Dieser Bericht wurde in dem selben Jahr verfasst, als in der DDR die Arbeiter am 17. Juni auf die Straße gingen. Im Vergleich von Enver Hoxha und Ulbricht wird hier der Gegensatz von Marxismus-Leninismus und Revisionismus sehr deutlich, insbesondere was das Verhältnis zwischen Partei und Massen und die Gewerkschaftsfrage in der Übergangsphase vom Kapitalismus zum Sozialismus anbelangt:



Enver Hoxha

Bericht auf dem 8. Plenum des ZK der PAA

11. Mai 1953

- Enver Hoxha, Ausgewählte Werke, Band II, Seite 294 -



Über die Lage der organisatorischen und politischen Arbeit der Partei und die Maßnahmen zu ihrer weiteren Festigung

VI. Die Arbeit zur Festigung der organisierten Verbindung der Partei mit den Massen

Die Verbindung der Partei mit den Massen und ihre ständige Festigung ist eines der organisatorischen Grundprinzipien der Partei. Lenin und Stalin lehren, dass die kommunistische Partei die Verkörperung der Verbindung des Vorttrupps der Arbeiterklasse mit den Millionenmassen der Werktätigen ist. Die Verbindung mit den Massen, die Festigung dieser Verbindung, die Bereitwilligkeit, auf die Stimmen der Massen zu lauschen, sagt Josef Stalin, darin liegt die Stärke und die Unbesiegbarkeit der bolschewistischen Führung.



1.

Die Arbeit der Partei im

Gewerkschaftsverband

Angeleitet von den Lehren Lenins und Stalins, hat unsere Partei der Festigung der Verbindung mit den breiten Massen der Arbeiterklasse und mit den übrigen werktätigen Massen besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Der Gewerkschaftsverband, die wichtigste Organisation, die die Partei mit der Arbeiterklasse verbindet, umfasst 82 Prozent der Gesamtzahl der Arbeiter und Angestellten der Republik

Unter der Leitung der Partei hat der Gewerkschaftsverband seine Arbeit von Jahr zu Jahr verbessert. Die Gewerkschaftsorganisation hat sich mehr um die Durchführung und Leitung des sozialistischen Wettbewerbs gekümmert. Die Stoßarbeiterbewegung hat sich erweitert, und die neue Bewegung der Vorhutarbeiter wächst.

Doch die leitenden Organe des Gewerkschaftsverbandes, von den Betriebsgewerkschaftskomitees bis zu den zentralen Verbandskomitees [Diese Komitees wurden 1946 für verschiedene Ressorts gebildet: Bergbau, Landwirtschaft, Bauwesen, Verkehrswesen, Bildung und Verwaltung. Sie existierten bis 1956.] und zum Zentralrat, haben die Arbeit zur Realisierung des Staatsplanes nicht als ihr Hauptproblem betrachtet, sie haben ihr Augenmerk nicht ausreichend auf die Produktion gerichtet, und ihre Arbeit zur kommunistischen Erziehung der Arbeiterklasse weist ernste Schwächen auf...

Bei dem Kampf um die Planerfüllung, besonders unter unseren aktuellen Bedingungen des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus, gibt es, wie der große Lenin lehrt, Reibereien und Konflikte, und wird es sie geben. Hierbei handelt es sich nicht um antagonistische Konflikte und der Kampf zwischen den Arbeitern und der Staatsverwaltung, wie es die Konflikte zwischen den Arbeitern und und den Kapitalisten in den kapitalistischen [und revisionistischen - Anmerkung der Komintern-ML] Ländern sind, die in Streiks münden und das Ziel verfolgen, den bürgerlichen [revisionistischen - Anmerkung der Komintern-ML] Staat zu schwächen und zu stürzen, sondern um eine in der gegenwärtigen Periode unvermeidliche Form des wirtschaftlichen Kampfes und eine Erscheinung des Klassenkampfes, der in dem Kampf der Arbeiter gegen den Bürokratismus un unserer Verwaltung zum Ausdruck kommt, gegen die Fehler und Mängel bei der Arbeit, gegen die ungenügende Fürsorge einiger Betriebsleiter darum, das materielle und kulturelle Leben der Arbeiter ständig zu verbessern. In unserem Fall haben diese Reibereien das Ziel, den Bürokratismus, die Fehler und Mängel bei der Arbeit zu beseitigen, und nicht wie im Kapitalismus [ und Revisionismus – Anmerkung der Komintern-ML], die Staatsmacht zu stürzen., sondern die Macht, die in den Händen der werktätigen Massen, in den Händen des Volkes ist, zu stärken. Diese Reibereien werden durch Übereinkommen gelöst, und wenn sie nicht sofort die erwünschte Lösung finden, wird das Eingreifen der Partei notwendig.

Die Parteiorganisationen und – organe haben das Recht und die Pflicht, in solchen Fällen einzugreifen und die Leiter der Betriebe und Ministerien anzuhalten, dass sie ihren Verpflichtungen gegenüber den Arbeitern strikt nachkommen.

In vielen Fällen werden die Forderungen, Vorschläge und Anregungen der Arbeiter nicht berücksichtigt. Einige Betriebsleiter würgen die Kritik der Massen in verschiedenen Formen ab, indem sie die Kritik von unten nicht ermutigen, Kritiken, die an ihnen geübt werden, zurückweisen oder Kritik offen unterdrücken. Auch wenn manche von ihnen die Arbeiter auffordern, sie wegen ihrer Mängel zu kritisieren, tun sie das nur formal, nicht um die Kritik zu fördern, sondern um sie abzuschwächen...

Die Organisation des Gewerkschaftsverbandes ist schwach. Ihre leitenden Organe, angefangen vom Präsidium des Zentralrates mit Genossen Pilo Peristeri an der Spitze, müssen den Bürokratismus in der Arbeit stärker bekämpfen. Das zeigt sich an ihrer unzureichenden Arbeit zur Realisierung des Plans und an ihrer Losgelöstheit von den Massen. Die lebendige Arbeit mit den Massen geht unter in einer Flut von Schreiben und Beschlüssen, Kritik und Selbstkritik sind schwach ausgebildet, und es gibt Erscheinungen von Schlendrian und Günstlingswirtschaft bei der Arbeit.

Aber die Mängel in der Arbeit des Gewerkschaftsverbandes spiegeln auch wider, dass sich die Parteikomitees, die Grundorganisationen und die Staatsorgane nicht genügend um ihn kümmern und ihn unterschätzen.

Die Parteiorganisationen sorgen nicht dafür, dass in den Betriebsversammlungen der Arbeiter und in den Produktionsversammlungen, die wichtige Formen sind, um die Arbeiter zur Verwaltung der Betriebe zu aktivieren, konkret ökonomische Probleme der Produktion diskutiert, die Mängel und ihre Urheber kritisiert, die Vorschläge der Arbeiter angehört werden usw. 1952 erlitt der Staat durch die Erhöhung der Baukosten für die Erdölraffinerie von Cerrik einen Verlust von 1. 300. ooo Lek, aber kein einziges Mal wurde die Frage der Kosten, der Arbeitsorganisation und der Rationalisierung der Arbeitskräfte in den Produktionsversammlungen aufgeworfen. Auf diese Weise befinden sich die leitenden Organe des Gewerkschaftsverbandes im Nachtrab. Die Parteigrundorganisationen in den Betrieben überprüfen ständig die Probleme hinsichtlich des Plans, sie kritisieren die Schwächen und fassen Beschlüsse, um die Arbeit zu verbessern. Aber in den meisten Fällen werden die Arbeiter von diesen Beschlüssen nicht in Kenntnis gesetzt, und es wird nicht die gesamte Belegschaft mobilisiert, um die Beschlüsse der Parteigrundorganisation in die Tat umzusetzen. Eine solche Handlungsweise beeinträchtigt die Verbindung der Partei mit der Arbeiterklasse sehr.

Bekanntlich ist das hauptsächliche Mittel, durch das die Partei den Gewerkschaftsverband leitet, die aktive Mitarbeit der Kommunisdten in dieser Organisation. In dieser Hinsicht jedoch zeigen sich zwei hauptsächliche Schwächen. Erstens erfüllen viele Kommunisten, die in den Organisationen des Gewerkschaftsverbandes arbeiten oder in sie gewählt sind, ihre Aufgaben nicht gut, sie setzen sich nicht aktiv ein, um diese Organisation zu beleben, sie kämpfen nicht ausreichend gegen den Formalismus in der Arbeit. Ja, sie unterschätzen diese Organisation sogar. Das zeigt sich besonders stark bei den Kommunisten, die nicht direkt im Gewerkschaftsverband arbeiten, sondern in seine leitenden Organe gewählt sind oder mit bestimmten Aufgaben als Aktivisten der Organisation betraut sind. Die Kontrolle der Tätigkeit dieser Kommunisten durch die Grundorganisation ist sehr schwach. Zweitens sind in einigen wichtigen Bezirken und in etlichen großen Produktionsstätten Personen mit der Leitung des Gewerkschaftsverbandes betraut worden, die dazu nicht fähig sind.

Einige Parteigrundorganisationen, die sich zu wenig um die leitenden Kader der Gewerkschaftsorganisation kümmern und von den Kommunisten, die in diesen Organisationen wichtige Posten bekleiden, keine Rechenschaft verlangen, tun häufig selbst die Arbeit des Gewerkschaftsverbandes, sie ersetzen ihn, wordurch sie die normalen Arbeitsmethoden verletzen und die Autorität der Gewerkschaftsorganisationen in den Augen der Arbeitermassen untergraben.

Von besonderer Bedeutung in der Tätigkeit des Gewerkschaftsverbandes ist die Erweiterung und Erziehung des parteilosen Aktivs, das hauptsächlich aus den bewusstesten Arbeitern und hervorragenden Technikern und Ingenieuren besteht.

„Das parteilose Aktiv ist folglich“, wie Stalin sagt, „ nicht nur eine Verbindungsbrücke, sondern auch das reichhaltigste Reservoir, aus dem unsere Partei neue Kräfte schöpft“ (J. W. Stalin, Werke Bd. 6, dt. Ausgabe, Seite 272 Verlag Roter Morgen, KPD/ML).

Die Erweiterung und Erziehung des Aktivs im täglichen Arbeitsprozess ist eine der wichtigsten Aufgaben der Parteigrundorganisationen und hängt unmittelbar mit der Festigung der Verbindung der Partei mit der Arbeiterklasse zusammen. In dieser Hinsicht gibt es ernste Mängel. Die Parteigrundorganisation und der Gewerkschaftsverband kümmern sich zu wenig um die Arbeit mit dem Aktiv. Sie aktivieren es nicht und betrauen es nicht mit Aufgaben. Die Kommissionen bei den Gewerkschaftskomitees der Betriebe existieren im Allgemeinen nur der Form nach. Da das Aktiv nicht für die Arbeit mobilisiert wird, wird oft eine Vergrößerung des Personalbestandes verlangt. Man hat noch nicht vollständig begriffen, dass der Großteil der Arbeiten der Organisationen des Gewerkschaftsverbandes von den Aktivisten freiwillig verrichtet werden muss.

Aufgabe der Parteikomitees und der Grundorganisationen ist es, die Unterschätzung des Gewerkschaftsverbandes zu bekämpfen und die Kommunisten dazu zu bringen, dass sie eine gewissenhafte Arbeit leisten, um den Gewerkschaftsverband immer mehr zu festigen. Ferner ist es ihre Aufgabe, die besten und fähigsten Kommunisten zur Wahl in die Leitunge vorzuschlagen. Die Abteilungen des Zentralkomitees, vor allem die für Industrie und Landwirtschaft, für Handel und Kultur und Bildung, müssen sich besonders darum kümmern, den leitenden Organen des Gewerkschaftsverbandes, den Parteikomitees und den Grundorganisationen dabei zu helfen, dass sie ihre Arbeit in dieser Hinsicht radikal verbessern.



Enver Hoxha