In dieser unruhigen Situation, so meine ich, nach der unseren Zentralkomitee gegenüber so geringschätzigen Haltung der chinesischen Führung und Mao Tsetungs selbst, die keine einzige der Botschaften beantwortet haben, die wir ihnen sandten, und auch der Einladung des Zentralkomitees an die Kommunistische Partei Chinas, an unserem Parteitag teilzunehmen, nicht Folge leisteten, sondern nur ihren Botschafter schickten, der uns im Namen der Abteilung Internationale Verbindungen einen schönen Gruß vom Zentralkomitee ihrer Partei bestellte, müssen auch wir die Autorität unserer Partei wahren. Wir müssen den Chinesen deutlich zu verstehen geben, dass unsere Beziehungen mit ihnen korrekt und vollkommen gleichberechtigt zu sein haben.





MONTAG, 18. OKTOBER 1976



DIE CHINESEN BEHINDERN UNSEREN IMPORT

Genosse Behar hatte vor fast zwei Wochen ein Treffen mit dem Außenhandelsminister Chinas, Li Tjiang, von dem er Auskunft darüber verlangte, warum unser Import aus China im Jahr 1975 um 40 Millionen Yüan unter dem vorgesehenen Wert lag, während unsere Exporte im selben Jahr vollständig realisiert wurden. Behar wies ihn darauf hin, dass China uns bei der Erfüllung unseres Fünfjahrplans viele Hindernisse und Schwierigkeiten in den Weg legt, und ebenso, dass die Handelsgespräche für das Jahr 1976 noch nicht einmal begonnen haben und es in diesem Jahr zwischen Albanien und China faktisch überhaupt keinen Handel gibt. Behar betonte, dass dieses Vorgehen nicht richtig ist und wir so unmöglich in der Lage sind, die Exporte bereitzuhalten.

Li Tjiang hörte zu und erklärte ihm dann: «Ich bin nicht unterrichtet [in Wirklichkeit log er], werde mich aber informieren und dich wieder rufen lassen.»

Es vergingen also zwei Wochen, und Behar wurde zum stellvertretenden Außenhandelsminister gerufen, der ihm im Namen Li Tjiangs folgendes mitteilte:

«Wir haben Fehler gemacht, stehen bei euch in der Schuld, deshalb werden wir den Handel und die Unternehmen aktivieren und uns bemühen, euch bis Jahresende die Waren zu liefern, mit Ausnahme einiger Fahrzeuge, etwa Traktoren. Der Grund dafür», sagte er, «liegt in unserer falschen Linie. Was die Kontrakte für das Jahr 1976 betrifft, so werden wir sie gegen November oder Dezember realisieren, wenn wir unseren Plan in Ordnung gebracht haben.» Und um uns die Sache zu versüßen, sagte er: «Mit euch werden wir zuerst verhandeln.» Dies wurde Behar vom chinesischen stellvertretenden Außenhandelsminister erklärt. Das ist von vorne bis hinten erstunken und erlogen.

Li Tjiang ist einer der Hauptfeinde der Volksrepublik Albanien. Was die Chinesen da uns gegenüber betreiben, ist Sabotage, ist Wirtschaftsblockade. Diese Sabotagetätigkeit ist eine offene Unterstützung des Komplotts von Beqir Balluku, Abdyl Kolezi, Koço Theodhosi und Kiço Ngjela. Damit wollten sie uns unter Druck setzen, Verknappung auf unserem Markt hervorrufen und die Produktion verlangsamen, damit wollten sie bei der Bevölkerung Unzufriedenheit mit unserer Partei und unserer Staatsmacht wecken. Doch diese Saboteure und Verschwörer erreichten ihr Ziel nicht und werden es auch nicht erreichen können. So, wie unsere Exportwaren sind, werden sie von jedem abgenommen, deshalb kann uns China so wenig blockieren, wie das die Sowjetunion oder die anderen Revisionisten und die kapitalistischen Staaten zu tun vermochten. Wir wollen mit China Handel treiben und werden versuchen, es zu tun, doch unter gleichberechtigten Bedingungen und nicht so, wie die Chinesen verfahren.







FREITAG, 22. OKTOBER 1976





DER DIEB RUFT: «HALTET DEN DIEB!»

Hua Guo-feng hat in der Partei die Zügel in die Hand genommen und sich sowohl zum Parteivorsitzenden als auch zum Vorsitzenden der Militärkommission beim Zentralkomitee ernannt. Diese Ernennung teilten sie Behar mit. Dieser Tage werden die betreffenden Schritte sicherlich auch durch Beschlüsse des Zentralkomitees abgesegnet werden.

Hua Guo-feng kam durch einen von langer Hand vorbereiteten Militärputsch an die Macht. Tschou En-Iai war der Architekt der Verschwörung. Nachdem er gemeinsam mit Mao und mit seiner Hilfe Lin Biao ausgeschaltet hatte, arbeitete er nicht nur daran, «Ruhe zu schaffen», sondern änderte auch Chinas Politik. Mao war das Banner, während Tschou an der Spitze der Reaktion alles organisierte, damit diese Politik auch von den Linken verfochten wurde. Solange Mao noch lebte, traf Tschou seine Vorbereitungen, um gleich nach seinem Tod alle Schlüsselpositionen in der Hand zu haben, insbesondere die Armee und die Sicherheitsorgane. Das gelang ihm noch zu Lebzeiten Maos. Die Linken lärmten mit Rundfunk und Presse, und Tschou ließ sie gewähren. Mit Maos Einverständnis rehabilitierte er Deng Hsiao-ping, seinen alten Freund. Tschou wusste, dass er bald sterben würde, und hat seinen Mitarbeitern sicherlich geraten, vorsichtig zu sein, solange Mao noch lebte, und dann nach seinem Tod die Macht zu übernehmen.

Als Tschou starb, war Mao noch am Leben. Regulär hätte Deng Ministerpräsident werden müssen, doch damit waren die Linken nicht einverstanden. Also befand sich der «große Steuermann» in einem Dilemma. Was sollte er tun? Er rief Hua Guo-feng, den Sicherheitschef, und andere Beteiligte an dem von der Rechten mit Tschou an der Spitze vorbereiteten Komplott. Und als Mao starb, gab Hua Guo-feng das Startzeichen des Komplotts und machte den Putsch. Auf faschistische Art eliminierte er die Hauptvertreter des linken Flügels. Hua Guo-feng und die Verschwörer tönten: «Wir haben die Verschwörer, die Schanghaier Mafia niedergeschlagen», nahmen auch Mikrofon, Rundfunk und Presse in die Hand und leiteten den großen Feldzug ein. Das ist alles. Der Dieb ruft: «Haltet den Dieb!»

Die Verschwörung Beqir Ballukus und Abdyl Këllezis war mit der chinesischen Verschwörung synchronisiert. Tschou hatte vor, gleichzeitig mit den Veränderungen in China auch die Situation in Albanien zu ändern, um ihre Pläne in Bezug auf die kommunistische und Arbeiterbewegung sowie unsere und die internationalen Beziehungen leichter verwirklichen zu können. Doch unsere Partei deckte Beqir Ballukus und Abdyl Këllezis Putsch auf und zerschlug ihn.





SAMSTAG, 23. OKTOBER 1976



SO MUSS ES MIT DEN «VIER» GEWESEN SEIN

Die aufmerksame Lektüre einer Information über ein Rundsehreiben des ZK der KP Chinas ergibt meiner Meinung nach, dass die Aussagen der Chinesen erstunken und erlogen sind.

Im Oktober 1974, so heißt es in diesem Rundschreiben, sei Wang Hung-wen zu Mao Tsetung gekommen und habe Tschou En-lai «beschuldigt». Damit hat Wang Hung-wen meiner Meinung nach sehr richtig gehandelt, und nach den Parteinormen ist ein solcher Schritt zulässig.

Jedes Mitglied des Zentralkomitees, ja sogar jedes Parteimitglied, hat uneingeschränkt das Recht, zum Vorsitzenden oder zum ersten Sekretär des ZK der Partei zu gehen und ihm seine Meinung über ein Mitglied der Führung oder irgendeinen Kommunisten vorzutragen, welche Funktion er auch innehaben mag. Ein solches Vorgehen gilt als Parteiregel. Es ist eine alltägliche Praxis, dass sich viele Menschen, Parteimitglieder oder Parteilose, in unterzeichneten oder auch anonymen Briefen an das Zentralkomitee, an den Vorsitzenden oder den ersten Sekretär des Zentralkomitees wenden, um ihn über die Tätigkeit jener Menschen zu unterrichten, die Fehler begehen.

Man kann es also nicht als Verfehlung oder gar Komplott auslegen, wenn ein Mitglied der Parteiführung wie Wang Hung-wen zum Vorsitzenden des Zentralkomitees gegangen ist, um die Handlungen eines Mitglieds des Politbüros zu kritisieren, im Gegenteil, das entspricht der Regel. Nur die, die nicht wollen, dass ihr unrichtiges Handeln oder ihre Fehler der Führung bekannt werden, können darüber anders denken und urteilen. Ganz besonders im Fall Mao Tsetungs, der abgeschlossen in seinem Büro saß und darauf wartete, dass die anderen zu ihm kamen und ihm ihre Meinung, ob nun kollektiv oder individuell, über die Arbeit und die Menschen, vortrugen, war ein Vorgehen wie das Wang Hung-wens voll-kommend normal. Deshalb ist der Vorwurf gegen Wang Hung-wen haltlos und verwerflich. Für uns ist klar, dass dahinter die böse Absicht jener steht, die ihn ausgebrütet haben.

Als stellvertretender Vorsitzender des Zentralkomitees hatte Wang Hung-wen, wie ich schon sagte, vollkommen recht, als er zu Mao Tsetung als Vorsitzendem des Zentralkomitees der Partei ging und ihm seine Meinung über ein Mitglied des Zentralkomitees mitteilte. Doch die gegenwärtigen chinesischen Führer bezichtigen Wang schwer, als «Verschwörer». Da ich weiß, wer Tschou En-lai war und was für eine Tätigkeit er betrieb, meine ich, dass Wang Hung-wen sehr gut daran getan hat, zu Mao Tsetung zu gehen und mit ihm über Tschou zu sprechen. Das macht uns deutlich, dass diejenigen, die von Hua Guo-feng und Konsorten nun beschuldigt werden, der gleichen, richtigen Ansicht wie wir über Tschou En-lai, seine Taten, seine Verbrechen und seine Intrigen waren.

Die Information aus Peking sagt zwar nichts darüber aus, doch es ist möglich, dass Wang Hung-wen mit der Kritik an Tschou En-lai zu Mao kam, nachdem er sich mit den anderen Genossen beraten hatte, um ihm ihre gemeinsame Ansicht über Tschou En-lai vorzutragen.

Für uns ist klar, dass sich Wang Hung-wen damit wohl kaum begnügt hat. Einen solchen Vorstoß im Zusammenhang mit Tschou En-lais Handlungen, die nicht auf richtigem marxistisch-leninistischem Kurs erfolgten, unternahm er auch offiziell. Die Tatsache, dass er dieses Problem offen auch auf dem 10. Plenum der Gesetz-gebenden Versammlung aufwarf, wie in dem Rundschreiben erwähnt wird, das uns bekannt geworden ist, bestätigt, dass weder Wang Hung-wen noch seine Genossen, die dort jetzt verfolgt werden, auch, nur im geringsten wie «Verschwörer» handelten, sondern dass ganz im Gegenteil diejenigen, welche die Macht übernahmen, so verfuhren.

Die Elemente der Linken haben meiner Meinung nach richtig reagiert, doch den Konterrevolutionären passte Wang Hung-wens Eingreifen nicht in den Kram, deshalb unternahmen sie Gegenschritte. Wie sich herausstellt, hat Mao die Vorschläge und Vorwürfe der Linken nicht akzeptiert. Nicht nur das. Nach dem, was im Rundschreiben steht, hat Mao die Vorschläge Wang Hung-wens verworfen und ihn deswegen sogar gerügt.

Das zeigt, dass Mao Tsetung gemeinsam mit Tschou En-lai und einer Gruppe die rechten, revisionistischen und reaktionären Elemente unterstützte, die sich im Partei- und Staatsapparat verkrochen hielten oder von ihnen, wie Deng Hsiao-ping, rehabilitiert wurden. Wang Hung-wens, Yao Wen-yüans, Djiang Tjings und Dschang Tschun-tjiaos Einwendungen waren, wie die Analyse des Rundschreibens ergibt, völlig gerechtfertigt.

In einer Information, die aus einer chinesischen Quelle stammt, heißt es, Djiang Tjing habe sich schon seit geraumer Zeit Tschou En-lai in seiner revisionistischen und kapitulantenhaften Tätigkeit widersetzt. Nicht nur das, sie brachte auch Mao ihre Ansichten über Tschou En-lai zur Kenntnis, und das war richtig. Doch nun erfahren wir aus dem Rundschreiben, das uns bekannt wird, Mao Tsetung habe Djiang Tjing wegen ihres «Ehrgeizes» kritisiert, weil sie ihn mit «Kleinigkeiten» behelligte, anstatt ihm große Probleme zu unterbreiten. Daraus können wir die Schlussfolgerung ziehen, dass jede Kritik der anderen an Tschou En-lai für Mao Tsetung unannehmbar war. Mao nahm den Revisionisten Tschou En-lai in Schutz.

Es erhebt sich die Frage: Wo ist hier das Komplott? Haben etwa einige Mitglieder des Politbüros nicht das Recht, im Zentralkomitee aufzustehen und offen eine Meinung zu äußern, einen Vorschlag zu machen und durchaus auch eine Person wie Tschou En-lai oder jedes andere Mitglied der Führung, wer es auch sei, zu kritisieren? Ausgehend von den Parteinormen ist für uns hier absolut kein Verstoß ,ersichtlich, im Gegenteil, wir stellen bei Mao selbst, der diese mutigen Leute wegen «Dogmatismus» kritisiert, Dogmatismus und einen unmarxistischen Autoritarismus fest. Die Verschwörer benutzen Maos Aussage, ihre Gegner seien «dogmatisch», als Waffe für sich, doch dogmatisch ist Mao Tsetung selbst, der die Genossen zwang, nur das zu tun, was er sagte und beschloss.

Später, am 3. Februar, so heisst es in dem Rundschreiben, habe Dschang Tschun-tjiao einen Artikel geschrieben, mit dem er sich wütend Maos persönlichem Vorschlag widersetzt habe. Was dies für ein Vorschlag ist und um welche Frage es geht, ist uns nicht klar, doch den Putschisten zufolge musste auch in diesem Fall dem, der es wagte, Kritik zu üben, der Mund gestopft werden, denn wo es um die Dinge ging, die Mao beschloss, durfte es keine Kritik geben. Vielleicht wird hier auf die Einsetzung Deng Hsiao-pings oder irgendeines anderen, der im Rundschreiben nicht genannt wird, in die Führung angespielt. Gerade um diesen Vorschlag zu kritisieren, hat Dschang Tschun-tjiao möglicherweise den Artikel veröffentlicht, einen Artikel, der sicherlich nicht von den Lehren Maos usw. getragen war. Im jüngsten Rundschreiben des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas wird die Veröffentlichung dieses Artikels als Verbrechen betrachtet, weil Mao widersprochen wurde.

Dieses Widersprechen hatte möglicherweise auch etwas mit der von Mao ersonnenen Ernennung Hua Guo-fengs zum stellvertretenden Parteivorsitzenden und zum Vorsitzenden des Staatsrats zu tun. Das hieße, dass die vier Genossen der Führung, die verurteilt worden sind, Mao Tsetungs Vorschlag, Hua Guo-feng die Posten zu geben, die ihm dann auch übertragen wurden, die Zustimmung verweigerten und vielleicht ihren Standpunkt dazu in dem betreffenden Artikel öffentlich äußerten. Dies betrachten die Putschisten ebenfalls als «Verschwörung», was natürlich nicht zu akzeptieren ist, .denn das ist nicht die Art, wie man Verschwörung betreibt.

Ein Botschafter Chinas in einem westlichen Staat teilte unserem Botschafter dort, nachdem er ihm über das «Komplott der -Vier» berichtet hatte, angeblich als vertrauliche Information mit: «Unter uns gesagt, Dschang Tschun-tjiao ist ein Agent der Kuomintag, und bei allen vier Verschwörern wusste Mao Tsetung schon vorher, welch üble Leute sie waren, doch er selbst ließ zu, dass sie nach Peking kamen und ins Zentralkomitee, ja sogar ins Politbüro aufgenommen wurden.» Was für Gemeinheiten sie doch über diese Vier aushecken! Und wie einfältig sie sind!! Begreifen sie denn nicht, ,dass sie so Mao selbst bloßstellen? Oder machen sie es absichtlich, eben um - als Revisionisten und Reaktionäre, die sie sind - Mao zu «entthronen», ihm heimzuzahlen, was sie durch seine Schwankungen zu erleiden hatten, und im Hinblick auf ihre ultrarevisionistischen und reaktionären Zukunftspläne. Soll einer aus diesen Chinesiaden klug werden!

Bei Djiang Tjing treiben es die revisionistischen Putschisten besonders bunt. Sie bezeichnen sie als «Straßenmädchen», verbreiten Broschüren gegen sie, in denen sie in ihren schmutzigen Ausdrücken so weit gehen, sie «Hure» zu nennen. Man fragt sich: Wie konnte diese «Hure» 33 Jahre lang mit Mao Tsetung verheiratet sein, Kinder von ihm bekommen, zum Mitglied des Zentralkomitees und des. Politbüros des ZK der Kommunistischen Partei Chinas gewählt werden? Wo haben denn diese «Helden» gesteckt, die jetzt Verleumdungen verbreiten, so ungeheuerlich, dass selbst die schmutzigste pornographische Literatur des Westens nicht mithalten kann? Es versteht sich von selbst, dass diese Leute selbst Agenten des Imperialismus sind und auf dem Weg über Djiang Tjing Mao persönlich zu diskreditieren versuchen. Dabei halten sie natürlich nach außen hin seine Fahne weiter hoch, bis sie aus dem Schneider sind. Auch das wenige Gute, das Mao für China getan hat, besudeln die revisionistischen Putschisten mit diesen Handlungen.

Weiter unten im Rundschreiben bringen die Putschisten dann weitere allgemeine Bezichtigungen an die Adresse der revolutionären Elemente, weil diese aktiv tätig waren, um die Verschwörerpläne des revisionistischen Flügels mit Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Hua Guo-feng und anderen zu durchkreuzen. Diese serienweise Anschuldigungen drehen sich um vollkommen nichtige, an den Haaren herbeigezogene, gewöhnliche Dinge. Meiner Meinung nach haben die Putschisten mit Hua Guo-feng an der Spitze sie in das Rundschreiben gesetzt, weil sie keine anderen Vorwürfe haben, um die Genossen des linken Flügels als «Verschwörer» hinzustellen. Alles, was sie gegen die Reaktion unternahmen, der Kampf, den sie gegen sie führten, störte die Ruhe der Revisionisten, die von Mao unterstützt wurden. Die Revisionisten hatten sich in der Partei und im Staat eine starke Basis geschaffen. Sie hatten die Schlüsselpositionen in der Hand und setzten überall ihre Leute ein. In dieser günstigen Lage, die sie sich geschaffen hatten, wollten sie nicht, dass ihnen die anderen in die Quere kamen. Doch die «Linken» waren dabei, ihr e Ruhe zu stören, mit Artikeln und in anderer Form, einschließlich einer Reihe von Kritiken. All dem gaben die Revisionisten den Anstrich einer «Verschwörung». Das revisionistische Komplott, das sie selbst seit langem vorbereitet hatten, versuchen sie nun jenen Genossen anzulasten, die sie radikal nennen, die uns aber, nach dem, was wir wissen, trotz aller Fehler und Mängel, die sie haben mögen, auf gesünderen Positionen gestanden zu haben scheinen.

Ich möchte die Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass es Tschou En-lai mit Maos Unterstützung geschafft hatte, alle Revisionisten und die Reaktion, mit einem Wort, alle Anhänger Liu Schao-tschis, des Verräters, um sich zu scharen. Er brachte sie allmählich alle nacheinander in den Apparat der Partei, des Staates, der Armee und überallhin. Nachdem er dieses Ziel erreicht hatte, machte sich Tschou En-lai daran, alle Gegner einen nach dem anderen aus dem Weg zu räumen. So fädelte er zunächst die Sache mit Lin Biao ein, der sein Hauptgegner war. Er ließ Lin Biao in die Falle gehen und liquidierte ihn damit. Danach ging er daran, die anderen Gegner zu liquidieren, die durch die Kulturrevolution hochgekommen waren, an ihrer Spite Kang Scheng und die anderen. Doch Kang Scheng erkrankte und starb, während Tschen Bo-da schon vor Lin Biao liquidiert worden war.

Jetzt blieben noch diese vier: Wang Hung-wen, Yao Wen-yüan, Djiang Tjing und Dschang Tschun-tjiao, die für Tschou En-lai nur schwer zu eliminieren waren. Doch als der große revisionistische Organisator und Verschwörer, der er war, gelang es Tschou En-lai mit Maos Unterstützung, Deng Hsiao-ping zu rehabilitieren und erneut in die Führung zu bringen, und er arbeitete intensiv, um ihn zu seinem Stellvertreter aufzubauen. Die «Vier» haben sich wohl der Rehabilitierung des Revisionisten Deng Hsiao-ping sofort entgegengestellt, doch Mao wird seinen Aufstieg durchgesetzt haben. Ich bin davon überzeugt, dass diese vier die Aufnahme Deng Hsiao-pings in die Führung von Partei und Staat kaum akzeptiert haben dürften. Mao muss ihnen gesagt haben, es habe zu geschehen, wie Tschou und seine Leute vorgeschlagen hatten.

Ich vermute, dass Tschou seinen Mitarbeitern riet, nichts zu unternehmen, solange Mao noch am Leben war. Nun wurden aber nach Tschous Tod diese vier aktiv, und dank ihres Widerstands konnte Deng nicht zum Vorsitzenden des Staatsrats ernannt werden und Tschous Platz übernehmen. So entstand die Notwendigkeit, die Kulturrevolution weiterzuführen. Doch Mao, der sich im Gegensatz zu diesen Vier befand, rief Hua Guo-feng. machte ihn zum stellverretenden Parteivorsitzenden und stellte ihn auch an die Spitze der Regierung. Mao wusste genau, dass Hua Guo-feng ein Parteigänger Tschou En-lais war. Genauso gut wussten dies auch Wang Hung-wen, Dschang Tschung-tjiao, Tjiang Tjing und Yao Wen-yüan, deshalb müssen sie sich wohl der Aufnahme Hua Guo-fengs in die Führung widersetzt haben. Doch Mao nötigte ihnen seine Einsetzung in das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der Partei und des Vorsitzenden des Staatsrats auf.

Nach Maos Tod müssen die «Vier» erneut dagegen gewesen sein, dass Hua Guo-feng an die Spitze der Partei und des Staates kam, doch dieser Widerstand wurde von den Revisionisten als «Verschwörung» betrachte Sie verhafteten die Vier unter der Beschuldigung, sie hätten «gegen die Partei gekämpft, sich Mao Tsetung und dem von ihm persönlich gefassten Beschluss, Hua Guo-feng an die Spitze zu stellen, widersetzt» - einem Beschluss, den er fasste, ohne das Zentralkomitee, ja sogar, ohne das Politbüro einzuberufen - usw. usf. So muss es meiner Meinung nach wirklich gewesen sein, anders lassen sich die Ereignisse, die stattgefunden haben, nicht begreifen.

Bei der Lektüre der Information, die uns erreichte, wird deutlich, was für Verleumdungen und falsche Beschuldigungen gegen diese vier Genossen zusammengebastelt wurden. Die revisionistischen Verräter bezichtigen sie, sie hätten «Dutzende Male mit Ausländern gesprochen, mit ihnen Verbindungen unterhalten», ohne namentlich zu erwähnen, um wen es sich dabei handelt. Sie vergessen, dass, angefangen bei Mao selbst und Tschou En-lai, alle Mitglieder dieser revisionistischen Gruppe wer weiß wie oft mit Ausländern vom :Kaliber eines Kissinger, eines Nixon, mit Krethi und Plethi tage- und nächtelange Treffen und Gespräche hatten. Und um nicht diese Treffen, von denen die ganze Welt wusste, angeklagt zu werdetn, bezichtigen die Revisionisten die «Vier», sie hätten mit Ausländem gesprochen! Damit wollen sie sagen, diese vier seien «Agenten der Ausländer» gewesen. So werten sie Djiang Tjings Zusammenkunft mit einer amerikanischen Journalistin oder Schriftstellerin, die über sie schreibt.

Die Revisionisten verfahren mit diesen Vier genauso, wie sie mit Lin Biao verfuhren, werfen ihnen vor, sie seien «Agenten», ohne allerdings zu sagen, wessen Agenten. Sicherlich werden sie morgen sagen, und dafür gibt es schon jetzt Anzeichen, sie seien «Agenten der Sowjets» gewesen, wie sie das auch über Lin Biao sagten. Der chinesische Botschafter, den ich vorhin erwähnte, sagte zu unserem. Botschafter außerdem, was ich bereits erwähnt habe, auch noch :.«Vorläufig können wir von diesen Vier noch nicht sagen, sie seien Agenten der Sowjets, doch sicher sein können wir uns darin keinesfalls, und es kann sein, dass wir morgen herausfinden, dass sie ihre.Leute sind.» Mit Sicherheit sind die chinesischen Revisionisten, nachdem sie dann gefälschte Dokumente zusammengebastelt haben, auch imstande, das zu behaupten.

Zum andern informierte derselbe chinesische Botschafter unseren Botschafter, dass der Westen die vier Verschwörer als Linksradikale bezeichnet, doch das stimmt nicht», weil sie, ihm zufolge, «Rechtsextremisten sind, die sich nur das Mäntelchen von Linksradikalen umgelegt haben». Natürlich können sie nicht sagen, diese Vier seien Agenten der Amerikaner, sind sie doch selbst mit den Yankee-Imperialisten dick befreundet.

Man erkennt, wenn auch nicht unmittelbar, dass die Putschisten mit Tschou En-lai an der Spitze gegen die Kulturrevolution waren. Sie attackieren diese Revolution sogar, die das Hauptquartier der Reaktion innerhalb der Partei entlarvte, wenn sie behaupten, Mao. habe Djiang Tjing und die drei anderen kritisiert, weil sie «im Zuge, der Kulturrevolution einigen Führern den Hut aufgesetzt haben»usw. usf. Damit wollen sie sagen, die Revolutionäre hätten mit der Kulturrevolution usw. usf. die Partei getroffen, sie klagen sie an, dass sie «Verbrechen begangen haben», als sie den Konterrevolutionären, «den Hut aufsetzten», dass sie «gestürzt haben, wen sie nur stürzen konnten» usw. usf.

Anscheinend haben die vier Beschuldigten unmittelbar nach Maos Tod die Frage aufgeworfen, wer in die neue Führung gewählt werden sollte. Die Putschisten um Hua Guo-feng betrachten dies nun jedoch als «Intrige», «Komplott». Doch warum sollte das eine Intrige oder ein Komplott sein, wo sie sich doch schon zu Maos Lebzeiten der Wahl Hua Guo-fengs zum Spitzenführer widersetzt hatten?

So banal sind die Beschuldigungen der Putschisten, dass sie, um die anderen zu überzeugen, Dinge an den Haaren herbeiziehen. Hier, was sie im Rundschreiben sagen: Mao hat im April 1976 betont, man müsse edlen Kurs der Vergangenheit weiterverfolgen», doch die vier hätten diese Aassage «verdreht», indem sie die Formel benutzten, man müsse «an dem einmal festgelegten Kurs festhalten». Und wo liegt hier der Unterschied? Das ist kaum zu erkennen, doch wenn man gründlich nachdenkt, so lässt sich auch hinter ,der Erwähnung von Maos Aussage: «Verfolgen wir den Kurs der Vergangenheit weiter» eine Absicht der Revisionisten feststellen, Man muss das so auffassen, dass mit dem alten Kurs die von Mao, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping und Konsorten in jeder Hinsieht verfolgte Linie gemeint ist. Ihnen zufolge «sind die besten Leute diejenigen, die erneut in ihre Funktionen in Partei und Staatsmacht eingesetzt wurden, und nicht etwa jene, welche aus der Kulturrevolution hervorgegangen sind». Diese Revolution ist für die Putschisten nun zu Ende, deshalb rufen sie dazu auf : «Richten wir uns nach dem alten Kurs, niemand soll gegen die aufbegehren, die rehabilitiert worden sind, denn sie sind die Besten.» Dass die «Linken» das Problem der Wahl einer neuen Führung aufwarfen, wurde von den Renegaten also als «Verbrechen» gewertet. Daraus erklärt sich auch, dass sie sich Maos Aussage bediener: «Sich zusammenschließen und nicht Spaltertätigkeit betreiben,... sich nicht mit Verschwörungen und Ränken befassen!» All das, was Mao sagt, benutzen die Putschisten, um diesen Kurs zu untermauern und ,die «Vier» zu bezichtigen, sie verdrehten Maos Worte. In Wirklichkeit hat Mao diese Parole schon zur Zeit der Kulturrevolution ausgegeben, während die heutigen Putschisten zu belegen versuchen, er habe es jetzt und ganz besonders gegen diese Vier gesagt. Es zeigt sich deutlich die Arglist, mit der die Putschisten die breiten Massen der Partei und des Volkes zu täuschen versuchen, wenn Mao den Menschen weismachen wollen, Mao habe diese Äußerung jetzt getan. Wie dem auch sei, ob Mao diese Aussage jetzt oder während der Kulturrevolution getroffen hat, sie lässt nicht den richtigen, revolutionären und Klassengeist erkennen.

«Befasst euch nicht mit Verschwörungen», sagt Mao, doch wer ist es denn in Wirklichkeit, der sich mit Verschwörungen befasst? Analysiert man die Tätigkeit der Vier, dann zeigt sich, dass sie keine Verschwörung betrieben haben. Diejenigen, die das Regime in Chine völlig verändern wollten und eine solche Veränderung herbeizuführen versuchten, sind Liu Schao-tschi, Tschou En-Iai, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen u.a. Einige von ihnen wurden im Verlauf der Kulturrevolution ausgeschaltet, kamen aber wieder an die Macht, deshalb mussten sie wegen der konterrevolutionären Tätigkeit, die sie betrieben, entlarvt und bekämpft werden. Doch wer sollte sie bekämpfen? Natürlich die revolutionären Elemente mit einer marxistisch-leninistischen Partei. Doch die Leute, die in China die Macht innehatten, wie Tschou En-lai und Konsorten, die die Woge der Kulturrevolution nicht hinwegzufegen vermochte, und die diese Macht behalten und ihr Dauer verleihen wollten, beschuldigen die Linken, sie seien «Verschwörer». Die Putschisten bedienen sich dieser Äußerung, um sich selbst zu schützen. Nun sind sie alle an die Macht gekommen und bezichtigen die vier Genossen der Verletzung der Direktiven Maos.

Sie bezichtigen diese Vier ebenso, einen Artikel gegen den Revisionismus geschrieben zu haben, in dem dazu aufgerufen wird, nach dem vom Vorsitzenden Mao festgelegten Kurs» zu handeln. Dieser Artikel wird als parteifeindlicher Angriff gegen das Zentralkomitee angesehen. Recht hatten die Vier, das Zentralkomitee anzugreifen, wenn es auf revisionistischem Kurs war. In dem Artikel, der auf den Kampf gegen den Pragmatismus eingeht, wird auch gegen den Revisionismus gesprochen. Es ist bekannt, dass Tschou En-lai mit seiner Arbeitsmethode den Pragmatismus repräsentierte. Die Umsetzung seines Pragmatismus bedeutete Tätigkeit gegen den Marxismus-Leninismus.

In einem Gespräch mit unseren Genossen, als diese in Peking waren, sagte Mao Tsetung: «Falls die Revisionisten irgendwann einmal die Führung in China usurpieren, dann müssen die MarxistenLeninisten der anderen Länder diese Revisionisten genauso entschieden entlarven und bekämpfen, müssen sie der Arbeiterklasse und den Volksmassen Chinas helfen, gegen den Revisionismus zu kämpfen.»

Dschang Tschun-tjiao wird beschuldigt, er habe eine Beratung mit den Komminissaren der Armee usw. durchgeführt, wo er den Kampf gegen den Pragmatismus als Frage ersten Ranges herausgestellt habe. Und diese Auffassung habe er auf der Beratung verteidigt. Wie er dies getan hat, wissen wir nicht, doch anscheinend hat er betont dass wir Marxisten die marxistisch-leninistische Theorie verteidigen, sie zugleich aber auch in der Praxis anwenden müssen, und dies, ohne ihre Prinzipien aufzugeben. Wie die Putschisten sagen, hatten «Dschang Tschun-tjiao und Konsorten dem Marxismus-Leninismus abgeschworen». Das ist ebenfalls eine falsche Beschuldigung gegen sie.

Mao hat gesagt: «Um den Marxismus zu verteidigen, muss man auch gegen den Strom schwimmen.» Tatsächlich haben Wang Hung-wen, Dschang Tschun-tjiao, Djiang Tjing und Yao Wen-yüan, ungeachtet des starken Widerstands der Revisionisten, gegen den Revisionismus gekämpft. Gerade sie waren es, die den Revisionisten in den Reihen der Partei Schläge versetzten, während die Putschisten sie des «Verrats an Mao, am Zentralkomitee, an der Revolution» usw. bezichtigen.

Die «Viererbande» hat, so die Revisionisten, «Maos Strategie im Kampf gegen Lin Biao und Konfuzius verfälscht». Doch worin besteht diese Strategie Maos? Das sagen uns die Revisionisten nicht. Wenn jene Vier «diese Strategie verfälscht hatten», wo waren dann sie mit Mao an der Spitze? Warum warfen sie diese Frage nicht beizeiten auf? Wenn die Sache so stand, warum beriefen sie dann nicht eine Sitzung der Führung ein, um jene, die «Verfälschungen» vornahmen, zum Teufel zu jagen? Wenn sie doch Lin Biao und Tschen Bo-da zum Teufel jagten, konnten sie das nicht auch mit ihnen machen? Warum gingen sie nicht schon damals auch gegen Djiang Tjing vor? Doch das konnten sie nicht, denn zur Zeit der Kulturrevolution waren sie, mit Verlaub,... (hier wird der Satz von Enver abgebrochen – die Red.)

Über Djiang Tjing sagen die Putschisten tausend Sachen. Die Revisionisten kommen damit an, Mao habe ihr dann und dann gesagt: «Du bist ehrgeizig, du strebst nach der Macht, du bist so und so, du trittst für eine Minderheit ein, ihr seid eine Viererbande» usw. usf. Diese Fragen waren nach ihrer Aussage allerdings schon vor Jahren aufgetreten, und Mao soll diese Dinge, wie es in dem Rundschreiben heißt, auch auf Sitzungen vorgebracht haben. Falls dem so war, ist es immerhin erstaunlich, warum nicht sowohl gegen Djiang Tjing als auch gegen die drei anderen Stellung bezogen wurde. «Schau her, du hast Fehler», soll Mao zu Djiang Tjing gesagt haben, «doch die Genossen machen dich nicht darauf aufmerksam. Du gibst dich mit Kleinigkeiten ab, mit denen du zu mir kommst und mich störst, anstatt mit mir über die großen Dinge zu sprechen.» Das alles verdross Mao.

Nach Aussage der Putschisten hatten die «Vier» «schon zur Zeit der Entlarvung Lin Biaos Verbrechen begangen, indem sie drei Pfeile abschossen. Der erste Pfeil war der gegen Lin Biao, der zweite richtete sich gegen Konfuzius und der dritte gegen die Günstlingswirtschaft» oder das «Hereinbringen durch die Hintertür». Doch was soll das heißen? Warum kommen sie jetzt mit der Frage des Kampfes gegen die Günstlingswirtschaft an? Warum wurmt sie das? Wer war es denn, der Günstlingswirtschaft betrieb? Sicherlich die, die die Macht in der Hand hatten, angefangen bei Tschou En-lai, er vor allein, bis hin zu Deng Hsiao-ping. In den Schlüsselpositionen hatten sie um sich ihre Leute gesammelt und betrieben politische, wirtschaftliche u.a. Günstlingswirtschaft. Da sieht man, mit was für Beschuldigungen die Revisionisten ankommen! Sie klagen die anderen an, weil sie selbst Dreck am Stecken haben. Der Pfeil gegen Mao, Tschou und dessen Leute, den sie den «Vier» zur Last legen, sei absichtlich ins Spiel gebracht worden, um den ersten beiden Pfeilen, gegen Lin Biao und Konfuzius, die Spitze abzubrechen. Solche sophistischen Einschätzungen treffen die Putschisten.

Auch in diesem Fall greifen sie wieder zur gleichen Taktik. Über Lin biao sagten die Revisionisten, er habe «an Maos Stelle treten wollen». Auch über Djiang Tjing sagen sie, sie habe «wie Lin versucht, die Führung der Partei in die Hand zu bekommen». Die Putschisten haben diese Unterstellungen so zurechtgebastelt, dass man beim Lesen auf den ersten Blick, ohne gründlich über diese Lügen nachgedacht zu haben, sagen könnte: «Mensch, was waren diese Vier doch tatsächlich für große Verbrecher! » Denkt man aber nur ein bisschen darüber nach, stellt sich ganz von selbst die Frage: Wenn Djiang Tjing so schlimm war und Mao sie mehrmals so schwer kritisiert hatte, warum wurde sie dann nicht wenigstens aus der Führung entfernt? Zweifellos wies Djiang Tjing Mao auf die grossen Betrügereien hin, die die Revisionisten hinter den Kulissen betrieben. brachte ihre Einwände vor, doch Mao, auf dem Olymp, duldete nicht, dass an seinen «unfehlbaren» Gedanken getastet wurde.

Genau wir Lin Biao wird auch Wang Hung-wen beschuldigt, er habe «wie Djiang Tjing, die die Parteiführung anstrebte, an Maos Stelle treten wollen».

All das zeigt, dass die Rechten, von Mao selbst unterstützt, lange Zeit gekämpft haben, um unter allen Bedingungen die Macht in der Hand zu behalten.

Den vier «Linken» wird vorgeworfen, sie hätten sich «in den Kampf gegen den Empirismus gestürzt (gegen Tschou En-lai, versteht sich) und angeblich «nicht gegen den Revisionismus gekämpft». Auch das ist eine Verleumdung. Die Empiristen in China sind gleichzeitig Revisionisten, und es sind Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Hua Guo-feng usw. Es ist begreiflich, dass den genannten Revisionisten durch den Kampf, den die Linken gegen den Empirismus führten, auf die Hühneraugen getreten wurde.

Die Revisionisten stellen in dem Rundschreiben auch die Aussage heraus, wonach «Mao Disziplin und Gehorsamkeit verlangt». Und diese Aussage ist für die Rechten unter den gegenwärtigen Bedingungen unanfechtbar und muss angewendet werden.

Ihre Schlussfolgerung ist, dass die „Vier“ und ihre Anhänger „die Bourgeoisie in der Partei“ sind, wie Mao Tsetung den Putschisten zufolge gesagt hat, während sie selbst mit Hua Guo-feng an der Spitze «Marxisten-Leninisten» sind.

Ganz zu schweigen davon, dass in dem Rundschreiben Deng Hsiao-ping mit keinem Wort erwähnt wird, dass nicht der geringste Vorwurf gegen ihn vorgebracht wird. Diesmal verlieren sie kein Wort über ihn.





SONNTAG, 28. NOVEMBER 1976





KAMPF UM DIE MACHT

Ohne jeden Zweifel ist die Situation in China nach Maos Tod chaotisch, und die Partei, versehen mit einer eklektischen Theorie, ist gespalten.

Bekanntlich dominierte zu Lebzeiten Maos die rechte Gruppe Tschou En-lais. Mao als «Steuermann» leitete «mit den Zentristen» und zügelte sowohl die Rechten als auch die Linken, die sich mit «blanker Klinge“ gegenüberstanden.

In Tschous Gruppe war der zweite Mann Deng Hsiao-ping, der seine Stelle einnehmen sollte. Mao billigte dieses Vorgehen, doch die Linke widersetzte sich. Als Tschou starb, stand Mao am Scheideweg. Er konnte sich bei den Linken nicht durchsetzen, und diese begannen, Deng zu entlarven, als Mao noch lebte. Mao gelang es, Deng in der Partei zu halten, doch die Rechte war bedroht. Also holte der Schaukler Mao den Zentristen Hua Guo-feng hervor, den er zum stellvertretenden Ministerpräsidenten und ersten stellvertretenden Parteivorsitzenden ernannte. Die Linke war auch mit dieser Entscheidung Maos durchaus nicht einverstanden. Zu dieser Zeit, fast ein Jahr lang, gingen die Zentristen ein Bündnis mit den Rechten ein und beschlossen, dass nach Maos Tod Hua Guo-feng Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas und, sogar noch ehe jener starb, Ministerpräsident und Oberkommandierender der Armee werden sollte. Und so geschah es. Kaum war Mao tot, verhaftete Hua Guo-feng mit Hilfe der Armee die Führer der Linken und nahm sich die Titel, ohne dass das Politbüro, ohne dass das Zentralkomitee einberufen wurden.

Doch für die Rechten und die Leute Tschou En-lais und Deng Hsiao-pings war Hua Guo-feng nur eine Übergangslösung, bis der Putsch durchgeführt und die «Vier» entlarvt waren. Danach sollte er einem anderen, Stärkeren Platz machen, einer Persönlichkeit der Rechten, die sowohl die Zustimmung Maos als auch Tschous gehabt hatte. Dies war Deng Hsiao-ping.

Hua Guo-feng tat die ersten Schritte unter der Behauptung, Mao habe «ihn bestimmt». Er begann, an den Posten und Titeln Gefallen zu finden. Mit der banalen «Entlarvung» und Verleumdung der «Vier» glaubte Hua seine Position gefestigt zu haben, doch das ist sicherlich nicht der Fall. Die Rechte will Deng. Auch Hua will Deng, doch sicher verlangt er von ihm, eine gewisse Selbstkritik abzulegen, ehe er ihn rehabilitiert und ihm dann einen Posten überträgt, nicht aber den des Parteivorsitzenden. Deng und seine Anhänger gehen darauf allerdings nicht ein und haben deshalb Hua Guo-feng blockiert. Dieser steht illegal an der Spitze und kann noch nicht einmal das Zentralkomitee zusammenrufen, denn dort gibt es Linke, Zentristen; gibt es auch Rechte und Leute mit anderem Anstrich. Also übt Deng Druck auf Hua aus und dieser auf Deng. Hua «kritisiert» weiter (oh, nur ganz sachte!) einige rechte Fehler Dengs, bis er ihn dazu gebracht hat, das zu tun, was Hua will. Doch Deng ist «halsstarrig», er will die ganze Macht und gibt sich mit weniger nicht zufrieden. Hierin liegt der Konflikt.

Hua Guo-feng kämpft mit einem Teil der Militärs, die ihn unterstützen, darum, an der Macht zu bleiben, und manövriert mit ihnen. Er berief eine Sitzung des Präsidiums des Nationalen Volkskongresses ein, auf der Huas einziger Punkt die Ernennung von Tschou En-lais Witwe zur stellvertretenden Vorsitzenden des Volkskongresses war. Hua stellte diese Kandidatur so dar, als habe ihm Mao vor einem Jahr gesagt, Tschous Frau müsse «auf diesen Platz gestellt werden». Es heißt, Tschous Witwe sei die Schwester Deng Hsiao-pings. Mit diesem Manöver will Hua dem Volk und den Rechten beweisen, dass er «das Vertrauen Maos gehabt hat», dass Mao ihm aufgetragen habe, «die Linken zu liquidieren», dass Mao ihm gesagt habe: «Wenn du an der Spitze stehst, sterbe ich ruhig», dass Mao ihm gesagt habe: «Stell Tschous Frau auf diesen hohen Posten.» Mit diesem letzten Schritt versucht Hua Guo-feng einen Teil der rechten Gruppe, Tschou En-lais Leute, für sich zu gewinnen.

Mit anderen Worten, in China ist der Kampf um die Macht nicht nur noch nicht beendet, er hat vielmehr gerade erst begonnen. Hier wird die Armee die entscheidende Rolle spielen, und von dieser Rolle hängt ab, ob Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping oder irgendein anderer starker Rechter wie Deng die Macht in der Hand halten wird.

Dabei spielt die Kommunistische Partei Chinas nicht die geringste Rolle bzw. nur eine formale Rolle, gerade, um auf ihren formalen Sitzungen dem zuzustimmen, was die Putschisten oben beschließen. Wie es nun scheint, besteht die Kommunistische Partei Chinas nur aus ihrem Namen und ihrer Fassade. Sie trat in der Welt und in der kommunistischen Bewegung als Partei «mit einer revolutionären, marxistisch-leninistischen Linie, mit der Struktur einer Partei vom Leninschen Typ» auf. Doch die Tatsachen bewiesen, dass sie das nicht war. Das chinesische Volk kämpfte, die revolutionären Kommunisten mit Mao und den anderen kämpften, doch dies war ein nationaler Befreiungskampf, der weder die Partei in den marxistisch-leninistischen Normen festigte, noch die Staatsmacht in der Form der Diktatur des Proletariats. Auch die Algerier kämpften als Nationalisten, doch sie säuberten ihre Feinde hinweg, die chinesischen Kommunisten dagegen nicht. Und deshalb leiden sie.





DONNERSTAG, 2. DEZEMBER 1976





EINE WIRRE PARTEI

Man kann sagen, dass die Frage der Kommunistischen Partei Chinas etwas Mysteriöses ist. Nach aussen erscheint sie wie eine legale Partei, und das ist sie auch. Sie ist eine Partei an der Macht, hat ihre Politik, ihre Presse und ihre Organisation. Es hiess, alles werde vom Marxismus-Leninismus geleitet, und jetzt kamen zu dieser Losung auch noch die «Maotsetungideen» hinzu. Trotz alledem ist die Kommunistische Partei Chinas aber eine Partei, die wie in der Illegalität lebt und wirkt. Sie hält nur selten Parteitage ab, und auch die Sitzungen des Zentralkomitees und des Politbüros finden selten und unter größter Geheimhaltung statt, als lebe man in Kriegszeiten. Nur der 8. Parteitag trat offen zusammen, es wurden Delegationen der Bruderparteien eingeladen, die Verbreitung der Berichte wurde gestattet. Auch der letzte Parteitag, auf dem Tschou En-lai und Wang Hung-wen sprachen, fand halböffentlich statt, doch keine einzige Delegation einer Bruderpartei wurde zur Teilnahme eingeladen. Ansonsten bleibt alles im Dunkeln. Nur «Renmin Ribao» schreibt so lange Propagandaartikel, dass sie kaum lesbar sind, denn sie sind gespickt mit Formeln, Zitaten, immer gleichen Schlagworten, die Mao Tsetung vor der Befreiung ausgegeben hat. Man erfährt nur unter Mühen, unter großen Mühen, ob irgendein Plenum stattgefunden hat, wer gesprochen hat, welche Probleme aufgeworfen und welche Beschlüsse gefasst worden sind. Niemals verlautet auch nur das Geringste, ausser einigen allgemeinen Weisungen, von denen ebenfalls nicht bekannt ist, wer sie formuliert hat. Es ist die Rede von der Landwirtschaft, von Dadschai, man verknüpft dies mit irgendeinem Zitat Maos und macht Propaganda!

Unser Eindruck ist, dass die Kommunistische Partei Chinas mit Schlagworten lebt und mit Befehlen arbeitet. Nach außen, uns und anderen gegenüber, sprechen sie - selbst die Leute von der chinesischen Führung, mit Ausnahme Tschou En-lais - sogar über die unterschiedlichsten und kompliziertesten Situationen in Zitaten und Losungen. Es scheint, als sei die «Parole des Stillschweigens» an sie ausgegeben worden: «Verkauft. nichts, seid aber bemüht, einzukaufen» Das kann tatsächlich so sein, und irgend etwas ist da faul, das heißt, entweder wird eine ungesunde Konspiration auch den Genossen und Freunden gegenüber gewahrt, oder die Erziehung durch die Partei ist so dürftig, dass keiner etwas weiß über die Formeln hinaus, die ihm in der Presse und im Rundfunk serviert werden. Beides ist der Fall.

Es ist eine unleugbare Tatsache, dass die Kommunistische Partei Chinas mit diesem «großen» Vorsitzenden und diesen „hervorragenden» Führern bis heute noch nicht die Geschichte der Partei geschrieben und offiziell genehmigt hat. Nein, die gibt es nicht! Woraus lernt die junge Generation in China die Geschichte ihrer Kommunistischen Partei, mit. ihren guten Seiten und ihren Fehlern? Aus nichts. Mindestens hat. die Welt nichts in der Hand. Gibt. es vielleicht irgendeine Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas, die sie konspirativ behandeln? So etwas ist. Unmöglich. Warum wird sie dann nicht geschrieben? Fehlen ihnen die Leute oder die Mittel dazu? Weder das eine noch das andere kann der Fall sein. Also? Es ist schwer,, die Geschichte ihrer Partei zu schreiben, weil es für sie schwer ist, ihre Linie und ihren Kampf zu analysieren. Es ist schwer für sie, die Etappen, die sie durchlaufen hat, die Ereignisse, die Veränderungen und ihre Ursachen, die Rolle dieses oder jenes Führers oder dieser oder jener Gruppe im Licht des Marxismus-Leninismus zu analysieren. Die, denen diese Aufgabe zufällt, müssen, wenn sie ein solches Dokument schreiben, die Verantwortung für seinen Inhalt auf sich nehmen, denn die Welt wird über sie urteilen und sie wie in einem Spiegel sehen. Die, die es schreiben könnten, vermögen es nicht vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus aus zu schreiben, weil sie keine Marxisten-Leninisten sind, sondern Opportunisten, Pragmatiker und seit Jahrzehnten in Fraktionen und komplette verwickelt, weil sie politisch und ideologisch erstaunlich unbeständig gewesen sind. Anders lässt sich nicht erklären, wie die Geschichte einer solchen kommunistischen Partei, die reich ist an Ereignissen, an Gutem und an Schlechtem, an so viel fraktionistischer Tätigkeit, noch immer nicht erschienen ist und den chinesischen Kommunisten, dem chinesischen Volk und den anderen als große Erfahrung dient.

Nicht nur das, auch die Geschichte des grossen Befreiungskampfes Chinas .ist noch nicht geschrieben und wird weiter nicht geschrieben. Es geht mir dabei um eine wissenschaftliche Geschichte und nicht um einzelne zusammenhanglose Schriften, in denen die Ereignisse wie in den Heldensagen des Mittelalters beschrieben werden, mit dem Vorsitzenden Mao als Oberhelden. Wir wissen, dass ein Kampf geführt worden ist, doch warum wird dann diese reiche Geschichte nicht niedergeschrieben, damit die Menschen sie studieren können? Meiner Meinung nach aus denselben Gründen, die ich in Bezug auf die Geschichte der Partei genannt habe.

Die Kommunistische Partei Chinas hatte niemals -ein marxistisch-leninistisches Rückgrat. Verschiedene Leute, die weder in der marxistisch-leninistischen Theorie noch durch die Ereignisse erzogen wurden, standen auf, machten eine Zufallspolitik, «unabhängig», als «Kommunisten» in einer «kommunistischen Partei», die kein marxistisch-leninistisches Rückgrat hatte.

Solche Leute kamen in die Führung. wurden zu Karrieristen, kämpften darum, die Macht an sich zu bringen und kamen in Konflikt mit anderen Gruppierungen, die genauso wenig prinzipienfest waren. Die Rivalitäten und Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen nannte man Kämpfe, und den chinesischen Schlagworten zufolge hat Mao Tsetung 10 oder 11 solcher Kämpfe geführt. Dies 10 Kämpfe werden auch noch mit den Namen der Fraktionisten aufgezählt, doch damit hat es sich dann. Simplifizierend heißt es; sie seien «gegen die Linie Mao Tsetung gewesen», «Mao Tsetung liquidierte sie» usw. Doch Mao Tsetung liquidierte die Fraktionisten weder physisch noch ideologisch, denn er predigte bis zum Schluss die «hundert Schulen». Und wenn er irgendwann einmal eine Gruppe liquidierte, können wir durchaus die Schlussfolgerung ziehen, dass Mao das tat, weil seine persönliche Macht in Gefahr war.

Die Partei in China war also das Organ einiger Leute, die darum kämpften, ihre Macht zu wahren, und keine Partei des Proletariats. Und die Macht, die sie hüteten, war ihre Macht und nicht die Macht der Diktatur des Proletariats.

Wie war diese Partei organisiert, wie arbeitete sie und wie wurde sie erzogen? Auch das war und bleibt für uns ein Geheimnis. Niemals teilte man uns etwas mit, keine einzige Erfahrung wurde uns vermittelt, keine einzige wirkliche Parteidelegation ließen sie nach China kommen. Das genaue Gegenteil war bei uns der Fall. Wir legten den Chinesen ohne Vorbehalt dar, wie unsere Partei die politischen und ideologischen Aufgaben organisatorisch löste. Sie haben das nie getan. Die Arbeit der Kommunistischen Partei Chinas muss sehr schwach gewesen sein. Nach außen hin, der Zahl nach, ist sie eine große Partei, doch innerlich ist sie wirr, denn wirr waren auch ihre Führung und ihre Linie.

Die unzähligen Fraktionisten, die es in der Partei gab, betrieben auch an der Basis eine fraktionistische Tätigkeit. In der Partei stieg einmal die eine Fraktion auf und die andere ab, dann war es wieder umgekehrt. Dieses Spiel wurde nun gefährlich.

Neue Leute aus den Reihen der Arbeiter und der anderen Klassen wuchsen heran, kamen in die Partei, hatten Begeisterung und revolutionären Schwung, doch die Arbeit zu ihrer Erziehung lahmte.

Alles wurde in die Bahn der Idealisierung ihres Hauptführers gelenkt, der «niemals irrte». Alle, einschließlich der Fraktionisten, führten unter dem Banner Maos einen Kampf hinter den Kulissen.

Was können wir über all die alten und jungen Führer sagen, die in den letzten Jahren angeprangert wurden, über Lin Biao, Tschen Bo-da, Djiang Tjing, Yao Wen-yüan, Dschang Tschun-tjiao und Wang Hung-wen? Man stellte sie uns als gute Leute vor, und soweit wir sie kannten, schienen sie uns das auch zu sein. Unter den chinesischen Führern erschien uns Kang Scheng als ein entschlossener Revolutionär, als ein ernsthafter Genosse mit marxistisch-leninistischer Formung, als der internationalistischste der chinesischen Führer, die wir kennensgelernt haben. Inzwischen werden sie alle schwer beschuldigt, «rechts und aufs höchste unmoralisch» gewesen zu sein, mit Ausnahme Kang Schenks, der gestorben ist, von dem man aber weiß, dass er die Linken unterstützte.

Was wissen wir von diesen Genossen, die in diesem Chaos und Durcheinander von Ideen und verfehlten Handlungen in China wohl auch den einen oder anderen Fehler gemacht haben? Wir wissen wenig über sie. Sie kämpften in der Kulturrevolution, «stürmten das Hauptquartier» der Revisionisten und der Reaktion, griffen Liu Schao-tschi an. Sie waren gegen die Sowjetrevisionisten und den amerikanischen Imperialismus. (Wieweit es Lin Biao mit den Sowjets hielt, wissen wir nicht, wir können dafür nicht die Hand ins Feuer legen.) Sie wollten diese Revolution zu Ende führen. Mao und Tschou En-lai samt den Rechten hinderten sie daran. Was für eine marxistisch-leninistische Erziehung hatten diese Leute? Die der ganzen Partei, doch wie sich zeigt, waren sie zur Ansicht gelangt, dass diese Kette, die dabei war, China zu erdrosseln, zerbrochen werden musste. Kämpften nicht auch sie um die Macht? Wir können es nicht sagen, doch wir würden auch dafür die Hand nicht ins Feuer legen.

Mit den anderen, an deren Spitze Tschou stand, sind wir in prinzipiellen Fragen aneinandergeraten, und wir haben sie bekämpft, weil wir genau wussten, mit wem wir es zu tun hatten.

Was nun in China geschehen ist, war nichts anderes als eine Wiederholung des Fraktionskampfes, den ich oben angesprochen habe, doch dieser Kampf ereignete sich nach dem Tod Maos, der zugelassen hatbe, dass die Rechte sich festigte und die Zügel in der Hand hatte, um die revolutionäre Seite zu schwächen. Mao konnte nicht mehr seine Schaukelpolitik spielen lassen, deshalb schlug die Reaktion die linken revolutionären Elemente, und sie wird diesmal die Sache .zu Ende führen.

Wir standen und stehen auf der Seite der Revolution und der Revolutionäre und hoffen und wünschen, dass die Revolution in China sich nicht mehr vom «Banner der Maotsetungideen», sondern von den Ideen von Marx, Engels, Lenin und Stalin leiten lassen möge. Nur so wird die Revolution in China siegen.







MONTAG, 6. DEZEMBER 1976





EINE FÜHRUNG, DIE NICHT ZUR STABILITÄT FINDET

Die neue chinesische Führung schwimmt in einem unbeschreiblichen politischen, ideologischen und organisatorischen Chaos. Es zeichnet sich noch keinerlei Stabilität ab, und sei es auch auf dem falschen Weg, den Hua Guo-feng eingeschlagen hat. Alle kehren hervor und behaupten von sich, sie seien die Fortsetzer der Linie Maos, doch das stimmt nicht. Maos nicht marxistisch-leninistische Linie erschien stabil, sie war es aber nicht und konnte es nicht sein. Und warum konnte sie es nicht sein? Weil Mao in Politik, Ideologie und bei der Organisierung des Staats der Diktatur des Proletariats nicht Glied marxistisch-leninistische Theorie anwandte. Und das war das Ergebnis davon, dass Mao die Kommunistische Partei Chinas als marxistisch-leninistische Partei weder aufgebaut noch erzogen hatte.

Mao als Theoretiker war kein Marxist. Er hielt die Bauernschaft und nicht das Proletariat für die führende Kraft der Revolution. Das Proletariat und die Gewerkschaften verachtete er bis zum Schluss so sehr, dass Tschiang Kai-Scheck ihnen bei der Konterrevolution von Schanghai schwere Schläge versetzen konnte. Später, bis zu seinem Tod, betrachtete Mao die sogenannte dritte Welt als die «größte Triebkraft gegen den Imperialismus und den Sozialimperialismus». Dies ist der schwarze Faden der nichtmarxistischen opportunistischen Linie Maos, die in den Worten ihren Ausdruck findet: «Das Dorf muss die Stadt einkreisen» und «China gehört zur dritten Welt». Aus Maos antimarxistischen Theorien ergibt sich die antimarxistische Schlussfolgerung, dass dort, wo der Kapitalismus die Bauernschaft vernichtet und die Bauern in Arbeitslose oder in von den kapitalistischen Konzernen geknechtete Arbeiter verwandelt hat, die Aussicht, dass das Proletariat sich zur Revolution erhebt, verschlossen ist.

Mao, von dem großspurig verkündet wird, er sei ein «großer Marxist-Leninist», ist nicht mehr als ein Eklektiker, ein Pragmatiker und somit auch ein Opportunist. Die Richtung der Theorie «Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern» einzuschlagen, das eben ist der Kern des opportunistischsten Pragmatismus,, der zum Parteienpluralismus, zur Unterhöhlung der führenden Rolle der Kommunistischen Partei Chinas in der Revolution und beim Aufbau des Sozialismus, also zur Wiederherstellung des Kapitalismus führt. Das kann keine Taktik, kein geschickter Schachzug sein, wie es manche, die sich mit Feuereifer bemühen, Maos roten Anstrich zu erhalten, darstellen wollen. Sie sagen, Mao habe diese Parole ausgegeben, um festzustellen, «wo der Hase im Pfeffer liegt», um dann mit einem Schuss «alle Hasen zu treffen» Nein, Mao hat mit seinen Theorien den Klassenfeinden nirgend wann Schläge versetzt und wird es nie tun. Der Klassenkampf, die Diktatur des Proletariats, die Partei des Proletariats - sie haben in China nicht existiert, niemals richtig, auf marxistisch-leninistischem Weg funktioniert. In Wirklichkeit waren das alles nur Parolen und nichts als Parolen, denn dort existierten «hundert Schulen», und sie existieren weiter.

Mao Tsetung hat gesagt: «Es genügt, wenn es im Zentralkomitee 10 Leute gibt, die begreifen, was der Marxismus ist.» Diese, Aussage allein reicht aus, um den Abgrund zu erkennen, zu begreifen, was es mit den «hundert blühenden Blumen und Schulen» auf sich hat. In der Partei, sagte Mao, «gibt es drei Strömungen, also drei Gruppierungen: die Linken, die Zentristen und die Rechten Damit kommt aus Maos eigenem Mund die Bestätigung dafür, dass «hundert Schulen» existieren, die sich zu den drei Gruppen und den drei Linien in der Partei zusammengeschlossen haben, welche die chinesische Praxis auf zwei Linien reduziert.

In den Jahren des «großen Sprungs» predigte er, der Kommunismus könne innerhalb von 30 Jahren aufgebaut werden. Nach dem Scheitern dieser Politik rückte er dann davon ab und «verschob» den Sieg des Sozialismus um Zehntausende von Jahren.

Ebenso schrieb er: «Alle sieben Jahre wird eine Revolution stattfinden, es werden die Rechten kommen, dann werden die Linken kommen und so wird es zehntausend Jahre weitergehen.» Diese ganze von Mao Tsetung praktizierte Theorie ist typisch bäuerlich, kleinbürgerlich. Sie hat all das grosse Chaos verursacht, oder, besser gesagt, mit Unterstützung Mao Tsetungs hat die «Rechte» nun die Macht ergriffen und arbeitet, lügt, unterdrückt und diskreditiert unter Maos Banner.

Mao hat sich gegen den «Stalinkult» ausgesprochen, doch er ließ zu, dass um ihn selbst ein Kult getrieben wurde, der skandalöse Formen annahm und bei den breiten Massen Chinas eine nahezu religiöse Verehrung züchtete, wie für einen Gott. Dass er die maßlose Aufblähung des Kultes um ihn duldete, die während der Kulturrevolution in den Reden und Tricks von Lin Biao und Konsorten ihren Höhepunkt erreichte, als sie zwischen den «Maotsetungideen» und dem Marxismus-Leninismus gar ein Gleichheitszeichen setzten und erklärten, die «Maotsetungideen» seien «der Marxismus-Leninismus unserer Zeit» - das zeugt (gelinde gesagt) nicht gerade von Bescheidenheit.. . Für die Rechten, die die Macht ergriffen haben, war der Kult um Mao, als dieser noch lebte, ein großes Hindernis, doch auch nun, nach seinem Tod, bleibt «sein Ruf» und ist ihnen hinderlich. Daher wird die Rechte dieses Hindernis bekämpfen, bis es nur noch ein Schatten ist, bis also Maos Mythos vollkommen verschwunden ist. Solange Mao lebte, wagten weder die Linken, auf revolutionärem Weg zu handeln, noch die Rechten auf ihrem offen konterrevolutionären Weg. Letztere haben nun mit Hua Guo-feng gewaltsam, durch einen Putsch, die Macht in Partei und Staat an sich gebracht. Die Rechte hat sich die «Zentristen» dienstbar gemacht und versetzt nun der Linken Schläge, die in Zukunft noch härter sein werden. Sie verhaftete die «Vier», verhaftete auch viele andere wichtige Kader, die wir nicht kennen.

Den anderen Teil der Linken wird sie einschüchtern, ihm Schläge versetzen, ihn kompromittieren, und Hua Guo-feng oder ein anderer, noch wilderer Reaktionär wird die Macht antreten, um die faschistische Diktatur zu errichten und den Kapitalismus in China wiederherzustellen.

Die Rechte wird bei ihrer Tätigkeit innerhalb des Landes vor gelblich unter Maos Banner streiten, bis sie sich einen eigenen Mao geschaffen hat. Maos Zitate werden an der Tagesordnung sein, sind sie doch die Gedanken eines opportunistischen, pseudokommunistischen, pragmatischen, träumerischen und idealistischen Führers. Maos Ansichten wurden unter dem Begriff «Maotsetungideen» zusammengefasst, und die chinesische Propaganda kreierte nicht ohne Absicht die Formel «Marxismus-Leninismus gleich Maotsetungideen». Dies ist eine in Theorie und Praxis anti-marxistische Formel, denn die «Maotsetungideen» sind nicht nur keineswegs der Marxismus-Leninismus, sondern in vielen theoretischen Kernfragen und ihrer praktischen Umsetzung sogar sein Gegenteil.

Warum geschah dies? Dies geschah, um den Marxismus-Leninismus als. revolutionäre Theorie und Praxis zu bekämpfen, um ihn nur noch als tote Formel beizubehalten, so wie das die modernen Revisionisten tun. Ersetzt haben ihn die Chinesen durch die «Maotsetungideen», eine Theorie und Praxis, die nicht revolutionär ist. So zu handeln, ist antimarxistisch, konterrevolutionär und revisionistisch. Darin zeigt sich klar das hegemonistische Wesen in Politik und Ideologie eines großen Staates und einer zahlenmäßig großen, jedoch nicht marxistisch-leninistischen Partei.

Die Rechte wird die «Maotsetungideen» beibehalten, um in der Welt den Antikommunismus zu propagieren, und Mao einbalsamiert im Mausoleum aufbewahren. So brachte die chinesische Rechte Mao ins Mausoleum, um ihn auf eine Stufe mit dem großen Lenin zu stellen. Demnach gibt es heute, den Chinesen zufolge, «zwei Lenins», «zwei Kommunismen» und «zwei sozialistische Staaten». Eine Dualität zweier Linien sowohl in der Partei als auch auf der Welt. So haben die Kommunisten auf der Welt zwischen dem Marxismus-Leninismus und den «Maotsetungideen» zu wählen. Die Sowjetrevisionisten sagen: «Wir sind Leninisten.» Die chinesischen Revisionisten sagen: «Wir sind Maoisten.» Doch beide Seiten können Marx und Lenin nichts anhaben, beide Seiten sind ihre Feinde, sind Renegaten des Kommunismus. Marx und Lenin gehören den wahren Kommunisten, gehören den Revolutionären der Welt.

Doch Maos Zitate sind, wie ich schon oben sagte, eine zweischneidige Sache. Neben den bekannten benutzt die Rechte auch andere Zitate Maos, gesagte und ungesagte, die sie aufpoliert und zurechtstutzt, wie sie will, wie sie ihr am besten dienlich sind. Wo kann man es finden, dieses Gesagte oder Ungesagte Maos? In der Luft, in der Erinnerung des einen oder anderen oder in den unreinen oder bereinigten Protokollen? Jetzt hat Hua Guo-feng den Beschluss gefasst, Maos Werke herauszugeben, und eine dafür zuständige Kommission ins Leben gerufen. Die ganze Welt kennt nur die vier Bände Mao Tsetungs mit Schriften aus der Zeit vor der Befreiung. Nach der Befreiung wurde fast gar nichts veröffentlicht, kein Referat, keine Rede Maos. Merkwürdig!! Warum ließ der Vorsitzende Mao, dessen Kult in den Himmel gehoben wurde, nichts von seinen Kostbarkeiten ans Licht dringen?! Oder waren es vielleicht gar keine Kostbarkeiten, sondern nur Staub und Asche?! Nun wird also Hua Guo-feng diese Kostbarkeiten ans Licht bringen, doch wann und wie ist nicht bekannt. Er wird der Welt diesen «Kohl» zu fressen geben, damit die Anhänger der Theorie von der «dritten Welt» dadurch «erzogen werden» und sich damit «den Kopf voll stopfen», denn was die wahren Kommunisten anbelangt, so werden sie ihn nicht schlucken!

Die Rechte schiebt den Putsch, den sie unternahm, den Linken in die Schuhe, die sie als «rechts, faschistisch, revisionistisch» usw. hinstellt. Deng Hsiao-ping, der ein Rechter ist und als solcher von den Linken wütend bekämpft worden ist, wird von Hua Guo-feng, der sich als Zentrist gibt wie Mao, aus Opportunitätsgründen weiter als Rechter bezeichnet. Mag einer diese «geniale» Logik des neuen Vortsitzenden begreifen. Er bezichtigt die «Vier», sie hätten die Gedanken Maos entstellt, was er doch gerade selbst tut.

Der neue Vorsitzende und seine rechten Freunde greifen mangels politischer Vorwürfe gegen die «Vier» zu den schmutzigsten, unmoralischsten persönlichen Verleumdungen. Wenn du keine Argumente hast, Hua Guo-feng, dann bist du eben gezwungen, mit Unrat aufzuwarten! Selbst die Bourgeoisie, selbst die Reaktion bedient sich, wenn sie die Kommunisten verdammt, nur politischer Beschuldigungen gegen sie, die Rechte in China dagegen erweist sich als reaktionärer als die schwärzeste Reaktion.

Doch warum hat die Rechte diesen ganzen Schmutz aufgebracht? Weil sie auf ganz und gar reaktionären Positionen steht, weil sie Mao restlos diskreditieren und es so weit bringen will, dass man die Frage stellt: «Wie war es nur möglich, dass Mao mit einer Hure verheiratet war, dass er im Politbüro Agenten der Kuomintang und der Sowjets, Verschwörer, Attentäter sitzen hatte» usw. gleichzeitig will die Rechte mit diesem Unflat Eindruck auf das einfache und anständige chinesische Volk machen. Sie versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Mit größter Unverschämtheit schiebt die Rechte die Schuld an allem Schlechten, das sie selbst im Staat, in der Wirtschaft, in der Armee und überall angerichtet hat, den «Vier» in die Schuhe. Doch die ganze Welt weiß, dass die Staatsmacht, die Wirtschaft, die Armee und die Partei in der Hand der Rechten waren - Tschou En-lais, Yä Djiän-yings, Li Hsiän-niäns und ihrer Bande.

Dieses Chaos in China wird andauern. Doch die Revolutionäre, werden sie schweigen, werden sie vor dieser Verbrecherbande auf die Knie fallen? Die Zeit wird darüber Aufschluss geben. Vorläufig herrschen in dieser chaotischen Lage im Kopf der Chinesen und unter den einfachen Kommunisten Angst, Unsicherheit, politische, ideologische, wirtschaftliche und organisatorische Konfusion.



DONNERSTAG, 9. DEZEMBER 1976



EINE CHINESISCHE NOTE OHNE ADRESSE UND OHNE UNTERSCHRIFT

Genosse Behar Shtylla wurde gestern von Li Hsiän-niän empfangen, der ihm eine «Verbalnote» aushändigte, so wie irgendein Außenministerium eine Protestnote an irgendeine andere Regierung richten mag. Doch die ministeriellen Verbalnoten sind mindestens noch adressiert, während die «Note» der Chinesen weder Adresse noch Unterschrift trug. In der Essenz besagte sie folgendes: «Genosse Hua Guo-feng sagt, auf dem 7. Parteitag der PAA seien die Linie der Kommunistischen Partei Chinas und die strategischen Auffassungen Mao Tsetungs über einige wichtige Probleme, insbesondere der internationalen Lage, durch Anspielungen öffentlich angegriffen worden. Dies hält er nicht für richtig, auf dem Marxismus-Leninismus gründend, denn es schadet der Freundschaft, der Einheit der Bewegung, enthüllt vor den Feinden die Differenzen zwischen den beiden Bruderparteien», usw. Unser Brief von 1964 (über die chinesisch-sowjetischen Grenzen) wird erwähnt, über den Mao Tsetung gesagt hat, er werde ihn nicht beantworten, da er keine Polemik einzugehen wünsche, weshalb sie auch «auf die Vorwürfe nicht erwidern» wollten usw. So fasst Behar die beiden Seiten der «Verbalnote» zusammen, die er uns morgen mit dem Flugzeug schicken wird

Dies ist das erste Mal, dass die chinesischen Revisionisten die Partei der Arbeit Albaniens offen angreifen - mit einem «Dokument», das sie morgen bestreiten können. Die Chinesen hinterlassen niemals offizielle Dokumente. Die jetzige revisionistische chinesische Führung ist sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes in einer schwierigen Lage. Den inneren Zustand habe ich oft dargestellt, und die Außenpolitik Chinas erleidet Fehlschläge.

Was das Inland angeht, beschuldigt die chinesische Führung die «Vier», die sie mit Lin Biao in Verbindung bringt, und erklärt sie alle zu den Schuldigen an sämtlichen Missständen, bezeichnet sie als Agenten der Sowjets usw. Was das Ausland betrifft, bezichtigt sie mit dieser «Note» die Partei der Arbeit Albaniens, sie attackiere Maos Strategie, d.h., sie behauptet, wir seien Schuld «am Misserfolg außerhalb Chinas». Also sind wir «gegen Maos Strategie», «helfen den Sowjets». Ihrer Meinung nach bilden wir «einen Block mit den Vier und Lin Biao». All dies sind Anspielungen, die darauf angelegt sind, uns einzuschüchtern und dazu zu bringen, ihrer Linie zu folgen, «denn sonst werden wir weitergehende Maßnahmen ergreifen, die Zahlung der Kredite an euch einstellen», und andere verschleierte Drohungen. Getrieben von .ihrer revisionistischen Logik meinen die jetzigen chinesischen Führer, sie erhielten uns «am Leben», das sozialistische Albanien lebe nur «dank ihnen», wir würden uns, wenn sie uns im Stich lassen, «mit den Supermächten verbinden»; und ihre Propaganda werde «sich bestätigen» usw. All das gleicht dem Vorgehen des Revisionisten Chruschtschow und seiner Adepten gegen uns wie ein Ei dem anderen!

Wir müssen den Provokateuren mit ihren chauvinistischen Großmachtanschauungen, den chinesischen Putschisten, Revisionisten und Antimarxisten, antworten und sie entlarven.

Der Brief, den wir ihnen schicken werden, wird im Gegensatz zu ihrer Verbalnote offiziell vom Zentralkomitee kommen. Darin werden wir ihnen sagen:

Erstens ist die PAA eine unabhängige marxistisch-leninistische Partei und formuliert selbst ihre Linie im Licht der marxistisch-lenininistischen Theorie, auf der Grundlage realistischer Analysen der inneren und äußeren Lage. Die PAA treibt keinen Schacher mit dem marxistisch-leninistischen Prinzipien, sie lässt sich von einer eigenen Strategie leiten, die sie selbst festlegt, und sie formuliert selbst die für diese Strategie geeigneten Taktiken. Die PAA duldet nicht, dass ihr irgendein anderer eine Strategie aufzwingt, die sie für ungeeignet hält. Auf der Grundlage ihrer marxistisch-leninistischen Normen billigt sie den marxistisch-leninistischen Bruderparteien zu, sie zu kritisieren, und ist einverstanden, über viele Probleme mit ihnen zu diskutieren. Und umgekehrt hat auch die PAA dieses Recht gegenüber den anderen Bruderparteien.

Zweitens hat die PAA ihre Linie und ihre Strategie stets offen verkündet. Wenn sie Kritik an den Feinden übte und übt, dann mit Adresse und niemals durch Anspielungen hinter dem Rücken. Deshalb weisen die Partei der Arbeit Albaniens und ihr Zentralkomitee den Vorwurf Hua Guo-fengs und des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas an die Partei der Arbeit Albaniens und ihren 7. Parteitag, sie hätten angeblich die Linie der KP Chinas angegriffen usw., entschieden zurück. Ganz im Gegenteil sprach die Partei der Arbeit Albaniens herzlich über die Freundschaft mit China usw. Ihr greift also die Partei der Arbeit Albaniens und ihren 7. Parteitag an.

Drittens, wenn ihr uns schon beschuldigt, ist es auch die Pflicht der KP Chinas,, uns zu sagen, welches die «wichtigen Probleme» sind, bei denen wir die Kommunistische Partei Chinas und die Strategie Mao Tsetungs angegriffen haben sollen, und uns diese eure Strategie klar zu umreißen, damit wir beurteilen können, wer Recht hat, wir oder ihr, wer den anderen angreift, wenn von Angriffen die Rede sein kann. Dies erwarten wir, und wir akzeptieren eure Aussage nicht, ihr würdet auf die Angriffe, die unsere Partei angeblich unternommen hat, nicht antworten, weil ihr «die Polemik nicht eröffnen wollt». Mit dem, was ihr hier tut, nehmt ihr in Wirklichkeit die Polemik auf. Diese Einstellung des Genossen Hua Guo-feng und des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas ist für uns unannehmbar, und wir werden es als eine Tatsache betrachten, dass ihr der Konfrontation der Meinungen ausweicht und es ablehnt, die Meinungsverschiedenheiten oder Divergenzen, falls es sie gibt wie ihr behauptet, auszuräumen. Wir erklären euch in kameradschaftlicher Form, dass dies unter allen Umständen geschehen muss. Keine unserer Parteien, weder die Partei der Arbeit Albaniens noch die Kommunistische Partei Chinas, kann einseitige Auffassungen und Beschlüsse akzeptieren.

Es gibt zwei von beiden Seiten unterzeichnete Erklärungen, die eine von 1964 und die andere von 1966, in denen es heißt, wir rüssten über strategische Fragen Konsultationen durchführen. Ihr habt diese Erklärungen verletzt, sogar in Kardinalfragen, zu denen ihr unsere Partei nicht konsultiert habt. Wir wurden von euch überhaupt nicht gefragt und in Kenntnis gesetzt oder aber vor vollendete Tatsachen gestellt.

Ihr erwähnt in eurer «Note» unseren Brief aus dem Jahr 1964. Wir waren und sind der Meinung, dass dieser Brief von großer politischer, ideologischer und strategischer Bedeutung ist, denn was wir dort anschnitten, schien zwar euer Problem zu sein - und es ist auch tatsächlich euer Problem -, doch es ging auch uns an, auch die Weltrevolution. Ihr habt uns als Bruderpartei nicht ins Bild gesetzt, während wir euch unsere Meinung auf sehr kameradschaftliche Weise mitteilten. Und diese Frage blieb zwischen unseren beiden Parteien offen. Sicherlich verfolgt ihr mit der Erwähnung dieses Briefes für jetzt oder später bestimmte Absichten, doch wir versichern euch, dass dieser Brief in keinem Fall und zu keiner Zeit von irgend jemand gegen die PAA verwendet werden kann Ganz im Gegenteil.

Doch dies ist nicht der einzige Brief, den wir an das Zentralkomitee der KP Chinas und Genossen Mao Tsetung gesandt haben, Auch in den anderen ging es um große Fragen der Strategie und Taktik. Dies waren kameradschaftliche, offene und aufrichtige Briefe.

Einen weiteren Brief sandten wir euch am 6. August 1971. Darin verurteilten wir euren Beschluss, den amerikanischen Präsidenten Nixon in China zu empfangen. Dies geschah, weil wir vor eine vollendete Tatsache gestellt worden waren, die weder mit der großen Freundschaft zwischen unseren beiden Parteien noch mit den gemeinsamen Erklärungen vereinbar war. Euer Schritt betraf ein Problem von großer internationaler Bedeutung. Doch auch diesen unseren Brief habt ihr unbeantwortet gelassen. Die Partei der Arbeit Albaniens blieb bei ihrer Strategie und ihrer Linie und fuhr gleichzeitig fort, die albanisch-chinesische Freundschaft zu stählen.

Ein Brief des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Albaniens, unterzeichnet von seinem Ersten Sekretär, wurde der Kommunistischen Partei Chinas und Mao Tsetung am 12. November 1975 zugesandt, doch auch er blieb ohne Antwort, während euer praktisches Verhalten immer schroffer wurde. Trotzdem ließen und lassen wir von diesen Fragen nichts nach außen dringen.

Dagegen hat das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens den Vorschlag Liu Schao-tschis vom 27. Juni 1962, bei dem es um eine Frage von großer strategischer Bedeutung ging (die «anti-imperialistische Front unter Einschluss der Revisionisten»), mit einer negativen Antwort beschieden und verworfen.

Am 29. Oktober 1964 beschieden wir die strategische Fragen betreffenden Vorschläge des Genossen Tschou En-lai (nach dem Sturz Chruschtschows nach Moskau zu fahren) abschlägig und wiesen sie zurück.

Am 15. Juni 1975 hat das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens Tschou En-lais Vorschlag (zu einem Bündnis mit Jugoslawien und Rumänien), den er zweimal, zu verschiedenen Zeitpunkten, vorbrachte, abgelehnt und verworfen. Doch diese Dinge sind unter uns geblieben, der marxistisch-leninistischen Freundschaft zwischen unseren beiden Parteien und Völkern zuliebe.

All dies und anderes taten wir auf normalem Weg, auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Normen. Dies musste unbedingt getan werden, denn wir mussten die Fragen klären und die Freundschaft stählen.

Wir haben in keinem Fall hinter dem Rücken geredet, sondern offen, wir haben die Kommunistische Partei Chinas niemals öffentlich und durch Anspielungen angegriffen, wie ihr behauptet, wir haben niemals die Polemik aufgenommen, sondern - da ihr uns keinerlei andere Möglichkeit gabt - euch alles durch interne Botschaften mitgeteilt, die in kameradschaftlichem Geist gehalten waren.

Uns war und ist die Freundschaft mit dem Bruderland China und der Kommunistischen Partei Chinas auf marxistisch-leninistischem Weg teuer. Auf unserem 7. Parteitag wurde sie vollauf bekräftigt, und die Linie des Parteitags ist die Linie der Partei. Unser Zentralkomitee und unsere Partei gehen keinen Millimeter von dieser Linie ab, und eben deshalb betonen wir sie in Beantwortung eurer Verbalnote noch einmal.

Erstens werden wir die Freundschaft der Partei der Arbeit Albaniens und des albanischen Volkes mit der Kommunistischen Partei Chinas und dem chinesischen Volk weiter härten. Wir für unseren Teil werden auf marxistisch-leninistischem Weg kämpfen, um jedes Hindernis, das die Feinde unserer Freundschaft in den Weg legen, zu überwinden. Sowohl wir, als auch ihr, als auch die kommunistische Weltbewegung brauchen diese Freundschaft zwischen uns sehr.

Zweitens erwarten wir von eurer Seite Aufklärung darüber, wo wir euch angegriffen haben und wie eure Strategie und Taktik in den Fragen aussehen, in denen wir euch, eurer Meinung nach, «auf dem 7. Parteitag der PAA indirekt angegriffen» haben.



P.S. Ich gab Genossen Ramiz einige dieser Thesen zur Ausarbeitung der Antwort auf die «Note», die uns Li Hsiän-niän irrig Namen Hua Guo-fengs und des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas aushändigte.





MONTAG, 13. DEZEMBER 1976





DIE LAKAIEN DER CHINESEN WERDEN SCHEITERN

Der Vor sitzende der Kommunistischen Partei Australiens, Marxisten-Leninisten, Edward Hill, der an unserem 7. Parteitag teilgenommen, seine «Zufriedenheit» geäußert und auf dem Parteitag «gut» gesprochen hatte, übermittelte nach seiner Abreise aus unserem Land unserem Botschafter in Paris, Genossen Dhimitër Lamani, ein Schreiben an Genossen Ramiz. Das Schreiben wurde unserem Botschafter von Hills Frau ausgehändigt, mit dem Kommentar, dies seien «einige Einwände Hills zum 7. Parteitag der PAA».

Anscheinend hat dieser «Kommunist», den wir als guten und objektiven Genossen geschätzt haben, noch nicht einmal das bisschen Mut aufgebracht, mit einem von uns zu sprechen, sondern machte stattdessen seine «Einwände» schriftlich. Diese seine «Einwände» sind freilich Angriffe, Verleumdungen und Provokationen gegen unsere Partei, die er entweder aufgrund eigener Überlegungen unternommen oder von den Chinesen bezogen hat. Damit hat er sich zu ihrem Strohmann gemacht.

Wir haben das Schreiben noch nicht erhalten, doch der Botschafter schickte uns ein Radiogramm mit den darin geäußerten Hauptgedanken. Hill sagt:

a) «Warum ist die Partei der Arbeit Albaniens dafür, Beratungen auch mit vielen Parteien zu organisieren, während China nicht dafür ist?» Dies ist keinen Kommentar wert. Wir haben gesagter warum.

b) Warum wurde unsererseits auf dem Parteitag nicht erklärt, dass China nicht für multilaterale Beratungen der Parteien ist? Auch das ist genauso provokativ wie absurd. Doch es muss tiefere Gründe geben, weshalb er dies anspricht.

c) Obwohl wir erläuterten, warum auch Beratungen vieler Parteien stattfinden können, kommt dieser Revisionist mit der Schlussfolgerung daher, wir machten dies, «um China auf den richtigen Weg zu bringen». Was soll man zu dieser Verleumdung sagen? Er würde uns gern vorwerfen, wir seien «die Fahnenträger».

d) «Mao Tsetung ist ein großer Marxist-Leninist, das bewies und .beweist die Geschichte.» Seiner Meinung nach ist alles, was er gesagt und getan hat, eine «Offenbarung», und er setzt hinzu, Mao müsse «hinter Marx und Lenin gesetzt werden». Wer hinderte ihn daran, das zu tun? Doch wir für unseren Teil halten uns an Marx, Engels, Lenin und Stalin. Das ist ebenfalls eine Provokation, mit der uns Hill die «Maotsetungideen» aufzwingen will. Trotzdem bringt er unbegründet und unbelegt den Vorwurf, die Partei der Arbeit Albaniens versuche «ihre Ansichten auch den anderen aufzuzwingen».

e) Eine weitere Verleumdung Hills ist, wir hätten auf dem Parteitag die Parteien Vietnams, Koreas und Laos' diskriminiert, und er setzt hinzu, im Zusammenhang mit diesen Parteien habe er viel zu sagen, denn er sei nicht einverstanden mit ihnen.

f) Der «Kommunist» Hill ist nicht einverstanden damit, wie unsere Partei die Kommintern einschätzt, und liefert (eine Seite lang) eine angebliche Analyse, wonach Dimitroff «falsch gehandelt» habe und «von Stalin kritisiert worden» sei.

Wie niederträchtig ist doch dieser Mensch, der, um das Werk der Kommintern zu verdunkeln, behauptet, Thorez, Togliatti, Duclos, Sharkey (die alle Verrat begingen) seien zufällig in die Komintern gekommen! Mit anderen Worten, er leugnet die Rolle, die die Kommintern bei der Festigung der kommunistischen Parteien der Welt gespielt hat, und möchte indirekt sagen: «Seht her, die Parteien, denen die Komintern half, haben Verrat begangen.»

Genosse Lamani schreibt außerdem, Hill liefere auch seine Einschätzung «der internationalen Lage», die im Widerspruch zur Analyse unseres Parteitags stehe. Doch all diese Fragen werden wir besser klären, wenn wir sein Schreiben erhalten. Ich kann nur das eine sagen: dass Hill wie ein Revisionist und Provokateur vorgeht. Wir bringen nirgendwo auch nur eine einzige Kritik an China oder an Mao, niemals haben wir mit Hill über sie gesprochen. Was wir auf dem Parteitag sagten, äußerten wir auch bei einem Gespräch, das wir vor ein oder zwei Jahren mit ihm hatten. Dabei sagten wir weder über China noch über Mao auch nur ein einziges schlechtes Wort, sondern nur Gutes. Hill erwies sich beim ersten wie beim weiten Mal als Heuchler, wagte es nicht, seine Ansichten zu äußern und kameradschaftlich zu diskutieren. Wie sich nun herausstellt, war er gekommen, «um etwas einzukaufen» und es dann nach China zu bringen. Dort ist Hill, wie es scheint, auch gesagt worden, in welcher Richtung er vorzugehen habe. Man setzte ihn nur ein, um zu provozieren, um uns dazu zu bringen, mit ihm eine Polemik über eine dritte Partei, die Kommunistische Partei Chinas, einzugehen. Wir tappen nicht in diesen Morast. Solche trotzkistische Manöver kennen wir schon aus der Zeit Chruschtschows, der Schiwkoff und Kadar vorschickte, um uns zu provozieren.

Hier zeigt sich die Taktik der Chinesen. Sie richteten eine «Verbalnote» an uns, in der sie uns beschuldigen, wir hätten «die Linie ,der Kommunistischen Partei Chinas und die Strategie Mao Tsetungs angegriffen», und fertig. Und dabei betonen sie, sie würden «die Vorwürfe nicht beantworten, weil wir nicht die Polemik aufnehmen wollen. Während sie auf der anderen Seite Hill, vielleicht auch andere, vorschieben, damit wir mit ihnen über die Chinafrage polemisieren. Das Ziel dabei ist, die revolutionäre Bewegung und die Einheit der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien zu spalten. Das haben sie schon vor geraumer Zeit bei einer Reihe marxistisch-leninistischer kommunistischer Parteien getan, zu denen sie die Verbindungen abgebrochen haben. Verbindungen unterhalten sie dafür mit allerlei provokatorischen Gruppen, die sich selbst «maoistisch» nennen. Zum andern wollen sie mit diesem Spiel die Partei der Arbeit Albaniens isolieren und ihre große Autorität schmälern.

Wir müssen in dieser Hinsieht wachsam sein, uns vor Provokateuren hüten und mit aller Kraft die richtige Linie unserer Partei und die Reinheit des Marxismus-Leninismus verteidigen. Die revisionistischen Chinesen und ihre Lakaien werden sich diskreditieren Lind scheitern.

Wir müssen Hills Brief beantworten und ihm schreiben, dass er in keiner Frage, die im Zusammenhang mit einer dritten Bruderpartei steht, jemals eine Antwort erhalten wird. Wir werden seine antimarxistischen Anschauungen eine nach der anderen zu Fall bringen. Das werden wir in kameradschaftlichem Ton tun, so wie unsere Partei stets verfahren ist, und ihm damit zeigen, dass er nicht Recht hat, wenn er irgendwo das Wort «leidenschaftlich» benutzt. -Leidenschaftlichkeit» warf uns auch Chruschtschow damals vor. Was die Fragen anbelangt, über die er seine eigene Meinung hat, steht es ihm frei, diese zu behalten und zu verfechten.





DONNERSTAG, 16. DEZEMBER 1976



DIE AGENTEN CHINAS FANGEN AN, SICH HERVORZUWAGEN

Ich habe, gestützt auf eine kurze Zusammenfassung des Schreibens des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Australiens/ Marxisten-Leninisten, E. Hill, die unser Botschafter in Paris gemacht hat, in meinem Tagebuch einige Anmerkungen festgehalten. Im allgemeinen werden sie den Fragen gerecht, die in der zusammengefassten Übersetzung dargestellt sind, die uns der Botschafter schickte.

Inzwischen haben wir das ganze von Hill gesandte Material in die Hand bekommen. Es ist begleitet von einem kurzen Brief an Genossen Ramiz. Dieses 15 Seiten lange Material ist in einem knappen Stil verfasst, mit angeblich theoretischem Anstrich, Zitaten usw., und das in einer Rekordzeit, innerhalb eines Tages nach Hills Abreise von Tirana nach London. Dies erweckt den starken Verdacht, dass er oder irgendein anderer das Material schon vorher vorbereitet hatte, einige seiner Haupt«Thesen» sogar schon, ehe Hill zu unserem Parteitag kam. Hill wird das Material sofort nach seiner Ankunft in London fertig vorgefunden haben und ließ es dann tags darauf durch seine Frau sogleich nach Paris bringen, um es unserem Botschafter auszuhändigen.

Die Absichten des Autors, über die ich mich in diesem Tagebuch geäußert habe, bevor uns der vollständige Text des Materials zuging, sind für uns, trotz der schlechten Übersetzung und obwohl uns unser Botschafter nur eine Zusammenfassung schickte, erkennbar. Liest man nun den vollständigen Text, kommt noch klarer zum Vorschein, dass der Wesenskern von Hills Ansichten darin liegt, dass er meint, die Partei der Arbeit Albaniens habe nicht das Recht gehabt, auf ihrem 7. Parteitag ihre Ansichten über die internationale kommunistische Bewegung darzulegen. Er gibt in dem Material zu verstehen, der Partei der Arbeit Albaniens stehe dies nicht zu.

Hill schreibt uns, wir würden im Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees unserer Partei die Tätigkeit der Komintern einer Analyse unterziehen, die seiner Meinung nach nicht richtig sei. Im Zusammenhang mit dieser Frage übergeht er nicht ohne Absicht mit Schweigen, dass wir im Rechenschaftsbericht betonen, wir hätten hier durchaus nicht die Absicht, die Tätigkeit .der Komintern zu analysieren, sondern wollten nur sagen, dass die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien angesichts der großen Gefahr, die ihnen von seiten des modernen Revisionismus und der beiden Supermächte droht, unbedingt nicht nur bilaterale, sondern auch multilaterale Beratungen durchführen müssen, um dort gemeinsame Probleme zu diskutieren. Wir wiesen ebenfalls darauf hin, dass die Komintern durch die Arbeit, die sie zu ihrer Zeit leistete, einen großen Beitrag zur Festigung der jungen marxistisch-leninistischen Parteien lieferte. Schließlich betonten wir im Rechenschaftsbericht deutlich, dass heute keinesfalls die Zeit ist, eine internationale Organisation wie die Kommintern zu schaffen. Dafür waren wir nicht und dafür sind wir auch jetzt nicht, aber Beratungen von Vertretern der marxistisch-leninistischen Parteien müssen zu einer normalen Praxis werden.

Aus dieser Schlussfolgerung, zu der wir kamen, leitet Hill die Meinung ab, unser Standpunkt, dass multilaterale Beratungen durchgeführt werden sollten, ziele darauf ab, «die Kommunistische Partei Chinas auf den richtigen Weg zu bringen». Irgendwie wirft uns Hill vor, wir meinten, die Kommunistische Partei Chinas weiche von der Linie ab. Dafür hat er überhaupt keinen Beleg, denn auf unserem Parteitag attackieren wir die Kommunistische Partei Chinas nicht, ungeachtet unserer Meinung über viele ihrer Ansichten und Auffassungen. Dagegen attackiert Hill bei dieser Gelegenheit die Komintern, die er bezichtigt, sie habe schwere Fehler begangen, die seiner Aussage nach auch Lenin erkannt haben soll. Vorwürfe richtet er auch gegen uns, indem er sagt, wir könnten die Komintern nicht mit den paar Aussagen entschuldigen, die wir auf unserem 7. Parteitag über sie machten, wo wir doch auch zugäben, es sei nicht ausgeschlossen, dass sie Fehler gemacht habe. Herr Hill möchte, dass wir im Rechenschaftsbericht eine Analyse anstellen, worin die Fehler der Kommintern bestanden und wie schwer sie waren. Doch war dies. für uns durchaus nicht der Augenblick, solches zu tun. Trotzdem. Hill will auf etwas anderes hinaus.

Mit der Komintirn greift Hill zugleich auch Dimitroff an. Seiner Meinung nach hat Dimitroff Fehler gemacht, ist doch seine berühmte Rede angebich von Stalin kritisiert worden, weil dort nicht von der Diktatur des Proletariats die Rede war. Bekanntlich entwickelte Dimitroff in dieser Rede die These des Kampfes gegen den: Faschismus. Er sprach von der Notwendigkeit der Schaffung von Volksfronten zusammen mit fortschrittlichen Elementen und Parteien, um der Gefahr des deutschen und italienischen Faschismus, der zu jener Zeit für die Völker bedrohlich wurde, die Spitze abzubrechen. Uns ist bis heute nicit bekannt, dass Stalin Dimitroffs Rede zu dieser Frage kritisiert hätte.

Zum andern konmt Hill mit der Schlussfolgerung daher, Dimitroff habe mit dieser Rede «spätere Konsequenzen in Gestalt der Abweichung und Entatung marxistisch-leninistischer Parteien verursacht», und führt dabei Exführer solcher Parteien - Togliatti, Thorez, Harry Pollitt, Sharkey usw. - an. Er lässt ausser Acht, dass Dimitroffs Rede damals auf der ganzen Welt ein außergewöhnlich starkes Echo hervorrief, vergisst, dass sie dem Kampf gegen den Faschismus und der Schaffung von Volksfronten in Frankreich und insbesondere in Spanien, die dem deutschen und dem italienischem Faschismus politischen und bewaffneten Widerstand leisteten, großen Aufschwung verlieh. Hill vergisst ebenfalls, dass es die Kommunistischen Parteien des Westens waren, die diese Fronten und den Kampf gegen den Faschismus, den die Komintern propagierte, organisierten. Später, als ihre Länder vom Nazifaschismus besetzt wurden, kapitulierte die reaktionäre Bourgeoisie dort, und niemand außer den französischen und den italienischen Partisanen ging in die Berge und kämpfte. Er vergisst zu sagen, dass weder Togliatti noch Duclos, noch Marty, noch Longo im Spanienkrieg Verrat begingen, sondern vielmehr auf marxistisch-leninistischem Weg, auf dem Weg der Komintern gegen den Faschismus kämpften.

So ist Hills Kritik !n der Komintern, die als real und begründet präsentiert wird, nur eine Seifenblase. Er bekämpft die Kommintern, weil er meint, wir wollten ihr Banner aufnehmen und die marxistisch-leninistischen Parteien der Welt gegen die Kommunistische Partei Chinas organisieren. Das zeigt sich daran, dass er sich der Idee multilateraler Beratungen, die wir auf dem Parteitag zur Sprache brachten, widersetzt. Seiner Meinung nach können und dürfen nur bilaterale Beratungen stattfinden.

Hill tritt auch in einer anderen Frage gegen unsere Partei auf. Er meint, die marxistisch-leninistischen Bruderparteien dürften sich nicht gegenseitig zu ihren Parteitagen einladen. Das «theoretische» Argument, das er gegen diese Praxis ins Feld führt, ist, dass diese Parteien auf dem Parteitag, zu dem sie eingeladen sind, gegenüber den Auffassungen der gastgebenden Partei in eine schwierige Position gerieten und nicht in der Lage seien, sogleich ihre Meinung darüber zu äußern. Also sind für seine Begriffe nicht nur multilaterale Beratungen marxistisch-leninistischer Parteien fehl am Platz, ebenso wenig dürfen auch Vertreter dieser Parteien am Parteitag einer Bruderpartei teilnehmen. Daraus folgert Hill, er persönlich und seine Partei seien gegen solche Praktiken, und hätte er gewusst, dass auf unserem 7. Parteitag die Probleme aufgeworfen werden würden, die aufgeworfen wurden, hätte er sich seine Teilnahme an diesem Parteitag erst noch überlegt.

Historisch liegt die Sache mit Hill so: Vor anderthalb oder zwei Jahren, genau kann ich mich da nicht festlegen, hatten wir ein bilaterales Gespräch mit ihm, bei dem wir all jene Ansichten erläuterten, die wir auch auf unserem 7. Parteitag darlegten. Er sprach nicht länger als 10 Minuten und berührte dabei überhaupt nicht die Kardinalfragen, die wir ihm bei dieser Gelegenheit vortrugen und die die Linie unserer Partei darstellten, die wir auch auf dem Parteitag entwickelten. Sein Bluff ist also klar. Damals hatte Hill entweder Angst oder beliebte nicht, seine Ansichten gegen unsere Partei offen zu äußern, und überging die Fragen, ohne irgendwie Stellung zu beziehen. So lässt sich auch seine These, er sei für bilaterale Gespräche, nicht halten, denn auch bei dem bilateralen Gespräch, das wir mit ihm führten, brachte er von sich aus keine einzige kritische Meinung gegen die Ansichten unserer Partei vor.

Hill macht sich Sorgen, weil wir nicht der politischen, ideologischen und organisatorischen Linie der Kommunistischen Partei Chinas folgen, weil wir aus ihrer Reihe tanzen. Seiner Meinung nach haben wir der Linie dieser Partei gehorsam Folge zu leisten. Persönlich versucht er sich als «ganz unabhängig», «ungebunden» hinzustellen, während er alle anderen marxistisch-leninistischen Bruderparteien, die ihre Vertreter zu unserem Parteitag entsandten und sich sehr positiv über die Linie unserer Partei äußerten, als Lakaienparteien betrachtet. Die Haltung, die diese Parteien auf unserem 7. Parteitag einnahmen, entsprang nach Hill nur der Absicht, der Partei der Arbeit Albaniens zu Gefallen zu reden. Mit anderen Worten, Hill will zeigen, dass auch das, was er in eigener Person auf unserem Parteitag sagte, nicht seiner Meinung entspricht, hat er doch seine wahre Meinung in dem aus London gesandten Material geäußert, wo er sagt, er gehe mit vielen grundlegenden Auffassungen des 7. Parteitags der Partei der Arbeit Albaniens nicht konform.

Hill nimmt den Standpunkt ein, dass zwar jede Partei ihren eigenen Parteitag abhalten, dort allerdings nur über Mais, Kürbisse und Gurken reden, nicht aber politisch und ideologisch Stellung beziehen, dem einen oder anderen gegenüber eine kritische Meinung äußern darf. Das hieße, dass die Partei, die den Parteitag abhält, in der Äußerung ihrer marxistisch-leninistischen Ansichten nicht aufrichtig sein dürfte. Hill möchte, dass alle marxistisch-leninistischen Parteien der Welt völlig widerspruchslos der Linie der Kommunistischen Partei Chinas folgen. Nur dann ist für ihn bei diesen Parteien alles in Ordnung.

Einerseits gibt sich Hill als Verfechter des Standpunkts aus, jede Partei habe das Recht, ihre eigene Meinung zu äußern, andererseits widerspricht er sich selbst, wenn er sagt, die Partei habe absolut nicht das Recht, ihre Meinung öffentlich auszusprechen. Tatsache ist, dass er in dem uns übersandten Material das fünfte und das sechste Kapitel des Rechenschaftsberichts des Zentralkomitees unserer Partei kritisiert, wo es um die internationale Lage und einige Probleme der kommunistischen Weltbewegung geht. Das ist eine bittere Pille für ihn und seine Freunde. Es traf sie einerseits, weil bekanntlich in diesen beiden Kapiteln ausführlich und klar unsere marxistischleninistische Linie dargelegt wird, die in vielen Punkten im Gegensatz zu den Ansichten der Kommunistischen Partei Chinas steht, obwohl wir uns nirgendwo namentlich gegen diese Partei äußern. Zum andern ist Hill nicht damit einverstanden, dass eine Partei wie die unsere sich die Mühe macht, ihre Meinung zu sagen über den Kampf, den die anderen marxistisch-leninistischen Parteien führen und führen müssen, über ihre Arbeitsmethoden, die Kampfbündnisse, die sie eingehen, und andere Fragen, die sich aus der gewonnenen Erfahrung ergeben.

Hill sagt, die Teilnahme anderer Parteien an den Parteitagen von Bruderparteien kompromittiere sie. Das ist ein Bluff. Diese Praxis kompromittiert sie keineswegs. Wurden zum Beispiel etwa die Parteien Vietnams, Koreas oder Laos' auf unserem Parteitag kompromittiert? Nein! Ihre Delegationen äußerten ihre Ansichten auf dem Parteitag ganz frei, und wir meinen, dass sie, falls sie Gegensätze zu unserer Partei hätten, sehr leicht auch um ein Treffen mit unseren Führern hätten ersuchen können, um sich dort über ihre eventuellen Meinungsverschiedenheiten mit uns auszusprechen. Das taten sie nicht. Falls sie etwas zu sagen hatten und es nicht taten, so ist das nicht unsere Schuld.

Wir stimmen Hill zu, wenn er sagt, dass im Verlauf des Parteitags diese Einwände nicht gemacht werden können. Wir haben aber auch nichts dagegen, wenn jemand, der sich nicht lobend über die Tätigkeit und die Auffassungen der gastgebenden Partei zu äußern wünscht, es bleiben lässt. Gerade die Lobhudeleien, die man ihr angedeihen lässt, wünscht unsere Partei nicht, sie verlangt vielmehr, dass realistisch über ihre Tätigkeit gesprochen wird. Sollte irgend jemand etwas an uns auszusetzen gehabt haben, hätte er, wie ich schon sagte, sogar ganz leicht um ein Treffen mit uns ersuchen können. So hätten bilaterale Klarstellungen zu den Fragen, die ihn beschäftigen, erfolgen können. Auch Hill tat das nicht.

Er behauptet, die Teilnahme an einem Parteitag lasse die anderen eingeladenen kommunistischen Parteien in eine schwierige Lage geraten. Wir meinen jedoch, dass sie diese durchaus nicht in Schwierigkeiten bringt, im Gegenteil, die Vorteile, die eine Teilnahme bei solchen Anlässen bietet, überwiegen. Diese Vorteile stellt auch Hill fest, er unterschätzt sie aber und spielt beträchtlich den Standpunkt hoch, den er zu verteidigen sucht, dass nämlich andere Parteien nicht zu Parteitagen eingeladen werden dürften. Das hieße, den Parteitag unter hermetischem Abschluss abzuhalten, so dass kein Mensch erfährt, was man meint. Der glühende Wunsch der modernen Revisionisten, der Sowjets, und zugleich auch der Imperialisten ist, dass man sie allesamt zufrieden lässt, dass wir nicht über die Aktivitäten gegen den Kommunismus, gegen die Völker, gegen die sozialistischen Länder sprechen. Das ist die ganze Schlussfolgerung, die man aus einer solch antimarxistischen Behandlung des Problems ziehen kann, das Hill in dem uns übersandten Material anschneidet, einem Material, in dem er offen gegen den 7. Parteitag unserer Partei Stellung bezieht.

Im Zusammenhang mit dieser Frage versucht Hill, die Wirklichkeit zu verdrehen, was Tschou En-lais Haltung auf dem 22. Parteitag der sowjetischen Revisionistenpartei anbetrifft. Tschou En-lai hatte auf dem 22. Parteitag wahrhaftig die Einstellung der Polemik gegen die Partei der Arbeit Albaniens gefordert, was für uns und viele andere nicht wünschenswert war. Wie richtig die Haltung unserer Partei war, hat sich inzwischen bestätigt. Ebenso zog Tschou Enlai auf dem 22. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion nicht etwa deshalb unter Protest aus, weil dort die Partei der Arbeit Albaniens angegriffen wurde, sondern weil zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Sowjetunion Meinungsverschiedenheiten über große interne strategische Probleme bestanden, etwa die Nichtweitergabe der Atombombe an China, das Grenzproblem mit Indien usw. Eben diese Probleme, die zwischen den beiden Seiten existierten, veranlassten Tschou En-lai dazu, den 22. Parteitag zu verlassen. Aufgrund dieser Sorgen und Hoffnungen wollte er später, nach Chruschtschows Sturz im Jahr 1964, erneut in die Sow jetunion reisen und Freundschaft mit den Sowjetrevisionisten schließen. Deshalb haben Hills Beispiele und Thesen keinerlei Wert, weder historischen noch theoretischen, noch praktischen.

Nach Hills Meinung muss eine Partei, wenn sie im Sinn hat, ein Problem internationalen Charakters aufzuwerfen, das die ganze kommunistische Weltbewegung angeht, zunächst auf eine große Rundreise gehen, mit einer Vielzahl marxistisch-leninistischer Parteien Kontakt aufnehmen und bilaterale Gespräche führen, und nur wenn sie in dieser oder jener Frage einverstanden sind, kann sie auf ihrem Parteitag dieses oder jenes Problem behandeln. Sollte sie jedoch auf Widerstand stoßen, darf sie es überhaupt nicht zur Sprache bringen. Dies ist einer der Hauptpunkte der absurden und antimarxistischen Kritiken dieses revisionistischen australischen Provokateurs, der von den chinesischen Revisionisten gezielt dazu eingesetzt wird, die Partei der Arbeit Albaniens zu provozieren.

Ich habe bereits gesagt, dass die Kommunistische Partei Chinas und der Provokateur Hill nicht wollten und nicht wollen, dass die Partei der Arbeit Albaniens ihre Auffassung darüber äußert, wie die internationale Einheit der Kommunisten und der Proletarier gefestigt werden muss. Sie stehen im Gegensatz dazu. Doch die internationalistische Einheit des Proletariats und der marxistisch-leninistischen Parteien ist ein großes Problem des Marxismus-Leninismus. Auch die Kommunistische Partei Chinas hat diese Losung ausgegeben, doch in Wirklichkeit, in der Praxis ist sie gegen sie und bekämpft sie. Dieses grosse Motto stellte sie in den Rahmen der Einheit der «dritten Welt», zu der sie sich auch selbst rechnet. Wir können uns mit keiner derartigen Ansicht abfinden und auch nicht mit der Haltung, die eingenommen wird.

Wir stehen im Gegensatz zu den Ansichten der Kommunistischen Partei Chinas über die «dritte Welt», weil sie antimarxistisch sind, weil es revisionistische Ansichten sind. Wir behandelten dieses Problem auf dem 7. Parteitag vom Klassenstandpunkt aus, auf der Grundlage unserer Ideologie, des Marxismus-Leninismus. Der Losung von der «dritten Welt» haben sich schon vor 1960 sowohl Chruschtschow als auch Tito unter verschiedenen Bezeichnungen, wie etwa «blockfreie Länder» bedient, die unsere Partei als außerhalb des Klassenkriteriums gesehene und erfundene Gruppierungen und Begriffe bekämpft hat. Unsere Partei legte auf dem 7. Parteitag klar, dass sie für die Verteidigung aller Staaten ist, die sich für frei und unabhängig erklärt haben, in Wirklichkeit aber wirtschaftlich und politisch abhängig sind. Nur wenige Staaten der «dritten Welt» können unabhängig genannt werden, weil in Wirklichkeit jeder von ihnen auf die eine oder andere Weise von dieser oder jener imperialistischen Macht abhängig ist. Auch wenn man ihn für politisch unabhängig hält, ist er doch wirtschaftlich abhängig, und nach den Lehren unserer Klassiker der marxistisch-leninistischen Wissenschaft kann es ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit keine politische Unabhängigkeit geben. Wir sind dafür, diese Staaten mit unserer ganzen Kraft zu verteidigen, und das Leben hat bewiesen, dass wir den Kampf für ihre Verteidigung ständig und entschlossen geführt haben. Doch mit den «theoretischen» Schlussfolgerungen, zu denen die Kommunistische Partei Chinas gelangt ist, können wir unmöglich einverstanden sein. Gerade darin besteht einer unserer hauptsächlichen Gegensätze zu ihr.

Bei unseren hauptsächlichen Gegensätzen zu den Chinesen geht es um Fragen, die eng miteinander verbunden sind: um die Frage der «dritten Welt», um die Haltung, die gegenüber den beiden Supermächten eingenommen werden muss, sowie um den «proletarischen Internationalismus», also um die Festigung der Einheit der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien. Die Kommunistische Partei Chinas geht unserer Meinung nach an diese Fragen opportunistisch, revisionistisch heran, wir dagegen marxistisch-leninistisch. Wir sind für den proletarischen Internationalismus, für die Festigung der Einheit mit den marxistisch-leninistischen Parteien, außerdem für eine möglichst große und ständige Hilfe für alle Länder der sogenannten freien und unabhängigen Welt, die in Wirklichkeit allerdings abhängig ist und unter dem Einfluss des amerikanischen, des sowjetischen und des anderen Kapitals steht. Um ihre vollständige Befreiung erlangen zu können, müssen diese Länder, wie Lenin sagt, zunächst den Feind im eigenen Land bekämpfen, dann auch den äußeren Feind. Wir sagen, dass der moderne Revisionismus mit aller Kraft bekämpft werden muss, dass genauso die reaktionäre Bourgeoisie bekämpft werden muss, die die Freiheit und Unabhängigkeit des eigenen Landes dem amerikanischen Imperialismus oder dem sowjetischen Sozialimperialismus in den Rachen wirft. Deshalb halten wir es für unumgänglich, diese beiden Supermächte zu bekämpfen, während die Chinesen die Frage nicht auf dieser Ebene sehen.

Eine andere Frage, die Hill erörtert, ist die Konkurrenz, die angeblich unausgesprochen zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens bestehe. Die Opfer dieses Spiels seien all jene marxistisch-leninistischen Parteien, die als Reaktion auf den modernen Revisionismus gegründet worden sind. Nach Hills Meinung sind jene marxistisch-leninistischen Parteien, die sich positiv über die Partei der Arbeit Albaniens äußern, Lakaienparteien, Parteien, die sich bei unserer Partei anbiedern wollen. Er stellt die Sache so dar: alle jene marxistisch-leninistischen Parteien, die Liebe und Achtung für die Partei der Arbeit Albaniens empfinden und in ihren theoretischen und politischen Ansichten mit ihr übereinstimmen, sind keine wahren marxistisch-leninistischen Parteien. Für Hill ist wohl nur seine Partei «rein und marxistisch-leninistisch»!

Hill sagt, die neuen marxistisch-leninistischen Parteien versuchten unter allen Bedingungen, anerkannt zu werden. Doch von wem? Von der Partei der Arbeit Albaniens? Für Hill sind die Bindungen dieser Parteien an die Kommunistische Partei Chinas der richtigste und absolut notwendige Weg, ihn müssten sie also verfolgen. Doch viele von ihnen suchen auch die Anerkennung durch die Partei der Arbeit Albaniens, und er lässt sich über die angeblich theoretische Seite aus, dass nämlich daraus dann die Frage der «Mutterpartei» und der «Tochterpartei» erwachse. Das hieße, laut Hill, dass sich die Partei der Arbeit Albaniens das Recht ammaßt, zu entscheiden, welche der neuen Parteien marxistisch-leninistisch ist und welche nicht.

Worauf will Hill damit hinaus? Er versucht damit, der internationalistischen Einheit der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt zu schaden, er versucht, diese Einheit zu zerstören und die Stärkung und Ausweitung der kommunistischen Weltbewegung der Spontaneität zu überlassen. Was die Stellung unserer Partei in der kommunistischen Weltbewegung betrifft, so hat sie sich niemals selbst als «Mutterpartei» und die anderen Partein als «Tochterparteien» betrachtet. Unsere Partei hat niemals und in keinem einzigen Fall irgendeiner Bruderpartei ihre Meinung aufgezwungen. Vielmehr machen wir ständig die Genossen, die Bruderparteien vertreten, sooft wir Gelegenheit haben, mit ihnen zu sprechen und ihnen unsere Meinung vorzutragen, mit unseren Ansichten zu diesem oder jenem Problem bekannt, mit der Erfahrung, die wir uns erworben haben. Darüber hinaus hat jede Partei ihre eigene, unabhängige Meinung, urteilt und entscheidet selbst über alles.

Vor allem betonten und betonen wir ständig, dass jede Meinung und jede Handlung der Bruderparteien auf dem Marxismus-Leninismus gründen muss, und nur auf dem Marxismus-Leninismus. Das ist korrekt. Das betonten wir nachdrücklich auch auf dem 7. Parteitag. Doch Hill passt das nicht in den Kram, und zwar gerade deshalb nicht, weil die Partei der Arbeit Albaniens nicht daran denkt, den Marxismus-Leninismus mit den «Maotsetungideen» gleichzusetzen, weil wir Mao Tsetung nicht in eine Reihe mit den vier großen Klassikern Marx, Engels, Lenin und Stalin gestellt haben. Hill steht diesen Ansichten und Auffassungen unserer Partei entgegen und spricht bei jeder Gelegenheit von Mao, bringt ihm große Lobeshymnen dar, ohne seine Ansichten über alle Probleme richtig zu kennen, die er, wie wir wissen, zu einem großen Teil falsch behandelt hat. Für uns ist Mao kein wahrer Marxist. Diese Ansicht haben wir nicht offen ausgesprochen, doch das ist unsere Überzeugung, während Hill vom Gegenteil überzeugt ist.

Um Mao Tsetungs Wert zu heben, greift Hill bei dieser Gelegenheit Engels an, behauptet, er habe Fehler gemacht, deshalb gebühre ihm nicht der Rang der Vier. Die gleiche Ansicht hat Hill auch über Stalin. Auf den Platz dieser beiden großen Marxisten, Engels und Stalin, hebt er Mao und betont, er sei ein Marxist-Leninist von den Dimensionen eines Marx und Lenin. So wie Lenin zu seiner Zeit den Marxismus und die Theorie von Marx bereichert hat, so habe sie, laut Hill, im Laufe seines Lebens auch Mao bereichert. Hierin liegt der Kern der ganzen Theorie Hills, die er uns in seinem Material in Wendungen unterbreitet, die angeblich freundschaftlich, in Wirklichkeit aber Angriffe, Verleumdungen und haltlose Kritiken nicht nur gegen unsere Partei, sondern auch gegen die Komintern, gegen Engels, Stalin und Dimitroff sind. Dies gilt auch für andere Fragen, denn es gibt auch sonst noch genug antimarxistische Thesen in dem Schreiben dieses revisionistischen Demagogen.

Hill hebt hervor, wir machten uns ein falsches Bild von der Weltkrise, die seiner Meinung nach keine allgemeine Krise des kapitalistischen Weltsystems, sondern eine Überproduktionskrise ist. Dabei beruft er sich auf die Theorie von Marx. Mit einem Wort, über die anderen haltlosen Vorwürfe gegen die Partei der Arbeit Albaniens hinaus versucht er auch einige vorgeblich theoretische Kritiken anzubringen, was die Bestimmung einiger großer internationaler Probleme anbelangt, zu denen auch die jetzige weltweite Krise des Kapitalismus zählt.

Folglich können wir sagen, dass der Provokateur Hill eindeutig nicht ohne Absicht zu unserem 7. Parteitag kam. Doch die Ziele, die er sich gesteckt hatte, konnte er im Saal des Parteitags nicht erreichen. Er musste das Flugzeug nehmen, unser Land verlassen und uns von London aus dieses Material mit seinem revisionistischen Inhalt schicken. Von dort aus kehrte er nach Australien zurück und machte sich dann umgehend, ohne die geringste Zeit zu verlieren, nach Peking auf, wo ihm, wie wir erfahren haben, ein sehr herzlicher Empfang zuteil wurde. Sie empfingen ihn der Reihe nach, von Li Hsiän-niän bis Hua Guo-feng. Hill stattete sogar Tschou En-lais Frau einen Besuch ab. Die chinesische Nachrichtenagentur Hsinhua meldete, dass Hill von Hua Guo-feng empfangen wurde, berichtete über die herzlichen Gespräche über zahlreiche internationale Probleme, die sie mit ihm führten und betonte, dass beide Seiten in allem vollkommen einer Meinung gewesen seien.

Hsinhua übermittelte auch die kurze Rede Li Hsiän-niäns auf diesem Empfang. Durch ihn brachten die chinesischen Heuchler korrekte Aussagen vor, mit denen sie herauszustellen versuchten, die Kommunistische Partei Chinas sei gegen die beiden Supermächte, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika. Er spricht auch über den proletarischen Internationalismus, ohne dabei zu vergessen, die Freundschaft der Kommunistischen Partei Chinas mit der Kommunistischen Partei Australiens/Marxisten-Leninisten und dem Volk Australiens hervorzuheben.

Nach Li Hsiän-niän nahm dann Hill das Wort und griff indirekt den 7. Parteitag unserer Partei an. Er hob hervor, Hua Guo-feng habe wie ein «grosser Marxist-Leninist», als getreuer Schüler Mao Tsetungs gehandelt, den er, wie ich schon sagte, auf die Dimensionen von Marx und Lenin erhebt. Hua Guo-feng, sagt Hill in seiner Rede, zerschlug massenhaft die Verräterelemente mit den «Vier» an der Spitze. Er unterstrich, die von Mao Tsetung festgelegte Linie sei die wahre marxistisch-leninistische Linie, die marxistisch-leninistische Theorie seien die «Maotsetungideen», und ferner, dass jene Elemente bzw. jene Parteien, die sich dieser Linie entgegenstellen, die sich den «Maotsetungideen» entgegenstellen, zerschmettert werden würden, wie die «Vier» und ihre Leute von der großen Kommunistischen Partei Chinas zerschmettert worden seien. Abschließend sagt er, die marxistisch-leninistischen Parteien auf der Welt würden treu der richtigen marxistisch-leninistischen Linie des Vorsitzenden Mao Tsetung folgen.

Das ist, kurz zusammengefasst, das, was der Vorsitzende der probchinesischen australischen Revisionistenpartei in seiner Rede sagt. Diese Ideen werden auch in dem Material geäußert, das er uns übersandte. Mit diesem Dokument zeigte er so seine wahre Renegatenfratze. Bei dieser Gelegenheit bestätigte sich unsere Annahme, dass die Kommunistische Partei Chinas versuchen wird, solche Leute aufzuhetzen, indirekt die Linie der Partei der Arbeit Albaniens anzugreifen, um so der Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung zu schaden, den wahren Marxismus-Leninismus zu entstellen, das Proletariat zu verwirren und die marxistisch-leninistischen Parteien in allen Ländern der Welt zu zerschlagen. Begonnen haben die Chinesen mit diesem Geschäft allerdings schon vor langem.

Was Hills Äußerung betrifft, die marxistisch-leninistischen Parteien der Welt konkurrierten um die Anerkennung durch die Partei der Arbeit Albaniens, so ist es doch in Wirklichkeit die Kommunistische Partei Chinas, die so etwas anstrebt und praktiziert. Sie ist es, die zu allen Fraktionen Verbindungen unterhält, die aus den Reihen der jungen marxistisch-leninistischen Parteien, die eine korrekte Haltung einnehmen. hervorgehen, sie ist es, die das Auftreten solcher Fraktionen in vielen dieser jungen Parteien anstiftet, etwa in Portugal, Italien, Uruguay, Frankreich usw. usf. Die Kommunistische Partei Chinas ist in dieser Richtung offen und heimlich aktiv, mit dem Ziel, alle diese Parteien zu spalten und aus den Fraktionen, die in ihnen entstehen, eine Reihe maoistischer, angeblich marxistisch-leninistischer Gruppen zu schaffen, um sich ihrer als Agenturen zu bedienen.

Hill bezichtigt in seinem Brief an uns die Kommintern und Stalin, sie hätten vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg die kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt in den Dienst der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gestellt. Diese Parteien, so Hill, «konnten nicht auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus handeln und kämpfen», der, wie wir wissen, von Lenin, Stalin und der Bolschewistischen Partei korrekt angewendet wurde. Für Hill waren sie als Agenturen der Bolschewistischen Partei und Stalins.. Was Hill da sagt, deckt sich mit den Thesen, die die reaktionäre Weltbourgeoisie propagiert, um die kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt zu bekämpfen und den Kommunismus zu diskreditieren.

Doch die von Hill verfochtene These ist einseitig. Mit den Mao-tsetungideen“ und der Kommunistischen Partei Chinas verbunden zu sein, das heißt für ihn auf keinen Fall, eine von der Kommunistischen Partei Chinas abhängige Partei zu sein. Die Tatsachen hingegen beweisen das Gegenteil.

Also ist Hill ein Provokateur, ein Agent der Chinesen, und verdient deshalb nicht, dass noch mehr Worte über ihn und seine sogenannte marxistisch-leninistische Partei verloren werden. Was diese Partei angeht, so stellt sich die Frage, ob sie überhaupt existiert. Wie viele Mitglieder diese Partei hat, konnten wir niemals in Erfahrung bringen, doch meiner Meinung nach existiert diese Partei nicht einmal in quantitativer Hinsicht, ganz zu schweigen davon, dass sie eine klare marxistisch-leninistische Ideologie hätte, durch die sie in ihrer Tätigkeit korrekt geleitet würde.

Dies führte ich heute den Genossen Sekretären des Zentralkomitees aus. Als Schlussfolgerung sagte ich ihnen, dass die Partei der Arbeit Albaniens mit einem scharfen Kampf von Seiten der chinesischen Revisionisten und ihrer Werkzeuge zu rechnen hat. Die chinesische Taktik ist uns inzwischen klar. Wir meinen, sie lassen es bei ihrer Verbalnote, die sie uns übermittelten, bewenden und werden den Brief, den wir ihnen schicken, nicht beantworten. Welche Haltung sie uns gegenüber einnehmen werden, betonten sie schon im Voraus in der Verbalnote vom 8. Dezember, wo sie erklären, sie würden unsere „Vorwürfe“ nicht beantworten, die Freundschaft aber weiter pflegen usw. usf. In Wirklichkeit aber werden sie die anderen wir Hill und Konsorten einsetzen, um uns zu attackieren. Doch sie werden stets scheitern.

Die chinesischen Revisionisten werden den Kampf gegen unsere Partei mit zwei Stoßrichtungen aufnehmen: in der kommunistischen Weltbewegung und in unserem Land. Im Land wird der Kampf der Chinesen den Charakter wirtschaftlicher Sabotage annehmen. Diese Sabotage wird sich konkret in der verzögerten Vergabe der von beiden Seiten in offiziellen Verträgen vereinbarten Kredite äußern. Die Lieferung der für den abgelaufenen Fünfjahrplan vorgesehenen Objekte haben die Chinesen in den letzten Jahren bekanntlich maßlos verzögert. Darunter sind Objekte, die schon vor zwei oder drei Jahren in Betrieb genommen werden sollten, doch sie sind noch nicht so weit, weil uns die Maschinen und Anlagen nicht geliefert wurden. Dies schadet unserem Land in ökonomischer Hinsicht schwer.

Trotzdem haben wir den Schwierigkeiten stangehalten, die uns die Chinesen bereitet haben, und nicht öffentlich über sie gesprochen. Doch muss uns klar sein, dass sie diese Tätigkeit in Zukunft noch nachdrücklicher betreiben werden. Die revisionistischen chinesischen Führer legen es darauf an, dass wir ihnen die Schubladen mit Protestschreiben füllen, die sie wie üblich niemals beantworten. Doch natürlich werden wir diese Großwerke, in deren Bau wir den Schweiß und das Blut unseres Volkes investiert haben, nicht als Ruinen stehen lassen. Bleibt eine Antwort der Chinesen aus, so werden wir im Rahmen des Möglichen Maßnahmen ergreifen, um den Plan zu erfüllen, indem wir versuchen, die Werke mit unseren Mitteln und Möglichkeiten fertigzubauen. So werden sie in Konflikt mit uns geraten. Sie werden einen Anlass finden, uns vorzuwerfen: „Trotz all der großen Hilfe, die wir euch geben, habt ihr nicht gewartet, bis wir die Experimente beendet haben usw. usf., sondern setzt selbst den Bau dieser Objekte fort, ohne euch mit uns zu verständigen, also ziehen auch wir unsere Spezialisten ab.“ So wird der Abzug der Spezialisten und die Einstellung der Hilfen durch sie aussehen. Natürlich werden sie dieser Sache den Charakter eines politischen und ideologischen Kampfes geben. Wir für unseren Teil werden versuchen, diesen Kampf mit ihnen nicht in der Öffentlichkeit aufzunehmen.

Doch die Tätigkeit der chinesischen Revisionisten gegen unsere Partei wird auch koordiniert werden mit ihrem Kampf von außen. Wie sie diesen Kampf von außen führen werden, habe ich den Genossen erläutert. Die beiden Stoßrichtungen des Kampfes haben dasselbe Ziel:

Erstens, die Partei der Arbeit Albaniens von der gesamten kommunistischen Weltbewegung zu isolieren, so dass die korrekte marxistisch-leninistische Stimme unserer Partei in dieser Bewegung ungehört verhallt.

Zweitens, verschiedene Gruppierungen zu schaffen, die sich «marxistisch» nennen und aus Provokateuren bestehen, die durch ihre Spaltertätigkeit in den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien aufgetaucht sind. Die Chinesen werden, wie einst auch die Chruschtschowianer, ihnen dienliche Gruppierungen schaffen, die von ihnen selbst sowie von der Bourgeoisie der Länder, wo sie entstehen, finanziert werden. Sie werden versuchen, durch diese Provokateure hemmungslos Propaganda gegen den Marxismus-Leninismus zu betreiben. Ihre Propaganda wird sich besonders gegen unsere Partei richten und die chinesische revisionistische Linie unterstützen. Es wird erneut so sein, wie es auch bei den Chruschtschowianern war. Gegen sie befand sich anfänglich nur die Partei der Arbeit Albaniens im offenen Kampf. Dann stand zusammen mit uns auch die Kommunistische Partei Chinas im Kampf gegen die Chruschtschowianer, doch sie ging dabei nicht von klaren marxistisch-leninistischen Positionen aus. Es gab im Verlauf der Ereignisse einige Momente, in denen die Chinesen Seite an Seite mit uns angriffen, dann wichen sie ab, und dieses ihr Abweichen vom Marxismus-Leninismus setzt sich fort. Die Kommunistische Partei Chinas hat ihre revisionistische Tätigkeit gegenwärtig darauf ausgerichtet, sogenannte marxistisch-leninistische Parteien zu schaffen, um sie dem chinesischen Revisionismus gegen den Marxismus-Leninismus dienstbar zu machen.

Wir haben die Pflicht, uns auf diesen Kampf vorzubereiten, sowohl auf innerer als auch auf äußerer Ebene. Unser Kampf wird auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus, unserer Theorie, geführt werden, auf der Grundlage der Richtlinien des 7. Parteitags. Deshalb muss das. was ich den Genossen vor zwei Tagen über die richtige Aneignung der auf dem Parteitag entwickelten Ideen und die richtige Erläuterung der damit zusammenhängenden Probleme sagte, stets berücksichtigt werden. darf es keinen Augenblick lang vernachlässigt werden.

Viele politische, ideologische, wirtschaftliche u.a. Grundprobleme, die in den Parteitagsberichten behandelt werden, müssen erklärt, und sie alle müssen behandelt, entwickelt, für die Kommunisten und die breiten Volksmassen möglichst verständlich gemacht werden. Sie sollen einem doppelten Zweck dienen: sowohl für das Ausland als auch das Inland, um so den teuflischen, feindseligen, antimarxistischen Absichten der chinesischen Revisionisten zuvorzukommen. Dazu, so meine ich, sollten wir jeweils Gruppen aus qualifizierten Kadern bilden, die über verschiedene Probleme gründlich nachdenken und Thesen ausarbeiten sollen, die wir zu erörtern und, soweit sie vernünftig sind, anzunehmen hätten. Nach einer theoretischen und politischen Behandlung sollten diese Thesen zur Grundlage der ideologischen und politischen Erziehung unserer kommunistischen Kader und der breiten Volksmassen gemacht werden. Diese Materialen müssen von uns auch gedruckt, übersetzt und dem Ausland zugänglich gemacht werden, um sie den marxistischleninistischen Parteien als zusätzliche Erläuterungen zu den Dokumenten unserer Partei über die Grundprobleme, die der 7. Parteitag aufgeworfen hat, an die Hand zu geben. - So, meine ich, werden wir die Arbeit hinlänglich bewältigen, der kommunistischen Weltbewegung Hilfestellung zu leisten, ehe die Agenten der chinesischen Revisionisten handeln, denn man muss damit rechnen, dass die Chinesen in diesem Kampf gegen den Marxismus-Leninismus und unsere Partei zahlreiche und mächtige Propagandamittel einsetzen werden.

Ich bin sicher, dass wir, wenn wir den Kampf richtig organisieren (und wir müssen diesen Kampf unbedingt möglichst gut organisieren, denn das ist eine lebenswichtige Frage), die chinesischen Revisionisten entlarven werden, auch ohne sie offen beim Namen zu nennen. Das soll nicht heißen, dass wir einem gewissen Hill, X oder Y die Antwort schuldig bleiben, die, ohne uns namentlich zu erwähnen, im Chor die Thesen unseres 7. Parteitags angreifen werden. Wir werden die Gelegenheit bzw. den günstigen Augenblick finden, um ihnen allen oder jenen, die die chinesischen Revisionisten dazu angeworben haben mögen, die Thesen unseres 7. Parteitags anzugreifen, auf einen Schlag zu antworten. Die Vorbereitung, von der ich oben sprach, dient dieser Sache. Wenn sie uns namentlich angreifen, dann müssen auch wir uns Gedanken darüber machen, ob wir in die gegenseitige Polemik eintreten sollen oder nicht. Die Sache ist die, dass wir beizeiten durchdachte Maßnahmen ergreifen müssen, um die Thesen unseres Parteitags möglichst klar zu erläutern und auf richtige, marxistisch-leninistische Weise nachdrücklich zu verfechten. Verfochten werden sie dadurch, dass jede These klar erläutert und auf möglichst verständliche Weise dargelegt wird, denn es gibt in den marxistisch-leninistischen Parteien Leute und wird sie geben, die unsere Thesen nicht genügend verstehen. Viele dieser Leute haben sich sogar schon jetzt hervorgewagt, weil man in den Parteien, denen sie angehören, auf die Routine zumarschiert, d.h., nach den von den Chinesen hochgespielten Thesen verfährt.

Wie wir sehen, sind die Chinesen und Hill auf ihrem Weg Sozialdemokraten. Sie begreifen nicht, dass die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien unter außergewöhnlich schwierigen Bedingungen kämpfen, gegen eine bis an die Zähne bewaffnete Bourgeoisie, gegen den amerikanischen Imperialismus und den modernen Revisionismus mit dem sowjetischen Sozialchauvinismus an der Spitze. Sie begreifen nicht, dass sie unbedingt in beiden Formen des Kampfes, der legalen wie der illegalen, arbeiten, sich auf beide vorbereiten, beide praktizieren müssen, dass sie es verstehen müssen, beide Formen zu kombinieren, so wie Lenin uns das lehrt. Die Chinesen akzeptieren dies in Worten, doch in Wirklichkeit sind sie nur für offene, sozialdemokratische Arbeitsformen, weil sie natürlich selbst auch Sozialdemokraten sind, allerdings getarnt mit «marxistischleninistischen» Parolen, die in Wirklichkeit antimarxistisch sind.

Die andere Sache, auf die wir uns vorbereiten müssen, hängt mit der Arbeit innerhalb des Landes zusammen. Jeden Tag mehr müssen wir allen gut klar machen, dass die klassenfeindlichen Elemente, solange sie existieren, auch arbeiten werden. Falls der Klassenfeind versuchen sollte, unsere Widersprüche zur Kommunistischen Partei Chinas und den über ausländische Rundfunksender geführten Kampf gegen Albanien indirekt für sich auszunutzen, wird sich durch eine gute Aufklärungsarbeit seitens der Partei verhindern lassen, dass ihre Tätigkeit verfängt. Sie wird dann im Gegenteil dazu beitragen, die Wachsamkeit der Kommunisten und der Werktätigen zu schärfen und die nötigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, noch schwierigeren Tagen gewachsen zu sein.

Ein weiteres Problem für uns sind die wirtschaftlichen Fragen.

Keinesfalls dürfen wir in die Meinung verfallen, ein Kampf, wie ihn China und seine Stellten gegen uns führen, habe keine negativen Auswirkungen auf uns. Die negativen Folgen dieser Tätigkeit müssen wir beizeiten voraussehen, einkalkulieren und ihnen zuvorkommen. Das erfordert, was die Pläne anbelangt, eine totale Mobilisierung zur Erfüllung durchweg aller der zahlreichen Aufgaben an sämtlichen Fronten, in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft und des Lebens in unserem Land.

Vor allem erhält in dieser Situation die Erfüllung der Aufgaben im Bereich der Landwirtschaft und des Bergbaus, vor allem der Erdölförderung, unbestreitbare Bedeutung. Um das Öl müssen wir uns sehr kümmern, neue Felder entdecken, wir dürfen nicht zulassen, dass es zu Pannen kommt, denn, das muss uns klar sein, ohne Erdöl werden wir in .allen Sektoren der Wirtschaft in Rückstand geraten. Die anderen Mineralien garantieren uns gute Einnahmen, ob sie nun im Land verarbeitet oder auch als Erz exportiert werden. Doch beim Export von Mineralien werden wir möglicherweise auch der Sabotage der Feinde ausgesetzt sein, indem sie z.B. allein schon die Trägheit einiger unserer Leute im Handelssektor ausnutzen, so dass wir keine Märkte finden.

Wir müssen begreifen, dass wir kein Staat sind, der es sich leisten kann, zeitweilig grßse Reserven unverkaufter Mineralien anzulegen. Wenn wir das meinen, werden wir vor schwierige Situationen gestellt werden. Wir müssen deshalb in dieser Hinsicht gründlich nachdenken. Es reicht nicht, wenn wir nur besondere Pläne für diese schwiegen Situationen haben, mit denen wir rechnen müssen, vielmehr ist es auch zwingend notwendig, bei der Entwicklung des Bergbaus geschickter vorzugehen, ebenso beim Export von Mineralien, ob nun verarbeiteten, halbverarbeiteten oder Rohstoffen. Unternehmen wir allseitige Anstrengungen, damit wir nicht auf Mineralien und anderen Waren sitzen bleiben, die sich dann in Lagern und in unseren Häfen türmen.

Ein anderer für uns lebenswichtiger Sektor ist die Landwirtschaft. Sie müssen wir intensiv entwickeln, damit das Volk zu essen, Kleider und Schuhe hat, das wirtschaftliche Niveau unserer Werktätigen also nicht sinkt

Bei der Verwirklichung unserer Pläne müssen wir an allen Fronten voranmarschieren, doch es gibt auch einige Objekte, die wir in diesen Plänen zwar vorgesehen haben mögen, deren Bau aber noch warten kann. Deshalb dürfen wir nicht zögern, sie angesichts dieser beiden Schlüsselprobleme, die in der entstandenen Situation nach Lösung verlangen, zeitweilig zurückzustellen.

Deshalb empfahl ich den Genossen, ernsthaft über diese Fragen nachzudenken, und zwar so bald wie möglich, sie nicht der Spontaneität zu überlassen und sich auch nicht mit einigen Halbheiten zu begnügen. Es ist unerlässlich, das Arbeitsprogramm, das für all diese großen Probleme erstellt werden muss, gut zu durchdenken.





SAMSTAG, 25. DEZEMBE$ 1978





AGENTENMETHODEN, UM DIE KOMMUNISTISCHE WELTBEWEGUNG ZU SPALTEN

Man hat mich über das Gespräch in Kenntnis gesetzt, das der Leiter der Delegation der marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei von . . . ( der Name wurde hier gewollt ausgelassen – Anmerkung der Red. - vermutlich der Delegierte der brasilianischen Bruderpartei) mit unseren Genossen hatte. Unser Gast war, wie er uns selbst sagte, im Auftrag der Vertreter der 8 marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien Lateinamerikas nach China gefahren, um die Kommunistische Partei Chinas über die Beratung dieser 8 Parteien und die Erklärung, die sie verabschiedeten, zu unterrichten.

Der Genosse war empört und entrüstet über den inquisitorentaften Empfang, den ihm 8 Genossen Geng Biaos bereiteten, denn dieser selbst hatte noch nicht einmal geruht, diesem «Gericht» beizuwohnen. Er sagte: «Ich bin zum ersten Mal ins Ausland gereist, und ich hätte mir niemals vorgestellt, dass man sich einer Bruderpartei gegenüber so verhalten kann wie ein Untersuchungsrichter, der einen Verbrecher vor sich hat. In diesem Fall», sagte er, «war ich, der Sekretär einer marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei, der 'Verbrecher', und sie waren das 'Untersuchungsgericht'.

Stunden- und tagelang, pausenlos», fuhr er fort, «bestürmten mich die Chinesen mit Fragen und bestanden darauf, dass ich ihre Materialien las.

Sie bezichtigten die Partei der Arbeit Albaniens und die 8 Parteien Lateinamerikas, sie hätten offen, vor aller Welt, die Kommunistische Partei Chinas und die Linie Mao Tse-tungs 'angeklagt'. Diese Beschuldigungen wies ich entschieden zurück und fragte sie: Warum zieht ihr die Partei der Arbeit Albaniens in diese Sache hinein? Sie hat nichts mit unserer Beratung zu tun und wusste nichts davon, allerdings informierten wir sie darüber, wie wir jetzt auch euch informieren. Die Chinesen nannten die Beratung der Vertreter unserer 8 Parteien 'ein Komplott gegen China wie das, das in Bukarest geschmiedet wurde'.»

Welch eine Ungeheuerlichkeit! Der Genosse sagte, die Chinesen hätten die Einschätzung, Lateinamerika sei nicht die Beute der Vereinigten Staaten von Amerika, und die Staaten dieser Zone bewegten sich nicht in Richtung Faschisierung, sondern seien «unabhängige bürgerlich demokratische Staaten». «Nach Einschätzung der Chinesen», fuhr er fort, «müssen wir also den bewaffneten Kampf einstellen, ja sogar Selbstkritik üben, dass wir ihn begonnen haben.»

Dann fügte der Genosse hinzu: «Unter Verletzung jeder Norm griffen die Chinesen die Partei der Arbeit Albaniens scharf an, wobei sie eine Reihe von Widersprüchen aufzählten, die ihr zur Linie und Strategie Mao Tsetungs hättet.

Sie erschöpften mich, sie zermürbten mich, seht, wie ich abgemagert bin», sagte er, «sie wollten mich brechen, wollten, dass ich vor ihnen kapituliere. Ich war allein, sie zu acht, doch ich hielt ihnen stand. Jetzt, da ich in Albanien bin, bin ich glücklich und ruhig, und nachdem ich euch endlich davon erzählt habe, ist mir ganz so, als sei ich von einem Alptraum befreit.»

Ich empfahl Ramiz, den Genossen zur Ruhe kommen zu lassen, dann mit ihm zusammenzutreffen, ihn anzuhören und in groben Zügen die Beschuldigungen und Verleumdungen der Chinesen gegen sie und gegen die Partei der Arbeit Albaniens zurückzuweisen. Daraufhin solle er ihm, an einem anderen Tag, alle diese Gegenvorwürfe unsererseits mit Dokumenten belegen, die die marxistisch-leninistische Linie der Partei der Arbeit Albaniens und die revisionistische Linie der Kommunistischen Partei Chinas beweisen.

Wir haben die Taktik der Kommunistischen Partei Chinas richtig beurteilt. Die Chinesen wollen uns nicht direkt antworten, weil sie es nicht wagen, die Polemik mit uns aufzunehmen. Andererseits benutzen sie trotzkistische, Agenten-, Inquisitionsmethoden, um unsere Partei hinter ihrem Rücken zu bekämpfen, um uns von der internationalen kommunistischen Bewegung zu isolieren und diese zu spalten. So geht eine bürgerliche, kapitalistische und imperialistische Großmacht vor. Wir werden sie scharf bekämpfen, und wir werden siegen.





DIENSTAG, 28. DEZEMBER 1976





EINIGE ANSICHTEN ÜBER DEN BALLISTISCHEN «DEKALOG»** MAOTSETUNGS

(ballistischer «Dekalog»: Siehe Anmerkung in Band 1, Seite 177.)

Die chinesischen Revisionisten, an der Spitze die Gruppe Hua Guo-fengs, die durch einen Militärputsch die Macht in China an sich gerissen hat, veröffentlichten diese Woche ein Dokument Mao Tsetungs, eine zehn Punkte umfassende Rede («Über die zehn großen Beziehungen»), die er auf der erweiterten Sitzung des Politbüros im April 1956 gehalten hat.

Dieses Dokument wurde vor dem 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas verfasst, auf dem Liu Schao-tschi den Hauptbericht hielt. Der Bericht hatte revisionistischen Inhalt. Wir, die wir am Parteitag teilnahmen, wunderten uns, wie dieser Bericht gehalten werden konnte, und wie es möglich war, dass man ihn auch später nicht verurteilte, zusammen mit Liu Schao-tschi, den man ausschaltete. In diesem Bericht an den 8. Parteitag wurden die Probleme den Ideen Mao Tsetungs gemäß dargelegt, deshalb bezeichnete man ihn auch nach der Kulturrevolution als richtig. Dies bestätigen die 10 Punkte von Maos ballistischem «Dekalog», die seine unmarxistische, eklektische Strategie und Weltanschauung bilden.

Diese zehn Punkte Maos wurden nach dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion geschrieben und vorgelegt, auf dem der Revisionist und Renegat Chruschtschow den Marxismus-Leninismus angegriffen, Stalin verleumdet und mit Schmutz beworfen hatte. Mit diesem Schritt ergriff Mao die Initiative, eine Initiative, die mit den Chruschtschowianern hätte koordiniert sein können. Und so war es auch. Chruschtschow hatte Mao über seine revisionistischen Ideen und die Schritte, die er unternehmen würde, ins Bild gesetzt. Mao war mit Chruschtschow einverstanden gewesen, was er auf der Moskauer Beratung im Jahr 1957 auch öffentlich sagte. Dort rühmte er Chruschtschow, griff Stalin an und hieß die Liquidierung der «parteifeindlichen Gruppe von Molotow und Konsorten» durch Chruschtschow gut. So half Mao Chruschtschow. Er war einverstanden mit der Linie des 20. Parteitags, war gegen Stalin. Der 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas war mit den Chruschtschowianern abgestimmt, denn die beiden «Gevatter» waren von den gleichen Ideen beseelt. Natürlich machte Chruschtschow Mao auch Versprechungen, doch er hielt sie nicht, sondern belog ihn nur, bis er über dem Berg war.

Maos Ziel war es nicht, Chruschtschow zu helfen, sondern sich selbst. China sollte zur Hauptführungsmacht der kommunistischen Welt werden, und Mao an die Stelle Stalins treten, von dem sie glaubten, sie hätten ihn unter die Erde gebracht. Mao arbeitete rasch auf die Hegemonie hin.

Chruschtschow für seinen Teil wollte Mao Tsetung ins Glied und unter seine Führung bringen, doch hier griff die Partei der Arbeit Albaniens ein, die den Marxismus-Leninismus und die Kommunistische Partei Chinas verteidigte. In Bukarest wurde das Feuer der Polemik entfacht, die die Partei der Arbeit Albaniens auf der Beratung der 81 Parteien in Moskau „mit Maschinengewehrsalven“ fortsetzte. Mao war dafür, dieses große Feuer zu löschen, er war gegen die Polemik. Er wollte eine Beratung, wollte sozialdemokratische Übereinkünfte, denn auch er selbst war ein Sozialdemokrat, ein Opportunist, ein Revisionist. Doch Mao konnte das Feuer nicht löschen, die Polemik nicht ersticken, und als er sah, dass er seine Hegemonie nicht errichten konnte, änderte er seine Haltung. Mao bezog irgendwie «besser» antisowjetische Positionen und traf sich hier dem Anschein nach mit uns, die wir konsequent den Chruschtschowrevisionismus bekämpften. Doch auch zu dieser Zeit hegte er Hoffnungen auf eine Annäherung an die Chruschtschowrevisionisten. Seitens der chinesischen Führer wurden Versuche dazu unternommen, doch wir widersetzten uns.

Als Chruschtschow stürzte, belebten sich Maos Hoffnungen. Er schickte Tschou nach Moskau, schlug auch uns vor hinzugehen, doch wir weigerten uns entschieden. Das bedeutete für Mao Tsetung ein Fiasko. So wandte er sich von der Strategie des Kampfes an beiden Flanken ab und den Vereinigten Staaten von Amerika zu. Die vielen Treffen in Warschau zwischen dem chinesischen und dem amerikanischen Botschafter bereiteten Kissingers und danach auch Nixons Reise nach China vor.

Die Kulturrevolution endete wie das Hornberger Schießen. Diese Revolution blieb auf halbem Wege stecken, oder sagen wir besser, sie festigte die persönliche Stellung Mao Tsetungs. Die linken Elemente wurden von den Rechten mit Hua Guo-feng an der Spitze ..mit einem Schlag liquidiert». So triumphierte die revisionistische Linie Maos, und nun kam der „Dekalog“ ans Licht, der den Rechten passt. In diesem «Dekalog» werden die Weltrevolution, die Diktatur des Proletariats, der Klassenkampf und die Hilfe für die Völker, die Freiheit wollen und für ihre Befreiung kämpfen, mit keinem Wort erwähnt.

Dieses Dokument ist ein Spiegel der revisionistischen Ideen Maos, der für die friedliche Koexistenz auch mit den Vereinigten Staaten von Amerika ist, obwohl sie überhaupt nicht erwähnt werden. ich überfliege dieses Dokument gerade, doch es muss gründlich analysiert werden.

Was die zickzackreichen anti-marxistischen, pragmatischen, liberalen, putschistischen Ansichten Mao Tsetungs, Tschou En-lais, Deng Hsiao-pings, Hua Guo-fengs und der anderen chinesischen Revisionisten angeht, darf uns nichts wundern. Diese ihre Ideen sind alt, fünfzig Jahre alt, verwoben mit Idealismus und Mystizismus und mit rotem Lack überzogen, der in der Sonne des Marxismus-Leninismus abblättert.

Eines der Hauptziele dieses «Dekalogs» Maos ist, zwischen ihm und Stalin, zwischen dem sozialistischen Aufbau in der Sowjetunion und der Ideologie, die den Aufbau des Sozialismus in China leitet, eine Scheidelinie zu ziehen. Mit anderen Worten, Mao Tsetung setzt der marxistischen Theorie seine Ideen entgegen, die «Maotsetungideen», wie die Chinesen diese Gedanken jetzt nennen, die angeblich «mit dem Wesen der Theorie des Marxismus-Leninismus identisch sind», in Wirklichkeit aber in Gegensatz zu ihm stehen.

Lenin sah die Tätigkeit der Antimarxisten voraus, wer immer sie auch seien, Mao, die Maoisten usw., als er 1913 in seinem Werk «Das historische Schicksal der Lehre Karl Marx'» schrieb:

«Die Dialektik der Geschichte ist derart, dass der theoretische Sieg des Marxismus seine Feinde zwingt, sich als Marxisten zu verkleiden.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 18, S. 653 (alb. Ausgabe).)

Mao Tsetung befand sich, wie dieser «Dekalog» zeigt, in vielen prinzipiellen Fragen der revolutionären Theorie und Praxis schon früh im Gegensatz zum Marxismus-Leninismus. Wie aus dem «Dekalog» hervorgeht, hat er schon zur Zeit des «Langen Marsches», schon in Yenan, anti-marxistische Ansichten über die Hegemonie der Arbeiterklasse gehabt und die führende Rolle der Bauernschaft in der Revolution gepredigt. Auch heute macht Mao die sogenannte dritte Welt zum «Zentrum» und zur «Führungskraft der Revolution» und leugnet so die führende Rolle des internationalen Proletariats. Die anti-marxistischen Ansichten Maos, die sich auch in diesem «Dekalog» widerspiegeln und die sich auf dem Höhepunkt des chinesischen Befreiungskampfes herauskristallisierten, versäumen es nicht nur, den Klassenkampf zu entwickeln, sie predigen sogar seine Einstellung.

Diese reaktionären und antirevolutionären Thesen Maos sind also auch im «Dekalog» von 1956 fixiert. In seinen in 4 Bänden veröffentlichten Werken sind solche offenkundig anti-marxistischen und anti-leninistischen Thesen nicht zu finden. Wie sich zeigt, war Mao Tsetung ein Eklektiker, ein getarnter Revisionist, der die Maske fallenließ, als er sich mit den Chruschtschowrevisionisten zusammentat, um den Leninismus zu entthronen und Stalin zu attackieren. Mao Tsetung entfaltete seine pseudomarxistische Theorie im Gewand des Marxismus-Leninismus, und diese «Theorie» sollte «von nun an das Weltproletariat und die Revolution leiten». Hier liegen die Wurzeln des Betrügerischen, Größenwahnsinnigen, den Marxismus-Leninismus Verleumdenden der «Maotsetungideen».

Die «Maotsetungideen» führten auch die «Große Proletarische Kulturrevolution» an, um sie der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution entgegenzustellen, die für Mao, in anderen Worten, «überholt», «veraltet» war, zusammen mit der Theorie von Marx und Lenin. Die Zeiten hätten sich geändert, meinte er, deshalb müsse «der Marxismus durch eine neue Theorie ersetzt werden», die «Maotsetungideen». Dies ist die Theorie des modernen Revisionismus, die, wie die chruschtschowsche auch, die leninistische Maske wahrt. Beide Varianten des modernen Revisionismus sind eins und unteilbar, doch die Frage besteht darin, welche dominieren wird, Chruschtschows oder Maos revisionistische Variante, unabhängig davon, dass beide auf das gleiche hinauslaufen, auf den Antimarxismus. Bei dieser Rivalität geht es darum, welcher der großen Staaten es schaffen wird, über den andern zu dominieren, welcher das Gesetz machen wird.

Beide nahmen die Verunglimpfung von Stalins genialem Werk als Ausgangspunkt auf diesem Weg. Die Chruschtschowianer gingen in ihren Verleumdungen gegen Stalin bis zum Äußersten, während Mao von dieser Diffamierung Stalins profitierte und sich das herausgriff, was er brauchte, um seine revisionistische Linie zu verhüllen, sie als marxistisch-leninistisch in den Himmel zu heben und besser zu tarnen, damit sie gegenüber den Chruschtschowianern an Boden gewännen. Mao sagte, 30 Prozent des Werks von Stalin seien falsch und 70 Prozent seien richtig. Ein grosser Meister der Waage! Er wog das Werk Stalins mit der gleichen Genauigkeit, mit der auch Tomaten auf dem Feld abgewogen werden!! .



Im ersten Punkt des «Dekalogs» von Mao Tsetung wird die antimarxistische These aufgestellt, der Leichtindustrie und der Landwirtschaft müsste Vorrang eingeräumt werden und nicht der Schwerindustrie. Diese Kossygin-revisionistische Abweichung begründet Mao Tsetung damit, dass die Investitionen in der Schwerindustrie hoch und unrentabel seien, die Bonbon- und Gummistiefelindustrie dagegen Einnahmen brächte, rentabler sei. Was die Landwirtschaft anbelangt, so produziere sie die Nahrung des Volkes.

Durch Maos antimarxistische These wird die Entwicklung der Produktivkräfte nicht vorangetrieben, sondern gebremst. Die Landwirtschaft und die Leichtindustrie können nicht rasch genug entwickelt werden, wenn die Bergbauindustrie nicht entwickelt wird, wenn kein Stahl hergestellt, kein Öl gefördert, keine Traktoren, Züge, Autos, Schiffe gebaut werden, wenn nicht die Chemieindustrie aufgebaut wird, usw. usf.

Die Entwicklung der Industrie ist nach Mao ein handwerklicher Prozess. Die Leichtindustrie, die Mao zu entwickeln vorgibt, lässt sich nicht nur mit Ziegeln, Fahrrädern, Baumwollstoffen, Thermosflaschen und Fächern aufbauen, die zwar einiges an Einnahmen bringen mögen, die die Menschen jedoch nur kaufen können, wenn sie Kaufkraft haben. 1956 war China - ein Land mit großer Bevölkerung - wirtschaftlich rückständig, und viele Konsumartikel mussten unter dem Kostpreis verkauft werden. Der Ertrag war also nicht hoch.

Mao kritisiert in seinem «Dekalog» Stalin und die wirtschaftliche Lage in der Sowjetunion. Doch «die Sonne kann man nicht mit einem Sieb verdecken». In Wirklichkeit wurde in der Sowjetunion in den 24 oder 25 Jahren von der Revolution bis zum Zweiten Weltkrieg unter der Führung Lenins und danach Stalins dank einer richtigen Linie und Politik eine Schwerindustrie aufgebaut, die nicht nur der Binnenwirtschaft dieses ersten sozialistischen Landes einen Aufschwung gab, sondern der es auch allein zu verdanken war, dass dem Überfall der furchtbaren Maschine Hitlerdeutschlands standgehalten werden konnte. Welchen Stand hat dagegen heute, da seit 1949 schon beinahe 30 Jahre vergangen sind, Chinas Industriepotential mit Maos Wirtschaftspolitik erreicht? Es ist weit zurück! Und daran sollen die «Vier» schuld sein! Nein, die Schuld daran tragen nicht die «Vier», sondern die Linie Maos, wie seine im «Dekalog» dargelegten Ansichten beweisen.

Doch wie konnte das große sozialistische China ohne Schwerindustrie auskommen? Sicher, Mao glaubte, die Sowjetunion werde ihm beim Aufbau der Schwerindustrie helfen, oder er würde zu amerikanischen Krediten hinüberwechseln. Als Mao sah, dass die Sowjetunion ihm nicht «gehorchte» und ihm die ersehnte Hilfe nicht gab, begann er Stahl in Öfen zu gießen, die auf den Gehsteigen der Boulevards errichtet wurden, oder in Miniöfen für Gusseisen. China blieb zurück, China blieb ohne moderne Technologie. Zwar hatte das chinesische Volk nicht mehr unter Hunger zu leiden wie früher, doch sich wie Mao zu der Behauptung zu versteigen, der chinesische Bauer habe im Jahr 1956 besser gelebt als der sowjetische Kolchosbauer, während er tatsächlich hinter ihm zurück war, das heißt die Kollektivierung der Landwirtschaft und den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion zur Zeit Lenins und Stalins zu verunglimpfen.

Mao Tsetung sagt geringschätzig: «Was für einen Sinn hat es, von der Entwicklung der Schwerindustrie zu reden? Man muss den Lebensunterhalt der Arbeiter sichern.» Das ist, anders formuliert, Chruschtschows «Gulaschtheorie». Und als Schlussfolgerung versucht Mao in seinem «Dekalog» die Behauptung aufzustellen, sie hätten keine Fehler gemacht wie angeblich die Sowjetunion, oder genauer (doch das sagt er nicht laut), wie Lenin und Stalin. Um diese Abweichung zu verschleiern, versäumt er es jedoch nicht zu sagen, man müsse «auch die Schwerindustrie entwickeln, allerdings der Landwirtschaft und der Leichtindustrie grössere Bedeútung beimessen». Diese seine Ansicht, die auf pragmatische Weise umgesetzt wurde und dazu führte, dass China zurückblieb, bewirkte, dass es Jahrzehnte brauchen wird, bis zum Jahr 2000, um den Rückstand einigermaßen aufzuholen... mit der Hilfe und den Krediten des amerikanischen Kapitals, die ihm die neue Strategie verschafft. Ganz ohne Zweifel könnte sich China auf die eigene Kraft stützen; es hat eine riesige Menschenkraft, es verfügt ebenso über eine erhebliche Wirtschaftskraft, doch es ist infolge seiner falschen Linie zurückgeblieben.

Im zweiten Punkt des «Dekalogs» wird auch die Frage gestellt, wo die Industrie aufgebaut werden müsse, an der Küste oder im Landesinnern. Mao sagt: «Rund 70 Prozent unserer Leicht- und Schwerindustrie sind in den Küstengebieten und nur 30 Prozent im Landesinnern. Dieses Missverhältnis ist uns von der Geschichte hinterlassen worden.» Diese Industrie wurde selbstverständlich von den Ausländern aufgebaut, die dort Konzessionen hatten, die Rohstoffe aus dem Innern Chinas aufsaugten und an der Küste Sklavenarbeiter fanden. Dieser Art der Entwicklung misst Mao Bedeutung bei. Er betont, auch in Zukunft müsse weiter an der Küste gebaut werden, und macht dazu eine phantastische Rechnung auf: ein Betrieb der Leichtindustrie könne «binnen vier Jahren so viel Gewinn abwerfen, wie für den Bau von drei, zwei, einer oder doch wenigstens einer halben Fabrik gebraucht wird». Das ähnelt der Theorie des Revisionisten Koço Tashko, der auf der ersten Parteikonferenz in Labinot erklärte, wir müssten «eine Revolution mit viel Blut, mit wenig Blut oder möglichst überhaupt ohne Blut machen».

Im Zusammenhang mit dieser Frage kommt Mao zu folgender Schlussfolgerung: «Siedeln wir Industriebetriebe auch im Landesinnern an, für den Kriegsfall.»

Doch woher kommt der Krieg? Von den Vereinigten Staaten von Amerika, von Japan oder von .der Sowjetunion? Anscheinend ist Mao gleichzeitig der Meinung, der Krieg käme von überhaupt nirgendwoher, schon gar nicht vom Meer, empfiehlt er doch den Bau von Fabriken an der Küste.

Anscheinend denkt Mao nicht darüber nach, wie man den Süden und den -Südosten etwas entvölkern könnte, um den Norden und den Westen zu bevölkern.

Im dritten -Punkt des «Dekalogs» bestimmt Man Tsetung das Verhältnis zwischen dem Wirtschaftsaufbau und dem Aufbau der Verteidigung. Wenn er sagt, man müsse die Verteidigungsausgaben senken, zeigt sich klar, dass er sich auf falsche Bestimmungen stützt. Die chinesische Verteidigungskraft soll laut Mao doch tatsächlich stärker sein als die der Sowjetunion vor dem Zweiten Weltkrieg.

Chruschtschow stellte die These auf, Stalin habe die Sowjetunion schutzlos den Hitleranern ausgesetzt. Diese Verleumdung übernimmt auch Mao, der prahlt, mit den Flugzeugen und den Kanonen, über die er verfügte (und der Atombombe, die ihm Chruschtschow geben sollte), sei Chinas Verteidigung gewährleistet.

Die Tatsachen zeigen, dass China in Rückstand geriet. Dies war Folge der Unterschätzung der Schwerindustrie, des Sich-Stützens auf die anderen, um die Verteidigungsfähigkeit mit einer falschen Militärstrategie zu stärken. Inzwischen hat China begonnen, seine Meinung über die Verteidigung zu ändern, gleichzeitig hat es aber auch die Bündnisse gewechselt. Es hat sich den Amerikanern angenähert und bei ihnen moderne Kriegstechnologie eingekauft.

In diesem Punkt des «Dekalogs» spricht sich Mao eindeutig für eine leichte Bewaffnung aus, für die Besoldung der chinesischen Soldaten (wie in einer Söldnerarmee) und Kürzungen in der Verwaltung, ohne dass dafür irgend etwas getan worden wäre - im Gegenteil, sie ist für China zu einem Krebsgeschwür geworden. Das konnten wir feststellen, als wir 1956 dort waren und sie uns selbst sagten, alle Exoffiziere Tschiang Kai-scheks werden als besoldete Beamte gehalten.

Im vierten Punkt des «Dekalogs» ist die Rede von den Beziehungen zwischen dem Staat, den Produktionseinheiten und den Produzenten. Natürlich haben wir von dieser Organisierung und dieser organisatorischen Gliederung in China weder jemals irgend etwas erfahren, noch wissen wir, wie die Beziehungen zwischen dem Staat, den Produktionseinheiten und den Produzenten aussehen. China kann und muss seine Besonderheiten haben, denn es hat ein großes, von vielen Nationalitäten bewohntes und nicht in Republiken, sondern in Provinzen untergliedertes Territorium. Wir waren der Meinung, dort gebe es demokratischen Zentralismus, doch dass die Provinzen keine Kompetenzen in Bezug auf die innere Verteilung in ihrem Bereich hatten und die Fabriken sich nicht selbst trugen, das konnten wir uns nicht vorstellen. Mao behauptet, in der Sowjetunion (selbstverständlich zur Zeit Stalins) habe es einen starken bürokratischen Zentralismus gegeben und, so meint er, den Sowjetrepubliken seien die Hände gebunden gewesen. Inwieweit das stimmt, wissen wir nicht, doch mindestens genauso viel Btirokratie und Zentralismus wie in der Sowjetunion, wenn nicht noch mehr, gab und gibt es heute auch in China. Doch China ist auf dem Kurs der Verunglimpfung der Sowjetunion der Zeit Stalins und geht vor wie Chruschtschow. Mao möchte zeigen, dass er ein besserer «marxistisch-leninistischer» Organisator ist, doch geht er da nicht mit dem, was er tut, den Weg der titoistischen «Selbstverwaltung»?

Im selben Punkt vergleicht Mao die Armee mit dem Staat, nennt also eine Waffe des Staates Staat und stellt sie auch über die Partei. Tatsächlich hat sowohl im alten als auch im neuen China die Armee eine entscheidende Rolle gespielt. Sie hat eine Fraktion unterst ützt und die andere liquidiert.

Den demokratischen Zentralismus und die wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Zentrum banalisiert Mao mit einem Beispiel, das so lächerlich und simpel ist, dass man sich wundert, wie dieser «große Theoretiker» eine politisch, ideologisch und wirtschaftlich-organisatorisch so wichtige Frage mit so viel désinvolture* *( Leichtfertigkeit (frz. im Original)) behandeln kann!?

Wo Mao von der Bauernschaft spricht, und das 1956, also nur wenige Jahre nach der Befreiung, betont und unterstreicht er, das System der Kolchosen und der Showchosen in der Sowjetunion sei bankrott, die Bauern würden dort durch die Abgaben erdrückt, erhielten für ihre Produkte zu wenig bezahlt, und er führt noch andere Missstände an, während in Bezug auf China nur noch fehlt, dass er sagt, dort lebten die Bauern im Überfluss, im Glück, die Ernte sei reichlich, die Preise niedrig, die staatliche Akkumulation gering. Eine merkwürdige Analyse! Wir haben die Lage sowohl in der Sowjetunion als auch in China selbst kennergelernt, denn in jenen Jahren waren wir in beiden Ländern. Wir wissen also, dass das, was Mao sagt, nicht der Realität entspricht.

Maos Analyse der Beziehungen zwischen Staat und Landwirtschaft, zwischen Kommune und Kommunemitgliedern, der Verteilung der Einkommen, des Problems der Investitionen, der Frage der Akkumulation und des Lebensniveaus in den Kommunen und Städten in diesem Punkt des «Dialogs» ist ganz und gar nicht marxistisch-leninistisch, gibt keine klare und objektive Widerspiegelung der Lage, sondern ist nur eine Demonstration der erlogenen «Überlegenheit» der chinesischen Landwirtschaft gegenüber der sowjetischen. Chruschtschow trat auf als «Theoretiker der Landwirtschaft», der sie aus «dem Sumpf» ziehen würde, «in den Stalin die geführt hatte». Und Mao imitiert nun diesen Kulaken und Schieber.

Dieses so wichtige Problem beschließt Mao mit Worten, die zeigen sollen, in China liefe alles gut; die Schwerindustrie setzt er an die dritte Stelle, die bürgerlichen Fabrikanten integriert er in den Sozialismus. Das Gleiche predigt er für die Kulaken auf dem Land, und alles wird gemäß seiner maoistischen Theorie geregelt, die angeblich vollständig richtig, fehlerlos ist! In Wirklichkeit stehen diese Ideen Maos im Gegensatz zu den Ideen Lenins und Stalins.

Klarer kann der Größenwahn dieses revisionistischen «Klassikers» und seine Verunglimpfung des Werks Lenins und Stalins nicht zum Ausdruck gebrecht werden.

Im Punkt fünf des Dekalogs», in dem von den Beziehungen zwischen Zentrum und Basis die Rede ist, bestimmt Mao Tsetung, wie diese Beziehungen auszusehen haben. Das hängt natürlich von den Kompetenzen ab, die das Zentrum in China der Basis übertragen hat. Das alles hat zu tun mit der territorialen Ausdehnung und Größe diesel Landes. Hierzu legt Mao Tsetung dar, man dürfe nicht dem Beispiel der Sowjetunion folgen, alles in den Händen der Zentralbehörden zu konzentrieren und dadurch die Initiative der lokalen Organe zu erdrücken, sondern müsse sich um deren selbständige Leitung bemühen. Damit unterstellt Mao, die föderierten Republiken der Sowjetunion hätten keinerlei Kompetenz gehabt. Das ist ein Bluff, eine Lüge, denn bekanntlich stellten die Sowjetrepubliken ihre eigenen Wirtschaftsentwicklungspläne, ihre Industrie- und Ladwirtschaftspläne usw. auf, natürlich in enger Verbindung mit den Zentrum. Wenn man also behauptet, die Republiken der Sowjetunion hätten nicht, wie das bei den Provinzen Chinas der Fall sein mag, ihre eigenen Kompetenzen gehabt, dann heißt das, den Sozideismus zu verunglimpfen, der dort zur Zeit Stalins aufgebaut wurde, dann bedeutet das, dass man zu erzählen versucht, Organisation, Leitung, Ideologie und Politik in China seien auf einem höheren Stand als in der Sowjetunion, die leninistische Praxis des ökonomischen Aufbaus des Sozialismus in der Sowjetunion sei (Maos Meinung) nicht richtig, weil diese leninistische Praxis von Stalin entstellt worden sei! Doch wir wissen, dass Stalin getreulich die ökonomische, organisatorische und ideologische Politik Lenins angewandt hat, dass im Verlauf dieser ganzen kolossalen Arbeit auch Fehler vorgekommen sind, ist nicht auszuschließen. Mao Tsetung selbst sagt, dass auch in China Fehler gemacht worden sind. Wenn aber die Rede auf die Sowjetunion kommt, bläht er diese Fehler mächtig auf, übertreibt sie sogar dermaßen, dass offensichtlich wird, dass es ihm darum geht, das richtige System des sozialistischen Aufbaus zur Zeit Stalins schlechtzumachen.

Es ist absurd zu behaupten, zur Zeit Stalins habe es in der Sowjetunion seitens der lokalen Organe keine Initiative gegeben. Will Mao Tsetung mit dieser Behauptung die Rolle des demokratischen Zentralismus schmälern und schwächen und den Weg der titoistischen «Selbstverwaltung» rechtfertigen? Wir vergessen nicht Mao Tsetungs Schwäche für Tito. Wenn Mao Tsetung annimmt, Stalin habe Tito gegenüber Fehler gemacht, so heißt dies, dass er die Methoden der «Selbstverwaltung» der jugoslawischen Wirtschaft billigt, d.h. die Methoden der titoistischen revisionistischen «Selbstverwaltung». Diese «Selbstverwaltung» möchte Mao fortschreitend auch in China einführen. Er versäumt es auch nicht, über die Besonderheiten zu sprechen. Es ist interessant, was die Chinesen sagen: sie wollten einen spezifischen Sozialismus aufbauen. In dieser Frage treffen sie sich mit Tito, der seit langem vom Aufbau des «spezifischen Sozialismus» schwatzt. Hier geht es nicht nur um den Begriff, den die Chinesen verwenden, sondern auch um den Inhalt, darum, dass darin auch die Erfahrung à la Tito einbezogen wird.

Im sechsten Punkt spricht Mao von den Beziehungen zwischen der Han-Nationalität und den nationalen Minderheiten, die in China leben. Man kann in der Theorie über die Gleichberechtigung der Nationen reden, soviel man will, in Wirklichkeit herrscht in China doch die Han-Nationalität. In den Beziehungen zwischen den Nationalitäten behielt und wahrt die Han-Bevölkerung ihre Vorrangstellung, sie dominiert und gebietet über die anderen Nationalitäten, ungeachtet der abgedroschenen, demagogischen Formeln, derer man sich bedient. Der Zustand in den Beziehungen zwischen der russischen Nationalität und den nationalen Minderheiten war zur Zeit Stalins nicht so, wie Mao unterstellt. Fehler gab es, doch nicht so, wie er behauptet. In China gibt es keine Demokratie und Gleichberechtigung unter den Nationalitäten. Dort existiert, wie in früheren Zeiten, eine Militärdiktatur. Die Fraktion jener Nationalität, die die Armee auf ihrer Seite hatte, zwang den Volksmassen und der Partei ihren Willen auf. Also steht dort an der Spitze der Partei die Armee, und an der Spitze des Staates steht ebenfalls die Armee.

Im siebten Punkt, im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen der Partei und den Parteilosen, steht Mao Tsetung vollständig auf der revisionistischen, opportunistischen Linie. Der kommunistischen Partei räumt er nicht die Spitzenstellung, die Führung ein, er gibt zu verstehen, sie habe die Führung inne, wolle und befürworte aber, dass die Macht mit den Parteien der Bourgeoisie geteilt werde. Mao tritt also für den Parteienpluralismus bei der Leitung des proletarischen Staats ein. Er betrachtet die Existenz dieser Parteien aus vielerlei Gründen als notwendig: weil sie Kritik an der Kommunistischen Partei Chinas üben können; weil man von ihnen viel lernen kann; um alles aufzudecken, was unter der Hand organisiert und getan wird, usw. Die Existenz dieser Parteien betrachtet er als maßgebenden oder, besser gesagt, unabdingbaren Faktor für den Aufbau des Sozialismus in China.

Damit stellt sich Mao in Widerspruch zu Lenin, der natürlich nicht zugelassen hat, dass andere Parteien als die bolschewistische den Sowjetstaat leiteten. Die Verankerung des Systems vieler Parteien in der Führung zu billigen, bedeutet also, sich von anti-marxistischen ideologischen Ansichten leiten zu lassen. In diesem Kapitel versucht Mao, diese Parteien auf ein paar Leute zu reduzieren, auf einige Führer, die «hier und da Kritik üben oder den Beschlüssen der Kommunistischen Partei Chinas zustimmen». Hier geht es nicht um einige fortschrittlich demokratische Individuen, die auch von der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, auch von unserer Partei und allen anderen Parteien in der Front akzeptiert wurden, die man heranzog und mit denen man sich beriet, wenn es notwendig war. Mao Tsetung legitimiert vielmehr die Existenz bürgerlicher Parteien in der Führung des proletarischen Staats. Mit dieser seiner These erklärt er, dass die «demokratischen Parteien» angeblich «Produkte der Geschichte sind» und dass «alles, was in der Geschichte entsteht, im Lauf der Geschichte auch wieder verschwindet». Für die Marxisten-Leninisten ist klar, dass jede Partei die Interessen bestimmter Klassen und Schichten vertritt; welchen Sinn hat es demnach, im Sozialismus Parteien beizubehalten, die die Interessen der Bourgeoisie vertreten? Das bedeutet, dass man keinen Klassenkampf führt, nicht für die hegemonische Rolle des Proletariats und seiner Partei kämpft.

Diese sogenannten demokratischen Parteien bis hin zur Kuomintang werden laut Mao verschwinden, so wie auch die kommunistische Partei verschwinden wird. «Es wird uns sehr angenehm sein», sagt er, «wenn die kommunistische Partei und die Diktatur des Proletariats verschwinden.»

Mao versäumt nicht zu sagen, gegenwärtig seien die Diktatur des Proletariats und die Partei des Proletariats unentbehrlich. Er betont dies und spricht davon, die Partei müsse stark gemacht werden, beruft sich dabei sogar auf Lenin, doch dies geschieht, nachdem er sein Gift schon verspritzt hat. Lenin hat festgestellt, dass man ohne Partei des Proletariats und ohne Diktatur des Proletariats nicht auskommt, er hat auch erläutert, wozu diese Diktatur dient. 1920 sagte Lenin:

«Wer die eiserne Disziplin der Partei des Proletariats (besonders während seiner Diktatur) auch nur im geringsten schwächt, klär hilft faktiscli der Bourgeoisie gegen das Proletariat.»* *( Lenin, Werke, Bd. 31, S. 33 (alb. Ausgabe).)

Ebenso sagte Stalin:

«Es genügt, die Partei nur ein wenig ins Wanken zu bringen, sie zu schwächen, und sofort wird auch die Diktatur des Proletariats ins Wanken geraten und geschwächt werden.»* *( Stalin, Werke. Bd. 7, S. 317 (alb. Ausgabe))

Im achten Punkt, wo von der Beziehung zwischen Revolution und Konterrevolution die Rede ist, erklärt Mao Tsetung, die Diktatur des Proletariats sei für die Unterdrückung der Konterrevolution und der Konterrevolutionäre erforderlich, doch leider hätschelt er die Konterrevolutionär. Er gibt zu: «Zu Beginn haben wir eine Anzahl Konterrevolutionäre hingerichtet, mehr sollten jedoch nicht hingerichtet werden, sie sollten nicht verhaftet, nicht verurteilt, sondern überzeugt, aufs Land geschickt werden, um sie durch Produktionsarbeit umzuerziehen»usw. usf. «Wir dürfen die Todesstrafe nicht abschaffen», sagt Mao «sie in der Praxis aber auch nicht anwenden!» Was ist das? Das ist nicht Klassenkampf. Mit dieser Einstellung wird die Konterrevolution nicht beseitigt, werden die Ausbeuterklassen nicht beseitigt.

Doch hierzu lehrt Lenin unter anderem, man müsse gehen

«...bis zur völligen Vertreibung oder läternierung der gefährlichsten und lautnäckigsten Ausbeuter, ihrer strengen Cyberwachung zwecks Bekämpfung der unausbleiblichen Versuche, Widerstandzug leisten und die kapitalistische Sklaverei wiedereinzuführen - nur solche Maßnahmen sind geeignet, die tatsächliche Unterwerfung der ganzen Ausbeuterklasse zu gewährleisten»* *( Lenin, Werke, Bd. 31, S. 201 (alb. Ausgabe))

An den Thesen von Maos «Dekalog» muss viel gekürzt worden sein, wurde doch einige Monate nach dem 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas ausdrücklich davon gesprochen, die Fabrikbesitzer müssten Renditen erhalten und zu Vizedirektoren der Fabriken gemacht werden. Diese Anschauung wird in dieser ganzen These Mao Tsetung: sichtbar. Er behält die kapitalistischen Reaktionäre in der Leitung der Fabriken, die ihr Eigentum gewesen sind, spricht ihnen Einkünfte aus diesen Fabriken zu, die verstaatlicht worden sind, aber dennoch teilweise als ihnen gehörig betrachtet werden, und vergisst dabei, dass sie diese Fabriken durch die Ausbeutung des Blutes und Schweißes der Arbeiter errichtet und ausgebaut haben. Das soll Klassenkampf sein? Nein, das ist ganz und gar nicht Klassenkarnpf. Diese ehemaligen Eigentümer müssen nach Mao Tsetung in der Gesellschaft aufgehen, in die Gesellschaft einbezogen, in der Geseffichaft erzogen werden. (Das heißt, sie sollen in den Sozialismus integriert werden. Von der Integrierung des Kapitalismus in den Sozialismus reden die bürgerlichen und revisionistischen «Theoretiker heute viel, die Titoisten, die «Eurokommunisten» und andere.) «Das wäre eine sehr gute Sache», bekräftigt Mao, «aus vielerlei Gründen, einer davon ist, dass wir (die Chinesen damit dem Ausland ein gutes Beispiel geben.» (Ein «schönes» Beispiel, wie man die Volksfeinde nicht bekämpft!)

Lenin denkt da ganz anders. Er sagt:

«Und den Kampf gegen dies Element kann man nicht allein durch Propaganda und Agitation, nicht allein durch Organisierung des Wettbewerbs, nicht allein durch Auslese von Organisatoren führen - man muss den Kampf auch durch Zwang führen.»* *( Lenin, Werke, Bd. 27, S. 205 (alb. Ausgabe))

Und noch einmal Lenin betonte zu diesem Problem:

«. . . jeder Gedanke an eine friedliche Unterordnung der Kapitalisten unter den Willen der Mehrheit der Ausgebeuteten, an einen friedlichen Übergang zum Sozialismus durch Reformen [ist nicht nur ein Beweis extremen spießbürgerlichen Stumpfsinns, sondern auch ein direkter Betrug an den Arbeitern. . . »* *( Lenin, Werke, Bd. 31, S. 201 (alb. Ausgabe))

Eine weitere Ansicht Maos ist, man verliere auch eine Informationsquelle, wenn man die Kapitalisten beseitige, wisse also nicht, was bei ihnen im Gange sei. Welch «geniale» Schlussfolgerungen, um den Klassenkampf einzustellen! Tschou En-lai, der uns vorwarf, wir führten keinen Klassenkampf, versuchte uns dazu zu bewegen, ebenfalls einen solchen «Klassenkampf» zu führen! Die Absicht dabei war, zu sehen, wie weit wir gingen in diesen Kampf, ob wir es mit der Linie Mao Tsetungs hielten, den Klassenkampf einzustellen, oder mit dem leninschen und stalinschen Weg der scharfen Entfaltung dieses Kampfes.

Mao pflegte in der Kommunistischen Partei Chinas seinen Kult und wandte die großen Lehren des Marxismus-Leninismus nicht an - weder über den Klassenkampf noch über die eiserne proletarische Disziplin, noch über die Diktatur des Proletariats. Die Kommunistische Partei Chinas wuchs heran, wurde geformt in liberalen, reformistischen Normen, in zwei oder mehr Linien. Die Grundthesen des Marxismus-Leninismus sind also für Mao und die Kommunistische Partei Chinas fiktiv.

Leute wie Mao Tsetung werfen Stalin vor, er habe im Zusammenhang mit dem Klassenkampf Fehler gemacht, während sie doch selbst beteuern, im Sozialismus schwäche sich der Klassenkampf immer mehr ab. Mao Tsetung spricht sogar ganz offen davon, man solle den Klassenkampf nicht führen, die Verbrecher nicht hinrichten, die gefährlichen Feinde nicht erschießen, niemand ins Gefängnis werfen. Stalin dagegen verfuhr niemals so. Er führte in der Praxis weiter hart, entschlossen und bis zuletzt den Kampf gegen die Volksfeinde. Um die Konterrevolution reinzuwaschen, zu verteidigen, führt Mao Tsetung fünf, sechs Gründe an und bemüht sich, mit ihnen «zu beweisen», dass sein Kurs richtig, marxistischleninistisch sei.

Mao möchte die Gewalt, die Todesstrafe, die Gerichte und Staatsanwaltschaften abschaffen, damit die Konterrevolutionäre ohne Strafe davonkommen. Er predigt ausschließlich Erziehung und Propaganda. Wo gibt es hier Klassenkampf bei Mao? Wo existiert in seinen Anschauungen und in seiner Praxis die Diktatur des Proletariats ?

Im neunten Punkt pricht Mao über die Beziehungen zwischen richtig und falsch. Worauf will er dabei hinaus? Auch hier versucht Mao, Stalin zu attackieren. Er sagt: «Stalin hat Leute für den geringsten Fehler hinrichten lassen». Das ist eine Verleumdung. Stalin ließ Leute nicht hinrichten, weil sie Fehler gemacht hatten, im Gegenteil, er kämpfte darum, Menschen, die Fehler gemacht hatten, zu bessern, und es gibt Dokumente, die belegen, dass dies wahr ist. Stalin gab die Richtlinie aus, Übeltäter ins Gefängnis oder in Straflager zu stecken und die Konterrevolutionäre, Verräter, Agenten und andere Feinde des Volkes, wenn sie besonders gefährliche Verbrechen begangen hatten, zu erschießen. Hätte er dies nicht getan, hätte der Sozialismus in der Sowjetunion nicht aufgebaut werden können, hätte Stalin nicht den leninistischen Weg gehen können. Mao Tsetung steht im Gegensatz zu dieser Linie. Er verallgemeinert die Frage und behandelt diejenigen, die keine sehr gefährlichen Verbrechen begangen haben und keinesíalls hingerichtet werden dürfen, genauso wie die Konterrevolutionäre. Wer sagt, man müsse Leute hinrichten, die keine schwere Verbrechen begangen haben? Niemand. Im Gegenteil, wir sind dafür, solche Leute zu bessern, und so sind wir verfahren.

Der zehnte und letzte Punkt des «Dekalogs» dreht sich um die Beziehungen zwischen China und anderen Ländern. Diese Beziehungen, wie er sie erläutert und zur These erhebt, sind opportunistische, revisionistische Beziehungen. Sie sind darauf angelegt, die Anwendung einer richtigen revolutionären Linie in China zu verhindern, ' mit der dem Weltproletariat und der Weltrevolution, den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien geholfen wird, erfolgreich gegen die Bourgeoisie, gegen den Kapitalismus und den modernen Revisionismus zu kämpfen. Tatsächlich ist Mao ein moderner Revisionist wie die Sowjetrevisionisten, die Titoisten und die anderen.

Über die Außenpolitik Chinas heißt es in den berühmten Thesen Mao Tsetungs: «Unsere Politik ist es, von den Vorzügen aller Nationen und aller Länder zu lernen und uns alles anzueignen, was in ihrer Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Literatur und Kunst wirklich gut ist.» Das ist seine ganze Politik. Um dies tun zu können, muss nach Mao Tsetungs Meinung die (revisionistische) friedliche Koexistenz mit allen Staaten der Welt hergestellt werden. Für Mao gibt es keine Unterschiede zwischen diesen Staaten. Später teilte Mao Tsetung die Welt in drei Teile und war für die Strategie der «drei Welten», wobei er die sozialökonomische Ordnung, wie sie in dem einen oder anderen Land besteht, ignorierte. Er ist überhaupt gegen gar keine «Welt». Auch in der «ersten Welt», in die Mao den amerikanischen Imperialismus und den sowjetischen Sozialimperialismus steckt, nimmt er keine Differenzierung vor. Heute ist er für den amerikanischen Imperialismus, morgen mag er gegen ihn sein; heute ist er gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, morgen mag er für ihn sein. Er laviert also je nach den Umständen, so wie es die revisionistischen Interessen des chinesischen Staates erfordern, und handelt nicht auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Prinzipien, denkt nicht daran, dass die imperialistischen Mächte bekämpft werden müssen und der nationale Befreiungskampf der Völker unterstützt werden muss.

Den nationalen Befreiungskampf der Völker kann Mao Tsetung mit dieser Linie nicht verteidigen. Demagogie kann er betreiben, er kann erklären: «Wir, die Chinesen, halten zu den Völkern der dritten Welt.» Doch das sind nur Worte. Solange er die genannte Taktik formuliert, solange er es mit dem amerikanischen Imperialismus hält, mit dem er es nicht verderben will, weil er von ihm «lernen», Kredite, offene oder verschleierte, beziehen muss, solange kann Mao Tsetung nicht auf der Seite der Völker der sogenannten dritten Welt stehen, die gegen den amerikanischen Imperialismus kämpfen, kann er ihnen nicht helfen, dem Joch dieses Imperialismus zu entrinnen. Demagogisch bemüht er sich, als Verteidiger der Staaten aufzutreten, die unter dem Einfluss des sowjetischen Sozialimperialismus stehen, doch damit will er sie nur unter den Einfluss entweder Chinas oder der Vereinigten Staaten von Amerika bringen.

Im Zuge einer antimarxistischen Strategie willigte Mao in Nixons Besuch in China ein, ohne dass die USA diesen Staat offiziell anerkannt hatten; er ging ebenfalls darauf ein, die Taiwanfrage, die er als stählerne Mauer für jedes Land, das mit China diplomatische Beziehungen aufnehmen wollte, aufgerichtet hatte, als Hindernis für den Besuch des amerikanischen Präsidenten fallen zu lassen. Von da ab überging er Taiwan mit Schweigen. Damit bedeutet er den Vereinigten Staaten von Amerika, sie könnten in Taiwan, in Japan, auf den Okinawa-Inseln, in Birma und sonst wo bleiben, und auf dieser Strategie Maos haben China und die heutigen revisionistischen chinesischen Führer ihre Außenpolitik und ihre Verteidigung aufgebaut. Gewiss, es muss so sein, dass die chinesische Führung einem Verbleiben der Amerikaner auch in Südvietnam, einer Beendigung des Kriegs und einer Freundschaft der Vietnamesen mit den Amerikanern zugestimmt hatte. Dies muss der Grund für die Widersprüche sein, die zwischen den Chinesen und den Vietnamesen auftraten, die einmal offen erklärt hatten: «Wir (die Vietnamesen) dulden nicht, dass sich irgendein anderer Staat in unsere inneren Angelegenheiten einmischt...»

Mao Tsetung bezichtigt Stalin des linken Abenteurertums, er beschuldigt ihn, starken Druck auf China und die Kommunistische Partei Chinas ausgeübt zu haben. Stalin hat wohl kein Vertrauen in die Führung der Kommunistischen Partei Chinas gehabt. Als China befreit wurde, äußerte Stalin den Verdacht, die chinesische Führung werde den titoistischen Weg gehen. Wirft man einen Blick auf alle wesentlichen Prinzipien der revisionistischen Linie Mao Tsetungs, dann kann man zu allem, was er gegen Stalin vorbringt, getrost sagen, dass Stalin wirklich ein großer Marxist-Leninist war und richtig voraussah, wohin China gehen würde, beizeiten sah, was Mao Tsetung für Ansichten hatte, dass er sie in vielerlei Hinsicht als revisionistische, titoistische Ansichten beurteilte - sowohl in der internationalen als auch in der Innenpolitik, in bezug auf den Klassenkampf, die Diktatur des Proletariats, die friedliche Koexistenz zwischen Ländern mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen usw.

Mit der Veröffentlichung dieses «Dekalogs» wollen Hua Guo-feng und Konsorten ihre revisionistische Linie, ihre konterrevolutionäre Tätigkeit, den Abbruch der Kulturrevolution legalisieren, denn sie glauben, so leichteres Spiel zu haben, auch wenn die Kulturrevolution in China, wie ich schon früher geschrieben habe, nicht auf revolutionären, sondern auf opportunistischen Grundlagen stand. Sie war der Kampf einer opportunistischen Gruppe mit Mao Tsetung an der Spitze gegen eine andere opportunistische Gruppe, an deren Spitze Liu Schao-tschi, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen und andere standen, die die Macht usurpiert hatten. Mao Tsetung wurde von der gegnerischen Gruppe in Gefahr gebracht, seine Person sollte auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden, so wie Mao es dann mit Liu Schao-tschi tat. Mao verstand es, den Kult um ihn auszunutzen, der ins Maßlose gesteigert worden war, obwohl er, was den Kult anbelangt, die anderen beschuldigte, Großmäuler zu sein. Diese Großmäuler, das sind nach Mao Stalin und seine Genossen. Mao Tsetung profitierte also von dem maßlosen Kult, der Zeit seines Lebens um seine Person getrieben wurde, mobilisierte die Armee. stützte sich auf sie und die Schuljugend und löste die sogenannte Kulturrevolution aus. Doch auch bei dieser Revolution verhinderte er, dass sie zu Ende geführt wurde, brachte sie doch all die opportunistischen Kader in Gefahr, die zur Gruppe Liu Schao-tschis und Tschou En-lais gehörten, gefährdete sie doch auch Mao Tsetung selbst. Deshalb warf er nach einiger Zeit das Steuer herum, unterstützte die Rechten und brachte Tschou En-lai an die Macht, der seine Pläne ausarbeitete und zur Anwendung brachte.

Während dieser Zeit erkannten junge Elemente, die im Verlauf der Kulturrevolution hervorgetreten waren, insbesondere die «Vier», die von Hua Guo-feng jetzt «Verräter» genannt werden, diesen schrecklichen Abgrund, auf den jene China zutrieben, und versuchten, auf ihre Weise und mit ihren Methoden, die, wie es scheint, nicht sehr überlegt und ausgereift, vielleicht auch nicht vollkommen richtig, aber dennoch mehr oder weniger revolutionär waren, dieser feindlichen Tätigkeit, die China zum Sozialimperialismus führte, Schranken zu setzen. Nach Maos Tod gelang es den Rechten, die Macht zu übernehmen. Sie gingen sofort, mit einem Schlag, wie sie sagen, gegen die Linken vor und unterdrückten die Revolution. Also erstickten die Konterrevolutionäre, die von Mao Tsetung und seinen Anhängern in die Partei und die Staatsmacht gebracht worden waren, die Revolution in China.





FREITAG, 31. DEZEMBER 1976





DIE CHINESISCHE STRATEGIE IST DABEI, EIN FIASKO ZU ERLEIDEN

Nichts, keine anti-marxistische Handlung der Chinesen, darf uns verwundern. Wir beurteilen das Denken und Handeln der Kommunistischen Partei Chinas, ihres Zentralkomitees und Mao Tsetungs im marxistisch-leninistischen Licht, das unsere Partei erleuchtet. Doch nichts, was von ihnen kommt, liegt auf dem Kurs unserer Theorie, denn die Kommunistische Partei Chinas lässt sich nicht von der marxistisch-leninistischen Theorie leiten.

Wie ich schon verschiedentlich gesagt und geschrieben habe, ist dies eine Krankheit, von der die Kommunistische Partei Chinas schon in der Anfangsphase ihrer Tätigkeit befallen wurde. Mit Fehlern begann sie diese Tätigkeit und mit Fehlern setzt sie sie nun fort, Fehlern auch in den Grundfragen der marxistisch-leninistischen Theorie, obwohl über diese Tätigkeit offiziell nichts Schriftliches vorliegt. Man spricht von Fraktionskämpfen, die in ihren Reihen stattfanden: jede Fraktion kritisierte und beschuldigte die andere; die eine gab sich «pro Komintern», die andere nicht; die eine behauptete, sie ließe sich «von der Ideologie der Arbeiterklasse leiten» und betrachtete diese Klasse als Führerin der proletarischen Revolution, die andere schrieb diese führende Rolle der Bauernschaft zu usw.

Diese Probleme wurden von der Kommunistischen Partei Chinas niemals wissenschaftlich, vom Standpunkt der marxistischleninistischen Theorie aus analysiert, sie wurden nicht wirklich unter den Bedingungen Chinas gesehen. Auch wenn sie es wären in diesen sogenannten Analysen herrschen die Agitation und Propaganda in leeren und stereotypen Phrasen vor, idealistisch, sophistisch in Form und Inhalt, ähnlich dem alten Stil der idealistischen, mystischen buddhistischen Schriften, wo der Kult jener Person betrieben und übersteigert wird, die die Fraktion «geistig» führt und leitet.

Eine solche Fraktion war auch die Maos, über die wir uns nicht äußern können, weil wir nicht viel Genaues wissen, weil wir nicht wissen, warum er mehrmals aus der Partei ausgeschlossen wurde. Wir wissen, dass Mao sich von der Partei trennte, sich ihr wieder anschloss, aus ihr ausgeschlossen, dann wieder in sie aufgenommen und erneut ins Zentralkomitee gewählt wurde, den «Langen Marsch» unternahm. Dieser Marsch ging in die Geschichte ein, und hier beginnt Maos Legende. Er ging nach Yenan und bildete dort die «Sowjet»macht Yenans. Doch wie bildete er sie? Mao handelte wie ein Linksradikaler, legte seinem Vorgehen eklektische «marxistische» Ansichten, falsche Ansichten über den Klassenkampf und die künftige Macht zugrunde. Man könnte den Begriff «sowjetisch» so verstehen, als sei es ihm dabei um die «Räte» als Organe der Diktatur des Proletariats gegangen. Wie sich jedoch später herausstellte, war diese «revolutionäre Volksmacht» Mao Tsetungs «die Macht der Arbeiter, der Bauern, des Kleinbürgertums und der mittleren Bourgeoisie». In dieser zusammengewürfelten Macht war jede Klasse mit ihrem Stern in der Nationalflagge vertreten. Diese Macht entwickelte sich niemals, wurde niemals Diktatur des Proletariats, weder de facto noch de jure, obwohl in Worten und in der Propaganda davon die Rede war und ist, sie sei die Diktatur des Proletariats.

Die Macht in China konnte keine Diktatur des Proletariats sein und ist es nicht, denn diese hat unter anderem die Funktion: die Ausbeuter, die Konterrevolutionäre, die Klassenfeinde und die Feinde des Sozialismus zu unterdrücken, eine Funktion, die in China nicht erfüllt wurde. Nicht nur, dass Mao, im Widerspruch zu den Thesen von Marx und Lenin, die Restauration des Kapitalismus in China nicht bekämpfte, nicht nur, dass er diese Restauration billigte, er bereitete sie mit seiner anti-marxistischen Theorie sogar vor.

Doch warum geschah dies? Dies geschah, weil Mao, der kein Marxist gewesen ist, weder auf eine wahre marxistisch-leninistische Partei hingearbeitet, noch eine wahre marxistisch-leninistische Partei aufgebaut und gestählt hat. Die Kommunistische Partei Chinas ist keine Partei der Arbeiterklasse sie führt nicht die Diktatur des Proletariats. Eine solche Diktatur gibt es in China nicht. Die Macht in diesem Land ist eine fortschrittliche bürgerlich-demokratische Macht und wird, wie Mao bestätigt, «von einer Koalition von Parteien mit unterschiedlichen politischen und ideologischen Anschauungen geführt».

In Bezug auf diese Schlüsselprobleme der marxistisch-leninistischen Theorie - die Diktatur des Proletariats, die Führung durch die Arbeiterklasse und ihre Vorhut, die Kommunistische Partei, den Klassenkampf - verfolgt Mao Tsetung also einen opportunistischen, revisionistischen Kurs, ist er ein Sozialdemokrat. Dieser Kritiker Stalins ist für die Integration der Bourgeoisie und der Kulaken in den Sozialismus, er ist ein neuer Bucharin, der sich mit angeblich marxistischen Formeln tarnt. In der Frage der Diktatur des Proletariats formuliert Mao Tsetung, ein neuer Schüler Bernsteins und Kautskys, angeblich marxistische Losungen. In der Frage der Leitung des Landes durch viele Parteien ist er ein bürgerlicher Sozialdemokrat wie alle anderen, und in seinem Handeln tarnt er seine rechten Ansichten mit linken Losungen.

Mao Tsetung führte den nationalen Befreiungskampf des chinesischen Volkes auf der Grundlage dieser dem Anschein nach marxistischen, im Kern aber nicht-marxistischen Prinzipien. Der Kampf des chinesischen Volkes gegen die Besatzer war ein gerechter Kampf, vergleichbar freilich dem Kampf des algerischen Volkes gegen die Franzosen. Das algerische Volk führte einen entschlossenen Befreiungskampf unter Führung der bürgerlichen Nationalisten, während der Kampf des chinesischen Volkes geführt wurde von der fortschrittlichen Bourgeoisie und unklaren, schwankenden Kommunisten, unentschlossen in Bezug auf die Prinzipien und Normen einer wahrhaft marxistisch-leninistischen Partei, die diese Prinzipien und Normen unter den Bedingungen des Landes korrekt anwendet. Es geht hier um die Grundprinzipien, auf die ich oben hingewiesen habe, denn was die Bündnisse mit demokratischen, fortschrittlichen und nichtkommunistischen Elementen anbelangt, so ist dies ein weiteres großes Problem für den Sieg. Doch die Rolle der Kommunistischen Partei Chinas durfte nicht verdunkelt werden, sie durfte die Führung nicht mit anderen Parteien teilen, wie Mao dies in seinem «Dekalog» vom April 1956 befürwortet. Dieser ganze Strauß von sogenannten marxistisch-leninistischen Theorien Mao Tsetungs wurde auf eklektische Weise, je nach Anlass, Bedarf und Situation angewandt und propagiert.

Mao Tsetung und seine Genossen haben im Verlauf von 50 Jahren eine Strategie und Taktik nicht des Triumphs der Revolution unter dem Banner des Marxismus-Leninismus, sondern des Triumphs eines Chinas als Weltgroßmacht entwickelt.

In Vergangenheit und Gegenwart ist in China nach kleinbürgerlichen Anschauungen verfahren worden. In der chinesischen Linie gibt es einen ständigen Zickzack, die Strategie der Partei war unbeständig, ihre Politik wies Ebbe und Flut auf, und man ging an diese Fragen nicht so heran, wie die marxistisch-leninistische materialistische Dialektik sie stellt.

Die chinesischen Bündnisse auf auswärtiger Ebene waren sowohl während des Krieges als auch danach, als die Volksmacht errichtet wurde, niemals beständig. Was wichtig ist, diese Bündnisse hatten keine prinzipienfesten, revolutionären Grundlagen, sondern waren von scheinheiligen Winkelzügen gekennzeichnet, von konjunkturbedingten Schwenks, aufbauend auf der Idee, China als großen Staat zu stärken! China, einst - zur Zeit Stalins - Freund der Sowjetunion, wurde, als die Chruschtschowianer die Macht ergriffen, auch zu deren Freund und dann, als es von ihnen keinen Nutzen hatte, zum Freund der Amerikaner. Morgen mag es sich wieder mit den Sowjets vereinigen, und es wird sich in noch stärkerem Maß auch mit den Titoisten zusammentun.

Die chinesische Kulturrevolution war ein Fraktionskampf zwischen der Gruppe Maos und der Liu Schao-tschis. Weder die Arbeiterklasse noch ihr Verbündeter, die Bauernschaft, und vor allem nicht deren Führung, die Kommunistische Partei Chinas, nahmen daran teil, begriffen ihre Rolle. Sie wurden weder von der einen noch von der anderen Fraktion in Bewegung versetzt. Die entscheidende Rolle in dieser Revolution spielte die Armee, die zu Lin Biao und Mao hielt.

Die sogenannte Kommunistische Partei Chinas war keine Partei der Revolution, denn dazu war sie auch gar nicht erzogen. Sie war mehr eine «Bauernpartei», die traditionsgemäß abwartete, wer mit Hilfe der Militärmacht die Oberhand gewinnen würde.

Maos Fraktion siegte, doch sie bremste die «Revolution» auf halbem Weg, verhinderte die revolutionäre Gewalt, denn es gab keine Diktatur des Proletariats. Mao arbeitete gemeinsam mit Tschou intensiv daran, den alten Zustand wiederherzustellen und die Positionen des Clans auf ihrem Kurs zu festigen. Sie schalteten Kang Schenk aus, liquidierten Lin Biao und Tschen Bo-da und trafen zugleich Vorbereitungen, auch das «Dornengestrüpp» wegzuräumen, das ihre Schritte noch hemmte: die «Viererbande», wie sie sie nennen.

Mit dem Tod Tschou En-lais und Maos verlor der Clan die Hauptführer. Das Land und der Clan blieben ohne Kopf und stürzten in ein großes Chaos. Die übrig geblieben sind, lassen sich vom Schatten der Toten, von einer anti-marxistischen Ideologie leiten, innerhalb und außerhalb des Landes. Die reaktionäre Strategie Maos und Tschous erlitt und erleidet ein Fiasko. Beide manövrierten, Mao mit dem unverdienten «Prestige» des «Patriarchen» und Tschou mit seinen Teufeleien vor und hinter den Kulissen.

Die neuen Revisionisten, die an die Spitze von Partei und Staat in China getreten sind, schwimmen weiter im sozialdemokratischen Sumpf, in dem sie immer tiefer und tiefer versinken. Sie meinen, ihre marxistische Maske werde ihnen nicht vom Gesicht gerissen, doch sie sind dabei, sie sich selbst herunterzureißen. Sie meinen, das «Prestige» Maos und Tschous werde sie aus dem Sumpf herausbringen, glauben, Chinas Potential sowohl nach Territorium als auch nach Bevölkerung werde den Marxisten-Leninisten, den Revolutionären und den fortschrittlichen Völkern imponieren. Doch sie werden sich entlarven, werden scheitern, werden Maos und Tschous anti-marxistische Linie bis zum Äußersten treiben und China beschleunigt auf den Weg eines kapitalistischen bürgerlichen Staates führen. Dies wird mit Sicherheit geschehen, wenn die Elemente dieser Gruppe, dieser konterrevolutionären Fraktion nicht gestürzt werden, wenn die «Ställe» Maos und Tschous nicht mit eisernem Besen ausgemistet werden, doch diesmal durch eine wahrhaft grosse proletarische Revolution, geführt von einer wahrhaft marxistischleninistischen kommunistischen Partei, durch eine eiserne Diktatur des Proletariats und durch einen Klassenkampf, wie ihn Marx, Engels, Lenin und Stalin lehren. Dies ist Chinas einziger Ausweg.

Der Weg Maos, Tschous, Dengs und Hua Guo-fengs ist der Weg des Kapitalismus, der Weg der Reaktion und des Sozialimperialismus.

Die Mythen und Kulte um Mao und um Tschou müssen bis in die Fundamente niedergerissen werden, denn nur so wird sich China aus den kapitalistischen Klauen retten. Die chinesischen Verräter, die die Macht übernommen haben, wollen die Lage konsolidieren; die chinesischen marxistisch-leninistischen Revolutionäre müssen mit der Waffe in der Hand kämpfen, sie dürfen keine Angst vor der Revolution haben. Dies ist der einzige Weg zu Chinas Rettung.















1977









SONNTAG, 2. JANUAR 1977



EIN TREFFEN, DAS NUR FÜNF MINUTEN DAUERTE

Unser Botschafter in Peking berichtet uns, dass er, nachdem er im Zuge der Gegenseitigkeit um ein Treffen mit Li Hsiän-niän ersucht hatte, um ihm das Antwortschreiben unseres Zentralkomitees auf ihren Protest (wir hätten angeblich Maos Strategie angegriffen) zu übergeben, nach zwei Tagen von Geng Biao anstatt von Li empfangen wurde.

Der Botschafter sagte zu ihm: «Wünscht ihr, dass ich euch das Schreiben vorlese, so wie ihr verfahren seid, oder wollt ihr es selbst lesen?»

«Gib her», sagte der Revisionist Geng Biao zu ihm.

Das alles dauerte nur fünf Minuten.





MONTAG, 3. JANUAR 1977





WIE ES SCHEINT, WIRD DIE PRO-AMERIKANISCHE FRAKTION IN CHINA SIEGEN

Die Mauern an den Straßen sind vor allem in Peking mit Dazibaos bedeckt, durch die Druck auf Hua Guo-fengs Gruppe ausgeübt wird, Deng Hsiao-ping vollständig zu rehabilitieren und ihm die Funktionen des Ministerpräsidenten, des stellvertretenden Parteivorsitzenden und des Generalstabschefs zu übertragen. Nicht mehr, nur alle zentralen Schlüsselpositionen in China! Mit anderen Worten, alle Machtbefugnisse seines Herrn Tschou En-lai, der ihn rehabilitierte und als seinen Nachfolger aufbaute. Wäre Mao vor Tschou gestorben, hätte dieser, als der Zweite, seinen Platz eingenommen und der Dritte, Deng, den Platz des Zweiten. In diesem Fall wäre alles in Butter gewesen, der Widerstand ihrer Gegner wäre unterdrückt worden. Die Verschwörung und den Schlag zu diesem Zweck hatten Tschou, Deng und Hua Guo-feng schon geraume Zeit vorbereitet. Bei dieser «Wachablösung» wurden weder die Partei noch das Zentralkomitee, noch der Parteitag in Rechnung gezogen. Diese Organe waren und sind für die Chinesen nur Fassade.

Doch die Ereignisse nahmen einen anderen Lauf, zwei starben, der dritte wurde ausgeschaltet, während Hua Guo-feng, Mitverschwörer und Innenminister, rasch handelte, die Gegner verhaftete, sich selbst zum Chef ernannte und les rouages* *( das Räderwerk (frz. im Original).) der Verschwörung in Gang setzte. Doch das konnte nicht lange gut gehen, denn «die Köpfe kühlten sich ab» und handelten nicht mehr einheitlich. So begannen die Fraktionen getrennt zu handeln und Forderungen zu stellen. Dieser Zank unter ihnen wird nun und in Zukunft viel schmutzige Wäsche zu Tage fördern. Die Fraktionen sind sich einig, wo es darum geht, die «Vier» auf jede Weise zu verleumden, nicht einverstanden sind sie allerdings mit der Teilung der Macht, wie Hua Guofeng, der in der Hierarchie der Verschwörung ganz am Ende stand, sie möchte. Der dritte in der Hierarchie muss hochgebracht werden, und das ist Deng, über den - als er gestürzt wurde - Mao sagte: «Deng ist kein Marxist-Leninist.» Und auch Hua Guo-feng selbst hatte ihn, als er die Macht übernahm, angegriffen und schwer kritisiert.

Nun steckt die chinesische Führung in einer großen Krise. Das Land steht in Flammen (ausländische Botschafter in verschiedenen Ländern haben unseren Botschaftern gesagt: «In China hat der Bürgerkrieg begonnen. 17 von 27 Provinzen befinden sich in der Revolution.» Die Chinesen selbst geben diese Lage offiziell zu, bagatellisieren sie aber). Innerhalb der heutigen Führung Chinas muss es viele Streitigkeiten geben, muss es Leute geben, die für Mao sind, sogar unter denen, die Mao kritisieren, weil er sich so über Deng äußerte und die «Vier» derart lange tolerierte; es muss auch andere geben, die für Tschou En-lai sind, und zu dieser Gruppe gehört die Mehrheit, denn sie haben nun die Macht in der Hand.

In der Tschou-Gruppe muss es zwei Strömungen geben: eine für Deng und eine für Hua Guo-feng. Auf die Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Gruppen konzentriert sich inzwischen der Fraktionskampf. Diese beiden Linien befinden sich in heftiger Opposition: die Linie Dengs und die Linie Huas, beide rechts, die eine extrem und in einigen Dingen gegen Mao, die andere gemäßigt und in einigen anderen Dingen angeblich für Mao. Die eine Linie fordert die vollständige Rehabilitierung Dengs, während die andere diese akzeptiert, doch erst, «wenn er zuvor Selbstkritik geübt hat und nicht Staatsratsvorsitzender wird».

Sollte Deng die Macht ergreifen, würde man Hua Guo-feng auf einem «Ehren»platz belassen und ihn zur Galionsfigur machen, wie Tschou En-lais Gruppe dies mit Mao tat, dem sie Lobgesänge darbrachte, während er, Mao, hier und da einmal eine Bemerkung fallen ließ oder vom «neunten Himmel» aus, zu dem er emporgestiegen war, ein Gedicht verfasste.

Also findet in China gegenwärtig - und nicht erst jetzt, das ist ständig so gewesen - ein prinzipienloser Kampf um die Macht statt.

Liu Schao-tschi kämpfte um die Macht, Mao kämpfte ebenfalls um die Macht, genauso Lin Biao, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping und schließlich auch Hua Guo-feng - alle haben sie um die Macht gekämpft. Die Prinzipien und die Ideologie sind hierbei nur Masken. Die Partei dort ist gespalten und aus dem Gleis, sie befindet sich im Schlepptau der Propaganda und des Gewehrs. In dieser ganzen Periode von Unruhen, Intrigen und Komplotten haben die Gewehre über die Partei geherrscht und nicht die Partei über die Gewehre. Gehüllt in ein neues Gewand und versehen mit einer trügerischen ideologischen «Politur», machen in China die «Kriegsherren» das Gesetz.

Doch in diesem grossen Chaos von Rivalitäten spielt auch die Politik der beiden Supermächte eine Rolle. Jede nimmt ihre Anhänger in China in Schutz und spiegelt ihnen die «Fata Morgana» eines Auswegs aus dem wirtschaftlichen Chaos und der militärischen Stärkung vor. Meiner Einschätzung nach wird die pro-amerikanische Fraktion siegen, denn die Vereinigten Staaten von Amerika sind in der Lage, China wirtschaftlich und militärisch zu versorgen. Die chinesische Propaganda, die Vereinigten Staaten von Amerika seien «geschwächt», ist verlogen und dient dazu, die ausgiebigen Verhandlungen Chinas mit dem Imperialismus zu tarnen.

Und die Revolutionäre, die Marxisten-Leninisten, jene, die in China die Kulturrevolution machten, was tun sie? Ich glaube, sie zählen nach Millionen. Zur Zeit werden sie gejagt, verfolgt, doch wie stark und wie lange?! Nach dem, was wir hören, ohne es allerdings nachprüfen zu können, zeigen sie sich rührig, leisten Widerstand. Sollte in China die Revolution ausbrechen, so wird sie sich wie ein Lauffeuer verbreiten, wird sie sich nicht so leicht ersticken lassen, und die Rechten werden in Gefahr geraten, denn dies wird eine blutige Revolution sein und keine, wie Mao Tsetung sie predigte.





Zu Teil 5