1975



MITTWOCH, 23. APRIL 1975



DIE CHINESEN ZÖGERN DIE REISE EINER ALBANISCHEN DELEGATION NACH CHINA HINAUS

Die chinesischen Genossen geben noch immer nicht grünes Licht für die Reise unserer Wirtschaftsdelegation auf Regierungsebene nach Peking. Verschiedene Abteilungsleiter zentraler chinesischer Behörden erklärten unseren Genossen: «Wir erwarten eure Delegation Anfang April, oder um den 15. April, oder gegen Ende April.» Aber alle diese Termine fielen ins Wasser. Nun kommt der Mai, und man gibt uns keine Nachricht, zu einer Zeit, da Delegationen jeden Typs, jeder Art und jeder Färbung aus anderen Ländern nach China kommen.

Warum geschieht das? «Wir studieren gerade die Materialien», sagen die chinesischen Genossen, Materialien, die ihnen schon vor fast einem Jahr zusammen mit unseren Ersuchen zugesandt worden sind. Zwei, drei wichtige Delegationen aus der VR China kamen hierher, angeblich um die Ersuchen, die wir an sie gerichtet haben, zu studieren, doch in Wirklichkeit studierten sie die wirtschaftliche Lage unseres Landes, um dann aufgrund ihrer Einschätzung den Kredit zu bewilligen. Sie spendeten uns grosses «Lob» für unsere Fortschritte, für die grossen Erfolge, die wir erreicht haben, für die gute wirtschaftliche Lage usw. Sie sagten uns, sie hätten «viel von der grossen Erfahrung Albaniens profitiert».

Schön und gut, all dieses Lob für uns, doch sie teilen uns noch immer nicht mit, wann unsere Delegation abreisen soll. Darauf warten wir, während sie uns weiter erklären: «Wir studieren gerade die Materialien»!

Der Botschafter der VR China in unserem Land fragte: «Wann wird eure Delegation fahren? Li Djiang, der chinesische Aussendhandelsminister, erwartet sie.» Unsere Genossen antworteten ihm zu Recht: «Wenn uns Peking Nachricht gibt.» Als Li Djiang bei Behar zum Mittagessen war, brachte er all die üblichen Formeln des Lobs für unser Land vor. Nach diesen Lobeserhebungen sagte er: «China hat ein grosses Defizit, China hat keine Devisen, es hat keine Röhren für das Erdöl, seine Industrie ist noch schwach, die weltweite Krise hat auch China betroffen, China hilft der ganzen Welt, es wird den beiden Vietnams helfen, es wird Kambodscha helfen, es wird... sogar Malta helfen, damit dieses nicht unter sowjetischen Einfluss gerät», usw.

Die Schlussfolgerung daraus ist klar: «Albanien muss auf eigenen Beinen stehen», und wie einst Mikojan erklärte uns auch Herr Li Djiang: «Treibt Handel mit den kapitalistischen Staaten, baut eure Beziehungen zu ihnen aus.» Dieser Schuft! Dieser Revisionist! Behar Shtylla blieb ihm die Antwort nicht schuldig. Li Djiang fragte, bevor er sich verabschiedete: «Wann kommt eure Delegation?» Behar antwortete ihm: «Dann, wenn ihr es uns erlaubt.»

In der Haltung der Chinesen uns gegenüber können wir zwei Tendenzen feststellen: Die eine ist die ~politische Tendenz. Wo man in China hinkommt, wen man auch immer trifft, von den einfachen Leuten bis hin zu vielen Kadern, in der Hauptstadt und in der Provinz, Inabesondere in den Betrieben und den Volkskommunen, überall spricht man voll Sympathie, ja sogar mit grosser Liebe über uns. In den hohen Sphären aber ist eine gewisse reservierte, um nicht zu sagen kühle Haltung zu spüren. Die andere Tendenz ist die in den Wirtschaftsbeziehungen. Was die wirtschaftlichen Fragen anbelangt, können wir nicht sagen, dass uns die Chinesen nicht geholfen hätten, doch ihre Hilfe ,kam nicht rechtzeitig und erst, nachdem wir zahlreiche Debatten hatten. In diesen Debatten gab es Äußerungen und Meinungen seitens einiger chinesischer Führer, die nicht gerechtfertigt waren. Wir verstehen auch jetzt, dass China auch den anderen Hilfen geben will und tatsächlich gibt. Uns aber mit solchen Aussagen über die Lage Chinas zu kommen, wie dies Li Djiang tat, uns Ratschläge zu geben wie Mikojan, so die Reise unserer Regierungsdelegation mit Genossen Adil Çarçani an der Spitze hinauszuzögern und, noch schlimmer, so zu tun, als hätten sie unser Ersuchen um den Besuch einer anderen Regierungsdelegation mit Genossen Mehmet an der Spitze vergessen - diese Haltung ist nicht freundschaftlich.





DIENSTAG, 17. JUNI 1975



DER SCHWERE WIRTSCHAFTLICHE DRUCK DER CHINESEN HAT BEGONNEN, DOCH WIR WERDEN UNS NIEMALS BEUGEN

Nach dem Empfangsritual, nach den üblichen Reden mit ihren stereotypen Formeln wurden Adil Çarçani und die anderen Genossen unserer Regierungsdelegation im Krankenhaus 15 Minuten lang von Tschou En-lai empfangen. Er erkundigte sich nach unserer Gesundheit und sagte beim Abschied : «Morgen werde ich operiert, deshalb habe ich euch schon vorher empfangen. Diese Operation soll mir das Leben verlängern.» Das kann so sein, kann aber auch heissen... «Lebt wohl, bemüht euch nicht mehr um ein Treffen mit mir.»

Heute erhielten wir ein Radiogramm von Adil, in dem er uns. über das offizielle Gespräch berichtet, das Li Hsiän-niän, der Leiter der Regierungsdelegation der VR China, mit ihm führte, nachdem Adil die Probleme dargelegt hatte.

Die Antwort der Chinesen auf unser Ersuchen um Kredite und Hilfe für den bevorstehenden Fünfjahrplan war niederträchtig: die Chinesen bewilligen uns nur 25 Prozent des Kredits, um den wir ersucht hatten, davon 50 Prozent für Werke und 50 Prozent für Materialien. Dieser Kredit schließt auch die militärischen Forderungen ein. Diese Hilfe ist gerade gross genug, um uns nicht sagen zu müssen: wir geben euch gar keine.

Die Gründe, die die Chinesen dafür anführten, sind geradezu ein Hohn: «Wir sind ein sehr armes Land», sagen sie. Vor 5 Jahren allerdings, als sie ein «noch sehr viel ärmeres Land» waren, gewährten sie uns einen um ein Mehrfaches höheren Kredit. Ganz abgesehen davon, dass sie uns von 35 Werken, über die Verträge abschossen wurden, 20 noch nicht geliefert haben, die natürlich auf den kommenden Fünfjahrplan überschrieben werden müssen, und dass die Werke, die wir gerade bauen, von ihnen über den gegenwärtigen Fünfjahrplan hinaus verschleppt werden.

Fünf Jahre lang sagte uns jeder chinesische Offizielle, angefangen bei Tschou En-lai: «Die Hilfe, die wir euch geben, ist sehr gering, aber in zwei Jahren und im nächsten Fünfjahrplan Werdern wir euch mehr geben, denn dann wird es uns besser gehen.» Heute dagegen stellt sich, glaubt man Li Hsiän-niän, heraus, dass sich die Lage in China «verschlechtert» hat, dass China ein «sehr armes. Land» geworden ist, und von den Worten: «Wir werden euch mehrhelfend» sind sie bis auf eine lächerliche Hilfe heruntergegangen.

Für uns ist klar, dass die Chinesen sich nicht so verhalten, weil sie «arm sind» - ihr Land hat ganz im Gegenteil grosse Fortschritte gemacht -, vielmehr ist dies eine Reaktion auf die entschieden marxistisch-leninistische Haltung unserer Partei und unseres Staates. gegenüber ihrer Innen- und Außenpolitik. Die Chinesen sind nicht einverstanden mit unserer Außenpolitik, weil wir ihnen in ihren: politischen Auffassungen nicht folgen.

Wir akzeptieren nicht, dass «der amerikanische Imperialismus weniger gefährlich als der sowjetische Sozialimperialismus ist», wie das die Chinesen behaupten. Wir sagen: «Beide sind gefährlich und müssen heftig bekämpft werden.» Die Chinesen haben erklärt, sie, seien Teil der «dritten Welt». Wir sagen, dass wir ein sozialistisches Land sind, und unterstützen die richtige nationale, antiimperialistische und antisozialimperialistische Politik jedes Volkes und jedes Staates der sogenannten «dritten Welt», «zweiten Welt» oder, wer weiss, wie sie sich selbst noch immer nennen und einteilen mögen. Albanien ist ein sozialistisches Land, es lässt sich mit niemand in einen Topf werfen und es hat eine unabhängige marxistisch-leninistische Politik. Die Chinesen unterstützen die NATO, den Europäischen Gemeinsamen Markt und das «Vereinte Europa».

Wir sind gegen solche Auffassungen und betrachten sie nicht als marxistisch-leninistisch. Alle diese Pakte und Organismen sind' Mittel in Händen des amerikanischen Imperialismus und der anderen imperialistischen Länder, die sich ihrer bedienen, um die Völker zu unterdrücken und in einen dritten Weltkrieg zu stürzen, bei dem es um Hegemonie geht. Das gilt auch für den Warschauer Vertrag, die «sozialistische Gemeinschaft» und den RGW. Diese beiden Gruppierungen und Gemeinschaften müssen mit äußerster Härte bekämpft werden. Lenin hat seinerzeit solche Organismen der kapitalistischen Bourgeoisie entlarvt, verurteilt und mit aller Kraft bekämpf t.

Jeden Staat, jeden Menschen, ob nun Trotzkist, Titoist, oder auch für Tschiang Kai-schek, machen die Chinesen zu ihrem Freund, wenn er nur sagt, er stehe «im Gegensatz zu den Sowjets». Wir sind gegen dieses Prinzip. Wir wissen, wie man die Widersprüche unter den Feinden des Sozialismus vertieft, und wir vertiefen sie nach Kräften, vor allem aber wahren wir die Prinzipien. Wir sagen .zum Schwein nicht Onkel.

Natürlich gefällt den Chinesen die Haltung nicht, die wir in ,dieser und ähnlichen Fragen einnehmen, wird doch dadurch zum 1'orschein gebracht, was sich hinter der marxistisch-leninistischen 1Vlaske verbirgt, die sie wahren wollen. Deshalb üben sie Druck .auf uns aus. Dies ist ein wirtschaftlicher Druck, denn politisch und ideologisch können sie uns niemals, weder jetzt noch in Zukunft, in ,die Knie zwingen. Dies ist der Beginn der schweren Wirtschaftsblockade, der sie uns aussetzen. Doch auch in dieser Hinsicht werden sie scheitern. Wir werden uns niemals irgend jemand beugen, weder den Chinesen noch irgendeinem anderen.

Es ist klar, dass diese ihre Haltung Teil eines grossen imperialistisch-revisionistischen Komplotts ist, das gegen die Partei der Arbeit Albaniens und das sozialistische Albanien geschmiedet wird. Man darf diesen Akt der Chinesen nicht losgelöst von dem starken politischen, ideologischen, propagandistischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck betrachten, den die Vereinigten Staaten von Amerika, die Sowjetunion und ihre Satelliten, darunter auch Jugoslawien und Rumänien, die von den Chinesen als Staaten der «dritten Welt» betrachtet werden, auf uns ausüben. Dieser Druck ist keine Einbildung, er nahm in der von Beqir Balluku, Petrit Dume, Hito Çako, Abdyl Këllezi, Koço Theodhosi, Lipe Nashi u.a. geführten militärischwirtschaftlichen Verschwörung konkrete Form an. Das Ziel dieser Verräter war die Liquidierung der Partei und ihrer marxistischleninistischen Führung, um das sozialistische Albanien in ein revisionistisches Land zu verwandeln. Von einem solchen Albanien träumen die Sowjets, die Jugoslawen, die Chinesen usw. Sie alle stehen im Gegensatz zur marxistisch-leninistischen Politik unserer Partei und bekämpfen sie, deshalb haben sie durch ihre Agentur in unserem Land die Verschwörung organisiert, haben ihr geholfen und helfen ihr auch jetzt, da wir sie entlarvt haben und dabei sind, sie zu liquidieren. Diese Staaten fahren fort, durch ihre Akte diese Agentur anzustacheln, die durch die Schläge, die wir ihr versetzten, bezwungen wurde, sie ermuntern sie weiter und glauben, sie könnten uns durch diese Tätigkeit schwächen, wirtschaftlich unter Druck setzen usw., um zu erreichen, dass wir die Verräter nicht streng bestrafen. Die gegenwärtige Wirtschaftsblockade der Chinesen dient eben diesem Ziel.

Wessen Agenten waren die Verräter, denen wir auf die Schliche kamen? Das ist nicht wichtig. Sie waren hauptsächlich Agenten der Sowjets und der Jugoslawen, doch auch die Chinesen haben dabei die Finger im Spiel, versuchen sie doch gerade jetzt, da wir uns in Schwierigkeiten befinden, diese Schwierigkeiten durch ihr Verhalten noch zu vergrößern.

Handeln so etwa Freunde? Nein! Was taten denn wir, als sich China in grossen Schwierigkeiten befand und von allen isoliert war? Wir halfen ihm mit aller Kraft, stellten uns allein dem grossen Sturm entgegen, der über China hereinbrach, und kämpften zusammen mit ihm, bis zum Schluss. Beqir Balluku und seine Gruppe waren nicht nur alte Agenten der Sowjets, sondern hatten auch Verbindung zu den Chinesen aufgenommen. Der feindliche strategische Plan, den Beqir Balluku gerade vorbereitete, wurde auf Eiaflüsterung Tschou En-Jais hin ausgearbeitet. Beqir selbst sagte uns, diesen Plan habe ihm «Tschou vorgeschlagen». Wir dagegen wiesen seine Anregung als feindlich zurück. Beqir Balluku arbeitete im Verborgenen in die Richtung, die ihm Tschou En-lai gewiesen hatte, also auf einen «Rückzug in die Berge», ein «Bündnis mit Jugoslawien und Rumänien» hin. Darin ist die gesamte revisionistische chinesische Strategie zusammengefasst, nicht nur die militärische, sondern auch die politische und ideologische Strategie. Wir verwarfen diese feindliche Strategie entschieden, denn sie nützte der NATO und den Sowjets ebenso wie den Chinesen. Diese Strategie war darauf gerichtet, Albanien zu einer Spielwiese der Intrigen und der Gelüste der Großmächte zu machen. Ist dies vielleicht kein äußerst finsterer Plan der Chinesen? Und wie sind denn die Chinesen in den letzten Jahren in den Wirtschaftsbeziehungen mit uns verfahren? Das allermindeste, was wir sagen können, ist, dass sie kein bisschen korrekt waren.

Zwar haben uns die Chinesen für den fünften Fünfjahrplan einen ziemlich hohen Kredit bewilligt, doch von einer Erfüllung ihrer Verpflichtungen sind sie weit entfernt. Von den 35 Werken, die sie uns insgesamt liefern sollten, lieferten sie uns nur 10 oder 15. Einige Werke haben wir noch nicht einmal begonnen, und daran tragen nicht wir die Schuld. Drei Grosswerke - das Hüttenkombinat bei Elbasan, das Wasserkraftwerk von Fierza und die Erdölraffinerie in Ballsh -, um die wir einen grossen Kampf zu führen hatten, konnten wir mit Mühe beginnen. Dennoch ist ihre Fertigstellung um ein oder zwei Jahre über den vertraglich festgelegten Termin hinaus verzögert worden. Auch dafür tragen nicht wir die Schuld.

All dies geschah zu der Zeit, als Beqir Balluku dabei war, die militärische Verschwörung zu organisieren, und Abdyl Këllezi und Koço Theodhosi im Erdölbereich und in der Wirtschaft allgemein Sabotage betrieben. Sollen wir diese Koordination in den Zielen und in der Zeit für Zufall halten? Und als wir den verräterischen Militärputsch liquidierten, als wir Abdyl Këllezi und Konsorten den Schlag versetzten, haben uns da nicht die Chinesen die Wolfszähne gezeigt? Es ist sehr gut möglich, dass Abdyl Këllezi als Mann der Jugoslawen gleichzeitig auch ein Mann der Chinesen war. Das ganze erweist sich demnach als eine breitangelegte Verschwörung unter Beteiligung mehrerer feindlicher Staaten, die gewaltsam die Lage in Albanien verändern wollen.

Ich glaube, dass bei dieser Verschwörung China die Finger im Spiel hat, aber welches China? Das sind die Finger des revisionistischen China, der revisionistischen Strömung, die stark und an der Macht sein muss.

Mit Sicherheit werden wir diese schwierige Situation erfolgreich bestehen. Wir werden all die gewaltigen Energien, den glühenden Patriotismus des Volkes und der Partei noch stärker zum Tragen bringen und, wie alle anderen, auch diese Blockade durchbrechen. Wir werden vorsichtig vorgehen. Nicht wir werden es sein, die die Brücken der Freundschaft mit China abbrechen. Unsere Ansichten und unsere Unzufriedenheit werden wir den chines Ischen Genossen gegenüber offen und kameradschaftlich äußern. Deshalb haben wir eroe offizielle Antwort vorbereitet, die Adil ihnen mündlich mitteilen wird. Darin bringen wir zum Ausdruck, was wir von der ausserordentlich geringen Hilfe halten, die sie uns bewilligten. Wir werden ihnen sagen, dass wir dieses Vorgehen nicht verstehen können, das ohne jede Grundlage ist und im Gegensatz zu allem steht, was sie selbst uns früher gesagt haben. Wir werden ihnen sagen, dass diese ihre Haltung uns nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch sehr schaden wird.

Die chinesischen Genossen müssen begreifen, dass sie falsch handeln, dass wir durchschauen, wo dieser Fehler seine Quelle hat und worauf diese ihre Haltung abzielt.







MITTWOCH, 18. JUNI 1975



DIE CHINESEN LIEFERN UNS NICHT ALLE INDUSTRIEOBJEKTE

Wir erhielten ein Radiogramm von Adil. Die von Fang Yi geleitete chinesische Arbeitsgruppe hat mitgeteilt, welche Industrieobjekte sie uns bewilligen. Von 20, um die wir ersuchten, strichen sie 10, sie liefern uns also 10 Objekte. Die Kapazität dieser zehn, die sie uns lassen, haben sie, ausser in ein oder zwei Fällen, gegenüber unseren ursprünglichen Ersuchen reduziert. Von denen, die sie uns strichen, sind am wichtigsten für unsere Wirtschaft: das Wasserkraftwerk von Koman (sie gestanden uns das Wasserkraftwerk von Bushat zu, das klein ist), das Harnstoffwerk und die Sodafabrik, die für uns sehr einträglich ist, weil wir ihre Produkte auch exportieren können. Wir werden natürlich den Chinesen gleich sagen, was wir von der Hilfe halten, die sie uns geben, und wenn sie sich nicht rühren, müssen wir verlangen, dass sie uns diese drei wichtigen Werke, die ich genannt habe, liefern und dafür zwei oder drei andere streichen, die sie uns bewilligt haben und auf die wir verzichten können. Wir werden das nächste Radiogramm am Freitag abwarten, in dem es um den anderen Teil unserer Wünsche gehen wird, um die Materialien, die wir angefordert haben. Wenn wir sie dann zusammen studiert haben, werden wir unserer Delegation in Peking am Samstag mit dem chinesischen Flugzeug unsere endgültigen Anweisungen und Meinungen übermitteln.

Zusammen mit Mehmet, Hysni und Haki haben wir beschlossen, welche Werke wir im Rahmen des Kredits, den uns die Chinesen eingeräumt haben, verlangen müssen.

Diese Werke sind: das Wasserkraftwerk von Koman (statt dem von Bushat), das komplette Harnstoffwerk zur Produktion von Düngeknitteln, die Sodafabrik, Bergwerksausrüstungen und Sprengstoffe.

Was die anderen Varianten anbelangt, so hat Adil Listen, in denen aufgeführt ist, um was er nachsuchen soll. Wir ermächtigten Mehmet, ihm dazu die eine oder andere ergänzende Anweisung zu geben.

Mit dem chinesischen Flugzeug am 20. Juni wird uns Adil sicherlich einen Brief schicken, in dem er uns mitteilt, welche Materialien sie uns bewilligen.

Wir werden sehen, welche Wirkung unsere Erklärung haben wird, doch Hoffnungen machen wir uns nicht. Sie sind nicht bereit, das Problem politisch zum Besten des sozialistischen Albanien zu betrachten.





SAMSTAG, 21. JUNI 1975





CHINA GERÄT IN DAS RÄDERWERK DES POLITISCHEN SPIELS DER BEIDEN SUPERMÄCHTE

China spricht sich für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und das «Vereinte Europa» aus und unterstützt sie.

Was ist Chinas strategisches Ziel? Gründet diese Haltung auf marxistisch-leninistischen Prinzipien? Um dies zu bestimmen, müssen wir die Ziele dieser Organismen selbst bestimmen, die China verteidigt oder unterstützt.

Als die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet wurde, geschah das in der Absicht, die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen unter den Mitgliedsländern - zunächst 6 und dann 9 - zu entwickeln. Das Ziel dieser Institution war es, der kapitalistischen Bourgeoisie jedes Mitgliedslandes möglichst hohe Profite zu verschaffen und die kapitalistische Wirtschaft jedes einzelnen Staats und aller Staaten insgesamt zu stärken. Natürlich wurde mit der Regelung der Zollprobleme auch eine Reihe anderer Fragen geregelt, so Preis- und Währungsprobleme und andere Fragen der bilateralen und multilateralen Beziehungen.

Zu Beginn konnte der Gemeinsame Markt nicht umhin, die mächtige amerikanische Wirtschaft in Rechnung zu stellen, und hatte, obwohl er seine Schritte angeblich nicht nach ihr richtete, in Wirklichkeit seine Gangart doch mit der des amerikanischen Imperialismus zu koordinieren. Dieser wiederum trug unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg durch die «Hilfen», die er gab, zur wirtschaftlichen Gesundung Westeuropas bei, wobei er allerdings keinen Augenblick lang seine eigenen Interessen vergass, die gross waren und wuchsen. Nach der Gründung des Gemeinsamen Markts setzte also zum einen der amerikanische Imperialismus seine Anstrengungen fort, dieser Einrichtung seine Wirtschaftspolitik zu diktieren, und zum anderen setzten die Mitglieder der EWG ihre Anstrengungen fort, sich von der amerikanischen Vormundschaft zu befreien. So entstanden Widersprüche unter ihnen, die sich immer mehr vertieften.

Der sogenannte kalte Krieg verdeckte diese Widersprüche etwas, denn die Mitgliedsländer der EWG waren, auch wenn sie ernsthaft damit begonnen hätten, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu demonstrieren, in punkto Verteidigung doch gezwungen, unter dem amerikanischen Atomschirm zu leben. Natürlich verstanden es die Vereinigten Staaten von Amerika, die Angst vor einem Krieg mit den Sowjets, die bei den Ländern der EWG aufgekommen war, für sich auszunutzen.

Der Verrat der Chruschtschowianer vertrieb bei der kapitalistischen Bourgeoisie die Angst vor der Revolution und dem Kommunismus, er half dem Weltkapital und gab ihm Gelegenheit, Atem zu schöpfen. Der chruschtschowsche Verrat spaltete die revolutionären Kräfte auf der ganzen Welt, liess die proletarische Revolution ferner rücken, förderte die nationalistischen Erscheinungen und gab den kapitalistischen Bourgeois Zeit und Gelegenheit, ihre schwachen Positionen im Innern auf Kosten der proletarischen Revolution zu stärken und international unter den Staaten neue Schritte zu unternehmen, neue Kombinationen anzustellen. Bersbend vor nationalistischem Geist, strebben die sozialimperialistischen

Chruschtschowianer danach, die Sowjetunion aus einem sozialistischen Staat in eine imperialistische Atom-Supermacht zu verwandeln, und sie liessen nicht locker, bis sie dieses Ziel erreicht hatten. So entstanden zwei Supermächte, die miteinander um die Welthegemonie konkurrierten. Das Gesetz der beiden, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, ist das Gesetz des Raubkriegs, ist das Gesetz der Versklavung der Völker. Dieses Gesetz ist begleitet von der Schliessung ungeheuerlicher «Bündnisse», von der Besetzung strategischer Punkte mit verschleierter Gewalt, um sie für die Vorbereitung des Kriegs zu benutzen. Es ist davon begleitet, dass sie bis an die Zähne aufrüsten und ihre Bestände an Atomwaffen um täglich modernere aufstocken, es ist begleitet von der wirtschaftlichen und politischen Einverleibung und Ausplünderung vieler Staaten durch Einschüchterung, Erpressung, Kredite, «Hilfen» und Subversion.

Unter diesen Verhältnissen fasste Westeuropa mehr Mut. Das Frankreich de Gaulles entwickelte eine von den Amerikanern und den Angelsachsen im allgemeinen unabhängigere Politik. De Gaulle zog sich nus der NATO zurück und respektierte nur noch den Vertrag. Selbstverständlich träumte auch de Gaulle von einer EWG und einem «Vereinten Europa», wo Frankreich, ohne das Adenauer-Deutschland zu übergehen, dominieren sollte. De Gaulle war von einem grossen Nationalismus beherrscht, den er auch von seinen anderen Partnern verlangte, kanalisiert allerdings in ein Europa, wie er es sich erträumte. Natürlich waren de Gaulles Ziele nicht zu verwirklichen, denn auch seine Partner hatten ihre Absichten, Ziele und Ängste. Diese Staaten hatten nicht alle die gleiche Vorstellung von der Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika in Europa und auf der Welt. Vor allem das gegenwärtig zweigeteilte Deutschland zieht es vor, den Vereinigten Staaten von Amerika auf anderen Gebieten einige Zugeständnisse zu machen, ohne Frankreichs Weg der Loslösung von der amerikanischen Verteidigung zu verfolgen. Deutschland und die anderen Partner halten nicht nur von der «Atommacht» Frankreichs nicht viel, sondern auch von der Englands, ja sogar von der Frankreichs und Englands zusammengenommen. Diese Macht ist ihrer Meinung nach angesichts der atomaren Macht der Sowjets oder der Amerikaner nur ein «Zwerg».

All diese imperialistischen Mächte, ob nun die beiden Supermächte, das «Vereinte Europa» oder Japan, streben nach Hegemonie. Schon als die schwere Dollarkrise einsetzte und die militärischen Niederlagen der Amerikaner in Südostasien - in Vietnam, in Kambodscha und anderswo - ihren Anfang nahmen, begann das «Vereinte Europa», seine politischen Positionen im Innern wieder zu festigen und stärker danach zu streben, als selbständiger Organismus zu einer neuen kapitalistischen und imperialistischen Supermacht zu werden. Und, nun also ermuntert das China Mao Tsetungs dieses «Vereinte Europa» und hilft ihm. Dieses «Vereinte Europa» wird gefördert und unterstützt vom Frankreich Pompidous und später Giscards, dem es nicht nur darum geht, seine Atommacht zu wahren und weiterzuentwickeln, sondern das auch begonnen hat, in neokolonialistischem Gewand im frankophonen Afrika, im Nahen und Fernen Osten die alte Kolonialpolitik aktiver wiederzubeleben. Frankreichs Wirtschaftskraft lässt nicht zu, dass es mit den anderen konkurriert, es tut dies jedoch, so gut es kann. Die Einstellung Frankreichs zu den Vereinigten Staaten von Amerika ist nicht mehr die gleiche wie zur Zeit de Gaulles und Pompidous. Sie ist heute etwas abgemildert, lässt aber dennoch Frankreichs Unabhängigkeit erkennen. Auch England fährt fort, den verlorenen wirtschaftlichen Einfluss in den Ländern des Commonwealth in gewisser Weise wieder zu festigen, während Bonn in Mitteleuropa, auf dem Balkan (ausser Albanien), in der Türkei und überall, wo es ihm nur möglich ist, wirtschaftlich eindringt.

All diese Anstrengungen jener Mächte können ihr gemeinsames Wirtschaftspotential erhöhen, das ein Faktor sein muss, will man eine Supermacht sein. Doch dieser Faktor allein reicht nicht aus, um zur Supermacht zu werden. Diesem «Vereinten Europa» fehlt die Atommacht der beiden Supermächte. Zum anderen gibt es in diesem «Vereinten Europa» grosse politische und wirtschaftliche Widersprüche zwischen den Mitgliedsstaaten, so dass es noch auf Jahrzehnte hinaus nicht das wirtschaftliche und militärische Potential der Vereinigten Staaten von Amerika erreichen wird. Die «Vereinigten Staaten von Europa» sind in vielerlei Hinsicht nicht mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu vergleichen. Diese europäischen Staaten werden sich einander kaum so angleichen können wie jene Staaten des amerikanischen Kontinents, aus denen die Vereinigten Staaten von Amerika entstanden. Jeder Staat in Europa hat seine eigene Individualität als historisch in vielen Jahrhunderten herausgebildete Nation. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, seine eigene, von jener der anderen verschiedene gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung. Jeder kapitalistische und revisionistische europäische Staat trägt in sich schroffe Klassenwidersprüche, die nicht nur die äussere, sondern euch die innere Einheit schwierig machen.

Es ist also prinzipiell nicht richtig, wie China einen Weg des europäischen Kapitalismus zu unterstützen, der nach Hegemonie strebt, der danach strebt, zur Supermacht zu werden. So zu handeln bedeutet, den Weg der Revolution der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, ins Räderwerk des politischen Spiels der beiden Supermächte zu geraten, indem man vom Standpunkt ihrer Politik aus kämpft und manövriert, indem man die Manöver der Supermächte angesichts ihrer von den wechselnden Zeitumständen bestimmten Widersprüche überschätzt, indem man die proletarische Weltrevolution unterschätzt, indem man den Kampf der Völker gegen die Supermächte und gegen die bürgerlich kapitalistischen Staaten unterschätzt. China liegt falsch, wenn es predigt: «Der Hauptfeind ist die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten von Amerika dagegen sind weniger gefährlich.» Die Vereinigten Staaten von Amerika haben zwar Niederlagen erlitten, doch sie bleiben eine imperialistische Macht. Den Kampf gegen sie abzuschwächen hieße, die Revolution zu schwächen und dem amerikanischen Imperialismus zu helfen. In den gleichen Fehler werden die Chinesen verfallen, wenn die Vereinigten Staaten von Amerika ihre «Wolfszähne zeigen». Dann wird China zu sagen beginnen: «Die Sowjetunion ist weniger gefährlich, die Vereinigten Staaten von Amerika dagegen sind gefährlicher geworden.» China macht einen Fehler, wenn es dem alten kapitalistischen Europa gegenüber den Standpunkt eines Don Quichotte einnimmt, weil dieses angebhoch zum Gegengewicht zu den Sowjets auf der einen und den Amerikanern auf der anderen Seite werden wird, während «China siegen wird», weil es das «Vereinte Europa» unterstützt.

Die Widersprüche zwischen den Imperialisten müssen zu unseren Gunsten vertieft und ausgenutzt werden, aber nur von Klassenpositionen, nur von den Positionen der proletarischen Revolution aus. China tut nicht das, sondern das Gegenteil, es erklärt den Völkern Europas, Amerikas und der «dritten Welt»: «Unterstützt eure kapitalistische und imperialistische Bourgeoisie, denn der Hauptfeind ist der sowjetische Sozialimperialismus.» Dieser Kurs ist nicht leninistisch, er fördert nicht die Revolution, sondern verficht jenen Opportunismus, den schon die Zweite Internationale vertrat, die von Lenin entlarvt wurde. Also können wir uns mit dieser Strategie und Taktik Chinas nicht abfinden. Der Hauptkampf gegen die imperialistischen Supermächte und den Weltkapitalismus ist für uns der Kampf der Völker, der Kampf der Proletarier, die proletarische Weltrevolution. In diesem Sinne - während wir diese gerechten Kämpfe unterstützen - müssen wir manövrieren und von den Zeitumständen profitieren. Damit tragen wir zur Vertiefung der Widersprüche bei.

Die Widersprüche und Krisen im Schoss des Imperialismus, des Sozialimperialismus und des Weltkapitalismus haben ihre Quelle in der Unterdrückung der Völker durch die Kapitalisten und im Kampf dieser Völker gegen die kapitalistische Unterdrückung und Ausbeutung. Muss also der Kampf der Völker gegen die Kapitalisten gefördert und unterstützt werden, oder muss man diesen bei den Manövern helfen, die sie durchführen, um sich zu mästen und den einen oder anderen Imperialisten zu bekämpfen, mit der Aufforderung an .die Völker: «Geht hin und bringt euch für mich um»? Die Marxisten-Leninisten müssen den Kampf der Völker, den Kampf der Proletarier gegen die imperialistischen Supermächte und den Weltkapitalismus vorantreiben, diesem Kampf helfen und ihre Kräfte mit ihm vereinigen. Diesen Weg hat unsere Partei der Arbeit verfolgt und diesen Weg wird sie weiter verfolgen.

In dieser Beziehung macht Maas falsche Außenpolitik den Eindruck, als sei sie simpel. Nicht nur, dass die Chinesen bei dieser Politik nicht von proletarischen Klassenpositionen ausgehen, sie gehen - auch wenn sie es nicht sagen und in Worten sogar leugnen - den Weg einer Großmacht. China ist keine Supermacht, doch sein Einfluss auf die Weltprobleme ist gross und kann gross sein. China, das auf der Welt eine Rolle spielen kann und wird, hat dabei die Wahl zwischen zwei Wegen: entweder dem marxistisch-leninistischen Weg, dem Weg der Revolution, oder dem bürgerlich-kapitalistischen Weg mit einer neuen revisionistischen Schattierung. Nur wenn China auf dem revolutionären, marxistischleninistischen Weg streitet, wird es das Vertrauen der Völker gewinnen, die die Revolution wollen und für sie kämpfen.

Gegenwärtig versucht China, die kapitalistischen Länder davon zu überzeugen, dass «die Gefahr für sie von der Sowjetunion ausgeht». Da will doch China den Weltkapitalisten tatsächlich etwas Neues beibringen! Der Hauptfeind der Kapitalisten ist der Kommunismus und die Revolution. Wenn China den revolutionären Weg geht, wird seine Aussage: «Der Hauptfeind ist die revisionistische Sowjetunion» nicht nur niemand überzeugen, sämtliche Kapitalisten gleich welcher Farbe werden sogar gegen China sein. Wenn sie gegenwärtig China nicht fürchten, so gibt es dafür mehrere Gründe: sei es nun, weil China nur in Worten und nicht in Taten kommunistisch ist, sei es, weil es ökonomisch und militärisch noch schwach ist, sei es, weil es ein antisowjetischer Faktor ist, den sie bis zum letzten ausnutzen wollen, um die Aggressivität der Sowjets ihnen gegenüber zu schwächen.

Die Politik beider Seiten, der Chinesen und der Amerikaner, hat als Stossrichtung den Kampf gegen die Sowjetunion, doch wollen die Chinesen die Amerikaner gegen die Sowjetunion hetzen, so wollen umgekehrt die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Verbündeten China gegen die Sowjetunion hetzen. Beide Seiten unternehmen diese «chassé-croisé»* *( Platzwechsel zwischen zwei Personen, Hin und Her (frz. im Original)) von denselben Positionen aus und mit denselben Hoffnungen. Nur dass die Sowjetunion die Hände nicht in den Schoss legt. Sie versucht, einen Krieg mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu vermeiden, über die Völker zu herrschen, die sie selbst unterdrücken kann, das NATO-Bündnis zu zerstören und China zu isolieren, nach Möglichkeit auch zu unterwerfen. Und all diese Absichten verfolgt sie unter der Maske des Sozialismus.

Der Weltkapitalismus, besonders der europäische Kapitalismus, hat eine Reihe von Weltkriegen durchgemacht, die ihre Quelle in seiner brutalen Natur hatten. So lassen sich das «Vereinte Europa» oder Giscard d'Estaings Frankreich oder Straussens Deutschland von der Politik Tschou En-lais und Deng Hsiao-pings nicht so leicht hinters Licht führen. Sie lassen sich nicht auf einen Krieg mit den Sowjets ein, nur weil ihnen Deng Hsiao-ping dies einbläst. Nein, sie versuchen, den Zusammenprall mit der Sowjetunion zu vermeiden, solange sie sie für stärker halten als sich selbst; sie versuchen, die Festung von innen her sturmreif zu machen, dann holen sie zum Schlag aus. Alle, die Vereinigten Staaten von Amerika, England, Frankreich, die Deutsche Bundesrepublik und die andern, versuchen, die Sowjets zu schwächen, zu schwächen in ihren Bündnissen mit Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei usw., doch sie gehen nicht vor, wie China es will. Die alten Wölfe kennen sich gut aus in der Taktik des Angriffs, deshalb ist es schwer, sie auf Pfade zu locken, die dir selbst passen. Solche Pläne verfolgten und verfolgen sie nämlich selbst und zwar gerade auch in Richtung auf China. Beim französischen Präsidenten ist das Märchen von der «sowjetischen Gefahr» mit Sicherheit auf taube Ohren gestoßen. Sicherlich hat Giscard d'Estaing Deng Hsiao-ping gesagt, sie wünschten, die Freundschaft mit China zu entfalten, doch nicht gegen die Sowjetunion, sei ihnen doch daran gelegen, den Konflikt zu vermeiden. Doch andererseits hetzen die d'Estaings und Co. Deng indirekt gegen die Sowjets auf, damit er ihnen die Kastanien aus dem Feuer holt, während sie zuschauen.

Die europäische Bourgeoisie ist eine alte Hure, die schon alle Sünden begangen hat. Sie ist gewiegt in Tücken und Intrigen. Allein durch den revolutionären Kampf des Proletariats und des Volkes wird mit ihr abgerechnet. Auf diesem Schlachtfeld wird sie entlarvt und bezwungen, verlieren ihre Intrigen und Tücken die Kraft. Auf diesem Feld muss auch China kämpfen. Es muss dabei vom Grundsatz ausgehen, die diplomatischen Beziehungen und den Handel mit den kapitalistischen Ländern Europas in den Dienst einer soliden revolutionären Strategie zu stellen, und nicht versuchen, Westeuropa gegen die Sowjets zu hetzen. Diesen falschen Weg Chinas haben vor ihm schon England und Frankreich eingeschlagen, um Hitler gegen die Sowjetunion und die Sowjetunion gegen Deutschland aufzustacheln. Das Ergebnis dieser Manöver ist bekannt. Stalin verfiel nicht in diese Fehler, er ging weder auf die Positionen der Angloamerikaner noch auf die der Hitlerner ein.

Wenn man auf festen revolutionären Positionen steht, kann man sowohl die Widersprüche unter den Feinden besser ausnutzen, als auch in erster Linie die Gefährlichsten schwächen, ohne dabei die zu vergessen, die zwar einen Augenblick lang geschwächt sein mögen, aber auch wieder zu Kräften kommen können. Betrachtet man die Ereignisse und Situationen von revolutionären Positionen aus, ist klar ersichtlich, dass man als Stütze nicht einen konjunkturellen Faktor hat, sondern ein sehr mächtiges und beständiges Potential im Kampf gegen das Kapital - das Proletariat jedes Landes, das Weltproletariat überhaupt sowie die Völker, die Freiheit und Revolution wollen. Man muss die Revolution machen, indem man sowohl gegen die Vereinigten Staaten von Amerika als auch gegen die Sowjetunion kämpft.





MITTWOCH, 25. JUNI 1975



TSCHOU EN-LAI UND SEINE GRUPPE STEUERN EINEN FEINDSELIGEN KURS GEGEN ALBANIEN

Die Chinesen haben endgültig über die Wirtschaftshilfe entschieden, die sie uns für den kommenden Fünfjahrplan geben werden. Die gemeinsame Kommission trat zusammen. Die chinesische Abordnung wurde von dem «berühmten» Li Hsiän-niän geleitet, dessen Albanienfeindliche Einstellung wohlbekannt ist.

Adil legte offen und freundschaftlich unsere Meinung über die Hilfe dar, die uns die VR China bewilligte, und zwar picht für fünf, sondern für sieben oder acht Jahre, denn einige Werke sind offiziell auf mehr als fünf Jahre, auf bis zu sieben Jahre veranschlagt, ganz abgesehen davon, dass die Chinesen ihre Fertigstellung unter verschiedenen Vorwänden möglicherweise noch weiter verzögern, einzig und allein in der Absicht, unserer Wirtschaft zu schaden. So sind die Chinesen auch bei den Werken des gerade zu Ende gehenden Fünfjahrplans verfahren, die nun unvollendet in den kommenden Fünfjahrplan eingehen.

Adir brachte also den Chinesen gegenüber unsere Meinung zum Ausdruck, dass die Summe von . .. für fünf bis sieben Jahre bedeutet, dass sie uns eine starke Beschränkung auferlegen, was im Gegensatz zu ihren Versprechungen steht, im Gegensatz zum fortgeschrittenen Zustand der chinesischen Wirtschaft und zur Blockadesituation, der Albanien durch die Imperialisten, die Sozialimperialisten, die Titoisten und die anderen kapitalistischen Nachbarländer unterworfen ist. «Damit sind wir unzufrieden», sagte ihnen Adil, wobei er unsere soliden Gründe darlegte und ihre schwachen «Gründe» auseinander nahm. Sehliesslich ersuchten wir sie darum, ihre Entscheidung wohlwollend und in internationalistischem Geist zu überprüfen, so wie auch wir die unsere überprüft und unsere Wünsche zurückgeschraubt haben...

Li Hsiän-niän, dieser Feind des Sozialismus in Albanien, die Kreatur Tschou En-Jais, antwortete Adil auf unverschämte, brutale, feindliche Weise. Er sagte: «Eure Vorschläge werden nicht akzeptiert, wir ziehen sie nicht einmal in Erwägung, unser Beschluss ist unumstößlich und wurde von unserer ganzen Führung einschließlich Mao Tsetungs gefasst.» « Über das hinaus, was wir beschlossen haben», sagte Herr Li Hsiän-niän, «machen wir keinen Yüan locker.» Mit dieser Antwort wollte er, anders formuliert, sagen: «Wenn ihr wollt, nehmt, wenn ihr nicht wollt, lasst es bleiben, was ihr sagt, ist uns völlig egal.»

Das Ersuchen, unsere Meinung, die Adil Li Hsiän-niän auch schriftlich übergab, Genossen Mao Tsetung zu übermitteln, beantwortete Li Hsiän-niän Folgendehrmassen: «Ich werde es ihm geben, aber erwartet keine Antwort.» Das sollte wohl entweder heissen: «Mao geruht ganz entschieden nicht, das Ersuchen der Albaner zu beantworten», oder aber: «Ich nehme diese eure Darstellung zwar entgegen, gedenke aber nicht, sie Mao auszuhändigen, sondern werfe sie in den Papierkorb.» Welche Version man auch immer annehmen mag, sicher ist, dass die Albanienfeindliche Clique in Chinas Führung grosse Macht hat und den chinesischen Freunden Albaniens ihren Willen aufzwingt.

Mit all dem setzt diese Gruppe in der chinesischen Führung ihr feindseliges Verhalten fort. Diese Gruppe hat sich auch schon früher so verhalten, doch die Kulturrevolution, die revolutionäre Haltung der Partei der Arbeit Albaniens und der Volksrepublik Albanien zur Verteidigung Chinas, als alle, ich betone: alle, ihm den Rücken zuwandten und es angriffen, hinderten die Leute dieser Gruppe daran, die feindlichen Absichten, die sie gegen uns hegten, so auszuführen, wie sie das gerne getan hätten. Nun ist Mao alt geworden, möglicherweise fragen sie ihn überhaupt nicht, vielleicht holen sie überhaupt nicht seine Meinung ein, nicht nur, was unsere Sache betrifft, die er, soweit wir wissen, verteidigt hat, sondern auch, was die anderen inneren und internationalen Probleme anbelangt. Diese fragwürdigen chinesischen «Genossen» machen weiter mit ihrer Taktik: «Unter Maos Banner treiben wir unser eigenes Spiel.» So denken sie.

Dieses Vorgehen der Chinesen uns gegenüber ist der Beginn eines starken wirtschaftlichen Drucks, durch den sie uns politisch und ideologisch zu unterwerfen hoffen. Sie handeln wie eine Großmacht, nicht revolutionär und schon gar nicht marxistisch-leninistische Unsere in jeder Hinsicht richtige marxistisch-leninistische Linie ist ihnen ein Dorn im Auge, sie hätten es gern, wenn unsere Linie unsere Auffassungen ein Anhängsel ihrer opportunistischen, prinzipienlosen, konjunkturabhängigen Linie wären. Die Leute dieser Gruppe stehen im Gegensatz zu unserer Linie und sind zu wirtlichem Druck übergegangen wie einst die Sowjetrevisionisten, weil meinen, sie könnten uns dadurch zwingen, klein beizugeben. Diesen Albanienfeindlichen Kurs verfolgen Tschou En-lai und seine Gruppe eben zu der Zeit, da in unserem Land die feindlichen. Gruppen von Beqir Balluku und Abdyl Këllezi liquidiert worden sind. Daran zeigt sich, dass dies ihre Leute waren, wie sie zugleich auch Leute der Sowjets und der Jugoslawen gewesen sind. Für: sie alle, für die Chinesen, die Sowjets und die Jugoslawen, war diese gesunde Lage in unserem Land nicht tragbar, nicht annehmbar. Deshalb waren für diese drei, wie nun die Verbindungen unter ihnen auch ausgesehen haben mögen, all die Feinde der Partei der Arbeit Albaniens und ihrer marxistisch-leninistischen Führung Freunde, und sie unterstützten sie auf verschiedene Weise. Beqir Ballukus feindlicher Plan war von Tschou En-lai diktiert. Beqir Balluku arbeitete heimlich für die «Antithesen» u nd an der Organisierung des Putsches. Die «Antithesen» waren ihm von Tschou En-lai eingeflüstert worden. Wir lehnten sie ab, und Beqir Balluku hat möglicherweise die Chinesen informiert.

Tschou sagte zu Beqir Balluku: «Festigt die Verbindungen und die Zusammenarbeit mit Jugoslawien gegen die Sowjets.» Und: «Für euch gibt es keine andere Strategie als die Strategie der Berge.» Das heisst: «Wenn der Feind euch angreift, nehmt schon am ersten Tag die Beine in die Hand und dann ab in die Berge!»

Der Plan von Tschou En-lai und Beqir Balluku war prosowjetisch, denn er hätte den Sowjets freie Hand gegeben, Albanien zu besetzen; ebenso war er auch probjugoslawisch, denn er zielte darauf ab, den Sozialismus in unserem Land zu liquidieren. Die Entdeckung, Entlarvung und Bestrafung Beqir Ballukus und der Leute seiner Gruppe war gleichzeitig auch ein Schlag gegen Tschou, der mit Beqir Balluku sowie Abdyl Këllezi, der, gleichfalls ein Verräter, im Erdölsektor und in unserer Volkswirtschaft Sabotage betrieb, dieses Komplott ausgeheckt hatte.

Tschous Kampf, uns von innen her zu stürzen, ging also verloren, und so setzte er, weil er keine andere Handlungsmöglichkeit hatte, die Waffe der Wirtschaftsblockade ein. Als Revisionisten meinen er und seine Gruppe, wir würden isoliert sein, Hungers sterben, einen Kniefall tun. Sie denken: «Die Albaner haben keine andere Wahl.» Und Tschou En-lai tischte Adil Carçani wieder den alten teuflischen Plan auf: «Schliesst euch eng zusammen mit den anderen Balkanländern, ungeachtet eurer Meinungsverschiedenheiten.» Welch schmutziger Feind, welch niederträchtiger Pseudomarxist! Weder fallen wir auf die Knie, noch fürchten wir uns, noch wird uns das Brot ausgehen, vielmehr werden wir ehrenvoll leben, frei, unabhängig und souverän. als Marxisten-Leninisten, als albanische Kommunisten, als Söhne dieses ruhmreichen und heldenhaften Volkes, das sich in den Jahrhunderten nicht beugte. Tag und Nacht werden wir vereint, mit vervielfachten Kräften gegen jeden Feind kämpfen, woher er auch immer kommen mag: Stets wird das Banner unserer Partei in den Schlachten siegreich wehen. Mit unserer Partei an der Spitze werden wir jede Blockade durchbrechen, jedes Komplott durchkreuzen, und unser Volk wird siegen, wird auf dem Weg des Sozialismus und des Kommunismus immer erfolgreich vorwärts schreiten.

Tschou und Konsorten werden sich an der stählernen Festung des sozialistischen Albanien und der Partei der Arbeit Albaniens, einer eisernen marxistisch-leninistischen Partei, den Kopf einrennen wie die anderen. Dies ist ein niederträchtiges und koordiniertes Komplott der Gruppe Tschou En-lais!!

Nur ein oder zwei Tage, nachdem Li Hsiän-niän unter dem Vorwand, China sei «sehr arm», Adil Carçani den Kredit verweigert hatte, sagte Radio Moskau in einem Kommentar über Albanien unter anderem: «Die Leute in Tirana haben inzwischen begriffen, dass China ein armer Staat ist. . . , der Albanien nicht hilft», usw. Wie sollen wir das nennen? Koordinierten chinesisch-sowjetischen wirtschaftlichen Druck?!

Gerade zwei, drei Tage, nachdem Tschou En-lai Adil Carçani erklärt hatte: «Vereinigt euch mit den Balkanländern», behauptet eine jugoslawische Zeitung in einem langen Artikel: «Albanien hat in den Handels- und Kulturbeziehungen trotz aller Meinungsverschiedenheiten seinen Blick auf Europa und insbesondere Jugoslawien gerichtet», usw. Die Zeitung fügt hinzu. «Nach China ist Jugoslawien das Land, mit dem Albanien am meisten Handel treibt», usw. Eine von Tschou En-lai und Tito wohlabgestimmte «Perspektive» für uns.

Es kann gar nicht anders sein, als dass diese Fakten im Zusammenhang miteinander stehen. Sie beweisen zusammen mit den anderen uns bekannten Fakten die Verbindungen zwischen dem Komplott Beqir Ballukus und Abdyl Këllezis, der Blockade und der «Perspektive», die uns der «berühmte» Tschou En-lai eröffnet.

All das registrieren wir, und wir werden unsere Haltung solchen Leuten gegenüber überprüfen. Aber wir werden sorgsam vermeiden, auf ihre Provokationen hereinzufallen, denn das ist es, was sie wollen. Doch uns werden sie nicht hereinlegen können.

Sie zerstören die Freundschaft, wir dagegen werden weiter von ihr sprechen, natürlich nicht mit heuchlerischen Phrasen, wie sie es tun werden, um die Sch... mit Jauche abzuwaschen. Wir werden uns korrekt verhalten, doch mit den glühenden Worten ist Schluss, solange diese Clique ihre feindliche Tätigkeit gegen uns fortsetzt.

Wir werden uns ihren Erpressungen nicht beugen, sondern uns dieser Clique gegenüber kühl verhalten, oder auch mehr als kühl, bis das Mass voll ist und sie sich entlarvt.





DONNERSTAG, 26. JUNI 1975



DIE CHINESEN BEWILLIGTEN UNS ZWEI OBJEKTE, BEI DEN ANDEREN GABEN SIE UM KEIN JOTA NACH

Die Chinesen genehmigten eine Änderung im Rahmen des festgelegten Kredits, um die wir ersucht hatten: sie bewilligten uns das Wasserkraftwerk von Koman und strichen dafür das von Bushat. Ausserdem gestanden sie zu, dass in der Harnstoffabrik auch Kunstdünger produziert wird, doch nicht in der Menge, die wir gewünscht hatten.

Immerhin, ein bisschen hilft uns das schon weiter, denn diese beiden Objekte sind wichtig. Bei den anderen Objekten gaben sie um kein Jota nach.





FREITAG, 4. JULI 1975



CHINA HAT SICH IN DEN POLITISCHEN REIGEN DER BOURGEOISIE EINGEREIHT

Es ist tragisch, dass China das Chaos mit Chaos bekämpft. Mao Tsetungs China erweckt den Eindruck, es betreibe im Land eine «sozialistische» Politik, doch wenn man den Dingen auf den Grund geht, soweit dies die äusseren Anhaltspunkte eben zulassen, wird man feststellen, dass die «marxistisch-leninistische» Politik, die es hinaustrompetet, eine «maotsetungsche» Politik ist, ein mit zweifelhaften Prinzipien und Ansichten vermischtes Etwas. Ständig lassen sich zwei Linien feststellen, die einmal parallel laufen, dann wieder nicht, weil die eine die andere überlagert. Diese Unbeständigkeit zeigt sich laufend auch bei vielen kapitalen Problemen. Die Propaganda ist darauf abgestellt, den Leuten weiszumachen, alles, was China meint und tut, sei «richtig, prinzipienfest, marxistischleninistisch, antimperialistisch und insbesondere antisozialimperialistisch».

Auch in der Aussenpolitik gibt sich Mao Tsetungs China als sozialistisches Land mit einer sozialistischen Politik. In Wirklichkeit stimmt das nicht. Auch wenn China nicht auf eine Stufe mit den beiden Supermächten gestellt werden kann, so ist seine Politik doch keine marxistisch-leninistische Politik.

Da sich China selbst zu einem Staat der «dritten Welt» erklärt hat, verfolgt es im Prinzip auch die Politik dieser «dritten Welt», die nichts Sozialistisches an sich hat. Es versteht sich, dass China in der «dritten Welt» seine Politik mit der bürgerlich-kapitalistischen und revisionistischen Politik dieser «dritten Welt» vermengt.

Liu Schao-tschis, Tschou En-lais und Deng Hsiao-pings Politik vor der Kulturrevolution war: «Bündnis mit allen Staaten der Welt, auch mit den Sowjetrevisionisten.» Gegenwärtig lautet Tschou Enlais und Deng Hsiao-pings Politik: «Bündnis mit allen Ländern der Welt, auch mit dem amerikanischen Imperialismus, gegen die Sovjets.» Und Mao Tsetung, mit welcher Linie hält er es? Man lässt durchblicken, dass er diese Linien billigt und später missbilligt, doch tâtsächlich hält er zu ihnen und hat seinen Anteil an dem Weg, den China verfolgt. Dies ist eine für China selbst und für die Welt folgenschwere Politik. Die revolutionäre Welt erwartet von China eine revolutionäre, eine Klassenpolitik, doch sie sieht sie nicht, weil es sie in Wirklichkeit gar nicht gibt, weil man sich nur vorstellen kann, wie sie auszusehen hätte.

China betreibt eine Schaukelpolitik. Es hat sich geöffnet, unterhält diplomatische Beziehungen zu allen, will auf der Welt anerkannt werden. Auch wir haben dies gewollt und ihm empfohlen. Doch als was muss China auf der Welt Anerkennung finden? Als sozialistisches Land oder als Land der «dritten Welt»? China müsste sich natürlich als sozialistisches Land Anerkennung erwerben. Eben das tut es jedoch nicht. Es ist auf der Welt anerkannt als ein Staat, der gegen die Sowjetunion ist. Freunde sind für China das Spanien Francos, das Chile Pinochets oder das Rhodesien von Jan Smith, während «die Sowjets am gefährlichsten sind, weil sie sich als Marxisten-Leninisten aùsgeben». Dies ist keine prinzipienfeste Haltung. Chinas Kampf gegen die Sowjets beruht nicht auf einer ideologischen Plattform, von der aus ihre sozialimperialistische Politik entlarvt würde. Nein, das tut China durchaus nicht so, wie es nötig wäre. Und warum nicht? Weil seine Politik nicht auf der marxistisch-leninistischen Theorie fusst. China hat sich in den politischen Reigen der Bourgeoisie eingereiht, in die Politik der Konjunkturen, und es ist davon überzeugt, dass dies die richtigste Politik ist. China übersieht, dass die Politik, die es unterschiedslos Präsidenten und Königen, Fürsten und Fürstinnen, Bonner Faschisten und Revanchisten, amerikanischen Imperialisten oder Leuten wie Pinochet gegenüber betreibt, nicht originell ist. Diese Politik haben die kapitalistische Weltbourgeoisie und schon etwas früher die Erbmonarchien und die Aristokratie in grossem Stil praktiziert. China sucht die Freundschaft der herrschenden Cliquen, um «in die Völker einzudringen», anstatt in

die Herzen der Völker Eingang zu finden, indem es sie davon überzeugt, dass es uneingeschränkt für ihre Sache eintritt.

Was für eine Hilfe gibt denn China dem Volk und den Revolutionären in Chile oder auf den Philippinen, oder den deutschen Revolutionären, wenn es sich auf skandalöse Weise mit Pinochet, Marcos, Strauss und anderen von ihrer Sorte zur Schau stellt? Es gibt ihnen keinerlei Hilfe, entmutigt sie nur. Mit dieser seiner Politik stärkt China der schwärzesten Reaktion den Rücken. China nährt bei den Revolutionären die Annahme, dies sei ein <politisches Manöver». Tatsächlich ist dies ein konterrevolutionäres Manöver, denn folgten die Revolutionäre Chinas Politik, dürften sie nicht gegen die Reaktion kämpfen. Die Revolutionäre dürfen jedoch kein Doppelspiel treiben: die Reaktion bekämpfen und ihr gleichzeitig die Stange halten.

Die Chinesen bemühen sich, den Eindruck zu erwecken, sie unterstützten insgeheim die revolutionären Kräfte. Das ist absolut nicht wahr und kann auch gar nicht wahr sein, denn China macht

sich Gedanken um ein gutes Verhältnis etwa zum Staat der Deutschen Bundesrepublik und ihren Firmen und nicht zu den deutschen marxistisch-leninistischen Kommunisten. Chinas sogenannte Hilfe für die marxistisch-leninistischen Revolutionäre beschränkt sich einzig und allein auf eine Unterstützung, die es ihnen gibt, wenn sie China und seine Politik in Bonn, Paris oder Rom loben. Jedenfalls bedeutet es, gut Freund mit der Reaktion dieser Länder zu sein, wenn man so handelt. Natürlich soll China diplomatische, kulturelle und Handelsbeziehungen zu diesen Ländern unterhalten, diese Beziehungen müssen jedoch auf der marxistisch-leninistischen

Theorie basieren und der Revolution dienen.

China gibt einigen Staaten, darunter auch uns, Kredite. Diese Kredite, besonders an uns, sind geprägt von der Politik, die China im In- und Ausland verfolgt. Ist die Situation in China revolutionär, dominiert also die revolutionäre der beiden Linien über die regressive, dann ist die Hilfe für uns von Wohlwollen und Freundschaft getragen, dann verstehen die Chinesen unsere Bedürfnisse und Schwierigkeiten richtig. Wir versäumen es nicht, ihnen unsere aufrichtige Dankbarkeit zu bekunden, und sie erklären uns: «Die Hilfe, die ihr Albaner uns gebt, ist sehr gross, die Hilfe, die wir euch geben, dagegen sehr klein. Wir müssen euch mehr helfen und werden euch in Zukunft auch mehr helfen.»

Doch wie es scheint, fielen diese Äusserungen, als Tschou Enlais regressive Linie im Hintertreffen, schwach war. Nun hat sie wohl die Oberhand gewonnen und ihre Anhänger äussern sich ganz anders.

Genosse Adil, der aus Peking, wohin er wegen des Wirtschaftsabkommens gereist war, zurück ist, stellte bei den Leuten von Tschou En-Jais und Li Hsiän-niäns Gruppe einen unverhohlen arroganten, verächtlichen und eisigen, ja feindseligen Geist fest. Li Hsiän-niän erklärte Adil beinahe offen: «Auch mit der Hilfe, die wir euch bewilligten, haben wir einen Fehler gemacht, und ich bin dafür kritisiert worden». «Ich», sagte Li Hsiän-niän, der Mann mit der grossen Axt, «bin dazu da, die Investitionen zu kürzen.» Mit anderen Worten: «Denkt, was ihr wollt, ihr Albaner, ich werde jedenfalls an eure Forderungen die Axt anlegen.» Unsere Forderungen sind vernünftig, für die Chinesen allerdings sind unsere Ansichten und unsere politische Linie «unvernünftig». Die Chinesen wollen, dass auch wir denken und handeln wie sie, dass wir eine opportunistische und prinzipienlose Aussenpolitik verfolgen, uns den Feinden des Volkes und der Partei im Land gegenüber liberal verhalten, die wir bestrafen, während die Chinesen sie wieder an die Macht heben. Die Chinesen streben danach, unserer Partei und unserem Staat die Eigenständigkeit zu nehmen, die sie mit Blut und Opfern gewonnen haben, und sie zu ihrem Satelliten zu machen. Sie wollen, dass wir unsere Uhren in allem nach der Pekinger Uhr stellen. Dazu wird es niemals kommen, wenn die Pekinger Uhr nicht nach der Uhr von Marx, Engels, Lenin und Stalin geht, nach der sich die Partei der Arbeit Albaniens getreulich und konsequent richtet.

Es ist offensichtlich, dass Tschou En-lais Gruppe Druck auf uns ausübt, verhindern möchte, dass unsere richtige marxistisch-leninistische Linie einen Schatten auf ihre Linie wirft und sie in eine schwierige Position bringt. Diese Linie ist nicht marxistisch-leninistisch, obwohl sie alle Anstrengungen unternehmen, sie als «revolutionäre marxistisch-leninistische» Linie in die Geschichte eingehen zu lassen. Diese ihre feindselige Haltung hat überall um sich gegriffen. Verschiedene chinesische Botschafter sprechen in Li Hsiänniäns Sprache über uns. Die Sowjets, die Rumänen und die Jugoslawen haben von dieser Haltung Wind bekommen und ihren Druck: auf uns verstärkt. So sieht die Wirklichkeit aus, doch sie können uns. weder zum Schwanken bringen noch einschüchtern. Tschou En-Jais Gruppe irrt sich gewaltig, wenn sie meint, sie könne uns in die Knie zwingen, so wie sich auch die Chruschtschowgruppe irrte. Auch, diese Gruppe werden wir in der internationalen Arena bezwingen.. Die Welt und die Völker werden sehen, dass ein Volk, und sei es auch noch so klein, wenn es von einer marxistisch-leninistischen. Partei geführt wird, nicht zu bezwingen ist, dass es im Gegenteil' sogar mutig vorwärts marschiert und siegt. Auch das chinesische~ Brudervolk wird eines Tages die chauvinistische Politik seiner Führung gegen das sozialistische Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens durchschauen, die China stets und ganz besonders in den, schwersten Zeiten, die es durchmachte, zur Seite standen, es vertei-digten und nach Kräften unterstützten.

Wir werden immer zu der gerechten Sache des chinesischen, Volkes, zum Weg der Revolution und des Marxismus-Leninismus siehen. Die Grossmachtpolitik lässt sich nicht lange mit Maskem verhüllen.







MONTAG, 7. JULI 1975



LI HSIÄN-NIÄN ARBEITET GEGEN DAS SOZIALISTISCHE ALBANIEN

Li Hsiän-niän verzog auf unserem 4. Parteitag die Lippen nicht ,zum Lächeln, er sass da wie «Buddha», nur ein Zucken liess seine Wange beben, wie es scheint aus Nervosität, denn die Parteitagsdelegierten wurden tagelang nicht müde, zu jubeln und zu klatschen, um den sowjetischen Revisionisten Pospjelow und Andropow die Einheit der albanischen Kommunisten um das Zentralkomitee, die Treue der Kommunisten und des Volkes zur Partei der Arbeit Albaniens und zum Marxismus-Leninismus mitten ins Gesicht zu schmettern. Dieser Li Hsiän-niän, der auf dem Parteitag in der Rolle eines Vertreters des grossen China, um das es in Bukarest und Moskau so viel Lärm gegeben hatte, finster dasass, riet uns, den Sowjets riegenüber massvoll aufzutreten, uns mit Chruschtschow und seinen Genossen zu unterhalten. Zur Zeit der Kulturrevolution glich dieser Lakai Tschou En-Jais dann einer Ratte, die kein Loch findet, in das sie sich verkriechen kann. Damals wurde ihm beinahe der Hut aufgesetzt, ganz zu schweigen davon, dass man ihn hart kritisierte, beschimpfte, verurteilte und heruntermachte. Das erzählte er uns selbst. Als während der Kulturrevolution verschiedene Delegationen von uns nach China reisten, sassen er und sein Herr Tschou En-lai, der dank des Eingreifens von Mao persönlich der Säuberung entgangen war, wie begossene Pudel da.

-O tempora, o mores!»* *( O Zeiten, o Sitten! (lat. im Original)) Die stürmischen Zeiten gingen vorüber, Tschou und Li Hsiän-niän tauchten wieder auf und übernahmen die Macht, während sich Tschen Bo-da als «Agent aller» entpuppte und liquidiert wurde, während Lin Biao, «Agent der Sowjets, Verschwörer, ein Flugzeug nahm, ausriss und in der Mongolei verbrannte und zu Asche wurde», und andere ins Gefängnis kamen. China raffte sich mühsam auf, um die zersprengte Partei zu reorganisieren, die dann zum Parteitag zusammentrat. Mit Mühe und Not versammelte sich der Volkskongress. Man spricht davon, sie seien fidabei, die Kongresse der Massenorganisationen vorzubereiten. Doch inmitten dieses wüsten Durcheinanders wurde eine Sache gründlich getan: die Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika wurde geknüpft und festigt sich nun. Die Batterien wurden ausschließlich gegen die Sowjets gerichtet. Deng Hisao-ping wurde rehabilitiert und zum stellvertretenden Ministerpräsidenten, zum stellver1;r etenden Parteivorsitzenden, zum Mitglied des Politbüros des Zen1j alkomitees, zum Chef des Generalstabs usw. gemacht. Er fuhr auch zur Tagung der UNO-Vollversammlung und erklärte dort, China sei «Teil der dritten Welt». China öffnete sich der Welt und predigte rlie Freundschaft mit allen ausser der Sowjetunion.

Li Hsiän-niän ,wurde nach Tschou En-lais Erkrankung zum <.König» der chinesischen Wirtschaft hochgejubelt. Und nicht nur das, sondern auch noch zum «König» der größenwahnsinnigen internationalen Politik Chinas. Er erklärte unseren Genossen: «Ich fuhr rach Pakistan und sagte zu Ali Bhutto, er solle sich vor den Sowjets vorsehen und sie bekämpfen» - als habe Bhutto nur auf Tsch.ou T.n-lais und Li Hsiän-niäns Nachhilfeunterricht gewartet. «Ich fuhr in den Iran und sagte dem Schah-in-Schah, er solle sich vor den Sowjets hüten urnd sie bekämpfen» - als wisse der Schah des Iran nicht, wie man die Sowjets bekämpft, und habe nur darauf gewartet, dass es ihm Li Hsiän-niän sagte. «Ich riet den Irakern, gute Beziehungen zum Iran herzustellen und sich von der Sowjetunion zu lösen.» Siehst du nicht, um Li Hsiän-niäns schöner Augen -willen hat sich el Bakr mit Pahlevi verständigt! «Ich habe den Afghanen geraten, den Sowjets gegenüber aufzupassen», denn Daud hatte nur darauf gewartet, dass ihm Li Hsi'àn-niän sagte, er solle sich nicht eng mit Moskau verbinden. Die «superschlaue» und größenwahnsinnige Politik eines Truthahns! Die «herzlichen» Gespräche, die sie mit den herrschenden Cliquen verschiedener Länder der «dritten Welt» führen, sind ihrer Meinung nach von entscheidendem Gewicht! Diese Cliquen handeln genau als das, was sie sind - kapitalistische Bourgeois: sie verlangen Dollars, und wenn China sie ihnen gegeben hat, lassen sie hier und da ein lobendes Wort über es fallen, doch ohne dass sie das etwas kostet, denn sie nehmen von allen und drehen ihr Fähnlein nach dem Wind. Prinzipienlos waren sie schon immer. Auf der anderen Seite ist es so, dass ein Gespräch und die verlogene Freundschaft mit China die Revolution in ihren Ländenn schwächen, die Arbeit der Patrioten, der Komunistem und der Demokraten zunichtemachen, die glauben und propagieren, China sei für die Revolution. Unglücklicherweise hält es Chinas Politik mit den Königen und bürgerlichen Diktatoren. China betreibt das Geschäft der Vereinigten Staaten von Amerika, die ihm in ihren Einflusszonen bis zu einem gewissen Grad Handlungsfreiheit geben, weil es eine antisowjetische Posaune ist. Und daran sind die Amerikaner interessiert.

So macht der «kluge» Li Hsiän-niän Chinas grosse Wirtschaftsund Weltpolitik. Er spricht aus dem Schatten von Maos Banner und arbeitet gegen die Partei der Arbeit Albaniens, gegen das sozialistische Albanien, gegen den getreuen Freund Chinas. Diese Elemente haben jetzt die Macht in China. Die Rehabilitierung Deng Hsiao-pings und gewiss auch vieler anderer seiner Sorte, die in der Kulturrevolution Schläge bezogen haben, führt dazu, dass sie alle in China das Gesetz machen, die marxistisch-leninistischen Freunde bekämpfen und die Antimarxisten, die Schwankenden, die Bourgeois sowie die, die den Lakaien für sie spielen, verteidigen. Mao hat gesagt, in China werde es alle 7 oder 8 Jahre zu einer Revolution kommen, die die Herrschenden hinwegsäubere. Geht man von dieser «Prophezeiung>,. aus, so rückt der Termin nun heran. Warten wir ab, was wir zu sehen bekommen werden.





DONNERSTAG, 31. JULI 1975



DIE CHINEISCHE POLITIK HAT KEINE PROLETARISCHE KLASSENACHSE

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Sowjetunion als sozialimperialistischer Staat in Maos China eine grosse Gefahr sieht und deshalb auch versucht, es zu zersetzen, vielleicht auch anzugreifen. Doch als der sozialimperialistische Staat, der sie ist, hält die Sowjetunion es auch nicht für unmöglich, dass China sie angreift. So weit wird China meiner Meinung nach nicht gehen, doch strategisch gesehen hat es das Ziel, die verlorene Zeit hereinzuholen, um wirtschaftlich und militärisch zu einer Grossmacht mit sehr moderner Industrie und Landwirtschaft zu werden. Erreicht China dieses Planziel ohne Kriege, wird es zu einer kolossalen Macht, zur dritten grossen Weltmacht. Doch was für eine Weltmacht? Eine sozialistische oder eine imperialistische? Dies hängt von der politischen und ideologischen Haltung der Kommunistischen Partei Chinas ab. Stellt sich China auf feste und unerschütterliche marxistisch-leninistische Positionen, wird es zu einer grossen sozialistischen Macht, zum Eckpfeiler der Weltrevolution, zum geschworenen Feind der imperialistischen Supermächte: der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika. Andernfalls wird auch China zu einer sozialimperialistischen Macht. Und dann werden alle drei Mächte mit Raubkriegen über die Völker herrschen, wird man das Spiel der imperialistischen Bündnisse und der ungerechten Kriege um Hegemonie und Neuaufteilung der Einflusszonen betreiben usw.

Welche Position nimmt China gegenwärtig in der internationalen Arena ein? Meiner Meinung nach nimmt es keine revolutionäre Haltung ein, verfolgt es keine Politik, die, wie es sein müsste, vom klassenmässigen Standpunkt der Revolution aus gesehen wird.

China betrachtet die Sowjetunion als den Hauptfeind der Welt. Das stimmt nicht ganz. Heute gibt es zwei Hauptfeinde auf der Weit: die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika. Für China mag strategisch die Sowjetunion der unmittelbarere Feind sein, doch in der Weltpolitik kann man diese Trennung, diese Unterscheidung nicht vornehmen, weil es sonst so erscheint, als denke China nur an sich selbst und nicht an die anderen Völker, die leiden und sich befreien wollen. Doch von wem wollen sie sich befreien? Nur von der Sowjetunion? Und was ist mit den Vereinigten Staaten von Amerika? Natürlich wollen sich die Völker von diesen beiden Supermächten und allen Kapitalisten der Welt befreien, die ihnen samt und sonders das Blut aussaugen.

Kennzeichnend für Chinas gegenwärtige internationale Politik ist der Aufruf zur «Einheit aller»: des amerikanischen Imperialismus, der anderen kapitalistischen Grossmächte, der «dritten Welt», in die es öffentlich auch sich selbst mit einbezieht, der «Welt der Blockfreien» und schließlich der Völker, der Marxisten-Leninisten und aller Rèvolutionäre. Also ruft es alle ohne Unterschied zur «Einheit» gegen die sozialimperialistische Sowjetunion auf. Diese ungeschminkte und unmarxistische Politik Chinas sagt allen: «Lasst den Klassenkampf sein, vergesst für einige Zeit die Revolution (bis ich, China, eine Großmacht geworden bin), Proletarier der ganzen Welt, vereinigt euer Streben mit der Bourgeoisie, die euch unterdrückt, denn (hört auf mich und folgt mir) wir müssen zunächst den Feind Nummer eins, die sozialimperialistische Sowjetunion zerschlagen, dann werden wir weitersehen.»

Diese Sorte chinesischer Politik, die dem amerikanischen Imperialismus und den kapitalistischen Weltmächten hilft, verwirrt und spaltet die revolutionären und kommunistischen Kräfte auf der gan7en Welt. Dieses Geschäft betrieben auch die Chruschtschowianer. Was sagten sie? «Friedliche Koexistenz, Freundschaft mit allen und besonders mit den Amerikanern; Kampf gegen die Marxisten-Leninisten, gegen die revolutionären Kämpfe; Revolution auf friedlichem Weg» usw. usf. Was sagt China heute? All das, was ich angeführt habe, was inzwischen bekannt ist, doch an die Adresse der Sowjetunion und gegen sie gerichtet. Ganz leise sagt auch China etwas «gegen» die Vereinigten Staaten von Amerika, während Chruschtschow damals, wenn er sprach, sogar -grosse Bomben» platzen liess. Die Wider sprühe Chinas zu den Vereinigten Staaten von Amerika sind gewissermaßen eingeschlafen.

China glaubt mit erstaunlicher Naivität, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und die anderen Länder, die es zur Einheit. aufruft, gegen die Sowjetunion «marschieren werden», wie und wann es will. Wie gross ist doch die Kluft zwischen ihrem Wunsch und der Wirklichkeit! In der Tat geschieht das Gegenteil. Der amerikanische Imperialismus und seine Verbündeten billigen und unterstützen die Politik und den Aufruf Chinas, denn dies bringt ihnen. gewaltigen Gewinn. Diese Politik bedeutet eine grosse Hilfe für sie,_ wo es ihnen darum geht, die Revolutionäre zu verwirren und zu unterdrücken, den Klassenkampf aufzuweichen und alle Kräfte gegen die Sowjetunion und die revisionistischen Parteien in allen Ländern, wo es sie gibt, zu hetzen. In ihrer Globalstrategie stacheln die amerikanischen Imperialisten und ihre Verbündeten China nach Kräften gegen die Sowjetunion auf und tun ihr Mögiichstes, um die - Sowjetunion mit der chinesischen Gefahr zu schrecken. Dies soll es ihnen erleichtern, ihre Absicht zu verwirklichen: die Sowjetunion noch gründlicher und möglichst rasch zu schwächen und zu zersetzen, um sich dann mit vervielfachten Kräften auch China zuzuwenden. Das ist für jeden klar, der auch nur ein bisschen Verstand hat, nicht aber für die «marxistisch-leninistischen maotsetungschen» Chinesen. Die chinesischen Führer .brüsten sich mit ihrer Politik: sie würden die Sowjetunion schwächen und die Widersprüche zwischen ihr und den Vereinigten Staaten von Amerika vertiefen. Dabei übersehen sie, dass es auch noch die andere Möglichkeit gibt - an die die Chinesen keinen Gedanken verschwenden -, dass nämlich diese Politik den Vereinigten Staaten von Amerika nützt. In ihrer Naivität glauben die Chinesen, sie schwächten mit ihrer Politik beide Supermächte, die Sowjetunion und die, Vereinigten Staaten von Amerika.

Das sozialistische China könnte tatsächlich eine entscheidende Rolle auf der Welt spielen. Doch dazu müsste seine Außenpolitik marxistisch-leninistisch, eine Klassenpolitik sein, die sich auf die Kraft, die Wünsche und das Streben der Völker stützt. In Worten kommt dies den Chinesen leicht und oft über die Lippen, doch die "Taten bleiben aus. China stellt diplomatische Beziehungen zu vielen Staaten auf der Welt her, sogar faschistischen Staaten. Ebenso treibt es international in grossem Umfang Handel, gibt vielleicht auch Kredite, doch überall zeigt sich klar, dass es besonders seinen Verbindungen zu den Spitzen der Regime dieser Länder grosse Bedeutung beimisst und sie herauszustellen versucht. Zu sagen ist, dass zwischenstaatliche Beziehungen unumgänglich sind, doch wenn man «so freundschaftlich» mit den Oberhäuptern der herrschenden Bourgeoisie umgeht wie China, dann heisst das ganz unmissverständlich, dass es den Klassenaspekt in den Beziehungen zwischen Staaten vergessen hat. Mit der chinesischen Politik erleben die Völker und die Revolutionäre dieser Länder bittere Enttäuschungen.

Die einzige wirkliche Grundlage im Kampf gegen die sowjetischen Sozialimperialisten, die amerikanischen Imperialisten und die .einheimische Bourgeoisie ist das Volk. Dieser Faktor darf niemals, auf gar keinen Fall vergessen werden. Die Chinesen allerdings vergessen ihn. Ihre Bündnisse und ihre Hoffnungen stützen sie auf die bürgerlich-kapitalistischen Führer. Die Chinesen meinen, diese seien «treue Verbündete» der Revolution, wenn sie auch nur das geringste Anzeichen von Antisowjetismus erkennen lassen. Das faschistische Regime Chiles ist antisowjetisch und durch und durch ,proamerikanisch, für die Chinesen aber ist es ein Verbündeter und Weggefährte.

China passt es überhaupt nicht, dass Vietnam, Laos und Nordkorea prosowjetisch eingestellt sind. Und da hat es recht. Aber auch diesen passt es nicht, dass China proamerikanisch eingestellt ist. Beide Seiten betreiben eine prinzipienlose, nicht marxistisch-leninistische Politik, die nicht vom Klassenstandpunkt ausgeht. Ihre Haltung ist opportunistisch und birgt Gefahren für alle in sich. Die 'Sowjetrevisionisten versuchen, über die Vietnamesen in Indochina zu dominieren. Selbstverständlich möchte China unbedingt in prinzipienlose Konkurrenz dazu treten. Wenn es der Sowjetunion gegenüber ins Hintertreffen gerät, wird es entweder mit den Ländern Indochinas brechen oder indirekt die Vereinigten Staaten von Amerika zu Hilfe rufen. Was wird sich daraus ergeben? Vietnam und seinesgleichen werden zur Beute einer Reihe von Imperialisten werden Auch in der kommunistischen Weltbewegung treibt China dieses Spiel. Ursprünglich, als die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien entstanden, war es nicht sehr interessiert, später überhaupt nicht. Jetzt dagegen zeigt es grösseres Interesse und ruft zum prinzipienlosen Zusammenschluss der verschiedenen Gruppen unter der Parole des <Kampfes gegen die Sowjetunion im Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika und der kapitalistischen Bourgeoisie ihrer Länder» auf. Diese Politik hat natürlich unter unseren Genossen auf der Welt grosse und reale Verwirrung und Unzufriedenheit hervorgerufen, doch wie sie wollen auch wir nicht offen gegen diese Politik Chinas auftreten. Schweigen können wir dazu allerdings auch nicht, so wenig, wie wir zum Sprachrohr der falschen chinesischen Politik werden können.

Offen und nachdrücklich erklären wir, dass wir an unserer Haltung, unserer Politik in allen Fragen, zu allen Ereignissen, zu jeder politischen Kombination, die auf Kosten der Völker geht, festhalten. Und aus all diesen Gründen sehen wir, dass unsere Politik sich von der Chinas in vielen prinzipiellen Fragen unterscheidet. Unserer Ansicht nach ist das gut, denn die Völker und die Marxisten-Leninisten sind imstande, selbst zu beurteilen, wer richtig denkt und handelt und wer falsch, danach steht es ihnen frei, den marxistischleninistischen Weg einzuschlagen und ihn der konkreten Lage in ihren Ländern anzupassen.

Unsere Partei hatte oft den Wunsch - und das wünscht sie auch heute -, mit den chinesischen Genossen kameradschaftliche Gespräche über diese grundsätzlichen, lebenswichtigen Probleme zu führen, doch die Chinesen wollen diese Gespräche nicht und weichen ihnen aus. Das äussern sie sogar offen, wenn sie es so weit treiben, den Besuch unserer Partei- und Regierungsdelegation zu verschieben, während es gleichzeitig keinen Reaktionär gibt, der in ihrem Land nicht empfangen würde. Wir sind uns im klaren darüber, dass sie mit unseren richtigen Anschauungen nicht einverstanden sind und sich der Diskussion nicht stellen wollen, weil sie nicht auf marxistisch-leninistischen Positionen stehen.

Diese falsche internationale Politik Chinas ist das Ergebnis von nicht marxistisch-leninistischen Anschauungen, die in China Fuss gefasst haben. Es ist schwer, genau festzustellen, was in diesem Land gerade vor sich geht, doch eines können wir sagen: dort gibt es wohl keine Stabilität, dort muss es mächtige rivalisierende Gruppen geben, die unter dem Banner Maos um dominierende Positionen in Partei und Staat ringen. Die in der Kulturrevolution verurteilten Elemente werden rehabilitiert und besetzen wieder die Posten, die sie verloren hatten. Gewiss werden sie sich an denen rächen, die die Kulturrevolution machten. Offiziell ist die Kulturrevolution weiter das Banner, unter dem jede Handlung, jeder Schritt dort erfolgt, doch es ist ein Banner, das zunehmend zerschlissener wird. Diejenigen, die die Kulturrevolution machten, können mit dem Kurs, den die Ereignisse nehmen, nicht einverstanden sein. Sie können nicht damit einverstanden sein, dass ihre Gegner von gestern rehabilitiert werden, dass eine solch nachsichtige Politik den amerikanischen Imperialisten gegenüber verfolgt wird, dass man vom richtigen Weg abweicht: vom Kampf gegen die revisionistische Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika. Sie, die für diesen Weg sind, nennt man Anhänger Lin Biaos, der zum «sowjetischen Agenten» erklärt wurde. Jetzt ist davon die Rede, dass es in Hangtschou, in Shanghai und in anderen chinesischen Städten Unruhen in der Armee gebe. Es heisst, das seien «Parteigänger Lin Biaos». Schon möglich, dass sie Parteigänger Lin Biaos sind, wichtig aber ist, welche politischen und ideologischen Auffassungen sie wirklich vertreten.

Die Feier zum Fest unserer Armee in Peking war sehr blass. Der Organisator der offiziellen Feierlichkeiten, ein Protokollarbeamter des Aussenministeriums, erklärte nach einer Stunde: «Die Feier ist beendet». Im Saal befand sich bei dieser Gelegenheit kaum einer der wichtigen Führer.

Warum geschieht das? Wie kommt es, dass die Chinesen unseren Artikel gegen die Konferenz von Helsinki mit keinem Wort erwähnen, während sie gleichzeitig jeden Wisch, der sich im Zusammenhang mit dieser Konferenz gegen die Sowjetunion äussert, auf Phrasen absuchen? Wenn tatsächlich irgendwo mit allem Nachdruck gegen die Sowjetunion gesprochen wird, dann ist es in unserem Artikel. Warum also erwähnen die chinesischen Genossen diesen Artikel nicht?! Für uns liegt der Grund klar auf der Hand: in diesem Artikel wird mit genau demselben Nachdruck auch gegen die Vereinigten Staaten von Amerika gesprochen, und das wollen die Chinesen der Öffentlichkeit in ihrem Land verheimlichen. Wir können für diesen wichtigen politischen Vorfall keine andere Erklärung finden.







DIENSTAG, 5. AUGUST 1975



DIE CHINESEN VERHALTEN SICH UNS GEGENÜBER IMMER ÜBLER

Wir stellen fest, dass sich die Chinesen uns gegenüber in einigen Punkten politisch nicht korrekt verhalten. Dies fällt uns auf, weil es vorher noch nie festzustellen war.

Bei ihren Armeefeiern hatte unser Militärattaché in Peking immer einen Ehrenplatz erhalten, an einem Tisch mit militärischen oder zivilen chinesischen Führern oder mit Vertretern von Staaten, mit denen wir Beziehungen haben, so den Vietnamesen, den Koreanern usw. Diesmal war es anders, und zwar auf ganz und gar offen provokatorische Weise: Sie hatten unserem Militärattaché einen Platz an einem Tisch mit dem sowjetischen Militärattaché zugewiesen. Als unser Attaché dies erfuhr, weigerte er sich, dort Platz zu nehmen, verlangte einen anderen Platz und protestierte dagegen, dass die chinesischen Genossen ihn an einen Tisch mit dem revisionistischen Feind hatten setzen wollen. Sie nahmen ihn von diesem Tisch weg und v erwiesen ihn an einen anderen, an dem der englische Militärattaché den Vorsitz führte. Von einer Provokation zur anderen. Unser Attaché akzeptierte auch diesen Platz nicht und verlangte, dass ihm ein anderer zugewiesen werde, ansonsten sei er gezwungen, auf eine Teilnahme an der Feier zu verzichten. Daraufhin gaben die Provokateure ihm einen anderen Platz.

Dieses Verhalten der chinesischen Seite ist kein Einzelfall. G leichzeitig werden unsere in den letzten Tagen erschienenen Artikel in der chinesischen Presse nicht veröffentlicht. Nicht einmal in einer Nachricht gehen die Chinesen auf diese Artikel ein. Das hat sogar die Aufmerksamkeit vieler ausländischer Botschafter in Peking erweckt: wie ist es möglich, dass China die ganze Weltpresse über die Konferenz von Helsinki zitiert und kein Wort über die albanische Presse verliert?!

Weiter haben wir eine Gemäldeausstellung nach Peking geschickt. Die Chinesen werden sie aber zuerst nicht in Peking, sondern in Kanton zeigen, «da in den Pekinger Sälen eine rumänische, eine vietnamesische Ausstellung gezeigt wird» usw.

Meiner Meinung nach werden wir noch mehr solcher unfreundlicher Gesten erleben, weil, und das ist offensichtlich, die Chinesen mit der Linie unserer Partei nicht einverstanden sind, weil es ihnen nicht gefällt, dass wir ihrer liberalen, proamerikanischen und prowestlichen Linie nicht folgen. Ganz gewiss passt es ihnen nicht, dass wir den Verrätern in der Armee, Beqir Balluku und seinen Leuten, deren Verschwörung Tschou En-Iais «Verbeidigungs»ratschläge zugrundelagen, auf die Schliche kamen, dass wir sie zerschlugen. Beqir Balluku und die Chinesen mögen auch über andere Fragen gesprochen haben, von denen wir nichts wissen, doch Tschou En-Jais «Denkanstoss», den er Beqir vermittelte, als dieser in Peking war, kennen wir.

Zum andern sind wir den Chinesen möglicherweise mit unserem Schlag gegen die Feinde Abdyl Këllezi, Koço Theodhosi usw. auf die Hühneraugen getreten, nicht weil Abdyl Këllezi der Vorsitzende der albanisch-chinesischen Freundschaftsgesellschaft war, sondern weil er die politischen und ökonomischen Anschauungen Tschou Enlais teilte, weil er ein Freund der Chinesen war, ein «teurer Freund», wenn nicht noch mehr. Die Dezentralisierung der Wirtschaft, der Kurs auf die «Selbstverwaltung» hin, die Sabotage im Erdölbexeich, die Aufblähung der Bürokratie und die anderen Übeltaten von Abdyl Këllezi und Co., all dies gefiel Tschou En-lai sehr, wenn es nicht überhaupt Tschou selbst war, der es ihnen eingeflüstert hatte. Wie dem auch sei, Beqir Balluku und Abdyl Këllezi waren zwei Schlangenköpfe, die wir abschlugen, bevor sie uns beissen konnten, wie sich dies Breschnew oder Tito, Tschou oder die Vereinigten Staaten von Amerika erträumt haben mögen oder vielleicht auch befohlen haben. Tschou und die Leute seiner Gruppe wähnen, ihr Spiel sei aufgedeckt worden, und damit haben sie recht, denn was wir über sie denken, baut immer nur auf den Fakten auf, die sie selbst uns liefern. Direkt werden wir sie nicht beschuldigen, doch wenn sie unsere Freundschaft schon mit dieser feindlichen Einstellung beantworten, muss bei uns ja der Verdacht entstehen, dass sie hinter den Kulissen feindliche Absichten gegen uns hegten, dass sie noch andere Missetaten begangen haben, von denen wir noch nichts wissen, die mit der Zeit aber sicherlich ans Licht kommen werden.

Wir müssen unsere Linie, die marxistisch-leninistischen Prinzipien verteidigen, sie offen und nachdrücklich bekräftigen, die Freundschaft mit dem chinesischen Volk und den chinesischen Marxisten-Leninisten hüten, wachsam sein und uns vor Provokationen in acht nehmen, denn die haben die chinesischen Revisionisten ja vor. Sie versuchen, uns in eine Falle zu locken und den Abbruch der Beziehungen zu China dann uns in die Schuhe zu schieben. Doch wir dürfen die Beziehungen zu China nicht verschärfen. Wir müssen die Prinzipien wahren, und wenn die Chinesen uns gegenüber irgendeine wichtige Handlung begehen, durch die unsere marxistischleninistischen Prinzipien verletzt werden, müssen wir sie unbedingt darauf hinweisen und ihnen Widerpart bieten. Auf ihre kleinen Bosheiten antworten wir am besten freundschaftlich und besonnen, so wie die Angestellten unserer Botschaft in der Frage der Ausstellung.

Zweifellos hat irgendeiner der Feinde und Saboteure, denen wir auf die Schliche kamen, Beqir Balluku, Abdyl Këllezi, Hito Cako oder ein anderer, den Chinesen gesagt: «Unsere (die albanische) Führung kritisiert euch in vielen Fragen» usw. Und dies verwendet die chinesische Führung anscheinend als Kapital. Deshalb nimmt sie auch die bekannte Haltung ein, die offizielle Delegation unserer Partei und unserer Regierung noch immer nicht zu empfangen. Dies wird auch durch die Art und Weise belegt, mit der sie unsere Kreditforderungen für den sechsten Fünfjahrplan aufnahmen.

Die Haltung der Chinesen dabei war hart, brutal, feindselig, nicht wie früher, als sie unsere Forderungen zwar auch nicht vollständig erfüllten, ihr Ton aber doch liebenswürdig, freundschaftlich war.

In den letzten beiden Jahren hat sich die Haltung der Chinesen uns gegenüber geändert, verschlechtert. Wo liegt der Grund? Er liegt in ihrer Haltung, die nicht mit unserer prinzipienfesten Haltung übereinstimmt. Doch die kannten sie seit langem. Wir beziehen zu jedem Problem offen Stellung, und die grosse Freundschaft mit China haben wir betont und betonen sie auch heute. Also?! Es gibt keinen Zweifel daran, dass ihre Verärgerung auf unsere ideologischen Meinungsverschiedenheiten zurückzuführen ist, doch hier haben die Feinde auch eine großangelegte Intrige ins Werk gesetzt. Sie versuchen um jeden Preis, unsere Freundschaft mit China zu zerstören, unsere Verteidigung und unsere Wirtschaft zu schwächen, dann zum Schlag auszuholen und die Macht zu übernehmen. Beqir Balluku, Abdyl Këllezi usw. intrigierten und verleumdeten also zusammen mit den Chinesen und sabotierten zugleich im Innern.

Möglich, dass die Chinesen meinen, wir hätten bei der Verhaftung der Verräter in der Armee und bei der Liquidierung der feindlichen Tätigkeit von Abdyl Këllezi und Co. den Schlag gegen diese Feinde von «antichinesischen» Positionen aus geführt. Wir haben sie über die feindliche Tätigkeit Beqir Ballukus informiert und werden sie auch über die Aktivitäten Abdyl Këllezis in Kenntnis setzen. Unterrichten wir also die Chinesen über die feindliche Tätigkeit dieser Verräter, geben wir den chinesischen Genossen wahrheitsgemäß klar zu verstehen, dass die Verräter, denen wir auf die Spur kamen, unter anderem grosse Verleumder, Betrüger waren. Wir müssen einen Genossen des Politbüros bestimmen, der anstelle Abdyl Këllezis den Vorsitz der albanisch-chinesischen Freundschaftsgesellschaft übernimmt.

Wenn die Chinesen die Fragen nicht marxistisch, sondern subjektivistisch auffassen, kann es durchaus sein, dass sie unsere Freundschaft mit China mit einer Einzelperson, einem Saboteur wie Abdyl Këllezi verknüpfen. Wir müssen diese Situation klären und möglichst beseitigen.







DONNERSTAG, 21. AUGUST 1875



UNAUSGEWOGENE HANDLUNGEN DER CHINESEN

Die ausländische Presse berichtet weiter von den «Unruhen in Hangtschou», wo «die Arbeiter wegen Lohnfragen revoltiert haben», und macht viel Aufhebens darum. Zum andern schreibt die gleiche Presse, den ausländischen Botschaften in Peking seien vom «Volk» Flugschriften gegen Deng Hsiao-ping zugeschickt worden, in denen dieser als «Urheber der Unterdrückung der Aufständischen und des Blutvergießens unter ihnen» bezeichnet werde.

Der Klassenkampf geht in der Periode des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft weiter, doch wir haben den Eindruck, dass dieser Kampf in China nicht konsequent geführt wird, dass er zaghaft ist und nicht auf soliden und beständigen Prinzipien gründet. Wo es Schwankungen in der Linie gibt, wird es mit Sicherheit auch eine schwankende Haltung gegenüber den Feinden geben.

Wenn man keine beständige Linie hat, hat man in Schlüsselmomenten auch die Situation nicht in der Hand, und es geschieht das, was sich in China ereignete: die Kulturrevolution gegen die Verrätergruppe Liu Schao-tschis, zu der auch Deng Hsiao-ping, Li Dö-scheng und andere gezählt wurden. Nach einiger Zeit entpuppten sie sich als «unschuldig», und man hob sie wieder in ihre früheren Positionen, sie «waren umerzogen worden». Ein «magisches» Wort, die «Wunder» der <.Gedanken von Mao Tsetung4 Nun gibt es aber viele, die diese schnelle Rehabilitierung nicht schlucken und die Frage stellen: wer hat recht, die, welche die Kulturrevolution durchführten, oder die, die dagegen waren? Natürlich wird es Zusammenstösse geben, ob nun mit Dazibaos oder in Form von Unruhen und Streiks, vielleicht aber auch bewaffnet, wenn sich die Widersprüche vertiefen.

Ich glaube, diese Politik Chinas mit ihrem Zickzack, mit ihrem Auf und Ab, mit ihren «proamerikanischen» Tenderizen, diese unklare und unbeständige «Globalpolitik» wird bei den Staaten und Völkern der Welt keinen Erfolg haben.

Die Vietnamesen und die Chinesen sprechen hinter vorgehaltener Hand nicht gut voneinander. Die Vietnamesen sagen, die Chinesen mischten sich in ihre inneren Angelegenheiten ein. Wie weit das stimmt, wissen wir àicht, aber China hat ein Interesse daran, dass Vietnam nicht zu einern Stützpunkt der Sowjetunion wird: Im Falle eines Angriffs der Sowjetrevisionisteñ stellt Vietnam eine grosse Géfahr für China dar.

Kim Ir Sen für seinen Teil ist ein Psèudomarxist. Er hat damit angefangen, in Europa und in Afrika «la tournée des grandsducs»* *( die Reise der Grossherzöge (frz. im Original) zu unternehmen, genau wie Tito und Ceaucescu. : .

Die USA sind zum «Mekka» der Revisionisten geworden. Alle pilgern hin und haschen nach der Hand des «Weltenpriesters», des amerikanischen Präsidenten in Washington. Auf Silbertellern bringen die Revisionisten dem amerikanischen Präsidenten fette Stücke ihrer Heimat, gegen Dollars. Mit einem Wort, sie gehen ohne mit der Wimper zu zucken zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und verschachern die Freiheit, die Unabhängigkeit und die Souveränität ihres Vaterlandes. . .

Der Japaner Miki führte Geheimgespräche mit Ford. Über was wohl? Über die Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika und Japans. Natürlich ist auch Japan gegen China. Ford und Miki werden nun eine ausgewogene Politik verfolgen, sowohl gegen China als auch gegen die Sowjetunion. Zweifellos hat Ford Japan die Atombombe versprochen, aber auch Japan hat seinerseits Ford der Freundschaft des asiatischen Gendarmen versichert, gegen denoder diejenigen, die diese amerikanisch-japanische Freundschaft in Gefahr bringen könnten.

So windet sich China zwischen den tückischen und feindseligen Japanern, dem größenwahnsinnigen, schwankenden und revisionistischen Kim Ir Sen, den prosowjetischen Vietnamesen und dem feindlichen Indien! Bei dieser Politik ohne marxistisch-leninistisches Rückgrat kann nichts Gesundes herauskommen. Wenn die Chinesen glauben, sie könnten mit dieser Politik die Positionen des Sozialismus innerhalb und außerhalb ihres Landes festigen und konsolidieren, dann irren sie gewaltig und werden bittere Enttäuschungen erleben. Die Chinesen meinen, die kapitalistischen Cliquen hätten einen Hang zur Politik Chinas, weil sie ihnen hin und wieder ein bürgerlich diplomatisches Lächeln schenken, doch eigentlich müsste ihnen klar sein, dass sich diese Cliquen mit Haut und Haar dem Weltkapitalismus, den beiden Supermächten verschrieben haben. An der «Freundschaft» mit China ist ihnen gelegen, weil sie sich den einen oder anderen Kredit versprechen und sie für die eine oder andere sporadische Erpressung benutzen wollen. China ist für sie ein «Modestaat», der avveder anheizt, noch löscht, der gegenwärtig für uns nicht gefährlich ist, von dem wir aber auch keinen Nutzen haben». Sie sehen in China einen «Pufferstaat», um eine eventuelle Überraschung in gewisser Weise abzumildern.

Leider glaubt China, die «Freundschaft» dieser Cliquen sei das gleiche wie die Freundschaft der Völker, über die sie herrschen. Hier irrt China sehr oder es handelt so, weil es ihm eher in den Kram passt.







MONTAG, 29. SEPTEMBER 1975



RUMÄNIEN UND CHINA HABEN EINE LINIE

Was ist nur an diesen rumänischen Revisionisten mit Ceaucescu an der Spitze, dass die Chinesen sie so sehr mögen und unterstützen?

In letzter Zeit gehen hohe Persönlichkeiten der rumänischen Partei und des rumänischen Staates in China aus und ein, als ob sie dort zu Hause wären, haben Treffen mit hohen Persönlichkeiten des Politbüros, nehmen und geben, küssen und umarmen sich, man schreibt über sie und rühmt sie.

Die rumänische Bourgeoisie ist in der Geschichte für ihre «Liebschaften» bekannt, das steht ausser Zweifel. «Liebschaften» hat sie mit allen gehabt, zu jeder Zeit - die Bourgeoisie beispielsweise mit dem bürgerlichen Frankreich, die neue revisionistische Bourgeoisie mit der Sowjetunion Chruschtschows, dem China Maos, dem Jugoslawien Titos, den Vereinigten Staaten von Amerika, der Deutschen Bundesrepublik und allen, die ihr Geld geben. Das ist allen klar, nur den Chinesen nicht. Für die Chinesen ist Ceaucescus Rumänien «gegen die Sowjetunion», deshalb «ist es sozialistisch», ist «die rumänische Partei eine marxistisch-leninistische Partei». All das entbehrt jeder Grundlage. Das Gegenteil ist der Fall.

Sollte es bei Ceauşescu ein Fünkchen von Antisowjetismus geben, dann kommt das daher, dass er ein Abenteurer chruschtsehowschen, titoistischen usw. Typs ist, der eine Kupplerrole übernommen hat. Und der Kuppler lebt, ohne dass die Sowjets ihm zusetzen, ja sogar - was sehr leicht möglich ist - mit ihrem Wissen und ihrer Hilfe als Gegenleistung für die Dienste, die er ihnen leistet. Er lebt aus der Tasche der Vereinigten Staaten von Amerika, der Deutschen Bundesrepublik und aller, die ihn bezahlen.

Ceausescus Regime ist ein Regime der Korruption, des Bankrotts, der Diktatur von Personen und Familien.

Es ist eine Schande für die Chinesen, eine solche Partei marxistisch-leninistisch zu nennen und einen Abenteurer wie Ceausescu als «grossen Politiker» zu betrachten!

Doch weshalb nehmen die Chinesen Rumänien und Ceaucescu gegenüber diese Haltung ein? Es lässt sich nicht anders erklären: sie verstehen sich, ihre Politik stimmt in Strategie und Taktik überein. Die Rumänen geben sich antisowjetisch, die Chinesen sind antisowjetisch. Die Rumänen sind Freunde der Amerikaner, sie schalteten sich ein und versöhnten die Chinesen mit den Amerikanern. Ceaucescu und Bodnarae wurden zu «Paten» der chinesischamerikanischen Freundschaft, die den rumänisch-sowjetischen oder den sowjetisch-amerikanischen Verbindungen gleicht. Zum Schein schelten sie einander, um die Fassade zu wahren, doch dahinter treiben sie Unzucht in Politik, Handel usw.

Die Rumänen sind für eine breitangelegte Politik mit den europäischen Kapitalisten, an die sich Rumänien verkauft hat, angeblich, um sich vor den Sowjets zu schützen. Genauso ist auch China für eine Politik der Annäherung an die europäische Reaktion, aber gegen die Sowjets. Die Taktik der Chinesen dabei ist: «Sieh dich vor, Europa, die Sowjetunion will dich durch einen Krieg verschlingen!».

Rumänien und China haben also eine Linie. Rumänien erhält schon Kredite von Europa, China noch nicht, doch immerhin treibt es einen «interessanten» Handel. Rumänien hat einen starken «Mann», die Vereinigten Staaten von Amerika, denen es Dollars und andere Vergünstigungen abluchst, während China Handel mit den Vereinigten Staaten von Amerika treibt, kauft und verkauft, mehr Gruppen aller möglichen Leute empfängt als hinschickt, Gruppen, die herzlich empfangen werden.

Ceausescu fing an, königliche diplomatische Reisen in alle Länder der Welt zu unternehmen. Ceaucescu ist mehr im Ausland zu finden als in Rumänien. Was macht er im Ausland? Er kauft und bringt, er schliesst und löst Abkommen, nimmt hier und da ein Sümmchen mit, irgendwer verleiht ihm auch einmal einen Orden, Ceaucescu nimmt nun auf dem Schwarzmarkt der weltumspannenden Verhandlungen Titos Platz ein.

China verhält sich auf der Welt nicht wie Rumänien; ihm gefällt die Taktik der «Öffnung», des «Anerkanntwerdens», doch vorläufig geht es noch nicht so schamlos vor wie Rumänien. Rumänien hat dem Kommunismus, der Revolution abgeschworen. Auch China ist in diesem Fahrwasser. China hat sich zu einem Teil der «dritten Welt» erklärt, doch gehört man zur «dritten Welt», gehört man auch zur «Welt der Blockfreien». Denn den Unterschied zwischen der «dritten Welt» und der «Welt der Blockfreien» kennen nur Titos «Theorie» und die «Theorie» Deng Hsiao-pings, der China als Mitglied in diese «Welt» einführte.

All dies und noch anderes macht also Rumänien zum «besten Freund Chinas»!

Wir verurteilen die antimarxistische, proamerikanische und prorevisionistische Politik der rumänischen Führung. Diese unsere Haltung bewirkt natürlich Chinas Abkühlung uns gegenüber.

In China wird sehr grosse Propaganda für Rumänien betrieben. Eine Person in Shanghai sagte zu einem unserer Genossen: «In Albanien gab es einen Putsch sowjetischer Agenten, um eure Regierung zu stürzen, euch kamen aber zwei rumänische Divisionen zu Ililfe, die die Situation retteten.» Ich glaube nicht, dass man diese Person von oben dazu veranlasst hat, dies zu sagen, sie muss vielmehr irgendein feindliches Element gewesen sein oder jemand, der von Beqir Balluku erfahren hatte, die Sache mit ihm mit «ihrem treuen Verbündeten Rumänien» in Verbindung brachte und daraus sein Garn spann.

So sieht Rumäniens internationale Politik aus, das ist Chinas Wertschätzung dafür. Wir sind sowohl gegen den einen als auch gegen die Erwägungen des anderen, und diese Haltung gründen wir auf realistische Analysen im Lichte des Marxismus-Leninismus.

In Europa und auf der Welt macht Rumänien ohnehin «eine grosse Politik», es will aber auch den Dirigentenstab der Balkanpolitik in die Hand nehmen. Ceaucescu will - nicht mehr und nicht weniger - zum Baschtschausch* *( Wortspiel: Tschausch (türk.) : Feldwebel. Baschtschausch (türk.) : Oberfeldwebel.) des Balkan werden und predigt deshalb eine Beratung aller Staatsführer des Balkan, zu der auch die Vereinigten Staaten von Amerika und Italien eingeladen werden sollen. Die «kleine lateinische Schwester» träumt zusammen mit ihrer grossen lateinischen Schwester (beide bekannt als Komplizen im Faschismus und bei der Unterwerfung unter den amerikanischen Imperialismus) davon, uns in den Pferch der Amerikaner zu bringen.

Rumänien weiss, dass dieser Vorschlag von ihm eine Seifenblase ist, doch das macht nichts, immerhin schillert die Seifenblase, ehe sie platzt, in «einigen Farben».

Worin besteht Ceaucescus Antisowjetismus? Irgend etwas Wichtiges gibt es nicht. Angeblich lässt er seine Truppen nicht an den Manövern des Warschauer Vertrags teilnehmen, doch mit Stäben nimmt er teil. Rumänien ist im Warschauer Vertrag, und dort wird es bleiben. Im RGW steckt es mit Haut und Haar, doch es widerspricht auch einmal, stänkert auch einmal, doch im RGW stänkern selbst die Bulgaren, die mit den Sowjets «ein Herz und eine Seele» sind.

Worin äussert sich also ihr Antisowjetismus? Vielleicht darin, dass sie nicht wie die bulgarischen Führer geworden sind?! Doch sie sind ihnen nahe, wenn nicht noch weiter. Die Bulgaren mögen irgendwann einmal zu einem überraschenden «Schlag» ausholen, während die Rumänen keine solche «Helden» sind.





DIENSTAG, 30. SEPTEMBER 1975



IN CHINA HAT MAN KEIN WORT ÜBER DIE SPANISCHEN HELDEN VERLOREN

Antimarxistisch und skandalös ist es von den Chinesen, dass sie bis heute noch mit keinem einzigen Wort für unsere fünf spanischen Genossen, darunter drei Mitglieder der Kommunistischen Partei Spaniens/Marxisten-Leninisten, eingetreten sind, die der Henker Franco erschiessen liess. Die ganze Welt erhob sich und protestierte scharf, das ganze Weltproletariat, ja sogar bürgerliche Regierungen, selbst der Vatikan protestierten gegen diesen empörenden, gemeinen Akt und riefen ihre Botschafter aus Madrid zurück. Nur das «revolutionäre, sozialistische China Maos» hat kein Wort über die spanischen Helden verloren!! Das soll eine revolutionäre Haltung sein?! Eine marxistisch-leninistische Haltung? Nein, das ist eine reaktionäre Haltung in der vollen Bedeutung des Wortes. China verteidigt Franco, so wie es gestern Pinochet in Chile verteidigte. Klar ist also, dass China die faschistische Brut des amerikanischen Imperialismus verteidigt, die Vereinigten Staaten von Amerika verteidigt. Diese Haltung lässt sich nicht mit Schlagworten wie «... die Völker wollen Revolution» usw. kaschieren, wenn China in Wirklichkeit für die Konterrevolution eintritt.





MITTWOCH, 1. OKTOBER 1975



WIR HABEN DIE AMERIKANISCHEN IMPERIALISTEN NICHT NUR ZU ENTLARVEN, SONDERN AUCH ZU BEKÄMPFEN

Gestern abend waren wir, das ganze Politbüro und die Regierung, aus Anlass des 26. Jahrestags der Proklamation der Volksrepublik China beim chinesischen Botschafter zum Abendessen. Das Hotel «Dajti» war voll mit Gästen, ein luxuriöses Bankett! In bezug auf Mittag- und Abendessen hält China nicht die Hand auf die Tasche, doch wenn wir etwas für unseren Plan brauchen, dann sitzt es auf dem Geld. Wie dem auch sei, die se Sache ist abgeschlossen, und in unserem Gespräch mit dem chinesischen Botschafter erwähnten wir sie auch gar nicht mehr.

Natürlich schnitten wir während des Gesprächs Probleme an. Der chinesische Botschafter brachte wie immer die bekannten Formeln und Schlagworte oder, anders ausgedrückt, «Silofutter». Er war gerade aus China zurückgekommen und erzählte uns, in Dadschai habe «die grösste Beratung, die der Staatsrat je organisiert hat», stattgefunden. Dann fing er mit den bekannten Floskeln über Dadschai an. Ich sagte: «Wir haben,.gelesen, dass Deng Hsiao-ping und Djiang Tjing. wichtige Reden gehalten haben. Können Sie uns etwas über den Inhalt dieser Reden sagen? 'Renmin Ribao'. bringt nichts darüber.» Der Botschafter antwortete: «Auch in Peking wurde danach die gleiche Beratung abgehalten.» Das sollte heissen: «ich weiss nicht mehr» oder: «Ich bin nicht befugt, euch mehr zu sagen». Trotzdem sagte ich zu ihm, sie sollten uns nach Möglichkeit diese Reden zukommen lassen, «damit auch wir von ihrer Bedeutung profitieren können». «Ganz bestimmt», sagte er. Wir erwarten natürlich, dass sie uns am... Sankt-Nimmerleins-Tag zugehen werden, wie das andere.

Konkreter sprach ich mit dem chinesischen Botschafter über unsere Landwirtschaft, über die Weizenernte, die nicht schlecht war. Ich hob hervor, dass wir jetzt für höhere Erträge bei Mais usw. kämpfen, weil die grosse Trockenheit dieses Jahres noch immer anhält und uns schadet.

Ich berichtete ihm auch von der feindlichen Tätigkeit der Agenten der Sowjets und der 'Titoisten Beqir Balluku, Abdyl Këllezi usw. und stellte dabei heraus, dass sie uns sehr geschadet haben und wir gerade dabei sind, den Schaden, der durch ihre Tätigkeit angerichtet wurde, zu beheben. Ich betonte, dass diese Verräter im Dienst der Sowjets standen, dass sie Saboteure, Verleumder, Lügner usw. waren. Der Botschafter sass da, hörte zu und sagte nur: «Wie Liu Schaotschi und Lin Biao.»

Im weiteren Gespräch ging ich dann auf einige Schlüsselprobleme der internationalen Lage und die aggressive Rolle der beiden Supermächte ein. Er unterbrach mich und betonte ihre Parole vom Kampf gegen die Sowjetunion. Die Vereinigten Staaten von Amerika erwähnte er nicht namentlich, er sagte nur: «Die anderen müssen wir entlarven.» Ich entgegnete: «Entlarven, aber auch bekämpfen, denn die Entlarvung allein lässt sie ziemlich ungerührt, wenn wir sie nicht bekämpfen.»

Daraufhin kam der chinesische Botschafter mit der Formel an: «Der Vorsitzende Mao lehrt, dass wir uns auf den Kriegsfall vorbereiten, Getreidevorräte anlegen müssen.»

Ich antwortete ihm: «Mao hat recht, die Vorbereitungen auf den Krieg verlangen Brot, sie verlangen aber auch moderne Waffen. Wir haben die gleiche Linie und wissen, dass der Mensch die hauptsächliche Rolle im Krieg spielt, aber auch auf die Waffen kann man nicht verzichten. Unsere Feinde haben sich bis an die Zähne mit ultramodernen Waffen bewaffnet. Die Supermächte haben nicht nur selbst, sie haben auch ihre Verbündeten, etwa Tito, aufgerüstet, der sowohl von den Vereinigten Staaten von Amerika als auch von der Sowjetunion moderne Waffen bezieht. Rumänien verfolgt genau den gleichen Weg. Gegen wen werden sie diese Waffen richten? Etwa gegen die, die sie ihnen geben? Das erscheint zweifelhaft. Man kann auch diese Eventualität nicht ausschließen, denn sie haben untereinander Widersprüche. Aber in erster Linie werden sie diese Waffen gegen uns richten, deshalb müssen auch wir, China wie Albanien, uns so schnell wie möglich mit modernen Waffen rüsten. Albanien steht nur ein Weg offen, auf dem es sich Waffen beschaffen kann: bei unserem grossen Verbündeten, Maos China. Wird uns dieser Weg verbaut, und in Notzeiten wird uns dieser Weg verbaut sein, wird das sozialistische Albanien in der Einkreisung kämpfen.»

Der Botschafter brachte die andere bekannte Formel an: «Wir sind wegen der feindlichen Tätigkeit Lin Biaos sehr im Rückstand.»

Ich hielt es nicht mehr aus und sagte: «Diese Situation muss unbedingt überwunden werden, und zwar so schnell wie möglich. Sonst wird Maos Gedanke, dass man mit den herkömmlichen Waffen nicht hinreichend Krieg führen kann, nicht völlig umgesetzt. Ihr Chinesen sagt in richtiger Beurteilung der Lage, dass der Balkan ein Punkt ist, wo ein sowjetischer Angriff unmittelbar droht. Darin sind wir mit euch einverstanden, denn auch wir beurteilen die Lage so. Deshalb sind wir dabei, unsere Verteidigungsanstrengungen erheblich zu verstärken. Die Partei hat Mehmet mit dem Amt des Verteidigungsministers betraut. Wir werden nicht zulassen, dass der Feind lebend unseren Boden betritt, aber in der Luft und zu Wasser wird er überlegen sein, deshalb brauchen wir geeignete Waffen, um diesen modernen Mitteln der Feinde etwas entgegenzusetzen.» Ich fuhr fort, meinen Gedanken zu entwickeln. Ich sagte ihm, dass die Gefahr eines unmittelbaren Angriffs in Europa zwar bestehe, dass jedoch auch sie in Asien aufpassen müssten, da weder die Sowjets noch die Amerikaner schliefen.

Der «kluge» chinesische Botschafer brachte das Gespräch wieder auf die Erfahrung von Dadschai!

So endete unser Gespräch.







DONINERSTAG, 2. OKTOBER 1975



CHINAS AUSSENPOLITIK IST NICHT REVOLUTIONÄR

Die Kommunistische Partei Chinas nimmt in der internationalen Politik falsche, unmarxistische Positionen ein. Ihre Politik ist nicht revolutionär, geht nicht vom Klassenstandpunkt aus, ist nicht proletarisch, nicht für die Revolution. Bis gestern hatten sich die Volksrepublik China und ihre Aussenpolitik abgekapselt. Doch nun haben sie sich ausgebreitet wie Öl auf dem Wasser, und diese Ausbreitung hat unserer Meinung nach eine falsche Richtung genommen.

Welches war ihre falsche Richtung?

Die Kommunistische Partei Chinas gibt sich den Anschein, als helfe sie der Weltrevolution und den marxistisch-leninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien, doch in Wirklichkeit tut sie es nicht.

Die Kommunistische Partei Chinas behauptet, «China ist Teil der dritten Welt», anstatt sich als sozialistisches Land zu bestätigen, anstatt den Völkern der Welt und nicht den über sie herrschenden Cliquen zu helfen. Dies gilt besonderes für die blutrünstigen Cliquen der reaktionären Bourgeoisie, die sich an jeden Imperialisten verkaufen, um das eigene Volk zu beherrschen. China propagiert die Freundschaft und das Bündnis mit der gesamten «dritten Welt», ohne dabei auf politische, vor allem aber, ohne auf Klassenunterschiede zu achten, ohne zu kämpfen und irgend etwas zu tun, um die Widersprüche zwischen der Arbeiterklasse dieser Under und der reaktionären Bourgeoisie, die sie unterdrückt, zu vertiefen. Die Kommumstische Partei Chinas und die Politik des chinesischen Staates ignorieren diese Widersprüche und tragen dazu bei, sie abzumildern, wenn sie offen Cliquen wie die von Pinochet, Franco, Mobutu und vielen anderen in Schutz nehmen. Das ist keine marxistisch-leninistische, sondern eine antimarxistische Politik, versucht sie doch, den internationalen Klassenkampf abzuwürgen. Die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat vergessen also ihren Klassenverbündeten, das Weltproletariat, unterschätzen es und stellen das Bündnis mit den Häuptern der Bourgeoisie heraus, die über das Proletariat und die Völker herrschen. Und dieses Bündnis, das nicht vom Klassenstandpunkt aus angegangen wird, schwankt je nach den Umständen.

Die chinesische Aussenpolitik lässt sich von zwei Grundkriterien leiten:

Das erste Kriterium: Bist du China wohlgesonnen oder nicht? Wenn ja, oder wenn du auch nur so tust, bist du, wer du auch sein magst, ein Verbündeter und Freund Chinas, und «ich, China, vergesse die klassenmassige Seite der Politik und trete für dich ein, empfange dich mit Gongs, gebe dir auch Kredite. Singst du mir viele Loblieder, mag ich dich sehr, wer du auch bist; magst du mich mittelmassig, so stimme ich meine Freundschaft darauf ab; höre ich, dass du dich mir widersetzt oder dich von mir abgekehrt hast, dann ziehe ich andere Saiten auf, dann fängt bei mir die Feindschaft an». Also: eine wankelmütige Freundschaft, eine Freundschaft von der bürgerlichen Art.

Das zweite Kriterium: Bist du gegen die Sowjetrevisionisten, bist du Chinas Freund, wer du auch sein magst. Das Prinzip der chinesischen Politik ist: ihr Hauptfeind und der Hauptfeind der ganzen Welt ist der sowjetische Sozialimperialismus, denn er ist «nicht entlarvt, ist kriegstreiberisch, strebt nach Welthegemonie». Deshalb, so die chinesische Politik, muss gegen die Sowjetunion die «Heilige Allianz» mit den Vereinigten Staaten von Amerika geschaffen werden, von denen die Chinesen sagen, sie seien «imperialistisch», aber «Feinde» zweiten Ranges nach der Sowjetunion. Das sind Lippenbekenntnisse, das Ziel der Chinesen jedoch ist es, sich in einer sozialdemokratischen Allianz mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu verbinden. Sie haben die Propaganda zur Entlarvung des amerikanischen Imperialismus zurückgeschraubt, abgeschwächt. Oder konkreter, sie haben ihren Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika eingestellt, sind sogar mit der Konsolidierung dieses verlogenen, ungeheuerlichen Bündnisses noch weiter gegangen. In jeder Partei, die sich als marxistisch-leninistisch, kommunistisch ausgibt, und in den Staaten, die sich selbst für sozialistisch halten, propagieren, beraten und unterstützen die Chinesen jede proamerikanische Strömung und wirken darauf hin, dass nur wenig oder überhaupt nicht von den aggressiven Akten der Vereinigten Staaten von Amerika gesprochen wird, sie täuschen die revolutionären, die Befreiungsbewegungen, die marxistisch-leninistischen Bewegungen, zwingen sie, der chinesischen Politik entsprechend vorzugehen. Auch dort, wo der amerikanische Imperialismus seine blutigen Klauen tief eingeschlagen hat und die einheimischen Cliquen zu Agenturen der Amerikaner geworden sind, redet man den fortschrittlichen und revolutionären Bewegungen zu, ermuntert man sie, nolens volens zu sagen: «Der Hauptfeind ist die Sowjetunion.»

Das ist abscheulich. Das bedeutet, das Proletariat zu betrügen, die Revolution zu ersticken und zum imperialistischen Weltkrieg aufzuhetzen, anstatt den marxistisch-leninistischen Weg zu gehen, d.h., für die Schwächung der amerikanischen Imperialisten und der sowjetischen Sozialimperialisten zu kämpfen, der Revolution zu helfen (und nicht sie zu ersticken), die nationalen Befreiungskämpfe der Völker gegen die beiden Supermächte zu unterstützen, um so deren Pläne für den imperialistischen Raubkrieg zu durchkreuzen und, falls dieser Krieg nicht vermieden werden kann, ihn in einen Bürgerkrieg zu verwandeln, in den Befreiungskampf und die Revolution.

Doch China geht nicht diesen Weg. Es hat erklärt und im Kommuniqué von Schanghai auch verbrieft, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht hegemonisch seien und nicht um die Hegemonie kämpften. Wenn man das meint, auf ein «Stück Papier» vertraut, wie Ford in Peking solche Erklärungen nannte, dann hat man sich von der marxistisch-leninistischen Theorie abgewendet und geht einen entgegengesetzten Weg.

China verwendet Parolen wie: «Die Nationen wollen Befreiung, die Völker wollen Revolution», in Wirklichkeit aber hilft es den nationalen Befreiungskämpfen und der Revolution nicht, sondern würgt sie ab. «Auf der Welt herrscht grosse Unordnung, doch die Situation ist glänzend», sagen die Chinesen. Zu sagen: «Die Situation ist glänzend», wenn die beiden Supermächte die Völker unterdrücken und knechten, wenn sie auf den imperialistischen Krieg hinarbeiten, wenn sie die Völker aufhetzen, sich gegenseitig abzuschlachten usw. usf., und wenn du selbst, China, dich auf die Seite des einen imperialistischen Staates schlägst und ihn um Hilfe angehst, um den anderen zu bekämpfen, und wenn du für diese verwerfliche Politik die Revolution, die marxistisch-leninistische Bewegung und die nationalen Befreiungskämpfe der Völker aufopferst, dann lügst du, dann begehst du grossen Verrat an der Revolution. Das zeigt das gefährliche Spiel Chinas.

Die Sowjetunion, der Warschauer Vertrag und der RGW werden entlarvt, wenn aufgezeigt wird, dass die Sowjetunion nun zum Beispiel in Bolivien eindringt, wo sie eine Zementfabrik gebaut hat usw. all das geschieht in der chinesischen Propaganda, und damit sind wir einverstanden. Wir waren immer einverstanden mit dem Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Doch wie China anzunehmen, der amerikanische Imperialismus sei zahmer geworden, die NATO sei nötig, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft sei nötig, man müsse sagen: HEs lebe das bürgerlich kapitalistische vereinte Europa», «Es leben Franco und Pinochet» - mit diesen und ähnlichen Ansichten und Auffassungen Chinas waren wir nicht einverstanden und werden es auch niemals sein. Wir sind sogar dagegen, jetzt und in Zukunft, und wir werden offen alle derartigen Ansichten bekämpfen, denn sie begünstigen den amerikanischen Imperialismus, den Weltkapitalismus, sie sind gegen den Marxismusleninismus, gegen die Revolution und den Sozialismus.

Die Krise der 'kapitalistischen und revisionistischen Welt ist schwer und tief wie nie zuvor. Doch was macht China? Hilft es den Millionen Proletariern, die in Streiks treten? Hilft es den Arbeitslosen, von denen es auf der Welt Millionen gibt? Hilft China vielleicht diesen gewaltigen Massen, die sich erhoben haben, und vertieft es durch seine Hilfe die Krise des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Revisionismus? Nein, nicht im geringsten! Leider hilft China den Vereinigten Staaten von Amerika und den ~kapitalistischen Staaten des Westens, diese Krise schmerzlos zu überstehen, es hilft ihnen politisch und ideologisch. Es hat ihnen seinen Binnenmarkt geöffnet und lässt Investitionen des ausländischen Kapitals in China zu. All das geschieht unter der Maske einer «marxistisch-leninistischen» Politik und angeblich, um den Feind Nr. 1, die Sowjetunion, zu bekämpfen, die möglicherweise morgen zu seinem Freund Nr. 1 wird.

Tatsächlich überlässt China diese ganzen Massen von Streikenden und Arbeitslosen der Manipulation der Revisionisten, der Sozialdemokratie, die samt und sonders im Dienst des einheimischen und internationalen Kapitals stehen. Weder unterstützt China die revolutionären Bewegungen und die marxistisch-leninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien, noch hilft es ihnen, vielmehr hat es sie in Kategorien eingeteilt: wer China lobt und sich seiner Politik anschlisst, ist gut, die anderen gelten nichts.

Doch die Tragödie der internationalen kommunistischen Bewegung besteht darin, dass sie China in Schutz nimmt und nichts gegen es sagt, es verteidigt, auch wenn es falsch handelt. Wir Albaner greifen es nicht offen an, denn das liegt noch nicht im allgemeinen Interesse. Doch unsere Aussen- und Innenpolitik ist offen, entschieden und in allen Fragen, auf die ich oben eingegangen bin, der Chinas entgegengesetzt. China weiss das, die Völker der Welt wissen das, die Marxisten-Leninisten wissen das ebenfalls, denn wir haben nie geschwiegen und werden niemals schweigen. Wir lassen nichts zu nicht die geringste Einmischung, nicht den geringsten Druck -, was die der ganzen Welt bekannte Linie unserer Partei verletzen und entstellen würde. Es gibt nicht wenige Leute, Staatsmänner und fortschrittliche Bürgerliche auf der Welt, die sich mit viel Sympathie über die Politik der Partei der Arbeit Albaniens äussern.

Warum äußern sie diese Sympathie?

Erstens, weil wir offen, mutig und richtig gegen die beiden Grossmächte auftreten, sprechen und zugleich auch handeln. Diese richtige Politik ist nach ihrem Herzen, denn viele andere sind dazu nicht in der Lage, weil ihnen die beiden Supermächte die Hände gebunden und den Mund verschlossen haben.

Zweitens, weil unsere Politik gegenüber den bürgerlichen Regierungen an der Macht weder liberal nach sektiererisch ist. Wir wissen zu unterscheiden. welche Regierungen fortschrittlich sind und welche nicht, und alle haben begriffen und sehen, dass unsere Politik in erster Linie die Interessen der Arbeiterklasse und des Volkes dieser Länder verteidigt, und dass wir von daher jene Regierungen oder jene Begierungsvertreter unterstützen, in deren Regierungsprogramm im grossen und ganzen solche Forderungen enthalten sind, und seien sie auch minimal.

Drittens, weil sie in der mutigen Politik unserer Partei ein Vorbild sehen, dem auch sie und ihre Völker, ob nun klein, wie wir, oder groß, folgen wollen. In Augenblicken, da sie von den beiden Supermächten in Krisen gestürzt werden oder ihrer Gewalt ausgesetzt sind, besinnen sich viele bürgerliche Regierungen oder Regierungsvertreter, die der eisernen Klammer entkommen wollen, auf Albanien und schöpfen an seinem Beispiel Mut.

Wir liebten und lieben China als ein grosses sozialistisches Land aufrichtig, wir haben es verteidigt und werden es auf marxistischleninistische Weise weiter verteidigen, doch diese seine Fehler in der Linie betrüben uns, sie gefallen uns nicht und wir können sie nicht akzeptieren. Wir wollen darüber diskutieren, doch die Chinesen gehen nicht darauf ein. Ihnen ist es «angenehm», dass wir nicht offen von ihnen reden, auch wenn ganz offensichtlich ist, dass unsere Standpunkte nicht übereinstimmen. Solche Positionen darf es zwischen unseren beiden Parteien und Staaten nicht geben. Dreimal in zwei Jahren haben wir wegen des Pekingbesuchs einer Delegation unserer Partei und unserer Regierung unter Leitung von Mehmet angefragt, doch dreimal haben die Chinesen sich taub gestellt und ihn verschoben. Andererseits empfangen sie sämtliche Staatsmänner aller Kategorien - Imperialisten, Bourgeois, Könige und Prinzessinnen, von Ford bis zum revisionistischen jugoslawischen Ministerpräsidenten Bijedic. Diese Verachtung und Geringschätzigkeit ist, wie könnte man es anders nennen, ein Ausdruck der Anschauungen einer Grossmacht, die uns gegenüber mit gedämpfter Stimme sagt: «Ihr seid unsere Freunde», zu sich selbst aber: «Freunde, die mir keine Körbe mit Feigen bringen», sprich: «die meine internationale Politik nicht unterstützen». Anders können wir uns diese unfreundliche Haltung Chinas Albanien gegenüber nicht erklären. Doch die Partei der Arbeit Albaniens weiss kühlen Kopf zu bewahren und nicht die Geduld zu verlieren.

Wir haben viel gelitten, mussten uns mit vielen Schwierigkeiten auseinandersetzen, doch wir sind mit ihnen erfolgreich fertiggeworden, weil wir den Marxismus-Leninismus verteidigt und befolgt haben, korrekt und besonnen gewesen sind, es verstanden haben, unsere nationale Sache eng mit den internationalen Interessen der Werktätigen zu verbinden. Die Partei der Arbeit Albaniens weiss, dass ihre Kraft im Volk liegt, im freien und souveränen sozialistischen Vaterland. Dies ist der wichtigste und entscheidende Faktor. Die internationale Hilfe kommt erst an zweiter Stelle. Wir verfolgen wachsam die internationale Lage, genauso wie die unzähligen, von den Zeitumständen diktierten Manöver verschiedener Staaten der Welt, und wir bemühen uns, richtige Lehren und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, die uns in der Politik unseres Staates nützlich sind. Doch die Politik unseres Staates darf weder auf diesen Zeitumständen aufbauen, noch ihren Schwankungen folgen. Die Politik der Partei der Arbeit Albaniens `hat ihre 'Strategie und Taktik als Grundlage, die auf der marxistisch-leninistischen Theorie aufbaut, angewandt unter den Bedingungen des Landes und den internationalen Bedingungen. Viele, die sich als Marxisten ausgeben, ohne es zu sein, mögen sich dieser Formel bedienen, doch man muss den Marxismus korrekt anwenden. Für uns sind die Zeitumstände in der Politik etwas Untergeordnetes, Unbeständiges, auf das man sich nicht stützen darf. Heute mag das Ziel einer an den Zeitumständen orientierten Politik in einer Richtung liegen, von der du taktisch profitieren kannst, wenn du sie auszunutzen verstehst, morgen dagegen ändert sich diese Richtung völlig, zu deinem Nachteil. Die Politik deiner Partei und deines Landes darf also nicht in jenes finstere Labyrinth geraten mit seinen Fallen, die die kapitalistischen, bürgerlichen und revisionistischen Staaten stellen.





DIENSTAG, 7. OKTOBER 1975



CHINA UND JUGOSLAWIEN

Die Führungen dieser beiden Staaten haben sich ineinander .«verliebt»! Eine alte Bekanntschaft, eine alte Sympathie. Den Chinesen und Mao selbst gefiel Titos Kampf gegen Stalin sehr, sie spendeten diesem Kampf Beifall und nannten ihn richtig. Aus dem Munde Maos waren die Worte zu hören: «Nicht Tito hat Fehler gemacht, sondern Stalin.» Es ist absolut wahr, dass Mao dies gesagt hat. Nicht nur, dass er selbst es zu uns gesagt hat, auch heute noch betreiben Tschou En-lai, Geng Biao und andere Propaganda gegen Stalin. «Ja», sagten die Chinesen (für das Publikum auf den Rängen), «Stalin ist ein grosser Mann, aber er hat Fehler gemacht.» Was für Fehler hat er gemacht? «Er hat die Chinafrage nicht richtig gesehen.» Aber «auch die Titofrage hat er nicht richtig gesehen», «auch die Frage der Sowjetunion», «auch die Frage des internationalen Kommunismus» usw.

Wenn er diese Fehler gemacht hat, wie die Chinesen behaupten, warum sprechen sie dann davon, dass «Stalin ein grosser MarxistLeninist war»? Und wer war Chruschtschow, den die Chinesen inzwischen in die Jauchegrube stecken? «Der Lenin unserer Zeit», sagte Mao auf der Moskauer Beratung im Jahr 1957. Ein «geniales» Urteil Maos über den Verräter!

Prinzipienlos war auch die Haltung der Chinesen Tito und dem Titoismus gegenüber. Wenn wir feststellen, dass die chinesische Linie bei der politischen und ideologischen Bestimmung der revisionistischen Tätigkeit Titos und des Titoismus in krassem Zickzack verläuft, so rührt das von der opportunistischen Politik der Chinesen her. Man musste gut über Tito sprechen, denn das entsprach ihrer Überzeugung, doch er musste auch «entlarvt» werden, weil ihn auch andere entlarvten, selbst Chruschtschow warf so manchen Stein auf ihn. Schließlich stellten die Chinesen die Polemik gegen Tito ein, und de facto begann die politische und ideologische Annäherung (obwohl sie nach aussen hin noch keine ideologischen und Parteibeziehungen unterhalten).

Als China proamerikanische und antisowjetische Positionen bezog, schlug diese Politik in seinen gesamten Beziehungen zum Ausland durch. Das imperialistische Amerika, die Faschisten Pinochet und Franco, Tito und Ceaucescu, Renegaten und Abenteurer, deutsche Revanchisten und italienische Faschisten sind seine Freunde. Die Ideologie spielt für China keine Rolle. Nichts betrachtet es vom Klassenstandpunkt aus, nichts unter dem Blickwinkel der Weltrevolution und der Befreiung der Völker! Nach Meinung der chinesischen Führung gibt es für China und die Welt nur einen Feind - den sowjetischen Sozialimperialismus. Eine bittere, eine tragische Tatsache, dass sie den anderen Feind, den amerikanischen Imperialismus, ausser acht lassen.

Die antimarxistische chinesische Taktik heisst: Bündnis mit der gesamten Weltreaktion, sogar auch mit erklärten und patentierten Faschisten, wenn sie nur gegen die Sowjets sind. Das ist nicht nur antimarxistisch, sondern zeigt auch, dass die Analyse der Chinesen von der Entwicklung der Weltprobleme so falsch und so dumm ist, dass man nur noch staunen kann. Jede politische Handlung der Chinesen leitet Wasser auf die Mühlen des Imperialismus und der Weltreaktion.

Die Chinesen meinen (denn anders können ihre Handlungen nicht aus gelegt werden), die ganze Welt sei davon überzeugt und glaube, China sei rot, revolutionär. Die Politik, die China betreibt, hat nur ein «revolutionäres» Ziel: die «dritte Welt», die «zweite Welt» und den amerikanischen Imperialismus gegen die sowjetischen Sozialimperialisten zu vereinigen. Und aus ihren Handlungen lässt sich schlissen, dass man, wenn es darum geht, dieses «Ideal zu verwirklichen, nicht besonders auf die Prinzipien zu achten braucht. «Wir treten jetzt für die Vereinigten Staaten von Amerika ein», rechtfertigen sich die Chinesen, «weil sie schwächer sind als die Sowjetunion, doch dabei geht es für uns auch darum, die Widersprüche zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika zu vertiefen.» Geniale Ideen!! Chinas Wunsch bestimmt also den Lauf der Welt! Die Erde dreht sich wie China es will! Die Politik der Kontinente mit ihren Völkern und Staaten richtet sich nach Chinas Wunsch!! Welch ein Blödsinn! Die ganze Weltreaktion, ausgenommen die sowjetische, drängt China auf diesen Irrweg und klatscht ihm Beifall. Und die chinesische Führung plustert sich auf wie ein Truthahn, allerdings wie ein. .. bescheidener Hahn.

Da China es aufgegeben hat, eine prinzipienfeste marxistischleninistische Klassenpolitik zu verfolgen, ist es nur natürlich, dass es sich nach den wechselnden politischen Umständen, nach den Winkelzügen und Intrigen der reaktionären Regierungen richtet.

Kommen wir auf die chinesisch-jugoslawische Freundschaft zurück. Sie ist mittlerweile eine Tatsache, wird jedoch scheitern, wenn die Chinesen in der jugoslawischen Politik prosowjetische Tendenzen feststellen. Wie wir wissen, ist Titos Politik im Kern antisowjetisch und proamerikanisch. Doch Tito laviert, immer hat er laviert und sich dabei als Abenteurer mit artistischen Fähigkeiten erwiesen; Tito betreibt eine volksfeindliche, antisozialistische, also antimarxistische Politik und hat die Position des «Leaders» im sinnlosen Block der «Blockfreien» übernommen. Tito betreibt tatsächlich die Polit'Lk dieser Staaten, die in, Wirklichkeit mit den Supermächten verbunden sind, auch wenn sie nicht ihren Militärverträgen und Militärpakten angehören.

Tito läuft sich die Beine ab, erhält Schecks und Vergünstigungen von allen. Er knechtete Jugoslawien, schuf dort eine Schicht von Neureichen, lebt wie ein König, spielt sich als «großer politischer Kopf» auf, und man hält ihn dafür. Niemand kauft Titos Gewäsch ab, doch wenn sie ihn brauchen, spielen sie ihn hoch, und wenn er ihnen dann nicht mehr nützlich ist, werfen sie ihn, früher oder später, weg wie eine ausgequetschte Zitrone.

Kein Zweifel, dass die Sowjets Jugoslawien unter ihr Joch bringen wollen. Dafür ist ihnen jedes Mittel, jede Politik, jede Verschwörung, jedes Manöver recht; sie schmeicheln Tito, schreiben und sagen Gutes über ihn, versprechen und geben ihm Kredite. Als alter Fuchs rückt Tito näher an sie heran und lächelt ihnen zu. Wenn die Sowjets ihr Ziel nicht ganz erreichen können, zeigen sie ihm die gegenüber die Krallen zeigt und den Schnurrbart sträubt, in Wirklichkeit aber den Amerikanern zumiaut.

So sieht die titoistische Politik aus, die den Chinesen so sehr gefällt. Warum? Frstens, weil sie mit Tito einer Meinung sind, zweitens, weil der im Kern proamerikanisch und antisowjetisch ist, und drittens, weil die Chinesen die Freundschaft mit Tito ausbauen wollen, um «die Widersprüche zwischen Jugoslawien und der Sowjetunion zu vertiefen». Eine geniale Taktik!!

Djemal Bijedic, der jugoslawische Ministerpräsident, traf gestern in Peking ein, wo er «liebevoll und freundlich», mit Volk, mit Gongs, mit Plakaten und Spruchbändern empfangen wurde. Mit Sicherheit wird ihn auch Mao empfangen. Der Leitartikel von «Renmin Ribao» ist ein Lobgesang auf den «Barabas» und das titoistische Jugoslawien. Um zu vernebeln, was gespielt wird, wird der Begriff «sozialistisches Jugoslawien» nicht verwendet, lässt sich aber, da die grossen wirtschaftlichen Erfolge und die Einstellung der jugoslawischen Führung gegen den Kapitalismus, den Imperialismus, den Hegemonismus betont werden, klar genug herauslesen. Für die Chinesen steht also der Titoismus auf der gleichen «progressiven politischen» Position wie China.

China zählt sich selbst zur «dritten Welt», während Tito seinen Platz in der «blockfreien Welt» hat. Zu ihnen gehört auch Rumänien, weil es angeblich antisowjetisch ist. Obwohl es blockgebunden ist, wird es als «blockfrei» hingestellt, sowohl von den Chinesen, als auch von Tito und den Sowjets. Die «dritte Welt» und die «blockfreie Welt» unterscheiden sich voneinander so sehr wie ein Ei vom andern.

Im genannten Artikel von «Renmin Ribao» wird die berühmte Analyse aufgetischt: «Der sowjetische Imperialismus bedroht Europa und besonders den Balkan mit Krieg und Aggression.» Die Chinesen erlassen den «Aufruf»: «Europa und Balkan, euch droht eine unmittelbare Gefahr, deshalb schließt euch zusammen, legt alle eure Streitigkeiten, jede Meinungsverschiedenheit, gleich welcher Art, bei, stützt euch auf die Vereinigten Staaten von Amerika, die NATO, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Ihr Balkanländer befindet euch im Rachen des Wolfes, deshalb vereinigt euch mit Jugoslawien und Tito an der Spitze.» Mit anderen Worten, sie sagen uns Albanern: «Ihr macht einen Fehler, wenn ihr nicht, wie wir, auf das Jugoslawien Titos vertraut, oder das Rumänien Ceaucescus, das Griechenland der Obersten, die Türkei der Demirels, und, warum auch nicht, das Bulgarien Schiwkoffs. Ihr Albaner tut nicht gut daran, an diesem Balkantanz nicht teilzunehmen.» Mit dieser Haltung, die sie einnehmen, wollen die Chinesen uns sagen: «Warum müsst ihr Albaner auf den Kern der Sache sehen, seht auf das Aushängeschild und begnügt euch damit.»

Der chinesische Militärattaché in Belgrad sagte zu einem unserer Diplomaten: «Die chinesische Delegation wurde von den jugoslawischen Militärs herzlich empfangen», diese «zeigten ihnen alles», sprachen «offen und aufrichtig», «zeigten ihnen auch Waffen» usw. Der chinesische Militärattaché will uns weismachen, der Wolf sei zum Lamm geworden, doch er vergisst, dass der Wolf immer Wolf bleibt, ja es gibt sogar Fälle, wie in den Romanen Jack Londons, wo selbst der Hund zum Wolf wird.

Während sie den Termin für den Besuch unserer Delegation seit über zwei Jahren verschieben, empfangen die Chinesen den jugoslawischen Ministerpräsidenten Bijedié. Mit dieser Haltung wollen sie uns sagen: «Wir wollen euch nicht empfangen, weil wir politisch-ideologische Widersprüche zu euch haben, während wir Chinesen mit den Jugoslawen (und die Tatsachen, der Besuch Bijediés, beweisen dies) 'keinerlei Widersprüche haben.»

Natürlich gefällt den Sowjetrevisionismen und ihrer Brut die Reise Djemal Bijediés nach China nicht, und im Bewusstsein davon spielte Deng Hsiao ping auf dem Abendessen, das er gab, wie immer auf «eine Supermacht, die den Krieg will» oder etwas in der Richtung an. Daraufhin erhoben sich die Sowjets und ihre Freunde und Verliesen den Saal. Die Chinesen glauben, sie hätten damit die Widersprüche vertieft. Doch sie irren sich. Diese Dinge renkt Tito schon wieder ein. Leb du, Chinese, nur weiter mit Illusionen, erfülle die Sachforderungen der Jugoslawen und gehe den Weg weiter, den du eingeschlagen hast. Wie viel solche Kunststücke Tito schon hinter sich hat, das lässt sich gar nicht abzählen! Tito ist Meister in solchem Hokuspokus.





FREITAG, 10. OKTOBER 1875





MAO TSETUNG EMPFÄNGT DJEMAL BIJEDIC

Bijedic wurde in China herzlich empfangen. Deng Hsiao-ping rühmte Tito für seine «mannhafte Haltung gegen die Brutalität», was im Klartext gegen Stalin heißen soll. Die Chinesen sollten sich schämen, Titos feindliche Geste gegen einen so großen Marxistenleninismen wie Stalin zu loben! Doch für die Chinesen ist es Stalin, der Fehler gemacht hat, und nicht Tito.

Bijedic wurde auch von Mao Tsetung herzlich empfangen. Diesem ganzen Tamtam haben wir in der Presse nur «eine Zeile» gewidmet, also buchstäblich nur eine Zeile und nicht mehr. Wir taten dies, um den Chinesen zu verstehen zu geben, dass wir mit ihnen nicht einverstanden sind, und zwar nicht, weil Bijedic nach China gereist ist, sondern weil sie unsere Anfrage wegen des Besuchs unserer Delegation, die wir dreimal hintereinander an sie gerichtet haben, abwiesen, sie einfach mit Schweigen übergingen.

Die Chinesen sind auch Bauernfänger. Beim Empfang der Koreaner zum 30. Gründungstag der Partei der Arbeit Koreas kamen Deng Hsiao-ping und sein ganzes Gefolge demonstrativ nur zu Behar und schüttelten ihm die Hand. Das taten sie, um uns und den Anwesenden zu erkennen zu geben, dass sie mit den Jugoslawen zwar verhandeln, mit den Albanern aber «enge Freundschaft pflegen».





MONTAG, 10. NOVEMBER 1975



WAS IN CHINA NACH MAOS TOD GESCHEHEN WIRD, BEREITET UNS SORGE

Die Nachrichten, die uns von unseren Genossen in Peking erreichen, sind besorgniserregend, besonders, was Tschou En-lais Gesundheitszustand und Mao Tsetungs Gebrechlichkeit anbelangt.

Wie uns die chinesischen Genossen sagen, und auch ihre offizielle Presse bestätigt das, liegt 'Tschou En-lai im Krankenhaus. Woran er leidet, sagen sie nicht. Eine ausländische Nachrichtenagentur meldet, es sei Krebs (also eine unheilbare Krankheit), einige andere wiederum sagen, es sei das Herz. Eine Zeitlang empfing er Ausländer und Freunde im Krankenhaus. Auch unsere Delegation mit Genossen Adil empfing er 15 Minuten lang und sagte ihr, er werde operiert und man wisse nicht, wie es ausgehen werde, gut oder schlecht.

Seit einiger Zeit empfängt er nun auch niemand mehr im Krankenhaus. Li Hsiän-niän antwortete auf die Frage eines unserer Genossen nach dem Gesundheitszustand Tschou En-lais: «Er ist krank» und gab durch seine Mimik zu verstehen, Hoffnung auf Heilung bestehe nicht.

Was Mao betrifft, so ist nicht von Krankheit die Rede, sondern von Altersschwäche: «Er kann nicht gehen, oder nur mit Mühe, er kann nicht sprechen, oder nur sehr wenig, er sitzt ,gebeugt und mit offenem Mund da.» Doch während Tschou En-lai krank ist, empfängt und verabschiedet Mao Ausländer, zeigt sich mit ihnen im Fernsehen, drückt und schüttelt ihnen kräftig die Hand usw. Wir haben Mao auch im italienischen Fernsehen gesehen. Doch niemand sagt etwas über seinen Zustand. Wir erkundigen uns natürlich, weil wir uns Sorgen um seinen Zustand machen, doch die, die wir fragen, sagen uns, er halte sich gut. Das wünschen auch wir. Was uns Sorgen bereitet, ist: in welchem Zustand hinterlässt Mao die Partei?! Was wird in China nach seinem Tod geschehen?

Wir wissen, dass der Kampf gegen die Fraktionen und die Fraktionisten, gegen die «Abweichler», die «Opportunisten, Liberalen und Sektierer» nicht nur im Zickzack verlief, sondern dass man auch unterschiedslos die Methode der «Erziehung» verwendete und dass all diese Leute nach einer gewissen Zeit «umerzogen», «rehabilitiert» worden sind. Wir wissen also natürlich nicht, was diese Leute jetzt tun und was sie tun werden, wenn Mao stirbt, doch wir sind davon überzeugt, dass sie nicht ruhig bleiben werden, da sie weder umerzogen sind, noch sich gebessert haben.

Es scheint, als übe Deng Hsiao-ping die Funktion des Staatsratsvorsitzenden aus. Heute spricht er im Namen Tschous, denn Mao hält sich noch auf den Beinen. Doch nach Mao mag Deng auch in seinem Namen sprechen. Eine andere von Tschou «aufgebaute» Person ist Li Hsiän-niän, an dem unserer Meinung nach etwas faul ist. Er hat nun alle Hemmungen abgeworfen.

Im Politbüro gibt es auch andere, junge Genossen. Das stimmt, aber sie treten nicht oder nur wenig in Erscheinung. Die genannten beiden beherrschen die Szene. Welchen Kurs die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat nach Maos Tod steuern werden, können wir nicht genau sagen. Wir werden sehen und nach ihrer Haltung in der Innen- und Außenpolitik urteilen, Auch in Zukunft w erden wir nur auf der Grundlage von Fakten, die wir einer marxistisch-leninistischen Analyse unterzogen haben, Aussagen treffen, so wie wir das immer getan haben.





MITTWOCH, 19. NOVEMBER 1975



CHINA UND VIETNAM SIND WEGEN GRENZFRAGEN AUFEINANDER BÖSE

China ist auf die Vietnamesen unter anderem wegen der Frage einiger Inseln böse, die «Nordvietnam besetzt hat». China behauptet, sie gehörten ihm und müssten ihm zurückgegeben werden, kurzum, es kramt alte «Grundbuchauszüge» hervor, setzt Geographen und Historiker in Bewegung, um seine Thesen zu untermauern. Vietnam schweigt, bleibt auf den Inseln, heißt es doch, dort gebe es Erdöl, und luchst China Kredite ab. Dieses wiederum erklärt uns: «Ich kann euch nicht so hohe Kredite geben, wie ihr es wünscht, denn ich helfe Vietnam.»





FREITAG, 21. NOVEMBER 1975



WAS SIE HEUTE SAGEN, SAGEN SIE MORGEN NICHT MEHR

Die chinesischen Botschafter posaunen überall, wo sie sind, hinaus, die Sowjetunion werde Westeuropa angreifen, der Krieg stehe vor der Tür. Daher «halten wir (die Chinesen) zu euch, den Opfern (den kapitalistischen Staaten des Westens), zum 'Vereinten Europa', zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und zur NATO.»

Doch da die Sowjetunion nicht angreift, da die kapitalistischen Staaten des Westens sich um Entspannung bemühen, sagt Tjiao Guan-hua (der chinesische Aussenminister) zu Nesti: «Dieser Angriff findet nicht heute und auch nicht nächstes Jahr statt, sondern liegt in der Perspektive.»

Was die chinesischen Botschafter heute sagen, sagen sie morgen nicht mehr. Sie sagen: «Die Sowjetunion ist dabei, Europa einzukreisen, danach kann sie angreifen. Jetzt versucht sie, sich auf dem Balkan, in Portugal, in Spanien einzumischen bzw. Subversion zu treiben und so Europa die Luft abzuschnüren.»

Wir wollen sehen, was für neue Versionen sie uns noch präsentieren werden.





MITTWOCH, 3. DEZEMBER 1975



FORD IST VON MAO TSETUNG EMPFANGEN WORDEN

Gerald Ford in Peking. Auch Mao Tsetung hat ihn empfangen und zwei Stunden lang mit ihm gesprochen.

Auf dem Flughafen wurde der amerikanische Präsident vo1 Deng Hsiao-ping und seinem Gefolge empfangen. Deng führte die Verhandlungen. Er gab das Bankett und hielt die Rede. Auch Ford antwortete ihm mit einer Rede.

Deng Hsiao-pings Rede enthielt im Wesentlichen folgendes «Auf der Welt herrscht Unordnung, der Krieg wird vorbereitet und pocht an die Tür, die Lage ist glänzend! Die Sowjetunion bereitet sich .auf den Krieg vor und bedroht Europa. Die Sowjetunion kämpft um Welthegemonie. Ihr, die Vereinigten Staaten von Amerika, und wir, China, sind, wie wir im Shanghaier Kommuniqué betont haben, nicht für Hegemonie. Deshalb: schließen wir uns - ihr (die Vereinigten Staaten von Amerika), wir (China), und die dritte Welt---in einem Bündnis zusammen, brechen wir der Sowjetunion die Rippen. Wir Chinesen lassen uns von der 'Entspannung', die die Sowjets predigen, nicht irreführen, lasst deshalb auch ihr Amerikaner euch von den Sowjets nicht täuschen.» Auch ihre Formel «die Welt will Befreiung, die Welt will Revolution» usw. wurde verwendet.

Dies ist der Kern von Dengs Rede, die der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika mit einer kurzen Ansprache beantwortete: «Wir werden aufrüsten, denn dadurch wird der Frieden gesichert; wir werden nichts unversucht lassen, um eine Zunahme der Spannung zu verhindern und eine Entspannung herbeizuführen; wir haben unsere Interessen, und unsere Politik wird sie und den Frieden der Menschheit schützen», usw.

Wir kennen Ford gut genug, ebenso kennen wir den amerikanischen Imperialismus und seine Ziele. Doch wir müssen die Rede Deng Hsiao-pings analysieren, die der Grundlinie der Politik Chinas und Maos Ausdruck gibt.

Als Liu Schao-tschi an der Macht und Deng Hsiao-ping Generalsekretär der Partei war, wurde die berühmte Parole ausgegeben: «Bündnis mit allen, auch den Sowjetrevisionisten, gegen den amerikanischen Imperialismus.» Aus den bekannten Gründen akzeptierten wir diese Front gegen den amerikanischen Imperialismus mit den Sowjetrevisionisten als Verbündeten nicht. Diese Losung und die darauf aufbauende chinesische Politik hatten kein langes Leben, sie verschwanden sang- und klanglos.

Inzwischen kam eine andere Parole auf, jene, die Deng nun ausstreut, natürlich aber mit Billigung Maos und Tschou En-lais: «Eine Front mit allen, auch mit dem amerikanischen Imperialismus, gegen den sowjetischen Sozialimperialismus.» Auch zu dieser Parole, zu dieser Politik der Chinesen befinden wir uns wieder im Gegensatz. Beide Linien, die eine wie die andere, sind antimarxistisch. Die erste hätte für uns Annäherung und Versöhnung mit den Sowjetrevisionist ten und anderen geschworenen Feinden des Marxismusleninismus, des Sozialismus und der Revolution geheissen. Unsere Auffassung, dass der amerikanische Imperialismus und die revisionistische Sowjetunion geschworene Feinde des Sozialismus und der Volker waren und bleiben, erwies sich als richtig. Das Leben zeigte, dass sich jene, die die Chinesen in die antiimperialistische Front einbeziehen wollten, als Sozialimperialisten erwiesen. Unsere Linie war also marxistisch-leninistisch, die chinesische Linie war falsch, liberal prorevisionistisch. Und die Schuld dafür wurde Liu Schao-tschi zugeschoben.

Die jetzige neue Linie der Chinesen ist wiederum liberal, opportunistisch, antimarxistisch, und unsere Linie, die ihr entgegensteht, ist richtig. Wir müssen einen harten Kampf gegen beide imperiahstischen Supermächte führen, die die Völker unterdrücken, die gegen den Sozialismus sind, die die Welt neu aufteilen wollen, die beide um Welthegemonie ringen und gemeinsam den Krieg vorbereiten. Unter diesem Klassenblickwinkel müssen wir im Interesse der Revolution dafür sorgen, dass sich die Widersprüche zwischen den beiden Supermächten vertiefen, müssen wir sie sçhwächen, und zwar indem wir uns nicht mit diesen beiden Unterdrückern der Völker und der Revolution, sondern mit den Völkern, den Revolutionären, dem Proletariat der ganzen Welt zusammenschließen.

Zudem leistet China faktisch dem Weltkrieg, der angeblich in Europa ausbrechen wird, Vorschub, anstatt gegen den Raubkrieg zu kämpfen und die gerechten revolutionären Kriege zu fördern. China stellt noch nicht einmal die grosse Aufgabe, den imperialistischen Krieg, sollte er nicht verhindert werden können, in einen revolutionären Krieg gegen die Kriegstreiber zu verwandeln. Nein. Es hilft nicht, wie es sein müsste, den Völkern, die gegen das kapitalistisch-imperialistisch-revisionistische Joch kämpfen, sondern sucht das Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika, mit Pinochet, mit Franco, mit Giscard d'Estaing, mit Heath, mit Strauss und allen bürgerlich kapitalistischen Cliquen, die über die Völker herrschen.

Deng und Mao hoben die Theorie der «dritten Welt» aus der Taufe und erklärten, diese Welt sei «der Verbündete Chinas». Deng benutzt diese Theorie, um Ford «einzuschüchtern», indem er so tut, als habe er diese «dritte Welt» in der Tasche. Und Ford lacht sich ins Fäustchen, denn er ist es, der die herrschenden Cliquen dieser «Welt» in der Tasche hat und nicht Deng. Dieser könnte die Völker der sogenannten dritten Welt auf seiner Seite haben, wenn China eine marxistische Politik betreiben würde, doch die chinesische Politik räumt diesen Völkern nicht den gebührenden Stellenwert ein: Sie hält sich an die wankelmütigen Cliquen, die ihr Mäntelchen nach dem Wind von Dollars und Rubeln hängen. Die unterdrückten Völker sehen, dass China Bündnisse mit den reaktionären Cliquen und vor allem jetzt auch mit dem amerikanischen Imperialismus sucht und eingeht. Morgen mag es die Fahne in Richtung Moskau drehen.

Chinas Spiel ist gefährlich und unausgegoren. China droht Gefahr von der Sowjetunion, doch es überspielt diese Gefahr und nimmt die Pese der Stärke ein, um jetzt die Vereinigten Staaten von Amerika «zu überzeugen». China will damit also zu verstehen geben, dass die Sowjets es nicht angreifen können, aber, weil sic Sozialimperialisten sind, irgend jemand angreifen werden. Deshalb hat China die «marxistische Analyse» angestellt, derzufolge «die Sowjetunion Europa angreifen wird. Deshalb hüte dich, Westeuropa, denn der Krieg lauert vor deiner Tür. Ihr Völker Europas, hört auf mich, auf China, rüstet auf, vereinigt euch mit euren reaktionären bürgerlichen Regierungen, die euch unterdrücken, und fallt über die Sowjetunion her, vermindert nicht die Spannung, erhöht sie. Seht her, ich halte zu euch. Auch du, Amerika, sieh dich vor, befreie dich aus der Krise, schlisse dich noch enger mit Westeuropa sowie der gesamten Weltreaktion zusammen und mildere die Spannung mit der Sowjetunion nicht, sondern verstärke sie, schlagt alle nach Möglichkeit auf sie ein und holt mir die Kastanien aus dem Feuer».

Deng geht sogar so weit, Ford daran zu erinnern: «Wir haben in Schanghai festgelegt, dass wir beide keine Hegemonisten sein werden.» China glaubt daran, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht hegemonistisch sein werden!! Nicht einmal die Freunde und die treuesten Verbündeten des amerikanischen Imperialismus äussern eine solche antimarxistische Ungeheuerlichkeit, noch glauben sie daran.

China hat sich auf eine Politik eingelassen, die nicht richtig, unmarxistisch ist, eine Politik, an die es nicht vom revolutionären Klassenstandpunkt aus herangeht. Aber selbst wenn wir für einen Moment annehmen wollten, dass es mit dieser Politik Zeit gewinnen, «eine gewisse Erpressung» ausüben und die anderen gegen die

Sowjetunion, die China als Feind Nr. 1 betrachtet, aufbringen wird, kann es mit diesem politischen Manöver dennoch keinerlei Erfolg haben.

In seiner Antwort an Deng erteilte Ford dessen gegen eine Entspannung gerichteten Politik, seiner Politik der «Freundschaft mit den Völkern» eine Absage und äusserte die Ansicht, dass «jeder Staat seine eigene Politik zur Verteidigung seiner Interessen hat». Welches die Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika sind, erläuterte er in seiner Rede. Ihre Interessen sind selbstverständlich: weiterhin die Welt zu beherrschen (also sind sic hegemonistisch), die Sowjetunion zu schwächen und gleichzeitig China an der Kandare zu halten, es, wenn möglich, sogar in einen Krieg mit der Sowjet Union zu treiben, so dass es China wäre, das den Vereinigten Staaten von Amerika die Kastanien aus dem Feuer holt.

Die Geschichte hat nicht nur einmal einen Handel de dupes* *( Handel der Betrogenen (frz. im Original) erlebt: wer übervorteilt besser den anderen. Doch ist es wirklich so leicht, den amerikanischen, den französischen, den westdeutschen oder den englischen Imperialismus hinters Licht zu führen? Man muss schon naiv sein, um das zu glauben. Man sollte die Finger von einer solch kurzsichtigen Politik lassen, die auf Träumen aufgebaut ist, auf der Ansicht: «Ich bin eine Grossmacht», bzw. der Vorstellung: «Jeder Schritt, den ich tue, wird van allen Völkern, allen Revolutionären mit Beifall bedacht», weil «ich mich marxistisch-leninistische Partei nenne» (obwohl man in Wirklichheit die marxistisch-leninistischen Prinzipien nicht befolgt).

Dengs Rede vor Ford war verwerflich, weil an den amerikanischen Imperialismus der Aufruf gerichtet wurde, eine antisowjetische Front zu bilden, und weil dem Shanghaier Kommuniqué Glauben geschenkt wurde, dahingehend, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht um Hegemonie kämpfen werden. Deng sagt: «Die Völker wollen Revolution.» Soll das etwa heissen, dass er hofft, der amerikanische Imperialismus werde sich mit denen zusammenschlissen, die die Revolution machen werden? Oder will er Ford damit vielleicht drohen: «Du hast zwei Möglichkeiten - entweder du kommst mit uns, oder die Revolution 'bricht aus.»? Oder meint Deng womöglich, die bürgerlichen Cliquen der «dritten Welt» seien für die Revolution?

Wirklich erstaunliche Ideen! Merkwürdige Ideen!! Was sind das für Leute, die in China herrschen? Was für pseudorevolutionäre Manöver vollführen sie? Wenn man diese Frage gründlicher analysiert, meine ich, ist ein Angriff der revisionistischen Sowjetunion auf Westeuropa durchaus nicht ausgeschlossen, doch das schließt auch nicht aus, dass die Sowjetunion China angreift. A11 das hängt nicht vom Wunsch von einem oder auch fünf Menschen ab. Meiner Meinung nach müssen die Kriegstreiber für den Krieg noch Vorbereitungen treffen. Wie ich in meinen Aufzeichnungen an anderer Stelle schon festgestellt habe, haben die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika wegen eines Atomkriegs Angst voreinander. Doch dadurch wird die Zuspitzung der zwischen ihnen bestehenden Widersprüche nicht vermieden, und wenn diese Widersprüche sich bis aufs Ausserste zugespitzt haben, dann kommen auch die Waffen zum Einsatz. Gegenwärtig rüsten beide Seiten auf, verhandeln aber auch, treiben auch politischen, taktischen und strategischen Schacher. Die revisionistische Sowjetunion hat Osteuropa zu ihrem Gouvernement gemacht und trifft Vorbereitungen, es als Schlachtfeld zu benützen, für den Angriff, aber auch für die Verteidigung, denn wer vorhat,. anzugreifen, muss auch damit rechnen, angegriffen zu wenden. Die Sowjetunion könnte in Rumänien einen Putsch organisieren und Ceaucescus Bande liquidieren, weil sie ihr nicht mehr nützlich ist,. während die Vereinigten Staaten von Amerika und die Westländer die Hände in den Schoss legen.

Der gleiche Fall kann auch mit einer prosowjetischen Regierung in Jugoslawien eintreten. Die Amerikaner und der Westen mögen dann die Hände ebenso in den Schoss legen, obschon die Verteidigung der NATO, der westlichen Staaten, Griechenlands und der Türkei in Gefahr geraten würde. Ich mag mich irren, aber ich meine, dass. es vorerst nicht so leicht zu einem direkten Krieg der Sowjetunion gegen die NATO kommen wird, wie die Chinesen verkünden, wenn wir es auch nicht für unmöglich halten.

Ich habe ausgeführt, wie sich die Lage entwickeln könnte, und unsere Auffassung berücksichtigt alle, auch die schlimmsten Varianten. Doch es wäre kurzsichtig, den Fall auszuschließen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und die Westmächte Anstrengungen unternehmen, die Sowjetunion in Richtung auf China zu drängen. Nein. So wie China faktisch versucht, die Sowjetunion gegen Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika zu hetzen,. so kämpfen auch diese gemeinsam mit dem ganzen Westen darum, dass die Sowjetunion China angreift.

Kaum war Deng aus Frankreich abgereist, fuhr Giscard nach Moskau, um die «Freundschaft» zu erneuern. Gleiches tat Deutschlands Scheel, ebenso Englands Wilson und jetzt kürzlich Italiens Leone. Da kannst du lange daherreden, Deng: «Ihr vom Westen marschiert im Kampf gegen die Sowjetunion voran.» Sie fahren dorthin, erhalten Konzessionen, machen Investitionen usw.

China ist gegen die Sowjetunion, doch anstatt in Asien und Umgebung tätig zu werden interessiert es sich in unrealistischer Weise für Europa. Die Sowjetunion hat ihre Klauen auf die beiden Vietnams gelegt, auf Laos, und es besteht die Gefahr, dass sie sogar auch in Kambodscha oder in Thailand eindringt. Indien gegenüber, wo die Sowjetunion dabei ist, tief einzudringen, nimmt China eine kühle, um nicht zu sagen feindliche Haltung ein. Da kann es sich die konjunkturbedingte Freundschaft mit Pakistan, den Besuch der Frau Marcos von den Philippinen an den Hut stecken. Das gleiche gilt für den Besuch der Prinzessin Pahlevi, die von Mao Tsetung und Tschou En-lai mit so viel Ehren empfangen wird.

Und was fängt China mit Japan an? Nichts, es treibt nur Handel. Nun ist davon die Rede, China werde Kredite mit kurzfristiger, fünfjähriger Laufzeit von den kapitalistischen Staaten erhalten (oder habe sie erhalten), allerdings nicht «staatliche», sondern von privatkapitalistischen Gesellschaften. Nicht Teufel, sondern Beelzebub. Eine sehr merkwürdige, sehr gefährliche Politik!





DIENSTAG, 16. DEZEMBER 1975



GENOSSE KANG SCHENG IST GESTORBEN

Peking gab die bittere Nachricht vom Tod des Genossen Kang Scheng bekannt. Sie hat mich sehr getroffen, denn ich kannte ihn gut. Er war 1966 bei uns. Auch war er 1960 auf der Moskauer Beratung, wo wir das Feuer auf Chruschtschow und die Chruschtschowianer eröffneten. Er war ein hervorragender und sehr entschiedener Marxist-Leninist. Mit ihm waren wir nicht nur in den grossen Prinzipien einer Meinung, er billigte und bejahte auch unsere Taktik in allen Punkten. Er war ein Genosse, der den Prinzipien die Treue hielt, ein Schüler der Schule Lenins, Stalins und der Komintern. Kang Scheng liebte das sozialistische Albanien sehr, er hegte eine grosse und aufrichtige Liebe für unsere Partei und verteidigte uns in jeder Situation. Für uns war er einer der besten Genossen in der Führung der Kommunistischen Partei Chinas. Wir haben einen guten Freund und Genossen verloren, die Kommunistische Partei Chinas verlor einen hervorragenden Theoretiker, einen würdigen Führer, die Weltrevolution einen treuen Kämpfer für die Sache des Kommunismus und einen proletarischen Internationalisten.









1976





DONNERSTAG, 1. JANUAR 1976



ZICKZACK IN DER CHINESISCHEN LINIE

Ich habe schon andere Male festgehalten, was ich von der Linie der Kommunistischen Partei Chinas halte. In Verbindung damit habe ich meine Meinung zu vielen Fragen und Problemen ihrer nationalen und internationalen Politik geäußert, so wie ich diese Ereignisse; natürlich im Rahmen meiner Möglichkeiten, vom Standpunkt unserer marxistisch-leninistischen Theorie aus beurteilte. Ich habe. mime Ansichten zu allen wichtigen Ereignissen geäußert, die aus. China nach aussen drangen, sowie zu der politisch-ideologischen Richtung, die sie nahmen. Ich habe versucht, diese Ereignisse, soweit es mir die Informationen darüber ermöglichten, zu verstehen und zu interpretieren, und zwar in erster Linie unter dem Blickwinkel der Linie unserer Partei, aber auch der jeweiligen internationalen Verhältnisse, wobei ich mir dachte, diese unkorrekten Haltungen Chinas seien vorübergehend und nur bedingt durch die inneren und äußeren Umstände, die besonderen Umstände eines grossen Staates,. der es ist. Doch ungeachtet dieser Umstände habe ich die Fehler in der Linie der Kommunistischen Partei Chinas als Fehler gewertet, immer in der Hoffnung, sie würden behoben werden, wenn China. die schwierige Situation, die es durchmachte, überwunden hätte.

Eine andere Sache, die zu Fehlurteilen über die chinesische Linie verleiten kann, ist das grosse Geheimnis, in das die Ereignisse gehüllt werden. Die chinesischen Führer hüten das Geheimnis um diese Ereignisse mit grösster Eifersucht, und wird einmal etwas. bekannt geben, ist auch das bruchstückhaft, unklar, oft unverständlich und verwunderlich! Die «Aufklärung» über ein Ereignis (ich meine wichtige Ereignisse) erfolgt ganz unerwartet, und das wird dann jahrelang als «die vollendete Linie» proklamiert. Dann wird ein oder zwei Jahre lang nur in Andeutungen gesprochen, später wird «offen» erklärt, sie sei reaktionär gewesen. Doch so «offen» ist das nun auch wieder nicht, denn zwei oder drei Jahre, nachdem man über die Fehler und die Menschen, die sie begangen haben, «offen gesprochen hat», wird erklärt, die Fehler seien « korrigiert und die Menschen rehabilitiert worden». Dies weist auf starke Schwankungen in der Linie, in den Ideen, in Haltung und Vorgehen hin, ein Schwanken gleich dem Pendel einer Uhr, das nach links und rechts ausschlägt, also ständige suspense* *( hier: Unsicherheit (frz. im Original)) in der Linie.

Man erklärte, die politische und ideologische Linie Liu Schao-tschis sei eine revisionistische, liberale, opportunistische Linie gewesen. Und das war sie, so meinen auch wir. Liu Schao-tschi wurde offiziell mit vielen Beinamen versehen, besonders aber mit dem Beinamen «chinesischer Chruschtschow». Dieser «chinesische Chruschtschow» war «allmächtig» geworden. Und wie man durchblicken liess (denn in China begnügt man sich bei allen Fragen mit Andeutungen), «war Mao Tsetung isoliert, ausgeschaltet». Alles aber geschah «in seinem Namen, unter seinem Banner». Für uns hiess das demnach, dass Mao wohl nicht so sehr «isoliert» war, wie sig sagten. Immerhin führte er die Partei, leitete Parteitage. 1957 nahm er an der Moskauer Beratung teil und sprach sich für Chruschtschow. aus, den er den «Lenin unserer Tage» nannte. Bei dieser Gelegenheit kritisierte Mao auch Stalin. Er sagte: «Als ich zu Stalin kam, fühlte ich mich wie ein Schüler vor dem Lehrer.» Damit wollte Mao Stalins «Úberheblichkeit» ihm gegenüber zeigen. Ausserdem gratulierte er Chruschtschow, er habe «gut daran getan, die parteifeindlichen Elemente zu schlagen», d.h. die Gruppe Molotows. Ist es also vorstellbar, Mao Tsetung sei von Liu Schao-tschi isoliert gewesen? Nein ich glaube nicht. Im Gegenteil, er stand auf den gleichen Positionen wie Liu und Chruschtschow.

Also waren die politischen, ideologischen, wirtschaftlichen u.a. Anschauungen des 8. Parteitags der Kommunistischen Partei Chinas im Jahr 1956, dem auch wir beiwohnten, nicht nur die liberalene rechten und revisionistischen Ideen Liu Schao-tschis, sie wurden auch von Mao, von Deng Hsiao-ping, Tschou En-lai, Peng Tschen usw. geteilt, mit anderen Worten: von der ganzen Führung. Sonst stellte sich die Frage: Warum tat Mao nicht selbst, wozu er Chruschtschow gratuliert hatte? Warum ging er nicht mit dem Besen gegen diese Fraktionisten vor? Setzte er den Besen bei ihnen nicht an, weil sie die Macht hatten?! Nein, das wurde niemals gesagt. Was aber war diese Bande Liu Schao-tschis, «rechts» oder «links»? Dazu äußerte man sich niemals offen. Doch was war Mao selbst? Ein Rechter, ein Zentrist, ein Liberaler, ein Linker oder ein MarxistLeninist? Immer hat er sich als Marxist-Leninist, als Jünger von Marx, Engels, Lenin und Stalin ausgegeben, deren Bilder in China im Großformat ara die Wand gehängt werden. In Wirklichkeit jedoch ging und geht Mao nicht auf der Grundlage ihrer Lehren gegen die Abweichler und die Feinde des Marxismus-Leninismus vor.

In seinen Schriften behauptet Mao bis heute, dass «die Bauernschaft die revolutionärste Kraft ist, auf die sich die Revolution stützen muss». Die entscheidende Rolle, die die Marxsche Theorie dem Proletariat in der Revolution beimisst, hat für Mao nur zweit-, wenn nicht gar drittrangige Bedeutung. «So wurde die chinesische Revolution durchgeführt, deshalb muss dieser Theorie der Vorzug gegeben werden.», ,sagt er. «Es lebe Marx», sagt Mao Tsetung, die Marx`sche Theorie über die führende Rolle der Arbeiterklasse gilt jedoch für ihn nicht. Anders ausgedrückt: für Mao geht es nicht, dass die Arbeiterklasse die Revolution führt und die arme tuzd mittlere Bauernschaft dabei ihr Verbündeter ist. Für ihn ist es umgekehrt: die Bauernschaft muss die Revolution führen und die Arbeiterklasse ihr Verbündeter sein.

Ein weiterer Ausdruck von Maos antimarxistischer Linie ist die Konzeption, dass «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse. Das heisst, die arme Bauernschaft muss in der Revolution führen, weil «das städtische Proletariat seinen revolutionären Geist verloren hat, konservativ geworden ist, sich der kapitalistischen Unterdrückung und Ausbeutung angepasst hat». Diase Theorie ist natürlich anti-marxistisch. Mit ihr lässt sich die Revolution nicht erreichen. Mit dieser Theorie kann die Diktatur des Proletariats nicht errichtet, ihr und ihrer Führung, dem marxistisch-leninistischen proletarischen Partei, nicht die Rolle zuteil werden, die ihnen zukommt. Man kann mit Worten und Propaganda alles vernebeln, nur nicht die Essenz der Sache. Und was die Folgen anbelangt, so wird über kurz oder lang der Tag kommen, da Dach und Mauern einstürzen, weil man den Sozialismus ohne die Führung durch die marxistisch-leninistische kommunistische Partei und ohne korrekte und entschlossene Umsetzung der unsterblichen Thesen der marxistisch-leninistischen Theorie nicht aufbauen kann.

Trotz des Anscheins, den sie sich gibt, und der Reklame, die sie veranstaltet, ist die Kommunistische Partei Chinas keine wahrhaft marxistisch-leninistische Partei, steht sie nicht auf soliden revolutionären Positionen und kann dies auch gar nicht. Ein Blick auf die Geschichte dieser Partei zeigt, dass in ihren Reihen nicht nur verschiedene Fraktionen unterschiedlicher ideologischer Richtung bestanden, die gegeneinander arbeiteten. Das ist noch natürlich, denn auch in der Partei existiert der Klassenkampf und entwickelt sich. Gewichtiger und beunruhigender ist, dass diese Fraktionen geduldet' werden, dass sie weiter bestehen, offiziellen Charakter annehmenr erklärt man doch vor aller Welt: «Lasst hundert Blumen blühen.».

Eine Partei, die zulässt, dass in ihren Reihen Liberalismus, Kulakenansichten, revisionistische und anarchistische Standpunkte jeder Art wuchern, die zulässt, dass den städtischen Kapitalisten noch zu einer Zeit Renditen bezahlt werden, da schon die Diktatur des Proletariat, errichtet worden ist (sic!), verdient nicht den Namen einer marxistisch-leninistischen Partei.

In einer solchen Partei dominiert die bäuerliche und kleinbürgerliche Mentalität, und wie sollte es auch anders sein, wenn in ihrer Tätigkeit die marxistisch-leninistischen Prinzipien nicht nur keine Anwendung finden, sondern sogar verletzt, .geringgeschätzt und nur als Schleier benutzt werden, um die nichtsozialistische Wirklichkeit zu verhüllen. Diese opportunistische, revisionistische Linie hatte die Partei zerfressen und war dabei, China auf den chruschtschowschen Weg zu führen.

Mao Tsetung reagierte energisch, doch nicht wie der Führer: einer marxistisch-leninistischen Partei. Ich spreche von der «Großen Proletarischen Kulturrevolution». Was war diese Kulturrevolution?! Wer leitete sie, und gegen wen war sie gerichtet?! - Diese Revolution leitete sozusagen Mao Tsetung mit einem Stab, der aus einem engen Kreis von Menschen um ihn herum bestand. Mao erließ etwa folgenden Aufruf : «Greifen wir die Hauptquartiere an.» Doch was waren das für Hauptquartiere? - Das reichte von Liu, Deng, Tschou, Li Hsiän-niän und vielen, vielen anderen bis hinunter zu den Komitees. Doch wer sollte diese Hauptquartiere angreifen? - Die Jugend, die auf Maos Aufruf hin auf spontane, anarchistische Weise auf die Straße ging.

Bei dieser ganzen Tätigkeit konzentrierte man sich nicht auf den marxistisch-leninistischen Weg, sie geschah nicht in diesem Geist. Kennzeichnend war, dass diejenigen, die sich zu dieser «Revolution» erhoben, Studenten, Schüler, Intellektuelle waren. Die berühmte «Revolution» wurde so von den Intellektuellen, außerhalb der Kontrolle durch die Partei, durchgeführt. Diese ließ es nicht nur an der Leitung fehlen, sondern war, so kann man sagen, faktisch liquidiert.

Der Stab der Revolution hatte weder Vertrauen zur Partei der Klasse noch zur Klasse selbst. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen, ja sogar zu regelrechten Gefechten mit Artillerie und Granatwerfern. Die Hungweibings machten auf den Straßen und Plätzen das Gesetz, nahmen Leute fest und verteufelten sie, ob sie nun schuldig waren oder nicht. Sie setzten ihnen den «Hut» auf und prügelten sie sogar auf den Straßen tot. Sie gingen gar so weit, ausländische Botschaften in Brand zu stecken. Ein wilder Hass gegen die Ausländer, gegen die Kultur der anderen Völker griff um sich. Doch auch das vieltausendjährige Kulturerbe Chinas selbst wurde bekämpft.

Was zeigte dieser ganze Sturm? Klar ist, dass hier nicht der marxistische Geist, die marxistischen Prinzipien wirksam waren. Vielmehr erwies sich, dass die anarchistischen Theorien Stirners, Bakunins und Proudhons praktische Anwendung fanden, Theorien, die von Marx und Lenin mit äußerster Schärfe bekämpft worden waren. Die «Große Proletarische Kulturrevolution» war keine Kulturrevolution (sie richtete sich gerade gegen jene Kultur, für die Marx und Lenin eintraten), sie war eine politische Revolution, die nicht auf marxistisch-leninistischem Kurs verlief, eine Revolution ohne Programm, eine anarchistische Revolution gegen die Arbeiterklasse und ihre Partei waren doch die führende Rolle der Klasse und die Partei faktisch ausgeschaltet worden. Doch es gab nicht nur Konfusion und anarchistische Spontaneität auch die Autorität der lokalen Organe der Staatsmacht existierte nicht mehr, während die von Lin Biao geführte Armee, die unter dem Banner Maos, mit dem roten Buch Maos und Milliarden Plaketten verschiedener Größe mit Maos Kopf kämpfte, allmächtig in Maos «Reserve» stand. Lin Biao war zur Hauptfigur des Revolutionsstabs geworden, genauso Tschen Bo-da. Später allerdings wurden beide zu «Verschwörern, Verrätern, Organisatoren verschiedener, freilich gescheiterter Attentate auf Mao Tsetung» erklärt.

Mao Tsetung gab Anweisung, das Dorf aus der Revolution herauszuhalten, da dort angeblich alles in Ordnung sei. Wie man sagte, saß «alles Schlechte in den Städten, in der Partei, in der Arbeiterklasse» (sic!). Das schien links zu sein und wurde als links bezeichnet, war aber tatsächlich rechts. So hätten danach also die revisionistischen Rechten, die Leute aus der Gruppe Liu Schao-tschis, die Klasse und ihre Partei in die Hand gebracht gehabt, während die «Linken», Mao und Genossen, die Studenten und die Intellektuellen in die Revolution warfen, um Partei und Klasse zurückzuerobern! Was für merkwürdige Dinge geschehen doch in China! Hier kommt klar Maos rechte Theorie zum Vorschein, nach der «das Dorf und die: Jugendlichen die Stadt anzugreifen und einzunehmen» hätten (sic!).

Während der chaotischen und anarchistischen Revolution wurden angeblich Korrekturen vorgenommen, die Partei neu geschaffen.. Und wie viele wurden nach all dem Durcheinander, nach dieser ganzen Periode des Misstrauens und der Unsicherheit ausgeschlossen? Nur 3 bis 4 Prozent. Diese Zahl besagt jedoch nicht, dass die Partei «zersetzt» war, sondern zeugt davon, dass Mao und einige seiner, Anhänger kein Vertrauen in die Partei hatten.

Was brachte die Kulturrevolution sonst an «Gutem»? Nichts! Die Staatsmacht der zerschlagenen Diktatur des Proletariats musste erneuert werden. Doch wie? - Ein russischer Salat, auch wenn die chinesischen Führer gegen die Russen waren! Die Macht, die überall geschaffen wurde, bestand aus Menschen der Partei, aus der Armee der Bauernschaft und Arbeitern. Der Hauptführer dieser Macht war der höchste Offizier. Doch bis heute ist nicht bekannt, wie die Macht in China aussieht. Es heißt, die Partei sei reorganisiert worden, die Massenorganisationen wurden aber noch nicht neu geschaffen, und entsprechende Kongresse finden nicht statt.

Der Klassenkampf geht in der Theorie angeblich weiter. Allerdings wurden alle, die man in dieser «Revolution» verurteilt und erniedrigt hatte, rehabilitiert, und Deng nimmt de facto den wichtigsten Platz in der Führung ein, sind doch Mao und Tschou krank. All die Leute, die bei Tschiang Kai-schek hohe Posten bekleideten, Minister, Marschälle und Generale, wurden begnadigt und sind frei. Es heißt, sie «arbeiten verantwortungsbewusst» für ihr Vaterland, das sozialistische China.

All diese unmarxistischen Theorien Maos hat man «Maotsetungideen» genannt. Damit sollte natürlich der Marxismus-Leninismus von den «Maotsetungideen» getrennt werden. Diese «Theorie» versuchten sie sowohl uns als auch allen Kommunisten auf der Welt aufzuzwingen, doch wir ließen uns nicht zu einem solch fatalen Fehler verleiten. In unlauterer Absicht, das heißt, rum die liberalen, revisionistischen und anarchistischen Ansichten Maos als marxistisch zu verkaufen, warteten die Maoisten mit einer anderen Formel auf: «Marxismus-Leninismus-Maotsetungideen». Der Trick bei dieser Tarnung ist klar ersichtlich. Die revisionistisch-kapitalistische Welt und einige Lakaien der Chinesen, die sich selbst «marxistisch-leninistische kommunistische Partei» nennen (wie die Partei in Frankreich), übernahmen diese «Theorie». Die revisionistischen «Maotsetungideen» werden nun in der internationalen Politik ganz unverhüllt umgesetzt.

Die chinesische Politik basiert auf dem «vorrangigen Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus». «Wer Widersprüche zur Sowjetunion hat, steht auf der gleichen Seite wie China.» Das bedeutet bei den chinesischen Führern, und sie sagen es offen, dass der «sowjetische Sozialimperialismus der Hauptfeind ist». Und gleichzeitig wollen sie damit die Meinung bestärken, China sei ein «sozialistisches Land» und lasse sich vom Marxismus-Leninismus «leiten».

In seiner Außenpolitik geht China in nichts vom Marxismus-Leninismus, von der Revolution und vom Klassenstandpunkt aus. In China sind alle marxistisch-leninistischen Grundprinzipien über Bord geworfen worden. China führt keinen Klassenkampf gegen die beiden Supermächte, seine unmarxistische Politik hat die marxistische Ideologie aus der Aussenpolitik getilgt. Lius China war für ein «Bündnis mit allen, auch den Sowjetrevisionisten, gegen die Vereinigten Staaten von Amerika» gewesen. Maos China dagegen ist für ein «Bündnis mit allen, in erster Linie mit dem amerikanischen Imperialismus und der reaktionären Bourgeoisie, gegen die Sowjetunion».

China verfälscht die marxistisch-leninistische Theorie, die uns lehrt, dass auf der einen Seite der Barrikade die Völker mit dem Proletariat an der Spitze stehen und auf der anderen Seite der Imperialismus und der Weltkapitalismus, zu denen sich auch der sowjetische Sozialimperialismus gesellt hat.

In Chinas Außenpolitik dominiert weiter Maos Theorie, dass «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse. Seinen Ausdruck findet das in der «Theorie», die «dritte Welt» (zu der sich auch China zählt) habe «die zweite und die erste Welt einzukreisen und zu liquidieren». Doch in der Tat unterstützt Maos China diese beiden «Welten», die es einzukreisen und zu bekämpfen vorgibt, bei der Unterdrückung ihrer eigenen Völker und der Völker der «dritten Welt», die es angeblich als die Soldaten der Revolution betrachtet. Tito, Ceausescu und andere ihres Schlags sind Chinas Verbündete, sind für die «Revolution» (sic!)! Auch von den Chruschtschowianern werden sie alle als Verbündete betrachtet. Die Chruschtschowianer treiben das Spiel sogar so weit, dass sie die Länder, in denen die Obengenannten die Führung innehaben, «sozialistisch» nennen. China tritt für Franco, Pinochet, die NATO, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, das «Vereinte Europa», Reaktionäre wie den Deutschen Strauss, den Engländer Heath, den Italiener Fanfani und andere ein. Das lässt sich nicht als marxistisch-leninistische Klassenpolitik bezeichnen. Man kann die berühmte «dritte Welt» nicht, wie die Chinesen, in Bausch und Bogen akzeptieren. Ein wahrhaft sozialistisches Land muss sowohl bei den Bündnissen mit anderen Staaten als auch bei der Vergabe staatlicher Hilfe unbedingt differenzieren. Ganz abgesehen von den Francos und Pinochets müssen .auch die Beziehungen zu einem Staat der «dritten Welt» zuallererst unter dem Klassenblickwinkel betrachtet werden, damit sie die revolutionären und fortschrittlichen Kräfte, die in diesem oder jenem Land kämpfen, nicht behindern. Sie müssen im Gegenteil eine Hilfe für diese Kräfte darstellen. Doch mit Maos Theorie setzt sich China darüber hinweg, gibt sogar unmissverständlich zu verstehen, es wünsche nicht. sich mit den bürgerlichen, kapitalistischen und Satrapenführungen bestimmter Länder zu überwerfen, Führungen, die gegen ihre Völker sind, die es mit jenen Großmächten halten, die ihnen am meisten Unterstützung und Kredite geben. Dies darf niemals die Politik eines sozialistischen Landes sein.

Falsch ist auch die Politik, die China den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien gegenüber verfolgt, die sich auf der Welt gebildet haben. Neben diesen Parteien sind wie Pilze auch Gruppierungen jeden Kalibers aus dem Boden geschossen, trotzkistische, anarchistische, von den Gruppen unter Sartres Ägide bis hin zu all den bürgerlichen und provokatorischen Fraktionen. Und zu allen unterhält China Verbindungen, ohne jede Differenzierung. Es empfängt ihre Vertreter, empfiehlt ihnen, sie sollten sich mit den Sozialdemokraten vereinigen, China und Mao propagieren und Bündnisse mit der Bourgeoisie ihrer Länder und den Vereinigten Staaten von Amerika .gegen die Sowjetunion eingehen.

Das ist eine feindliche Politik, die bürgerliche, antimarxistische und antirevolutionäre Politik eines großen Staates. Doch bei unserer Partei können sie mit solch gefährlichen Abenteuern nicht landen. Die Chinesen wissen, dass wir in der Linie nidht einverstanden sind mit ihnen. Es gibt keinen Tag, an dem wir ihnen diese Gegensätze nicht vor Augen führten, indem wir die Ansichten unserer Partei zu jedem Problem verfechten. Vorläufig treten wir noch nicht offen gegen sie auf, doch auch sie gehen so vor, schweigen, lassen hin und wieder im Volk ein freundliches Wort über uns fallen, gehen aber -in keiner einzigen Veröffentlichung auf unsere Haltung ein, weil sich sonst Probleme ergeben würden, und zwar gefährliche Probleme. Und selbst wenn sie in ihrer Presse einmal etwas veröffentlichen, verdrehen sie es mit Winkelzügen à la China.

In der chinesischen und der sowjetischen Presse macht sich ein gemeinsames Kennzeichen bemerkbar: beide bringen keine gründlichen theoretischen Artikel in denen ,sie sich gegenseitig entlarvten. Die Artikel, die sie veröffentlichen, sind abgestanden, oberflächlich, voll wertloser Schlagworte. Warum? Weil sie, würden sie die Probleme einer gründlichen Analyse unterziehen, jeweils den Bluff des anderen entlarven würden sind doch beide revisionistische Staaten und Parteien.

Unsere .Meinung über Chinas Haltung und unsere Auffassung, dass China als revisionistisches Land zu ;bezeichnen ist, mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen. Eine solche Meinung mag frisch aussehen, nicht auf der Wirklichkeit fußend, doch anders lässt sich der Kurs, der in einer Reihe von Fragen der Innen- und Außenpolitik verfolgt wird, nicht erklären. China ist ,bereit, sich sowohl mit den revisionistischen Ländern als auch den revisionistischen Parteien, die bis gestern noch die Sowjetunion unterstützten, sie heute aber kritisieren, auf Gespräche zu einigen, ja in vielen Fragen sogar zu versöhnen. Was ich da sage, ist keine Vermutung, sondern Tatsache. Die Chinesen empfingen in Peking Spanien Carrillo, sprachen mit ihm und verabschiedeten sich von ihm wie Freunde. Warum auch nicht? Warum wurde kein Kommuniqué herausgegeben, um das Gegenteil zu beweisen? Mit Francos Spanien haben die Chinesen diplomatische Beziehungen aufgenommen, die Kommunistische Partei Spaniens/Marxisten-Leninisten, deren Mitglieder von den Falangisten ermordet werden, ignorieren sie dagegen völlig. Warum? Die marxistisch-leninistischen Kommunisten Spaniens denken nicht wie Jurquet in Frankreich, der ein Jünger der Ideen Mao Tsetungs ist und seine Anhänger dazu auffordert, die Armee der französischen Bourgeoisie zu unterstützen.

China äussert sich positiv über jedes revisionistische Land, wenn dieses nur die Annäherung an den amerikanischen Imperialismus sucht. Gegenüber Polen, das dabei ist, in die Sphäre des amerikanischen Kapitals einzugehen, bis hin zu Schiwkoffs Bulgarien, ganz zu schweigen von Rumänien und Jugoslawien, nimmt China ein wechselnde Haltung ein.

Für die Chinesen ist Rumänien der teuerste Freund. Warum? . Der Vorwand ist: «Es widersetzt sich den Sowjets.» Dieser «Widerstand» der Rumänen gegen die Sowjets ist Tarnung. Die Rumänen und die Sowjets haben vieles gemeinsam, sie betreiben dieselbe Innenpolitik und auch dieselbe Außenpolitik. Ihre beiden Parteien sind revisionistisch, beide Staaten sind kapitalistisch, und falls sie Widersprüche haben, dann sind sie geringfügig oder kurzlebig oder reine Spielerei. China analysiert diese Lage nicht und will sie auch gar nicht analysieren. Es betrachtet und verteidigt Rumänien als «sozialistischen Staat».

Genauso unterstützt China Jugoslawien politisch. Ideologisch kann es Jugoslawien vorläufig noch nicht offen unterstützen, denn das würde stinken, würde nach Verrat riechen. Doch der Titoismus ist nichts als. Kapitalismus reinsten Wassers. Das titoistische Jugoslawien lässt sich von den anarchistische Ideen der «föderalistischen Selbstverwaltung» leiten. Dort wird der Staat für den Bedarf des Augenblicks. aufrechterhalten, und die Partei der Kommunisten wurde vom Titoismus liquidiert. Er liquidierte die Partei und ließ die Klasse angeblich «sich selbstverwalten», begünstigte damit in Wirklichkeit jedoch die wohlhabende Bourgeoisie, die alte und die neue, in ihrem Streben, zum Herrn Jugoslawiens zu werden, sich zu bereichern und das Land an die Ausländer zu verkaufen. Tatsächlich herrschen irr Jugoslawien Chaos und Anarchie - in der Wirtschaft, in der Politik und in der Ideologie. Und die bürgerlich-revisionistische Welt nennt Jugoslawien «sozialistisch» und Tito einen «großen Mann», weil er sich Stalin widersetzte. Doch damit leistete und leistet er dem amerikanischen Imperialismus und dem internationalen Großkapital grosse Dienste.

Was Chinas Politik betrifft, so verurteilen wir nicht, dass es, diplomatische Beziehungen zu verschiedenen kapitalistischen und revisionistischen Staaten hergestellt hat (seine Beziehungen zu faschistischen Staaten verurteilen wir natürlich), doch wir verurteilen die unmarxistische Linie, von der es sich bei dieser Politik leiten lässt. Wo Chinas Haltung sich nicht von Klassengrundsätzen leiten lässt, billigen wir sie nicht. Wo die chinesische Haltung nicht der Weltrevolution, nicht der nationalen Befreiung der Völker der «dritten Welt» dient, billigen wir sie nicht. China fügt mit seiner politisch-ideologischen Haltung dem Sozialismus und der Revolution sowie dem Befreiungskampf der Völker im Weltmaßstab grossen Schaden zu.

Die kapitalistische Welt weiß um diesen Dienst Chinas und honoriert ihn. Ob nun eine wahre marxistisch-leninistische Bewegung oder die Studentenunruhen eines Cohn-Bendit, oder die Bewegung der Tupamaros - die kapitalistische Welt nennt sie alle unterschiedslos «maoistisch» und China freut sich über diese Qualifikation, über diese «Ehre» die ihm die Weltreaktion zuteil werden lässt. Es predigt sogar die Vereinigung all dieser maoistischen, «oppositionellen», anarchistischen Strömungen mit den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, ohne Rücksicht auf ihre diametral entgegengesetzten Standpunkte. Überdies rät China diesen Parteien, mit den bürgerlichen Regierungen ihrer Länder zusammenzuarbeiten, ihre bürgerlichen Armeen zu unterstützen, die die Völker und das Proletariat unterdrücken. Jene marxistisch-leninistischen Parteien, die nicht die Linie verfolgen, die China predigt, schreibt es ab, bekämpft es. Wie soll man also diese Linie nennen? Marxistisch-leninistisch? Nein, das ist eine revisionistische Linie.

Ein hervorstechendes Merkmal des modernen Revisionismus ist die «friedliche Koexistenz», verstanden und praktiziert auf nicht klassenmäßige, nicht revolutionäre Weise. Ein weiteres Kennzeichen ist der friedliche, parlamentarische Weg der Machtergreifung «auf dem Weg zum Sozialismus». Das ist die Linie, die Chruschtschow predigte und die die Sowjetrevisionisten auch heute noch predigen. Dies ist auch die Linie der italienischen, französischen, spanischen und anderer Revisionisten. Das ist auch die Linie, der Weg der Chinesen. Auch sie predigen genau diesen Weg. Unter die Revolution haben sie einen dicken Strich gemacht, predigen sie doch das Bündnis und die Zusammenarbeit mit den bürgerlich kapitalistischen Staaten und all ihren Institutionen, unter anderem auch dem bürgerlichen Parlament. Das ist die Wirklichkeit, in Theorie und Praxis, auch wenn die Chinesen das theoretisch nicht zugeben. Die Sowjets geben ihre Verbrechen genauso wenig zu: die chruschtschowsche friedliche Koexistenz nennen sie «leninistisch», und wenn es um den friedlichen Weg der Machtergreifung geht, vergessen sie niemals, sich darauf zu berufen, dass Lenin gesagt hat, es gebe «die Möglichkeit, die Macht auch auf diesem Weg zu erobern». Doch die Revisionisten haben dies zum einzigen Weg gemacht und bekämpfen de facto den anderen, den bewaffneten, gewaltsamen Weg, den Weg der Revolution und der Errichtung des wahren Sozialismus.

Fidel Castro tönt: «Die Armee ist die Partei.» Die modernen Revisionisten sagen das nicht offen, doch es ist eine Tatsache, dass in China die Armee die Partei kommandiert, die von Mao Tsetung während der Kulturrevolution «aufgelöst» wurde. Während dieser Revolution war .und blieb die Armee die einzige «Säule» des Regimes: Partei, Gewerkschaften, die Arbeiterklasse an der Macht gab es nicht. So war es, das ist eine Tatsache. Doch warum war das so? Das ist völlig klar: die Ursache war die nicht marxistisch-leninistische Weltanschauung.

Diesen kapitalen theoretischen Problemen muss man auf den Grund gehen, man darf sie nicht oberflächlich behandeln. Man darf nicht den Worten glauben, sondern nur den Fakten. Und diese Fakten müssen vom Standpunkt unserer marxistisch-leninistischen Theorie aus analysiert werden. Wie soll man die Geste der Chinesen in den letzten Tagen des vergangenen Jahres verstehen, als sie den sowjetischen Hubschrauber mit seinen drei Mann Besatzung freigaben, die sie 21 Monate lang festgehalten hatten, weil sie «400 km tief in chinesisches Gebiet eingedrungen waren»? Sie taten gut daran, sie freizulassen, denn es gab nur zwei Möglichkeiten: entweder die sowjetischen Piloten vor Gericht zu stellen, oder sie nach etwa zwei Monaten laufenzulassen. Doch was passierte? Was schrieben die Chinesen in diesen 21 Monaten in ihrer ;Presse nicht alles über diesen Hubschrauber: «Das ist ein krimineller Akt, ein Spionageakt, eine brutale Provokation» usw. Das Außenministerium der VR China hatte Behar Shtylla offiziell mitgeteilt: «Die sowjetischen Piloten sind Spione. Der Hubschrauber war vollgepackt mit Spionagegerät. Uns sind wichtige Dokumente in die Hände gefallen. Der Hubschrauber war in Sinkiang gelandet, um Menschen zu entführen» usw. Die Sowjets dagegen hielten daran fest, der Hubschrauber sei vom Kurs abgekommen. Sohön und gut, doch nach 21 Monaten äußerte sich auch das Außenministerium der Volksrepublik China plötzlich anders, erklärte, der Hubschrauber sei vom Kurs abgekommen, die Piloten seien unschuldig und würden deshalb freigelassen. Inn Außenministerium gibt man für sie sogar ein offizielles Abendessen, und man begleitet sie «feierlich» zum Flugplatz.

Was soll man zu dieser Haltung sagen? Wie soll man sie nennen? Da muss es etwas hinter den Kulissen geben, anders lässt sich das nicht begreifen. Da steckt etwas dahinter, das stinkt. Es sollte uns nicht überraschen, wenn dieser Schwenk nach Art der Chinesen als «großartige politische Geste Mao Tsetungs» ausgegeben würde. Und natürlich auch als «marxistisch-leninistische» Wendung. Möglich, dass Tschou En-lai oder Deng Hsiao-ping nach dieser «genialen Wendung» unserem Botschafter in Peking sagt: «Auf, fahren wir nach Moskau, worauf wartet ihr noch, die Situation hat sich geändert.» Genau das war es nämlich, was Tschou En-lai unerem Botschafter sagte, als Chruschtschow gestürzt wurde. Wenn irgend jemand einmal fallen lässt, Breschnews Sturz sei abzusehen, fangen die Chinesen an, von einem Umschwung zu träumen und schmieden insgeheim Pläne, möglicherweise im Einvernehmen mit den Sowjets. Wir werden die revisionistischen und verräterischen Winkelzüge erleben.

Die Chinesen verhalten sich unserer Partei der Arbet und dem sozialistischen Albanien gegenüber nicht aufrichtig. Bisher waren wir die «besten und treuesten Freunde Chinas und der Kommunistischen Partei Chinas». Dieser Geist ist in China an der Basis sehr gut gepflegt und verbreitet worden, in diesem Punkt haben wir nichts einzuwenden. Doch das Zentrum stellt sich anders dazu. Wir dagegen haben unsere Ansichten offen dargelegt und darum ersucht, Delegationen auszutauschen und Gespräche zu führen. Unser Ersuchen ist jedoch auf taube Ohren gestoßen. Ohne ausdrücklich zu. sagen, dass sie in vielen Fragen nicht einer Meinung nit uns ist, gibt die chinesische Führung durch die Haltung, die sie einnimmt, in der Praxis zu verstehen, dass sie nicht einverstanden ist. Die Wirtschaftshilfen, um die wir für den Bau der Werke des Fünfjahrplans 1976-1980 ersuchten, die sicherlich erst nach 6 oder 7 Jahren fertiggestellt sein werden, haben uns die Chinesen sehr gekürzt. Sie bewilligten uns nur 20-25 Prozent der Kredite, um die wir baten. Dabei begegnete man uns kühl, schob jeder zusätzlichen Forderung einen Riegel vor, mit der Bemerkung: «Das ist auch Maos Meinung.» «Wir sind sehr arm», sagten sie uns, während sie, ja sogar Tschou En-lai selbst, uns noch vor zwei Jahren Wort für Wort erklärten: «Wir helfen euch wenig, sehr wenig, doch in zwei oder drei Jahren,. im nächsten Planjahrfünft [das heisst in dem, das nun begonnen hat] werden wir euch mehr geben.» Genau das Gegenteil war allerdings der Fall, und heute - mit welcher Geringschätzung sagen sie nun: «Verlangt nichts, wir gehen auf keine weitere Forderung ein.» Kann man das wirtschaftlichen Druck nennen? - Bestimmt, und zwar mit voller Überzeugung. Warum nehmen sie diese Haltung ein? Weil sie mit uns Meinungsverschiedenheiten in der Linie haben.

In einer Botschaft, die ich und Mehmet an Mao richteten, ersuchten wir um Militärhilfe. Die Chinesen bewilligten uns diesmal eine lächerliche Hilfe. Unverschämt erklärten sie uns: «Verlangt jetzt nicht mehr!» Warum dieser Umschwung? Weil sie nicht einverstanden sind mit unserer politischen, strategischen und ideologischen Linie, weil sie wollen, dass wir uns ihrer revisionistischen Linie unterwerfen.

Die chinesischen Führer haben uns vorgeschlagen, «mit Jugoslawien und Rumänien zusammenzuarbeiten, zu ihnen Verbindungen herzustellen» (das heißt, wir sollen Revisionisten werden wie sie), «zu den Vereinigten Staaten von Amerika diplomatische Beziehungen aufzunehmen» und dergleichen Gemeinheiten mehr. Wir sollen es also China nachmachen Das ist ein Verrat, den wir angewidert von uns weisen. Und wir bekämpfen diese Linie auf die eine oder andere Weise, offen und bei jeder Gelegenheit, durch unsere Presse und Propaganda.

Es hat sich herausgestellt, dass die Verrätergruppe von Beqir Balluku und Abdyl Këllezi für diese Linie der Chinesen war, die in Wirklichkeit die gleiche ist wie die der Sowjets, Jugoslawen, Rumänen, Amerikaner usw. Denn sie alle wollen unsere marxistisch-leninistische Partei und ihre Führung, die den Marxismus-Leninismus und den Sozialismus in Albanien verteidigt, liquidieren. Dafür kämpfen sie. Die chinesische revisionistische Führung unternahm also alle diese Maßnahmen, um uns zu schwächen. Dieses Vorgehen ist vorläufig noch nicht so brutal wie das Chruschtschows, doch auch die Chinesen gehen diesen Weg, in der Meinung, uns nach und nach den Atem zu nehmen, doch damit können sie uns... mal gern haben!

Nicht nur das. Mao Tsetung geht genau wie die Chruschtschowianer vor. Drei oder vier wichtige Botschaften wurden ihm geschickt, im Namen des Zentralkomitees der Partei und unterzeichnet von mir, während er nicht geruhte, uns eine Antwort zu geben, und sei es auch nur aus Höflichkeit, im Sinne der Gegenseitigkeit. Entweder hat er nicht geruht, oder er will zu den Problemen, die wir aufgeworfen haben, nichts Schriftliches hinterlassen. Auch die mündlichen Antworten, die wir über andere, seine Genossen, erhielten, waren ausgesprochen negativ. Ein offizieller Brief verlangt eine schriftliche Antwort, positiv oder negativ.

Die Handlungsweise der Chinesen ist unerfreulich und, warum sollten wir es nicht sagen, auch tückisch. Was die Waffenlieferungen anbelangt, so benahmen sich alle Mitglieder der chinesischen Delegation, mit der dieses Problem behandelt wurde, diesmal gemein gegen uns. Sie verschlossen uns alle Türen. Und der Leiter unserer Delegation brachte ihnen gegenüber unsere Unzufriedenheit zum Ausdruck. Beim letzten Abendessen fing Yä Djiän-ying an, abgedroschenes Süßholz zu raspeln: «Ihr werdet ja nächstes Jahr wieder kommen, dann werden wir weitersehen» und dergleichen faden Quark mehr. Dabei hatten sie uns vorher gesagt: «Um das Jahr 2000 werden wir dann in der Lage sein, euch zu helfen.»

Nicht nur, dass diese Einstellung nicht gerade freundschaftlich ist, sie gehen auch noch weiter, versuchen, unsere Kader von der Führung zu trennen, indem sie ihnen gegenüber durchblicken lassen «Nun ja, was euch betrifft, so findet ihr bei uns ein offenes Ohr, aber Waffen geben wir euch nicht, denn wir stehen mit eurer Führung nicht gut.» Trotzkistische Methoden!





DONNERSTAG, 8. JANUAR 1976



TSCHOUEN-LAI IST GESTORBEN

Heute Abend schickte uns Behar ein Radiogramm aus Peking, in dem er uns mitteilt, dass Genosse Tschou En-lai an Krebs gestorben ist. Diese Nachricht wurde Behar im Namen des Zentralkomitees. vom chinesischen Außenminister, Tjiao Guan-hua, überbracht, der zum Abendessen bei Behar war. Als Behar sich bei ihm nach Tschou En-lais Befinden erkundigte, antwortete er ihm - anscheinend, um das Abendessen nicht zu verderben, dem er auch hätte fernbleiben können -, er werde es ihm nach dem Essen sagen.

Tschou En-lai war ein Revolutionär und Mitglied der KP Chinas seit ihrer Gründung. Man muss anerkennen, er war eine Persönlichkeit von großem Format, ein sehr kluger und fähiger Mann, ein grosser Organisator und Arbeiter. Nach Mao war Tschou En-lai der Mann mit der größten Autorität in China. Er war zugleich auch eine grosse internationale Persönlichkeit. Wir haben ihn persönlich gekannt, mit ihm gesprochen und seine große Tüchtigkeit bei der Arbeit, sein großes Organisationstalent geschätzt. Er war der engste Mitarbeiter Maos, kämpfte als «Kommunist» unter Maos Banner. Wir betrachteten ihn als Freund unseres Landes, achteten ihn, empfingen ihn bei uns, sprachen rrit ihm stets aufrichtig. Doch es muss gesagt werden, dass wir, obwohl er zu der Hilfe beigetragen hat, die China Albanien gab, auch Debatten mit ihm hatten, als er von seiner Seite aus gegen die marxistisch-leninistische Ideologie und den Geist der Freundschaft mit uns verstieß.

Es geschah oft, dass wir prinzipielle Differenzen zu der Linie, zu den Auffassungen hatten, die er und das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas vertraten. Diese Differenzen haben wir besonders Tschou, aber auch dem Zentralkomitee der KP Chinas gegenüber auf kameradschaftliche Weise geäußert, mündlich und schriftlich. Über all diese Anschauungen habe ich, wenn Tschou sie äußerte, oder wenn die Linie der Kommunistischen Partei Chinas mit der Linie unserer Partei nicht übereinstimmte, zum jeweiligen Zeitpunkt geschrieben. Doch die prinzipiellen Widersprüche, die wir zu den chinesischen Genossen in der Line hatten, haben weder wir noch sie an die Öffentlichkeit getragen. Unsere Parteien blieben und bleiben auf ihren jeweiligen Positionen. Bei all den Meinungsverschiedenheiten in der Line haben weder wir noch die chinesischen Genossen diese publik gemacht, und die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern und Ländern dauerte beinahe unverändert an.

Wir waren und sind weitherzig, doch die Prinzipien unserer Partei verletzen wir nicht und machen sie auch nicht zum Spielball .der opportunistischen Politik. Ich habe viel und, ich glaube, unvoreingenommen über Tschou En-lai geschrieben, doch habe ich auch keine mildernden Worte gebraucht. Darauf will ich hier nicht länger eingehen. Ich möchte nur sagen, dass er trotz allem ein großer Mensch und Politiker war, allerdings nicht auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus. Tschou En-lai war «ausgewogen•>, ein Mann nicht prinzipienfester Kompromisse, «sehr weit gefasster» Kompromisse.

Obwohl wir mit seinen Ansichten und seiner Politik in vielen Fragen nicht einverstanden waren, schmerzte uns Tschou En-Lai`s Tod aufrichtig, denn China verlor einen großen Mann, den größten nach Mao, ich würde sogar sagen, nicht weniger «wirksam» als Mao selbst, einen Mann, der bei der Leitung und Verwaltung der Geschäfte eines so großen Staates wie China eine nachhaltige Rolle spielte.





DONNERSTAG, 22. JANUAR 1976



DIE CHINESEN PROPAGIEREN DIE RICHTIGE LINIE UNSERER PARTEI NICHT

Der 19. Band der Werke wurde gedruckt und in vielen Sprachen verbreitet. Das gesamte Ausland, Freunde wie Feinde Albaniens, spricht von der richtigen Linie und vom Mut, den unsere Partei bewies, als sie die Chruschtschowrevisionisten entlarvte und bekämpfte, um die Reinheit des Marxismus-Leninismus zu verteidigen und besonders die Kommunistische Partei Chinas zu verteidigen. Nur in China sprach und spricht man nicht davon. Es gibt kein einziges Presseorgan, das, wenigstens als Nachricht, ein Wort darüber verlöre, dass in Albanien ein solches



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