ENVER HOXHA











BETRACHTUNGEN UBER

CHINA



II



1973 - 1977



AUS DEM POLITISCHEN

TAGEBUCH

Tirana 1979







1973



MONTAG,



15. JANUAR 1973





EINIGE ANTIMARXISTISCHE ERKLÄRUNGEN

TSCHOU EN-LAIS



In den ersten beiden Januarwochen statteten China unter anderem eine italienische Regierungsdelegation unter Leitung von Aussenminister Medici und eine kongolesische Delegation (aus Zaire) unter Leitung des Präsidenten dieser afrikanischen Republik, General Mobutu, offizielle Besuche ab.

Beide 'Delegationen wurden von Tschou En-lai empfangen, der mit ihnen natürlich über politische und andere Fragen sprach. Er gab Erklärungen ab und bekräftigte einige seiner politischen und ideologischen Ansichten, die, wie ich meine, ihres «spezifischen» Charakters wegen von besonderer Bedeutung sind. Das ist es, was mich dazu veranlasst, diese Anmerkungen zu Papier zu bringen.

Mit dem Italiener Medici hatte Tschou En-lai ein Treffen, bei dem die beiden ihre Meinungen austauschten. In der chinesischen Presse wurde jedoch nichts verlautbart, sieht man von der Meldung ab, das Treffen sei «herzlich» gewesen. Presse, Rundfunk und Fernsehen in Italien dagegen gingen nicht nur ausführlich auf Medicis Reise und seine Gespräche mit Tschou En-lai ein, sondern stellten auch folgende Erklärung Tschou En-lais besonders heraus:

China bejaht die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, bejaht die Schaffung eines «Vereinten Europa», mit dessen Aufbau die Staaten Westeuropas begonnen haben, und heisst sie gut.

Auf dem offiziellen Bankett, das er für Mobutu gab, erklärte Tschou En-lai unter anderem ohne Umschweife: «Trotz aller Unterschiede zu Zaire in der Regierungsform gehört China, wie natürlich auch Zaire, zur dritten Welt...» Das ist eine offizielle Erklärung, die in der chinesischen Presse kam.





Was die Erklärungen Tschou En-Iais gegenüber Medici anbelangt, lässt sich immerhin vermuten, dass die italienische Presse ein Interesse daran hat, sie zu verdrehen und auszuspinnen. Das ist schon möglich, doch solange von China selbst kein offizielles Dementi kommt, muss man annehmen, dass diese Erklärungen abgegeben worden sind. Wir ziehen dabei in Betracht, dass derlei Ansichten über den Gemeinsamen Markt und das «Vereinte Europa» auch von den Botschaftern Chinas in den Ländern Europas unseren Genossen Botschaftern gegenüber geäußert worden sind. Es handelt sich also um eine politische Richtlinie, die aus dem Zentrum, aus Peking kommt, eine Linie und eine Direktive, die vom ZK der Kommunistischen Partei Chinas und der chinesischen Regierung ausgegeben wurde. Und nun wird diese Linie also ohne Zögern in die Praxis umgesetzt. Mit dieser Linie und dieser Orientierung sind wir nicht nur keinesfalls einverstanden, wir sind sogar dagegen, weil sie grundsätzlich und in der Praxis falsch sind, weil sie der marxistisch-leninistischen Linie nicht entsprechen, sondern zuwiderlaufen. Das sind revisionistisch-opportunistische Auffassungen; sie tragen nicht zur Revolution, zum Erwachen und zum revolutionären Kampf der Völker gegen Imperialismus, Kapitalismus und die reaktionäre Bourgeoisie bei.

Machen wir uns das einmal klar: Wie begründen die chinesischen Genossen, besonders Genosse Tschou En-lai, der Vorkämpfer dieser Linie, diese entscheidende politische Haltung in der Linie? Nur mit der «Ausnutzung der Widersprüche zwischen dem amerikanischen Imperialismus und dem sowjetischen Sozialimperialismus»? «Kämpfen wir, um diese Widersprüche zu vertiefen», sagt Tschou En-lai. So weit, so gut. Doch zu wessen Gunsten vertiefen wir diese Widersprüche, gibt es nur sie? Gibt es keine anderen Widersprüche - bekannte und bislang unbekannte, die wir auffinden müssen -, um deren Vertiefung im Interesse der politischen und wirtschaftlichen Freiheit, der Souveränität, der Selbstbestimmung der Völker, im Interesse der Revolution wir kämpfen müssen?

Diese Widersprüche, die es gibt und die sich täglich mehr verschärfen, wer verursacht sie? Wo haben sie ihren Ursprung, sind sie einfach oder komplex? Bestehen sie nur zwischen den beiden Supermächten oder greifen sie weiter, tiefer? Dürfen es sein, dass wir Marxisten-Leninisten unser Interesse allein darauf beschränken, die Widersprüche zwischen dem imperialistischen Amerika und der revisionistischen Sowjetunion zu vertiefen? Dürfen wir darüber die Widersprüche vergessen, die zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und ihren «Verbündeten», zwischen der revisionistischen Sowjetunion und deren «Verbündeten», zwischen diesen beiden Supermächten und den Staaten der «dritten Welt», die zu ihrer Einflusssphäre gehören, bestehen und die vertieft werden müssen?

Dürfen wir die grosse Sache der Klasse, den Kampf des Proletariats vergessen, das heisst, die Lösung des grossen Widerspruchs zwischen dem Proletariat und der kapitalistischen Bourgeoisie, zwischen dem Kapital und dem Proletariat, zwischen dem Proletariat und dem Volk einerseits und der kapitalistischen Oligarchie und ihrer Staatsmacht andererseits? Dürfen wir vergessen, dass die Staatsmacht der Bourgeoisie im Kampf zerschlagen, dass an ihrer Stelle die Diktatur des Proletariats errichtet werden muss, um die bürgerliche kapitalistische Ordnung durch die sozialistische Ordnung zu ersetzen?

Wenn wir dies vernachlässigen und vergessen, oder wenn wir mit Formeln Spiegelfechterei,betreiben, in Wirklichkeit aber anders handeln, dann betrachten, beurteilen und behandeln wir die Dinge nicht wie Marxisten.

Nehmen wir uns eine Frage nach der andern vor. Es bestehen tatsächlich Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, und wir müssen sie vertiefen. Worauf sind diese Widersprüche zurückzuführen, worauf gründen sie? Sie entspringen dem Wesen, den ewigen Zielen des Kapitalismus selbst, der erbarmungsloser Ausbeutung des Proletariats, ~der Versklavung der Völker. Der Imperialismus, das letzte Stadium des Kapitalismus, ist am Verfaulen. Um die Völker geknechtet zu halten, die Revolution zu unterdrücken, die Rivalen, die ihm in der internationalen Arena entgegentreten, zu schlagen, kämpft er mit Blut und Eisen, Politik und Ideologie. Seine entscheidenden Feinde, die ihn schließlich vernichten werden, sind die Völker, ist das Weltproletariat, ist die Revolution.

Die Geschichte beweist, dass die Rivalität zwischen den kapitalistischen Gruppierungen eines Landes und den kapitalistischen

Gruppierungen eines anderen Landes oder zwischen Kapitalistengruppen einiger Länder und Kapitalistengruppen einiger anderer Länder um die Beherrschung der Welt, um die Schaffung und Erweiterung ihrer Kolonialreiche, um die Aufteilung der Einflusszonen und Märkte Konflikte heraufbeschworen und die Welt in blutige Kriege gestürzt hat, die grosse Krisen für die Menschheit waren. Ihr Zweck lag in der Ausbeutung und Unterdrückung der Menschen, der Völker, der schwächeren Staaten durch die stärkeren. Die Demagogie der Kriegstreiber und Sklavenhalter täuschte Menschen und Völker, indem sie ihre gesunden Bestrebungen missbrauchte, und trotzdem konnte nichts ihren Drang nach Freiheit, Unabhängigkeit, Befreiung und Revolution zum Erlöschen bringen. Dieser Drang und diese Bestrebungen gewannen immer mehr an Kraft. Die unterdrückten und ausgebeuteten werktätigen Massen wurden zur entscheidenden Triebkraft des Fortschritts, zum unerbittlichsten Gegner des knechtenden Kapitalismus, des Imperialismus. Die Verwandlung der Sowjetunion in ein kapitalistisches Land konnte genauso wenig wie die Verwandlung einer Reihe volksdemokratischer Länder in bürgerlich kapitalistische Staaten etwas an dieser Entwicklungstendenz ändern. Die Revolution marschiert voran, der Sozialismus beweist unablässig seine Lebenskraft, der amerikanische Imperialismus, Führungsmacht einer Reihe kapitalistischer Staaten, und der sowjetische Sozialimperialismus, Führungsmacht einer Reihe revisionistischer Länder, stecken in einer tiefen politischen, ideologischen, wirtschaftlich-finanziellen, kulturellen und militärischen Krise.

Diese grossen tödlichen Krisen werden dieser verfaulten, untergehenden Welt bereitet durch die Streiks, die Proteste usw., durch die Revolution, die überall brodelt, durch den Befreiungskampf der Völker in all seinen Formen und Stadien, in denen er sich auf der ganzen Welt entwickelt. Dies ist die Grundlage unseres Kampfes gegen den Imperialismus und den Sozialimperialismus, das sind dies entscheidenden Waffen, die wir gebrauchen müssen, um jene zu bezwingen. Im Sinne dieses grossen Ziels müssen wir auf richtige Weise unsere Strategie und Taktik des Kampfes aufbauen. Und auf diese Prinzipien, nicht aber auf Phantasien, auf Abenteuer oder opportunistische Auffassungen müssen wir uns stützen, wenn es darum geht, die Widersprüche zwischen den Feinden zu vertiefen.

Bekanntlich ging der amerikanische Imperialismus aus dem Zweiten Weltkrieg mächtig und mit einem aggressiven Wirtschafts-rund Militärpotential hervor. Er übernahm die Rolle des Weltgendarmen und arbeitete, um all den reaktionären kapitalistischen Kräften in Europa, in Lateinamerika und anderswo wieder auf die Beine zu helfen. Dem amerikanischen Imperialismus standen das grosse Lager des Sozialismus und alle Völker der Welt gegenüber, die nach Befreiung strebten, für Befreiung 'kämpften.

Innerhalb weniger Jahre richteten die Vereinigten Staaten von Amerika das Bonner Deutschland, Italien, die französische und englische kapitalistische Wirtschaft usw. wieder auf, versäumten es aber nicht, dafür zu sorgen, dass bei jeder Veränderung, die in diesen Ländern stattfand, ihre «Ration» gesichert war, ihnen selbst also der Löwenanteil zufiel. Die Vereinigten Staaten von Amerika «erleichterten» diese Länder um ihre Kolonien, die sie mit neuen Methoden zu ihren eigenen machten. Unter dem Vorwand, diese Staaten wiederaufzubauen, festigten die amerikanischen Imperialisten ihre Hegemonie auf der Welt, spannten die «Verbündeten» durch alle möglichen Militär- und Wirtschaftsverträge vor ihren Karren. All dies diente in erster Linie dazu, die amerikanische Hegemonie zu festigen die reaktionäre Bourgeoisie in allen Ländern zu stärken, jede Volksbewegung, jede Bestrebung der Völker in diesen Ländern und auf der Welt zu unterdrücken und einen eisernen Block gegen die sozialistische Sowjetunion, gegen den 'Kommunismus zu schaffen. Weder die sozialistischen Länder noch die Völker der Welt liessen sich jemals durch den kalten Krieg, die einzelnen Aggressionskriege und die Drohung der Vereinigten Staaten von Amerika mit der Atombombe einschüchtern.

Der grosse Verrat der Sowjetrevisionisten schwächte das Lager des Sozialismus, konnte jedoch weder die Weltrevolution an ihrem Vormarsch hindern noch den Sozialismus als sozialökonomische Ordnung, noch die marxistisch-leninistische Ideologie vernichten. Und ebenso wenig konnte er den Wunsch und das Streben der Völker schwächen, für den Sozialismus zu kämpfen. Der Marxismusleninismus ist unsterblich und stets siegreich.

Was aber geschah? Verschwanden etwa die Widersprüche unserer Epoche in ihrer ganzen Vielschichtigkeit durch den Verrat der Sowjetrevisionisten? Keineswegs. Sie nahmen zu. Dies gilt gleichermaßen für die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion wie für ihre Verbündelen, ungeachtet, der Vertrage, der Abkommen, der diplomatischen Übereinkünfte usw. usf. Die Widersprüche, die amerikanischen Imperialisten und die Sowjetrevisionisten untereinander haben, können niemals verschwinden oder sich auch nur verringern, im Gegenteil, sie nehmen zu, werden größer. Ihr Ursprung, ihre Grundlage ist stets das, was ich obere ausgeführt habe. Gegenwärtig befinden sich die beiden Supermächte trotz ihrer Widersprüche im Bündnis miteinander, wenn es darum geht, die wahrhaft sozialistischen Länder, die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, das Streben der Völker nach Freiheit, Selbstbestimmung und Souveränität zu bekämpfen, die gerechten Kämpfe der Völker zu bekämpfen und zu ersticken. In allen diesen Punkten sind sie sich einig. Sie sind also übereingekommen, den Sozialismus und Kommunismus zu bekämpfen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika kämpfen, um ihre Hegemonie auf der Welt zu erhalten; die Sowjetunion kämpft, um ihre Hegemonie zu errichten. Folglich rivalisieren sie bei der Aufteilung die Einflusszonen, rivalisieren sie darum, die Bündnisse dieser beiden Supermächte mit den anderen zu unterminieren. Dies geht ein in das Spiel um Einflusszonen und führt natürlich weiterhin zu neuen Widersprüchen, zu ernsten Reibereien, möglicherweise auch bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Atombombe dient bislang als Abschreckungsfaktor, um den Ausbruch von Konflikten zwischen den beiden Supermächten zu verhindern.

Der .Amerikanischen Imperialismus und seine europäischen Verbündeten wollen die sowjetische imperialistische Macht schwächen und kämpfen darum, diese Schwächung komplett zu machen, damit sie ihre Gefährlichkeit verliert, und zwar nicht nur ideologisch. Vielmehr wollen sie auch wirtschaftlich von sich abhängig machen und ihre aggressive militärische Kraft schwächen, vor der sich die Vereinigten Staaten von Amerika fürchten. Und in dieser Hinsicht sind auch ihre anderen Verbündeten mit ihnen einig. Deshalb streben sie danach, die Abhängigkeit der Länder des Warschauer Vertrags von der Sowjetunion zu beseitigen. Dabei haben sie nicht wenige 7rfolge erzielt, und mit Sicherheit werden weitere dazukommen, denn die Satelliten der Sowjetunion in Europa, von Rumänien bis Polen, haben ein Auge auf die Vereinigten Staaten von Amerika, auf die deutsche Bundesrepublik, auf Frankreich und England geworfen. Schachereien hinter den Kulissen der Geheimdiplomatie sind an der Tagesordnung. Die Imperialisten haben fürchterliche Angst vor den Völkern.

Obwohl wirtschaftlich wieder auf die Beine gekommen, stecken die kapitalistischen Länder Europas in einer schweren Krise, und die Völker, die dort leben, werden von den Oligarchien in ihren Ländern unterdrückt. Überall gibt es Streiks, Demonstrationen, bewaffnete Zusammenstösse bis hin zum Krieg wie in Nordirland. Was zeigt das? Die Fäulnis des Kapitalismus und das Anwachsen der revolutionären Kräfte. Doch in diesen Staaten gibt es nicht nur die Ausbeutung und Unterdrückung durch die einheimische Oligarchie, dort herrscht auch der brutale Stiefel des amerikanischen Imperialismus. In dieser Situation wollen sich auch jene Staaten des amerikanischen Stiefels entledigen. Doch wie? De Gaulles Loslösung von der NATO und die Schaffung einer selbständigen atomaren Schlagkraft durch Frankreich, die Bildung der Europäischen Wirtschaftgemeinschaft, die Idee «Vereinigter Staaten von Europa», die ins Gespräch gebracht worden ist, und das ständige Ringen um ihre Schaffung - all dies dient nicht nur dem Ziel, sich vom amerikanischen Diktat freizumachen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass die Bourgeoisie meint, durch die Vereinigung der Großmonopole dieser Länder lasse sich eine kompakte wirtschaftliche, politische und militärische Macht schaffen, die besser in der Lage ist, die Volksrevolten und Volksrevolutionen zu unterdrücken, die ihr schon jetzt unüberwindliche Schwierigkeiten bereiten, Schwierigkeiten, die sich später infolge der chronischen Krisen noch düsterer darstellen werden. Doch mit all diesen reaktionären Plänen wird sie nichts lösen. Die Oligarchien dieser Staaten wollen die NATO, das heißt die militärische Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika beibehalten, bis sie sich gegen die von der Sowjetunion ausgehende Bedrohung abgesichert haben. Dabei gibt es eine Reihe von Widersprüchen: die Vereinigten Staaten von Amerika wollen die NATO erhalten, möchten aber nicht, dass die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft zu einer Barriere für sie wird und, noch schlimmer, dass die «vereinigten Staaten von Europa» zu einer Großmacht wenden. Welcher der Staaten, die sich in dieser Organisation zusammenschlissen werden, wird dominieren? Frankreich, Westdeutschland oder England? So entstehen neue Rivalitäten, neue «Bündnisse», ständige Streitereien, die wir Marxisten-Leninisten richtig zu analysieren, richtig vorauszusehen haben, zu denen wir eine richtige Haltung einnehmen müssen.

Kommen wir nun auf Tschou En-lais Erklärungen zurück. Um sie besser auszuleuchten, war ich genötigt, diese vielleicht etwas zu ausführlich erscheinenden, aber dennoch nicht erschöpfenden Anmerkungen zu machen.

Die italienische Presse und der italienische Rundfunk äußern sich begeistern über die Haltung der Chinesen, die mit der Stimme Tschou En-lais Europa aufrufen, «in jeder Hinsicht zu seiner Einheit zu finden». Nach Aussage Tschou En-lais (immer auf der Grundlage der Angaben der italienischen Presse), stellt «der Prozess der europäischen Integration ein wesentliches Element auf dem Weg zur wahren Entspannung» dar. Nach Berichten dieser Presse legte Tschou En-lai. Betonung darauf, dass «dieser Prozess notwendigerweise nicht auf den wirtschaftlichen Bereich begrenzt werden» dürfe, sondern «auch das Feld der Politik und der Verteidigung erfassen» müsse. Klarer geht es nicht mehr. Da es nicht dementiert wurde, hat Tschou En-lai es wohl auch gesagt.

Diese Ansichten Tschou En-lai sind antileninistisch und reaktionär, sie widersprechen Lenins bekannten Thesen über das Problem der «Vereinigten Staaten von Europa». So stehen diese Auffassungen Tschou En-lais in einer Reihe mit denen der europäischen Reaktion.

Tschou En-lai tritt für die europäische Integration im Interesse s kosmopolitischen Großkapitals ein, das heisst für seine politische, wirtschaftliche und militärische Herrschaft über die Völker Europas, ist dafür, dass das eherne Gesetz des Kapitals über die Völker Europas regiere. Mit seinen Thesen ignoriert Tschou En-lai (der sich als der Theoretiker der Ausnutzung der Widersprüche gibt) vollständig die grossen und unüberbrückbaren Widersprüche zwischen dem Proletariat und den Völkern Europas auf der einen und den bürgerlich reaktionären Regimen ihrer Länder sowie den kapitalistischen Oligarchien auf der anderen Seite. Darüber hinaus vergisst er auch Widersprüche dieser Oligarchien untereinander. Also ruft Tschou En-lai zur Einstellung des Klassenkampfes auf, ruft er zur europäischen Integration auf, ruft er dazu auf, die Widersprüche des europäischen Kapitalismus nicht zugunsten des Proletariats zu vertiefen. Zu Recht hebt also die reaktionäre Presse Tschou En-lai in den Himmel, und dazu hat sie guten Grund.

Das italienische Proletariat steht beinahe täglich im Streik. Die italienische Bourgeoisie ist bestrebt, dieser Zwickmühle zu entgehen. Italien ist zu einer Basis der Vereinigten Staaten von Amerika gegen das Proletariat geworden, doch der Nutzen bleibt aus. Die italienische Reaktion setzt auf den Polizeiknüppel, vermag aber die Streikwelle nicht aufzuhalten. Die Bourgeoisie kämpft für die europäische Integration, für die Schaffung der «Vereinigten Staaten von Europa», und es lässt sich leicht vorstellen, was sie sich davon verspricht und weich üble Aussichten sich für das Proletariat und die Völker Europas dabei bieten. Und hier kommt nun Tschou En-lai der Bourgeoisie zu Hilfe und empfiehlt den Völkern und dem Proletariat Europas, vertrauensvoll den Führern dieser Bourgeoisie zu folgen, anstatt sie aufzufordern: «Erhebt euch gegen die Klassenfeinde, bereitet ihnen das Grab und stosst sie hinein, wenn ihr nicht wollt, dass sie euch das Grab schaufeln.»

Doch was treibt Tschou En-lai dazu, so offen in Opposition zum Marxismus-Leninismus zu treten? Er geht von einer anderen Idee aus und meint: «Stärken wir diesem reaktionären europäischen Block den Rücken, tritt er doch auf, als sei er gegen den amerikanischen, besonders aber gegen den sowjetischen Block. Auf diese Weise vertiefen wir die Widersprüche zwischen den imperialistischen Blöcken zugunsten des Sozialismus.» Doch es stellt sich die Frage: Zugunsten welches Sozialismus werden denn diese Widersprüche vertieft, wenn man die Arbeiter und die Völker aufruft, sich nicht zu rühren, wie Schafe in den Pferch des kapitalistischen Hirten zu drängen? Der Sozialismus beschränkt sich in diesem Fall allein auf China, das sich von diesen Ideen Tschou En-lais inspirieren lässt.

Tschou En-lai sollte konsequent sein in seinen Auffassungen. Wenn er schon die europäischen Staaten dazu aufruft, sich unter Führung ihrer kapitalistischen Oligarchien zu integrieren, dann muss er auch den Warschauer Vertrag, die Besetzung der Tschechoslowakei gutheissen.

Tschou En-lai verkündet, er sei gegen die sowjetische Hege)nie über diese Staaten, in diesem Fall spricht er sich sogar für

«Desintegration» aus. Hier ist er nicht konsequent. Oder er ist konsequent in dem Sinne, dass sich die Satelliten der Sowjetunion Europa von dieser zu lösen und sich in das andere «vereinte» Europa zu integrieren haben, zu dessen Schaffung nicht nur die europäische Monopolbourgeoisie, sondern auch Tschou En-lai aufruft.

Tschou En-Iai tut nichts dafür, dass sich die Völker zur Revolution erheben. Er tut nichts, um die verschiedenen Glieder der kapitalistischen Kette zu schwächen, er trägt nicht dazu bei, dass die schwächsten Glieder dieser für die Völker so schweren Kette brechen. Stattdessen predigt er zum Nutzen Chinas, ohne es offen auszurechen, die Bildung verschiedener Blöcke, um die Kräfte, nicht auf marxistisch-leninistischem Weg, nicht auf revolutionärem Weg gegeneinander auszubalancieren. Natürlich müssen wir alle zugunsten sozialistischen China kämpfen, doch nur eines sozialistischen China und auf marxistisch-leninistischem Weg.

Tschou En-lai und die chinesische Führung geben an, an beiden Flanken zu kämpfen: sowohl gegen den amerikanischen Imperialismus auch gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Den Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika haben sie allerdings gedrosselt. Und das gerade zu einer Zeit, da diese einen barbarischen Krieg gegen Vietnam führen und ihren Aggressionskrieg anderswo fortsetzen. Gerade zu dieser Zeit behauptet Tschou En-lai: «In den Vereinigten Staaten von Amerika steht die Revolution vor der Tür.» Dem amerikanischen Imperialismus in diesen Krisenmomenten die Hand zu reichen, wie das China tat und tut, ist nicht nur nicht richtig, sondern heisst darüber hinaus, ihm Hilfestellung zu sten. Lässt sich so etwa Tschous These beweisen, dass «all das geschieht, um zum Nutzen des Sozialismus die Widersprüche zwischen den beiden Supermächten zu vertiefen»? Haben Vietnam oder Nahe Osten irgend etwas dabei gewonnen? Wurden die Verbindungen der amerikanischen Imperialisten und der sowjetischen Soldimperialisten durch Chinas Eingehen auf den Nixon-Besuch geschwächt? Nichts davon hat sich bestätigt. Anscheinend ist die chinesische Politik für die Schaffung geschlossener Blöcke, die natürlich in Rivalität miteinander stehen und durch grosse Widersprüche zerfressen werden.

Vor einigen Monaten erklärte Dji Peng-fe, der chinesische Außenminister, annähernd folgendes: «China, Korea, Vietnam, Kambodscha, Laos und die anderen Länder Indochinas sind eine grosse Familie...» usw. Dabei fällt natürlich nicht das Wort «Block», «Lager», «sozialistische Länder», vielmehr riecht es nach «gelber Familie», «asiatischer Gruppierung», riecht es nicht gerade nach Marxismus-Leninismus. Heute rufen sie also zum «Vereinten Europa», zur «grossen Familie», zur «dritten Welt» auf, morgen mögen sie zur Integration der Länder Lateinamerikas oder «der schwarzafrikanischen Völker» aufrufen. Das ist die Tendenz, die sich in der chinesischen Politik bemerkbar macht, und diese Tendenz ist nicht marxistisch-leninistisch, nicht revolutionär. Das bedeutet, die Aufmerksamkeit der Völker vom wahrhaft revolutionären Kampf abzulenken.

Augenfällig antimarxistisch ist Tschous Erklärung auf dem Bankett für Mobutu. Er rechnete China zur «dritten Welt». Das heisst Leugnung des Sozialismus, das heisst, vor den Augen der Welt Chinas wahres Wesen und den Charakter seiner sozialökonomischen Ordnung zu verbergen. Das ist ein opportunistischer und antimarxistischer Standpunkt. Bekanntlich waren es Tito und seine Freunde Sukarno, Nehru und Nasser, die Idee von der «Welt» der angeblich blockfreien Länder aufbrachten, doch sie waren kapitalistische Bourgeois, sie selbst, ihre Staaten und Parteien waren und sind mit den Imperialisten und Sozialimperialisten verbunden. Sicher müssen die sozialistischen Länder zu vielen dieser bürgerlichen Staaten, die von den Chinesen der sogenannten dritten Welt zugerechnet werden, Verbindungen herstellen. 'Sie müssen ihnen in ihrem Kampf gegen den Imperialismus helfen, weil diese Staaten zu ihm tiefe Widersprüche haben. Doch sie dürfen die Eigenart der Politik unserer sozialistischen Ordnung nicht aufweichen, nicht die Tatsache verhüllen, dass wir sozialistische Länder, und dass unsere Parteien marxistisch-leninistische Parteien sind, usw.

Wenn man erklärt, man gehöre zur «dritten Welt», so heisst das, entweder Demagogie zu betreiben und zu versuchen, die anderen zu täuschen, oder aber in Wirklichkeit kein sozialistisches Land zu sein, so wie das titoistische Jugoslawien, sondern ein ganz und gar bürgerlich kapitalistisches Land.

Diese Erklärung bedeutet der Welt: «Sollen die Revisionisten das Banner der 'sozialistischen Länder', des 'sozialistischen Lagers', der 'sozialistischen Gemeinschaft' führen, wir gehören zur 'dritten Welt'.» Nein, diese These ist antimarxistisch. Wir Albaner sind damit nicht einverstanden. Das sozialistische Albanien ist und bleibt sozialistisch, auch wenn es schließlich allein stehen sollte. Wir werden weiter ein sozialistisches Land sein, auch wenn wir nur mehr wie eine kleine Insel auf der Weltkarte sein sollten. Wir werden getreu unserer marxistisch-leninistischen Ideologie zuversichtlich kämpfen, voll Vertrauen in die Revolution, in das Weltproletariat und die Volker, bis der Sozialismus und der Kommunismus auf der ganzen Welt triumphieren.

Wir Marxisten-Leninisten müssen einen Unterschied machen zwischen wesentlichen politischen Veränderungen wahrhaft demokratischen Charakters in einem Land und Veränderungen, die nicht diesen Charakter tragen. Die erste Art von Veränderungen müssen wir unterstützen, nicht aber die zweite. Reaktionäre politische Veränderungen müssen wir sogar bekämpfen.

Politische Veränderungen demokratischen und fortschrittlichen Charakters bedeuten eine Hilfe für die sozialistische Revolution. So können und dürfen wir, die sozialistischen Länder, uns von jenen Ländern und Staaten der sogenannten «dritten Welt» nicht isolieren, können und dürfen wir sie nicht ohne unsere Unterstützung lassen, wenn sie demokratische politische Veränderungen und Reformen durchführen, wenn sie sich im Konflikt und im Kampf mit den Imperialisten, den Sozialimperialisten und den anderen Feinden der Völker befinden. Doch keinesfalls dürfen wir zulassen, dass wir, die sozialistischen Länder, mit ihnen in einen Topf geworfen werden.

Wir sozialistischen Länder wie Albanien und China müssen stets aktiv im Kampf gegen die kapitalistische und sozialimperialistische Welt stehen. Wir haben die Pflicht, durch unser Vorbild und unseren militanten Kampf die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf den richtigen Weg zu bringen. Durch gemeinsame Anstrengungen müssen wir bewirken, dass sie sich zur Revolution gegen die unterdrückerischen und versklavenden kapitalistischen Regime erheben.

Immer mehr wächst in mir die Überzeugung, dass China nicht so vorgeht. Das zeigt sich klar an den beiden Fällen, die ich hier ansprach, doch es gibt auch noch viele andere. General Mobutu und seine Clique sind reaktionär, die Mörder Lumumbas und anderer fortschrittlicher Menschen ihres Landes. China empfängt den Repräsentanten dieser antidemokratischen afrikanischen Clique mit grossen Ehren, und Tschou En-lai erklärt ihm zu Gefallen: «China gehört zur dritten Welt.» Kurz gesagt, er gibt dem kongolesischen Volk zu verstehen: «Ich, China, bin mit Mobutu befreundet, unterstütze ihn, denn er ist ein Demokrat, fortschrittlich», usw., egal, dass Mobutu das Volk und das Proletariat unterdrückt, egal, dass er mitten auf dem Bankett in Peking in Tschous Anwesenheit erklärt: «Wir, die Kongolesen, sind, was wir sind, wir werden bleiben, was wir sind, andere Ideologien wollen wir nicht», usw. usf. Schöne Perspektiven für den Sozialismus im Kongo, falls wir Herrn Mobutu un Teerstützteen!

Die gleiche düstere Perspektive würde ~sich der Revolution und dem Sozialismus bieten, wollten die Marxisten und die sozialistischen Länder (wie das nun China tut) die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die «Vereinigten Staaten von Europa» oder den RGW und die revisionistische Gruppierung der Sowjetunion und ihrer Satellitenländer in Europa unterstützen. Nein, das sozialistische Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens werden niemals diesen falschen, antileninistischen Weg der Chinesen einschlagen. Diese müssen schnellstens von diesem Weg abgehen, sonst wird er sie noch viel weiter führen.

Es ist völlig unvorstellbar, dass die chinesischen Genossen ungewollt und unbewusst in diesen Fehler verfallen sind. Einstweilen führen sie «den Kampf gegen die Sowjetrevisionisten» noch irgendwie, auch wenn klar ist, dass dem keine wirklich marxistisch-leninistische, sondern eine chauvinistische Plattform zugrunde liegt, der ein Geruch von Großmachtpolitik anhaftet. Morgen dagegen stellen sie ihn vielleicht ein, und das ist zu erwarten von Leuten, denen die marxistisch-leninistischen Prinzipien entweder nicht klar sind bzw. denen sie klar sind, die aber ihr Gegenteil verwirklichen wollen.

Die chinesischen Genossen wissen wie wir, dass «der Kapitalismus international und monopolistisch ist». Die kapitalistischen Großmächte, die gestrigen und die heutigen, die imperialistischen und die sozialimperialistischen, haben sich nicht geändert. Sie haben die anderen Völker und Nationen ausgeplündert, unterdrückt, und tun es weiter. Das gilt für die Vereinigten Staaten von Amerika, das gilt für die revisionistische Sowjetunion, das gilt für Japan. Und die französischen, westdeutschen, englischen und italienischen Kapitalisten taten es und versuchen es zu tun. Um es dabei leichter zu haben, schufen die europäischen Kapitalisten die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und arbeiten nun an der Schaffung des «Vereinten Europa». Das sozialistische China unterstützt sie dabei. Es handelt damit entgegen der wirklichen Pflicht eines sozialistischen Staates, entgegen Lenins Auffassung, die so sehr ihren aktuellen Klang bewahrt hat:



«Vom Standpunkt der ökonomischen Bedingungen des Imperialismus, d.h. des Kapitalexports und der Aufteilung der Welt durch die 'fortgeschrittenen' und 'zivilisierten' Kolonialmächte, sind die Vereinigten Staaten von Europa unter kapitalistischen Verhältnissen entweder unmöglich oder reaktionär.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 21, S. 370 (alb. Ausgabe).)

Das ist so klar wie das Wasser einer Bergquelle.

Was macht denn diese Gruppe moderner Kapitalisten? Sie exportiert Kapital und investiert in anderen Ländern, um deren Völker auszubeuten und zu versklaven. Sie sind die Neokolonialisten der Periode nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu ihnen gehören auch die Sowjetrevisionisten. Wir werden Zeuge, wie die imperialistischen und sozialimperialistischen Banditen in anderen Formen einen neuen kolossalen Raub organisieren.

Mit der auch von Tschou En-lai unterstützten Schaffung der «Vereinigten Staaten von Europa» verfolgen die Kapitalisten Westeuropas gegenwärtig keine andere Absicht, als in Ruhe die Frucht des Schweißes und des Bluts des europäischen Proletariats, der europäischen Völker untereinander aufzuteilen. Dieser Aufteilung wollen die Kapitalisten einen «friedlichen» Anstrich geben, indem sie sie mit künstlichen Parolen wie «wissenschaftlich-technische Revolution», «Konsumgesellschaft» u.a.m. «schmücken». Doch diese Aufteilung kann, wie Lenin sagt, auf keiner anderen Grundlage erfolgen als der der Gewalt. Folglich ist auch dieser Staatenblock zur Verteilung von Raubgut eine Quelle imperialistischer Aggressionskriege.

Lenin sagt:



«Unter dem Kapitalismus ist ein gleichmäßiges Wachstum in der ökonomischen Entwicklung einzelner Wirtschaften und einzelner Staaten unmöglich. Unter dem Kapitalismus gibt es keine anderen Mittel, das gestörte Gleichgewicht von Zeit zu Zeit wiederherzustellen, als Krisen in der Industrie und Kriege in der Politik.

Natürlich sind z e i t w e i l i g e Abkommen zwischen den Kapitalisten und zwischen den Mächten möglich. In diesem Sinne sind auch die Vereinigten Staaten von Europa möglich als Abkommen der e u r o p ä i s c h e n Kapitalisten... worüber? Lediglich darüber, wie man gemeinsam den Sozialismus in Europa unterdrücken, gemeinsam die geraubten Kolonien g e g e n Japan und Amerika verteidigen könnte, die durch die jetzige Aufteilung der Kolonien in höchstem Grade benachteiligt und die im letzten halben Jahrhundert unvergleichlich rascher erstarkt sind als das rückständige, monarchistische, von Altersfäulnis befallene Europa.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 21, S. 372 (alb. Ausgabe).)



Das ist sonnenklar, das war gestern aktuell, als es der grosse Lenin sagte, das ist auch heute wahr und aktuell und wird es morgen genauso sein, so lange, bis die kapitalistische Welt zerschlagen und die sozialistische Welt an ihre Stelle getreten ist.







DONNERSTAG,

18. JANUAR 1973





IN CHINA PROPAGIERT MAN DIE RELIGION



Die chinesische Propaganda gibt unverhohlen zu verstehen, dass man in China die Religionen nicht bekämpft. Sie spricht von regbösen Festen, von Ostern und Bairahm, von Messen und Predigten n den Kirchen und Moscheen Pekings. Hsinhua meldete, dass in [er Pekinger Moschee prunkvoll Bairahm gefeiert wurde, und zwar inter Teilnahme aller in China akkreditierten Botschafter mohammedanischer Länder. Man verfolgt weiter die Linie, der Welt zu :eigen, dass China zur «dritten Welt» gehört, dass es die Araber und Mohammedaner und ihre Religion unterstützt! Welch grosse Prinzipienhüter ! ! !







SAMSTAG,

10. FEBRUAR 1973



KISSINGER IN PEKING



In der Geschichte der französischen Könige, genauer: unter der Herrschaft Ludwigs XIII., bediente sich der berühmte Kardinal Armand du Plessis, Richelieu, seines Glaubensbruders - «le père Joseph» -, um diplomatische Geheimgespräche mit anderen Staaten zu führen. Deshalb ist «le père Joseph» in der Geschichte unter dem Spitznamen «éminence grise» oder «die graue Eminenz», der Kardinal der Finsternis bekannt. Er personifiziert die Intrigen hinter den Kulissen, die Geheimdiplomatie.

Heute, gegen Ende des 20. Jahrhunderts, spielt Kissinger in der Diplomatie genau diese teuflische Rolle. Er ist die «éminence grise» des amerikanischen Präsidenten Nixon. Dieser deutsche Diplomat dient (obwohl er Jude ist und Nazideutschland verlassen hat, weil er sich in Gefahr befand) treu dem wildesten Hitlerner, der nach dem Zweiten Weltkrieg an die Macht gekommen ist, dem Präsidenten Nixon, dem Oberhaupt des amerikanischen Imperialismus.

Zur Praxis der Verbindungen und Vereinbarungen des amerikanischen Imperialismus und des Sowjetrevisionismus, dieser beiden imperialistischen Supermächte, gehört auch die Geheimdiplomatie. Das ist begreiflich, das brauchen sie, denn ihre Politik und ihre Taten richten sich gegen die Interessen der Völker der Welt, sind Banditenkomplotte, die im Dunkeln kiengefädelt werden müssen. Sie wollen nicht, dass ihre Pläne und Absprachen zur Aufteilung der Welt und zur Ausbeutung der Völker ans Licht kommen, sie wollen Scherereien, Kopfzerbrechen und Widerstand der Völker vermeiden. Nach Möglichkeit wollen sie auch insgeheim und auf Kosten der anderen die Widersprüche ausräumen, die zwischen ihnen bestehen bzw. auftauchen. Erst wenn sie sich einig geworden sind oder die Widersprüche zwischen ihnen sich als unüberbrückbar erweisen, assen sie etwas von den Manövern erkennen, die sie im Dunkeln betreiben. Diese schmutzige Geheimdiplomatie versuchen die beiden 3upermächte auch den andern aufzuzwingen, die, einmal freiwillig, einmal unfreiwillig, diesen Weg verfolgen.

Aus freien Stücken Geheimdiplomatie zu praktizieren, hat auch das sozialistische China begonnen, besonders mit den Amerikanern, und hierin liegt das Gefährliche. Dies ist eine unrichtige und verwerfliche Praxis. Niemand, sei er nun Chinas Freund oder Feind, weiss, erfährt, was sich zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China abspielt. Insbesondere die Freunde Chinas wissen überhaupt nichts. Kissinger geht in China heimlich und offen aus und ein, doch was gesagt, worüber verhandelt, was beschlossen wird -_ darüber verlautet absolut nichts. Auch vor uns wird alles geheimgehalten. Nixon kam nach China und fuhr wieder ab, doch was gesagt, getan, beschlossen wurde - das alles bleibt für uns im Dunkeln. Und der ganzen Welt setzt man nur abgedroschene Schlagworte der Kommuniqués vor. Leeres Stroh fressen wir freilich nicht. Und vollständig zu Recht meinen wir, und da meinen wir richtig und nicht falsch, dass die Chinesen uns und den andern deshalb nicht sagen, was sie mit den Agenten des amerikanischen Imperialismus besprechen und was für Beschlüsse sie fassen, weil es nicht in ihrem Interesse liegt, da es Dinge sind, über die man nicht spricht, verwerfliche und für die Völker unannehmbare Dinge. Eine andere Erklärung für dieses Vorgehen gibt es nicht.

Sollen die Chinesen nur behaupten, was sie zusammen mit den Amerikanern besprechen und beschließen, diene dazu, die Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion zu vertiefen. Das kann niemand glauben. Auch das Umgekehrte kann der Fall sein, dass nämlich die Vereinigten Staaten von Amerika dies tun, um die Widersprüche zwischen China und der Sowjetunion zu vertiefen. Also sag offen, China Mao Tsetungs, was du tust, damit die Weltöffentlichkeit beurteilen kann, ob du die Widersprüche richtig oder falsch ausnutzt und welchen Preis du für diese Taten zu zahlen hast!

Die chinesische Führung mag sagen, sie könne diese Verhandlungen mit den Amerikanern nicht offen legen, weil sonst die Sowjets von ihrem Inhalt erfahren. Warum sagt man dann nicht unverblümt, dass man mit den Amerikanern dick befreundet ist und so sehr auf sie baut, dass man sich ihnen anvertraut, nicht aber seinen Freunden? Oder sind die Freunde inzwischen nur noch Freunde in Gänsefüßchen und «lästig» geworden? - Doch wenn man sich auf solche Geheimgeschäfte einlässt, gerät man in den Teufelskreis der Intrigen und der Intriganten, ändert man seine Denkart ganz und gar, beurteilt und bewertet man die Völker, ihre Probleme und Sorgen ganz anders.

Die chinesischen Führer mögen sagen: «Wir halten zu den Völkern, wir ändern die Linie nicht, alles, was wir tun, geschieht im Interesse des Sozialismus.» Es ist leicht, mit Schlagworten um sich zu werfen, doch die Geheimdiplomatie geht weiter. Die Chinesen greifen die Sowjets an, die sich insgeheim mit den Amerikanern verständigen. Doch was machen denn die chinesischen Führer selbst? Sie haben genau das Gleiche begonnen und setzen es im Galopp fort. Sie wetteifern mit den Sowjets um die «bonnes gräces»* *( Gunst (frz. im Original).) des Faschisten Nixon. Nixons «Ribbentrop» Kissinger wird in Moskau, in Peking und anderswo erwartet wie der Messias der Juden; man erwartet ihn, damit er das rettende «Manna»* *( Wunderbare Nahrung, die, nach der biblischen Legende, Gott den Hebräern bei ihrer Wüstenwanderung sandte; hier in allegorischer Bedeutung: unerhoffte, wohltätige Gab) bringe, das gnädige Wort der «Gottheit» des Weissen Hauses. Das ist skandalös!

Was mögen die anderen Völker, die gegen den amerikanischen Imperialismus und seine Lakaien kämpfen, denken und sagen, wenn sie gerade die chinesischen Führer solche Dinge machen sehen? Ob ihnen diese schmutzigen Abmachungen in ihrem Kampf wohl helfen? Was sagen wohl die Vietnamesen, die Laoten, die Kambodschaner, die Araber und die Völker ganzer Kontinente, die Revolutionäre, die wahren Marxisten-Leninisten dazu? Sie sagen: Schande! Verrat! Revisionistischer Kompromiss! Verletzung der Prinzipien, die die Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität der Völker schützen!

Es war bis zu einem gewissen Grad verständlich, dass im Zweiten Weltkrieg Präsident Roosevelt, der ein Krüppel war und überdies die Gefahren des Krieges in Rechnung zu stellen hatte, seinen persönlichen Berater Hopkins nach London und Moskau schickte. Doch wenn heute Nixon mit dem «Ribbentrop» Kissinger nach der gleichen Taktik verfährt, geschieht das in bestimmter Absicht. Er möchte bei seinen Schachereien nicht das State Department, das heisst seinen Staat kompromittieren. Statt dessen bedient er sich eines Strohmanns, den er dahin und dorthin schickt, um politisch zu sondieren, als Agent tätig zu sein, die anderen auf die Taschen und den Kopf «zu fühlen». Und falls dieser Abgesandte irgendeinen Fehler macht, lässt er ihn fallen wie eine ausgequetschte Zitrone, um selbst «makellos und sauber» dazustehen. Und all jene, die diesen Herold des Präsidenten empfangen, glauben den Himmel mit Händen zu fassen.

Kissinger reiste zum Satelliten der USA, Thailand. Er gab der Clique dieses Landes alle Garantien, beteuerte «die glänzende Perspektive, die sich Indochina bietet». Von dort aus fuhr er weiter nach Laos, wo er Gespräche führte, intrigierte, Dinge regelte, Versprechungen abgab und erklärte, auch dort werde der Krieg bald beendet werden.

Heute nun kommt der Vertreter Nixons und des amerikanischen Imperialismus, der über Jahre hinweg das heroische Vietnam mordete, verbrannte und zerstörte, nach Hanoi mit dem Ölzweig in der Hand... Nie hat man erlebt, nie hat man gehört, dass die Verbrecher, die in Kämpfen Bezwungenen, von den Siegern als ehrenwerte Männer und Leute empfangen worden wären, die «für den Frieden und das Wohl der Menschheit kämpfen»...

Von Hanoi aus wird der amerikanische Messias nach Peking weiterreisen. Vier oder fünf Tage lang werden sich die Gespräche, die Mittag- und Abendessen mit Tschou En-lai, Dji Peng-fe und möglicherweise auch Mao hinziehen. Alles wird sich unter grösster Geheimhaltung abspielen, als gingen die Fragen, über die sie sprechen werden, nur sie an.

Gleichwohl, die Geheimnisse werden eines Tages enthüllt w erden und « le por aux roses» wird riechen.* *( Topf mit Rosen (frz. im Original), in übertragener Bedeutung: die Schliche werden aufgedeckt werden.)

Doch die Einstellung der Chinesen uns gegenüber ist im vollen Sinne des Wortes unkameradschaftlich, niederträchtig, antimarxistisch. Vor Kissingers Vietnamreise ersuchte unser Botschafter in Peking um ein offizielles Treffen mit Wu Dschang, um über die Ereignisse in Vietnam zu sprechen. Das Treffen wurde ihm nicht ermöglicht, doch ein kleiner Beamter erklärte ihm: «Auch wir wissen nicht, was in Vietnam vorgeht, wir sind dabei, die Verträge zu studieren, zu Schlussfolgerungen sind wir allerdings noch nicht gekommen; wir wissen nicht, warum Kissinger nach Hanoi fährt, Kissinger wird auch nach Peking kommen, wir wissen jedoch nicht, was er u~ns unterbreiten wird. Wir werden nur über unsere Angelegenheiten sprechen und über nichts, was die anderen betrifft. Sie haben uns zur Teilnahme an der Pariser Vietnamkonferenz eingeladen, und wir haben geantwortet, dass wir daran teilnehmen werden, allerdings wissen wir nicht, wann sie zusammentritt und was dort besprochen werden wird», und so fort.

Selbst wenn wir einen gegnerischen Staat gefragt hätten, hätte er uns nicht auf diese Weise geantwortet. Die Fakten bezeugen, dass wir über diese Probleme von anderen, die nicht unsere Freunde sind, ins Bild gesetzt worden sind. Dennoch, auch wenn wir nicht informiert werden, wir haben unsere fünf Sinne beisammen und bilden uns ein Ur teil über die Situation anhand dessen, was geschieht. Doch das Verhalten der Chinesen uns gegenüber belegt, was ich schon oben sagte. Bei ihnen stimmt einiges nicht. Wir werden ohne Schwanken unseren Weg gehen. Mit der Zeit wird sich erweisen, dass wir richtig geurteilt haben. Das chinesisch-amerikanische Bündnis nimmt seinen Lauf. Wir werden sehen, wie weit es gehen wird.



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MONTAG,

19. FEBRUAR 1973





CHINA HAT EINEN KURSWECHSEL HIN ZU DEN VEREINIGTEN

STAATEN VON AMERIKA VOLLZOGEN



Kissinger fuhr von Hanoi nach Peking weiter, wo er sich fünf Tage lang aufhielt. Heute, da ich diese Aufzeichnungen mache, muss er abgereist sein.

Mit Tschou En-lai und Mao wurden lange «herzliche und aufrichtige» Gespräche geführt. Beide Seiten sind zufrieden, und nach Darstellung der ausländischen Nachrichtenagenturen sind die Ergebnisse der Gespräche «vielverheißend und bieten günstige Perspektiven für die Welt».

Doch alles wird absolut geheimgehalten, insbesondere durch China. Und das ist skandalös. Es ist antileninistisch, wenn man mit dem wildesten Feind der Völker, des Sozialismus und Kommunismus verhandelt und aus diesen Verhandlungen und den Beschlüssen, die gefasst worden sind, ein Geheimnis macht. Wenn man vor den Kommunisten, vor seinen Freunden, vor den Völkern geheim hält, worüber der Feind der Kommunisten und der Völker vollkommen im Bilde ist, so bedeutet das in Theorie und Praxis nichts anderes, als mit dem Feind übereinzukommen und diese Übereinkunft zu verbergen, weil man nichts darüber verlauten lassen darf, da sie der öffentlichen Meinung als verwerflich erscheinen müsste. Lenin erlaubte ein solch feindliches und finsteres Vorgehen nicht. Jeder solchen Handlung riss er die Maske herunter.

China hat einen Kurswechsel hin zu den Vereinigten Staaten von Amerika vollzogen. Die Sowjetunion hält es für den Hauptfeind, mit Amerika dagegen lässt es Milde walten. Weshalb? Was hat es für strategische Pläne und Taktiken? Es legt nichts offen, lässt nichts verlauten, gibt nur zu verstehen, es wisse, was es tue, denn es sei ein sozialistisches Land, denn die Kommunistische Partei Chinas sei eine marxistisch-leninistische Partei. Doch die Welt lässt sich nicht mit Formeln abspeisen, sie will Taten, will Beweise sehen, sie will sich selbst ein Urteil bilden über die Haltung, die der eine oder der andere einnimmt. Diese Handlungen im Dunkeln lassen sich nicht so leicht mit der «Ausnutzung der Widersprüche» erklären, wie die Chinesen meinen.

Sollen sie uns einmal konkret sagen, wie sie nun diese Widersprüche zwischen den Amerikanern und den Sowjets ausnutzen. Halten sie uns etwa für so einfältig und naiv, dass wir ihren allgemeinen Formeln blinden Glauben schenken? Warum halten sie ihre Gespräche mit den Amerikanern geheim und lassen nicht zu, dass wir selbst beurteilen, wie und wie weit sie diese Widersprüche ausnutzen? Ziehen etwa nur die Chinesen aus diesen Gesprächen Vorteile? Ziehen die Amerikaner etwa keinen Vorteil aus ihnen?

Es ist üblich geworden zu sagen, man habe «über Probleme im Interesse der beiden Länder gesprochen». Das ist Betrug. Es ist antileninistisch, hinter dem Rücken der Völker mit den Imperialisten zu verhandeln. Wie könnten diese Gespräche die Völker, die Revolution ,nicht interessieren? Wie ist es möglich, dass die Feinde der Völker und der Revolution über diese Gespräche bis in die kleinste Einzelheit im Bilde sind, während die Völker und die Revolutionäre überhaupt nichts darüber wissen?

Nein, ihr chinesischen Genossen, hier ist nur eines zu sagen: Die Geheimgespräche, die ihr «hinter verschlossenen Türen» führt, sind verwerflich, und ihr wisst es, deshalb gebt ihr sie nicht bekannt. Ihr seid mit den Amerikanern in dieser Frage übereingekommen, sie haben euch ihren Willen und ihre Taktik aufgezwungen und ihr seid darauf eingegangen, habt euch gefügt. Also habt ihr, um irgendeines schädlichen, kurzlebigen und für China, den Sozialismus und den Frieden sehr gefährlichen Vorteils willen Zugeständnisse gemacht.







FREITAG,

9. MÄRZ 1973



IN DER FRAGE DER GRENZSTREITIGKEITEN SIND DIE

CHINESEN IN DIE FALLE DER SOWJETS GETAPPT



Die sowjetischen Revisionistoimperialisten haben sich auf dem Weg, den sie gehen, und im sozialchauvinistischen Geist, der sie kennzeichnet, an eine spektakuläre provokatorische Tätigkeit gemacht. Sie schaffen alle alten chinesischen Dorf- und Flussnamen in einigen Regionen Sibiriens ab und ersetzen sie durch neue, russischsowjetische Namen. Zweifellos ist dieses Vorgehen Teil der antichinesischen Kampagne und trägt dazu bei, die Sowjetvölker mit chauvinistischen Parolen gegen China, gegen die von den Chinesen zum Schaden ihres «sozialistischen Vaterlandes» angemeldeten Gebietforderungen aufzubringen. Auf diese Weise, mit diesen Methoden schüren die Sowjetrevisiónisten chauvinistische Gefühle bei den Völkern der Sowjetunion, nach der Parole: «Die Grenzen der Sowjetunion sind in Gefahr, wir müssen sie verteidigen.» Damit begründen sie auch die Konzentrierung einer Million sowjetischer Soldaten in der Mongolei und den anderen an China angrenzenden Gebieten.

China bleibt die Antwort nicht schuldig, doch ich meine, es bedient sich der gleichen chauvinistischen Methoden und fällt so auf die Provokation herein, die die Sowjetrevisionisten ausgeheckt haben. Die Chinesen vertreten die These, diese Regionen, Dörfer und Flüsse, deren Namen die Sowjets nun ändern, seien chinesisch. Diese Gebiete gehörten also zu China, sie seien ihm von den Zarenregimen geraubt worden, und Breschnew und Konsorten wollten diesen Raub festschreiben. Auf diese Art wird der Konflikt verschärft, und zwar ausgehend von ideologisch unrichtigen Motiven, denn auch die Chinesen stellen sich auf chauvinistische Positionen, was wiederum den Revisionisten dienlich ist.

Anstatt von prinzipienfesten ideologischen Positionen aus anzugreifen, um die Sowjetrevisionisten zu entlarven, dafür zu sorgen, dass sich die sowjetischen Völker und das chinesische Volk im Kampf gegen den gemeinsamen Feind näherkommen, geht die chinesische Führung also von chauvinistischen Positionen aus. Sie entzweit daher diese Völker und hetzt sie zum Krieg gegeneinander auf. Und noch schwerwiegender ist, dass die chinesische Presse zur «Untermauerung» der eigenen Thesen Zitate amerikanischer Zeitungen anführt. Welch unverhohlene Schamlosigkeit! Selbst der Vorwand von der «Ausnutzung der Widersprüche» wird nirgendwo aufrechterhalten! Damit wollen die Chinesen den Sowjets sagen: «Die Vereinigten Staaten von Amerika sind auf unserer, nicht auf eurer Seite.»

Haltet euch gut fest, ihr beiden, denn die amerikanischen Imperialisten werden euch bald im Genick sitzen!



DIENSTAG,

13. MÄRZ 1973





DIE CHINESISCHEN «SPEZIALISTEN» BEGEHEN DIESELBEN

PROVOKATIONEN WIE DIE SOWJETREVISIONISTEN



Schon vor geraumer Zeit haben die chinesischen Genossen damit begonnen, die Lieferung von Materialien, Maschinen, Plänen usw. an uns zu verzögern. Diese Nichteinhaltung der Vertage «begründen» sie mit allen möglichen Rechtfertigungen: «Lin Biao hat bei uns alles sabotiert, so dass wir zu tun haben, es wieder in Ordnung zu bringen. Bei vielem von dem, was wir euch liefern wollten, müssen wir noch einmal von vorne anfangen.» «Wir sind technisch zurück, in drei, vier Jahren wird es bei uns gut aussehen, und dann werden wir Albanien mehr helfen, denn bisher haben wir ihm nur wenig geholfen.» «Nach Albanien ist es sehr weit und wir haben nicht genügend Transportkapazitäten.» «China muss Vietnam beim Wiederaufbau helfen, ebenso auch vielen anderen Ländern.» Und so weiter, und so fort.

Die Chinesen antworten auch nicht auf unser Ersuchen, einige unserer Techniker nach China kommen zu lassen, die sich dort um diese Dinge kümmern sollen. Auch der chinesische Botschafter in Tirana antwortet im Zusammenhang mit diesem Problem entweder mit der Standardformel: «Ich habe 'keine Nachricht», oder er wiederholt ständig die immer gleichen Formeln von den «Schwierigkeiten», oder er sagt, dass «sich in China viele chinesische Werktätige um die Probleme Albaniens kümmern», was indirekt heissen soll: «Es ist nicht nötig, eure Spezialisten nach China zu schicken.»

Darüber hinaus greift der chinesische Botschafter nun auch zu neuen Taktiken. Er erklärt unseren Werktätigen: «Ihr habt noch ungenutzte Restkapazitäten.» Dazu führt er dann ein paar Beispiele an, die jeder realen Grundlage entbehren, von ihm aber benutzt werden, um ihre Haltung «zu begründen» und uns zu sagen: «Beschwert euch nicht, wenn das Fehlende nicht rechtzeitig kommt.» Und die chinesischen Spezialisten haben, aufgehetzt, damit begonnen, unsere Leute zu provozieren. Einer von ihnen fragte (natürlich auf Weisung) einen der Unseren: «Hast du etwas dazu zu sagen, dass Kissinger von Mao empfangen worden ist?» Unser Mann darauf «Nein.» «Und was ist deine persönliche Meinung?» fuhr der Chinese fort. Unser Spezialist gab ihm die Antwort: «Der Imperialismus ist unser geschworener Feind, und das wird er bleiben, bis wir ihn vernichtet haben.» Der Chinese sagte: «Deshalb hat Mao wie der Alte im Märchen den Wolf in den Sack gesteckt und diesen zugeschnürt, um den Wolf besser töten zu können.» Unser Spezialist gab keine Antwort mehr, sondern wechselte das Thema. Der Chinese. fuhr fort: «Warum habt ihr Albaner kein Vertrauen in unsere Hilfe?» Unser Mann wies dies kategorisch zurück. Natürlich wollte der Chinese damit indirekt sagen: «Ihr habt kein Vertrauen in unsere (die chinesische) Politick.»

Vorsicht, ihr chinesischen Genossen, so begannen auch die Sowjetrevisionisten gegen uns und den Marxismus-Leninismus vorzugehen! Wir verhalten uns korrekt, sprechen offen, kameradschaftlich mit euch, doch wir beugen uns weder Druck noch Erpressung. Wir sind wachsam!





SAMSTAG,

7. APRIL 1973



WIE WEIT WIRD DIE KÜHLE HALTUNG DER CHINESISCHEN

OFFIZIELLEN UNS GEGENÜBER NOCH GEHEN?



Man kann die Haltung, die die wichtigsten chinesischen Offiziellen besonders in letzter Zeit unserem Land gegenüber einnehmen, gar nicht anders als kühl nennen.

Unser Botschafter in Peking wird über nichts von internationaler oder innerer Bedeutung informiert. Höchstens, dass ihm irgendein Beamter zweiten oder dritten Ranges gelegentlich bei einem Empfang, als Pflichtübung, im Empfangsraum des Flughafens im Vorübergehen etwas von den Ereignissen erzählt, um die alle ausländischen Nachrichtenagenturen vier oder fünf Tage zuvor Spektakel gemacht haben. Nichts aber über Vietnam, Laos, Kambodscha, Korea, über die Sowjetunion oder Chinas Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Geheimnis und Schweigen an der ganzen Front. Von ausländischen Botschaftern in Peking erfahren wir Dinge, die die Chinesen ihnen mitgeteilt haben.

Mao «litt an Rheumatismus» und konnte den Leiter unserer Regierungsdelegation, ein Mitglied des Politbüros, nicht empfangen. Tschou En-lai «war sehr müde» und empfing Reiz Malile deshalb nicht. In Wirklichkeit aber waren beide weder krank noch müde, denn zur gleichen Zeit empfingen der eine wie der andere ausländische Vertreter, gaben Bankette und besuchten englische Ausstellungen. Auch Mao hätte die Pflicht gehabt, im Zeichen der Freundschaft unserer beiden Völker den Leiter der .albanischen Delegation zu empfangen, besonders hätte es aber Tschou En-lai angestanden, im Zuge der Gegenseitigkeit unseren stellvertretenden Aussendminister zu empfangen, hatte doch auch Mehmet den stellvertretenden Aussendminister Chinas empfangen, als dieser unser Land besuchte.

Früher war es vorgekommen, dass Tschou, ja sogar Mao selbst, diesen oder jenen einfachen Beamten aus unserem Land empfingen. Ein Verhalten wie das jetzige muss natürlich unsere Aufmerksamkeit wecken, muss von uns vermerkt werden, um zu sehen, wie weit die Chinesen in dieser Haltung uns gegenüber gehen werden.

Dennoch werden wir kühlen Kopf bewahren. Wir werden weiter gute Freunde und Genossen des chinesischen Volkes und der chinesischen Genossen sein, wenn sie sich zur Partei der Arbeit und unserem Land wie Marxisten-Leninisten verhalten. Dies ist im Interesse beider Seiten, dies ist ein richtiger internationalistischer Kurs.







SONNTAG,

15. APRIL 1973



MAO TSETUNG REHABILITIERT DENG HSIAO-PING





Deng Hsiao-ping hat, versehen mit dem Titel des stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden, erneut die Bühne betreten.

Die vom «grossen Vorsitzenden Mao Tsetung» eingeleitete und geführte «Grosse Proletarische Kulturrevolution» wurde nicht nur ..erfolgreich» abgeschlossen, inzwischen hat man auch begonnen, einen nach dem andern all jene Kader zu rehabilitieren, die von der Kulturrevolution als «Feind und Agent Nr. 2, Nr. 3», und so weiter, als «Konterrevolutionäre, Kuomintangleute» usw., gebrandmarkt worden waren. Natürlich war die Kulturrevolution, die gegen Liu Schao-tschi, Peng Tschen, Deng Hsiao-ping und die andern eingeleitet wurde, mit der Aufdeckung der «von Lin Biao angezettelten Verschwörung» und dessen Tod abgeschlossen. Schließlich traten die Urheber der Kulturrevolution in den Schatten und wurden «reaktiv» (wie Düsenflugzeuge; welche Bedeutung dieser von den Chinesen benutzte Ausdruck hatte, wissen nur sie allein!), während diejenigen, die die Kulturrevolution in den Schatten gerückt und «reaktiv» gemacht hatte, ans Licht traten und auf hohe Posten rückten, wie beispielsweise Deng Hsiao-ping, der stellvertretender Staatsratsvorsitzender wurde! Liu Schao-tschi, Peng Tschen und einige andere Häupter bleiben noch im Schatten. Wie lange noch? Vielleicht bis sie «gebessert worden sind», denn das ist die «unfehlbare Methode» der chinesischen Genossen. Deng Hsiao-ping trat zum ersten Mal beim offiziellen Empfang für Sihanouk anlässlich seiner Rückkehr aus den befreiten Gebieten Kambodschas auf. Er figurierte hinter Li Hsiän-niän und vor Dji Peng-fe. Den Regierungsposten hat er also inzwischen wieder. Später wird er möglicherweise auch den Platz, den er in der Parteiführung innehatte, wieder einnehmen. Das «kleine Goldstück», wie ihn Mao vor der Kulturrevolution nannte, der «Feind Nr. 2 der Kommunistischen Partei Chinas», wie er während der Kulturrevolution genannt wurde, hat sich jetzt, nach der Revolution, «gebessert» und «seine Fehler eingesehen».

Die offizielle Version, die den Botschaftern der sozialistischen Länder, darunter auch unserem Botschafter, mitgeteilt wurde, lautet Folgendehrmassen: «Deng hat zu Beginn der Kulturrevolution schwere Fehler begangen und zusammen mit Liu Schao-tschi die reaktionäre bürgerliche Linie verfolgt.» Mao war selbst dieser Meinung, hat aber angeblich gesagt: «Wir dürfen diese Fehler nicht mit den Fehlern Liu Schao-tschis gleichsetzen.» Und so hat «Freund» Deng, der klug ist und wittert, woher der Wind weht, am 14. August 1972 (nach dem Kissingerbesuch) «dem Vorsitzenden einen Brief geschrieben, in dem er seine Fehler eingesteht, Selbstkritik übt und verspricht, gute Arbeit zu leisten».

Als offizielle Version wurde uns bei dieser Gelegenheit wörtlich mitgeteilt, dass «Vorsitzender Mao eine Notiz geschrieben hat, die ein Dokument mit Direktivencharakter ist. Darin heisst es: 'Zur Kenntnisnahme an den Ministerpräsidenten und Wang Dung-hsing' (Kandidat des Politbüros, der zugleich das Amt des Sekretärs des Politbüros versieht). Deng Hsiao-pings Fehlér sind schwer, doch aus folgenden Gründen darf man ihn nicht auf eine Stufe mit Liu Schaotschi stellen:

1) In den befreiten Gebieten wurde Deng einmal verurteilt, weil er Maos Linie verteidigte, als dieser vom ZK, das heisst von Wang Ming angegriffen wurde.

2) Es gibt bei ihm keine aus der Vergangenheit ererbten Probleme, er hat vor den Feinden nicht kapituliert, hat Verdienste im Kampf, leitete die Delegation in Moskau gegen die Sowjetrevisionisten.

Úber diese Frage habe ich mit euch mehr als einmal gesprochen », heisst es abschließend in der Notiz des Vorsitzenden.

Vorsitzender Mao hat also, wie es scheint, Anweisung gegeben,





Deng Hsia-o-ping zu rehabilitieren, und das Politbüro hat dem, «nach einer Diskussion», natürlich zugestimmt.

Die Person, die uns dies mitteilte, Dji Peng-fe, der Aussendminister Chinas selbst, beschloss die offizielle Version damit, dies sei «die grosse und glänzende Kaderpolitik des Vorsitzenden Mao. Deng Hsiao-ipings Rehabilitierung ist eine grosse Lehre für die Kommunistische Partei Chinas, die vom Marxismus-Leninismus und den weisen Lehren des Vorsitzenden lernen wird». Nicht mehr und nicht weniger, er selbst hatte ihn abgesetzt und er selbst setzte ihn wieder ein.

Zunächst fällt auf, dass der Vorsitzende diese wichtigen Dinge nicht selbst dem Politbüro unterbreitet, sondern sie dessen Mitgliedern durch eine «Notiz mit Direktivencharakter» übermittelt.

Die zweite Sache, die ins Auge sticht, ist der Umstand, dass diese Notiz in erster Linie für den Ministerpräsidenten gedacht ist.

Das Dritte ist, dass Mao in der Notiz sagt: «Über diese Frage habe ich mit euch mehr als einmal gesprochen.» Dies lässt vermuten, dass sie auf den Vorsitzenden nicht zu hören geruhten.

Wer war nicht einverstanden gewesen? Kann .man annehmen, dass Tschou En-lai mit Deng Hsiao-Pings Rehabilitierung nicht einverstanden gewesen ist?! Vielleicht möchte Tschou En-lai selbst Herr und Knute in einem sein. Mao dagegen möchte die beiden Linien in der Partei und muss deshalb für Tschou einen «Konkurrenten» kreieren, stellt das Ultimatum, dem «kleinen Goldstüok» den alten Platz wiederzugeben. Deng Hsiao-ping kommt natürlich mit seinen ganzen Bataillonen und alle nehmen wieder die früheren Funktionen ein. Diese Bataillone, die zu Liu iSchao-tschi gehörten, wurden während der Kulturrevolution erniedrigt, «besserten sich» dann und sind mittlerweile «zu Lämmern geworden». Auf diese Weise nehmen das Chaos und die Anarchie unter dem Banner des «grossen Marxistenleninisten» Mao Tsetung weiter zu. In China sind viele Strömungen an der Macht: Maos Strömung, die Strömungen Tschous, Lius, Wang Mings, Dengs, Lin Biaos, der Kuomintang (und hier wollen wir aufhören, denn das Heft reichte nicht aus, sie alle aufzuzählen). Und das alles soll marxistisch sein?!!!

Die chinesischen Botschafter in den verschiedenen Ländern singen nach einer anderen Melodie: «Es ist nicht Deng Hsiao-ping, der Fehler gemacht hat, Fehler sind vielmehr ihm gegenüber begangen worden. Deng Hsiao-ping ist ein guter und treuer Genosse des Vorsitzenden Mao.»

Doch warum wurde dieser ganze Radau veranstaltet, und was ergibt sich daraus? Ich mag mich täuschen, doch das ist keine ganz einfache Sache. Das ist sicherli.ch eine «Chinesiade» wie all die anderen.

` Der offizielle Sprecher sagt nun, Deng Hsiao-ping sei «entschieden gegen die Sowjetrevisionisten» gewesen! Er mag genauso «entschieden» gewesen sein wie sein Gesinnungsgenosse Liu Schaotschi «entschieden» war, genauso wie auch sein Freund Tschou En-lai vor Beginn der Kulturrevolution «entschieden» war.

Gegenwärtig wird unter Führung Tschou En-lais ein Kurs pro Vereinigte Staaten von Amerik.a verfolgt. Zur Zeit ist China in Washington durch zwei Personen repräsentiert: die eine ist Tschou En-Jais Botschafter, die andere der Vertreter der Nachrichtenagentur Hsinhua. Die Vereinigten Staaten von Amerika manövrieren nach Belieben. Der Vorsitzende betrieb «grosse Politik», und anstatt «die Widersprüche zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika zu vertiefen», verband er diese beiden noch fester miteinander, brachte sich selbst zwischen zwei Feuer und weiss nun nicht heraus. Da hatte der «geniale» Vorsitzende möglicherweise einen Geistesblitz: er holte Deng Hsiao-ping aus der Schublade, um mit ihm an der einen oder anderen Flanke eine Politik des Lächelns zu beginnen. Der «geniale» Vorsitzende holte sich bei den Engländern Rat, wie er sich ihre Politik «de bascule»*, *( Schaukelpolitik (frz. im Original) oder auch Seiltänzerpolitik zu eigen machen müsse: «Gut mit beiden und nicht gut mit einem und schlecht mit dem andern und auch nicht schlecht mit beiden.» Mao erträgt es niemals, mit der Nummer eins zu leben, er hält sich stets an die Nummer zwei. So mag es sein, dass wir eines schönen Tages erleben, wie man auch zu den Sowjets gekrochen kommt, zuerst in kleinen Dingen, um das «Gleichgewicht» herzustellen. Und zweifellos wird man hinausposaunen, diese Taktik sei «genial».

Dann wird China das Soll der «Genialität seiner Politik» der friedlichen Koexistenz, der «dritten Kraft» erfüllen, wie sie Tschou En-lai in einem Interview oder auf einem Bankett (ich erinnere mich nicht genau) anpries. Das heisst, man wird dem Vorbild der «Kommunisten» Tito und Ceausescu folgen. «Sich mit beiden Supermächten gut stellen, sowohl mit den Vereinigten Staaten von Amerika als auch mit der Sowjetunion», auf beiden Seiten nehmen und geben, nier intrigieren, dort intrigieren, denn so werden (angeblich) die Niedersprüche ausgenutzt. Und all das gekleidet in den Gedanken: «Ich bin eine Grissmacht und ohne mich läuft nichts auf der Welt.» «Machen wir so weiter, bis wir in jeder Hinsicht zu drei Supermächten geworden sind», und zwar ganz ohne jede Maske, denn Jiezes Vorgehen führt dazu: die Masken werden eine nach der :inderen heruntergerissen, so wie sie der Sowjetunion heruntergerissen wurden.







FREITAG

20. APRIL 1973





IM GARTEN DER «HUNDERT BLUMEN» SAMMELN DIE

BÜRGERLICHEN «WESPEN» HONIG UND VERSPRITZEN

IHR GIFT



Mit grösster Unverschämtheit erklärte der Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, Geng Biao, vor allen wichtigen Leuten seiner Abteilung unserem Botschafter in Peking und einem unserer Genossen (der sich dort zur ärztlichen Behandlung aufhält):

«Die marxistisch-leninistische Bewegung auf der Welt schreitet ständig voran, doch die marxistisch-leninistischen Gruppen und Parteien brauchen noch Zeit, ihre Existenz zu bekräftigen. Aus zweierlei Gründen veröffentlichen wir keine Propagandamaterialien aus den Zeitungen der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien:

a) Wenn wir in unserer Presse solche Artikel veröffentlichen, um irgendeinen kaum errungenen Erfolg einer marxistisch-leninistischen Partei bekanntzumachen, wecken wir die Aufmerksamkeit des Feindes. Er wird Massnahmen gegen diese Partei ergreifen, was sowohl zu unserem .als .auch zu ihrem Nachteil ist.

b) Die Erfahrung mehrjähriger Arbeit zeigt, dass es nicht nötig ist, die Aktionen dieser Parteien unsererseits sehr zu propagieren, denn der Feind ist aktiv. So ist zum Beispiel die Mehrheit der Führer des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Indiens getötet oder eingekerkert worden.»

Wollte man Geng Biao glauben, dann ist es den Führern dieser Parteien unmöglich, nach China zu kommen, weil die Polizei sie überwacht, weil der Feind ein Spionagenetz geschaffen hat usw. -In Japan dagegen», sagte Geng Biao, «ist es etwas anders.» Weiter führte er aus: «Die Vertreter dieser Parteien und Gruppen wollen zu ns kommen in der Meinung, dies könne sich im Sinne einer Festigung ihrer inneren Tätigkeit auswirken. Wir können ihnen nicht sagen kommt nicht', deshalb laden wir sie als Gäste ein. So kommen zu uns auch Leute von Parteien, die uns bekämpft und beschimpft haben. Wenn Nixon und Tanaka kamen, warum sollen dann nicht auch andere kommen? Nixon kam sogar, weil er es für die Wahlen brauch-te. Und wenn Tschiang Kai-schek will, soll er nur auch kommen.»

Dieser Mensch spricht 'mit der Unverblühtheit und dem Zynismus eines Antimarxisten, er gesteht selbst ein, dass China der Revolution abgeschworen hat, dass es der Revolution, den marxistisch-leninistischen Parteien und Gruppen, die auf der Welt kämpfen, nicht mehr hilft. Das geschieht unter dem Vorwand, man wolle diese Parteien und Gruppen nicht den Feinden preisgeben. n Wirklichkeit will China jedoch dem Imperialismus und der Bourgeoisie zeigen, dass es den Kommunisten, ihren Feinden, nicht hilft und auch nicht an ihrer Seite steht. Welche Niedertracht! In verschiedenen Ländern der Welt haben die Kommunisten, legal und !legal, den revolutionären Kampf entfesselt, blicken dem Tod ins Age, und die Chinesen besitzen die Unverschämtheit zu behaupten: «Diese Kommunisten wollen nach China kommen, um ihre inneren Positionen zu festigen.» Diese Genossen ersuchen China um Hilfe, weil sie glauben, es sei sozialistisch, während das China Mao Tsetungs weder von ihnen spricht, noch ihre Artikel propagiert oder abdruckt, noch ihnen hilft, sondern sich mit der Feststellung begnügt, alle Führer der einen oder anderen Partei seien getötet worden. Was für eine Unverschämtheit! !

Das «sozialistische China» empfängt die kommunistischen Genosen gleich wie Nixon, Tanaka, wie Tschiang Kai-schek, wie die Revisionisten. Das ist ausgemachter Verrat. Sie verhalten sich gegenüber den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien und den revolutionären Gruppen nicht anders als die Sowjets. Die Chinesen befürchten, ihren Namen zu «beflecken» und den «guten Ruf», den sie sich bei der Bourgeoisie Amerikas und der Welt erworben haben, aufs Spiel zu setzen.

Deshalb können die Chinesen nicht mit der revolutionären marxistisch-leninistischen Linie unserer Partei einverstanden sein.

Sie sind überhaupt mit unserer gesamten Innen- und Aussenpolitik nicht einverstanden. Und das bringen sie zum Ausdruck. Tschou En-lai, Li Hsiän-niän und Mao haben den Kontakt zu uns abgebrochen, was noch übriggeblieben ist, ist ganz und gar formal, eine Sache der Diplomatie. Albanien ist nicht mehr der «spezielle treue Freund», für sie ist es ins letzte Glied gerückt, nach Rumänien und Jugoslawin in Europa, nach Korea, Vietnam und Kambodscha in Asien. China nimmt nicht an unseren politischen Manifestationen teil, denn es könnte sich kompromittieren! Es schickt (im Zuge von Europatourrehen) Zirkustruppen, Fussball- und Volleyballmannschaften zu uns,. mehr nicht. Die Wirtschaftsabkommen werden, mit Verschleppungen, eingehalten. Doch zeigt sich klar, dass «das erste Feuer» erloschen ist.

Wie könnte China mit unserer Aussendpolitik einverstanden sein,. stellt es doch zu einer Zeit Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika, zu Japan, zu Bundesdeutschland, zu Francospanyen her, da wir die Aufnahme von Beziehungen zu ihnen nicht nur ablehnen, sondern auch unablässig ihre imperialistische und faschistische Politik entlarven? Wie könnte China die revolutionäre Haltung unseres Landes, den Kampf gegen Religion und Vatikan gutheissen, wenn doch Yü Dschan, hoher Funktionär im Außenministerium Chinas, zu unserem Botschafter sagt: «Was ihr macht, können wir nicht tun, denn über 50 Millionen der Bevölkerung Chinas bestehen aus Elenenten der gestürzten Klassen und ihren Angehörigen.»? Wie könnte es auch .anders sein, öffnen sie doch - während bei uns die Religion, die Kirche und der Vatikan bekämpft werden - in China, in Peking, katholische und orthodoxe Kirchen und Kathedralen, derer Besuch von der chinesischen Presse propagiert wird.

Die katholische Presse überall auf der Welt hat einen Verleumdungsfeldzug gegen uns gestartet und stellt uns China entgegen. Die bürgerlich-kapitalistische Presse greift uns an, weil wir keine diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika herstellen, und stellt uns China entgegen.

Ebenso wenig versäumt es die kapitalistische Weltpresse, wenn sie die Bilanz der opportunistischen Einstellung Chinas zu vielen Problemen zieht, unsere Einstellung zu den gleichen Problemen hervorzuheben. Und die Schlussfolgerung daraus ist natürlich, dass es zwischen China und Albanien Widersprüche gibt, dass «Albanien vollständig isoliert und von China verlassen worden ist» usw.

Die Haltung, die China gegenüber den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien und revolutionären Gruppen eingenommen hat, nämlich nichts über sie zu veröffentlichen, um sich nicht zu ,kompromittieren», nimmt es nun auch gegenüber der Volksrepublik Albanien und der Partei der Arbeit Albaniens ein. Nichts findet ich in seinen Zeitungen über uns, sieht man einmal ab vom Empfang und der Verabschiedung chinesischer Fußballspieler, Volleyballspieler und Zirkusleute. Alles andere über Albanien ist aus der chinesischen Presse verschwunden. Mit dieser Haltung wollen die Chinesen der kapitalistischen und revisionistischen Welt offen zeigen, lass sie keine besonderen Beziehungen zum sozialistischen Albanien und zur Partei der Arbeit Albaniens unterhalten. Albanien, so wollen de sagen, ist für uns nun dasselbe wie Jugoslawien und Rumänien. Doch das sozialistische Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens sagen ihrerseits der kommunistischen Weltbewegung, den Chinesen, der kapitalistisch-revisionistischen Welt, dass sie unerschütterlich ,vie ein Granitfelsen auf revolutionärem marxistisch-leninistischem Kurs verbleiben, dass sie um kein Jota von dieser Haltung abgegangen sind und auch nicht abgehen werden, dass sie siegen werden. China identifiziert sich mit dem titoistischen Jugoslawien und dem revisionistischen Rumänien, nicht mit uns.

Chinas Politik der offenen Tür wird nicht nur in den staatlichen Beziehungen, sondern auch «auf der breiten Strasse des proletarischen Internationalismus» «erfolgreich» fortgeführt. Nicht nur, dass die Türen des chinesischen Staats für Ausländer jeden Kalibers geöffnet wurden, von Nixon und Tanaka über Tschiang Kai-schek, wenn er will, bis hin zu jenen Antimarxisten, die es bekämpft und beschimpft haben. Im Zuge dessen wurden ihnen auch die Tore der Kommunistischen Partei Chinas aufgetan. Ja, so ist es, sie wurden Ausländern aufgetan.

Unter den ausländischen Spezialisten, die in chinesischen Einrichtungen arbeiten, hat man zur Kenntnisnahme und Billigung den Entwurf einer Anweisung mit dem Titel «Über die Verbesserung der Arbeit mit den ausländischen Spezialisten, die in China arbeiten» verteilt. Dieser Entwurf trägt den Stempel der Rede, die Tschou En-lai einige Tage zuvor gehalten hatte und der die chinesische Presse auch einen Artikel widmete. Der offizielle chinesische Kommentator sagte also:

«Die ausländischen Spezialisten sollen das Leben in China kennenlernen, sich mit den Materialien der Partei vertraut machen, die den Massen in China innerhalb und außerhalb der Partei bekannt .sind. Sie können Parteiorganisationen bilden, können sogar als Mitglieder in die Kommunistische Partei Chinas aufgenommen werden. Sie können an Schulungskursen teilnehmen, je nach Wunsch entweder zusammen mit den Chinesen oder allein. Man muss sich um die Familien der ausländischen 'Spezialisten kümmern, die Kinder sollten in Kinderkrippen und Kindergärten gebracht werden, sie sollten der Kinder- bzw. der Jugendorganisation angehören, je nach Alter zur Schule gehen und gemeinsam mit den Chinesen in Wohnheimen wohnen. Man sollte die ausländischen Jugendlichen nicht daran hindern, sich mit chinesischen Mädchen anzufreunden, sich in sie zu verlieben und sie sogar zu heiraten. Die betreffenden Organisationen sollen durch Aufklärungsarbeit unter den chinesischen Familien zum Kampf gegen die Überbleibsel in dieser Beziehung beitragen. Auch der Staatssicherheitsdienst muss die Arbeit zum Schutz der in China arbeitenden ausländischen Experten verbessern. Sie müssen wirtschaftlich gut gestellt sein», usw. usf. Kurz gesagt: Dieser Entwurf war ein ganzes liberal-revisionistisches «Gedicht». Alle Tore Chinas werden dem kapitalistisch-revisionistischen ausländischen Abschaum nun aufgestoßen.

Das ist eindeutig. «Vor wem müssen wir uns fürchten?» fragen die, die China regieren und die Kommunistische Partei Chinas leiten. Und ihre Antwort ist: «Vor den Dogmatikern, den Sektierern und nicht vor den Liberalen.» Sie geben ja selber zu: «50 Millionen der Bevölkerung Chinas sind sowieso reaktionär.» Soll also ruhig noch eine Million Reaktionäre aus dem Ausland einströmen! «Was können sie uns schon antun? Sie werden im Meer der Chinesen untergehen. In der Perspektive werden wir es sein, die die Erde bedecken. Sind wir etwa nicht das grösste Volk der Welt?»!

Tschou En-lai hat sich in eigener Person an unsere Botschaft gewandt wegen Massnahmen .gegen einige albanische Studenten, die auf rein kameradschaftliche Weise Umgang mit chinesischen Mädchen hatten. Und das war viele Jahre vor der «Kulturrevolution». Also kann man diese Anschauungen nicht Lin Biao anhängen. Wie viele «blumenbedeckte» Wege gab es nicht schon in China seit ieser Zeit, wie viele «Blumen» sind nicht schon in der von Konfuzius. «gesegneten» Erde Chinas erblüht und werden dort noch erblühen!

Was wird das für ein Unrat sein, der da nach China kommen wird! Wie viele werden heiraten! Wie viele Gesellschaften, legale und illegale, werden da entstehen! Wie viele Kirchen und Kathedralen wird man öffnen! Wie viel Abschaum wird die chinesische Staatsbürgerschaft annehmen! Wie viele davon werden in die Reihen er Kommunistischen Partei Chinas eindringen und unter Maos Banner für den CIA, den sowjetischen KGB und den Weltkapitalismus kämpfen!

Dort wird tatsächlich das Zentrum der trotzkistischen Internationale entstehen. Dieser ganze Unrat wird unter der Larve von «Linken», «Maoisten», in ihren Ländern «Verfolgten» nach China einströmen. In China werden sie Hilfe und Unterstützung finden. Und mit der Rückendeckung und dem «Siegel Maos» werden sie von ort aus den Kampf gegen die wahren Marxisten-Leninisten aufnehmen und weiterführen, um die revisionistischen Parteien für sich zu gewinnen, vom Einfluss der revisionistischen Sowjetunion zu lösen.

Hier wird eine äußerst gefährliche Tätigkeit der «maoistischen» Revisionisten ihren Anfang nehmen. Wir müssen sehr wachsam sein. Der Kampf gegen den Sowjetrevisionismus von revisionistischem Positionen aus führt auf einen revisionistischen Weg; sich auf den amerikanischen Imperialismus zu stützen, um den Sowjetrevisionist zu bekämpfen, führt dazu, dass man das schmutzige Banner !es Trotzkismus erhebt, also den Sowjetrevisionismus bekämpft, um einen Platz als Grossmacht und «grosse ideologische Führung» einzunehmen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und China sind sich also unscheinend einig in bezug auf die Schwächung ihres Hauptrivalen, der sozialimperialistischen Sowjetunion. Sowohl der amerikanische Imperialismus als auch China haben weiter das Ziel, die «volksdemokratischen» Satelliten von der Sowjetunion zu lösen. Umgeben von 4 oder 5 Vizeministern leitete Li Hsiän-niän diese Arbeit mit dem Empfang der Wirtschaftsvertreter der Tschechoslowakei und Bulgariens ein.

China hat gute Verbindungen zu Tito, zu Ceauescu, zu Carrillo. Mit Sicherheit wird es die Verbindungen zu den anderen revisionistischen Parteien und den «maoistischen» Trotzkisten ausbauen. Die Bourgeoisie wird an ihre «Wespen» die Parole ausgeben, im Garten, in dem «hundert Blumen blühen», Honig zu sammeln und ihr Gift zu verspritzen.















FREITAG,

18. MAI 1973





EIN BRIEF VON MAO TSETUNG AN SEINE FRAU



In einer «selbstkritischen» Rede, die er am 8. März vor den in na arbeitenden ausländischen Spezialisten hielt, erklärte Tschou En-lai: «Wir werden Ihnen nun einige Parteidokumente verlesen, die Lin Biaos Entlarvung zu tun haben.»

Das «erste», in 7 Sprachen übersetzte Dokument wurde dann den ausländischen Spezialisten vorgelesen, darunter auch unseren, die bei Radio Peking arbeiten. Dieses Dokument ist ein Brief Maos an Djiang Tjing. Er trägt das Datum vom 8. Juli 1966.

Mao schreibt an seine Frau: «Nachdem ich aus Hangtschou abgereist war, habe ich 10 Tage lang in Höhlen gewohnt und bin nun in Tschangscha (dem Land der weissen Wolken und der gelben Stör!). Nach 10 Tagen ohne Information ist Dein Brief sehr interest, voll neuer Dinge... Das leitende Organ des Zentralkomitees beeilt sich ja, mir die neuesten Materialien zur Genehmigung zuzusenden, und ich werde ihnen zustimmen. Mein Freund [gemeint Lin Biao] hat ein Referat über den 'Staatsstreich', gehalten und dieses Problem einer Analyse unterzogen, wie sie bisher noch von keinem gemacht worden ist. Einige seiner Ideen machten mich sehr nachdenklich und beunruhigten mich. Ich hätte mir nie gedacht, meinen Büchern eine solch wundertätige Kraft zu eigen wäre.

Deshalb kamen mir unwillkürlich die Sprichwörter in den Sinn: s langgezogen wird, reisst leicht', 'Je höher man steigt, desto nerzharter der Sturz', 'Je größer der Ruhm eines Menschen, o schwerer für ihn, sich seiner würdig zu erweisen'.

Die Umstände zwangen mich, der Forderung einiger zu genügen. Es ist das erste Mal, dass ich entgegen meinem Wunsch mit anderen einverstanden bin, gegen meinen Willen handle. Nun ich die Merkmale sowohl des Tigers als auch des Affen, mehr aber des Tigers. Das ist die Hauptsache und das Wichtige. Dir empfehle ich, Dir den Ruhm nicht zu Kopf steigen zu lassen, besonnen zu sein und auf die Ratschläge der Genossen... und Tschen zu hören.» (Gemeint ist Tschen Bo-da, doch als die chinesischen Genossen von den Ausländern gefragt wurden, wer diese Genossest seien, auf die Djiang Tjing hören sollte, antworteten sie: Wir kennen sie nicht!) «Ich bin nun der Affe, der König wurde, weil es in den Bergen keine Tiger gibt. In unserer Zeit, der es an Helden mangelt, bin ich, ein kleiner Mensch, so hoch hinauf gestiegen. Ich bin ein Held, weil es keine anderen gab. All das darfst Du keinem Menschen sagen, denn es stimmt mit den schwarzen Äußerungen der Rechten überein, für die Linken wäre es eine kalte Dusche, den Rechten dagegen würde es helfen. Die Hauptsache ist jetzt der Kampf, um die Rechten teilweise zu stürzen. Meine Äußerungen sind nicht nach dem Geschmack der Linken und der Massen. Wenn wir die Rechten weggesäubert haben, müssen wir eine weitere Säuberung vornehmen, sogar noch mehrere. Einmal in 7 oder 8 Jahren kommt es auf der Welt zu Erschütterungen, und bei diesen Erschütterungen: kommt das Schlechte hervor. Möglich, dass nach meinem Tod diese. Äußerungen von mir bekannt werden. Die Rechten werden sie dann für ihre Zwecke benutzen, und die Linken werden sich anderer meiner Äußerungen bedienen, sich organisieren und die Rechten zerschlagen, usw. Die Rechten werden scheitern wie Tschiang Kaischek.»

Dieser Brief Maos ist aus vielen Gründen merkwürdig, wenn man sich vor Augen hält, in welchem Jahr er geschrieben wurde, und welche Ereignisse seit damals in China stattfanden.

Zunächst einmal bringt Mao in dem Schreiben an seine Frau. offen zum Ausdruck, dass er nur ihr vertraut, sagt er ihr doch, dass sie seine Ansichten «keinem Menschen sagen» dürfe. Djiang Tjing ist seine einzige Stütze. So kommt es heraus. Von der Partei spricht er überhaupt nicht, als ob es sie nicht gäbe. Für Mao existieren zwei Strömungen: die Rechten und die Linken, die um die Macht kämpfen, während Mao von der Partei, den Massen, den Genossen völlig isoliert ist. Richtet sich dieser Brief gegen seinen «Freund» Lin Biao, der die Kulturrevolution macht? Es scheint so, denn die Anspielungen auf den Kult um ihn sind auf Lin Biao gemünzt. Doch wie dem auch sei, als die Rechten bezwungen waren, bewirkte Mao, dass Lin Biao statutenmassig zum stellvertretenden Parteivorsitzenden bestimmt wurde, während er ihn gleichzeitig schon auf seiner Liste der Linken stehen hatte, die später hinweggesäubert werden sollten. Ein Doppelspiel!? Fehlendes Stützen auf die Partei, auf die Massen. Er sagt sogar selbst im Brief, dass «mich die Massen nicht verstehen werden». Doch wer wird ihn denn seiner Meinung nach verstehen? Das wird nirgends erkennbar. Eines wird erkennbar: auch in Zukunft werden sich in China die Rechten erheben, um über die Linken herzufallen. Diese werden sich dann organisieren und die Rechten hinwegsäubern. Und so wird es ständig alle 7 Jahre geschehen.

Es lebe das Chaos und die Anarchie! Der Stärkste ergreife die Macht! Einmal wird der Affe König, ein andermal der Tiger! Eine schöne Theorie! Was für ein Vertrauen können die gesunden Kader in solche Theorien haben? Dort kämpfen einzig die beiden Flügel um die Macht. Und die Antimarxisten und die Marxisten-Leninisten müssen sich den Überzeugungen des einen oder des anderen Flügels unterordnen ! ?

Welcher Zweck wird wohl mit der Veröffentlichung dieses negativen Briefs verfolgt? Es soll anscheinend positiv hervortreten, dass Mao von Beginn an Lin Biao als Linken durchschaute und kein Vertrauen zu ihm hatte, ihn aber als kleineres Übel ausnutzte, um ihn dann zu liquidieren. Einen anderen Zweck gibt es nicht.

Damit sagt er auch den andern: «So wird es morgen auch euch ergehen, nichts ist sicher. Die Sache mit den beiden Linien in der Partei ist meine Theorie, und der Tiger, der über beiden Linien steht und Regen und Sonnenschein macht, das bin ich!» Allerdings sind wir in den Fragen Chinas, in denen wir nicht über die exakten Angaben verfügen, bei Ableitungen auf unsere Vorstellungskraft angewiesen, deshalb muss man auch andere Versionen in Erwägung ziehen.

Wir haben oben festgestellt, dass dieser Brief im Juli 1966 geschrieben wurde, als die Kulturrevolution gerade begonnen hatte, als die Verschwörung der Rechtsgruppe Lius aufgedeckt worden war und gerade entlarvt wurde. Also müssen wir seinen Inhalt unter dem Blickwinkel der Ereignisse dieser Zeit betrachten. Mao war an diesem Kampf beteiligt, und es gibt deshalb keinen Grund, seine Äußerungen zu Lin Biaos Referat über den «Staatsstreich» als Ironie zu «interpretieren». Es war also klar, dass die von Mao geführte Kulturrevolution für die Liquidierung von Liu Schao-tschis Staatsstreich kämpfte. Und Lin Biao war für diesen Kampf, also für Mao.

Mao schreibt Djiang Tjing in diesem Brief: «Berate Dich mit den Genossen. . .» Der erste Name wird nicht genannt, doch zweifellos ist der gestrichene und durch Punkte ersetzte Name der Lin Biaos. Warum hat man ihn gestrichen? Dies wird verständlich, zieht man die späteren Ereignisse und die Beschuldigungen gegen Lin Biao in Betracht. Der andere Name ist Tschen. Wer ist dieser Tschen? Als die chinesischen Genossen nach ihm gefragt wurden, behaupteten sie, sie wüssten es nicht. Das ist nicht wahr, sie wissen es, geben es aber nicht zu. Der Verstand sagt einem, dass es sich um Tschen Bo-da handelt. Man mag die Frage stellen: Warum liess man den Namen Tschen (ohne Bo-da) stehen und der Name Lin Biao wurde gestrichen? Warum wurden nicht beide stehengelassen oder gestrichen? Genau darin besteht die «Chinesiade» in der ganzen Sache: Tschen Bo-da wurde .bereits namentlich entlarvt, Lin Biao dagegen noch nicht. Ist etwa die Frage Lin Biao noch nicht geklärt? Oder bleiben die Umstände noch im Dunkeln, obwohl er innerhalb Chinas

entlarvt wird? («Wie beging Lin Biao Verrat?! Wie floh er in die Mongolei?! Wie wollte er Mao ermorden?! Auf welche Weise war er prosowjetisch und antiamerikanisch?» usw. usf.)

Mit anderen Worten: Studiert man den Brief mit den Augen der Zeit, in der er geschrieben wurde, stellt sich heraus, dass Maos Freunde... (ein Name in Pünktchen) und «Tschen» waren. Tschou En-lai taucht nirgends auf, also zählte er nicht zu Maos «Getreuen». Wo stand also diese nach Mao und Liu Schao-tschi so wichtige Figur?

Wenn wir uns an diese Interpretation des Briefes halten, stellt sich die Frage: Weshalb ist dieser Brief gerade jetzt ans Licht gekommen?! Wem dient er? Dient er der jetzigen Situation, oder soll eine neue Situation, ein neuer «Umsturz» angebahnt werden, wie ihn Mao im Brief predigt, wie er ihm den Boden bereitet?

Vieles ist vorgefallen, und alles geschah in Maos Namen. Und bei jedem Umschwung zog sich Mao geschickt aus der Affäre. Liu handelte «unter Maos Banner», Mao trat gegen ihn auf; die Kulturrevolution stand «unter Maos Banner», Mao trat gegen Lin Biao auf; Tachou En-lai kämpft «unter Maos Banner», Tschou findet Maos Billigung. Das werden wir sehen. Gegenwärtig schweigt er mehr als er spricht, zieht irgendeinen Brief und irgendeinen Deng Hsiaoping aus dem Loch hervor.





SAMSTAG,

26. MAI 1973





IN CHINA WEHT WESTWIND



Vor der Pariser ,Konferenz, auf der das Abkommen über die «Herstellung des Friedens in Vietnam» unterzeichnet wurde, hatte China erklärt, sein Aussehminister Dji Peng-fe werde verschiedene Länder der Welt besuchen. Sogar die Termine der Besuche waren festgelegt worden. Und an der Spitze der Liste, vor allen anderen Staaten, die der chinesische Minister besuchen sollte, stand Albanien, «Chinas enger Verbündeter». Das war ein richtiger und würdiger Beschluss.

Die Pariser Konferenz kam, auf der auch China durch Dji Peng-fe vertreten sein sollte. Die Reisepläne kamen durcheinander, wurden auf später verschoben. Gut!

Nun wird gemeldet, das Dji Peng-fe seine Reise antreten wird, doch die Reihenfolge ist nicht mehr die alte. Nicht nur, dass nicht mehr die Rede davon ist, Albanien als erstes zu besuchen, man sagt nicht einmal, wann es besucht werden soll. Angekündigt wurde, dass Dji Peng-fe im Juni nach London und von dort aus nach Paris fahren wird. Danach, heisst es, wird er Rumänien besuchen.

Es zeigt sich deutlich, dass in China Westwind und nicht Ostwind weht!





MITTWOCH,

27. JUNI 1973





IN CHINA WERDEN BANKETTE FÜR DEN BANKIER

ROCKEFELLER GEGEBEN



Die Chinesen gaben in einem Kommuniqué der Weltöffentlichkeit einen Atombombenversuch bekannt. Das ist eine gute Sache und die geeignete Antwort auf die sowjetisch-amerikanische Erklämg über den «Atomkrieg». Doch wir werden später sehen, was daraus wird.

Man spricht davon, Kissinger werde im Herbst nach Peking reisen, Tschou En-lai werde in die Vereinigten Staaten von Amerika fahren, und 1974 solle Nixon erneut nach China kommen. Inzwihen meldet Hsinhua aus Peking: Der namhafte amerikanische Bankier Rockefeller hält sich in China auf. Er führt Gespräche und für ihn werden Bankette gegeben. Djiang Tjing beschäftigt sich .dessen mit Schwimmern und anderen Sportlern aus Amerika und lässt durch sie Nixon und seiner Frau Grüsse bestellen.

Wo führt das hin?!!









SAMSTAG.

30. JUNI 1973



DIE VÚLKER WERDEN CHINA DIESE GEFÄHRLICHE

EINSTELLUNG NICHT VERZEIHEN



Breschnew hat seinen Besuch in den Vereinigten Staaten von Amerika beendet. Die Gespräche, die er mit Nixon führte, waren sehr herzlich und spektakulär. Die ganze Welt kicherte: der sowjetische Cowboy traf sich selbst mit den «Hollywood-Stars», mit den kalifornischen Cowboys, umarmte und küsste den Cowboydarsteller, der «Banditen»rollen spielt. Sehr vielsagend! Genauso vielsagend ist auch Breschnews Auftreten im amerikanischen Fernsehen: Er hatte ein Jackett mit dem amerikanischen Adler an, das ihm Nixon verehrt hatte! Breschnew wechselte das Hemd, er vertauschte das sowjetische Jackett mit dem amerikanischen. Der Sinn des Ganzen: er hat sich an den amerikanischen Imperialismus verkauft. Die amerikanischen Milliardäre, mit denen Breschnew ein langes und herzliches Gespräch führte, waren sehr zufrieden und bezeichneten Breschnew als «wahren Amerikaner», der «auf dem Treffen den Vorsitz genau wie ein Amerikaner führte». Seine übrigen grotesken Scherze wollen wir gar nicht erwähnen, sie riefen auf der ganzen Welt Sensation hervor und zogen das Ansehen der Sowjetunion in den Schmutz.

Ein Clown folgte dam anderen : Chruschtschow feierte «Verlobung» und fuhr zum Honigmond in die Vereinigten Staaten von Amerika, und Breschnew fuhr dorthin, nach Camp David und Kalifornien, um die «Vermählung» der Sowjetunion mit den Vereinigten Staaten von Amerika perfekt zu machen, um «die Ehe» mit Nixon zu vollziehen. Breschnew brachte Nixon als Mitgift, für eine Handvoll Dollars, die Reichtümer der Sowjetunion, den Boden, die politische Freiheit, die Souveränität, das Ansehen der Sowjetunion.





In den Thesen, die ich für die in «Zëri i popullit» veröffentlichten Artikel zu diesen Problemen lieferte, werden unsere Ansichten dargelegt, doch so sehr man sich in diese Fragen auch vertieft, so viel man auch üb,2r sie schreibt, es ist nie zuviel. Das sind Probleme von Weltbedeutung, um die gefährliche Intrigen internationalen Charakters gesponnen werden.

Es ist ein grosser Fehler, die nun weltweit bekannten Abkommen, die zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika abgeschlossen worden sind, nicht offen und öffentlich in der Presse zu durchleuchten. In diesen Fehler verfallen die Chinesen, die sich damit begnügen, unseren Genossen in Peking - und sicher auch den anderen - ihre Meinung auf dem Korridor mitzuteilen. Die Chinesen geben keinerlei offizielle, offene Stellungnahme zu dem Treffen Breschnew-Nixon und den dabei erzielten Ergebnissen und Abschlüssen ab. Ein chinesischer Atombombenversuch allein, so sehr 3r auch seine Bedeutung hat, ist keineswegs ausreichend. Doch die Chinesen finden, das sei genug, um alles zu erklären und die teuflischen sowjetisch-amerikanischen Pläne zu durchkreuzen.

Das Schweigen der Chinesen st nicht normal und sehr bezeichnend. Es zeigt, dass China nicht reden will. Weshalb? Weil es, würde es sprechen, unweigerlich beide «Banditen», wie sich die -chinesischen Genossen in den Korridoren ausdrücken, entlarven müsste. Um den einen nicht entlarven zu müssen, mit dem es «Flitterwochen» feiert, lässt es auch die Entlarvung des anderen sein und nimmt die olympische Pose ein, mit der es sagen will: «Ich äussere mich nicht, sondern denke und arbeite stillschweigend.» «Eine glänzende Methode!» Doch die kauft dir niemand a-b, sie gefällt niemand, niemand billigt sie und niemand traut ihr. Du magst im Kopf viel Gutes oder auch Kohl haben, doch die Menschen haben gelernt, auf die Taten zu achten und nicht auf die Verpackung.

Du, China, bist ein grosses Land, doch deine Meinung sagst u noch nicht einmal in den entscheidenden Augenblicken, da alle Länder, alle Völker die grosse internationale Verschwörung, die die beiden imperialistischen Mächte, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika, anzetteln, mit grosser Sorge betrachten.

Wenn man behauptet, dass die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika «zu k einem gemeinsamen Abschluss gekommen sind», so bedeutet das entweder, dass man nicht sieht, und das ist grosse politische Kurzsichtigkeit, oder dass man begriffen hat, jedoch schweigt und nicht redet, weil man gewisse Absichten hat.

Die beiden grossen imperialistischen Banditen haben sich «urbi et orbi» über ihre gegenseitigen sowie die internationalen Probleme verständigt. Diese Abkommen wurden ganz offen unterzeichnet und bekannt gegeben, doch es gibt auch Geheimabkommen, die nicht veröffentlicht wurden, über die man nicht spricht, auf die man aber aus dem, was geschrieben wurde, um etwas zu verbergen, schlissen kann. Die beiden können nichts geheim halten. Nicht, dass sie es im Radio und im Fernsehen laut verkünden werden. Aber die Welt wird dahinterkommen, wenn sie sie in die Tat umsetzen, denn diese geheimen Beschlüsse wurden gefasst, um zu handeln, und zwar auf Kosten der Völker. «Fs gibt Widersprüche zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika», sagen die Chinesen. Gewiss, es gibt sie und wird sie auch weiter geben. Doch durch die Abkommen, die die beiden erzielt haben, sollen die Widersprüche gemildert werden. Was diese Abkommen anbelangt, so wird die Säge eines Tages auf Nägel treffen. Deshalb müssen Nägel eingeschlagen werden, damit sich die Säge festfrisst.

Tatsache ist, dass die Vereinigten Staaten von Amerika aus diesem Spiel mit einem Vorsprung hervorgingen. Sie verschafften sich neue, grosse Kolonialmärkte, und zwar dort, wo sie es niemals erwartet hätten, ausgerechnet in der Sowjetunion. Mit der Sowjetunion hatten die Vereinigten Staaten von Amerika einst in Feindschaft, beinahe im Kriegszustand gelebt, denn die Sowjetunion war ein sozialistisches Land, ein geschworener Feind des Kapitalismus und Imperialismus gewesen. Mit dem ,Machtantritt der Sowjetrevisionisten änderte sich die Situation allerdings, und alles musste zwangsläufig so kommen, wie es gekommen ist. Der grosse, mächtige Staat der Proletarier verwandelte sich in einen kapitalistischen Staat, in einen sozialimperialistischen Staat, bereit, sich mit einem anderen imperialistischen Staat zu verständigen. Die Abkommen - das stand ausser jedem Zweifel - würden auf ungleicher Grundlage zustande kommen. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren der Sowjetunion in der Wirtschaft, in der Technik, in der Industrie, in der Landwirtschaft, aber auch militärisch überlegen. Die Revisionisten beließen ihr Land im Rückstand. Bei ihrer Wendug hin zum Kapitalismus erlitt die Sowjetunion vielerlei Niederlagen, die sin den Kopf einziehen, die Fahne einholen und die Vereinigten Staaten um Hilfe angehen liessen, um das vom Einsturz bedrohte Haus zu reparieren.

Ausgerechnet Breschnew fuhr, obwohl Vertreter eines grossen indes, nach Washington und bettelte, bettelte auf so schmierige 'eise, dass er sich vor den amerikanischen Senatoren erniedrigte, nen bis ins einzelne Rechenschaft über die sowjetischen Juden, ärger seines Staates, ablegte: wie viele er nach Israel geschickt hat, wie viele vor der Ausreise stehen, wie viele noch übrig bleiben und as mit ihnen geschehen wird. Und warum diese schmierige, skandalöse Unterwürfigkeit? Um an Dollars heranzukommen, mit diesen .untriefenden Dollars fortgeschrittene amerikanische Technologie zu kaufen und zugleich einen Markt zu finden, um die Reichtümer des Sowjetvolks an die amerikanischen Milliardäre zu verschachern. Das t offensichtlich und bedarf keines Kommentars. Die «Neunmalklu2n» werden sagen: «Das ist eine Taktik der Sowjetunion, um mit .n Vereinigten Staaten von Amerika gleichzuziehen.» Als ob der amerikanische Imperialismus auf den Markt getreten wäre, seine Stärke als Tribut zu geben, um sich selber zu schwächen und den Gegner zu stärken! Und die «klugen und schweigenden Politiker» erden so tun, als verstünden sie alles, und es sich nicht nehmen lassen, rundheraus und öffentlich zu behaupten: «Die Sowjetrevisionisten sind gefährlicher .als die amerikanischen Imperialisten.»

Warum denn darüber streiten, wer der Gefährlichere ist, wo doch beide gleichermassen wilde Feinde der Völker und ihrer Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität sind?! Wenn man das Problem so angeht wie diese prinzipienlosen und bankrotten Politiker, schlägt man sich natürlich auf die Seite des «Schwächeren», und für den Schwächeren halten sie die Vereinigten Staaten von Amerika. Diese werden die Sowjetunion ausnehmen, märchenhafte Gewinne aus ihr herauspressen, die ihnen dazu dienen werden, die Macht ihres Weltreichs zu vergrössern Auf der anderen Seite wird das Eindringen amerikanischen Kapitals in die Sowjetunion mithelfen, auch noch die letzten Überreste der Errungenschaften der Grossen Sozialistischen Oktoberevolution auf schnellstem Wege zu beseitigen. Es wird beitragen zum Zerfall der Sowjetunion als Union von Republiken. Das ist die Absicht des amerikanischen Imperialismus: die Sowjetunion als gefährliche rivalisierende kapitalistische- Macht zu zersetzen.

Die «Neunmalklugen» werden sagen: «Das wird sich kaum erreichen lassen.» Im Gegenteil, das lässt sich sehr leicht erreichen, wenn einer vom marxistisch-leninistischen Kurs abgeht. Es liegt im Wesen des Revisionismus, nationalistische Gefühle anzufachen, und die Vereinigten Staaten von Amerika werden dieses Feuer mächtig schüren. Die «Neunmalklugen» sagen: «Das wird nicht gelingen.» Doch was sagen die Fakten aus? Chruschtschow kam an die Macht. doch was brachte er mit und was geschah in der Sowjetunion? Chruschtschow stürzte, die Breschnews kamen, doch worauf lief es in der Sowjetunion hinaus? Auf den Ausverkauf an die Vereinigten Staaten von Amerika. Morgen werden die, die nach ihnen kommen, die Sowjetunion auch als Staat zerstören. Ob die Revisionisten wollen oder nicht, dorthin führt sie ihr Weg. Die Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika und das Bündnis mit ihnen zielen schliesslich nur auf eines ab: «Teile und herrsche.» Denn zu meinen, der Imperialismus werde einem helfen, sich zu stärken, um .ihm das Grab zu bereiten - das ist absurd.

Die zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion unterzeichneten Abkommen verbürgen das Fortschreiten dieses Prozesses, dennoch hat jeder von ihnen seine Vorbehalte, seine eigenen Ziele. Und obwohl sie diese einander nicht eingestehen, weiss doch der eine um die des andern, und man versteht sich eigenen Ziele. Um diesen Prozess voranzutreiben, mussten sie ein sensationelles» Abkommen schliessen, das «den Krieg zwischen ihnen verhindert». Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben dieses Abkommen - soweit es überhaupt wirksam sein wird - in der Formulierung weiter gefasst. Sie wurden zu den Weltgendarmen, erklärten und beschlossen ungeschminkt, dass sie überall eingreifen werden, wo ihre Interessen angetastet werden, immer und überall, wo „der Frieden in Gefahr ist», wie es in ihrer Terminologie heisst.

Der Ablauf dieses Prozesses, der von den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion angekurbelt wurde, zeigt, dass dies ein gewöhnlicher, !klassischer imperialistischer Prozess ist. Die Auswirkungen dieses Prozesses sind nicht allein auf die beiden Länder beschränkt, sondern machen sich auf der ganzen Welt bemerkbar. Diese beiden Supermächte wollen auf der Welt dominieren, sie wollen sie ausbeuten, sich gefügig machen, unter die Knute der Herren aus der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika bringen. Deshalb steckten sie ihre Einflusszonen ab. Diese Einflusszonen sind einerseits fest, andererseits aber auch nicht. Es gibt dabei Bündnisse, die schriftlich verankert sind, aber auch solche, die es nicht sind; in beiden Fällen werden die Interessen fieser beiden Herren aufeinanderprallen. Ihr geheimes Einvernehmen besteht nun darin, bei diesem Aufeinanderprallen Getöse zu verneiden, sich vielmehr zu verständigen und übereinzukommen. Besonders geht es den beiden darum zu verhindern, dass die Völker, auf deren Rücken diese Schachereien betrieben werden, sich erheben. Für diesen Fall haben sie zwei Wege vorgesehen. Der erste: beide Banditen verständigen sich über die Plünderung; der zweite: falls sich der Ausgeplünderte wehrt, schlagen sie auf ihn ein und sagen: «Kusch! Du bringst den Frieden in Gefahr!», den Frieden der Banditen, versteht sich.

Hier geht es nicht um «Abrüstung», sondern um die Erhaltung der Rüstungsbestände, um die Wahrung des Atommonopols. Es geht hier um das Bestreben, alle in eine der beiden Sphären, d.h. unter die Atomschirme der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika zu bringen. China und Frankreich, die über die Atombombe erfügen, werden als Ketzer betrachtet. Deshalb trachtet die eine vie die andere Supermacht danach, sie beide in die Knie zu zwingen, ;in den Klub zu bringen», um ihnen den Hals umzudrehen wie einem Huhn.

Im Licht des sowjetisch-amerikanischen Bündnisses haben die Pakte und alle Arten von Abkommen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion mit ihren Partnern einen anderen Sinn erhalten, eine andere Richtung genommen. Die beiden Grossen betrachten nun alles rein vom Standpunkt des Abkommens aus, das sie geschlossen haben, und die Partner in diesen beiden multilateralen Bündnissen sind nicht mehr als Bauern in diesem Schachspiel.

Alles wird in erster Linie den Zwecken dieser berüchtigten Allianz nutzbar gemacht werden. Zusammenarbeit, gegenseitige Hilfe, Handelsabkommen und die anderen Schachereien werden Sinn und Richtung ändern. Da die Einflusszonen abgesteckt sind, meint die Sowjetunion, ihre ,Herrschaft über die Satelliten «gesichert» zu haben. Schon bevor es so war, liess die Sowjetunion sie nach ihrer Peitsche tanzen, setzte sie tausend wirtschaftlichen Restriktionen und Erpressungen aus. Von nun an aber werden die Schrauben so fest angezogen, dass die «Verbündeten» zu wahren Hampelmännern herabgewürdigt werden. Die Sowjetunion, die ihre Reichtümer und ihre Seele an den amerikanischen Imperialismus verkauft, ist nicht in der Lage, ihre Verpflichtungen gegenüber den Satelliten einzuhalten, deshalb wird sie sich bemühen, sie noch übler zu triezen, sie fest vor ihren Karren zu spannen, um sie noch härter ins Geschirr zu nehmen. Dies ist die Perspektive, die sich dem RGW, der Integration und dem über ihren Köpfen stehenden Warschauer Vertrag bietet. Die Früchte des neuen Zarenreichs werden nach neuen Kriterien verwendet, verwaltet und aufgeteilt werden, inspiriert von einer «neuen» Ideologie, die der Ideologie von Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin feindlich gegenübersteht.

Der amerikanische Imperialismus dagegen geht seinen vorgezeichneten Weg. Beizeiten hat er die Partner in seine Klauen gebracht. Seine Aufgabe liegt darin, sie noch fester an der Gurgel zu packen, um sie gehorsam und unter dem Stiefel zu halten.

Die grosse Weltkrise, die ausgebrochen ist, schnürt den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion mitsamt ihren Satelliten die Kehle zu. Diese Krise hat jenes Bündnis geboren, das sie aus der Klemme, das heisst aus der Zange der Revolution befreien roll. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion haben gemeinsam beschlossen, die Revolution, die Aufstände, die nationalen Befreiungskämpfe zu unterdrücken, sich in den Zielen zu vereinigen und, sollte es notwendig sein, auch ihre kapitalistisch-revisionistischen Partner zu unterdrücken. Aus diesem Grund riefen die Abkommen von Washington und Kalifornien bei allen Völkern, in allen Staaten, unabhängig von ihrer politischen Färbung, Verstimmung, Entrüstung, Zweifel und Widerstand hervor. Alle, der eine offen, der andere gedämpft, sagen: «Das Bündnis USA-UdSSR ist unserem Schaden.»

In diesem Wust sehen sich die Vereinigten Staaten von Amerika d die Sowjetunion, obwohl die Stärksten, isoliert und von allen Seiten von grosser Empörung umgeben. Ihr Plan sieht vor, diese Situation durch Demagogie, Drohung, Erpressung zu «bereinigen».

wissen, dass diesem Bündnis kein langes Leben beschieden sein kann, wenn sie nicht, jeder einzeln und beide gemeinsam, Ordnung ihrem Haus und ihren Bündnissen schaffen, das heisst, wenn sie nicht den Dickköpfigen den .Schneid abkaufen, ihnen Angst einjagen d ihre gefügigen Partner begünstigen. Der Rubel und der Dollar werden hoch im Kurs stehen, um zu korrumpieren, und mit Demagogie, Intrigen und Waffen werden die Cliquen an der Macht gehalten und wird mit neuen aufgewartet, wenn ihre Macht bedroht ist «status quo und Frieden» wird beider Motto sein.

Mit Sicherheit wird für die beiden aggressiven Supermächte nicht alles wie geschmiert laufen. Ihre teuflischen !Pläne und Handigen werden auf Reaktion und Widerstand stossen. Dieser Widerstand macht sich schon jetzt auf der ganzen Welt bemerkbar. Die europäischen Staaten - mit Ausnahme unseres sozialistischen Landes -, alle kapitalistisch-revisionistischen Staaten sind in Blöcke eingegliedert. Auch Staaten wie Jugoslawien, die sich blockfrei 'Den, stecken in diesem Wespennest. All diese Staaten und Cliquen haben also begonnen, dreist zu werden, sie haben die Hand im Spiel, doch im Innern gärt es bei ihnen gegen die beiden Supermächte.

In Helsinki und Wien finden Konferenzen statt, werden Reden halten, doch niemand schenkt den Worten Glauben, alle blicken t Misstrauen aufeinander, denn sie wissen, dass dort ihre Haut Markte getragen wird, dass dort die Standpunkte und Interessen r beiden Grossen dominieren, die sich in Europa «Ruhe verschaffen» wollen, und zwar eine Ruhe, die zu ihrer Gier nach Vorherrschaft passt. Hier stossen sie auf mehr oder weniger ausgeprägten Widerstand.

Sogar das Bonner Deutschland, das von dieser Lage am meisten begünstigt wird, sieht seine Hegemonie in Europa durch die beiden Grossen bedroht. Früher hätte es eher profitieren können, als die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion ihre Geschäfte noch nicht in Einklang gebracht hatten, inzwischen aber hat es zwei tückische, eifersüchtige Schwiegermütter, die die widerspenstige Schwiegertochter sich nicht so mästen lassen, wie sie das gerne möchte. Jede der beiden Schwiegermütter wird versuchen, die Schwiegertochter unbedingt für sich zu gewinnen, beide wollen sie aber auch gegen das unbotmässige Frankreich benutzen.

Frankreich sieht mehr die Gefahr, die ihm von den beiden grossen Partnern, aber auch von Bonn droht, das von der Situation profitiert. Die französische Regierung bezieht offen Opposition gegen das sowjetisch-amerikanische Bündnis sowie gegen die neue Atlantikcharta, durch die die westeuropäischen Länder noch stärker unter das Joch der Vereinigten Staaten von Amerika gebracht werden. Das bürgerliche Frankreich versucht, und das zeigt sich an der aktuellen Tendenz seiner Politik, die Unzufriedenheit und Angst, die dieses Bündnis bei ihm hervorgerufen hat, zu kanalisieren und innerhalb der Bündnisse eine Opposition gegen die amerikanisch-sowjetischen Pläne in Europa, aber auch auf der Welt zu formieren.

Das kapitalistische Europa ist, wie auch Frankreich selbst, bis über beide Ohren bei den Vereinigten Staaten von Amerika verschuldet, die tief in seine Wirtschaft eingedrungen sind und dort Streitkräfte stehen haben. Die kapitalistischen Länder Europas sind unzufrieden mit den Vereinigten Staaten von Amerika, können aber ohne sie nicht leben, wissen sich ohne amerikanische Hilfe, ohne die amerikanische Armee nicht zu helfen. Mag sein, dass sie über die Vereinigten Staaten maulen und herziehen, trotzdem betteln sie: «Wir beschwören dich, Amerika, geh nicht weg, liefere uns nicht allein dem Russen aus!» Natürlich haben sie Angst vor dem Russen, ganz besonders aber haben sie Angst vor der Revolution, vor der Erhebung ihrer Völker. Deshalb steckt auch die bürgerliche Politik Frankreichs mit ihren aufmüpfigen Tendenzen in diesem Teufelskreis. Das grosse Ziel der beiden Oberbanditen ist es, in Europa «Ordnung zu schaffen», um außerhalb seiner Grenzen freie Hand für ihre Manipulationen zu haben, denn sie wissen, dass fehlende Ruhe in Europa Unruhen auf anderen Kontinenten beeinflusst und schürt. Europa hat seine Rolle auf der Welt nicht eingebüsst.



In Asien, Afrika, Südamerika und im Nahen Osten hat die neuentstandene Lage noch mehr Ärger und Besorgnis ausgelöst. Es st klar, dass im Nahen Osten die beiden imperialistischen Supernächte das Gesetz machen, ihre Einflusszonen abgesteckt haben und ;ich in allen Fragen verständigen. Die Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen Israel und rüsten es auf; sie .benutzen es als 3chwert gegen Ägypten, Syrien, das palästinensische Volk und die arabischen Völker allgemein. Die Sowjetunion ist für diese Länder :u einem Waffenlieferanten geworden, der auf keinen Fall den Einsatz dieser Waffen ohne seine Erlaubnis gestattet und diesen Völkern den Zustand «Weder Krieg noch Frieden» aufzwingt. Zugleich festigt sie ihre Vorherrschaftsposition als unerwünschter, als Pseudoalliierter. Natürlich ist für die Vereinigten Staaten von Amerika Israel nicht das einzige Land in diesem Raum, sie dominieren außerdem im Libanon, in Jordanien, in Saudi-Arabien, in den Emiraten am Persischen Golf und sogar im Iran. Das ist ihr Erdölreich. Die Sowjets suchen die Annäherung an den Irak, um ihn auszubeuten, und schüren im Einvernehmen mit den Vereinigten Staaten von Amerika die Widersprüche zwischen diesem Land und dem Iran. Damit wollen sie den einen wie den andern jeweils für sich fest an !er Kandare halten.

Im Fernen Osten ist die Lage für sie verwickelter, doch auch dort vollen beide festen Fuss fassen, der eine durch Drohungen, der andere durch Lächeln. Die Objekte ihrer Strategie sind China und Japan. Die Bindungen Japans an die Vereinigten Staaten von Amerika sind bekannt. Die Sowjetunion bietet ihm ein Stück von der iberischen «Torte» an. Gewiss wird Japan annehmen. Die Absicht der Sowjets ist es, Japan zu neutralisieren und zu verhindern, dass s sich China annähert, das auf diese Weise eingekreist werden soll. Japan hat diese Perspektive ständig vor Augen gehabt, aber es hat Vorbehalte, fürchtet es doch, von den beiden grossen Wölfen genesen zu werden, wenn es sich zwischen sie schiebt. Deshalb richtet Japan seinen Blick auch auf China, sehen nach dort doch auch die beiden anderen.

Die Sowjetunion bedroht China, setzt es unter Druck, um es entweder näher an sich heranzuziehen oder in die Arme der Vereinigten Staaten von Amerika zu treiben, die ihm zulächeln. Und China schlug eine Strategie ein, die unserer Meinung nach falsch ist, wenn nicht noch mehr: Es gab in der 'Tat den Kampf an beiden Fronten, gegen. die Sowjets wie gegen die Vereinigten Staaten von Amerika, auf und machte sich eine andere Politik zu eigen: Feindschaft mit den Sowjets und Freundschaft mit den Amerikanern.

Warum schlug China diese Politik ein? «Um die sowjetischamerikanischen Widersprüche auszunutzen», sagt es. Doch welches sind diese Widersprüche und wie nutzt China sie aus? Chinas Stimme war und ist in Europa nicht zu vernehmen. China hatte tatsächlich noch nicht einmal einen Hehl daraus gemacht, dass es Europa keine Bedeutung beimaß. Inzwischen hat es begonnen, Interesse zu zeigen, doch Europa ist kompliziert, byzantinisch, machiavellistisch, es kauft «Chinesiaden» nicht so leicht ab. Im Nahen Osten steht China vor der Tür. In allen anderen Ländern der Welt hat es nur potentielles, nicht aber reales Gewicht. Die beiden Supermächte manövrieren überall. Die Völker wollen sich aus dieser Zange ~befreien, sie wollen die Hilfe Chinas, seine moralische, politische, wirtschaftliche und militärische Hilfe, doch China ist nicht imstande, sie im erforderlichen Mass und in der erforderlichen Weise zu geben, weil es auf internationalem Feld keine richtigen, sondern falsche Positionen einnimmt.

Anstatt angesichts dieser grossen Krise, angesichts dieses Einvernehmens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion Positionen zu besetzen, um einen Keil zwischen die beiden zu treiben, den einen wie den anderen zu bekämpfen, anstatt in dieser Situation, in der man den Sowjets und den Amerikanern voll Angst und Unzufriedenheit begegnet, die Unzufriedenen um sich zu sammeln, hat China in seiner Politik eine Öffnung gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika vollzogen. Es ist offensichtlich, wie falsch die Rechnung Chinas ist. Mit dieser Politik kann es das Vertrauen der Völker nicht gewinnen, so vergrössert es die Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion nicht. So unterstützt, stärkt es nur die Vereinigten Staaten, diesen brutalen und mächtigen Imperialismus.

China betreibt diese falsche Politik, weil es einen sowjetischen Angriff fürchtet! Werden die Vereinigten Staaten von Amerika China etwa verteidigen? Man muss schon ein Dummkopf oder ein Reaktionär sein, um so etwas zu meinen. Was aber sonst? Braucht es Hilfen und Kredite? Auf diesem Pferd sitzen auch die Sowjets. Demnach geht man den gleichen Weg wie die Sowjets, und zwar im Kampf mit ihnen. Diese Politik ist nicht von marxistisch-leninistischem Geist beseelt. Diese Politik haben auch die kapitalistischen Staaten des Westens nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgt. Sie lehnten sich an die Vereinigten Staaten von Amerika an, die sie finanzierten und schluckten. Aus Angst vor der Sowjetunion der Zeit, als der grosse Stalin noch lebte und leitete, liessen sich die kapitalistischen Staaten Ler Welt vor den amerikanischen Karren spannen. Nun drückt diese 3taaten und Länder die schwere Last, drücken sie die Ketten, in die sie Vereinigten Staaten von Amerika sie gelegt haben, und sie wollen sie abwerfen.

Diese Erfahrung will nun auch China machen. Bei uns gibt es in Volkssprichwort, das sehr gut darauf passt: «Aus Trotz gegen meine Schwiegermutter, geh' ich mit dem Müller ins Bett.» Aus Angst vor den Sowjetrevisionisten will sich China also den Amerikanern in die Arme werfen. Muss es das tun? Das ist nicht markirisch-leninistisch, das ist sogar ein fataler Fehler. China muss den beiden Supermächten bis zuletzt widerstehen, es muss die unzufriedenen Völker und Nationen um sich scharen. Das sind nicht wenige, sie stellen vielmehr eine gewaltige Kraft dar. Die Kraft der Völker, die sich zur Revolution und zum Kampf gegen die beiden Supermächte erhoben haben, ist unbezwingbar. Genau das sind die Widersprüche, die China zuerst ausnutzen muss, anstatt hypothetischen Widersprüchen nachzujagen. Anstatt auf den Spuren zu gehen, die zur politischen Sklaverei führen, sollte es den wohl schwierigen, per revolutionären Weg gehen.

Wir brauchen nicht weiter zu gehen, nehmen wir nur die Frage Frankreichs. Wie das Frankreich de Gaulles unterhält auch das Pompidous zu den Vereinigten Staaten von Amerika unverändert kühle Beziehungen. Unter den jetzigen Umständen fürcht es sowohl die Sowjetunion als auch die Vereinigten Staaten s auch Bonn, dem die beiden Grossen zulächeln. Frankreich wähnt :h in Gefahr und ist bestrebt, diesem starken Druck Widerstand entgegenzusetzen. Es ist klar ersichtlich, dass es den beiden hegemonistischen Supermächten bei ihren europäischen Plänen Steine in den Weg legen will. Es ist bemüht, zusammen mit anderen europäischen Staaten eine Widerstandsgruppe zu bilden, doch das wird sich kaum erreichen lassen. Frankreich sucht auch außerhalb Europas nach Unterstützung. Es hat dabei ein Auge auf China geworfen. Uns ist bekannt, dass Dji Peng-fe Pompidou bei dem Treffen, das er mit ihm hatte, erklärte: «Seht euch vor und seid wachsam gegenüber der Sowjetunion!» Als ob der französische Kapitalismus auf Dji Peng-fe hätte warten müssen, um zu erfahren, er solle wachsam gegenüber der Sowjetunion sein!!

Frankreich ist an der Freundschaft mit China interessiert, sicherlich, um dies gegen die Sowjetunion auszuschlachten. Hierin stimmen seine Absichten mit denen der Vereinigten Staaten von Amerika überein. Zugleich aber lindert dies den Druck der Sowjetunion auf Frankreich. Frankreich hat Meinungsverschiedenheiten mit den Vereinigten Staaten von Amerika, will aber die Verbindungen zu ihnen nicht ganz abbrechen, sieht es in ihnen doch einen Gendarmen gegen den teutonischen Revanchismus und den sowjetischen Ansturm. Was China anbelangt, so möchte sich Frankreich dort gern ausbreiten. Es will Handel mit ihm treiben, um der Wirtschaftskrise, dem wirtschaftlichen Druck zu entkommen, dem man es zunehmend aussetzt, um es in die Knie zu zwingen.

Was wird China tun? Wir werden sehen! Wird die Politik des Lächelns gegenüber Frankreich der Revolution dienen, oder wird sie einem kapitalistischen Staat, der gleichfalls nach Hegemonie in Europa strebt, aus seiner schwierigen Lage heraushelfen? Gewiss stellt Frankreich auch Chinas Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika in Rechnung, doch ohne darüber sehr beunruhigt zu sein. Es bezieht auch Chinas Feindschaft zur Sowjetunion in seine Rechnung ein und sieht sie mit Wohlgefallen. Mit anderen Worten: China holt ihnen die Kastanien aus dem Feuer.

Unserer Meinung nach sind die Positionen, die China einnimmt, sein außenpolitischer Kurs nicht richtig, nicht revolutionär. Es lässt außerordentlich günstige Augenblicke für die Revolution, Augenblicke der grossen und schweren Krise des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus ungenutzt verstreichen.

Die Völker und die Marxisten-Leninisten werden China diese sehr gefährliche, sehr negative und schädliche Haltung nicht verzeihen.





DURRËS, FREITAG,

13. JULI 1973





EINE FORMALE DELEGATION



Ich empfing in Durrës die chinesische Armeedelegation, die anlässlich des 30. Gründungstags unserer Volksarmee zu uns gekommen ist. Sie wird morgen wieder abreisen.

Ich fragte den Leiter der Delegation nach dem Verlauf seiner Reise durch Albanien, auch wenn sie nur kurz war und mit dem Flugzeug stattfand, nach seinem Eindruck von unserer Armee und den Menschen aus dem Volk, mit denen er Kontakt hatte. Natürlich

sagte er nichts, sieht man von ein paar hinreichend bekannten Formeln ab, wie sie noch jeder Chinese verwandte, den wir getroffen haben. Es ist ziemlich mühsam, sich mit den Mitgliedern solcher

Delegationen zu unterhalten, bei denen man keinerlei Resonanz findet, die nicht antworten, wenn sie etwas gefragt werden. Jede Meinungsäußerung, jedes Gespräch, das man zu führen versucht, stösst auf eine (scheinbar) unüberwindliche Mauer. Es ist keinerlei Reaktion festzustellen, man erhält keine vernünftige Antwort, nichts als stereotype, blutleere Formeln.

So ging es mir auch mit dem Leiter dieser chinesischen Delegation. Ich fing ein Gespräch über Wirtschaftsfragen an, um dann auf andere Probleme zu sprechen zu kommen, auf militärische und politische Fragen. Mir fiel auf, dass der Leiter der Delegation die Decke, die Bilder und die Wände betrachtete, während ich sprach. Also schlug ich eine andere Taktik ein, um ihn anzustacheln: mitten im Sprechen hielt ich ein und fragte ihn nach seiner Meinung, wie China dieses oder jenes Problem beurteilt. Mehrmals betonte ich: «Wir freuen uns, wenn hohe Delegationen kommen, weil wir dann Meinungen über kapitale Probleme von beiderseitigem Interesse austauschen können.» Doch Schu Yi liess sich nicht aus seinem Schweigen locken.

Trotzdem sagte ich ihm meine Meinung zu vielen Problemen, und die Mitglieder chinesischen Delegation machten sich Notizen. Sollen diejenigen, die diese Notizen lesen, wenigstens, wenn sie wollen, den Schluss ziehen, dass es absolut sinnlos ist, dergleichen formale Delegationen ohne jede Persönlichkeit (denn sie schweigen) zu schicken. Selbst das, was sie in die Gästebücher der Museen eintragen werden, die sie bei uns besuchen sollten, brachten sie abgezählt aus Peking mit. Das ist ungeniessbar !

Als ich fertig war, begann der Delegationsleiter Formeln herzusagen. Er sagte, diesen Sommer wollten sie ihren Parteitag abhalten und hätten beschlossen, keine Vertreter der Bruderparteien einzuladen. Ich antwortete ihm, das sei ihre Sache, wir bedauerten aber, an ihrem Parteitag nicht teilnehmen zu können, auf dem sicherlich auch Mao sprechen werde. Keinerlei Reaktion. Danach sprach er vom «grossen Sieg» des vietnamesischen Volkes und so fort. Ich unterbrach seinen Redefluss und sagte, dies sei kein grosser Sieg, solange Thieu noch in Saigon sitzt, Macht hat usw. Das machte nicht den geringsten Eindruck auf ihn, rief keinerlei Reaktion hervor. Oder sagen wir eher, seine Haltung sollte zum Ausdruck bringen: «Ich bin gekommen, um unsere Formeln aufzusagen und nicht mehr.» Über Kambodscha sagte er kein Wort, doch ich sprach darüber.

Schließlich kam er mit der «zugkräftigen Parole», mit der die Chinesen die Öffnung gegenüber den_ USA zu «begründen» behaupten, dass nämlich die Sowjetunion gefährlicher sei, was die anderen noch nicht erkannt hätten. Ich sagte darauf, das sei nicht sehr stichhaltig, denn jedermann auf der Welt wisse heute, was die Sowjetunion ist. Sie habe sich durch ihr Vorgehen entlarvt und die Sowjets seien genauso gefährlich wie die Amerikaner. Anders ausgedrückt, er wollte uns die Amerikaner als weniger gefährlich präsentieren. Nachdem der Chinese diese Formeln von sich gegeben hatte, blickte er ständig auf die Uhr. Es ging ihm darum, so schnell wie möglich wegzukommen, aus Angst, das Gespräch könne sich noch länger hinziehen. Ich liess ihn jedoch nicht weg und sprach wärmstens mit ihm «ä bâtons rompus» (kam also vom Hundertsten ins Tausendste), bis ich ihn dann endlich entliess und mich, obwohl er sich wie eine Mumie verhalten hatte, herzlich von ihm verabschiedete.





DURRES, SONNTAG,

28. JULI 1973





WARUM SCHIEBEN DIE CHINESEN DIE EINBERUFUNG

IHRES PARTEITAGS HINAUS?





Von unserem Botschafter in Peking erhalten wir die Mitteilung, dass die chinesischen Genossen uns in ihrer üblichen Art, d.h. durch die Übersetzer, von wichtigen Beschlüssen ihrer Führung unterrichten.

Vor ß oder 7 Tagen bekam unser Presseattaché von seinem chinesischen Übersetzer die Auskunft, es gebe aus «Renmin Ribao» nichts Wichtiges zu übersetzen, da «die Führer mit niemand zusammentreffen, weil sie viel Arbeit haben». Wenn man viel Arbeit hat und aus diesem Grund mit niemand zusammentrifft, dann heisst das nicht, dass das Leben auf der Stelle tritt. Vielmehr wollte uns der Chinese anscheinend zu verstehen geben, dass «die Führer auf Sitzungen sind».

Gestern kam der chinesische Übersetzer unserem Genossen wieder mit demselben Lied. Darauf sagte der zu ihm: «Die Führer haben gewiss viel Arbeit, weil sie sich auf den Parteitag vorbereiten.» Der Übersetzer antwortete: «Nein, der Parteitag wird jetzt nicht abgehalten, er wurde auf später verschoben.» Aus diesem Verständigungsmanöver ergibt sich demnach, dass der Parteitag nicht in allernächster Zukunft stattfinden wird. Wann er zusammentreten wird, lässt sich natürlich schwer sagen. Doch auch ob er überhaupt verschoben worden ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Schliesslich kann man sich auf die Aussage eines Übersetzers nicht so einfach verlassen, auch wenn der nur sagt, was man ihm aufgetragen hat!?

Fa11s der Parteitag verschoben worden ist, aus welchen Gründen? Diese Frage ist wichtig. Technische Gründe lassen sich nicht ausschliessen, doch das kann ich mir eigentlich kaum vorstellen. Wenn der Parteitag verschoben wird, so sicherlich aus politischideologischen Gründen. Wie es scheint, konnten sich die chinesischen Führer über grosse politisch-organisatorische Probleme nicht einig werden. Und davon gibt es unserer Meinung nach nicht nur eines, sondern viele. Die Politik der Kommunistischen Partei Chinas ist, so meinen wir, bei vielen gewichtigen Problemen in der Schwebe und schwingt hin und her wie das Pendel an der Uhr. Wir wollen sehen, warten wir ab.

Innere Probleme gibt es gewiss viele. Andere als die, die in der Kulturrevolution und besonders der «Lin-Biao-Frage» ungelöst geblieben sind, kennen wir ,nicht. Dieses Problem, das habe ich schon in vielen früheren Aufzeichnungen geschrieben, ist kompliziert und mysteriös, doch damit hängen viele andere Parteiprobleme zusammen: die Frage der Reorganisierung der Partei und der Massenorganisationen, die korrekte Entwicklung der Wirtschaft, die, nach Angaben der Chinesen, von Lin Biao sabotiert wurde, sowie die Kaderfrage.

Die Kaderfrage muss ein ;kompliziertes Problem sein, schlagen sich doch darin auch ihre diversen ideologischen Anschauungen nieder. In dieses ganze Durcheinander sind nämlich u.a. Marxistenleninisten, Leute Liu Schao-tschis, Leute mit Ansichten wie Lin Biao und schliesslich auch noch Anhänger der Linie Tschou En-Jais verwickelt. Alle nehmen Mao Tsetungs Linie für sich in Anspruch, einige haben «sich gebessert», einige wurden «rehabilitiert» und ein . paar andere «werden gerade erzogen». Verstehe einer, was da vor sich geht, und das zu einer Zeit, da «die Partei gerade reorganisiert wurde».

Doch wer reorganisierte die Partei? Was für Grundsätze und was für Kriterien wurden dieser Reorganisierung zugrundegelegt? Und waren die, die organisierten, dieser Aufgabe gewachsen, liessen sie sich dabei von marxistisch-leninistischer Rigorosität in den Prinzipien leiten? All diese inneren Probleme müssen nun, bei der Vorbereitung des Parteitags, unweigerlich zum Zusammenprall führen. Diese Probleme müssen richtig gelöst werden, falls nicht festgelegt wurde, dass jeder Parteitag solche Verwirrung und Unklarheit in die Welt zu setzen habe. Es ist durchaus möglich, dass die chinesische Führung das entschieden hat, immerhin schrieb Mao ja in seinem Brief an Djiang Tjing mit Bezug auf Liu Schao-tschis Gruppe, man werde sie hinaussäubern, danach werde man die anderen hinaussäubern, danach die nächsten und so fort. Das hängt natürlich davon ab, was man dort in China unter Säuberung versteht, wie man Säuberungen durchführt, wen man hinwegsäubert und wer bleibt und wer von den «Hinausgesäuberten» nach Abschluss dieses Prozesses wieder in die Partei kommt.

Für uns birgt Chinas Außenpolitik viele dunkle Probleme, die natürlich im Bericht an ihren Parteitag analysiert und bestimmt werden müssen. Doch es ist möglich, dass die chinesischen Genossen diese Probleme, die für uns dunkel sind und zu denen sie unserer Meinung nach eine falsche Haltung einnehmen, für völlig gelöst, ja sogar «richtig gelöst» halten. Wir meinen, dass die chinesischamerikanischen Beziehungen von Anfang an eine falsche Richtung genommen haben und in dieser falschen Richtung weitergehen. Doch was klügelt man mit den Amerikanern aus? Seit ganzen zwei Jahren erfährt man nicht das geringste. Geheimnisumwoben geht Kissinger in China ein und aus, nimmt Kontakt mit Tschou En-lai auf und führt mit ihm vertrauliche Gespräche. Nixon kam und ging, in China herrscht überhaupt ein ständiges Kommen und Gehen zahlreicher Delegationen amerikanischer Senatoren, Bankiers, Wissenschaftler, Touristen, Fußballspieler, Künstler und Spione aller Art. Was tun sie alle?! Was sagen sie?! Was kommt bei diesem Schacher heraus?! Darüber ist absolut nichts zu erfahren! Über alles wissen nur Tschou En-lai und seine Vertrauten Bescheid. Und Nixon natürlich auch. Die Welt erfährt nur, dass sie nach China kommen, auf Banketten begrüsst werden und wieder gehen. Ein grosses, ekelhaftes, verdächtiges, verwerfliches Geheimnis der Chinesen. Jeder hat das Recht zu fragen: «Was wird da hinter dem Rücken der Menschheit ausgeheckt?» Wenn sich Breschnew und Nixon treffen, fassen sie sicherlich auch Geheimbeschlüsse, mindestens einige Ergebnisse werden aber veröffentlicht. Nichts davon 'bei den Chinesen. Was brachte den Chinesen diese ganze heimlichtuerische Politik? Vor der Öffentlichkeit nichts Gutes, nur grossen Schaden. Die Welt überlegt: Was ist nur dieses China?! Was tut es da?! Welche Linie, welche Ziele verfolgt es?!

Ob die chinesischen Genossen diese Ziele und diese Ergebnisse wohl auf ihrem Parteitag erläutern? Möglicherweise zermartern wir uns unnötig den Kopf, während die Chinesen diese Frage mit Leichtigkeit «lösen»: entweder stellen sie die Sache auf dem Parteitag als eine Lustpartie hin, oder sie sagen gar nichts. Diese Lösung mag verwunderlich erscheinen, doch bei den chinesischen Genossen gibt es nichts, was einen verwundern dürfte. Sie mögen vor ihrem Parteitag und der Welt verkünden: «Heute ist es nicht nötig, irgend etwas zu erklären. Morgen, da werdet ih'r Augen machen! Vertraut auf uns, denn wir irren uns nie, wir weichen niemals von der Linie ab. Lasst uns in Ruhe im geheimen wirken, wird doch aus der Finsternis ein Strahlen dringen, das die Welt blendet.»!

Noch vor dem Parteitag werden die Chinesen Kissinger empfangen. Er hat erklärt, er werde mit den Chinesen über viele (natürlich geheimnisvolle) Dinge sprechen, unter anderem über die Kambodschafrage. Kaum hat der Amerikaner Kissinger dies erklärt, macht sich Sihanouk, sicherlich als Zeichen des Protests, nach Korea auf. Und damit hat er ganz recht. Auf der einen Seite wird Kambodscha von den Amerikanern bombardiert, auf der anderen Seite führt China Geheimgespräche mit den Vereinigten Staaten von Amerika! Wie werden sie das dem Parteitag beibringen? Wie werden sie dem Parteitag den «grossen Frieden in Vietnam» erklären, wenn sie gleichzeitig sagen, Le Duan sei ein Revisionist, ein treuer Verbündeter der Sowjetunion und ein heute verborgener Kollaborateur, morgen aber offener Verbündeter der Amerikaner und des Westens, die ihm Kredite geben werden?

Ob sie wohl all dies dem Parteitag sagen werden?! Sind vielleicht diese und viele andere. ähnliche Probleme zum Hindernis geworden, und sie mussten den Parteitag verschieben? Möglich, vielleicht aber auch nicht! Warten wir ab, wir werden dann schon sehen!





Behar Shtylla wird als Botschafter nach China gehen. Er trifft gerade seine Vorbereitungen. Wir werden um das Agrément nachsuchen, und falls die Chinesen den Parteitag verschieben, kann er dann so schnell wie möglich aufbrechen.





DURRËS, MITTWOCH,

1. AUGUST 1973





DIE CHINESEN HABEN DIE POLITISCHEN KONTAKTE MIT UNS

ABKÜHLEN LASSEN. BEMÚHEN WIR UNS, DAS

EIS ZU BRECHEN



Ich habe Mehmet gegenüber die Meinung geäussert, es sei nun an der Zeit, dass eine Delegation unter seiner Leitung zu einem Freundschaftsbesuch nach China fährt, vielleicht im März oder April kommenden Jahres (wir werden noch sehen und unsere Entscheidung fällen). In China ereigneten sich all diese Dinge, «die Kulturrevolution ging zu Ende», «Lin Biao wurde liquidiert», China öffnete mit seiner Politik den Vereinigten Staaten von Amerika die Tür. Seither haben die Chinesen die politischen Kontakte mit uns abkühlen lassen. Sie unternehmen nicht den geringsten Versuch, mit uns Meinungen über die zahlreichen wichtigen internationalen Probleme auszutauschen. Wir jedenfalls haben nicht versäumt, ihnen unsere Ansichten vorzutragen, sowohl ich als auch andere Kader. Die Chinesen schweigen. Wie weit das geht, zeigt sich nicht nur daran, dass sie in ihrer Presse auf keine unserer Veröffentlichungen eingehen. Nein, sie berichten noch nicht einmal über die Erfolge, die unser Land erzielt hat. Die Vertreter ihrer Nachrichtenagentur, die sie hier bei uns haben, leiten nur kurze Nachrichten im Chronikstil weiter.

Das spiegelt natürlich ihre Neigung wider, die bisherige Politik fortzusetzen. Sie waren nicht zufrieden mit unserer Ansicht über Nixons Chinareise, ganz bestimmt hat sie ihnen nicht gefallen. Doch was hat dieses Treffen mit den Amerikanern schliesslich erbracht? Für uns ist nichts ersichtlich, und sie selbst sagen auch ,nichts. Alles halten sie geheim. Wir haben unsere Kritik intern geübt. Hierbei zeigte sich klar und deutlich, dass wir an unserer Einstellung zu den Vereinigten Staaten von Amerika absolut nichts rührten; unser Kampf gegen sie wird unverändert weitergehen, die Chinesen dagegen schwächten ihren Kampf ab. Vielleicht wollten sie, dass wir ihrem Beispiel folgten, doch das taten und tun wir nicht. Unser Weg ist richtig. Jedenfalls müssen wir uns trotz all unserer Widersprüche in diesen Problemen bemühen, das Eis zu brechen, das sich nicht durch unsere Schuld gebildet hat. Das liegt im Interesse unseres Landes, Chinas und der Revolution.

Zudem müssen wir durch Kontakte zu den führenden chinesischen Genossen erfahren, wie es wirklich um die innere Lage in China bestellt ist, wie es wirklich mit der Partei, der Politik, der Wirtschaft aussieht. Wir brauchen ein 'klareres Bild von der chinesischen Politik gegenüber der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten von Amerika usw. Wir müssen ausserdem wissen, wie die chinesischen Genossen die künftige Entwicklung und die Vorgänge in der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung beurteilen.

Unsere Delegation wird natürlich erst nach dem Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas und der Tagung des Volkskongresses fahren. Dann wird vieles geschehen, viele Fragen entschieden sein. So können dann unsere Kontakte mit ihnen mehr erbringen.

Bei dieser Gelegenheit sollte unsere Delegation auch nach Korea, Vietnam und Pakistan fahren. So nehmen wir Kontakt mit den Freunden auf, was uns nach innen und aussen Vorteile bringt. Mehmet war vollkommen einverstanden.





DURRRS, DIENSTAG,

21. AUGUST 1973





DIE TAKTIK DER VIELEN LINIEN IN CHINA - EINE PRAXIS,

DIE ZUM PRINZIP ERHOBEN WURDE



Auch weiterhin ist von China international nichts zu hören. Jeder Staat hat seine Ruheperioden, doch der Urlaub der Chinesen von der internationalen Politik dauert nun schon sehr lange, während die anderen Grossmächte der Welt ihre Anstrengungen und Intrigen fortsetzen. Die Sowjetrevisionisten und ihre Satelliten starten täglich Angriffe auf China und bezichtigen es der Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Imperialismus, des Antimarxismus und der Spaltung des sogenannten sozialistischen Lagers. China reagiert nicht auf diese Angriffe. Die antichinesische Propaganda der Sowjets nimmt konkrete Formen an, und es ist vorauszusehen, dass sich dieser Prozess vertieft. Die Sowjets bereiten sich darauf vor, auf der Konferenz der «Blockfreien» in Algier durch Fidel Castro aktiv zu werden, der von ihnen täglich mindestens anderthalb Millionen Dollar erhält. In den letzten Monaten griff Rauschebärtchen Castro, ohne sie 'beim Namen zu nennen, China und Albanien an. Ihm zufolge ist die Sowjetunion ein wahrhaft sozialistisches Land und gehört zur «dritten Welt». Solche Thesen wird dieses Grammophon der Sowjets auch in Algerien vortragen.

«Die Sowjets Teil der dritten Welt»!! Warum auch nicht! Tschou En-lai hat diese These ebenfalls aufgestellt, für China. Also los, Leute, hinein in diese «dritte Welt», so schnell ihr nur könnt! Doch wer bleibt dann übrig für die «zweite Welt»? Und wer gehört zur ersten? Man kann auch noch eine vierte und eine fünfte aufmachen, damit sich vollends niemand mehr auskennt! Der Zweck des ganzen: sich unter allen Umständen zu tarnen.

Zu diesen ganzen regen antichinesischen politischen Umtrieben schweigt China. Ein chinesischer Botschafter sagte zu einem unserer Botschafter: «Auch wir sind dabei, eine politische Offensive gegen die Sowjets vorzubereiten, und zwar in der Frage der sowjetisch-chinesischen Grenzen.» Wie viel ist daran wahr? Jedenfalls ist es bedauerlich.

Nixon und die Vereinigten Staaten von Amerika stecken tief in einem schmutzigen Skandal, in einer schweren Krise. Die Sowjets reichen Nixon die Hand, um ihm aus diesem Morast herauszuhelfen. Und die Chinesen, was tun sie? Sie schweigen! Über nichts, was in den Vereinigten Staaten von Amerika vor sich geht, wird in den chinesischen Zeitungen berichtet. Dort lässt man typisch chinesisches «Feingefühl» walten, um die Eier der Glucken Tschou, Kissinger und Nixon nicht zu zerbrechen. Die chinesischen Zeitungen machen Propaganda für das Aus und Ein amerikanischer Delegationen in China, für die Mittag- und Abendessen, die ihnen zu Ehren gegeben werden.

Kissinger hatte angekündigt, er wolle am 15. August nach Peking kommen, um die Kambodschafrage zu «regeln», doch er fuhr nicht, weil Sihanouk sich verdrückt hatte, nach Korea abgereist war, um mit ihm nicht über dieses Problem verhandeln zu müssen. Seine Pläne wurden durchkreuzt.

Die Chinesen haben uns offiziell mitgeteilt, sie wollten im August oder Anfang September ihren Parteitag abhalten und außerdem den Nationalen Volkskongress einberufen. Möglich, dass sie es tun werden! Doch bis jetzt gibt es dafür noch keine Anzeichen, der August ist fast vorbei und der Herbst rückt heran. Man spricht davon (doch das ist Diplomatengerede), das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas sei zusammengetreten und man habe sich über die Einberufung des Parteitags nicht einigen können: «Djiang Tjing und Yao Wen-yüan stehen in Opposition zu Tschou En-lai. Der Parteitag wurde verschoben.» Der chinesische Botschafter in Paris teilte unserem Botschafter mit, ,am 11. September werde Pompidou nach Peking reisen. Wenn das stimmt, wird der Parteitag kaum vor den Feiern zum 1. Oktober zusammentreten.

AFP meldete gestern abend, Tschou En-lai habe dieser Tage ein Treffen mit holländischen Parlamentariern gehabt und zu verstehen gegeben, er stelle «die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika nach ihrer Gefährlichkeit auf eine Stufe». Wem soll man da glauben? Wir wollen wünschen, dass es so ist. Wenn nun in dieser Äußerung auch nur ein Quäntchen Wahrheit steckt, dann ist auf den geheimnisvollen Sitzungen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei China etwas passiert! Die eine Linie muss zeitweilig die Oberhand über die andere behalten haben! Die Taktik der zwei oder vielen Linien ist in der Kommunistischen Partei Chinas, wie sich zeigt, eine geläufige Praxis, die zum Prinzip erhoben wurde. Diese verschiedenen Linien gibt es zweifellos sowohl unter den Führern als auch unter ihren Anhängern. Alle verschanzen sich hinter Maos Banner. Mao Tsetung «erklärt sich halbherzig» für eine dieser Linien und lässt die Zeit 4hre Richtigkeit beweisen». Wenn die Zeit diesen Beweis nicht liefert, wendet er sich der anderen Linie zu, überlässt es aber wieder «der Zeit, den Beweis zu erbringen». Und so geht es dann weiter! Bei jeder Wende gibt Mao irgendeinen «Spruch», irgendein «Zitat» von sich. Und darum kreist dann die chinesische Welt, darüber denken die Menschen nach und jeder nimmt seinen Weg: für die einen ist es der Weg der Macht, für die anderen eine gewisse Zeitlang der der «Umerziehungsschule». Nur Lin Biao wurde «geselbstmordet», als Verschwörer. Die anderen werden rehabilitiert, kommen später in die Partei und ~a-n die Staatsmacht und werden dann wieder abgelöst.

Doch sind diese Schlussfolgerungen richtig?! Aus den Fakten, über die wir verfügen, sind kaum andere -möglich.

Die chinesischen Genossen wahren tiefes Schweigen, sie sagen nichts und schreiben nichts. Analysen von Problemen und Situationen lassen sich ebenso wenig feststellen wie sichtbare politische Handlungen, die andere Schlüsse zulassen. All die Fakten und Angaben, die wir sorgfältig zusammentragen und sehr wohlwollend und objektiv analysieren, lassen keine anderen, einleuchtenderen Folgerungen zu. Überlassen wir es, wie Mao Tsetung, der Zeit, den Beweis zu liefern.





DURRËS, DONNERSTAG,

23. AUGUST 1973





CHINA DARF EUROPA NICHT VERNACHLÄSSIGEN





Stets waren wir der Meinung (und das haben wir auch Li Hsiän-niän gesagt), dass China international mit einer aktiven Politik auftreten müsste, um seine revolutionären Positionen auf der Welt zu festigen, das Weltproletariat im Kampf gegen das Kapital zu ermutigen, den fortschrittlichen Völkern zu helfen, die dafür kämpfen, die Freiheit, Unabhängigkeit und Souveränität zu gewinnen und zu verteidigen, sich aus den Klauen des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Sozialimperialismus zu retten. Gegen diese beiden Supermächte, so sagten wir zu Li Hsiän-niän, muss ein gnad endloser Kampf geführt werden, ohne Zugeständnisse in den Prinzipien. Wir müssen die Widersprüche zwischen den beiden vertiefen, ohne uns auf die Seite der einen oder der .anderen zu schlagen. Wir müssen die Situation stets im Zusammenhang mit den wechselnden Umständen auf der Welt analysieren und dürfen in der Taktik unserer Strategie weder zuwiderhandeln noch sie bekämpfen. Unsere grosse Losung «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!» darf ;keine tote Phrase bleiben.

Wir gaben Li Hsiän-niän außerdem zu Verstehahn, dass China Europa vernachlässigt und dies ein grosses Problem ist. In Europa prallen die grossen Interessen der Imperialisten und Sozialimperialisten aufeinander, hier haben sie ihre Hochburg, von hier aus sind sie zur Kolonisierung der Welt, zur Unterdrückung der Völker ausgezogen; hier entwickeln sie ihre Theorien, die sie dann über die ganze Welt verbreiten. Damit, so sagten wir zu Li Hsiän-niän, meinen wir nicht, unser intensiver Kampf in allen Teilen der Welt sollte vergessen werden. China muss überall eine entscheidende Rolle für die Revolution spielen, in Asien, Afrika und Lateinamerika, doch Europa darf es niemals vernachlässigen.

Nun hat China begonnen, Interesse an Europa zu zeigen, bedient sich dabei aber nicht immer der richtigen Taktik. Das habe ich schon in früheren Aufzeichnungen festgestellt und möchte es hier nicht wiederholen. Pompidous Chinareise im September spricht für eine gute Taktik der Chinesen. Frankreich will daraus Vorteil ziehen, doch auch China gewinnt, falls es die sich bietende Gelegenheit richtig nutzt.

Warum reist Pompidou nach Peking? Meiner Meinung nach sind zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika ernste, noch aus der Zeit de Gaulles ererbte Widersprüche aufgetreten. Mit Pompidous Machtantritt schienen sie sich abgeschwächt zu haben, verschärften sich aber wieder, weil die Vereinigten Staaten von Amerika Frankreich wirtschaftlich, politisch und militärisch in die Knie zwingen wollen. Der wichtigste Partner der Vereinigten Staaten von Amerika ist die Deutsche Bundesrepublik. Bonn wird nun auch für Frankreich gefährlich. Fs gefährdet nicht nur Seine Autorität und seine Wirtschaft, sondern bedroht es auch militärisch. Also erwächst Frankreich neben den Vereinigten Staaten von Amerika auch noch ein anderer ständiger Rivale, der revanchistische deutsche Imperialismus, und zur dritten grossen Gefahr für Frankreich wurde die Sowjetunion.

Frankreich erkennt, dass die Verständigung unter den beiden Supermächten besonders auf seine Kosten geht, während Bonn zwischen ihnen steht und an Boden gewinnt. Folglich werden die Vereinigten Staaten von Amerika, die Deutsche Bundesrepublik und die Sowjetunion zu einer Bedrohung für Frankreich. Frankreich seinerseits ist bestrebt, vorzustoßen und diesen mächtigen Block zu spalten, wofür es nun Unterstützung bei China sucht. Deshalb fährt Pompidou nach Peking. Natürlich wird Pompidou an den Fragen ansetzen, bei denen Frankreich gemeinsame Ansichten mit China hat. Diese Fragen könnten sein: Die Einstellung gegen die Zusammenarbeit der beiden Supermächte, mit der sie über die internationalen Probleme und die Einflusssphären auf der Welt entscheiden wollen; der Widerstand gegen die Schachereien der beiden Supermächte um die sogenannte Rüstungsbegrenzung, deren Ziel es ist, das Rüstungsmonopol der beiden Supermächte zu wahren und auszubalancieren und die anderen Länder zu entwaffnen; der Widerstand gegen die Einmischung der beiden Supermächte in die inneren Angelegenheiten der anderen Länder; dar Widerstand gegen ihre Expansion auf Meeren und Ozeanen. Und so fort.

China wird in diesen Punkten sicherlich zustimmen, doch wir wollen sehen, wie es manövrieren wird, um grösseren Profit herauszuholen, denn es ist «auf einem Auge blind». Die Sowjetunion misst es mit der kurzen, die Vereinigten Staaten von Amerika und Bonn dagegen mit der langen Elle. Doch bei all dem darf es weder das Proletariat noch die Revolution, noch die Völker Europas vergessen, die gegen das Kapital kämpfen.





SONNTAG,

2. SEPTEMBER 1973



GLUCKWUNSCHTELEGRAMM ZUM 10. PARTEITAG DER

KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS



Die chinesischen Genossen gaben über Presse und Rundfunk bekannt, dass sie ihren 10. Parteitag abgehalten haben. Den politischen Bericht hielt Tschou En-lai. Außerdem wurde ein zweiter Bericht über das neue Statut der Partei gehalten und das Statut verabschiedet.

Heute habe ich im Namen des Zentralkomitees der PAA und in meinem Namen dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas und Mao Tsetung aus Anlass des 10. Parteitags ein Glückwunschtelegramm geschickt.





SAMSTAG,

8. SEPTEMBER 1973





DER 10. PARTEITAG DER KOMMUNISTISCHEN

PARTEI CHINAS



Vom 24. bis 28. August 1973 wurde der 10. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas abgehalten.

Zwei Hauptberichte wurden gehalten: einen, den wichtigeren, hielt Tschou En-lai, und den zweiten, über das Parteistatut, Wang Hung-wen. Der Parteitag fand in vollkommener Abgeschlossenheit von der Außenwelt und unter grosser, sozusagen «vorbildlicher» Geheimhaltung statt. Die chinesischen Genossen begründen diese Geheimhaltung mit dem Schutz vor Sabotage der Sowjetrevisionisten. (!) Gut, das ist ihre Sache, doch die Konspiration ging auch nach Abschluss des Parteitags weiter. Das fiel ,genau in die Zeit, da unser Botschafter in Peking, Xhorxhi Robo, Kandidat des ZK der PAA, seine Abschiedsbesuche machte, weil er in seinem Amt abgelöst wird. Obwohl er danach fragte, sagten ihm die Chinesen kein Wort davon, dass der Parteitag stattgefunden hatte und bekanntgegeben werden sollte. Wie dem nun auch sei, das ist nicht so wichtig.

Der 10. Parteitag .billigte die Linde der Kulturrevolution und das allgemeine Vorgehen dabei sowie die Linie des 9. Parteitags. Die Kulturrevolution definierten sie nun richtiger als eine Revolution mit politisch-ideologischem Charakter. So haben wir diese Revolution schon bezeichnet, als in China noch unklare und sehr oft falsche Definitionen gegeben wurden.

Auf dem Parteitag wurde angedeutet, während der Kulturrevolution seien Fehler gemacht worden. Diese Fehler haben wir gesehen, wir haben miteinander darüber diskutiert, haben sie im engen Kreis unserer Führung kritisiert und uns zu Recht gewundert, wie man solche antimarxistischen Fehler zulassen konnte. Wir hatten nur die Pressemeldungen, denn die Chinesen informierten uns nicht, hielten sie dies doch für ihre inneren Probleme. Dennoch glaube ich, dass wir uns im Kern bei der Beurteilung der Fragen nicht geirrt haben. Natürlich können wir uns noch kein gründliches Urteil über diese Probleme in ihrer ganzen Tiefe erlauben, denn die. Chinesen haben bisher die Kulturrevolution, die Ideen, Strömungen und Tendenzen, die hervortraten und aufeinander prallten und im Verlauf dieser Revolution bis zu bewaffneten Auseinandersetzungen führten, noch nicht einer tiefgreifenden Analyse unterzogen. Intern mögen die Chinesen diese Analyse geleistet haben, doch eine öffentliche Analyse gibt es nicht, und über die Verurteilung der Gruppen Liu Shao-tschis sowie Lin Biaos und Tschen Bo-das und deren Gründe hinaus wissen wir nichts.

Der 9. Parteitag wird als Ganzes gebilligt. Lin Biao, so heilstes, habe zu diesem Kongress keinen anderen Beitrag geleistet als die «widerwillige Verlesung» des politischen Berichts. Dieser Bericht sei nämlich von anderen Genossen unter Maos Leitung ausgearbeitet worden, den von Lin Biao und Tschen Bo-da ausgearbeiteten Bericht aber habe man abgelehnt (!).

Der 10. Parteitag verurteilt die «verbrecherische, parteifeindliche» usw. Tätigkeit Lin Biaos und seiner Gruppe. Dieser wird als Agent der Sowjetrevisionisten und Urheber einer Verschwörung zur Ermordung Maos bezeichnet. Diese Gruppe und ihre feindliche Tätigkeit seien «überall erfolgreich und vollständig liquidiert» worden. Diese Gruppe habe «schwer sabotiert». Der Parteitag «billigte vorbehaltlos und einhellig die richtige marxistisch-leninistische Linie des Vorsitzenden Mao» und betonte, man müsse «den Kampf zur Entlarvung des Verräters Lin Biao fortsetzen» und «Lehren aus dem negativen Beispiel ziehen».

Über die Außenpolitik und die Aufgaben der Kommunistischen Partei Chinas äussert sich der 10. Parteitag klar, so scheint uns, und bestimmt richtig die grosse Gefährlichkeit der beiden imperialistischen Supermächte, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika. Er weist auf den «Kampf gegen beide» hin, die «China verspeisen und die Welt und die Völker beherrschen wollen». Ferner heisst es, dass «der proletarische Internationalismus gestärkt und verteidigt werden, die Einheit mit dem Proletariat, den unterdrückten Völkern und Nationen gefestigt werden muss» usw. Gut und im Widerspruch zu einigen früheren Äußerungen ist, dass der 10. Parteitag betont: «Wir müssen uns mit allen wahrhaft marxistisch-leninistischen Parteien und Organisationen der Welt vereinigen und den Kampf gegen den modernen Revisionismus zu Ende führen.»

Unsere Partei hat die Kommunistische Partei Chinas unterstützt und verteidigt, in guten und in schlechten Zeiten. Doch stets hat unsere Partei, ebenfalls auf marxistisch-leninistischem Weg, Kritik geübt, wo sie einige Fragen für nicht richtig erachtet hat. Diese Kritiken und Hinweise erfolgten zur rechten Zeit und unter Einhaltung der Normen.













SONNTAG,

30. SEPTEMBER 1973





BEIM EMPFANG, DEN DER CHINESISCHE BOTSCHAFTER IN

TIRANA GAB



Bei dem Empfang, der gestern abend in der chinesischen Botschaft gegeben wurde, beglückwünschte ich den Botschafter herzlich zum Parteitag und seiner Wiederwahl zum Kandidaten des Zentralkomitees. Danach informierte er uns über die Vorbereitung und Durchführung des Parteitags sowie über die Begeisterung, die dieses Ereignis in China ausgelöst hat. Alles, was er uns sagte, wussten wir bereits aus Chinas Presse und Rundfunk. Der Botschafter gab uns eine Nacherzählung von Tschou En-Jais Bericht.

Auf meine Fragen -bezüglich Pompidous Besuch gab er mir keine konkrete Antwort, stimmte aber, nachdem ich mich veranlasst gesehen hatte, unsere Beurteilung der Positionen der französischen Politik darzulegen, unseren Ansichten völlig zu.

Ich fragte ihn nach der Zukunft Kambodschas. Der chinesische Botschafter sagte einigermaßen zurückhaltend : Die Kambodschaner müssten noch kämpfen, sie müssten sich stählen, stärken, noch viele andere Zentren !befreien, ehe sie Pnom Penh einnehmen könnten, denn Lon Nol unterhalte noch eine Armee, die viel grösser sei als die der Front, andere sickerten aus Thailand ein, und die Vereinigten Staaten von Amerika leisteten ihnen weiter Hilfe, usw.

Auf meine Frage hin sagte er: «Die Südvietnamesen erlauben den Transit der Waffen nach Kambodscha, die wir (die Chinesen) ihnen geben.»









1974



DIENSTAG,

2. APRIL 1974



WARUM WOLLEN DIE CHINESEN NICHT, DASS WIR DAS

WASSERKRAFTWERK VON FIERZA BAUEN?!



Warum behandelt die chinesische Führung die für uns so bedeutende Frage, die Frage des Wasserkraftwerks von Fierza, auf falsche, man kann sogar sagen feindselige Weise? Mit ihrer Darstellung des Problems geben uns die chinesischen Spezialisten deutlich zu verstehen, man müsse vom Bau dieses Wasserkraftwerks Abstand nehmen. Doch warum? Etwa wegen der «unzureichenden geologischen Untersuchungen»?! Das stimmt nicht! Diese Untersuchungen wurden auch von ihnen durchgeführt und für umfassend gehalten. Dazu wurden gemeinsame Dokumente unterzeichnet. Also?!!

Sollte dies die feindliche Tätigkeit einiger chinesischer Spezialisten sein, die über dies e Frage ihrer Führung falsch Bericht erstattet haben, bis diese dann zu ihnen sagte: «Ihr habt recht, wir müssen eine mögliche Katastrophe vermeiden»? Diese Vermutung hat durchaus Hand und Fuss, denn eben die chinesische stellvertretende Energieministerin vertrat früher schon die These, dass «das Wasserkraftwerk von Vau i Dejës eine Katastrophe wäre». Wir widersprachen ihr, das Wasserkraftwerk wurde gebaut. Tschou En-lai erklärte, die chinesischen Spezialisten hätten unrecht gehabt, die albanischen Spezialisten dagegen recht. Das Wasserkraftwerk von Vau i Dejës steht gut und solide.

Hoffen wir, dass es auch beim Wasserkraftwerk von Fierza so sein wird. Wir wollen sehen, wie man die Darstellung aufnehmen wird, die Rahman Hanku* *( Bauminister) dem chinesischen Energieminister vorlegen wird. Wenn sie auf ihrer falschen Auffassung beharren, werden wir bei höherer Stelle vorsprechen, bis unsere gerechte Sache verwirklicht wird.



Rahman Hanku benachrichtigt uns aus Peking, dass die Führung der chinesischen Spezialisten für das Wasserkraftwerk von Fierza Petrit Radovicka* *( Leiter der Arbeitsgruppe für den Entwurf des Wasserkraftwerks von Fierza.) mitgeteilt hat, dass «die chinesischen Spezialisten nicht von ihrem Standpunkt abrücken». Anders ausgedrückt, das Wasserkraftwerk soll nicht gebaut werden. Radovicka antwortete ihnen, dass auch unsere Spezialisten nicht nachgeben, denn wir haben recht. Rahman wird um ein Treffen mit dem zuständigen chinesischen Minister ersuchen und diesem die Sache entsprechend den Anweisungen darstellen, die wir ihm gegeben haben.







MITTWOCH,

10. APRIL 1974





DER «STURM» UM FIERZA ENDETE MIT DER SCHANDE DER

CHINESEN



Der «Sturm», den die chinesischen Genossen um das Wasserkraftwerk von Fierza entfesselten, stellte sich .als «Sturm im Wasserglas» heraus. Die ganze Sache war nur dazu da, eine Situation zu schaffen, in der sie uns sagen konnten: «Übernehmt die Planung des Wasserkraftwerks in eigener Verantwortung, wir werden euch wie schon bisher mit allem helfen.» Die Chinesen fürchteten die Verantwortung. Wir erklärten ihnen, dass wir einverstanden sind, die Verantwortung übernehmen, und damit fielen alle Hindernisse. Ich glaube aber, dass die chinesischen Spezialisten auch von den Jugoslawen beeinflusst worden sind (wie, das wissen wir nicht), die unseren Leuten gegenüber in bezug auf das Wasserkraftwerk von Fierza genau dieselben Fragen aufgeworfen haben, in derselben Form und mit demselben Inhalt. Natürlich wäre es sehr zum Vorteil der Titoisten gewesen, wenn der Bau des Wasserkraftwerks blockiert worden wäre, denn dies hätte politische Schwierigkeiten zwischen China und uns verursacht und uns wirtschaftlich geschadet. Doch alle wurde ausgeräumt. Die Chinesen nahmen die «Schande» auf sich, denn sie haben Angst vor der Verantwortung und haben dies im offiziellen Dokument auch unterschrieben. Das bringen nur sie fertig!!





FREITAG,

24. MAI 1974



FÜR DENG HSIAO-PING WIRD GROSSE REKLAME GEMACHT



T)ie ausländischen Nachrichtenagenturen sprechen ständig von der «Entfernung» Tschou En-Jais von der Leitung des Staates und seiner Ersetzung durch Deng Hsiao-ping. Dabei stellen sie viele Spekulationen an: er sei «in seiner proamerikanischen Politik gescheitert», es sei «wegen seines Liberalismus und Opportunismus in der Linie» usw. Die bürgerlich-kapitalistischen Nachrichtenagenturen sagen ebenso, an den Mauern einiger Fabriken seien Dazibaos angebracht worden, in denen Tschou En-lai als «Speichellecker der Ausländer» bezeichnet wird. Natürlich. über solche Dinge haben die Feinde des sozialistischen China immer Spekulationen angestellt.

Was geschieht in Wirklichkeit? Soweit wir wissen und nach dem, was uns die chinesischen Genossen gesagt haben, ist Tschou einfach sehr erschöpft von der vielen Arbeit, die er verrichtet hat, insbesondere in Anbetracht seines fortgeschrittenen Alters. Tatsache ist auch, dass er die gesamte Arbeit in den Auslandsbeziehungen monopolisiert hatte, so sehr, dass er keinen Ausländer aus China abreisen liess. ohne sich mit ihm getroffen und mit ihm ,gesprochen, ohne ihn am Flughafen abgeholt und wieder hinbegleitet zu haben, nicht zu vergessen schließlich die Abend- und Mittagessen. Und das gilt für alle Besucher, von den Staatsoberhäuptern bis hin zu den amerikanischen Senatoren, zu Wissenschaftlern, Journalisten und Tischtennisspielern. mit einem Wort. «Krethi und Plethi». Das war nicht n»r übertrieben. sondern auch schädlich für Chinas Ansehen. Daher sagten uns Li Hsiän-niän. Deng Hsiao-ping u.a., es sei der Beschluss gefasst worden, Tschou solle ausruhen und sich von allen protokollarischen Angelegenheiten zurückziehen. Dies setzen sie nun um, und tatsächlich vertritt ihn Deng Hsiao-ping in dieser Hinsicht.

Li Hsiän-niän linss in einem Gespräch mit Behar im Zusammenhang mit Tschous Erschöpfung auch folgenden Satz fallen: «Wenn die Kader alt werden, machen sie auch ideologische Fehler»! Behar berichtigte ihn und sagte: «Wenn sie alt werden, werden sic körperlich schwächer, nicht aber ideologisch.» Li Hsiän-niän korrigierte die Meinung, die er geäußert hatte, sofort und gab Behar recht. Was wollte er wohl damit sagen?

Die Tatsachenl zeigen, dass Deng Hsiao-piltg gegenwärtig offener gegen die Vereinigten Staaten von Amerika auftritt, in der UNO wie auch anderswo. Die Nachrichtenagenturen meldeten, die Chinesen hätten einen Club geschlossen, den die Amerikaner in Peking für die Kinder von Diplomaten eröffnet hatten, und zudem verlangt, dass die Marineinfanteristen, die die amerikanische Mission bewachen, durch Zivile ersetzt werden. Anscheinend wurden solche Dinge zuvor, zur Zeit des «Honigmonds» mit den Vereinigten Staaten von Amerika, geduldet. Nun, nach der «Erfahrung», gibt es wohl eine «Desillusionierung» in dieser Linie, und man hat sie den Amerikanern gegenüber verschärft. Das gefällt uns. Möglicherweise ist dies ein neuer Umschwung, den sie mit Leuten vollziehen, die wieder ara die Macht gekommen sind, von denen einer Deng Hsiaoping ist. Doch soweit wir dies bis jetzt beurteilen können, ist Tschou ,nicht «kaltgestellt» worden, wie die westlichen Nachrichtenagenturen behaupten. Er ist tatsächlich erschöpft, leitet jedoch, wenn auch in neuen Formen und mit neuen Methoden. Möglich, dass sie ihn auch zum Vorsitzenden des Präsidiums machen, wenn der Volkskongress zusammentritt.

Tatsache ist, dass für Deng Hsiao-ping gegenwärtig grosse Reklame gemacht wird, dass sie für ihn einen Sessel vorbereiten. Gestern übergab der chinesische Botschafter Liu unserem Aussenministerium offiziell eine stattliche Menge von «Reklamefotos», die aus Peking gekommen sind. Sie zeigen, dass Deng nun «triumphiert». Er wird von ihnen vor seinem UNO-Auftritt mit grosstm Pomp verabschiedet und genauso wieder empfangen, man zeigt ihn beim Empfang von Staatsmännern usw. Für Tschou dagegen, ja sogar für Mao, taten sie so etwas in dieser Weise nicht. Der chinesische Botschafter hier wird nicht müde, mit jedem, den er trifft, über Deng zu sprechen und ihn zu preisen. Dies ist eine Direktive und geschieht nicht ohne Absicht. Die werden wir später klarer sehen.





SONNTAG,

26. MAI 1974





DIE CHINESEN VERSCHIEBEN ERNEUT DEN BESUCH

UNSERER PARTEI- UND REGIERUNGSDELEGATION



Die Chinesen teilten uns ;durch Li Hsiän-niän und über Behar mit, sie könnten unsere Partei- und Regierungsdelegation mit Genossen Mehmet an der Spitze im zweiten Halbjahr dieses Jahres nicht empfangen, und verschieben deren Besuch auf das erste Halbjahr 1975. Wir akzeptieren dies natürlich, doch wir an ihrer Stelle würden es nicht tun. Wir äußerten diesen Wunsch vor beinahe einem Jahr und sie vertrösteten uns auf dieses Jahr. Wir ersuchten darum, der Besuch solle im ersten Halbjahr 1974 stattfinden, doch die Chinesen nannten uns das zweite Halbjahr 1974, da ihr Empfangskalender voll sei. Das war möglich und konnte für normal gelten, doch die zweite Verschiebung nun ist nicht normal. Welche Gründe gibt es dafür? Das hat keine Grundlage mehr. Versteh es, wie du willst! Stell tausend Vermutungen an!

In der Substanz sagte uns Li Hsiän-niän folgendes: Versteht uns, wir haben euren Wunsch ganz besonders in Erwägung gezogen, haben ihn ernsthaft studiert. Zieht man die innere und äussere Lage in Betracht, werden wir im nächsten Jahr besser darauf vorbereitet sein, eure Delegation zu empfangen. Im nächsten Jahr werden wir euch besser zufrieden stellen. Gegenwärtig sind wir mit der Kampagne gegen Lin BLao und Konfuzius vollauf beschäftigt, usw.

Diese «Gründe» sind verwunderlich. Das sollen Gründe sein?! Wenn es bei ihnen noch etwas anderes gibt, sei es nun hinsichtlich der inneren oder der äusseren Situation, könnten sie es uns doch sagen. Wir könnten jede Menge Vermutungen anstellen. Doch besser, wir warten ab und sehen weiter.

Zögern sie den Empfang unserer Delegation etwa hinaus, Weil sie Widersprüche zu uns haben?! Widersprüche haben wir und wir werden sie auch nächstes Jahr haben, doch dies sind interne Widersprüche und es gibt keinen Grund, warum sie den Besuch unserer Delegationen verhindern sollten. Diese Widersprüche, die zwischen uns bestehen, sind nicht an die Öffentlichkeit getragen worden, doch die Öffentlichkeit hat ihre eigenen Schlüsse gezogen, etwa aus unserer Einstellung gegen den amerikanischen Imperialismus. Nun erweist das Leben aber, dass die Chinesen mit ihrer Politik der offenen Tür den Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber Enttäuschungen erlitten. Die Amerikaner hätten nach dieser neuen Haltung der Chinesen zu ihnen weiter gehen und ihre Verbindungen zu Taiwan lockern müssen, doch das Gegenteil war der Fall, sie schickten einen neuen Botschafter dorthin, sogar einen ehemaligen Vizeaußenminister. Daher müssen die Chinesen, insoweit sie unsere bisherigen Widersprüche zu ihnen einer Analyse unterziehen, zu dem Schluss kommen (es sei denn, sie wollen nicht), dass wir recht hatten und haben. Daher, so meine ich, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die chinesischen Genossen den Besuch unserer Delegation in China verschoben haben, um uns nicht gegenübertreten zu müssen, denn in diesem Fall hätten sie vor uns Se1bstkritik zu üben.

Wir hatten auch Debatten über technische Fragen der Fertigstellung der Werke, die wir mit Krediten bauen, doch sie wurden in kameradschaftlichen Diskussionen ausgeräumt. Wir haben sie in den Kampagnen gegen die Partei- und Staatsfeinde in China unterstützt. Das räumen sie auch selbst offen ein. Daher gibt es in dieser Beziehung keinerlei Grund, aus dem sich diese Einstellung der chinesisahen Genossen erklären liesse.

Müssen wir uns also innere Gründe «vorstellen»? Was könnten das für Gründe sein? Vermutungen: «Tschou En-lai ist erschöpft», «Tschou En-lai ist krank». Er hat sich zurückgezogen. Doch wie weit hat er sich zurückgezogen und worin?! Gibt es im Zusammenhang mit ihm irgendein politisches Problem? Wird er Ministerpräsident bleiben oder werden sie ihn durch Deng Hsiao-ping ersetzen, den sie gerade hochspielen? Was wird Tschou werden? Möglicherweise auch Präsident der Republik. Dann muss der Volkskongress zusammentreten. Möglich, dass dies der wahre Grund ist. Wir wollen sehen.

Haben sie uns das sagen können? So hätte es sein müssen, doch seit zwei, drei Jahren sagen sie uns immer wieder, «dieses Jahr, nächstes Jahr» werde der Volkskongress zusammentreten, doch dies ist noch immer nicht geschehen. Oder wollen sie es uns vielleicht nicht mehr sagen, weil es nicht ernst ist? Wer weiss, was ihnen noch dazwischenkommt? So war es bei ihnen immer. In ihrer Führung herrschen ;undurchsichtige Verhältnisse. Was die Leute anbelangt, die die Gäste empfangen und verabschieden, so lässt sich ein grosses Durcheinander feststellen. Oft sieht man bei diesen Empfangs- und Verabschiedungszeremonien Führer, die dort nicht hingehören, und andere, die eigentlich dabei sein sollten, sind nicht zu sehen.





FREITAG,

13. DEZEMBER 1974





CHINA VERFOLGT NICHT DIE POLITIK DER

ÌNTERNATIONALISTISCHEN HILFE UNTER SOZIALISTISCHEN

LÄNDERN



Die chinesische Regierung hat eine Delegation chinesischer Wirtschaftsfachleute hierher geschickt, um mit unseren Leuten die Forderungen zu studieren, die wir für den kommenden Fünfjahrplan angemeldet haben.

Heute wurde mir über die Rede Bericht erstattet, die der Leiter der chinesischen Delegation hielt, nachdem ihnen unsere Leute ausführlich dargelegt hatten, welche Anforderungen unsererseits für die Objekte bestehen. A. Këllezi erschien mir ziemlich optimistisch, doch ich bin nicht optimistisch und sage auch, warum. Das sagte ich sowohl Mehmet als auch Hysni und den Genossen Sekretären des Zentralkomitees, damit sie unsere Genossen, die mit dieser Arbeit befasst sind, instruieren, vorsichtig zu sein und mit den Chinesen kameradschaftlich zu diskutieren, aber auch gebührend unsere Ansichten zu vertreten.

Was sagte der Chinese, das in unseren Ohren nicht gut klang? Ohne die üblichen Formeln über die Freundschaft begann er seine Ausführungen folgendermaßen : «China ist ein grosses Land mit einer Bevölkerung von über 800 Millionen Menschen, es hat grosse Bedürfnisse, es ist ein Entwicklungsland. China leistet 80 Staaten Hilfe, es hat viele internationale Verpflichtungen. Am meisten Hilfe leistete und leistet es Korea, Vietnam und Albanien. Albanien hat mehr Hilfe erhalten als die beiden anderen befreundeten Länder, gar nicht zu reden von den anderen.» Diese Darstellung des Problems war deutlich.

Er fuhr fort: «Der gegenwärtige Plan enthält rund 20 Objekte, von euch schon begonnen oder auch nicht, die ihr natürlich in den kommenden Plan miteinbeziehen müsst.» Das ist der zweite Hinweis. Er weiss durchaus, dass diese 20 Objekte eben deshalb nicht begonnen wurden, weil die Chinesen uns nicht liefern konnten, was für die Aufnahme und die Fortführung der Arbeit an ihnen benötigt wurde.

Weiter sagte der chinesische Vertreter: «Ihr müsst uns vollständige Angaben machen, damit wir beurteilen können, worauf eure Forderungen aufbauen und wie sie begründet sind.» Und er kam mit Tschou En-lais Auffassungen an: den Arbeitskräften, dem Dorf, der Baukapazität und dieser und jener anderen Einzelheit.

A. Këllezi sagte zu mir, nachdem mir die Rede des Chinesen vorgelesen worden war, dass «wir ihnen alle diese bis ins einzelne gehenden Angaben machen werden». Nein, sagte ich, wir werden ihnen zwar Angaben machen, doch es muss nicht in allen Einzelheiten und nicht über alles sein.

Mehmet und den Genossen Sekretären des Zentralkomitees sagte ich, und sie waren meiner Meinung, dass es «bei den Chinesen, wie ich das sehe, zwei Tendenzen gibt: sämtliche Angaben über unsere Wirtschaft zu erhalten, uns aber nicht zu geben, was wir wollen, uns viele Hinderrisse in den Weg zu legen und wenig zu geben. Deshalb müssen unsere Genossen in beiderlei Hinsicht sehr vorsichtig sein, ihnen nur die Angaben machen, die unbedingt notwendig sind, und von ihnen die Einhaltung aller Verpflichtungen uns gegenüber verlangen, nicht aber viel geben und wenig erhalten».

Wir müssen zwar den chinesischen Genossen, die uns Kredite geben werden, die wir brauchen, um einige Werke zu bauen, Angaben liefern, die unsere Ersuchen fundieren und begründen. Und es ist ihre Sache, wie weit sie die Möglichkeit haben, uns zu helfen. Doch wir haben ihnen in dem Regierungsschreiben, das wir ihnen sandten, unsere Ersuchen, wenn schon nicht vollständig, so doch zum grössten Teil veranschaulicht. Sie hätten von ihrer Seite aus auch anders mit uns reden können, als sie das Gespräch eröffneten. Bisher haben es sämtliche chinesischen Führer niemals versäumt, jedem unserer Leute, der China besuchte, zu erklären (und zwar sogar im Namen Maos und Tschou En-lais): «Wir haben Albanien sehr wenig geholfen, wir werden ihm mehr helfen», usw.

Wir verstehen Chinas Erfordernisse, seine Ausbreitung auf der Welt, die Hilfe, die es erteilt, doch als Marxisten und Internationalisten meinen wir, dass China den bürgerlichen Regierungen (bei denen wir wissen, was sie mit diesen Krediten tun, wer von ihnen profitiert, mit wem diese bürgerlichen Regierungen verbunden sind und wie sie in die versklavenden kapitalistisch-revisionistischen Kredite verstrickt und versunken sind) weniger geben und unsere begründeten Forderungen nicht ablehnen sollte. Die Chinesen sollten auch nicht die ideologischen, politischen und militärischen Positionen unseres vergessen. Deshalb hoffen wir, dass die . Chinesen in diesen Fragen für uns eine richtige Lösung finden werden, im Sine der Politik der internationalistischen Hilfe unter sozialistischen Ländern.







SAMSTAG,

14. DEZEMBER 1974





DIE CHINESEN WOLLEN UNS AUF DEN PULS FÜHLEN





Der chinesische Botschafter in Stockholm erklärt unserem Botschafter, die Chinesen zögerten, an der Zeremonie zur Verleihung des Nobelpreises an den sowjetischen Dissidenten Solschenizyn teilzunehmen. Aber das war nur Geschwätz. Und ob die Chinesen daran teilnahmen! Wir nahmen natürlich nicht teil, und zwar nicht, weil Solschenizyn Chruschtschowgegner ist, sondern weil er Marx, Engels, Lenin, Stalin und den Kommunismus angreift. Das haben wir den Chinesen gesagt, doch für sie reicht es, dass jemand gegen die Sowjets ist, um sofort ihr Amen zu geben. So achten sie Solschenizyn, obwohl er Lenin, Stalin usw. angreift! Schande!

Ebenso sagt der chinesische Botschafter in Belgrad zu unserem Botschafter dort, als er ihn über die Gespräche Yü Dschans in Jugoslawien unterrichtet: «Wir Chinesen haben von den Sowjets gefordert, sie sollten Selbstkritik für Bukarest üben und in der Frage der Grenzen mit China zum Status quo der Zeit Chruschtschows zurückkehren»! Ist es etwa nur die Bukarester Beratung, die die Chinesen von den Sowjets trennt?! Das andere ist für sie anscheinend nicht von Bedeutung. Doch Bukarest war nur der erste Vorgeschmack, den der Chruschtschowismus gab, die ganze Jauchegrube kam erst nach Bukarest. Das heisst, dass die Chinesen bereit sind, sich mit den Sowjetrevisionist zu versöhnen, wenn diese nur sagen, Chruschtschow habe in Bukarest nicht mit kühlem Kopf gehandelt. Erstaunlich, dass die Sowjets das nicht tun?'.

Sine die chinesischen Genossen denn noch bei Sinnen, oder sind das vielleicht nur Äußerungen ihrer Botschafter? Doch es ist kaum möglich, dass die chinesischen Botschafter solche Ungeheuerlichkeiten ohne Direktive von oben von sich geben. Sie wollen uns auf den Puls fühlen, doch die Antwort, die sie erhalten, wird ihnen gewiss zeigen, dass unser Pulsschlag kommunistisch, revolutionär, antirevisionistisch ist wie eh und je.













MONTAG,

23. DEZEMBER 1974







NEIN, IHR CHINESISCHEN GENOSSEN, WIR SIND MIT DEN

JUGOSLAWEN NICHT «WIE LIPPEN UND ZÄHNE»



YÜ Dschan, stellvertretender Außenminister Chinas, der als Mitglied der von Yao Wen-yüan geleiteten Delegation zu den Feiern des 30. Jahrestags der Befreiung bei uns war, reiste von hier aus zu einem «Freundschafts-»besuch nach Belgrad. Dort hatte er «herzliche» Treffen und Gespräche, sogar mit dem Ministerpräsidenten.

Nach seiner Rückkehr hatte Yü Dschan in Peking ein Treffen mit unserem Botschafter, Genossen Behar, bei dem er auch auf diese Gaspräche einging. Er sagte: «Die Jugoslawen betrachten die Situation auf der Welt als kompliziert. Die Sowjets üben Druck auf sie aus.» «Die Sowjets organisieren nicht nur die Infoarmbüroleute, sondern auch die Ustaschaleute.» «Die Jugoslawen leisten ihnen Widerstand», usw. In dieser Beziehung bearbeiteten die Jugoslawen die Chinesen tüchtig, und diese «waren zufrieden» mit diesen sowjetisch-jugoslawischen «tiefen Widersprüchen». Dann sprachen sie über die «dritte Welt», zu der die Chinesen gehören, und über die «Welt der Blockfreien», zu der die Jugoslawen gehören. Im Ergebnis «waren die Jugoslawen zufrieden mit den Erklärungen und verstanden nun die chinesische Position in diesem Problem gut»... Weil sie sie vorher nicht verstanden hatten!!!

Sie versäumten dann auch nicht, in diesen Gesprächen auf die Haltung Albaniens zu Jugoslawien einzugehen, wobei der Chinese angeblich unsere Erklärungen benutzte. Und die Titoisten versäumten es nicht, für sie ihren «Weihrauch» zu verströmen: sie wollten «das Beste für Albanien», sie wollten «in Freundschaft» leben, sie öffneten ihre Häfen nicht nur für sowjetische Schiffe, sondern auch für amerikanische, das sei eine ökonomische Frage, während sie in militärischer Hinsicht wachsam seien usw. usf. Und «unser Freund» Yii Dschan erklärte Behar abschließend, er habe den Jugoslawen gesagt, so müsse die Freundschaft zwischen den Jugoslawen und den Albanern sein, denn die beiden seien «wie Lippen und Zähne».

Der «chinesische Papst» segnete die «jugoslawisch-albanische Freundschaft» mit einer niederträchtigen, revisionistischen, konfuzianischen Parabel ab. Selbst wenn man annehmen wollte, er habe das aus Dummheit gesagt oder mitgerissen durch die «Trägheit» des Flusses stereotyper Formeln, die sie verwenden, oder weil er den Jugoslawen zeigen wollte: «Wir [die Chinesen] haben die Finger in dieser Politik und billigen sie, da wir euch für so nahe beisammen und aufeinander angewiesen halten wie Lippen und Zähne» das ist nur schwer zu begreifen.

Welch eine Eselei! Welch eine Niedertracht! Dieses «biblische» Bild des Chinesen soll besagen, dass wir seiner Meinung nach mit den Titoisten ein Kopf, ein Herz, ein Leib sind, dass wir eipe einheitliche Politik verfolgen und dieselbe Ideologie haben! Wie kann man dies Leichtfertigkeit nennen? Wie kann man sagen, ihm sei die Zunge entgleist?! Nicht nur, dass er dies dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Bijedic sagte, der .es freudig billigte und seinerseits diese «Kostbarkeit» aufgriff, Yü Dschan ging auch noch hin und sagte das unserem Botschafter. Natürlich werden wir mit dieser Äußerung und ihrem Sinn niemals einverstanden, sondern dagegen sein, denn die Titoisten sind Feinde, Renegaten, Revisionisten, Agenten der Imperialisten und der Revisionisten.

Sie können uns den Buckel herunterrutschen, Yü Dschan und die Genossen in China, die denken wie er. Wie es scheint, hat der Revisionismus in China tiefe Wurzeln. Anscheinend war dort der grosse Besen nicht am Werk, wie und wo es hätte sein müssen. In China blieb Unrat nicht nur in den Ecken, es gibt ihn auch in hohen Vertrauenspositionen, und er ist vor aller Augen aktiv. Wer weiss, was Yü Dschan sonst noch mit den Jugoslawen besprochen hat, doch es ist eine Tatsache, dass er zufrieden war. Soli er seine Zufriedenheit für sich behalten, wir schlucken sie nicht.













1975



MITTWOCH,

23. APRIL 1975





DIE CHINESEN ZÖGERN DIE REISE EINER ALBANISCHEN

DELEGATION NACH CHINA HINAUS





Die chinesischen Genossen geben noch immer nicht grünes Licht für die Reise unserer Wirtschaftsdelegation auf Regierungsebene nach Peking. Verschiedene Abteilungsleiter zentraler chinesischer Behörden erklärten unseren Genossen: «Wir erwarten eure Delegation Anfang April, oder um den 15. April, oder gegen Ende April.» Aber alle diese Termine fielen ins Wasser. Nun kommt der Mai, und man gibt uns keine Nachricht, zu einer Zeit, da Delegationen jeden Typs, jeder Art und jeder Färbung aus anderen Ländern nach China kommen.

Warum geschieht das? «Wir studieren gerade die Materialien», sagen die chinesischen Genossen, Materialien, die ihnen schon vor fast einem Jahr zusammen mit unseren Ersuchen zugesandt worden sind. Zwei, drei wichtige Delegationen aus der VR China kamen hierher, angeblich um die Ersuchen, die wir an sie gerichtet haben, zu studieren, doch in Wirklichkeit studierten sie die wirtschaftliche Lage unseres Landes, um dann aufgrund ihrer Einschätzung den Kredit zu bewilligen. Sie spendeten uns grosses «Lab» für unsere Fortschritte, für die grossen Erfolge, die wir erreicht haben, für die gute wirtschaftliche Lage usw. Sie sagten uns, sie hätten «viel von der grossen Erfahrung Albaniens profitiert».

Schön und gut, all dieses Lob für uns, doch sie teilen uns noch immer nicht mit, wann unsere Delegation abreisen soll. Darauf warten wir, während sie uns weiter erklären: «Wir studieren gerade die Materialien»!

Der Botschafter der VR China in unserem Land fragte: «Wann wird eure Delegation fahren? Li Djiang, der chinesische Aussendhandelsminister, erwartet sie.» Unsere Genossen antworteten ihm zu Recht: «Wenn uns Peking Nachricht gibt.» Als Li Djiang bei Behar zum Mittagessen war, brachte er all die üblichen Formeln des Lobs für unser Land vor. Nach diesen Lobeserhebungen sagte er: «China hat ein grosses Defizit, China hat keine Devisen, es hat keine Röhren für das Erdöl, seine Industrie ist noch schwach, die weltweite Krise hat auch China betroffen, China hilft der ganzen Welt, es wird den beiden Vietnams helfen, es wird Kambodscha helfen, es wird... sogar Malta helfen, damit dieses nicht unter sowjetischen Einfluss gerät», usw.

Die Schlussfolgerung daraus ist klar: «Albanien muss auf eigenen Beinen stehen», und wie einst Mikojan erklärte uns auch Herr Li Djiang: «Treibt Handel mit den kapitalistischen Staaten, baut eure Beziehungen zu ihnen aus.» Dieser Schuft! Dieser Revisionist! Behar Shtylla blieb ihm die Antwort nicht schuldig. Li Djiang fragte, bevor er sich verabschiedete: «Wann kommt eure Delegation?» Behar antwortete ihm: «Dann, wenn ihr es uns erlaubt.»

In der Haltung der Chinesen uns gegenüber können wir zwei Tendenzen feststellen: Die eine ist die ~politische Tendenz. Wo man in China hinkommt, wen man auch immer trifft, von den einfachen Leuten bis hin zu vielen Kadern, in der Hauptstadt und in der Provinz, Inabesondere in den Betrieben und den Volkskommunen, überall spricht man voll Sympathie, ja sogar mit grosser Liebe über uns. In den hohen Sphären aber ist eine gewisse reservierte, um nicht zu sagen kühle Haltung zu spüren. Die andere Tendenz ist die in den Wirtschaftsbeziehungen. Was die wirtschaftlichen Fragen anbelangt, können wir nicht sagen, dass uns die Chinesen nicht geholfen hätten, doch ihre Hilfe ,kam nicht rechtzeitig und erst, nachdem wir zahlreiche Debatten hatten. In diesen Debatten gab es Äußerungen und Meinungen seitens einiger chinesischer Führer, die nicht gerechtfertigt waren. Wir verstehen auch jetzt, dass China auch den anderen Hilfen geben will und tatsächlich gibt. Uns aber mit solchen Aussagen über die Lage Chinas zu kommen, wie dies Li Djiang tat, uns Ratschläge zu geben wie Mikojan, so die Reise unserer Regierungsdelegation mit Genossen Adil Çarçani an der Spitze hinauszuzögern und, noch schlimmer, so zu tun, als hätten sie unser Ersuchen um den Besuch einer anderen Regierungsdelegation mit Genossen Mehmet an der Spitze vergessen - diese Haltung ist nicht freundschaftlich.





DIENSTAG,

17. JUNI 1975





DER SCHWERE WIRTSCHAFTLICHE DRUCK DER CHINESEN HAT BEGONNEN, DOCH WIR WERDEN UNS NIEMALS BEUGEN





Nach dem Empfangsritual, nach den üblichen Reden mit ihren stereotypen Formeln wurden Adil Çarçani und die anderen Genossen unserer Regierungsdelegation im Krankenhaus 15 Minuten lang von Tschou En-lai empfangen. Er erkundigte sich nach unserer Gesundheit und sagte beim Abschied : «Morgen werde ich operiert, deshalb habe ich euch schon vorher empfangen. Diese Operation soll mir das Leben verlängern.» Das kann so sein, kann aber auch heissen... «Lebt wohl, bemüht euch nicht mehr um ein Treffen mit mir.»

Heute erhielten wir ein Radiogramm von Adil, in dem er uns. über das offizielle Gespräch berichtet, das Li Hsiän-niän, der Leiter der Regierungsdelegation der VR China, mit ihm führte, nachdem Adil die Probleme dargelegt hatte.

Die Antwort der Chinesen auf unser Ersuchen um Kredite und Hilfe für den bevorstehenden Fünfjahrplan war niederträchtig: die Chinesen bewilligen uns nur 25 Prozent des Kredits, um den wir ersucht hatten, davon 50 Prozent für Werke und 50 Prozent für Materialien. Dieser Kredit schließt auch die militärischen Forderungen ein. Diese Hilfe ist gerade gross genug, um uns nicht sagen zu müssen: wir geben euch gar keine.

Die Gründe, die die Chinesen dafür anführten, sind geradezu ein Hohn: «Wir sind ein sehr armes Land», sagen sie. Vor 5 Jahren allerdings, als sie ein «noch sehr viel ärmeres Land» waren, gewährten sie uns einen um ein Mehrfaches höheren Kredit. Ganz abgesehen davon, dass sie uns von 35 Werken, über die Verträge abschossen wurden, 20 noch nicht geliefert haben, die natürlich auf den kommenden Fünfjahrplan überschrieben werden müssen, und dass die Werke, die wir gerade bauen, von ihnen über den gegenwärtigen Fünfjahrplan hinaus verschleppt werden.

Fünf Jahre lang sagte uns jeder chinesische Offizielle, angefangen bei Tschou En-lai: «Die Hilfe, die wir euch geben, ist sehr gering, aber in zwei Jahren und im nächsten Fünfjahrplan Werdern wir euch mehr geben, denn dann wird es uns besser gehen.» Heute dagegen stellt sich, glaubt man Li Hsiän-niän, heraus, dass sich die Lage in China «verschlechtert» hat, dass China ein «sehr armes. Land» geworden ist, und von den Worten: «Wir werden euch mehrhelfend» sind sie bis auf eine lächerliche Hilfe heruntergegangen.

Für uns ist klar, dass die Chinesen sich nicht so verhalten, weil sie «arm sind» - ihr Land hat ganz im Gegenteil grosse Fortschritte gemacht -, vielmehr ist dies eine Reaktion auf die entschieden marxistisch-leninistische Haltung unserer Partei und unseres Staates. gegenüber ihrer Innen- und Außenpolitik. Die Chinesen sind nicht einverstanden mit unserer Außenpolitik, weil wir ihnen in ihren: politischen Auffassungen nicht folgen.

Wir akzeptieren nicht, dass «der amerikanische Imperialismus weniger gefährlich als der sowjetische Sozialimperialismus ist», wie das die Chinesen behaupten. Wir sagen: «Beide sind gefährlich und müssen heftig bekämpft werden.» Die Chinesen haben erklärt, sie, seien Teil der «dritten Welt». Wir sagen, dass wir ein sozialistisches Land sind, und unterstützen die richtige nationale, antiimperialistische und antisozialimperialistische Politik jedes Volkes und jedes Staates der sogenannten «dritten Welt», «zweiten Welt» oder, wer weiss, wie sie sich selbst noch immer nennen und einteilen mögen. Albanien ist ein sozialistisches Land, es lässt sich mit niemand in einen Topf werfen und es hat eine unabhängige marxistisch-leninistische Politik. Die Chinesen unterstützen die NATO, den Europäischen Gemeinsamen Markt und das «Vereinte Europa».

Wir sind gegen solche Auffassungen und betrachten sie nicht als marxistisch-leninistisch. Alle diese Pakte und Organismen sind' Mittel in Händen des amerikanischen Imperialismus und der anderen imperialistischen Länder, die sich ihrer bedienen, um die Völker zu unterdrücken und in einen dritten Weltkrieg zu stürzen, bei dem es um Hegemonie geht. Das gilt auch für den Warschauer Vertrag, die «sozialistische Gemeinschaft» und den RGW. Diese beiden Gruppierungen und Gemeinschaften müssen mit äußerster Härte bekämpft werden. Lenin hat seinerzeit solche Organismen der kapitalistischen Bourgeoisie entlarvt, verurteilt und mit aller Kraft bekämpf t.

Jeden Staat, jeden Menschen, ob nun Trotzkist, Titoist, oder auch für Tschiang Kai-schek, machen die Chinesen zu ihrem Freund, wenn er nur sagt, er stehe «im Gegensatz zu den Sowjets». Wir sind gegen dieses Prinzip. Wir wissen, wie man die Widersprüche unter den Feinden des Sozialismus vertieft, und wir vertiefen sie nach Kräften, vor allem aber wahren wir die Prinzipien. Wir sagen .zum Schwein nicht Onkel.

Natürlich gefällt den Chinesen die Haltung nicht, die wir in ,dieser und ähnlichen Fragen einnehmen, wird doch dadurch zum 1'orschein gebracht, was sich hinter der marxistisch-leninistischen 1Vlaske verbirgt, die sie wahren wollen. Deshalb üben sie Druck .auf uns aus. Dies ist ein wirtschaftlicher Druck, denn politisch und ideologisch können sie uns niemals, weder jetzt noch in Zukunft, in ,die Knie zwingen. Dies ist der Beginn der schweren Wirtschaftsblockade, der sie uns aussetzen. Doch auch in dieser Hinsicht werden sie scheitern. Wir werden uns niemals irgend jemand beugen, weder den Chinesen noch irgendeinem anderen.

Es ist klar, dass diese ihre Haltung Teil eines grossen imperialistisch-revisionistischen Komplotts ist, das gegen die Partei der Arbeit Albaniens und das sozialistische Albanien geschmiedet wird. Man darf diesen Akt der Chinesen nicht losgelöst von dem starken politischen, ideologischen, propagandistischen, wirtschaftlichen und militärischen Druck betrachten, den die Vereinigten Staaten von Amerika, die Sowjetunion und ihre Satelliten, darunter auch Jugoslawien und Rumänien, die von den Chinesen als Staaten der «dritten Welt» betrachtet werden, auf uns ausüben. Dieser Druck ist keine Einbildung, er nahm in der von Beqir Balluku, Petrit Dume, Hito Çako, Abdyl Këllezi, Koço Theodhosi, Lipe Nashi u.a. geführten militärischwirtschaftlichen Verschwörung konkrete Form an. Das Ziel dieser Verräter war die Liquidierung der Partei und ihrer marxistischleninistischen Führung, um das sozialistische Albanien in ein revisionistisches Land zu verwandeln. Von einem solchen Albanien träumen die Sowjets, die Jugoslawen, die Chinesen usw. Sie alle stehen im Gegensatz zur marxistisch-leninistischen Politik unserer Partei und bekämpfen sie, deshalb haben sie durch ihre Agentur in unserem Land die Verschwörung organisiert, haben ihr geholfen und helfen ihr auch jetzt, da wir sie entlarvt haben und dabei sind, sie zu liquidieren. Diese Staaten fahren fort, durch ihre Akte diese Agentur anzustacheln, die durch die Schläge, die wir ihr versetzten, bezwungen wurde, sie ermuntern sie weiter und glauben, sie könnten uns durch diese Tätigkeit schwächen, wirtschaftlich unter Druck setzen usw., um zu erreichen, dass wir die Verräter nicht streng bestrafen. Die gegenwärtige Wirtschaftsblockade der Chinesen dient eben diesem Ziel.

Wessen Agenten waren die Verräter, denen wir auf die Schliche kamen? Das ist nicht wichtig. Sie waren hauptsächlich Agenten der Sowjets und der Jugoslawen, doch auch die Chinesen haben dabei die Finger im Spiel, versuchen sie doch gerade jetzt, da wir uns in Schwierigkeiten befinden, diese Schwierigkeiten durch ihr Verhalten noch zu vergrößern.

Handeln so etwa Freunde? Nein! Was taten denn wir, als sich China in grossen Schwierigkeiten befand und von allen isoliert war? Wir halfen ihm mit aller Kraft, stellten uns allein dem grossen Sturm entgegen, der über China hereinbrach, und kämpften zusammen mit ihm, bis zum Schluss. Beqir Balluku und seine Gruppe waren nicht nur alte Agenten der Sowjets, sondern hatten auch Verbindung zu den Chinesen aufgenommen. Der feindliche strategische Plan, den Beqir Balluku gerade vorbereitete, wurde auf Eiaflüsterung Tschou En-Jais hin ausgearbeitet. Beqir selbst sagte uns, diesen Plan habe ihm «Tschou vorgeschlagen». Wir dagegen wiesen seine Anregung als feindlich zurück. Beqir Balluku arbeitete im Verborgenen in die Richtung, die ihm Tschou En-lai gewiesen hatte, also auf einen «Rückzug in die Berge», ein «Bündnis mit Jugoslawien und Rumänien» hin. Darin ist die gesamte revisionistische chinesische Strategie zusammengefasst, nicht nur die militärische, sondern auch die politische und ideologische Strategie. Wir verwarfen diese feindliche Strategie entschieden, denn sie nützte der NATO und den Sowjets ebenso wie den Chinesen. Diese Strategie war darauf gerichtet, Albanien zu einer Spielwiese der Intrigen und der Gelüste der Großmächte zu machen. Ist dies vielleicht kein äußerst finsterer Plan der Chinesen? Und wie sind denn die Chinesen in den letzten Jahren in den Wirtschaftsbeziehungen mit uns verfahren? Das allermindeste, was wir sagen können, ist, dass sie kein bisschen korrekt waren.

Zwar haben uns die Chinesen für den fünften Fünfjahrplan einen ziemlich hohen Kredit bewilligt, doch von einer Erfüllung ihrer Verpflichtungen sind sie weit entfernt. Von den 35 Werken, die sie uns insgesamt liefern sollten, lieferten sie uns nur 10 oder 15. Einige Werke haben wir noch nicht einmal begonnen, und daran tragen nicht wir die Schuld. Drei Grosswerke - das Hüttenkombinat bei Elbasan, das Wasserkraftwerk von Fierza und die Erdölraffinerie in Ballsh -, um die wir einen grossen Kampf zu führen hatten, konnten wir mit Mühe beginnen. Dennoch ist ihre Fertigstellung um ein oder zwei Jahre über den vertraglich festgelegten Termin hinaus verzögert worden. Auch dafür tragen nicht wir die Schuld.

All dies geschah zu der Zeit, als Beqir Balluku dabei war, die militärische Verschwörung zu organisieren, und Abdyl Këllezi und Koço Theodhosi im Erdölbereich und in der Wirtschaft allgemein Sabotage betrieben. Sollen wir diese Koordination in den Zielen und in der Zeit für Zufall halten? Und als wir den verräterischen Militärputsch liquidierten, als wir Abdyl Këllezi und Konsorten den Schlag versetzten, haben uns da nicht die Chinesen die Wolfszähne gezeigt? Es ist sehr gut möglich, dass Abdyl Këllezi als Mann der Jugoslawen gleichzeitig auch ein Mann der Chinesen war. Das ganze erweist sich demnach als eine breitangelegte Verschwörung unter Beteiligung mehrerer feindlicher Staaten, die gewaltsam die Lage in Albanien verändern wollen.

Ich glaube, dass bei dieser Verschwörung China die Finger im Spiel hat, aber welches China? Das sind die Finger des revisionistischen China, der revisionistischen Strömung, die stark und an der Macht sein muss.

Mit Sicherheit werden wir diese schwierige Situation erfolgreich bestehen. Wir werden all die gewaltigen Energien, den glühenden Patriotismus des Volkes und der Partei noch stärker zum Tragen bringen und, wie alle anderen, auch diese Blockade durchbrechen. Wir werden vorsichtig vorgehen. Nicht wir werden es sein, die die Brücken der Freundschaft mit China abbrechen. Unsere Ansichten und unsere Unzufriedenheit werden wir den chines Ischen Genossen gegenüber offen und kameradschaftlich äußern. Deshalb haben wir eroe offizielle Antwort vorbereitet, die Adil ihnen mündlich mitteilen wird. Darin bringen wir zum Ausdruck, was wir von der ausserordentlich geringen Hilfe halten, die sie uns bewilligten. Wir werden ihnen sagen, dass wir dieses Vorgehen nicht verstehen können, das ohne jede Grundlage ist und im Gegensatz zu allem steht, was sie selbst uns früher gesagt haben. Wir werden ihnen sagen, dass diese ihre Haltung uns nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch sehr schaden wird.

Die chinesischen Genossen müssen begreifen, dass sie falsch handeln, dass wir durchschauen, wo dieser Fehler seine Quelle hat und worauf diese ihre Haltung abzielt.











MITTWOCH,

18. JUNI 1975





DIE CHINESEN LIEFERN UNS NICHT ALLE

INDUSTRIEOBJEKTE



Wir erhielten ein Radiogramm von Adil. Die von Fang Yi geleitete chinesische Arbeitsgruppe hat mitgeteilt, welche Industrieobjekte sie uns bewilligen. Von 20, um die wir ersuchten, strichen sie 10, sie liefern uns also 10 Objekte. Die Kapazität dieser zehn, die sie uns lassen, haben sie, ausser in ein oder zwei Fällen, gegenüber unseren ursprünglichen Ersuchen reduziert. Von denen, die sie uns strichen, sind am wichtigsten für unsere Wirtschaft: das Wasserkraftwerk von Koman (sie gestanden uns das Wasserkraftwerk von Bushat zu, das klein ist), das Harnstoffwerk und die Sodafabrik, die für uns sehr einträglich ist, weil wir ihre Produkte auch exportieren können. Wir werden natürlich den Chinesen gleich sagen, was wir von der Hilfe halten, die sie uns geben, und wenn sie sich nicht rühren, müssen wir verlangen, dass sie uns diese drei wichtigen Werke, die ich genannt habe, liefern und dafür zwei oder drei andere streichen, die sie uns bewilligt haben und auf die wir verzichten können. Wir werden das nächste Radiogramm am Freitag abwarten, in dem es um den anderen Teil unserer Wünsche gehen wird, um die Materialien, die wir angefordert haben. Wenn wir sie dann zusammen studiert haben, werden wir unserer Delegation in Peking am Samstag mit dem chinesischen Flugzeug unsere endgültigen Anweisungen und Meinungen übermitteln.

Zusammen mit Mehmet, Hysni und Haki haben wir beschlossen, welche Werke wir im Rahmen des Kredits, den uns die Chinesen eingeräumt haben, verlangen müssen.

Diese Werke sind: das Wasserkraftwerk von Koman (statt dem von Bushat), das komplette Harnstoffwerk zur Produktion von Düngeknitteln, die Sodafabrik, Bergwerksausrüstungen und Sprengstoffe.

Was die anderen Varianten anbelangt, so hat Adil Listen, in denen aufgeführt ist, um was er nachsuchen soll. Wir ermächtigten Mehmet, ihm dazu die eine oder andere ergänzende Anweisung zu geben.

Mit dem chinesischen Flugzeug am 20. Juni wird uns Adil sicherlich einen Brief schicken, in dem er uns mitteilt, welche Materialien sie uns bewilligen.

Wir werden sehen, welche Wirkung unsere Erklärung haben wird, doch Hoffnungen machen wir uns nicht. Sie sind nicht bereit, das Problem politisch zum Besten des sozialistischen Albanien zu betrachten.





SAMSTAG,

21. JUNI 1975





CHINA GERÄT IN DAS RÄDERWERK DES POLITISCHEN

SPIELS DER BEIDEN SUPERMÄCHTE



China spricht sich für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und das «Vereinte Europa» aus und unterstützt sie.

Was ist Chinas strategisches Ziel? Gründet diese Haltung auf marxistisch-leninistischen Prinzipien? Um dies zu bestimmen, müssen wir die Ziele dieser Organismen selbst bestimmen, die China verteidigt oder unterstützt.

Als die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet wurde, geschah das in der Absicht, die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen unter den Mitgliedsländern - zunächst 6 und dann 9 - zu entwickeln. Das Ziel dieser Institution war es, der kapitalistischen Bourgeoisie jedes Mitgliedslandes möglichst hohe Profite zu verschaffen und die kapitalistische Wirtschaft jedes einzelnen Staats und aller Staaten insgesamt zu stärken. Natürlich wurde mit der Regelung der Zollprobleme auch eine Reihe anderer Fragen geregelt, so Preis- und Währungsprobleme und andere Fragen der bilateralen und multilateralen Beziehungen.

Zu Beginn konnte der Gemeinsame Markt nicht umhin, die mächtige amerikanische Wirtschaft in Rechnung zu stellen, und hatte, obwohl er seine Schritte angeblich nicht nach ihr richtete, in Wirklichkeit seine Gangart doch mit der des amerikanischen Imperialismus zu koordinieren. Dieser wiederum trug unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg durch die «Hilfen», die er gab, zur wirtschaftlichen Gesundung Westeuropas bei, wobei er allerdings keinen Augenblick lang seine eigenen Interessen vergass, die gross waren und wuchsen. Nach der Gründung des Gemeinsamen Markts setzte also zum einen der amerikanische Imperialismus seine Anstrengungen fort, dieser Einrichtung seine Wirtschaftspolitik zu diktieren, und zum anderen setzten die Mitglieder der EWG ihre Anstrengungen fort, sich von der amerikanischen Vormundschaft zu befreien. So entstanden Widersprüche unter ihnen, die sich immer mehr vertieften.

Der sogenannte kalte Krieg verdeckte diese Widersprüche etwas, denn die Mitgliedsländer der EWG waren, auch wenn sie ernsthaft damit begonnen hätten, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu demonstrieren, in punkto Verteidigung doch gezwungen, unter dem amerikanischen Atomschirm zu leben. Natürlich verstanden es die Vereinigten Staaten von Amerika, die Angst vor einem Krieg mit den Sowjets, die bei den Ländern der EWG aufgekommen war, für sich auszunutzen.

Der Verrat der Chruschtschowianer vertrieb bei der kapitalistischen Bourgeoisie die Angst vor der Revolution und dem Kommunismus, er half dem Weltkapital und gab ihm Gelegenheit, Atem zu schöpfen. Der chruschtschowsche Verrat spaltete die revolutionären Kräfte auf der ganzen Welt, liess die proletarische Revolution ferner rücken, förderte die nationalistischen Erscheinungen und gab den kapitalistischen Bourgeois Zeit und Gelegenheit, ihre schwachen Positionen im Innern auf Kosten der proletarischen Revolution zu stärken und international unter den Staaten neue Schritte zu unternehmen, neue Kombinationen anzustellen. Bersbend vor nationalistischem Geist, strebben die sozialimperialistischen

Chruschtschowianer danach, die Sowjetunion aus einem sozialistischen Staat in eine imperialistische Atom-Supermacht zu verwandeln, und sie liessen nicht locker, bis sie dieses Ziel erreicht hatten. So entstanden zwei Supermächte, die miteinander um die Welthegemonie konkurrierten. Das Gesetz der beiden, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, ist das Gesetz des Raubkriegs, ist das Gesetz der Versklavung der Völker. Dieses Gesetz ist begleitet von der Schliessung ungeheuerlicher «Bündnisse», von der Besetzung strategischer Punkte mit verschleierter Gewalt, um sie für die Vorbereitung des Kriegs zu benutzen. Es ist davon begleitet, dass sie bis an die Zähne aufrüsten und ihre Bestände an Atomwaffen um täglich modernere aufstocken, es ist begleitet von der wirtschaftlichen und politischen Einverleibung und Ausplünderung vieler Staaten durch Einschüchterung, Erpressung, Kredite, «Hilfen» und Subversion.

Unter diesen Verhältnissen fasste Westeuropa mehr Mut. Das Frankreich de Gaulles entwickelte eine von den Amerikanern und den Angelsachsen im allgemeinen unabhängigere Politik. De Gaulle zog sich nus der NATO zurück und respektierte nur noch den Vertrag. Selbstverständlich träumte auch de Gaulle von einer EWG und einem «Vereinten Europa», wo Frankreich, ohne das Adenauer-Deutschland zu übergehen, dominieren sollte. De Gaulle war von einem grossen Nationalismus beherrscht, den er auch von seinen anderen Partnern verlangte, kanalisiert allerdings in ein Europa, wie er es sich erträumte. Natürlich waren de Gaulles Ziele nicht zu verwirklichen, denn auch seine Partner hatten ihre Absichten, Ziele und Ängste. Diese Staaten hatten nicht alle die gleiche Vorstellung von der Rolle der Vereinigten Staaten von Amerika in Europa und auf der Welt. Vor allem das gegenwärtig zweigeteilte Deutschland zieht es vor, den Vereinigten Staaten von Amerika auf anderen Gebieten einige Zugeständnisse zu machen, ohne Frankreichs Weg der Loslösung von der amerikanischen Verteidigung zu verfolgen. Deutschland und die anderen Partner halten nicht nur von der «Atommacht» Frankreichs nicht viel, sondern auch von der Englands, ja sogar von der Frankreichs und Englands zusammengenommen. Diese Macht ist ihrer Meinung nach angesichts der atomaren Macht der Sowjets oder der Amerikaner nur ein «Zwerg».

All diese imperialistischen Mächte, ob nun die beiden Supermächte, das «Vereinte Europa» oder Japan, streben nach Hegemonie. Schon als die schwere Dollarkrise einsetzte und die militärischen Niederlagen der Amerikaner in Südostasien - in Vietnam, in Kambodscha und anderswo - ihren Anfang nahmen, begann das «Vereinte Europa», seine politischen Positionen im Innern wieder zu festigen und stärker danach zu streben, als selbständiger Organismus zu einer neuen kapitalistischen und imperialistischen Supermacht zu werden. Und, nun also ermuntert das China Mao Tsetungs dieses «Vereinte Europa» und hilft ihm. Dieses «Vereinte Europa» wird gefördert und unterstützt vom Frankreich Pompidous und später Giscards, dem es nicht nur darum geht, seine Atommacht zu wahren und weiterzuentwickeln, sondern das auch begonnen hat, in neokolonialistischem Gewand im frankophonen Afrika, im Nahen und Fernen Osten die alte Kolonialpolitik aktiver wiederzubeleben. Frankreichs Wirtschaftskraft lässt nicht zu, dass es mit den anderen konkurriert, es tut dies jedoch, so gut es kann. Die Einstellung Frankreichs zu den Vereinigten Staaten von Amerika ist nicht mehr die gleiche wie zur Zeit de Gaulles und Pompidous. Sie ist heute etwas abgemildert, lässt aber dennoch Frankreichs Unabhängigkeit erkennen. Auch England fährt fort, den verlorenen wirtschaftlichen Einfluss in den Ländern des Commonwealth in gewisser Weise wieder zu festigen, während Bonn in Mitteleuropa, auf dem Balkan (ausser Albanien), in der Türkei und überall, wo es ihm nur möglich ist, wirtschaftlich eindringt.

All diese Anstrengungen jener Mächte können ihr gemeinsames Wirtschaftspotential erhöhen, das ein Faktor sein muss, will man eine Supermacht sein. Doch dieser Faktor allein reicht nicht aus, um zur Supermacht zu werden. Diesem «Vereinten Europa» fehlt die Atommacht der beiden Supermächte. Zum anderen gibt es in diesem «Vereinten Europa» grosse politische und wirtschaftliche Widersprüche zwischen den Mitgliedsstaaten, so dass es noch auf Jahrzehnte hinaus nicht das wirtschaftliche und militärische Potential der Vereinigten Staaten von Amerika erreichen wird. Die «Vereinigten Staaten von Europa» sind in vielerlei Hinsicht nicht mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu vergleichen. Diese europäischen Staaten werden sich einander kaum so angleichen können wie jene Staaten des amerikanischen Kontinents, aus denen die Vereinigten Staaten von Amerika entstanden. Jeder Staat in Europa hat seine eigene Individualität als historisch in vielen Jahrhunderten herausgebildete Nation. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, seine eigene, von jener der anderen verschiedene gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung. Jeder kapitalistische und revisionistische europäische Staat trägt in sich schroffe Klassenwidersprüche, die nicht nur die äussere, sondern euch die innere Einheit schwierig machen.

Es ist also prinzipiell nicht richtig, wie China einen Weg des europäischen Kapitalismus zu unterstützen, der nach Hegemonie strebt, der danach strebt, zur Supermacht zu werden. So zu handeln bedeutet, den Weg der Revolution der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, ins Räderwerk des politischen Spiels der beiden Supermächte zu geraten, indem man vom Standpunkt ihrer Politik aus kämpft und manövriert, indem man die Manöver der Supermächte angesichts ihrer von den wechselnden Zeitumständen bestimmten Widersprüche überschätzt, indem man die proletarische Weltrevolution unterschätzt, indem man den Kampf der Völker gegen die Supermächte und gegen die bürgerlich kapitalistischen Staaten unterschätzt. China liegt falsch, wenn es predigt: «Der Hauptfeind ist die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten von Amerika dagegen sind weniger gefährlich.» Die Vereinigten Staaten von Amerika haben zwar Niederlagen erlitten, doch sie bleiben eine imperialistische Macht. Den Kampf gegen sie abzuschwächen hieße, die Revolution zu schwächen und dem amerikanischen Imperialismus zu helfen. In den gleichen Fehler werden die Chinesen verfallen, wenn die Vereinigten Staaten von Amerika ihre «Wolfszähne zeigen». Dann wird China zu sagen beginnen: «Die Sowjetunion ist weniger gefährlich, die Vereinigten Staaten von Amerika dagegen sind gefährlicher geworden.» China macht einen Fehler, wenn es dem alten kapitalistischen Europa gegenüber den Standpunkt eines Don Quichotte einnimmt, weil dieses angebhoch zum Gegengewicht zu den Sowjets auf der einen und den Amerikanern auf der anderen Seite werden wird, während «China siegen wird», weil es das «Vereinte Europa» unterstützt.

Die Widersprüche zwischen den Imperialisten müssen zu unseren Gunsten vertieft und ausgenutzt werden, aber nur von Klassenpositionen, nur von den Positionen der proletarischen Revolution aus. China tut nicht das, sondern das Gegenteil, es erklärt den Völkern Europas, Amerikas und der «dritten Welt»: «Unterstützt eure kapitalistische und imperialistische Bourgeoisie, denn der Hauptfeind ist der sowjetische Sozialimperialismus.» Dieser Kurs ist nicht leninistisch, er fördert nicht die Revolution, sondern verficht jenen Opportunismus, den schon die Zweite Internationale vertrat, die von Lenin entlarvt wurde. Also können wir uns mit dieser Strategie und Taktik Chinas nicht abfinden. Der Hauptkampf gegen die imperialistischen Supermächte und den Weltkapitalismus ist für uns der Kampf der Völker, der Kampf der Proletarier, die proletarische Weltrevolution. In diesem Sinne - während wir diese gerechten Kämpfe unterstützen - müssen wir manövrieren und von den Zeitumständen profitieren. Damit tragen wir zur Vertiefung der Widersprüche bei.

Die Widersprüche und Krisen im Schoss des Imperialismus, des Sozialimperialismus und des Weltkapitalismus haben ihre Quelle in der Unterdrückung der Völker durch die Kapitalisten und im Kampf dieser Völker gegen die kapitalistische Unterdrückung und Ausbeutung. Muss also der Kampf der Völker gegen die Kapitalisten gefördert und unterstützt werden, oder muss man diesen bei den Manövern helfen, die sie durchführen, um sich zu mästen und den einen oder anderen Imperialisten zu bekämpfen, mit der Aufforderung an .die Völker: «Geht hin und bringt euch für mich um»? Die Marxisten-Leninisten müssen den Kampf der Völker, den Kampf der Proletarier gegen die imperialistischen Supermächte und den Weltkapitalismus vorantreiben, diesem Kampf helfen und ihre Kräfte mit ihm vereinigen. Diesen Weg hat unsere Partei der Arbeit verfolgt und diesen Weg wird sie weiter verfolgen.

In dieser Beziehung macht Maas falsche Außenpolitik den Eindruck, als sei sie simpel. Nicht nur, dass die Chinesen bei dieser Politik nicht von proletarischen Klassenpositionen ausgehen, sie gehen - auch wenn sie es nicht sagen und in Worten sogar leugnen - den Weg einer Großmacht. China ist keine Supermacht, doch sein Einfluss auf die Weltprobleme ist gross und kann gross sein. China, das auf der Welt eine Rolle spielen kann und wird, hat dabei die Wahl zwischen zwei Wegen: entweder dem marxistisch-leninistischen Weg, dem Weg der Revolution, oder dem bürgerlich-kapitalistischen Weg mit einer neuen revisionistischen Schattierung. Nur wenn China auf dem revolutionären, marxistischleninistischen Weg streitet, wird es das Vertrauen der Völker gewinnen, die die Revolution wollen und für sie kämpfen.

Gegenwärtig versucht China, die kapitalistischen Länder davon zu überzeugen, dass «die Gefahr für sie von der Sowjetunion ausgeht». Da will doch China den Weltkapitalisten tatsächlich etwas Neues beibringen! Der Hauptfeind der Kapitalisten ist der Kommunismus und die Revolution. Wenn China den revolutionären Weg geht, wird seine Aussage: «Der Hauptfeind ist die revisionistische Sowjetunion» nicht nur niemand überzeugen, sämtliche Kapitalisten gleich welcher Farbe werden sogar gegen China sein. Wenn sie gegenwärtig China nicht fürchten, so gibt es dafür mehrere Gründe: sei es nun, weil China nur in Worten und nicht in Taten kommunistisch ist, sei es, weil es ökonomisch und militärisch noch schwach ist, sei es, weil es ein antisowjetischer Faktor ist, den sie bis zum letzten ausnutzen wollen, um die Aggressivität der Sowjets ihnen gegenüber zu schwächen.

Die Politik beider Seiten, der Chinesen und der Amerikaner, hat als Stossrichtung den Kampf gegen die Sowjetunion, doch wollen die Chinesen die Amerikaner gegen die Sowjetunion hetzen, so wollen umgekehrt die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Verbündeten China gegen die Sowjetunion hetzen. Beide Seiten unternehmen diese «chassé-croisé»* *( Platzwechsel zwischen zwei Personen, Hin und Her (frz. im Original)) von denselben Positionen aus und mit denselben Hoffnungen. Nur dass die Sowjetunion die Hände nicht in den Schoss legt. Sie versucht, einen Krieg mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu vermeiden, über die Völker zu herrschen, die sie selbst unterdrücken kann, das NATO-Bündnis zu zerstören und China zu isolieren, nach Möglichkeit auch zu unterwerfen. Und all diese Absichten verfolgt sie unter der Maske des Sozialismus.

Der Weltkapitalismus, besonders der europäische Kapitalismus, hat eine Reihe von Weltkriegen durchgemacht, die ihre Quelle in seiner brutalen Natur hatten. So lassen sich das «Vereinte Europa» oder Giscard d'Estaings Frankreich oder Straussens Deutschland von der Politik Tschou En-lais und Deng Hsiao-pings nicht so leicht hinters Licht führen. Sie lassen sich nicht auf einen Krieg mit den Sowjets ein, nur weil ihnen Deng Hsiao-ping dies einbläst. Nein, sie versuchen, den Zusammenprall mit der Sowjetunion zu vermeiden, solange sie sie für stärker halten als sich selbst; sie versuchen, die Festung von innen her sturmreif zu machen, dann holen sie zum Schlag aus. Alle, die Vereinigten Staaten von Amerika, England, Frankreich, die Deutsche Bundesrepublik und die andern, versuchen, die Sowjets zu schwächen, zu schwächen in ihren Bündnissen mit Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei usw., doch sie gehen nicht vor, wie China es will. Die alten Wölfe kennen sich gut aus in der Taktik des Angriffs, deshalb ist es schwer, sie auf Pfade zu locken, die dir selbst passen. Solche Pläne verfolgten und verfolgen sie nämlich selbst und zwar gerade auch in Richtung auf China. Beim französischen Präsidenten ist das Märchen von der «sowjetischen Gefahr» mit Sicherheit auf taube Ohren gestoßen. Sicherlich hat Giscard d'Estaing Deng Hsiao-ping gesagt, sie wünschten, die Freundschaft mit China zu entfalten, doch nicht gegen die Sowjetunion, sei ihnen doch daran gelegen, den Konflikt zu vermeiden. Doch andererseits hetzen die d'Estaings und Co. Deng indirekt gegen die Sowjets auf, damit er ihnen die Kastanien aus dem Feuer holt, während sie zuschauen.

Die europäische Bourgeoisie ist eine alte Hure, die schon alle Sünden begangen hat. Sie ist gewiegt in Tücken und Intrigen. Allein durch den revolutionären Kampf des Proletariats und des Volkes wird mit ihr abgerechnet. Auf diesem Schlachtfeld wird sie entlarvt und bezwungen, verlieren ihre Intrigen und Tücken die Kraft. Auf diesem Feld muss auch China kämpfen. Es muss dabei vom Grundsatz ausgehen, die diplomatischen Beziehungen und den Handel mit den kapitalistischen Ländern Europas in den Dienst einer soliden revolutionären Strategie zu stellen, und nicht versuchen, Westeuropa gegen die Sowjets zu hetzen. Diesen falschen Weg Chinas haben vor ihm schon England und Frankreich eingeschlagen, um Hitler gegen die Sowjetunion und die Sowjetunion gegen Deutschland aufzustacheln. Das Ergebnis dieser Manöver ist bekannt. Stalin verfiel nicht in diese Fehler, er ging weder auf die Positionen der Angloamerikaner noch auf die der Hitlerner ein.

Wenn man auf festen revolutionären Positionen steht, kann man sowohl die Widersprüche unter den Feinden besser ausnutzen, als auch in erster Linie die Gefährlichsten schwächen, ohne dabei die zu vergessen, die zwar einen Augenblick lang geschwächt sein mögen, aber auch wieder zu Kräften kommen können. Betrachtet man die Ereignisse und Situationen von revolutionären Positionen aus, ist klar ersichtlich, dass man als Stütze nicht einen konjunkturellen Faktor hat, sondern ein sehr mächtiges und beständiges Potential im Kampf gegen das Kapital - das Proletariat jedes Landes, das Weltproletariat überhaupt sowie die Völker, die Freiheit und Revolution wollen. Man muss die Revolution machen, indem man sowohl gegen die Vereinigten Staaten von Amerika als auch gegen die Sowjetunion kämpft.





MITTWOCH,

25. JUNI 1975



TSCHOU EN-LAI UND SEINE GRUPPE STEUERN EINEN

FEINDSELIGEN KURS GEGEN ALBANIEN





Die Chinesen haben endgültig über die Wirtschaftshilfe entschieden, die sie uns für den kommenden Fünfjahrplan geben werden. Die gemeinsame Kommission trat zusammen. Die chinesische Abordnung wurde von dem «berühmten» Li Hsiän-niän geleitet, dessen Albanienfeindliche Einstellung wohlbekannt ist.

Adil legte offen und freundschaftlich unsere Meinung über die Hilfe dar, die uns die VR China bewilligte, und zwar picht für fünf, sondern für sieben oder acht Jahre, denn einige Werke sind offiziell auf mehr als fünf Jahre, auf bis zu sieben Jahre veranschlagt, ganz abgesehen davon, dass die Chinesen ihre Fertigstellung unter verschiedenen Vorwänden möglicherweise noch weiter verzögern, einzig und allein in der Absicht, unserer Wirtschaft zu schaden. So sind die Chinesen auch bei den Werken des gerade zu Ende gehenden Fünfjahrplans verfahren, die nun unvollendet in den kommenden Fünfjahrplan eingehen.

Adir brachte also den Chinesen gegenüber unsere Meinung zum Ausdruck, dass die Summe von . .. für fünf bis sieben Jahre bedeutet, dass sie uns eine starke Beschränkung auferlegen, was im Gegensatz zu ihren Versprechungen steht, im Gegensatz zum fortgeschrittenen Zustand der chinesischen Wirtschaft und zur Blockadesituation, der Albanien durch die Imperialisten, die Sozialimperialisten, die Titoisten und die anderen kapitalistischen Nachbarländer unterworfen ist. «Damit sind wir unzufrieden», sagte ihnen Adil, wobei er unsere soliden Gründe darlegte und ihre schwachen «Gründe» auseinander nahm. Sehliesslich ersuchten wir sie darum, ihre Entscheidung wohlwollend und in internationalistischem Geist zu überprüfen, so wie auch wir die unsere überprüft und unsere Wünsche zurückgeschraubt haben...

Li Hsiän-niän, dieser Feind des Sozialismus in Albanien, die Kreatur Tschou En-Jais, antwortete Adil auf unverschämte, brutale, feindliche Weise. Er sagte: «Eure Vorschläge werden nicht akzeptiert, wir ziehen sie nicht einmal in Erwägung, unser Beschluss ist unumstößlich und wurde von unserer ganzen Führung einschließlich Mao Tsetungs gefasst.» « Über das hinaus, was wir beschlossen haben», sagte Herr Li Hsiän-niän, «machen wir keinen Yüan locker.» Mit dieser Antwort wollte er, anders formuliert, sagen: «Wenn ihr wollt, nehmt, wenn ihr nicht wollt, lasst es bleiben, was ihr sagt, ist uns völlig egal.»

Das Ersuchen, unsere Meinung, die Adil Li Hsiän-niän auch schriftlich übergab, Genossen Mao Tsetung zu übermitteln, beantwortete Li Hsiän-niän Folgendehrmassen: «Ich werde es ihm geben, aber erwartet keine Antwort.» Das sollte wohl entweder heissen: «Mao geruht ganz entschieden nicht, das Ersuchen der Albaner zu beantworten», oder aber: «Ich nehme diese eure Darstellung zwar entgegen, gedenke aber nicht, sie Mao auszuhändigen, sondern werfe sie in den Papierkorb.» Welche Version man auch immer annehmen mag, sicher ist, dass die Albanienfeindliche Clique in Chinas Führung grosse Macht hat und den chinesischen Freunden Albaniens ihren Willen aufzwingt.

Mit all dem setzt diese Gruppe in der chinesischen Führung ihr feindseliges Verhalten fort. Diese Gruppe hat sich auch schon früher so verhalten, doch die Kulturrevolution, die revolutionäre Haltung der Partei der Arbeit Albaniens und der Volksrepublik Albanien zur Verteidigung Chinas, als alle, ich betone: alle, ihm den Rücken zuwandten und es angriffen, hinderten die Leute dieser Gruppe daran, die feindlichen Absichten, die sie gegen uns hegten, so auszuführen, wie sie das gerne getan hätten. Nun ist Mao alt geworden, möglicherweise fragen sie ihn überhaupt nicht, vielleicht holen sie überhaupt nicht seine Meinung ein, nicht nur, was unsere Sache betrifft, die er, soweit wir wissen, verteidigt hat, sondern auch, was die anderen inneren und internationalen Probleme anbelangt. Diese fragwürdigen chinesischen «Genossen» machen weiter mit ihrer Taktik: «Unter Maos Banner treiben wir unser eigenes Spiel.» So denken sie.

Dieses Vorgehen der Chinesen uns gegenüber ist der Beginn eines starken wirtschaftlichen Drucks, durch den sie uns politisch und ideologisch zu unterwerfen hoffen. Sie handeln wie eine Großmacht, nicht revolutionär und schon gar nicht marxistisch-leninistische Unsere in jeder Hinsicht richtige marxistisch-leninistische Linie ist ihnen ein Dorn im Auge, sie hätten es gern, wenn unsere Linie unsere Auffassungen ein Anhängsel ihrer opportunistischen, prinzipienlosen, konjunkturabhängigen Linie wären. Die Leute dieser Gruppe stehen im Gegensatz zu unserer Linie und sind zu wirtlichem Druck übergegangen wie einst die Sowjetrevisionisten, weil meinen, sie könnten uns dadurch zwingen, klein beizugeben. Diesen Albanienfeindlichen Kurs verfolgen Tschou En-lai und seine Gruppe eben zu der Zeit, da in unserem Land die feindlichen. Gruppen von Beqir Balluku und Abdyl Këllezi liquidiert worden sind. Daran zeigt sich, dass dies ihre Leute waren, wie sie zugleich auch Leute der Sowjets und der Jugoslawen gewesen sind. Für: sie alle, für die Chinesen, die Sowjets und die Jugoslawen, war diese gesunde Lage in unserem Land nicht tragbar, nicht annehmbar. Deshalb waren für diese drei, wie nun die Verbindungen unter ihnen auch ausgesehen haben mögen, all die Feinde der Partei der Arbeit Albaniens und ihrer marxistisch-leninistischen Führung Freunde, und sie unterstützten sie auf verschiedene Weise. Beqir Ballukus feindlicher Plan war von Tschou En-lai diktiert. Beqir Balluku arbeitete heimlich für die «Antithesen» u nd an der Organisierung des Putsches. Die «Antithesen» waren ihm von Tschou En-lai eingeflüstert worden. Wir lehnten sie ab, und Beqir Balluku hat möglicherweise die Chinesen informiert.

Tschou sagte zu Beqir Balluku: «Festigt die Verbindungen und die Zusammenarbeit mit Jugoslawien gegen die Sowjets.» Und: «Für euch gibt es keine andere Strategie als die Strategie der Berge.» Das heisst: «Wenn der Feind euch angreift, nehmt schon am ersten Tag die Beine in die Hand und dann ab in die Berge!»

Der Plan von Tschou En-lai und Beqir Balluku war prosowjetisch, denn er hätte den Sowjets freie Hand gegeben, Albanien zu besetzen; ebenso war er auch probjugoslawisch, denn er zielte darauf ab, den Sozialismus in unserem Land zu liquidieren. Die Entdeckung, Entlarvung und Bestrafung Beqir Ballukus und der Leute seiner Gruppe war gleichzeitig auch ein Schlag gegen Tschou, der mit Beqir Balluku sowie Abdyl Këllezi, der, gleichfalls ein Verräter, im Erdölsektor und in unserer Volkswirtschaft Sabotage betrieb, dieses Komplott ausgeheckt hatte.

Tschous Kampf, uns von innen her zu stürzen, ging also verloren, und so setzte er, weil er keine andere Handlungsmöglichkeit hatte, die Waffe der Wirtschaftsblockade ein. Als Revisionisten meinen er und seine Gruppe, wir würden isoliert sein, Hungers sterben, einen Kniefall tun. Sie denken: «Die Albaner haben keine andere Wahl.» Und Tschou En-lai tischte Adil Carçani wieder den alten teuflischen Plan auf: «Schliesst euch eng zusammen mit den anderen Balkanländern, ungeachtet eurer Meinungsverschiedenheiten.» Welch schmutziger Feind, welch niederträchtiger Pseudomarxist! Weder fallen wir auf die Knie, noch fürchten wir uns, noch wird uns das Brot ausgehen, vielmehr werden wir ehrenvoll leben, frei, unabhängig und souverän. als Marxisten-Leninisten, als albanische Kommunisten, als Söhne dieses ruhmreichen und heldenhaften Volkes, das sich in den Jahrhunderten nicht beugte. Tag und Nacht werden wir vereint, mit vervielfachten Kräften gegen jeden Feind kämpfen, woher er auch immer kommen mag: Stets wird das Banner unserer Partei in den Schlachten siegreich wehen. Mit unserer Partei an der Spitze werden wir jede Blockade durchbrechen, jedes Komplott durchkreuzen, und unser Volk wird siegen, wird auf dem Weg des Sozialismus und des Kommunismus immer erfolgreich vorwärts schreiten.

Tschou und Konsorten werden sich an der stählernen Festung des sozialistischen Albanien und der Partei der Arbeit Albaniens, einer eisernen marxistisch-leninistischen Partei, den Kopf einrennen wie die anderen. Dies ist ein niederträchtiges und koordiniertes Komplott der Gruppe Tschou En-lais!!

Nur ein oder zwei Tage, nachdem Li Hsiän-niän unter dem Vorwand, China sei «sehr arm», Adil Carçani den Kredit verweigert hatte, sagte Radio Moskau in einem Kommentar über Albanien unter anderem: «Die Leute in Tirana haben inzwischen begriffen, dass China ein armer Staat ist. . . , der Albanien nicht hilft», usw. Wie sollen wir das nennen? Koordinierten chinesisch-sowjetischen wirtschaftlichen Druck?!

Gerade zwei, drei Tage, nachdem Tschou En-lai Adil Carçani erklärt hatte: «Vereinigt euch mit den Balkanländern», behauptet eine jugoslawische Zeitung in einem langen Artikel: «Albanien hat in den Handels- und Kulturbeziehungen trotz aller Meinungsverschiedenheiten seinen Blick auf Europa und insbesondere Jugoslawien gerichtet», usw. Die Zeitung fügt hinzu. «Nach China ist Jugoslawien das Land, mit dem Albanien am meisten Handel treibt», usw. Eine von Tschou En-lai und Tito wohlabgestimmte «Perspektive» für uns.

Es kann gar nicht anders sein, als dass diese Fakten im Zusammenhang miteinander stehen. Sie beweisen zusammen mit den anderen uns bekannten Fakten die Verbindungen zwischen dem Komplott Beqir Ballukus und Abdyl Këllezis, der Blockade und der «Perspektive», die uns der «berühmte» Tschou En-lai eröffnet.

All das registrieren wir, und wir werden unsere Haltung solchen Leuten gegenüber überprüfen. Aber wir werden sorgsam vermeiden, auf ihre Provokationen hereinzufallen, denn das ist es, was sie wollen. Doch uns werden sie nicht hereinlegen können.

Sie zerstören die Freundschaft, wir dagegen werden weiter von ihr sprechen, natürlich nicht mit heuchlerischen Phrasen, wie sie es tun werden, um die Sch... mit Jauche abzuwaschen. Wir werden uns korrekt verhalten, doch mit den glühenden Worten ist Schluss, solange diese Clique ihre feindliche Tätigkeit gegen uns fortsetzt.

Wir werden uns ihren Erpressungen nicht beugen, sondern uns dieser Clique gegenüber kühl verhalten, oder auch mehr als kühl, bis das Mass voll ist und sie sich entlarvt.





DONNERSTAG,

26. JUNI 1975





DIE CHINESEN BEWILLIGTEN UNS ZWEI OBJEKTE, BEI

DEN ANDEREN GABEN SIE UM KEIN JOTA NACH



Die Chinesen genehmigten eine Änderung im Rahmen des festgelegten Kredits, um die wir ersucht hatten: sie bewilligten uns das Wasserkraftwerk von Koman und strichen dafür das von Bushat. Ausserdem gestanden sie zu, dass in der Harnstoffabrik auch Kunstdünger produziert wird, doch nicht in der Menge, die wir gewünscht hatten.

Immerhin, ein bisschen hilft uns das schon weiter, denn diese beiden Objekte sind wichtig. Bei den anderen Objekten gaben sie um kein Jota nach.





FREITAG,

4. JULI 1975





CHINA HAT SICH IN DEN POLITISCHEN REIGEN DER

BOURGEOISIE EINGEREIHT



Es ist tragisch, dass China das Chaos mit Chaos bekämpft. Mao Tsetungs China erweckt den Eindruck, es betreibe im Land eine «sozialistische» Politik, doch wenn man den Dingen auf den Grund geht, soweit dies die äusseren Anhaltspunkte eben zulassen, wird man feststellen, dass die «marxistisch-leninistische» Politik, die es hinaustrompetet, eine «maotsetungsche» Politik ist, ein mit zweifelhaften Prinzipien und Ansichten vermischtes Etwas. Ständig lassen sich zwei Linien feststellen, die einmal parallel laufen, dann wieder nicht, weil die eine die andere überlagert. Diese Unbeständigkeit zeigt sich laufend auch bei vielen kapitalen Problemen. Die Propaganda ist darauf abgestellt, den Leuten weiszumachen, alles, was China meint und tut, sei «richtig, prinzipienfest, marxistischleninistisch, antimperialistisch und insbesondere antisozialimperialistisch».

Auch in der Aussenpolitik gibt sich Mao Tsetungs China als sozialistisches Land mit einer sozialistischen Politik. In Wirklichkeit stimmt das nicht. Auch wenn China nicht auf eine Stufe mit den beiden Supermächten gestellt werden kann, so ist seine Politik doch keine marxistisch-leninistische Politik.

Da sich China selbst zu einem Staat der «dritten Welt» erklärt hat, verfolgt es im Prinzip auch die Politik dieser «dritten Welt», die nichts Sozialistisches an sich hat. Es versteht sich, dass China in der «dritten Welt» seine Politik mit der bürgerlich-kapitalistischen und revisionistischen Politik dieser «dritten Welt» vermengt.

Liu Schao-tschis, Tschou En-lais und Deng Hsiao-pings Politik vor der Kulturrevolution war: «Bündnis mit allen Staaten der Welt, auch mit den Sowjetrevisionisten.» Gegenwärtig lautet Tschou Enlais und Deng Hsiao-pings Politik: «Bündnis mit allen Ländern der Welt, auch mit dem amerikanischen Imperialismus, gegen die Sovjets.» Und Mao Tsetung, mit welcher Linie hält er es? Man lässt durchblicken, dass er diese Linien billigt und später missbilligt, doch tâtsächlich hält er zu ihnen und hat seinen Anteil an dem Weg, den China verfolgt. Dies ist eine für China selbst und für die Welt folgenschwere Politik. Die revolutionäre Welt erwartet von China eine revolutionäre, eine Klassenpolitik, doch sie sieht sie nicht, weil es sie in Wirklichkeit gar nicht gibt, weil man sich nur vorstellen kann, wie sie auszusehen hätte.

China betreibt eine Schaukelpolitik. Es hat sich geöffnet, unterhält diplomatische Beziehungen zu allen, will auf der Welt anerkannt werden. Auch wir haben dies gewollt und ihm empfohlen. Doch als was muss China auf der Welt Anerkennung finden? Als sozialistisches Land oder als Land der «dritten Welt»? China müsste sich natürlich als sozialistisches Land Anerkennung erwerben. Eben das tut es jedoch nicht. Es ist auf der Welt anerkannt als ein Staat, der gegen die Sowjetunion ist. Freunde sind für China das Spanien Francos, das Chile Pinochets oder das Rhodesien von Jan Smith, während «die Sowjets am gefährlichsten sind, weil sie sich als Marxisten-Leninisten aùsgeben». Dies ist keine prinzipienfeste Haltung. Chinas Kampf gegen die Sowjets beruht nicht auf einer ideologischen Plattform, von der aus ihre sozialimperialistische Politik entlarvt würde. Nein, das tut China durchaus nicht so, wie es nötig wäre. Und warum nicht? Weil seine Politik nicht auf der marxistisch-leninistischen Theorie fusst. China hat sich in den politischen Reigen der Bourgeoisie eingereiht, in die Politik der Konjunkturen, und es ist davon überzeugt, dass dies die richtigste Politik ist. China übersieht, dass die Politik, die es unterschiedslos Präsidenten und Königen, Fürsten und Fürstinnen, Bonner Faschisten und Revanchisten, amerikanischen Imperialisten oder Leuten wie Pinochet gegenüber betreibt, nicht originell ist. Diese Politik haben die kapitalistische Weltbourgeoisie und schon etwas früher die Erbmonarchien und die Aristokratie in grossem Stil praktiziert. China sucht die Freundschaft der herrschenden Cliquen, um «in die Völker einzudringen», anstatt in

die Herzen der Völker Eingang zu finden, indem es sie davon überzeugt, dass es uneingeschränkt für ihre Sache eintritt.

Was für eine Hilfe gibt denn China dem Volk und den Revolutionären in Chile oder auf den Philippinen, oder den deutschen Revolutionären, wenn es sich auf skandalöse Weise mit Pinochet, Marcos, Strauss und anderen von ihrer Sorte zur Schau stellt? Es gibt ihnen keinerlei Hilfe, entmutigt sie nur. Mit dieser seiner Politik stärkt China der schwärzesten Reaktion den Rücken. China nährt bei den Revolutionären die Annahme, dies sei ein <politisches Manöver». Tatsächlich ist dies ein konterrevolutionäres Manöver, denn folgten die Revolutionäre Chinas Politik, dürften sie nicht gegen die Reaktion kämpfen. Die Revolutionäre dürfen jedoch kein Doppelspiel treiben: die Reaktion bekämpfen und ihr gleichzeitig die Stange halten.

Die Chinesen bemühen sich, den Eindruck zu erwecken, sie unterstützten insgeheim die revolutionären Kräfte. Das ist absolut nicht wahr und kann auch gar nicht wahr sein, denn China macht

sich Gedanken um ein gutes Verhältnis etwa zum Staat der Deutschen Bundesrepublik und ihren Firmen und nicht zu den deutschen marxistisch-leninistischen Kommunisten. Chinas sogenannte Hilfe für die marxistisch-leninistischen Revolutionäre beschränkt sich einzig und allein auf eine Unterstützung, die es ihnen gibt, wenn sie China und seine Politik in Bonn, Paris oder Rom loben. Jedenfalls bedeutet es, gut Freund mit der Reaktion dieser Länder zu sein, wenn man so handelt. Natürlich soll China diplomatische, kulturelle und Handelsbeziehungen zu diesen Ländern unterhalten, diese Beziehungen müssen jedoch auf der marxistisch-leninistischen

Theorie basieren und der Revolution dienen.

China gibt einigen Staaten, darunter auch uns, Kredite. Diese Kredite, besonders an uns, sind geprägt von der Politik, die China im In- und Ausland verfolgt. Ist die Situation in China revolutionär, dominiert also die revolutionäre der beiden Linien über die regressive, dann ist die Hilfe für uns von Wohlwollen und Freundschaft getragen, dann verstehen die Chinesen unsere Bedürfnisse und Schwierigkeiten richtig. Wir versäumen es nicht, ihnen unsere aufrichtige Dankbarkeit zu bekunden, und sie erklären uns: «Die Hilfe, die ihr Albaner uns gebt, ist sehr gross, die Hilfe, die wir euch geben, dagegen sehr klein. Wir müssen euch mehr helfen und werden euch in Zukunft auch mehr helfen.»

Doch wie es scheint, fielen diese Äusserungen, als Tschou Enlais regressive Linie im Hintertreffen, schwach war. Nun hat sie wohl die Oberhand gewonnen und ihre Anhänger äussern sich ganz anders.

Genosse Adil, der aus Peking, wohin er wegen des Wirtschaftsabkommens gereist war, zurück ist, stellte bei den Leuten von Tschou En-Jais und Li Hsiän-niäns Gruppe einen unverhohlen arroganten, verächtlichen und eisigen, ja feindseligen Geist fest. Li Hsiän-niän erklärte Adil beinahe offen: «Auch mit der Hilfe, die wir euch bewilligten, haben wir einen Fehler gemacht, und ich bin dafür kritisiert worden». «Ich», sagte Li Hsiän-niän, der Mann mit der grossen Axt, «bin dazu da, die Investitionen zu kürzen.» Mit anderen Worten: «Denkt, was ihr wollt, ihr Albaner, ich werde jedenfalls an eure Forderungen die Axt anlegen.» Unsere Forderungen sind vernünftig, für die Chinesen allerdings sind unsere Ansichten und unsere politische Linie «unvernünftig». Die Chinesen wollen, dass auch wir denken und handeln wie sie, dass wir eine opportunistische und prinzipienlose Aussenpolitik verfolgen, uns den Feinden des Volkes und der Partei im Land gegenüber liberal verhalten, die wir bestrafen, während die Chinesen sie wieder an die Macht heben. Die Chinesen streben danach, unserer Partei und unserem Staat die Eigenständigkeit zu nehmen, die sie mit Blut und Opfern gewonnen haben, und sie zu ihrem Satelliten zu machen. Sie wollen, dass wir unsere Uhren in allem nach der Pekinger Uhr stellen. Dazu wird es niemals kommen, wenn die Pekinger Uhr nicht nach der Uhr von Marx, Engels, Lenin und Stalin geht, nach der sich die Partei der Arbeit Albaniens getreulich und konsequent richtet.

Es ist offensichtlich, dass Tschou En-lais Gruppe Druck auf uns ausübt, verhindern möchte, dass unsere richtige marxistisch-leninistische Linie einen Schatten auf ihre Linie wirft und sie in eine schwierige Position bringt. Diese Linie ist nicht marxistisch-leninistisch, obwohl sie alle Anstrengungen unternehmen, sie als «revolutionäre marxistisch-leninistische» Linie in die Geschichte eingehen zu lassen. Diese ihre feindselige Haltung hat überall um sich gegriffen. Verschiedene chinesische Botschafter sprechen in Li Hsiänniäns Sprache über uns. Die Sowjets, die Rumänen und die Jugoslawen haben von dieser Haltung Wind bekommen und ihren Druck: auf uns verstärkt. So sieht die Wirklichkeit aus, doch sie können uns. weder zum Schwanken bringen noch einschüchtern. Tschou En-Jais Gruppe irrt sich gewaltig, wenn sie meint, sie könne uns in die Knie zwingen, so wie sich auch die Chruschtschowgruppe irrte. Auch, diese Gruppe werden wir in der internationalen Arena bezwingen.. Die Welt und die Völker werden sehen, dass ein Volk, und sei es auch noch so klein, wenn es von einer marxistisch-leninistischen. Partei geführt wird, nicht zu bezwingen ist, dass es im Gegenteil' sogar mutig vorwärts marschiert und siegt. Auch das chinesische~ Brudervolk wird eines Tages die chauvinistische Politik seiner Führung gegen das sozialistische Albanien und die Partei der Arbeit Albaniens durchschauen, die China stets und ganz besonders in den, schwersten Zeiten, die es durchmachte, zur Seite standen, es vertei-digten und nach Kräften unterstützten.

Wir werden immer zu der gerechten Sache des chinesischen, Volkes, zum Weg der Revolution und des Marxismus-Leninismus siehen. Die Grossmachtpolitik lässt sich nicht lange mit Maskem verhüllen.







MONTAG,

7. JULI 1975





LI HSIÄN-NIÄN ARBEITET GEGEN DAS SOZIALISTISCHE

ALBANIEN



Li Hsiän-niän verzog auf unserem 4. Parteitag die Lippen nicht ,zum Lächeln, er sass da wie «Buddha», nur ein Zucken liess seine Wange beben, wie es scheint aus Nervosität, denn die Parteitagsdelegierten wurden tagelang nicht müde, zu jubeln und zu klatschen, um den sowjetischen Revisionisten Pospjelow und Andropow die Einheit der albanischen Kommunisten um das Zentralkomitee, die Treue der Kommunisten und des Volkes zur Partei der Arbeit Albaniens und zum Marxismus-Leninismus mitten ins Gesicht zu schmettern. Dieser Li Hsiän-niän, der auf dem Parteitag in der Rolle eines Vertreters des grossen China, um das es in Bukarest und Moskau so viel Lärm gegeben hatte, finster dasass, riet uns, den Sowjets riegenüber massvoll aufzutreten, uns mit Chruschtschow und seinen Genossen zu unterhalten. Zur Zeit der Kulturrevolution glich dieser Lakai Tschou En-Jais dann einer Ratte, die kein Loch findet, in das sie sich verkriechen kann. Damals wurde ihm beinahe der Hut aufgesetzt, ganz zu schweigen davon, dass man ihn hart kritisierte, beschimpfte, verurteilte und heruntermachte. Das erzählte er uns selbst. Als während der Kulturrevolution verschiedene Delegationen von uns nach China reisten, sassen er und sein Herr Tschou En-lai, der dank des Eingreifens von Mao persönlich der Säuberung entgangen war, wie begossene Pudel da.

-O tempora, o mores!»* *( O Zeiten, o Sitten! (lat. im Original)) Die stürmischen Zeiten gingen vorüber, Tschou und Li Hsiän-niän tauchten wieder auf und übernahmen die Macht, während sich Tschen Bo-da als «Agent aller» entpuppte und liquidiert wurde, während Lin Biao, «Agent der Sowjets, Verschwörer, ein Flugzeug nahm, ausriss und in der Mongolei verbrannte und zu Asche wurde», und andere ins Gefängnis kamen. China raffte sich mühsam auf, um die zersprengte Partei zu reorganisieren, die dann zum Parteitag zusammentrat. Mit Mühe und Not versammelte sich der Volkskongress. Man spricht davon, sie seien fidabei, die Kongresse der Massenorganisationen vorzubereiten. Doch inmitten dieses wüsten Durcheinanders wurde eine Sache gründlich getan: die Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika wurde geknüpft und festigt sich nun. Die Batterien wurden ausschließlich gegen die Sowjets gerichtet. Deng Hisao-ping wurde rehabilitiert und zum stellvertretenden Ministerpräsidenten, zum stellver1;r etenden Parteivorsitzenden, zum Mitglied des Politbüros des Zen1j alkomitees, zum Chef des Generalstabs usw. gemacht. Er fuhr auch zur Tagung der UNO-Vollversammlung und erklärte dort, China sei «Teil der dritten Welt». China öffnete sich der Welt und predigte rlie Freundschaft mit allen ausser der Sowjetunion.

Li Hsiän-niän ,wurde nach Tschou En-lais Erkrankung zum <.König» der chinesischen Wirtschaft hochgejubelt. Und nicht nur das, sondern auch noch zum «König» der größenwahnsinnigen internationalen Politik Chinas. Er erklärte unseren Genossen: «Ich fuhr rach Pakistan und sagte zu Ali Bhutto, er solle sich vor den Sowjets vorsehen und sie bekämpfen» - als habe Bhutto nur auf Tsch.ou T.n-lais und Li Hsiän-niäns Nachhilfeunterricht gewartet. «Ich fuhr in den Iran und sagte dem Schah-in-Schah, er solle sich vor den Sowjets hüten urnd sie bekämpfen» - als wisse der Schah des Iran nicht, wie man die Sowjets bekämpft, und habe nur darauf gewartet, dass es ihm Li Hsiän-niän sagte. «Ich riet den Irakern, gute Beziehungen zum Iran herzustellen und sich von der Sowjetunion zu lösen.» Siehst du nicht, um Li Hsiän-niäns schöner Augen -willen hat sich el Bakr mit Pahlevi verständigt! «Ich habe den Afghanen geraten, den Sowjets gegenüber aufzupassen», denn Daud hatte nur darauf gewartet, dass ihm Li Hsi'àn-niän sagte, er solle sich nicht eng mit Moskau verbinden. Die «superschlaue» und größenwahnsinnige Politik eines Truthahns! Die «herzlichen» Gespräche, die sie mit den herrschenden Cliquen verschiedener Länder der «dritten Welt» führen, sind ihrer Meinung nach von entscheidendem Gewicht! Diese Cliquen handeln genau als das, was sie sind - kapitalistische Bourgeois: sie verlangen Dollars, und wenn China sie ihnen gegeben hat, lassen sie hier und da ein lobendes Wort über es fallen, doch ohne dass sie das etwas kostet, denn sie nehmen von allen und drehen ihr Fähnlein nach dem Wind. Prinzipienlos waren sie schon immer. Auf der anderen Seite ist es so, dass ein Gespräch und die verlogene Freundschaft mit China die Revolution in ihren Ländenn schwächen, die Arbeit der Patrioten, der Komunistem und der Demokraten zunichtemachen, die glauben und propagieren, China sei für die Revolution. Unglücklicherweise hält es Chinas Politik mit den Königen und bürgerlichen Diktatoren. China betreibt das Geschäft der Vereinigten Staaten von Amerika, die ihm in ihren Einflusszonen bis zu einem gewissen Grad Handlungsfreiheit geben, weil es eine antisowjetische Posaune ist. Und daran sind die Amerikaner interessiert.

So macht der «kluge» Li Hsiän-niän Chinas grosse Wirtschaftsund Weltpolitik. Er spricht aus dem Schatten von Maos Banner und arbeitet gegen die Partei der Arbeit Albaniens, gegen das sozialistische Albanien, gegen den getreuen Freund Chinas. Diese Elemente haben jetzt die Macht in China. Die Rehabilitierung Deng Hsiao-pings und gewiss auch vieler anderer seiner Sorte, die in der Kulturrevolution Schläge bezogen haben, führt dazu, dass sie alle in China das Gesetz machen, die marxistisch-leninistischen Freunde bekämpfen und die Antimarxisten, die Schwankenden, die Bourgeois sowie die, die den Lakaien für sie spielen, verteidigen. Mao hat gesagt, in China werde es alle 7 oder 8 Jahre zu einer Revolution kommen, die die Herrschenden hinwegsäubere. Geht man von dieser «Prophezeiung>,. aus, so rückt der Termin nun heran. Warten wir ab, was wir zu sehen bekommen werden.





DONNERSTAG,

31. JULI 1975





DIE CHINEISCHE POLITIK HAT KEINE PROLETARISCHE

KLASSENACHSE



Wir dürfen nicht vergessen, dass die Sowjetunion als sozialimperialistischer Staat in Maos China eine grosse Gefahr sieht und deshalb auch versucht, es zu zersetzen, vielleicht auch anzugreifen. Doch als der sozialimperialistische Staat, der sie ist, hält die Sowjetunion es auch nicht für unmöglich, dass China sie angreift. So weit wird China meiner Meinung nach nicht gehen, doch strategisch gesehen hat es das Ziel, die verlorene Zeit hereinzuholen, um wirtschaftlich und militärisch zu einer Grossmacht mit sehr moderner Industrie und Landwirtschaft zu werden. Erreicht China dieses Planziel ohne Kriege, wird es zu einer kolossalen Macht, zur dritten grossen Weltmacht. Doch was für eine Weltmacht? Eine sozialistische oder eine imperialistische? Dies hängt von der politischen und ideologischen Haltung der Kommunistischen Partei Chinas ab. Stellt sich China auf feste und unerschütterliche marxistisch-leninistische Positionen, wird es zu einer grossen sozialistischen Macht, zum Eckpfeiler der Weltrevolution, zum geschworenen Feind der imperialistischen Supermächte: der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika. Andernfalls wird auch China zu einer sozialimperialistischen Macht. Und dann werden alle drei Mächte mit Raubkriegen über die Völker herrschen, wird man das Spiel der imperialistischen Bündnisse und der ungerechten Kriege um Hegemonie und Neuaufteilung der Einflusszonen betreiben usw.

Welche Position nimmt China gegenwärtig in der internationalen Arena ein? Meiner Meinung nach nimmt es keine revolutionäre Haltung ein, verfolgt es keine Politik, die, wie es sein müsste, vom klassenmässigen Standpunkt der Revolution aus gesehen wird.

China betrachtet die Sowjetunion als den Hauptfeind der Welt. Das stimmt nicht ganz. Heute gibt es zwei Hauptfeinde auf der Weit: die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika. Für China mag strategisch die Sowjetunion der unmittelbarere Feind sein, doch in der Weltpolitik kann man diese Trennung, diese Unterscheidung nicht vornehmen, weil es sonst so erscheint, als denke China nur an sich selbst und nicht an die anderen Völker, die leiden und sich befreien wollen. Doch von wem wollen sie sich befreien? Nur von der Sowjetunion? Und was ist mit den Vereinigten Staaten von Amerika? Natürlich wollen sich die Völker von diesen beiden Supermächten und allen Kapitalisten der Welt befreien, die ihnen samt und sonders das Blut aussaugen.

Kennzeichnend für Chinas gegenwärtige internationale Politik ist der Aufruf zur «Einheit aller»: des amerikanischen Imperialismus, der anderen kapitalistischen Grossmächte, der «dritten Welt», in die es öffentlich auch sich selbst mit einbezieht, der «Welt der Blockfreien» und schließlich der Völker, der Marxisten-Leninisten und aller Rèvolutionäre. Also ruft es alle ohne Unterschied zur «Einheit» gegen die sozialimperialistische Sowjetunion auf. Diese ungeschminkte und unmarxistische Politik Chinas sagt allen: «Lasst den Klassenkampf sein, vergesst für einige Zeit die Revolution (bis ich, China, eine Großmacht geworden bin), Proletarier der ganzen Welt, vereinigt euer Streben mit der Bourgeoisie, die euch unterdrückt, denn (hört auf mich und folgt mir) wir müssen zunächst den Feind Nummer eins, die sozialimperialistische Sowjetunion zerschlagen, dann werden wir weitersehen.»

Diese Sorte chinesischer Politik, die dem amerikanischen Imperialismus und den kapitalistischen Weltmächten hilft, verwirrt und spaltet die revolutionären und kommunistischen Kräfte auf der gan7en Welt. Dieses Geschäft betrieben auch die Chruschtschowianer. Was sagten sie? «Friedliche Koexistenz, Freundschaft mit allen und besonders mit den Amerikanern; Kampf gegen die Marxisten-Leninisten, gegen die revolutionären Kämpfe; Revolution auf friedlichem Weg» usw. usf. Was sagt China heute? All das, was ich angeführt habe, was inzwischen bekannt ist, doch an die Adresse der Sowjetunion und gegen sie gerichtet. Ganz leise sagt auch China etwas «gegen» die Vereinigten Staaten von Amerika, während Chruschtschow damals, wenn er sprach, sogar -grosse Bomben» platzen liess. Die Wider sprühe Chinas zu den Vereinigten Staaten von Amerika sind gewissermaßen eingeschlafen.

China glaubt mit erstaunlicher Naivität, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und die anderen Länder, die es zur Einheit. aufruft, gegen die Sowjetunion «marschieren werden», wie und wann es will. Wie gross ist doch die Kluft zwischen ihrem Wunsch und der Wirklichkeit! In der Tat geschieht das Gegenteil. Der amerikanische Imperialismus und seine Verbündeten billigen und unterstützen die Politik und den Aufruf Chinas, denn dies bringt ihnen. gewaltigen Gewinn. Diese Politik bedeutet eine grosse Hilfe für sie,_ wo es ihnen darum geht, die Revolutionäre zu verwirren und zu unterdrücken, den Klassenkampf aufzuweichen und alle Kräfte gegen die Sowjetunion und die revisionistischen Parteien in allen Ländern, wo es sie gibt, zu hetzen. In ihrer Globalstrategie stacheln die amerikanischen Imperialisten und ihre Verbündeten China nach Kräften gegen die Sowjetunion auf und tun ihr Mögiichstes, um die - Sowjetunion mit der chinesischen Gefahr zu schrecken. Dies soll es ihnen erleichtern, ihre Absicht zu verwirklichen: die Sowjetunion noch gründlicher und möglichst rasch zu schwächen und zu zersetzen, um sich dann mit vervielfachten Kräften auch China zuzuwenden. Das ist für jeden klar, der auch nur ein bisschen Verstand hat, nicht aber für die «marxistisch-leninistischen maotsetungschen» Chinesen. Die chinesischen Führer .brüsten sich mit ihrer Politik: sie würden die Sowjetunion schwächen und die Widersprüche zwischen ihr und den Vereinigten Staaten von Amerika vertiefen. Dabei übersehen sie, dass es auch noch die andere Möglichkeit gibt - an die die Chinesen keinen Gedanken verschwenden -, dass nämlich diese Politik den Vereinigten Staaten von Amerika nützt. In ihrer Naivität glauben die Chinesen, sie schwächten mit ihrer Politik beide Supermächte, die Sowjetunion und die, Vereinigten Staaten von Amerika.

Das sozialistische China könnte tatsächlich eine entscheidende Rolle auf der Welt spielen. Doch dazu müsste seine Außenpolitik marxistisch-leninistisch, eine Klassenpolitik sein, die sich auf die Kraft, die Wünsche und das Streben der Völker stützt. In Worten kommt dies den Chinesen leicht und oft über die Lippen, doch die "Taten bleiben aus. China stellt diplomatische Beziehungen zu vielen Staaten auf der Welt her, sogar faschistischen Staaten. Ebenso treibt es international in grossem Umfang Handel, gibt vielleicht auch Kredite, doch überall zeigt sich klar, dass es besonders seinen Verbindungen zu den Spitzen der Regime dieser Länder grosse Bedeutung beimisst und sie herauszustellen versucht. Zu sagen ist, dass zwischenstaatliche Beziehungen unumgänglich sind, doch wenn man «so freundschaftlich» mit den Oberhäuptern der herrschenden Bourgeoisie umgeht wie China, dann heisst das ganz unmissverständlich, dass es den Klassenaspekt in den Beziehungen zwischen Staaten vergessen hat. Mit der chinesischen Politik erleben die Völker und die Revolutionäre dieser Länder bittere Enttäuschungen.

Die einzige wirkliche Grundlage im Kampf gegen die sowjetischen Sozialimperialisten, die amerikanischen Imperialisten und die .einheimische Bourgeoisie ist das Volk. Dieser Faktor darf niemals, auf gar keinen Fall vergessen werden. Die Chinesen allerdings vergessen ihn. Ihre Bündnisse und ihre Hoffnungen stützen sie auf die bürgerlich-kapitalistischen Führer. Die Chinesen meinen, diese seien «treue Verbündete» der Revolution, wenn sie auch nur das geringste Anzeichen von Antisowjetismus erkennen lassen. Das faschistische Regime Chiles ist antisowjetisch und durch und durch ,proamerikanisch, für die Chinesen aber ist es ein Verbündeter und Weggefährte.

China passt es überhaupt nicht, dass Vietnam, Laos und Nordkorea prosowjetisch eingestellt sind. Und da hat es recht. Aber auch diesen passt es nicht, dass China proamerikanisch eingestellt ist. Beide Seiten betreiben eine prinzipienlose, nicht marxistisch-leninistische Politik, die nicht vom Klassenstandpunkt ausgeht. Ihre Haltung ist opportunistisch und birgt Gefahren für alle in sich. Die 'Sowjetrevisionisten versuchen, über die Vietnamesen in Indochina zu dominieren. Selbstverständlich möchte China unbedingt in prinzipienlose Konkurrenz dazu treten. Wenn es der Sowjetunion gegenüber ins Hintertreffen gerät, wird es entweder mit den Ländern Indochinas brechen oder indirekt die Vereinigten Staaten von Amerika zu Hilfe rufen. Was wird sich daraus ergeben? Vietnam und seinesgleichen werden zur Beute einer Reihe von Imperialisten werden Auch in der kommunistischen Weltbewegung treibt China dieses Spiel. Ursprünglich, als die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien entstanden, war es nicht sehr interessiert, später überhaupt nicht. Jetzt dagegen zeigt es grösseres Interesse und ruft zum prinzipienlosen Zusammenschluss der verschiedenen Gruppen unter der Parole des <Kampfes gegen die Sowjetunion im Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika und der kapitalistischen Bourgeoisie ihrer Länder» auf. Diese Politik hat natürlich unter unseren Genossen auf der Welt grosse und reale Verwirrung und Unzufriedenheit hervorgerufen, doch wie sie wollen auch wir nicht offen gegen diese Politik Chinas auftreten. Schweigen können wir dazu allerdings auch nicht, so wenig, wie wir zum Sprachrohr der falschen chinesischen Politik werden können.

Offen und nachdrücklich erklären wir, dass wir an unserer Haltung, unserer Politik in allen Fragen, zu allen Ereignissen, zu jeder politischen Kombination, die auf Kosten der Völker geht, festhalten. Und aus all diesen Gründen sehen wir, dass unsere Politik sich von der Chinas in vielen prinzipiellen Fragen unterscheidet. Unserer Ansicht nach ist das gut, denn die Völker und die Marxisten-Leninisten sind imstande, selbst zu beurteilen, wer richtig denkt und handelt und wer falsch, danach steht es ihnen frei, den marxistischleninistischen Weg einzuschlagen und ihn der konkreten Lage in ihren Ländern anzupassen.

Unsere Partei hatte oft den Wunsch - und das wünscht sie auch heute -, mit den chinesischen Genossen kameradschaftliche Gespräche über diese grundsätzlichen, lebenswichtigen Probleme zu führen, doch die Chinesen wollen diese Gespräche nicht und weichen ihnen aus. Das äussern sie sogar offen, wenn sie es so weit treiben, den Besuch unserer Partei- und Regierungsdelegation zu verschieben, während es gleichzeitig keinen Reaktionär gibt, der in ihrem Land nicht empfangen würde. Wir sind uns im klaren darüber, dass sie mit unseren richtigen Anschauungen nicht einverstanden sind und sich der Diskussion nicht stellen wollen, weil sie nicht auf marxistisch-leninistischen Positionen stehen.

Diese falsche internationale Politik Chinas ist das Ergebnis von nicht marxistisch-leninistischen Anschauungen, die in China Fuss gefasst haben. Es ist schwer, genau festzustellen, was in diesem Land gerade vor sich geht, doch eines können wir sagen: dort gibt es wohl keine Stabilität, dort muss es mächtige rivalisierende Gruppen geben, die unter dem Banner Maos um dominierende Positionen in Partei und Staat ringen. Die in der Kulturrevolution verurteilten Elemente werden rehabilitiert und besetzen wieder die Posten, die sie verloren hatten. Gewiss werden sie sich an denen rächen, die die Kulturrevolution machten. Offiziell ist die Kulturrevolution weiter das Banner, unter dem jede Handlung, jeder Schritt dort erfolgt, doch es ist ein Banner, das zunehmend zerschlissener wird. Diejenigen, die die Kulturrevolution machten, können mit dem Kurs, den die Ereignisse nehmen, nicht einverstanden sein. Sie können nicht damit einverstanden sein, dass ihre Gegner von gestern rehabilitiert werden, dass eine solch nachsichtige Politik den amerikanischen Imperialisten gegenüber verfolgt wird, dass man vom richtigen Weg abweicht: vom Kampf gegen die revisionistische Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika. Sie, die für diesen Weg sind, nennt man Anhänger Lin Biaos, der zum «sowjetischen Agenten» erklärt wurde. Jetzt ist davon die Rede, dass es in Hangtschou, in Shanghai und in anderen chinesischen Städten Unruhen in der Armee gebe. Es heisst, das seien «Parteigänger Lin Biaos». Schon möglich, dass sie Parteigänger Lin Biaos sind, wichtig aber ist, welche politischen und ideologischen Auffassungen sie wirklich vertreten.

Die Feier zum Fest unserer Armee in Peking war sehr blass. Der Organisator der offiziellen Feierlichkeiten, ein Protokollarbeamter des Aussenministeriums, erklärte nach einer Stunde: «Die Feier ist beendet». Im Saal befand sich bei dieser Gelegenheit kaum einer der wichtigen Führer.

Warum geschieht das? Wie kommt es, dass die Chinesen unseren Artikel gegen die Konferenz von Helsinki mit keinem Wort erwähnen, während sie gleichzeitig jeden Wisch, der sich im Zusammenhang mit dieser Konferenz gegen die Sowjetunion äussert, auf Phrasen absuchen? Wenn tatsächlich irgendwo mit allem Nachdruck gegen die Sowjetunion gesprochen wird, dann ist es in unserem Artikel. Warum also erwähnen die chinesischen Genossen diesen Artikel nicht?! Für uns liegt der Grund klar auf der Hand: in diesem Artikel wird mit genau demselben Nachdruck auch gegen die Vereinigten Staaten von Amerika gesprochen, und das wollen die Chinesen der Öffentlichkeit in ihrem Land verheimlichen. Wir können für diesen wichtigen politischen Vorfall keine andere Erklärung finden.







DIENSTAG,

5. AUGUST 1975





DIE CHINESEN VERHALTEN SICH UNS GEGENÜBER

IMMER ÜBLER



Wir stellen fest, dass sich die Chinesen uns gegenüber in einigen Punkten politisch nicht korrekt verhalten. Dies fällt uns auf, weil es vorher noch nie festzustellen war.

Bei ihren Armeefeiern hatte unser Militärattaché in Peking immer einen Ehrenplatz erhalten, an einem Tisch mit militärischen oder zivilen chinesischen Führern oder mit Vertretern von Staaten, mit denen wir Beziehungen haben, so den Vietnamesen, den Koreanern usw. Diesmal war es anders, und zwar auf ganz und gar offen provokatorische Weise: Sie hatten unserem Militärattaché einen Platz an einem Tisch mit dem sowjetischen Militärattaché zugewiesen. Als unser Attaché dies erfuhr, weigerte er sich, dort Platz zu nehmen, verlangte einen anderen Platz und protestierte dagegen, dass die chinesischen Genossen ihn an einen Tisch mit dem revisionistischen Feind hatten setzen wollen. Sie nahmen ihn von diesem Tisch weg und v erwiesen ihn an einen anderen, an dem der englische Militärattaché den Vorsitz führte. Von einer Provokation zur anderen. Unser Attaché akzeptierte auch diesen Platz nicht und verlangte, dass ihm ein anderer zugewiesen werde, ansonsten sei er gezwungen, auf eine Teilnahme an der Feier zu verzichten. Daraufhin gaben die Provokateure ihm einen anderen Platz.

Dieses Verhalten der chinesischen Seite ist kein Einzelfall. G leichzeitig werden unsere in den letzten Tagen erschienenen Artikel in der chinesischen Presse nicht veröffentlicht. Nicht einmal in einer Nachricht gehen die Chinesen auf diese Artikel ein. Das hat sogar die Aufmerksamkeit vieler ausländischer Botschafter in Peking erweckt: wie ist es möglich, dass China die ganze Weltpresse über die Konferenz von Helsinki zitiert und kein Wort über die albanische Presse verliert?!

Weiter haben wir eine Gemäldeausstellung nach Peking geschickt. Die Chinesen werden sie aber zuerst nicht in Peking, sondern in Kanton zeigen, «da in den Pekinger Sälen eine rumänische, eine vietnamesische Ausstellung gezeigt wird» usw.

Meiner Meinung nach werden wir noch mehr solcher unfreundlicher Gesten erleben, weil, und das ist offensichtlich, die Chinesen mit der Linie unserer Partei nicht einverstanden sind, weil es ihnen nicht gefällt, dass wir ihrer liberalen, proamerikanischen und prowestlichen Linie nicht folgen. Ganz gewiss passt es ihnen nicht, dass wir den Verrätern in der Armee, Beqir Balluku und seinen Leuten, deren Verschwörung Tschou En-Iais «Verbeidigungs»ratschläge zugrundelagen, auf die Schliche kamen, dass wir sie zerschlugen. Beqir Balluku und die Chinesen mögen auch über andere Fragen gesprochen haben, von denen wir nichts wissen, doch Tschou En-Jais «Denkanstoss», den er Beqir vermittelte, als dieser in Peking war, kennen wir.

Zum andern sind wir den Chinesen möglicherweise mit unserem Schlag gegen die Feinde Abdyl Këllezi, Koço Theodhosi usw. auf die Hühneraugen getreten, nicht weil Abdyl Këllezi der Vorsitzende der albanisch-chinesischen Freundschaftsgesellschaft war, sondern weil er die politischen und ökonomischen Anschauungen Tschou Enlais teilte, weil er ein Freund der Chinesen war, ein «teurer Freund», wenn nicht noch mehr. Die Dezentralisierung der Wirtschaft, der Kurs auf die «Selbstverwaltung» hin, die Sabotage im Erdölbexeich, die Aufblähung der Bürokratie und die anderen Übeltaten von Abdyl Këllezi und Co., all dies gefiel Tschou En-lai sehr, wenn es nicht überhaupt Tschou selbst war, der es ihnen eingeflüstert hatte. Wie dem auch sei, Beqir Balluku und Abdyl Këllezi waren zwei Schlangenköpfe, die wir abschlugen, bevor sie uns beissen konnten, wie sich dies Breschnew oder Tito, Tschou oder die Vereinigten Staaten von Amerika erträumt haben mögen oder vielleicht auch befohlen haben. Tschou und die Leute seiner Gruppe wähnen, ihr Spiel sei aufgedeckt worden, und damit haben sie recht, denn was wir über sie denken, baut immer nur auf den Fakten auf, die sie selbst uns liefern. Direkt werden wir sie nicht beschuldigen, doch wenn sie unsere Freundschaft schon mit dieser feindlichen Einstellung beantworten, muss bei uns ja der Verdacht entstehen, dass sie hinter den Kulissen feindliche Absichten gegen uns hegten, dass sie noch andere Missetaten begangen haben, von denen wir noch nichts wissen, die mit der Zeit aber sicherlich ans Licht kommen werden.

Wir müssen unsere Linie, die marxistisch-leninistischen Prinzipien verteidigen, sie offen und nachdrücklich bekräftigen, die Freundschaft mit dem chinesischen Volk und den chinesischen Marxisten-Leninisten hüten, wachsam sein und uns vor Provokationen in acht nehmen, denn die haben die chinesischen Revisionisten ja vor. Sie versuchen, uns in eine Falle zu locken und den Abbruch der Beziehungen zu China dann uns in die Schuhe zu schieben. Doch wir dürfen die Beziehungen zu China nicht verschärfen. Wir müssen die Prinzipien wahren, und wenn die Chinesen uns gegenüber irgendeine wichtige Handlung begehen, durch die unsere marxistischleninistischen Prinzipien verletzt werden, müssen wir sie unbedingt darauf hinweisen und ihnen Widerpart bieten. Auf ihre kleinen Bosheiten antworten wir am besten freundschaftlich und besonnen, so wie die Angestellten unserer Botschaft in der Frage der Ausstellung.

Zweifellos hat irgendeiner der Feinde und Saboteure, denen wir auf die Schliche kamen, Beqir Balluku, Abdyl Këllezi, Hito Cako oder ein anderer, den Chinesen gesagt: «Unsere (die albanische) Führung kritisiert euch in vielen Fragen» usw. Und dies verwendet die chinesische Führung anscheinend als Kapital. Deshalb nimmt sie auch die bekannte Haltung ein, die offizielle Delegation unserer Partei und unserer Regierung noch immer nicht zu empfangen. Dies wird auch durch die Art und Weise belegt, mit der sie unsere Kreditforderungen für den sechsten Fünfjahrplan aufnahmen.

Die Haltung der Chinesen dabei war hart, brutal, feindselig, nicht wie früher, als sie unsere Forderungen zwar auch nicht vollständig erfüllten, ihr Ton aber doch liebenswürdig, freundschaftlich war.

In den letzten beiden Jahren hat sich die Haltung der Chinesen uns gegenüber geändert, verschlechtert. Wo liegt der Grund? Er liegt in ihrer Haltung, die nicht mit unserer prinzipienfesten Haltung übereinstimmt. Doch die kannten sie seit langem. Wir beziehen zu jedem Problem offen Stellung, und die grosse Freundschaft mit China haben wir betont und betonen sie auch heute. Also?! Es gibt keinen Zweifel daran, dass ihre Verärgerung auf unsere ideologischen Meinungsverschiedenheiten zurückzuführen ist, doch hier haben die Feinde auch eine großangelegte Intrige ins Werk gesetzt. Sie versuchen um jeden Preis, unsere Freundschaft mit China zu zerstören, unsere Verteidigung und unsere Wirtschaft zu schwächen, dann zum Schlag auszuholen und die Macht zu übernehmen. Beqir Balluku, Abdyl Këllezi usw. intrigierten und verleumdeten also zusammen mit den Chinesen und sabotierten zugleich im Innern.

Möglich, dass die Chinesen meinen, wir hätten bei der Verhaftung der Verräter in der Armee und bei der Liquidierung der feindlichen Tätigkeit von Abdyl Këllezi und Co. den Schlag gegen diese Feinde von «antichinesischen» Positionen aus geführt. Wir haben sie über die feindliche Tätigkeit Beqir Ballukus informiert und werden sie auch über die Aktivitäten Abdyl Këllezis in Kenntnis setzen. Unterrichten wir also die Chinesen über die feindliche Tätigkeit dieser Verräter, geben wir den chinesischen Genossen wahrheitsgemäß klar zu verstehen, dass die Verräter, denen wir auf die Spur kamen, unter anderem grosse Verleumder, Betrüger waren. Wir müssen einen Genossen des Politbüros bestimmen, der anstelle Abdyl Këllezis den Vorsitz der albanisch-chinesischen Freundschaftsgesellschaft übernimmt.

Wenn die Chinesen die Fragen nicht marxistisch, sondern subjektivistisch auffassen, kann es durchaus sein, dass sie unsere Freundschaft mit China mit einer Einzelperson, einem Saboteur wie Abdyl Këllezi verknüpfen. Wir müssen diese Situation klären und möglichst beseitigen.







DONNERSTAG,

21. AUGUST 1875



UNAUSGEWOGENE HANDLUNGEN DER CHINESEN



Die ausländische Presse berichtet weiter von den «Unruhen in Hangtschou», wo «die Arbeiter wegen Lohnfragen revoltiert haben», und macht viel Aufhebens darum. Zum andern schreibt die gleiche Presse, den ausländischen Botschaften in Peking seien vom «Volk» Flugschriften gegen Deng Hsiao-ping zugeschickt worden, in denen dieser als «Urheber der Unterdrückung der Aufständischen und des Blutvergießens unter ihnen» bezeichnet werde.

Der Klassenkampf geht in der Periode des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft weiter, doch wir haben den Eindruck, dass dieser Kampf in China nicht konsequent geführt wird, dass er zaghaft ist und nicht auf soliden und beständigen Prinzipien gründet. Wo es Schwankungen in der Linie gibt, wird es mit Sicherheit auch eine schwankende Haltung gegenüber den Feinden geben.

Wenn man keine beständige Linie hat, hat man in Schlüsselmomenten auch die Situation nicht in der Hand, und es geschieht das, was sich in China ereignete: die Kulturrevolution gegen die Verrätergruppe Liu Schao-tschis, zu der auch Deng Hsiao-ping, Li Dö-scheng und andere gezählt wurden. Nach einiger Zeit entpuppten sie sich als «unschuldig», und man hob sie wieder in ihre früheren Positionen, sie «waren umerzogen worden». Ein «magisches» Wort, die «Wunder» der <.Gedanken von Mao Tsetung4 Nun gibt es aber viele, die diese schnelle Rehabilitierung nicht schlucken und die Frage stellen: wer hat recht, die, welche die Kulturrevolution durchführten, oder die, die dagegen waren? Natürlich wird es Zusammenstösse geben, ob nun mit Dazibaos oder in Form von Unruhen und Streiks, vielleicht aber auch bewaffnet, wenn sich die Widersprüche vertiefen.

Ich glaube, diese Politik Chinas mit ihrem Zickzack, mit ihrem Auf und Ab, mit ihren «proamerikanischen» Tenderizen, diese unklare und unbeständige «Globalpolitik» wird bei den Staaten und Völkern der Welt keinen Erfolg haben.

Die Vietnamesen und die Chinesen sprechen hinter vorgehaltener Hand nicht gut voneinander. Die Vietnamesen sagen, die Chinesen mischten sich in ihre inneren Angelegenheiten ein. Wie weit das stimmt, wissen wir àicht, aber China hat ein Interesse daran, dass Vietnam nicht zu einern Stützpunkt der Sowjetunion wird: Im Falle eines Angriffs der Sowjetrevisionisteñ stellt Vietnam eine grosse Géfahr für China dar.

Kim Ir Sen für seinen Teil ist ein Psèudomarxist. Er hat damit angefangen, in Europa und in Afrika «la tournée des grandsducs»* *( die Reise der Grossherzöge (frz. im Original) zu unternehmen, genau wie Tito und Ceaucescu. : .

Die USA sind zum «Mekka» der Revisionisten geworden. Alle pilgern hin und haschen nach der Hand des «Weltenpriesters», des amerikanischen Präsidenten in Washington. Auf Silbertellern bringen die Revisionisten dem amerikanischen Präsidenten fette Stücke ihrer Heimat, gegen Dollars. Mit einem Wort, sie gehen ohne mit der Wimper zu zucken zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und verschachern die Freiheit, die Unabhängigkeit und die Souveränität ihres Vaterlandes. . .

Der Japaner Miki führte Geheimgespräche mit Ford. Über was wohl? Über die Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika und Japans. Natürlich ist auch Japan gegen China. Ford und Miki werden nun eine ausgewogene Politik verfolgen, sowohl gegen China als auch gegen die Sowjetunion. Zweifellos hat Ford Japan die Atombombe versprochen, aber auch Japan hat seinerseits Ford der Freundschaft des asiatischen Gendarmen versichert, gegen denoder diejenigen, die diese amerikanisch-japanische Freundschaft in Gefahr bringen könnten.

So windet sich China zwischen den tückischen und feindseligen Japanern, dem größenwahnsinnigen, schwankenden und revisionistischen Kim Ir Sen, den prosowjetischen Vietnamesen und dem feindlichen Indien! Bei dieser Politik ohne marxistisch-leninistisches Rückgrat kann nichts Gesundes herauskommen. Wenn die Chinesen glauben, sie könnten mit dieser Politik die Positionen des Sozialismus innerhalb und außerhalb ihres Landes festigen und konsolidieren, dann irren sie gewaltig und werden bittere Enttäuschungen erleben. Die Chinesen meinen, die kapitalistischen Cliquen hätten einen Hang zur Politik Chinas, weil sie ihnen hin und wieder ein bürgerlich diplomatisches Lächeln schenken, doch eigentlich müsste ihnen klar sein, dass sich diese Cliquen mit Haut und Haar dem Weltkapitalismus, den beiden Supermächten verschrieben haben. An der «Freundschaft» mit China ist ihnen gelegen, weil sie sich den einen oder anderen Kredit versprechen und sie für die eine oder andere sporadische Erpressung benutzen wollen. China ist für sie ein «Modestaat», der avveder anheizt, noch löscht, der gegenwärtig für uns nicht gefährlich ist, von dem wir aber auch keinen Nutzen haben». Sie sehen in China einen «Pufferstaat», um eine eventuelle Überraschung in gewisser Weise abzumildern.

Leider glaubt China, die «Freundschaft» dieser Cliquen sei das gleiche wie die Freundschaft der Völker, über die sie herrschen. Hier irrt China sehr oder es handelt so, weil es ihm eher in den Kram passt.







MONTAG,

29. SEPTEMBER 1975







RUMÄNIEN UND CHINA HABEN EINE LINIE





Was ist nur an diesen rumänischen Revisionisten mit Ceaucescu an der Spitze, dass die Chinesen sie so sehr mögen und unterstützen?

In letzter Zeit gehen hohe Persönlichkeiten der rumänischen Partei und des rumänischen Staates in China aus und ein, als ob sie dort zu Hause wären, haben Treffen mit hohen Persönlichkeiten des Politbüros, nehmen und geben, küssen und umarmen sich, man schreibt über sie und rühmt sie.

Die rumänische Bourgeoisie ist in der Geschichte für ihre «Liebschaften» bekannt, das steht ausser Zweifel. «Liebschaften» hat sie mit allen gehabt, zu jeder Zeit - die Bourgeoisie beispielsweise mit dem bürgerlichen Frankreich, die neue revisionistische Bourgeoisie mit der Sowjetunion Chruschtschows, dem China Maos, dem Jugoslawien Titos, den Vereinigten Staaten von Amerika, der Deutschen Bundesrepublik und allen, die ihr Geld geben. Das ist allen klar, nur den Chinesen nicht. Für die Chinesen ist Ceaucescus Rumänien «gegen die Sowjetunion», deshalb «ist es sozialistisch», ist «die rumänische Partei eine marxistisch-leninistische Partei». All das entbehrt jeder Grundlage. Das Gegenteil ist der Fall.

Sollte es bei Ceau5escu ein Fünkchen von Antisowjetismus geben, dann kommt das daher, dass er ein Abenteurer chruschtsehowschen, titoistischen usw. Typs ist, der eine Kupplerrole übernommen hat. Und der Kuppler lebt, ohne dass die Sowjets ihm zusetzen, ja sogar - was sehr leicht möglich ist - mit ihrem Wissen und ihrer Hilfe als Gegenleistung für die Dienste, die er ihnen leistet. Er lebt aus der Tasche der Vereinigten Staaten von Amerika, der Deutschen Bundesrepublik und aller, die ihn bezahlen.

Ceausescus Regime ist ein Regime der Korruption, des Bankrotts, der Diktatur von Personen und Familien.

Es ist eine Schande für die Chinesen, eine solche Partei marxistisch-leninistisch zu nennen und einen Abenteurer wie Ceausescu als «grossen Politiker» zu betrachten!

Doch weshalb nehmen die Chinesen Rumänien und Ceaucescu gegenüber diese Haltung ein? Es lässt sich nicht anders erklären: sie verstehen sich, ihre Politik stimmt in Strategie und Taktik überein. Die Rumänen geben sich antisowjetisch, die Chinesen sind antisowjetisch. Die Rumänen sind Freunde der Amerikaner, sie schalteten sich ein und versöhnten die Chinesen mit den Amerikanern. Ceaueescu und Bodnarae wurden zu «Paten» der chinesischamerikanischen Freundschaft, die den rumänisch-sowjetischen oder den sowjetisch-amerikanischen Verbindungen gleicht. Zum Schein schelten sie einander, um die Fassade zu wahren, doch dahinter treiben sie Unzucht in Politik, Handel usw.

Die Rumänen sind für eine breitangelegte Politik mit den europäischen Kapitalisten, an die sich Rumänien verkauft hat, angeblich, um sich vor den Sowjets zu schützen. Genauso ist auch China für eine Politik der Annäherung an die europäische Reaktion, aber gegen die Sowjets. Die Taktik der Chinesen dabei ist: «Sieh dich vor, Europa, die Sowjetunion will dich durch einen Krieg verschlingen!».

Rumänien und China haben also eine Linie. Rumänien erhält schon Kredite von Europa, China noch nicht, doch immerhin treibt es einen «interessanten» Handel. Rumänien hat einen starken «Mann», die Vereinigten Staaten von Amerika, denen es Dollars und andere Vergünstigungen abluchst, während China Handel mit den Vereinigten Staaten von Amerika treibt, kauft und verkauft, mehr Gruppen aller möglichen Leute empfängt als hinschickt, Gruppen, die herzlich empfangen werden.

Ceausescu fing an, königliche diplomatische Reisen in alle Länder der Welt zu unternehmen. Ceaucescu ist mehr im Ausland zu finden als in Rumänien. Was macht er im Ausland? Er kauft und bringt, er schliesst und löst Abkommen, nimmt hier und da ein Sümmchen mit, irgendwer verleiht ihm auch einmal einen Orden, Ceaucescu nimmt nun auf dem Schwarzmarkt der weltumspannenden Verhandlungen Titos Platz ein.

China verhält sich auf der Welt nicht wie Rumänien; ihm gefällt die Taktik der «Öffnung», des «Anerkanntwerdens», doch vorläufig geht es noch nicht so schamlos vor wie Rumänien. Rumänien hat dem Kommunismus, der Revolution abgeschworen. Auch China ist in diesem Fahrwasser. China hat sich zu einem Teil der «dritten Welt» erklärt, doch gehört man zur «dritten Welt», gehört man auch zur «Welt der Blockfreien». Denn den Unterschied zwischen der «dritten Welt» und der «Welt der Blockfreien» kennen nur Titos «Theorie» und die «Theorie» Deng Hsiao-pings, der China als Mitglied in diese «Welt» einführte.

All dies und noch anderes macht also Rumänien zum «besten Freund Chinas»!

Wir verurteilen die antimarxistische, proamerikanische und prorevisionistische Politik der rumänischen Führung. Diese unsere Haltung bewirkt natürlich Chinas Abkühlung uns gegenüber.

In China wird sehr grosse Propaganda für Rumänien betrieben. Eine Person in Shanghai sagte zu einem unserer Genossen: «In Albanien gab es einen Putsch sowjetischer Agenten, um eure Regierung zu stürzen, euch kamen aber zwei rumänische Divisionen zu Ililfe, die die Situation retteten.» Ich glaube nicht, dass man diese Person von oben dazu veranlasst hat, dies zu sagen, sie muss vielmehr irgendein feindliches Element gewesen sein oder jemand, der von Beqir Balluku erfahren hatte, die Sache mit ihm mit «ihrem treuen Verbündeten Rumänien» in Verbindung brachte und daraus sein Garn spann.

So sieht Rumäniens internationale Politik aus, das ist Chinas Wertschätzung dafür. Wir sind sowohl gegen den einen als auch gegen die Erwägungen des anderen, und diese Haltung gründen wir auf realistische Analysen im Lichte des Marxismus-Leninismus.

In Europa und auf der Welt macht Rumänien ohnehin «eine grosse Politik», es will aber auch den Dirigentenstab der Balkanpolitik in die Hand nehmen. Ceau$ will - nicht mehr und nicht weniger - zum Baschtschausch* *( Wortspiel: Tschausch (türk.) : Feldwebel. Baschtschausch (türk.) : Oberfeldwebel.) des Balkan werden und predigt deshalb eine Beratung aller Staatsführer des Balkan, zu der auch die Vereinigten Staaten von Amerika und Italien eingeladen werden sollen. Die «kleine lateinische Schwester» träumt zusammen mit ihrer grossen lateinischen Schwester (beide bekannt als Komplizen im Faschismus und bei der Unterwerfung unter den amerikanischen Imperialismus) davon, uns in den Pferch der Amerikaner zu bringen.

Rumänien weiss, dass dieser Vorschlag von ihm eine Seifenblase ist, doch das macht nichts, immerhin schillert die Seifenblase, ehe sie platzt, in «einigen Farben».

Worin besteht Ceaucescus Antisowjetismus? Irgend etwas Wichtiges gibt es nicht. Angeblich lässt er seine Truppen nicht an den Manövern des Warschauer Vertrags teilnehmen, doch mit Stäben nimmt er teil. Rumänien ist im Warschauer Vertrag, und dort wird es bleiben. Im RGW steckt es mit Haut und Haar, doch es widerspricht auch einmal, stänkert auch einmal, doch im RGW stänkern selbst die Bulgaren, die mit den Sowjets «ein Herz und eine Seele» sind.

Worin äussert sich also ihr Antisowjetismus? Vielleicht darin, dass sie nicht wie die bulgarischen Führer geworden sind?! Doch sie sind ihnen nahe, wenn nicht noch weiter. Die Bulgaren mögen irgendwann einmal zu einem überraschenden «Schlag» ausholen, während die Rumänen keine solche «Helden» sind.





DIENSTAG,

30. SEPTEMBER 1975





IN CHINA HAT MAN KEIN WORT UBER DIE SPANISCHEN

HELDEN VERLOREN



Antimarxistisch und skandalös ist es von den Chinesen, dass sie bis heute noch mit keinem einzigen Wort für unsere fünf spanischen Genossen, darunter drei Mitglieder der Kommunistischen Partei Spaniens/Marxisten-Leninisten, eingetreten sind, die der Henker Franco erschiessen liess. Die ganze Welt erhob sich und protestierte scharf, das ganze Weltproletariat, ja sogar bürgerliche Regierungen, selbst der Vatikan protestierten gegen diesen empörenden, gemeinen Akt und riefen ihre Botschafter aus Madrid zurück. Nur das «revolutionäre, sozialistische China Maos» hat kein Wort über die spanischen Helden verloren!! Das soll eine revolutionäre Haltung sein?! Eine marxistisch-leninistische Haltung? Nein, das ist eine reaktionäre Haltung in der vollen Bedeutung des Wortes. China verteidigt Franco, so wie es gestern Pinochet in Chile verteidigte. Klar ist also, dass China die faschistische Brut des amerikanischen Imperialismus verteidigt, die Vereinigten Staaten von Amerika verteidigt. Diese Haltung lässt sich nicht mit Schlagworten wie «... die Völker wollen Revolution» usw. kaschieren, wenn China in Wirklichkeit für die Konterrevolution eintritt.





MITTWOCH,

1. OKTOBER 1975





WIR HABEN DIE AMERIKANISCHEN IMPERIALISTEN NICHT

NUR ZU ENTLARVEN, SONDERN AUCH ZU BEKÄMPFEN



Gestern abend waren wir, das ganze Politbüro und die Regierung, aus Anlass des 26. Jahrestags der Proklamation der Volksrepublik China beim chinesischen Botschafter zum Abendessen. Das Hotel «Dajti» war voll mit Gästen, ein luxuriöses Bankett! In bezug auf Mittag- und Abendessen hält China nicht die Hand auf die Tasche, doch wenn wir etwas für unseren Plan brauchen, dann sitzt es auf dem Geld. Wie dem auch sei, die se Sache ist abgeschlossen, und in unserem Gespräch mit dem chinesischen Botschafter erwähnten wir sie auch gar nicht mehr.

Natürlich schnitten wir während des Gesprächs Probleme an. Der chinesische Botschafter brachte wie immer die bekannten Formeln und Schlagworte oder, anders ausgedrückt, «Silofutter». Er war gerade aus China zurückgekommen und erzählte uns, in Dadschai habe «die grösste Beratung, die der Staatsrat je organisiert hat», stattgefunden. Dann fing er mit den bekannten Floskeln über Dadschai an. Ich sagte: «Wir haben,.gelesen, dass Deng Hsiao-ping und Djiang Tjing. wichtige Reden gehalten haben. Können Sie uns etwas über den Inhalt dieser Reden sagen? 'Renmin Ribao'. bringt nichts darüber.» Der Botschafter antwortete: «Auch in Peking wurde danach die gleiche Beratung abgehalten.» Das sollte heissen: «ich weiss nicht mehr» oder: «Ich bin nicht befugt, euch mehr zu sagen». Trotzdem sagte ich zu ihm, sie sollten uns nach Möglichkeit diese Reden zukommen lassen, «damit auch wir von ihrer Bedeutung profitieren können». «Ganz bestimmt», sagte er. Wir erwarten natürlich, dass sie uns am... Sankt-Nimmerleins-Tag zugehen werden, wie das andere.

Konkreter sprach ich mit dem chinesischen Botschafter über unsere Landwirtschaft, über die Weizenernte, die nicht schlecht war. Ich hob hervor, dass wir jetzt für höhere Erträge bei Mais usw. kämpfen, weil die grosse Trockenheit dieses Jahres noch immer anhält und uns schadet.

Ich berichtete ihm auch von der feindlichen Tätigkeit der Agenten der Sowjets und der 'Titoisten Beqir Balluku, Abdyl Këllezi usw. und stellte dabei heraus, dass sie uns sehr geschadet haben und wir gerade dabei sind, den Schaden, der durch ihre Tätigkeit angerichtet wurde, zu beheben. Ich betonte, dass diese Verräter im Dienst der Sowjets standen, dass sie Saboteure, Verleumder, Lügner usw. waren. Der Botschafter sass da, hörte zu und sagte nur: «Wie Liu Schaotschi und Lin Biao.»

Im weiteren Gespräch ging ich dann auf einige Schlüsselprobleme der internationalen Lage und die aggressive Rolle der beiden Supermächte ein. Er unterbrach mich und betonte ihre Parole vom Kampf gegen die Sowjetunion. Die Vereinigten Staaten von Amerika erwähnte er nicht namentlich, er sagte nur: «Die anderen müssen wir entlarven.» Ich entgegnete: «Entlarven, aber auch bekämpfen, denn die Entlarvung allein lässt sie ziemlich ungerührt, wenn wir sie nicht bekämpfen.»

Daraufhin kam der chinesische Botschafter mit der Formel an: «Der Vorsitzende Mao lehrt, dass wir uns auf den Kriegsfall vorbereiten, Getreidevorräte anlegen müssen.»

Ich antwortete ihm: «Mao hat recht, die Vorbereitungen auf den Krieg verlangen Brot, sie verlangen aber auch moderne Waffen. Wir haben die gleiche Linie und wissen, dass der Mensch die hauptsächliche Rolle im Krieg spielt, aber auch auf die Waffen kann man nicht verzichten. Unsere Feinde haben sich bis an die Zähne mit ultramodernen Waffen bewaffnet. Die Supermächte haben nicht nur selbst, sie haben auch ihre Verbündeten, etwa Tito, aufgerüstet, der sowohl von den Vereinigten Staaten von Amerika als auch von der Sowjetunion moderne Waffen bezieht. Rumänien verfolgt genau den gleichen Weg. Gegen wen werden sie diese Waffen richten? Etwa gegen die, die sie ihnen geben? Das erscheint zweifelhaft. Man kann auch diese Eventualität nicht ausschließen, denn sie haben untereinander Widersprüche. Aber in erster Linie werden sie diese Waffen gegen uns richten, deshalb müssen auch wir, China wie Albanien, uns so schnell wie möglich mit modernen Waffen rüsten. Albanien steht nur ein Weg offen, auf dem es sich Waffen beschaffen kann: bei unserem grossen Verbündeten, Maos China. Wird uns dieser Weg verbaut, und in Notzeiten wird uns dieser Weg verbaut sein, wird das sozialistische Albanien in der Einkreisung kämpfen.»

Der Botschafter brachte die andere bekannte Formel an: «Wir sind wegen der feindlichen Tätigkeit Lin Biaos sehr im Rückstand.»

Ich hielt es nicht mehr aus und sagte: «Diese Situation muss unbedingt überwunden werden, und zwar so schnell wie möglich. Sonst wird Maos Gedanke, dass man mit den herkömmlichen Waffen nicht hinreichend Krieg führen kann, nicht völlig umgesetzt. Ihr Chinesen sagt in richtiger Beurteilung der Lage, dass der Balkan ein Punkt ist, wo ein sowjetischer Angriff unmittelbar droht. Darin sind wir mit euch einverstanden, denn auch wir beurteilen die Lage so. Deshalb sind wir dabei, unsere Verteidigungsanstrengungen erheblich zu verstärken. Die Partei hat Mehmet mit dem Amt des Verteidigungsministers betraut. Wir werden nicht zulassen, dass der Feind lebend unseren Boden betritt, aber in der Luft und zu Wasser wird er überlegen sein, deshalb brauchen wir geeignete Waffen, um diesen modernen Mitteln der Feinde etwas entgegenzusetzen.» Ich fuhr fort, meinen Gedanken zu entwickeln. Ich sagte ihm, dass die Gefahr eines unmittelbaren Angriffs in Europa zwar bestehe, dass jedoch auch sie in Asien aufpassen müssten, da weder die Sowjets noch die Amerikaner schliefen.

Der «kluge» chinesische Botschafer brachte das Gespräch wieder auf die Erfahrung von Dadschai!

So endete unser Gespräch.







DONINERSTAG,

2. OKTOBER 1975



CHINAS AUSSENPOLITIK IST NICHT REVOLUTIONÄR



Die Kommunistische Partei Chinas nimmt in der internationalen Politik falsche, unmarxistische Positionen ein. Ihre Politik ist nicht revolutionär, geht nicht vom Klassenstandpunkt aus, ist nicht proletarisch, nicht für die Revolution. Bis gestern hatten sich die Volksrepublik China und ihre Aussenpolitik abgekapselt. Doch nun haben sie sich ausgebreitet wie Öl auf dem Wasser, und diese Ausbreitung hat unserer Meinung nach eine falsche Richtung genommen.

Welches war ihre falsche Richtung?

Die Kommunistische Partei Chinas gibt sich den Anschein, als helfe sie der Weltrevolution und den marxistisch-leninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien, doch in Wirklichkeit tut sie es nicht.

Die Kommunistische Partei Chinas behauptet, «China ist Teil der dritten Welt», anstatt sich als sozialistisches Land zu bestätigen, anstatt den Völkern der Welt und nicht den über sie herrschenden Cliquen zu helfen. Dies gilt besonderes für die blutrünstigen Cliquen der reaktionären Bourgeoisie, die sich an jeden Imperialisten verkaufen, um das eigene Volk zu beherrschen. China propagiert die Freundschaft und das Bündnis mit der gesamten «dritten Welt», ohne dabei auf politische, vor allem aber, ohne auf Klassenunterschiede zu achten, ohne zu kämpfen und irgend etwas zu tun, um die Widersprüche zwischen der Arbeiterklasse dieser Under und der reaktionären Bourgeoisie, die sie unterdrückt, zu vertiefen. Die Kommumstische Partei Chinas und die Politik des chinesischen Staates ignorieren diese Widersprüche und tragen dazu bei, sie abzumildern, wenn sie offen Cliquen wie die von Pinochet, Franco, Mobutu und vielen anderen in Schutz nehmen. Das ist keine marxistisch-leninistische, sondern eine antimarxistische Politik, versucht sie doch, den internationalen Klassenkampf abzuwürgen. Die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat vergessen also ihren Klassenverbündeten, das Weltproletariat, unterschätzen es und stellen das Bündnis mit den Häuptern der Bourgeoisie heraus, die über das Proletariat und die Völker herrschen. Und dieses Bündnis, das nicht vom Klassenstandpunkt aus angegangen wird, schwankt je nach den Umständen.

Die chinesische Aussenpolitik lässt sich von zwei Grundkriterien leiten:

Das erste Kriterium: Bist du China wohlgesonnen oder nicht? Wenn ja, oder wenn du auch nur so tust, bist du, wer du auch sein magst, ein Verbündeter und Freund Chinas, und «ich, China, vergesse die klassenmassige Seite der Politik und trete für dich ein, empfange dich mit Gongs, gebe dir auch Kredite. Singst du mir viele Loblieder, mag ich dich sehr, wer du auch bist; magst du mich mittelmassig, so stimme ich meine Freundschaft darauf ab; höre ich, dass du dich mir widersetzt oder dich von mir abgekehrt hast, dann ziehe ich andere Saiten auf, dann fängt bei mir die Feindschaft an». Also: eine wankelmütige Freundschaft, eine Freundschaft von der bürgerlichen Art.

Das zweite Kriterium: Bist du gegen die Sowjetrevisionisten, bist du Chinas Freund, wer du auch sein magst. Das Prinzip der chinesischen Politik ist: ihr Hauptfeind und der Hauptfeind der ganzen Welt ist der sowjetische Sozialimperialismus, denn er ist «nicht entlarvt, ist kriegstreiberisch, strebt nach Welthegemonie». Deshalb, so die chinesische Politik, muss gegen die Sowjetunion die «Heilige Allianz» mit den Vereinigten Staaten von Amerika geschaffen werden, von denen die Chinesen sagen, sie seien «imperialistisch», aber «Feinde» zweiten Ranges nach der Sowjetunion. Das sind Lippenbekenntnisse, das Ziel der Chinesen jedoch ist es, sich in einer sozialdemokratischen Allianz mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu verbinden. Sie haben die Propaganda zur Entlarvung des amerikanischen Imperialismus zurückgeschraubt, abgeschwächt. Oder konkreter, sie haben ihren Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika eingestellt, sind sogar mit der Konsolidierung dieses verlogenen, ungeheuerlichen Bündnisses noch weiter gegangen. In jeder Partei, die sich als marxistisch-leninistisch, kommunistisch ausgibt, und in den Staaten, die sich selbst für sozialistisch halten, propagieren, beraten und unterstützen die Chinesen jede proamerikanische Strömung und wirken darauf hin, dass nur wenig oder überhaupt nicht von den aggressiven Akten der Vereinigten Staaten von Amerika gesprochen wird, sie täuschen die revolutionären, die Befreiungsbewegungen, die marxistisch-leninistischen Bewegungen, zwingen sie, der chinesischen Politik entsprechend vorzugehen. Auch dort, wo der amerikanische Imperialismus seine blutigen Klauen tief eingeschlagen hat und die einheimischen Cliquen zu Agenturen der Amerikaner geworden sind, redet man den fortschrittlichen und revolutionären Bewegungen zu, ermuntert man sie, nolens volens zu sagen: «Der Hauptfeind ist die Sowjetunion.»

Das ist abscheulich. Das bedeutet, das Proletariat zu betrügen, die Revolution zu ersticken und zum imperialistischen Weltkrieg aufzuhetzen, anstatt den marxistisch-leninistischen Weg zu gehen, d.h., für die Schwächung der amerikanischen Imperialisten und der sowjetischen Sozialimperialisten zu kämpfen, der Revolution zu helfen (und nicht sie zu ersticken), die nationalen Befreiungskämpfe der Völker gegen die beiden Supermächte zu unterstützen, um so deren Pläne für den imperialistischen Raubkrieg zu durchkreuzen und, falls dieser Krieg nicht vermieden werden kann, ihn in einen Bürgerkrieg zu verwandeln, in den Befreiungskampf und die Revolution.

Doch China geht nicht diesen Weg. Es hat erklärt und im Kommuniqué von Schanghai auch verbrieft, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht hegemonisch seien und nicht um die Hegemonie kämpften. Wenn man das meint, auf ein «Stück Papier» vertraut, wie Ford in Peking solche Erklärungen nannte, dann hat man sich von der marxistisch-leninistischen Theorie abgewendet und geht einen entgegengesetzten Weg.

China verwendet Parolen wie: «Die Nationen wollen Befreiung, die Völker wollen Revolution», in Wirklichkeit aber hilft es den nationalen Befreiungskämpfen und der Revolution nicht, sondern würgt sie ab. «Auf der Welt herrscht grosse Unordnung, doch die

Situation ist glänzend», sagen die Chinesen. Zu sagen: «Die Situation ist glänzend», wenn die beiden Supermächte die Völker unterdrücken und knechten, wenn sie auf den imperialistischen Krieg hinarbeiten, wenn sie die Völker aufhetzen, sich gegenseitig abzuschlachten usw. usf., und wenn du selbst, China, dich auf die Seite des einen imperialistischen Staates schlägst und ihn um Hilfe angehst, um den anderen zu bekämpfen, und wenn du für diese verwerfliche Politik die Revolution, die marxistisch-leninistische Bewegung und die nationalen Befreiungskämpfe der Völker aufopferst, dann lügst du, dann begehst du grossen Verrat an der Revolution. Das zeigt das gefährliche Spiel Chinas.

Die Sowjetunion, der Warschauer Vertrag und der RGW werden entlarvt, wenn aufgezeigt wird, dass die Sowjetunion nun zum Beispiel in Bolivien eindringt, wo sie eine Zementfabrik gebaut hat usw. all das geschieht in der chinesischen Propaganda, und damit sind wir einverstanden. Wir waren immer einverstanden mit dem Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus. Doch wie China anzunehmen, der amerikanische Imperialismus sei zahmer geworden, die NATO sei nötig, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft sei nötig, man müsse sagen: HEs lebe das bürgerlich kapitalistische vereinte Europa», «Es leben Franco und Pinochet» - mit diesen und ähnlichen Ansichten und Auffassungen Chinas waren wir nicht einverstanden und werden es auch niemals sein. Wir sind sogar dagegen, jetzt und in Zukunft, und wir werden offen alle derartigen Ansichten bekämpfen, denn sie begünstigen den amerikanischen Imperialismus, den Weltkapitalismus, sie sind gegen den Marxismusleninismus, gegen die Revolution und den Sozialismus.

Die Krise der 'kapitalistischen und revisionistischen Welt ist schwer und tief wie nie zuvor. Doch was macht China? Hilft es den Millionen Proletariern, die in Streiks treten? Hilft es den Arbeitslosen, von denen es auf der Welt Millionen gibt? Hilft China vielleicht diesen gewaltigen Massen, die sich erhoben haben, und vertieft es durch seine Hilfe die Krise des amerikanischen Imperialismus und des sowjetischen Revisionismus? Nein, nicht im geringsten! Leider hilft China den Vereinigten Staaten von Amerika und den ~kapitalistischen Staaten des Westens, diese Krise schmerzlos zu überstehen, es hilft ihnen politisch und ideologisch. Es hat ihnen seinen Binnenmarkt geöffnet und lässt Investitionen des ausländischen Kapitals in China zu. All das geschieht unter der Maske einer «marxistisch-leninistischen» Politik und angeblich, um den Feind Nr. 1, die Sowjetunion, zu bekämpfen, die möglicherweise morgen zu seinem Freund Nr. 1 wird.

Tatsächlich überlässt China diese ganzen Massen von Streikenden und Arbeitslosen der Manipulation der Revisionisten, der Sozialdemokratie, die samt und sonders im Dienst des einheimischen und internationalen Kapitals stehen. Weder unterstützt China die revolutionären Bewegungen und die marxistisch-leninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien, noch hilft es ihnen, vielmehr hat es sie in Kategorien eingeteilt: wer China lobt und sich seiner Politik anschlisst, ist gut, die anderen gelten nichts.

Doch die Tragödie der internationalen kommunistischen Bewegung besteht darin, dass sie China in Schutz nimmt und nichts gegen es sagt, es verteidigt, auch wenn es falsch handelt. Wir Albaner greifen es nicht offen an, denn das liegt noch nicht im allgemeinen Interesse. Doch unsere Aussen- und Innenpolitik ist offen, entschieden und in allen Fragen, auf die ich oben eingegangen bin, der Chinas entgegengesetzt. China weiss das, die Völker der Welt wissen das, die Marxisten-Leninisten wissen das ebenfalls, denn wir haben nie geschwiegen und werden niemals schweigen. Wir lassen nichts zu nicht die geringste Einmischung, nicht den geringsten Druck -, was die der ganzen Welt bekannte Linie unserer Partei verletzen und entstellen würde. Es gibt nicht wenige Leute, Staatsmänner und fortschrittliche Bürgerliche auf der Welt, die sich mit viel Sympathie über die Politik der Partei der Arbeit Albaniens äussern.

Warum äussern sie diese Sympathie?

Erstens, weil wir offen, mutig und richtig gegen die beiden Grossmächte auftreten, sprechen und zugleich auch handeln. Diese richtige Politik ist nach ihrem Herzen, denn viele andere sind dazu nicht in der Lage, weil ihnen die beiden Supermächte die Hände gebunden und den Mund verschlossen haben.

Zweitens, weil unsere Politik gegenüber den bürgerlichen Regierungen an der Macht weder liberal nach sektiererisch ist. Wir wissen zu unterscheiden. welche Regierungen fortschrittlich sind und welche nicht, und alle haben begriffen und sehen, dass unsere Politik in erster Linie die Interessen der Arbeiterklasse und des Volkes dieser Länder verteidigt, und dass wir von daher jene Regierungen oder jene Begierungsvertreter unterstützen, in deren Regierungsprogramm im grossen und ganzen solche Forderungen enthalten sind, und seien sie auch minimal.

Drittens, weil sie in der mutigen Politik unserer Partei ein Vorbild sehen, dem auch sie und ihre Völker, ob nun klein, wie wir, oder gross, folgen wollen. In Augenblicken, da sie von den beiden Supermächten in Krisen gestürzt werden oder ihrer Gewalt ausgesetzt sind, besinnen sich viele bürgerliche Regierungen oder Regierungsvertreter, die der eisernen Klammer entkommen wollen, auf Albanien und schöpfen an seinem Beispiel Mut.

Wir liebten und lieben China als ein grosses sozialistisches Land aufrichtig, wir haben es verteidigt und werden es auf marxistischleninistische Weise weiter verteidigen, doch diese seine Fehler in der Linie betrüben uns, sie gefallen uns nicht und wir können sie nicht akzeptieren. Wir wollen darüber diskutieren, doch die Chinesen gehen nicht darauf ein. Ihnen ist es «angenehm», dass wir nicht offen von ihnen reden, auch wenn ganz offensichtlich ist, dass unsere Standpunkte nicht übereinstimmen. Solche Positionen darf es zwischen unseren beiden Parteien und Staaten nicht geben. Dreimal in zwei Jahren haben wir wegen des Pekingbesuchs einer Delegation unserer Partei und unserer Regierung unter Leitung von Mehmet angefragt, doch dreimal haben die Chinesen sich taub gestellt und ihn verschoben. Andererseits empfangen sie sämtliche Staatsmänner aller Kategorien - Imperialisten, Bourgeois, Könige und Prinzessinnen, von Ford bis zum revisionistischen jugoslawischen Ministerpräsidenten Bijedic. Diese Verachtung und Geringschätzigkeit ist, wie könnte man es anders nennen, ein Ausdruck der Anschauungen einer Grossmacht, die uns gegenüber mit gedämpfter Stimme sagt: «Ihr seid unsere Freunde», zu sich selbst aber: «Freunde, die mir keine Körbe mit Feigen bringen», sprich: «die meine internationale Politik nicht unterstützen». Anders können wir uns diese unfreundliche Haltung Chinas Albanien gegenüber nicht erklären. Doch die Partei der Arbeit Albaniens weiss kühlen Kopf zu bewahren und nicht die Geduld zu verlieren.

Wir haben viel gelitten, mussten uns mit vielen Schwierigkeiten auseinandersetzen, doch wir sind mit ihnen erfolgreich fertiggeworden, weil wir den Marxismus-Leninismus verteidigt und befolgt haben, korrekt und besonnen gewesen sind, es verstanden haben, unsere nationale Sache eng mit den internationalen Interessen der Werktätigen zu verbinden. Die Partei der Arbeit Albaniens weiss, dass ihre Kraft im Volk liegt, im freien und souveränen sozialistischen Vaterland. Dies ist der wichtigste und entscheidende Faktor. Die internationale Hilfe kommt erst an zweiter Stelle. Wir verfolgen wachsam die internationale Lage, genauso wie die unzähligen, von den Zeitumständen diktierten Manöver verschiedener Staaten der Welt, und wir bemühen uns, richtige Lehren und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, die uns in der Politik unseres Staates nützlich sind. Doch die Politik unseres Staates darf weder auf diesen Zeitumständen aufbauen, noch ihren Schwankungen folgen. Die Politik der Partei der Arbeit Albaniens `hat ihre 'Strategie und Taktik als Grundlage, die auf der marxistisch-leninistischen Theorie aufbaut, angewandt unter den Bedingungen des Landes und den internationalen Bedingungen. Viele, die sich als Marxisten ausgeben, ohne es zu sein, mögen sich dieser Formel bedienen, doch man muss den Marxismus korrekt anwenden. Für uns sind die Zeitumstände in der Politik etwas Untergeordnetes, Unbeständiges, auf das man sich nicht stützen darf. Heute mag das Ziel einer an den Zeitumständen orientierten Politik in einer Richtung liegen, von der du taktisch profitieren kannst, wenn du sie auszunutzen verstehst, morgen dagegen ändert sich diese Richtung völlig, zu deinem Nachteil. Die Politik deiner Partei und deines Landes darf also nicht in jenes finstere Labyrinth geraten mit seinen Fallen, die die kapitalistischen, bürgerlichen und revisionistischen Staaten stellen.





DIENSTAG,

7. OKTOBER 1975



CHINA UND JUGOSLAWIEN



Die Führungen dieser beiden Staaten haben sich ineinander .«verliebt»! Eine alte Bekanntschaft, eine alte Sympathie. Den Chinesen und Mao selbst gefiel Titos Kampf gegen Stalin sehr, sie spendeten diesem Kampf Beifall und nannten ihn richtig. Aus dem Munde Maos waren die Worte zu hören: «Nicht Tito hat Fehler gemacht, sondern Stalin.» Es ist absolut wahr, dass Mao dies gesagt hat. Nicht nur, dass er selbst es zu uns gesagt hat, auch heute noch betreiben Tschou En-lai, Geng Biao und andere Propaganda gegen Stalin. «Ja», sagten die Chinesen (für das Publikum auf den Rängen), «Stalin ist ein grosser Mann, aber er hat Fehler gemacht.» Was für Fehler hat er gemacht? «Er hat die Chinafrage nicht richtig gesehen.» Aber «auch die Titofrage hat er nicht richtig gesehen», «auch die Frage der Sowjetunion», «auch die Frage des internationalen Kommunismus» usw.

Wenn er diese Fehler gemacht hat, wie die Chinesen behaupten, warum sprechen sie dann davon, dass «Stalin ein grosser MarxistLeninist war»? Und wer war Chruschtschow, den die Chinesen inzwischen in die Jauchegrube stecken? «Der Lenin unserer Zeit», sagte Mao auf der Moskauer Beratung im Jahr 1957. Ein «geniales» Urteil Maos über den Verräter!

Prinzipienlos war auch die Haltung der Chinesen Tito und dem Titoismus gegenüber. Wenn wir feststellen, dass die chinesische Linie bei der politischen und ideologischen Bestimmung der revisionistischen Tätigkeit Titos und des Titoismus in krassem Zickzack verläuft, so rührt das von der opportunistischen Politik der Chinesen her. Man musste gut über Tito sprechen, denn das entsprach ihrer Überzeugung, doch er musste auch «entlarvt» werden, weil ihn auch andere entlarvten, selbst Chruschtschow warf so manchen Stein auf ihn. Schließlich stellten die Chinesen die Polemik gegen Tito ein, und de facto begann die politische und ideologische Annäherung (obwohl sie nach aussen hin noch keine ideologischen und Parteibeziehungen unterhalten).

Als China proamerikanische und antisowjetische Positionen bezog, schlug diese Politik in seinen gesamten Beziehungen zum Ausland durch. Das imperialistische Amerika, die Faschisten Pinochet und Franco, Tito und Ceaucescu, Renegaten und Abenteurer, deutsche Revanchisten und italienische Faschisten sind seine Freunde. Die Ideologie spielt für China keine Rolle. Nichts betrachtet es vom Klassenstandpunkt aus, nichts unter dem Blickwinkel der Weltrevolution und der Befreiung der Völker! Nach Meinung der chinesischen Führung gibt es für China und die Welt nur einen Feind - den sowjetischen Sozialimperialismus. Eine bittere, eine tragische Tatsache, dass sie den anderen Feind, den amerikanischen Imperialismus, ausser acht lassen.

Die antimarxistische chinesische Taktik heisst: Bündnis mit der gesamten Weltreaktion, sogar auch mit erklärten und patentierten Faschisten, wenn sie nur gegen die Sowjets sind. Das ist nicht nur antimarxistisch, sondern zeigt auch, dass die Analyse der Chinesen von der Entwicklung der Weltprobleme so falsch und so dumm ist, dass man nur noch staunen kann. Jede politische Handlung der Chinesen leitet Wasser auf die Mühlen des Imperialismus und der Weltreaktion.

Die Chinesen meinen (denn anders können ihre Handlungen nicht aus gelegt werden), die ganze Welt sei davon überzeugt und glaube, China sei rot, revolutionär. Die Politik, die China betreibt, hat nur ein «revolutionäres» Ziel: die «dritte Welt», die «zweite Welt» und den amerikanischen Imperialismus gegen die sowjetischen Sozialimperialisten zu vereinigen. Und aus ihren Handlungen lässt sich schlissen, dass man, wenn es darum geht, dieses «Ideal zu verwirklichen, nicht besonders auf die Prinzipien zu achten braucht. «Wir treten jetzt für die Vereinigten Staaten von Amerika ein», rechtfertigen sich die Chinesen, «weil sie schwächer sind als die Sowjetunion, doch dabei geht es für uns auch darum, die Widersprüche zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika zu vertiefen.» Geniale Ideen!! Chinas Wunsch bestimmt also den Lauf der Welt! Die Erde dreht sich wie China es will! Die Politik der Kontinente mit ihren Völkern und Staaten richtet sich nach Chinas Wunsch!! Welch ein Blödsinn! Die ganze Weltreaktion, ausgenommen die sowjetische, drängt China auf diesen Irrweg und klatscht ihm Beifall. Und die chinesische Führung plustert sich auf wie ein Truthahn, allerdings wie ein. .. bescheidener Hahn.

Da China es aufgegeben hat, eine prinzipienfeste marxistischleninistische Klassenpolitik zu verfolgen, ist es nur natürlich, dass es sich nach den wechselnden politischen Umständen, nach den Winkelzügen und Intrigen der reaktionären Regierungen richtet.

Kommen wir auf die chinesisch-jugoslawische Freundschaft zurück. Sie ist mittlerweile eine Tatsache, wird jedoch scheitern, wenn die Chinesen in der jugoslawischen Politik prosowjetische Tendenzen feststellen. Wie wir wissen, ist Titos Politik im Kern antisowjetisch und proamerikanisch. Doch Tito laviert, immer hat er laviert und sich dabei als Abenteurer mit artistischen Fähigkeiten erwiesen; Tito betreibt eine volksfeindliche, antisozialistische, also antimarxistische Politik und hat die Position des «Leaders» im sinnlosen Block der «Blockfreien» übernommen. Tito betreibt tatsächlich die Polit'Lk dieser Staaten, die in, Wirklichkeit mit den Supermächten verbunden sind, auch wenn sie nicht ihren Militärverträgen und Militärpakten angehören.

Tito läuft sich die Beine ab, erhält Schecks und Vergünstigungen von allen. Er knechtete Jugoslawien, schuf dort eine Schicht von Neureichen, lebt wie ein König, spielt sich als «grosser politischer Kopf» auf, und man hält ihn dafür. Niemand kauft Titos Gewäsch ab, doch wenn sie ihn brauchen, spielen sie ihn hoch, und wenn er ihnen dann nicht mehr nützlich ist, werfen sie ihn, früher oder später, weg wie eine ausgequetschte Zitrone.

Kein Zweifel, dass die Sowjets Jugoslawien unter ihr Joch bringen wollen. Dafür ist ihnen jedes Mittel, jede Politik, jede Verschwörung, jedes Manöver recht; sie schmeicheln Tito, schreiben und sagen Gutes über ihn, versprechen und geben ihm Kredite. Als alter Fuchs rückt Tito näher an sie heran und lächelt ihnen zu. Wenn die Sowjets ihr Ziel nicht ganz erreichen können, zeigen sie ihm die gegenüber die Krallen zeigt und den Schnurrbart sträubt, in Wirklichkeit aber den Amerikanern zumiaut.

So sieht die titoistische Politik aus, die den Chinesen so sehr gefällt. Warum? Frstens, weil sie init Tito einer Meinung sind, zweitens, weil der im Kern proamerikanisch und antisowjetisch ist, und drittens, weil die Chinesen die Freundschaft mit Tito ausbauen wollen, um «die Widersprüche zwischen Jugoslawien und der Sowjetunion zu vertiefen». Eine geniale Taktik!!

Djemal Bijedic, der jugoslawische Ministerpräsident, traf gestern in Peking ein, wo er «liebevoll und freundlich», mit Volk, mit Gongs, mit Plakaten und Spruchbändern empfangen wurde. Mit Sicherheit wird ihn auch Mao empfangen. Der Leitartikel von «Renmin Ribao» ist ein Lobgesang auf den «Barabas» und das titoistische Jugoslawien. Um zu vernebeln, was gespielt wird, wird der Begriff «sozialistisches Jugoslawien» nicht verwendet, lässt sich aber, da die grossen wirtschaftlichen Erfolge und die Einstellung der jugoslawischen Führung gegen den Kapitalismus, den Imperialismus, den Hegemonismus betont werden, klar genug herauslesen. Für die Chinesen steht also der Titoismus auf der gleichen «progressiven politischen» Position wie China.

China zählt sich selbst zur «dritten Welt», während Tito seinen Platz in der «blockfreien Welt» hat. Zu ihnen gehört auch Rumänien, weil es angeblich antisowjetisch ist. Obwohl es blockgebunden ist, wird es als «blockfrei» hingestellt, sowohl von den Chinesen, als auch von Tito und den Sowjets. Die «dritte Welt» und die «blockfreie Welt» unterscheiden sich voneinander so sehr wie ein Ei vom andern.

Im genannten Artikel von «Renmin Ribao» wird die berühmte Analyse aufgetischt: «Der sowjetische Imperialismus bedroht Europa und besonders den Balkan mit Krieg und Aggression.» Die Chinesen erlassen den «Aufruf»: «Europa und Balkan, euch droht eine unmittelbare Gefahr, deshalb schließt euch zusammen, legt alle eure Streitigkeiten, jede Meinungsverschiedenheit, gleich welcher Art, bei, stützt euch auf die Vereinigten Staaten von Amerika, die NATO, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Ihr Balkanländer befindet euch im Rachen des Wolfes, deshalb vereinigt euch mit Jugoslawien und Tito an der Spitze.» Mit anderen Worten, sie sagen uns Albanern: «Ihr macht einen Fehler, wenn ihr nicht, wie wir, auf das Jugoslawien Titos vertraut, oder das Rumänien Ceaucescus, das Griechenland der Obersten, die Türkei der Demirels, und, warum auch nicht, das Bulgarien Schiwkoffs. Ihr Albaner tut nicht gut daran, an diesem Balkantanz nicht teilzunehmen.» Mit dieser Haltung, die sie einnehmen, wollen die Chinesen uns sagen: «Warum müsst ihr Albaner auf den Kern der Sache sehen, seht auf das Aushängeschild und begnügt euch damit.»

Der chinesische Militärattaché in Belgrad sagte zu einem unserer Diplomaten: «Die chinesische Delegation wurde von den jugoslawischen Militärs herzlich empfangen», diese «zeigten ihnen alles», sprachen «offen und aufrichtig», «zeigten ihnen auch Waffen» usw. Der chinesische Militärattaché will uns weismachen, der Wolf sei zum Lamm geworden, doch er vergisst, dass der Wolf immer Wolf bleibt, ja es gibt sogar Fälle, wie in den Romanen Jack Londons, wo selbst der Hund zum Wolf wird.

Während sie den Termin für den Besuch unserer Delegation seit über zwei Jahren verschieben, empfangen die Chinesen den jugoslawischen Ministerpräsidenten Bijedié. Mit dieser Haltung wollen sie uns sagen: «Wir wollen euch nicht empfangen, weil wir politisch-ideologische Widersprüche zu euch haben, während wir Chinesen mit den Jugoslawen (und die Tatsachen, der Besuch Bijediés, beweisen dies) 'keinerlei Widersprüche haben.»

Natürlich gefällt den Sowjetrevisionismen und ihrer Brut die Reise Djemal Bijediés nach China nicht, und im Bewusstsein davon spielte Deng Hsiao ping auf dem Abendessen, das er gab, wie immer auf «eine Supermacht, die den Krieg will» oder etwas in der Richtung an. Daraufhin erhoben sich die Sowjets und ihre Freunde und Verliesen den Saal. Die Chinesen glauben, sie hätten damit die Widersprüche vertieft. Doch sie irren sich. Diese Dinge renkt Tito schon wieder ein. Leb du, Chinese, nur weiter mit Illusionen, erfülle die Sachforderungen der Jugoslawen und gehe den Weg weiter, den du eingeschlagen hast. Wie viel solche Kunststücke Tito schon hinter sich hat, das lässt sich gar nicht abzählen! Tito ist Meister in solchem Hokuspokus.





FBEITAG,

10. OKTOBEB 1875





MAO TSETUNG EMPFÄNGT DJEMAL BIJEDIC



Bijedic wurde in China herzlich empfangen. Deng Hsiao-ping rühmte Tito für seine «mannhafte Haltung gegen die Brutalität», was im Klartext gegen Stalin heissen soll. Die Chinesen sollten sich schämen, Titos feindliche Geste gegen einen so grossen Marxistenleninismen wie Stalin zu loben! Doch für die Chinesen ist es Stalin, der Fehler gemacht hat, und nicht Tito.

Bijedic wurde auch von Mao Tsetung herzlich empfangen. Diesem ganzen Tamtam haben wir in der Presse nur «eine Zeile» gewidmet, also buchstäblich nur eine Zeile und nicht mehr. Wir taten dies, um den Chinesen zu verstehen zu geben, dass wir mit ihnen nicht einverstanden sind, und zwar nicht, weil Bijedic nach China gereist ist, sondern weil sie unsere Anfrage wegen des Besuchs unserer Delegation, die wir dreimal hintereinander an sie gerichtet haben, abwiesen, sie einfach mit Schweigen übergingen.

Die Chinesen sind auch Bauernfänger. Beim Empfang der Koreaner zum 30. Gründungstag der Partei der Arbeit Koreas kamen Deng Hsiao-ping und sein ganzes Gefolge demonstrativ nur zu Behar und schüttelten ihm die Hand. Das taten sie, um uns und den Anwesenden zu erkennen zu geben, dass sie mit den Jugoslawen zwar verhandeln, mit den Albanern aber «enge Freundschaft pflegen».





MONTAG,

10. NOVEMBER 1975





WAS IN CHINA NACH MAOS TOD GESCHEHEN WIRD,

BEREITET UNS SORGE



Die Nachrichten, die uns von unseren Genossen in Peking erreichen, sind besorgniserregend, besonders, was Tschou En-lais Gesundheitszustand und Mao Tsetungs Gebrechlichkeit anbelangt.

Wie uns die chinesischen Genossen sagen, und auch ihre offizielle Presse bestätigt das, liegt 'Tschou En-lai im Krankenhaus. Woran er leidet, sagen sie nicht. Eine ausländische Nachrichtenagentur meldet, es sei Krebs (also eine unheilbare Krankheit), einige andere wiederum sagen, es sei das Herz. Eine Zeitlang empfing er Ausländer und Freunde im Krankenhaus. Auch unsere Delegation mit Genossen Adil empfing er 15 Minuten lang und sagte ihr, er werde operiert und man wisse nicht, wie es ausgehen werde, gut oder schlecht.

Seit einiger Zeit empfängt er nun auch niemand mehr im Krankenhaus. Li Hsiän-niän antwortete auf die Frage eines unserer Genossen nach dem Gesundheitszustand Tschou En-lais: «Er ist krank» und gab durch seine Mimik zu verstehen, Hoffnung auf Heilung bestehe nicht.

Was Mao betrifft, so ist nicht von Krankheit die Rede, sondern von Altersschwäche: «Er kann nicht gehen, oder nur mit Mühe, er kann nicht sprechen, oder nur sehr wenig, er sitzt ,gebeugt und mit offenem Mund da.» Doch während Tschou En-lai krank ist, empfängt und verabschiedet Mao Ausländer, zeigt sich mit ihnen im Fernsehen, drückt und schüttelt ihnen kräftig die Hand usw. Wir haben Mao auch im italienischen Fernsehen gesehen. Doch niemand sagt etwas über seinen Zustand. Wir erkundigen uns natürlich, weil wir uns Sorgen um seinen Zustand machen, doch die, die wir fragen, sagen uns, er halte sich gut. Das wünschen auch wir. Was uns Sorgen bereitet, ist: in welchem Zustand hinterlässt Mao die Partei?! Was wird in China nach seinem Tod geschehen?

Wir wissen, dass der Kampf gegen die Fraktionen und die Fraktionisten, gegen die «Abweichler», die «Opportunisten, Liberalen und Sektierer» nicht nur im Zickzack verlief, sondern dass man auch unterschiedslos die Methode der «Erziehung» verwendete und dass all diese Leute nach einer gewissen Zeit «umerzogen», «rehabilitiert» worden sind. Wir wissen also natürlich nicht, was diese Leute jetzt tun und was sie tun werden, wenn Mao stirbt, doch wir sind davon überzeugt, dass sie nicht ruhig bleiben werden, da sie weder umerzogen sind, noch sich gebessert haben.

Es scheint, als übe Deng Hsiao-ping die Funktion des Staatsratsvorsitzenden aus. Heute spricht er im Namen Tschous, denn Mao hält sich noch auf den Beinen. Doch nach Mao mag Deng auch in seinem Namen sprechen. Eine andere von Tschou «aufgebaute» Person ist Li Hsiän-niän, an dem unserer Meinung nach etwas faul ist. Er hat nun alle Hemmungen abgeworfen.

Im Politbüro gibt es auch andere, junge Genossen. Das stimmt, aber sie treten nicht oder nur wenig in Erscheinung. Die genannten beiden beherrschen die Szene. Welchen Kurs die Kommunistische Partei Chinas und der chinesische Staat nach Maos Tod steuern werden, können wir nicht genau sagen. Wir werden sehen und nach ihrer Haltung in der Innen- und Außenpolitik urteilen, Auch in Zukunft w erden wir nur auf der Grundlage von Fakten, die wir einer marxistisch-leninistischen Analyse unterzogen haben, Aussagen treffen, so wie wir das immer getan haben.



















MITTWOCH,

19. NOVEMBER 1975





CHINA UND VIETNAM SIND WEGEN GRENZFRAGEN

AUFEINANDER BÖSE



China ist auf die Vietnamesen unter anderem wegen der Frage einiger Inseln böse, die «Nordvietnam besetzt hat». China behauptet, sie gehörten ihm und müssten ihm zurückgegeben werden, kurzum, es kramt alte «Grundbuchauszüge» hervor, setzt Geographen und Historiker in Bewegung, um seine Thesen zu untermauern. Vietnam schweigt, bleibt auf den Inseln, heisst es doch, dort gebe es Erdöl, und luchst China Kredite ab. Dieses wiederum erklärt uns: «Ich kann euch nicht so hohe Kredite geben, wie ihr es wünscht, denn ich helfe Vietnam.»





FREITAG,

21. NOVEMBER 1975





WAS SIE HEUTE SAGEN,

SAGEN SIE MORGEN NICHT MEHR



Die chinesischen Botschafter posaunen überall, wo sie sind, hinaus, die Sowjetunion werde Westeuropa angreifen, der Krieg stehe vor der Tür. Daher «halten wir (die Chinesen) zu euch, den Opfern (den kapitalistischen Staaten des Westens), zum 'Vereinten Europa', zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und zur NATO.»

Doch da die Sowjetunion nicht angreift, da die kapitalistischen Staaten des Westens sich um Entspannung bemühen, sagt Tjiao Guan-hua (der chinesische Aussenminister) zu Nesti: «Dieser Angriff findet nicht heute und auch nicht nächstes Jahr statt, sondern liegt in der Perspektive.»

Was die chinesischen Botschafter heute sagen, sagen sie morgen nicht mehr. Sie sagen: «Die Sowjetunion ist dabei, Europa einzukreisen, danach kann sie angreifen. Jetzt versucht sie, sich auf dem Balkan, in Portugal, in Spanien einzumischen bzw. Subversion zu treiben und so Europa die Luft abzuschnüren.»

Wir wollen sehen, was für neue Versionen sie uns noch präsentieren werden.





MITTWOCH,

3. DEZEMBER 1975





FORD IST VON MAO TSETUNG EMPFANGEN WORDEN





Gerald Ford in Peking. Auch Mao Tsetung hat ihn empfangen und zwei Stunden lang mit ihm gesprochen.

Auf dem Flughafen wurde der amerikanische Präsident vo1 Deng Hsiao-ping und seinem Gefolge empfangen. Deng führte die Verhandlungen. Er gab das Bankett und hielt die Rede. Auch Ford antwortete ihm mit einer Rede.

Deng Hsiao-pings Rede enthielt im wesentlichen folgendes «Auf der Welt herrscht Unordnung, der Krieg wird vorbereitet und pocht an die Tür, die Lage ist glänzend! Die Sowjetunion bereitet sich .auf den Krieg vor und bedroht Europa. Die Sowjetunion kämpft um Welthegemonie. Ihr, die Vereinigten Staaten von Amerika, und wir, China, sind, wie wir im Shanghaier Kommuniqué betont haben, nicht für Hegemonie. Deshalb: schließen wir uns - ihr (die Vereinigten Staaten von Amerika), wir (China), und die dritte Welt---in einem Bündnis zusammen, brechen wir der Sowjetunian die Ripe pen. Wir Chinesen lassen uns von der 'Entspannung', die die Sowjet9 predigen, nicht irreführen, lasst deshalb auch ihr Amerikaner euch von den Sowjets nicht täuschen.» Auch ihre Formel «die Welt will Befreiung, die Welt will Revolution» usw. wurde verwendet. Á Dies ist der Kern von Dengs Rede, die der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika mit einer kurzen Ansprache beantwortete: «Wir werden aufrüsten, denn dadurch wird der Frieden gesichert; wir werden nichts unversucht lassen, um eine Zunahme der Spannung zu verhindern und eine Entspannung herbeizuführen; wir haben unsere Interessen, und unsere Politik wird sie und den Frieden der Menschheit schützen», usw.

Wir kennen Ford gut genug, ebenso kennen wir den amerikanischen Imperialismus und seine Ziele. Doch wir müssen die Rede Deng Hsiao-pings analysieren, die der Grundlinie der Politik Chinas und Maos Ausdruck gibt.

Als Liu Schao-tschi an der Macht und Deng Hsiao-ping Generalsekretär der Partei war, wurde die berühmte Parole ausgegeben: «Bündnis mit allen, auch den Sowjetrevisionisten, gegen den amerikanischen Imperialismus.» Aus den bekannten Gründen akzeptierten wir diese Front gegen den amerikanischen Imperialismus mit den Sowjetrevisionisten als Verbündeten nicht. Diese Losung und die darauf aufbauende chinesische Politik hatten kein langes Leben, sie verschwanden sang- und klanglos.

Inzwischen kam eine andere Parole auf, jene, die Deng nun ausstreut, natürlich aber mit Billigung Maos und Tschou En-lais: «Eine Front mit allen, auch mit dem amerikanischen Imperialismus, gegen den sowjetischen Sozialimperialismus.» Auch zu dieser Parole, zu dieser Politik der Chinesen befinden wir uns wieder im Gegensatz. F3eide Linien, die eine wie die andere, sind antimarxistisch. Die erste hätte für uns Annäherung und Versöhnung mit den Sowjetrevisionist ten und anderen geschworenen Feinden des Marxismusleninismus, des Sozialismus und der Revolution geheissen. Unsere Auffassung, dass der amerikanische Imperialismus und die revisionistische Sowjetunion geschworene Feinde des Sozialismus und der Volker waren und bleiben, erwies sich als richtig. Das Leben zeigte, dass sich jene, die die Chinesen in die antiimperialistische Front einbeziehen wollten, als Sozialimperialisten erwiesen. Unsere Linie war also marxistisch-leninistisch, die chinesische Linie war falsch, liberal prorevisionistisch. Und die Schuld dafür wurde Liu Schao-tschi zugeschoben.

Die jetzige neue Linie der Chinesen ist wiederum liberal, opportunistisch, antimarxistisch, und unsere Linie, die ihr entgegensteht, ist richtig. Wir müssen einen harten Kampf gegen beide imperiahstischen Supermächte führen, die die Völker unterdrücken, die gegen den Sozialismus sind, die die Welt neu aufteilen wollen, die beide um Welthegemonie ringen und gemeinsam den Krieg vorbereiten. Unter diesem Klassenblickwinkel müssen wir im Interesse der Revolution dafür sorgen, dass sich die Widersprüche zwischen den beiden Supermächten vertiefen, müssen wir sie sçhwächen, und zwar indem wir uns nicht mit diesen beiden Unterdrückern der Völker und der Revolution, sondern mit den Völkern, den Revolutionären, dem Proletariat der ganzen Welt zusammenschlissen.

Zudem leistet China faktisch dem Weltkrieg, der angeblich in Europa ausbrechen wird, Vorschub, anstatt gegen den Raubkrieg zu kämpfen und die gerechten revolutionären Kriege zu fördern. China stellt noch nicht einmal die grosse Aufgabe, den imperialistischen Krieg, sollte er nicht verhindert werden können, in einen revolutionären Krieg gegen die Kriegstreiber zu verwandeln. Nein. Es hilft nicht, wie es sein müsste, den Völkern, die gegen das kapitalistisch-imperialistisch-revisionistische Joch kämpfen, sondern sucht das Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika, mit Pinochet, mit Franco, mit Giscard d'Estaing, mit Heath, mit Strauss und allen bürgerlich kapitalistischen Cliquen, die über die Völker herrschen.

Deng und Mao hoben die Theorie der «dritten Welt» aus der Taufe und erklärten, diese Welt sei «der Verbündete Chinas». Deng benutzt diese Theorie, um Ford «einzuschüchtern», indem er so tut, als habe er diese «dritte Welt» in der Tasche. Und Ford lacht sich ins Fäustchen, denn er ist es, der die herrschenden Cliquen dieser «Welt» in der Tasche hat und nicht Deng. Dieser könnte die Völker der sogenannten dritten Welt auf seiner Seite haben, wenn China eine marxistische Politik betreiben würde, doch die chinesische Politik räumt diesen Völkern nicht den gebührenden Stellenwert ein: Sie hält sich an die wankelmütigen Cliquen, die ihr Mäntelchen nach dem Wind von Dollars und Rubeln hängen. Die unterdrückten Völker sehen, dass China Bündnisse mit den reaktionären Cliquen und vor allem jetzt auch mit dem amerikanischen Imperialismus sucht und eingeht. Morgen mag es die Fahne in Richtung Moskau drehen.

Chinas Spiel ist gefährlich und unausgegoren. China droht Gefahr von der Sowjetunion, doch es überspielt diese Gefahr und nimmt die Pese der Stärke ein, um jetzt die Vereinigten Staaten von Amerika «zu überzeugen». China will damit also zu verstehen geben, dass die Sowjets es nicht angreifen können, aber, weil sic Sozialimperialisten sind, irgend jemand angreifen werden. Deshalb hat China die «marxistische Analyse» angestellt, derzufolge «die Sowjetunion Europa angreifen wird. Deshalb hüte dich, Westeuropa, denn der Krieg lauert vor deiner Tür. Ihr Völker Europas, hört auf mich, auf China, rüstet auf, vereinigt euch mit euren reaktionären bürgerlichen Regierungen, die euch unterdrücken, und fallt über die Sowjetunion her, vermindert nicht die Spannung, erhöht sie. Seht her, ich halte zu euch. Auch du, Amerika, sieh dich vor, befreie dich aus der Krise, schlisse dich noch enger mit Westeuropa sowie der gesamten Weltreaktion zusammen und mildere die Spannung mit der Sowjetunion nicht, sondern verstärke sie, schlagt alle nach Möglichkeit auf sie ein und holt mir die Kastanien aus dem Feuer».

Deng geht sogar so weit, Ford daran zu erinnern: «Wir haben in Schanghai festgelegt, dass wir beide keine Hegemonisten sein werden.» China glaubt daran, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht hegemonistisch sein werden!! Nicht einmal die Freunde und die treuesten Verbündeten des amerikanischen Imperialismus äussern eine solche antimarxistische Ungeheuerlichkeit, noch glauben sie daran.

China hat sich auf eine Politik eingelassen, die nicht richtig, unmarxistisch ist, eine Politik, an die es nicht vom revolutionären Klassenstandpunkt aus herangeht. Aber selbst wenn wir für einen Moment annehmen wollten, dass es mit dieser Politik Zeit gewinnen, «eine gewisse Erpressung» ausüben und die anderen gegen die

Sowjetunion, die China als Feind Nr. 1 betrachtet, aufbringen wird, kann es mit diesem politischen Manöver dennoch keinerlei Erfolg haben.

In seiner Antwort an Deng erteilte Ford dessen gegen eine Entspannung gerichteten Politik, seiner Politik der «Freundschaft mit den Völkern» eine Absage und äusserte die Ansicht, dass «jeder

Staat seine eigene Politik zur Verteidigung seiner Interessen hat». Welches die Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika sind, erläuterte er in seiner Rede. Ihre Interessen sind selbstverständlich: weiterhin die Welt zu beherrschen (also sind sic hegemonistisch), die Sowjetunion zu schwächen und gleichzeitig China an der Kandare zu halten, es, wenn möglich, sogar in einen Krieg mit der Sowjet Union zu treiben, so dass es China wäre, das den Vereinigten Staaten von Amerika die Kastanien aus dem Feuer holt.

Die Geschichte hat nicht nur einmal einen Handel de dupes* *( Handel der Betrogenen (frz. im Original) erlebt: wer übervorteilt besser den anderen. Doch ist es wirklich so 1.eicht, den amerikanischen, den französischen, den westdeutschen oder den englischen Imperialismus hinters Licht zu führen? Man muss schon naiv sein, um das zu glauben. Man sollte die Finger von einer solch kurzsichtigen Politik lassen, die auf Träumen aufgebaut ist, auf der Ansicht: «Ich bin eine Grossmacht», bzw. der Vorstellung: «Jeder Schritt, den ich tue, wird van allen Völkern, allen Revolutionären mit Beifall bedacht», weil «ich mich marxistisch-leninistische Partei nenne» (obwohl man in Wirklichheit die marxistisch-leninistischen Prinzipien nicht befolgt).

Dengs Rede vor Ford war verwerflich, weil an den amerikanischen Imperialismus der Aufruf gerichtet wurde, eine antisowjetische Front zu bilden, und weil dem Shanghaier Kommuniqué Glauben geschenkt wurde, dahingehend, dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht um Hegemonie kämpfen werden. Deng sagt: «Die Völker wollen Revolution.» Soll das etwa heissen, dass er hofft, der amerikanische Imperialismus werde sich mit denen zusammenschlissen, die die Revolution machen werden? Oder will er Ford damit vielleicht drohen: «Du hast zwei Möglichkeiten - entweder du kommst mit uns, oder die Revolution 'bricht aus.»? Oder meint Deng womöglich, die bürgerlichen Cliquen der «dritten Welt» seien für die Revolution?

Wirklich erstaunliche Ideen! Merkwürdige Ideen!! Was sind das für Leute, die in China herrschen? Was für pseudorevolutionäre Manöver vollführen sie? Wenn man diese Frage gründlicher analysiert, meine ich, ist ein Angriff der revisionistischen Sowjetunion auf Westeuropa durchaus nicht ausgeschlossen, doch das schließt auch nicht aus, dass die Sowjetunion China angreift. A11 das hängt nicht vom Wunsch von einem oder auch fünf Menschen ab. Meiner Meinung nach müssen die Kriegstreiber für den Krieg noch Vorbereitungen treffen. Wie ich in meinen Aufzeichnungen an anderer Stelle schon festgestellt habe, haben die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika wegen eines Atomkriegs Angst voreinander. Doch dadurch wird die Zuspitzung der zwischen ihnen bestehenden Widersprüche nicht vermieden, und wenn diese Widersprüche sich bis aufs Ausserste zugespitzt haben, dann kommen auch die Waffen zum Einsatz. Gegenwärtig rüsten beide Seiten auf, verhandeln aber auch, treiben auch politischen, taktischen und strategischen Schacher. Die revisionistische Sowjetunion hat Osteuropa zu ihrem Gouvernement gemacht und trifft Vorbereitungen, es als Schlachtfeld zu benützen, für den Angriff, aber auch für die Verteidigung, denn wer vorhat,. anzugreifen, muss auch damit rechnen, angegriffen zu wenden. Die Sowjetunion könnte in Rumänien einen Putsch organisieren und Ceaucescus Bande liquidieren, weil sie ihr nicht mehr nützlich ist,. während die Vereinigten Staaten von Amerika und die Westländer die Hände in den Schoss legen.

Der gleiche Fall kann auch mit einer prosowjetischen Regierung in Jugoslawien eintreten. Die Amerikaner und der Westen mögen dann die Hände ebenso in den Schoss legen, obschon die Verteidigung der NATO, der westlichen Staaten, Griechenlands und der Türkei in Gefahr geraten würde. Ich mag mich irren, aber ich meine, dass. es vorerst nicht so leicht zu einem direkten Krieg der Sowjetunion gegen die NATO kommen wird, wie die Chinesen verkünden, wenn wir es auch nicht für unmöglich halten.

Ich habe ausgeführt, wie sich die Lage entwickeln könnte, und unsere Auffassung berücksichtigt alle, auch die schlimmsten Varianten. Doch es wäre kurzsichtig, den Fall auszuschließen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und die Westmächte Anstrengungen unternehmen, die Sowjetunion in Richtung auf China zu drängen. Nein. So wie China faktisch versucht, die Sowjetunion gegen Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika zu hetzen,. so kämpfen auch diese gemeinsam mit dem ganzen Westen darum, dass die Sowjetunion China angreift.

Kaum war Deng aus Frankreich abgereist, fuhr Giscard nach Moskau, um die «Freundschaft» zu erneuern. Gleiches tat Deutschlands Scheel, ebenso Englands Wilson und jetzt kürzlich Italiens Leone. Da kannst du lange daherreden, Deng: «Ihr vom Westen marschiert im Kampf gegen die Sowjetunion voran.» Sie fahren dorthin, erhalten Konzessionen, machen Investitionen usw.

China ist gegen die Sowjetunion, doch anstatt in Asien und Umgebung tätig zu werden interessiert es sich in unrealistischer Weise für Europa. Die Sowjetunion hat ihre Klauen auf die beiden Vietnams gelegt, auf Laos, und es besteht die Gefahr, dass sie sogar auch in Kambodscha oder in Thailand eindringt. Indien gegenüber, wo die Sowjetunion dabei ist, tief einzudringen, nimmt China eine kühle, um nicht zu sagen feindliche Haltung ein. Da kann es sich die konjunkturbedingte Freundschaft mit Pakistan, den Besuch der Frau Marcos von den Philippinen an den Hut stecken. Das gleiche gilt für den Besuch der Prinzessin Pahlevi, die von Mao Tsetung und Tschou En-lai mit so viel Ehren empfangen wird.

Und was fängt China mit Japan an? Nichts, es treibt nur Handel. Nun ist davon die Rede, China werde Kredite mit kurzfristiger, fünfjähriger Laufzeit von den kapitalistischen Staaten erhalten (oder habe sie erhalten), allerdings nicht «staatliche», sondern von privatkapitalistischen Gesellschaften. Nicht Teufel, sondern Beelzebub. Eine sehr merkwürdige, sehr gefährliche Politik!





DIENSTAG,

16. DEZEMBEß 1975



GENOSSE KANG SCHENG IST GESTORBEN





Peking gab die bittere Nachricht vom Tod des Genossen Kang Scheng bekannt. Sie hat mich sehr getroffen, denn ich kannte ihn gut. Er war 1966 bei uns. Auch war er 1960 auf der Moskauer Beratung, wo wir das Feuer auf Chruschtschow und die Chruschtschowianer eröffneten. Er war ein hervorragender und sehr entschiedener Marxist-Leninist. Mit ihm waren wir nicht nur in den grossen Prinzipien einer Meinung, er billigte und bejahte auch unsere Taktik in allen Punkten. Er war ein Genosse, der den Prinzipien die Treue hielt, ein Schüler der Schule Lenins, Stalins und der Komintern. Kang Scheng liebte das sozialistische Albanien sehr, er hegte eine grosse und aufrichtige Liebe für unsere Partei und verteidigte uns in jeder Situation. Für uns war er einer der besten Genossen in der Führung der Kommunistischen Partei Chinas. Wir haben einen guten Freund und Genossen verloren, die Kommunistische Partei Chinas verlor einen hervorragenden Theoretiker, einen würdigen Führer, die Weltrevolution einen treuen Kämpfer für die Sache des Kommunismus und einen proletarischen Internationalisten.









1976





DONNERSTAG,

1. JANUAR 1976





ZICKZACK IN DER CHINESISCHEN LINIE



Ich habe schon andere Male festgehalten, was ich von der Linie der Kommunistischen Partei Chinas halte. In Verbindung damit habeich meine Meinung zu vielen Fragen und Problemen ihrer nationalen und internationalen Politik geäußert, so wie ich diese Ereignisse; natürlich im Rahmen meiner Möglichkeiten, vom Standpunkt únserér marxistisch-leninistischen Theorie aus beurteilte. Ich habe. mime Ansichten zu allen wichtigen Ereignissen geäußert, die aus. China nach aussen drangen, sowie zu der politisch-ideologischen Richtung, die sie nahmen. Ich habe versucht, diese Ereignisse, soweit es mir die Informationen darüber ermöglichten, zu verstehen und zu interpretieren, und zwar in erster Linie unter dem Blickwinkel der Linie unserer Partei, aber auch der jeweiligen internationalen Verhältnisse, wobei ich mir dachte, diese unkorrekten Haltungen Chinas seien vorübergehend und nur bedingt durch die inneren und äusseren Umstände, die besonderen Umstände eines grossen Staates,. der es ist. Doch ungeachtet dieser Umstände habe ich die Fehler in der Linie der Kommunistischen Partei Chinas als Fehler gewertet, immer in der Hoffnung, sie würden behoben werden, wenn China. die schwierige Situation, die es durchmachte, überwunden hätte.

Eine andere Sache, die zu Fehlurteilen über die chinesische Linie verleiten kann, ist das grosse Geheimnis, in das die Ereignisse gehüllt werden. Die chinesischen Führer hüten das Geheimnis um diese Ereignisse mit grösster Eifersucht, und wird einmal etwas. bekannt geben, ist auch das bruchstückhaft, unklar, oft unverständlich und verwunderlich! Die «Aufklärung» über ein Ereignis (ich meine wichtige Ereignisse) erfolgt ganz unerwartet, und das wird dann jahrelang als «die vollendete Linie» proklamiert. Dann wird





ein oder zwei Jahre lang nur in Andeutungen gesprochen, später wird «offen» erklärt, sie sei reaktionär gewesen. Doch so «offen» ist das nun auch wieder nicht, denn zwei oder drei Jahre, nachdem man über die Fehler und die Menschen, die sie begangen haben, «offen gesprochen hat», wird erklärt, die Fehler seien « korrigiert und die Menschen rehabilitiert worden». Dies weist auf starke Schwankungen in der Linie, in den Ideen, in Haltung und Vorgehen hin, ein Schwanken gleich dem Pendel einer Uhr, das nach links und rechts ausschlägt, also ständige suspense* *( hier: Unsicherheit (frz. im Original)) in der Linie.

Man erklärte, die politische und ideologische Linie Liu Schlotschis sei eine revisionistische, liberale, opportunistische Linie gewesen. Und das war sie, so meinen auch wir. Liu Schao-tschi wurde offiziell mit vielen Beinamen versehen, besonders aber mit dem Beinamen «chinesischer Chruschtschow». Dieser «chinesische Chruschtschow» war «allmächtig» geworden. Und wie man durchblicken liess (denn in China begnügt man sich bei allen Fragen mit Andeutungen), «war Mao Tsetung isoliert, ausgeschaltet». Alles aber geschah «in seinem Namen, unter seinem Banner». Für uns hiess das demnach, dass Mao wohl nicht so sehr «isoliert» war, wie sig sagten. Immerhin führte er die Partei, leitete Parteitage. 1957 nahm er an der Moskauer Beratung teil und sprach sich für Chruschtschow. aus, den er den «Lenin unserer Tage» nannte. Bei dieser Gelegenheit kritisierte Mao auch Stalin. Er sagte: «Als ich zu Stalin kam, fühlt6 ich mich wie ein Schüler vor dem Lehrer.» Damit wollte Mao Stalins «Úberheblichkeit» ihm gegenüber zeigen. Ausserdem gratulierte er Chruschtschow, er habe «gut daran getan, die parteifeindlichen Elemente zu schlagen», d.h. die Gruppe Molotows. Ist es also vorstell-, bar, Mao Tsetung sei von Liu Schao-tschi isoliert gewesen? Nein ich glaube nicht. Im Gegenteil, er stand auf den gleichen Positionen wie Liu und Chruschtschow.

Also waren die politischen, ideologischen, wirtschaftlichen u.a. Anschauungen des 8. Parteitags der Kommunistischen Partei Chinag im Jahr 1956, dem auch wir beiwohnten, nicht nur die liberalene rechten und revisionistischen Ideen Liu Schao-tschis, sie wunden auch von Mao, von Deng Hsiao-ping, Tschou En-lai, Peng Tschen usw. geteilt, mit anderen Worten: von der ganzen Führung. Sonst stellte sich die Frage: Warum tat Mao nicht selbst, wozu er Chruschtschow gratuliert hatte? Warum ging er nicht mit dem Besen gegen diese Fraktionisten vor? Setzte er den Besen bei ihnen nicht ara, weil sie die Macht hatten?! Nein, das wurde niemals gesagt. Was aber war diese Bande Liu Schao-tschis, «rechts» oder «links»? Dazu äusserte man sich niemals offen. Doch was war Mao selbst? Ein Rechter, ein Zentrist, ein Liberaler, ein Linker oder ein MarxistLeninist? Immer hat er sich als Marxist-Leninist, als Jünger von Marx, Engels, Lenin und Stalin ausgegeben, deren Bilder in China im Grossformat ara die Wand gehängt werden. In Wirklichkeit jedoch ging und geht Mao nicht auf der Grundlage ihrer Lehren gegen die Abweichler und die Feinde des Marxismus-Leninismus vor.

In seinen Schriften behauptet Mao bis heute, dass «die Bauernschaft die revolutionärste Kraft ist, auf die sich die Revolution stützen muss». Die entscheidende Rolle, die die Marxsche Theorie dem Proletariat in der Revolution beimisst, hat für Mao nur zweit-, wenn nicht gar drittrangige Bedeutung. «So wurde die chinesische Revolution durchgeführt, deshalb muss dieser Theorie der Vorzug gegében werden.», ,sagt er. «Es lebe Marx», sagt Mao Tsetung, die Marasche Theorie über die führende Rolle der Arbeiterkiasse gilt jedoch für ihn nicht. Anders ausgedrückt: für Mao geht es nicht, dass die Arbeiterklasse die Revolution führt und die arme tuzd mittlere Bauernschaft dabei ihr Verbündeter ist. Für ihn ist es umgekehrt: die Bauernschaft muss die Revolution führen und die Arbeiterklasse ihr Verbündeter sein.

Ein weiterer Ausdruck von Maos antimarxistischer Linie ist die Konzeption, dass «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse. Das heisst, die arme Bauernschaft muss in der Revolution führen, weil «das städtische Proletariat seinen revolutionären Geist verloren hat, konservativ geworden ist, sich der kapitalistischen Unterdrückung

und Ausbeutung angepasst hat». Diase Theorie ist natürlich antirnarxistisch. Mit ihr lässt sich die Revolution nicht erreichen. Mit dieser Theorie kann die Diktatur des Proletariats nicht errichtet, ihr und ihrer Führung, dem marxistisch-leninistischen proletarischen Partei, nicht die Rolle zuteil werden, die ihnen zukommt. Man kann mit Worten und Propaganda alles vernebeln, nur nicht die Essenz der Sache. Und was die Folgen anbelangt, so wird über kurz oder lang der Tag kommen, da Dach und Mauern einstürzen, weil man den Sozialismus ohne die Führung durch die marxistisch-leninistische kommunistische Partei und ohne korrekte und entschlossene Umsetzung der unsterblichen Thesen der marxistisch-leninistischen Theorie nicht aufbauen kann.

Trotz dem Anschein, den sie sich gibt, und der Reklame, die sie veranstaltet, ist die Kommunistische Partei Chinas keine wahrhaft marxistisch-leninistische Partei, steht sie nicht auf soliden revolutionären Positionen und kann dies auch gar nicht. Ein Blick auf die Geschichte dieser Partei zeigt, dass in ihren Reihen nicht nur verschiedene Fraktionen unterschiedlicher ideologischer Richtung bestanden, die gegeneinander arbeiteten. Das ist noch natürlich, denn auch in der Partei existiert der Klassenkampf und entwickelt sich. Gewichtiger und beunruhigender ist, dass diese Fraktionen geduldet' werden, dass sie weiter bestehen, offiziellen Charakter annehmenr erklärt man doch vor aller Welt: «Lasst hundert Blumen blühen.>»; Eine Partei, die zulässt, dass in ihren Reihen Liberalismus, Kulaken7t ansichten, revisionistische und anarchistische Standpunkte jeder Ari wuchern, die zulässt, dass den städtischen Kapitalisten noch zu einer Zeit Renditen bezahlt werden, da schon die Diktatur des Proletariat, errichtet worden ist (sic!), verdient nicht den Namen einer marxistisch-leninistischen Partei.

In einer solchen Partei dominiert die bäuerliche und kleinbürgerliche Mentalität, und wie sollte es auch anders sein, wenn in ihrer Tätigkeit die marxistisch-leninistischen Prinzipien nicht nur keine Anwendung finden, sondern sogar verletzt, .geringgeschätzt und nur als Schleier benutzt werden, um die nichtsozialistische Wirklichkeit zu verhüllen. Diese opportunistische, revisionistische Linie hatte die; Partei zerfressen und war dabei, China auf den chruschtschowschen Weg zu führen.

Mao Tsetung reagierte energisch, doch nicht wie der Führer: einer marxistisch-leninistischen Partei. Ich spreche von der «Grossen: Proletarischen Kulturrevolution». Was war diese Kulturrevolution?! Wer leitete sie, und gegen wen war sie gerichtet?! - Diese Revolution leitete sozusagen Mao Tsetung mit einem Stab, der aus einem; engen Kreis von Menschen um ihn herum bestand. Mao erliess etwa folgenden Aufruf : «Greifen wir die Hauptquartiere an.» Doch was waren das für Hauptquartiere? - Das reichte von Liu, Deng, Tschou, Li Hsiän-niän und vielen, vielen anderen bis hinunter zu den Komitees. Doch wer sollte diese Hauptquartiere angreifen? - Die Jugend, die auf Maos Aufruf hin auf spontane, anarchistische Weise auf die Strasse ging.

Bei dieser ganzen Tätigkeit konzentrierte man sich nicht auf den marxistisch-leninistischen Weg, sie geschah nicht in diesem Geist. Kennzeichnend war, dass diejenigen, die sich zu dieser «Revolution» erhoben, Studenten, Schüler, Intellektuelle waren. Die berühmte «Revolution» wurde so von den Intellektuellen, außerhalb der Kontrolle durch die Partei, durchgeführt. Diese liess es nicht nur an der Leitung fehlen, sondern war, so kann man sagen, faktisch liquidiert.

Der Stab der Revolution hatte weder Vertrauen zur Partei der Klasse noch zur Klasse selbst. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen, ja sogar zu regelrechten Gefechten mit Artillerie und Granatwerfern. Die Hungweibings machten auf den Strassen und Plätzen das Gesetz, nahmen Leute fest und verteufelten sie, ob sie nun schuldig waren oder nicht. Sie setzten ihnen den «Hut» auf und prügelten sie sogar auf den Strassen tot. Sie gingen gar so weit, ausländische Botschaften in Brand zu stecken. Ein wilder Hass gegen die Ausländer, gegen die Kultur der anderen Völker griff um sich. Doch auch das viehtausendjährige Kulturerbe Chinas selbst wurde bekämpft.

Was zeigte dieser ganze Sturm? Klar ist, dass hier nicht der marxistische Geist, die marxistischen Prinzipien wirksam waren. Vielmehr erwies sich, dass die anarchistischen Theorien Stirners, Bakunins und Proudhons praktische Anwendung fanden, Theorien, die 'von Marx und Lenin mit äußerster Schärfe bekämpft worden waren. Die «Grosse Proletarische Kulturrevolution» war keine Kulturrevolution (sie richtete sich gerade gegen jene Kultur, für die Marx und Lenin eintraten), sie war eine politische Revolution, die nicht auf marxistisch-leninistischem Kurs verlief, eine Revolution ohne Programm, eine anarchistische Revolution gegen die Arbeiterklasse und ihre Partei waren doch die führende Rolle der Klasse und die Partei faktisch ausgeschaltet worden. Doch es gab nicht nur Konfusion und anarchistische Spontaneität auch die Autorität der lokalen Organe der Staatsmacht existierte nicht mehr, während die von Lin Biao geführte Armee, die unter dem Banner Maos, mit dem roten Buch Maos und Milliarden Plaketten verschiedener Grösse mit Maos Kopf kämpfte, allmächtig in Maos «Reserve» stand. Lin Biao war zur Hauptfigur des Revolutionsstabs geworden, genauso Tschen Bo-da. Später allerdings wurden beide zu «Verschwörern, Verrätern, Organisatoren verschiedener, freilich gescheiterter Attentate auf Mao Tsetung» erklärt.

Mao Tsetung gab Anweisung, das Dorf aus der Revolution herauszuhalten, da dort angeblich alles in Ordnung sei. Wie man sagte, saß «alles Schlechte in den Städten, in der Partei, in der Arbeiterklasse» (sic!). Das schien links zu sein und wurde als links bezeichnet,, war aber tatsächlich rechts. So hätten danach also die revisionistischen Rechten, die Leute aus der Gruppe Liu Schao-tschis, die Klasse und ihre Partei in die Hand gebracht gehabt, während die «Linken», Mao und Genossen, die Studenten und die Intellektuellen in die Revolution warfen, um Partei und Klasse zurückzuerobern! Was für merkwürdige Dinge geschehen doch in China! Hier kommt klar Maos rechte Theorie zum Vorschein, nach der «das Dorf und die: Jugendlichen die Stadt anzugreifen und einzunehmen» hätten (sic!).

Während der chaotischen und anarchistischen Revolution wurden angeblich Korrekturen vorgenommen, die Partei neu geschaffen.. Und wie viele wurden nach all dem Durcheinander, nach dieser ganzen Periode des Misstrauens und der Unsicherheit ausgeschlossen? Nur 3 bis 4 Prozent. Diese Zahl besagt jedoch nicht, dass die Partei «zersetzt» war, sondern zeugt davon, dass Mao und einige seiner, Anhänger kein Vertrauen in die Partei hatten.

Was brachte die Kulturrevolution sonst an «Gutem»? Nichts! Die Staatsmacht der zerschlagenen Diktatur des Proletariats musste erneuert werden. Doch wie? - Ein russischer Salat, auch wenn die chinesischen Führer gegen die Russen waren! Die Macht, die überall geschaffen wurde, bestand aus Menschen der Partei, aus der Armee der Bauernschaft und Arbeitern. Der Hauptführer dieser Macht war der höchste Offizier. Doch bis heute ist nicht bekannt, wie die Macht in China aussieht. Es heisst, die Partei sei reorganisiert worden, die Massenorganisationen wurden aber noch nicht neu geschaffen, und entsprechende Kongresse finden nicht statt.

Der Klassenkampf geht in der Theorie angeblich weiter. Allerdings wurden alle, die man in dieser «Revolution» verurteilt und erniedrigt hatte, rehabilitiert, und Deng nimmt de facto den wichtigsten Platz in der Führung ein, sind doch Mao und Tschou krank. All die Leute, die bei Tschiang Kai-schek hohe Posten bekleideten, Minister, Marschälle und Generale, wurden begnadigt und sind frei. Es heisst, sie «arbeiten verantwortungsbewusst» für ihr Vaterland, das sozialistische China.

All diese unmarxistischen Theorien Maos hat man «Maotsetungideen» genannt. Damit sollte natürlich der Marxismus-Leninismus von den «Maotsetungideen» getrennt werden. Diese «Theorie» versuchten sie sowohl uns als auch allen Kommunisten auf der Welt aufzuzwingen, doch wir liessen uns nicht zu einem solch fatalen Fehler verleiten. In unlauterer Absicht, das heisst, rum die liberalen, revisionistischen und anarchistischen Ansichten Maos als marxistisch zu verkaufen, warteten die Maoisten mit einer anderen Formel auf

«Marxismus-Leninismus-Maotsetungideen». Der Trick bei dieser Tarnung ist klar ersichtlich. Die revisionistisch-kapitalistische Welt und einige Lakaien der Chinesen, die sich selbst «marxistisch-leninistische kommunistische Partei» nennen (wie die Partei in Frankreich), übernahmen diese «Theorie». Die revisionistischen «Maotsetungideen» werden nun in der internationalen Politik ganz unverhüllt umgesetzt.

Die chinesische Politik basiert auf dem «vorrangigen Kampf gegen den sowjetischen Sozialimperialismus». «Wer Widersprüche zur Sowjetunion hat, steht auf der gleichen Seite wie China.» Das bedeutet bei den chinesischen Führern, und sie sagen es offen, dass der «sowjetische Sozialimperialismus der Hauptfeind ist». Und gleichzeitig wollen sie damit die Meinung bestärken, China sei ein «sozialistisches Land» und lasse sich vom Marxismus-Leninismus «leiten».

In seiner Außenpolitik geht China in nichts vom Marxismusleninismus, von der Revolution und vom Klassenstandpunkt aus. In China sind alle marxistisch-leninistischen Grundprinzipien über Bord geworfen worden. China führt keinen Klassenkampf gegen die beiden Supermächte, seine unmarxistische Politik hat die marxistische Ideologie aus der Aussenpolitik getilgt. Lius China war für ein «Bündnis mit allen, auch den Sowjetrevisionisten, gegen die Vereinigten Staaten von Amerika» gewesen. Maos China dagegen ist für ein «Bündnis mit allen, in erster Linie mit dem amerikanischen Imperialismus und der reaktionären Bourgeoisie, gegen die Sowjetunion».

China verfälscht die marxistisch-leninistische Theorie, die uns lehrt, dass auf der einen Seite der Barrikade die Völker mit dem Proletariat an der Spitze stehen und auf der anderen Seite der Imperialismus und der Weltkapitalismus, zu denen sich auch der sowjetische Sozialimperialismus gesellt hat.

In Chinas Aussenpolitik dominiert weiter Maos Theorie, dass «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse. Seinen Ausdruck findet das in der «Theorie», die «dritte Welt» (zu der sich auch China zählt) habe «die zweite und die erste Welt einzukreisen und zu liquidieren». Doch in der Tat unterstützt Maos China diese beiden «Welter», die es einzukreisen und zu bekämpfen vorgibt, bei der Unterdrückung ihrer eigenen Völker und der Völker der «dritten Welt», die es angeblich als die Soldaten der Revolution betrachtet. Tito, Ceausescu und andere ihres Schlags sind Chinas Verbündete, sind für die «Revolution» (sic!)! Auch von den Chruschtschowianern werden sie alle als Verbündete betrachtet. Die Chruschtschowianer treiben das Spiel sogar so weit, dass sie die Länder, in denen die Obengenannten die Führung innehaben, «sozialistisch» nennen. China tritt für Fran- co, Pinochet, die NATO, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, das «Vereinte Europa», Reaktionäre wie den Deutschen Strauss, den Engländer Heath, den Italiener Fanfani und andere ein. Das lässt sich nicht als marxistisch-leninistische Klassenpolitik bezeichnen. Man kann die berühmte «dritte Welt» nicht, wie die Chinesen, in Bausch und Bogen akzeptieren. Ein wahrhaft sozialistisches Land muss sowohl bei den Bündnissen mit anderen Staaten als auch bei der Vergabe staatlicher Hilfe unbedingt differenzieren. Ganz abgesehen von den Francos und Pinochets müssen .auch die Beziehungen zu einem Staat der «dritten Welt» zuallererst unter dem Klassenblick- winkel betrachtet werden, damit sie die revolutionären und fortschrittlichen Kräfte, die in diesem oder jenem Land kämpfen, nicht behindern. Sie müssen im Gegenteil eine Hilfe für diese Kräfte dar- stellen. Doch mit Maos Theorie setzt sich China darüber hinweg, gibt sogar unmissverständlich zu verstehen, es wünsche nicht. sich mit den bürgerlichen, kapitalistischen und Satrapenführungen bestimmter Länder zu überwerfen, Führungen, die gegen ihre Völker sind, die es mit jenen Groessmächten halten, die ihnen am meisten Unterstützung und Kredite geben. Dies darf niemals die Politik eines sozialistischen Landes sein.

Falsch ist auch die Politik, die China den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien gegenüber verfolgt, die sich auf der Welt gebildet haben. Neben diesen Parteien sind wie Pilze auch Gruppierungen jeden Kalibers aus dem Boden geschossen, trotzkistische, anarchistische, von den Gruppen unter Sartres Ägide bis hin zu all den bürgerlichen und provokatorischen Fraktionen. Und zu allen unterhält China Verbindungen, ohne jede Differenzierung. Es empfängt ihre Vertreter, empfiehlt ihnen, sie sollten sich mit den Sozialdemokraten vereinigen, China und Mao propagieren und Bündnisse mit der Bourgeoisie ihrer Länder und den Vereinigten Staaten von Amerika .gegen die Sowjetunion eingehen.

Das ist eine feindliche Politik, die bürgerliche, antimarxistische und antirevolutionäre Politik eines grossen Staates. Doch bei unserer Partei können sie mit solch gefährlichen Abenteuern nicht landen. Die Chinesen wissen, dass wir in der Linie nidht einverstanden sind mit ihnen. Es gibt keinen Tag, an dem wir ihnen diese Gegensätze nicht vor Augen führten, indem wir die Ansichten unserer Partei zu jedem Problem verfechten. Vorläufig treten wir noch nicht offen gegen sie auf, doch auch sie gehen so vor, schweigen, lassen hin und wieder im Volk ein freundliches Wort über uns fallen, gehen aber -in keiner einzigen Veröffentlichung auf unsere Haltung ein, weil sich sonst Probleme ergeben würden, und zwar gefährliche Probleme. Und selbst wenn sie in ihrer Presse einmal etwas veröffentlichen, verdrehen sie es mit Winkelzügen à la China.

In der chinesischen und der sowjetischen Presse macht sich ein gemeinsames Kennzeichen bemerkbar: beide bringen keine gründlichen theoretischen Artikel in denen ,sie sich gegenseitig entlarvten. Die Artikel, die sie veröffentlichen, sind abgstanden, oberflächlich, voll wertloser Schlagworte. Warum? Weil sie, würden sie die Probleme einer gründlichen Analyse unterziehen, jeweils den Bluff des anderen entlarven würden sind doch beide revisionistische Staaten und Parteien.

Unsere .Meinung über Chinas Haltung und unsere Auffassung, dass China als revisionistisches Land zu ;bezeichnen ist, mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen. Eine solche Meinung mag frisch aussehen, nicht auf der Wirklichkeit fussend, doch anders lässt sich der Kurs, der in einer Reihe von Fragen der Innen- und Aussenpolitik verfolgt wird, night erklären. China ist ,bereit, sich sowohl mit den revisionistischen Ländern als auch den revisionistischen Parteien, die bis gestern noch die Sowjetunion unterstützten, sie heute aber kritisieren, auf Gespräche zu einigen, ja in vielen Fragen sogar zu versöhnen. Was ich da sage, ist keine Vermutung, sondern Tatsache. Die Chinesen empfingen in Peking Spanien Carrillo, sprachen mit ihm und verabschiedeten sich von ihm wie Freunde. Warum auch nicht? Warum wurde kein Kommuniqué herausgegeben, um das Gegenteil zu beweisen? Mit Francos Spanien haben die Chinesen diplomatische Beziehungen aufgenommen, die Kommunistische Partei Spaniens/Marxisten-Leninisten, deren Mitglieder von den Falangisten ermordet werden, ignorieren sie dagegen völlig. Warum? Die marxistisch-leninistischen Kommunisten Spaniens denken nicht wie Jurquet in Frankreich, der ein Jünger der Ideen Mao Tsetungs äst und seine Anhänger dazu auffordert, die Armee der französischen Bourgeoisie zu unterstützen.

China äussert sich positiv über jedes revisionistische Land, wenn dieses nur die Annäherung an den amerikanischen Imperialismus sucht. Gegenüber Polen, das dabei ist, in die Sphäre des amerikanischen Kapitals einzugehen, bis hin zu Schiwkoffs Bulgarsen, gar,gzu schweigen von Rumänien und Jugoslawien, nimmt China ein wechselnde Haltung ein.

Für die Chinesen ist Rumänien der teuerste Freund. Warum? . Der Vorwand ist: «Es widersetzt sich den Sowjets.» Dieser «Widerstand» der Rumänen gegen die Sowjets ist Tarnung. Die Rumänen und die Sowjets haben vieles gemeinsam, sie betreiben dieselbe Innenpolitik und auch dieselbe Aussenpolitik. Ihre beiden Parteien sind revisionistisch, beide Staaten sind kapitalistisch, und falls sie Widersprüche haben, dann sind sie geringfügig oder kurzlebig oder reine Spielerei. China analysiert diese Lage nicht und will sie auch gar nicht analysieren. Es betrachtet und verteidigt Rumänien als «sozialistischen Staat».

Genauso unterstützt China Jugoslawien politisch. Ideologisch kann es Jugoslawien vorläufig noch nicht offen unterstützen, denn das stänke, röche nach Verrat. Doch der Titoismus ist nichts als. Kapitalismus reinsten Wassers. Das titoistische Jugoslawien lässt sich von den anarchistische Ideen der «föderalistischen Selbstverwaltung» leiten. Dort wird der Staat für den Bedarf des Augenblicks. aufrechterhalten, und die Partei der Kommunisten wurde vom Titoismus liquidiert. Er liquidierte die Partei und liess die Klasse angeblich «sich selbstvermalten», begünstigte damit in Wirklichkeit jedoch die wohlhabende Bourgeoisie, die alte und die neue, in ihrem Streben, zum Herrn Jugoslawiens zu werden, sich zu bereichern und das Land an die Ausländer zu verkaufen. Tatsächlich herrschen irr Jugoslawien Chaos und Anarchie - in der Wirtschaft, in der Politik und in der Ideologie. Und die bürgerlich-revisionistische Welt nennt Jugoslawien «sozialistisch» und Tito einen «grossen Mann», weil er sich Stalin widersetzte. Doch damit leistete und leistet er dem amerikanischen Imperialismus und dem internationalen Grosskapital grosse Dienste.

Was Chinas Politik betrifft, so verurteilen wir nicht, dass es, diplomatische Beziehungen zu verschiedenen kapitalistischen und revisionistischen Staaten hergestellt hat (seine Beziehungen zu faschistischen Staaten verurteilen wir natürlich), doch wir verurteilen die unmarxistische Linie, von der es sich bei dieser Politik leiten lässt. Wo Chinas Haltung sich nicht von Klassengrundsätzen leiten lässt, billigen wir sie nicht. Wo die chinesische Haltung nicht der

Weltrevolution, nicht der nationalen Befreiung der Völker der «dritten Welt» dient, billigen wir sie nicht. China fügt mit seiner politischideologischen Haltung dem Sozialismus und der Revolution sowie dem Befreiungskampf der Völker im Weltmassstab grossen Schaden zu.

Die kapitalistische Welt weiss um diesen Dienst Chinas und honoriert ihn. Ob nun eine wahre marxistisch-leninistische Bewegung oder die Studentenunruhen eines Cohn-Bendit, oder die Bewegung der Tupamaros - die kapitalistische Welt nennt sie alle unterschiedslos «maoistisch» und China freut sich über diese Qualifikation, über diese «Ehre» die ihm die Weltreaktion zuteil werden lässt. Es predigt sogar die Vereinigung all dieser maoistischen, «oppositionellen», anarchistischen Strömungen mit den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien, ohne Rücksicht auf ihre diametral entgegengesetzten Standpunkte. Vberdies rät China diesen Parteien, mit den bürgerlichen Regierungen ihrer Länder zusammenzuarbeiten, ihre bürgerlichen Armeen zu unterstützen, die die Völker und das Proletariat unterdrücken. Jene marxistisch-leninistischen Parteien, die nicht die Linie verfolgen, die China predigt, schreibt es ab, bekämpft es. Wie soll man also diese Linie nennen? Marxistisch-leninistisch? Nein, das ist eine revisionistische Linie.

Ein hervorstechendes Merkmal des modernen Revisionismus ist die «friedliche Koexistenz», verstanden und praktiziert auf nicht klassenmassige, nicht revolutionäre Weise. Ein weiteres Kennzeichen ist der friedliche, parlamentarische Weg der Machtergreifung «auf dem Weg zum Sozialismus». Das ist die Linie, die Chruschtschow predigte und die die Sowjetrevisionisten auch heute noch predigen. Dies ist auch die Linie der italienischen, französischen, spanischen und anderer Revisionisten. Das ist auch die Linie, der Weg der Chinesen. Auch sie predigen genau diesen Weg. Unter die Revolution haben sie einen dicken Strich gemacht, predigen sie doch das Bündnis und die Zusammenarbeit mit den bürgerlich kapitalistischen Staaten und all ihren Institutionen, unter anderem auch dem bürgerlichen Parlament. Das ist die Wirklichkeit, in Theorie und Praxis, auch wenn die Chinesen das theoretisch nicht zugeben. Die Sowjets geben ihre Verbrechen genauso wenig zu: die chruschtschowsche friedliche Koexistenz nennen sie «leninistisch», und wenn es um den friedlichen Weg der Machtergreifung geht, vergessen sie niemals, sich darauf zu berufen, dass Lenin gesagt hat, es gebe «die Möglichkeit, die Macht auch auf diesem Weg zu erobern». Doch die Revisionisten haben dies zum einzigen Weg gemacht und bekämpfen de facto den anderen, den bewaffneten, gewaltsamen Weg, den Weg der Revolution und der Errichtung des wahren Sozialismus.

Fidel Castro tönt: «Die Armee ist die Partei.» Die modernen Revisionisten sagen das nicht offen, doch es ist eine Tatsache, dass in China die Armee die Partei kommandiert, die von Mao Tsetung während der Kulturrevolution «aufgelöst» wurde. Während dieser Revolution war .und blieb die Armee die einzige «Säule» des Regimes: Partei, Gewerkschaften, die Arbeiterklasse an der Macht gab es nicht. So war es, das ist eine Tatsache. Doch warum war das so? Das ist völlig klar: die Ursache war die nicht marxistisch-leninistische Weltanschauung.

Diesen kapitalen theoretischen Problemen muss man auf den Grund gehen, man darf sie nicht oberflächlich behandeln. Man darf nicht den Worten glauben, sondern nur den Fakten. Und diese Fakten müssen vom Standpunkt unserer marxistisch-leninistischen Theorie aus analysiert werden. Wie soll man die Geste der Chinesen in

den letzten Tagen des vergangenen Jahres verstehen, als sie den sowjetischen Hubschrauber mit seinen drei Mann Besatzung freigaben, die sie 21 Monate slang festgehalten hatten, weil sie «400 km tief in chinesisches Gebiet eingedrungen waren»? Sie taten gut daran, sie freizulassen, denn es gab nur zwei Möglichkeiten: entweder die sowjetischen Piloten vor Gericht zu stellen, oder sie nach etwa zwei Monaten laufenzulassen. Doch was passierte? Was schrieben die Chinesen in diesen 21 Monaten in ihrer ;Presse nicht alles über diesen Hubschrauber: «Das ist ein krimineller Akt, ein Spionageakt, eine brutale Provokation» usw. Das Aussehministerium der VR China hatte Behar Shtylla offiziell mitgeteilt: «Die sowjetischen Piloten sind Spione. Der Hubschrauber war vollgepackt mit ,Spionagegerät. Uns sind wichtige Dokumente in die Hände gefallen. Der Hubschrauber war in Sinkiang gelandet, um Menschen zu entführen»,usw. Die Sowjets dagegen hielten daran fest, der Hubschrauber sei vom Kurs abgekommen. Sohön und gut, doch nach 21 Monaten äußerte sich auch das Außenministerium der Volksrepublik China plötzlich anders, erklärte, der Hubschrauber sei vom Kurs abgekommen, die Piloten seien unschuldig und würden deshalb freigelassen. Inn Außenministerium gibt man für sie sogar ein offizielles Abendessen, und man begleitet sie «feierlich» zum Flugplatz.

Was soll man zu dieser Haltung sagen? Wie soll man sie nennen? Da muss es etwas hinter den Kulissen geben, anders lässt sich das nicht begreifen. Da steckt etwas dahinter, das stinkt. Es sollte uns nicht überraschen, wenn dieser Schwenk nach Art der Chinesen als «grossartige politische Geste Mao Tsetungs» ausgegeben würde. Und natürlich auch als «marxistisch-leninistische» Wendung. Möglich, dass Tschou En-lai oder Deng Hsiao-ping nach dieser «genialen Wendung» unserem Botschafter in Peking sagt: «Auf, fahren wir nach Moskau, worauf wartet ihr noch, die Situation hat sich geändert.» Genau das war es nämlich, was Tschou En-lai unerem Botschafter sagte, als Chruschtschow gestürzt wurde. Wenn irgend jemand einmal fallen lässt, Breschnews Sturz sei abzusehen, fangen die Chinesen an, von einem Umschwung zu träumen und schmieden insgeheim Pläne, möglicherweise im Einvernehmen mit den Sowjets. Wir werden die revisionistischen und verräterischen Vinkelzüge-erleben.

Die Chinesen verhalten sich unserer Partei der Arbet und dem sozialistischen Albanien gegenüber nicht aufrichtig. Biszer waren wir die «besten und treuesten Freunde Chinas und der Kommunistischen Partei Chinas». Dieser Geist ist in China an der Basis sehrgut gepflegt und verbreitet worden, in diesem Punkt haben wir nichts einzuwenden. Doch das Zentrum stellt sich anders dazu. Wir dagegen haben unsere Ansichten offen dargelegt und dartrn ersucht, Delegationen auszutauschen und Gespräche zu führen. Unser Ersuchen ist jedoch auf taube Ohren gestossen. Ohne ausdrücklich zu. sagen, dass sie in vielen Fragen nicht einer Meinung nit uns ist, gibt die chinesische Führung durch die Haltung, die sie einnimmt, in der Praxis zu verstehen, dass sie nicht einverstanden ist. Die Wirtschaftshilfen, um die wir für den Bau der Werke des Fünfjahrplans 1976-1980 ersuchten, die sicherlich erst nach 6 oder 7 Jahren fertiggestellt sein werden, haben uns die Chinesen sehr gekürzt. Sie bewilligten uns nur 20-25 Prozent der Kredite, um die wir baten. Dabei begegnete man uns kühl, schob jeder zusätzlichen Forderung einen Riegel vor, mit der Bemerkung: «Das ist auch Maos Meinung.» «Wir sind sehr arm», sagten sie uns, während sie, ja sogar Tschou En-lai selbst, uns noch vor zwei Jahren Wort für Wort erklärten: «Wir helfen euch wenig, sehr wenig, doch in zwei oder &ei Jahren,. im nächsten Planjahrfünft [das heisst in dem, das nun begegnen hat] werden wir euch mehr geben.» Genau das Gegenteil war allerdings der Fall, und heute - mit welcher Geringschätzung sagen sie nun: «Verlangt nichts, wir gehen auf keine weitere Forderung ein.» Kann man das wirtschaftlichen Druck nennen? - Bestimmt, und zwar mit voller Überzeugung. Warum nehmen sie diese Haltung ein? Weil sie mit uns Meinungsverschiedenheiten in der Linie haben.

In einer Botschaft, die ich und Mehmet an Mao richteten, ersuchten wir um Militärhilfe. Die Chinesen bewilligten uns diesmal eine lächerliche Hilfe. Unverschämt erklärten sie uns: «Verlangt jetzt nicht mehr!» Warum dieser Umschwung? Weil sie nicht einverstanden sind mit unserer politischen, strategischen und ideologischen Linie, weil sie wollen, dass wir uns ihrer revisionistischen Linie unterwerfen.

Die chinesischen Führer haben uns vorgeschlagen, «mit Jugoslawien und Rumänien zusammenzuarbeiten, zu ihnen Verbindungen herzustellen» (das heisst, wir sollen Revisionisten werden wie sie), «zu den Vereinigten Stazten von Amerika diplomatische Beziehungen aufzunehmen» und dergleichen Gemeinheiten mehr. Wir sollen es also China nachmachen Das ist ein Verrat, den wir angewidert von uns weisen. Und wir bekämpfen diese Linie auf die eine oder andere Weise, offen und bei jeder Gelegenheit, durch unsere Presse und Propaganda.

Es hat sich herausgestellt, dass die Verrätergruppe von Beqir Balluku und Abdyl Këllezi für diese Linie der Chinesen war, die in Wirklichkeit die gleiche ist wie die der Sowjets, Jugoslawen, F umänen, Amerikaner usw. Denn sie alle wollen unsere marxistischleninistische Parbei und irre Fü'hrung, die den Marxismus-Leninismus und den Sozialismus in Albanien verteidigt, liquidieren. Dafür kämpfen sie. Die chinesische revisionistische Führung unternahm also alle diese Massnahmen, um uns zu schwächen. Dieses Vorgehen ist vorläufig noch nicht so brutal wie das Chruschtschows, doch auch die Chinesen gehen diesen Weg, in der Meinung, uns nach und nach den Atem zu nehmen, doch damit können sie uns... mal gern haben!

Nicht nur das. Mao 7setung geht genau wie die Chruschtschowianer vor. Drei oder vier wichtige Botschaften wurden ihm geschickt, im Namen des Zentralkomitees der Partei und unterzeichnet von mir, während er nicht geruhte, uns eine Antwort zu geben, und sei es auch nur aus 3öflichkeit, im Sinne der Gegenseitigkeit. Entweder hat er nicht geruht, oder er will zu den Problemen, die wir aufgeworfen haben, nichts Schriftliches hinterlassen. Auch die mündlichen Antworten, die wir über andere, seine Genossen, erhielten, waren ausgesprochen negativ. Ein offizieller Brief verlangt eine schriftliche Antwort, positiv oder negativ.

Die Handlungsweise der Chinesen ist unerfreulich und, warum sollten wir es nicht sagen, auch tückisch. Was die Waffenlieferungen anbelangt, so benahmen sich alle Mitglieder der chinesischen Delegation, mit der dieses Problem behandelt wurde, diesmal gemein gegen uns. Sie verschlossen uns alle Türen. Und der Leiter unserer Delegation brachte ihnen gegenüber unsere Unzufriedenheit zum Ausdruck. Beim letzten Abendessen fing Yä Djiän-ying an, abgedroschenes Süssholz zu raspeln: «Ihr werdet ja nächstes Jahr wieder kommen, dann werden wir weitersehen» und dergleichen faden Quark mehr. Dabei hatten sie uns vorher gesagt: «Um das Jahr 2000 werden wir dann in der Lage sein, euch zu helfen.»

Nicht nur, dass diese Einstellung nicht gerade freundschaftlich ist, sie gehen auch noch weiter, versuchen, unsere Kader von der Führung zu trennen, indem sie ihnen gegenüber durchblicken lassen «Nun ja, was euch betrifft, so findet ihr bei uns ein offenes Ohr, aber Waffen geben wir euch nicht, denn wir stehen mit eurer Führung nicht gut.» Trotzkistische Methoden!





DONNERSTAG,

8. JANUAR 1976





TSCHOUEN-LAI IST GESTORBEN



Heute Abend schickte uns Behar ein Radiogramm aus Peking, in dem er uns mitteilt, dass Genosse Tschou En-lai an Krebs gestorben ist. Diese Nachricht wurde Behar im Namen des Zentralkomitees. vom chinesischen Aussehminister, Tjiao Guan-hua, überbracht, derzum Abendessen bei Behar war. Als Behar sich bei ihm nach Tschou En-Jais Befinden erkundigte, antwortete er ihm - anscheinend, um das Abendessen nicht zu verderben, dem er auch hätte fernbleiben können -, er werde es ihm nach dem Essen sagen.

Tschou En-lai war ein Revolutionär und Mitglied der KP Chinas seit ihrer Gründung. Man muss anerkennen, er war eine Persönlichkeit von grossem Forma, ein sehr kluger und fähiger Mann, ein grosser Organisator und Arbeiter. Nach Mao war Tschou En-lai der Mann mit der grössten Autorität in China. Er war zugleich auch eine grosse internationale Persönlichkeit. Wir haben ihn persönlich gekannt, mit ihm gesprochen und seine grosse Tüchtigkeit bei der Arbeit, sein grosses Organisationstalent geschätzt. Er war der engste Mitarbeiter Maos, kämpfte als «Kommunist» unter Maos Banner. Wildbetrachteten ihn als Freund unseres Landes, achteten ihn, empfingen ihn bei uns, sprachen rrit ihm stets aufrichtig. Doch es muss gesagt werden, dass wir, obwohl er zu der Hilfe beigetragen hat, die China Albanien gab, auch Debatten mit ihm hatten, als er von seiner Seite aus gegen die marxistisch-leninistische Ideologie und den Geist der Freundschaft mit uns verstieß.

Es geschah oft, dass wir prinzipielle Differenzen zu der Linie, zu den Auffassungen hatten, die er und das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas vertraten. Diese Differenzen haben wir besonders Tschou, aber auch dem Zentralkomitee der KP Chinas gegenüber auf kameradschaftliche Weise geäußert, mündlich und schriftlich. Über all diese Anschauungen habe ich, wenn Tschou sie ausserte, oder wenn die Linie der Kommunistischen Partei Chinas mit der Linie unserer Partei nicht übereinstimmte, zum jeweiligen Zeitpunkt geschrieben. Doch die prinzipiellen Widersprüche, die wir zu den chinesischen Genossen in der Line hatten, haben weder wir noch sie an die Öffentlichkeit getragen. Unsere Parteien blieben und bleiben auf ihren jeweiligen Positionen. Bei all den Meinungsverschiedenheiten in der Line haben weder wir noch die chinesischen Genossen diese publik gemacht, und die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern und Ländern dauerte beinahe unverändert an.

Wir waren und sind weitherzig, doch die Prinzipien unserer Partei verletzen wir nicht und machen sie auch nicht zum Spielball .der opportunistischen Politik. Ich habe viel und, ich glaube, unvoreingenommen über Tschou En-lai geschrieben, doch habe ich auch keine -mildernden Worte gebraucht. Darauf will ich hier nicht länger eingehen. Ich möchte nur sagen, dass er trotz allem ein grosser Mensch und Politiker war, allerdings nicht auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus. Tschou En-lai war «ausgewogen•>, ein Mann nicht prinzipienfester Kompromisse, «sehr weit gefasster» Kompromisse.

Obwohl wir mit seinen Ansichten und seiner Politik in vielen Fragen nicht einverstanden waren, schmerzte uns Tschou En-Jais 'Tod aufrichtig, denn China verlor einen grossen Mann, den grössten nach Mao, ich würde sogar sagen, nicht weniger «wirksam» als Mao selbst, einen Mann, der bei der Leitung und Verwaltung der Geschäfte eines so grossen Staates wie China eine nachhaltige Rolle spielte.





DONNERSTAG,

22. JANUAR 1976





DIE CHINESEN PROPAGIEREN DIE RICHTIGE LINIE

UNSERER PARTEI NICHT



Der 19. Band der Werke wurde gedruckt und in vielen Sprachen verbreitet. Das gesamte Ausland, Freunde wie Feinde Albaniens, spricht von der richtigen Linie und vom Mut, den unsere Partei bewies, als sie die Chruschtschowrevisionisten entlarvte und bekämpfte, um die Reinheit des Marxismus-Leninismus zu verteidigen und besonders die Kommunistische Partei Chinas zu verteidigen. Nur in China sprach und spricht man nicht davon. Es gibt kein einziges Presseorgan, das, wenigstens als Nachricht, ein Wort darüber verlöre, dass in Albanien ein solches Werk veröffentlicht worden ist.

Das Zentralkomitee der PAA und das Präsidium der Volksversammlung veröffentlichten den Text des Entwurfs der neuen Verfassung der Volksrepublik Albanien. Überall im Ausland sprach und spricht man davon und analysiert ihn öffentlich. Nur in China findet dieses für unser Land so wichtige Ereignis, dieses in politischer, ideologischer, organisatorischer und verfassungsmäßiger Hinsicht so wichtige Dokument unserer Partei und des albanischen Staates nicht die leiseste Erwähnung.

In der chinesischen Presse schreibt man wertloses Zeug über unser Land. In alleeerster Line versäumt es die Presse dort nicht, nachzudrucken, was man in urigerem Land Gutes über China sagt. Was es sonst noch an Nachrichten gibt, sind banale Chroniken: Hier fand diese Versammlung statt, dort jene Kundgebung, auf der einen sprach dieser, auf der anderen jener, in Albanien traf der und der ein, der und der reiste aus Albanien ab. Auch Sportmeldungen werden veröffentlicht. Doch in all diesen Chroniken wird niemals erwähnt, dass «diese oder jene Delegation dieser oder jener marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei Albanien einen Besuch abstattete». So sehr hat China die politisch-ideologische Beziehungen zu unserem Land reduziert! Dies gilt für Presse und Propaganda, die politisch-ideologischen Gespräche zwischen unseren beiden Seiten wurden schon vor geraumer Zeit auf den Nullpunkt reduziert. Es gibt noch nicht einmal den geringsten Meinungsaustausch über das Weltgeschehen.

Was die Wirtschaftsbeziehungen und die Hilfen für die Armee anbelangt, so wurden auch sie auf das absolute Minimum reduziert. Und trotzdem bluffen die Chinesen nach aussen hin, wollen den Anschein erwecken, Albanien sei ihr «treuester Verbündeter».

Wie haben wir diese Haltung zu verstehen? So, dos die Chinesen von ihren Leuten verspätet informiert werden? Las ist nicht schlüssig, denn es geht hier nicht um geringfügige Dinge, sondern um wichtige Ereignisse und Materialien unseres Landes und unserer Partei. Zudem gibt es ausser den Vertretern von Hsinhua in Tirana auch jede Woche das Flugzeug Peking-Tirana und zurück. Im übrigen hat China auch seine Botschaft in Tirana.

Oder brauchen die Chinesen vielleicht Zeit zum Übersetzen und zum Studium unserer Materialien? Auch das ist nicht schlüssig, denn sie haben ein Bataillon von Übersetzern, und was uns betrifft, so verlangen wir gar nicht, dass sie irgendeinen Artikel oder Kommentare über diese Ereignisse bringen, sondern sind auch mit einer einfachen Nachricht zufrieden, aus der die chinesische Öffentlichkeit erfährt, dass in Albanien «diese Dokumente erschienen». Warum also handeln sie so? Was geht vor? Es gibt nur eine Erklärung: die Chinesen betreiben Sabotage, sie sind nicht einverstanden mit der politischen Linie unserer Partei.

Die Chinesen sprechen von der «Diktatur des Proletariats», dafür kämpfen auch wir. Sie äussern sich gegen die Sowjetunion, doch worum geht es denn im 19. Band? Außerdem, was machen wir denn Tag für Tag? Warum bringen sie dann nicht wenigstens die schlichte Nachricht, dass diese Dokumente erschienen sind?

Wie hat man dieses chinesische Rätsel zu verstehen? Sie wollen aus folgenden Gründen keine Propaganda für die richtige Linie unserer Partei machen:



a) weil dann ihre falsche Haltung herauskommt;

b) weil da der Grösenwahn einer grossen Partei und eines grossen Staates ist;

c) weil sie mit der marxistisch-leninistischen Linie unserer Partei nicht einverstanden sind, weder in der Theorie noch in der Praxis - propagierten se die richtige Linie unser er Partei, würde schon von daher die Konfrontation offensichtlich;

d) weil die Formeln und Schlagworte der Chinesen pseudomarxistisch sind;

e) weil sie wollen, dass wir ihnen um den Bart gehen, so sprechen und handeln wie sie. Die Chinesen billigen die prinzipienfeste marxistisch-leninistische Haltung unserer Partei nicht. Sie wollen; dass wir vor ihnen katzbuckeln. Dazu wird es selbstverständlich niemals kommen;

f) weil ihnen die inneren Maßnahmen nicht gefallen haben, die wir gegen die Partei- und Staatsfeinde Beqir Balluku, Hito Cako,. Petrit Dume, Abdyl Këllezi u.a. ergriffen haben. Weshalb? Wieweit hatten die Chinesen bei hrem Komplott die Finger im Spiel? Eiriès jedenfalls wissen wir: die Linie der Verräter unseres Landes gefie1 den chinesischen Genossn;

g) weil die Chineser uns von den marxistisch-leninistischen, Positionen abbringen wollen, weil sie wollen, dass wir uns mit den Verrätern Tito und Ceaucescu vereinigen, weil sie uns in den revisionistischen Tümpel stossen wollen. Selbstverständlich haben wir diese antimarxistischen und kapitulantenhaften Ansichten verurteilt.

All dies habe ich oft als Frage aufgeworfen und dazu Erläuterurigen gegeben. Ich habe mich bemüht, in den Analysen objektiv und korrekt zu sein, auch wenn ich manches Mal sehr starke Worte gebrauchte. Ich meine aber, dass die Dinge beim Namen genannt werden müssen.

Für mich ergibt sich aus der Analyse der Fakten in dieser Frage, dass die Hauptsache bei dem chinesischen Rätsel ist: Ist die Kommunistische Partei Chinas auf dem richtigen marxistisch-leninistischen Weg? Ging sie früher diesen Weg? Befindet sie sich in organisatorischer Hinsicht wohl auf dem Weg einer Partei leninistischen Typs, wie ihn Marx, Engels und Lenin lehren? (Von Stalin wollen wir gar nicht reden, gegen den waren und sind die Chinesen. In Worten sind die Chinesen für Stalin, weil sie nicht anders können, laben sie doch nun einmal zu dieser Frage Stellung bezogen, und dei Form halber stellen sie Stalin in Opposition zu Chruschtschow.)

Natürlich kann ich nicht behaupten, die Kommunistische Partei Chinas in ihrer Entwicklung und Struktur zu kennen. Doch meiner Meinung nach war schon der erste Schritt dieser Partei nicht richtig, auf dem marxistisch-leninistischen Weg, ob nun hinsichtlich der leninistischen Prinzipien, der Organisationsform oder verschiedener Probleme, die es zu lösen galt - bei der bürgerlichdemokratischen Revolution und später der Fusion mit der Kuomintang, im Bürgerkrieg, im Krieg gegen Japan, in bezug auf die Rolle der Arbeiterklasse und die der Bauernschaft. Die Partei in China ging also bei all diesen erstrangigen Problemen meiner Ansicht nach chaotisch vor.

Nach unserer Feststellung machten sich von dem Augenblick an, da Mao die Führung der Partei übernahm, in ihrer Organisierung, in Ideologie und Praxis Abweichungen bemerkbar, Fraktionen, etwa die Li Li-sans, Wang Mings usw. usf. Gewiss kamen auch in. der Partei Lenins solche Dinge vor, die Feinde griffen die Bolschewistische Partei von innen und aussen an, doch Lenin ging mit klarer marxistischer Ideologie und eiserner Faust gegen sie vor. Fr stählte die Partei und gab ihr die unvergänglichen Normen, die die wahren marxistisch-leninistischen Parteien und cie Weltrevolution richtig leiten und stets richtig leiten werden.

Ich glaube, dass Mao, als er die Macht antrat, eine gewisse Ordnung schuf. Er schuf die Armee und führte sie, leitete den Kampf, doch der Organisierung der Partei, ihrer Haltung wurden die grundjagenden Prinzipien, die leninistischen Normen nicht so zugrunde gelegt, wie es hätte sein müssen. Die Kommunistische Partei Chinas gewann an Ansehen, doch sie hätte sich auf ihrem langen Weg während und nach dem Krieg stählen müssen. Vor allem stimmten Maos Ansichten über die Hegemonie der Arbeiterklasse und ihr Bündnis mit der Bauernschaft von Beginn an bis heute nicht mit der marxistisch-leninistischen Theorie überein. Diese Ansichten sind, trotz aller Schlagworte, in dieser Hinsicht liberal, und ich meine, hier liegt der Ursprung der Schwankungen in der Linie der Kommunistischen Partei Chinas und Maos. Dies sind, wie uns Theorie und Praxis lehrer, Schwankungen des Kleinbürgertums, der Bauernschaft. In Chinawie bei uns spielte die Bauernschaft tatsächlich eine grosse Rolle iz nationalen Befreiungskampf, doch in China wurde sie, anders als 1?i uns, nicht von der Ideologie der Arbeiterklasse geführt. In unprem Land war die Arbeiterklasse zahlenmäßig nicht vorherrschend, sie war sehr klein, doch ihre Ideologie war gross. Das bedeutet dass unsere Partei auf leninistischen Grundlagen organisiert wurde und die Arbeiterklasse in eine hegemonische Stellung versetzte.

In China dagegen wurde zwar die Kommunistische Partei gegründet, vorherrschend wa: aber der Standpunkt, dass «das Dorf die Stadt einkreisen» müsse!. Das musste unweigerlich zu einem schwachen organisatorischen Zusammenhalt der Partei führen. Sie sollte darunter leiden, dass de Parteinormen nur unvollständig verankert worden waren. Und urvermeidlich mussten in ihren Reihen Fraktionen und antimarxistische Abweichler überhandnehmen (wie es sich dann auch heraussellte), auch wenn die Li Li-sans und Wang Mings gestürzt wurden

So ging die Kommuzistische Partei Chinas meiner Meinung nach nicht so gut organisiert in den Kampf, wie es nötig gewesen wäre. Sie hatte keine klare Liiie und konnte die wirkliche Vorhutrolle nicht spielen. Diese Partei wurde gross mit Fraktionen und hatte auich weiterhin immer Fraktonen, war einmal links, einmal rechts.

Die Armee und cer Krieg überdeckten diese gefährlichen Krankheiten, und die fraktionisten sammelten sich unter der Führung der «Kriegsherren», nur dass sie diesmal Armeekommandeure und Kommunisten waren, wie sie sich die Kommunistische Partei Chinas vorstellte. Es gal die Partei, doch die Armee war so allmächtig, dass man sagen kann, nicht die Partei kommandierte sie, sondern sie die Partei. All diese hervorragenden und tapferen Kommandeure bezeichneten sich selbst als Kommunisten, doch ihr Verständnis vom Kommunismus war bestimmt von den unklaren, schwankenden Ansichten und Orientierungen ihrer Partei.

In seinen Schriften aus der Zeit des Krieges behandelt Mao sehr viele Fragen der Partei richtig. Diese Schriften dienten der Erziehung der Kader, doch vie sehr und wie sie erzogen wurden, ist ein anderes Problem dessen Konsequenzen wir später sehen werden.

Die wichtigsten militärischen Führer, allen voran Mao, waren sowohl in der Zeit des Krieges als auch danach in der Führung, und das ist nur .natürlich. Zusammen mit ihnen kamen in die Führung der Partei.' und des neuen Staates nicht nur Menschen, die im Kampf gestanden hatten, sondern auch andere. Diese Wahl wurde angeblich .in den von der Partei festgelegten Formen vollzogen, doch jeder Führer brachte mehr seine eigenen Leute mit sich als Leute mit Parteigeist.

Das aus dem Krieg hervorgegangene grosse China musste auch als Staat organisiert werden. Doch was für ein Staat sollte das sein? Ein Staat der Volksdemokratie, doch seine rote Fahne trug 4 Sterne, die .die vier Klassen der chinesischen Gesellschaft (?!) versinnbildlichten, sowie einen weiteren Stern in. der Mitte. Wessen Hegemonie versinnbildlichte dieser Stern? «Der Arbeiterklasse», hiess es, doch die wirtschaftlichen; politischen und organisatorischen Reformen, die man durchführte;. gingen nicht in diese Richtung, denn die Partei selbst war nicht monolithisch, in ihren Reihen bestand keine ideologische Einheit, sondern eine «Einheit» um Mao. Die Kapitalisten existierten. in diesem Staat weiter als Klasse, bezogen sogar Renditen.

Unter Maos Banner brachte Liu Schao-tschi die Staatsmacht .und die Partei in seine Hand. Deng Hsiao-ping leitete die Partei, Tschou den Staat. Mao war die Säule, um die herum sich der Reigen drehte. Die Armee war in den Händen des Marschalls Peng Dö-huai. Diese mächtige Gruppe tat, was ihr beliebte. Man sprach vom Sozialismus, ging aber dem Revisionismus zu.

Peng Dö-huai hatte derart viel Handlungsfreiheit, dass er die Armee auf den chruschtschowschen Weg bringen konnte. Er übernahm all dessen psychische, politische, materielle und organisatorïsche Merkmale. Liu bereitete zusammen mit Peng Dö-huai und Deng Hsiao-ping die Konterrevolution vor. Peng Dö-huai wurde vom Zentralkomitee abgelöst, an seine Stelle trat sein Freund Lin Biao. Neue Reformen, ganz andere als die vorhergegangenen, wurden in cier Armee durchgeführt, und zwar von Mao. Die Armee war stets der Eckpfeiler, stand sie doch angeblich unter Leitung von Mao selbst. Liu Schao-tschi hatte die Partei, Tschou En-lai dagegen war von Anfang bis Ende der opportunistische Vermittler. Damals spitzte sich der Kampf um die Macht zu. Doch wie? Mit opportunistischen Parolen, angefangen bti den «hundert Blumen», d.h., dass alle Ideologien und Fraktionen in der Partei geduldet wurden, über den «Kampf gegen die Oper und die Universität» bis hin zu der Losung: «Alles muss der Gangart der Armee folgen». Und so wurde Lin Biao zum allmächtigen Retter. Liu Schao-tschi sah die ihm drohende Gefahr und versuchte, Mao abzusägen, wie das Breschnew mit Chruschtschow getan latte.

Mao sah die Gefahr ebenfalls und mobilisierte die Hungweibings zu Millionen. Die Kultarrevolution begann ohne Führung durch die Fartei, ohne Arbeiterklisse. Auch Liu handelte, die «Rebellen» und Verschiedene Organisationen traten auf. In China griff Anarchie um sich, die Partei war liquidiert worden, auch die Massenorganisationen wurden liquidiert, und der Bürgerkrieg zwischen den Fraktionen begann. Man kann siel also vorstellen, was das für eine kommunistische Partei in Chna war! Mao rief dann Lin Biao zu Hilfe und deckte ihn mit 7teln ein, damit er der Armee Befehl zum Eingreifen gebe, und die Armee griff ein. Durch diese «Kulturrevolution» wurden Liu Schao-tschi und einige weitere Führer wie Deng Hsiao-ping beseitigt. (Was mit ersterem geschah, ist nicht bekannt, Deng dagegen wurde «umerzogen», und inzwischen hat der «Feind Nr. 2» in China mir nichts, dir nichts seine alten Funktionen wieder eingenommen.) Lin Biao wurde während c?er Kulturrevolution zim «Kriegsherrn», machte das Gesetz, veröffentlichte und verbreitete das «rote Buch», die «Maobibel», von ihm kamen die Plaketten mit Maos Kopf, von Tschen Bo-da dagegen die Reden. Die Armee dominierte über die Partei und die Staatsrr.acht, «Revolutionskorntees» wurden geschaffen, die taten, was Lin E;ao sagte. Dieser trieb sein eigenes Spiel, «traf Vorbereitungen, um Mao in die Luft zu sprengen und China mit der Sowjetunion 7u verbinden», wie es heisst. Mao manövrierte, jagte Lin Biao zum Teufel, richtete zusammen mit Tschou die Antennen auf die Vereinigten Staaten von Amerika, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, das «Vereinte Europa», auf Franco und Pinochet, und sie erklärten China zum Mitglied der «dritten Welt», zusammen mit Spanien, Ägypten, Chile, Jugoslawien, der Türkei usw. usf.

Was lässt sich einer kurzen, nicht sehr vollständigen Aufzählung dieser Ereignisse in der Kommunistischen Partei Chinas entnehmen?

Ihre Führung sagt, in der Kommunistischen Partei Chinas gebe es zwei Linien. Sie akzeptiert, dass diese beiden Linien bestehen, und betrachtet das, wie mir scheint, als Existenzbedingung für die Partei - und das nennen sie Klassenkampf in der Partei. Ich meine allerdings, dass es in dieser Partei nicht nur zwei Linien gibt, sondern viele Linien, die im Ringen um die Macht aufeinanderprallen. In der Partei herrscht Chaos, sie führt keinen Klassenkampf nach gesunden marxistisch-leninistischen revolutionären Prinzipien. Oder besser gesagt: die Partei führt überhaupt keinen Klassenkampf, in ihr findet ein Kampf zwischen Clans statt. Die Clans sitzen in der Partei und in der Staatsmacht, an der Basis und in der Führung. Alle Parteigänger der Fraktionisten, die man angeblich verurteilt hat, sind in der Partei, sind aktiv. Diese ganze Entwicklung vollzog und vollzieht sich unter dem Namen Maos. Er wird zum Tabu, man lernt seine Zitate, hinter den Kulissen allerdings betreibt jede Fraktion ihr eigenes Geschäft. Mao selbst lässt, wenn schon nicht die «hundert Blumen», so doch die «zwei Blumen» zu. «Soll es die zwei oder drei Fraktionen ruhig geben, sollen sie zusammenleben, alle 7 Jahre machen wir dann eine Revolution», sagt er, «und werden sehen, wer gewinnt. Wenn die Rechten siegen, werden die Linken sich erheben und sie stürzen.» Das ist «Maos glänzende Theorie»!! Und so war es tatsächlich auch der Fall. Seit Mao an die Spitze der Kommunistischen Partei Chinas trat, wurde Li Li-san gestürzt, kam Wang Ming in die Führung und wurde gestürzt, kam Liu Schao-tschi hoch und wurde gestürzt, kam Lin Biao nach oben, und auch er wurde gestürzt, nur Tschou En-lai blieb bis zu seinem Tod an der Macht. Doch wie wird es nun weitergehen? Mao wird auf genau die gleiche Weise die Arbeit fortsetzen. Zur Zeit gibt es keinen Ministerpräsidenten in China, die Funktion des Regierungschefs nimmt Deng wahr, der außerdem Generalstabschef ist. Doch wir kennen ihn. Deng sieht sich Dschang Tschun-tjiao als politischem Leiter gegenüber, und an der Stelle eines Verteidigungsministers (den es noch nicht wieder gibt) steht ein Greis, der mehr Tschou En-Jais Strömung zuneigt. An der Spitze der Wirtschaft steht (ohne an der Spitze zu sein) Li Hsiän-niän, allen - Tschou. Deng. Lin Biao, Mao - zutiefst ergeben, niemals aber dein Marxismus-Leninismus.

Dies ist die Lage in der Führung der Kommunistischen Partei Chinas, gar nicht zu reden von der Lage unten. Dort gibt es «Linke»., gibt es «Rechte», gibt es «Gemäßigte», gibt es, was immer man will. Alle tun so, als folgten sie Maos Linie, und sie sind tatsachlich gezwungen, ihr zu folgen, aus Angst vor den Schlägen, die sie im Fraktionskampf beziehen könnten. Doch dieser wird ausbrechen, wenn nicht gleich, so doch bald nach Maos Tod. Nun haben die Scharmützel begonnen: Der Bildungsminister ist ein Revisionist, er ist nicht in -Ordnung, usw. Die Kampagne gegen Liu wurde zur rückgeschraubt, auf der Tagesordnung steht nun die Kampagne gegen Lin Biao und Konfuzius. Bis wann wird sie weitergehen? Wird sie gerade abgeschwächt? Zwei Gedichte Maos wurden veröffentlicht, die gross herausgestellt werden. Was geht aus diesen Parabelgedichten hervor? Es ist nichts zu verstehen. Nach gewohnter Art spricht man weiter in Andeutungen, und es bedürfte eines Exegeten, sie zu interpretieren, so wie das Lin Biao seiner zeit tat.

Man schreibt einen nicht schlechten Artikel über die Diktatur des Proletariats, rührt weiter die Trommel gegen die Sowjetrevisionisten und unterstützt auf der anderen Seite die imperialistische amerikanische Politik. Taucht die Frage auf : wer dominiert bei Dlledem? Die Linken Djiang Tjing, Dschang Tschun-tjiao, Wang Hung-wen und Yno Wen-yüan oder die Rechten mit Deng und seiner Bande, oder die Gemäßigten, die Opportunisten, die Revisionisten wie Tschou und sein Kreis? Es ist unmöglich, etwas Genaues zu sagen. China bewegt sich «nach dem Trägheitsgesetz», es heisst, es sei dabei, sich ökonomisch und militärisch zu stärken, doch dass es ideologisch und politisch einen richtigen Kurs ginge, können wir nicht sagen. Das chinesische Volk ist tapfer, klug. arbeitsam, doch politisch und ideologisch wird es nicht auf einem richtigen Kurs geführt.

Es heisst, die Linken dominierten in der Führung, doch in der Politik der Partei und des Staates können wir keine sichtbaren Veränderungen feststellen. Es heisst, es gebe zahlreiche Leute Lin Biaos, und das könnte stimmen: außerdem sagt man, Tschou En-lai hahc ausser bei Mao nicht viel Unterstützung gehabt. Man sprich? davon, Dengs Leute seien dabei, die Macht zu ergreifen, andere wieder sagen, dies gelte für Lins Leute, doch wem soll man nun glauben und wem nicht? Alles muss man ausgehend von ihrer Politik, ihrer Ideologie, ihren Handlungen bestimmen. Gerade die aber sind rätselhaft, unklar, beim einen wie beim andern.

Was zeigt das? Meiner Meinung nach zeigt das, dass die kommunistische Partei Chinas keine richtige marxistisch-leninistische Linie hat, dass es in ihr Strömungen, Fraktionen, Schwankungen, also keine Stabilität gibt, weil keine marxistisch-leninistische Einheit des Denkens und Handelns vorhanden ist. Die Partei hat nicht wirklich das Kommando. Die Armee geht voran, doch sie steht nicht unter dem Kommando der Partei; die Wirtschaft geht voran, doch ebenfalls nicht unter dem Kommando der Partei; eine Politik 7ird gemacht, doch sie wird nicht von der Partei geleitet und ist nicht auf marxistisch-leninistischem Kurs.

Die Menschen, die Gruppen, die Fraktionen, die sich hinter Maos Namen verschanzen, leiten, prallen aufeinander, sagen heute hü und morgen hott. Chinas Zukunft, Chinas Morgen liegt also im Ungewissen. Wohin geht China? Wohin wird es gehen und wie wird es gehen? Man weiss es nicht. Unter den gegebenen Verhältnissen ist dieser Zustand, und das habe ich auch schon früher gesagt, gefährlich für die Revolution, für den Weltfrieden, für dh Sozialismus.

Chinas Haltung unserer Partei und unserer Volksrepublik gegen über ist erklärlich. Wir rücken nicht von unseren richtige Positionen ab, denn wir lassen uns vorn Marxismus-Leninismus leiten. Die Haltung der Chinesen uns gegenüber dagegen ist schwanend. Die Basis in China mag uns, spricht gut über uns. Die Führung; dagegen hält es mit Sprüngen. Einst sprach sie gut, dann sprach sie überhaupt nicht. Es ist leicht begreiflich, leicht erklärlich, dass dies, Haltung uns gegenüber nicht prinzipienfest, nicht marxistisch-leninistisch ist. Können sich die chinesischen Führer ändern? Kann es später schönes Wetter» geben? Bei den Chinesen ist alles möglich. Wir sind wachsam und verteidigen unsere Partei, .ihre marxistisch-leninistische Linie und die Republik. Wie heute werden wir auch in Zukunft für die Revolution arbeiten.





FREITAG,

23. JANUAR 1976





ZÖGERN- BEI . DER BESETZUNG VON TSCHOU EN-LAIS

FUNKTION!



Tschou En-lais -Tod,. So lesen wir., hat im chinesischen Volk tiefe Betroffenheit und grosse Trauer- ausgelöst. Und dafür gab es Gründe, denn Tschou war für es, nach Mao Tsetung, der hervorragendste, arbeitsamste Mann; ein ausgezeichneter Organisator und kluger Staatsmann.

Seit Tschou En-lais Tod ist nun schon einige Zeit verstrichen, doch wir sehen nichts davon, dass ein neuer Ministerpräsident bestimmt würde. Ich meine, China darf nach dieser seelischen Erschütterung - nicht ohne. Führer- des höchsten Exekutivorgans bleiben. China ist ein grosses Land mit vielen komplizierten Problemen, die gelöst w erden müssen. In unseren sozialistischen Ländern ist die Führung natürlich kollektiv. Das gilt auch für China; da es jedoch in der Führung der Partei dort zu nicht wenigen Vorfällen gekommen ist, darf man nicht zögern, darf man nicht Fraktionen sich entwickeln lassen. Denn auch wenn man sagt und schreibt, es gebe keine Fraktionen, so gibt es doch den Geist, die Strömung und die Leute Liu Schao-tschis. Sie leben, arbeiten und haben als Rehabilitierte Funktionen inne, sie intrigieren auf jeden rall, versuchen, wenn sie es können, die Macht zu übernehmen.

Es gibt den Geist, die Strömung und die Leute Lin Biaos und Tschen Bo-das, sie leben, arbeiten, haben als Rehabilitierte oder «Unbefleckte» Funktionen inne und intrigieren auf jeden Fall, versuchen ebenso, wenn sie können, die Macht zu übernehmen.

Es gibt auch «gemäßigte», «diplomatische» Elemente, wie Tschou es war, der sich auf Mao stützte und von da nach dort schwankte.

Leute mit Tschous Ansichten gibt es jede Menge, sowohl in der Führung als auch an der Basis.

Schließlich sollte es in der Partei und in der Staatsmacht auch wahre Marxisten-Leninisten geben, die die Kommunistische Partei Chinas, die Diktatur des Proletariats leiten, festigen und stählen, konsequent den Klassenkampf fortsetzen müssten.

Nun zögert man aber anscheinend, einen Ministerpräsidenten zu bestimmen. Weshalb? Ist dieses Zögern auf Verfahrensfragen oder auf einen Fraktionskampf zurückzuführen? Letzteres wäre gefährlich, und je schneller auf marxistisch-leninistischem Weg eine richtige Lösung gefunden wird, desto besser für China. In China haben wir auch schon eine andere Praxis erlebt: während der Kulturrevolution leitete in China die Regierung ohne Minister, nur mit Vizeministern. Auch jetzt mag man ohne Ministerpräsident regieren, nur mit stellvertretenden Ministerpräsidenten und Deng Hsiao-ping als erstem stellvertretenden Ministerpräsidenten. Das ist Maos Taktik: man macht einen Versuch, wartet ab, lässt sich Zeit, entscheidet dann, welche Fraktion dominieren soll bzw. welche Fraktion durch eine andere entmachtet werden muss, um dann endlich zu Beschlissen. Eine solche Linie ist nicht kontinuierlich, nicht stabil, denn sie hängt von einer Person ab, auch wenn sie kollektiv genannt wird, auch wenn dem Prinzip nach der demokratische Zentralismus besteht. Warten wir ab, wie sich die Dinge entwickeln.





DONNERSTAG,

29. JANUAR 1976





DIE CHINESEN ARBEITEN AUF DIE BLOCKADE GEGEN

ALBANIEN HIN



Der wichtigste Mann unter den chinesischen Spezialisten im Met411urgischen Kombinat in Elbasan hat damit begonnen, in übler Absicht einige Bemerkungen fallen zu lassen, die jeder Grundlage entbehren und nach Provokation riechen. Er kam zum Direktor des

Kombinats und zum Parteisekretär und sagte ungefähr folgendes: «Eure Leute unten in dem und dem Betrieb sagen zu unseren Genossen (den Chinesen): 'Ihr könnt gehen, denn wir (die Albaner) brauchen euch nicht mehr, es gibt von euch (den Chinesen) zu viele.' Deshalb haben wir auch einige zurückgeschickt. Es wäre gut, wenn es weniger, dafür aber gute chinesische Spezialisten gäbe, als viele und schlechte», fuhr er fort. «Wir sind Brüder, schafft deshalb unten Ordnung», usw.

Unsere Leute machten natürlich grosse Augen und sagten erstaunt zu dem chinesischen Genossen: «Was sagt ihr da? Wir brauchen euch hier sehr, und zwar nicht nur die, die schon da sind, sondern sogar noch mehr. Auf keinen Fall dürfen die chinesischen Genossen weggehen. Falls ihr irgendeinen von ihnen abziehen wollt, entscheidet selbst und gebt uns dann Bescheid. Aber sagt uns

doch bitte, was waren das für Leute von uns, die so etwas ohne unsere Erlaubnis getan haben?»

Der Chinese antwortete ihnen: «Wir können euch keine Namen nennen, sonst ergreift ihr Massnahmen und bestraft sie.» Und setzte dann sogar noch hinzu: «Einer (ein Albaner) hat einem unserer Leute auch in einem Brief seine Ansicht mitgeteilt, er (der Chinese) könne gehen, Die Unsrigen sagten zu ihm: «Dass ihr uns nicht die Namen unserer Leute mitteilen wollt, dass ihr uns nicht einmal den Brief gebt, überrascht uns. Was sollen wir denn dann machen? Wie sollen wir dieses Rätsel lösen?»

«Ergreif t unten Massnahmen», sagte er.

«Aber gegen wen denn, wenn wir die Schuldigen gar nicht kennen? Und außerdem, wie könnt ihr denn nur von zwei oder drei Leuten ausgehen, die möglicherweise sogar Provokateure sind und Unfrieden zwischen uns stiften wollen? Wir meinen, dass ihr über diese Fragen, wenn es Probleme zu lösen gibt, mit uns, den Leitern, sprechen müsst, und wir mit euch.»

In Wirklichkeit ist dies eine Provokation gegen uns, mit dem Ziel, jener Fraktion in Peking, die uns nicht gut gesinnt ist und nach einem Vorwand sucht, um die Arbeit an den Werken in unserem Land und ihre Fertigstellung zu verzögern oder zu behindern, aus der Luft gegriffene Waffen an die Hand zu geben. Das sind keine persönlichen Provokationen, sie sind mit Sicherheit befohlen. Das ist wirtschaftlicher Druck, um dann, vor unserem 7. Parteitag, auch zu politischem Druck überzugehen. Wir durchschauen solche Akte klar, denn wir kennen sie von früher, von anderen. Auch jetzt wirft uns die rechte Fraktion in Peking «den Handschuh hin», damit wir ihn aufnehmen und sie uns dann beschuldigen können, wir hätten zuerst angegriffen.

Deshalb habe ich den Genossen geraten, in den Gesprächen mit ihnen kühlen Kopf zu bewahren. Ich sagte ihnen, der stellvertretende Bauminister solle ins Kombinat gehen und sich «kameradschaftlich und brüderlich», wie die Chinesen zu sagen belieben, mit ihnen unterhalten. Zunächst, so riet ich ihnen; sollten sie die Direktoren und Parteisekretäre der Betriebe des Kombinats fragen, aus denen Glie Chinesen weggegangen sind. Die Genossen taten das auch, und alle unsere Leute dort antworteten: «Die Chinesen selbst sind gekommen und haben uns gesagt, der oder der werde gehen», worauf sie ihnen gesagt hätten: «Sie dürfen auf keinen Fall gehen, wir brauchen sie dringend. Trefft deshalb bitte Massnahmen, dass sie bleiben.»

Es zeigt sich klar, dass diese Sache absichtlich aufgezogen wurde. Doch die in Peking machen noch etwas anderes, viel schwerwiegenderes. Ein Beamter des chinesischen Industrieministeriums teilte unserem Handelsattaché in China mit, die Nickel-Kobalt-Fabrik, die laut Vertrag in einem Zug gebaut werden sollte, solle nun «in zwei Phasen errichtet werden».

Das ist eine weitere grosse Provokation. Wir werden sehen, was sich daraus ergibt, werden wir doch auf der Einhaltung des Vertrags besteh en.

Die Raffinerie in Ballsh ist fertig bis auf zwei oder drei Kompressoren, deren Lieferfrist überschritten ist.

«Wir experimentieren gerade damit», sagen sie uns.

«Wie lange müssen wir denn noch warten, wann werden die Tests endlich abgeschlossen? Wie wäre es denn, wenn ihr sie in Westdeutschland für uns einkauftet?» fragten wir bei ihnen an.

«Nein, wir haben keine Devisen», antworten uns die Chinesen.

«Dann stellen eben wir diese Devisen bereit, das ist doch keine grosse Sache», sagen wir ihnen. Doch auch darauf gehen sie ~nicht ein.

Was hat das zu bedeuten?! Uns ist das klar. Das ist Sabotage, Druck. Die Chinesen arbeiten auf die Blockade gegen Albanien hin. Wir werden vorsichtig sein, denn sie wollen uns die Schuld anhängen.





MITTWOCH,

11. FEBRUAR 1976







MAO SCHALTET UND WALTET NACH BELIEBEN



In China wurde eine neue Dazibao-Kampagne gegen «wichtige Leute an der Macht» eingeleitet, die während der Kulturrevolution verurteilt worden waren, unaufrichtig Selbstkritik übten und rehabilitiert wurden. Diese ehemals Verurteilten, die wieder hochgekommen sind, sind -genau die, die gesagt haben : «Ob schwarze oder weisse Katze, Hauptsache, sie fängt Mäuse» (eine Aussage von Deng Hsiaoping). «Diese Leute», heisst es in den Dazibaos, «werden, wenn sie sich der Linie Mao Tsetungs entgegenstellen, das gleiche Schicksal erleiden wie Liu Schao-tschi», usw. usf. Es heisst, an der Peking-Universität seien 45 Dazibaos über Deng Hsiao-ping aufgehängt worden. Er ist «von der Bühne verschwunden», schon seit er Tschou En-lai das De profundis las. Die ausländischen Nachrichtenagenturen berichten, in den Dazibaos werde auch Tschou En-Jais «ökonomistische» Politik attackiert.

Li Tjiang, der Handelsminister, erklärte unseren Genossen, Li Hsiän-niän liege herzkrank im Krankenhaus. Warum hat er uns das gesagt? Was schert uns denn dieser Revisionist, dieser schillernde Lakai, ein chinesischer Führer, der unsere Partei und unser Land niemals mochte?

Bekannt ist, dass Deng Hsiao-ping inzwischen nicht mehr als erster stellvertretender Ministerpräsident hervortritt.

Die ausländischen Nachrichtenagenturen sprechen offen davon, die linke, die radikale Gruppe, die Schanghaigruppe, habe die Macht übernommen. Doch was wirklich vor sich geht, wissen wir nicht. Vor ein paar Jahren holte Mao Deng aus der Versenkung, rehabilitierte ihn, machte ihn zum stellvertretenden Parteivorsitzenden und stellvertretenden Ministerpräsidenten, der im Namen Tschou En-Jais schaltete und waltete. Und als Tschou im Krankenhaus war, machte er ihn zum Generalstabschef. Fehlte nur noch, dass er ihn, wie einst Lin Biao, zum «hervorragenden Waffengefährten des grossen Steuermanns» ernannte.

Was passiert nun? Mao stürzte Deng erneut. Wird er einen anderen auf den Schild :eben, um ihn dann eines Tages wieder zu stürzen und mit irgendeinem neuen Deng anzukommen? Was dort geschieht, ist ganz unverständlich, oder besser gesagt, man begreift, dass Mao schaltet und waltet, einsetzt, wen er will, den einen fallenlässt, den andern fördert die zwei Linien in der Partei und in der Staatsmacht beibehält uni anspornt. Jeder Parteitag in China hatte dieses Ziel, und Mao sorgt dafür, dass eine Gruppe von Machthabern gestürzt wurde und eine andere an ihre Stelle kam. Diese Politik ist opportunistisch, nicht revolutionär, nicht marxistisch-leninistisch. Sie weckt nicht Verrauen, im Gegenteil, sie diskreditiert und sabotiert den Aufbau eines wahrhaft sozialistischen Systems, eines Staats der Diktatur des Proletariats mit einer marxistischleninistischen Linie. Die chinesische Linie ist typisch kleinbürgerlich, verbrämt mit marxistischleninistischen Phrasen und Schlagworten. Die Fassade ist rot und wird so propagiert, der Inhalt jedoch ist weder rot noch sozialistisch. Und zu all dem lässt sich beim besten Willen nicht anders sagen, als: der Architekt dieses Gebäudes ist der grosse Steuermann».







MITTWOCH,

25. FEBRUAR 1976





CHINESISCHES RÄTSEL, MAOISTISCHER WIRRWARR



In China gär t es. Gleich nach Tschou En-lais Einäscherung brach mit aller Kraft ein Feldzug gegen die Rechten los, gegen die «wichtigen Leute in der Führung, die den kapitalistischen Weg eingeschlagen haben», gegen diejenigen, die «gegen die Kulturrevolution waren», gegen «diejenigen, die rehabilitiert wurden und erneut den Kampf gegen die Linie des grossen Steuermanns aufnahmen». Die Zeitungen und Zeitschriften sind voll von Artikeln, in denen diese Strömung, diese «Pest» gebrandmarkt wird. Nach chinesischer Sitte werden vorläufig noch keine Namen genannt, doch man setzt «Chinas zweitem Chruschtschow», der «Hauptfigur nach Liu Schaotschi», einem «Feind wie Liu und Lin» und dergleichen mehr den Hut auf. Selbstverständlich ist die Rede von Deng Hsiao-ping. Seit einem Monat ist er nicht mehr auf der Bildfläche erschienen, es ist aus mit seinem Ruhm, die Empfänge und Verabschiedungen als Stellvertreter des Ministerpräsidenten Tschou En-lai hat nun ein anderer übernommen, ein Feng oder Fang, dessen Namen wir uns noch nicht eingeprägt haben, kommen doch diese Leute heute hoch und stürzen morgen wieder. Das ist Maos Taktik: Deng entlarvt er nicht, und in dem Neuen sieht er auch nicht den Ministerpräsidenten.

Für mich ist klar, dass der Schlag gegen Deng sich auch gegen Tschou En-lai, Li Hsiän-niän und ihre Gruppe richtet. Doch wer führt den Schlag gegen sie? Mao?! Ich glaube nicht. Mao ist Opportunist. Es heisst, es seien die «Linken, Radikalen» wie Wang Hungwen, Djia.ng Tjlng, Yao Wen-yüan und Dschang Tschun-tjiao. Das ist absolut möglich. Doch wie lange, wie weit wenden sie diese Kampagne führen? Man weiss es nicht, das ist Maos Sache, der bis gestern Tschou die Stange hielt, während er heute ihnen, den .,Linken» sagt: «Macht ihr nur eure Revolution.»

Was aber hat sich in diesem ganzen Durcheinander geändert? Was ändert sich? Wechseln die Leute, ändert sich die Politik oder die Ideologie? All das geht von Tag zu Tag mehr nach rechts, besonders die Aussenpolitik, die von der Ideologie ihren Anstoss erhält, geleitet wird. Nichts gerät in Bewegung, die Amerikaner bleiben Freunde der Chinesen, die Sowjets Feinde. Doch auch in der proamerikanischen Politik Maos machen sich unvorstellbare Absonderlichkeiten bemerkbar. Während die «linke Kampagne» läuft, und es in China wie in einem Kessel brodelt, wird Amerikas Expräsident Nixon, der Watergate-Gauner, der übelste Antikommunist und Faschist, nach China eingeladen und auf dem Flughafen vom Ministerpräsidenten mit einem Anhang von vielen tausend Menschen empfangen, die amerikanische Fahnen schwenken und ihm zujubeln!!!

Das ist das chinesische Rätsel, der maoistische Wirrwarr.

Für die ganze Welt ist dies unbegreiflich - mit gutem Grund. Meine Erklärung dafür ist die: Mao ist mitsamt den ihm nahestehenden Genossen von allen guten Geistern verlassen. Er glaubt, er betreibe eine grosse, kluge Politik. Seine Absicht, sein strategisches Ziel ist: die Widersprüche zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion vertiefen. Die Sowjetunion hält er für den Hauptfeind, deshalb haben wir, seiner Meinung nach, alle T1-räfte gegen ihn zu sammeln. Mao sagt: «Der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion wird in Europa stattfinden.»

Bei Nixon war sich Mao ziemlich sicher, dass diese seine Strategie durchgehen würde, doch in diesem Fall ist er in der Tat «hereingefallen». Bei Ford dagegen ist er sich nicht sicher, deshalb hat er íhn kühl empfangen. Auch Ford seinerseits trat offen gegen Maos Strategie auf. Da will nun der «geniale» Mao «Ford und die Vereinigten Staaten von Amerika schockieren», all die in den neuen Skandal um die Schmiergelder von Nixon und seiner Regierung verwickelten faschistischen Regierungen und Staatsmänner in Europa und überall sonst auf seine Seite ziehen - und lädt Nixon nach China ein, wo man ihn mit großem Pomp empfängt, so als sei er noch Präsident. Und tatsächlich will Mao mit dem, was er da tut, zum Ausdruck bringen, dass er nicht einverstanden ist mit den Anklagen gegen den «wunderbaren» Nixon, sagen: «Wenn ihr Amerikaner an einem guten Verhältnis zu China interessiert seid, müsst ihr Nixons Politik verfolgen, der, auch wenn er nicht Präsident ist, die amerikanischen Konzerne zu grossen Geschäften mit dem sozialistischen China drängt.» Der ganzen Welt dagegen sagt Mao: «Lasst mich in Ruhe! Ich bin der Vertreter eines grossen Staates und weiss, was ich tue!»

Anders können wir uns diese Dinge nicht erklären. Ob wir recht haben oder nicht, wird die Zeit erweisen.

Was den Verlauf der Ereignisse in China betrifft, so kann ich daraus folgendes ableiten: Vor allem ist Mao Tsetung kein konsequenter Marxist-Leninist, obwohl man ihn «Theoretiker», «Philosoph», ja sogar «Klassiker» des Marxismus-Leninismus genannt hat. Er neigt zum rechten Flügel der Linken. In Wirklichkeit ist er kein Mann der Tat.

Als Mao an die Spitze der Partei kam, erwies er sich als der Rechteste der Linken, seine wirklichen Positionen waren zentristisch, sie bremsten weder die Linksradikalen, noch waren sie ein Schlag für die Rechten. Die Rechten, ,besonders einige Hauptführer dieses Flügels, schaltete er nach aussen hin aus, liess sie aber zugleich in Villen «vegetieren» und gab ihnen auch ihr Gehalt, ob nun im Inland oder im Ausland wie Wang Ming in Moskau. Die Linken duldete er so lange, bis sie die Macht ergriffen. In der Zeit nach der Befreiung leiteten Liu Schao-tschi, Deng Hsiao-ping, Tschou En-lai und ihr Flügel China, die Partei, die Wirtschaft, die Armee unter der Fahne Maos, den sie zum Gott machten und im Tempel einschlossen. Mao wurde zwar göttlich, hatte aber in Wirklichkeit nichts zu sagen. Doch stand Mao etwa in Opposition zu ihnen? Nein, er billigte ihre Ansichten, weil sie seinen Anschauungen entsprachen.

Diese «Linken» wollten weitergehen und waren bemüht, dementsprechend zu handeln: die «Linken» verwandelten sich auf einmal in Rechte, sie zahlten den Kapitalisten, die Leitungsposten behielten, weiter Renditen und waren einig mit den Chruschtschowianern. Dies gefiel Mao nicht, der in Worten eifrig für Chruschtschow war. Als der jedoch China nicht die Atombombe gab und nach Washington reiste, um mit den Amerikanern Freundschaft zu schliessen, da war Mao empört, wollte er sich doch selbst mit den Amerikanern verbinden. Da er aber sah, dass im Land das Trio LiuDeng-Tschou die Macht hatte, blieb Mao nichts anderes übrig, als die Hungweibings in die «Revolution» zu werfen, seine Fama auszuschlachten, um die «Hauptquartiere» anzugreifen.

So kam es zur Kulturrevolution. Liu und Deng wurden entlarvt, während Tschou als der «Seiltänzer», der er war, das sinkende Schiff «Liu-Deng» verliess und Lin Biaos «Rotes Buch» erhob, ohne dabei auch nur ein Jota von seinen rechten Anschauungen abzugehen. Tschou erwies sich als Organisator, Wirtschaftler, Politiker, doch als wankelmütiger Politiker. Liu brauchte ihn, und Tschou diente ihm. Nach dem Sturz von Liu-Deng brauchte auch Mao Tschou, behielt ihn also auch während der Kulturrevolution an der Spitze der Regierung, beschützte ihn sogar vor den Angriffen dieser Revolution. Während dieser ganzen Zeit des Chaos bewies Tschou, wie geschickt er manövrieren konnte. Er kam unter den Pantoffel von Mao, Djiang Tjing, Lin Biao und bemühte sich zugleich, seine Stellung zu festigen, was Mao recht war, hatte er doch keinen anderen von Tschous Kaliber, der ihm die Arbeit machte.

Unter diesen Umständen, während all dies geschah, sammelte Tschou alle seine Leute, die Leute Lius und Dengs um sich, katzbuckelte vor Lin Biao und wurde so zum Feuerlöscher der Kulturrevolution. Lin wurde zum Teufel gejagt, während Tschou mit seinem Apparat der «Erste» hinter Mao blieb, der in seinem Turm sass. Tschou wurde auch in dieser Periode unersetzlich für Mao. Er erstickte die Revolution, rückte die Wirtschaft an die erste Stelle, brachte seine Kader an die Macht und wartete auf Maos Tod, um dann das gesattelte Pferd zu besteigen. Nun kamen aber einige Junge in die Partei- und Staatsführung. Tschou akzeptierte sie, weil sie «Gewächse» der Kulturrevolution waren, hoffte aber, sie später abernten zu können. Ob Mao wohl wusste, wer Tschou war? Meiner Meinung nach schon, doch er brauchte Tschou und passte sich seinen polltisch-ideologischen Schwankungen an.

Beide, Mao wie Tschou, sorgten für die Zukunft. Mao für seinen Teil brachte einige Junge in die Führung, um sie im Schatten seines eigenen Kults zu formen. Für Mao stellten sie den «linken Flügel» seines ideologischen Spiels dar. Der an Krebs er krankte Tschou kümmerte sich ebenfalls um Erben für später. Es war demnach nur natürlich, dass Deng Hsiao-ping rehabilitiert werden musste, um als künftiger «Chef der rechten Linie» Tschous Kurs fortzuführen. Mao segnete diese Initiative Tschous ab, denn er wusste, dass dieser sterben würde, und dachte, im Vergleich zu Tschou sei Deng, der in der Kulturrevolution bereits entlarvt worden war, weitaus weniger gefährlich. So setzte sich Deng in Trab und hielt Schritt mit dem Herannahen von Tschous Ende.

Tschou starb. Mao war ein Stein aus dem Weg geräumt, ebenso den Jungen, die mit Maos «Erlaubnis» Dengs Entlarvun.g begannen. «Eine kleine Revolution, bei der kein Blut vergossen wurde», sondern Tinte. Denn Mao weiss wohl, dass die Jungen mit älteren und alten Kadern zusammen regieren müssen, die in ihrer überwiegenden Mehrzahl auf Tschou En-Jais Linie standen und stehen. Also: «Jagt einige der wichtigsten Leute davon, danach setzt das alte Spiel der zwei Linien fort. Wenn die Linken allzu radikal geworden sind, lassen wir die Rechten von der Kette, und so weiter.»





MITTWOCH,

3. MARZ 1976



DIE GEGENWART IST UNDURCHSICHTIG - MAN WEISS

NICHT, WAS DIE ZUKUNFT BRINGEN WIRD



In China wird ein Riesenlärm veranstaltet gegen den «neuen Chruschtachow Chinas», gegen die «rechten Feinde», die «Agenten der Kuomintang», gegen jene, die «die Macht ergreifen wollen», die «Spaltung ins Zentralkomitee der Partei getragen haben», die «gegen die Linie Mao Tsetungs sind» usw. Wer ist dieser Feind? Es ist Deng Hsiao-ping, das «kleine Goldstück», wie ihn Mao nannte, der durch die Kulturrevolution als «Feind Nr. 2 Chinas» nach Liu Schao-tschi entlarvt und vor drei Jahren von Mao nicht nur rehabilitiert, sondern sogar zum ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt wurde, also praktisch zum Ministerpräsidenten (da Tschou im Sterben lag). Mao ernannte ihn auch zum Mitglied des Politbüros, zum stellvertretenden Parteivorsitzenden und zum Generalstabschef. Und jetzt? Krach! Bum! Die Festung, der Dengkult, wurde geschleift. Es war Mao, der sie schleifte, heisst es. Doch warum hob er Deng auf den Schild, um ihn dann zu stürzen? «Weil er Verschwörung betrieb, weil seine Selbstkritik unaufrichtig war.» Der «grosse Steuermann» ist sehr wachsam!

Wer beherrschte China: Mao Tsetung und Tschou En-lai? Oder leitete die Kommunistische Partei Chinas? Schwer zu entscheiden. Doch wie sich in der Praxis zeigt, eher die .beiden als die Kommunistische Partei Chinas. Mao war das Banner, in Wirklichkeit war Liu aktiv und herrschte. Dann wurden Liu und Deng gestürzt und es kamen Lin Biao und Tschen Bo-da. Auch sie wurden gestürzt, und Tschou regierte mit Li Hsiän-niän und den Rechten, die Deng und seine Kumpane rehabilitierten. Auf einen Schlag wurde Deng allmächtig! Aus dem Erziehungslager wurde er direkt in die UNO, nach Frankreich und an die Spitze der «dritten Welt» geschickt, Deng gab den sowjetischen Hubschrauber und die Spione frei und versetzte dem sozialistischen Albanien sowohl in der- Wirtschaft als auch in der Militärhilfe Schläge. Deng war bis in die Wolken geklettert, er griff nach dem Himmel, doch eines ''Tages starb Tschou En-lai. Deng fand sich unten wieder, am Fuss dir Leiter...!

Man begann also nach chinesischer Sitte mit Dazzibaos ohne Adressaten, doch letzthin tauchen auch schon die Nannen sowohl des «Schwiegersohns als auch des Schwiegervaters», sowohl Dengs als auch Tschous auf. Der Name des Letzteren jedoch sehr zaghaft, denn Tschou ist tatsächlich das Haupt der Rechten und sehr gut angeschrieben bei der inneren und internationalen Bourgeoisie, die von ihm gesagt hat, er sei «der Klügste, der Höflichste, der gewitzteste Diplomat, ein echter Mandarin». Das Tamtam geht weiter;, doch euch Deng behält weiter seine Posten. Zusammen mit Li Hsiäni-niän ist er zwar in den Schatten getreten, doch wer weiss, vielleicht leistet das «kleine Goldstück» eine weitere Selbstkritik, und der «grosse Steuermann» verzeiht ihm noch einmal.

Wie dem auch sei, was geschehen wird, kann niemand voraussehen. Die chinesische Politik hat ihre spezielle Ideologie mit chinesihen scher Bezeichnung, sie hat ihre eigene, ebenfalls chinesische Strategie und Taktik! Man weiss nicht, was die Zukunft bringt, und heute herrscht das Chaos! Einerseits «kämpft» das chinessische Volt gegen die Rechten, auf der anderen Seite platzte es fast vor unbändiger Freude und hemmungsloser Begeisterung beim Anblick dei Faschisten, des ehemaligen Gaunerpräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Nixon. Das ist Maos «geniale» Politik. Hier ist man mit seinem «Latein» am Ende: Mao war erst für Chruschtscchow, da" gegen ihn, umso mehr, als dieser nach Washington fuhr; später küsste er sich höchstpersönlich mit Nixon ab. Tschou, der es mehr mit Liu und Chruschtschow gehalten hatte, vereinigte sich mit Mao gegen Chruschtschow und für die Vereinigten Staaten vom America. Es kam Deng, der als Mitarbeiter Lius prosowjetisch eingestellt seil musste. Doch er wurde proamerikanisch, weil er sich tarnen, so tun musste, als sei er in jedem Fall auf Maos Seite.

Was wird nun geschehen? Das, was Mao sagt! Es heisst, die Linken seien dabei, die Macht zu ergreifen, doch das Verhältnis mit Amerika wird noch unzertrennlicher, da «das arme Ding» angeblich «geschwächt ist und Hilfe braucht», weil die Sowjets gefährlich werden.

In China herrscht gegenwärtig ein Tohuwabohu. Die Chinesen erklärten den Genossen unserer Botschaft: «Wir sind nicht in der age, die albanischen Studenten vor der Reaktion zu schützen.» Wer hat also die Situation dort in der Hand, die Kommunisten oder die Reaktion? «Man muss das Wasser aufrühren, damit es sich klärt», hat Mao gesagt. Warten wir also ab, bis es sich klärt.





VLORA, DONNERSTAQ,

1. APRIL 1976





WO STAND CHINA UND WO GEHT ES HIN?





China wurde und wird von den Chinesen «Tsung Go» genannt, auf französisch «l'Empire du Milieu» (so nannte man es schon in uralter Zeit). Also : «das Reich der Mitte». Warum aber «Reich der Mitte»? Weil die Chinesen über Dutzende von Jahrhunderten hinweg (es gibt archäologische Funde, die 5 000 Jahre alt sind) ihr Land für den «Mittelpunkt der Welt» hielten. Dieser «Mittelpunkt der Welt» hatte eine grosse, uralte Kultur, nicht erst, seit Marco Polo es festgestellt hat. Sie ist möglicherweise älter als die der Ägypter und der Sumerer, die als die Völker mit der ältesten Kultur der Erde angesehen werden.

Selbstverständlich ist dieses Wort «Tsung Go», das die Chinesen noch immer weiterverwenden, keine bloss historische Bezeichn ung, sondern Ausfluss einer Weltanschauung, die sich in vielen tausend Jahren durch alle chinesischen Generationen hindurch herausgebildet hat und, bewusst oder unbewusst, auch heute noch erhalten ist.

Die Religionen des Buddhismus und des Konfuzianismus, auf den «aufmerksam zu machen», den «zu bekämpfen» Mao Tsetung allzuspät eingefallen ist (und das verband er dann auch noch mit dem Kampf gegen Lin Biao), haben bei den Chinesen zusammen mit ihren mystisch religiösen und philosophischen Weltanschauungen, ihren Organisations- und Leitungsformen, ihren geschriebenen und ungeschriebenen Sitten auch die Idee des «Tsung Go» verwurzelt. Natürlich wurde die alte chinesische Kultur nicht zur Kultur des chinesischen Volkes, sondern blieb eine Kultur der Mandarine. Die Schriftsprache blieb das Privileg der Kaiser und der Mandarine, der «Kriegsherren», die Chinas Völker unterdrückten und ihnen das Blut aussaugten.

Im Verlauf seiner Geschichte wurde China oft von Fremden angegriffen und kämpfte gegen sie, doch oft übten die Fremden dort auch ihren Einfluss aus und schufen eine eigene Organisation und Leitung. Doch wenn die Kultur der Besatzer auch ihre Spuren hinterlies, so vermochte sie doch die reiche und uralte chinesische Kultur nicht zu assimilieren. Natürlich geschah das Gegenteil.

Die Religion hatte in China ihren eigenen Kult hervorgebracht, den Kult des Buddhismus. Und mit diesem verknüpfte sie den Kult des «Tsung Go», sie nährte und verstärkte bei den Chinesen die Theorien des Konfuzius. Der Buddhismus und der Konfuzianismus züchteten dort eine Feindlichkeit allem Ausländischen gegenüber, wie auch den Grössenwahn in bezug auf alles, was zu ihnen, zum «Tsung Go» gehörte. Alles war mit diesen religiösen und ethischen Welt

anschaujungen verknüpft. Das und die jahrhundertslange grosse Armut machte den von den Kaisern und Feudalen unterdrückten chinesischen Bauern fatalistisch, arbeitsam und diszipliniert, patriotisch, xenophob, irgendwie verschlossen, argwöhnisch gegenüber Fremden, seien es Landsleute oder Ausländer. Er handelte immer so, drückte seine Gedanken immer so aus, dass es schwer war, seine «wirkliche Meinung herauszufinden, zu erkennen, worum es ging. Mit anderen Worten, im Denken und Handeln war der Chinese nicht offen, nicht aufrichtig, sondern gewiegt im Herauswinden und listenreich. Und oft genug verwandelten sich diese ursprünglich der Verteidigung dienenden Merkmale in eine Angewohnheit, zu heucheln.

Doch im Lauf der Jahrhunderte, besonders in unseren Tagen, änderten sich der Charakter, der Glaube und die Sitten der Menschen, sie machten eine tiefgreifende Evolution durch, allerdings ohne ihre alten Merkmale völlig einzubüssen. Auch nach der endgültigen Befreiung von den Fremden, nach der Schaffung der

Volksrepublik China, nach der von der Kommunistischen Partei Chinas geführten Revolution blieb China bis zu einem gewissen Grad ein «verschlossenes» Land. Unter der Maske einer volksdemokratischen Regierungsform und unter Leitung und Führung der Kommunistischen Partei Chinas und Mao Tsetungs nahm China trotz der Umwälzungen, die sein Volk durchführte, doch eine misstrauische Haltung ein. Es knüpfte «Freundschaften», doch sie waren zeitwei1?g. Seine Türen wurden bzw. blieben der fortschrittlichen Weltkul















VLORA, DONNERSTAG,

1. APRIL 1976





WO STAND CHINA UND WO GEHT ES HIN?



China wurde und wird von den Chinesen «Tsung Go» genannt, auf französisch «l'Empire du Milieu» (so nannte man es schon in uralter Zeit). Also: «das Reich der Mitte». Warum aber «Reich der Mitte»? Weil die Chinesen über Dutzende von Jahrhunderten hinweg (es gibt archäologische Funde, die 5 000 Jahre alt sind) ihr Land für den «Mittelpunkt der Welt» hielten. Dieser «Mittelpunkt der Welt» hatte eine grosse, uralte Kultur, nicht erst, seit Marco Polo es festgestellt hat. Sie ist möglicherweise älter als die der Ägypter und der Sumerer, die als die Völker mit der ältesten Kultur der Erde angesehen werden.

Selbstverständlich ist dieses Wort «Tsung Go», das die Chinesen noch immer weiterverwenden, keine bloss historische Bezeichn ung, sondern Ausfluss einer Weltanschauung, die sich in vielen tausend Jahren durch alle chinesischen Generationen hindurch herausgebildet hat und bewusst oder unbewusst, auch heute noch erhalten ist.

Die Religionen des Buddhismus und des Konfuzianismus, auf den «aufmerksam zu machen», den «zu bekämpfen» Mao Tsetung allzuspät eingefallen ist (und das verband er dann auch noch mit dem Kampf gegen Lin Biao), haben bei den Chinesen zusammen mit ihren mystisch religiösen und philosophischen Weltanschauungen, ihren Organisations- und Leitungsformen, ihren geschriebenen und ungeschriebenen Sitten auch die Idee des «Tsung Go» verwurzelt. Natürlich wurde die alte chinesische Kultur nicht zur Kultur des chinesischen Volkes, sondern blieb eine Kultur der Mandarine. Die Schriftsprache blieb das Privileg der Kaiser und der Mandarine, der «Kriegsherren», die Chinas Volker unterdrückten und ihnen das Blut aussaugten.

Im Verlauf seiner Geschichte wurde China oft von Fremden angegriffen und kämpfte gegen sie, doch oft übten die Fremden dort auch ihren Einfluss aus und schufen eine eigene Organisation und Leitung. Doch wenn die Kultur der Besatzer auch ihre Spuren hinterlies, so vermochte sie doch die reiche und uralte chinesische Kultur nicht zu assimilieren. Natürlich geschah das Gegenteil.

Die Religion hatte in China ihren eigenen Kult hervorgebracht, den Kult des Buddhismus. Und mit diesem verknüpfte sie den Kult des «Tsung Go», sie nährte und verstärkte bei den Chinesen die Theorien des Konfuzius. Der Buddhismus und der Konfuzianismus züchteten dort eine Feindlichkeit allem Ausländischen gegenüber, wie auch den Größenwahn in bezug auf alles, was zu ihnen, zum «Tsung Go» gehörte. Alles war mit diesen religiösen und ethischen Weltanschauungen verknüpft. Das und die jahrhundertlange grosse Armut machte den von den Kaisern und Feudalen unterdrückten chinesischen Bauern fatalistisch, arbeitsam und diszipliniert, patriotisch, xenophob, irgend wie verschlossen, argwöhnisch gegenüber Fremden, seien es Landsleute oder Ausländer. Er handelte immer so, drückte seine Gedanken immer so aus, dass es schwer war, seine wirkliche Meinung herauszufinden, zu erkennen, worum es ging. Mit anderen Worten, im Denken und Handeln war der Chinese nicht offen, nicht aufrichtig, sondern gewiegt im Herauswinden und listenreich. Und oft genug verwandelten sich diese ursprünglich der Verteidigung dienenden Merkmale in eine Angewohnheit, zu heucheln.

Doch im Lauf der Jahrhunderte, besonders in unseren Tagen, änderten sich der Charakter, der Glaube und die Sitten der Menschen, sie machten eine tiefgreifende Evolution durch, allerdings ohne ihre alten Merkmale völlig einzubüssen. Auch nach der endgültigen Befreiung von den Fremden, nach der Schaffung der Volksrepublik China, nach der von der Kommunistischen Partei Chinas geführten Revolution blieb China bis zu einem gewissen Grad ein «verschlossenes» Land. Unter der Maske einer volksdemokratischen Regierungsform und unter Leitung und Führung der Kommunistischen Partei Chinas und Mao Tsetungs nahm China trotz der Umwälzungen, die sein Volk durchführte, doch eine misstrauische Haltung ein. Es knüpfte «Freundschaften», doch sie waren zeitweilig. Seine Türen wurden bzw. blieben der fortschrittlichen Weltkultur verschlossen, und alles, jede Evolution, versuchte es, unter «hermetischem Abschluss» zu machen. Alles Ausländische, auch die marxistisch-leninistische Theorie, die man als «führende Idee übernahm, erfuhr Veränderungen, und zwar auf eklektizistische, angeblich auf die Bedingungen Chinas zugeschnittene Art und Weise.

Auch nach dem Sieg der Revolution nahm die chinesische Kultur keine stürmische Entwicklung. Es gab nicht einmal eine Säuberung von den alten rückschrittlichen und reaktionären Theorien, die für eine nationale und revolutionäre Kultur nötigen soliden Grundlagen wurden nicht gelegt. Tatsache ist, dass nach der Grossen Kulturrevolution, die andere Ziele hatte, Parolen ausgegeben und einige «revolutionäre Ballette» geschaffen wurden, die man als das Allerhöchste, als die Grundlagen einer revolutionären Kultur wertete.

Die gesamte chinesische Kultur war und bleibt eingeschnürt in die alte konfuzianische Kultur. Was die Maoisten «revolutionäre Kultur» nennen, ist alltägliche politische Zeitungspropaganda. Die Schulen bleiben entweder geschlossen, oder man pfropft dort oberflächliches Wissen auf. Die «Kultur» wird beschränkt auf den Kampf gegen Gao Gang, Peng Dö huai, Liu Schao-tschi, Lin Biao und Deng Hsiao-ping, nicht zu vergessen Konfuzius, in dessen Topf man bei dieser Gelegenheit all diese Bosse steckt.

Die ideologisch-politische Tätigkeit der Kommunistischen Partei Chinas ist merkwürdig, und das nicht ohne Grund. Sie hat sich abgekapselt gegenüber dem Ausland, insbesondere gegenüber den Kommunistischen und Arbeiterparteien, den Bruderparteien. Meiner Ansicht nach gibt es dafür eigene Gründe grundsätzlicher Natur. «Unsere schmutzige Wäsche waschen wir im eigenen Haus, die anderen brauchen nichts davon zu wissen.» In der Kommunistischen Partei Chinas wurden seit ihrer Gründung Linienfehler begangen, die tiefe Spuren hinterlassen habein und dazu führten, dass die Linie der Partei unbeständig ist, mit einem ausgeprägten rechtsopportunistischen Zug. Doch welche Fehler wurden nun tatsächlich gemacht und welchen Charakter tragen sie? Dazu gibt es kein Dokument, keine Analyse. Man findet politische Artikel voller allgemeiner Formeln, in denen die Namen der «wichtigsten parteifeindlichen Elemente» aufgezählt werden. Die Kommunistische Partei Chinas hat ihre Geschichte noch nicht offiziell niedergeschrieben. Es gibt unzusammenhängende, episodische Schriften, die vollkommen unverbindlich geschrieben sind. Sie werden heute vertrieben und morgen aus dem Verkehr gezogen, und andere Schriften mit anderen Ideen erscheinen. Öffentlich bekannt sind nur die Berichte ihres 8., 9. und 10. Parteitags. Sie alle und nur sie betrachtet man als richtig. Kein Absatz wurde daraus entfernt, obwohl sie gewaltige Fehler enthalten. Sie stehen unter dem Zeichen Maos, denn es waren ja die Fehler Maos, Lius, Dengs und Tschous. Wenn also die Fehler in der Linie bereinigt würden, was passierte dann wohl mit der Autorität von Mao, der an der Spitze der Partei stand?

Dann gibt es auch noch die vier Bände mit Schriften Maos aus der Zeit des Kriegs. Sie wurden gesammelt, «zurechtgemacht und ausgeschmückt», damit man meinen soll, sie gründeten auf der marxistisch-leninistischen Theorie. Diese Schriften erschienen einige Jahre nach der Befreiung 'Chinas, und es heisst, sie seien von dem sowjetischen Philosophen Jüdin, der Botschafter in China war, zurechtgebogen worden. Andere Werke Maos gibt es nicht. Man kämpft mit seinen alten eklektischen Zitaten. Was hat dieser «grosse Theoretiker» während all dieser Jahre getan? Gedanken geäussert, gesprochen, für eine Reihe grosser Probleme eine Lösung gefunden? Fast nichts davon ist veröffentlicht. Nur dass man in der Propaganda die «Maotsetungideen» mit dem Marxismus-Leninismus gleichsetzt. Es gibt sogar Lakaien Maos, die sein Bild in der Reihe der Klassikerfotografien hinter Engels und vor Lenin gesetzt haben.

Was ergibt sich aus alledem? Dass in der Entwicklung und im Kampf der Kommunistischen Partei Chinas die Wahrheit verschleiert und Mao Tsetung künstlich hochgespielt wird. Die Fahne des antimarxistischen chinesischen Größenwahns wurde entfaltet, der Maokult ist auf das Mass des Konfuziuskults angewachsen. Alles, was Mao tut, alles, was er sagt, ist «richtig». Alle haben sich dem zu fügen, was Mao sagt. Vernunft ist nicht erlaubt, nur Fanatismus.

Ich habe schon betont, dass in der Kommunistischen Partei Chinas von Beginn an viele Linienfehler begangen wurden. Doch auf welchen Grundlagen wurde die Partei in China gebildet? Man weiss es nicht. Mao selbst hat darüber nichts oder nur wenig geschrieben, doch auch dieses Wenige ist unbekannt. In den vier veröffentlichten Maobänden werden Fragen der Politik und der Linie de: Partei behandelt, ist von ihrer Organisierung die Rede. Mao versucht darin, Marx und Lenin zu paraphrasieren, gibt aber allem den Anstrich einer theoretischen Lektion mit der Absicht, Kader zu erziehen bzw. als anerkannter Theoretiker zu erscheinen und sich als 'solcher aufzuspielen. Der aktive Kampf der Partei, die Fraktionskämpfe, der Klassenkampf innerhalb und außerhalb der Partei findet darin keinen oder nur sehr wenig Niederschlag. Nein, darin sind zwar angeblich seine Theorien, doch in Wirklichkeit sind das nur bruchstückhafte Paraphrasen von Marx oder Lenin. Stalins Gedanken sind in diesen Bänden nicht zu finden. In China findet man Stalin nur auf einem Porträt am Tienanmenplatz.

In der Kommunistischen Partei Chinas hat es viele Fraktionen gegeben. Das lag daran, dass der Marxismus-Leninismus nicht uneingeschränkt die Grundlinie der Partei war. So muss es schon bei der Gründung der Partei gewesen sein, denn ihre Protagonisten, Mao, Tschou En-lai, Tschu Teh, ganz zu schweigen von den Li Lisans und den anderen, waren keine geformten Marxisten und unternahmen auch nicht die erforderlichen Anstrengungen, sich den Marxismus-Leninismus anzueignen. Sie wollten die nationale und soziale Befreiung Chinas, doch die Idee des Kommunismus und seine Ideologie dürften diesen Genossen nicht klar gewesen sein.

Chinas Abkapselung schloss auch Mao und Tschou in dieser Umgebung ein. Sie blickten nicht über China hinaus, und gewiss verquiekten sich in ihren ursprünglichen Vorstellungen, die sie zur Revolution führten, viele nationale, bürgerliche, demokratische, fortschrittliche und mystische Ansichten. Was die Republik Sun Yatsens anbelangt, von der sie positiv reden, so gibt es keinerlei klares Material der Kommunistischen Partei Chinas, in dem wir auch nur die geringste kritische Stellungnahme finden würden. Heute wie damals werden die Dinge im Nebel belassen, gibt es Meinungen und Interpretationen jeder Art. Das heisst: «Pick dir heraus, was dir passt.» Was über diese revolutionäre und fortschrittliche Epoche geschrieben wurde, stammt mehr und hauptsächlich von Ausländern. Für die Chinesen fängt Chinas Erwachen und Kampf bei Mao an und endet 'bei Mao.

Sun Yat-sen war eine grosse Persönlichkeit, er hatte ein richtiges Verständnis vom Wert der Freundschaft mit der Sowjetunion Lenins, der China die Hand reichte und ihm Hilfe und Unterstützung gab. Die Kommunistische Partei Chinas war zu jener Zeit gerade erst gegründet worden, und ihr Einfluss unter den Massen war natürlich gering, während Sun Yat-sen und die Kuomintang grossen Einfluss hatten. Über die Tätigkeit der Kommunistischen Partei Chinas zu jener Zeit, wie sie sich mit ihnen verband und wie sie kämpfte, können wir keinerlei sichere Aussagen treffen, bzw. wir können uns bei unseren Aussagen nur auf das stützen, was die Ausländer geschrieben haben, denn nur sie hatten Analysen gemacht. Ihre Analysen lassen sich allerdings von anderen Prinzipien und Absichten leiten, so dass wir uns nicht auf sie stützen können. Die Tatsachen belegen, dass die Sowjetunion zu Lebzeiten Lenins und Stalins die Freundschaft mit China und der Kuomintang wahrte und pflegte, sowohl als Sun Yat-sen noch lebte, als auch, eine Zeitlang, nachdem Tschiang Kai-schek an seine Stelle getreten war.

Die chinesischen Kommunisten arbeiteten auf dieser Linie mit der Kuomintang zusammen, doch wie, wie viele und was für Widersprüche entstanden, warum sie entstanden, das können wir uns vorstellen, denn wir sind Marxisten und wissen, was Tschiang Kai-schek repräsentiert°. Die Kommunistische Partei Chinas hat, zumindest sc.weit wir wissen, diese Frage nicht untersucht und analysiert. Vom proletarischen chinesischen Staat und der Kommunistischen Partei Chinas wurde keine Geschichte des chinesischen Volkes verfasst. Alles, was wir über dieses grosse Problem gelesen haben, haben wir bei ausländischen und bürgerlichen Historikern, Wissenschaftlern l',nd Soziologen gelesen.

Wir wissen vieles nicht, doch was wir wissen, ist, dass die Kommunistische Partei Chinas «in petto»* *( hier: heimlich, hinter vorgehaltener Hand (it. im Original)) tönt: Die Komintern hat China gegenüber falsch gehandelt, denn Stalin hat Fehler gemacht (und laut Mao hat die Kommunistische Partei (B) der Sowjetunion den Fehler eingesehen), denn die Sowjetunion hat die Direktive gegeben, die Kommunistische Partei Chinas solle mit der Kuomintang zusammenarbeiten, als es nicht statthaft war, usw. usf. All das sagt man in Winkeln und auf Korridoren, und zwar meiner Meinung nach mit dem Ziel, Mao, «der niemals Fehler gemacht hat», aufzuwerten und Stalin, «der Fehler gemacht hat», herabzusetzen.

Was lässt sich aus all diesen Dingen, die niemals analysiert wurden, schliessen? Stalin und die Komintern haben in der allgemeinen Linie weder in bezug auf den revolutionären Kampf in China, noch in bezug auf das Bündnis der Kommunistischen Partei Chinas mit der Kuomintang Fehler gemacht. Mao und die Kommunistische Partei Chinas dagegen haben Fehler gemacht. Sie haben die Linie der Komintern veder richtig interpretiert noch richtig in die Praxis umgesetzt. Um China von den Kolonisatoren, vom militaristischen Japan zu befreien, war das Bündnis dieser beiden Kräfte, der Kommunisten und der fortschrittlichen Bourgeoisie, erforderlich. Möglich, dass in diesem Kampf, bei diesen Kontakten Leute wie Blucher Band andere Delegierte der Komintern, die sich als Trotzkisten entpuppten und verurteilt wurden, Fehler begangen haben, doch die Linie der Komintern, ein Bündnis der gegen Japan kämpfenden fortschrittlichen Kräfte in China herzustellen, war richtig. Tschiang Kai-schek beging Verrat, er trennte sich von den Kommunisten und versuchte, sie zu liquidieren. Er schwächte den Kampf gegen Japan ab und gab ihn auf. Das ist ein Problem, das eine dunkle, komplizierte Periode betrifft, für die man die Schuld nicht,wie die chinesischen Genossen das tun, Stalin und der Komintern zuschieben kann. «Stalin hat Fehler begangen», behauptet Mao, doch in Wirklichkeit ist es Mao Tsetung selbst, der Fehler begangen hat. Nicht nur damals wird er Fehler gemacht haben, auch jetzt hat er viele Fehler begangen, Fehler, die wir nun mit ihren bitteren Konsequenzen sehen. In China heisst es weiter, Mao habe niemals Fehler begangen, weder gestern noch heute, und auch morgen werde er keine Fehler machen. Für die Chinesen ist das ein Tabu, doch das ist eine antimarxistische Behauptung.

Die Einstellung Maos und seiner Genossen zur Sowjetunion der Zeit Stalins lässt Zweifel aufkommen. Sie war nicht richtig und offen. Wir zumindest wüssten nicht, dass es während der Zeit des chinesischen Befreiungskampfes Aversionen gegeben hätte, schon gar nicht von Seiten Stalins, der Sowjetunion und der Komintern. Einer der besten revolutionären marxistisch-leninistischen Führer Chinas, Kang Scheng, war der Veitretter der Kommunistischen Partei Chinas bei der Komintern, und e hat in dieser Hinsicht nichts Schlechtes gesagt.

Wir betrachteten das China der Zeit nach der Befreiung als einen Staat der Volksdemokratie, geführt von einer ruhmreichen kommunistischen Partei, an deren Spitze ein grosser Marxist-Leninist mit Namen Mao Tsetung stand. Wie alle unsere Länder, die befreit worden waren und die volksdemokratische Ordnung errichtet hatten, verband sich auch China eng mit der Sowjetunion und Stalin. Später erfuhren wir dann viel üb(r die wechselhafte Entwicklung der Kommunistischen Partei China; und der Kuomintang, über den «Langen Marsch», über Maos Freundschaft mit ausländischen Offizieren und Journalisten wie dem Amerikaner Edgar Snow und anderen, die sich bei seinem Stab befanden; wir erfuhren von den «fruchtbaren» Kontakten Maos und Tschous zu Wendemeyer und Marshall, die die Vergabe der amerikanische Hilfen an Mao und Tschiang organisierten, sowie über die chinaischen Lobbys in Washington. Das gab uns natürlich zu denken, doch wir hielten es für blosse Taktik und nicht für einen Hang zu den Vereinigten Staaten von Amerika, wie es sich später klar herausstellte. In Mao sahen wir einen Kommunisten, in seiner Partei sine kommunistische Partei und in China ein mit uns und in erster Linie mit der Sowjetunion und Stalin befreundetes sozialistisches Land.

Zu Lebzeiten Stalins war Mao einmal in Moskau, wo er mit ihm zusammentraf und sprach. Was für Gespräche sie führten, wissen wir nicht, doch wir können uns vorstellen, dass Stalin Mao sehr gut empfing und China sicherlich jede Hilfe zuteil werden liess, um die es ersuchte. Die Kommunistische Partei Chinas hat selbst offiziell erklärt, dass «sowohl Lenin als auch Stalin anerkannt haben, dass das zaristische Regime China Gebiete geraubt hat, die ihm zustehen und zurückgegeben werden müssen». Diese Erklärungen veröffentlichten die Chinesen, als China in Konflikt mit den Chruschtschowrevisionisten geriet.

Soweit wir es beurteilen können, behandelte Stalin China also als Freund, als sozialistisches Land. Die Grenzfrage behandelte er in marxistisch-leninistischen Geist und Mao Tsetung betrachtete er aufrichtig als Genossen. Doch auf der Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau 1957, also noch vor der Beratung der 81 Parteien, erklärte Mao zur Unterstützung Chruschtschows, der dabei war, den Marxismus-Leninismus zu verraten, offen, geringschätzig und ironisch, bei seinem Zusammentreffen mit Stalin sei er sich «wie der kleine Schüler vor seinem Lehrer» vorgekommen. Damit wollte Mao - und das gelang ihm - Chruschtschows Verleumdungen über den «Stalinkult» unterstützen, da doch Stalin «diesen grossen Mao» angeblich als Bürschchen betrachtete. Das war ein Angriff Maos gegen Stalin. Das sage ich in vollster Überzeugung, denn bei dem ersten Treffen, das ich, jung und bewegt wie ich war, mit Stalin hatte, behandelte dieser mich mit seinem so menschlichen, von Liebe und Achtung für den Genossen geprägten Verhalten wie einen Gleichen. Und er sprach so warmherzig mit mir, dass die Befangenheit bei mir sofort schwand. Mao ging auf jener Beratung sogar noch weiter. Er gab Chruschtschow hinsichtlich der Liquidierung der «parteifeindlichen» Gruppe Molotows usw. recht, ja, bezeichnete Chruschtschow gar als «Lenin unserer Zeit».

Was lässt sich aus diesen Handlungen Maos schliessen?

Dass Mao gegen Stalin war und zusammen mit seinen Genossen an seinem eigenen Kult bastelte. Mao sollte in der Reihe der grossen Marxisten in der kommunistischen Weltbewegung den Platz des von den Verrätern «gestürzten und besudelten» Stalin einnehmen. Er meinte, Chruschtschow werde, als Dank für die Hilfe, die er ihm hierbei zukommen liess, den neuen Kult um Mao begünstigen, und China werde zum Zentrum der Revolution. «Der Ostwind weht», «Der Osten ist rot», «Mao Tsetung ist die Sonne der Welt» - das waren die Schlagworte, die die chinesische Propaganda damals ausgab.

Doch es kam anders, als Mao dachte und wünschte. Der Sowjetrevisionismus und Chruschtschow zeigten ihm die kalte Schulter. Mao und die Maoisten waren bemüht, die Sache nicht auf die Spitze zu treiben, doch es musste zwangsläufig so kommen, wie es kam. Nun änderte Mao Tsetung die Taktik. Man betrieb weiter den Kult um Mao als «grossen Marxisten-Leninisten», der gegen den modernen Revisionismus, vor allem den sowjetischen, und zugleich auch gegen den amerikanischen Imperialismus und die reaktionäre Welt bourgeoise kämpfte, man hob ihn in den Himmel. Dieser Kampf war richtig, daher unterstützten wir die Chinesen und sie uns. In Wirklichkeit gingen sie bei dieser Taktik nicht von Klassenpositionen aus und verfolgten keinen marxistisch-leninistischen Kurs. Mit dieser Taktik wünschten und versuchten die Chinesen, Chinas Positionen in der kommunistischen Bewegung und bei den Völkern der Welt als «wahrhaft sozialistischer Staat, der den Klassenfeinden, den Feinden der um Befreiung kämpfenden Völker unversöhnlich gegenübersteht», auszubauen. Unterdessen hatten Mao und die Maoisten innerhalb ihrer Partei mit der rechten Fraktion Liu Schao-tschis, Tschou En-Jais, Deng Hsiao-pings und der anderen zu ringen, die im Schlagschatten Maos für die Wiedererrichtung des Kapitalismus kämpften und beabsichtigten, in der Politik einen Umschwung im Sinne der Freundschaft mit den Chruschtschowianern herbeizuführen.

Mao Tsetung war zwischen zwei Feuer geraten, die er in Wirklichkeit selbst entfacht hatte, um sein Ziel zu erreichen, China zu einer grossen Weltmacht zu machen. So befand er sich zwischen den Sowjetrevisionisten und der gefährlichen Fraktion Liu Schao-tschis. Also entfesselte er die Kulturrevolution, auf die ich hier nicht näher eingehen will, da ich schon viel dazu gesagt und geschrieben habe.

Welchen Weg wählte Mao (mir scheint nämlich, dass es hier nicht um den Willen der Partei geht), damit er zu dieser nichtmarxistischen Haltung gelange? Er begann eine konformistische Linie zu verfolgen. Solange Stalin lebte, verfolgte Mao ihm gegenüber eine Linie der «Freundschaft» und «Bewunderung». Damals pflegte man in China die Freundschaft mit der Sowjetunion. Nach Stalins Tod verhielt sich Mao opportunistisch und versuchte, dessen Platz in der kommunistischen Weltbewegung einzunehmen. Er begann auch mit Lobhudeleien, um Chruschtschow Sand in die Augen zu streuen, und übte natürlich Kritik an Stalin. 1956 verteidigte er in Peking uns gegenüber den Revisionisten und Verräter Tito, denn er war selbst ein Revisionist, ein Liberaler, ein Fürsprecher Chruschtschows.

Nach dem Bruch mit Chruschtschow, als Liu und Deng an der Macht waren und Schlüsselpositionen besetzten, wurde in den zentralen Organen Chinas eine Reihe ideologischer Artikel mit marxistisch-leninistischer Linie gegen die Chruschtschowrevisionisten ver- ;~ öffentlich. Das waren theoretische Artikel und nicht die übliche Propaganda gegen den Revisionismus. Das war eine Wendung und natürlich eine gute Wendung, denn durch die theoretische Entlarvung des Revisionismus wurde die Kommunistische Partei Chinas erzogen. Doch dem war nur ein kurzes Leben beschieden. Die Artikel dieser Art verschwanden in den Schubladen, und in der Linie begann sieh ein Schwanken bemerkbar zu machen. Die Kommunistische Partei Chinas fuhr nicht fort, die Massen der Kommunisten im Geist der richtigen marxistisch-leninistischen Linie zu erziehen, sondern beschränkte sich darauf, ideologische Artikel unserer Partei abzudrucken. Das gefiel uns, doch was wir nicht wollten und für falsch hielten, war, dass China die Polemik gegen den Revisionismus ein- F stellte und sich vom Kampfschauplatz zurückzog. Dies wies erneut auf liberale Schwankungen in der Linie der Kommunistischen Panel Chinas hin. Hinter der Veröffentlichung unserer theoretischen Artikel in der chinesischen Presse stand nicht die Absicht, die Linie unserer marxistisch-leninistischen Partei zu unterstützen. Damit sollte der Eindruck erweckt werden, die Kommunistische Partei Chinas habe ihre Linie nicht geändert, sollte der liberale Kurswechsel, den sie gerade vollzog, verschleiert und in der Weltöffentlichkeit dir Eindruck erweckt werden: «Ich, China, bin es, das der Partei der Arbeit Albaniens diese Artikel, diese Linie diktiert.» Und die bürgerliche Weltpresse sprach es offen aus: «Albanien, ein Satellit Chinas» «Albanien, das Sprachrohr Chinas», «China diktiert Albanien seine Gedanken, und dieses spricht sie aus». Das war eine unehrliche, unmarxistische Haltung, die China da einnahm. Doch solange die marxistisch-leninistischen Ideen unserer Partei propagiert wurde ';` sagten wir uns: «Hauptsache, die Richtung stimmt.» In China aber stimmte die Richtung nicht.

Chruschtschow stürzte. Schlagartig kam Maos opportunistische Linie ans Licht. Er dachte, seine Zeit sei gekommen, und verlangte deshalb - durch Tschou En-lai, der nach Moskau eilte - auch von uns, an der «Hochzeit» der Revisionisten teilzunehmen. Wir widersetzten uns diesem opportunistischen Schritt kategorisch. Ebenso kategorisch lehnten wir auch den chinesischen Vorschlag ab, «e antiimperialistische Front unter Einschluss der Revisionisten zu schaffen». Hier zeigte sich der glühende Wunsch der chinesischen Führer, sich mit den Sowjetrevisionisten zusammenzutun. Doch da sie Revisionisten waren, wollten sie auf diesem Weg selbst dominieren. Die Rechnung ging nicht auf.

Da brach die Kulturrevolution aus. Diese Revolution war ein Ergebnis des Ringens der beiden liberalen revisionistischen rechten Strömungen um die Macht. Wer würde sie ergreifen: Mao oder Liu? In dieser Auseinandersetzung siegte Mao, der Liu und Deng bezichtigte, «der Feind Nr. 1» bzw. «der Feind Nr. 2» zu sein. Mao stellte Tschou in seinen Dienst. Dieser war nämlich, wie Mikojan in der Sowjetunion, der Diener aller. Mao präsentierte sich als «Retter», als «Revolutionär», machte er doch «Revolution». Und er mehrte seinen Ruf als «grosser Marxist-Leninist», hatte er doch über Liu Schao-tschi gesiegt.

Wir unterstützten die Kulturrevolution, waren die einzige Partei an der Macht, die ihnen zur Seite stand. Die chinesischen Führer selbst erkannten diese grosse Unterstützung an und propagierten sie sehr.

Natürlich lag der «Kulturrevolution», wie ich schon früher gesagt habe, keine klare marxistisch-leninistische Linie zugrunde, denn die Partei war zerschlagen, und auch die Massenorganisationen existierten nicht. Nur die Armee mit Lin Biao stand unverrückbar zu dieser Revolution. Es herrschte ein totales Durcheinander, die Sache lief par inertie*. *( nach dem Trägheitsgesetz (frz. im Original)) Tschou, der das Mäntelchen nach dem Wind hängte, hielt mit einer Hand das Ruder der Staatsmacht und schwenkte mit der anderen das von Lin Biao zusammengestellte «Rote Buch» Maos. Während der Kulturrevolution fand der Fremdenhass krassen Ausdruck, wurden sogar die Gebäude ausländischer Botschaften in Brand gesteckt, Diplomaten geschlagen usw. An der Spitze dieser abscheulichen Akte, ähnlich denen Suhartos in Indonesien, stand auch Tschou En-lai selbst.

Deng, Liu und Konsorten wurden «niedergeworfen», doch was zerbrochen war, musste gekittet werden, und tatsächlich war viel zerbrochen worden. Diese Reparaturen übernahm der Revisionist Tschou En-lai, und zwar angeblich auf Weisung des Vorsitzenden Mao, der zur Zeit der Kulturrevolution seiner Frau geschrieben hatte:

«Von meinen Schriften werden sowohl die Revolutionäre als auch die Konterrevolutionäre Gebrauch machen.» Mao gab selbst zu, dass er nicht eine marxistisch-leninistische Linie hatte, sondern zwei oder auch zehn Linien, so wie die Theorie von den «hundert blühenden Blumen».

Unsere Partei hat alles getan, um die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern und Parteien zu festigen. Doch die Chinesen haben oft den Austausch von Arbeitsdelegationen unserer Parteien abgelehnt. Sie machten aus allen Delegationen «Freundschafts-» Delegationen für Massenkundgebungen und Bankettreden mit Trinksprüchen. Wir konnten feststellen, dass die chinesischen Führer einen Erfahrungsaustausch ihrer Partei mit unserer Partei nicht wollten, sie hüteten sich vor politischen, ideologischen und organisatorischen Debatten. Hier standen wir vor verschlossenen Türen. Ich und auch die anderen Genossen fanden Gelegenheit, bei Gesprächen mit Tschou und mit Yao Wen-yüan ausgehend von unserer Erfahrung Parteiprobleme anzusprechen, doch sie sprachen weiter in ihren abgedroschenen Formeln. Nur einmal übte Tschou, dieses liberale und opportunistische Element, als er bei uns war, Kritik an uns. Er behauptete, unsere Partei entfalte den Klassenkampf nicht. Als wir ihm Fakten vorhielten und damit zeigten, dass unsere Partei ihr Leben lang einen heftigen Klassenkampf geführt hat, innerhalb und außerhalb des Landes sowie in den Reihen der Partei, war er gezwungen, sich zu entschuldigen: «Ich kenne die Geschichte eurer Partei nicht gut genug.»

Ebenso hielten wir die isolationistische Linie Chinas in der internationalen Arena nicht für richtig. Wir hatten Li Hsiän-niän offiziell unseren Standpunkt vorgetragen. Wir begründeten ihm, dass der Kampf gegen beide Supermächte in aller Härte fortgesetzt werden müsse, China sich aber gleichzeitig den Völkern und den anderen Staaten gegenüber zu öffnen habe, weil so Spaltung unter unseren hauptsächlichen Feinden geschaffen und ihrer verleumderischen Propaganda gegen unsere Länder ein Schlag versetzt werde. Doch die Chinesen blieben auf ihren Positionen und gingen nicht diesen vernünftigen Weg, der in Chinas und unserem Interesse, im Interesse auch der anderen Völker der Welt lag. Die Chinesen setzten uns in Erstaunen mit ihrer Haltung. Waren sie sonst liberal, so erwiesen sie sich in diesem Fall als sektiererisch. Liberalismus und Sektierertum sind Geschwister. China ignorierte Europa völlig, behielt die feindliche Haltung den asiatischen Ländern gegenüber bei. Als Vorbedingung für die Aufnahme normaler Beziehungen zu den anderen Staaten hatte es die Anerkennung Taiwans als Teil des chinesischen Territoriums gestellt. Ws dagegen Afrika und die Länder Lateinamerikas anbelangt, veröffentlichten die Chinesen einmal im Schaltjahr in «Renmin Ribao» einen propagandistischen Artikel. Chinas internationale Politik waidstarr, sektiererisch, größenwahnsinnig, isolationistisch und fremdefeindlich. Dies ging gewissermaßen bis hin zum uneingestandenen «gelben Rassismus».

Während wir uns noch in dieser Beziehung Sorgen machten, schlugen Kissingers Geheimbesuch in China und seine Geheimgespräche mit Mao und Tscho. wie eine Bombe ein. China trat in eine neue Phase ein, begann eine neue, aber wieder falsche Politik, die rechte Politik der Annär~rung an die Amerikaner. Doch diese Politik sollte noch viel weitr gehen, bis hin zu den Faschisten Franco in Spanien und Pinochet in Chile.

Es zeigte sich deutlich, dass der «Hinderungs-»grund für die Öffnung Chinas gegenüber den anderen Staaten der Welt nicht die Anerkennung der Insel Tiwan als chinesisches Territorium gewesen war. Wie von Zauberhand ( war dieses Problem weggeschmolzen, und die Vereinigten Staaten von Amerika gingen Verbindungen und Beziehungen mit China ei, ohne bislang tatsächlich auch nur ein Zugeständnis in bezug au Taiwan gemacht zu haben. Als Genossen, die wir waren, widersetzten wir uns den geheimen Verbindungen und Beziehungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika und Nixons Chinareise. Wir sagten, diese Freundschaft, die die Chinesen mit dem amerikanischen Imperialismus knüpften, werde nichts Gutes, sondern nur Schlechtes für China selbst, für den Sozialismus und die ganze Welt bringen. Unseren Brief zu dieser Frage geruhte Mao Tsetung so wenig zu beantworten wie die Briefe zu anderen Fragen, worüber ich schon frühe geschrieben habe.

Warum diese Hinwerfung Chinas zum amerikanischen Imperialismus? Weil Mao und Tshou revisionistisch, liberal, opportunistisch waren, und weil ihre Politik eine pragmatische Politik war, darauf ausgerichtet, China zur Supermacht zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, musste sich China nach Meinung Maos und Tschous auf die revisionistische Sowjetunion oder den amerikanischen Imperialismus stützen. Der Kampf an beiden Fronten war nichts für Mao. Seiner Ansicht nach musste sich China «auf die eine Supermacht stützen, um die andere zu bekämpfen, während ihm die anderen die Kastanien aus dem Feuer holen». Das betrieb auch die Sowjetunion. Sie ging nicht auf eine Verbindung mit China ein, weil die Sowjetunion selbstverständlich nicht akzeptieren konnte, von China beherrscht zu werden. Mao vermochte seinerseits sein Ziel nicht zu erreichen, die Sowjetunion in Chinas Dienst zu stellen. Die Sowjetunion öffnete sich den Vereinigten Staaten von Amerika, der reichen Supermacht, von der sie Kredite erhalten und so die Hegemonie errichten konnte. Die Vereinigten Staaten von Amerika für ihren Teil gingen auf diese Öffnung ein, um die Einflusssphären mit der Sowjetunion neu aufzuteilen.

China tat absolut nichts Originelles. Es wandte sich, als es sah, dass seine Absichten gegenüber der Sowjetunion gescheitert waren, ebenfalls den Vereinigten Staaten von Amerika zu, der alten Freundschaft Maos. Ja, Tschou wollte Ruhm, wollte Vorherrschaft. Beide, Mao und Tschou, waren Revisionisten. Sie leiteten die neue Politik ein. Allerdings stellten sich ihnen im eigenen Land Gegner in den Weg, und einer der wichtigsten war Lin Biao. Also musste er eliminiert werden. Und er wurde eliminiert, mit der Beschuldigung: «Er ist ein Verschwörer, der Mao ermorden wollte. Er wurde aber entdeckt, nahm ein Flugzeug und wollte sich über die Mongolei in die Sowjetunion davonmachen, sein Flugzeug verbrannte jedoch in den mongolischen Steppen.» Lin Biao wurde also als «Agent der Sowjets» getötet.

Auf dem 9. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas, der stattfand, als Lin Biao noch lebte, wurde über den Kampf an beiden Fronten gesprochen. Später jedoch, auf dem 10. Parteitag, nachdem I in Biao getötet worden war, wurde mit keinem Wort darauf eingegangen, welche Aussenpolitik Lin Biao vertreten hatte.

Die Vereinigten Staaten von Amerika wurden zum Weltenrichter. Sie würden, natürlich im eigenen Interesse, sowohl mit der Sowjetunion als auch mit China manövrieren. Die Vereinigten Staaten von Amerika dosierten und dosieren ihre Haltung den beiden gegenüber je nach Bedarf. Es geht ihnen darum, die Sowjetunion zu schwächen und dafür zu sorgen, auch China gegen die Sowjetunion benutzen zu können. Und so geschieht es. China stellte wirklich den Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika ein und intensivierte die Propaganda gegen die Sowjetunion bis zur Absurdität. Ich sage, die Propaganda, denn ideologische Artikel Chinas, die die Sowjetunion entlarven, gibt es nicht. Chinas gegenwärtige Linie ist: «Unser Hauptfeind ist die Sowjetunion.» Wer gegen die Sowjetunion auftritt, ist Chinas Freund, auch wenn er ein Faschist ist. So geschieht es, dass China gegenüber unserem Land, das an beiden Fronten kämpft, sowohl gegen die Vereinigten Staaten von Amerika als auch gegen den sowjetischen Sozialimperialismus, eine nicht gerade freundschaftliche Haltung einnimmt, während die proamerikanischen Revisionistenstaaten, die das eine oder andere antisowjetische Manöver unternehmen, Chinas Freunde geworden sind. Diese Haltung, sagen die Chinesen, «nehmen wir ein, um die Widersprüche zu verschärfen und zu vertiefen». Die Realität zeigt aber, dass .Maos China mit diesen Staaten einverstanden ist, denn das ist seine revisionistische Linie in Ideologie und Politik. China hat seine Verbindungen zu allen kapitalistischen Ländern der Welt ausgebaut, und sich selbst erklärte es offiziell zum Mitglied der «dritten Welt». Chinas Türen öffneten sich den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, den Königen. Prinzen, Prinzessinnen, Ministerpräsidenten, Senatoren, Parlamentsgruppen, Geschäftsleuten, Krethi und Plethi. Chinas Türen bleiben nur offiziellen albanischen Delegationen verschlossen.

Das chinesische Volk empfindet aufrichtige Freundschaft für das albanische Volk und die Partei der Arbeit Albaniens. Noch haben es die chinesischen Revisionisten nicht gewagt, diese Freundschaft zu attackieren. Die rechten Hauptkader, die, unserer Meinung nach, in China an der Macht sind und starke Positionen besetzen, greifen die zwischen uns bestehenden wirtschaftlichen Beziehungen an. Sie zahlen die uns bewilligten Kredite nicht, schieben die Lieferfristen der Materialien für die von uns gebauten Objekte hinaus, haben das Handelsvolumen verringert, schrauben die Kontakte mit unserem Land auf ein Minimum zurück. Kurz gesagt, die chinesischen Führer haben uns gegenüber Chruschtschows Weg eingeschlagen. Sie haben gelernt aus der sowjetischen Blockade, die brutal einsetzte, während ihre Blockade allmählich ins Werk gesetzt wird, kaschiert mit heuchlerischen Stellungnahmen und Erklärungen: «Wir sind Freunde, wir sind arm, versteht uns dock» usw. Diese ganze Schwenkung ist rechts, revisionistisch, sozialimperialistisch.

Das ist die Linie Maos und Tschou En-Jais, die Deng rehabilitierten und Vorbereitungen trafen, ihn nach Maos Tod an Tschous und Tschou an Maos Stelle rücken zu lassen. Doch die «mittlere» Person des «Reichs der Mitte» starb zuerst. Kaum war sie gestorben, stellten sich die «Radikalen» gegen Deng und begannen, ihn zu entlarven. Dadurch traten in Partei und Staatsmacht in China zwei Linien, zwei rivalisierende Gruppen in Erscheinung, und Mao steht jetzt zwischen den beiden Wegen. Doch er ist ein Greis und kann nicht mehr handeln. So wurde das zur Wirklichkeit, was er einst in dem Brief an Djiang Tjing angekündigt hatte, dass nämlich sowohl die Reaktionäre als auch die Revolutionäre von den «Maotsetungideen» Gebrauch machen werden.

In China findet also nun ein Kampf statt, doch wer wird wohl siegen?! Man weiss es nicht. Die «Radikalen» haben nur die Propaganda in der Hand, die andern die Aussenpolitik, die Wirtschaft und die Armee, denn in Wirklichkeit hat sich am alten Mao-Tschou-DengKurs nichts geändert.

Deng ist in der Partei und wird gerade entlarvt, doch seine Genossen sind an der Macht. Die Politik mit den Vereinigten Staaten von Amerika gedeiht weiter. Darüber hinaus unterstützt China alle reaktionären Regierungen und Staaten. Die Kommunistische Partei Chinas rät den Marxisten-Leninisten überall, sich mit der Bourgeoisie ihrer Länder, selbst wenn sie faschistisch ist, zu vereinigen und für ihre reaktionären Bündnisse einzutreten. Zu kämpfen hätten sie einzig und allein gegen die revisionistische Sowjetunion.

Wohin geht China mit dieser Linie? Zu einem neuen Sozialimperialismus, zur Machtergreifung durch die neuen, aber auch die alten Kapitalisten, die durch Maos opportunistische Linie an der Macht gehalten, behütet und gestärkt wurden.

In China gibt es ganz gewiss gesunde marxistisch-leninistische Kräfte, ich meine aber, dass man sie nicht mit den sogenannten Radikalen identifizieren kann. Diese sind gegen die Rechten, doch sie sind maoistisch, liberal, für die Koexistenz zweier Linien in der Partei. Nur eine gewaltige revolutionäre marxistisch-leninistische Umwälzung wird China vor der Wiedererrichtung des Kapitalismus bewahren.







MONTAG,

24. MAI 1976





EIN SCHLECHTES BENEHMEN DES CHINESISCHEN

BOTSCHAFTERS IN TIRANA



Man hat mir mitgeteilt, dass der chinesische Botschafter, Liu Dschen-hua, der am 29. dieses Monats unser Land verlassen wird, kreuz und quer durch das Land reist, die im Bau befindlichen Objekte besichtigt, für unsere Leute Abendessen gibt usw. Dabei benimmt er sich schlecht und unfreundlich. Seltsam ist jedoch, dass er dieses unerfreuliche Benehmen im Augenblick des Abschieds an den Tag legt. Es sieht aus, als wolle er die Beziehungen verschärfen bzw. eine weitere Verschärfung ankündigen. Er erwähnt mit keinem Wort den Kampf, der in China gegen Deng Hsiao-ping geführt wird. Uns ist das egal, nur zeigt er damit, dass er ein Mann Dengs ist. Er will demonstrieren, dass er alles weiss dass er sich mit Bergwerken auskennt, ist er doch «in China einmal in ein Bergwerk eingefahren». Wohin er auch kommt, mit wem er auch spricht, er lässt an unserer Arbeit kein gutes Haar. Das fängt an bei den militärischen Befestigungen und reicht bis zu «einem Stück Eisen», das man in eine Ecke geworfen hat. Bei alldem verleumdet er und will zeigen, dass unsere Leute nicht gut arbeiten. Der chinesische Botschafter spricht ganz unverblümt. Er erklärt sogar gegenüber Adil Carçani, Spiro Koleka und Nesti Nase, er wisse über alles Bescheid. Mit anderen Worten, er gibt höchstpersönlich zu, dass er die Geschäfte des chinesischen Sicherheitsdiensts in Albanien versieht und mit den chinesischen Spezialisten ein Agentennetz geschaffen hat.

Die Genossen geben diesem Revisionisten, der sich in das Gewand des Botschafters Chinas kleidet, die verdiente Antwort.





FREITAG,

28. MAI 1976





DIE «MAOTSETUNGIDEEN»



Es gibt sozialistische Staaten, doch die kommunistischen und Arbeiterparteien, die sie führen, stehen nicht alle auf wahrhaft marxistischen Positionen. Es gibt in ihnen krass antimarxistische Elemente. So sieht die Lage auch in China aus. In diesem Land führen die «Maotsetungideen», die keine konsequente Anwendung des Marxismus-Leninismus sind. Darin gibt es falsche, opportunistische, ja sogar getarnte revisionistische Grundideen. Die «Maotsetungideen», die China leiten, kämpfen nicht für die Revolution, für die Einheit des Proletariats. Und wenn darin China auch nicht offen als «Grossänacht» bezeichnet wird, sie sich selbst nicht als «universale Ideen», die den Marxismus-Leninismus ersetzen, ausgeben, so laufen sie in Wirklichkeit doch darauf hinaus. Wer den «Maotsetungideen» nicht folgt und sie nicht mit dem Marxismus-Leninismus identifiziert, ist îür die Chinesen kein Marxist-Leninist oder wird nicht als solcher betrachtet. Die «Maotsetungideen» haben in den Reihen des chinesischen und des Weltproletariats grosse Verwirrung gestiftet.

Innerhalb Chinas herrscht Anarchie, existieren zwei oder zwanzig Linien in der Partei und im Volk. Man weiss nicht einmal, wer dort die Macht hat und wer sie ergreifen wird. Die Kommunistische Partei Chinas ist nicht nach den marxistisch-leninistischen Prinzipien und Normen aufgebaut und stützt sich nicht auf sie. Die Diktatur des Proletariats funktioniert dort nicht.

Diese Verwirrung Chinas griff und greift auch auf Teile des Weltproletariats, auf marxistisch-leninistische kommunistische Parteien über. Viele dieser Parteien sind weder mit den «Maotsetungideen» noch mit Chinas Vorgehen einverstanden, doch sie äussern sich nicht offen. Es wirkt der Kult des grossen Staates, der als <,proletarisch» gilt, es aber nicht ist; es wirkt der Kult Maos, der nichts als Mao Tsetung ist und vor allem weder Marx noch Engels, noch Lenin, noch Stalin.

Die pseudomarxistischen Lakaien, die in die Reihen einiger marxistisch-leninistischer kommunistischer Parteien eingesickert sind, bauschen den Kult um Mao auf und heben diesen auf den Schild. Die Bourgeoisie weiss ebenfalls um den Wert Chinas, Maos, der «Maotsetungideen» und propagiert diese. Jede revolutionäre Gruppe, jede marxistisch-leninistische kommunistische Partei, sogar jede anarchistische Gruppe wie die Sartres u.a. wird von der Bourgeoisie mit dem Etikett «maoistisch» versehen. China und Mao gefällt das. Mit ihnen allen unterhält China Verbindungen und hilft ihnen allein deshalb, weil sie Mao rühmen und seiner verworrenen und undurchsichtigen Politik folgen. Der Antisowjetismus ist inzwischen das einzige Leitmotiv der chinesischen Führung. Und das nicht auf richtigen ideologischen Grundlagen, sondern unter dem Banner der «Maotsetungideen», um über das Proletariat und die «kommunistische» Welt zu dominieren.

Unter diesen Umständen und mit diesen Ideen hat die Kommunistische Partei Chinas aufgehört, die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien zu ihren Parteitagen einzuladen, sie lässt sich nur auf bilaterale Treffen mit den jeweiligen marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien ein. Sie propagiert ihnen die «Maotsetungideen» und rät ihnen, die Sowjetunion, nicht aber die Vereinigten Staaten von Amerika anzugreifen. Sie predigt ihnen die Zusammenarbeit mit der reaktionären einheimischen Bourgeoisie, bis hin zu Franco und Pinochet.

Mao und der «Maoismus» sind zu einem der ernstesten Hindernisse für die Einheit des Weltproletariats und der neuen marxistischleninistischen kommunistischen und Arbeiterparteien geworden. Deshalb muss diesem neuen getarnten Übel in allem unsere unfehlbare Theorie, der Marxismus-Leninismus, entgegengesetzt werden.

Auch wenn die Kommunistische Partei Chinas eine grosse Partei ist, so kennt doch der Marxismus-Leninismus keine grossen und kleinen Parteien, also ist unsere Partei als gleichberechtigt mit ihr zu betrachten. Und wenn die Kommunistische Partei Chinas falsch handelt, so wie das zur Zeit der Fall ist, dann folgt ihr unsere Partei in ihren falschen Ideen und Wegen nicht etwa, sondern bekämpft sie sogar - wenn vorerst noch nicht direkt, so doch indirekt, durch ihre offenen und öffentlichen Stellungnahmen. Sie ermöglichen es allen, klar zu erkennen, worin die Divergenzen zwischen der Partei der Arbeit Albaniens und der Kommunistischen Partei Chinas bestehen.

Wenn die Kommunistische Partei Chinas ihre Linie nicht berichtigt und ihren falschen Weg weiter fortsetzt, muss die Partei der Arbeit Albaniens im Interesse der proletarischen Revolution auch in die offene Polemik mit ihr eintreten.







SAMSTAG,

12. JUNI 1976





CHINAS LINIE IST RECHTS



Auch wenn man Chinese wäre, liesse sich die chinesische Innenund Aussenpolitik kaum verstehen. Sie hat keine stabile Achse, schwankt so sehr nach der einen wie nach der anderen Seite. Es gibt Momente, da sie zu einer gewissen zentristischen Stabilität findet, dann ändert sich auch entsprechend den inneren Umständen und Konjunkturen die Haltung nach aussen. Es gibt Momente, da man diese Haltung vom Standpunkt der marxistisch-leninistischen Theorie aus für richtig befindet, doch dann neigt sich die Waage auch schon wieder schlagartig zum Liberalismus oder zum Sektierertum.

All diese Haltungen ohne Angelpunkt sind begleitet von Reden, Artikeln. Zitaten Maos. Mit Maos Zitaten wird «jede Mahlzeit» gewürzt, sie dienen jeder Haltung, ob rechts oder links. Mao und seine Ideen werden angepasst, alle bedienen sich seiner «Autorität», und jeder betreibt sein eigenes Geschäft. Also findet der «Klassenkampf» statt, doch auf der Grundlage welcher Ideologie? Auf der Grundlage des «Marxismus-Leninismus», heisst es, doch die Wirklichkeit in China bestätigt dies nicht, denn Mao selbst hat gepredigt: «Lasst hundert Blumen blühen.» Doch die «hundert Blumen» haben natürlich nicht die gleiche «Farbe».

Mao hatte sich auf Chruschtschows Seite gestellt, ihn verteidigt und gelobt, bis er festen Fuss gefasst und seine Positionen gestärkt hatte. In dieser Situation und in diesen Ansichten stimmten Mao und Liu Schao-tschi also miteinander überein. Beide waren rechts. Diese ihre Haltung zeigte sich auch auf dem 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas im Jahr 1956, einem rechten Parteitag, der sogar Chruschtschow den Weg zum Handeln wies. Chruschtschow jedoch erstarkte und ging unverzüglich zum Angriff auf den sogenannten «Stalinkult» über. Er wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: innerhalb des Landes den «Stalinkult» durch seinen eigenen Kult ersetzen und in der kommunistischen Weltbewegung selbst die erste Geige spielen. Er wollte keinen anderen neben sich, selbstverständlich also auch nicht Mao. Dieser dagegen hatte die Hoffnung, danach «würden die Rollen vertauscht: Chruschtschow werde «Maos Schüler sein». Doch Chruschtschow begriff die Situation und schlug einen anderen Kurs ein, nahm das Gewehr auf die andere Schulter.

So fing Mao an, eine beinahe «marxistisch-leninistische» Haltung einzunehmen. Auf der Beratung der 81 Parteien in Moskau waren die Chinesen genötigt, Änderungen an ihrer Rede vorzunehmen und sie auf unsere abzustimmen. Ich sage, sie begannen, eine beinahe «marxistisch-leninistische» Haltung einzunehmen, denn später, auf dem 21., 22. und 23. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, unternahmen die Maoisten Versöhnungsversuche. Doch mittlerweile hatten die Chruschtschowianer alle Zügel schiessen lassen. Das war die Zeit, da Mao und die Maoisten die Polemik begannen. Wir waren natürlich zufrieden, sahen wir doch, dass Mao «begann, die Situation richtig zu sehen». Das war die Zeit einer grossen Freundschaft zwischen China und uns.

Doch während dieser Zeit machten sich in China neue Schwankungen bemerkbar. Liu Schao-tschi, Deng Hsiao-ping und andere, ihre Gefolgsleute, wollten die Macht ergreifen und ein «Bündnis mit der Sowjetunion» eingehen, wie es hiess. Dieses Bündnis begannen sie gemeinsam, doch für die Chruschtschowrevisionisten war Liu anscheinend leichter zu akzeptieren als Mao. Also steuerte dieser, als er sah, dass Liu und Konsorten alles in ihre Hand gebracht hatten, nach links und erliess den Aufruf: «Greift das Hauptquartier an!» Die Kulturrevolution begann, und Liu stürzte vom Thron. Dennoch blieben seine Leute, wo sie waren. Alle wurden Maoisten, mit Mao an der Spitze. Tschou war das Haupt der Staatsmacht und der Wirtschaft, Lin Biao Armeechef. Die Partei war zu jener Zeit zerschlagen und alles war durcheinander, nur Maos Name war zu hören. Unter diesem Namen strebten alle und jeder nach Macht. Mao wahrte angeblich «das Gleichgewicht zwischen den Linken und den Rechten». Kein einziger Flügel war marxistisch-leninistisch. Lin Biao wurde liquidiert, Tschou En-lai blieb «Chinas Vizekönig» und Mao wie immer der «Schiedsrichter».

Nach den aufeinanderfolgenden Konfusionen erreichte man angeblich eine Stabilität, doch sie war antimarxistisch. China verband sich mit den amerikanischen Imperialisten gegen die Sowjets, und diese Position brachte es noch weiter auf den antimarxistischen, rechten Weg.

Selbstverständlich konnten die Chinesen und Mao mit uns nicht einverstanden sein. Und das bewiesen und beweisen sie mit Taten. Wir bewahren kühlen Kopf. Die chinesische Linie steuerte naeh rechts, Mao und Tschou En-lai rehabilitierten Deng Hsiao-ping, der vom «Feind Nr. 2» zum stellvertretenden Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas wurde und sich unterdessen daraui vorbereitete, Tschou En-Jais Platz einzunehmen. Tschou starb und Deng gelang es nicht, Ministerpräsident zu werden, vielmehr wurde er Revisionist, Verräter genannt. Was wurde und wird nicht alles über ihn gesagt! Merkwürdige Beschuldigungen. 'Sie scheinen richtig zu sein, doch es stellt sich die Frage: Wie konnte Mao diesen Menschen nur rehabilitieren? Aber auch nach den Beschuldigungen gegen Deng zeigt sich in der chinesischen Innen- und Aussenpolitik nicht ein einziger positiver marxistisch-leninistischer Ansatz. Wieder grosse Konfusion. Hua Guo-feng erklärt, in der chinesischen Aussen politik werde es keine einzige Veränderung geben, die bisherige Ausrichtung werde sogar noch verstärkt.

In der Presse wird Deng sowohl Zentralisierung als auch Dezentralisierung vorgeworfen. .Man wirft ihm vor, er wolle die Industrie mit ausländischer Technologie modernisieren, während Maos Linie sei, den Sozialismus aus eigener Kraft aufzubauen. U das zu einer Zeit, da in China von den Amerikanern, den Japanern, den Westdeutschen moderne Kombinate gebaut werden. Wer dies alles zugelassen? Nur Deng Hsiao-ping?! Und Tschou En-lai was hat er getan?! Und Mao, hat er dem nicht zugestimmt? Nein, heisst es, Mao habe nichts zugestimmt, doch in Wirklichkeit ist ei~ es, der alles in China geleitet hat.







DONNERSTAG,

24. JUNI l976





IN CHINA FUNKTIONIERT WEDER DIE PARTEI

NOCH DER STAAT DES PROLETARIATS



In China geht die Leier der langen, immer wieder gleichen Kritiken an Deng Hsiao-ping weiter, als ob er der einzige innere Feind der Partei wäre. Dennoch, selbst dieser «so schlimme, so niederträchtige, so tückische» Feind wird in der Partei belassen und nicht ausgeschlossen. Weshalb? Weil er nicht allein steht, sondern grossen Einfluss innerhalb und ausserhalb der Partei hat. Deng Hsiao-ping war die rechte Hand Tschou En-Jais gewesen, war von ihm darauf vorbereitet worden, an seine Stelle zu treten und China unter dem Banner Mao Tsetungs auf den liberalen, opportunistischen Weg zu führen und in eine bürokratische kapitalistische Grossmacht zu verwandeln. Mao und Tschou waren jeweils mit den Ideen des anderen einverstanden, die sie mit marxistisch-leninistischen Formeln tarnten. Mao verkündete seine Ideen, Tschou setzte sie in beider Interesse um. Der Fraktionskampf in der Kommunistischen Partei Chinas hatte seinen Ursprung genau in diesen liberalen Ideen, die sich mit wechselnder Intensität entwickelten.

Liu Schao-tschi war mit Mao in den Hauptfragen einer Meinung, doch er schoss über die Grenzen hinaus, schaffte es, bei sich und seinen Leuten eine beträchtliche Macht anzuhäufen. Er herrschte in der Partei, in der Armee und in der Wirtschaft. Man führte Mao weiter im Mund, «hob ihn in den Himmel», doch seine Macht war geschwächt worden sie war an die anderen übergegangen, an Liu Schao-tschi, Tschou, Deng und andere.

Mao blieb nur noch ein Weg: die Macht zurückzuerobern. Dazu musste er sich auf die «romantische» Jugend stützen, die Mao «anbetete», und auf Lin Biao, den er zu seinem Stellvertreter machte, das heisst, er musste sich auf die Armee stützen. Hier liegt der Ursprung der Kulturrevolution, die nichts anderes tat, als Liu Schao-tschis Gruppe zu liquidieren. Tschou En-lai wurde von Mao geschont, denn ihn brauchte er noch, und ausser dem hatte er die gleichen Ansichten wie Mao. Tschou war eine «Wetterfahne», die sich nach dem Wind drehte. Doch Tschous Pirouetten festigten seine Position, sie führten dazu, dass sich um ihn alle Rechten, Gemässigten und Linken sammelten. Die Grosse Kultur revolution war tatsächlich mit viel Lärm verbunden. Sie wurde gross propagiert, doch sie war eine «Rotgardistenparade», um Maos «Stärke» zu zeigen und zu i bestätigen, dass die «Maotsetungideen» an die Stelle des MarxismusLeninismus getreten waren. China war von diesen Ideen tatsächlich á schon vor geraumer Zeit ergr iffen wolrden, doch bei dieser Gelegenheit gab man ihnen noch einen Schubs, damit sie «die Welt beherrschten».

Weiter gab es die Anarchie, die Konfusion, die zwei Linien, di «hundert Blumen» und die Leute jeden Schlags und jeder Idee unteli dem Aushängeschild der «Maotsetungideen», daran änderte sich nichts, sie machten sich breit, festigten ihre Stellungen. Man kämpft4 um Positionen, um Macht und nicht für den Sozialismus. In diesel Phase gewann Tschou En-lai die Oberhand, der zusammen mit Mao; <allzeit mit Mao» und «hinter Mao» Lin Biao liquidierte.

Die Epoche Tschou En-Jais brach an: die Epoche der Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Warum auch nicht Tschou hatte Chruschtschows «Geschicklichkeit» geschätzt, deshalb ging er, was die Bündnisse anbelangt, bei ihm in die Lehre. Er dachte'' «Schliessen wir Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika und schwächen wir die Sowjets, gehen wir Chruschtschows Weg um China zu modernisieren und aufzurüsten, werden auch wir e' Grossmacht.» Und diese Politik wird nun fortgesetzt.

Tschou glaubte sich schon auf dem Gipfel des Sieges: den alter Mao hatte er in der Tasche, denn der würde heute oder morgen sterben. In der Führung hatte er einige Gegner, doch seine Macht . war gross und er würde sie schon in die Knie zwingen. Zu diesem Zweck rief er Deng Hsiao-ping zu Hilfe und lehrte ihn handelnï manövrieren, die Macht ergreifen. Tschou wusste, dass er an KreW



sterben würde, trotzdem blieben ihm dreieinhalb Jahre Zeit, Deng zu «unterweisen».

Deng war jedoch nicht so wendig wie Tschou, er war machttrunken und zückte das Schwert des «Diktators». «Ich oder ihr», sagte Deng. Dieses übereilte Handeln Dengs sah Mao natürlich gar nicht gern. Es verdarb ihm die opportunistische Politik der zwei Linien, deren Koexistenz. Und Deng stürzte. Trotzdem bleibt seine Macht bestehen, bleibt Deng sogar in der Partei.

Die chinesischen Zeitungen fabrizieren täglich Dutzende von Artikeln, in denen sie Deng und die rechte Abweichung «entlarven». Doch es lässt sich nicht ausmachen, wer rechts ist und wer links. Beide Flügel sind an der Macht, nehmen ihre alten Plätze ein, verrichten jeder für sich und jeder im eigenen Interesse ihr Geschäft und lesen die Psalmen der Zeitungen, so dass beide Seiten schon die Langeweile gepackt hat. Mao hat «den Linken geraten, die Rechten nicht anzugreifen», sondern zu erziehen (so wie sie Deng erzogen!), ihnen keine Schläge zu versetzen, weil es sonst «in China zu Unruhen kommt, von denen der Feind profitiert». Es steht fest, dass diese Direktiven erteilt worden sind. Das zeigt sich auch an der gegenwärtigen Lage.

In den chinesischen Zeitungen stand ausserdem, Mao habe gesagt: «Der Feind sitzt mitten in der Partei.» Wir stellen also die Frage: Wer ist dieser Feind? Wie muss er bekämpft werden? Was wird gegen diesen Feind unternommen? Der stellvertretende chinesische Aussenminister Yü Dschang antwortete auf eine entsprechende Frage unseres Botschafters in Peking: «Dies ist ein tiefschürfender Gedanke des Vorsitzenden Mao, und es wird seine Zeit brauchen, bis er richtig verstanden wird.» Das überrascht uns nicht im geringsten! Mao Tsetung hat das Durcheinander und die Verwirrung in der Partei verursacht, und es wird überhaupt nichts Konkretes getan, um den Schmutz, der sich an den Rädern der «Maschine» der Partei und der Diktatur des Proletariats angesammelt hat, zu entfernen.

In diesem Land funktionieren weder die Partei noch der Staat des Proletariats. Dort findet ein Kampf mit «Glacéhandschuhen» und Zeitungsformeln statt. Die Partei und das Volk sehen, dass es dort so aussieht dass die Rechten, die Gemäßigten, die Opportunisten, die Freunde der Vereinigten Staaten von Amerika stärker sind und über kurz oder lang die Macht ergreifen werden. Sie warten auf den Tod Maos, von dem sie selbst erklären, er werde von nun an niemand mehr empfangen. Was hat das zu bedeuten? Beide Flügel verstecken sich hinter ihm, bekennen nicht Farbe. Damit will man verhindern, dass die Massen irritiert werden. Ist Mao erst tot, werden die beiden oder die sechs Flügel unter dem Banner Maos um die Macht kämpfen. Je länger dieser Stillstand dauert, desto günstiger für die Reaktion.

Früher hatten wir gemeint, Mao denke und handle wie ein Marxist, doch wir sahen, dass auch Dinge geschahen, die keinen richtigen Lauf nahmen. Wir meinten, es sei nicht Mao, der so handelte, oder es sei Taktik. Doch schon seit einiger Zeit werden uns die Dinge klarer: Mao war nicht dem Marxismus-Leninismus treu. Wäre er nicht Führer des grossen China gewesen, wäre ihm der Lack schon früher abgdblättert. Die Interessen Chinas und der kommunistischen Weltbewegung erforderten ein vorsichtiges Vorgehen in dieser Frage, doch die Vorsicht überschritt das gerechtfertigte Mass, und wenn in China nicht jener revolutionäre Teil der Partei siegt, der der Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin und nicht den «Maotsetungideen» die Treue hält, dann wird China unweigerlich in den offen revisionistischen Tümpel abgleiten, den Weg einer kapitalistischen Grossmacht gehen. Den Ideen Mao Tsetungs liegen diese theoretisch-politische Tendenz, dieser Arbeitsstil, diese Arbeitsmethode zugrunde. Im China Maos, das sich sozialistisch gibt, finden sich starke - modernisierte - mystische Überreste. Dort wurden in der Philosophie, in der Arbeit, im Leben ein Geist und eine Disziplin geschaffen, die eine Loslösung von den alten konfuzianischen Vorstellungen und den «Maotsetungideen», einem Amalgam aus Marxismus-Leninismus, Kapitalismus, Anarchismus und allen Einflüssen des Imperialismus und des modernen Revisionismus, sehr erschweren.

Im nationalen Befreiungskampf wurde China befreit, doch die ganze Periode nach diesem Kampf war undurchsichtig, der revolutionäre Marxismus-Leninismus wurde nicht als roter Faden sichtbar, wurde nicht konsequent angewendet. Die opportunistischen Ideen, die enge Zusammenarbeit mit den Parteien der Bourgeoisie usw, herrschten vor in Politik, Ideologie, bei der Organisation der Wirtschaft, der Staatsmacht und der Armee. Die Kapitalisten erhielten weiter Vergünstigungen, und man liess sie ihre frühere Tätigkeit in Ruhe weiter betreiben, Gewinne einstreichen. Sie änderten ihre Lebensund Arbeitsweise, um den Eindruck der «Fügsamkeit» zu erwecken. Doch aus ihnen wurden wiedér fähige Verwaltungs- und Finanzfachleute, sie wurden zur Stütze der Opportunisten. An ihrer Spitze standen Liu Schao-tschi, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping usw., bis zu einem gewissen Grad auch Mao.

China hält viele Überraschungen für uns bereit, die, denkt man gründlich darüber nach, gar nicht «überraschend» sind. Wir werden noch viel zu hören und zu sehen bekommen.





DURRES, SAMSTAG,

17. JULI 1976





EINE PRINZIPIENLOSE POLITIK DES GROSSEN

CHINESISCHEN STAATES



Ich hatte ein Treffen mit Behar, der aus Peking gekommen ist, um am Plenum des Zentralkomitees teilzunehmen, das übermorgen, am 19. Juli, abgehalten wird. Die reale Lage in China ist seiner Schilderung nach sehr verworren, wogegen sie die chinesische Presse als «glänzend» darstellt. Nach aussen hin hält die «Euphorie» an, doch das ist ein falsches Bild. Nur eines läuft gut, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Industriewaren. Das mag Ausfluss der geleisteten Arbeit und der für das chinesische Volk kennzeichnenden Arbeitsdisziplin sein, doch möglicherweise trägt dazu auch die geringe Kaufkraft der Bevölkerung bei. Der bäuerliche Markt, der ein-, zwei- oder dreimal in der Woche stattfindet, ist in ganz China stark entwickelt. Ob wohl Produkte wie Weizen, Hühner, Schweine, Gemüse und das alles über den staatlichen Handel auf den Markt kommen? Oder hat man den Kooperativen die Freiheit zugess.anden, die Produkte «selbstzuverwalten»? Ich glaube, letzteres ist der Fall.

Der politische, ideologische und organisatorische Kampf sieht so aus, wie wir ihn eingeschätzt haben. Die Auseinandersetzung und die Vorbereitungen auf noch grössere Auseinandersetzungen gehen fieberhaft weiter. Deng Hsiao-ping und die rechte Strömung werden entlarvt, doch auf der anderen Seite haben auch Dengs Freunde, ohne auch nur um Haaresbreite von ihren Anschauungen abzugehen, die Generallosung übernommen, üben aber keine Selbstkritik, bleiben bei ihren rechten Ansichten, besonders in der Staatsmacht, in der Armee, in der Wirtschaft, aber auch in der Partei. Alle bemühen sich, ihre Stellung zu festigen, um nach dem Tod Maos, der es, wie Behar, meint, nicht mehr lange machen wird, die Macht zu ergreifen. «Man spricht davon», sagte Behar, «dass Verhaftungen vorgenommen werden, doch die, die ins Gefängnis gesperrt werden, sind unbekannt, mittlere und untere Kader. Die grossen Rechten bleiben in ihren alten Positionen, einmal wird es still um sie, dann treten sie wieder hervor, werden wieder in der Zeitung erwähnt, um irgendwie den Eindruck zu erwecken, es herrsche Harmonie.y

Es scheint, als seien die Rechten stärker. Sie haben viele Schlüsselfunktionen in der Hand und nutzen sie aus, während die «Linken» nur die Presse in der Hand haben und sich hinter Maos Namen verstecken.

Die Fremdenfeindlichkeit ist gross, auch uns, den Albanern, gegenüber. Alle werden beobachtet, überwacht. Wenn sie ins Kino oder ins Restaurant gehen wollen, können sie das nur in Begleitung und an ganz bestimmten Orten. Nach eigenen Aussagen werden Chinesen verhaftet, wenn sie mit einem Ausländer Umgang haben.

Überall wird viel gebaut, grosse moderne Wolkenkratzer und Kombinate werden errichtet. Man erhält Kredite von den Vereinigten Staaten von Amerika, von Japan, von der Deutschen Bundesrepublik, Frankreich usw. Dabei gibt es zwei Sorten von Krediten: entweder bei diesen Staaten auf fünf Jahre oder bei kapitalistischen Privatbanken, die die Investitionen finanzieren. Dann ist die Tilgung längerfristig und es besteht Gewinnbeteiligung. Hongkong ist für China zum Zentrum der kapitalistischen Finanzierung geworden.

Im chinesischen Volk ist die Meinung über uns, über Albanien, gut. Doch neben uns geht am Himmel besonders der Stern Rumäniens auf, und auch der Jugoslawiens. Die Führungen dieser beiden Länder spielen als Agenturen der Imperialisten und der Revisionisten eine grosse Rolle bei der Zersetzung jenes bisschen Sozialismus, das in China übriggeblieben sein mag. Die rumänischen und jugoslawischen Revisionisten arbeiten unter der Maske des Antisowjetismus an der Zerstörung Chinas.

Von guten politischen Beziehungen zu uns kann überhaupt nicht die Rede sein, alles ist Maske, Fassade. «Freundliche» Worte und Slogans, aber ohne Inhalt. Unter den Volksmassen ist es ein wenig anders, doch der Widerhall unserer Freundschaft erlischt wie ein Strohfeuer, erstickt von den Spritzenmeistern vieler Sorten und vieler Farben. Doch wir haben auch Freunde in China. Man hat Behar erzählt, in der höchsten chinesischen Führung werde gegenwärtig über die Frage Albaniens diskutiert. Es gibt Führer, die die Frage aufgeworfen haben: «Warum werden die Lieferungen behindert und warum werden die Albanien gegenüber übernommenen Verpflichtungen nicht eingehalten? Warum verhalten wir uns Albanien, unserem Freund, gegenüber so, während wir bei Ländern; die wir noch kaum kennen, Bereitschaft zeigen?!» Ebenso hat ein Funktionär der Abteilung für Auslandsinvestitionen zu einem unserer Genossen gesagt: «Wir haben die Anweisung erhalten, dass wir über alles für die anderen diskutieren können, nur nicht übet die Probleme Albaniens, denn die studiert die Führung.»

Das sind, in aller Kürze, einige Streiflichter aus China. Wir haben all diese Vorgänge und Entwicklungen verfolgt. Chinans Aussenpolitik hat sich keinen Deut geändert: Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika, gegen die man sich beinahe überhaupt nicht äussert. Gegen die Sowjets wird nur ein politischer Kampf geführt, ideologisch entlarvt man sie nicht. Die Freundschaft reicht bis zu den Faschisten, wenn sie nur ein Wort gegen die Sowjetunion fallen lassen. Eine prinzipienlose, antiprole4tarische, antimarxistische, revisionistische Politik, die Politik einer aufsteigenden «Grossmacht».







POGRADEC, DONNERSTAG.

29. JULI 1976







UNS GEGENÜBER VERFOLGEN DIE CHINESEN EINE

«HINHALTETAKTIK»



China ist dabei, seine probjugoslawische Propaganda erheblich zu verstärken, gar nicht zu reden von Rumänien. Was dieses anbelangt, demonstriert es in jeder Hinsicht Gedankeneinheit - politisch, ideologisch, in Partei- und in Staatsfragen. Delegationen jeder Art aus beiden Ländern gehen in China haufenweise aus und ein. Jugoslawien und China haben auch Parteibeziehungen aufgenommen, kaschieren sie aber aus Gründen der Opportunität. Denn nicht nur für die Chinesen ist das nicht gut, auch den Jugoslawen nützt vorderhand ein offener Parteikontakt mit den Chinesen nicht.

Tito ist verkappt am Werk, den Marxismus-Leninismus in China zu unterminieren, wie er das überall tut, wo er den geeigneten Boden dafür findet. Die Chinesen nehmen sogar Kränkungen durch die Jugoslawen hin, ich meine dabei die diplomatischen Empfangsformen. Hier sind beide Seiten übereingekommen: die Titoisten sind bemüht, die Sowjets nicht zu verärgern, und die Chinesen haben volles Vertrauen in die «antisowjetische» Taktik und Strategie der Titoisten. Deshalb werden Leute wie Ministerpräsident Bijedic,

Mahmut Bakalli und Kosta Nagi in China herzlich empfangen, ja die Chinesen fahren mit ihnen sogar zur Besichtigung der chinesischen strategischen Knotenpunkte an die Grenzen zu den Sowjets. Unsere Genossen haben sie niemals dorthin geführt. Mahmut Bakalli wurde von ihnen mit besonderer Aufmerksamkeit als «Sohn» des albanischen Kosova empfangen.

Die Chinesen stehen im Gegen3atz zur Linie unserer Partei und

unseres Staates. Sie haben uns offen empfohlen, ein Bündnis mit Jugoslawien einzugehen (so sagte Tschou En-lai zu Beqir Balluku).

Das heisst, sie wärmten die alte Geschichte wieder auf, den Traum die Titoisten, aus Albanien die siebte Republik Jugoslawiens zu machen. Täglich bringen die chinesischen Zeitungen Nachrichten übel Jugoslawien, verteidigen seine Politik, lobhudeln Tito offen in überschwänglichen Worten. Mao Tsetung hat seit damals, als er zu mir und Mehmet sagte: «Tito hat keine Schuld, Schuld haben vielmehr Stalin und die Komintern», seine Ansicht über Tito nicht irr geringsten geändert. Doch Stalin war und bleibt ein grosser Marxist Tito und Mao dagegen haben die gleiche Farbe, allerdings keine rote

Irgendwann einmal, wenn offen zutage tritt, was Mao wirklich gewesen ist, wird man die Frage stellen, warum wir ihn als «grossen Marxisten-Leninisten» bezeichnet haben. Das haben wir tatsächlich gesagt, doch nicht mit voller Überzeugung. Waren wir also Opportunisten? Nein, wir wollten stets das Beste für das chinesische Volk, die Kommunistische Partei Chinas, die offen Stalin verteidigten, wir wollten auch das Beste für Mao selbst.

Die Chinesen und Mao kämpften, doch in ihrer Linie nach der Befreiung gab es ausgeprägt opportunistische, liberale Elemente. Wir glaubten, diese Auffassungen seien vorübergehend. Nach Stalins Tod zeigte sich Mae «gemäßigt» in der Kritik an Stalin, aber begeistert über die Handlungen Chruschtschows. Später stieß er gegen Chruschtschow ins Horn, und wir meinten, er sei wieder in die Reihe gekommen, doch es waren andere, konjunkturbedingte, ideologische Motive, die ihn zu dieser volte-face* *( Kehrtwendung (frz. im Original)) trieben. Als die Kulturrevolution begann, war unsere Partei der Meinung, wir müssten China und Mao, die von der Reaktion und den Revisionisten bedroht wurden, mit aller Kraft verteidigen. Wir nannten ihn weitcr einen <;grossen Marxisten-Leninisten», waren aber gegen den übersteigerten Kult, den die Chinesen in widerwärtiger Weise um Mao veranstalteten. Wir lehnten es ab, uns über den blühenden Unsinn der Chinesen zu verbreiten und ihn zu veröffentlichen. Meine Meinung über diese unmarxistischen Positionen der Chinesen und Maos habe ich in besonderen Aufzeichnungen zu China in allen Einzelheiten dargelegt.

Besonders nach der Kulturrevolution gerieten die Aussenpolitik Chinas und andere Handlungen der Kommunistischen Partei Chinas in Gegensatz zu unserer Linie. Wir hatten eine richtige Taktik eingeschlagen, und unsere Linie zu allen Problemen wurde öffentlich bekanntgegeben. Sie geriet in Gegensatz zur Linie der KomInunistischen Partei Chinas, des chinesischen Staates und Maos. Alle sahen diese Differenzen, doch wir wollten damit China zum Guten beeinflussen, damit es seine Haltung ändere. Wir richteten auch offizielle Briefe an Mao Tsetung, die dieser nie beantwortete. Im Gegenteil, die Chinesen reduzierten die Hilfen für uns auf ein Minimum und wullen mit Parolen und Schlagworten den Eindruck erwecken, in den Beziehungen zwischen unseren beiden Parteien und Ländern sei überhaupt nichts vorgefallen, obwohl sich in Wirklichkeit Grosses ereignet hat. Doch die Chinesen verfolgen uns gegenüber eine «Hinlialtetaktik».















POGRADEC, DIENSTAG,

17. AUGUST 1976





IN CHINA GAB ES «HUNDERT STRÖMUNGEN» UND

«HUNDERT SCHULEN»





Die Genossen fragen mich oft: Wie viele ideologische Strömungen hat es zur Zeit der Kulturrevolution in China gegeben, und zu welcher Strömung gehörte Mao? Natürlich ist es nötig, dass ich den Genossen meine Meinung mitteile, so richtig sie eben sein kann. Nur kann ich ihnen diese Meinung nicht aufs Geratewohl sagen, sondern muss dabei aufbauen auf dem, was in China geschehen ist, und diese Angaben vom Standpunkt des dialektischen und historischen Materialismus zu analysieren versuchen.

Ich habe die Ereignisse in China ständig aufmerksam verfolgt und zu jedem Vorfall meine Schlussfolgerungen gezogen, die ich zur rechten Zeit niedergeschrieben habe. Ich tat dies, weil China und seiner Kommunistischen Partei auf der Welt und in der kommunistischen Weltbewegung eine grosse Mission anvertraut war.

In China gab es «hundert Strömungen» und «hundert Schulen». Das hat Mao Tsetung selbst gesagt. Er brachte das Motto auf : «Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern.» Das ist so sicher, wie eins und eins zwei gibt. Also akzeptierte Mao Tsetung nicht nur «hundert Strömungen und hundert Schulen» im Sozialismus, er liess sogar zu, dass sie sich in «friedlicher Koexistenz» entwickelten. Es versteht sich von selbst, dass die Theorie von den «hundert Blumen und hundert Schulen» revisionistisch ist. Die gegenwärtigen modernen Revisionisten sagen: «Wir müssen gemeinsam mit allen Parteien zum Sozialismus schreiten, auch den rechtsextremen», das heisst, den Faschisten.

Diese Idee praktiziert Mao Tsetung zu einer Zeit, da die Kommunistische Partei Chinas die Macht ergriffen hat und «den Aufbau des Sozialismus leitet».

Der «grosse Steuermann» spricht, nach alter Gewohnheit, vom «Gipfel des Olymp» aus, wie es ihm gerade durch den Kopf fährt. Eines Tages kommt ihm ein anderer Gedanke - der, die «hundert Blumen und hundert Schulen» auszurotten, wie Unkraut ausgerottet wird. Doch diese «Ausrottung» hing natürlich nicht mehr vom «Kopf des Zeus» ab. Die «hundert Blumen und hundert Schulen» gediehen weiter, doch nun in zwei «Gärten»: im «Garten» Liu Schaltschis und im «Garten» derer, die die Kulturrevolution machten.

Liu Schao-tschi, Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen und andere bildeten den rechten Flügel in der Kommunistischen Partei Chinas. Diese Gruppe hatte die «hundert Blumen und hundert Schulen» unter ihrem Schirm gesammelt und beherrschte China. Die wichtigsten Mitglieder dieser Gruppe hatten die Partei, die Armee, die Staatsmacht, die Wirtschaft und die Massenorganisationen an sich gebracht, «Zeus» auf dem Olymp dagegen war nichts als eine Galionsfigur. Eines Tages erwachte er und stellte fest: «Die werden mich stürzen.» Und so stützte er sich auf die Gruppe mit Kang Scheng, Lin Biao, Tschen Bo-da und anderen und löste die Kulturrevolution aus, mit dem Befehl: «Greift das Hauptquartier an!», das heisst, die rechte Gruppe. Doch diese Revolution brachte auch neue Führer hervor: Dschang Tschun-tjiao, Wang Hung-wen, Djiang Tjing, Yao Wen-yüan und andere.

Und mit den «Rotgardisten» und Millionen von Lin Biao in Zivil gesteckten Soldaten griff die Kulturrevolution das Hauptquartier an und siegte. Tschou En-lai wechselte das Hemd, krümmte sich wie ein Aal und unterwarf sich Mao. Deshalb blieb er unangefochten auf seinem Platz, entging der Säuberung. Als «die Situation gerettet war», bestieg Mao wieder den «Olymp» und Tschou begann, die Geschäfte auf der «Erde» zu organisieren. Tschou musste Lin Biao liquidieren, und - wie es nun auch immer geschah, ob eine Inerige gesponnen oder ein Komplott geschmiedet wurde - Lin Biao wurde liqLiidiert. Und Kang Scheng wurde krank und starb. So musste Tschou nur noch die Jungen liquidieren. Systematisch arbeitete er mit Maos Hilfe auf dieses Ziel hin. Er sammelte, angeblich unter Maos Banner, alle Rechten, rehabilitierte Deng Hsiao-ping und hob ihn aufs Podest. Wie aus der Theaterloge sah Mao zu, wie sich die Leute im Parkett prügelten», und wartete ab, «wer die Oberhand behalten» würde.

Mao war und ist ein Zentrist, ein Zuschauer, ein Marxist-Leninist à l'eau de rose, wie die Franzosen sagen.

Der «grosse Steuermann» will «unparteiisch» im Urteil sein, er will verfahren wie die Bourgeoisie bei der «Recht» Sprechung, die durch eine «schöne» Frau mit verbundenen Augen und einer «ausserordentlich präzisen» Waage in der Hand symbolisiert wird, um «unparteiisch» zu erscheinen.

Wir werden sehen, wie sich diese Situation nun weiterentwickelt. Unsere Pflicht als Partei ist es, sie zu beobachten und wachsam zu sein.





DIENSTAG,

24. AUGUST 1976





DIE CHINESEN MACHEN UNS SCHWIERIGKEITEN



Mao Beta, stellvertretender Minister für Industrie und Bergbau, der sich in China aufhält, benachrichtigt uns, dass die Chinesen Schwierigkeiten machen und die Fristen für den Bau und die Fertigstellung einiger Werke des Metallurgischen Kombinats hinauszögern. Dabei verschanzen sie sich hinter dem grossen Erdbeben im Juli dieses Jahres in Tangschan-Fengnan, das zwar offensichtlich, wie se sagen, sehr schwer war, jedoch nicht das geringste mit diesen Objekten zu tun hat.

Ich meine, wir sollten die Vorschläge akzeptieren, die vernünftig sind. Bei den anderen dagegen, wo es um einen unbefristeten Aufschub geht, solite unsere Seite erklären, dass wir nicht einverstanden sind, auch wenn wir damit nichts ändern können. Den «Grund», das Erdbeben zwinge sie angeblich dazu, diese Werke aufzuschieben, akzeptieren wir nicht. Was die anderen Punkte anbelangt, sollten wir die Protokolle unterzeichnen, ohne das Erdbeben zu erwähnen. Falls sie darauf beharren, sollte man die Unterzeichnung des Protokolls verweigern und nach einer schriftlichen Stellungnahme nach Albanien zurückkehren.

Heute besuchte mich Genosse Behar Shtylla zu Hause, denn er wird morgen nach Peking zurückkehren, um seine Pflichten wahrzunehmen. Natürlich unterhielten wir uns über die Lage in China und den Stand unserer Beziehungen zu den Chinesen.

Ich fasste für Behar zusammen, was wir von der politischen und ideologischen Linie der Kommunistischen Partei Chinas halten. Behar sieht in diesen Dingen klar. Wir verfolgen unsere eigenständige und offene Linie, und obwohl wir niemals über die chinesische Linie sprechen, sieht alle Welt die Widersprüche zwischen der Linie unserer Partei und der Linie der Kommunistischen Partei Chinas. Zweifellos sehen das auch die Chinesen, die mit der marxistischleninistischen Linie unserer Partei nicht einverstanden sind. Sie verhalten sich kühl, ja sind sogar zornig auf uns. Offen lassen sie nichts erkennen, arbeiten aber in Wirklichkeit gegen uns, indem sie uns unter Druck setzen. Sie verlangsamen den Bau der Werke und zögern vor allem ihre Fertigstellung hinaus. Ausserdem geben sie uns die Kredite nicht und halten die vertraglich festgelegten Wirtschaftsabkommen nicht ein. Die Chinesen hatten gemeint, wir seien ihnen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Sie wollten und wollen uns in Abhängigkeit von sich bringen. Sie wollten und wollen, dass wir ihrem antimarxistischen Kurs folgen. Dies geschah jedoch nicht und wird nicht geschehen. Dennoch hatten die Chinesen in ihrem Grossmachtdenken geglaubt, wir würden ihrer proamerikanischen, probreaktionären Linie folgen. Sie glaubten auch, wir würden für die EWG, das «Vereinte Europa», Tito, Ceau5escu, Pinochet und Franco eintreten. Aber sie haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht!

Wie damals die Sowjets hat nun auch die chinesische Führung begonnen, Druck auf uns auszuüben. Zunächst begannen sie mit wirtschaftlichen Pressionen, gingen dabei jedoch nicht nach der Methode der Sowjets vor. Die Chinesen stellen die Zahlung der Kredite an uns nicht ein, sie schieben sie auf, vermindern sie. «Wir haben nichts, wir sind arm», erklären sie uns, und diese Aussage kleiden sie in heuchlerische Parolen: «Wir sind Freunde», «unsere Freundschaft ist unverbrüchlich» und dergleichen Palaver mehr. All das liegt daran, dass die Linie ihrer Innen- und Aussenpolitik nicht auf dem Marxismus-Leninismus, sondern auf den «Maotsetungideen» gründet, die mit der Linie unserer Partei weder in der Ideologie noch in der Politik, noch in der Organisation übereinstimmen. Die «Maotsetungideen» stellen eine opportunistische, liberale Strömung dar. Dies zeigt sich klar im ganzen Denken und Handeln der chinesischen Führer.

Die Chinesen (ich meine damit die Führung und nicht das Volk und die Masse der Kommunisten) sind tückisch und heuchlerisch. Wenn sie dich brauchen, schmieren sie dir Honig um den Mund, wenn sie dich nicht brauchen und du ihnen nicht beipflichtest, lassen





sie dich sitzen. Als wir gegen Chruschtschow kämpften, setzten sich die Chinesen nicht für uns ein, sie «hüteten sowohl die Ziege als auch den Kohl•>, weil sie zu der Ansicht neigten, Chruschtschow werde Mao als obersten Chef akzeptieren. Als sie sahen, dass Chruschtschow ihnen Grenzen setzte, wurden Mao und seine Genossen Feuer und Flamme für uns und propagierten unser Land und unsere Partei stark unter ihrem Volk. Das war ein Sieg und bleibt auch jetzt ein grosser Sieg für uns. Auch jetzt wagt die chinesische Führung nicht, diesen Sieg zu attackieren, vielmehr «nagt» sie an ihm unter der Erde, wie eine Maus.

Als Grossmacht schlug China in seinem Hegemoniestreben nach Lin Biaos Liquidierung den proamerikanischen, prowestlichen Kurs ein, um die Sowjetunion zu bekämpfen. Es stützt sich nun auf die Vereinigten Staaten von Amerika und diese stützen sich auf China, das es auf den Ausbruch eines Kriegs mit der Sowjetunion anlegt.

Wenn in China nicht eine radikale Wende in marxistisch-leninistischer, revolutionärer Richtung stattfindet, werden die albanischchinesischen Beziehungen durch die Schuld der chinesischen Führer abkühlen.

Offen können sie gegen uns nicht auftreten, doch den wirtschaftlichen Druck werden sie mit Sicherheit fortsetzen. Wir werden natürlich Maßnahmen ergreifen und aus eigener Kraft (und Kräfte

haben wir) mit der Sabotage der Chinesen fertigwerten.

Ich sagte Behar, dass in China, wie er selber weiss, das Chaos regiert, der Kampf zweier Linien. Wer stärker ist und wer siegen wird, lässt sich nur schwer sagen. Möglich, dass man ein opportunistisches Einvernehmen erzielt und für die Zeit nach Mao einen neuen «Mao» vorbereitet. Der hätte dann die Linie zu dosieren und auszubalancieren, die Unversöhnlichen zu versöhnen, Chinas «Gang» zum Sozialismus mit «hundert Blumen», mit vielen Linien und in Eintracht sicherzustellen, auf dass sich das hegemonistische China in rosigen Farben darbiete.























MONT AG,

30. AUGUST 1976





DIESER ZUSTAND IST WEDER NORMAL

NOCH REVOLUTIONÄR



Die Nachrichten, die aus China eintreffen, gleichen dem Echo vom Meeresgrund, der existiert, obwohl man ihn nicht sieht. An der Oberfläche lässt sich täglich eine hemmungslose Propaganda gegen Deng Hsiao-ping feststellen, doch weshalb man über ihn herzieht und was man ihm vorwirft, das dringt nicht aus der Partei heraus. Dieser Zustand ist keinesfalls normal, ist nicht revolutionär.

Die Propaganda gegen die Rechte entsprechend Maos Schlagwort: «Die Bourgeoisie sitzt mitten in der Partei» schlägt hohe Wellen. Diese Rechte, diese Bourgeoisie erfreut sich allerdings uneingeschränkt ihrer bisherigen wichtigen Positionen. Dieser Zustand ist keinesfalls normal, keinesfalls revolutionär.

Man macht grosse Worte um den Klassenkampf, man spricht von der Diktatur des Proletariats und schreibt Artikel darüber, doch weder lässt sich feststellen, dass der Klassenkampf geführt würde, noch scheint die Diktatur des Proletariats zu funktionieren, versetzt sie doch den Feinden keine Schläge. Dieser Zustand ist keinesfalls normal, keinesfalls revolutionär.

Anscheinend haben die gegnerischen Strömungen die Sessel besetzt. Eine Seite hat die Mikrophone und die Presse in der Hand, die andere die Wirtschaft und das Gewehr. Die eine scheint nervös, die andere ruhig zu sein, natürlich, denn sie hat das Gewehr. Mao scheint nirgendwo hervorzutreten, um zu sprechen, den Ton anzugeben, Direktiven zu erteilen. Nur im Rundfunk und in der Presse hört oder liest man einige Parolen von ihm, die allesamt zweischneidig sind, leicht sowohl von den Linken als auch den Rechten benutzt werden können. Es wird gänzlich im Dunkeln belassen, wann und bei welcher Gelegenheit Mao diese Parolen und Schlagworte geäußert un gegen wen er sie gerichtet hat. Nichts. Sie haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den Gleichnissen der Evangelisten.

Wie man sieht, ist es um Chinas Zukunft nicht gut bestellt. Ich meine, dass es dort «Taifune» geben wird, wie sich die Chinesen ausdrücken. Doch wen wird der Sturm wegfegen : die Linken oder die Rechten, die Reaktionäre Tschous, Dengs, Li Hsiän-niäns oder die jungen Führer, Wang Hung-wen und Genossen?.

An der Oberfläche scheint es heute, als seien die jungen Führer stark, doch unter der Oberfläche des grossen chinesischen Ozeans brodelt es. Und ich kann mir vorstellen, dass Tschous und Dengs Leute Maos - wenn auch nicht offene - Unterstützung haben, denn seine opportunistischen und liberalen Ideen sind eine gewaltige Hilfe für sie. Sie sind schon zufrieden, wenn ihnen niemand in die Quere kommt, mag auch das «Sprachrohr» noch so schwadronieren. Die Rechten warten Maos Tod ab und werden dann mit Sicherheit handeln.





SAMSTAG,

4. SEPTEMBER 1976





DIE CHINESEN HALTEN IHRE VERPFLICHTUNGEN

HINSICHTLICH DER OBJEKTE DES METALLURGISCHEN

KOMBINATS NICHT EIN



Genosse Maqo Bleta teilt uns per Radiogramm mit, dass die Chinesen in keinem Punkt bereit sind, von den falschen Ansichten abzugehen, die sic im Zusammenhang mit der Unterzeichnung der Protokolle und der fristgerechten Lieferung für die Objekte des Metallurgischen Kombinats vorbringen, zu denen sic sich früher verpflichtet hatten. Wie es scheint, wollen sic uns mit der Nichteinhaltung ihrer Verpflichtungen in bezug auf das Metallurgische Kombinat einschüchtern. Unter dem Vorwand des Erdbebens, das China getroffen hat, wollen sic in den Freundschaftsbeziehungen zu unserem Land eine 180-Grad-Wendung vollziehen. Für sic hatte die Freundschaft offensichtlich einen anderen Zweck: über die Runden zu kommen, als sic in Schwierigkeiten steckten. Von unserer Seite aus dagegen war es cine aufrichtige Freundschaft.

Wie dem auch sei, Maqo Bleta wird ihnen eine entschlossene und marxistische Antwort geben.





SONNTAG,

5. SEPTEMBER 1976





CHINESISCHE ERPRESSUNG UND WIRTSCHAFTSBLOCKADE

GEGEN ALBANIEN



Die unfreundlichen, um nicht zu sagen feindsclien Akte Chinas unserem Land gegenüber häufen sich immer mehr. Die Chineen verzögern den Import und Export offen und auf skandalöse Weise, um unserer Wirtschaft zu schaden und uns in Schwierigkeiten zu stürzen.

Bis zum August haben die Chinesen an „ins nur 22 Prozent der vorgesehenen Waren ausgeführt, wir hingegen haben unseren Export an sic zu mehr als 80 Prozent realisiert.

Bei den Importen, die wir aus China erwarten, handelt es sich um Grundstoffe für unsere Industrie. Alle dies-, Importe sind in Effiziellehn Verträgen festgelegt und finden auf Clearingbasis statt. Unsere Waren wurden alle geliefert. Das heisst, wenn ich mich nicht äusche. dass wir mit China eine aktive Handelsbilanz haben. Das ist schändlich von den Chinesen, und es ist klar; dass sic Sabotage gegen uns betreiben. Wir waren gezwungen. unseren Botschafter in Peking, Behar, anzuweisen, mit dem chinesischen Aussenhandelsminister. Li Tjiang, Kontakt aufzunehmen und bei ihm zu protestieren. Eehar nahm Kontakt auf, stellte ihm die Lage in allen Einzelheiten dar und «bat» ihn, dringend Massnahmen zu ergreifen und die Waren an uns abzuschicken. Schiffe von uns wie die «Vlora» liegen bis zu 120 Tagen in den chinesischen Häfen, um Ladung aufzunehmen - cine Sache. die in 5 Tagen abgewickelt werden kann.

Herr Li Tjiang hörte Behar an, tat aber son. als sei er nicht im Bild (was cine gemeine Luge ist), versprach, er werde sich darum kümmern und kommende Woche Antwort t geben.

Die Chinesen bedienen sich uns gegenüber niederträchtiger Handelsmethoden, wie sie kein einziges kapitalistisches und revisionistisches Land praktiziert. China schliesst die Handelsverträge mit dem «befreundeten» Albanien in zwei Etappen: einen Teil im ersten und den anderen im zweiten Halbjahr. Das bedeutet, dass die Waren, die im ersten Halbjahr kontrahiert werden, gegen Ende des Jahres kommen und die Waren des zweiten Halbjahrs im ersten Halbjahr des folgenden Jahres. Nach dieser Praktik liefern wir den Chinesen unsere Waren binnen Jahresfrist, sie dagegen ihre im Verlauf von anderthalb Jahren oder mehr. Die Waren des zweiten Halbjahrs des laufenden Jahres aus China haben deshalb überhaupt noch nicht einzutreffen begonnen. Auf Behars Forderung, albanische Arbeitsgruppen sollten zu Gesprächen nach China kommen, antwortete Li Tjiang: «Wir wollen sehen, ob es uns möglich sein wird, sie vor Dezember zu empfangen.» Mit anderen Worten soll das heissen, dass der Handel mit China, den sie gegenüber früher auf jährlich 30 Prozent gedrückt haben, noch weiter gedrückt werden soll - auf jährlich 15 Prozent. Das ist offen feindselig.

Auf der anderen Seite ist die Industriedelegation, die in Fragen des Metallurgischen Kombinats nach Peking gefahren ist, seit beinahe drei Monaten den Erpressungen und dem arroganten Druck der Chinesen ausgesetzt. Anders ausgedrückt, sie wollen uns wichtige Abteilungen des Kombinats nicht liefern, deshalb legen sie keinerlei Termin fest, wollen das Damoklesschwert über unserem Kopf hängen lassen. Und all diese Absichten versuchen sie mit Phrasen zu kaschieren: «Wir beherrschen die Technologie für dieses und jenes noch nicht.» Das sind samt und sonders Lügen, denn im Arbeitsprogramm, das sie uns früher geschickt hatten, ist vermerkt, ihre Delegation werde «der ersten Produktion von Walzgut beiwohnen».

Darüber hinaus versuchen die Chinesen, uns die Protokolle, die wir unterzeichnen werden, so aufzuzwingen, wie sie sie haben wollen, und beharren darauf, dass der Punkt darin aufgenommen wird, dass «das Erdbeben, das China heimgesucht hat, möglicherweise die Lieferungen erschwert und die albanischen Freunde dafür Verständnis aufbringen müssen». Auf ihren arroganten Anspruch «Wir haben das .j Recht zu sprechen, schließlich sind wir die Lieferanten» gaben ihnen unsere Genossen in den Verhandlungen zwischen den beiden Seiten die gebührende Antwort: «Wir unterschreiben nur Protokolle über Fragen, in denen wir übereingekommen sind. Falls ihr euren Standpunkt in einem Anhang festhalten wollt, werden wir den unseren ebenfalls festhalten.» Die Chinesen, sagt Maqo Bleta, wurden unruhig, als wir dies sagten, und schlugen vor: «Reden wir noch einmal darüber, damit es zwischen uns keine Differenzen gibt.» Und so steht die Sache noch immer.

Andererseits sagte der chinesische stellvertretende Aussenminister Yü Dschang zu Behar, wir sollten unser Einverständnis zum Besuch von Freundschafts-, Kultur- und anderen Delegationen in

den nächsten Monaten geben. All dies machen die Chinesen aber nur, um ihre feindseligen Akte zu bemänteln und sich mit pseudofreundschaftlichen Akten zu präsentieren. Sie wollen also den Schein wahren, während sie andererseits die Freundschaft unterminieren.

Was den neuen chinesischen Botschafter betrifft, der nun schon seit Monaten nicht kommt, weil er angeblich krank gewesen ist, so erklärte Yü Dschang Behar, er werde um den 15. September herum

Eintreffen. «Es geht ihm immer noch nicht gut», sagte Yü Dschang, «immerhin wird er kommen. Dann werden wir weiter sehen, denn vielleicht wird er wieder nach China zurückkehren, um sich zu erholen», schloss er.

Was ergibt sich aus all dem Jelen, das uns die chinesischen Revisionisten antun? Genau die gleichen Gemeinheiten haben auch die Sowjetrevisionisten uns gegenüber begangen, allerdings mit

einem Unterschied: die Sowjets brachen die Beziehungen zu uns auf brutale Weise ab, die Chinesen dagegen gebrauchen Winkelzüge und die Methode: «Biegen, aber nicht brechen.» Ihre Taktik ist: "Brich du, nicht wir.» Worum geht es den chinesischen Revisionisten mit dieser Taktik? Sie sehen, dass unsere Partei einen richtigen, marxistisch-leninistischen Weg verfolgt, doch den Chinesen gefällt r Weg nicht, sie wollen, dass wir ihren revisionistischen und ätherischen Weg gehen. Das werden wir niemals tun. Wir werden jetzt und in Zukunft auf unserem richtigen Weg bleiben, der dem ihnen entgegengesetzt ist. Sie haben nicht die Macht, uns ihren Willen ihre Linie aufzuzwingen, deshalb werden die Versuche, die sie unternehmen, entlarvt.

Also haben die Chinesen mit Erpressungen und Druck auf dem Gebeit der Wirtschaft begonnen, mit dem Ziel, uns einzuschüchtern und fügsam zu machen. Trotz unserer Haltung kommen sie nicht zur Einsicht und denken und handeln wie eine revisìonistische Grossmacht. Ich bin schon früher auf das Gespräch eingegangen, dal Tschou mit Beqir Balluku hatte, um ihn zu dem zu veranlassen, was er dann auch tat. Das gleiche hatte er auch mit Abdyl Këllezi getan Gewiss waren die Chinesen aufs äußerste aufgebracht, dass wir mit ihren Freunden kurzen Prozess gemacht haben. Und genau zu der Zeit, als wir mit den Verrätern abrechneten, 'begannen sie, den wirtschaftlichen Druck zu verstärken.

Wir werden nun unseren 7. Parteitag abhalten. Sie könntet sich vorstellen, dass wir dort unsere Linie darlegen, und diese Linie wird offen sein, im Gegensatz zur Linie der Chinesen stehen, ohne dass diese irgendwie direkt erwähnt werden. Doch der ganzen Welt wird klar werden, dass zwischen unseren beiden Parteien in einer Reihe von Schlüsselproblemen prinzipielle Widersprüche bestehen.

All dal, was ich oben erwähnt habe, machen die Chinesen; um Druck auf uns auszuüben, damit wir auf dem Parteitag nicht uni, Re kristallklare Linie darlegen. Doch sie sind mit Blindheit geschlagen und es wird ihnen übel ergehen. Wir fürchten uns vor niemand. Wir sind auf dem richtigen Weg, sollen sie zittern!

Verständlich auch der Grund, warum sie vor dem Partei «Freundschafts-» Delegationen schicken wollen. Das ist eine eh lische List, um zu sagen: «Ihr mit Steinen, wir mit Blumen.»

Damit erklärt sich auch, was uns Yü Dschang über den chi siechen Botschafter sagte, dass er nämlich «möglicherweise nach na zurückkehren wird». Das soll eine Anspielung sein: «Wenig'! weiter euren Weg geht, ziehen wir den Botschafter ab», unter dem Vorwand, er sei «krank». Dann sinken die Beziehungen unseren Ländern unter Null, so wie die zu den anderen Revisionisten. Das ist der Gedankengang der Chinesen, doch woran sie nicht denken: dass uns das völlig egal ist - unsere Berge werden de nicht kleiner. Wir wollen die Freundschaft mit China, haben um sie bemüht und werden dal weiter tun, doch dal multe Freundschaft auf marxistisch-leninistischem und keinem andere„ sein. Die Freundschaft als Sklave, unter Druck, unter Erpressung egal ob von China oder irgend jemand anderem, weisen wir schroff zurück. Die chinesischen Führer handeln wie die Führer einer .Grossmacht». Sie meinen: «Die Albaner haben mit der Sowjetunion gebrochen, weil sie uns hatten, wenn sie auch mit uns brechen, werden sie zu den Sowjets zurückkehren.» Deshalb sagen sie: «Ob mit uns oder den Sowjets, ist einerlei, die Albaner sind am Ende.» Doch sie können uns den Buckel herunterrutschen! Wir werden gegen diesen gesamten Unratzkämpfen, denn wir sind albanische Marxistenleninisten und werden auf unserem richtigen Weg stets siegreich sein!





DONNERSTAG,

9.. SEPTEMBER 1976







MAO TSETUNG IST GESTORBEN



Heute wurde gemeldet, dass Genosse Mao Tsetung gestorben ist. Sein Tod, besonders in dieser verworrenen Situation, schmerzt und , beunruhigt uns. Er ist ein grosser Verlust für China.

Meiner Meinung nach war Mao Tsetung ein Revolutionär, eine Persönlichkeit, deren Bedeutung nicht nur auf China beschränkt blieb, sondern sich auch auf internationale Ebene erstreckte.

Mao Tsetung führte die Kommunistische Partei Chinas und das grosse chinesische Volk beim grossen Sieg der Befreiung Chinas von t der Knechtung durch die Besatzer und von der reaktionären Kuomintangclique. Dies war ein Erfolg von grosser historischer Bedeutung, sowohl für das chinesische Volk wie für das Lager des Sozialismus und die Völker, die für Befreiung kämpften und kämpfen.

Unter Maos Führung begann der Aufbau des Sozialismus in China. (Mindestens war das unsere Überzeugung bis heute, da wir sehen, dass dieser «Aufbau» im Zickzack vollzogen wurde.) Unserer Meinung nach sind die Dinge nun an dem Punkt angelangt, da sich die Frage stellt: Wer wird in China siegen, der Sozialismus oder der Kapita lismus? Deshalb ruft der Tod des Genossen Mao Tsetung bei uns au grosse Besorgnis um die Zukunft des chinesischen Volkes herv um den Weg, den China nach seinem Tod einschlagen wird. Gewönnen wir uns heute darüber noch nicht äußern, die Zeit wird uns Aufklärung geben. Mögen wir uns irren, doch die Fortfrüh dieser Linie, die die Chinesen «Maotsetungideen» nennen, einer nie, die nichts mit dem Marxismus-Leninismus gemein hat, wird China na nichts Gutes bringen.

Als Denker und Philosoph, als revolutionärer demokratisch Führer des chinesischen Volkes ist Mao Tsetung eine historische Persönlichkeit, doch die Geschichte und die marxistisch-leninistische Analyse der Situation in China werden klären, dass er zwar ein Philosoph mit umfassender Kultur, aber kein Marxist-Leninist war. Er war zutiefst geprägt von der alten chinesischen Philosophie des Konfuzius u.a. Und Eklektiker, der er war, fand der Marxismusleninismus in seinem Werk nur in Form bruchstückhafter Prinzipien und Ideen Eingang:

. Gerade sein philosophischer Eklektizismus liess Mao sozusagen zum Vermittler zwischen den verschiedenen Strömungen werden, die es. in China ständig gab und die er duldete, förderte und zum angeblich dialektischen «Aufeinanderprallen» brachte. Nun konnte sich seine Vermittlertätigkeit sowohl zum Guten als auch zum Schlechten auswirken, doch wie auch immer, dies konnte nur funktionieren, solange Mao selbst am Leben war. Nun ist er gestorben. Wird China seine rote Farbe behalten, und wird sich dieses Rot in ein wirkliches, flammendes, revolutionäres, marxistisch-leninistisches Rot verwandeln?

Mit all unserer kommunistischen Aufrichtigkeit wünschen und hoffen wir aus ganzer Seele, dass es so kommen möge, denn das wäre zum Wohl Chinas, der Revolution, des Sozialismus und Kommunismus.

Wir albanischen Kommunisten werden Mao Tsetungs gute Seiten in achtungsvoller Erinnerung behalten, jene positiven Gedanken und seine lange revolutionäre Tätigkeit. Was jedoch jene politischen, ideologischen und organisatorischen Anschauungen und Standpunkte anbelangt, von denen wir meinen, dass sie falsch und unmarxistisch gewesen sind, so haben wir nicht darauf verzichtet, sie aufzuzeigen und zu kritisieren, und werden auch weiter nicht darauf verzichten. Der Leninismus lehrt uns, stets gerecht und objektiv, nicht aber subjektiv und sentimental zu sein.

Auch wenn wir in vielen Urteilen mit ihm nicht einer Meinung waren, schmerzt uns der Tod des Genossen Mao Tsetung doch, denn er hat unserem sozialistischen Land und der Partei der Arbeit Albaniens stets Freundschaft und Wohlwollen entgegengebracht. Das dürfen wir als Kommunisten und Internationalisten nicht ignorieren. Ich kann sagen, dass Mao Tsetung in der chinesischen Führung die hauptsächliche und entscheidende Person war, die der Volksrepublik Albanien mit Wirtschafts- und Militärkrediten half und diese Hilfe in internationalistischem Geist gewährte. Auch unsere Partei half China in diesem Geist, stand an seiner Seite und verteidigte Mao, in guten wie in schwierigen Zeiten, insbesondere gegen die Angriffe der Chruschtschowrevisionisten und während der Grossen Kulturrevolution.

Sofort, als wir von seinem Tod hörten, beschlossen wir, eine Partei- und Regierungsdelegation mit Genossen Mehmet an der Spitze zu entsenden, doch aus der Erklärung, die die chinesische Führung herausgab, erfuhren wir, dass zu der aus diesem Anlass organisierten Zeremonie keine ausländischen Delegationen empfangen würden.

Natürlich sorgten wir dafür, dass Beileidsbotschaften nach Peking gesandt und dort Kränze niedergelegt wurden, dass von der Führung der Partei, des Staates, der Massenorganisationen, von Einrichtungen des Bildungswesens, der Wissenschaft und der Kultur, von Delegationen der Werktätigenkollektive in Tirana sowie einiger Industriebetriebe und landwirtschaftlicher Genossenschaften anderer Bezirke Beileidsbesuche bei der chinesischen Botschaft abgestattet und Beileidsschreiben an sie geschickt werden.





DIENSTAG,

12. OKTOBER 1976





DIE TRAGÖDIE CHINAS



Eine grosse Tragödie in China. Die Ereignisse, die wir für die Zeit nach Maos Tod vorausgesehen hatten, sind tatsächlich eingetreten und haben sich sogar in Windeseile entwickelt. Wir dachten, die beiden Strömungen, die Linken wie die Rechten, würden fortfahren, «mit Differenzen zu koexistieren», wie das Mao sein Leben lang getan und wie er es seinen Mitarbeitern für die Zeit nach seinem Tod und immer empfohlen hatte. Nur, dass der «grosse Steuermann» der zwei oder mehr Linien sich eine solche Autorität erworben hatte, dass er die Dinge in der Waage halten konnte. Doch in was für einer Waage? Wirklich und konsequent marxistisch-leninistisch war sie niemals.

Mao Tsetung sprach in revolutionären Formeln über die «Revolution», über den «Klassenkampf» und andere grundsätzliche Fragen, doch in der Praxis war er ein Liberaler, ein Träumer, ein Zentrist, der die verschiedenen Strömungen, die in der Kommunistischen Partei Chinas und im chinesischen Staat bestanden und intrigierten, manipulierte und ausbalancierte. Aufgrund dieser Eigenschaften war Mao Tsetung von der einen oder der anderen Strömung leicht zu beeinflussen; einmal unterstützte er die eine, einmal die andere.

Ganz offensichtlich war Tschou En-lai der grösste «Jago» im chinesischen Shakespeareschen Drama. Er war rechts, war ein Mandarin, ein Bourgeois, ein Pseudomarxist. Bei den Manipulationen, die Mao vornahm, hat Tschou En-lai meisterhaft manövriert. Sank das Schiff einer reaktionären Strömung, in dem sich Tschou befand, verlies er es schnellstens und verbarg sich hinter dem Banner Maos.

Hier soll noch einmal betont werden, dass Mao die vorrangige Rolle der Bauernschaft in der Revolution herausstellte. Hierin zeigt sich, dass er mit der führenden und hegemonischen Rolle der Arbeiterklasse nicht einverstanden ist. Die wandelbaren Ideen Mao Tsetungs, wie die über die Bauernschaft, spiegeln sich in seiner gesamten liberalen Linie wider.

Theoretisch erkannte Mao einige grundlegende Prinzipien des Marxismus an. In seinen offiziellen Schriften finden sich diese Prinzipien und einige andere Fragen im allgemeinen richtig formuliert. Doch in der Praxis hat Mao nichtmarxistische Thesen formuliert und verfochten. Dazu gehört die These, die auch im Nachruf auf ihn betont wird: «Das Dorf muss die Stadt eine reisen.» Im Nachruf heisst es, dass «ohne so zu verfahren, die Revolution nicht gemacht werden konnte»! Das heisst, die Bauernschaft muss die proletarische Revolution führen. Diese These ist antileninistisch.

Doch Mao haben auch noch andere Thesen und Ansichten vorgelegt mit denen wir nicht einverstanden waren und nicht einverstanden:~ sind. Er schrieb viel über den Klassenkampf, die Widersprüche usw4. doch der Klassenkampf fand in China, insbesondere in der Praximy l nicht heftig und konsequent statt. Auch in dieser Beziehung hat sich Mao als liberal und gemäßigt erwiesen. Er liess rechte, revisiostische Elemente die Macht ergreifen und tiefe Wurzeln in der Park in der Staatsmacht und überall schlagen. Mao kosexistierte mit ihr, schaute ihnen zu, oft fanden sie seine Billigung. Schließlich stürzte er einige Häupter dieser Strömungen, doch ihre Basis liess er ungi getastet. Die Autorität, die er sich während des Kampfes und nach dem Sieg erworben hatte, brachte die Fraktionen zum «Scheitern». Doch die Lösung blieb auf halbem Weg stecken, und die Lage blieb weiter stets gemäßigt, liberal. Mao Tsetung war ein Zentrist, er hielt bei sich Leute verschiedener Strömungen, die sich Marx' nannten, es aber nicht waren und unter Mao Tsetungs Schirm ihrer Linie kämpften. Wenn sie das Gleichgewicht störten, griff Tsetung ein und «schaffte Ordnung».

In seinem Denken und Handeln zeigte Mao Unbeständigkeit und ich glaube, dass er den Marxismus irgendwie auf phantastis Art und Weise, nach Gutdünken interpretierte und anwandte. wurde natürlich «erklärt» und «gerechtfertigt» mit den «Bedin gen Chinas».

Noch viele Jahre nach der Befreiung wälzte Mao die Grund der reichen und ausbeuterischen kapitalistischen Klassen in Stadt und Land nicht um, schaffte ihre Privilegien nicht ab. Das geschah mit der Behauptung, dies sei «eine Taktik, bis sich die Lage stabilisiert hat». Doch diese «Taktik» hätte nicht in eine Theorie und eine Strategie verwandelt werden dürfen: dass die Kapitalisten «in den Sozialismus integriert werden», Dividenden erhalten, und dies jahrzehntelang, wie das in China noch der Fall ist. Diese Kapitalisten haben sich nun in «Kommunisten» verwandelt und sind zu einem Teil der «Bourgeoisie in der Partei» geworden, von der Mao spricht. Auch die Kommunistische Partei Chinas hat kein klares Verständnis von den Grundprinzipien der marxistisch-leninistischen Theorie. Im Gegenteil, sie hat sie durch die eklektischen Ideen Maos ersetzt. «Die Bourgeoisie sitzt mitten in der Partei und ihr seht sie nicht», sagt Mao. Und das stimmt. Aber wer hat denn zugelassen, dass sich diese Bourgeoisie in der Partei breit machte? Das war Mao selbst mit seinen Ideen, das war das Fehlen eines richtigen marxistisch-leninistischen organisatorisch-politischen und ideologischen Parteiaufbaus. Mao liess zu, dass viele Linien, Opportunismus, Praktizismus und Liberalismus wucherten.

Bei den «Schwenks» der Kommunistischen Partei Chinas hat sich Mao nicht auf die Partei, sondern auf die Armee, auf die Intelligenz und die Studenten gestützt. Bei diesen «Schwenks» war die Arbeiter- und Bauernschaft entweder in der Hand der Konterrevolutionäre oder stand abseits.

Stellt sich die Frage: Warum wandte sich Mao in schwierigen Augenblicken nicht um Hilfe an die Partei, die Arbeiterklasse und die Bauernschaft? Entweder, weil diese Kräfte ihm nicht gehorcht hätten, oder weil er ein Blutvergießen befürchtete. Zu einer Zeit, da Mao tönte: «Die Macht kommt aus den Gewehrläufen», riss die Reaktion diese Macht an sich.

Es heisst, die Kulturrevolution sei von Mao ausgelöst und geführt worden, der mit der Parole: «Greift das Hauptquartier an!» Millionen von Hungweibings auf die Beine brachte. Die Armee und Lm Biao dagegen, heisst es hätten die Hände in den Schoss gelegt. Die Tatsachen allerdings sprechen eine ganz andere Sprache. Lin Biao stand zusammen mit !Mao Kang Scheng, Tschen Bo-da, Djiang Tjing, Yao Wen-yüan, Dschang Tschun-Tjiao und anderen an der Spitze der Revolution. Nach den Angaben, über die wir verfügen, steckte Lin Biao zwei Millionen Soldaten in Zivil. Mit diesen «Rotgardisten» griff er das Hauptquartier an und zerschlug es, während das Verdienst dafür ganz und gar Mao für sich in Anspruch nahm. Der rettete Tschou En-lai und viele andere und konservierte Deng Hsiao-ping in einer Villa.

Doch Tschou manövrierte sehr geschickt, und eines schönen Tages war Lin Biao zum «Verräter, Agenten der Sowjets und Verschwörer gegen Maos Leben» geworden. Als Beweis dafür hiess es, Lin Biao habe ein Flugzeug genommen, mit dem er in die Mongolei geflüchtet sei, wo es «verbrannte». Alle Insassen wurden getötet. Es heisst, Tschou und Mao seien ins Bild gesetzt gewesen, doch Mao habe gesagt: «Lasst ihn gehen!» Seltsame Geschichten!

Lin Biao wurde mithin als für Tschou gefährliches Element liquid dient. Das gleiche Schicksal wie er erlitt auch Tschen Bo-da. Doch . wie sollte Tschou die Kulturrevolution liquidieren? Das bereitete ihm, Schwierigkeiten, denn damit wäre Mao angetastet worden. Deswegen sprach man weiter über sie wie zuvor. Kang Scheng wurde alt und schwer krank, doch die anderen blieben, die Jungen wie Djiang Tjing und Wang Hung-wen mit Genossen. Diese begannen die Revolution und setzten sie fort, natürlich aber nur so weit, wie dies det «Vorsitzende» gestattete. Mao wies ihnen die Rollen zu: Den Linken überließ er die Presse und den Rundfunk, den Rechten mit Tschou En-lai dagegen die Staatsmacht, die Wirtschaft, die Armee und den Sicñerheitsdienst. Daraus wird klar ersichtlich, wie der «grosse Steuermann» die Revolution und den Aufbau des Sozialismus sah.

Mao und Tschou arbeiteten auch die Aussenpolitik aus. Die chinesische Aussenpolitik Maos und Tschou En-lais war und blieb eine nichtmarxistische, nichtrevolutionäre Politik, sie ist eine fließende k Politik, deren Formen durch die internationalen politischen Verhält Nisse bestimmt werden, und die für den Sozialismus und die Revolution gefährliche Positionen bezieht.

Während dieser Zeit war Tschou damit beschäftigt, seinen Nach» folgert aufzubauen. Zusammen mit Mao brachte er Chinas «Chruschtschow Nr. 2» auf die Szene. Sie machten ihn zum ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten, zum stellvertretenden Parteivorsitzenden usw. Drei Jahre lang, während Tschou En-lais Krankheit, bis zu dessen Tod, sammelte Deng Kraft. Doch wie es scheint, setzten die Linken den «Steuermann» und Deng unter Druck. Letzteren jagten sie zum Teufel, seine Entlarvung begann. Der «Steuermann» manövrierte daraufhin «genial» und brachte, nach seiner Gewohnheit, die Strömungen zu dosieren, noch zu seinen Lebzeiten Hua Guofeng an die Macht, einen bis dahin unbekannten Mann, Chef der Staatssicherheit und gemäßigt in Worten, aber rechts in Taten.

Mao starb und in China geschah die grosse Tragödie. Kaum hatte der «Steuermann» die Augen geschlossen, putschte die Rechte mit Hua Guo-feng an der Spitze und schaltete Djiang Tjing, Wang Hung-wen, Dschang Tschun-tjiao und Yao Wen-yüan aus. Diese vier wurden festgenommen. Mit den Worten Maos im Munde töten heute die Rechten die Linken und Revolutionäre, keckern sie ein, rehabilitieren die verurteilten Rechten und die Konterrevolutionäre.

Fs ist ganz und gar undenkbar, dass die Worte eines «marxistisch-leninistischen Revolutionärs» auch den Konterrevolutionären dienlich sein können, wie das nun in China mit Maos Äußerungen geschieht!

Was schreibt die bürgerlich kapitalistische Presse nun nicht alles über China! Die Radikalen mit Djiang Tjing an der Spitze hätten 4komplottiert», Maos Neffe habe den kranken Mao gegen den Rat der Ärzte auf die linke Seite gedreht, usw. usf. Das sind für sie «Beweise» dafür, dass «diese Verschwörer auch Mao töteten». «Lin Biao versuchte dreimal, Mao zu töten», posaunte man vor einigen Jahren hinaus, während man jetzt trompetet: «Die Verschwörer haben Mao getötet und wollten auch Hua Guo-feng töten.» Doch die wahren Verschwörer sind die Leute Tschou En-Jais, Li Hsiänniäns, Deng Hsiao-pings, Hua Guo-fengs u.a.

Offiziell veröffentlichen diese Verschwörer gegenwärtig nichts, bereiten aber langsam die Massen vor, damit sie ihnen dieses tragische Märchen abnehmen. Die chinesische Reaktion gibt sich, mit vorgebundener Maske als «revolutionär und marxistisch-leninistisch», doch unter dieser Maske vernichtet sie die Revolutionäre und Kommunisten. Chinas Chruschtschowianer sind in höchster Eile dabei, Ihre Positionen zu festigen. Und diese Positionen versuchen sie mit Terror zu festigen. Mit Sicherheit werden sie so weit gehen, nicht nur Mao nicht mehr zu zitieren, sondern auch alles von irgendwelchem Wert, was er hinterlassen hat, mit Füssen zu treten. Mit Chinas Umwandlung in ein kapitalistisches Land werden die Liu Schaltschis, Tschou En-lais, Peng Tschens, Deng Hsiao-pings usw. hochkommen.







MITTWOCH,

13. OHTOBER 1976





GROSSES CHAOS IN CHINA



Grosses Chaos in China. Seit zwei oder drei Tagen sprechen die westlichen und die revisionistischen Nachrichtenagenturen davon, in China habe ein Staatsstreich stattgefunden und die «Gemäßigten» seien an die Macht gekommen. So nennen sie Hua Guo-feng und seine Leute, unter denen auch Li Hsiän-niän aufgetaucht ist. Für uns sind die «Gemäßigten» die Gefolgsleute Tschou En-lais, jene Revisionisten, die der marxistisch-leninistischen Ideologie, getarnt mit einer ohrenbetäubenden Demagogie, in beinahe allen Fragen entgegengehandelt haben. Sie praktizierten und praktizieren eine chauvinistische Großmachtpolitik, verfolgen eine proamerikanische Aussenpolitik. Tschou En-lai war es, der diese Politik betrieb, sie war aber zugleich auch Maos Politik.

Man kann Mao nicht getrennt von Tschou En-lai betrachten. Sie haben gemeinsam gehandelt. Beide waren Liberale und bemühten sich unter dem Deckmantel des Marxismus-Leninismus, eine Grossmacht zu schaffen und in der internationalen Arena eine Chinas Grösse entsprechende «grosse Politik» zu betreiben. Mit anderen Worten, sie beabsichtigten, aus China eine Vermittlerkraft zu machen, die das Gewicht der beiden Supermächte, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, auszubalancieren hätte.

Ich habe schon in anderen Aufzeichnungen dieses Tagebuchs geschrieben, dass Mao Tsetung, Tschou En-lai und die ganze chinesische Partei- und Staatsführung, die stets unter dem Banner Mao Tsetungs gekämpft hat, gegen Stalin, gegen die leninistische Sowjetunion, gegen die Bolschewistische Partei und gegen die Kominter waren, diese gesamte Einstellung aber unter einem Tarnschleier Verborgen hielten. Später, nach Stalins Tod, kamen ihre langgehegten Auffassungen und Ansichten ans Licht. Die chinesische Führung hatte die Absicht, Chruschtschow und den Chruschtschowianern nach ihrem Staatsstreich in der Sowjetunion zum Sturz der Ideen des Marxismus-Leninismus dabei zu helfen, festen Fuss zu fassen. Das Ziel Mao Tsetungs, Tschou En-lais und der anderen war zugleich, China mit Hilfe der Sowjetunion zur Grossmacht zu machen und Mao Tsetung auf den Platz nach Lenin zu heben. Er sollte also unter die grossen Klassiker eingereiht werden, die dann ihrer Meinung nach wären: Marx, Engels, Lenin, Mao Tsetung. Dafür musste Mao natürlich Chruschtschow schmeicheln und helfen. Das tat er nicht nur insgeheim, sondern auch offen, nicht nur auf Hintertreppen, sondern auch auf internationalen Beratungen der kommunistischen und Arbeiterparteien, an denen auch wir teilnahmen. Wir hörten mit eigenen Ohren, was Mao über Chruschtschows Taten sagte. Nichts als Lob.

Jedoch, die Zeit nahm ihren Lauf, die Ereignisse entwickelten sich, und es kam anders, als Mao Tsetung dachte. Chruschtschow war tatsächlich ein Clown, ein Antimarxist und ein grosser Intrigant, doch er war kein solcher Dummkopf, dass er die Sowjetunion unter die Fittiche Chinas und Mao Tsetungs gebracht hätte. Im Gegenteil, was er wollte und wofür er arbeitete, war, aus der Sowjetunion eine imperialistische Macht mit grossem militärischem Potential zu machen, um sie so in einen starken Partner der Vereinigten Staaten von Amerika zu verwandeln, mit denen zusammen sie die Welt aufteilen und in beider Interesse ausbeuten würde.

Trotz aller Anstrengungen, die sie unternahmen, ging der Traum Mao Tsetungs und Tschou En-lais also nicht in Erfüllung. Kurz gesagt, die beiden träumten mit offenen Augen. Dann vollzogen sie, wie ich schon bei anderer Gelegenheit erläutert habe, eine Wendung um 180 Grad, richteten die «Batterien» gegen die revisionistische Sowjetunion, woran auch wir interessiert waren. Allerdings wandten sie sich gleichzeitig dem amerikanischen Imperialismus zu und reichten dem faschistischen Präsidenten Nixon die Hand. Der nächste Traum Mao Tsetungs und Tschou En-lais war es also, in enger Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Imperialismus und auf ihn gestützt China in eine sozialimperialistische Grossmacht zu verwandeln.

Ich will nicht länger auf die Frage der Kulturrevolution usw. usf. eingehen, denn darüber habe ich in meinen Aufzeichnungen viel geschrieben. Ich möchte nur sagen, dass eines sicher ist: Es waren Mao Tsetung und Tschou En-lai, die den Plan zur Liquidierung Lin Biaos, Tschen Bo-das usw. ausgeheckt haben. Wir hatten anfänglich grosse Zweifel, ob Lin Biao, den Mao Tsetung, Tschou En-lai und die ganze chinesische Propaganda als Verräter hinstellten, der eine Verschwörung angezettelt habe, um Mao zu beseitigen und seine Stelle einzunehmen, diese überraschende Tat wirklich begangen hatte. Doch mit der Zeit und dem gegenwärtigen Gang der Ereignisse sehen wir, dass Verschwörungen im China Mao Tsetungs eine geläufige Praktik sind, woraus geschlossen werden muss, dass die Arbeit der Kommunistischen Partei Chinas sehr schwach ist und nicht auf marxistisch-leninistischen Bahnen verläuft. Die Propaganda dieser Partei ist gespickt mit Worten wie «Revolutionäre», «marxistisch-leninistisch», «Proletariat» usw., doch tatsächlich ergibt sich für uns, dass Mao Tsetung, der sich als «grosser Marxist-Leninist» ausgab, nicht nur keiner war, sondern sogar der Urheber all dieser negativen Erscheinungen ist, die in China festzustellen waren und sind.

Die Ereignisse um Liu Schao-tschi, Lin Biao, Deng Hsiao-ping und nun kürzlich der Staatsstreich in China sind das Ergebnis einer liberalen, opportunistischen, unmarxistischen Linie Mao Tsetungs. Er hat ausgeprägte Schwächen in der organisatorischen und politischen Linie der Partei zugelassen; er hat zugelassen, dass sich in Partei und Volk zwei und mehr Linien entfalteten; schliesslich hat er angeblich einen Kampf gegen Konfuzius geführt. Infolge der prinzipiell falschen Linie in grundlegenden Fragen der Diktatur des Proletariats war der Klassen~kampf, ob nun gegen die äußeren und inneren Feinde oder auch gegen die kleinbürgerlichen Überreste, die Religion usw. usf., in China nicht existent oder wurde in Kampagnen geführt, um den einen zu stürzen und den anderen hochzubringen, um den einen zu stürzen und noch einmal zu stürzen und den anderen hochzubringen oder wieder hochzubringen.

Liu Schao-tschi und Deng Hsiao-ping, die in ihrem Leben oft Fehler gemacht hatten, hielt Mao als stellvertretenden Vorsitzenden bzw. Generalsekretär der Partei, bis er sie dann in der heißesten Zeit der Kulturrevolution als «Chruschtschow Nr. 1» und «Chruschtschow Nr. 2 Chinas» bezeichnete. Der «Chruschtschow Nr. 2» (Deng Hsiao-ping) wurde von Mao Tsetung gerufen und in alle Posten wiedereingesetzt, wurde sogar stellvertretender Parteivorsitzender (natürlich mit dem Segen Tschou En-Jais, um nicht zu sagen, auf seinen Vorschlag hin). Vielleicht wäre auch Liu Schao-tschi eine solche «glückliche Fügung» vergönnt gewesen, wäre er nicht gestorben. (Doch auch nach seinem Tod werden ihn seine Freunde vielleicht nicht vergessen.) Dieser Auf- und Abstieg von Feinden in hohen Funktionen von Partei und Staat sowie viele andere üble Akte sind nicht marxistisch-leninistisch.

Um es nicht zu lang zu machen: die ausländischen Nachrichtenagenturen sprechen seit zwei oder drei Tagen davon, in China habe Hua Guo-feng die Macht ergriffen. Hua Guo-feng, Staatssicherheitschef und Innenminister, hatte Deng Hsiao-ping ersetzt, der in der Kulturrevolution verurteilt worden war. Geht man danach, was die chinesischen Führer sagen, war alles, was die Kulturrevolution hervorbrachte, «richtig» und wurde von Mao Tsetung und seien Adepten leidenschaftlich verteidigt. Zwar gab es in dieser Kulturrevolution auch Menschen, die in voller Überzeugung, indem sie Maos Banner hochhielten, die kommunistischen Positionen in China stärken wollten. Doch in dieser Revolution gab es auch zahlreiche starke Feinde, die sich, wie ich in diesem Tagebuch oft geschrieben habe, um Tschou En-lai sammelten. Dieser schloss sich fest mit Mao zusammen und intrigierte bei ihm. Mao brauchte Tschou Enlai. Das heisst, die Politik, die Mao Tsetung im Sinn hatte und verfolgte, war stets eine Politik des Gleichgewichts. Und zu jenen, die diese Gleichgewichtspolitik zu Mao Tsetungs Lebzeiten machen konnten, gehörte Tschou En-lai. Er passte sich Mao an, denn er begriff dessen Mentalität, dessen unmarxistische Anschauungen sehr genau. Tschou verstand es, antimarxistische Elemente um sich zu scharen und sie in Schlüsselpositionen in der Staatsmacht, in der Armee, in der Partei. bis hin zum Zentralkomitee, einzuschleusen. Diese Leute sollten im geeigneten Augenblick die Macht an sich bringen und die gesunden marxistisch-leninistischen Elemente liquidieren. Dazu rehabilitierten Mao Tsetung und Tschou En-lai nahezu alle Elemente, die angeblich schikaniert worden waren. In Wirklichkeit geht es hier nicht um Leute, die schikaniert, sondern um die, die verurteilt worden waren.

Tschou En-lai, der sicherlich genau um seine Krebserkrankung wusste, bereitete Deng Hsiao-ping drei Jahre lang darauf vor, seinen Platz einzunehmen, und als Tschous Asche in ganz China ausgestreut wurde, hielt Deng Hsiao-ping das De profundis auf Tschou En-lai. Doch dieses De profundis war zugleich auch sein eigenes. Deng schaffte es nicht, Ministerpräsident zu werden, denn er wurde kaltgestellt und als Revisionist und Feind, als Führer der Rechten, als Feind Mao Tsetungs, als Feind des Sozialismus usw. usf. angeprangert. So begann eine heftige Kampagne gegen ihn - und die war richtig -, doch nur in der Presse, in der Propaganda und im Radio. Anscheinend hatten Djiang Tjing, Yao Wen-yüan, Wang Hungwen und Dschang Tschun-tjiao nur die Presse in der Hand. Als die Kampagne begann, war Mao Tsetung noch am Leben, und man glaubte, diese vier hätten auch seine Unterstützung.

Aber hatten diese vier wohl jene Macht im Volk, in der Partei und in der Armee, die nötig gewesen wäre, um die Kulturrevolution in der Praxis fortzuführen oder, anders ausgedrückt, die Reihen der Partei, der Staatsmacht und der Armee von den Elementen der Reaktion zu säubern, die im Gewand von Kommunisten wirkten, von den Leuten Liu Schao-tschis, Deng Hsiao-pings, Tschou En-Jais und Peng Tschens? Nach unserer Überzeugung hatten die vier diese Macht nicht. Es waren junge, gutwillige Kader, doch äußerst unreif, während die alten Wölfe in der Kommunistischen Partei Chinas tiefe Wurzeln geschlagen hatten, und diese Wurzeln waren genährt worden von der keineswegs marxistisch-leninistischen Ideologie Mao Tsetungs, der meinte, dass wenn schon nicht er, so doch seine Gedanken Jahrhunderte überleben würden.

Diese vier Führer machten also nur Propaganda. Deng Hsiao-ping entfernten sie aus der Führung. doch Mao Tsetung, der noch am Leben war, riet den Seiten, die sich im Konflikt befanden: «Wer sachte geht, geht sicher», «zankt euch nicht», «vertragt euch miteinander» und «lasst die Streitereien». Alle diese Parolen wannen seltsani. nicht revolutionär. Und sie wurden von jemand ausgegeben, der sich als «grosser Marxist-Leninist» aufspielte. Mao Tsetung nannte sich selbst einen Marxisten, doch er war ein «Marxist» mit kleinbürgerlichen Anschauungen. Da in seinem Denken, in seinen Schriften und in seinem Handeln die Bauernschaft der «Schlüsselfaktor der Revolution» war, die er jedoch nicht versäumte, «proletarisch» zu nennen, konnten sich in seinen ideologischen und politischen Anschauungen auch nur die kleinbürgerlichen Eigenschaften der Bauernschaft niederschlagen, wie es die Schwankungen nach rechts und nach links sind. So vereinigte sich Mao einmal mit dieser Gruppe oder mit diesem Staat, dann wieder mit einer anderen Gruppe oder einem anderen Staat. Tags darauf brach er dann mit ihnen und vereinigte sich mit anderen. Unter Maos Schirm lebten und handelten alle: Bourgeois, Kapitalisten, Proletarier, und Mao genoss seine Popularität. In seinen Äußerungen und Schriften benutzte er auch Ideen und Zitate von Marx und Lenin, doch sie waren Fassade. Wenn man die Ideen von Marx und Lenin, wie sie in Maos Schriften auftauchen, sorgfältig studiert, wird man feststellen, dass sie so eingearbeitet sind, dass der Eindruck entsteht, sie seien seinem eigenen Kopf entsprungen.

Mao predigte Versöhnung, tönte aber andererseits auch: «Was wollt ihr, seht ihr nicht, dass der Feind mitten in der Partei sitzt?» Doch dieser Feind innerhalb der Partei musste totgeschlagen werden. Tat Mao dies? Nein, das tat er nicht. Diese Phrase blieb bei ihm nur Schall und Rauch, denn in der Praxis wandte er die Parole an: «Streitet euch nicht», «vertragt euch», «befasst euch nicht mit Verschwörungen», und andererseits: «Seid gegen den Revisionistnus», «seid für den Marxismus»! So bedienten sich in China alle, Marxisten und Antimarxisten, dieser Phrasen Mao Tsetungs. Mit Sicherheit erlaubte er nicht, dass die gesunden Elemente die Macht ergriffen und China auf richtige Bahnen brachten.

Angesichts dieses grossen Chaos ist es uns nur schwer möglich, definitive Aussagen zu treffen, doch nach dem, was sich in China vor unseren Augen abgespielt hat und wie es sich abgespielt hat, können wir sagen, dass die jungen Elemente revolutionärer und fortschrittlicher zu sein schienen als Tschou En-lais Gruppe. Um also die Leute zu «versöhnen» und im Bewusstsein seiner schweren Krankheit und des nahenden Todes fand Mao Tsetung - ehe er «zum Herrn» ging, wie er zu Edgar Snow gesagt hatte - die «geeignete Lösung»: er betraute Hua Guo-feng mit der Leitung der Gcschäfte.

Wer war dieser Hua Guo-feng? Ein Mann ohne grosse Autorität, ein Unbekannter. Doch Mao Tsetung kannte ihn, und der rechte Flügel, der Hoffnung auf diesen Mann setzte, weil er zumindest gemäßigt sein würde, akzeptierte ihn. Und so kam er ungewählt in die höchste Führung. Nach Tschou En-lais Tod wurde er Ministerpräsident und erster stellvertretender Vorsitzender des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas. Das bedeutete, dass er nach Maos Tod sicherlich Parteivorsitzender werden würde.

Nicht sehr lange nach diesen ausgeklügelten Operationen starb Mao Tsetung. Man trug schwarz, hatte den Trauerflor am Arm, und es vergingen keine zwei, drei Wochen oder höchstens ein Monat (versuche einer, bei solchen Dingen Buch zu führen), bis in China das grosse Chaos ausbrach, bis das ausbrach, was wir vorausgesehen hatten.

Was hatten wir vorausgesehen? Wir hatten vorausgesehen, dass die beiden sich deutlich abzeichnenden Strömungen im Ringen um a die Macht aufeinanderprallen würden (und waren dabei der Ansicht gewesen, dass die Rechten, die Gefolgsleute Tschou En-lais, die Macht in der Hand hatten - aus den Gründen, die ich oben anführte --, während ihre Gegner nur über die Presse und die Propaganda verfügten, so dass, wenn es dann ums Ganze ging, die nichtrevolutionären Elemente die Macht ergreifen würden), doch wir hatten ebenfalls gedacht, die «Königswürde» Maos werde vielleicht noch etwas überdauern. Doch wer nun die Waage in der Hand hielt, war Hua Guo-feng, nicht Mao Tsetung. Hua hatte bei weitern nicht die Autorität, die sich Mao in China und auf der Welt erworben hatte. Hua Guo-feng zeigte sein wahres Gesicht. Vor drei Tagen gaben die ausländischen Nachrichtenagenturen bekannt, dass er eines Morgens Djiang Tjing, Yao Wen-yüan, Wang Hung-wen und Dschang Tschuntjiao unter Hausarrest stellte, also alle Hauptelemente des linken Flügels, die sie «Radikale» nennen. Hua Guo-feng ergriff zusammen mit Li Hsiän-niän, einst die rechte Hand Tschou En-Jais, die Macht. Ebenso gibt es Stimmen, die zu berichten wissen, dass Deng Hsiao-ping nach Peking geholt wurde. Und wenn er vorläufig auch noch nicht stellvertretender Ministerpräsident wird, so wird doch der Weg, den China einzuschlagen dabei ist, Deng Hsiao-ping unbedingt einen wichtigen Posten einbringen, möglicherweise auch den des Generalsekretärs der Partei, eine Funktion, die er schon zur Zeit Liu Schao-tschis und Mao Tsetungs ausgeübt und in der er sich Erfahrung erworben hat.

Also macht China gegenwärtig schwierige Momente durch, und nicht nur China, sondern die ganze Weltrevolution. Falls alles stimmt, was die ausländischen Nachrichtenagenturen über China sagen, wird dies der Weltrevolution und dem Sozialismus gewaltigen Schaden zufügen, sie um viele Jahre zurückwerfen. China selbst wird den Weg einer sozialimperialistischen Großmacht einschlagen. Es wird sich vorerst auf die Vereinigten Staaten von Amerika stützen, doch es wäre kein Wunder, wenn es später Titos Politik betriebe, also, um dieses Ziel zu erreichen, auch der Sowjetunion die Hand reichte. Das ist auch ein Sieg für die Sowjetunion, ungeachtet der gegenwärtigen «ohrenbetäubenden» Propaganda Chinas gegen den modernen Chruschtschowrevisionismus. Diese Propaganda mag es morgen nach und nach abklingen lassen. Wenn China eine unabhängige Macht wird, mit einer starken Industrie, die z.Zt. mit amerikanischer Technologie aufgebaut wird, mit einer geringeren Zahl Atombomben als die Sowjetunion, dafür aber einer im Vergleich zur Sowjetunion erdrückend grossen Armee - dann ist es nicht ausgeschlossen, und ich glaube, so kann es geschehen, dass auf der Welt drei Supermächte entstehen und alle drei ihre Einflusszonen haben wollen. Die Widersprüche zwischen ihnen werden natürlich zunehmen, es wird eine Zeit kommen, da sie sich verschärfen. Und wir werden Zeuge dieser Verschärfung werden, die möglicherweise auch zu einem neuen Weltkrieg führen wird.

Was wird das chinesische Volk jetzt tun? Wird es sich erheben oder wird es apathisch Hua Guo-fengs und Mao Tsetungs Märchen akzeptieren? Wird es einverstanden sein mit den Säuberungen, die jetzt in der Kommunistischen Partei Chinas vorgenommen werden? Wird Schanghai, aus dem alle diese Elemente hervorgegangen sind, diesen Zustand dulden, wird es hinnehmen, dass Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping und Li Hsiän-niän mit Konsorten in Peking dominieren, in China das Gesetz machen und es in Richtung auf die Vereinigten Staaten von Amerika oder die Sowjetunion führen? Das ist ein Problem, das wir im Auge behalten müssen.

Ob es in China wohl zu Unruhen kommen kann? Ja, es kann.

In der Sowjetunion verfuhr Nikita Chruschtschow überlegter, er überstürzte die Dinge nicht so. Nach Stalins Tod betrieb er seine konterrevolutionäre Tätigkeit einige Jahre lang «sanft», unauffällig, er fasste seine Feinde in den Flanken, bereitete die in- und ausländische Öffentliche Meinung vor und säuberte dann schließlich die angeblich fortschrittlichen Elemente weg, die sich allerdings weder als fortschrittlich, noch als sonst etwas erwiesen. Wie dem auch sei, Chruschtschow räumte seinen Weg nicht innerhalb eines Monats frei wie jetzt Hua Guo-feng. Das Sowjetvolk wurde mit enormer Demagogie auf diese regressive Wende vorbereitet, die sich ereignen sollte. Und die Ereignisse, die dann stattfanden, hielt es für normale Angelegenheiten; die sich «innerhalb der leninistischen Parteinormen» abspielten. Es sah die Wahrheit nicht, weil man es die Wahrheit nicht sehen liess. Die rechte revisionistische Clique in China dagegen handelt eilig, überhastet, ein Vorgehen, das möglicherweise Reaktionen im Volk hervorrufen wird. Natürlich erhob sich das chinesische Volk zur Kulturrevolution, weil Mao es aufrief, doch es erhob sich wirklich und schlug zu. Hätte Mao diese Revolution nicht gebremst, hätte sie den ganzen stinkenden Unrat, der jetzt an die Macht kommt, hinweggesäubert. Das chinesische Volk ist imstande, das zu wiederholen. Wieweit es das tun wird, weiss man nicht, wir können nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob es das tun wird, denn das chinesische Volk wurde mit dem Namen Mao Tsetungs fanatisiert.

In Berichten der ausländischen Nachrichtenagenturen heisst es allgemein, die Elemente des rechten Flügels mit Hua Guo-feng an der Spitze behaupteten, sie hätten einen von Djiang Tjing, Yao Wen-yüan usw. angeführten «Staatsstreich» unterdrückt. Das ist ein Bluff. Nach Meldungen ausländischer Nachrichtenagenturen hat Hua Guo-feng erklärt, die «Vier» hätten diesen «Staatsstreich» vorbereitet, «indem sie die Gedanken Mao Tsetungs verfälschten». Das soll heissen, dass «die gesamte Propaganda gegen Deng Hsiao-ping, für die Diktatur des Proletariats usw. usf. von dieser Verschwörergruppe verzerrt worden ist». Sie also sind es, laut Hua Guo-feng, die «die Ideen Mao Tsetungs verfälscht haben». Hua Guo-feng wird unter dem Volk Mao Tsetungs Zitat propagieren: «Sich nicht mit Verschwörungen befassen!» Doch wer befasste sich mit Verschwörung? «Djiang Tjing und Konsorten», werden Hua Guo-feng, Li Hsiän-niän, Deng Hsiao-ping u.a. sagen, die sich als Retter Chinas vor diesen «r reaktionären Elementen» hinstellen, die die Ideen Mao Tsetungs verletzen, dessen Banner sie selbst heftig schwenken, weil dies ihre Geschäfte so wollen.

Wenn das chinesische Volk auf dieses Manöver hereinfällt, wird es in China keinen Aufstand geben. Fällt es nicht darauf herein, wird es sich erheben, und dann wird es Bürgerkrieg geben. In der Kulturrevolution kämpften auch das Volk, auch die Arbeiter, unabhängig davon, zu welcher Gruppe sie hielten. Auch in der Armee schoss man mit Kanonen und Maschinengewehren aufeinander, und es gab Tote. Mehr wissen wir nicht. Wir wollen später sehen.

Eines jedoch können wir mit Gewissheit sagen: was in China geschah, ist eroe Katastrophe für das Land und fügt der Weltrevolution, dem Kommunismus unermesslichen Schaden zu. Der amerikanische Imperialismus und die reaktionäre Bourgeoisie reiben sich die Hände. Diese Katastrophe ist ihr Werk. Diejenigen, die in China diese Situation heraufbeschworen, sind ihre Kollaborateure, wie auch Chruschtschow, Breschnew, Suslow, die gesamte revisionistische Bande Titos und eine Reihe von Konterrevolutionären und Lakaien von ihnen auf der Welt ihre Kollaborateure waren und sind.

Was uns, die Albaner, betrifft, so ist uns natürlich klar, dass uns die in China entstandene Situation nichts Gutes, sondern Schwierigkeiten bringt. Diese Situation hatten wir frühzeitig vorausgesehen, schon 1960, als die chinesischen Führer uns vorgeblich gegen die Chruschtschowianer verteidigten. Wir sahen, dass sie schwankten und uns in Wirklichkeit niemals verteidigten. Mit Tschou En-lai an der Spitze wollten sie die Sowjets dazu bringen, die Polemik gegen uns einzustellen und unter diese Frage einen Schlussstrich zu ziehen. Chruschtschow, als Potentat, akzeptierte es jedoch nicht, sich vor den Albanern zu demütigen. Er war nicht einverstanden mit dieser These Tschou En-lais und Mao Tsetungs. Tschou En-lai und Mao Tsetung hofften sehr, Chruschtschow werde China die Atombombe geben und ihm wirtschaftlich dabei helfen, eine Großmacht zu werden. Deshalb versuchten sie auch, den Konflikt, als er ausbrach, abzumildern. Darüber habe ich in diesem Tagebuch im Verlauf der Ereignisse Tag für Tag geschrieben, es sind also keine Schlussfolgerungen, zu denen ich jetzt erst komme.

Also traf uns diese Situation nicht unvorbereitet. Seit einigen Jahren, besonders während des letzten Jahrfünfts, arbeitete Tschou En-lai gegen uns. In den wirtschaftlichen Fragen hat er Sabotage gegen uns betrieben. Diese Sabotage haben wir konkret erlebt, und wir haben sie bekämpft. Tschou befand sich in einer Situation, da ihm nichts anderes übrig blieb, als zu der Methode zu greifen, den Bau der Werke hinauszuzögern, konnte er doch die andere Methode, die Einstellung der Kredite, nicht anwenden. Tschou En-lai schlug nicht Chruschtschows Taktik ein, der die Brücken zu uns auf einen Schlag abbrach. Er wählte folgende Taktik: uns nicht rechtzeitig die Maschinen für die Werke zu liefern, die für die Entwicklung unserer Wirtschaft von grosser Bedeutung sind. Diese Werke hätten schon vor zwei oder zweieinhalbe Jahren fertiggestellt sein müssen. Aus dem genannten Grund sind sie noch nicht fertig. Und nicht etwa, weil China «arm» wäre, oder wegen anderer Märchen, die die Chinesen erzählen. Nein, dafür waren und sind politische Gründe verantwortlich: Tschou En-lai und Mao Tsetung sahen, dass Albanien seine eigenen, marxistisch-leninistischen Positionen einnahm, dass es, wie auch heute, seine eigene, unabhängige Politik hatte, über die es sich offen, ohne Furcht vor irgendjemand äußert, was den Chinesen nicht gefiel und nicht gefällt.

Genauso wenig gefiel den Chinesen, dass das kleine Albanien auf internationaler Ebene das grosse China verteidigte. Vielleicht empfanden Mao Tsetung und Tschou En-lai unser Eintreten für China als Schmach, denn wie konnte auch, ihrer Meinung nach, ein kleines Land ein grosses Land verteidigen? Jedenfalls war das, was wir taten, eine Verteidigung, die sie nicht leugnen konnten, doch diese Situation gefiel ihnen nicht.

In letzter Zeit zeigte sich deutlich, dass die chinesischen Führer offen und direkt Druck auf uns ausübten, um Beqir Balluku und Abdyl Këllezi zu retten, die in dem gegen Albanien angezettelten Komplott, durch das unsere Führung gestürzt werden sollte, mit ihnen zusammenarbeiteten. Doch sie konnten ihr Ziel nicht erreichen. Deshalb kürzten sie auch ihre Wirtschaftshilfen außerordentlich, ebenso die Militärhilfen, denn darüber hinaus konnten sie uns nichts anhaben.

Wir sind also in dieser Beziehung vorbereitet. Wir sind vorbereit tuet, denn unsere Partei ist durch all diese Stürme hindurchgegangen und dabei hart geworden. Sie hat keine Angst davor, allein zu bleiben. Und tatsächlich bleiben wir in diesem Fall. allein und verfolgen eine eigene, marxistisch-leninistische Politik als Partei an der Macht, die im Gegensatz steht zu den amerikanischen Imperialisten, den sowjetischen Sozialimperialisten, den chinesischen Sozialimperialisten, der reaktionären Bourgeoisie, den Nachbarn, dem Teufel und seiner Großmutter. Doch Albanien und die Partei der Arbeit stehen unerschütterlich, und so wird es ständig bleiben.

Wird die Mannschaft, die in China die Macht antrat, nun die Feindschaft gegen uns unverhüllter fortsetzen? Wir werden sehen. Wir werden wachsam sein, und unsere Wachsamkeit muss gross sein. Unser Interesse verlangt, dass wir - auch wenn sie weiter ihre 3Tethode anwenden, die endgültige Fertigstellung dieser Werke hinauszuzögern - unsererseits kein Feuer entfachen, aber an unserer marxistisch-leninistischen Linie festhalten und die Prinzipien nicht verletzen, auch wenn China möglicherweise die Zahlung der Kredite an uns einstellt. Soll es das tun, wir werden aus eigener Kraft leben, mit Zähnen und Klauen arbeiten, wir werden leben, und besser leben. Zugleich werden wir die Unterstützung der gesamten fortschrittlichen Welt haben, aller wahren Marxisten-Leninisten, des gesamten Proletariats und aller Revolutionäre auf der Welt, die sehen werden, wie ein kleines Land dem Marxismus-Leninismus die Treue hält, sich nicht fürchtet, sondern vorwärts schreitet, lebt und Fortschritte macht. So wird es sein.

Chinas feindselige Einstellung uns gegenüber wird unsere Feinde natürlich freuen, sie werden sowohl von aussen als auch im Land ihre Tätigkeit gegen unseren Staat und unsere Partei verstärken. Doch wir sind stark und werden sowohl den äußeren Feinden erfolgreich standhalten, als auch die inneren Feinde unterdrücken. Deshalb müssen wir mit kühlem Kopf abwarten, wie immer die Situation auf der Welt, insbesondere in China, aufmerksam beobachten.

Erst einmal müssen wir abwarten, ob sich bestätigt, was die Weltpresse schreibt, denn von der offiziellen Presse in China verlautet nichts. Das ist genau die Methode der Chinesen. Als Liu Schao-tschi liquidiert wurde, oder als Lin Biao und später Deng Hsiao-ping usw. usf. ausgeschaltet wurden - stets brauchten sie lange, bis sie offen mit der Sprache herausrückten. Es ist leicht möglich, dass es auch in diesem Fall wieder so ist, denn von Djiang Tjing bis Dschang Tschun-tjiao - das sind Persönlichkeiten, obwohl sie noch relativ jung sind. Trotzdem meine ich, dass wir sehr vorsichtig sein, unsere Linie verteidigen müssen und nicht die Polemik mit den Chinesen eröffnen dürfen, auch wenn sich bestätigt, was die Weltpresse schreibt. Wir dürfen die Polemik so lange nicht eröffnen, wie wir es für vertretbar halten, weil unsere marxistisch-leninistische Linie noch nicht öffentlich angegriffen wird. In dem Augenblick aber, da sich dies ändert, müssen unsere Batterien bereitstehen wie stets. Doch auch das wirtschaftliche Interesse müssen wir im Auge behalten, auch wenn die Chinesen die Lieferungen an uns, zu denen sie nach den bestehenden Verträgen verpflichtet sind, verzögern mögen. Wir müssen also vorsichtig und zugleich wachsam sein, aufmerksam beobachten, welchen Verlauf die Dinge in China nehmen.

In China geschieht alles unerwartet. In außergewöhnlich kurzer Zeit ereignen sich all diese Dinge, und allem wird das Etikett «Staatsstreich», «Putsch», «Verschwörung gegen das Leben Mao Tsetungs» usw. usf. angeheftet. Morgen können sich noch andere Vorfälle herausstellen, deshalb müssen wir hier, in unserem Land, gegenüber den chinesischen Spezialisten wachsam sein. Wir werden weiterhin mit den Angestellten der chinesischen Botschaft in Tirana aufrichtig über die Freundschaft unseres Volkes und unserer Partei mit dem chinesischen Volk und der Kommunistischen Partei Chinas auf marxistisch-leninistischen Grundlagen sprechen, gleichwohl wissen wir nicht, was das für .Menschen sind, die Funktionäre des Botschaft oder die chinesischen Spezialisten, die in unserem Land arbeiten.

Aus den Informationen, über die wir verfügen, ergibt sich, dass ihr jetziger Botschafter, der auch schon in Moskau war, eines der in der Kulturrevolution kritisierten Elemente ist. Er muss also ein Mann Deng Hsiao-pings, Liu Schao-tschis und Tschou En-Jais, rechts sein. Er kam nicht zu uns, um unserem Land zu helfen, sondern um zu sabotieren, zu intrigieren, nicht um sich als Freund zu informieren, sondern im Dienst der Rechten, die in China an die Macht gekommen sind. Er kam mit unguten Absichten, und es ist daher möglich, dass er und die anderen Chinesen anfangen, ihre Nase in unsere inneren Angelegenheiten zu stecken.

Wir können die Angestellten der chinesischen Botschaft nicht daran hindern, Betriebe zu besuchen, in denen chinesische Spezialisten arbeiten, um Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Gleichwohl müssende ersten Sekretäre der Bezirksparteikomitees, die Chefingenieure, die Direktoren der Institute, der Fabriken und Kombinate, wo chinesische Spezialisten arbeiten, wachsam sein, sich vorsehen, denn wir hatten oft zu leiden, unter den Titoisten, unter den Sowjetrevisionisten, und möglicherweise werden wir nun auch unter den Chinesen zu leiden haben.

Das grosse Interesse des Vaterlandes und der Partei verlangt, dass wir in diesen für China unbeständigen und chaotischen und für die Weltrevolution, besonders für das sozialistische Albanien gefährlichen Augenblicken die Lage in der Partei, die Einheit ihrer Reihen festigen, die Einheit von Partei und Volk festigen, aktivere Vorbereitungen auf die Verteidigung des Landes treffen und wachsam sind, unsere Wirtschaftspläne erfüllen,, ja sogar überbieten. Das ist eine grundlegende Aufgabe zur Wahrung der Unabhängigkeit, der Freiheit und der Souveränität unseres Vaterlands. Wir alle müssen uns vor Augen halten - und das müssen wir auf die eine oder andere Weise der Partei, den Kommunisten, dem ganzen Volk klar machen -, dass das sozialistische Albanien sowohl im Innern als auch außerhalb seiner Grenzen stark ist. Im Ausland hat unser Land viele treue Freunde. Das sind nicht nur die Revolutionäre und die fortschrittlichen Menschen, sondern auch Leute, die, obwohl sie gegen unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung sind, die Politik des sozialistischen Albanien und den Mut unseres Staates achten.





DONNERSTAG.

14. OKTOBER 1976





DIE ACHTUNG SOLLTE GEGENSEITIG SEIN



Gestern sagte mir Genosse Nesti [Nase], der neue chinesische Botschafter habe darum gebeten, mich am 16. Oktober zu Hause aufsuchen und mir zum Geburtstag gratulieren zu dürfen. Bei dieser Gelegenheit wolle er mir einen Blumenkorb überreichen.

In dieser unruhigen Situation, so meine ich, nach der unseren Zentralkomitee gegenüber so geringschätzigen Haltung der chinesischen Führung und Mao Tsetungs selbst, die keine einzige der Botschaften beantwortet haben, die wir ihnen sandten, und auch der Einladung des Zentralkomitees an die Kommunistische Partei Chinas, an unserem Parteitag teilzunehmen, nicht Folge leisteten, sondern nur ihren Botschafter schickten, der uns im Namen der Abteilung Internationale Verbindungen einen schönen Gruss vom Zentralkomitee ihrer Partei bestellte, müssen auch wir die Autorität unserer Partei wahren. Wir müssen den Chinesen deutlich zu verstehen geben, dass unsere Beziehungen mit ihnen korrekt und vollkommen gleichberechtigt zu sein haben.





MONTAG,

18. OKTOBER 1976





DIE CHINESEN BEHINDERN UNSEREN IMPORT



Genosse Behar hatte vor fast zwei Wochen ein Treffen mit dem Außenhandelsminister Chinas, Li Tjiang, von dem er Auskunft darüber verlangte, warum unser Import aus China im Jahr 1975 um 40 Millionen Yüan unter dem vorgesehenen Wert lag, während unsere Exporte im selben Jahr vollständig realisiert wurden. Behar wies ihn darauf hin, dass China uns bei der Erfüllung unseres Fünfjahrplans viele Hindernisse und Schwierigkeiten in den Weg legt, und ebenso, dass die Handelsgespräche für das Jahr 1976 noch nicht einmal begonnen haben und es in diesem Jahr zwischen Albanien und China faktisch überhaupt keinen Handel gibt. Behar betonte, dass dieses Vorgehen nicht richtig ist und wir so unmöglich in der Lage sind, die Exporte bereitzuhalten.

Li Tjiang hörte zu und erklärte ihm dann: «Ich bin nicht unterrichtet [in Wirklichkeit log er], werde mich aber informieren und dich wieder rufen lassen.»

Es vergingen also zwei Wochen, und Behar wurde zurir stellvertretenden Außenhandelsminister gerufen, der ihm im Namen Li Tjiangs folgendes mitteilte:

«Wir haben Fehler gemacht, stehen bei euch in der Schuld, deshalb werden wir den Handel und die Unternehmen aktivieren und uns bemühen, euch bis Jahresende die Waren zu liefern, mit Ausnahme einiger Fahrzeuge, etwa Traktoren. Der Grund dafür», sagte er, «liegt in unserer falschen Linie. Was die Kontrakte für das Jahr 1976 betrifft, so werden wir sie gegen November oder Dezember realisieren, wenn wir unseren Plan in Ordnung gebracht haben.» Und um uns die Sache zu versüßen, sagte er: «Mit euch r,erden wir zuerst verhandeln.» Dies wurde Behar vom chinesischen stellvertretenden Außenhandelsminister erklärt. Das ist von vorne bis hinten erstunken und erlogen.

Li Tjiang ist einer der Hauptfeinde der Volksrepublik Albanien. Was die Chinesen da uns gegenüber betreiben, ist Sabotage, ist Wirtschaftsblockade. Diese Sabotagetätigkeit ist eine offene Unterstützung des Komplotts von Beqir Balluku, Abdyl Kolezi, Koço Theodhosi und Kiço Ngjela. Damit wollten sie uns unter Druck setzen, Verknappung auf unserem Markt hervorrufen und die Produktion verlangsamen, damit wollten sie bei der Bevölkerung Unzufriedenheit mit unserer Partei und unserer Staatsmacht wecken. Doch diese Saboteure und Verschwörer erreichten ihr Ziel nicht und werden es auch nicht erreichen können. So, wie unsere Exportwaren sind, werden sie von jedem abgenommen, deshalb kann uns China so wenig blockieren, wie das die Sowjetunion oder die anderen Revisionisten und die kapitalistischen Staaten zu tun vermochten. Wir wollen mit China Handel treiben und werden versuchen, es zu tun, doch unter gleichberechtigten Bedingungen und nicht so, wie die Chinesen verfahren.







FREITAG,

22. OHTOBER 1976





DER DIEB RUFT: «HALTET DEN DIEB!»



Hua Guo-feng hat in der Partei die Zügel in die Hand genommen und sich sowohl zum Parteivorsitzenden als auch zum Vorsitzenden der Militärkommission beim Zentralkomitee ernannt. Diese Ernennung teilten sie Behar mit. Dieser Tage werden die betreffenden Schritte sicherlich auch durch Beschlüsse des Zentralkomitees abgesegnet werden.

Hua Guo-feng kam durch einen von langer Hand vorbereiteten Militärputsch an die Macht. Tschou En-Iai war der Architekt der Verschwörung. Nachdem er gemeinsam mit Mao und mit seiner Hilfe Lin Biao ausgeschaltet hatte, arbeitete er nicht nur daran, «Ruhe zu schaffen», sondern änderte auch Chinas Politik. Mao war das Banner, während Tschou an der Spitze der Reaktion alles organisierte, damit diese Politik auch von den Linken verfochten wurde. Solange Mao noch lebte, traf Tschou seine Vorbereitungen, um gleich nach seinem Tod alle Schlüsselpositionen in der Hand zu haben, insbesondere die Armee und die Sicherheitsorgane. Das gelang ihm noch zu Lebzeiten Maos. Die Linken lärmten mit Rundfunk und Presse, und Tschou liess sie gewähren. Mit Maos Einverständnis rehabilitierte er Deng Hsiao-ping, seinen alten Freund. Tschou wusste, dass er bald sterben würde, und hat seinen Mitarbeitern sicherlich geraten, vorsichtig zu sein, solange Mao noch lebte, und dann nach seinem Tod die Macht zu übernehmen.

Als Tschou starb, war Mao noch am Leben. Regulär hätte Deng Ministerpräsident werden müssen, doch damit waren die Linken nicht einverstanden. Also befand sich der «grosse Steuermann» in einem Dilemma. Was sollte er tun? Er rief Hua Guo-feng, den Sicherheitschef, und andere Beteiligte an dem von der Rechten mit Tschou an der spitze vorbereiteten Komplott. Und als Mao starb, gab Hua Guo-feng das Startzeichen des Komplotts und machte den Putsch. Auf faschistische Art eliminierte er die Hauptvertreter des linken Flügels. Hua Guo-feng und die Verschwörer tönten: «Wir haben die Verschwörer, die Schanghaier Mafia niedergeschlagen», nahmen auch Mikrophon, Rundfunk und Presse in die Hand und leiteten den grossen Feldzug ein. Das ist alles. Der Dieb ruft: «Haltet den Dieb!»

Die Verschwörung Beqir Ballukus und Abdyl Këllezis war mit der chinesischen Verschwörung synchronisiert. Tschou hatte vor, gleichzeitig mit den Veränderungen in China auch die Situation in Albanien zu ändern, um ihre Pläne in bezug auf die kommunistische und Arbeiterbewegung sowie unsere und die internationalen Beziehungen leichter verwirklichen zu können. Doch unsere Partei deckte Beqir Ballukus und Abdyl Këllezis Putsch auf und zerschlug ihn.





SAMSTAG,

23. OKTOBER 1976





SO MUSS ES MIT DEN «VIER» GEWESEN SEIN



Die aufmerksame Lektüre einer Information über ein Rundsehreiben des ZK der KP Chinas ergibt meiner Meinung nach, dass die Aussagen der Chinesen erstunken und erlogen sind.

Im Oktober 1974, so heisst es in diesem Rundschreiben, sei Wang Hung-wen zu Mao Tsetung gekommen und habe Tschou En-lai «beschuldigt». Damit hat Wang Hung-wen meiner Meinung nach sehr richtig gehandelt, und nach den Parteinormen ist ein solcher Schritt zulässig.

Jedes Mitglied des Zentralkomitees, ja sogar jedes Parteimitglied, hat uneingeschränkt das Recht, zum Vorsitzenden oder zum ersten Sekretär des ZK der Partei zu gehen und ihm seine Meinung über ein Mitglied der Führung oder irgendeinen Kommunisten vorzutragen, welche Funktion er auch innehaben mag. Ein solches Vorgehen gilt als Parteiregel. Es ist eine alltägliche Praxis, dass sich viele Menschen, Parteimitglieder oder Parteilose, in unterzeichneten oder auch anonymen Briefen an das Zentralkomitee, an den Vorsitzenden oder den ersten Sekretär des Zentralkomitees wenden, um ihn über die Tätigkeit jener Menschen zu unterrichten, die Fehler begehen.

Man kann es also nicht als Verfehlung oder gar Komplott auslegen, wenn ein Mitglied der Parteiführung wie Wang Hung-wen zum Vorsitzenden des Zentralkomitees gegangen ist, um die Handlungen eines Mitglieds des Politbüros zu kritisieren, im Gegenteil, das entspricht der Regel. Nur die, die nicht wollen, dass ihr unrichtiges Handeln oder ihre Fehler der Führung bekannt werden, können darüber anders denken und urteilen. Ganz besonders im Fall Mao Tsetungs, der abgeschlossen in seinem Büro saß und darauf wartete, dass die anderen zu ihm kamen und ihm ihre Meinung, ob nun kollektiv oder individuell, über die Arbeit und die Menschen, vortrugen, war ein Vorgehen wie das Wang Hung-wens voll-kommend normal. Deshalb ist der Vorwurf gegen Wang Hung-wen haltlos und verwerflich. Für uns ist klar, dass dahinter die böse Absicht jener steht, die ihn ausgebrütet haben.

Als stellvertretender Vorsitzender des Zentralkomitees hatte Wang Hung-wen, wie ich schon sagte, vollkommen recht, als er zu Mao Tsetung als Vorsitzendem des Zentralkomitees der Partei ging. und ihm seine Meinung über ein Mitglied des Zentralkomitees mitteilte. Doch die gegenwärtigen chinesischen Führer bezichtigen Wang schwer, als «Verschwörer». Da ich weiss, wer Tschou En-lai war und was für eine Tätigkeit er betrieb, meine ich, dass Wang Hung„ven sehr gut daran getan hat, zu Mao Tsetung zu gehen und mit ihm über Tschou zu sprechen. Das macht uns deutlich, dass diejenigen, die von Hua Guo-feng und Konsorten nun beschuldigt werden, der gleichen, richtigen Ansicht wie wir über Tschou En-lai, seine Taten, seine Verbrechen und seine Intrigen waren.

Die Information aus Peking sagt zwar nichts darüber aus, doch es ist möglich, dass Wang Hung-wen mit der Kritik an Tschou En-lai zu Mao kam, nachdem er sich mit den anderen Genossen beraten hatte, um ihm ihre gemeinsame Ansicht über Tschou En-lai vor-zutragend.

Für uns ist klar, dass sich Wang Hung-wen damit wohl kaum begnügt hat. Einen solchen Vorstoß im Zusammenhang mit Tschou En-Jais Handlungen, die nicht auf richtigem marxistisch-leninistischem Kurs erfolgten, unternahm er auch offiziell. Die Tatsache, dass er dieses Problem offen auch auf dem 10. Plenum der Gesetz-gebenden Versammlung aufwarf, wie in dem Rundschreiben erwähnt wird, das uns bekannt geworden ist, bestätigt, dass weder Wang Hung-wen noch seine Genossen, die dort jetzt verfolgt werden, auch, nur im geringsten wie «Verschwörer» handelten, sondern dass ganzi im Gegenteil die, welche die Macht übernahmen, so verfuhren.

Die Elemente der Linken haben meiner Meinung nach richtig reagiert, doch den Konterrevolutionären passte Wang Hung-wens Eingreifen nicht in den Kram, deshalb unternahmen sie Gegenschritte. Wie sich herausstellt, hat Mao die Vorschläge und Vorwürfe der Linken nicht akzeptiert. Nicht nur das. Nach dem, was im





Rundschreiben steht, hat Mao die Vorschläge Wang Hung-wens verworfen und ihn deswegen sogar gerügt.

Das zeigt, dass Mao Tsetung gemeinsam mit Tschou En-lai und einer Gruppe die rechten, revisionistischen und reaktionären Elemente unterstützte, die sich im Partei- und Staatsapparat verkrochen hielten oder von ihnen, wie Deng Hsiao-ping, xehabilitiert wurden. Wang Hung-wens, Yao Wen-yüans, Djiang Tjings und Dschang Tschun-tjiaos Einwendungen waren, wie die Analyse des Rund-chreibens ergibt, völlig gerechtfertigt.

In einer Information, die aus einer chinesischen Quelle stammt, heisst es, Djiang Tjing habe sich schon seit geraumer Zeit Tschou En-lai in seiner revisionistischen und kapitulantenhaften Tätigkeit widersetzt. Nicht nur das, sie brachte auch Mao ihre Ansichten über Tschou En-lai zur Kenntnis, und das war richtig. Doch nun erfahren wir aus dem Rundschreiben, das uns bekannt wird, Mao Tsetung habe Djiang Tjing wegen ihres «Ehrgeizes» kritisiert, weil sie ihn mit «Kleinigkeiten» behelligte, anstatt ihm grosse Probleme zu unterbreiten. Daraus können wir die Schlussfolgerung ziehen,, dass jede Kritik der anderen an Tschou En-lai für Mao Tsetung unannehmbar war. Mao nahm den Revisionisten Tschou En-lai in Schutz.

Es erhebt sich die Frage: Wo ist hier das Komplott? Haben etwa -einige Mitglieder des Politbüros nicht das Recht, im Zentralkomitee aufzustehen und offen eine Meinung zu äussern, einen Vorschlag zu :machen und durchaus auch eine Person wie Tschou En-lai oder jedes andere Mitglied der Führung, wer es auch sei, zu kritisieren? Ausgehend von den Parteinormen ist für uns hier absolut kein Verstoss ,ersichtlich, im Gegenteil, wir stellen bei Mao selbst, der diese mutigen Leute wegen «Dogmatismus» kritisiert, Dogmatismus und einen ,unmarxistischen Autoritarismus fest. Die Verschwörer benutzen Maos Aussage, ihre Gegner seien «dogmatisch», als Waffe für sich, doch dogmatisch ist Mao Tsetung selbst, der die Genossen zwang, nur das zu tun, was er sagte und beschloss.

Später, am 3. Februar, so heisst es in dem Rundschreiben, habe Dschang Tschun-tjiao einen Artikel geschrieben, mit dem er sich wütend Maos persönlichem Vorschlag widersetzt habe. Was dies für ein Vorschlag ist und um welche Frage es geht, ist uns nicht klar, doch den Putschisten zufolge musste auch in diesem Fall dem, der es wagte, Kritik zu üben, der Mund gestopft werden, denn wo es um die Dinge ging, die Mao beschloss, durfte es keine Kritik geben. Vielleicht wird hier auf die Einsetzung Deng Hsiao-pings oder irgendeines anderen, der im Rundschreiben nicht genannt wird, in die Führung angespielt. Gerade um diesen Vorschlag zu kritisieren, hat Dschang Tschun-tjiao möglicherweise den Artikel veröffentlicht, einen Artikel, der sicherlich nicht von den Lehren Maos usw. getragen war. Im jüngsten Rundschreiben des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas wird die Veröffentlichung dieses Artikels als Verbrechen betrachtet, weil Mao widersprochen wurde.

Dieses Widersprechen hatte möglicherweise auch etwas mit der von Mao ersonnenen Ernennung Hua Guo-fengs zum stellvertretenden Parteivorsitzenden und zum Vorsitzenden des Staatsrats zu tun. Das hiesse, dass die vier Genossen der Führung, die verurteilt worden sind, Mao Tsetungs Vorschlag, Hua Guo-feng die Posten zu geben, die ihm dann auch übertragen wurden, die Zustimmung verweigerten und vielleicht ihren Standpunkt dazu in dem betreffenden Artikel öffentlich äußerten. Dies betrachten die Putschisten ebenfalls als «Verschwörung», was natürlich nicht zu akzeptieren ist, .denn das ist nicht die Art, wie man Verschwörung betreibt.

Ein Botschafter Chinas in einem westlichen Staat teilte unserem Botschafter dort, nachdem er ihm über das «Komplott der -Vier» berichtet hatte, angeblich als vertrauliche Information mit: «Unter uns gesagt, Dschang Tschun-tjiao ist ein Agent der Kuomintag, und bei allen vier Verschwörern wusste Mao Tsetung schon vorher, welch üble Leute sie waren, doch er selbst liess zu, dass sie nach Peking kamen und ins Zentralkomitee, ja sogar ins Politbüro aufgenommen wurden.» Was für Gemeinheiten sie doch über diese Vier aushecken! Und wie einfältig sie sind!! Begreifen sie denn nicht, ,dass sie so Mao selbst bloßstellen? Oder machen sie es absichtlich, eben um - als Revisionisten und Reaktionäre, die sie sind - Mao zu «entthronen», ihm heimzuzahlen, was sie durch seine Schwankungen zu erleiden hatten, und im Hinblick auf ihre ultrarevisionistischen und reaktionären Zukunftspläne. Soll einer aus diesen Chinesiaden -klug werden!

Bei Djiang Tjing treiben es die revisionistischen Putschisten besonders bunt. Sie bezeichnen sie als «Straßenmädchen», verbrei ten Broschüren gegen sie, in denen sie in ihren schmutzigen Ausdrücken so weit gehen, sie «Hure» zu nennen. Man fragt sich: Wie konnte diese «Hure» zu Jahre lang mit Mao Tsetung verheiratet sein, Kinderton ihm bekommen, zum Mitglied des Zentralkomitees und des. Politbüros des ZK der Kommunistischen Partei Chinas gewähltwerden? Wo haben denn diese «Helden» gesteckt, die jetzt Verleumdungen verbreiten, so ungeheuerlich, dass selbst die schmutzigste pornographische Literatur des Westens nicht mithalten kann?' Es versteht sich von selbst, dass diese Leute selbst Agenten des Imperialismus sind und auf dem Weg über Djiang Tjing Mao persönlich zu diskreditieren versuchen. Dabei halten sie natürlich nach aussen hin seine Fahne weiter hoch, bis sie aus dem Schneider sind. Auch das wenige Gute, das Mao für China getan hat, besudeln die revisionistischen Putschisten mit diesen Handlungen.

Weiter unten im Rundschreiben bringen die Putschisten dann weitere allgemeine Bezichtigungen an die Adresse der revolutionären Elemente, weil diese aktiv tätig waren, um die Verschwörerpläne des revisionistischen Flügels mit Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Hua Guo-feng und anderen zu durchkreuzen. Diese serienweise Anschuldigungen drehen sich um vollkommen nichtige, an den Haaren herbeigezogene, gewöhnliche Dinge. Meiner Meinung nach haben die Putschisten mit Hua Guo-feng an der Spitze sie in das Rundschreiben gesetzt, weil sie keine anderen Vorwürfe haben, um die Genossen des linken Flügels als «Verschwörer» hinzustellen. Alles, was sie gegen die Reaktion unternahmen, der Kampf, den sie gegen sie führten, störte die Ruhe der Revisionisten, die von Mao unterstützt wurden. Die Revisionisten hatten sich in der Partei und im Staat eine starke Basis geschaffen. Sie hatten die Schlüsselpositionen in der Hand und setzten überall ihre Leute ein. In dieser günstigen Lage, die sie sich geschaffen hatten, wollten sie nicht, dass ihnen die anderen in die Quere kamen. Doch die «Linken» waren dabei, ihr e Ruhe zu stören, mit Artikeln und in anderer Form, einschließlich einer Reihe von Kritiken. All dem gaben die Revisionisten den Anstrich einer «Verschwörung». Das revisionistische Komplott, das sie selbst seit langem vorbereitet hatten, versuchen sie nun jenen Genossen anzulasten, die sie radikal nennen, die uns aber, nach dem, was wir wissen, trotz aller Fehler und Mängel, die sie haben mögen. auf gesünderen Positionen gestanden zu haben scheinen.

Ich möchte die Cyberzeugung zum Ausdruck bringen, dass es Tschou En-lai mit Alaos Unterstützung geschafft hatte, alle Revisionisten und die Reaktion, mit einem Wort, alle Anhänger Liu Schaltschis, des Verräters, um sich zu scharen. Er brachte sie allmählich alle nacheinander in den Apparat der Partei, des Staates, der Armee und überallhin. Nachdem er dieses Ziel erreicht hatte, machte sich Tschou En-lai daran, alle Gegner einen nach dem anderen aus dem Weg zu räumen. So fädelte er zunächst die Sache mit Lin Biao ein, der sein Hauptgegner war. Er liess Lin Biao in die Falle gehen und liquidierte ihn damit. Danach ging er daran, die anderen Gegner zu liquidieren, die durch die Kulturrevolution hochgekommen waren, an ihrer Spite Kang Scheng und die anderen. Doch Kang Scheng erkrankte und starb, während Tschen Bo-da schon vor Lin Biao liquidiert worden war.

Jetzt blieben noch diese vier: Wang Hung-wen, Yao Wen-yüan, Djiang Tjing und Dschang Tschun-tjiao, die für Tschou En-lai nur schwer zu eliminieren waren. Doch als der grosse revisionistische Organisator und Verschwörer, der er war, gelang es Tschou En-lai mit Maos Unterstützung, Deng Hsiao-ping zu rehabilitieren und erneut in die Führung zu bringen, und er arbeitete intensiv, um ihn zu seinem Stellvertreter aufzubauen. Die «Vier» haben sich wohl der Rehabilitierung des Revisionisten Deng Hsiao-ping sofort entgegengestellt, doch Mao wird seinen Aufstieg durchgesetzt haben. Ich bin davon überzeugt, dass diese vier die Aufnahme Deng Hsiao-pings in die Führung von Partei und Staat kaum akzeptiert haben dürften. Mao muss ihnen gesagt haben, es habe zu geschehen, wie Tschou Lind seine Leute vorgeschlagen hatten.

Ich vermute, dass Tschou seinen Mitarbeitern riet, nichts zu unternehmen, solange Mao noch am Leben war. Nun wurden aber nach Tschous Tod diese vier aktiv, und dank ihres Widerstands konnte Deng nicht zum Vorsitzenden des Staatsrats ernannt werden und Tschous Platz übernehmen. So entstand die Notwendigkeit, die Kulturrevolution weiterzuführen. Doch Man, der sich im Gegensatz zu diesen vier befand, rief Hua Guo-feng. machte ihn zum stell-wegtretenden Parteivorsitzenden und stellte ihn auch an die Spitze der Regierung. Mao wusste genau, dass Hua Guo-feng ein Parteigänger Tschou En-lais war. Genauso gut wussten dies auch Wang Hung-wen, Dschang Tschung-tjiao, Tjiang Tjing und Yao Wen-yüan, deshalb müssen sie sich wohl der Aufnahme Hua Guo-fengs in die Führung widersetzt haben. Doch Mao nötigte ihnen seine Einsetzung in das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der Partei und des Vorsitzenden des Staatsrats auf.

Nach Maos Tod müssen die «Vier» erneut dagegen gewesen sein, dass Hua Guo-feng an die Spitze der Partei und des Staates kam,. doch dieser Widerstand wurde von den Revisionisten als «Vers-Schwörung» betrachte Sie verhafteten die vier unter der Beschuldigung, sie hätten «gegen die Partei gekämpft, sich Mao Tsetung und. dem von ihm persönlich gefassten Beschluss, Hua Guo-feng an die . Spitze zu stellen, widersetzt» - einem Beschluss, den er fasste, ohne das Zentralkomitee, ja sogar, ohne das Politbüro einzuberufen - usw. usf. So muss es meiner Meinung nach wirklich gewesen sein, andrem „, lassen sich die Ereignisse, die stattgefunden haben, nicht begreifen.

Bei der Lektüre der Information, die uns erreichte, wird deutlich, was für Verleumdungen und falsche Beschuldigungen gegen diese vier Genossen zusammengebastelt wurden. Die revisionistischheil. Verräter bezichtigen sie, sie hätten «Dutzende Male mit Ausländern gesprochen, mit ihnen Verbindungen unterhalten», ohne namentlich zu erwähnen, um wen es sich dabei handelt. Sie vergessen, dass, angefangen bei Mao selbst und Tschou En-lai, alle Mitglieder áieser revisionistischen Gruppe wer weiss wie oft mit Ausländern vom :Kaliber eines Kissinger, eines Nixon, mit Krethi und Plethi tageund nächtelange Treffen und Gespräche hatten. Und um nicht dieseaTreffen, von denen die ganze Welt wusste, angeklagt zu werdety.bezichtigen die Revisionisten die «Vier», sie hätten mit Ausländem gesprochen! Damit wollen sie sagen, diese vier seien «Agenten der : Ausländer» gewesen. So werten sie Djiang Tjings Zusammenkunft mit-. einer amerikanischen Journalistin oder Schriftstellerin, die über sie: schreibt.

Die Revisionisten verfahren mit diesen vier genauso, wie sie mit Lin Biao verfuhren, werfen ihnen vor, sie seien «Agenten», ohne allerdings zu sagen, wessen Agenten. Sicherlich werden sie morgen sagen, und dafür gibt es schon jetzt Anzeichen, sie seien «Agenten der Sowjets» gewesen, wie sie das auch über Lin Biao sagten. Derbchinesische Botschafter, den ich vorhin erwähnte, sagte zu unserem. Botschafter ausser dem, was ich bereits erwähnt habe, auch noch :. «Vorläufig können wir von diesen vier noch nicht sagen, sie seien Agenten der Sowjets, doch sicher sein können wir uns darin keinesfalls, und es kann sein, dass wir morgen herausfinden, dass sie ihre. Leute sind.» Mit Sicherheit sind die chinesischen Revisionisten, nachdem sie dann gefälschte Dokumente zusammengebastelt haben, auch, imstande, das zu behaupten.

Zum andern informierte derselbe chinesische Botschafter unseren Botschafter, dass der Westen die vier Verschwörer als Links-radikale bezeichnet, doch das stimmt nicht», weil sie, ihm zufolge, «Rechtsextremisten sind, die sich nur das Mäntelchen von Linksradi-kahlen umgelegt haben». Natürlich können sie nicht sagen, diese vier seien Agenten der Amerikaner, sind sie doch selbst mit den Yankee-Imperialisten dick befreundet.

Man erkennt, wenn auch nicht unmittelbar, dass die Putschisten mit Tschou En-lai an der Spitze gegen die Kulturrevolution waren. Sie attackieren diese Revolution sogar, die das Hauptquartier der Reaktion innerhalb der Partei entlarvte, wenn sie behaupten, Mao. habe Djiang Tjing und die drei anderen kritisiert, weil sie «im Zuge, der Kulturrevolution einigen Führern den Hut aufgesetzt haben»usw. usf. Damit wollen sie sagen, die Revolutionäre hätten mit der Kulturrevolution usw. usf. die Partei getroffen, sie klagen sie an, dass sie «Verbrechen begangen haben», als sie den Konterrevolutionären, «den Hut aufsetzten», dass sie «gestürzt haben, wen sie nur stürzen konnten» usw. usf.

Anscheinend haben die vier Beschuldigten unmittelbar nach Maos Tod die Frage aufgeworfen, wer in die neue Führung gewählt werden sollte. Die Putschisten um Hua Guo-feng betrachten dies nur jedoch als «Intrige», «Komplott». Doch warum sollte das eine Intrige oder ein Komplott sein, wo sie sich doch schon zu Maos Lebzeiten der Wahl Hua Guo-fengs zum Spitzenführer widersetzt hatten?

So banal sind die Beschuldigungen der Putschisten, dass sie, um die anderen zu überzeugen, Dinge an den Haaren herbeiziehen. Hier, was sie im Rundschreiben sagen: Mao hat im April 1976 betont, man müsse edlen Kurs der Vergangenheit weiterverfolgen», doch die vier hätten diese Aassage «verdreht», indem sie die Formel benutzten, man müsse «an dem einmal festgelegten Kurs festhalten». Und wo liegt hier der Unterschied? Das ist kaum zu erkennen, doch wenn man gründlich nachdenkt, so lässt sich auch hinter ,der Erwähnung von Maos Aussage: «Verfolgen wir den Kurs der Vergangenheit weiter» eine Absicht der Revisionisten feststellen, Man muss das so auffassen, dass mit dem alten Kurs die von Mao Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping und Konsorten in jeder Hinsieht verfolgte Linie gemeint ist. Ihnen zufolge «sind die besten Leute Tide, die erneut in ihre Funktionen in Partei und Staatsmacht ein gesetzt wurden, und nicht die, die aus der Kulturrevolution hervor, gegangen sind». Diese Revolution ist für die Putschisten nun zu Ende, deshalb rufen sie dazu auf : «Richten wir uns nach dem alten Kum niemand soll gegen die aufbegehren, die rehabilitiert worden site denn sie sind die besten.» Dass die «Linken» das Problem der Wahl einer neuen Führung aufwarfen, wurde von den Renegaten also als «Verbrechen» gewertet. Daraus erklärt sich auch, dass sie sich Maos Aussage bedienervi «Sich zusammenschließen und nicht Spaltertätigkeit betreiben,... sich nicht mit Verschwörungen und Ränken befassen!» All das, was Mao sagt, benutzen die Putschisten, um diesen Kurs zu untermauern und ,die «Vier» zu bezichtigen, sie verdrehten Maos Worte. In Wirkliebweit hat Mao diese Parole schon zur Zeit der Kulturrevolution á gegeben, während die heutigen Putschisten zu belegen versuchen, er habe es jetzt und ganz besonders gegen diese vier gesagt Es zeigt sich deutlich die Arglist, mit der die Putschisten die breiten Massen der Partei und des Volkes zu täuschen versuchen, wenn Mao den Menschen weismachen wollen, Mao habe diese Äußerung jetzt getan. Wie dem auch sei, ob Mao diese Aussage jetzt oder während der Kulturrevolution getroffen hat, sie lässt nicht den richtigen, revolutionären und Klassengeist erkennen.

«Befasst euch nicht mit Verschwörungen», sagt Mao, doch Wist es denn in Wirklichkeit, der sich mit Verschwörungen befasse. Analysiert man die Tätigkeit der vier, dann zeigt sich, dass sie keine Verschwörung betrieben haben. Diejenigen, die das Regime in Chine völlig verändern wollten und eine solche Veränderung herbeizuführen versuchten, sind Liu Schao-tschi, Tschou En-Iai, Deng Hsiao-ping, Peng Tschen u.a. Einige von ihnen wurden im Verlauf der Kulturrevolution ausgeschaltet, kamen aber wieder an die Macht, deshalb mussten sie wegen der konterrevolutionären Tätigkeit, die sie betrieben, entlarvt und bekämpft werden. Doch wer sollte sie bekämpfen? Natürlich die revolutionären Elemente mit einer marxistisch-leninistischen Partei. Doch die Leute, die in China die Macht innehatten, wie Tschou En-lai und Konsorten, die die Woge der Kulturrevolution nicht hinwegzufegen vermochte, und die diese Macht behalten und ihr Dauer verleihen wollten, beschuldigen die Linken, sie seien «Verschwörer». Die Putschisten bedienen sich dieser Äußerung, um sich selbst zu schützen. Nun sind sie alle an die Macht gekommen und bezichtigen die vier Genossen der Verletzung der Direktiven Maos.

Sie bezichtigen diese vier ebenso, einen Artikel gegen den Revisionismus geschrieben zu haben, in dem dazu aufgerufen wird, nach dem vom Vorsitzenden Mao festgelegten Kurs» zu handeln. Dieser Artikel wird als parteifeindlicher Angriff gegen das Zentralkomitee angesehen. Recht hatten die vier, das Zentralkomitee anzugreifen, wenn es auf revisionistischem Kurs war. In dem Artikel, der auf den Kampf gegen den Pragmatismus eingeht, wird auch gegen den Revisionismus gesprochen. Es ist bekannt, dass Tschou En-lai mit seiner Arbeitsmethode den Pragmatismus repräsentierte. Die Umsetzung seines Pragmatismus bedeutete Tätigkeit gegen den Marxismus-Leninismus.

In einem Gespräch mit unseren Genossen, als diese in Peking waren, sagte Mao Tsetung: «Falls die Revisionisten irgendwann einmal die Führung in China usurpieren, dann müssen die MarxistenLeninisten der anderen Länder diese Revisionisten genauso entschieden entlarven und bekämpfen, müssen sie der Arbeiterklasse und den Volksmassen Chinas helfen, gegen den Revisionismus zu kämpfen.»

Dschang Tschun-tjiao wird beschuldigt, er habe eine Beratung mit den Komminissaren der Armee usw. durchgeführt, wo er den Kampf gegen den Pragmatismus als Frage ersten Ranges herausgestellt habe. Und diese Auffassung habe er auf der Beratung verteidigt. Wie er dies getan hat, wissen wir nicht, doch anscheinend hat er betont dass wir Marxisten die marxistisch-leninistische Theorie verteidigen, sie zugleich aber auch in der Praxis anwenden müssen, und dies, ohne ihre Prinzipien aufzugeben. Wie die Putschisten sagen, hatten «Dschang Tschun-tjiao und Konsorten dem Marxismusleninismus abgeschworen». Das ist ebenfalls eine falsche Beschuldigung gegen sie.

Mao hat gesagt: «Um den Marxismus zu verteidigen, muss man auch gegen den Strom schwimmen.» Tatsächlich haben Wang Hungwen, Dschang Tschun-tjiao, Djiang Tjing und Yao Wen-yüan, ungemachte t des sinken Widerstands der Revisionisten, gegen den Revisionism gelärrpît. Gerade sie waren es, die den Revisionisten in den Realien der Partei Schläge versetzten, während die Putschisten sie des «Verrats an Mao, am Zentralkomitee, an der Revolution» usw. bezichtigen.

Die «Vierer»Elemente haben,, so die Revisionisten, «Maos Strategie im Kampf gegen Lin Biao und Konfuzius verfälscht». Doch worin besteht diese Strategie Maos? Das sagen uns die Revisionisten nicht. Wenn jene vier «diese Strategie verfälscht hatten», wo waren dann sie mit Mao an der Spitze? Warum warfen sie diese Frage nicht beizeiten auf? Wenn die Sache so stand, warum beriefen sie dann nicht eine Sitzung der Führung ein, um jene, die «Verfälschungen» vornahrmen, zum Teufel zu jagen? Wenn sie doch Lin Biao und Tschen Bo-da zum Teufel jagten, konnten sie das nicht auch mit ihnen machen? Warum gingen sie nicht schon damals auch gegen Djiang Tjing vor? Doch das konnten sie nicht, denn zur Zeit der Kulturrevolution waren sie, mit Verlaub,...

Über Djiang Tjing sagen die Putschisten tausend Sachen. Die Revisionisten kommen damit an, Mao habe ihr dann und dann gesagt: «Du bist ehrgeizig, du strebst nach der Macht, du bist so und so, du trittst für eine Minderheit ein, ihr seid eine Viererbande» usw. usf. Diese Fragen waren nach ihrer Aussage allerdings schon vor Jahren aufgetreten, und Mao soll diese Dinge, wie es in dem Rundschreiben heisst, auch auf Sitzungen vorgebracht haben. Falls dem so war, ist es immerhin erstaunlich, warum nicht sowohl gegen Djiang Tjing als auch gegen die drei anderen Stellung bezogen wurde. «Schau her, du hast Fehler», soll Mao zu Djiang Tjing gesagt haben, «doch die Genossen machen dich nicht darauf aufmerksam. Du gibst dich mit Kleinigkeiten ab, mit denen du zu mir kommst und mich störst, anstatt mit mir über die grossen Dinge zu sprechen.» Das alles verdross Mao.

Nach Aussage der Putschisten hatten die «Vier» «schon zur Zeit der Entlarvung Lin Biaos Verbrechen begangen, indem sie drei Pfeile abschossen. Der erste Pfeil war der gegen Lin Biao, der zweite richtete sich gegen Konfuzius und der dritte gegen die Günstlingswirtschaft» oder das «Hereinbringen durch die Hintertür». Doch was soll das heissen? Warum kommen sie jetzt mit der Frage des Kampfes gegen die Günstlingswirtschaft an? Warum wurmt sie das? Wer war es denn, der Günstlingswirtschaft betrieb? Sicherlich die, die die Macht in der Hand hatten, angefangen bei Tschou En-lai, er vor allein, bis hin zu Deng Hsiao-ping. Sie hatten um sich in den Schlüsselpositionen ihre Leute gesammelt und betrieben politische, wirtschaftliche u.a. Günstlingswirtschaft. Da sieht man, mit was für Beschuldigungen die Revisionisten ankommen! Sie klagen die anderen an, weil sie selbst Dreck am Stecken haben. Der Pfeil gegen Mao, Tschou und dessen Leute, den sie den «Vier» zur Last legen, sei absichtlich ins Spiel gebracht worden, um den ersten beiden Pfeilen, gegen Lin Biao und Konfuzius, die Spitze abzubrechen. Solche sophistischen Einschätzungen treffen die Putschisten.

Auch in diesem Fall greifen sie wieder zur gleichen Taktik. Über Lin biao sagten die Revisionisten, er habe «an Maos Stelle treten wollen». Auch über Djiang Tjing sagen sie, sie habe «wie Lin versucht, die Führung der Partei in die Hand zu bekommen». Die Putschisten haben diese Unterstellungen so zurechtgebastelt, dass man beim Lesen auf den ersten Blick, ohne gründlich über diese Lügen nachgedacht zu haben, sagen könnte: «Mensch, was waren diese vier doch tatsächlich für Grosse Verbrecher! » Denkt man aber nur ein bisschen darüber nach, stellt sich ganz von selbst die Frage: Wenn Djiang Tjing so schlimm war und Mao sie mehrmals so schwer kritisiert hatte, warum wurde sie dann nicht wenigstens aus der Führung entfernt? Zweifellos wies Djiang Tjing Mao auf die grossen Betrügereien hin, die die Revisionisten hinter den Kulissen betrieben. brachte ihre Einwände vor, doch Mao, auf dem Olymp, duldete nicht, dass an seinen «unfehlbaren» Gedanken getastet wurde.

Genau wir Lin Biao wird auch Wang Hung-wen beschuldigt, er habe «wie Djiang Tjing, die die Parteiführung anstrebte, an Maos Stelle treten wollen».

All das zeigt, dass die Rechten, von Mao selbst unterstützt, lange Zeit gekämpft haben, um unter allen Bedingungen die Macht in der Hand zu behalten.

Den vier «Linken» wird vorgeworfen, sie hätten sich «in den Kampf gegen den Empirismus gestürzt (gegen Tschou En-lai, versteht sich) und angeblich «nicht gegen den Revisionismus gekämpft». Auch das ist eine Verleumdung. Die Empiristen in China sind gleichzeitig Revisionisten, und es sind Tschou En-lai, Deng Hsiao-ping, Hua Guofeng usw. Es ist begreiflich, dass den genannten Revisionisten durch den Kampf, den die Linken gegen den Empirismus führten, auf die Hühneraugen getreten wurde.

Die Revisionisten stellen in dem Rundschreiben auch die Aussage heraus, wonach «Mao Disziplin und Gehorsamkeit verlangt». Und diese Aussage ist für die Rechten unter den gegenwärtigen Bedingungen unanfechtbar und muss angewendet werden.

Ihre Schlussfolgerung ist, dass die Vier» und ihre Anhänger die Bourgeoisie in der Partei» sind, wie Mao Tsetung den Putschisten zufolge gesagt hat, während sie selbst mit Hua Guo-feng an der Spitze «Marxisten-Leninisten» sind.

Ganz zu schweigen davon, dass in dem Rundschreiben Deng Hsiao-ping mit keinem Wort erwähnt wird, dass nicht der geringste Vorwurf gegen ihn vorgebracht wird. Diesmal verlieren sie kein Wort über ihn.

















SONNTAG,

28. NOVEMBER 1976





KAMPF UM DIE MACHT





Ohne jeden Zweifel ist die Situation in China nach Maos Tod chaotisch, und die Partei, versehen mit einer eklektischen Theorie, ist gespalten.

Bekanntlich dominierte zu Lebzeiten Maos die rechte Gruppe Tschou En-lais. Mao als «Steuermann» leitete «mit den Zentristen» und zügelte sowohl die Rechten als auch die Linken, die sich mit «blanker Klinge- gegenüberstanden.

In Tschnus Gruppe war der zweite Mann Deng Hsiao-ping, der seine Stelle einnehmen sollte. Mao billigte dieses Vorgehen, doch die Linke widersetzte sich. Als Tschou starb, stand Mao am Scheideweg. Er konnte sich bei den Linken nicht durchsetzen, und diese begannen, Deng zu entlarven, als Mao noch lebte. Mao gelang es, Deng in der Partei zu halten, doch die Rechte war bedroht. Also holte der Schaukler Mao den Zentristen Hua Guo-feng hervor, den er zum stellvertretenden Ministerpräsidenten und ersten stellvertretenden Parteivorsitzenden ernannte. Die Linke war auch mit dieser Entscheidung Maos durchaus nicht einverstanden. Zu dieser Zeit, fast ein Jahr lang, gingen die Zentristen ein Bündnis mit den Rechten ein und beschlossen, dass nach Maos Tod Hua Guo-feng Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas und, sogar noch ehe jener starb, Ministerpräsident und Oberkommandierender der Armee werden sollte. Und so geschah es. Kaum war Mao tot, verhaftete Hua Guo-feng mit Hilfe der Armee die Führer der Linken und nahm sich die Titel, ohne dass das Politbüro, ohne dass das Zentralkomitee einberufen wurden.

Doch für die Rechten und die Leute Tschou En-lais und Deng Hsiao-pings war Hua Guo-feng nur eine Übergangslösung, bis der Putsch durchgeführt und die «Vier» entlarvt waren. Danach sollte er einem anderen, Stärkeren Platz machen, einer Persönlichkeit der Rechten, die sowohl die Zustimmung Maos als auch Tschous gehabt hatte. Dies war Deng Hsiao-ping.

Hua Guo-feng tat die ersten Schritte unter der Behauptung, Mao habe «ihn bestimmt». Er begann, an den Posten und Titeln Gefallen zu finden. Mit der banalen «Entlarvung» und Verleumdung der «Vier» glaubte Hua seine Position gefestigt zu haben, doch das ist sicherlich nicht der Fall. Die Recht will Deng. Auch Hua will Deng, doch sicher verlangt er von ihm, eine gewisse Selbstkritik abzulegen, ehe er ihn rehabilitiert und ihm dann einen Posten überträgt, nicht aber den des Parteivorsitzenden. Deng und seine Anhänger gehen darauf allerdings nicht ein und haben deshalb Hua Guo-feng blockiert. Dieser steht illegal an der Spitze und kann noch nicht einmal das Zentralkomitee zusammenrufen, denn dort gibt es Linke, Zentristen; gibt es auch Rechte und Leute mit anderem Anstrich. Also übt Deng Druck auf Hua aus und dieser auf Deng. Hua «kritisiert» weiter (oh, nur ganz sachte!) einige rechte Fehler Dengs, bis er ihn dazu gebracht hat, das zu tun, was Hua will. Doch Deng ist «halsstarrig», er will die ganze Macht und gibt sich mit weniger nicht zufrieden. Hierin liegt der Konflikt.

Hua Guo-feng kämpft mit einem Teil der Militärs, die ihn unterstützen, darum, an der Macht zu bleiben, und manövriert mit ihnen. Er berief eine Sitzung des Präsidiums des Nationalen Volkskongresses ein, auf der Huas einziger Punkt die Ernennung von Tschou En-lais Witwe zur stellvertretenden Vorsitzenden des Volkskongresses war. Hua stellte diese Kandidatur so dar, als habe ihm Mao vor einem Jahr gesagt, Tschous Frau müsse «auf diesen Platz gestellt werden». Es heisst, Tschous Witwe sei die Schwester Deng Hsiao-pings. Mit diesem Manöver will Hua dem Volk und den Rechten beweisen, dass er «das Vertrauen Maos gehabt hat», dass Mao ihm aufgetragen habe, «die Linken zu liquidieren», dass Mao ihm gesagt habe: «Wenn du an der Spitze stehst, sterbe ich ruhig», dass Mao ihm gesagt habe: «Stell Tschous Frau auf diesen hohen Posten.» Mit diesem letzten Schritt versucht Hua Guo-feng einen Teil der rechten Gruppe, Tschou En-lais Leute, für sich zu gewinnen.

Mit anderen Worten, in China ist der Kampf um die Macht nicht nur noch nicht beendet, er hat vielmehr gerade erst 'begonnen. Hier wird die Armee die entscheidende Rolle spielen, und von dieser Rolle hängt ab, ob Hua Guo-feng, Deng Hsiao-ping oder irgendein anderer starker Rechter wie Deng die Macht in der Hand halten wird.

Dabei spielt die Kommunistische Partei Chinas nicht die geringste Rolle bzw. nur eine formale Rolle, gerade, um auf ihren formalen Sitzungen dem zuzustimmen, was die Putschisten oben beschlissen. Wie es nun scheint, besteht die Kommunistische Partei Chinas nur aus ihrem Namen und ihrer Fassade. Sie trat in der Welt und in der kommunistischen Bewegung als Partei «mit einer revolutionären, marxistisch-leninistischen Linie, mit der Struktur einer Partei vom Leninschen Typ» auf. Doch die Tatsachen bewiesen, dass sie das nicht war. Das chinesische Volk kämpfte, die revolutionären Kommunisten mit Mao und den anderen kämpften, doch dies war ein nationaler Befreiungskampf, der weder die Partei in den marxistisch-leninistischen Normen festigte, noch die Staatsmacht in der Form der Diktatur des Proletariats. Auch die Algerier kämpften als Nationalisten, doch sie säuberten ihre Feinde hinweg, die chinesischen Kommunisten dagegen nicht. Und deshalb leiden sie.





DONNERSTAG,

2. DEZEMBER 1976





EINE WIRRE PARTEI



Man kann sagen, dass die Frage der Kommunistischen Partei Chinas etwas Mysteriöses ist. Nach aussen erscheint sie wie eine legale Partei, und das ist sie auch. Sie ist eine Partei an der Macht, hat ihre Politik, ihre Presse und ihre Organisation. Es hiess, alles werde vom Marxismus-Leninismus geleitet, und jetzt kamen zu dieser Losung auch noch die «Maotsetungideen» hinzu. Trotz alledem ist die Kommunistische Partei Chinas aber eine Partei, die wie in der Illegalität lebt und wirkt. Sie hält nur selten Parteitage ab, und auch die Sitzungen des Zentralkomitees und des Politbüros finden selten und unter größter Geheimhaltung statt, als lebe man in Kriegszeiten. Nur der 8. Parteitag trat offen zusammen, es wurden Delegationen der Bruderparteien eingeladen, die Verbreitung der Berichte wurde gestattet. Auch der letzte Parteitag, auf dem Tschou En-lai und Wang Hung-wen sprachen, fand halböffentlich statt, doch keine einzige Delegation einer Bruderpartei wurde zur Teilnahme eingeladen. Ansonsten bleibt alles im Dunkeln. Nur «Renmin Ribao» schreibt so lange Propagandaartikel, dass sie kaum lesbar sind, denn sie sind gespickt mit Formeln, Zitaten, immer gleichen Schlagworten, die Mao Tsetung vor der Befreiung ausgegeben hat. Man erfährt nur unter Mühen, unter grossen Mühen, ob irgendein Plenum stattgefunden hat, wer gesprochen hat, welche Probleme aufgeworfen und welche Beschlüsse gefasst worden sind. Niemals verlautet auch nur das Geringste, ausser einigen allgemeinen Weisungen, von denen ebenfalls nicht bekannt ist, wer sie formuliert hat. Es ist die Rede von der Landwirtschaft, von Dadschai, man verknüpft dies mit irgendeinem Zitat Maos und macht Propaganda!

Unser Eindruck ist, dass die Kommunistische Partei Chinas mit







Schlagworten lebt und mit Befehlen urbeitet. Nach aussen, uns und anderen gegenüber, sprechen sie - selbst die Leute von der chinesischen Führung, mit Ausnahme Tschou En-lais - sogar über die unterschiedlichsten und kompliziertesten Situationen in Zitaten und Losungen. Es scheint, als sei die «Parole des Stillschweigens» an sie ausgegeben worden: «Verkauft. nichts, seid aber bemüht, einzukaufen» Das kann tatsächlich so sein, und irgend etwas ist da faul, das heisst, entweder wird eine ungesunde Konspiration auch den Genossen und Freunden gegenüber gewahrt, oder die Erziehung durch die Partei ist so dürftig, dass keiner etwas weiss über die Formeln hinaus, die ihm in der Presse und im Rundfunk serviert werden. Beides ist der Fall.

Es ist eine unleugbarre Tatsache, dass die Kommunistische Partei Chinas mit diesem «grossen» Vorsitzenden und diesen „hervorragenden» Führern bis heute noch nicht die Geschichte der Partei geschrieben und offiziell genehmigt hat. Nein, die gibt es nicht! Woraus lernt die junge Generation in China die Geschichte ihrer Kommunistischen Partei, mit. ihren guten Seiten und ihren Fehlern? Aus nichts. Mindestens hat. die Welt nichts in der Hand. Gibt. es vielleicht irgendeine Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas, die sie konspirativ behandeln? So etwas ist. Unmöglich. Warum wird sie dann nicht geschrieben? Fehlen ihnen die Leute oder die Mittel dazu? Weder das eine noch das andere kann der Fall sein. Also? Es ist schwer,, die Geschichte ihrer Partei zu schreiben, weil es für sie schwer ist, ihre Linie und ihren Kampf zu analysieren. Es ist schwer für sie, die Etappen, die sie durchlaufen hat, die Ereignisse, die Veränderungen und ihre Ursachen, die Rolle dieses oder jenes Führers oder dieser oder jener Gruppe im Licht des Marxismusleninismus zu analysieren. Die, denen diese Aufgabe zufällt, müssen, wenn sie ein solches Dokument schreiben, die Verantwortung für seinen Inhalt auf sich nehmen, denn die Welt wird über sie urteilen und sie wie in einem Spiegel sehen. Die, die es schreiben könnten, vermögen es nicht vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus aus zu schreiben, weil sie keine Marxisten-Leninisten sind, sondern Opportunisten, Pragmatiker und seit Jahrzehnten in Fraktionen und komplette verwickelt, weil sie politisch und ideologisch erstaunlich unbeständig gewesen sind. Anders lässt sich nicht erklären, wie





die Geschichte einer solchen kommunistischen Partei, die reich ist an Ereignissen, an Gutem und an Schlechtem, an so viel fraktionistischer Tätigkeit, noch immer nicht erschienen ist und den chinesischen Kommunisten, dem chinesischen Volk und den anderen als grosse Erfahrung dient.

Nicht nur das, auch die Geschichte des grossen Befreiungskampfes Chinas .ist noch nicht geschrieben und wird weiter nicht geschrieben. Es geht mir dabei um eine wissenschaftliche Geschichte und nicht um einzelne .Zusammenhanglose Schriften, in denen die Ereignisse wie in den Helden»sagen des Mittelalters beschrieben werden, mit dem Vorsitzenden Mao als Oberhelden. Wir wissen, dass ein Kampf geführt worden ist, doch warum wird dann diese reiche Geschichte nicht niedergeschrieben, damit die Menschen sie studieren können? Meiner Meinung nach aus denselben Gründen, die ich in bezug auf die Geschichte der Partei genannt habe.

Die Kommunistische Partei Chinas hatte niemals -ein marxi5tisch-leninistisches Rückgrat. Verschiedene Leute, die weder in der marxistisch-leninistischen Theorie noch durch die Ereignisse erzogen wurden, standen auf, machten eine Zufallspolitik, «unabhängig», als «Kommunisten» in einer «domkommunistischen Partei», die kein marxistisch-leninistisches Rückgrat hatte.

Solche Leute kamen in die Führung. wurden zu Karrieristen, kämpften darum, die Macht an sich zu bringen und 'kamen in Konflikt mit anderen Gruppierungen, die genauso wenig prinzipienfest waren. Die Rivalitäten und Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen nannte man Kämpfe, und den chinesischen Schlagworten zufolge hat Mao Tsetung 10 oder 11 solcher Kämpfe geführt. Dies 10 Kämpfe werden auch noch mit den Namen der Fraktionisten aufgezählt, doch damit hat es sich dann. Simplifizierend heisst es; sie seien «gegen die Linie Mao Tsetung gewesen», «Mao Tsetung liquidierte sie» usw. Doch Mao Tsetung liquidierte die Fraktionisten weder physisch noch ideologisch, denn er predigte bis zum Schluss die «hundert Schulen». Und wenn er irgendwann einmal eine Gruppe liquidierte, können wir durchaus die Schlussfolgerung ziehen, dass Mao das tat, weil seine persönliche Macht in Gefahr war.

Die Partei in China war also das Organ einiger Leute, die darum kämpften, ihre Macht zu wahren, und keine Partei des Proletariats. Und die Macht, die sie hüteten, war ihre Macht und nicht die Macht der Diktatur des Proletariats.

Wie war diese Partei organisiert, wie arbeitete sie und wie wurde sie erzogen? Auch das war und bleibt für uns ein Geheimnis. Niemals teilte man uns etwas mit, keine einzige Erfahrung wurde uns vermittelt, keine einzige wirkliche Parteidelegation liessen sie nach Chinaikommen. Das genaue Gegenteil war bei uns der Fall. Wir legten den Chinesen ohne Vorbehalt dar, wie unsere Partei die politischen und ideologischen Aufgaben organisatorisch löste. Sie haben das nie getan. Die Arbeit der Kommunistischen Partei Chinas muss sehr schwach gewesen sein. Nach aussen hin, der Zahl nach, ist sie eine grosse Partei, doch innerlich ist sie wirr, denn wirr waren auch ihre Führung und ihre Linie.

Die unzähligen Fraktionisten, die es in der Partei gab, betrieben auch an der Basis eine fraktionistische Tätigkeit. In der Partei stieg einmal die eine Fraktion auf und die andere ab, dann war es wieder umgekehrt. Dieses Spiel wurde nun gefährlich.

Neue Leute aus den Reihen der Arbeiter und der anderen Klassen wuchsen heran, kamen in die Partei, hatten Begeisterung und revolutionären Schwung, doch die Arbeit zu ihrer Erziehung lahmte.

Alles wurde in die Bahn der Idealisierung ihres Hauptführers gelenkt, der «niemals irrte». Alle, einschließlich der Fraktionisten, führten unter dem Banner Maos einen Kampf hinter den Kulissen.

Was können wir über all die alten und jungen Führer sagen, die in den letzten Jahren angeprangert wurden, über Lin Biao, Tschen Bo-da, Djiang Tjing, Yao Wen-yüan, Dschang Tschun-tjiao und Wang Hung-wen? Man stellte sie uns als gute Leute vor, und soweit wir sie kannten, schienen sie uns das auch zu sein. Unter den chinesischen Führern erschien uns Kang Scheng als ein entschlossener Revolutionär, als ein ernsthafter Genosse mit marxistisch-leninistischer Formung, als der internationalistischste der chinesischen

Führer, die wir kennensgelernt haben. Inzwischen werden sie alle schwer beschuldigt, «rechts und aufs höchste unmoralisch» gewesen zu sein, mit Ausnahme Kang Schenks, der gestorben ist, von dem n ran aber weiss, dass er die Linken unterstützte.

Was wissen wir von diesen Genossen, die in diesem Chaos und Durcheinander von Ideen und verfehlten Handlungen in China wohl auch den einen oder anderen Fehler gemacht haben? Wir wissen wenig über sie. Sie kämpften in der Kulturrevolution, «stürmten das Hauptquartier» der Revisionisten und der Reaktion, griffen Liu Schao-tschi an. Sie waren gegen die Sowjetrevisionisten und den amerikanischen Imperialismus. (Wieweit es Lin Biao mit den Sowjets hielt, wissen wir nicht, wir können dafür nicht die Hand ins Feuer legen.) Sie wollten diese Revolution zu Ende führen. Mao und Tschou En-lai samt den Rechten hinderten sie daran. Was für eine marxistisch-leninistische Erziehung hatten diese Leute? Die der ganzen Partei, doch wie sich zeigt, waren sie zur Ansicht gelangt, dass diese Kette, die dabei war, China zu erdrosseln, zerbrochen werden musste. Kämpften nicht auch sie um die Macht? Wir können es nicht sagen, doch wir würden auch dafür die Hand nicht ins Feuer legen.

Mit den anderen, an deren Spitze Tschou stand, sind wir in prinzipiellen Fragen aneinandergeraten, und wir haben sie bekämpft, weil wir genau wussten, mit wem wir es zu tun hatten.

Was nun in China geschehen ist, war nichts anderes als eine Wiederholung des Fraktionskampfes, den ich oben angesprochen habe, doch dieser Kampf ereignete sich nach dem Tod Maos, der zugelassen hatbe, dass die Rechte sich festigte und die Zügel in der Hand hatte, um die revolutionäre 'Seite zu schwächen. Mao konnte nicht mehr seine Schaukelpolitik spielen lassen, deshalb schlug die Reaktion die linken revolutionären Elemente, und sie wird diesmal die Sache . zu Ende führen.

Wir standen und stehen auf der Seite der Revolution und der F Revolutionäre und hoffen und wünschen, dass die Revolution in China sich nicht mehr vom «Banner der Maotsetungideen», sondern von den Ideen von Marx, Engels, Lenin und Stalin leiten lassen möge. Nur so wird die Revolution in China siegen.











MONTAG,

6. DEZEMBER 1976





EINE FÜHRUNG, DIE NICHT ZUR STABILITÄT FINDET



Die neue chinesische Führung schwimmt in einem unbeschreiblichen politischen, ideologischen und organisatorischen Chaos. Es zeichnet sich noch keinerlei Stabilität ab, und sei es auch auf dem falschen Weg, den Hua Guo-feng eingeschlagen hat. Alle kehren hervor und behaupten von sich, sie seien die Fortsetzer der Linie Maos, doch das stimmt nicht. Maos nicht marxistisch-leninistische Linie erschien stabil,, sie war es aber nicht und konnte es nicht sein. Und warum konnte sie es nicht sein? Weil Mao in Politik, Ideologie und bei der Organisierung des Staats der Diktatur des Proletariats nicht Glied marxistisch-leninistische Theorie anwandte. Und das war das Ergebnis davon, dass Mao die Kommunistische Partei Chinas als marxistisch-leninistische Partei weder aufgebaut noch erzogen hatte.

Mao als Theoretiker war kein Marxist. Er hielt die Bauernschaft und nicht das Proletariat für die führende Kraft der Revolution. Das Proletariat und die Gewerkschaften verachtete er bis zum Schluss, so sehr, dass Tschiang Kai-Scheck ihnen bei der Konterrevolution von Schanghai schwere Schläge versetzen konnte. Später, bis zu seinem Tod, betrachtete Mao die sogenannte dritte Welt als die «größte Triebkraft gegen den Imperialismus und den Sozialimperialismus». Dies ist der schwarze Faden der nichtmarxistischen opportunistischen Linie Maos, die in den Worten ihren Ausdruck findet: «Das Dorf muss die Stadt einkreisen» und «China gehört zur dritten Welt». Aus Maos antimarxistischen Theorien ergibt sich die antimarxistische Schlussfolgerung, dass dort, wo der Kapitalismus die Bauernschaft vernichtet und die Bauern in Arbeitslose oder in von den kapitalistischen Konzernen geknechtete Arbeiter verwandelt hat, die Aussicht, dass das Proletariat sich zur Revolution erhebt, verschlossen ist.

Mao, von dem großspurig verkündet wird, er sei ein «grosser Marxist-Leninist», ist nicht mehr als ein Eklektiker, ein Pragmatiker und somit auch ein Opportunist. Die Richtung der Theorie «Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern» einzuschlagen, das eben ist der Kern des opportunistischsten Pragmatismus,, der zum Parteienpluralismus, zur Unterhöhlung der führenden Rolle der Kommunistischen Partei Chinas in der Revolution und beim Aufbau des Sozialismus, also zur Wiederherstellung des Kapitalismus führt. Das 'kann keine Taktik, kein geschickter Schachzug sein, wie es manche, die sich mit Feuereifer bemühen, Maos roten Anstrich zu erhalten, darstellen wollen. Sie sagen, Mao habe diese Parole ausgegeben, um festzustellen, «wo der Hase im Pfeffer liegt», um dann mit einem Schuss «alle Hasen zu treffen» Nein, Mao hat mit seinen Theorien den Klassenfeinden nirgend wann Schläge versetzt und wird es nie tun. Der Klassenkampf, die Diktatur des Proletariats, die Partei des Proletariats - sie haben in Chip nicht existiert, niemals richtig, auf marxistisch-leninistischem Weg funktioniert. In Wirklichkeit waren das alles .nur Parolen und nicht» F als Parolen, denn dort existierten «hundert Schulen», und sie Exil stieren weiter.

Mao Tsetung hat gesagt: «Es genügt, wenn es im Zentralkomitee 10 Leute gibt, die begreifen, was der Marxismus ist.» Diese, Aussage allein reicht aus, um den Abgrund zu erkennen, zu begreifen, was es mit den «hundert blühenden Blumen und Schulen» auf sich hat. In der Partei, sagte Mao, «gibt es drei Strömungen, also drei Gruppierungen: die Linken, die Zentristen und die Rechten Damit kommt aus Maos eigenem Mund die Bestätigung dafür, d «hundert Schulen» existieren, die sich zu den drei Gruppen und d drei Linien in der Partei zusammengeschlossen haben, welche die chinesische Praxis auf zwei Linien reduziert.

In den Jahren des «grossen Sprungs» predigte er, der Kommunismus könne innerhalb von 30 Jahren aufgebaut werden. Nach dem Scheitern dieser Politik rückte er dann davon ab und «verschob» den Sieg des Sozialismus um Zehntausende von Jahren.

Ebenso schrieb er: «Alle sieben Jahre wird eine Revolution stattfinden, es werden die Rechten kommen, dann werden die Linken kommen und so wird es zehntausend Jahre weitergehen.» Diese ganze von Mao Tsetung praktizierte Theorie ist typisch bäuerlich, kleinbürgerlich. Sie hat all das grosse Chaos verursacht, oder, besser gesagt, mit Unterstützung Mao Tsetungs hat die «Rechte» nun die Macht ergriffen und arbeitet, lügt, unterdrückt und diskreditiert

unter Maos Banner.

Mao hat sich gegen den «Stalinkult» ausgesprochen, doch er liess zu, dass um ihn selbst ein Kult getrieben wurde, der skandalöse Formen annahm und bei den breiten Massen Chinas eine nahezu religiöse Verehrung züchtete, wie für einen Gott. Dass er die masslose Aufblähung des Kultes um ihn duldete, die während der Kulturrevolution in den Reden und Tricks von Lin Biao und Konsorten ihren Höhepunkt erreichte, als sie zwischen den «Maotsetungideen» und dem Marxismus-Leninismus gar ein Gleichheitszeichen setzten und erklärten, die «Maotsetungideen» seien «der Marxismus-Leninismus unserer Zeit» - das zeugt (gelinde gesagt) nicht gerade von Bescheidenheit.. . Für die Rechten, die die Macht ergriffen haben, war der Kult um Mao, als dieser noch lebte, ein grosses Hindernis, doch auch nun, nach seinem Tod, bleibt «sein Ruf» und ist ihnen hinderlich. Daher wird die Rechte dieses Hindernis bekämpfen, bis es nur noch ein Schatten ist, bis also Maos Mythos vollkommen verschwunden ist. Solange Mao lebte, wagten weder die Lin ken, auf revolutionärem Weg zu handeln, noch die Rechten auf ihrem offen konterrevolutionären Weg. Letztere haben nun mit Hua Guo-feng gewaltsam, durch einen Putsch, die Macht in Partei und Staat an sich gebracht. Die Rechte hat sich die «Zentristen» dienstbar gemacht und versetzt nun der Linken Schläge, die in Zukunft noch härter sein werden. Sie verhaftete die «Vier», verhaftete auch viele andere wichtige Kader, die wir nicht kennen.

Den anderen Teil der Linken wird sie einschüchtern, ihm Schläge versetzen, ihn kompromittieren, und Hua Guo-feng oder ein anderer, noch wilderer Reaktionär wird die Macht antreten, um die faschistische Diktatur zu errichten und den Kapitalismus in China wiederherzustellen.

Die Rechte wird bei ihrer Tätigkeit innerhalb des Landes vor gelblich unter Maos Banner streiten, bis sie sich einen eigenen Mao geschaffen hat. Maos Zitate werden an der Tagesordnung sein, sind sie doch die Gedanken eines opportunistischen, pseudokommunistischen, pragmatischen, träumerischen und idealistischen Führers. Maos Ansichten wurden unter dem Begriff «Maotsetungideen» zusammengefasst, und die chinesische Propaganda kreierte nicht ohne Absicht die Formel «Marxismus-Leninismus gleich Maotsetungideen». Dies ist eine in Theorie und Praxis antimarxistische Formel, denn die «Maotsetungideen» sind nicht nur keineswegs der Marxismusleninismus, sondern in vielen theoretischen Kernfragen und ihrer praktischen Umsetzung sogar sein Gegenteil.

Warum geschah dies? Dies geschah, um den Marxismus-Leninismus als. revolutionäre Theorie und Praxis zu bekämpfen, um ihn nur noch als tote Formel beizubehalten, so wie das die modernen Revisionisten tun. Ersetzt haben ihn die Chinesen durch die «Maotsetungideen», eine Theorie und Praxis, die nicht revolutionär ist. So zu handeln, ist antimarxistisch, konterrevolutionär und revisionistisch. Darin zeigt sich klar das hegemonistische Wesen in Politik und Ideologie eines grossen Staates und einer zahlenmäßig grossen, jedoch nicht marxistisch-leninistischen Partei.

Die Rechte wird die «Maotsetungideen» beibehalten, um in der Welt den Antikommunismus zu propagieren, und Mao einbalsamiert im Mausoleum aufbewahren. So brachte die chinesische Rechte Mao ins Mausoleum, um ihn auf eine Stufe mit dem grossen Lenin zu stellen. Demnach gibt es heute, den Chinesen zufolge, «zwei Lenins», «zwei Kommunismen» und «zwei sozialistische Staaten». Eine Dualität zweier Linien sowohl in der Partei als auch auf der Welt. So haben die Kommunisten auf der Welt zwischen dein Marxismusleninismus und den «Maotsetungideen» zu wählen. Die Sowjetrevisionisten sagen: «Wir sind Leninisten.» Die chinesischen Revisionisten sagen: «Wir sind Maoisten.» Doch beide Seiten können Marx und Lenin nichts anhaben, beide Seiten sind ihre Feinde, sind Renegaten des Kommunismus. Marx und Lenin gehören den wahren Kommunisten, gehören den Revolutionären der Welt.

Doch Maos Zitate sind, wie ich schon oben sagte, eine zweischneidige Sache. Neben den bekannten benutzt die Rechte auch andere Zitate Maos, gesagte und ungesagte, die sie aufpoliert und Zurechtstutzt, wie sie will, wie sie ihr am besten dienlich sind. Wo kann man es finden, dieses Gesagte oder Ungesagte Maos? In der Luft, in der Erinnerung des einen oder anderen oder in den unreinen oder bereinigten Protokollen? Jetzt hat Hua Guo-feng den Beschluss gefasst, Maos Werke herauszugeben, und eine dafür zuständige Kommission ins Leben gerufen. Die ganze Welt kennt nur die vier Bände Mao Tsetungs mit Schriften aus der Zeit vor der Befreiung. Nach der Befreiung wurde fast gar nichts veröffentlicht, kein Referat, keine Rede Maos. Merkwürdig!! Warum liess der Vorsitzende Mao, dessen Kult in den Himmel gehoben wurde, nichts von seinen Kostbarkeiten ans Licht dringen?! Oder waren es vielleicht gar keine Kostbarkeiten, sondern nur Staub und Asche?! Nun wird also Hua Guo-feng diese Kostbarkeiten ans Licht bringen, doch wann und wie ist nicht bekannt. Er wird der Welt diesen «Kohl» zu fressen geben, damit die Anhänger der Theorie von der «dritten Welt» dadurch «erzogen werden» und sich damit «den Kopf voll stopfen», denn was die wahren Kommunisten anbelangt, so werden sie ihn nicht schlucken!

Die Rechte schiebt den Putsch, den sie unternahm, den Linken in die Schuhe, die sie als «rechts, faschistisch, revisionistisch» usw. hinstellt. Deng 1-Isiao-ping, der ein Rechter ist und als solcher von den Linken wütend bekämpft worden ist, wird von Hua Guo-feng, der sich als Zentrist gibt wie Mao, aus Opportunitätsgründen weiter als Rechter bezeichnet. Mag einer diese «geniale» Logik des neuen V ortsitzenden begreifen. Er bezichtigt die «Vier», sie hätten die Gedanken Maos entstellt, was er doch gerade selbst tut.

Der neue Vorsitzende und seine rechten Freunde greifen mangels politischer Vorwürfe gegen die «Vier» zu den schmutzigsten, unmoralischsten persönlichen Verleumdungen. Wenn du keine Argumente hast, Hua Guo-feng, dann bist du eben gezwungen, mit Unrat aufzuwarten! Selbst die Bourgeoisie, selbst die Reaktion bedient sich, wenn sie die Kommunisten verdammt, nur politischer Beschuldigungen gegen sie, die Rechte in China dagegen erweist sich als reaktionärer denn die schwärzeste Reaktion.

Doch warum hat die Rechte diesen ganzen Schmutz aufgebracht? Weil sie auf ganz und gar reaktionären Positionen steht, weil sie Mao restlos diskreditieren und es so weit bringen will, dass man die Frage stellt: «Wie war es nur möglich, dass Mao mit einer Hure erheiratet war, dass er im Politbüro Agenten der Kuomintang und der Sowjets, Verschwörer, Attentäter sitzen hatte» usw. gleichzeitig will die Rechte mit diesem Unflat Eindruck auf das einfache und anständige chinesische Volk machen. Sie versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Mit grösster Unverschämtheit schiebt die Rechte die Schuld an allem Schlechten, das sie selbst im Staat, in der Wirtschaft, in der Armee und überall angerichtet hat, den «Vier» in die Schuhe. Doch die ganze Welt weiss, dass die Staatsmacht, die Wirtschaft, die Armee und die Partei in der Hand der Rechten waren - Tschou En-lais, Yä Djiän-yings, Li Hsiän-niäns und ihrer Bande.

Dieses Chaos in China wird andauern. Doch die Revolutionäre, werden sie schweigen, werden sie vor dieser Verbrecherbande auf die Knie fallen? Die Zeit wird darüber Aufschluss geben. Vorläufig herrschen in dieser chaotischen Lage im Kopf der Chinesen und unter den einfachen Kommunisten Angst, Unsicherheit, politische, ideologische, wirtschaftliche und organisatorische Konfusion.

























DONNERSTAG,

9. DEZEMBER 1976





EINE CHINESISCHE NOTE OHNE ADRESSE UND OHNE

UNTERSCHRIFT





Genosse Behaar Shtylla wurde gestern von Li Hsiän-niän empfangen, der ihm eine «Verbalnote» aushändigte, so wie irgendein Außenministerium eine Protestnote an irgendeine andere Regierung richten mag. Doch die ministeriellen Verbalnoten sind mildes Teens noch adressiert, während die «Note» der Chinesen weder Adresse noch Unterschrift trug. In der Essenz besagte sie folgendes: «Genosse Hua Guo-feng sagt, auf dem 7. Parteitag der PAA seien die Linie der Kommunistischen Partei Chinas und die strategischen Auffassungen Mao Tsetungs über einige wichtige Probleme, insbesondere der internationalen Lage, durch Anspielungen öffentlich angegriffen worden. Dies hält er nicht für richtig, auf dem Marxismus-Leninismus gründend, denn es schadet der Freundschaft, der Einheit der Bewegung, enthüllt vor den Feinden die Differenzen zwischen den beiden Bruderparteien», usw. Unser Brief von 1964 (über die chinesisch-sowjetischen Grenzen) wird erwähnt, über den Mao Tsetung gesagt hat, er werde ihn nicht beantworten, da er keine Polemik

einzugehen wünsche, weshalb sie auch «auf die Vorwürfe nicht erwidern» wollten usw. So fasst Behar die beiden Seiten der «Verbal note» zusammen, die er uns morgen mit dem Flugzeug schicken wird

Dies ist das erste Mal, dass die chinesischen Revisionisten die Partei der Arbeit Albaniens offen angreifen - mit einem «Dokument», das sie morgen bestreiten können. Die Chinesen hinterlassen niemals offizielle Dokumente. Die jetzige revisionistische chinesische Führung ist sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes in einer schwierigen Lage. Den inneren Zustand habe ich oft dargestellt, und die Außenpolitik Chinas erleidet Fehlschläge.

Was das Inland angeht, beschuldigt die chinesische Führung die «Vier», die sie mit Lin Biao in Verbindung bringt, und erklärt sie alle zu den Schuldigen an sämtlichen Missständen, bezeichnet sie als Agenten der Sowjets usw. Was das Ausland betrifft, bezichtigt sie mit dieser «Note» die Partei der Arbeit Albaniens, sie attakk ihre Maos Strategie, d.h., sie behauptet, wir seien schuld «am 1Vtisserfolg außerhalb Chinas». Also sind wir «gegen Maos Strategie», «helfen den Sowjets». Ihrer Meinung nach bilden wir «einen Block mit den Vier und Lin Biao». All dies sind Anspielungen, die darauf angelegt sind, uns einzuschüchtern und dazu zu bringen, ihrer Linie zu folgen, «denn sonst werden wir weitergehende Maßnahmen ergreifen, die Zahlung der Kredite an euch einstellen», und andere verschleierte Drohungen. Getrieben von .ihrer revisionistischen Logik meinen die jetzigen chinesischen Führer, sie erhielten uns «am Leben», das sozialistische Albanien lebe nur «dank ihnen», wir würden uns, wenn sie uns im Stich lassen, «mit den Supermächten verbinden»; und ihre Propaganda werde «sich bestätigen» usw. All das gleicht dem Vorgehen des Revisionisten Chruschtschow und seiner Adepten gegen uns wie ein Ei dem anderen!

Wir müssen den Provocakateuren mit ihren chauvinistischen Gross Machtanschauungen, den chinesischen Putschisten, Revisionisten und Antimarxisten, antworten und sie entlarven.

Der Brief, den wir ihnen schicken werden, wird im Gegensatz zu ihrer Verbalnote offiziell vom Zentralkomitee kommen. Darin y werden wir ihnen sagen Erstens ist die PAA eine unabhängige marxistisch-leninistische Partei und formuliert selbst ihre Linie im Licht der marxistisch-lenininistischen Theorie, auf der Grundlage realistischer Analysen der in nerven und äußeren Lage. Die PAA treibt keinen Schacher mit dem marxistisch-leninistischen Prinzipien, sie lässt sich von einer eigenen Strategie leiten, die sie selbst festlegt, und sie formuliert Selbst die fuhr diese Strategie geeigneten Taktiken. Die PAA -duldet nicht, dass ihr irgendein anderer eine Strategie aufzwingt, die sie für ungeeignet hält. Auf der Grundlage ihrer marxistisch-leninistischen Normen billigt sie den marxistisch-leninistischen Bruderparteien zu, sie zu kritisieren, und ist einverstanden, über viele Probleme mit ihnen zu Diskutieren. Und umgekehrt hat auch die PAA dieses Recht gegenüber den anderen Bruderparteien.

Zweitens hat die PAA ihre Linie und ihre Strategie stets offen verkündet. Wenn sie Kritik an den Feinden übte und übt, dann mit Adresse und niemals durch Anspielungen hinter dem Rücken. Deshalb weisen die Partei der Arbeit Albaniens und ihr Zentralkomitee den Vorwurf Hua Guo-fengs und des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas an die Partei der Arbeit Albaniens und ihren 7. Parteitag, sie hätten angeblich die Linie der KP Chinas angegriffen usw., entschieden zurück. Ganz im Gegenteil sprach die Partei der Arbeit Albaniens herzlich über die Freundschaft mit China usw. Ihr greift also die Partei der Arbeit Albaniens und ihren 7. Parteitag an.

Drittens, wenn ihr uns schon beschuldigt, ist es auch die Pflicht der KP Chinas,, uns zu sagen, welches die «wichtigen Probleme» sind, bei denen wir die Kommunistische Partei Chinas und die Strategie Mao Tsetungs angegriffen haben sollen, und uns diese eure Strategie klar zu umreißen, damit wir beurteilen können, wer recht hat, wir oder ihr, wer den anderen angreift, wenn von Angriffen die Rede sein kann. Dies erwarten wir, und wir akzeptieren eure Aussage nicht, ihr würdet auf die Angriffe, die unsere Partei angeblich unternommen hat, nicht antworten, weil ihr «die Polemik nicht eröffnen wollt». Mit dem, was ihr hier tut, nehmt in Wirklichkeit ihr die Polemik auf. Diese Einstellung des Genossen Hua Guo-feng und des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas ist für uns unannehmbar, und wir werden es als eine Tatsache betrachten, dass ihr der Konfrontation der Meinungen ausweicht und es ablehnt, die Meinungsverschiedenheiten oder Divergenzen, falls es sie gibt wie ihr behauptet, auszuräumen. Wir erklären euch in kameradschaftlicher Form, dass dies unter allen Umständen geschehen muss. Keine unserer Parteien, weder die Partei der Arbeit Albaniens noch die Kommunistische Partei Chinas, ,kann einseitige Auffassungen und Beschlüsse akzeptieren.

Es gibt zwei von beiden Seiten unterzeichnete Erklärungen, die eine von 1964 und die andere von 1966, in denen es heisst, wir rüssten über strategische Fragen Konsultationen durchführen. Ihr habt diese Erklärungen verletzt, sogar in Kardinalfragen, zu denen ihr unsere Partei nicht konsultiert habt. Wir wurden von euch überhaupt nicht gefragt und in Kenntnis gesetzt oder aber vor vollendete Tatsachen gestellt.

Ihr erwähnt in eurer «Note» unseren Brief aus dem Jahr 1964. Wir waren und sind der Meinung, dass dieser Brief von grosser politischer, ideologischer und strategischer Bedeutung ist, denn was wir dort anschnitten, schien zwar euer Problem zu sein - und es ist auch tatsächlich euer Problem -, doch es ging auch uns an, auch die Weltrevolution. Ihr habt uns als Bruderpartei nicht ins Bild gesetzt, während wir euch unsere Meinung auf sehr kameradschaftliche Weise mitteilten. Und diese Frage blieb zwischen unseren beiden Parteien offen. Sicherlich verfolgt ihr mit der Erwähnung dieses Briefes für jetzt oder später bestimmte Absichten, doch wir versichern euch, dass dieser Brief in keinem Fall und zu keiner Zeit von irgend jemand gegen die PAA verwendet werden kann Ganz im Gegenteil.

Doch dies ist nicht der einzige Brief, den wir an das Zentral'.. Komitee der KP Chinas und Genossen Mao Tsetung gesandt haben, Auch in den anderen ging es um grosse Fragen der Strategie und Taktik. Dies waren 'kameradschaftliche, offene und aufrichtige Briefe.

Einen weiteren Brief sandten wir euch am 6. August 1971. Darin verurteilten wir euren Beschluss, den amerikanischen Präsidenten Nixon in China zu empfangen. Dies geschah, weil wir vor eine vollendete Tatsache gestellt worden waren, die weder mit der grossen Freundschaft zwischen unseren beiden Parteien noch mit den gemeinsamen Erklärungen vereinbar war. Euer Schritt betraf eia Problem von grosser internationaler Bedeutung. Doch auch diesig unseren Brief habt ihr unbeantwortet gelassen. Die Partei der Arbeit

Albaniens blieb bei ihrer Strategie und ihrer Linie und fuhr gleicher zeitig fort, die albanisch-chinesische Freundschaft zu stählen.

Ein Brief des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Albaniens, unterzeichnet von seinem Ersten Sekretär, wurde der Kommunistischen Partei Chinas und Mao Tsetung am 12. November 1975 zugesandt, doch auch er blieb ohne Antwort, während euer praktisches Verhalten immer schroffer wurde. Trotzdem liessen und lassen wir v on diesen Fragen nichts nach aussen dringen.

Dagegen hat das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens den Vorschlag Liu Schao-tschis vom 27. Juni 1962, bei dem es um eine Frage von grosser strategischer Bedeutung ging (die «antiimperialistische Front unter Einschluss der Revisionisten»), mit einer negativen Antwort beschieden und verworfen.

Am 29. Oktober 1964 beschieden wir die strategische Fragen betreffenden Vorschläge des Genossen Tschou En-lai (nach dem Sturz Chruschtschows nach Moskau zu fahren) abschlägig und wiesen sie zurück.

Am 15. Juni 1975 hat das Zentralkomitee der Partei der Arbeit Albaniens Tschou En-lais Vorschlag (zu einem Bündnis mit Jugoslawien und Rumänien), den er zweimal, zu verschiedenen Zeitpunkten, vorbrachte, abgelehnt und verworfen. Doch diese Dinge sind unter uns geblieben, der marxistisch-leninistischen Freundschaft zwischen unseren beiden Parteien und Völkern zuliebe.

All dies und anderes taten wir auf normalem Weg, auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Normen. Dies musste unbedingt getan werden, denn wir mussten die Fragen klären und die Freundschaft stählen.

Wir haben in keinem Fall hinter dem Rücken geredet, sondern offen, wir haben die Kommunistische Partei Chinas niemals öffentlich und durch Anspielungen angegriffen, wie ihr behauptet, wir haben niemals die Polemik aufgenommen, sondern - da ihr uns keinerlei andere Möglichkeit gabt - euch alles durch interne Botschaften mitgeteilt, die in kameradschaftlichem Geist gehalten waren.

Uns war und ist die Freundschaft mit dem Bruderland China und der Kommunistischen Partei Chinas auf marxistisch-leninistischem Weg teuer. Auf unserem 7. Parteitag wurde sie vollauf bekräftigt, und die Linie des Parteitags ist die Linie der Partei. Unser Zentralkomitee und unsere Partei gehen keinen Millimeter von dieser Linie ab, und eben deshalb betonen wir sie in Beantwortung eurer Verbalnote noch einmal.

Erstens werden wir die Freundschaft der Partei der Arbeit Albaniens und des albanischen Volkes mit der Kommunistischen Partei Chinas und dem chinesischen Volk weiter härten. Wir für unseren Teil werden auf marxistisch-leninistischem Weg kämpfen, um jedes Hindernis, das die Feinde unserer Freundschaft in den Weg legen, zu überwinden. Sowohl wir, als auch ihr, als auch die kommunistische Weltbewegung brauchen diese Freundschaft zwischen uns sehr.

Zweitens erwarten wir von eurer Seite Aufklärung darüber, wo wir euch angegriffen haben und wie eure Strategie und Taktik in den Fragen aussehen, in denen wir euch, eurer Meinung nach, «auf dem 7. Parteitag der PAA indirekt angegriffen» haben.



P.S. Ich gab Genossen Ramiz einige dieser Thesen zur Aus-Arbeitung der Antwort auf die «Note», die uns Li Hsiän-niän irrig Namen Hua Guo-fengs und des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas aushändigte.





MONTAG,

13. DEZEMBER 1976





DIE LAKAIEN DER CHINESEN WERDEN SCHEITERN



Der Vor sitzende der Kommunistischen Partei Australiens, Marxisten-Leninisten, Edward Hill, der an unserem 7. Parteitag teilgenommen, seine «Zufriedenheit» geäußert und auf dem Parteitag «gut» gesprochen hatte, übermittelte nach seiner Abreise aus unserem Land unserem Botschafter in Paris, Genossen Dhimitër Lamani, ein Schreiben an Genossen Ramiz. Das Schreiben wurde unserem Botschafter von Hills Frau ausgehändigt, mit dem Kommentar, dies seien «einige Einwände Hills zum 7. Parteitag der PAA».

Anscheinend hat dieser «Kommunist», den wir als guten und objektiven Genossen geschätzt haben, noch nicht einmal das bisschen Mut aufgebracht, mit einem von uns zu sprechen, sondern machte stattdessen seine «Einwände» schriftlich. Diese seine «Einwände» sind freilich Angriffe, Verleumdungen und Provokationen gegen unsere Partei, die er entweder aufgrund eigener Überlegungen unternommen oder von den Chinesen bezogen hat. Damit hat er sich zu ihrem Strohmann gemacht.

Wir haben das Schreiben noch nicht erhalten, doch der Botschafter schickte uns ein Radiogramm mit den darin geäußerten Hauptgedanken. Hill sagt:

a) «Warum ist die Partei der Arbeit Albaniens dafür, Beratungen auch mit vielen Parteien zu organisieren, während China nicht dafür ist?» Dies ist keinen Kommentar wert. Wir haben gesagter warum.

b) Warum wurde unsererseits auf dem Parteitag nicht erklärt, dass China nicht für multilaterale Beratungen der Parteien ist? Auch das ist genauso provokativ wie absurd. Doch es muss tiefere Gründe geben, weshalb er dies anspricht.

c) Obwohl wir erläuterten, warum auch Beratungen vieler Parteien stattfinden können, kommt dieser Revisionist mit der Schlussfolgerung daher, wir machten dies, «um China auf den richtigen Weg zu bringen». Was soll man zu dieser Verleumdung sagen? Er würde uns gern vorwerfen, wir seien «die Fahnenträger».

d) «Mao Tsetung ist ein grosser Marxist-Leninist, das bewies und .beweist die Geschichte.» Seiner Meinung nach ist alles, was er gesagt und getan hat, eine «Offenbarung», und er setzt hinzu, Mao müsse «hinter Marx und Lenin gesetzt werden». Wer hinderte ihn daran, das zu tun? Doch wir für unseren Teil halten uns an Marx, Engels, Lenin und Stalin. Das ist ebenfalls eine Provokation, mit der uns Hill die «Maotsetungideen» aufzwingen will. Trotzdem bringt er unbegründet und unbelegt den Vorwurf, die Partei der Arbeit Albaniens versuche «ihre Ansichten auch den anderen aufzuzwingen».

e) Eine weitere Verleumdung Hills ist, wir hätten auf dem Parteitag die Parteien Vietnams, Koreas und Laos' diskriminiert, und er setzt hinzu, im Zusammenhang mit diesen Parteien habe er viel zu sagen, denn er sei nicht einverstanden mit ihnen.

f) Der «Kommunist» Hill ist nicht einverstanden damit, wie unsere Partei die Kommintern einschätzt, und liefert (eine Seite lang) eine angebliche Analyse, wonach Dimitroff «falsch gehandelt» habe und «von Stalin kritisiert worden» sei.

Wie niederträchtig ist doch dieser Mensch, der, um das Werk der Kommintern zu verdunkeln, behauptet, Thorez, Togliatti, Duclos, Sharkey (die alle Verrat begingen) seien zufällig in die Kommintern gekommen! Mit anderen Worten, er leugnet die Rolle, die die Kommintern bei der Festigung der kommunistischen Parteien der Welt gespielt hat, und möchte indirekt sagen: «Seht her, die Parteien, denen die Komintern half, haben Verrat begangen.»

Genosse Lamani schreibt außerdem, Hill liefere auch seine Einschätzung «der internationalen Lage», die im Widerspruch zur Analyse unseres Parteitags stehe. Doch all diese Fragen werden wir besser klären, wenn wir sein Schreiben erhalten. Ich kann nur das eine sagen: dass Hill wie ein Revisionist und Provokateur vorgeht. Wir bringen nirgendwo auch nur eine einzige Kritik an China oder an Mao, niemals haben wir mit Hill über sie gesprochen. Was wir auf dem Parteitag sagten, äußerten wir auch 'bei einem Gespräch, das wir vor ein oder zwei Jahren mit ihm hatten. Dabei sagten wir weder über China noch über Mao auch nur ein einziges schlechtes Wort, sondern nur Gutes. Hill erwies sich beim ersten wie beim weiten Mal als Heuchler, wagte es nicht, seine Ansichten zu äußern urig kameradschaftlich zu diskutieren. Wie sich nun h herausstellt, war ei gekommen, «um etwas einzukaufen» und es dann nach China zu bringen. Dort ist Hill, wie es scheint, auch gesagt worden, in welcher Richtung er vorzugehen habe. Man setzte ihn nur ein, um zu provozieren, um uns dazu zu bringen, mit ihm eine Polemik über eine dritte Partei, die Kommunistische Partei Chinas, einzugehen. Wir tappen nicht in diesen Morast. Solche trotzkistische Manöver kennen wir schon aus der Zeit Chruschtschows, der Schiwkoff und Kadar vorschickte, um uns zu provozieren.

Hier zeigt sich die Taktik der Chinesen. Sie richteten eine «Verbalnote» an uns, in der sie uns beschuldigen, wir hätten «die Linie ,der Kommunistischen Partei Chinas und die Strategie Mao Tsetungs angegriffen», und fertig. Und dabei betonen sie, sie würden «die Vorwürfe nicht beantworten, weil wir nicht die Polemik aufnehmen -wollen•>. Während sie auf der anderen Seite Hill, vielleicht auch andere, vorschieben, damit wir mit ihnen über die Chinafrage polemisieren. Das Ziel dabei ist, die revolutionäre Bewegung und die Einheit der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien zu spalten. Das haben sie schon vor geraumer Zeit bei einer Reihe marxistisch-leninistischer kommunistischer Parteien getan, zu denen sie die Verbindungen abgebrochen haben. Verbindungen unterhalten sie dafür mit allerlei provokatorischen Gruppen, die sich selbst «maoistisch» nennen. Zum andern wollen sie mit diesem Spiel die Partei der Arbeit Albaniens isolieren und ihre grosse Autorität schmälern.

Wir müssen in dieser Hinsieht wachsam sein, uns vor Provokateuren hüten und mit aller Kraft die richtige Linie unserer Partei und die Reinheit des Marxismus-Leninismus verteidigen. Die revisionistischen Chinesen und ihre Lakaien werden sich diskreditieren Lind scheitern.

Wir müssen Hills Brief beantworten und ihm schreiben, dass er in keiner Frage, die im Zusammenhang mit einer dritten Bruderpartei steht, jemals eine Antwort erhalten wird. Wir werden seine antimarxistischen Anschauungen eine nach der anderen zu Fall bringen. Das werden wir in kameradschaftlichem Ton tun, so wie unsere Partei stets verfahren ist, und ihm damit zeigen, dass er nicht recht hat, wenn er irgendwo das Wort «leidenschaftlich» benutzt. -Leidenschaftlichkeit» warf uns auch Chruschtschow damals vor. Was die Fragen anbelangt, über die er seine eigene Meinung hat, steht es ihm frei, diese zu behalten und zu verfechten.





DONNERSTAG,

16. DEZEMBER 1976





DIE AGENTEN CHINAS FANGEN AN, SICH HERVORZUWAGEN



Ich habe, gestützt auf eine kurze Zusammenfassung des Schreibens des Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Australiens/ Marxisten-Leninisten, E. Hill, die unser Botschafter in Paris gemacht hat, in meinem Tagebuch einige Anmerkungen festgehalten. Im allgemeinen werden sie den Fragen gerecht, die in der zusammengefassten Übersetzung dargestellt sind, die uns der Botschafter schickte.

Inzwischen haben wir das ganze von Hill gesandte Material in die Hand bekommen. Fs ist begleitet von einem kurzen Brief an Genossen Ramiz. Dieses 15 Seiten lange Material ist in einem knappen Stil verfasst, mit angeblich theoretischem Anstrich, Zitaten usw., und das in einer Rekordzeit, innerhalb eines Tages nach Hills Abreise von Tirana nach London. Dies erweckt den starken Verdacht, dass er oder irgendein anderer das Material schon vorher vorbereitet hatte, einige seiner Haupt«Thesen» sogar schon, ehe Hill zu unserem Parteitag kam. Hill wird das Material sofort nach seiner Ankunft in London fertig vorgefunden haben und liess es dann tags darauf durch seine Frau sogleich nach Paris bringen, um es unserem Botschafter auszuhändigen.

Die Absichten des Autors, über die ich mich in diesem Tagebuch geäußert habe, bevor uns der vollständige Text des Materials zuging, sind für uns, trotz der schlechten Übersetzung und obwohl uns unser Botschafter nur eine Zusammenfassung schickte, erkennbar. Liest man nun den vollständigen Text, kommt noch klarer zum Jobschein, dass der Wesenskern von Hills Ansichten darin liegt, dass er meint, die Partei der Arbeit Albaniens habe nicht das Recht gehabt, auf ihrem î. Parteitag ihre Ansichten übeler die internationale kommunistische Bewegung darzulegen. Er gibt in dem Material zu verstehen, der Partei der Arbeit Albaniens stehe dies nicht zu.

Hill schreibt uns, wir würden im Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees unserer Partei die Tätigkeit der Kommintern einer Analyse unterziehen, die seiner Meinung nach nicht richtig sei. Im Zusammenhang mit dieser Frage übergeht er nicht ohne Absicht mit Schweigen, dass wir im Rechenschaftsbericht betonen, wir hätten hier durchaus nicht die Absicht, die Tätigkeit .der Kommintern zu analysieren, sondern wollten nur sagen, dass die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien angesichts der grossen Gefahr, die ihnen von seiten des modernen Revisionismus und der beiden. Supermächte droht, unbedingt nicht nur bilaterale, sondern auch multilaterale Beratungen durchführen müssen, um dort gemeinsame Probleme zu diskutieren. Wir wiesen ebenfalls darauf hin, dass die Komintern durch die Arbeit, die sie zu ihrer Zeit leistete, einen grossen Beitrag zur Festigung der jungen marxistisch-leninistischen Parteien lieferte. Schließlich betonten wir im Rechenschaftsbericht deutlich, dass heute keinesfalls die Zeit ist, eine internationale Organisation wie die Kommintern zu schaffen. Dafür waren wir nicht und dafür sind wir auch jetzt nicht, aber Beratungen von Vertretern der marxistisch-leninistischen Parteien müssen zu einer normalen Praxis werden.

Aus dieser Schlussfolgerung, zu der wir kamen,, leitet Hill die Meinung ab, unser Standpunkt, dass multilaterale Beratungen durchgeführt werden sollten, ziele darauf ab, «die Kommunistische Partei Chinas auf den richtigen Weg zu bringen». Irgendwie wirft uns Hill vor, wir meinten, die Kommunistische Partei Chinas weiche von der Linie ab. Dafür hat er überhaupt keinen Beleg, denn auf unserem Parteitag attackieren wir die Kommunistische Partei Chinas nicht, ungeachtet unserer Meinung über viele ihrer Ansichten und Auffassungen. Dagegen attackiert Hill bei dieser Gelegenheit die Kommintern, die er bezichtigt, sie habe schwere Fehler begangen, die seiner Aussage nach auch Lenin erkannt haben soll. Vorwürfe richtet er auch gegen uns, indem er sagt, wir könnten die Kommintern nicht mit den paar Aussagen entschuldigen, die wir auf unserem 7. Parteitag über sie machten, wo wir doch auch zugäben, es sei nicht ausgeschlossen, dass sie Fehler gemacht habe. Herr Hill möchte, dass wir im Rechenschaftsbericht eine Analyse anstellen, worin die Fehlerder Kommintern bestanden und wie schwer sie waren. Doch war dies. für uns durchaus night der Augenblick, solches zu tun. Trotzdem. Hill will auf etwas aideres hinaus.

Mit der Komintirn greift Hill zugleich auch Dimitroff an. Seiner Meinung nacl hat Dimitroff Fehler gemacht, ist doch seine berühmte Rede angebich von Stalin kritisiert worden, weil dort nicht von der Diktatur des 'roletariats die Rede war. Bekanntlich entwikkelte Dimitroff in di ser Rede die These des Kampfes gegen den: Faschismus. Er spracl von der Notwendigkeit der Schaffung von Volksfronten zusamm,n mit fortschrittlichen Elementen und Parteien, um der Gefahr desdeutschen und italienischen Faschismus, der zu jener Zeit für die Völ;er bedrohlich wurde, die Spitze abzubrechen. U ns ist bis heute nicit bekannt, dass Stalin Dimitroffs Rede zu dieser Frage kritisiert hätte.

Zum andern konmt Hill mit der Schlussfolgerung daher, Dimitroff habe mit diesfr Rede «spätere Konsequenzen in Gestalt der Abweichung und Entatung marxistisch-leninistischer Parteien verursacht», und führt cábei Exführer solcher Parteien - Togliatti, Thorez, Harry Pollitt, 3harkey usw. - an. Er lässt ausser acht, dass. Dimitroffs Rede damas auf der ganzen Welt ein -aussergewöhnlich, starkes Echo hervorriaf, vergisst, dass sie dem Kampf gegen den.

Faschismus und der S(haffung von Volksfronten in Frankreich und: insbesondere in Spanim, die dem deutschen und dem italienischem Faschismus politischen und bewaffneten Widerstand leisteten, grossen Aufschwung verlieh. Hill vergisst ebenfalls, dass es die Kom-. munistischen Parteien des Westens waren, die diese Fronten und den Kampf gegen den Faschismus, den die Komintern propagierte, organisierten. Später, Js ihre Länder vom Nazifaschismus besetzt wurden, 'kapitulierte die reaktionäre Bourgeoisie dort, und niemand ausser den französisch?n und den italienischen Partisanen ging in die Berge und kämpftc. Er vergisst zu sagen, dass weder Togliatti noch Duclos, noch Marty, noch Longo im Spanienkrieg Verrat begingen, sondern vielmehr auf marxistisch-leninistischem Weg, auf dem Weg der Komintern gegen den Faschismus kämpften.

So ist Hills Kritik !n der Komintern, die als real und begründet





präsentiert wird, nur eine Seifenblase. Er bekämpft die Kommintern, weil er meint, wir wollten ihr Banner aufnehmen und die marxistisch-leninistischen Parteien der Welt gegen die Kommunistische Partei Chinas organisieren. Das zeigt sich daran, dass er sich der Idee multilateraler Beratungen, die wir auf dem Parteitag zur Sprache brachten, widersetzt. Seiner Meinung nach können und dürfen nur bilaterale Beratungen stattfinden.

Hill tritt auch in einer anderen Frage gegen unsere Partei auf. Er meint, die marxistisch-leninistischen Bruderparteien dürften sich nicht gegenseitig zu ihren Parteitagen einladen. Das «theoretische» Argument, das er gegen diese Praxis ins Feld führt, ist, dass diese Parteien auf dem Parteitag, zu dem sie eingeladen sind, gegenüber den Auffassungen der gastgebenden Partei in eine schwierige Position gerieten und nicht in der Lage seien, sogleich ihre Meinung darüber zu äußern. Also sind für seine Begriffe nicht nur multilaterale Beratungen marxistisch-leninistischer Parteien fehl am Platz, ebenso wenig dürfen auch Vertreter dieser Parteien am Parteitag einer Bruderpartei teilnehmen. Daraus folgert Hill, er persönlich und seine Partei seien gegen solche Praktiken, und hätte er gewusst, dass auf unserem 7. Parteitag die Probleme aufgeworfen werden würden, die aufgeworfen wurden, hätte er sich seine Teilnahme an diesem Parteitag erst noch überlegt.

Historisch liegt die Sache mit Hill so: Vor anderthalb oder zwei Jahren, genau kann ich mich da nicht festlegen, hatten wir eiíi bilaterales Gespräch mit ihm, bei dem wir all jene Ansichten -erläuterten, die wir auch auf unserem 7. Parteitag darlegten. Er sprach nicht länger als 10 Minuten und berührte dabei überhaupt nicht die Kardinalfragen, die wir ihm bei dieser Gelegenheit vortrugen und die die Linie unserer Partei darstellten, die wir aua auf dem Parteitag entwickelten. Sein Bluff ist also klar. Damals; hatte Hill entweder Angst oder beliebte nicht, seine Ansichten gegen unsere Partei offen zu äussern, und überging die Fragen, ohne irgendwie Stellung zu beziehen. So lässt sich auch seine These, er se; für bilaterale Gespräche, nicht halten, denn auch bei dem bilateralen Gespräch, das wir mit ihm führten, brachte er von sich aus keine einzige kritische Meinung gegen die Ansichten unserer Partei vor.

Hill macht sich Sorgen, weil wir nicht der politischen, ideologischen und organisatorischen Linie der Kommunistischen Partei Chinas folgen, weil wir aus ihrer Reihe tanzen. Seiner Meinung nach haben wir der Linie dieser Partei gehorsam Folge zu leisten. Persönlich versucht er sich als «ganz unabhängig», «ungebunden» hinzustellen, während er alle anderen marxistisch-leninistischen Bruderparteien, die ihre Vertreter zu unserem Parteitag entsandten und sich sehr positiv über die Linie unserer Partei äußerten, als Lakaienparteien betrachtet. Die Haltung, die diese Parteien auf unserem 7. Parteitag einnahmen, entsprang nach Hill nur der Absicht, der Partei der Arbeit Albaniens zu Gefallen zu reden. Mit anderen Worten, Hill will zeigen, dass auch das, was er in eigener Person auf unserem Parteitag sagte, nicht seiner Meinung entspricht, hat er doch seine wahre Meinung in dem aus London gesandten Material geäußert, wo er sagt, er gehe mit vielen grundlegenden Auffassungen des 7. Parteitags der Partei der Arbeit Albaniens nicht konform.

Hill nimmt den Standpunkt ein, dass zwar jede Partei ihren eigenen Parteitag abhalten, dort allerdings nur über Mais, Kürbisse und Gurken reden, nicht aber politisch und ideologisch Stellung beziehen, dem einen oder anderen gegenüber eine kritische Meinung äußern darf. Das hiesse, dass die Partei, die den Parteitag abhält, in der Äußerung ihrer marxistisch-leninistischen Ansichten nicht aufrichtig sein dürfte. Hill möchte, dass alle marxistisch-leninistischen Parteien der Welt völlig widerspruchslos der Linie der Kommunistischen Partei Chinas folgen. Nur dann ist für ihn bei diesen Parteien alles in Ordnung.

Einerseits gibt sich Hill als Verfechter des Standpunkts aus, jede Partei habe das Recht, ihre eigene Meinung zu äussern, andererseits widerspricht er sich selbst, wenn er sagt, die Partei habe absolut nicht das Recht, ihre Meinung öffentlich auszusprechen. Tatsache ist, dass er in dem uns übersandten Material das fünfte und das sechste Kapitel des Rechenschaftsberichts des Zentralkomitees unserer Partei kritisiert, wo es um die internationale Lage und einige Probleme der kommunistischen Weltbewegung geht. Das ist eine bittere Pille für ihn und seine Freunde. Es traf sie einerseits, weil bekanntlich in diesen beiden Kapiteln ausführlich und klar unsere marxistischleninistische Linie dargelegt wird, die in vielen Punkten im Gegen







satz zu den Ansichten der Kommunistischen Partei Chinas steht, obwohl wir uns nirgendwo namentlich gegen diese Partei äussern. Zum andern ist Hill nicht damit einverstanden, dass eine Partei wie die unsere sich die Mühe macht, ihre Meinung zu sagen über den Kampf, den die anderen marxistisch-leninistischen Parteien führen und führen müssen, über ihre Arbeitsmethoden, die Kampfbündnisse, die sie eingehen, und andere Fragen, die sich aus der gewonnenen Erfahrung ergeben.

Hill sagt, die Teilnahme anderer Parteien an den Parteitagen von Bruderparteien kompromittiere sie. Das ist ein Bluff. Diese Praxis kompromittiert sie keineswegs. Wurden zum Beispiel etwa die Parteien Vietnams, Koreas oder Laos' auf unserem Parteitag kompromittiert? Nein! Ihre Delegationen äußerten ihre Ansichten auf dem Parteitag ganz frei, und wir meinen, dass sie, falls sie Gegensätze zu unserer Partei hätten, sehr leicht auch um ein Treffen mit unseren Führern hätten ersuchen können, um sich dort über ihre eventuellen Meinungsverschiedenheiten mit uns auszusprechen. Das taten sie nicht. Falls sie etwas zu sagen hatten und es nicht taten, so ist das nicht unsere Schuld.

Wir stimmen Hill zu, wenn er sagt, dass im Verlauf des Parteitags diese Einwände nicht gemacht werden können. Wir haben aber auch nichts dagegen, wenn jemand, der sich nicht lobend über die Tätigkeit und die Auffassungen der gastgebenden Partei zu äußern wünscht, es bleiben lässt. Gerade die Lobhudeleien, die man ihr angedeihen lässt, wünscht unsere Partei nicht, sie verlangt vielmehr, dass realistisch über ihre Tätigkeit gesprochen wird. Sollte irgend jemand etwas an uns auszusetzen gehabt haben, hätte er, wie ich schon sagte, sogar ganz leicht um ein Treffen mit uns ersuchen können. So hätten bilaterale Klarstellungen zu den Fragen, die ihn beschäftigen, erfolgen können. Auch Hill tat das nicht.

Er behauptet, die Teilnahme an einem Parteitag lasse die anderen eingeladenen kommunistischen Parteien in eine schwierige Lage geraten. Wir meinen jedoch, dass sie diese durchaus nicht in Schwierigkeiten bringt, im Gegenteil, die Vorteile, die eine Teilnahme bei solchen Anlässen bietet, überwiegen. Diese Vorteile stellt auch Hill fest, er unterschätzt sie aber und spielt beträchtlich den Standpunkt hoch, den er zu verteidigen sucht, dass nämlich andere Parteien nicht zu Parteitagen eingeladen werden dürften. Das hiesse, den Parteitag unter hermetischem Abschluss abzuhalten, so dass kein Mensch erfährt, was man meint. Der glühende Wunsch der modernen Revisionisten, der Sowjets, und zugleich auch der Imperialisten ist, dass man sie allesamt zufrieden lässt, dass wir nicht über die Aktivitäten gegen den Kommunismus, gegen die Völker, gegen die sozialistischen Länder sprechen. Das ist die ganze Schlussfolgerung, die man aus einer solch antimarxistischen Behandlung des Problems ziehen kann, das Hill in dem uns übersandten Material anschneidet, einem Material, in dem er offen gegen den 7. Parteitag unserer Partei Stellung bezieht.

Im Zusammenhang mit dieser Frage versucht Hill, die Wirklichkeit zu verdrehen, was Tschou En-lais Haltung auf dem 22. Parteitag der sowjetischen Revisionistenpartei anbetrifft. Tschou En-lai hatte auf dem 22. Parteitag wahrhaftig die Einstellung der Polemik gegen die Partei der Arbeit Albaniens gefordert, was für uns und viele andere nicht wünschenswert war. Wie richtig die Haltung unserer Partei war, hat sich inzwischen bestätigt. Ebenso zog Tschou Enlai auf dem 22. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion nicht etwa deshalb unter Protest aus, weil dort die Partei der Arbeit Albaniens angegriffen wurde, sondern weil zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Sowjetunion Meinungsverschiedenheiten über grosse interne strategische Probleme bestanden, etwa die Nichtweitergabe der Atombombe an China, das Grenzproblem mit Indien usw. Eben diese Probleme, die zwischen den beiden Seiten existierten, veranlassten Tschou En-lai dazu, den 22. Parteitag zu verlassen. Aufgrund dieser Sorgen und Hoffnungen wollte er später, nach Chruschtschows Sturz im Jahr 1964, erneut in die Sow jetunion reisen und Freundschaft mit den Sowjetrevisionisten schliessen. Deshalb haben Hills Beispiele und Thesen keinerlei Wert, weder historischen noch theoretischen, noch praktischen.

Nach Hills Meinung muss eine Partei, wenn sie im Sinn hat, ein Problem internationalen Charakters aufzuwerfen, das die ganze kommunistische Weltbewegung angeht, zunächst auf eine grosse Rundreise gehen, mit einer Vielzahl marxistisch-leninistischer Parteien Kontakt aufnehmen und bilaterale Gespräche führen, und nur wenn sie in dieser oder jener Frage einverstanden sind, kann sie auf ihrem Parteitag dieses oder jenes Problem behandeln. Sollte sie jedoch auf Widerstand stossen, darf sie es überhaupt nicht zur Sprache bringen. Dies ist einer der Hauptpunkte der absurden und antimarxistischen Kritiken dieses revisionistischen australischen Provokateurs, der von den chinesischen Revisionisten gezielt dazu eingesetzt wird, die Partei der Arbeit Albaniens zu provozieren.

Ich habe bereits gesagt, dass die Kommunistische Partei Chinas und der Provokateur Hill nicht wollten und nicht wollen, dass die Partei der Arbeit Albaniens ihre Auffassung darüber äussert, wie die internationale Einheit der Kommunisten und der Proletarier gefestigt werden muss. Sie stehen im Gegensatz dazu. Doch die internationalistische Einheit des Proletariats und der marxistisch-leninistischen Parteien ist ein grosses Problem des Marxismus-Leninismus. Auch die Kommunistische Partei Chinas hat diese Losung ausgegeben, doch in Wirklichkeit, in der Praxis ist sie gegen sie und bekämpft sie. Dieses grosse Motto stellte sie in den Rahmen der Einheit der «dritten Welt», zu der sie sich auch selbst rechnet. Wir können uns mit keiner derartigen Ansicht abfinden und auch nicht mit der Haltung, die eingenommen wird.

Wir stehen im Gegensatz zu den Ansichten der Kommunistischen Partei Chinas über die «dritte Welt», weil sie antimarxistisch sind, weil es revisionistische Ansichten sind. Wir behandelten dieses Problem auf dem 7. Parteitag vom Klassenstandpunkt aus, auf der Grundlage unserer Ideologie, des Marxismus-Leninismus. Der Losung von der «dritten Welt» haben sich schon vor 1960 sowohl Chruschtschow als auch Tito unter verschiedenen Bezeichnungen, wie etwa «blockfreie Länder» bedient, die unsere Partei als außerhalb des Klassenkriteriums gesehene und erfundene Gruppierungen und Begriffe bekämpft hat. Unsere Partei legte auf dem 7. Parteitag klar, dass sie für die Verteidigung aller Staaten ist, die sich für frei und unabhängig erklärt haben, in Wirklichkeit aber wirtschaftlich und politisch abhängig sind. Nur wenige Staaten der «dritten Welt» können unabhängig genannt werden, weil in Wirklichkeit jeder von ihnen auf die eine oder andere Weise von dieser oder jener imperialistischen Macht abhängig ist. Auch wenn man ihn für politisch unabhängig hält, ist er doch wirtschaftlich abhängig, und nach den Lehren unserer Klassiker der marxistisch-leninistischen Wissenschaft kann es ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit keine politische Unabhängigkeit geben. Wir sind dafür, diese Staaten mit unserer ganzen Kraft zu verteidigen, und das Leben hat bewiesen, dass wir den Kampf für ihre Verteidigung ständig und entschlossen geführt haben. Doch mit den «theoretischen» Schlussfolgerungen, zu denen die Kommunistische Partei Chinas gelangt ist, können wir unmöglich einverstanden sein. Gerade darin besteht einer unserer hauptsächlichen Gegensätze zu ihr.

Bei unseren hauptsächlichen Gegensätzen zu den Chinesen geht es um Fragen, die eng miteinander verbunden sind: um die Frage der «dritten Welt», um die Haltung, die gegenüber den beiden Supermächten eingenommen werden muss, sowie um den «proletarischen Internationalismus», also um die Festigung der Einheit der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien. Die Kommunistische Partei Chinas geht unserer Meinung nach an diese Fragen opportunistisch, revisionistisch heran, wir dagegen marxistisch-leninistisch. Wir sind für den proletarischen Internationalismus, für die Festigung der Einheit mit den marxistisch-leninistischen Parteien, außerdem für eine möglichst grosse und ständige Hilfe für alle Länder der sogenannten freien und unabhängigen Welt, die in Wirklichkeit allerdings abhängig ist und unter dem Einfluss des amerikanischen, des sowjetischen und des anderen Kapitals steht. Um ihre vollständige Befreiung erlangen zu können, müssen diese Länder, wie Lenin sagt, zunächst den Feind im eigenen Land bekämpfen, dann auch den äußeren Feind. Wir sagen, dass der moderne Revisionismus mit aller Kraft bekämpft werden muss, dass genauso die reaktionäre Bourgeoisie bekämpft werden muss, die die Freiheit und Unabhängigkeit des eigenen Landes dem amerikanischen Imperialismus oder dem sowjetischen Sozialimperialismus in den Rachen wirft. Deshalb halten wir es für unumgänglich, diese beiden Supermächte zu bekämpfen, während die Chinesen die Frage nicht auf dieser Ebene sehen.

Eine andere Frage, die Hill erörtert, ist die Konkurrenz, die angeblich unausgesprochen zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und der Partei der Arbeit Albaniens bestehe. Die Opfer dieses Spiels seien all jene marxistisch-leninistischen Parteien, die als Reaktion auf den modernen Revisionismus gegründet worden sind. Nach





Hills Meinung sind jene marxistisch-leninistischen Parteien, die sich positiv über die Partei der Arbeit Albaniens äußern, Lakaienparteien, Parteien, die sich bei unserer Partei anbiedern wollen. Er stellt die Sache so dar: alle jene marxistisch-leninistischen Parteien, die Liebe und Achtung für die Partei der Arbeit Albaniens empfinden und in ihren theoretischen und politischen Ansichten mit ihr übereinstimmen, sind keine wahren marxistisch-leninistischen Parteien. Für Hill ist wohl nur seine Partei «rein und marxistisch-leninistisch»

Hill sagt, die neuen marxistisch-leninistischen Parteien versuchten unter allen Bedingungen, anerkannt zu werden. Doch von wem? Von der Partei der Arbeit Albaniens? Für Hill sind die Bindungen dieser Parteien an die Kommunistische Partei Chinas der richtigste und absolut notwendige Weg, ihn müssten sie also verfolgen. Doch viele von ihnen suchen auch die Anerkennung durch die Partei der Arbeit Albaniens, und er lässt sich über die angeblich theoretische Seite aus, dass nämlich daraus dann die Frage der «Mutterpartei» und der «Tochterpartei» erwachse. Das hiesse, laut Hill, dass sich die Partei der Arbeit Albaniens das Recht ammasst, zu entscheiden, welche der neuen Parteien marxistisch-leninistisch ist und welche nicht.

Worauf will Hill damit hinaus? Er versucht damit, der internationalistischen Einheit der marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien der Welt zu schaden, er versucht, diese Einheit zu zerstören und die Stärkung und Ausweitung der kommunistischen Weltbewegung der Spontaneität zu überlassen. Was die Stellung unserer Partei in der kommunistischen Weltbewegung betrifft, so hat sie sich niemals selbst als «Mutterpartei» und die anderen Partein als «Tochterparteien» betrachtet. Unsere Partei hat niemals und in keinem einzigen Fall irgendeiner Bruderpartei ihre Meinung aufgezwungen. Vielmehr machen wir ständig die Genossen, die Bruderparteien vertreten, sooft wir Gelegenheit haben, mit ihnen zu sprechen und ihnen unsere Meinung vorzutragen, mit unseren Ansichten zu diesem oder jenem Problem bekannt, mit der Erfahrung, die wir uns erworben haben. Darüber hinaus hat jede Partei ihre eigene, unabhängige Meinung, urteilt und entscheidet selbst über alles.

Vor allem betonten und betonen wir ständig, dass jede Meinung und jede Handlung der Bruderparteien auf dem Marxismus-Leninismus gründen muss, und nur auf dem Marxismus-Leninismus. Das ist korrekt. Das betonten wir nachdrücklich auch auf dem 7. Parteitag. Doch Hill passt das nicht in den Kram, und zwar gerade deshalb nicht, weil die Partei der Arbeit Albaniens nicht daran denkt, den Marxismus-Leninismus mit den «Maotsetungideen» gleichzusetzen, weil wir Mao Tsetung nicht in eine Reihe mit den vier grossen Klassikern Marx, Engels, Lenin und Stalin gestellt haben. Hill steht diesen Ansichten und Auffassungen unserer Partei entgegen und spricht bei jeder Gelegenheit von Mao, bringt ihm grosse Lobeshymnen dar, ohne seine Ansichten über alle Probleme richtig zu kennen, die er, wie wir wissen, zu einem grossen Teil falsch behandelt hat. Für uns ist Mao kein wahrer Marxist. Diese Ansicht haben wir nicht offen ausgesprochen, doch das ist unsere Überzeugung, während Hill vom Gegenteil überzeugt ist.

Um Mao Tsetungs Wert zu heben, greift Hill bei dieser Gelegenheit Engels an, behauptet, er habe Fehler gemacht, deshalb gebühre ihm nicht der Rang der Vier. Die gleiche Ansicht hat Hill auch über Stalin. Auf den Platz dieser beiden grossen Marxisten, Engels und Stalin, hebt er Mao und betont, er sei ein Marxist-Leninist von den Dimensionen eines Marx und Lenin. So wie Lenin zu seiner Zeit den Marxismus und die Theorie von Marx bereichert hat, so habe sie, laut Hill, im Laufe seines Lebens auch Mao bereichert. Hierin liegt der Kern der ganzen Theorie Hills, die er uns in seinem Material in Wendungen unterbreitet, die angeblich freundschaftlich, in Wirklichkeit aber Angriffe, Verleumdungen und haltlose Kritiken nicht nur gegen unsere Partei, sondern auch gegen die Kommintern, gegen Engels, Stalin und Dimitroff sind. Dies gilt auch für andere Fragen, denn es gibt auch sonst noch genug antimarxistische Thesen in dem Schreiben dieses revisionistischen Demagogen.

Hill hebt hervor, wir machten uns ein falsches Bild von der Weltkrise, die seiner Meinung nach keine allgemeine Krise des kapitalistischen Weltsystems, sondern eine Überproduktionskrise ist. Dabei beruft er sich auf die Theorie von Marx. Mit einem Wort, über die anderen haltlosen Vorwürfe gegen die Partei der Arbeit Albaniens hinaus versucht er auch einige vorgeblich theoretische Kritiken anzubringen, was die Bestimmung einiger grosser internationaler Probleme anbelangt, zu denen auch die jetzige weltweite Krise des Kapitalismus zählt.

Folglich können wir sagen, dass der Provokateur Hill eindeutig nicht ohne Absicht zu unserem 7. Parteitag kam. Doch die Ziele, die er sich gesteckt hatte, konnte er im Saal des Parteitags nicht erreichen. Er musste das Flugzeug nehmen, unser Land verlassen und uns von London aus dieses Material mit seinem revisionistischen Inhalt schicken. Von dort aus kehrte er nach Australien zurück und machte sich dann umgehend, ohne die geringste Zeit zu verlieren, nach Peking auf, wo ihm, wie wir erfahren haben, ein sehr herzlicher Empfang zuteil wurde. Sie empfingen ihn der Reihe nach, von Li Hsiän-niän bis Hua Guo-feng. Hill stattete sogar Tschou En-lais Frau einen Besuch ab. Die chinesische Nachrichtenagentur Hsinhua meldete, dass Hill von Hua Guo-feng empfangen wurde, berichtete über die herzlichen Gespräche über zahlreiche internationale Probleme, die sie mit ihm führten und betonte, dass beide Seiten in allem vollkommen einer Meinung gewesen seien.

Hsinhua übermittelte auch die kurze Rede Li Hsiän-niäns auf diesem Empfang. Durch ihn brachten die chinesischen Heuchler korrekte Aussagen vor, mit denen sie herauszustellen versuchten, die Kommunistische Partei Chinas sei gegen die beiden Supermächte, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika. Er spricht auch über den proletarischen Internationalismus, ohne dabei zu vergessen, die Freundschaft der Kommunistischen Partei Chinas mit der Kommunistischen Partei Australiens/Marxisten-Leninisten und dem Volk Australiens hervorzuheben.

Nach Li Hsiän-niän nahm dann Hill das Wort und griff indirekt den 7. Parteitag unserer Partei an. Er hob hervor, Hua Guo-feng habe wie ein «grosser Marxist-Leninist», als getreuer Schüler Mao Tsetungs gehandelt, den er, wie ich schon sagte, auf die Dimensionen von Marx und Lenin erhebt. Hua Guo-feng, sagt Hill in seiner Rede, zerschlug massenhaft die Verräterelemente mit den «Vier» an der Spitze. Er unterstrich, die von Mao Tsetung festgelegte Linie sei die wahre marxistisch-leninistische Linie, die marxistisch-leninistische Theorie seien die «Maotsetungideen», und ferner, dass jene Elemente bzw. jene Parteien, die sich dieser Linie entgegenstellen, die sich den «Maotsetungideen» entgegenstellen, zerschmettert werden würden, wie die «Vier» und ihre Leute von der grossen Kommunistischen Partei Chinas zerschmettert worden seien. Abschließend sagt er, die marxistisch-leninistischen Parteien auf der Welt würden treu der richtigen marxistisch-leninistischen Linie des Vorsitzenden Mao Tsetung folgen.

Das ist, kurz zusammengefasst, das, was der Vorsitzende der probchinesischen australischen Revisionistenpartei in seiner Rede sagt. Diese Ideen werden auch in dem Material geäußert, das er uns übersandte. Mit diesem Dokument zeigte er so seine wahre Renegatenfratze. Bei dieser Gelegenheit bestätigte sich unsere Annahme, dass die Kommunistische Partei Chinas versuchen wird, solche Leute aufzuhetzen, indirekt die Linie der Partei der Arbeit Albaniens anzugreifen, um so der Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung zu schaden, den wahren Marxismus-Leninismus zu entstellen, das Proletariat zu verwirren und die marxistisch-leninistischen Parteien in allen Ländern der Welt zu zerschlagen. Begonnen haben die Chinesen mit diesem Geschäft allerdings schon vor langem.

Was Hills Äußerung betrifft, die marxistisch-leninistischen Parteien der Welt konkurrierten um die Anerkennung durch die Partei der Arbeit Albaniens, so ist es doch in Wirklichkeit die Kommunistische Partei Chinas, die so etwas anstrebt und praktiziert. Sie ist es, die zu allen Fraktionen Verbindungen unterhält, die aus den Reihen der jungen marxistisch-leninistischen Parteien, die eine korrekte Haltung einnehmen. hervorgehen, sie ist es, die das Auftreten solcher Fraktionen in vielen dieser jungen Parteien anstiftet, etwa in Portugal, Italien, Uruguay, Frankreich usw. usf. Die Kommunistische Partei Chinas ist in dieser Richtung offen und heimlich aktiv, mit dem Ziel, alle diese Parteien zu spalten und aus den Fraktionen, die in ihnen entstehen, eine Reihe maoistischer, angeblich marxistischleninistischer Gruppen zu schaffen, um sich ihrer als Agenturen zu bedienen.

Hill bezichtigt in seinem Brief an uns die Kommintern und Stalin, sie hätten vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg die kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt in den Dienst der Kommunistischen Partei der Sowjetunion gestellt. Diese Parteien, so Hill, «konnten nicht auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus handeln und kämpfen», der, wie wir wissen, von Lenin, Stalin und der Muhniestischen Weltbewegung zu isolieren, so dass die korrekte marxistisch-leninistische Stimme unserer Partei in dieser Bewegung ungehört verhallt.

Zweitens, verschiedene Gruppierungen zu schaffen, die sich «marxistisch» nennen und aus Provokateuren bestehen, die durch ihre Spaltertätigkeit in den marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien aufgetaucht sind. Die Chinesen werden, wie einst auch die Chruschtschowianer, ihnen dienliche Gruppierungen schaffen, die von ihnen selbst sowie von der Bourgeoisie der Länder, wo sie entstehen, finanziert werden. Sie werden versuchen, durch diese Provokateure hemmungslos Propaganda gegen den Marxismusleninismus zu betreiben. Ihre Propaganda wird sich besonders gegen unsere Partei richten und die chinesische revisionistische Linie unterstützen. Es wird erneut so sein, wie es auch bei den Chruschtschowianern war. Gegen sie befand sich anfänglich nur die Partei der Arbeit Albaniens im offenen Kampf. Dann stand zusammen mit uns auch die Kommunistische Partei Chinas im Kampf gegen die Chruschtschowianer, doch sie ging dabei nicht von klaren marxistisch-leninistischen Positionen aus. Es gab im Verlauf der Ereignisse einige Momente, in denen die Chinesen Seite an Seite mit uns angriffen, dann wichen sie ab, und dieses ihr Abweichen vom Marxismus-Leninismus setzt sich fort. Die Kommunistische Partei Chinas hat ihre revisionistische Tätigkeit gegenwärtig darauf ausgerichtet, sogenannte marxistisch-leninistische Parteien zu schaffen, um sie dem chinesischen Revisionismus gegen den Marxismus-Leninismus dienstbar zu machen.

Wir haben die Pflicht, uns auf diesen Kampf vorzubereiten, sowohl auf innerer als auch auf äußerer Ebene. Unser Kampf wird auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus, unserer Theorie, geführt werden, auf der Grundlage der Richtlinien des 7. Parteitags. Deshalb muss das. was ich den Genossen vor zwei Tagen über die richtige Aneignung der auf dem Parteitag entwickelten Ideen und die richtige Erläuterung der damit zusammenhängenden Probleme sagte, stets berücksichtigt werden. darf es keinen Augenblick lang vernachlässigt werden.

Viele politische, ideologische, wirtschaftliche u.a. Grundprobleme, die in den Parteitagsberichten behandelt werden, müssen erklärt, und sie alle müssen behandelt, entwickelt, für die Kommunisten und die breiten Volksmassen möglichst verständlich gemacht werden. Sie sollen einem doppelten Zweck dienen: sowohl für das Ausland als auch das Inland, um so den teuflischen, feindseligen, antimarxistischen Absichten der chinesischen Revisionisten zuvorzukommen. Dazu, so meine ich, sollten wir jeweils Gruppen aus qualifizierten Kadern bilden, die über verschiedene Probleme gründlich nachdenken und Thesen ausarbeiten sollen, die wir zu erörtern und, soweit sie vernünftig sind, anzunehmen hätten. Nach einer theoretischen und politischen Behandlung sollten diese Thesen zur Grundlage der ideologischen und politischen Erziehung unserer kommunistischen Kader und der breiten Volksmassen gemacht werden. Diese Materialen müssen von uns auch gedruckt, übersetzt und dem Ausland zugänglich gemacht werden, um sie den marxistischleninistischen Parteien als zusätzliche Erläuterungen zu den Dokumenten unserer Partei über die Grundprobleme, die der 7. Parteitag aufgeworfen hat, an die Hand zu geben. - So, meine ich, werden wir die Arbeit hinlänglich bewältigen, der kommunistischen Weltbewegung Hilfestellung zu leisten, ehe die Agenten der chinesischen Revisionisten handeln, denn man muss damit rechnen, dass die Chinesen in diesem Kampf gegen den Marxismus-Leninismus und unsere Partei zahlreiche und mächtige Propagandamittel einsetzen werden.

Ich bin sicher, dass wir, wenn wir den Kampf richtig organisieren (und wir müssen diesen Kampf unbedingt möglichst gut organisieren, denn das ist eine lebenswichtige Frage), die chinesischen Revisionisten entlarven werden, auch ohne sie offen beim Namen zu nennen. Das soll nicht heissen, dass wir einem gewissen Hill, X oder Y die Antwort schuldig bleiben, die, ohne uns namentlich zu erwähnen, im Chor die Thesen unseres 7. Parteitags angreifen werden. Wir werden die Gelegenheit bzw. den günstigen Augenblick finden, um ihnen allen oder jenen, die die chinesischen Revisionisten dazu angeworben haben mögen, die Thesen unseres 7. Parteitags anzugreifen, auf einen Schlag zu antworten. Die Vorbereitung, von der ich oben sprach, dient dieser Sache. Wenn sie uns namentlich angreifen, dann müssen auch wir uns Gedanken darüber machen, ob wir in die gegenseitige Polemik eintreten sollen oder nicht. Die Sache ist die, dass wir beizeiten durchdachte Massnahmen ergreifen müssen, um die Thesen unseres Parteitags möglichst klar zu erläutern und auf richtige, marxistisch-leninistische Weise nachdrücklich zu verfechten. Verfochten werden sie dadurch, dass jede These klar erläutert und auf möglichst verständliche Weise dargelegt wird, denn es gibt in den marxistisch-leninistischen Parteien Leute und wird sie geben, die unsere Thesen nicht genügend verstehen. Viele dieser Leute haben sich sogar schon jetzt hervorgewagt, weil man in den Parteien, denen sie angehören, auf die Routine zumarschiert, d.h., nach den von den Chinesen hochgespielten Thesen verfährt.

Wie wir sehen, sind die Chinesen und Hill auf ihrem Weg Sozialdemokraten. Sie begreifen nicht, dass die marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien unter außergewöhnlich schwierigen Bedingungen kämpfen, gegen eine bis an die Zähne bewaffnete Bourgeoisie, gegen den amerikanischen Imperialismus und den modernen Revisionismus mit dem sowjetischen Sozialchauvinismus an der Spitze. Sie begreifen nicht, dass sie unbedingt in beiden Formen des Kampfes, der legalen wie der illegalen, arbeiten, sich auf beide vorbereiten, beide praktizieren müssen, dass sie es verstehen müssen, beide Formen zu kombinieren, so wie Lenin uns das lehrt. Die Chinesen akzeptieren dies in Worten, doch in Wirklichkeit sind sie nur für offene, sozialdemokratische Arbeitsformen, weil sie natürlich selbst auch Sozialdemokraten sind, allerdings getarnt mit «marxistischleninistischen» Parolen, die in Wirklichkeit antimarxistisch sind.

Die andere Sache, auf die wir uns vorbereiten müssen, hängt mit der Arbeit innerhalb des Landes zusammen. Jeden Tag mehr müssen wir allen gut klar machen, dass die klassenfeindlichen Elemente, solange sie existieren, auch arbeiten werden. Falls der Klassenfeind versuchen sollte, unsere Widersprüche zur Kommunistischen Partei Chinas und den über ausländische Rundfunksender geführten Kampf gegen Albanien indirekt für sich auszunutzen, wird sich durch eine gute Aufklärungsarbeit seitens der Partei verhindern lassen, dass ihre Tätigkeit verfängt. Sie wird dann im Gegenteil dazu beitragen, die Wachsamkeit der Kommunisten und der Werktätigen zu schärfen und die nötigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, noch schwierigeren Tagen gewachsen zu sein.

Ein weiteres Problem für uns sind die wirtschaftlichen Fragen.

Keinesfalls dürfen wir n die Meinung verfallen, ein Kampf, wie ihn China und seine Stellten gegen uns führen, habe keine negativen Auswirkungen auf uns. Die negativen Folgen dieser Tätigkeit müssen wir beizeiten voraussehen, einkalkulieren und ihnen zuvorkommen. Das erfordert, was die Pläne anbelangt, eine totale Mobilisierung zur Erfüllung durchweg aller der zahlreichen Aufgaben an sämtlichen Fronten, in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft und des Lebens in unserem Laid.

Vor allem erhält in dieser Situation die Erfüllung der Aufgaben im Bereich der Landortschaft und des Bergbaus, vor allem der Erdölförderung, unbesheitbare Bedeutung. Um das Öl müssen wir uns sehr kümmern, neue Felder entdecken, wir dürfen nicht zulassen, dass es zu Pannen kommt, denn, das muss uns klar sein, ohne Erdöl werden wir in .allen Sektoren der Wirtschaft in Rückstand geraten. Die anderen :Zineralien garantieren uns gute Einnahmen, ob sie nun im Land verarbeitet oder auch als Erz exportiert werden. Doch beim Export von Mineralien werden wir möglicherweise auch der Sabotage der Feinde ausgesetzt sein, indem sie z.B. allein schon die Trägheit einiger unserer Leute im Handelssektor ausnutzen, so dass wir keine Märkte finden.

Wir müssen begreifen, dass wir kein Staat sind, der es sich leisten kann, zeitweilig; grosse Reserven unverkaufter Mineralien anzulegen. Wenn wird’s meinen, werden wir vor schwierige Situationen gestellt werden. Wir müssen deshalb in dieser Hinsicht gründlich nachdenken. Es reicht nicht, wenn wir nur besondere Pläne für diese schwiegen Situationen haben, mit denen wir rechnen müssen, vielmehr ist es auch zwingend notwendig, bei der Entwicklung des Bergius geschickter vorzugehen, ebenso beim Export von Mineralien, ob nun verarbeiteten, halbverarbeiteten oder Rohstoffen. Unternehmen wir allseitige Anstrengungen, damit wir nicht auf Mineralien und anderen Waren sitzen bleiben, die sich dann in Lagern und in unseren Häfen türmen.

Ein anderer für uns lebenswichtiger Sektor ist die Landwirtschaft. Sie müssen wir intensiv entwickeln, damit das Volk zu essen, Kleider und Schuhe hat, das wirtschaftliche Niveau unserer Werktätigen also nicht sinkt

Bei der Verwirklichung unserer Pläne müssen wir an allen Fronten voranmarschieren, doch es gibt auch einige Objekte, die wir in diesen Plänen zwar vorgesehen haben mögen, deren Bau aber noch warten kann. Deshalb dürfen wir nicht zögern, sie angesichts dieser beiden Schlüsselprobleme, die in der entstandenen Situation nach Lösung verlangen, zeitweilig zurückzustellen.

Deshalb empfahl ich den Genossen, ernsthaft über diese Fragen nachzudenken, und zwar so bald wie möglich, sie nicht der Spontaneität zu überlassen und sich auch nicht mit einigen Halbheiten zu begnügen. Es ist unerlässlich, das Arbeitsprogramm, das für all diese grossen Probleme erstellt werden muss, gut zu durchdenken.







SAMSTAG,

25. DEZEMBE$ 1978





AGENTENMETHODEN, UM DIE KOMMUNISTISCHE

WELTBEWEGUNG ZU SPALTEN



Man hat mich über das Gespräch in Kenntnis gesetzt, das der Leiter der Delegation der marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei von . . . mit unseren Genossen hatte. Unser Gast war, wie er uns selbst sagte, im Auftrag der Vertreter der 8 marxistisch-leninistischen kommunistischen Parteien Lateinamerikas nach China gefahren, um die Kommunistische Partei Chinas über die Beratung dieser 8 Parteien und die Erklärung, die sie verabschiedeten, zu unterrichten.

Der Genosse war empört und entrüstet über den inquisitorentaften Empfang, den ihm 8 Genossen Geng Biaos bereiteten, denn dieser selbst hatte noch nicht einmal geruht, diesem «Gericht» beizuwohnen. Er sagte: «Ich bin zum ersten Mal ins Ausland gereist, und ich hätte mir niemals vorgestellt, dass man sich einer Bruderpartei gegenüber so verhalten kann wie ein Untersuchungsrichter, der einen Verbrecher vor sich hat. In diesem Fall», sagte er, «war ich, der Sekretär einer marxistisch-leninistischen kommunistischen Partei, der 'Verbrecher', und sie waren das 'Untersuchungsgericht'.

Stunden- und tagelang, pausenlos», fuhr er fort, «bestürmten mich die Chinesen mit Fragen und bestanden darauf, dass ich ihre Materialien las.

Sie bezichtigten die Partei der Arbeit Albaniens und die 8 Parteien Lateinamerikas, sie hätten offen, vor aller Welt, die Kommunistische Partei Chinas und die Linie Mao Tse-tungs 'angeklagt'. Diese Beschuldigungen wies ich entschieden zurück und fragte sie: Warum zieht ihr die Partei der Arbeit Albaniens in diese Sache hinein? Sie hat nichts mit unserer Beratung zu tun und wusste nichts davon, allerdings informierten wir sie darüber, wie wir jetzt auch euch informieren. Die Chinesen nannten die Beratung der Vertreter unserer 8 Parteien 'ein Komplott gegen China wie das, das in Bukarest geschmiedet wurde'.»

Welch eine Ungeheuerlichkeit! Der Genosse sagte, die Chinesen hätten die Einschätzung, Lateinamerika sei nicht die Beute der Vereinigten Staaten von Amerika, und die Staaten dieser Zone bewegten sich nicht in Richtung Faschvisierung, sondern seien «unabhängige bürgerlich demokratische Staaten». «Nach Einschätzung der Chinesen», fuhr er fort, «müssen wir also den bewaffneten Kampf einstellen, ja sogar Selbstkritik üben, dass wir ihn begonnen haben.»

Dann fügte der Genosse hinzu: «Unter Verletzung jeder Norm griffen die Chinesen die Partei der Arbeit Albaniens scharf an, wobei sie eine Reihe von Widersprüchen aufzählten, die ihr zur Linie und Strategie Mao Tsetungs hättet.

Sie erschöpften mich, sie zermürbten mich, seht, wie ich abgemagert bin», sagte er, «sie wollten mich brechen, wollten, dass ich vor ihnen kapituliere. Ich war allein, sie zu acht, doch ich hielt ihnen stand. Jetzt, da ich in Albanien bin, bin ich glücklich und ruhig, und nachdem ich euch endlich davon erzählt habe, ist mir ganz so, als sei ich von einem Alptraum befreit.»

Ich empfahl Ramiz, den Genossen zur Ruhe kommen zu lassen, dann mit ihm zusammenzutreffen, ihn anzuhören und in groben Zügen die Beschuldigungen und Verleumdungen der Chinesen gegen sie und gegen die Partei der Arbeit Albaniens zurückzuweisen. Daraufhin solle er ihm, an einem anderen Tag, alle diese Gegenvorwürfe unsererseits mit Dokumenten belegen, die die marxistischleninistische Linie der Partei der Arbeit Albaniens und die revisionistische Linie der Kommunistischen Partei Chinas beweisen.

Wir haben die Taktik der Kommunistischen Partei Chinas richtig beurteilt. Die Chinesen wollen uns nicht direkt antworten, weil sie es nicht wagen, die Polemik mit uns aufzunehmen. Andererseits benutzen sie trotzkistische, Agenten-, Inquisitionsmethoden, um unsere Partei hinter ihrem Rücken zu bekämpfen, um uns von der internationalen kommunistischen Bewegung zu isolieren und diese zu spalten. So geht eine bürgerliche, kapitalistische und imperialistische Grossmacht vor. Wir werden sie scharf bekämpfen, und wir werden siegen.





DIENSTAG,

28. DEZEMBER 1976





EINIGE ANSICHTEN ÜBER DEN BALLISTISCHEN

«DEKALOG»* *( ballistischer «Delmlog»: Siehe Anmerkung in Band 1, Seite 177.) MAOTSETUNGS



Die chinesischen Revisionisten, an der Spitze die Gruppe Hua Guo-fengs, die durch einen Militärputsch die Macht in China an sich gerissen hat, veröffentlichten diese Woche ein Dokument Mao Tsetungs, eine zehn Punkte umfassende Rede («Über die zehn grossen Beziehungen»), die er auf der erweiterten Sitzung des Politbüros im April 1356 gehalten hat.

Dieses Dokument wurde vor dem 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas verfasst, auf dem Liu Schao-tschi den Hauptbericht hielt. Der Bericht hatte revisionistischen Inhalt. Wir, die wir am Parteitag teilnahmen, wunderten uns, wie dieser Bericht gehalten werden konnte, und wie es möglich war, dass man ihn auch später nicht wer urteilte, zusammen mit Liu Schao-tschi, den man ausschaltete. In diesem Bericht an den 8. Parteitag wurden die Probleme den Ideen Mao Tsetungs gemäss dargelegt, deshalb bezeichnete man ihn auch nach der Kulturrevolution als richtig. Dies bestätigen die 10 Punkte von Maos ballistischem «Dekalog», die seine unmarxistische, eklektische Strategie und Weltanschauung bilden.

Diese zehn Punkte Maos wurden nach dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion geschrieben und vorgelegt, auf dem der Revisionist und Renegat Chruschtschow den Marxismusleninismus angegriffen, Stalin verleumdet und mit Schmutz beworfen hatte. Mit diesem Schritt ergriff Mao die Initiative, eine Initiative, die mit den Chruschtschowianern hätte koordiniert sein können. Und so war es auch. Chruschtschow hatte Mao über seine revisionistischen Ideen und die Schritte, die er unternehmen würde, ins Bild gesetzt. Mao war mit Chruschtschow einverstanden gewesen, was er auf der Moskauer Beratung im Jahr 1957 auch öffentlich sagte. Dort rühmte er Chruschtschow, griff Stalin an und hiess die Liquidierung der «parteifeindlichen Gruppe von Molotow und Konsorten» durch Chruschtschow gut. So half Mao Chruschtschow. Er war einverstanden mit der Linie des 20. Parteitags, war gegen Stalin. Der 8. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas war mit den Chruschtschowianern abgestimmt, denn die beiden «Gevatter» waren von den gleichen Ideen beseelt. Natürlich machte Chruschtschow Mao auch Versprechungen, doch er hielt sie nicht, sondern belog ihn nur, bis er über dem Berg war.

Maos Ziel war es nicht, Chruschtschow zu helfen, sondern sich selbst. China sollte zur Hauptführungsmacht der kommunistischen Welt werden, und Mao an die Stelle Stalins treten, von dem sie glaubten, sie hätten ihn unter die Erde gebracht. Mao arbeitete rasch auf die Hegemonie hin.

Chruschtschow für seinen Teil wollte Mao Tsetung ins Glied und unter seine Führung bringen, doch hier griff die Partei der Arbeit Albaniens ein, die den Marxismus-Leninismus und die Kommunistische Partei Chinas verteidigte. In Bukarest wurde das Feuer der Polemik entfacht, die die Partei der Arbeit Albaniens auf der Beratung der 81 Parteien in Moskau <.mit Maschinengewehrsalven» fortsetzte. Mao war dafür, dieses grosse Feuer zu löschen, er war gegen die Polemik. Er wollte eine Beratung, wollte sozialdemokratische übereinfünfte, denn auch er selbst war ein Sozialdemokrat, cin Opportunist, ein Revisionist. Doch Mao konnte das Feuer nicht löschen, die Polemik nicht ersticken, und als er sah, dass er seine Hegemonie nicht errichten konnte, änderte er seine Haltung. Mao bezog irgendwie «besser» antisowjetische Positionen und traf sich hier dem Anschein nach mit uns, die wir konsequent den Chruschtschowrevisionismus bekämpften. Doch auch zu dieser Zeit hegte er Hoffnungen auf eine Annäherung an die Chruschtschowrevisionisten. Seitens der chinesischen Führer wurden Versuche dazu unternommen, doch wir widersetzten uns.

Als Chruschtschow stürzte, belebten sich Maos Hoffnungen. Er schickte Tschou nach Moskau, schlug auch uns vor hinzugehen, doch





wir weigerten uns entschieden. Das bedeutete für Mao Tsetung ein Fiasko. So wandte er sich von der Strategie des Kampfes an beiden Flanken ab und den Vereinigten Staaten von Amerika zu. Die vielen Treffen in Warschau zwischen dem chinesischen und dem amerikanischen Botschafter bereiteten Kissingers und danach auch Nixons Reise nach China vor.

Die Kulturrevolution endete wie das Hornberger Schiessen. Diese Revolution blieb auf halbem Wege stecken, oder sagen wir besser, sie festigte die persönliche Stellung Mao Tsetungs. Die linken Elemente wurden von den Rechten mit Hua Guo-feng an der Spitze ..mit einem Schlag liquidiert». So triumphierte die revisionistische Linie Maos, und nun kam der •<Dekalog» ans Licht, der den Rechten passt. In diesem «Dekalog» werden die Weltrevolution, die Diktatur des Proletariats, der Klassenkampf und die Hilfe für die Völker, die Freiheit wollen und für ihre Befreiung kämpfen, mit keinem Wort erwähnt.

Dieses Dokument ist ein Spiegel der revisionistischen Ideen Maos, der für die friedliche Koexistenz auch mit den Vereinigten Staaten von Amerika ist, obwohl sie überhaupt nicht erwähnt werden. ich überfliege dieses Dokument gerade, doch es muss gründlich analysiert werden.

Was die zickzackreichen antimarxistischen, pragmatischen, liberalen, putschistischen Ansichten Mao Tsetungs, Tschou En-lais, Deng Hsiao-pings, Hua Guo-fengs und der anderen chinesischen Revisionisten angeht, darf uns nichts wundern. Diese ihre Ideen sind alt, fünfzig Jahre alt, verwoben mit Idealismus und Mystizismus und mit rotem Lack überzogen, der in der Sonne des Marxismus-Leninismus abblättert.



Eines der Hauptziele dieses «Dekalogs» Maos ist, zwischen ihm Band Stalin, zwischen dem sozialistischen Aufbau in der Sowjetunion und der Ideologie, die den Aufbau des Sozialismus in China leitet, eine Scheidelinie zu ziehen. Mit anderen Worten, Mao Tsetung setzt der marxistischen Theorie seine Ideen entgegen, die «Maotsetungideen», wie die Chinesen diese Gedanken jetzt nennen, die angeblich «mit dem Wesen der Theorie des Marxismus-Leninismus identisch sind», in Wirklichkeit aber in Gegensatz zu ihm stehen.

Lenin sah die Tätigkeit der Antimarxisten voraus, wer immer sie auch seien, Mao, die Maoisten usw., als er 1913 in seinem Werk «Das historische Schicksal der Lehre Karl Marx'» schrieb:



«Die Dialektik der Geschichte ist derart, dass der theoretische Sieg des Marxismus seine Feinde zwingt, sich als Marxisten zu verkleiden.»* *( W. I. Lenin, Werke, Bd. 18, S. 653 (alb. Ausgabe).)



Mao Tsetung befand sich, wie dieser «Dekalog» zeigt, in vielen prinzipiellen Fragen der revolutionären Theorie und Praxis schon früh im Gegensatz zum Marxismus-Leninismus. Wie aus dem «Dekalog» hervorgeht, hat er schon zur Zeit des «Langen Marsches», schon in Yenan, antimarxistische Ansichten über die Hegemonie der Arbeiterklasse gehabt und die führende Rolle der Bauernschaft in der Revolution gepredigt. Auch heute macht Mao die sogenannte dritte Welt zum «Zentrum» und zur «Führungskraft der Revolution» und leugnet so die führende Rolle des internationalen Proletariats. Die antimarxistischen Ansichten Maos, die sich auch in diesem «Dekalog» widerspiegeln und die sich auf dem Höhepunkt des chinesischen Befreiungskampfes herauskristallisierten, versäumen es nicht nur, den Klassenkampf zu entwickeln, sie predigen sogar seine Einstellung.

Diese reaktionären und antirevolutionären Thesen Maos sind also auch im «Dekalog» von 1956 fixiert. In seinen in 4 Bänden veröffentlichten Werken sind solche offenkundig antimarxistischen und antileninistischen Thesen nicht zu finden. Wie sich zeigt, war Mao Tsetung ein Eklektiker, ein getarnter Revisionist, der die Maske fallenliess, als er sich mit den Chruschtschowrevisionisten zusammentat, um den Leninismus zu entthronen und Stalin zu attackieren. Mao Tsetung entfaltete seine pseudomarxistische Theorie im Gewand des Marxismus-Leninismus, und diese «Theorie» sollte «von nun an das Weltproletariat und die Revolution leiten». Hier liegen die Wurzeln des Betrügerischen, Größenwahnsinnigen, den Marxismusleninismus Verleumdenden der «Maotsetungideen».

Die «Maotsetungideen» führten auch die «Grosse Proletarische Kulturrevolution» an, um sie der Grossen Sozialistischen Oktoberrevolution entgegenzustellen, die für Mao, in anderen Worten, «überholt», «veraltet» war, zusammen mit der Theorie von Marx und Lenin. Die Zeiten hätten sich geändert, meinte er, deshalb müsse «der Marxismus durch eine neue Theorie ersetzt werden», die «Maotsetungideen». Dies ist die Theorie des modernen Revisionismus, die, wie die chruschtschowsche auch, die leninistische Maske wahrt. Beide Varianten des modernen Revisionismus sind eins und unteilbar, doch die Frage besteht darin, welche dominieren wird, Chruschtschows oder Maos revisionistische Variante, unabhängig davon, dass beide auf das gleiche hinauslaufen, auf den Antimarxismus. Bei dieser Rivalität geht es darum, welcher der grossen Staaten es schaffen wird, über den andern zu dominieren, welcher das Gesetz machen wird.

Beide nahmen die Verunglimpfung von Stalins genialem Werk als Ausgangspunkt auf diesem Weg. Die Chruschtschowianer gingen in ihren Verleumdungen gegen Stalin bis zum Äußersten, während Mao von dieser Diffamierung Stalins profitierte und sich das herausgriff, was er brauchte, um seine revisionistische Linie zu verhüllen, sie als marxistisch-leninistisch in den Himmel zu heben und besser zu tarnen, damit sie gegenüber den Chruschtschowianern an Boden gewännen. Mao sagte, 30 Prozent des Werks von Stalin seien falsch und 70 Prozent seien richtig. Ein grosser Meister der Waage! Er wog das Werk Stalins mit der gleichen Genauigkeit, mit der auch Tomaten auf dem Feld abgewogen werden!! .



Im ersten Punkt des «Dekalogs» von Mao Tsetung wird die antimarxistische These aufgestellt, der Leichtindustrie und der Landwirtschaft müsste Vorrang eingeräumt werden und nicht der Schwerindustrie. Diese Kossyginrevisionistische Abweichung begründet Mao Tsetung damit, dass die Investitionen in der Schwerindustrie hoch und unrentabel seien, die Bonbon- und Gummistiefelindustrie dagegen Einnahmen brächte, rentabler sei. Was die Landwirtschaft anbelangt, so produziere sie die Nahrung des Volkes.

Durch Maos antimarxistische These wird die Entwicklung der Produktivkräfte nicht vorangetrieben, sondern gebremst. Die Landwirtschaft und die Leichtindustrie können nicht rasch genug entwickelt werden, wenn die Bergbauindustrie nicht entwickelt wird, wenn kein Stahl hergestellt, kein Öl gefördert, keine Traktoren, Züge, Autos, Schiffe gebaut werden, wenn nicht die Chemieindustrie aufgebaut wird, usw. usf.

Die Entwicklung der Industrie ist nach Mao ein handwerklicher Prozess. Die Leichtindustrie, die Mao zu entwickeln vorgibt, lässt sich nicht nur mit Ziegeln, Fahrrädern, Baumwollstoffen, Thermosflaschen und Fächern aufbauen, die zwar einiges an Einnahmen bringen mögen, die die Menschen jedoch nur kaufen können, wenn sie Kaufkraft haben. 1956 war China - ein Land mit grosser Bevölkerung - wirtschaftlich rückständig, und viele Konsumartikel mussten unter dem Kostpreis verkauft werden. Der Ertrag war also nicht hoch.

Mao kritisiert in seinem «Dekalog» Stalin und die wirtschaftliche Lage in der Sowjetunion. Doch «die Sonne kann man nicht mit einem Sieb verdecken». In Wirklichkeit wurde in der Sowjetunion in den 24 oder 25 Jahren von der Revolution bis zum Zweiten Weltkrieg unter der Führung Lenins und danach Stalins dank einer richtigen Linie und Politik eine Schwerindustrie aufgebaut, die nicht nur der Binnenwirtschaft dieses ersten sozialistischen Landes einen Aufschwung gab, sondern der es auch allein zu verdanken war, dass dem Überfall der furchtbaren Maschine Hitlerdeutschlands standgehalten werden konnte. Welchen Stand hat dagegen heute, da seit 1949 schon beinahe 30 Jahre vergangen sind, Chinas Industriepotential mit Maos Wirtschaftspolitik erreicht? Es ist weit zurück! Und daran sollen die «Vier» schuld sein! Nein, die Schuld daran tragen nicht die «Vier», sondern die Linie Maos, wie seine im «Dekalog» dargelegten Ansichten beweisen.

Doch wie konnte das grosse sozialistische China ohne Schwerindustrie auskommen? Sicher, Mao glaubte, die Sowjetunion werde ihm beim Aufbau der Schwerindustrie helfen, oder er würde zu amerikanischen Krediten hinüberwechseln. Als Mao sah, dass die Sowjetunion ihm nicht «gehorchte» und ihm die ersehnte Hilfe nicht gab, begann er Stahl in Öfen zu giessen, die auf den Gehsteigen der Boulevards errichtet wurden, oder in Miniöfen für Gusseisen. China blieb zurück, China blieb ohne moderne Technologie. Zwar hatte das chinesische Volk nicht mehr unter Hunger zu leiden wie früher, doch sich wie Mao zu der Behauptung zu versteigen, der chinesische Bauer habe im Jahr 1956 besser gelebt als der sowjetische Kolchosbauer, während er tatsächlich hinter ihm zurück war, das heisst die Kollektivierung der Landwirtschaft und den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion zur Zeit Lenins und Stalins zu verunglimpfen.

Mao Tsetung sagt geringschätzig: «Was für einen Sinn hat es, von der Entwicklung der Schwerindustrie zu reden? Man muss den Lebensunterhalt der Arbeiter sichern.» Das ist, anders formuliert, Chruschtschows «Gulaschtheorie». Und als Schlussfolgerung versucht Mao in seinem «Dekalog» die Behauptung aufzustellen, sie hätten keine Fehler gemacht wie angeblich die Sowjetunion, oder genauer (doch das sagt er nicht laut), wie Lenin und Stalin. Um diese Abweichung zu verschleiern, versäumt er es jedoch nicht zu sagen, man müsse «auch die Schwerindustrie entwickeln, allerdings der Landwirtschaft und der Leichtindustrie grössere Bedeútung beimessen». Diese seine Ansicht, die auf pragmatische Weise umgesetzt wurde und dazu führte, dass China zurückblieb, bewirkte, dass es Jahrzehnte brauchen wird, bis zum Jahr 2000, um den Rückstand einigernassen aufzuholen... mit der Hilfe und den Krediten des amerikanischen Kapitals, die ihm die neue Strategie verschafft. Ganz ohne Zweifel könnte sich China auf die eigene Kraft sutzen; es hat eine riesige Menschenkraft, es verfügt ebenso über eine erhebliche Wirtschaftskraft, doch es ist infolge seiner falschen Linie zurückgeblieben.

Im zweiten Punkt des «Dekalogs» wird auch die Frage gestellt, wo die Industrie aufgebaut werden müsse, an der Küste oder im Landesinnern. Mao sagt: «Rund 70 Prozent unserer Leicht- und Schwerindustrie sind in den Küstengebieten und nur 30 Prozent im Landesinnern. Dieses Missverhältnis ist uns von der Geschichte hinterlassen worden.» Diese Industrie wurde selbstverständlich von den Ausländern aufgebaut, die dort Konzessionen hatten, die Rohstoffe aus dem Innern Chinas aufsaugten und an der Küste Sklavenarbeiter fanden. Dieser Art der Entwicklung misst Mao Bedeutung bei. Er betont, auch in Zukunft müsse weiter an der Küste gebaut werden, und macht dazu eine phantastische Rechnung auf: ein Betrieb der Leichtindustrie könne «binnen vier Jahren so viel Gewinn abwerfen, wie für den Bau von drei, zwei, einer oder doch wenigstens einer halben Fabrik gebraucht wird». Das ähnelt der Theorie des Revisionisten Koço Tashko, der auf der ersten Parteikonferenz in Labinot erklärte, wir müssten «eine Revolution mit viel Blut, mit wenig Blut oder möglichst überhaupt ohne Blut machen».

Im Zusammenhang mit dieser Frage kommt Mao zu folgender Schlussfolgerung: «Siedeln wir Industriebetriebe auch im Landesinnern an, für den Kriegsfall.»

Doch woher kommt der Krieg? Von den Vereinigten Staaten von Amerika, von Japan oder von .der Sowjetunion? Anscheinend ist Mao gleichzeitig der Meinung, der Krieg käme von überhaupt nirgendwoher, schon gar nicht vom Meer, empfiehlt er doch den Bau von Fabriken an der Küste.

Anscheinend denkt Mao nicht darüber nach, wie man den Süden und den -Südosten etwas entvölkern könnte, um den Norden und den Westen zu bevölkern.

Im dritten -Punkt des «Dekalogs» bestimmt Man Tsetung das Verhältnis zwischen dem Wirtschaftsaufbau und dem Aufbau der Verteidigung. Wenn er sagt, man müsse die Verteidigungsausgaben senken, zeigt sich klar, dass er sich auf falsche Bestimmungen stützt. Die chinesische Verteidigungskraft soll laut Mao doch tatsächlich stärker sein als die der Sowjetunion vor dem Zweiten Weltkrieg.

Chruschtschow stellte die These auf, Stalin habe die Sowjetunion schutzlos den Hitlernern ausgesetzt. Diese Verleumdung übernimmt auch Mao, der prahlt, mit den Flugzeugen und den Kanonen, über die er verfügte (und der Atombombe, die ihm Chruschtschow geben sollte), sei Chinas Verteidigung gewährleistet.

Die Tatsachen zeigen, dass China in Rückstand geriet. Dies war Folge der Unterschätzung der Schwerindustrie, des Sichtstützens auf die anderen, um die Verteidigungsfähigkeit mit einer falschen Militärstrategie zu stärken. Inzwischen hat China begonnen, seine Meinung über die Verteidigung zu ändern, gleichzeitig hat es aber auch die Bündnisse gewechselt. Es hat sich den Amerikaner n angenähter t und bei ihnen moderne Kriegstechnologie eingekauft.

In diesem Punkt des «Dekalogs» spricht sich Mao eindeutig für eroe leichte Bewaffnung aus, für die Besoldung der chinesischen Soldaten (wie in einer Söldnerarmee) und Kürzungen in der Verwaltung, ohne dass dafür irgend etwas getan worden wäre - im Gegenteil, sie ist für China zu einem Krebsgeschwür geworden. Das konnten wir feststellen, als wir 1956 dort waren und sie uns selbst sagten alle Exoffiziere Tschiang Kai-scheks werden als besoldete Beamte gehalten.

Im vierten Punkt des «Dekalogs» ist die Rede von den Beziehungen zwischen dem Staat, den Produktionseinheiten und den Produzenten. Natürlich haben wir von dieser Organisierung und dieser organisatorischen Gliederung in China weder jemals irgend etwas Frfahren, noch wissen wir, wie die Beziehen gen zwischen dem Staat, den Produktionseinheiten und den Produzenten aussehen. China kann und muss seine Besonderheiten haben, denn es hat ein grosses, von vielen Nationalitäten bewohntes und nicht in Republiken, sondern in Provinzen untergliedertes Territorium. Wir waren der Meinung, dort gebe es demokratischen Zentralismus, doch dass die Provinzen keine Kompetenzen in bezug auf die innere Verteilung in ihrem Bereich hatten und die Fabriken sich nicht selbst trugen, das konnten wir uns nicht vorstellen. Mao behauptet, in der Sowjetunion (selbstverständlich zur Zeit Stalins) habe es einen starken bürokratischen Zentralismus gegeben und, so meint er, den Sowjetrepubliken seien die Hände gebunden gewesen. Inwieweit das stimmt, wissen wir nicht, doch mindestens genauso viel Btirokratie und Zentralismus wie in der Sowjetunion, wenn nicht noch mehr, gab und gibt es heute auch in China. Doch China ist auf dem Kurs der Verunglimpfung der Sowjetunion der Zeit Stalins und geht vor wie Chruschtschow. Mao möchte zeigen, dass er ein besserer «marxistisch-leninistischer» Organisator ist, doch geht er da nicht mit dem, was er tut, den Weg der titoistischen «Selbstverwaltung»?

Im selben Punkt vergleicht Mao die Armee mit dem Staat, nennt also eine Waffe des Staates Staat und stellt sie auch über die Partei. Tatsächlich hat sowohl im alten als auch im neuen China die Armee eine entscheidende Rolle gespielt. Sie hat eine Fraktion unterst sützt und die andere liquidiert.

Den demokratischen Zentralismus und die wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Zentrum banalisiert Mao mit einem Beispiel, das so lächerlich und simpel ist, dass man sich wundert, wie dieser «grosse Theoretiker» eine politisch, ideologisch und wirtschaftlich-organisatorisch so wichtige Frage mit so viel désinvolture* *( Leichtfertigkeit (frz. im Original)) behandeln kann!?

Wo Mao von der Bauernschaft spricht, und das 1956, also nur wenige Jahre nach der Befreiung, betont und unterstreicht er, das System der Kolchosen und der Showchosen in der Sowjetunion sei bankrott, die Bauern würden dort durch die Abgaben erdrückt, erhielten für ihre Produkte zu wenig bezahlt, und er führt noch andere Missstände an, während in bezug auf China nur noch fehlt, dass er sagt, dort lebten die Bauern im Überfluss, im Glück, die Ernte sei reichlich, die Preise niedrig, die staatliche Akkumulation gering. Eine merkwürdige Analyse! Wir haben die Lage sowohl in der Sowjetunion als auch in China selbst kennergelernt, denn in jenen Jahren waren wir in beiden Ländern. Wir wissen also, dass dal, was Mao sagt, nicht der Realität entspricht.

Maos Analyse der Beziehungen zwischen Staat und Landwirtschaft, zwischen Kommune und Kommunemitgliedern, der Verteilung der Einkommen, des Problems der Investitionen, der Frage der Akkumulation und des Lebensniveaus in den Kommunen und Städten in diesem Punkt des «Dialogs» ist ganz und gar nicht marxistisch-leninistisch, gibt keine klare und objektive Widerspiegelung der Lage, sondern ist nur eine Demonstration der erlogenen «Überlegenheit» der chinesischen Landwirtschaft gegenüber der sowjetischen. Chruschtschow trat auf als «Theoretiker der Landwirtschaft», der sie aus «dem Sumpf» ziehen würde, «in den Stalin die geführt hatte». Und Mao imitiert nun diesen Kulaken und Schieben

Dieses so wichtige Problem beschliesst Mao mit Worten, die zeigen sollen, in China liefe alles gut; die Schwerindustrie setzt er an die dritte Stelle, die ürgerlichen Fabrikanten integriert er in den Sozialismus. Das gleiche predigt er für die Kulaken auf dem Land, und alles wird gemäss seiner maoistischen Theorie geregelt, die angeblich vollständig richtig, fehlerlos ist! In Wirklichkeit stehen diese Ideen Maos im Gegensatz zu den Ideen Lenins und Stalins.

Klarer kann der Gr13senwahn dieses revisionistischen «Klassikers» und seine Verungmpfung des Werks Lenins und Stalins nicht zum Ausdruck gebrecht werden.

Im Punkt fünf des Dekalogs», in dem von den Beziehungen zwischen Zentrum und Basis die Rede ist, bestimmt Mao Tsetung, wie diese Beziehungen auszusehen haben. Das hängt natürlich von den Kompetenzen ab, die das Zentrum in China der Basis übertragen hat. Das alles hat zu tun mit der territorialen Ausdehnung und Grösse diesel Landes. Hierzu legt Mao Tsetung dar, man dürfe nicht dem Beispiel der Sowjetunion folgen, alles in den länden der Zentralbehörden zu konzentrieren und dadurch die Initiative der lokalen Organe zu erdrücken, sondern müsse sich um deren selbständige Leitung bemühen. Damit unterstellt Mao, die föderierten Republiken der Sowjetunion hätten keinerlei Kompetenz gehabt. Das ist ein Bluff, eine Lüge, denn bekanntlich stellten die Sowjetrepubliken ihre eigenen Wirtschaftsentwicklungspläne, il, ihre Industrie- und Ladwirtschaftspläne usw. auf, natürlich in enger Verbindung mit den Zentrum. Wenn man also behauptet, die Republiken der Sowjetunion hätten nicht, wie das bei den Prov1nzen Chinas der Fall sein mag, ihre eigenen Kompetenzen gehabt, dann heisst dal, den Sozideismus zu verunglimpfen, der dort zur Zeit Stalins aufgebaut wurde, dann bedeutet dal, dass man zu erzählen versucht, Organisation, Leitung, Ideologie und Politik in China seien auf einem höheren Stand als in der Sowjetunion, die leninistische Praxis des ökonomischen Aufbaus des Sozialismus in der Sowjetunion sei (Maos Meinung) nicht richtig, weil diese leninistische Praxis von Stalin entstellt worden sei! Doch wir wissen, dass Stalin getreulich die ökonomiscle, organisatorische und ideologische Politik Lenins angewandt hat ass im Verlauf dieser ganzen kolossalen Arbeit auch Fehler vorjekommen sind, ist nicht auszuschliessen. Mao Tsetung selbst sagt, lass auc