tarnen, die sie bei den Klassikern des Marxismus-Leninismus wahllos aufgeklaubt haben. Diese Zitate werden im Artikel auf eine Weise auseinandergerissen und zusammengesetzt, dass es nicht nur unmöglich ist, sie richtig zu verstehen, sondern auch ihr Sinn ins Gegenteil dessen verkehrt wird, was ihre Autoren sehr klar gesagt haben.

Wo gäbe es wirkliche Kommunisten, die - wie die Chinesen behaupten - leugneten, dass Lenin und Stalin, wo eine allseitige und konkrete Einteilung der politischen Kräfte auf der Welt in dieser oder jener Periode vorgenommen werden musste, die Grundwidersprüche auf der Welt in ihrer Gesamtheit analysierten? Alle Marxisten-Leninisten auf der Welt erkennen an, dass man, um die heutige Epoche definieren zu können, die hauptsächlichen Widersprüche in ihrer Gesamtheit analysieren muss, um den Grundwiderspruch zu bestimmen. Es sind gerade die Chinesen, die sich darum drücken, die Einteilung der politischen Kräfte auf der Welt auf diese realistische Weise zu untersuchen. Wie die Chinesen die Welt in eine «erste», eine «zweite» und eine «dritte Welt» einzuteilen, das bedeutet, die Widersprüche zu verschleiern, einen oder den anderen großen gesellschaftlichen Widerspruch fallenzulassend, nicht aber, sie in ihrer Gesamtheit zu analysieren.

Auch die Zitate von Marx und Engels verwenden die chinesischen Revisionisten, wie es ihnen gerade passt, und sie legen sie auf eine Weise aus, von der sie meinen, sie könne dazu dienen, ihre anti-marxistischen Thesen zu belegen. Sie zitieren den berühmten Aufruf von Marx und Engels aus dem «Manifest der Kommunistischen Partei»: «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!» und setzen dann hinzu, sie hätten außerdem als erste auf die «untrennbare Verbundenheit zwischen der Sache des Weltproletariats und dem Befreiungskampf der unterjochten Nationen» hingewiesen. Das ist wahr und bekannt, doch sind es die Chinesen selbst, die den Zweck vergessen, den der Aufruf von Marx und Engels hatte, nämlich dem Weltproletariat die Einsicht zu vermitteln, dass der Grundwiderspruch der menschlichen Gesellschaft nun der zwischen Arbeit und Kapital war, zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat, das diesen Widerspruch durch die Revolution lösen würde. Die chinesischen Revisionisten sprechen überhaupt nicht von den Verbindungen des Kampfes des Proletariats mit dem nationalen Befreiungskampf der unterdrückten Völker und ebenso wenig von der proletarischen Revolution, sondern legen die Betonung auf die Einheit des Proletariats und der Völker, die unterdrückt und ausgebeutet werden, mit ihren barbarischsten und wildesten Unterdrückern und Ausbeutern, dem amerikanischen Imperialismus und der reaktionären Weltbourgeoisie!

Die chinesischen Revisionisten führen in ihrem Artikel folgendes Zitat von Engels an:

«Eine Nation kann nicht frei werden und zugleich fortfahren, andre Nationen zu unterdrücken. Die Befreiung Deutschlands kann also nicht zustande kommen, ohne dass die Befreiung Polens von der Unterdrückung durch Deutsche zustande kommt.»* *( F. Engels, Rede über Polen, gehalten auf dem internationalen Meeting in London am 20. November 1847 anlässlich des 17. Jahrestags des polnischen Aufstands von 1830.)

Was wollen die Chinesen mit diesem Zitat von Engels beweisen? Es ist ihnen gelegen, zu «untermauern», dass das sowjetische Proletariat keinen Anspruch darauf erheben könne, es kämpfe für die Befreiung der anderen Völker, wo es sie doch selbst versklave, dass auch dem Proletariat der Länder Westeuropas, dem amerikanischen Proletariat, dem Proletariat der kapitalistischen Länder der «dritten Welt» aus dem gleichen Grund nicht das Verdienst zukomme, für die Befreiung der Völker zu kämpfen. Doch wer ist dann des Kampfes für die Befreiung der Völker würdig? Aus dem Artikel ergibt sich: nur China kann diesen Kampf führen! Engels' richtige Aussage bauen sie irgendwo in ihren Artikel ein, ohne auch nur im Geringsten zwischen dem russischen Proletariat und dem Proletariat der anderen Länder einerseits und ihren Unterdrückern andererseits zu differenzieren. Und sie unterlassen es, dieses Proletariat dazu aufzurufen, sich zur Revolution gegen die Unterdrücker und gegen einen imperialistischen Krieg zu erheben. In jedem Land, wo es unterdrückt wird, muss sich das Proletariat zusammen mit seinen natürlichen Verbündeten zum Kampf erheben, um seine historische Mission zu erfüllen. Verstünde man Engels' Zitat nicht so, wie es von Engels gesagt wurde, sondern entsprechend der Interpretation der chinesischen Revisionisten, dann dürften wir uns keine Hoffnung auf die proletarische Revolution machen. Die «Kommentierung» der richtigen Thesen von Marx und Engels in dem chinesischen Artikel deckt sich völlig mit den antimarxistischen Anschauungen der chinesischen Revisionisten.

Marx und Engels maßen der Befreiung der Völker Polens, Irlands, Chinas, Indiens grosse Bedeutung bei, denn diese Völker waren die am meisten unterdrückten. Unterdrückt von den herrschenden bürgerlichen Cliquen sind heute auch das französische, das spanische, das russische und das amerikanische Proletariat. Dieses Proletariat darf man nicht von der politischen Bühne entfernen, im Gegenteil, es ist nötig, dass es bei allem, was geschieht, bei allem, was die imperialistischen Herrscher und die sozialimperialistischen Verräter in den kapitalistischen und revisionistischen Ländern tun, sein Wort mitredet. Deshalb müssen die wirklichen Kommunisten das Proletariat in diesen Ländern dazu aufrufen, sich zur Revolution zu erheben und die bürgerlichen und verräterischen Cliquen zu stürzen, die über die Völker herrschen.

Unsere Klassiker gingen an jede nationale Bewegung und an die verschiedenen politischen Kräfte vom Standpunkt der Interessen des internationalen Proletariats aus heran. Sie haben uns gelehrt, dass die Revolution am schwächsten Kettenglied des Weltkapitalismus triumphieren kann. Ebenso lehren uns unsere großen Lehrer, dass die durch die Revolution errungene Unabhängigkeit eines Volks auch zur Befreiung der anderen Völker beiträgt, sei es nun in Europa, in Asien oder in anderen Teilen der Welt. Die chinesischen Revisionisten gehen nicht von diesen marxistischen Anschauungen aus. Im Gegenteil, sie betrachten die nationalen Bewegungen und die verschiedenen politischen Kräfte durch die Brille ihres Interesses, eine Supermacht zu werden. Daher unterstützten und unterstützen sie nicht den Unabhängigkeitskampf der Völker, sondern die reaktionären Cliquen, die über diese Völker herrschen. Aus diesem Grund predigen die Chinesen dem Proletariat sozialen Frieden und die Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie.

Um ihre These «Der sowjetische Sozialimperialismus ist zum Hauptfeind der Völker der Welt geworden, er ist das Zentrum der Weltreaktion, das die Welt mit einem Krieg bedroht» zu untermauern, berufen sich die chinesischen Revisionisten in ihrem Artikel auf Marx und Engels. Sie zitieren die Aussagen, die sie schon 1848 über die Gefährlichkeit des Zarismus trafen. Zweifellos war der Zarismus die Bastion der europäischen Reaktion, deshalb musste er bekämpft werden. Diesen Kampf führten Lenin und die russischen Bolschewiki, mit denen sich das Proletariat aller Länder der Welt vereinigte. Mit Marx' sehr richtigen Gedanken über den Zarismus lässt sich allerdings durchaus nicht belegen, was die Chinesen belegt haben wollen, dass nämlich .gegenwärtig allein der sowjetische Sozialimperialismus der Hauptfeind der Völker der Welt sei. Ausgehend von der marxistisch-leninistischen Analyse beharren wir darauf, dass außer dem sowjetischen Sozialimperialismus auch der amerikanische Imperialismus und die gesamte Weltreaktion Feinde der Völker sind. Alle diese Feinde, unter denen es Einheit und Widersprüche gibt, stehen im Kampf gegen das Weltproletariat insgesamt und gegen das Proletariat in jedem einzelnen Land. Sie alle stehen im Kampf gegen die Völker, die nach nationaler und sozialer Befreiung streben, daher müssen sich das Proletariat und die Völker in stählerner Einheit miteinander verbinden, um die gefährlichen Feinde zu bekämpfen, die sie vor sich haben.

Die chinesischen Revisionisten erklären, Marx und Engels hätten, als sie die russische zaristische Reaktion anprangerten, keineswegs den internationalen Klassenkampf ignoriert, sondern seien gerade von den Grundinteressen des Weltproletariats ausgegangen. Was sind das doch für Demagogen! Wenn sie Marx und Engels wirklich glauben, warum wenden sie dann nicht ihre Lehren an? Warum machen sie gerade das Gegenteil und gehen Bündnisse mit dem amerikanischen, dem englischen, dem französischen, dem deutschen Imperialismus usw. ein? Das Studium von Marx ergibt, dass sich das Proletariat, um seine Bestrebungen zu verwirklichen, indem es den Klassenkampf im Weltmaßstab entfaltet, niemals mit dieser internationalen schwarzen Reaktion vereinigen darf. Es reicht nicht, den revolutionären Schwung der Völker im Befreiungskampf nur zu «begrüßen» wie die chinesischen Revisionisten, vielmehr müssen wir es auch verstehen, diesen Schwung so gut es irgend geht an den Lehren unserer vier großen Klassiker auszurichten - Marx, Engels, Lenin und Stalin (nicht aber auch an den idealistischen und eklektischen Ideen Mao Tsetungs), die genau bestimmt haben, was man tun muss, um die Befreiung der Völker vom Joch des Kapitals zu er reichen.

Um zu zeigen, dass sie angeblich zu Lenin stehen, und um mit Lenins Namen als Maske ihren Antileninismus zu verbergen, haben die chinesischen Revisionisten ihren Artikel unter anderem mit langen Zitaten aus Lenins Schrift «Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx» gespickt. Lenin schreib darin:

«Die Opportunisten waren noch das Lobes voll darüber, dass unter der 'Demokratie' 'sozialer Frieden' herrsche und Stürme nicht notwendig seien, als in Asien ein neuer Herd der heftigsten Weltstürme entstand. Auf die russische Revolution folgten die türkische, die persische, die chinesische.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 18, S. 653 (alb. Ausgabe). 692)

Das gilt auch für ein anderes Zitat, das aus Lenins 1916 entstandener Schrift « Über eine Karikatur auf den Marxismus und über den imperialistischen Ökonomismus'» entnommen ist:

«Die soziale Revolution kann nicht anders vor sich gehen als in Gestalt einer Epoche, in der der Bürgerkrieg des Proletariats gegen die Bourgeoisie in den fortgeschrittenen Ländern mit einer ganzen Reihe demokratischer und revolutionärer Bewegungen verbunden ist, darunter auch mit nationalen Befreiungsbewegungen der unentwickelten, rückständigen und unterdrückten Nationen.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 23, S. 63 (alb. Ausgabe).)

Um sich nicht in langen Aussagen zu verheddern, «kommentieren» die chinesischen Revisionisten diese Zitate sehr knapp. Konkret: «Diese Auffassungen Lenins sind nach wie vor gültig.» Wenn wir aber die Linie der Kommunistischen Partei Ch inas heute analysieren, so ergibt sich ein flagranter Widerspruch zu diesen großen Thesen Lenins und des Leninismus überhaupt. Niemals empfahl Lenin wie die chinesischen Opportunisten den Völkern, die demokratischen und revolutionären Bewegungen oder die nationalen Befreiungsbewegungen nur gegen die äußeren imperialistischen, nicht aber auch gegen die inneren Feinde zu richten, die mit dem Imperialismus kollaborieren. Die chinesischen Opportunisten haben Lenins Lehren über den Kampf des Proletariats auf nationaler und internationaler Ebene «anzuwenden vergessen».

Auf dem 2. Kongress der Kommunistischen Internationale hielt Lenin den Bericht über die internationale Lage und die Hauptaufgaben der Internationale. Er analysierte darin die Ziele des imperialistischen Krieges und stellte die Weltlage nach diesem Krieg dar. Er sagte, ein Teil der Weltbevölkerung lebe in den Kolonialländern, ein Teil in den Ländern, die den alten Zustand hatten aufrechterhalten können. Schließlich erwähnte er noch die Bewohner weniger Länder, die von der Aufteilung der Welt profitierten. Diese Bilanz der Folgen des imperialistischen Kriegs, die Lenin im Juli 1920 zog, ist völlig richtig, nur ist sie total untauglich, die opportunistische chinesische These von den drei Welten» oder «drei Gruppen», wie sie sagen, zu belegen. Wenn unsere Partei die anti-marxistische chinesische These von den «drei Welten» zurückweist, lässt sie sich dabei voll und ganz von Lenins Lehren leiten und berücksichtigt auch Lenins Bericht an den 2. Kongress der Kommunistischen Internationale. Die chinesischen Revisionisten dagegen zitieren diese marxistische Analyse Lenins, um den Eindruck zu erwecken, seine Auffassung von den Ursachen des imperialistischen Kriegs und seinen Folgen für die Völker der Welt sei identisch mit Mao Tsetungs Auffassung von den «drei Welten», und folglich seien auch die von Lenin vertretenen Bündnisse des Proletariats mit den unterdrückten Völkern gegen die reaktionäre Bourgeoisie das Gleiche wie die Bündnisse, die Mao Tsetung predigt! Doch hätte Lenin auf dem 2. Kongress der Kommunistischen Internationale wirklich sagen wollen, die Welt sei dreigeteilt, wie das nach dem Geschmack der chinesischen Revisionisten wäre, hatte er nicht ein Jahr später, im Dezember 1921, auf dem 9. Gesamtrussischen Sowjetkongress erklärt, dass es «heute auf der Welt zwei Welten gibt», sondern von drei Welten gesprochen.

Lenin hat weder 1920 noch vorher, noch nachher gesagt, das Proletariat solle sich mit dem amerikanischen Imperialismus, mit dem englischen Imperialismus zusammenschließen. Ganz im Gegengeil, er betonte den Grundwiderspruch zwischen Proletariat und Bourgeoisie und wies den Weg zur Befreiung des Proletariats durch die proletarische Revolution und zur Befreiung der unterdrückten Völker durch die nationalen Befreiungskämpfe. Die Theorie der „drei Welten“ hingegen ignoriert diese Lehren Lenins, sie stellt keinerlei Aufgaben für die Revolution.

Bei der Vorbereitung ihres Artikels haben sich die Chinesen die Mühe gemacht, eine gewaltige Zahl von Zitaten von Marx, Engels. Lenin und Stalin zusammenzutragen. Diese Zitate mögen ein Drittel des ganzen Artikels ausmachen und sollen «belegen», was sich nicht belegen lässt. Sie reißen Zitate verstümmelt aus dem Zusammenhang, um sie ihrer «Drei-Welten»-Theorie anzupassen, die sie als angeblich marxistisch-leninistisch und auf den Lehren unserer grossen Klassiker gründend präsentieren! Sie meinen, diese Zitate liessen sich willkürlich und auf vielerlei Weise interpretieren, von den Rechten wie von den Linken nach Belieben manipulieren.

Der Missbrauch von Zitaten zur mechanischen und prinzipienlosen Verquickung der Anschauungen der Klassiker mit den eigenen Anschauungen ist typisch für den chinesischen Eklektizismus Mao Tsetungs. Dieser hat, wie ich schon früher mehrfach gesagt habe, selbst zugegeben, seiner Ansichten würden sich sowohl die Linken als auch die Rechten bedienen. Eine derart schwammige Interpretation kann es bei den Ansichten der Opportunisten geben, bei denen, die zwischen Materialismus und Idealismus schwanken, bei den Sophisten usw., nicht aber bei unseren großen Klassikern, Marx, Engels, Lenin und Stalin, denn sie sind die Theoretiker einer großen wissenschaftlichen Lehre, die das Heute und das Morgen richtig vorherbestimmt und nicht zulässt, dass in der Dynamik der dialektischen Entwicklung der Ereignisse falsche Interpretationen historischer Perioden gegeben werden. Die Analysen unserer Klassiker stützen sich auf unbestreitbare Wahrheiten, wer sie versteht, kann deshalb seine Handlungen mit ihnen konfrontieren, um festzustellen, ob sie richtig sind oder nicht. Wer die Schlussfolgerungen aus diesen Analysen verdreht, kann auch mit verstümmelten Zitaten und absurden Interpretationen seine unrichtigen Handlungen nicht rechtfertigen. Die wahren Marxisten konfrontieren ihre Handlungen mit den Ideen der Klassiker des Marxismus-Leninismus, während die Renegaten versuchen, ihre schändlichen Handlungen durch die Verstümmelung von Zitaten, durch willkürliche Interpretationen, Verfälschungen usw. den Klassikern zu unterschieben.

Das ist es, was die chinesischen Revisionisten mit der Unzahl von Zitaten. die sie in ihrem Artikel anführen, getan haben. Sie haben es getan, weil sie nicht in der Lage sind, ihre opportunistischen Thesen zu belegen. Nehmen wir irgendein Beispiel, nur zur Illustration. Stalin geht in seinem Werk «Über die Grundlagen des Leninismus» auf den Charakter der verschiedenen nationalen Bewegungen ein und kommt dabei zu der Schlussfolgerung, dass das Kriterium. um zu beurteilen, ob eine nationale Bewegung revolutionären oder reaktionären Charakter trägt, darin besteht, ob sie objektiv darauf gerichtet ist, dem Imperialismus zu schaden und ihn zu zerschlagen, oder aber darauf, den Sieg des Imperialismus zu konsolidieren.

«Der Kampf des Emirs von Afghanistan für die Unabhängigkeit Afghanistans», sagt Stalin, «ist objektiv ein revolutionärer Kampf...»* *( W. Stalin, Werke, Bd. 6, S. 146-147 (alb. Ausgabe).)

Stalin hat Recht, denn der betreffende Emir rieb auf den Pässen des Pamir die englischen Armeen auf; von dieser ganzen großen Armee der englischen Besatzer kamen nur 3 Personen, darunter ein Arzt, in Indien an. Dieses Beispiel Stalins, der sich richtig auf einen konkreten historischen Fall bezieht, verabsolutieren die chinesischen Revisionisten, um dann mit der Schlussfolgerung anzukommen, sie hätten quasi Stalins Autorisierung, allen reaktionären Königen und Fürsten auf der Welt Hilfe und Unterstützung zu geben, bis hin zu Mobutu, der nichts anderes ist als ein Agent des amerikanischen Imperialismus, ein «moderner» Unterdrücker des kongolesischen Volkes.

Die chinesischen Revisionisten versäumen es nicht, als «Argument» zur Rechtfertigung des Bündnisses des Proletariats und der unterdrückten Völker mit dem amerikanischen Imperialismus und den anderen Imperialisten der Welt gegen den sowjetischen Sozialimperialismus die große antifaschistische Allianz der Sowjetunion und der Anglo-Amerikaner gegen Hitlerdeutschland im Il. Weltkrieg anzuführen. Diese Beweisführung nach chinesischer Art ist dermaßen absurd, dass sich ihre Urheber damit nur selbst entlarven können. Die historischen Fakten und Ereignisse müssen in engem Zusammenhang mit den Bedingungen und Umständen der betreffenden Zeit begriffen werden.

In einer meiner früheren Schriften habe ich gesagt, dass Stalin und die Sowjetregierung tatsächlich den Engländern und Franzosen ein Bündnis anboten, um den Aggressionskrieg abzuwenden, den Hitler mit der Besetzung der Tschechoslowakei erklärt hatte. Bekanntlich bestand damals zwischen der Sowjetunion und Frankreich ein Abkommen, der Tschechoslowakei zu Hilfe zu kommen, falls sie von einer dritten Macht angegriffen würde. Frankreich hielt seine Versprechungen nicht ein, und nach dem Münchner Verrat der westlichen «Demokratien» wurde die Tschechoslowakei von den Hitlernazis besetzt. Nach diesem Akt versuchten die westlichen «Demokratien» Hitlerdeutschland gegen den Osten zu lenken. Angesichts der Hitlerschen Gefahr bemühten sich Frankreich und England um eine „Kampfeinheit“ mit der Sowjetunion, die dazu ihre Bereitschaft erkennen ließ. Doch dies war ein lächerliches «Schauspiel» Englands und Frankreichs. In richtiger Beurteilung der Situation und im Wissen um die Gefahr der Hitleraggression unterschrieben die Sowjetunion und Stalin, um Zeit zu gewinnen, den «Nichtangriffspakt» mit Nazideutschland. Dies war ein Akt auf marxistisch-leninistischem Weg. Hitler überfiel Polen, dann traten England und Frankreich in den Krieg ein, und als Deutschland die Sowjetunion angriff, wurde die antifaschistische Allianz der Sowjetunion mit England hergestellt.

Zu diesem Zeitpunkt war es vollkommen natürlich, dass die Sowjetunion mit diesen imperialistischen Staaten eine Allianz gegen den deutschen Faschismus einging, der die Welt bedrohte. Der II. Weltkrieg begann demnach als Raubkrieg, verwandelte sich aber mit dem Kriegseintritt der Sowjetunion in einen Befreiungskrieg. Deshalb lässt sich das Vorgehen Stalins und der Sowjetregierung bei dieser antifaschistischen Allianz nicht mit dem gegenwärtig von China gepredigten Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika, mit den anderen Imperialisten und mit der «dritten Welt» gegen die Sowjetunian gleichsetzen. Die Geschichte lässt sich nicht verfälschen, wie es die chinesischen Revisionisten tun, um ihren Verrat zu vertuschen.

China meint, wir stünden unmittelbar vor einem Krieg. Es kann über kurz oder lang zum imperialistischen Krieg kommen. Doch Deng Hsiao-ping hat erklärt, es werde in den nächsten 20 Jahren keinen Krieg geben; deshalb dürfen sich nach der opportunistischen chinesischen Theorie der «drei Welten» die Völker in diesen zwei Jahrzehnten nicht zur Revolution erheben. Sie dürfen nicht gegen ihre in- und ausländischen Unterdrücker kämpfen, sondern müssen stattdessen die Bündnisse mit den Imperialisten und ihren eigenen Unterdrückern konsolidieren und alle räuberischen Pakte und Bündnisse verteidigen, die der amerikanische Imperialismus und die anderen westlichen Imperialisten eingegangen sind. China predigt derzeit Ruhe für die nächsten 20 Jahre.

Betrachtet man sich Stalins Haltung zum deutschen Nazismus und zum italienischen Faschismus vor dem II. Weltkrieg, so zeigt sich klar, dass der Vergleich, den die chinesischen Revisionisten anzustellen versuchen, sich mit den Thesen des Marxismus-Leninismus nicht in Einklang bringen lässt. Ans Licht kommt aber auch das Ziel dieses Vergleichs. China predigt das Bündnis mit dem Imperialismus, weil es die Unterstützung des amerikanischen Imperialismus und der anderen entwickelten kapitalistischen Länder der Welt möchte, um selbst ebenfalls zur Supermacht zu werden. Die Chinesen betreiben nun dieselbe Erpressung mit dem drohenden Krieg und der Atombombe wie die Amerikaner und die Sowjets. Damit wollen sie das Proletariat einschüchtern, damit es sich nicht zur Revolution erhebt, keine Bündnisse mit der armen Bauernschaft und den ausgebeuteten Werktätigen des eigenen Landes und auf internationaler Ebene eingeht und konsolidiert, sondern stillhält, bis China zur Supermacht geworden ist und ein Gegengewicht zu den anderen beiden Supermächten darstellt, kurz gesagt, bis es selbst ebenfalls auf einen Raubkrieg und die Besetzung von Märkten vorbereitet ist.

Jedem, der diesen «bedeutenden» Artikel der Chinesen über die Theorie der «drei Welten» liest, stellt sich die Frage: warum wurde er geschrieben und wem dient er? Bei logischem Nachdenken kommt man umgehend zu der Schlussfolgerung, dass sich dieser Artikel gegen die revolutionären Thesen unseres 7. Parteitags sowie den von «Zëri i popullit» am 7. Juli dieses Jahres veröffentlichten Artikel «Theorie und Praxis der Revolution» und unsere anderen Artikel richtet. Unsere Thesen sind richtig, kämpferisch, marxistisch-leninistisch. Sie sollen die Weltsituation und die revolutionären Prozesse, die sie charakterisieren, richtig erklären, die albanischen Kommunisten und all jene wappnen, die sie lesen und studieren. Diese Thesen unsrer Partei für den Kampf gegen den Imperialismus, ob nun den amerikanischen oder den sowjetischen, alle anderen Imperialisten und die Weltreaktion, dienen dem Kampf für die Revolution, sie tragen dazu bei, dass sich die Völker in nationalen Befreiungskämpfen gegen den inländischen und den internationalen Kapitalismus erheben. Das sind die Ziele der Thesen, die wir unterbreitet haben. Im Gegensatz dazu verfolgen die chinesischen Revisionisten mit der Veröffentlichung dieses Artikels eine sehr üble Absicht, denn er ignoriert die Hauptfrage, die Frage des Kampfes, den alle Völker der Welt gegen ihre Hauptfeinde führen müssen. Im chinesischen Artikel wird keine einzige revolutionäre Aufgabe gestellt, man findet nicht die revolutionäre Hauptaufgabe, den nationalen Befreiungskampf der Völker gegen ihre kapitalistischen Unterdrücker, man findet nicht die Interessen der Weltrevolution oder die Interessen eines einzelnen Landes im schwachen Kettenglied des Weltimperialismus.

In diesem Artikel kommen die Worte «Revolution» und «nationaler Befreiungskampf» überhaupt nicht vor. Dieser Artikel ist also nicht in der Absicht geschrieben, die Völker anzuspornen, zu erziehen und ihnen den Weg des Kampfes zu weisen. Was also zeigt dieser Artikel .der Chinesen dem Proletariat und den Völkern? Es ist klar, was sein Hauptziel ist: zu demonstrieren, dass Mao Tsetungs Theorie der «drei Welten» angeblich richtig, marxistisch-leninistisch ist, und das einzig und allein im Dienst ihrer anti-marxistischen Sache. Zu diesem Hauptzweck wurde der Artikel geschrieben.

Eine weitere Absicht ist, uns zu bekämpfen, die Revolution, den nationalen Befreiungskampf zu drosseln, das Bündnis des Proletariats und der unterdrückten Völker mit der reaktionären Bourgeoisie, mit dem amerikanischen Imperialismus, mit dem englischen, dem französischen, dem japanischen Imperialismus usw. zu predigen. Kurz gesagt, ginge es nach diesem Artikel, müsste sich das Proletariat erst einmal auf die Schulbank setzen, um den Marxismus-Leninismus zu lernen, denn dessen Prinzipien sind, so die Chinesen, sehr kompliziert, nur die Chinesen «kennen» und «verstehen» sie (!). Das ist für sie der Grund dafür, dass das Proletariat angeblich noch nicht so weit ist, die Revolution zu machen. Folglich habe es zuerst den Marxismus-Leninismus zu lernen. Die chinesischen Führer zeichnen sich aus in solch anti-marxistischem Humbug! Mao Tsetung brachte die Kinder, die Schüler der Oberschulen, die «Gardisten» auf die Beine, die keine Ahnung vom Marxismus-Leninismus hatten. Sie sollten der «marxistisch-leninistischen» Partei Chinas und dem chinesischen Proletariat beibringen, wie man den Marxismus-Leninismus anzuwenden habe. Sie also, die keinen blassen Schimmer vom Marxismus hatten, sollten der Kommunistischen Partei Chinas und dem chinesischen Proletariat den Marxismus-Leninismus lehren! Das ist der anti-marxistische Inhalt der maoistischen Thesen, die Studenten hätten dem Proletariat seine Ideologie zu lehren, ihm beizubringen, wie seine Ideologie anzuwenden sei. Und dies haben sie ihm, wie wir sehen, «ganz hervorragend» beigebracht, schafften sie es doch, die ganze Partei zu zerschlagen, die Kommunistische Partei Chinas zu liquidieren.

Anti-marxistisch und revisionistisch ist auch die These, die Bauernschaft habe die Hegemonie in der Revolution. Ebenso der «Ratschlag», der einzige, anti-marxistische, durch und durch revisionistische «Ratschlag», den dem Weltproletariat und insbesondere dem europäischen Proletariat zu geben China sich die Mühe macht: dass es zuerst den Marxismus-Leninismus lernen und sich danach an die Revolution machen solle. Das ist das gleiche wie die «Theorie der Kader» von Anastas Lulo und Andrea Zisi, nach deren Meinung man zuerst die Kader auszubilden und dann zur Gründung der Partei und zur Revolution zu schreiten gehabt hätte. Mit einem Wort, laut Deng Hsiao-ping haben wir ganze 20 Jahre Zeit, in denen wir den amerikanischen Imperialismus und die reaktionäre Bourgeoisie in jedem Land erstarken lassen müssen, danach werden wir dann sehen, was weiter zu tun ist. Das Gleiche tat auch sein alter Lehrmeister, der Revisionist Liu Schao-tschi, der 1949 predigte, China dürfe nicht den Aufbau des Sozialismus anpacken, sondern müsse auch nach seiner Befreiung noch 30 Jahre lang den ererbten Weg gehen, die kapitalistische Bourgeoisie und die Kulaken China leiten zu lassen, während in dieser Zeit «das Proletariat sich die Erfahrung zum Handeln erwerben sollte»!

Also ist klar, dass die Ziele und Thesen dieses pseudo-marxistischen chinesischen Artikels nicht der Revolution und den nationalen Befreiungskämpfen dienen, ganz ausgezeichnet aber dem Imperialismus, der Weltreaktion und China, das mittlerweile den kapitalistischen Weg eingeschlagen hat und sich darauf vorbereitet, zu einer sozialimperialistischen Supermacht von Weltrang zu werden.

Zum Teil 8