Vor 25 Jahren:

Der Brief, den Genosse Enver Hoxha am 30. Juli 1978 an den Genossen Hysni Kapo – Politbüromitglied der PAA – geschickt hatte

Vorbemerkung:

Da sich Genosse Hysni Kapo damals gerade von den Folgen eines Herzinfarkts erholte, konnte er nicht an der Sitzung des Zentralkomitees der PAA teilnehmen, auf der die Antwort der Partei der Arbeit Albaniens und der Regierung der SVR Albanien an die Kommunistische Partei und die Regierung Chinas bezüglich der Einstellung der Kredite an die SVR Albanien und aller Wirtschaftsbeziehungen zu unserem Land angenommen wurde, was von der Komintern/ML auf dieser homepage als historisches Dokument in deutscher und englischer Sprache nochmals veröffentlicht wurde.

Der Brief des Genossen Enver Hoxha war die Antwort auf einen Brief, den Genosse Hysni Kapo dem Politbüro des Zentralkomitees der PAA und dem Genossen Enver Hoxha zugesandt hatte. In diesem Brief hatte er die anti-marxistische und albanienfeindliche Tätigkeit der chinesischen Führung verurteilt und seine volle Solidarität mit der richtigen Haltung der Partei der Arbeit und der albanischen Regierung zum Ausdruck gebracht. Im Brief des Genossen Enver Hoxha werden die Politik der chinesischen Führung sowie viele der damaligen Ereignisse in China unter die Lupe genommen. “Zëri i Popullit” beschloss, diesen Brief zu veröffentlichen, um die tatsächlichen politischen und ideologischen Hintergründe der in der zweiten Novemberhälfte bis in die ersten Januartage 1981 in Peking stattgefundenen Gerichtsfarce gegen die sogenannte “Viererbande” und die Gruppe hoher Militärführer aus der Zeit der Kulturrevolution aufzuzeigen.

Genosse Hysni Kapo verstarb im September 1979 nach schwerer Krankheit. Der Brief des Genossen Enver Hoxha, der am 4. Dezember 1980 erstmals in der Presse veröffentlicht wurde, war im Museumshaus “Hysni Kapo” in Genossen Hysni Kapos Geburtsdorf Tërbaç (Bezirk Vlora) ausgestellt.

Diese Veröffentlichung des Briefes in deutscher Übrsetzung wurde entnommen der Zeitschrift: “Albanien heute” Nr. 1 / 1981 (Seite44 – 47)



Lieber Genosse Hysni,

der Brief, den du mir geschickt hast, und in dem du mir schreibst, dass es dir besser geht, dass du schon im Garten und im Park des Palastes spazierengehst und dass du morgen nach Durrës an den Strand fahren wirst, hat mich sehr gefreut.

Es ist klar, mit Geduld und Willensstärke lässt sich nach und nach alles überwinden, alles erreichen.

So hätten wir jetzt auch alle Sorge hinter uns, die deine Krankheit sowohl dir als auch uns, deinen Genossen und der ganzen Partei bereitete. Du wirst voll Gesundheit und Lebenskraft wieder in die Partei und ihre Führung zurückkehren, die deine Arbeit, dein Denken und deine Führung stets sehr gebraucht haben und weiter brauchen.

Die Chinesen erhielten die Antwort, die sie verdienten. Unsere Partei und ihre Führung handelten sehr richtig auf marxistisch-leninistischem Weg. Sie entlarvten an hand von Tatsachen einen weiteren großen Feind, den chinesischen Revisionismus, der sich so lange hinter der Maske des Marxismus-Leninismus verborgen hielt ...

Die Kommunistische Partei Chinas und besonders Mao Tse-tung, der ein idealistischer Träumer und Schwärmer war, ohne Allgemeinbildung (außer über das chinesische Altertum), haben den Verlauf der Geschichte der Menschheit als fremdenfeindliche Dilettanten verfolgt. Ihre ideologischen, politischen und organisatorischen Prinzipien, besonders seit der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas, sind betont pragmatisch, liegen allein im Interesse Chinas, mit dem offensichtlichen Ziel, das “ewige” China in eine Supermacht zu verwandeln, die die Welt beherrscht, das Gesetz diktiert, die eigene Kultur und den eigenen Willen aufzwingt.

In den Analysen, die wir an ihren Handlungen vorgenommen haben, stießen wir auf diese chinesische Ideologie, sahen und sehen wir, dass ihre Organisationsformen und Handlungsmuster direkt auf diese Ideologie konzentriert sind, die sie “universal” machen wollen.

Die Gestalt von Mao Tse-tung ist zur göttlichen Gestalt eines chinesischen Kaisers aufgeblasen worden. Und tatsächlich agierte dieser moderne Kaiser allmächtig über seine Höflinge, die eine umfangreiche und schreckliche Bürokratie geschaffen haben, in der die “genialen Ideen” des “großen Steuermanns” verwirklicht werden. Er ist der Kommunistischen Partei Chinas auf den Nacken gestiegen und lässt, so oft er Lust hat und so oft er es als vernünftig “erachtet”, je nach der “dialektischen” Entwicklung der “Gegensätze”, vom Blickwinkel des Taoismus gesehen, Menschen von der Macht stürzen, greift die Partei an und liquidiert sie, macht irgendeine “Revolution” und balanciert die Macht der Höflinge aus. Das alles erklärt er mit angeblich revolutionären Formeln, die aber nichts anderes als “kultiviertere” Handlungen als die des Kaisers Bokkassa, des Schah des Iran oder des Königs von Nepal sind, die Mao Tse-tung sehr mochte, die er empfing und begleitete, nicht nur, weil ihn materielle Interessen, die Hoffnung auf politische Vorteile dazu trieben, sie nämlich zu chinesischen Satelliten zu machen, sondern auch, weil sich Maos Philosophie vollkommen mit der ihrigen deckte.

Die Kommunistische Partei Chinas konnte unter diesen Bedingungen und bei diesen Vorstellungen keine marxistisch-leninistische Partei sein. Die Philosophie, von der sie sich leiten ließ, war idealistisch, bürgerlich-rückschrittlich, denn China selbst, die Gesellschaft dort, blieb trotz der bürgerlich-demokratischen Revolution eine abgeschlossene Gesellschaft, mit altem Glauben und veralteten Mentalitäten, beherrscht vom Mystizismus und von im Kern archaischen, wenn auch dem Anschein nach entwickelten philosophischen und staatsorganisatorischen Prinzipien. Das sehen wir beim Aufbau und in der Form des Staates, das sehen wir in der wirtschaftlichen Entwicklung, beim Aufbau des Bildungs- und Kultursystems, in der Organisierung der Armee usw. Alles trägt den spezifisch chinesischen Stempel, angefangen von der Ideologie über die Literatur bis hin zu den Parolen.

Die Losungen stammten aus einer Quelle, und jeder Mensch in China, vom kleinsten bis zum größten, musste sie wiederholen, ohne auch nur einen Millimeter davon abzuweichen. Das war ein Kampf zum Einschläfern des schöpferischen Denkens, das unterdrückte jede Form von Demokratie, das war nichts anderes als der Kult des “Steuermanns” und die Herrschaft der Bürokratie. Eine solche aberrante Philosophie musste in bestimmten Momenten Niederlagen erleiden und erlitt sie auch. Mao Tse-tung predigte diese als alle sieben Jahre wiederkehrende “Revolutionen und Konterrevolutionen”.

Mao Tse-tung darf man nicht als “Prophet” der Revolutionen, man muss ihn als “Prophet der Konterrevolutionen” bezeichnen. Er vertrat den Typ eines Anarchisten, dem Konfusion, Chaos, das Unterhöhlen der Diktatur des Proletariats und des Sozialismus im Blut lagen, aber unter den Bedingungen, dass diese permanente Anarchie von ihm oder seiner typisch chinesischen anarchistischen Ideologie geleitet wird. Mao Tse-tung ist ein chinesischer Bakunin. Die Kulturrevolution war ein Ausdruck der Ideen und Handlungen dieses chinesischen Bakunin.

Das in China infolge der anti-marxistischen, verräterischen Linie Mao Tse-tungs und seiner Höflinge enstandene Chaos, ein Chaos voller Niederlagen in der Politik, Ideologie und in der Wirtschaft, wurde vom “großen Steuermann” durch die Anarchie der Kulturrevolution bekämpft.

Diese anarchische Revolution rettete zwar die maoistische Selbstherrschaft, brachte aber auch das Risiko mit sich, diese zu unterminieren. Das “Prestige” des “Steuermanns” musste gerettet werden, die Anarchie durfte nicht die Mythen umstürzen, daher wurden militärische Maßnahmen getroffen. Das Wesen der Bürokratie mit dem Höfling Tschou En-lai-Konfuzius wurde bewahrt und es wurden angeblich “junge”, “revolutionäre” Elemente in die Szene der Agitation und Propaganda gesetzt, denen der “Steuermann” die Rolle zudachte, die Anarchie als “Revolution in der Revolution” auszumalen, durch die angeblich die Bourgeoisie beseitigt werden sollte, die in die Partei eingedrungen war. Doch faktisch gab es keine Partei, sondern überall war die Bourgeoisie, gab es Clans und Fraktionen, die um die Macht kämpften. Das war die trotzkistische “permanente Revolution”, geleitet vom Mao Tsetung-Trotzki.

Die sogenannte “Viererbande” handelte so, wie Mao es ihr riet. In ihm fanden sie eine Stütze, deshalb lebten sie solange wie eine Sommerblume, nur dass diese “Blume” stinkend und giftig war, wie alle anderen “Blumen und Schulen”, die in China blühten und blühen.

Die “Viererbande” war eine Gruppe von prinzipienlosen, größenwahnsinnigen, ehrgeizigen, intriganten Schwätzern, genau wie die anderen Fraktionen der Bourgeoisie, die im Sumpf schwammen. Diese Letzteren aber hatten den “Sumpf” in der Hand, die “Viererbande” aber nur die “Schlüssel zum Heuschober”, sie unternahm nicht die geringste organisatorische, staatliche oder wirtschaftliche Tätigkeit. Sie schrieben nur Artikel und organisierten Balettaufführungen. Sie waren verdächtige Personen wie auch alle anderen.. Sie schwebten wie Maos Gedanken, während die Fraktion von Tschou, Deng und Ye systematisch daran arbeitete, die Macht zu übernehmen.

Die “Viererbande” dachte, sie würde durch bombastische Worte die Millionen unter “Maos Fahne” hochreißen. Doch der vorübergehend “gestürzte” Deng konnte auf dem Tien-An-Men-Platz eine Millionen zusammenscharen, die gegen die Viererbande schrien. Später mobilisierte die Viererbande eine Million gegen Deng. Das waren dieselben, die sowohl für den einen als auch für den anderen schrien. Deng kam an die Macht, eine Million traten auf und schrien für Deng, das waren dieselben Menschen, die vorher gegen ihn geschrien hatten. Das ist der bittere und finstere “Spiegel” der Mao Tse-tungideen.

Die bürgerliche Welt bezeichnet die Viererbande als radikal. Wenn sie wollen, können sie auch noch die Bezeichnung “sozialistisch” hinzufügen und sie “radikal-sozialistisch” nennen. Die Vier waren aber weder radikal noch sozialistisch. Früher gab es in Frankreich einmal eine starke bürgerliche Partei, die sich radikal-sozialistisch nannte, und die von der Bourgeoisie geführt wurde, von hervorragenden Politikern und Literaten wie Herriot, Daladier und anderen. Diese Partei aber, die eine totale Niederlage erlitt, ließ einige Spuren zurück, die “radikalen” Vier verschwanden dagegen spurlos, genauso wie die Mao Tsetungideen starben bzw. im Sterben liegen.

Die schwarze Reaktion Hua Guo-fengs und Deng Hsiao-pings, die die Macht an sich gerissen hat, wird einen Machtkampf führen, um einen brutalen Staat der faschistischen Diktatur zu errichten. Man wird um die Welthegemonie kämpfen. Die von ihnen verfolgte Strategie ist nur logisch. Die Bündnisse mit dem amerikanischen Imperialismus und der Weltreaktion sind logisch und normal. Genauso normal sind die Antagonismen und der Ausbruch räuberischer Kriege, die sich aus diesen Umarmungen zwischen Banditen ergeben werden.

Die Analysen, die wir über die chinesischen Revisionisten durchführen, sind im Allgemeinen richtig, objektiv, im Licht des Marxismus-Leninismus.

Der Maoismus als anti-marxistische Theorie liegt im Sterben. Er wird dasselbe Schicksal erleiden wie die anderen vom Weltkapitalismus, von dem in Fäulnis begriffenen Imperialismus erfundenen Theorien.

Die gegenwärtig in China herrschende Mannschaft und die anderen, die infolge des internen Fraktionskampfes um die Macht bestimmt noch kommen werden, werden sich des Maoismus bedienen, allerdings als eines anti-historischen Leichnams, um skrupellos, schamlos einen mächtigen imperialistischen chinesischen Staat aufzubauen, in Einheit bzw. in Divergenz mit den anderen Imperialisten und durch Unterdrückung der Völker, die nach Befreiung, Unabhängigkeit und Sozialismus streben und dafür kämpfen.

Den chinesischen Revisionisten sind dabei alle noch so üblen Mittel recht, so wie sie auch ihren amerikanischen, sowjetischen und sonstigen imperialistischen Freunden recht sind.

Unser gerechter Kampf wird lang und schwierig sein, wir müssen dabei die Partei stark erhalten, in kämpferischer revolutionärer Einheit, wir müssen sie stündlich und täglich in den ständigen politischen, ideologischen und wirtschaftlichen Kämpfen stählen, ihre Wachsamkeit aufs Äußerste schärfen, damit sie vom Volk geliebt wird und mit ihm wie Fleisch und Knochen verbunden bleibt, durch eine proletarische Demokratie, fern jeder Art von Opportunismus, Sektierertum und krankem, verheerendem Bürokratismus. Die korrekte marxistisch-leninistische Linie unserer Partei wird nicht nur heute, sondern auch in Zukunft von den revolutionären Marxisten-Leninisten in der Welt unterstützt werden, sie wird unterstützt werden vom Weltproletariat und von den Völkern. Das tägliche, kampferfüllte Leben unserer Partei bestätigt dies.

Die faschistisch-revisionistischen chinesischen Cliquen werden nichts unversucht lassen, das chinesische Volk durch Propaganda und durch andere Mittel gegen uns aufzubringen, die Weltöffentlichkeit zu täuschen. Sie werden aber “nicht alle auf einmal täuschen können”.

Furchtbare Wogen sind über das chinesische Volk hereingebrochen und werden es noch weiter tun, aber der Tag wird kommen, an dem auch dort die Theorie von Marx, Engels, Lenin und Stalin triumphieren wird. Die heutigen und zukünftigen Generationen Chinas werden dies verstehen und sagen: “Die Partei der Arbeit Albaniens hat uns die Augen geöffnet, sie hat richtig gehandelt, sie entlarvte die Mao Tse-tungideen, denn sie war für die proletarische Revolution in China, sie wollte die verheerenden Mythen vertreiben, die man in China geschaffen hatte und die das Glück dieses großen Volkes behinderten, das im wahren Sozialismus zu leben wünscht.”

Unser siegreicher Kampf geht weiter, lieber Genosse Hysni, darum erhole dich gut, verlebe einen angenehmen, ruhigen Urlaub, damit wir uns in den Schlachten, die uns bevorstehen, immer stärker – so stark wie Stahl – fühlen.

Ich umarme und küsse dich voll Sehnsucht.

Enver

Pogradec

30. Juli 1978