ENVER HOXHA







BETRACHTUNGEN ÜBER

CHINA

II





1973 - 1977

AUS DEM POLITISCHEN TAGEBUCH

Tirana 1979







1973



MONTAG, 15. JANUAR 1973





EINIGE ANTI-MARXISTISCHE ERKLÄRUNGEN TSCHOU EN-LAIS



In den ersten beiden Januarwochen statteten China unter anderem eine italienische Regierungsdelegation unter Leitung von Außenminister Medici und eine kongolesische Delegation (aus Zaire) unter Leitung des Präsidenten dieser afrikanischen Republik, General Mobutu, offizielle Besuche ab.

Beide 'Delegationen wurden von Tschou En-lai empfangen, der mit ihnen natürlich über politische und andere Fragen sprach. Er gab Erklärungen ab und bekräftigte einige seiner politischen und ideologischen Ansichten, die, wie ich meine, ihres «spezifischen» Charakters wegen von besonderer Bedeutung sind. Das ist es, was mich dazu veranlasst, diese Anmerkungen zu Papier zu bringen.

Mit dem Italiener Medici hatte Tschou En-lai ein Treffen, bei dem die beiden ihre Meinungen austauschten. In der chinesischen Presse wurde jedoch nichts verlautbart, sieht man von der Meldung ab, das Treffen sei «herzlich» gewesen. Presse, Rundfunk und Fernsehen in Italien dagegen gingen nicht nur ausführlich auf Medicis Reise und seine Gespräche mit Tschou En-lai ein, sondern stellten auch folgende Erklärung Tschou En-lais besonders heraus:

China bejaht die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, bejaht die Schaffung eines «Vereinten Europa», mit dessen Aufbau die Staaten Westeuropas begonnen haben, und heisst sie gut.

Auf dem offiziellen Bankett, das er für Mobutu gab, erklärte Tschou En-lai unter anderem ohne Umschweife: «Trotz aller Unterschiede zu Zaire in der Regierungsform gehört China, wie natürlich auch Zaire, zur dritten Welt...» Das ist eine offizielle Erklärung, die in der chinesischen Presse kam.

Was die Erklärungen Tschou En-Iais gegenüber Medici anbelangt, lässt sich immerhin vermuten, dass die italienische Presse ein Interesse daran hat, sie zu verdrehen und auszuspinnen. Das ist schon möglich, doch solange von China selbst kein offizielles Dementi kommt, muss man annehmen, dass diese Erklärungen abgegeben worden sind. Wir ziehen dabei in Betracht, dass derlei Ansichten über den Gemeinsamen Markt und das «Vereinte Europa» auch von den Botschaftern Chinas in den Ländern Europas unseren Genossen Botschaftern gegenüber geäußert worden sind. Es handelt sich also um eine politische Richtlinie, die aus dem Zentrum, aus Peking kommt, eine Linie und eine Direktive, die vom ZK der Kommunistischen Partei Chinas und der chinesischen Regierung ausgegeben wurde. Und nun wird diese Linie also ohne Zögern in die Praxis umgesetzt. Mit dieser Linie und dieser Orientierung sind wir nicht nur keinesfalls einverstanden, wir sind sogar dagegen, weil sie grundsätzlich und in der Praxis falsch sind, weil sie der marxistisch-leninistischen Linie nicht entsprechen, sondern zuwiderlaufen. Das sind revisionistisch-opportunistische Auffassungen; sie tragen nicht zur Revolution, zum Erwachen und zum revolutionären Kampf der Völker gegen Imperialismus, Kapitalismus und die reaktionäre Bourgeoisie bei.

Machen wir uns das einmal klar: Wie begründen die chinesischen Genossen, besonders Genosse Tschou En-lai, der Vorkämpfer dieser Linie, diese entscheidende politische Haltung in der Linie? Nur mit der «Ausnutzung der Widersprüche zwischen dem amerikanischen Imperialismus und dem sowjetischen Sozialimperialismus»? «Kämpfen wir, um diese Widersprüche zu vertiefen», sagt Tschou En-lai. So weit, so gut. Doch zu wessen Gunsten vertiefen wir diese Widersprüche, gibt es nur sie? Gibt es keine anderen Widersprüche - bekannte und bislang unbekannte, die wir auffinden müssen -, um deren Vertiefung im Interesse der politischen und wirtschaftlichen Freiheit, der Souveränität, der Selbstbestimmung der Völker, im Interesse der Revolution wir kämpfen müssen?

Diese Widersprüche, die es gibt und die sich täglich mehr verschärfen, wer verursacht sie? Wo haben sie ihren Ursprung, sind sie einfach oder komplex? Bestehen sie nur zwischen den beiden Supermächten oder greifen sie weiter, tiefer? Dürfen es sein, dass wir Marxisten-Leninisten unser Interesse allein darauf beschränken, die Widersprüche zwischen dem imperialistischen Amerika und der revisionistischen Sowjetunion zu vertiefen? Dürfen wir darüber die Widersprüche vergessen, die zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und ihren «Verbündeten», zwischen der revisionistischen Sowjetunion und deren «Verbündeten», zwischen diesen beiden Supermächten und den Staaten der «dritten Welt», die zu ihrer Einflusssphäre gehören, bestehen und die vertieft werden müssen?

Dürfen wir die große Sache der Klasse, den Kampf des Proletariats vergessen, das heißt, die Lösung des grossen Widerspruchs zwischen dem Proletariat und der kapitalistischen Bourgeoisie, zwischen dem Kapital und dem Proletariat, zwischen dem Proletariat und dem Volk einerseits und der kapitalistischen Oligarchie und ihrer Staatsmacht andererseits? Dürfen wir vergessen, dass die Staatsmacht der Bourgeoisie im Kampf zerschlagen, dass an ihrer Stelle die Diktatur des Proletariats errichtet werden muss, um die bürgerliche kapitalistische Ordnung durch die sozialistische Ordnung zu ersetzen?

Wenn wir dies vernachlässigen und vergessen, oder wenn wir mit Formeln Spiegelfechterei betreiben, in Wirklichkeit aber anders handeln, dann betrachten, beurteilen und behandeln wir die Dinge nicht wie Marxisten.

Nehmen wir uns eine Frage nach der andern vor. Es bestehen tatsächlich Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, und wir müssen sie vertiefen. Worauf sind diese Widersprüche zurückzuführen, worauf gründen sie? Sie entspringen dem Wesen, den ewigen Zielen des Kapitalismus selbst, der erbarmungsloser Ausbeutung des Proletariats, ~der Versklavung der Völker. Der Imperialismus, das letzte Stadium des Kapitalismus, ist am Verfaulen. Um die Völker geknechtet zu halten, die Revolution zu unterdrücken, die Rivalen, die ihm in der internationalen Arena entgegentreten, zu schlagen, kämpft er mit Blut und Eisen, Politik und Ideologie. Seine entscheidenden Feinde, die ihn schließlich vernichten werden, sind die Völker, ist das Weltproletariat, ist die Revolution.

Die Geschichte beweist, dass die Rivalität zwischen den kapitalistischen Gruppierungen eines Landes und den kapitalistischen Gruppierungen eines anderen Landes oder zwischen Kapitalistengruppen einiger Länder und Kapitalistengruppen einiger anderer Länder um die Beherrschung der Welt, um die Schaffung und Erweiterung ihrer Kolonialreiche, um die Aufteilung der Einflusszonen und Märkte Konflikte heraufbeschworen und die Welt in blutige Kriege gestürzt hat, die große Krisen für die Menschheit waren. Ihr Zweck lag in der Ausbeutung und Unterdrückung der Menschen, der Völker, der schwächeren Staaten durch die stärkeren. Die Demagogie der Kriegstreiber und Sklavenhalter täuschte Menschen und Völker, indem sie ihre gesunden Bestrebungen missbrauchte, und trotzdem konnte nichts ihren Drang nach Freiheit, Unabhängigkeit, Befreiung und Revolution zum Erlöschen bringen. Dieser Drang und diese Bestrebungen gewannen immer mehr an Kraft. Die unterdrückten und ausgebeuteten werktätigen Massen wurden zur entscheidenden Triebkraft des Fortschritts, zum unerbittlichsten Gegner des knechtenden Kapitalismus, des Imperialismus. Die Verwandlung der Sowjetunion in ein kapitalistisches Land konnte genauso wenig wie die Verwandlung einer Reihe volksdemokratischer Länder in bürgerlich kapitalistische Staaten etwas an dieser Entwicklungstendenz ändern. Die Revolution marschiert voran, der Sozialismus beweist unablässig seine Lebenskraft, der amerikanische Imperialismus, Führungsmacht einer Reihe kapitalistischer Staaten, und der sowjetische Sozialimperialismus, Führungsmacht einer Reihe revisionistischer Länder, stecken in einer tiefen politischen, ideologischen, wirtschaftlich-finanziellen, kulturellen und militärischen Krise.

Diese großen tödlichen Krisen werden dieser verfaulten, untergehenden Welt bereitet durch die Streiks, die Proteste usw., durch die Revolution, die überall brodelt, durch den Befreiungskampf der Völker in all seinen Formen und Stadien, in denen er sich auf der ganzen Welt entwickelt. Dies ist die Grundlage unseres Kampfes gegen den Imperialismus und den Sozialimperialismus, das sind dies entscheidenden Waffen, die wir gebrauchen müssen, um jene zu bezwingen. Im Sinne dieses grossen Ziels müssen wir auf richtige Weise unsere Strategie und Taktik des Kampfes aufbauen. Und auf diese Prinzipien, nicht aber auf Phantasien, auf Abenteuer oder opportunistische Auffassungen müssen wir uns stützen, wenn es darum geht, die Widersprüche zwischen den Feinden zu vertiefen.

Bekanntlich ging der amerikanische Imperialismus aus dem Zweiten Weltkrieg mächtig und mit einem aggressiven Wirtschafts-rund Militärpotential hervor. Er übernahm die Rolle des Weltgendarmen und arbeitete, um all den reaktionären kapitalistischen Kräften in Europa, in Lateinamerika und anderswo wieder auf die Beine zu helfen. Dem amerikanischen Imperialismus standen das große Lager des Sozialismus und alle Völker der Welt gegenüber, die nach Befreiung strebten, für Befreiung kämpften.

Innerhalb weniger Jahre richteten die Vereinigten Staaten von Amerika das Bonner Deutschland, Italien, die französische und englische kapitalistische Wirtschaft usw. wieder auf, versäumten es aber nicht, dafür zu sorgen, dass bei jeder Veränderung, die in diesen Ländern stattfand, ihre «Ration» gesichert war, ihnen selbst also der Löwenanteil zufiel. Die Vereinigten Staaten von Amerika «erleichterten» diese Länder um ihre Kolonien, die sie mit neuen Methoden zu ihren eigenen machten. Unter dem Vorwand, diese Staaten wiederaufzubauen, festigten die amerikanischen Imperialisten ihre Hegemonie auf der Welt, spannten die «Verbündeten» durch alle möglichen Militär- und Wirtschaftsverträge vor ihren Karren. All dies diente in erster Linie dazu, die amerikanische Hegemonie zu festigen die reaktionäre Bourgeoisie in allen Ländern zu stärken, jede Volksbewegung, jede Bestrebung der Völker in diesen Ländern und auf der Welt zu unterdrücken und einen eisernen Block gegen die sozialistische Sowjetunion, gegen den 'Kommunismus zu schaffen. Weder die sozialistischen Länder noch die Völker der Welt ließen sich jemals durch den Kalten Krieg, die einzelnen Aggressionskriege und die Drohung der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Atombombe einschüchtern.

Der große Verrat der Sowjetrevisionisten schwächte das Lager des Sozialismus, konnte jedoch weder die Weltrevolution an ihrem Vormarsch hindern noch den Sozialismus als sozialökonomische Ordnung, noch die marxistisch-leninistische Ideologie vernichten. Und ebenso wenig konnte er den Wunsch und das Streben der Völker schwächen, für den Sozialismus zu kämpfen. Der Marxismus-Leninismus ist unsterblich und stets siegreich.

Was aber geschah? Verschwanden etwa die Widersprüche unserer Epoche in ihrer ganzen Vielschichtigkeit durch den Verrat der Sowjetrevisionisten? Keineswegs. Sie nahmen zu. Dies gilt gleichermaßen für die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion wie für ihre Verbündelen, ungeachtet, der Vertrage, der Abkommen, der diplomatischen Übereinkünfte usw. usf. Die Widersprüche, die amerikanischen Imperialisten und die Sowjetrevisionisten untereinander haben, können niemals verschwinden oder sich auch nur verringern, im Gegenteil, sie nehmen zu, werden größer. Ihr Ursprung, ihre Grundlage ist stets das, was ich obere ausgeführt habe. Gegenwärtig befinden sich die beiden Supermächte trotz ihrer Widersprüche im Bündnis miteinander, wenn es darum geht, die wahrhaft sozialistischen Länder, die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, das Streben der Völker nach Freiheit, Selbstbestimmung und Souveränität zu bekämpfen, die gerechten Kämpfe der Völker zu bekämpfen und zu ersticken. In allen diesen Punkten sind sie sich einig. Sie sind also übereingekommen, den Sozialismus und Kommunismus zu bekämpfen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika kämpfen, um ihre Hegemonie auf der Welt zu erhalten; die Sowjetunion kämpft, um ihre Hegemonie zu errichten. Folglich rivalisieren sie bei der Aufteilung die Einflusszonen, rivalisieren sie darum, die Bündnisse dieser beiden Supermächte mit den anderen zu unterminieren. Dies geht ein in das Spiel um Einflusszonen und führt natürlich weiterhin zu neuen Widersprüchen, zu ernsten Reibereien, möglicherweise auch bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Atombombe dient bislang als Abschreckungsfaktor, um den Ausbruch von Konflikten zwischen den beiden Supermächten zu verhindern.

Der Amerikanischen Imperialismus und seine europäischen Verbündeten wollen die sowjetische imperialistische Macht schwächen und kämpfen darum, diese Schwächung komplett zu machen, damit sie ihre Gefährlichkeit verliert, und zwar nicht nur ideologisch. Vielmehr wollen sie auch wirtschaftlich von sich abhängig machen und ihre aggressive militärische Kraft schwächen, vor der sich die Vereinigten Staaten von Amerika fürchten. Und in dieser Hinsicht sind auch ihre anderen Verbündeten mit ihnen einig. Deshalb streben sie danach, die Abhängigkeit der Länder des Warschauer Vertrags von der Sowjetunion zu beseitigen. Dabei haben sie nicht wenige 7rfolge erzielt, und mit Sicherheit werden weitere dazukommen, denn die Satelliten der Sowjetunion in Europa, von Rumänien bis Polen, haben ein Auge auf die Vereinigten Staaten von Amerika, auf die deutsche Bundesrepublik, auf Frankreich und England geworfen. Schachereien hinter den Kulissen der Geheimdiplomatie sind an der Tagesordnung. Die Imperialisten haben fürchterliche Angst vor den Völkern.

Obwohl wirtschaftlich wieder auf die Beine gekommen, stecken die kapitalistischen Länder Europas in einer schweren Krise, und die Völker, die dort leben, werden von den Oligarchien in ihren Ländern unterdrückt. Überall gibt es Streiks, Demonstrationen, bewaffnete Zusammenstösse bis hin zum Krieg wie in Nordirland. Was zeigt das? Die Fäulnis des Kapitalismus und das Anwachsen der revolutionären Kräfte. Doch in diesen Staaten gibt es nicht nur die Ausbeutung und Unterdrückung durch die einheimische Oligarchie, dort herrscht auch der brutale Stiefel des amerikanischen Imperialismus. In dieser Situation wollen sich auch jene Staaten des amerikanischen Stiefels entledigen. Doch wie? De Gaulles Loslösung von der NATO und die Schaffung einer selbständigen atomaren Schlagkraft durch Frankreich, die Bildung der Europäischen Wirtschaftgemeinschaft, die Idee «Vereinigter Staaten von Europa», die ins Gespräch gebracht worden ist, und das ständige Ringen um ihre Schaffung - all dies dient nicht nur dem Ziel, sich vom amerikanischen Diktat freizumachen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass die Bourgeoisie meint, durch die Vereinigung der Großmonopole dieser Länder lasse sich eine kompakte wirtschaftliche, politische und militärische Macht schaffen, die besser in der Lage ist, die Volksrevolten und Volksrevolutionen zu unterdrücken, die ihr schon jetzt unüberwindliche Schwierigkeiten bereiten, Schwierigkeiten, die sich später infolge der chronischen Krisen noch düsterer darstellen werden. Doch mit all diesen reaktionären Plänen wird sie nichts lösen. Die Oligarchien dieser Staaten wollen die NATO, das heißt die militärische Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika beibehalten, bis sie sich gegen die von der Sowjetunion ausgehende Bedrohung abgesichert haben. Dabei gibt es eine Reihe von Widersprüchen: die Vereinigten Staaten von Amerika wollen die NATO erhalten, möchten aber nicht, dass die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft zu einer Barriere für sie wird und, noch schlimmer, dass die «vereinigten Staaten von Europa» zu einer Großmacht wenden. Welcher der Staaten, die sich in dieser Organisation zusammenschlissen werden, wird dominieren? Frankreich, Westdeutschland oder England? So entstehen neue Rivalitäten, neue «Bündnisse», ständige Streitereien, die wir Marxisten-Leninisten richtig zu analysieren, richtig vorauszusehen haben, zu denen wir eine richtige Haltung einnehmen müssen.

Kommen wir nun auf Tschou En-lais Erklärungen zurück. Um sie besser auszuleuchten, war ich genötigt, diese vielleicht etwas zu ausführlich erscheinenden, aber dennoch nicht erschöpfenden Anmerkungen zu machen.

Die italienische Presse und der italienische Rundfunk äußern sich begeistern über die Haltung der Chinesen, die mit der Stimme Tschou En-lais Europa aufrufen, «in jeder Hinsicht zu seiner Einheit zu finden». Nach Aussage Tschou En-lais (immer auf der Grundlage der Angaben der italienischen Presse), stellt «der Prozess der europäischen Integration ein wesentliches Element auf dem Weg zur wahren Entspannung» dar. Nach Berichten dieser Presse legte Tschou En-lai. Betonung darauf, dass «dieser Prozess notwendigerweise nicht auf den wirtschaftlichen Bereich begrenzt werden» dürfe, sondern «auch das Feld der Politik und der Verteidigung erfassen» müsse. Klarer geht es nicht mehr. Da es nicht dementiert wurde, hat Tschou En-lai es wohl auch gesagt.

Diese Ansichten Tschou En-lai sind antileninistisch und reaktionär, sie widersprechen Lenins bekannten Thesen über das Problem der «Vereinigten Staaten von Europa». So stehen diese Auffassungen Tschou En-lais in einer Reihe mit denen der europäischen Reaktion.

Tschou En-lai tritt für die europäische Integration im Interesse des kosmopolitischen Großkapitals ein, das heißt für seine politische, wirtschaftliche und militärische Herrschaft über die Völker Europas, ist dafür, dass das eherne Gesetz des Kapitals über die Völker Europas regiere. Mit seinen Thesen ignoriert Tschou En-lai (der sich als der Theoretiker der Ausnutzung der Widersprüche ausgibt) vollständig die großen und unüberbrückbaren Widersprüche zwischen dem Proletariat und den Völkern Europas auf der einen und den bürgerlich reaktionären Regimen ihrer Länder sowie den kapitalistischen Oligarchien auf der anderen Seite. Darüber hinaus vergisst er auch Widersprüche dieser Oligarchien untereinander. Also ruft Tschou En-lai zur Einstellung des Klassenkampfes auf, ruft er zur europäischen Integration auf, ruft er dazu auf, die Widersprüche des europäischen Kapitalismus nicht zu Gunsten des Proletariats zu vertiefen. Zu Recht hebt also die reaktionäre Presse Tschou En-lai in den Himmel, und dazu hat sie guten Grund.

Das italienische Proletariat steht beinahe täglich im Streik. Die italienische Bourgeoisie ist bestrebt, dieser Zwickmühle zu entgehen. Italien ist zu einer Basis der Vereinigten Staaten von Amerika gegen das Proletariat geworden, doch der Nutzen bleibt aus. Die italienische Reaktion setzt auf den Polizeiknüppel, vermag aber die Streikwelle nicht aufzuhalten. Die Bourgeoisie kämpft für die europäische Integration, für die Schaffung der «Vereinigten Staaten von Europa», und es lässt sich leicht vorstellen, was sie sich davon verspricht und weich üble Aussichten sich für das Proletariat und die Völker Europas dabei bieten. Und hier kommt nun Tschou En-lai der Bourgeoisie zu Hilfe und empfiehlt den Völkern und dem Proletariat Europas, vertrauensvoll den Führern dieser Bourgeoisie zu folgen, anstatt sie aufzufordern: «Erhebt euch gegen die Klassenfeinde, bereitet ihnen das Grab und stoßt sie hinein, wenn ihr nicht wollt, dass sie euch das Grab schaufeln.»

Doch was treibt Tschou En-lai dazu, so offen in Opposition zum Marxismus-Leninismus zu treten? Er geht von einer anderen Idee aus und meint: «Stärken wir diesem reaktionären europäischen Block den Rücken, tritt er doch auf, als sei er gegen den amerikanischen, besonders aber gegen den sowjetischen Block. Auf diese Weise vertiefen wir die Widersprüche zwischen den imperialistischen Blöcken zu Gunsten des Sozialismus.» Doch es stellt sich die Frage: Zu Gunsten welches Sozialismus werden denn diese Widersprüche vertieft, wenn man die Arbeiter und die Völker aufruft, sich nicht zu rühren, wie Schafe in den Pferch des kapitalistischen Hirten zu drängen? Der Sozialismus beschränkt sich in diesem Fall allein auf China, das sich von diesen Ideen Tschou En-lais inspirieren lässt.

Tschou En-lai sollte konsequent sein in seinen Auffassungen. Wenn er schon die europäischen Staaten dazu aufruft, sich unter Führung ihrer kapitalistischen Oligarchien zu integrieren, dann muss er auch den Warschauer Vertrag, die Besetzung der Tschechoslowakei gutheißen.

Tschou En-lai verkündet, er sei gegen die sowjetische Hegemonie über diese Staaten, in diesem Fall spricht er sich sogar für

«Desintegration» aus. Hier ist er nicht konsequent. Oder er ist konsequent in dem Sinne, dass sich die Satelliten der Sowjetunion Europa von dieser zu lösen und sich in das andere «vereinte» Europa zu integrieren haben, zu dessen Schaffung nicht nur die europäische Monopolbourgeoisie, sondern auch Tschou En-lai aufruft.

Tschou En-Iai tut nichts dafür, dass sich die Völker zur Revolution erheben. Er tut nichts, um die verschiedenen Glieder der kapitalistischen Kette zu schwächen, er trägt nicht dazu bei, dass die schwächsten Glieder dieser für die Völker so schweren Kette brechen. Stattdessen predigt er zum Nutzen Chinas, ohne es offen auszurechen, die Bildung verschiedener Blöcke, um die Kräfte, nicht auf marxistisch-leninistischem Weg, nicht auf revolutionärem Weg gegeneinander auszubalancieren. Natürlich müssen wir alle zugunsten sozialistischen China kämpfen, doch nur eines sozialistischen China und auf marxistisch-leninistischem Weg.

Tschou En-lai und die chinesische Führung geben an, an beiden Flanken zu kämpfen: sowohl gegen den amerikanischen Imperialismus auch gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Den Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika haben sie allerdings gedrosselt. Und das gerade zu einer Zeit, da diese einen barbarischen Krieg gegen Vietnam führen und ihren Aggressionskrieg anderswo fortsetzen. Gerade zu dieser Zeit behauptet Tschou En-lai: «In den Vereinigten Staaten von Amerika steht die Revolution vor der Tür.» Dem amerikanischen Imperialismus in diesen Krisenmomenten die Hand zu reichen, wie das China tat und tut, ist nicht nur nicht richtig, sondern heißt darüber hinaus, ihm Hilfestellung zu geben. Lässt sich so etwa Tschous These beweisen, dass «all das geschieht, um zum Nutzen des Sozialismus die Widersprüche zwischen den beiden Supermächten zu vertiefen»? Haben Vietnam oder Nahe Osten irgend etwas dabei gewonnen? Wurden die Verbindungen der amerikanischen Imperialisten und der sowjetischen Soldimperialisten durch Chinas Eingehen auf den Nixon-Besuch geschwächt? Nichts davon hat sich bestätigt. Anscheinend ist die chinesische Politik für die Schaffung geschlossener Blöcke, die natürlich in Rivalität miteinander stehen und durch grosse Widersprüche zerfressen werden.

Vor einigen Monaten erklärte Dji Peng-fe, der chinesische Außenminister, annähernd folgendes: «China, Korea, Vietnam, Kambodscha, Laos und die anderen Länder Indochinas sind eine große Familie...» usw. Dabei fällt natürlich nicht das Wort «Block», «Lager», «sozialistische Länder», vielmehr riecht es nach «gelber Familie», «asiatischer Gruppierung», riecht es nicht gerade nach Marxismus-Leninismus. Heute rufen sie also zum «Vereinten Europa», zur «großen Familie», zur «Dritten Welt» auf, morgen mögen sie zur Integration der Länder Lateinamerikas oder «der schwarzafrikanischen Völker» aufrufen. Das ist die Tendenz, die sich in der chinesischen Politik bemerkbar macht, und diese Tendenz ist nicht marxistisch-leninistisch, nicht revolutionär. Das bedeutet, die Aufmerksamkeit der Völker vom wahrhaft revolutionären Kampf abzulenken.

Augenfällig anti-marxistisch ist Tschous Erklärung auf dem Bankett für Mobutu. Er rechnete China zur «dritten Welt». Das heißt Leugnung des Sozialismus, das heißt, vor den Augen der Welt Chinas wahres Wesen und den Charakter seiner sozialökonomischen Ordnung zu verbergen. Das ist ein opportunistischer und anti-marxistischer Standpunkt. Bekanntlich waren es Tito und seine Freunde Sukarno, Nehru und Nasser, die Idee von der «Welt» der angeblich blockfreien Länder aufbrachten, doch sie waren kapitalistische Bourgeois, sie selbst, ihre Staaten und Parteien waren und sind mit den Imperialisten und Sozialimperialisten verbunden. Sicher müssen die sozialistischen Länder zu vielen dieser bürgerlichen Staaten, die von den Chinesen der sogenannten dritten Welt zugerechnet werden, Verbindungen herstellen. Sie müssen ihnen in ihrem Kampf gegen den Imperialismus helfen, weil diese Staaten zu ihm tiefe Widersprüche haben. Doch sie dürfen die Eigenart der Politik unserer sozialistischen Ordnung nicht aufweichen, nicht die Tatsache verhüllen, dass wir sozialistische Länder, und dass unsere Parteien marxistisch-leninistische Parteien sind, usw.

Wenn man erklärt, man gehöre zur «dritten Welt», so heißt das, entweder Demagogie zu betreiben und zu versuchen, die anderen zu täuschen, oder aber in Wirklichkeit kein sozialistisches Land zu sein, so wie das titoistische Jugoslawien, sondern ein ganz und gar bürgerlich kapitalistisches Land.

Diese Erklärung bedeutet der Welt: «Sollen die Revisionisten das Banner der 'sozialistischen Länder', des 'sozialistischen Lagers', der 'sozialistischen Gemeinschaft' führen, wir gehören zur 'dritten Welt'.» Nein, diese These ist anti-marxistisch. Wir Albaner sind damit nicht einverstanden. Das sozialistische Albanien ist und bleibt sozialistisch, auch wenn es schließlich allein stehen sollte. Wir werden weiter ein sozialistisches Land sein, auch wenn wir nur mehr wie eine kleine Insel auf der Weltkarte sein sollten. Wir werden getreu unserer marxistisch-leninistischen Ideologie zuversichtlich kämpfen, voll Vertrauen in die Revolution, in das Weltproletariat und die Volker, bis der Sozialismus und der Kommunismus auf der ganzen Welt triumphieren.

Wir Marxisten-Leninisten müssen einen Unterschied machen zwischen wesentlichen politischen Veränderungen wahrhaft demokratischen Charakters in einem Land und Veränderungen, die nicht diesen Charakter tragen. Die erste Art von Veränderungen müssen wir unterstützen, nicht aber die zweite. Reaktionäre politische Veränderungen müssen wir sogar bekämpfen.

Politische Veränderungen demokratischen und fortschrittlichen Charakters bedeuten eine Hilfe für die sozialistische Revolution. So können und dürfen wir, die sozialistischen Länder, uns von jenen Ländern und Staaten der sogenannten «dritten Welt» nicht isolieren, können und dürfen wir sie nicht ohne unsere Unterstützung lassen, wenn sie demokratische politische Veränderungen und Reformen durchführen, wenn sie sich im Konflikt und im Kampf mit den Imperialisten, den Sozialimperialisten und den anderen Feinden der Völker befinden. Doch keinesfalls dürfen wir zulassen, dass wir, die sozialistischen Länder, mit ihnen in einen Topf geworfen werden.

Wir sozialistischen Länder wie Albanien und China müssen stets aktiv im Kampf gegen die kapitalistische und sozialimperialistische Welt stehen. Wir haben die Pflicht, durch unser Vorbild und unseren militanten Kampf die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf den richtigen Weg zu bringen. Durch gemeinsame Anstrengungen müssen wir bewirken, dass sie sich zur Revolution gegen die unterdrückerischen und versklavenden kapitalistischen Regime erheben.

Immer mehr wächst in mir die Überzeugung, dass China nicht so vorgeht. Das zeigt sich klar an den beiden Fällen, die ich hier ansprach, doch es gibt auch noch viele andere. General Mobutu und seine Clique sind reaktionär, die Mörder Lumumbas und anderer fortschrittlicher Menschen ihres Landes. China empfängt den Repräsentanten dieser antidemokratischen afrikanischen Clique mit grossen Ehren, und Tschou En-lai erklärt ihm zu Gefallen: «China gehört zur dritten Welt.» Kurz gesagt, er gibt dem kongolesischen Volk zu verstehen: «Ich, China, bin mit Mobutu befreundet, unterstütze ihn, denn er ist ein Demokrat, fortschrittlich», usw., egal, dass Mobutu das Volk und das Proletariat unterdrückt, egal, dass er mitten auf dem Bankett in Peking in Tschous Anwesenheit erklärt: «Wir, die Kongolesen, sind, was wir sind, wir werden bleiben, was wir sind, andere Ideologien wollen wir nicht», usw. usf. Schöne Perspektiven für den Sozialismus im Kongo, falls wir Herrn Mobutu unterstützten!

Die gleiche düstere Perspektive würde sich der Revolution und dem Sozialismus bieten, wollten die Marxisten und die sozialistischen Länder (wie das nun China tut) die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die «Vereinigten Staaten von Europa» oder den RGW und die revisionistische Gruppierung der Sowjetunion und ihrer Satellitenländer in Europa unterstützen. Nein, das sozialistische Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens werden niemals diesen falschen, anti-leninistischen Weg der Chinesen einschlagen. Diese müssen schnellstens von diesem Weg abgehen, sonst wird er sie noch viel weiter führen.

Es ist völlig unvorstellbar, dass die chinesischen Genossen ungewollt und unbewusst in diesen Fehler verfallen sind. Einstweilen führen sie «den Kampf gegen die Sowjetrevisionisten» noch irgendwie, auch wenn klar ist, dass dem keine wirklich marxistisch-leninistische, sondern eine chauvinistische Plattform zugrunde liegt, der ein Geruch von Großmachtpolitik anhaftet. Morgen dagegen stellen sie ihn vielleicht ein, und das ist zu erwarten von Leuten, denen die marxistisch-leninistischen Prinzipien entweder nicht klar sind bzw. denen sie klar sind, die aber ihr Gegenteil verwirklichen wollen.

Die chinesischen Genossen wissen wie wir, dass «der Kapitalismus international und monopolistisch ist». Die kapitalistischen Großmächte, die gestrigen und die heutigen, die imperialistischen und die sozialimperialistischen, haben sich nicht geändert. Sie haben die anderen Völker und Nationen ausgeplündert, unterdrückt, und tun es weiter. Das gilt für die Vereinigten Staaten von Amerika, das gilt für die revisionistische Sowjetunion, das gilt für Japan. Und die französischen, westdeutschen, englischen und italienischen Kapitalisten taten es und versuchen es zu tun. Um es dabei leichter zu haben, schufen die europäischen Kapitalisten die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und arbeiten nun an der Schaffung des «Vereinten Europa». Das sozialistische China unterstützt sie dabei. Es handelt damit entgegen der wirklichen Pflicht eines sozialistischen Staates, entgegen Lenins Auffassung, die so sehr ihren aktuellen Klang bewahrt hat:

«Vom Standpunkt der ökonomischen Bedingungen des Imperialismus, d.h. des Kapitalexports und der Aufteilung der Welt durch die 'fortgeschrittenen' und 'zivilisierten' Kolonialmächte, sind die Vereinigten Staaten von Europa unter kapitalistischen Verhältnissen entweder unmöglich oder reaktionär.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 21, S. 370 (alb. Ausgabe).)

Das ist so klar wie das Wasser einer Bergquelle.

Was macht denn diese Gruppe moderner Kapitalisten? Sie exportiert Kapital und investiert in anderen Ländern, um deren Völker auszubeuten und zu versklaven. Sie sind die Neokolonialisten der Periode nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu ihnen gehören auch die Sowjetrevisionisten. Wir werden Zeuge, wie die imperialistischen und sozialimperialistischen Banditen in anderen Formen einen neuen kolossalen Raub organisieren.

Mit der auch von Tschou En-lai unterstützten Schaffung der «Vereinigten Staaten von Europa» verfolgen die Kapitalisten Westeuropas gegenwärtig keine andere Absicht, als in Ruhe die Frucht des Schweißes und des Bluts des europäischen Proletariats, der europäischen Völker untereinander aufzuteilen. Dieser Aufteilung wollen die Kapitalisten einen «friedlichen» Anstrich geben, indem sie sie mit künstlichen Parolen wie «wissenschaftlich-technische Revolution», «Konsumgesellschaft» u.a.m. «schmücken». Doch diese Aufteilung kann, wie Lenin sagt, auf keiner anderen Grundlage erfolgen als der der Gewalt. Folglich ist auch dieser Staatenblock zur Verteilung von Raubgut eine Quelle imperialistischer Aggressionskriege.

Lenin sagt:

«Unter dem Kapitalismus ist ein gleichmäßiges Wachstum in der ökonomischen Entwicklung einzelner Wirtschaften und einzelner Staaten unmöglich. Unter dem Kapitalismus gibt es keine anderen Mittel, das gestörte Gleichgewicht von Zeit zu Zeit wiederherzustellen, als Krisen in der Industrie und Kriege in der Politik.

Natürlich sind z e i t w e i l i g e Abkommen zwischen den Kapitalisten und zwischen den Mächten möglich. In diesem Sinne sind auch die Vereinigten Staaten von Europa möglich als Abkommen der e u r o p ä i s c h e n Kapitalisten... worüber? Lediglich darüber, wie man gemeinsam den Sozialismus in Europa unterdrücken, gemeinsam die geraubten Kolonien g e g e n Japan und Amerika verteidigen könnte, die durch die jetzige Aufteilung der Kolonien in höchstem Grade benachteiligt und die im letzten halben Jahrhundert unvergleichlich rascher erstarkt sind als das rückständige, monarchistische, von Altersfäulnis befallene Europa.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 21, S. 372 (alb. Ausgabe).)

Das ist sonnenklar, das war gestern aktuell, als es der grosse Lenin sagte, das ist auch heute wahr und aktuell und wird es morgen genauso sein, so lange, bis die kapitalistische Welt zerschlagen und die sozialistische Welt an ihre Stelle getreten ist.







DONNERSTAG, 18. JANUAR 1973



IN CHINA PROPAGIERT MAN DIE RELIGION

Die chinesische Propaganda gibt unverhohlen zu verstehen, dass man in China die Religionen nicht bekämpft. Sie spricht von regbösen Festen, von Ostern und Bairahm, von Messen und Predigten n den Kirchen und Moscheen Pekings. Hsinhua meldete, dass in [er Pekinger Moschee prunkvoll Bairahm gefeiert wurde, und zwar inter Teilnahme aller in China akkreditierten Botschafter mohammedanischer Länder. Man verfolgt weiter die Linie, der Welt zu :eigen, dass China zur «dritten Welt» gehört, dass es die Araber und Mohammedaner und ihre Religion unterstützt! Welch grosse Prinzipienhüter ! ! !







SAMSTAG, 10. FEBRUAR 1973



KISSINGER IN PEKING

In der Geschichte der französischen Könige, genauer: unter der Herrschaft Ludwigs XIII., bediente sich der berühmte Kardinal Armand du Plessis, Richelieu, seines Glaubensbruders - «le père Joseph» -, um diplomatische Geheimgespräche mit anderen Staaten zu führen. Deshalb ist «le père Joseph» in der Geschichte unter dem Spitznamen «éminence grise» oder «die graue Eminenz», der Kardinal der Finsternis bekannt. Er personifiziert die Intrigen hinter den Kulissen, die Geheimdiplomatie.

Heute, gegen Ende des 20. Jahrhunderts, spielt Kissinger in der Diplomatie genau diese teuflische Rolle. Er ist die «éminence grise» des amerikanischen Präsidenten Nixon. Dieser deutsche Diplomat dient (obwohl er Jude ist und Nazideutschland verlassen hat, weil er sich in Gefahr befand) treu dem wildesten Hitleraner, der nach dem Zweiten Weltkrieg an die Macht gekommen ist, dem Präsidenten Nixon, dem Oberhaupt des amerikanischen Imperialismus.

Zur Praxis der Verbindungen und Vereinbarungen des amerikanischen Imperialismus und des Sowjetrevisionismus, dieser beiden imperialistischen Supermächte, gehört auch die Geheimdiplomatie. Das ist begreiflich, das brauchen sie, denn ihre Politik und ihre Taten richten sich gegen die Interessen der Völker der Welt, sind Banditenkomplotte, die im Dunkeln eingefädelt werden müssen. Sie wollen nicht, dass ihre Pläne und Absprachen zur Aufteilung der Welt und zur Ausbeutung der Völker ans Licht kommen, sie wollen Scherereien, Kopfzerbrechen und Widerstand der Völker vermeiden. Nach Möglichkeit wollen sie auch insgeheim und auf Kosten der anderen die Widersprüche ausräumen, die zwischen ihnen bestehen bzw. auftauchen. Erst wenn sie sich einig geworden sind oder die Widersprüche zwischen ihnen sich als unüberbrückbar erweisen, lassen sie etwas von den Manövern erkennen, die sie im Dunkeln betreiben. Diese schmutzige Geheimdiplomatie versuchen die beiden Supermächte auch den andern aufzuzwingen, die, einmal freiwillig, einmal unfreiwillig, diesen Weg verfolgen.

Aus freien Stücken Geheimdiplomatie zu praktizieren, hat auch das sozialistische China begonnen, besonders mit den Amerikanern, und hierin liegt das Gefährliche. Dies ist eine unrichtige und verwerfliche Praxis. Niemand, sei er nun Chinas Freund oder Feind, weiß, erfährt, was sich zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China abspielt. Insbesondere die Freunde Chinas wissen überhaupt nichts. Kissinger geht in China heimlich und offen aus und ein, doch was gesagt, worüber verhandelt, was beschlossen wird -_ darüber verlautet absolut nichts. Auch vor uns wird alles geheimgehalten. Nixon kam nach China und fuhr wieder ab, doch was gesagt, getan, beschlossen wurde - das alles bleibt für uns im Dunkeln. Und der ganzen Welt setzt man nur abgedroschene Schlagworte der Kommuniqués vor. Leeres Stroh fressen wir freilich nicht. Und vollständig zu Recht meinen wir, und da meinen wir richtig und nicht falsch, dass die Chinesen uns und den andern deshalb nicht sagen, was sie mit den Agenten des amerikanischen Imperialismus besprechen und was für Beschlüsse sie fassen, weil es nicht in ihrem Interesse liegt, da es Dinge sind, über die man nicht spricht, verwerfliche und für die Völker unannehmbare Dinge. Eine andere Erklärung für dieses Vorgehen gibt es nicht.

Sollen die Chinesen nur behaupten, was sie zusammen mit den Amerikanern besprechen und beschließen, diene dazu, die Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion zu vertiefen. Das kann niemand glauben. Auch das Umgekehrte kann der Fall sein, dass nämlich die Vereinigten Staaten von Amerika dies tun, um die Widersprüche zwischen China und der Sowjetunion zu vertiefen. Also sag offen, China Mao Tsetungs, was du tust, damit die Weltöffentlichkeit beurteilen kann, ob du die Widersprüche richtig oder falsch ausnutzt und welchen Preis du für diese Taten zu zahlen hast!

Die chinesische Führung mag sagen, sie könne diese Verhandlungen mit den Amerikanern nicht offen legen, weil sonst die Sowjets von ihrem Inhalt erfahren. Warum sagt man dann nicht unverblümt, dass man mit den Amerikanern dick befreundet ist und so sehr auf sie baut, dass man sich ihnen anvertraut, nicht aber seinen Freunden? Oder sind die Freunde inzwischen nur noch Freunde in Gänsefüßchen und «lästig» geworden? - Doch wenn man sich auf solche Geheimgeschäfte einlässt, gerät man in den Teufelskreis der Intrigen und der Intriganten, ändert man seine Denkart ganz und gar, beurteilt und bewertet man die Völker, ihre Probleme und Sorgen ganz anders.

Die chinesischen Führer mögen sagen: «Wir halten zu den Völkern, wir ändern die Linie nicht, alles, was wir tun, geschieht im Interesse des Sozialismus.» Es ist leicht, mit Schlagworten um sich zu werfen, doch die Geheimdiplomatie geht weiter. Die Chinesen greifen die Sowjets an, die sich insgeheim mit den Amerikanern verständigen. Doch was machen denn die chinesischen Führer selbst? Sie haben genau das Gleiche begonnen und setzen es im Galopp fort. Sie wetteifern mit den Sowjets um die «bonnes gräces»* *( Gunst (frz. im Original).) des Faschisten Nixon. Nixons «Ribbentrop» Kissinger wird in Moskau, in Peking und anderswo erwartet wie der Messias der Juden; man erwartet ihn, damit er das rettende «Manna»* *( Wunderbare Nahrung, die, nach der biblischen Legende, Gott den Hebräern bei ihrer Wüstenwanderung sandte; hier in allegorischer Bedeutung: unerhoffte, wohltätige Gab) bringe, das gnädige Wort der «Gottheit» des Weissen Hauses. Das ist skandalös!

Was mögen die anderen Völker, die gegen den amerikanischen Imperialismus und seine Lakaien kämpfen, denken und sagen, wenn sie gerade die chinesischen Führer solche Dinge machen sehen? Ob ihnen diese schmutzigen Abmachungen in ihrem Kampf wohl helfen? Was sagen wohl die Vietnamesen, die Laoten, die Kambodschaner, die Araber und die Völker ganzer Kontinente, die Revolutionäre, die wahren Marxisten-Leninisten dazu? Sie sagen: Schande! Verrat! Revisionistischer Kompromiss! Verletzung der Prinzipien, die die Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität der Völker schützen!

Es war bis zu einem gewissen Grad verständlich, dass im Zweiten Weltkrieg Präsident Roosevelt, der ein Krüppel war und überdies die Gefahren des Krieges in Rechnung zu stellen hatte, seinen persönlichen Berater Hopkins nach London und Moskau schickte. Doch wenn heute Nixon mit dem «Ribbentrop» Kissinger nach der gleichen Taktik verfährt, geschieht das in bestimmter Absicht. Er möchte bei seinen Schachereien nicht das State Department, das heisst seinen Staat kompromittieren. Statt dessen bedient er sich eines Strohmanns, den er dahin und dorthin schickt, um politisch zu sondieren, als Agent tätig zu sein, die anderen auf die Taschen und den Kopf «zu fühlen». Und falls dieser Abgesandte irgendeinen Fehler macht, lässt er ihn fallen wie eine ausgequetschte Zitrone, um selbst «makellos und sauber» dazustehen. Und all jene, die diesen Herold des Präsidenten empfangen, glauben den Himmel mit Händen zu fassen.

Kissinger reiste zum Satelliten der USA, Thailand. Er gab der Clique dieses Landes alle Garantien, beteuerte «die glänzende Perspektive, die sich Indochina bietet». Von dort aus fuhr er weiter nach Laos, wo er Gespräche führte, intrigierte, Dinge regelte, Versprechungen abgab und erklärte, auch dort werde der Krieg bald beendet werden.

Heute nun kommt der Vertreter Nixons und des amerikanischen Imperialismus, der über Jahre hinweg das heroische Vietnam mordete, verbrannte und zerstörte, nach Hanoi mit dem Ölzweig in der Hand... Nie hat man erlebt, nie hat man gehört, dass die Verbrecher, die in Kämpfen Bezwungenen, von den Siegern als ehrenwerte Männer und Leute empfangen worden wären, die «für den Frieden und das Wohl der Menschheit kämpfen»...

Von Hanoi aus wird der amerikanische Messias nach Peking weiterreisen. Vier oder fünf Tage lang werden sich die Gespräche, die Mittag- und Abendessen mit Tschou En-lai, Dji Peng-fe und möglicherweise auch Mao hinziehen. Alles wird sich unter grösster Geheimhaltung abspielen, als gingen die Fragen, über die sie sprechen werden, nur sie an.

Gleichwohl, die Geheimnisse werden eines Tages enthüllt w erden und « le por aux roses» wird riechen.* *( Topf mit Rosen (frz. im Original), in übertragener Bedeutung: die Schliche werden aufgedeckt werden.)

Doch die Einstellung der Chinesen uns gegenüber ist im vollen Sinne des Wortes unkameradschaftlich, niederträchtig, antimarxistisch. Vor Kissingers Vietnamreise ersuchte unser Botschafter in Peking um ein offizielles Treffen mit Wu Dschang, um über die Ereignisse in Vietnam zu sprechen. Das Treffen wurde ihm nicht ermöglicht, doch ein kleiner Beamter erklärte ihm: «Auch wir wissen nicht, was in Vietnam vorgeht, wir sind dabei, die Verträge zu studieren, zu Schlussfolgerungen sind wir allerdings noch nicht gekommen; wir wissen nicht, warum Kissinger nach Hanoi fährt, Kissinger wird auch nach Peking kommen, wir wissen jedoch nicht, was er u~ns unterbreiten wird. Wir werden nur über unsere Angelegenheiten sprechen und über nichts, was die anderen betrifft. Sie haben uns zur Teilnahme an der Pariser Vietnamkonferenz eingeladen, und wir haben geantwortet, dass wir daran teilnehmen werden, allerdings wissen wir nicht, wann sie zusammentritt und was dort besprochen werden wird», und so fort.

Selbst wenn wir einen gegnerischen Staat gefragt hätten, hätte er uns nicht auf diese Weise geantwortet. Die Fakten bezeugen, dass wir über diese Probleme von anderen, die nicht unsere Freunde sind, ins Bild gesetzt worden sind. Dennoch, auch wenn wir nicht informiert werden, wir haben unsere fünf Sinne beisammen und bilden uns ein Ur teil über die Situation anhand dessen, was geschieht. Doch das Verhalten der Chinesen uns gegenüber belegt, was ich schon oben sagte. Bei ihnen stimmt einiges nicht. Wir werden ohne Schwanken unseren Weg gehen. Mit der Zeit wird sich erweisen, dass wir richtig geurteilt haben. Das chinesisch-amerikanische Bündnis nimmt seinen Lauf. Wir werden sehen, wie weit es gehen wird.



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MONTAG, 19. FEBRUAR 1973





CHINA HAT EINEN KURSWECHSEL HIN ZU DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA VOLLZOGEN

Kissinger fuhr von Hanoi nach Peking weiter, wo er sich fünf Tage lang aufhielt. Heute, da ich diese Aufzeichnungen mache, muss er abgereist sein.

Mit Tschou En-lai und Mao wurden lange «herzliche und aufrichtige» Gespräche geführt. Beide Seiten sind zufrieden, und nach Darstellung der ausländischen Nachrichtenagenturen sind die Ergebnisse der Gespräche «vielverheißend und bieten günstige Perspektiven für die Welt».

Doch alles wird absolut geheimgehalten, insbesondere durch China. Und das ist skandalös. Es ist antileninistisch, wenn man mit dem wildesten Feind der Völker, des Sozialismus und Kommunismus verhandelt und aus diesen Verhandlungen und den Beschlüssen, die gefasst worden sind, ein Geheimnis macht. Wenn man vor den Kommunisten, vor seinen Freunden, vor den Völkern geheim hält, worüber der Feind der Kommunisten und der Völker vollkommen im Bilde ist, so bedeutet das in Theorie und Praxis nichts anderes, als mit dem Feind übereinzukommen und diese Übereinkunft zu verbergen, weil man nichts darüber verlauten lassen darf, da sie der öffentlichen Meinung als verwerflich erscheinen müsste. Lenin erlaubte ein solch feindliches und finsteres Vorgehen nicht. Jeder solchen Handlung riss er die Maske herunter.

China hat einen Kurswechsel hin zu den Vereinigten Staaten von Amerika vollzogen. Die Sowjetunion hält es für den Hauptfeind, mit Amerika dagegen lässt es Milde walten. Weshalb? Was hat es für strategische Pläne und Taktiken? Es legt nichts offen, lässt nichts verlauten, gibt nur zu verstehen, es wisse, was es tue, denn es sei ein sozialistisches Land, denn die Kommunistische Partei Chinas sei eine marxistisch-leninistische Partei. Doch die Welt lässt sich nicht mit Formeln abspeisen, sie will Taten, will Beweise sehen, sie will sich selbst ein Urteil bilden über die Haltung, die der eine oder der andere einnimmt. Diese Handlungen im Dunkeln lassen sich nicht so leicht mit der «Ausnutzung der Widersprüche» erklären, wie die Chinesen meinen.

Sollen sie uns einmal konkret sagen, wie sie nun diese Widersprüche zwischen den Amerikanern und den Sowjets ausnutzen. Halten sie uns etwa für so einfältig und naiv, dass wir ihren allgemeinen Formeln blinden Glauben schenken? Warum halten sie ihre Gespräche mit den Amerikanern geheim und lassen nicht zu, dass wir selbst beurteilen, wie und wie weit sie diese Widersprüche ausnutzen? Ziehen etwa nur die Chinesen aus diesen Gesprächen Vorteile? Ziehen die Amerikaner etwa keinen Vorteil aus ihnen?

Es ist üblich geworden zu sagen, man habe «über Probleme im Interesse der beiden Länder gesprochen». Das ist Betrug. Es ist anti-leninistisch, hinter dem Rücken der Völker mit den Imperialisten zu verhandeln. Wie könnten diese Gespräche die Völker, die Revolution ,nicht interessieren? Wie ist es möglich, dass die Feinde der Völker und der Revolution über diese Gespräche bis in die kleinste Einzelheit im Bilde sind, während die Völker und die Revolutionäre überhaupt nichts darüber wissen?

Nein, ihr chinesischen Genossen, hier ist nur eines zu sagen: Die Geheimgespräche, die ihr «hinter verschlossenen Türen» führt, sind verwerflich, und ihr wisst es, deshalb gebt ihr sie nicht bekannt. Ihr seid mit den Amerikanern in dieser Frage übereingekommen, sie haben euch ihren Willen und ihre Taktik aufgezwungen und ihr seid darauf eingegangen, habt euch gefügt. Also habt ihr, um irgendeines schädlichen, kurzlebigen und für China, den Sozialismus und den Frieden sehr gefährlichen Vorteils willen Zugeständnisse gemacht.







FREITAG, 9. MÄRZ 1973



IN DER FRAGE DER GRENZSTREITIGKEITEN SIND DIE CHINESEN IN DIE FALLE DER SOWJETS GETAPPT

Die sowjetischen Revisionistoimperialisten haben sich auf dem Weg, den sie gehen, und im sozialchauvinistischen Geist, der sie kennzeichnet, an eine spektakuläre provokatorische Tätigkeit gemacht. Sie schaffen alle alten chinesischen Dorf- und Flussnamen in einigen Regionen Sibiriens ab und ersetzen sie durch neue, russischsowjetische Namen. Zweifellos ist dieses Vorgehen Teil der antichinesischen Kampagne und trägt dazu bei, die Sowjetvölker mit chauvinistischen Parolen gegen China, gegen die von den Chinesen zum Schaden ihres «sozialistischen Vaterlandes» angemeldeten Gebietforderungen aufzubringen. Auf diese Weise, mit diesen Methoden schüren die Sowjetrevisiónisten chauvinistische Gefühle bei den Völkern der Sowjetunion, nach der Parole: «Die Grenzen der Sowjetunion sind in Gefahr, wir müssen sie verteidigen.» Damit begründen sie auch die Konzentrierung einer Million sowjetischer Soldaten in der Mongolei und den anderen an China angrenzenden Gebieten.

China bleibt die Antwort nicht schuldig, doch ich meine, es bedient sich der gleichen chauvinistischen Methoden und fällt so auf die Provokation herein, die die Sowjetrevisionisten ausgeheckt haben. Die Chinesen vertreten die These, diese Regionen, Dörfer und Flüsse, deren Namen die Sowjets nun ändern, seien chinesisch. Diese Gebiete gehörten also zu China, sie seien ihm von den Zarenregimen geraubt worden, und Breschnew und Konsorten wollten diesen Raub festschreiben. Auf diese Art wird der Konflikt verschärft, und zwar ausgehend von ideologisch unrichtigen Motiven, denn auch die Chinesen stellen sich auf chauvinistische Positionen, was wiederum den Revisionisten dienlich ist.

Anstatt von prinzipienfesten ideologischen Positionen aus anzugreifen, um die Sowjetrevisionisten zu entlarven, dafür zu sorgen, dass sich die sowjetischen Völker und das chinesische Volk im Kampf gegen den gemeinsamen Feind näherkommen, geht die chinesische Führung also von chauvinistischen Positionen aus. Sie entzweit daher diese Völker und hetzt sie zum Krieg gegeneinander auf. Und noch schwerwiegender ist, dass die chinesische Presse zur «Untermauerung» der eigenen Thesen Zitate amerikanischer Zeitungen anführt. Welch unverhohlene Schamlosigkeit! Selbst der Vorwand von der «Ausnutzung der Widersprüche» wird nirgendwo aufrechterhalten! Damit wollen die Chinesen den Sowjets sagen: «Die Vereinigten Staaten von Amerika sind auf unserer, nicht auf eurer Seite.»

Haltet euch gut fest, ihr beiden, denn die amerikanischen Imperialisten werden euch bald im Genick sitzen!





DIENSTAG, 13. MÄRZ 1973



DIE CHINESISCHEN «SPEZIALISTEN» BEGEHEN DIESELBEN PROVOKATIONEN WIE DIE SOWJETREVISIONISTEN

Schon vor geraumer Zeit haben die chinesischen Genossen damit begonnen, die Lieferung von Materialien, Maschinen, Plänen usw. an uns zu verzögern. Diese Nichteinhaltung der Vertage «begründen» sie mit allen möglichen Rechtfertigungen: «Lin Biao hat bei uns alles sabotiert, so dass wir zu tun haben, es wieder in Ordnung zu bringen. Bei vielem von dem, was wir euch liefern wollten, müssen wir noch einmal von vorne anfangen.» «Wir sind technisch zurück, in drei, vier Jahren wird es bei uns gut aussehen, und dann werden wir Albanien mehr helfen, denn bisher haben wir ihm nur wenig geholfen.» «Nach Albanien ist es sehr weit und wir haben nicht genügend Transportkapazitäten.» «China muss Vietnam beim Wiederaufbau helfen, ebenso auch vielen anderen Ländern.» Und so weiter, und so fort.

Die Chinesen antworten auch nicht auf unser Ersuchen, einige unserer Techniker nach China kommen zu lassen, die sich dort um diese Dinge kümmern sollen. Auch der chinesische Botschafter in Tirana antwortet im Zusammenhang mit diesem Problem entweder mit der Standardformel: «Ich habe 'keine Nachricht», oder er wiederholt ständig die immer gleichen Formeln von den «Schwierigkeiten», oder er sagt, dass «sich in China viele chinesische Werktätige um die Probleme Albaniens kümmern», was indirekt heißen soll: «Es ist nicht nötig, eure Spezialisten nach China zu schicken.»

Darüber hinaus greift der chinesische Botschafter nun auch zu neuen Taktiken. Er erklärt unseren Werktätigen: «Ihr habt noch ungenutzte Restkapazitäten.» Dazu führt er dann ein paar Beispiele an, die jeder realen Grundlage entbehren, von ihm aber benutzt werden, um ihre Haltung «zu begründen» und uns zu sagen: «Beschwert euch nicht, wenn das Fehlende nicht rechtzeitig kommt.» Und die chinesischen Spezialisten haben, aufgehetzt, damit begonnen, unsere Leute zu provozieren. Einer von ihnen fragte (natürlich auf Weisung) einen der Unseren: «Hast du etwas dazu zu sagen, dass Kissinger von Mao empfangen worden ist?» Unser Mann darauf «Nein.» «Und was ist deine persönliche Meinung?» fuhr der Chinese fort. Unser Spezialist gab ihm die Antwort: «Der Imperialismus ist unser geschworener Feind, und das wird er bleiben, bis wir ihn vernichtet haben.» Der Chinese sagte: «Deshalb hat Mao wie der Alte im Märchen den Wolf in den Sack gesteckt und diesen zugeschnürt, um den Wolf besser töten zu können.» Unser Spezialist gab keine Antwort mehr, sondern wechselte das Thema. Der Chinese. fuhr fort: «Warum habt ihr Albaner kein Vertrauen in unsere Hilfe?» Unser Mann wies dies kategorisch zurück. Natürlich wollte der Chinese damit indirekt sagen: «Ihr habt kein Vertrauen in unsere (die chinesische) Politick.»

Vorsicht, ihr chinesischen Genossen, so begannen auch die Sowjetrevisionisten gegen uns und den Marxismus-Leninismus vorzugehen! Wir verhalten uns korrekt, sprechen offen, kameradschaftlich mit euch, doch wir beugen uns weder Druck noch Erpressung. Wir sind wachsam!





SAMSTAG, 7. APRIL 1973



WIE WEIT WIRD DIE KÜHLE HALTUNG DER CHINESISCHEN OFFIZIELLEN UNS GEGENÜBER NOCH GEHEN?

Man kann die Haltung, die die wichtigsten chinesischen Offiziellen besonders in letzter Zeit unserem Land gegenüber einnehmen, gar nicht anders als kühl nennen.

Unser Botschafter in Peking wird über nichts von internationaler oder innerer Bedeutung informiert. Höchstens, dass ihm irgendein Beamter zweiten oder dritten Ranges gelegentlich bei einem Empfang, als Pflichtübung, im Empfangsraum des Flughafens im Vorübergehen etwas von den Ereignissen erzählt, um die alle ausländischen Nachrichtenagenturen vier oder fünf Tage zuvor Spektakel gemacht haben. Nichts aber über Vietnam, Laos, Kambodscha, Korea, über die Sowjetunion oder Chinas Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Geheimnis und Schweigen an der ganzen Front. Von ausländischen Botschaftern in Peking erfahren wir Dinge, die die Chinesen ihnen mitgeteilt haben.

Mao «litt an Rheumatismus» und konnte den Leiter unserer Regierungsdelegation, ein Mitglied des Politbüros, nicht empfangen. Tschou En-lai «war sehr müde» und empfing Reiz Malile deshalb nicht. In Wirklichkeit aber waren beide weder krank noch müde, denn zur gleichen Zeit empfingen der eine wie der andere ausländische Vertreter, gaben Bankette und besuchten englische Ausstellungen. Auch Mao hätte die Pflicht gehabt, im Zeichen der Freundschaft unserer beiden Völker den Leiter der .albanischen Delegation zu empfangen, besonders hätte es aber Tschou En-lai angestanden, im Zuge der Gegenseitigkeit unseren stellvertretenden Aussendminister zu empfangen, hatte doch auch Mehmet den stellvertretenden Aussendminister Chinas empfangen, als dieser unser Land besuchte.

Früher war es vorgekommen, dass Tschou, ja sogar Mao selbst, diesen oder jenen einfachen Beamten aus unserem Land empfingen. Ein Verhalten wie das jetzige muss natürlich unsere Aufmerksamkeit wecken, muss von uns vermerkt werden, um zu sehen, wie weit die Chinesen in dieser Haltung uns gegenüber gehen werden.

Dennoch werden wir kühlen Kopf bewahren. Wir werden weiter gute Freunde und Genossen des chinesischen Volkes und der chinesischen Genossen sein, wenn sie sich zur Partei der Arbeit und unserem Land wie Marxisten-Leninisten verhalten. Dies ist im Interesse beider Seiten, dies ist ein richtiger internationalistischer Kurs.







SONNTAG, 15. APRIL 1973



MAO TSETUNG REHABILITIERT DENG HSIAO-PING

Deng Hsiao-ping hat, versehen mit dem Titel des stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden, erneut die Bühne betreten.

Die vom «großen Vorsitzenden Mao Tsetung» eingeleitete und geführte «Große Proletarische Kulturrevolution» wurde nicht nur ..erfolgreich» abgeschlossen, inzwischen hat man auch begonnen, einen nach dem andern all jene Kader zu rehabilitieren, die von der Kulturrevolution als «Feind und Agent Nr. 2, Nr. 3», und so weiter, als «Konterrevolutionäre, Kuomintangleute» usw., gebrandmarkt worden waren. Natürlich war die Kulturrevolution, die gegen Liu Schao-tschi, Peng Tschen, Deng Hsiao-ping und die andern eingeleitet wurde, mit der Aufdeckung der «von Lin Biao angezettelten Verschwörung» und dessen Tod abgeschlossen. Schließlich traten die Urheber der Kulturrevolution in den Schatten und wurden «reaktiv» (wie Düsenflugzeuge; welche Bedeutung dieser von den Chinesen benutzte Ausdruck hatte, wissen nur sie allein!), während diejenigen, die die Kulturrevolution in den Schatten gerückt und «reaktiv» gemacht hatte, ans Licht traten und auf hohe Posten rückten, wie beispielsweise Deng Hsiao-ping, der stellvertretender Staatsratsvorsitzender wurde! Liu Schao-tschi, Peng Tschen und einige andere Häupter bleiben noch im Schatten. Wie lange noch? Vielleicht bis sie «gebessert worden sind», denn das ist die «unfehlbare Methode» der chinesischen Genossen. Deng Hsiao-ping trat zum ersten Mal beim offiziellen Empfang für Sihanouk anlässlich seiner Rückkehr aus den befreiten Gebieten Kambodschas auf. Er figurierte hinter Li Hsiän-niän und vor Dji Peng-fe. Den Regierungsposten hat er also inzwischen wieder. Später wird er möglicherweise auch den Platz, den er in der Parteiführung innehatte, wieder einnehmen. Das «kleine Goldstück», wie ihn Mao vor der Kulturrevolution nannte, der «Feind Nr. 2 der Kommunistischen Partei Chinas», wie er während der Kulturrevolution genannt wurde, hat sich jetzt, nach der Revolution, «gebessert» und «seine Fehler eingesehen».

Die offizielle Version, die den Botschaftern der sozialistischen Länder, darunter auch unserem Botschafter, mitgeteilt wurde, lautet Folgendehrmassen: «Deng hat zu Beginn der Kulturrevolution schwere Fehler begangen und zusammen mit Liu Schao-tschi die reaktionäre bürgerliche Linie verfolgt.» Mao war selbst dieser Meinung, hat aber angeblich gesagt: «Wir dürfen diese Fehler nicht mit den Fehlern Liu Schao-tschis gleichsetzen.» Und so hat «Freund» Deng, der klug ist und wittert, woher der Wind weht, am 14. August 1972 (nach dem Kissingerbesuch) «dem Vorsitzenden einen Brief geschrieben, in dem er seine Fehler eingesteht, Selbstkritik übt und verspricht, gute Arbeit zu leisten».

Als offizielle Version wurde uns bei dieser Gelegenheit wörtlich mitgeteilt, dass «Vorsitzender Mao eine Notiz geschrieben hat, die ein Dokument mit Direktivencharakter ist. Darin heisst es: 'Zur Kenntnisnahme an den Ministerpräsidenten und Wang Dung-hsing' (Kandidat des Politbüros, der zugleich das Amt des Sekretärs des Politbüros versieht). Deng Hsiao-pings Fehlér sind schwer, doch aus folgenden Gründen darf man ihn nicht auf eine Stufe mit Liu Schaotschi stellen:

1) In den befreiten Gebieten wurde Deng einmal verurteilt, weil er Maos Linie verteidigte, als dieser vom ZK, das heisst von Wang Ming angegriffen wurde.

2) Es gibt bei ihm keine aus der Vergangenheit ererbten Probleme, er hat vor den Feinden nicht kapituliert, hat Verdienste im Kampf, leitete die Delegation in Moskau gegen die Sowjetrevisionisten.

Úber diese Frage habe ich mit euch mehr als einmal gesprochen », heißt es abschließend in der Notiz des Vorsitzenden.

Vorsitzender Mao hat also, wie es scheint, Anweisung gegeben, Deng Hsia-o-ping zu rehabilitieren, und das Politbüro hat dem, «nach einer Diskussion», natürlich zugestimmt.

Die Person, die uns dies mitteilte, Dji Peng-fe, der Außendminister Chinas selbst, beschloss die offizielle Version damit, dies sei «die große und glänzende Kaderpolitik des Vorsitzenden Mao. Deng Hsiao-ipings Rehabilitierung ist eine grosse Lehre für die Kommunistische Partei Chinas, die vom Marxismus-Leninismus und den weisen Lehren des Vorsitzenden lernen wird». Nicht mehr und nicht weniger, er selbst hatte ihn abgesetzt und er selbst setzte ihn wieder ein.

Zunächst fällt auf, dass der Vorsitzende diese wichtigen Dinge nicht selbst dem Politbüro unterbreitet, sondern sie dessen Mitgliedern durch eine «Notiz mit Direktivencharakter» übermittelt.

Die zweite Sache, die ins Auge sticht, ist der Umstand, dass diese Notiz in erster Linie für den Ministerpräsidenten gedacht ist.

Das Dritte ist, dass Mao in der Notiz sagt: «Über diese Frage habe ich mit euch mehr als einmal gesprochen.» Dies lässt vermuten, dass sie auf den Vorsitzenden nicht zu hören geruhten.

Wer war nicht einverstanden gewesen? Kann .man annehmen, dass Tschou En-lai mit Deng Hsiao-Pings Rehabilitierung nicht einverstanden gewesen ist?! Vielleicht möchte Tschou En-lai selbst Herr und Knute in einem sein. Mao dagegen möchte die beiden Linien in der Partei und muss deshalb für Tschou einen «Konkurrenten» kreieren, stellt das Ultimatum, dem «kleinen Goldstüok» den alten Platz wiederzugeben. Deng Hsiao-ping kommt natürlich mit seinen ganzen Bataillonen und alle nehmen wieder die früheren Funktionen ein. Diese Bataillone, die zu Liu iSchao-tschi gehörten, wurden während der Kulturrevolution erniedrigt, «besserten sich» dann und sind mittlerweile «zu Lämmern geworden». Auf diese Weise nehmen das Chaos und die Anarchie unter dem Banner des «grossen Marxistenleninisten» Mao Tsetung weiter zu. In China sind viele Strömungen an der Macht: Maos Strömung, die Strömungen Tschous, Lius, Wang Mings, Dengs, Lin Biaos, der Kuomintang (und hier wollen wir aufhören, denn das Heft reichte nicht aus, sie alle aufzuzählen). Und das alles soll marxistisch sein?!!!

Die chinesischen Botschafter in den verschiedenen Ländern singen nach einer anderen Melodie: «Es ist nicht Deng Hsiao-ping, der Fehler gemacht hat, Fehler sind vielmehr ihm gegenüber begangen worden. Deng Hsiao-ping ist ein guter und treuer Genosse des Vorsitzenden Mao.»

Doch warum wurde dieser ganze Radau veranstaltet, und was ergibt sich daraus? Ich mag mich täuschen, doch das ist keine ganz einfache Sache. Das ist sicherlich eine «Chinesiade» wie all die anderen.

` Der offizielle Sprecher sagt nun, Deng Hsiao-ping sei «entschieden gegen die Sowjetrevisionisten» gewesen! Er mag genauso «entschieden» gewesen sein wie sein Gesinnungsgenosse Liu Schaotschi «entschieden» war, genauso wie auch sein Freund Tschou En-lai vor Beginn der Kulturrevolution «entschieden» war.

Gegenwärtig wird unter Führung Tschou En-lais ein Kurs pro Vereinigte Staaten von Amerik.a verfolgt. Zur Zeit ist China in Washington durch zwei Personen repräsentiert: die eine ist Tschou En-Jais Botschafter, die andere der Vertreter der Nachrichtenagentur Hsinhua. Die Vereinigten Staaten von Amerika manövrieren nach Belieben. Der Vorsitzende betrieb «große Politik», und anstatt «die Widersprüche zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika zu vertiefen», verband er diese beiden noch fester miteinander, brachte sich selbst zwischen zwei Feuer und weiß nun nicht heraus. Da hatte der «geniale» Vorsitzende möglicherweise einen Geistesblitz: er holte Deng Hsiao-ping aus der Schublade, um mit ihm an der einen oder anderen Flanke eine Politik des Lächelns zu beginnen. Der «geniale» Vorsitzende holte sich bei den Engländern Rat, wie er sich ihre Politik «de bascule»*, *( Schaukelpolitik (frz. im Original) oder auch Seiltänzerpolitik zu eigen machen müsse: «Gut mit beiden und nicht gut mit einem und schlecht mit dem andern und auch nicht schlecht mit beiden.» Mao erträgt es niemals, mit der Nummer eins zu leben, er hält sich stets an die Nummer zwei. So mag es sein, dass wir eines schönen Tages erleben, wie man auch zu den Sowjets gekrochen kommt, zuerst in kleinen Dingen, um das «Gleichgewicht» herzustellen. Und zweifellos wird man hinausposaunen, diese Taktik sei «genial».

Dann wird China das Soll der «Genialität seiner Politik» der friedlichen Koexistenz, der «dritten Kraft» erfüllen, wie sie Tschou En-lai in einem Interview oder auf einem Bankett (ich erinnere mich nicht genau) anpries. Das heißt, man wird dem Vorbild der «Kommunisten» Tito und Ceausescu folgen. «Sich mit beiden Supermächten gut stellen, sowohl mit den Vereinigten Staaten von Amerika als auch mit der Sowjetunion», auf beiden Seiten nehmen und geben, hier intrigieren, dort intrigieren, denn so werden (angeblich) die Widersprüche ausgenutzt. Und all das gekleidet in den Gedanken: «Ich bin eine Großmacht und ohne mich läuft nichts auf der Welt.» «Machen wir so weiter, bis wir in jeder Hinsicht zu drei Supermächten geworden sind», und zwar ganz ohne jede Maske, denn jedes Vorgehen führt dazu: die Masken werden eine nach der anderen heruntergerissen, so wie sie der Sowjetunion heruntergerissen wurden.







FREITAG 20. APRIL 1973





IM GARTEN DER «HUNDERT BLUMEN» SAMMELN DIE BÜRGERLICHEN «WESPEN» HONIG UND VERSPRITZEN IHR GIFT

Mit größter Unverschämtheit erklärte der Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, Geng Biao, vor allen wichtigen Leuten seiner Abteilung unserem Botschafter in Peking und einem unserer Genossen (der sich dort zur ärztlichen Behandlung aufhält):

«Die marxistisch-leninistische Bewegung auf der Welt schreitet ständig voran, doch die marxistisch-leninistischen Gruppen und Parteien brauchen noch Zeit, ihre Existenz zu bekräftigen. Aus zweierlei Gründen veröffentlichen wir keine Propagandamaterialien aus den Zeitungen der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien:

a) Wenn wir in unserer Presse solche Artikel veröffentlichen, um irgendeinen kaum errungenen Erfolg einer marxistisch-leninistischen Partei bekanntzumachen, wecken wir die Aufmerksamkeit des Feindes. Er wird Massnahmen gegen diese Partei ergreifen, was sowohl zu unserem .als .auch zu ihrem Nachteil ist.

b) Die Erfahrung mehrjähriger Arbeit zeigt, dass es nicht nötig ist, die Aktionen dieser Parteien unsererseits sehr zu propagieren, denn der Feind ist aktiv. So ist zum Beispiel die Mehrheit der Führer des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Indiens getötet oder eingekerkert worden.»

Wollte man Geng Biao glauben, dann ist es den Führern dieser Parteien unmöglich, nach China zu kommen, weil die Polizei sie überwacht, weil der Feind ein Spionagenetz geschaffen hat usw. -In Japan dagegen», sagte Geng Biao, «ist es etwas anders.» Weiter führte er aus: «Die Vertreter dieser Parteien und Gruppen wollen zu uns kommen in der Meinung, dies könne sich im Sinne einer Festigung ihrer inneren Tätigkeit auswirken. Wir können ihnen nicht sagen kommt nicht', deshalb laden wir sie als Gäste ein. So kommen zu uns auch Leute von Parteien, die uns bekämpft und beschimpft haben. Wenn Nixon und Tanaka kamen, warum sollen dann nicht auch andere kommen? Nixon kam sogar, weil er es für die Wahlen brauchte. Und wenn Tschiang Kai-schek will, soll er nur auch kommen.»

Dieser Mensch spricht 'mit der Unverblümtheit und dem Zynismus eines Antimarxisten, er gesteht selbst ein, dass China der Revolution abgeschworen hat, dass es der Revolution, den marxistisch-leninistischen Parteien und Gruppen, die auf der Welt kämpfen, nicht mehr hilft. Das geschieht unter dem Vorwand, man wolle diese Parteien und Gruppen nicht den Feinden preisgeben. In Wirklichkeit will China jedoch dem Imperialismus und der Bourgeoisie zeigen, dass es den Kommunisten, ihren Feinden, nicht hilft und auch nicht an ihrer Seite steht. Welche Niedertracht! In verschiedenen Ländern der Welt haben die Kommunisten, legal und illegal, den revolutionären Kampf entfesselt, blicken dem Tod ins Auge, und die Chinesen besitzen die Unverschämtheit zu behaupten: «Diese Kommunisten wollen nach China kommen, um ihre inneren Positionen zu festigen.» Diese Genossen ersuchen China um Hilfe, weil sie glauben, es sei sozialistisch, während das China Mao Tsetungs weder von ihnen spricht, noch ihre Artikel propagiert oder abdruckt, noch ihnen hilft, sondern sich mit der Feststellung begnügt, alle Führer der einen oder anderen Partei seien getötet worden. Was für eine Unverschämtheit! !

Das «sozialistische China» empfängt die kommunistischen Genosen gleich wie Nixon, Tanaka, wie Tschiang Kai-schek, wie die Revisionisten. Das ist ausgemachter Verrat. Sie verhalten sich gegenüber den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien und den revolutionären Gruppen nicht anders als die Sowjets. Die Chinesen befürchten, ihren Namen zu «beflecken» und den «guten Ruf», den sie sich bei der Bourgeoisie Amerikas und der Welt erworben haben, aufs Spiel zu setzen.

Deshalb können die Chinesen nicht mit der revolutionären marxistisch-leninistischen Linie unserer Partei einverstanden sein.

Sie sind überhaupt mit unserer gesamten Innen- und Außenpolitik nicht einverstanden. Und das bringen sie zum Ausdruck. Tschou En-lai, Li Hsiän-niän und Mao haben den Kontakt zu uns abgebrochen, was noch übriggeblieben ist, ist ganz und gar formal, eine Sache der Diplomatie. Albanien ist nicht mehr der «spezielle treue Freund», für sie ist es ins letzte Glied gerückt, nach Rumänien und Jugoslawin in Europa, nach Korea, Vietnam und Kambodscha in Asien. China nimmt nicht an unseren politischen Manifestationen teil, denn es könnte sich kompromittieren! Es schickt (im Zuge von Europatourneen) Zirkustruppen, Fußball- und Volleyballmannschaften zu uns,. mehr nicht. Die Wirtschaftsabkommen werden, mit Verschleppungen, eingehalten. Doch zeigt sich klar, dass «das erste Feuer» erloschen ist.

Wie könnte China mit unserer Außendpolitik einverstanden sein, stellt es doch zu einer Zeit Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika, zu Japan, zu Bundesdeutschland, zu Francospanien her, da wir die Aufnahme von Beziehungen zu ihnen nicht nur ablehnen, sondern auch unablässig ihre imperialistische und faschistische Politik entlarven? Wie könnte China die revolutionäre Haltung unseres Landes, den Kampf gegen Religion und Vatikan gutheißen, wenn doch Yü Dschan, hoher Funktionär im Außenministerium Chinas, zu unserem Botschafter sagt: «Was ihr macht, können wir nicht tun, denn über 50 Millionen der Bevölkerung Chinas bestehen aus Elenenten der gestürzten Klassen und ihren Angehörigen.»? Wie könnte es auch .anders sein, öffnen sie doch - während bei uns die Religion, die Kirche und der Vatikan bekämpft werden - in China, in Peking, katholische und orthodoxe Kirchen und Kathedralen, derer Besuch von der chinesischen Presse propagiert wird.

Die katholische Presse überall auf der Welt hat einen Verleumdungsfeldzug gegen uns gestartet und stellt uns China entgegen. Die bürgerlich-kapitalistische Presse greift uns an, weil wir keine diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika herstellen, und stellt uns China entgegen.

Ebenso wenig versäumt es die kapitalistische Weltpresse, wenn sie die Bilanz der opportunistischen Einstellung Chinas zu vielen Problemen zieht, unsere Einstellung zu den gleichen Problemen hervorzuheben. Und die Schlussfolgerung daraus ist natürlich, dass es zwischen China und Albanien Widersprüche gibt, dass «Albanien vollständig isoliert und von China verlassen worden ist» usw.

Die Haltung, die China gegenüber den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien und revolutionären Gruppen eingenommen hat, nämlich nichts über sie zu veröffentlichen, um sich nicht zu ,kompromittieren», nimmt es nun auch gegenüber der Volksrepublik Albanien und der Partei der Arbeit Albaniens ein. Nichts findet ich in seinen Zeitungen über uns, sieht man einmal ab vom Empfang und der Verabschiedung chinesischer Fußballspieler, Volleyballspieler und Zirkusleute. Alles andere über Albanien ist aus der chinesischen Presse verschwunden. Mit dieser Haltung wollen die Chinesen der kapitalistischen und revisionistischen Welt offen zeigen, dass sie keine besonderen Beziehungen zum sozialistischen Albanien und zur Partei der Arbeit Albaniens unterhalten. Albanien, so wollen de sagen, ist für uns nun dasselbe wie Jugoslawien und Rumänien. Doch das sozialistische Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens sagen ihrerseits der kommunistischen Weltbewegung, den Chinesen, der kapitalistisch-revisionistischen Welt, dass sie unerschütterlich wie ein Granitfelsen auf revolutionärem marxistisch-leninistischem Kurs verbleiben, dass sie um kein Jota von dieser Haltung abgegangen sind und auch nicht abgehen werden, dass sie siegen werden. China identifiziert sich mit dem titoistischen Jugoslawien und dem revisionistischen Rumänien, nicht mit uns.

Chinas Politik der offenen Tür wird nicht nur in den staatlichen Beziehungen, sondern auch «auf der breiten Straße des proletarischen Internationalismus» «erfolgreich» fortgeführt. Nicht nur, dass die Türen des chinesischen Staats für Ausländer jeden Kalibers geöffnet wurden, von Nixon und Tanaka über Tschiang Kai-schek, wenn er will, bis hin zu jenen Antimarxisten, die es bekämpft und beschimpft haben. Im Zuge dessen wurden ihnen auch die Tore der Kommunistischen Partei Chinas aufgetan. Ja, so ist es, sie wurden Ausländern aufgetan.

Unter den ausländischen Spezialisten, die in chinesischen Einrichtungen arbeiten, hat man zur Kenntnisnahme und Billigung den Entwurf einer Anweisung mit dem Titel «Über die Verbesserung der Arbeit mit den ausländischen Spezialisten, die in China arbeiten» verteilt. Dieser Entwurf trägt den Stempel der Rede, die Tschou En-lai einige Tage zuvor gehalten hatte und der die chinesische Presse auch einen Artikel widmete. Der offizielle chinesische Kommentator sagte also:

«Die ausländischen Spezialisten sollen das Leben in China kennenlernen, sich mit den Materialien der Partei vertraut machen, die den Massen in China innerhalb und außerhalb der Partei bekannt .sind. Sie können Parteiorganisationen bilden, können sogar als Mitglieder in die Kommunistische Partei Chinas aufgenommen werden. Sie können an Schulungskursen teilnehmen, je nach Wunsch entweder zusammen mit den Chinesen oder allein. Man muss sich um die Familien der ausländischen Spezialisten kümmern, die Kinder sollten in Kinderkrippen und Kindergärten gebracht werden, sie sollten der Kinder- bzw. der Jugendorganisation angehören, je nach Alter zur Schule gehen und gemeinsam mit den Chinesen in Wohnheimen wohnen. Man sollte die ausländischen Jugendlichen nicht daran hindern, sich mit chinesischen Mädchen anzufreunden, sich in sie zu verlieben und sie sogar zu heiraten. Die betreffenden Organisationen sollen durch Aufklärungsarbeit unter den chinesischen Familien zum Kampf gegen die Überbleibsel in dieser Beziehung beitragen. Auch der Staatssicherheitsdienst muss die Arbeit zum Schutz der in China arbeitenden ausländischen Experten verbessern. Sie müssen wirtschaftlich gut gestellt sein», usw. usf. Kurz gesagt: Dieser Entwurf war ein ganzes liberal-revisionistisches «Gedicht». Alle Tore Chinas werden dem kapitalistisch-revisionistischen ausländischen Abschaum nun aufgestoßen.

Das ist eindeutig. «Vor wem müssen wir uns fürchten?» fragen die, die China regieren und die Kommunistische Partei Chinas leiten. Und ihre Antwort ist: «Vor den Dogmatikern, den Sektierern und nicht vor den Liberalen.» Sie geben ja selber zu: «50 Millionen der Bevölkerung Chinas sind sowieso reaktionär.» Soll also ruhig noch eine Million Reaktionäre aus dem Ausland einströmen! «Was können sie uns schon antun? Sie werden im Meer der Chinesen untergehen. In der Perspektive werden wir es sein, die die Erde bedecken. Sind wir etwa nicht das grösste Volk der Welt?»!

Tschou En-lai hat sich in eigener Person an unsere Botschaft gewandt wegen Massnahmen .gegen einige albanische Studenten, die auf rein kameradschaftliche Weise Umgang mit chinesischen Mädchen hatten. Und das war viele Jahre vor der «Kulturrevolution». Also kann man diese Anschauungen nicht Lin Biao anhängen. Wie viele «blumenbedeckte» Wege gab es nicht schon in China seit dieser Zeit, wie viele «Blumen» sind nicht schon in der von Konfuzius. «gesegneten» Erde Chinas erblüht und werden dort noch erblühen!

Was wird das für ein Unrat sein, der da nach China kommen wird! Wie viele werden heiraten! Wie viele Gesellschaften, legale und illegale, werden da entstehen! Wie viele Kirchen und Kathedralen wird man öffnen! Wie viel Abschaum wird die chinesische Staatsbürgerschaft annehmen! Wie viele davon werden in die Reihen er Kommunistischen Partei Chinas eindringen und unter Maos Banner für den CIA, den sowjetischen KGB und den Weltkapitalismus kämpfen!

Dort wird tatsächlich das Zentrum der trotzkistischen Internationale entstehen. Dieser ganze Unrat wird unter der Larve von «Linken», «Maoisten», in ihren Ländern «Verfolgten» nach China einströmen. In China werden sie Hilfe und Unterstützung finden. Und mit der Rückendeckung und dem «Siegel Maos» werden sie von dort aus den Kampf gegen die wahren Marxisten-Leninisten aufnehmen und weiterführen, um die revisionistischen Parteien für sich zu gewinnen, vom Einfluss der revisionistischen Sowjetunion zu lösen.

Hier wird eine äußerst gefährliche Tätigkeit der «maoistischen» Revisionisten ihren Anfang nehmen. Wir müssen sehr wachsam sein. Der Kampf gegen den Sowjetrevisionismus von revisionistischem Positionen aus führt auf einen revisionistischen Weg; sich auf den amerikanischen Imperialismus zu stützen, um den Sowjetrevisionist zu bekämpfen, führt dazu, dass man das schmutzige Banner !es Trotzkismus erhebt, also den Sowjetrevisionismus bekämpft, um einen Platz als Grossmacht und «grosse ideologische Führung» einzunehmen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und China sind sich also anscheinend einig in Bezug auf die Schwächung ihres Hauptrivalen, der sozialimperialistischen Sowjetunion. Sowohl der amerikanische Imperialismus als auch China haben weiter das Ziel, die «volksdemokratischen» Satelliten von der Sowjetunion zu lösen. Umgeben von 4 oder 5 Vizeministern leitete Li Hsiän-niän diese Arbeit mit dem Empfang der Wirtschaftsvertreter der Tschechoslowakei und Bulgariens ein.

China hat gute Verbindungen zu Tito, zu Ceauescu, zu Carrillo. Mit Sicherheit wird es die Verbindungen zu den anderen revisionistischen Parteien und den «maoistischen» Trotzkisten ausbauen. Die Bourgeoisie wird an ihre «Wespen» die Parole ausgeben, im Garten, in dem «hundert Blumen blühen», Honig zu sammeln und ihr Gift zu verspritzen.





FREITAG, 18. MAI 1973



EIN BRIEF VON MAO TSETUNG AN SEINE FRAU

In einer «selbstkritischen» Rede, die er am 8. März vor den in Cina arbeitenden ausländischen Spezialisten hielt, erklärte Tschou En-lai: «Wir werden Ihnen nun einige Parteidokumente verlesen, die Lin Biaos Entlarvung zu tun haben.»

Das «erste», in 7 Sprachen übersetzte Dokument wurde dann den ausländischen Spezialisten vorgelesen, darunter auch unseren, die bei Radio Peking arbeiten. Dieses Dokument ist ein Brief Maos an Djiang Tjing. Er trägt das Datum vom 8. Juli 1966.

Mao schreibt an seine Frau: «Nachdem ich aus Hangtschou abgereist war, habe ich 10 Tage lang in Höhlen gewohnt und bin nun in Tschangscha (dem Land der weißen Wolken und der gelben Stör!). Nach 10 Tagen ohne Information ist Dein Brief sehr interessant, voll neuer Dinge... Das leitende Organ des Zentralkomitees beeilt sich ja, mir die neuesten Materialien zur Genehmigung zuzusenden, und ich werde ihnen zustimmen. Mein Freund [gemeint Lin Biao] hat ein Referat über den 'Staatsstreich', gehalten und dieses Problem einer Analyse unterzogen, wie sie bisher noch von keinem gemacht worden ist. Einige seiner Ideen machten mich sehr nachdenklich und beunruhigten mich. Ich hätte mir nie gedacht, dass meinen Büchern eine solch wundertätige Kraft zu eigen wäre.

Deshalb kamen mir unwillkürlich die Sprichwörter in den Sinn: `Was langgezogen wird, reißt leicht', 'Je höher man steigt, desto schmerzhafter der Sturz', 'Je größer der Ruhm eines Menschen, um so schwerer für ihn, sich seiner würdig zu erweisen'.

Die Umstände zwangen mich, der Forderung Einiger zu genügen. Es ist das erste Mal, dass ich entgegen meinem Wunsch mit anderen einverstanden bin, gegen meinen Willen handle. Nun habe ich die Merkmale sowohl des Tigers als auch des Affen, mehr aber des Tigers. Das ist die Hauptsache und das Wichtige. Dir empfehle ich, Dir den Ruhm nicht zu Kopf steigen zu lassen, besonnen zu sein und auf die Ratschläge der Genossen... und Tschen zu hören.» (Gemeint ist Tschen Bo-da, doch als die chinesischen Genossen von den Ausländern gefragt wurden, wer diese Genossen seien, auf die Djiang Tjing hören sollte, antworteten sie: Wir kennen sie nicht!) «Ich bin nun der Affe, der König wurde, weil es in den Bergen keine Tiger gibt. In unserer Zeit, in der es an Helden mangelt, bin ich, ein kleiner Mensch, so hoch hinauf gestiegen. Ich bin ein Held, weil es keine anderen gab. All das darfst Du keinem Menschen sagen, denn es stimmt mit den schwarzen Äußerungen der Rechten überein, für die Linken wäre es eine kalte Dusche, den Rechten dagegen würde es helfen. Die Hauptsache ist jetzt der Kampf, um die Rechten teilweise zu stürzen. Meine Äußerungen sind nicht nach dem Geschmack der Linken und der Massen. Wenn wir die Rechten weggesäubert haben, müssen wir eine weitere Säuberung vornehmen, sogar noch mehrere. Einmal in 7 oder 8 Jahren kommt es auf der Welt zu Erschütterungen, und bei diesen Erschütterungen: kommt das Schlechte hervor. Möglich, dass nach meinem Tod diese Äußerungen von mir bekannt werden. Die Rechten werden sie dann für ihre Zwecke benutzen, und die Linken werden sich anderer meiner Äußerungen bedienen, sich organisieren und die Rechten zerschlagen, usw. Die Rechten werden scheitern wie Tschiang Kaischek.»

Dieser Brief Maos ist aus vielen Gründen merkwürdig, wenn man sich vor Augen hält, in welchem Jahr er geschrieben wurde, und welche Ereignisse seit damals in China stattfanden.

Zunächst einmal bringt Mao in dem Schreiben an seine Frau. offen zum Ausdruck, dass er nur ihr vertraut, sagt er ihr doch, dass sie seine Ansichten «keinem Menschen sagen» dürfe. Djiang Tjing ist seine einzige Stütze. So kommt es heraus. Von der Partei spricht er überhaupt nicht, als ob es sie nicht gäbe. Für Mao existieren zwei Strömungen: die Rechten und die Linken, die um die Macht kämpfen, während Mao von der Partei, den Massen, den Genossen völlig isoliert ist. Richtet sich dieser Brief gegen seinen «Freund» Lin Biao, der die Kulturrevolution macht? Es scheint so, denn die Anspielungen auf den Kult um ihn sind auf Lin Biao gemünzt. Doch wie dem auch sei, als die Rechten bezwungen waren, bewirkte Mao, dass Lin Biao statutenmassig zum stellvertretenden Parteivorsitzenden bestimmt wurde, während er ihn gleichzeitig schon auf seiner Liste der Linken stehen hatte, die später hinweggesäubert werden sollten. Ein Doppelspiel!? Fehlendes Stützen auf die Partei, auf die Massen. Er sagt sogar selbst im Brief, dass «mich die Massen nicht verstehen werden». Doch wer wird ihn denn seiner Meinung nach verstehen? Das wird nirgends erkennbar. Eines wird erkennbar: auch in Zukunft werden sich in China die Rechten erheben, um über die Linken herzufallen. Diese werden sich dann organisieren und die Rechten hinwegsäubern. Und so wird es ständig alle 7 Jahre geschehen.

Es lebe das Chaos und die Anarchie! Der Stärkste ergreife die Macht! Einmal wird der Affe König, ein andermal der Tiger! Eine schöne Theorie! Was für ein Vertrauen können die gesunden Kader in solche Theorien haben? Dort kämpfen einzig die beiden Flügel um die Macht. Und die Antimarxisten und die Marxisten-Leninisten müssen sich den Überzeugungen des einen oder des anderen Flügels unterordnen ! ?

Welcher Zweck wird wohl mit der Veröffentlichung dieses negativen Briefs verfolgt? Es soll anscheinend positiv hervortreten, dass Mao von Beginn an Lin Biao als Linken durchschaute und kein Vertrauen zu ihm hatte, ihn aber als kleineres Übel ausnutzte, um ihn dann zu liquidieren. Einen anderen Zweck gibt es nicht.

Damit sagt er auch den andern: «So wird es morgen auch euch ergehen, nichts ist sicher. Die Sache mit den beiden Linien in der Partei ist meine Theorie, und der Tiger, der über beiden Linien steht und Regen und Sonnenschein macht, das bin ich!» Allerdings sind wir in den Fragen Chinas, in denen wir nicht über die exakten Angaben verfügen, bei Ableitungen auf unsere Vorstellungskraft angewiesen, deshalb muss man auch andere Versionen in Erwägung ziehen.

Wir haben oben festgestellt, dass dieser Brief im Juli 1966 geschrieben wurde, als die Kulturrevolution gerade begonnen hatte, als die Verschwörung der Rechtsgruppe Lius aufgedeckt worden war und gerade entlarvt wurde. Also müssen wir seinen Inhalt unter dem Blickwinkel der Ereignisse dieser Zeit betrachten. Mao war an diesem Kampf beteiligt, und es gibt deshalb keinen Grund, seine Äußerungen zu Lin Biaos Referat über den «Staatsstreich» als Ironie zu «interpretieren». Es war also klar, dass die von Mao geführte Kulturrevolution für die Liquidierung von Liu Schao-tschis Staatsstreich kämpfte. Und Lin Biao war für diesen Kampf, also für Mao.

Mao schreibt Djiang Tjing in diesem Brief: «Berate Dich mit den Genossen. . .» Der erste Name wird nicht genannt, doch zweifellos ist der gestrichene und durch Punkte ersetzte Name der Lin Biaos. Warum hat man ihn gestrichen? Dies wird verständlich, zieht man die späteren Ereignisse und die Beschuldigungen gegen Lin Biao in Betracht. Der andere Name ist Tschen. Wer ist dieser Tschen? Als die chinesischen Genossen nach ihm gefragt wurden, behaupteten sie, sie wüssten es nicht. Das ist nicht wahr, sie wissen es, geben es aber nicht zu. Der Verstand sagt einem, dass es sich um Tschen Bo-da handelt. Man mag die Frage stellen: Warum ließ man den Namen Tschen (ohne Bo-da) stehen und der Name Lin Biao wurde gestrichen? Warum wurden nicht beide stehengelassen oder gestrichen? Genau darin besteht die «Chinesiade» in der ganzen Sache: Tschen Bo-da wurde .bereits namentlich entlarvt, Lin Biao dagegen noch nicht. Ist etwa die Frage Lin Biao noch nicht geklärt? Oder bleiben die Umstände noch im Dunkeln, obwohl er innerhalb Chinas entlarvt wird? («Wie beging Lin Biao Verrat?! Wie floh er in die Mongolei?! Wie wollte er Mao ermorden?! Auf welche Weise war er prosowjetisch und antiamerikanisch?» usw. usf.)

Mit anderen Worten: Studiert man den Brief mit den Augen der Zeit, in der er geschrieben wurde, stellt sich heraus, dass Maos Freunde... (ein Name in Pünktchen) und «Tschen» waren. Tschou En-lai taucht nirgends auf, also zählte er nicht zu Maos «Getreuen». Wo stand also diese nach Mao und Liu Schao-tschi so wichtige Figur?

Wenn wir uns an diese Interpretation des Briefes halten, stellt sich die Frage: Weshalb ist dieser Brief gerade jetzt ans Licht gekommen?! Wem dient er? Dient er der jetzigen Situation, oder soll eine neue Situation, ein neuer «Umsturz» angebahnt werden, wie ihn Mao im Brief predigt, wie er ihm den Boden bereitet?

Vieles ist vorgefallen, und alles geschah in Maos Namen. Und bei jedem Umschwung zog sich Mao geschickt aus der Affäre. Liu handelte «unter Maos Banner», Mao trat gegen ihn auf; die Kulturrevolution stand «unter Maos Banner», Mao trat gegen Lin Biao auf; Tschou En-lai kämpft «unter Maos Banner», Tschou findet Maos Billigung. Das werden wir sehen. Gegenwärtig schweigt er mehr als er spricht, zieht irgendeinen Brief und irgendeinen Deng Hsiao-ping aus dem Loch hervor.





SAMSTAG, 26. MAI 1973



IN CHINA WEHT WESTWIND

Vor der Pariser ,Konferenz, auf der das Abkommen über die «Herstellung des Friedens in Vietnam» unterzeichnet wurde, hatte China erklärt, sein Aussehminister Dji Peng-fe werde verschiedene Länder der Welt besuchen. Sogar die Termine der Besuche waren festgelegt worden. Und an der Spitze der Liste, vor allen anderen Staaten, die der chinesische Minister besuchen sollte, stand Albanien, «Chinas enger Verbündeter». Das war ein richtiger und würdiger Beschluss.

Die Pariser Konferenz kam, auf der auch China durch Dji Peng-fe vertreten sein sollte. Die Reisepläne kamen durcheinander, wurden auf später verschoben. Gut!

Nun wird gemeldet, das Dji Peng-fe seine Reise antreten wird, doch die Reihenfolge ist nicht mehr die alte. Nicht nur, dass nicht mehr die Rede davon ist, Albanien als erstes zu besuchen, man sagt nicht einmal, wann es besucht werden soll. Angekündigt wurde, dass Dji Peng-fe im Juni nach London und von dort aus nach Paris fahren wird. Danach, heisst es, wird er Rumänien besuchen.

Es zeigt sich deutlich, dass in China Westwind und nicht Ostwind weht!





MITTWOCH, 27. JUNI 1973



IN CHINA WERDEN BANKETTE FÜR DEN BANKIER ROCKEFELLER GEGEBEN

Die Chinesen gaben in einem Kommuniqué der Weltöffentlichkeit einen Atombombenversuch bekannt. Das ist eine gute Sache und die geeignete Antwort auf die sowjetisch-amerikanische Erklämg über den «Atomkrieg». Doch wir werden später sehen, was daraus wird.

Man spricht davon, Kissinger werde im Herbst nach Peking reisen, Tschou En-lai werde in die Vereinigten Staaten von Amerika fahren, und 1974 solle Nixon erneut nach China kommen. Inzwihen meldet Hsinhua aus Peking: Der namhafte amerikanische Bankier Rockefeller hält sich in China auf. Er führt Gespräche und für ihn werden Bankette gegeben. Djiang Tjing beschäftigt sich .dessen mit Schwimmern und anderen Sportlern aus Amerika und lässt durch sie Nixon und seiner Frau Grüße bestellen.

Wo führt das hin?!!







SAMSTAG, 30. JUNI 1973



DIE VÚLKER WERDEN CHINA DIESE GEFÄHRLICHE EINSTELLUNG NICHT VERZEIHEN

Breschnew hat seinen Besuch in den Vereinigten Staaten von Amerika beendet. Die Gespräche, die er mit Nixon führte, waren sehr herzlich und spektakulär. Die ganze Welt kicherte: der sowjetische Cowboy traf sich selbst mit den «Hollywood-Stars», mit den kalifornischen Cowboys, umarmte und küsste den Cowboydarsteller, der «Banditen»rollen spielt. Sehr vielsagend! Genauso vielsagend ist auch Breschnews Auftreten im amerikanischen Fernsehen: Er hatte ein Jackett mit dem amerikanischen Adler an, das ihm Nixon verehrt hatte! Breschnew wechselte das Hemd, er vertauschte das sowjetische Jackett mit dem amerikanischen. Der Sinn des Ganzen: er hat sich an den amerikanischen Imperialismus verkauft. Die amerikanischen Milliardäre, mit denen Breschnew ein langes und herzliches Gespräch führte, waren sehr zufrieden und bezeichneten Breschnew als «wahren Amerikaner», der «auf dem Treffen den Vorsitz genau wie ein Amerikaner führte». Seine übrigen grotesken Scherze wollen wir gar nicht erwähnen, sie riefen auf der ganzen Welt Sensation hervor und zogen das Ansehen der Sowjetunion in den Schmutz.

Ein Clown folgte dam anderen : Chruschtschow feierte «Verlobung» und fuhr zum Honigmond in die Vereinigten Staaten von Amerika, und Breschnew fuhr dorthin, nach Camp David und Kalifornien, um die «Vermählung» der Sowjetunion mit den Vereinigten Staaten von Amerika perfekt zu machen, um «die Ehe» mit Nixon zu vollziehen. Breschnew brachte Nixon als Mitgift, für eine Handvoll Dollars, die Reichtümer der Sowjetunion, den Boden, die politische Freiheit, die Souveränität, das Ansehen der Sowjetunion.



In den Thesen, die ich für die in «Zëri i popullit» veröffentlichten Artikel zu diesen Problemen lieferte, werden unsere Ansichten dargelegt, doch so sehr man sich in diese Fragen auch vertieft, so viel man auch üb,2r sie schreibt, es ist nie zuviel. Das sind Probleme von Weltbedeutung, um die gefährliche Intrigen internationalen Charakters gesponnen werden.

Es ist ein großer Fehler, die nun weltweit bekannten Abkommen, die zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika abgeschlossen worden sind, nicht offen und öffentlich in der Presse zu durchleuchten. In diesen Fehler verfallen die Chinesen, die sich damit begnügen, unseren Genossen in Peking - und sicher auch den anderen - ihre Meinung auf dem Korridor mitzuteilen. Die Chinesen geben keinerlei offizielle, offene Stellungnahme zu dem Treffen Breschnew-Nixon und den dabei erzielten Ergebnissen und Abschlüssen ab. Ein chinesischer Atombombenversuch allein, so sehr 3r auch seine Bedeutung hat, ist keineswegs ausreichend. Doch die Chinesen finden, das sei genug, um alles zu erklären und die teuflischen sowjetisch-amerikanischen Pläne zu durchkreuzen.

Das Schweigen der Chinesen st nicht normal und sehr bezeichnend. Es zeigt, dass China nicht reden will. Weshalb? Weil es, würde es sprechen, unweigerlich beide «Banditen», wie sich die -chinesischen Genossen in den Korridoren ausdrücken, entlarven müsste. Um den einen nicht entlarven zu müssen, mit dem es «Flitterwochen» feiert, lässt es auch die Entlarvung des anderen sein und nimmt die olympische Pose ein, mit der es sagen will: «Ich äussere mich nicht, sondern denke und arbeite stillschweigend.» «Eine glänzende Methode!» Doch die kauft dir niemand a-b, sie gefällt niemand, niemand billigt sie und niemand traut ihr. Du magst im Kopf viel Gutes oder auch Kohl haben, doch die Menschen haben gelernt, auf die Taten zu achten und nicht auf die Verpackung.

Du, China, bist ein großes Land, doch deine Meinung sagst du noch nicht einmal in den entscheidenden Augenblicken, da alle Länder, alle Völker die große internationale Verschwörung, die die beiden imperialistischen Mächte, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika, anzetteln, mit großer Sorge betrachten.

Wenn man behauptet, dass die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika «zu keinem gemeinsamen Abschluss gekommen sind», so bedeutet das entweder, dass man nicht sieht, und das ist große politische Kurzsichtigkeit, oder dass man begriffen hat, jedoch schweigt und nicht redet, weil man gewisse Absichten hat.

Die beiden großen imperialistischen Banditen haben sich «urbi et orbi» über ihre gegenseitigen sowie die internationalen Probleme verständigt. Diese Abkommen wurden ganz offen unterzeichnet und bekannt gegeben, doch es gibt auch Geheimabkommen, die nicht veröffentlicht wurden, über die man nicht spricht, auf die man aber aus dem, was geschrieben wurde, um etwas zu verbergen, schlissen kann. Die beiden können nichts geheim halten. Nicht, dass sie es im Radio und im Fernsehen laut verkünden werden. Aber die Welt wird dahinterkommen, wenn sie sie in die Tat umsetzen, denn diese geheimen Beschlüsse wurden gefasst, um zu handeln, und zwar auf Kosten der Völker. «Es gibt Widersprüche zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika», sagen die Chinesen. Gewiss, es gibt sie und wird sie auch weiter geben. Doch durch die Abkommen, die die beiden erzielt haben, sollen die Widersprüche gemildert werden. Was diese Abkommen anbelangt, so wird die Säge eines Tages auf Nägel treffen. Deshalb müssen Nägel eingeschlagen werden, damit sich die Säge festfrisst.

Tatsache ist, dass die Vereinigten Staaten von Amerika aus diesem Spiel mit einem Vorsprung hervorgingen. Sie verschafften sich neue, große Kolonialmärkte, und zwar dort, wo sie es niemals erwartet hätten, ausgerechnet in der Sowjetunion. Mit der Sowjetunion hatten die Vereinigten Staaten von Amerika einst in Feindschaft, beinahe im Kriegszustand gelebt, denn die Sowjetunion war ein sozialistisches Land, ein geschworener Feind des Kapitalismus und Imperialismus gewesen. Mit dem Machtantritt der Sowjetrevisionisten änderte sich die Situation allerdings, und alles musste zwangsläufig so kommen, wie es gekommen ist. Der große, mächtige Staat der Proletarier verwandelte sich in einen kapitalistischen Staat, in einen sozialimperialistischen Staat, bereit, sich mit einem anderen imperialistischen Staat zu verständigen. Die Abkommen - das stand außer jedem Zweifel - würden auf ungleicher Grundlage zustande kommen. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren der Sowjetunion in der Wirtschaft, in der Technik, in der Industrie, in der Landwirtschaft, aber auch militärisch überlegen. Die Revisionisten beließen ihr Land im Rückstand. Bei ihrer Wendug hin zum Kapitalismus erlitt die Sowjetunion vielerlei Niederlagen, die sin den Kopf einziehen, die Fahne einholen und die Vereinigten Staaten um Hilfe angehen ließen, um das vom Einsturz bedrohte Haus zu reparieren.

Ausgerechnet Breschnew fuhr, obwohl Vertreter eines großen Landes, nach Washington und bettelte, bettelte auf so schmierige Weise, dass er sich vor den amerikanischen Senatoren erniedrigte, Ihnen bis ins Einzelne Rechenschaft über die sowjetischen Juden, Bürger seines Staates, ablegte: wie viele er nach Israel geschickt hat, wie viele vor der Ausreise stehen, wie viele noch übrig bleiben und was mit ihnen geschehen wird. Und warum diese schmierige, skandalöse Unterwürfigkeit? Um an Dollars heranzukommen, mit diesen .bluttriefenden Dollars fortgeschrittene amerikanische Technologie zu kaufen und zugleich einen Markt zu finden, um die Reichtümer des Sowjetvolks an die amerikanischen Milliardäre zu verschachern. Das ist offensichtlich und bedarf keines Kommentars. Die «Neunmalklugen» werden sagen: «Das ist eine Taktik der Sowjetunion, um mit den Vereinigten Staaten von Amerika gleichzuziehen.» Als ob der amerikanische Imperialismus auf den Markt getreten wäre, seine Stärke als Tribut zu geben, um sich selber zu schwächen und den Gegner zu stärken! Und die «klugen und schweigenden Politiker» werden so tun, als verstünden sie alles, und es sich nicht nehmen lassen, rundheraus und öffentlich zu behaupten: «Die Sowjetrevisionisten sind gefährlicher als die amerikanischen Imperialisten.»

Warum denn darüber streiten, wer der Gefährlichere ist, wo doch beide gleichermaßen wilde Feinde der Völker und ihrer Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität sind?! Wenn man das Problem so angeht wie diese prinzipienlosen und bankrotten Politiker, schlägt man sich natürlich auf die Seite des «Schwächeren», und für den Schwächeren halten sie die Vereinigten Staaten von Amerika. Diese werden die Sowjetunion ausnehmen, märchenhafte Gewinne aus ihr herauspressen, die ihnen dazu dienen werden, die Macht ihres Weltreichs zu vergrößern Auf der anderen Seite wird das Eindringen amerikanischen Kapitals in die Sowjetunion mithelfen, auch noch die letzten Überreste der Errungenschaften der Großen Sozialistischen Oktoberevolution auf schnellstem Wege zu beseitigen. Es wird beitragen zum Zerfall der Sowjetunion als Union von Republiken. Das ist die Absicht des amerikanischen Imperialismus: die Sowjetunion als gefährliche rivalisierende kapitalistische Macht zu zersetzen.

Die «Neunmalklugen» werden sagen: «Das wird sich kaum erreichen lassen.» Im Gegenteil, das lässt sich sehr leicht erreichen, wenn einer vom marxistisch-leninistischen Kurs abgeht. Es liegt im Wesen des Revisionismus, nationalistische Gefühle anzufachen, und die Vereinigten Staaten von Amerika werden dieses Feuer mächtig schüren. Die «Neunmalklugen» sagen: «Das wird nicht gelingen.» Doch was sagen die Fakten aus? Chruschtschow kam an die Macht. doch was brachte er mit und was geschah in der Sowjetunion? Chruschtschow stürzte, die Breschnews kamen, doch worauf lief es in der Sowjetunion hinaus? Auf den Ausverkauf an die Vereinigten Staaten von Amerika. Morgen werden die, die nach ihnen kommen, die Sowjetunion auch als Staat zerstören. Ob die Revisionisten wollen oder nicht, dorthin führt sie ihr Weg. Die Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika und das Bündnis mit ihnen zielen schliesslich nur auf eines ab: «Teile und herrsche.» Denn zu meinen, der Imperialismus werde einem helfen, sich zu stärken, um .ihm das Grab zu bereiten - das ist absurd.

Die zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion unterzeichneten Abkommen verbürgen das Fortschreiten dieses Prozesses, dennoch hat jeder von ihnen seine Vorbehalte, seine eigenen Ziele. Und obwohl sie diese einander nicht eingestehen, weiss doch der eine um die des andern, und man versteht sich eigenen Ziele. Um diesen Prozess voranzutreiben, mussten sie ein sensationelles» Abkommen schliessen, das «den Krieg zwischen ihnen verhindert». Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben dieses Abkommen - soweit es überhaupt wirksam sein wird - in der Formulierung weiter gefasst. Sie wurden zu den Weltgendarmen, erklärten und beschlossen ungeschminkt, dass sie überall eingreifen werden, wo ihre Interessen angetastet werden, immer und überall, wo „der Frieden in Gefahr ist», wie es in ihrer Terminologie heißt.

Der Ablauf dieses Prozesses, der von den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion angekurbelt wurde, zeigt, dass dies ein gewöhnlicher, klassischer imperialistischer Prozess ist. Die Auswirkungen dieses Prozesses sind nicht allein auf die beiden Länder beschränkt, sondern machen sich auf der ganzen Welt bemerkbar. Diese beiden Supermächte wollen auf der Welt dominieren, sie wollen sie ausbeuten, sich gefügig machen, unter die Knute der Herren aus der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika bringen. Deshalb steckten sie ihre Einflusszonen ab. Diese Einflusszonen sind einerseits fest, andererseits aber auch nicht. Es gibt dabei Bündnisse, die schriftlich verankert sind, aber auch solche, die es nicht sind; in beiden Fällen werden die Interessen fieser beiden Herren aufeinanderprallen. Ihr geheimes Einvernehmen besteht nun darin, bei diesem Aufeinanderprallen Getöse zu vermeiden, sich vielmehr zu verständigen und übereinzukommen. Besonders geht es den beiden darum zu verhindern, dass die Völker, auf deren Rücken diese Schachereien betrieben werden, sich erheben. Für diesen Fall haben sie zwei Wege vorgesehen. Der erste: beide Banditen verständigen sich über die Plünderung; der zweite: falls sich der Ausgeplünderte wehrt, schlagen sie auf ihn ein und sagen: «Kusch! Du bringst den Frieden in Gefahr!», den Frieden der Banditen, versteht sich.

Hier geht es nicht um «Abrüstung», sondern um die Erhaltung der Rüstungsbestände, um die Wahrung des Atommonopols. Es geht hier um das Bestreben, alle in eine der beiden Sphären, d.h. unter die Atomschirme der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika zu bringen. China und Frankreich, die über die Atombombe erfügen, werden als Ketzer betrachtet. Deshalb trachtet die eine wie die andere Supermacht danach, sie beide in die Knie zu zwingen, ;in den Klub zu bringen», um ihnen den Hals umzudrehen wie einem Huhn.

Im Licht des sowjetisch-amerikanischen Bündnisses haben die Pakte und alle Arten von Abkommen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion mit ihren Partnern einen anderen Sinn erhalten, eine andere Richtung genommen. Die beiden Großen betrachten nun alles rein vom Standpunkt des Abkommens aus, das sie geschlossen haben, und die Partner in diesen beiden multilateralen Bündnissen sind nicht mehr als Bauern in diesem Schachspiel.

Alles wird in erster Linie den Zwecken dieser berüchtigten Allianz nutzbar gemacht werden. Zusammenarbeit, gegenseitige Hilfe, Handelsabkommen und die anderen Schachereien werden Sinn und Richtung ändern. Da die Einflusszonen abgesteckt sind, meint die Sowjetunion, ihre ,Herrschaft über die Satelliten «gesichert» zu haben. Schon bevor es so war, liess die Sowjetunion sie nach ihrer Peitsche tanzen, setzte sie tausend wirtschaftlichen Restriktionen und Erpressungen aus. Von nun an aber werden die Schrauben so fest angezogen, dass die «Verbündeten» zu wahren Hampelmännern herabgewürdigt werden. Die Sowjetunion, die ihre Reichtümer und ihre Seele an den amerikanischen Imperialismus verkauft, ist nicht in der Lage, ihre Verpflichtungen gegenüber den Satelliten einzuhalten, deshalb wird sie sich bemühen, sie noch übler zu triezen, sie fest vor ihren Karren zu spannen, um sie noch härter ins Geschirr zu nehmen. Dies ist die Perspektive, die sich dem RGW, der Integration und dem über ihren Köpfen stehenden Warschauer Vertrag bietet. Die Früchte des neuen Zarenreichs werden nach neuen Kriterien verwendet, verwaltet und aufgeteilt werden, inspiriert von einer «neuen» Ideologie, die der Ideologie von Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin feindlich gegenübersteht.

Der amerikanische Imperialismus dagegen geht seinen vorgezeichneten Weg. Beizeiten hat er die Partner in seine Klauen gebracht. Seine Aufgabe liegt darin, sie noch fester an der Gurgel zu packen, um sie gehorsam und unter dem Stiefel zu halten.

Die grosse Weltkrise, die ausgebrochen ist, schnürt den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion mitsamt ihren Satelliten die Kehle zu. Diese Krise hat jenes Bündnis geboren, das sie aus der Klemme, das heißt aus der Zange der Revolution befreien roll. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion haben gemeinsam beschlossen, die Revolution, die Aufstände, die nationalen Befreiungskämpfe zu unterdrücken, sich in den Zielen zu vereinigen und, sollte es notwendig sein, auch ihre kapitalistisch-revisionistischen Partner zu unterdrücken. Aus diesem Grund riefen die Abkommen von Washington und Kalifornien bei allen Völkern, in allen Staaten, unabhängig von ihrer politischen Färbung, Verstimmung, Entrüstung, Zweifel und Widerstand hervor. Alle, der eine offen, der andere gedämpft, sagen: «Das Bündnis USA-UdSSR ist unserem Schaden.»

In diesem Wust sehen sich die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion, obwohl die Stärksten, isoliert und von allen Seiten von großer Empörung umgeben. Ihr Plan sieht vor, diese Situation durch Demagogie, Drohung, Erpressung zu «bereinigen».

Sie wissen, dass diesem Bündnis kein langes Leben beschieden sein kann, wenn sie nicht, jeder einzeln und beide gemeinsam, Ordnung ihrem Haus und ihren Bündnissen schaffen, das heisst, wenn sie nicht den Dickköpfigen den .Schneid abkaufen, ihnen Angst einjagen und ihre gefügigen Partner begünstigen. Der Rubel und der Dollar werden hoch im Kurs stehen, um zu korrumpieren, und mit Demagogie, Intrigen und Waffen werden die Cliquen an der Macht gehalten und wird mit neuen aufgewartet, wenn ihre Macht bedroht ist «status quo und Frieden» wird beider Motto sein.

Mit Sicherheit wird für die beiden aggressiven Supermächte nicht alles wie geschmiert laufen. Ihre teuflischen Pläne und Handlungen werden auf Reaktion und Widerstand stoßen. Dieser Widerstand macht sich schon jetzt auf der ganzen Welt bemerkbar. Die europäischen Staaten - mit Ausnahme unseres sozialistischen Landes -, alle kapitalistisch-revisionistischen Staaten sind in Blöcke eingegliedert. Auch Staaten wie Jugoslawien, die sich blockfrei` nennen, stecken in diesem Wespennest. All diese Staaten und Cliquen haben also begonnen, dreist zu werden, sie haben die Hand im Spiel, doch im Innern gärt es bei ihnen gegen die beiden Supermächte.

In Helsinki und Wien finden Konferenzen statt, werden Reden halten, doch niemand schenkt den Worten Glauben, alle blicken mit Misstrauen aufeinander, denn sie wissen, dass dort ihre Haut zu Markte getragen wird, dass dort die Standpunkte und Interessen der beiden Großen dominieren, die sich in Europa «Ruhe verschaffen» wollen, und zwar eine Ruhe, die zu ihrer Gier nach Vorherrschaft passt. Hier stoßen sie auf mehr oder weniger ausgeprägten Widerstand.

Sogar das Bonner Deutschland, das von dieser Lage am meisten begünstigt wird, sieht seine Hegemonie in Europa durch die beiden Großen bedroht. Früher hätte es eher profitieren können, als die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion ihre Geschäfte noch nicht in Einklang gebracht hatten, inzwischen aber hat es zwei tückische, eifersüchtige Schwiegermütter, die die widerspenstige Schwiegertochter sich nicht so mästen lassen, wie sie das gerne möchte. Jede der beiden Schwiegermütter wird versuchen, die Schwiegertochter unbedingt für sich zu gewinnen, beide wollen sie aber auch gegen das unbotmäßige Frankreich benutzen.

Frankreich sieht mehr die Gefahr, die ihm von den beiden großen Partnern, aber auch von Bonn droht, das von der Situation profitiert. Die französische Regierung bezieht offen Opposition gegen das sowjetisch-amerikanische Bündnis sowie gegen die neue Atlantikcharta, durch die die westeuropäischen Länder noch stärker unter das Joch der Vereinigten Staaten von Amerika gebracht werden. Das bürgerliche Frankreich versucht, und das zeigt sich an der aktuellen Tendenz seiner Politik, die Unzufriedenheit und Angst, die dieses Bündnis bei ihm hervorgerufen hat, zu kanalisieren und innerhalb der Bündnisse eine Opposition gegen die amerikanisch-sowjetischen Pläne in Europa, aber auch auf der Welt zu formieren.

Das kapitalistische Europa ist, wie auch Frankreich selbst, bis über beide Ohren bei den Vereinigten Staaten von Amerika verschuldet, die tief in seine Wirtschaft eingedrungen sind und dort Streitkräfte stehen haben. Die kapitalistischen Länder Europas sind unzufrieden mit den Vereinigten Staaten von Amerika, können aber ohne sie nicht leben, wissen sich ohne amerikanische Hilfe, ohne die amerikanische Armee nicht zu helfen. Mag sein, dass sie über die Vereinigten Staaten maulen und herziehen, trotzdem betteln sie: «Wir beschwören dich, Amerika, geh nicht weg, liefere uns nicht allein dem Russen aus!» Natürlich haben sie Angst vor dem Russen, ganz besonders aber haben sie Angst vor der Revolution, vor der Erhebung ihrer Völker. Deshalb steckt auch die bürgerliche Politik Frankreichs mit ihren aufmüpfigen Tendenzen in diesem Teufelskreis. Das große Ziel der beiden Oberbanditen ist es, in Europa «Ordnung zu schaffen», um außerhalb seiner Grenzen freie Hand für ihre Manipulationen zu haben, denn sie wissen, dass fehlende Ruhe in Europa Unruhen auf anderen Kontinenten beeinflusst und schürt. Europa hat seine Rolle auf der Welt nicht eingebüsst.

In Asien, Afrika, Südamerika und im Nahen Osten hat die neuentstandene Lage noch mehr Ärger und Besorgnis ausgelöst. Es ist klar, dass im Nahen Osten die beiden imperialistischen Supernächte das Gesetz machen, ihre Einflusszonen abgesteckt haben und sich in allen Fragen verständigen. Die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen Israel und rüsten es auf; sie .benutzen es als Schwert gegen Ägypten, Syrien, das palästinensische Volk und die arabischen Völker allgemein. Die Sowjetunion ist für diese Länder zu einem Waffenlieferanten geworden, der auf keinen Fall den Einsatz dieser Waffen ohne seine Erlaubnis gestattet und diesen Völkern den Zustand «Weder Krieg noch Frieden» aufzwingt. Zugleich festigt sie ihre Vorherrschaftsposition als unerwünschter, als Pseudoalliierter. Natürlich ist für die Vereinigten Staaten von Amerika Israel nicht das einzige Land in diesem Raum, sie dominieren außerdem im Libanon, in Jordanien, in Saudi-Arabien, in den Emiraten am Persischen Golf und sogar im Iran. Das ist ihr Erdölreich. Die Sowjets suchen die Annäherung an den Irak, um ihn auszubeuten, und schüren im Einvernehmen mit den Vereinigten Staaten von Amerika die Widersprüche zwischen diesem Land und dem Iran. Damit wollen sie den einen wie den andern jeweils für sich fest an der Kandare halten.

Im Fernen Osten ist die Lage für sie verwickelter, doch auch dort vollen beide festen Fuß fassen, der eine durch Drohungen, der andere durch Lächeln. Die Objekte ihrer Strategie sind China und Japan. Die Bindungen Japans an die Vereinigten Staaten von Amerika sind bekannt. Die Sowjetunion bietet ihm ein Stück von der iberischen «Torte» an. Gewiss wird Japan annehmen. Die Absicht der Sowjets ist es, Japan zu neutralisieren und zu verhindern, dass s sich China annähert, das auf diese Weise eingekreist werden soll. Japan hat diese Perspektive ständig vor Augen gehabt, aber es hat Vorbehalte, fürchtet es doch, von den beiden großen Wölfen genesen zu werden, wenn es sich zwischen sie schiebt. Deshalb richtet Japan seinen Blick auch auf China, sehen nach dort, doch auch die beiden anderen.

Die Sowjetunion bedroht China, setzt es unter Druck, um es entweder näher an sich heranzuziehen oder in die Arme der Vereinigten Staaten von Amerika zu treiben, die ihm zulächeln. Und China schlug eine Strategie ein, die unserer Meinung nach falsch ist, wenn nicht noch mehr: Es gab in der 'Tat den Kampf an beiden Fronten, gegen. die Sowjets wie gegen die Vereinigten Staaten von Amerika, auf und machte sich eine andere Politik zu eigen: Feindschaft mit den Sowjets und Freundschaft mit den Amerikanern.

Warum schlug China diese Politik ein? «Um die sowjetischamerikanischen Widersprüche auszunutzen», sagt es. Doch welches sind diese Widersprüche und wie nutzt China sie aus? Chinas Stimme war und ist in Europa nicht zu vernehmen. China hatte tatsächlich noch nicht einmal einen Hehl daraus gemacht, dass es Europa keine Bedeutung beimaß. Inzwischen hat es begonnen, Interesse zu zeigen, doch Europa ist kompliziert, byzantinisch, machiavellistisch, es kauft «Chinesiaden» nicht so leicht ab. Im Nahen Osten steht China vor der Tür. In allen anderen Ländern der Welt hat es nur potentielles, nicht aber reales Gewicht. Die beiden Supermächte manövrieren überall. Die Völker wollen sich aus dieser Zange befreien, sie wollen die Hilfe Chinas, seine moralische, politische, wirtschaftliche und militärische Hilfe, doch China ist nicht imstande, sie im erforderlichen Maß und in der erforderlichen Weise zu geben, weil es auf internationalem Feld keine richtigen, sondern falsche Positionen einnimmt.

Anstatt angesichts dieser großen Krise, angesichts dieses Einvernehmens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion Positionen zu besetzen, um einen Keil zwischen die beiden zu treiben, den einen wie den anderen zu bekämpfen, anstatt in dieser Situation, in der man den Sowjets und den Amerikanern voll Angst und Unzufriedenheit begegnet, die Unzufriedenen um sich zu sammeln, hat China in seiner Politik eine Öffnung gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika vollzogen. Es ist offensichtlich, wie falsch die Rechnung Chinas ist. Mit dieser Politik kann es das Vertrauen der Völker nicht gewinnen, so vergrößert es die Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion nicht. So unterstützt, stärkt es nur die Vereinigten Staaten, diesen brutalen und mächtigen Imperialismus.

China betreibt diese falsche Politik, weil es einen sowjetischen Angriff fürchtet! Werden die Vereinigten Staaten von Amerika China etwa verteidigen? Man muss schon ein Dummkopf oder ein Reaktionär sein, um so etwas zu meinen. Was aber sonst? Braucht es Hilfen und Kredite? Auf diesem Pferd sitzen auch die Sowjets. Demnach geht man den gleichen Weg wie die Sowjets, und zwar im Kampf mit ihnen. Diese Politik ist nicht von marxistisch-leninistischem Geist beseelt. Diese Politik haben auch die kapitalistischen Staaten des Westens nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgt. Sie lehnten sich an die Vereinigten Staaten von Amerika an, die sie finanzierten und schluckten. Aus Angst vor der Sowjetunion der Zeit, als der große Stalin noch lebte und leitete, ließen sich die kapitalistischen Staaten der Welt vor den amerikanischen Karren spannen. Nun drückt diese Staaten und Länder die schwere Last, drücken sie die Ketten, in die sie Vereinigten Staaten von Amerika sie gelegt haben, und sie wollen sie abwerfen.

Diese Erfahrung will nun auch China machen. Bei uns gibt es in Volkssprichwort, das sehr gut darauf passt: «Aus Trotz gegen meine Schwiegermutter, geh' ich mit dem Müller ins Bett.» Aus Angst vor den Sowjetrevisionisten will sich China also den Amerikanern in die Arme werfen. Muss es das tun? Das ist nicht marxistisch-leninistisch, das ist sogar ein fataler Fehler. China muss den beiden Supermächten bis zuletzt widerstehen, es muss die unzufriedenen Völker und Nationen um sich scharen. Das sind nicht wenige, sie stellen vielmehr eine gewaltige Kraft dar. Die Kraft der Völker, die sich zur Revolution und zum Kampf gegen die beiden Supermächte erhoben haben, ist unbezwingbar. Genau das sind die Widersprüche, die China zuerst ausnutzen muss, anstatt hypothetischen Widersprüchen nachzujagen. Anstatt auf den Spuren zu gehen, die zur politischen Sklaverei führen, sollte es den wohl schwierigen, aber revolutionären Weg gehen.

Wir brauchen nicht weiter zu gehen, nehmen wir nur die Frage Frankreichs. Wie das Frankreich de Gaulles unterhält auch das Pompidous zu den Vereinigten Staaten von Amerika unverändert kühle Beziehungen. Unter den jetzigen Umständen fürcht es sowohl die Sowjetunion als auch die Vereinigten Staaten als auch Bonn, dem die beiden Großen zulächeln. Frankreich wähnt :sich in Gefahr und ist bestrebt, diesem starken Druck Widerstand entgegenzusetzen. Es ist klar ersichtlich, dass es den beiden hegemonistischen Supermächten bei ihren europäischen Plänen Steine in den Weg legen will. Es ist bemüht, zusammen mit anderen europäischen Staaten eine Widerstandsgruppe zu bilden, doch das wird sich kaum erreichen lassen. Frankreich sucht auch außerhalb Europas nach Unterstützung. Es hat dabei ein Auge auf China geworfen. Uns ist bekannt, dass Dji Peng-fe Pompidou bei dem Treffen, das er mit ihm hatte, erklärte: «Seht euch vor und seid wachsam gegenüber der Sowjetunion!» Als ob der französische Kapitalismus auf Dji Peng-fe hätte warten müssen, um zu erfahren, er solle wachsam gegenüber der Sowjetunion sein!!

Frankreich ist an der Freundschaft mit China interessiert, sicherlich, um dies gegen die Sowjetunion auszuschlachten. Hierin stimmen seine Absichten mit denen der Vereinigten Staaten von Amerika überein. Zugleich aber lindert dies den Druck der Sowjetunion auf Frankreich. Frankreich hat Meinungsverschiedenheiten mit den Vereinigten Staaten von Amerika, will aber die Verbindungen zu ihnen nicht ganz abbrechen, sieht es in ihnen doch einen Gendarmen gegen den teutonischen Revanchismus und den sowjetischen Ansturm. Was China anbelangt, so möchte sich Frankreich dort gern ausbreiten. Es will Handel mit ihm treiben, um der Wirtschaftskrise, dem wirtschaftlichen Druck zu entkommen, dem man es zunehmend aussetzt, um es in die Knie zu zwingen.

Was wird China tun? Wir werden sehen! Wird die Politik des Lächelns gegenüber Frankreich der Revolution dienen, oder wird sie einem kapitalistischen Staat, der gleichfalls nach Hegemonie in Europa strebt, aus seiner schwierigen Lage heraushelfen? Gewiss stellt Frankreich auch Chinas Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika in Rechnung, doch ohne darüber sehr beunruhigt zu sein. Es bezieht auch Chinas Feindschaft zur Sowjetunion in seine Rechnung ein und sieht sie mit Wohlgefallen. Mit anderen Worten: China holt ihnen die Kastanien aus dem Feuer.

Unserer Meinung nach sind die Positionen, die China einnimmt, sein außenpolitischer Kurs nicht richtig, nicht revolutionär. Es lässt außerordentlich günstige Augenblicke für die Revolution, Augenblicke der großen und schweren Krise des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus ungenutzt verstreichen.

Die Völker und die Marxisten-Leninisten werden China diese sehr gefährliche, sehr negative und schädliche Haltung nicht verzeihen.





DURRËS, FREITAG, 13. JULI 1973



EINE FORMALE DELEGATION

Ich empfing in Durrës die chinesische Armeedelegation, die anlässlich des 30. Gründungstags unserer Volksarmee zu uns gekommen ist. Sie wird morgen wieder abreisen.

Ich fragte den Leiter der Delegation nach dem Verlauf seiner Reise durch Albanien, auch wenn sie nur kurz war und mit dem Flugzeug stattfand, nach seinem Eindruck von unserer Armee und den Menschen aus dem Volk, mit denen er Kontakt hatte. Natürlich

sagte er nichts, sieht man von ein paar hinreichend bekannten Formeln ab, wie sie noch jeder Chinese verwandte, den wir getroffen haben. Es ist ziemlich mühsam, sich mit den Mitgliedern solcher

Delegationen zu unterhalten, bei denen man keinerlei Resonanz findet, die nicht antworten, wenn sie etwas gefragt werden. Jede Meinungsäußerung, jedes Gespräch, das man zu führen versucht, stösst auf eine (scheinbar) unüberwindliche Mauer. Es ist keinerlei Reaktion festzustellen, man erhält keine vernünftige Antwort, nichts als stereotype, blutleere Formeln.

So ging es mir auch mit dem Leiter dieser chinesischen Delegation. Ich fing ein Gespräch über Wirtschaftsfragen an, um dann auf andere Probleme zu sprechen zu kommen, auf militärische und politische Fragen. Mir fiel auf, dass der Leiter der Delegation die Decke, die Bilder und die Wände betrachtete, während ich sprach. Also schlug ich eine andere Taktik ein, um ihn anzustacheln: mitten im Sprechen hielt ich ein und fragte ihn nach seiner Meinung, wie China dieses oder jenes Problem beurteilt. Mehrmals betonte ich: «Wir freuen uns, wenn hohe Delegationen kommen, weil wir dann Meinungen über kapitale Probleme von beiderseitigem Interesse austauschen können.» Doch Schu Yi liess sich nicht aus seinem Schweigen locken.

Trotzdem sagte ich ihm meine Meinung zu vielen Problemen, und die Mitglieder chinesischen Delegation machten sich Notizen. Sollen diejenigen, die diese Notizen lesen, wenigstens, wenn sie wollen, den Schluss ziehen, dass es absolut sinnlos ist, dergleichen formale Delegationen ohne jede Persönlichkeit (denn sie schweigen) zu schicken. Selbst das, was sie in die Gästebücher der Museen eintragen werden, die sie bei uns besuchen sollten, brachten sie abgezählt aus Peking mit. Das ist ungeniessbar !

Als ich fertig war, begann der Delegationsleiter Formeln herzusagen. Er sagte, diesen Sommer wollten sie ihren Parteitag abhalten und hätten beschlossen, keine Vertreter der Bruderparteien einzuladen. Ich antwortete ihm, das sei ihre Sache, wir bedauerten aber, an ihrem Parteitag nicht teilnehmen zu können, auf dem sicherlich auch Mao sprechen werde. Keinerlei Reaktion. Danach sprach er vom «grossen Sieg» des vietnamesischen Volkes und so fort. Ich unterbrach seinen Redefluss und sagte, dies sei kein grosser Sieg, solange Thieu noch in Saigon sitzt, Macht hat usw. Das machte nicht den geringsten Eindruck auf ihn, rief keinerlei Reaktion hervor. Oder sagen wir eher, seine Haltung sollte zum Ausdruck bringen: «Ich bin gekommen, um unsere Formeln aufzusagen und nicht mehr.» Über Kambodscha sagte er kein Wort, doch ich sprach darüber.

Schließlich kam er mit der «zugkräftigen Parole», mit der die Chinesen die Öffnung gegenüber den_ USA zu «begründen» behaupten, dass nämlich die Sowjetunion gefährlicher sei, was die anderen noch nicht erkannt hätten. Ich sagte darauf, das sei nicht sehr stichhaltig, denn jedermann auf der Welt wisse heute, was die Sowjetunion ist. Sie habe sich durch ihr Vorgehen entlarvt und die Sowjets seien genauso gefährlich wie die Amerikaner. Anders ausgedrückt, er wollte uns die Amerikaner als weniger gefährlich präsentieren. Nachdem der Chinese diese Formeln von sich gegeben hatte, blickte er ständig auf die Uhr. Es ging ihm darum, so schnell wie möglich wegzukommen, aus Angst, das Gespräch könne sich noch länger hinziehen. Ich liess ihn jedoch nicht weg und sprach wärmstens mit ihm «ä bâtons rompus» (kam also vom Hundertsten ins Tausendste), bis ich ihn dann endlich entliess und mich, obwohl er sich wie eine Mumie verhalten hatte, herzlich von ihm verabschiedete.





DURRES, SONNTAG, 28. JULI 1973



WARUM SCHIEBEN DIE CHINESEN DIE EINBERUFUNG IHRES PARTEITAGS HINAUS?

Von unserem Botschafter in Peking erhalten wir die Mitteilung, dass die chinesischen Genossen uns in ihrer üblichen Art, d.h. durch die Übersetzer, von wichtigen Beschlüssen ihrer Führung unterrichten.

Vor 6 oder 7 Tagen bekam unser Presseattaché von seinem chinesischen Übersetzer die Auskunft, es gebe aus «Renmin Ribao» nichts Wichtiges zu übersetzen, da «die Führer mit niemand zusammentreffen, weil sie viel Arbeit haben». Wenn man viel Arbeit hat und aus diesem Grund mit niemand zusammentrifft, dann heißt das nicht, dass das Leben auf der Stelle tritt. Vielmehr wollte uns der Chinese anscheinend zu verstehen geben, dass «die Führer auf Sitzungen sind».

Gestern kam der chinesische Übersetzer unserem Genossen wieder mit demselben Lied. Darauf sagte der zu ihm: «Die Führer haben gewiss viel Arbeit, weil sie sich auf den Parteitag vorbereiten.» Der Übersetzer antwortete: «Nein, der Parteitag wird jetzt nicht abgehalten, er wurde auf später verschoben.» Aus diesem Verständigungsmanöver ergibt sich demnach, dass der Parteitag nicht in allernächster Zukunft stattfinden wird. Wann er zusammentreten wird, lässt sich natürlich schwer sagen. Doch auch ob er überhaupt verschoben worden ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Schliesslich kann man sich auf die Aussage eines Übersetzers nicht so einfach verlassen, auch wenn der nur sagt, was man ihm aufgetragen hat!?

Falls der Parteitag verschoben worden ist, aus welchen Gründen? Diese Frage ist wichtig. Technische Gründe lassen sich nicht ausschließen, doch das kann ich mir eigentlich kaum vorstellen. Wenn der Parteitag verschoben wird, so sicherlich aus politischideologischen Gründen. Wie es scheint, konnten sich die chinesischen Führer über große politisch-organisatorische Probleme nicht einig werden. Und davon gibt es unserer Meinung nach nicht nur eines, sondern viele. Die Politik der Kommunistischen Partei Chinas ist, so meinen wir, bei vielen gewichtigen Problemen in der Schwebe und schwingt hin und her wie das Pendel an der Uhr. Wir wollen sehen, warten wir ab.

Innere Probleme gibt es gewiss viele. Andere als die, die in der Kulturrevolution und besonders der «Lin-Biao-Frage» ungelöst geblieben sind, kennen wir ,nicht. Dieses Problem, das habe ich schon in vielen früheren Aufzeichnungen geschrieben, ist kompliziert und mysteriös, doch damit hängen viele andere Parteiprobleme zusammen: die Frage der Reorganisierung der Partei und der Massenorganisationen, die korrekte Entwicklung der Wirtschaft, die, nach Angaben der Chinesen, von Lin Biao sabotiert wurde, sowie die Kaderfrage.

Die Kaderfrage muss ein ;kompliziertes Problem sein, schlagen sich doch darin auch ihre diversen ideologischen Anschauungen nieder. In dieses ganze Durcheinander sind nämlich u.a. Marxistenleninisten, Leute Liu Schao-tschis, Leute mit Ansichten wie Lin Biao und schliesslich auch noch Anhänger der Linie Tschou En-Jais verwickelt. Alle nehmen Mao Tsetungs Linie für sich in Anspruch, einige haben «sich gebessert», einige wurden «rehabilitiert» und ein . paar andere «werden gerade erzogen». Verstehe einer, was da vor sich geht, und das zu einer Zeit, da «die Partei gerade reorganisiert wurde».

Doch wer reorganisierte die Partei? Was für Grundsätze und was für Kriterien wurden dieser Reorganisierung zugrundegelegt? Und waren die, die organisierten, dieser Aufgabe gewachsen, liessen sie sich dabei von marxistisch-leninistischer Rigorosität in den Prinzipien leiten? All diese inneren Probleme müssen nun, bei der Vorbereitung des Parteitags, unweigerlich zum Zusammenprall führen. Diese Probleme müssen richtig gelöst werden, falls nicht festgelegt wurde, dass jeder Parteitag solche Verwirrung und Unklarheit in die Welt zu setzen habe. Es ist durchaus möglich, dass die chinesische Führung das entschieden hat, immerhin schrieb Mao ja in seinem Brief an Djiang Tjing mit Bezug auf Liu Schao-tschis Gruppe, man werde sie hinaussäubern, danach werde man die anderen hinaussäubern, danach die nächsten und so fort. Das hängt natürlich davon ab, was man dort in China unter Säuberung versteht, wie man Säuberungen durchführt, wen man hinwegsäubert und wer bleibt und wer von den «Hinausgesäuberten» nach Abschluss dieses Prozesses wieder in die Partei kommt.

Für uns birgt Chinas Außenpolitik viele dunkle Probleme, die natürlich im Bericht an ihren Parteitag analysiert und bestimmt werden müssen. Doch es ist möglich, dass die chinesischen Genossen diese Probleme, die für uns dunkel sind und zu denen sie unserer Meinung nach eine falsche Haltung einnehmen, für völlig gelöst, ja sogar «richtig gelöst» halten. Wir meinen, dass die chinesischamerikanischen Beziehungen von Anfang an eine falsche Richtung genommen haben und in dieser falschen Richtung weitergehen. Doch was klügelt man mit den Amerikanern aus? Seit ganzen zwei Jahren erfährt man nicht das geringste. Geheimnisumwoben geht Kissinger in China ein und aus, nimmt Kontakt mit Tschou En-lai auf und führt mit ihm vertrauliche Gespräche. Nixon kam und ging, in China herrscht überhaupt ein ständiges Kommen und Gehen zahlreicher Delegationen amerikanischer Senatoren, Bankiers, Wissenschaftler, Touristen, Fußballspieler, Künstler und Spione aller Art. Was tun sie alle?! Was sagen sie?! Was kommt bei diesem Schacher heraus?! Darüber ist absolut nichts zu erfahren! Über alles wissen nur Tschou En-lai und seine Vertrauten Bescheid. Und Nixon natürlich auch. Die Welt erfährt nur, dass sie nach China kommen, auf Banketten begrüsst werden und wieder gehen. Ein grosses, ekelhaftes, verdächtiges, verwerfliches Geheimnis der Chinesen. Jeder hat das Recht zu fragen: «Was wird da hinter dem Rücken der Menschheit ausgeheckt?» Wenn sich Breschnew und Nixon treffen, fassen sie sicherlich auch Geheimbeschlüsse, mindestens einige Ergebnisse werden aber veröffentlicht. Nichts davon 'bei den Chinesen. Was brachte den Chinesen diese ganze heimlichtuerische Politik? Vor der Öffentlichkeit nichts Gutes, nur grossen Schaden. Die Welt überlegt: Was ist nur dieses China?! Was tut es da?! Welche Linie, welche Ziele verfolgt es?!

Ob die chinesischen Genossen diese Ziele und diese Ergebnisse wohl auf ihrem Parteitag erläutern? Möglicherweise zermartern wir uns unnötig den Kopf, während die Chinesen diese Frage mit Leichtigkeit «lösen»: entweder stellen sie die Sache auf dem Parteitag als eine Lustpartie hin, oder sie sagen gar nichts. Diese Lösung mag verwunderlich erscheinen, doch bei den chinesischen Genossen gibt es nichts, was einen verwundern dürfte. Sie mögen vor ihrem Parteitag und der Welt verkünden: «Heute ist es nicht nötig, irgend etwas zu erklären. Morgen, da werdet ih'r Augen machen! Vertraut auf uns, denn wir irren uns nie, wir weichen niemals von der Linie ab. Lasst uns in Ruhe im geheimen wirken, wird doch aus der Finsternis ein Strahlen dringen, das die Welt blendet.»!

Noch vor dem Parteitag werden die Chinesen Kissinger empfangen. Er hat erklärt, er werde mit den Chinesen über viele (natürlich geheimnisvolle) Dinge sprechen, unter anderem über die Kambodschafrage. Kaum hat der Amerikaner Kissinger dies erklärt, macht sich Sihanouk, sicherlich als Zeichen des Protests, nach Korea auf. Und damit hat er ganz recht. Auf der einen Seite wird Kambodscha von den Amerikanern bombardiert, auf der anderen Seite führt China Geheimgespräche mit den Vereinigten Staaten von Amerika! Wie werden sie das dem Parteitag beibringen? Wie werden sie dem Parteitag den «grossen Frieden in Vietnam» erklären, wenn sie gleichzeitig sagen, Le Duan sei ein Revisionist, ein treuer Verbündeter der Sowjetunion und ein heute verborgener Kollaborateur, morgen aber offener Verbündeter der Amerikaner und des Westens, die ihm Kredite geben werden?

Ob sie wohl all dies dem Parteitag sagen werden?! Sind vielleicht diese und viele andere. ähnliche Probleme zum Hindernis geworden, und sie mussten den Parteitag verschieben? Möglich, vielleicht aber auch nicht! Warten wir ab, wir werden dann schon sehen!

Behar Shtylla wird als Botschafter nach China gehen. Er trifft gerade seine Vorbereitungen. Wir werden um das Agrément nachsuchen, und falls die Chinesen den Parteitag verschieben, kann er dann so schnell wie möglich aufbrechen.





DURRËS, MITTWOCH, 1. AUGUST 1973



DIE CHINESEN HABEN DIE POLITISCHEN KONTAKTE MIT UNS ABKÜHLEN LASSEN. BEMÚHEN WIR UNS, DAS EIS ZU BRECHEN

Ich habe Mehmet gegenüber die Meinung geäußert, es sei nun an der Zeit, dass eine Delegation unter seiner Leitung zu einem Freundschaftsbesuch nach China fährt, vielleicht im März oder April kommenden Jahres (wir werden noch sehen und unsere Entscheidung fällen). In China ereigneten sich all diese Dinge, «die Kulturrevolution ging zu Ende», «Lin Biao wurde liquidiert», China öffnete mit seiner Politik den Vereinigten Staaten von Amerika die Tür. Seither haben die Chinesen die politischen Kontakte mit uns abkühlen lassen. Sie unternehmen nicht den geringsten Versuch, mit uns Meinungen über die zahlreichen wichtigen internationalen Probleme auszutauschen. Wir jedenfalls haben nicht versäumt, ihnen unsere Ansichten vorzutragen, sowohl ich als auch andere Kader. Die Chinesen schweigen. Wie weit das geht, zeigt sich nicht nur daran, dass sie in ihrer Presse auf keine unserer Veröffentlichungen eingehen. Nein, sie berichten noch nicht einmal über die Erfolge, die unser Land erzielt hat. Die Vertreter ihrer Nachrichtenagentur, die sie hier bei uns haben, leiten nur kurze Nachrichten im Chronikstil weiter.

Das spiegelt natürlich ihre Neigung wider, die bisherige Politik fortzusetzen. Sie waren nicht zufrieden mit unserer Ansicht über Nixons Chinareise, ganz bestimmt hat sie ihnen nicht gefallen. Doch was hat dieses Treffen mit den Amerikanern schliesslich erbracht? Für uns ist nichts ersichtlich, und sie selbst sagen auch ,nichts. Alles halten sie geheim. Wir haben unsere Kritik intern geübt. Hierbei zeigte sich klar und deutlich, dass wir an unserer Einstellung zu den Vereinigten Staaten von Amerika absolut nichts rührten; unser Kampf gegen sie wird unverändert weitergehen, die Chinesen dagegen schwächten ihren Kampf ab. Vielleicht wollten sie, dass wir ihrem Beispiel folgten, doch das taten und tun wir nicht. Unser Weg ist richtig. Jedenfalls müssen wir uns trotz all unserer Widersprüche in diesen Problemen bemühen, das Eis zu brechen, das sich nicht durch unsere Schuld gebildet hat. Das liegt im Interesse unseres Landes, Chinas und der Revolution.

Zudem müssen wir durch Kontakte zu den führenden chinesischen Genossen erfahren, wie es wirklich um die innere Lage in China bestellt ist, wie es wirklich mit der Partei, der Politik, der Wirtschaft aussieht. Wir brauchen ein 'klareres Bild von der chinesischen Politik gegenüber der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten von Amerika usw. Wir müssen außerdem wissen, wie die chinesischen Genossen die künftige Entwicklung und die Vorgänge in der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung beurteilen.

Unsere Delegation wird natürlich erst nach dem Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas und der Tagung des Volkskongresses fahren. Dann wird vieles geschehen, viele Fragen entschieden sein. So können dann unsere Kontakte mit ihnen mehr erbringen.

Bei dieser Gelegenheit sollte unsere Delegation auch nach Korea, Vietnam und Pakistan fahren. So nehmen wir Kontakt mit den Freunden auf, was uns nach innen und außen Vorteile bringt. Mehmet war vollkommen einverstanden.





DURRRS, DIENSTAG, 21. AUGUST 1973



DIE TAKTIK DER VIELEN LINIEN IN CHINA - EINE PRAXIS, DIE ZUM PRINZIP ERHOBEN WURDE

Auch weiterhin ist von China international nichts zu hören. Jeder Staat hat seine Ruheperioden, doch der Urlaub der Chinesen von der internationalen Politik dauert nun schon sehr lange, während die anderen Grossmächte der Welt ihre Anstrengungen und Intrigen fortsetzen. Die Sowjetrevisionisten und ihre Satelliten starten täglich Angriffe auf China und bezichtigen es der Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Imperialismus, des Antimarxismus und der Spaltung des sogenannten sozialistischen Lagers. China reagiert nicht auf diese Angriffe. Die antichinesische Propaganda der Sowjets nimmt konkrete Formen an, und es ist vorauszusehen, dass sich dieser Prozess vertieft. Die Sowjets bereiten sich darauf vor, auf der Konferenz der «Blockfreien» in Algier durch Fidel Castro aktiv zu werden, der von ihnen täglich mindestens anderthalb Millionen Dollar erhält. In den letzten Monaten griff Rauschebärtchen Castro, ohne sie 'beim Namen zu nennen, China und Albanien an. Ihm zufolge ist die Sowjetunion ein wahrhaft sozialistisches Land und gehört zur «dritten Welt». Solche Thesen wird dieses Grammophon der Sowjets auch in Algerien vortragen.

«Die Sowjets Teil der dritten Welt»!! Warum auch nicht! Tschou En-lai hat diese These ebenfalls aufgestellt, für China. Also los, Leute, hinein in diese «dritte Welt», so schnell ihr nur könnt! Doch wer bleibt dann übrig für die «zweite Welt»? Und wer gehört zur ersten? Man kann auch noch eine vierte und eine fünfte aufmachen, damit sich vollends niemand mehr auskennt! Der Zweck des ganzen: sich unter allen Umständen zu tarnen.

Zu diesen ganzen regen antichinesischen politischen Umtrieben schweigt China. Ein chinesischer Botschafter sagte zu einem unserer Botschafter: «Auch wir sind dabei, eine politische Offensive gegen die Sowjets vorzubereiten, und zwar in der Frage der sowjetisch-chinesischen Grenzen.» Wie viel ist daran wahr? Jedenfalls ist es bedauerlich.

Nixon und die Vereinigten Staaten von Amerika stecken tief in einem schmutzigen Skandal, in einer schweren Krise. Die Sowjets reichen Nixon die Hand, um ihm aus diesem Morast herauszuhelfen. Und die Chinesen, was tun sie? Sie schweigen! Über nichts, was in den Vereinigten Staaten von Amerika vor sich geht, wird in den chinesischen Zeitungen berichtet. Dort lässt man typisch chinesisches «Feingefühl» walten, um die Eier der Glucken Tschou, Kissinger und Nixon nicht zu zerbrechen. Die chinesischen Zeitungen machen Propaganda für das Aus und Ein amerikanischer Delegationen in China, für die Mittag- und Abendessen, die ihnen zu Ehren gegeben werden.

Kissinger hatte angekündigt, er wolle am 15. August nach Peking kommen, um die Kambodschafrage zu «regeln», doch er fuhr nicht, weil Sihanouk sich verdrückt hatte, nach Korea abgereist war, um mit ihm nicht über dieses Problem verhandeln zu müssen. Seine Pläne wurden durchkreuzt.

Die Chinesen haben uns offiziell mitgeteilt, sie wollten im August oder Anfang September ihren Parteitag abhalten und außerdem den Nationalen Volkskongress einberufen. Möglich, dass sie es tun werden! Doch bis jetzt gibt es dafür noch keine Anzeichen, der August ist fast vorbei und der Herbst rückt heran. Man spricht davon (doch das ist Diplomatengerede), das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas sei zusammengetreten und man habe sich über die Einberufung des Parteitags nicht einigen können: «Djiang Tjing und Yao Wen-yüan stehen in Opposition zu Tschou En-lai. Der Parteitag wurde verschoben.» Der chinesische Botschafter in Paris teilte unserem Botschafter mit, ,am 11. September werde Pompidou nach Peking reisen. Wenn das stimmt, wird der Parteitag kaum vor den Feiern zum 1. Oktober zusammentreten.

AFP meldete gestern abend, Tschou En-lai habe dieser Tage ein Treffen mit holländischen Parlamentariern gehabt und zu verstehen gegeben, er stelle «die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika nach ihrer Gefährlichkeit auf eine Stufe». Wem soll man da glauben? Wir wollen wünschen, dass es so ist. Wenn nun in dieser Äußerung auch nur ein Quäntchen Wahrheit steckt, dann ist auf den geheimnisvollen Sitzungen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei China etwas passiert! Die eine Linie muss zeitweilig die Oberhand über die andere behalten haben! Die Taktik der zwei oder vielen Linien ist in der Kommunistischen Partei Chinas, wie sich zeigt, eine geläufige Praxis, die zum Prinzip erhoben wurde. Diese verschiedenen Linien gibt es zweifellos sowohl unter den Führern als auch unter ihren Anhängern. Alle verschanzen sich hinter Maos Banner. Mao Tsetung «erklärt sich halbherzig» für eine dieser Linien und lässt die Zeit ihre Richtigkeit beweisen». Wenn die Zeit diesen Beweis nicht liefert, wendet er sich der anderen Linie zu, überlässt es aber wieder «der Zeit, den Beweis zu erbringen». Und so geht es dann weiter! Bei jeder Wende gibt Mao irgendeinen «Spruch», irgendein «Zitat» von sich. Und darum kreist dann die chinesische Welt, darüber denken die Menschen nach und jeder nimmt seinen Weg: für die einen ist es der Weg der Macht, für die anderen eine gewisse Zeitlang der der «Umerziehungsschule». Nur Lin Biao wurde «geselbstmordet», als Verschwörer. Die anderen werden rehabilitiert, kommen später in die Partei und an die Staatsmacht und werden dann wieder abgelöst.

Doch sind diese Schlussfolgerungen richtig?! Aus den Fakten, über die wir verfügen, sind kaum andere möglich.

Die chinesischen Genossen wahren tiefes Schweigen, sie sagen nichts und schreiben nichts. Analysen von Problemen und Situationen lassen sich ebenso wenig feststellen wie sichtbare politische Handlungen, die andere Schlüsse zulassen. All die Fakten und Angaben, die wir sorgfältig zusammentragen und sehr wohlwollend und objektiv analysieren, lassen keine anderen, einleuchtenderen Folgerungen zu. Überlassen wir es, wie Mao Tsetung, der Zeit, den Beweis zu liefern.





DURRËS, DONNERSTAG, 23. AUGUST 1973



CHINA DARF EUROPA NICHT VERNACHLÄSSIGEN

Stets waren wir der Meinung (und das haben wir auch Li Hsiän-niän gesagt), dass China international mit einer aktiven Politik auftreten müsste, um seine revolutionären Positionen auf der Welt zu festigen, das Weltproletariat im Kampf gegen das Kapital zu ermutigen, den fortschrittlichen Völkern zu helfen, die dafür kämpfen, die Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität zu gewinnen und zu verteidigen, sich aus den Klauen des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus zu retten. Gegen diese beiden Supermächte, so sagten wir zu Li Hsiän-niän, muss ein gnad endloser Kampf geführt werden, ohne Zugeständnisse in den Prinzipien. Wir müssen die Widersprüche zwischen den beiden vertiefen, ohne uns auf die Seite der einen oder der .anderen zu schlagen. Wir müssen die Situation stets im Zusammenhang mit den wechselnden Umständen auf der Welt analysieren und dürfen in der Taktik unserer Strategie weder zuwiderhandeln noch sie bekämpfen. Unsere große Losung «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!» darf ;keine tote Phrase bleiben.

Wir gaben Li Hsiän-niän außerdem zu Verstehen, dass China Europa vernachlässigt und dies ein großes Problem ist. In Europa prallen die grossen Interessen der Imperialisten und Sozialimperialisten aufeinander, hier haben sie ihre Hochburg, von hier aus sind sie zur Kolonisierung der Welt, zur Unterdrückung der Völker ausgezogen; hier entwickeln sie ihre Theorien, die sie dann über die ganze Welt verbreiten. Damit, so sagten wir zu Li Hsiän-niän, meinen wir nicht, unser intensiver Kampf in allen Teilen der Welt sollte vergessen werden. China muss überall eine entscheidende Rolle für die Revolution spielen, in Asien, Afrika und Lateinamerika, doch Europa darf es niemals vernachlässigen.

Nun hat China begonnen, Interesse an Europa zu zeigen, bedient sich dabei aber nicht immer der richtigen Taktik. Das habe ich schon in früheren Aufzeichnungen festgestellt und möchte es hier nicht wiederholen. Pompidous Chinareise im September spricht für eine gute Taktik der Chinesen. Frankreich will daraus Vorteil ziehen, doch auch China gewinnt, falls es die sich bietende Gelegenheit richtig nutzt.

Warum reist Pompidou nach Peking? Meiner Meinung nach sind zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika ernste, noch aus der Zeit de Gaulles ererbte Widersprüche aufgetreten. Mit Pompidous Machtantritt schienen sie sich abgeschwächt zu haben, verschärften sich aber wieder, weil die Vereinigten Staaten von Amerika Frankreich wirtschaftlich, politisch und militärisch in die Knie zwingen wollen. Der wichtigste Partner der Vereinigten Staaten von Amerika ist die Deutsche Bundesrepublik. Bonn wird nun auch für Frankreich gefährlich. Es gefährdet nicht nur Seine Autorität und seine Wirtschaft, sondern bedroht es auch militärisch. Also erwächst Frankreich neben den Vereinigten Staaten von Amerika auch noch ein anderer ständiger Rivale, der revanchistische deutsche Imperialismus, und zur dritten großen Gefahr für Frankreich wurde die Sowjetunion.

Frankreich erkennt, dass die Verständigung unter den beiden Supermächten besonders auf seine Kosten geht, während Bonn zwischen ihnen steht und an Boden gewinnt. Folglich werden die Vereinigten Staaten von Amerika, die Deutsche Bundesrepublik und die Sowjetunion zu einer Bedrohung für Frankreich. Frankreich seinerseits ist bestrebt, vorzustoßen und diesen mächtigen Block zu spalten, wofür es nun Unterstützung bei China sucht. Deshalb fährt Pompidou nach Peking. Natürlich wird Pompidou an den Fragen ansetzen, bei denen Frankreich gemeinsame Ansichten mit China hat. Diese Fragen könnten sein: Die Einstellung gegen die Zusammenarbeit der beiden Supermächte, mit der sie über die internationalen Probleme und die Einflusssphären auf der Welt entscheiden wollen; der Widerstand gegen die Schachereien der beiden Supermächte um die sogenannte Rüstungsbegrenzung, deren Ziel es ist, das Rüstungsmonopol der beiden Supermächte zu wahren und auszubalancieren und die anderen Länder zu entwaffnen; der Widerstand gegen die Einmischung der beiden Supermächte in die inneren Angelegenheiten der anderen Länder; dar Widerstand gegen ihre Expansion auf Meeren und Ozeanen. Und so fort.

China wird in diesen Punkten sicherlich zustimmen, doch wir wollen sehen, wie es manövrieren wird, um größeren Profit herauszuholen, denn es ist «auf einem Auge blind». Die Sowjetunion misst es mit der kurzen, die Vereinigten Staaten von Amerika und Bonn dagegen mit der langen Elle. Doch bei all dem darf es weder das Proletariat noch die Revolution, noch die Völker Europas vergessen, die gegen das Kapital kämpfen.





SONNTAG, 2. SEPTEMBER 1973



GLÜCKWUNSCHTELEGRAMM ZUM 10. PARTEITAG DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS

Die chinesischen Genossen gaben über Presse und Rundfunk bekannt, dass sie ihren 10. Parteitag abgehalten haben. Den politischen Bericht hielt Tschou En-lai. Außerdem wurde ein zweiter Bericht über das neue Statut der Partei gehalten und das Statut verabschiedet.

Heute habe ich im Namen des Zentralkomitees der PAA und in meinem Namen dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas und Mao Tsetung aus Anlass des 10. Parteitags ein Glückwunschtelegramm geschickt.





SAMSTAG, 8. SEPTEMBER 1973



DER 10. PARTEITAG DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS

Vom 24. bis 28. August 1973 wurde der 10. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas abgehalten.

Zwei Hauptberichte wurden gehalten: einen, den wichtigeren, hielt Tschou En-lai, und den zweiten, über das Parteistatut, Wang Hung-wen. Der Parteitag fand in vollkommener Abgeschlossenheit von der Außenwelt und unter grosser, sozusagen «vorbildlicher» Geheimhaltung statt. Die chinesischen Genossen begründen diese Geheimhaltung mit dem Schutz vor Sabotage der Sowjetrevisionisten. (!) Gut, das ist ihre Sache, doch die Konspiration ging auch nach Abschluss des Parteitags weiter. Das fiel ,genau in die Zeit, da unser Botschafter in Peking, Xhorxhi Robo, Kandidat des ZK der PAA, seine Abschiedsbesuche machte, weil er in seinem Amt abgelöst wird. Obwohl er danach fragte, sagten ihm die Chinesen kein Wort davon, dass der Parteitag stattgefunden hatte und bekanntgegeben werden sollte. Wie dem nun auch sei, das ist nicht so wichtig.

Der 10. Parteitag .billigte die Linde der Kulturrevolution und das allgemeine Vorgehen dabei sowie die Linie des 9. Parteitags. Die Kulturrevolution definierten sie nun richtiger als eine Revolution mit politisch-ideologischem Charakter. So haben wir diese Revolution schon bezeichnet, als in China noch unklare und sehr oft falsche Definitionen gegeben wurden.

Auf dem Parteitag wurde angedeutet, während der Kulturrevolution seien Fehler gemacht worden. Diese Fehler haben wir gesehen, wir haben miteinander darüber diskutiert, haben sie im engen Kreis unserer Führung kritisiert und uns zu Recht gewundert, wie man solche antimarxistischen Fehler zulassen konnte. Wir hatten nur die Pressemeldungen, denn die Chinesen informierten uns nicht, hielten sie dies doch für ihre inneren Probleme. Dennoch glaube ich, dass wir uns im Kern bei der Beurteilung der Fragen nicht geirrt haben. Natürlich können wir uns noch kein gründliches Urteil über diese Probleme in ihrer ganzen Tiefe erlauben, denn die. Chinesen haben bisher die Kulturrevolution, die Ideen, Strömungen und Tendenzen, die hervortraten und aufeinander prallten und im Verlauf dieser Revolution bis zu bewaffneten Auseinandersetzungen führten, noch nicht einer tiefgreifenden Analyse unterzogen. Intern mögen die Chinesen diese Analyse geleistet haben, doch eine öffentliche Analyse gibt es nicht, und über die Verurteilung der Gruppen Liu Shao-tschis sowie Lin Biaos und Tschen Bo-das und deren Gründe hinaus wissen wir nichts.

Der 9. Parteitag wird als Ganzes gebilligt. Lin Biao, so heilstes, habe zu diesem Kongress keinen anderen Beitrag geleistet als die «widerwillige Verlesung» des politischen Berichts. Dieser Bericht sei nämlich von anderen Genossen unter Maos Leitung ausgearbeitet worden, den von Lin Biao und Tschen Bo-da ausgearbeiteten Bericht aber habe man abgelehnt (!).

Der 10. Parteitag verurteilt die «verbrecherische, parteifeindliche» usw. Tätigkeit Lin Biaos und seiner Gruppe. Dieser wird als Agent der Sowjetrevisionisten und Urheber einer Verschwörung zur Ermordung Maos bezeichnet. Diese Gruppe und ihre feindliche Tätigkeit seien «überall erfolgreich und vollständig liquidiert» worden. Diese Gruppe habe «schwer sabotiert». Der Parteitag «billigte vorbehaltlos und einhellig die richtige marxistisch-leninistische Linie des Vorsitzenden Mao» und betonte, man müsse «den Kampf zur Entlarvung des Verräters Lin Biao fortsetzen» und «Lehren aus dem negativen Beispiel ziehen».

Über die Außenpolitik und die Aufgaben der Kommunistischen Partei Chinas äussert sich der 10. Parteitag klar, so scheint uns, und bestimmt richtig die grosse Gefährlichkeit der beiden imperialistischen Supermächte, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika. Er weist auf den «Kampf gegen beide» hin, die «China verspeisen und die Welt und die Völker beherrschen wollen». Ferner heisst es, dass «der proletarische Internationalismus gestärkt und verteidigt werden, die Einheit mit dem Proletariat, den unterdrückten Völkern und Nationen gefestigt werden muss» usw. Gut und im Widerspruch zu einigen früheren Äußerungen ist, dass der 10. Parteitag betont: «Wir müssen uns mit allen wahrhaft marxistisch-leninistischen Parteien und Organisationen der Welt vereinigen und den Kampf gegen den modernen Revisionismus zu Ende führen.»

Unsere Partei hat die Kommunistische Partei Chinas unterstützt und verteidigt, in guten und in schlechten Zeiten. Doch stets hat unsere Partei, ebenfalls auf marxistisch-leninistischem Weg, Kritik geübt, wo sie einige Fragen für nicht richtig erachtet hat. Diese Kritiken und Hinweise erfolgten zur rechten Zeit und unter Einhaltung der Normen.





SONNTAG, 30. SEPTEMBER 1973



BEIM EMPFANG, DEN DER CHINESISCHE BOTSCHAFTER IN TIRANA GAB

Bei dem Empfang, der gestern abend in der chinesischen Botschaft gegeben wurde, beglückwünschte ich den Botschafter herzlich zum Parteitag und seiner Wiederwahl zum Kandidaten des Zentralkomitees. Danach informierte er uns über die Vorbereitung und Durchführung des Parteitags sowie über die Begeisterung, die dieses Ereignis in China ausgelöst hat. Alles, was er uns sagte, wussten wir bereits aus Chinas Presse und Rundfunk. Der Botschafter gab uns eine Nacherzählung von Tschou En-Jais Bericht.

Auf meine Fragen -bezüglich Pompidous Besuch gab er mir keine konkrete Antwort, stimmte aber, nachdem ich mich veranlasst gesehen hatte, unsere Beurteilung der Positionen der französischen Politik darzulegen, unseren Ansichten völlig zu.

Ich fragte ihn nach der Zukunft Kambodschas. Der chinesische Botschafter sagte einigermaßen zurückhaltend : Die Kambodschaner müssten noch kämpfen, sie müssten sich stählen, stärken, noch viele andere Zentren !befreien, ehe sie Pnom Penh einnehmen könnten, denn Lon Nol unterhalte noch eine Armee, die viel grösser sei als die der Front, andere sickerten aus Thailand ein, und die Vereinigten Staaten von Amerika leisteten ihnen weiter Hilfe, usw.

Auf meine Frage hin sagte er: «Die Südvietnamesen erlauben den Transit der Waffen nach Kambodscha, die wir (die Chinesen) ihnen geben.»









1974



DIENSTAG, 2. APRIL 1974



WARUM WOLLEN DIE CHINESEN NICHT, DASS WIR DAS WASSERKRAFTWERK VON FIERZA BAUEN?!

Warum behandelt die chinesische Führung die für uns so bedeutende Frage, die Frage des Wasserkraftwerks von Fierza, auf falsche, man kann sogar sagen feindselige Weise? Mit ihrer Darstellung des Problems geben uns die chinesischen Spezialisten deutlich zu verstehen, man müsse vom Bau dieses Wasserkraftwerks Abstand nehmen. Doch warum? Etwa wegen der «unzureichenden geologischen Untersuchungen»?! Das stimmt nicht! Diese Untersuchungen wurden auch von ihnen durchgeführt und für umfassend gehalten. Dazu wurden gemeinsame Dokumente unterzeichnet. Also?!!

Sollte dies die feindliche Tätigkeit einiger chinesischer Spezialisten sein, die über dies e Frage ihrer Führung falsch Bericht erstattet haben, bis diese dann zu ihnen sagte: «Ihr habt recht, wir müssen eine mögliche Katastrophe vermeiden»? Diese Vermutung hat durchaus Hand und Fuss, denn eben die chinesische stellvertretende Energieministerin vertrat früher schon die These, dass «das Wasserkraftwerk von Vau i Dejës eine Katastrophe wäre». Wir widersprachen ihr, das Wasserkraftwerk wurde gebaut. Tschou En-lai erklärte, die chinesischen Spezialisten hätten unrecht gehabt, die albanischen Spezialisten dagegen recht. Das Wasserkraftwerk von Vau i Dejës steht gut und solide.

Hoffen wir, dass es auch beim Wasserkraftwerk von Fierza so sein wird. Wir wollen sehen, wie man die Darstellung aufnehmen wird, die Rahman Hanku* *( Bauminister) dem chinesischen Energieminister vorlegen wird. Wenn sie auf ihrer falschen Auffassung beharren, werden wir bei höherer Stelle vorsprechen, bis unsere gerechte Sache verwirklicht wird.



Rahman Hanku benachrichtigt uns aus Peking, dass die Führung der chinesischen Spezialisten für das Wasserkraftwerk von Fierza Petrit Radovicka* *( Leiter der Arbeitsgruppe für den Entwurf des Wasserkraftwerks von Fierza.) mitgeteilt hat, dass «die chinesischen Spezialisten nicht von ihrem Standpunkt abrücken». Anders ausgedrückt, das Wasserkraftwerk soll nicht gebaut werden. Radovicka antwortete ihnen, dass auch unsere Spezialisten nicht nachgeben, denn wir haben recht. Rahman wird um ein Treffen mit dem zuständigen chinesischen Minister ersuchen und diesem die Sache entsprechend den Anweisungen darstellen, die wir ihm gegeben haben.







MITTWOCH, 10. APRIL 1974



DER «STURM» UM FIERZA ENDETE MIT DER SCHANDE DER CHINESEN

Der «Sturm», den die chinesischen Genossen um das Wasserkraftwerk von Fierza entfesselten, stellte sich .als «Sturm im Wasserglas» heraus. Die ganze Sache war nur dazu da, eine Situation zu schaffen, in der sie uns sagen konnten: «Übernehmt die Planung des Wasserkraftwerks in eigener Verantwortung, wir werden euch wie schon bisher mit allem helfen.» Die Chinesen fürchteten die Verantwortung. Wir erklärten ihnen, dass wir einverstanden sind, die Verantwortung übernehmen, und damit fielen alle Hindernisse. Ich glaube aber, dass die chinesischen Spezialisten auch von den Jugoslawen beeinflusst worden sind (wie, das wissen wir nicht), die unseren Leuten gegenüber in bezug auf das Wasserkraftwerk von Fierza genau dieselben Fragen aufgeworfen haben, in derselben Form und mit demselben Inhalt. Natürlich wäre es sehr zum Vorteil der Titoisten gewesen, wenn der Bau des Wasserkraftwerks blockiert worden wäre, denn dies hätte politische Schwierigkeiten zwischen China und uns verursacht und uns wirtschaftlich geschadet. Doch alle wurde ausgeräumt. Die Chinesen nahmen die «Schande» auf sich, denn sie haben Angst vor der Verantwortung und haben dies im offiziellen Dokument auch unterschrieben. Das bringen nur sie fertig!!





FREITAG, 24. MAI 1974



FÜR DENG HSIAO-PING WIRD GROSSE REKLAME GEMACHT

Die ausländischen Nachrichtenagenturen sprechen ständig von der «Entfernung» Tschou En-Jais von der Leitung des Staates und seiner Ersetzung durch Deng Hsiao-ping. Dabei stellen sie viele Spekulationen an: er sei «in seiner proamerikanischen Politik gescheitert», es sei «wegen seines Liberalismus und Opportunismus in der Linie» usw. Die bürgerlich-kapitalistischen Nachrichtenagenturen sagen ebenso, an den Mauern einiger Fabriken seien Dazibaos angebracht worden, in denen Tschou En-lai als «Speichellecker der Ausländer» bezeichnet wird. Natürlich. über solche Dinge haben die Feinde des sozialistischen China immer Spekulationen angestellt.

Was geschieht in Wirklichkeit? Soweit wir wissen und nach dem, was uns die chinesischen Genossen gesagt haben, ist Tschou einfach sehr erschöpft von der vielen Arbeit, die er verrichtet hat, insbesondere in Anbetracht seines fortgeschrittenen Alters. Tatsache ist auch, dass er die gesamte Arbeit in den Auslandsbeziehungen monopolisiert hatte, so sehr, dass er keinen Ausländer aus China abreisen liess. ohne sich mit ihm getroffen und mit ihm ,gesprochen, ohne ihn am Flughafen abgeholt und wieder hinbegleitet zu haben, nicht zu vergessen schließlich die Abend- und Mittagessen. Und das gilt für alle Besucher, von den Staatsoberhäuptern bis hin zu den amerikanischen Senatoren, zu Wissenschaftlern, Journalisten und Tischtennisspielern. mit einem Wort. «Krethi und Plethi». Das war nicht n»r übertrieben. sondern auch schädlich für Chinas Ansehen. Daher sagten uns Li Hsiän-niän. Deng Hsiao-ping u.a., es sei der Beschluss gefasst worden, Tschou solle ausruhen und sich von allen protokollarischen Angelegenheiten zurückziehen. Dies setzen sie nun um, und tatsächlich vertritt ihn Deng Hsiao-ping in dieser Hinsicht.

Li Hsiän-niän ließ in einem Gespräch mit Behar im Zusammenhang mit Tschous Erschöpfung auch folgenden Satz fallen: «Wenn die Kader alt werden, machen sie auch ideologische Fehler»! Behar berichtigte ihn und sagte: «Wenn sie alt werden, werden sic körperlich schwächer, nicht aber ideologisch.» Li Hsiän-niän korrigierte die Meinung, die er geäußert hatte, sofort und gab Behar recht. Was wollte er wohl damit sagen?

Die Tatsachenl zeigen, dass Deng Hsiao-piltg gegenwärtig offener gegen die Vereinigten Staaten von Amerika auftritt, in der UNO wie auch anderswo. Die Nachrichtenagenturen meldeten, die Chinesen hätten einen Club geschlossen, den die Amerikaner in Peking für die Kinder von Diplomaten eröffnet hatten, und zudem verlangt, dass die Marineinfanteristen, die die amerikanische Mission bewachen, durch Zivile ersetzt werden. Anscheinend wurden solche Dinge zuvor, zur Zeit des «Honigmonds» mit den Vereinigten Staaten von Amerika, geduldet. Nun, nach der «Erfahrung», gibt es wohl eine «Desillusionierung» in dieser Linie, und man hat sie den Amerikanern gegenüber verschärft. Das gefällt uns. Möglicherweise ist dies ein neuer Umschwung, den sie mit Leuten vollziehen, die wieder ara die Macht gekommen sind, von denen einer Deng Hsiaoping ist. Doch soweit wir dies bis jetzt beurteilen können, ist Tschou ,nicht «kaltgestellt» worden, wie die westlichen Nachrichtenagenturen behaupten. Er ist tatsächlich erschöpft, leitet jedoch, wenn auch in neuen Formen und mit neuen Methoden. Möglich, dass sie ihn auch zum Vorsitzenden des Präsidiums machen, wenn der Volkskongress zusammentritt.

Tatsache ist, dass für Deng Hsiao-ping gegenwärtig grosse Reklame gemacht wird, dass sie für ihn einen Sessel vorbereiten. Gestern übergab der chinesische Botschafter Liu unserem Aussenministerium offiziell eine stattliche Menge von «Reklamefotos», die aus Peking gekommen sind. Sie zeigen, dass Deng nun «triumphiert». Er wird von ihnen vor seinem UNO-Auftritt mit grosstm Pomp verabschiedet und genauso wieder empfangen, man zeigt ihn beim Empfang von Staatsmännern usw. Für Tschou dagegen, ja sogar für Mao, taten sie so etwas in dieser Weise nicht. Der chinesische Botschafter hier wird nicht müde, mit jedem, den er trifft, über Deng zu sprechen und ihn zu preisen. Dies ist eine Direktive und geschieht nicht ohne Absicht. Die werden wir später klarer sehen.





SONNTAG, 26. MAI 1974



DIE CHINESEN VERSCHIEBEN ERNEUT DEN BESUCH UNSERER PARTEI- UND REGIERUNGSDELEGATION

Die Chinesen teilten uns durch Li Hsiän-niän und über Behar mit, sie könnten unsere Partei- und Regierungsdelegation mit Genossen Mehmet an der Spitze im zweiten Halbjahr dieses Jahres nicht empfangen, und verschieben deren Besuch auf das erste Halbjahr 1975. Wir akzeptieren dies natürlich, doch wir an ihrer Stelle würden es nicht tun. Wir äußerten diesen Wunsch vor beinahe einem Jahr und sie vertrösteten uns auf dieses Jahr. Wir ersuchten darum, der Besuch solle im ersten Halbjahr 1974 stattfinden, doch die Chinesen nannten uns das zweite Halbjahr 1974, da ihr Empfangskalender voll sei. Das war möglich und konnte für normal gelten, doch die zweite Verschiebung nun ist nicht normal. Welche Gründe gibt es dafür? Das hat keine Grundlage mehr. Versteh es, wie du willst! Stell tausend Vermutungen an!

In der Substanz sagte uns Li Hsiän-niän folgendes: Versteht uns, wir haben euren Wunsch ganz besonders in Erwägung gezogen, haben ihn ernsthaft studiert. Zieht man die innere und äussere Lage in Betracht, werden wir im nächsten Jahr besser darauf vorbereitet sein, eure Delegation zu empfangen. Im nächsten Jahr werden wir euch besser zufrieden stellen. Gegenwärtig sind wir mit der Kampagne gegen Lin BLao und Konfuzius vollauf beschäftigt, usw.

Diese «Gründe» sind verwunderlich. Das sollen Gründe sein?! Wenn es bei ihnen noch etwas anderes gibt, sei es nun hinsichtlich der inneren oder der äusseren Situation, könnten sie es uns doch sagen. Wir könnten jede Menge Vermutungen anstellen. Doch besser, wir warten ab und sehen weiter.

Zögern sie den Empfang unserer Delegation etwa hinaus, Weil sie Widersprüche zu uns haben?! Widersprüche haben wir und wir werden sie auch nächstes Jahr haben, doch dies sind interne Widersprüche und es gibt keinen Grund, warum sie den Besuch unserer Delegationen verhindern sollten. Diese Widersprüche, die zwischen uns bestehen, sind nicht an die Öffentlichkeit getragen worden, doch die Öffentlichkeit hat ihre eigenen Schlüsse gezogen, etwa aus unserer Einstellung gegen den amerikanischen Imperialismus. Nun erweist das Leben aber, dass die Chinesen mit ihrer Politik der offenen Tür den Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber Enttäuschungen erlitten. Die Amerikaner hätten nach dieser neuen Haltung der Chinesen zu ihnen weiter gehen und ihre Verbindungen zu Taiwan lockern müssen, doch das Gegenteil war der Fall, sie schickten einen neuen Botschafter dorthin, sogar einen ehemaligen Vizeaußenminister. Daher müssen die Chinesen, insoweit sie unsere bisherigen Widersprüche zu ihnen einer Analyse unterziehen, zu dem Schluss kommen (es sei denn, sie wollen nicht), dass wir recht hatten und haben. Daher, so meine ich, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die chinesischen Genossen den Besuch unserer Delegation in China verschoben haben, um uns nicht gegenübertreten zu müssen, denn in diesem Fall hätten sie vor uns Se1bstkritik zu üben.

Wir hatten auch Debatten über technische Fragen der Fertigstellung der Werke, die wir mit Krediten bauen, doch sie wurden in kameradschaftlichen Diskussionen ausgeräumt. Wir haben sie in den Kampagnen gegen die Partei- und Staatsfeinde in China unterstützt. Das räumen sie auch selbst offen ein. Daher gibt es in dieser Beziehung keinerlei Grund, aus dem sich diese Einstellung der chinesisahen Genossen erklären liesse.

Müssen wir uns also innere Gründe «vorstellen»? Was könnten das für Gründe sein? Vermutungen: «Tschou En-lai ist erschöpft», «Tschou En-lai ist krank». Er hat sich zurückgezogen. Doch wie weit hat er sich zurückgezogen und worin?! Gibt es im Zusammenhang mit ihm irgendein politisches Problem? Wird er Ministerpräsident bleiben oder werden sie ihn durch Deng Hsiao-ping ersetzen, den sie gerade hochspielen? Was wird Tschou werden? Möglicherweise auch Präsident der Republik. Dann muss der Volkskongress zusammentreten. Möglich, dass dies der wahre Grund ist. Wir wollen sehen.

Haben sie uns das sagen können? So hätte es sein müssen, doch seit zwei, drei Jahren sagen sie uns immer wieder, «dieses Jahr, nächstes Jahr» werde der Volkskongress zusammentreten, doch dies ist noch immer nicht geschehen. Oder wollen sie es uns vielleicht nicht mehr sagen, weil es nicht ernst ist? Wer weiss, was ihnen noch dazwischenkommt? So war es bei ihnen immer. In ihrer Führung herrschen undurchsichtige Verhältnisse. Was die Leute anbelangt, die die Gäste empfangen und verabschieden, so lässt sich ein grosses Durcheinander feststellen. Oft sieht man bei diesen Empfangs- und Verabschiedungszeremonien Führer, die dort nicht hingehören, und andere, die eigentlich dabei sein sollten, sind nicht zu sehen.





FREITAG, 13. DEZEMBER 1974



CHINA VERFOLGT NICHT DIE POLITIK DER ÌNTERNATIONALISTISCHEN HILFE UNTER SOZIALISTISCHEN LÄNDERN

Die chinesische Regierung hat eine Delegation chinesischer Wirtschaftsfachleute hierher geschickt, um mit unseren Leuten die Forderungen zu studieren, die wir für den kommenden Fünfjahrplan angemeldet haben.

Heute wurde mir über die Rede Bericht erstattet, die der Leiter der chinesischen Delegation hielt, nachdem ihnen unsere Leute ausführlich dargelegt hatten, welche Anforderungen unsererseits für die Objekte bestehen. A. Këllezi erschien mir ziemlich optimistisch, doch ich bin nicht optimistisch und sage auch, warum. Das sagte ich sowohl Mehmet als auch Hysni und den Genossen Sekretären des Zentralkomitees, damit sie unsere Genossen, die mit dieser Arbeit befasst sind, instruieren, vorsichtig zu sein und mit den Chinesen kameradschaftlich zu diskutieren, aber auch gebührend unsere Ansichten zu vertreten.

Was sagte der Chinese, das in unseren Ohren nicht gut klang? Ohne die üblichen Formeln über die Freundschaft begann er seine Ausführungen folgendermaßen : «China ist ein grosses Land mit einer Bevölkerung von über 800 Millionen Menschen, es hat grosse Bedürfnisse, es ist ein Entwicklungsland. China leistet 80 Staaten Hilfe, es hat viele internationale Verpflichtungen. Am meisten Hilfe leistete und leistet es Korea, Vietnam und Albanien. Albanien hat mehr Hilfe erhalten als die beiden anderen befreundeten Länder, gar nicht zu reden von den anderen.» Diese Darstellung des Problems war deutlich.

Er fuhr fort: «Der gegenwärtige Plan enthält rund 20 Objekte, von euch schon begonnen oder auch nicht, die ihr natürlich in den kommenden Plan miteinbeziehen müsst.» Das ist der zweite Hinweis. Er weiss durchaus, dass diese 20 Objekte eben deshalb nicht begonnen wurden, weil die Chinesen uns nicht liefern konnten, was für die Aufnahme und die Fortführung der Arbeit an ihnen benötigt wurde.

Weiter sagte der chinesische Vertreter: «Ihr müsst uns vollständige Angaben machen, damit wir beurteilen können, worauf eure Forderungen aufbauen und wie sie begründet sind.» Und er kam mit Tschou En-lais Auffassungen an: den Arbeitskräften, dem Dorf, der Baukapazität und dieser und jener anderen Einzelheit.

A. Këllezi sagte zu mir, nachdem mir die Rede des Chinesen vorgelesen worden war, dass «wir ihnen alle diese bis ins einzelne gehenden Angaben machen werden». Nein, sagte ich, wir werden ihnen zwar Angaben machen, doch es muss nicht in allen Einzelheiten und nicht über alles sein.

Mehmet und den Genossen Sekretären des Zentralkomitees sagte ich, und sie waren meiner Meinung, dass es «bei den Chinesen, wie ich das sehe, zwei Tendenzen gibt: sämtliche Angaben über unsere Wirtschaft zu erhalten, uns aber nicht zu geben, was wir wollen, uns viele Hinderrisse in den Weg zu legen und wenig zu geben. Deshalb müssen unsere Genossen in beiderlei Hinsicht sehr vorsichtig sein, ihnen nur die Angaben machen, die unbedingt notwendig sind, und von ihnen die Einhaltung aller Verpflichtungen uns gegenüber verlangen, nicht aber viel geben und wenig erhalten».

Wir müssen zwar den chinesischen Genossen, die uns Kredite geben werden, die wir brauchen, um einige Werke zu bauen, Angaben liefern, die unsere Ersuchen fundieren und begründen. Und es ist ihre Sache, wie weit sie die Möglichkeit haben, uns zu helfen. Doch wir haben ihnen in dem Regierungsschreiben, das wir ihnen sandten, unsere Ersuchen, wenn schon nicht vollständig, so doch zum grössten Teil veranschaulicht. Sie hätten von ihrer Seite aus auch anders mit uns reden können, als sie das Gespräch eröffneten. Bisher haben es sämtliche chinesischen Führer niemals versäumt, jedem unserer Leute, der China besuchte, zu erklären (und zwar sogar im Namen Maos und Tschou En-lais): «Wir haben Albanien sehr wenig geholfen, wir werden ihm mehr helfen», usw.

Wir verstehen Chinas Erfordernisse, seine Ausbreitung auf der Welt, die Hilfe, die es erteilt, doch als Marxisten und Internationalisten meinen wir, dass China den bürgerlichen Regierungen (bei denen wir wissen, was sie mit diesen Krediten tun, wer von ihnen profitiert, mit wem diese bürgerlichen Regierungen verbunden sind und wie sie in die versklavenden kapitalistisch-revisionistischen Kredite verstrickt und versunken sind) weniger geben und unsere begründeten Forderungen nicht ablehnen sollte. Die Chinesen sollten auch nicht die ideologischen, politischen und militärischen Positionen unseres vergessen. Deshalb hoffen wir, dass die . Chinesen in diesen Fragen für uns eine richtige Lösung finden werden, im Sine der Politik der internationalistischen Hilfe unter sozialistischen Ländern.







SAMSTAG, 14. DEZEMBER 1974



DIE CHINESEN WOLLEN UNS AUF DEN PULS FÜHLEN

Der chinesische Botschafter in Stockholm erklärt unserem Botschafter, die Chinesen zögerten, an der Zeremonie zur Verleihung des Nobelpreises an den sowjetischen Dissidenten Solschenizyn teilzunehmen. Aber das war nur Geschwätz. Und ob die Chinesen daran teilnahmen! Wir nahmen natürlich nicht teil, und zwar nicht, weil Solschenizyn Chruschtschowgegner ist, sondern weil er Marx, Engels, Lenin, Stalin und den Kommunismus angreift. Das haben wir den Chinesen gesagt, doch für sie reicht es, dass jemand gegen die Sowjets ist, um sofort ihr Amen zu geben. So achten sie Solschenizyn, obwohl er Lenin, Stalin usw. angreift! Schande!

Ebenso sagt der chinesische Botschafter in Belgrad zu unserem Botschafter dort, als er ihn über die Gespräche Yü Dschans in Jugoslawien unterrichtet: «Wir Chinesen haben von den Sowjets gefordert, sie sollten Selbstkritik für Bukarest üben und in der Frage der Grenzen mit China zum Status quo der Zeit Chruschtschows zurückkehren»! Ist es etwa nur die Bukarester Beratung, die die Chinesen von den Sowjets trennt?! Das andere ist für sie anscheinend nicht von Bedeutung. Doch Bukarest war nur der erste Vorgeschmack, den der Chruschtschowismus gab, die ganze Jauchegrube kam erst nach Bukarest. Das heisst, dass die Chinesen bereit sind, sich mit den Sowjetrevisionist zu versöhnen, wenn diese nur sagen, Chruschtschow habe in Bukarest nicht mit kühlem Kopf gehandelt. Erstaunlich, dass die Sowjets das nicht tun?'.

Sine die chinesischen Genossen denn noch bei Sinnen, oder sind das vielleicht nur Äußerungen ihrer Botschafter? Doch es ist kaum möglich, dass die chinesischen Botschafter solche Ungeheuerlichkeiten ohne Direktive von oben von sich geben. Sie wollen uns auf den Puls fühlen, doch die Antwort, die sie erhalten, wird ihnen gewiss zeigen, dass unser Pulsschlag kommunistisch, revolutionär, antirevisionistisch ist wie eh und je.







MONTAG, 23. DEZEMBER 1974



NEIN, IHR CHINESISCHEN GENOSSEN, WIR SIND MIT DEN JUGOSLAWEN NICHT «WIE LIPPEN UND ZÄHNE»

YÜ Dschan, stellvertretender Außenminister Chinas, der als Mitglied der von Yao Wen-yüan geleiteten Delegation zu den Feiern des 30. Jahrestags der Befreiung bei uns war, reiste von hier aus zu einem «Freundschafts-»besuch nach Belgrad. Dort hatte er «herzliche» Treffen und Gespräche, sogar mit dem Ministerpräsidenten.

Nach seiner Rückkehr hatte Yü Dschan in Peking ein Treffen mit unserem Botschafter, Genossen Behar, bei dem er auch auf diese Gaspräche einging. Er sagte: «Die Jugoslawen betrachten die Situation auf der Welt als kompliziert. Die Sowjets üben Druck auf sie aus.» «Die Sowjets organisieren nicht nur die Infoarmbüroleute, sondern auch die Ustaschaleute.» «Die Jugoslawen leisten ihnen Widerstand», usw. In dieser Beziehung bearbeiteten die Jugoslawen die Chinesen tüchtig, und diese «waren zufrieden» mit diesen sowjetisch-jugoslawischen «tiefen Widersprüchen». Dann sprachen sie über die «dritte Welt», zu der die Chinesen gehören, und über die «Welt der Blockfreien», zu der die Jugoslawen gehören. Im Ergebnis «waren die Jugoslawen zufrieden mit den Erklärungen und verstanden nun die chinesische Position in diesem Problem gut»... Weil sie sie vorher nicht verstanden hatten!!!

Sie versäumten dann auch nicht, in diesen Gesprächen auf die Haltung Albaniens zu Jugoslawien einzugehen, wobei der Chinese angeblich unsere Erklärungen benutzte. Und die Titoisten versäumten es nicht, für sie ihren «Weihrauch» zu verströmen: sie wollten «das Beste für Albanien», sie wollten «in Freundschaft» leben, sie öffneten ihre Häfen nicht nur für sowjetische Schiffe, sondern auch für amerikanische, das sei eine ökonomische Frage, während sie in militärischer Hinsicht wachsam seien usw. usf. Und «unser Freund» Yii Dschan erklärte Behar abschließend, er habe den Jugoslawen gesagt, so müsse die Freundschaft zwischen den Jugoslawen und den Albanern sein, denn die beiden seien «wie Lippen und Zähne».

Der «chinesische Papst» segnete die «jugoslawisch-albanische Freundschaft» mit einer niederträchtigen, revisionistischen, konfuzianischen Parabel ab. Selbst wenn man annehmen wollte, er habe das aus Dummheit gesagt oder mitgerissen durch die «Trägheit» des Flusses stereotyper Formeln, die sie verwenden, oder weil er den Jugoslawen zeigen wollte: «Wir [die Chinesen] haben die Finger in dieser Politik und billigen sie, da wir euch für so nahe beisammen und aufeinander angewiesen halten wie Lippen und Zähne» das ist nur schwer zu begreifen.

Welch eine Eselei! Welch eine Niedertracht! Dieses «biblische» Bild des Chinesen soll besagen, dass wir seiner Meinung nach mit den Titoisten ein Kopf, ein Herz, ein Leib sind, dass wir eipe einheitliche Politik verfolgen und dieselbe Ideologie haben! Wie kann man dies Leichtfertigkeit nennen? Wie kann man sagen, ihm sei die Zunge entgleist?! Nicht nur, dass er dies dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Bijedic sagte, der .es freudig billigte und seinerseits diese «Kostbarkeit» aufgriff, Yü Dschan ging auch noch hin und sagte das unserem Botschafter. Natürlich werden wir mit dieser Äußerung und ihrem Sinn niemals einverstanden, sondern dagegen sein, denn die Titoisten sind Feinde, Renegaten, Revisionisten, Agenten der Imperialisten und der Revisionisten.

Sie können uns den Buckel herunterrutschen, Yü Dschan und die Genossen in China, die denken wie er. Wie es scheint, hat der Revisionismus in China tiefe Wurzeln. Anscheinend war dort der grosse Besen nicht am Werk, wie und wo es hätte sein müssen. In China blieb Unrat nicht nur in den Ecken, es gibt ihn auch in hohen Vertrauenspositionen, und er ist vor aller Augen aktiv. Wer weiss, was Yü Dschan sonst noch mit den Jugoslawen besprochen hat, doch es ist eine Tatsache, dass er zufrieden war. Soli er seine Zufriedenheit für sich behalten, wir schlucken sie nicht.

zu Teil 2