DEUTSCH


 

 

1914 - FRANKREICH

 

2014 - GAZA

 

 

100 JAHRE

1914 - 1918

[ 1. August 1914 - 1. August 2014 ]

 

Vor 100 Jahren Beginn des 1. Weltkrieges

 

 

Stellungnahme der

Komintern (SH)

zum 100. Jahrestag

Ausbruch

des Ersten Weltkriegs

vom 1. August 2014

 

Der 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs stellt sich für das Weltproletariat wie folgt dar:

Entweder wir opfern erneut alle Zivilisation ihrem Untergang

oder

wir werfen das kapitalistische Joch ab, stürzen die Herrschaft der Weltbourgeoisie durch die sozialistische Weltrevolution, bauen den Weltsozialismus auf und schaffen einen dauerhaften Weltfrieden !

 

100 Jahre sind seit dem Beginn des Ersten Weltkrieges (1914-1918) vergangen. Für uns Stalinisten-Hoxhaisten und für alleProletarier der Welt, für alle Werktätigen, ausgebeuteten und unterdrückten Klassen, ist dieses Ereignisse zweifellosaußerordentlich lehrreich. Wir müssen die bürgerlich-revisionistische Medien entlarven, die hierüber die Ideologie des Pazifismus verbreiten. Pazifismus ebnet stets den Weg zu neuen imperialistischen Kriegen. Es ist schließlich immer noch die gleiche herrschenden Klasse, die damals den Ersten Weltkrieg angezettelt hat, die außerdem die Schuld für den Zweiten Weltkrieg trägt, und die bis auf den heutigen Tag (mit der Bombardierung der palästinensischen Bevölkerung des GAZA) ununterbrochen hunderte blutiger imperialistischer Raubkriege geführt hat - die WELTBOURGEOISIE !

Es ist notwendig, den Klassencharakter des imperialistischen Krieges und die daraus folgende Notwendigkeit der proletarischen Weltrevolution aufzuzeigen - als das äußerste Mittel des weltproletarischen Klassenkampfes gegen den imperialistischen Krieg.

Der Erste Weltkrieg wurde zuerst als "Großer Krieg" bezeichnet (insbesondere von den Siegermächten). 25 Jahre später entfesselte der Weltimperialismus den zweiten großen militärischen Konflikt von noch größeren Ausmaßen. Der Erste Weltkrieg war ein imperialistischer Raubkrieg. Er war Ausdruck des Ausbruchs der zwischen-imperialistischen Rivalitäten und Gegensätzen. Genosse Stalin wies in einem Interview auf Folgendes hin:

"Sie erinnern sich, wie der Erste Weltkrieg entstanden ist. Er entstand aus dem Verlangen, die Welt neu aufzuteilen. Das ist auch heute der Fall (...) Einige kapitalistische Staaten waren der Ansicht, dass sie bei der voraus gegangenen Verteilung der Einflusssphären, Territorien, Rohstoffquellen, Märkte, etc., benachteiligt worden seien . Sie drängten daher auf eine Neuverteilung der Welt zu ihren Gunsten. In seiner imperialistischen Phase ist der Kapitalismus ein System, das Krieg als legitimes Mittel zur Beilegung von internationalen Streitigkeiten betrachtet, als eine legitimes Mittel, welches verfassungsmäßig nicht verankert ist" (Stalin, Interview mit Roy Howard, 1936, Ausgabe in englischer Sprache).

Der Erste Weltkrieg konzentrierte sich vor allem auf den europäischen Kontinent und veränderte dort grundlegend die politische Landkarte: vier reaktionäre Großreiche brachen zusammen, welche die Welt für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte geprägt hatten: das österreichisch-ungarische Kaiserreich, das zaristische Russland, das Deutsche Reich (nach der Vereinigung von Deutschland im Jahre 1871), und das Osmanische Reich.

Mit dem Ersten Weltkrieg zerbrach das schwächste Glied der imperialistischen Weltkette - das zaristische Russland.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution in Russland wurde angeführt von der bolschewistischen Partei Lenins und Stalins. Dies war ein Ereignis, das für immer die Geschichte der Menschheit veränderte. Lenin und Stalin schufen den ersten sozialistischen Staat in der Welt, einen Staat der Diktatur des Proletariats. Dies war der erste große Schritt zur Beseitigung der Klassengesellschaft auf der ganzen Welt und damit der Beseitigung von Kriegen, Krisen, Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung.

Der Erste Weltkrieg war eine einzige zermürbende Vernichtungsschlacht, die mehr als vier Jahre dauerte. Schätzungen zufolge beziffert sich die Gesamtzahl der Todesopfer auf etwa 20 Millionen Menschen (!) Die Krieg führenden imperialistischen Mächte waren fast alle europäisch, also die so genannten "zivilisierten westlichen Nationen" wie England, Frankreich, das zaristische Russland (und später die USA) auf der einen Seite - und Deutschland, Österreich-Ungarn und das Osmanische Reichauf der anderen Seite.

Die Vorkriegszeit war geprägt von der Herausbildung des monopolistischen Kapitalismus, des Imperialismus. Imperialismus bedeutet Krieg. Und somit war die Vorkriegszeit ausgefüllt mit einer enormen Aufrüstung von grausamsten Massenvernichtungswaffen, die verheerende Folgen für die Völker haben sollte, insbesondere für die Arbeiter und Werktätigen.

Imperialismus bedeutet Einsatz von Massenvernichtungswaffen durch eine bisher nie da gewesene Kriegsmaschinerie. Seitdem die Weltbourgeoisie die Welt beherrscht, ist sie für ihre Profite über Leichen gegangen, nicht nur in Europa des frühen 20. Jahrhunderts, sondern in der Mitte des 20. Jahrhunderts auch auf der ganzen Welt. Die Opfer sind vor Allem die ausgebeuteten und unterdrückten Klassen auf der ganzen Welt. Daran hat sich bis heute nichts geändert und wird sich auch in Zukunft nichts ändern, solange die Herrschaft der Bourgeoisie nicht gestürzt und ihr imperialistisches Weltsystem nicht vernichtet ist.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Arbeiterbewegung. So verwandelte sich der Opportunismus durch den Ersten Weltkrieg in Sozialchauvinismus - die Legitimation dafür, dass sich die Arbeiter gegenseitig abschlachten. Mit dem Ersten Weltkrieg brach somit die Zweiten Internationale zusammen. Und es kam zum Kampf gegen das Kautskyanertum, gegen Zentrismus und Versöhnlertum, zum Kampf gegen die so genannte "2 und ½ Internationale". Dieser Kampf endete mit dem Sieg der Bolschewiki, mit dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution im Jahre 1917. Die Abfolge all dieser Kämpfe und Ereignisse war kein Zufall. Sie war Ausdruck des wichtigsten Merkmals der historischen Epoche des Imperialismus - nämlich der sozialistischen Weltrevolution.

"Der Leninismus ist der Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution" (Stalin)

Genossen Lenin hatte insbesondere den Imperialismus analysiert als einen Prozess der Aufteilung der Welt "unter den größten kapitalistischen Trusts". Und die ökonomische Neuaufteilung der Welt ist das Schlüsselelement zum Verständnis der ganzen Tragödie des Ersten Weltkriegs. Genosse Lenin definiert Imperialismus mit dem Monopol, das aus der Konzentration der Weltproduktion entstand, das zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen führte, dass aus den Banken erwuchs und aus der Kolonialpolitik. Die militärische Neuverteilung der Unterwerfung kleiner oder schwacher Nationen durch reiche und mächtige Nationen, das vor Allem kennzeichnet den imperialistischen Krieg.

Es war Lenin, der durch seine tiefen wissenschaftlichen Analysen erklären konnten, auf welchen Grundlagen der Erste Weltkrieg entstand, und was diese "größte Barbarei der Zivilisation" hervorgerufen hatte. Es waren die Bolschewiki und die klassenbewusstesten Elemente der Arbeiterbewegung, die dies begriffen und revolutionär umsetzten. Lenin deckte die wahren Hintergründe der Erscheinungen seiner Epoche auf. Er wendete die Lehren des Marxismus konkret auf die Wirklichkeit an und erklärte, dass die Jahre zwischen 1914 und 1918 nicht "schicksalhaft" über die Menschheit hereinbrach , sondern dass der Marsch der europäischen Mächte in Richtung Weltkrieg unvermeidlich und unausweichlich war. Die Zweite Internationale ( als sie noch nicht vollständig unter der Herrschaft der Opportunisten stand) war sich schon lange vorher über die Notwendigkeit des Kampfes gegen die drohende Kriegsgefahr bewusst. So verabschiedete der Baseler Kongress im Jahre 1912 die Baseler Resolution, in der der drohende Krieg unbedingt mit der proletarischen Revolution beantwortet werden sollte. Aber für die Mehrheit der Zweiten Internationale blieb dies nur ein Stück Papier.

Bereits während des Krieges (1916) schrieb Genosse Lenin sein klassisches Werk "Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus".

Für Lenin war der Krieg untrennbar mit dem Kapitalismus in seiner imperialistischen Phase verbunden. Lenin schrieb, was heute noch hoch aktuell ist:

“Der Imperialismus stellt die erst im 20. Jahrhundert erreichte höchste Entwicklungsstufe des Kapitalismus dar. Dem Kapitalismus ist es zu eng geworden in den alten Nationalstaaten, ohne deren Bildung er den Feudalismus nicht stürzen konnte. Der Kapitalismus hat die Konzentration bis zu einem solchen Grade entwickelt, daß ganze Industriezweige von Syndikaten, Trusts, Verbänden kapitalistischer Milliardäre in Besitz genommen sind und daß nahezu: der ganze Erdball unter diese „Kapitalgewaltigen” aufgeteilt ist, sei es in der Form von Kolonien, sei es durch die Umstrickung fremder Länder mit den tausendfachen Fäden finanzieller Ausbeutung. Der Freihandel und die freie Konkurrenz sind ersetzt durch das Streben nach Monopolen, nach Eroberung von Gebieten für Kapitalanlagen, als Rohstoffquellen usw. Aus einem Befreier der Nationen, der er in der Zeit des Ringens mit dem Feudalismus war, ist der Kapitalismus in der imperialistischen Epoche zum größten Unterdrücker der Nationen geworden. Früher fortschrittlich, ist der Kapitalismus jetzt reaktionär geworden, er hat die Produktivkräfte so weit entwickelt daß der Menschheit entweder der Übergang zum Sozialismus oder aber ein jahre-, ja sogar jahrzehntelanger bewaffneter Kampf der „Groß”mächte uni die künstliche Aufrechterhaltung des Kapitalismus mittels der Kolonien, Monopole, Privilegien und jeder Art von nationaler Unterdrückung bevorsteht.” (Lenin, Sozialism und Krieg, 1915, "Der gegenwärtige Krieg ist ein imperialistischer Krieg")

Lenin lenkte die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass dieser Expansionstrend zwangsläufig zu Konflikten zwischen den imperialistischen Mächten führt, vor allem weil die

"Ungleichheit der kapitalistischen Entwicklung in den verschiedenen Ländern ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus ist."

Diese Situation traf auch auf Deutschland zu. Es kam sehr spät zur nationalen Einheit, zur Industrialisierung und zur Kolonialpolitik. Allerdings entwickelte sich Deutschland in wirtschaftlicher Hinsicht viel schneller zum Imperialismus als die anderen europäischen Großmächte und forderte einen "ebenbürtigen Platz" unter den imperialistischen Großmächten. Aber die Kolonien waren größtenteils schon verteilt. Dabei liegt das Wesen der imperialistischen Kriege eben in der Tatsache, dass die Welt bereits vollständig unter imperialistischen Großmächte aufgeteilt ist. Natürlich wurden die kolonialen Ansprüche der deutschen imperialistischen Bourgeoisie von den alten imperialistischen Mächten verweigert, vor allem von Großbritannien und Frankreich. Aus der Unvermeidlichkeit der Neuaufteilung der Welt resultiert die Unvermeidlichkeit imperialistischer Kriege.

Bezüglich der damals aufkommenden Idee von den "Vereinigten Staaten Europas" schrieb Lenin:

Vereinigte Staaten von Europa sind unter kapitalistischen Verhältnissen gleichbedeutend mit Übereinkommen über die Teilung der Kolonien. Unter kapitalistischen Verhältnissen ist jedoch jede andere Basis, jedes andere Prinzip der Teilung als das der Macht unmöglich. Der Milliardär kann das "Nationaleinkommen" eines kapitalistischen Landes mit jemand anderem nur in einer bestimmten Proportion teilen: "entsprechend dem Kapital" (überdies noch mit einem Zuschlag, damit das größte Kapital mehr bekommt als ihm zusteht). Kapitalismus bedeutet Privateigentum an den Produktionsmitteln und Anarchie der Produktion. Auf solcher Basis eine "gerechte" Verteilung des Einkommens zu predigen ist Proudhonismus, ist kleinbürgerlicher, philiströser Stumpfsinn.

Es kann nicht anders geteilt werden als "entsprechend der Macht". Die Machtverhältnisse ändern sich aber mit dem Gang der ökonomischen Entwicklung. Nach 1871 erstarkte Deutschland etwa drei- bis viermal so rasch wie England und Frankreich, Japan annähernd zehnmal so rasch wie Rußland. Um die tatsächliche Macht eines kapitalistischen Staates zu prüfen, gibt es kein anderes Mittel und kann es kein anderes Mittel geben als den Krieg. Der Krieg steht in keinem Widerspruch zu den Grundlagen des Privateigentums, er stellt vielmehr eine direkte und unvermeidliche Entwicklung dieser Grundlagen dar. Unter dem Kapitalismus ist ein gleichmäßiges Wachstum in der ökonomischen Entwicklung einzelner Wirtschaften und einzelner Staaten unmöglich. Unter dem Kapitalismus gibt es keine anderen Mittel, das gestörte Gleichgewicht von Zeit zu Zeit wieder herzustellen, als Krisen in der Industrie und Kriege in der Politik.

(Lenin, Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa, 1915)
Dies waren die Gründe, die hauptäschlich zum Ersten Weltkrieg führten. Dabei ist die Rechtfertigung für imperialistische Kriege heute genauso scheinheilig und verlogen wir damals. Lenin schrieb:

"Das verbreitetste Mittel der Bourgeoisie, das Volk im gegenwärtigen Krieg zu betrügen, ist die Verschleierung der räuberischen Kriegsziele durch die Ideologie der „Völkerbefreiung”. Die Engländer versprechen Belgien, die Deutschen Polen die Befreiung usw. In Wirklichkeit wird dieser Krieg, wie wir gesehen haben, von den Unterdrückern der Mehrzahl der Nationen der Welt geführt, um diese Unterdrückung zu festigen und zu erweitern." (Lenin: Sozialismus und Krieg, 1915, "Vom Selbstbestimmungsrecht der Nationen")

Mit anderen Worten, der Erste Weltkrieg war ein Streit zwischen zwei Gruppen von imperialistischen Banditen, und zwar darüber, wer von ihnen mehr "Recht" auf Gewinnmaximierung hat.
Trotz der klaren Opposition der Arbeiter in Europa gegen den Krieg und trotz der mächtigen Massenbewegung, wie die Millionen von Mitgliedern zählenden Gewerkschaften (vor allem in großen Industrie-Konzentrationen (wo für die Kriegsführung produziert wurde), offenbarte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges die hässliche Fratze der reformistischen und opportunistisch-sozialchauvinistischen Verräter. In den meisten Ländern stellten sich die sozialdemokratischen Parteien auf die Seite ihrer bürgerlich-kapitalistisch-imperialistischen Regierungen und stimmten den Kriegskrediten zu.

Lenin schrieb:

“Sozialisten aller Länder erklärten im Jahre 1912 zu Basel feierlich, daß sie den kommenden europäischen Krieg als das verbrecherische und erzreaktionäre Werk sämtlicher Regierungen ansehen, das den Zusammenbruch des Kapitalismus beschleunigen müsse, da es unweigerlich die Revolution gegen ihn auf den Plan rufe. Der Krieg kam, die Krise brach aus. An Stelle der revolutionären Taktik schlug die Mehrheit der sozialdemokratischen Parteien eine reaktionäre Taktik ein und stellte sich auf die Seite der eigenen Regierungen und der eigenen Bourgeoisie. Dieser Verrat am Sozialismus bedeutet den Zusammenbruch der II. Internationale (1889-1914) (Lenin, Sozialismus und Krieg, 1915, "Der Zusammenbruch der Zweiten Internationale").

Dieser Verrat wurde von ein paar Parteien (vor allem von der russischen sozialdemokratischen Arbeiter-Partei des Genossen Lenin) und von einigen radikalen linken Minderheiten in den großen sozialdemokratischen Parteien (wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in der deutschen Sozialdemokratischen Partei, die die Kriegskredite abgelehnten und dies mit Freiheitsstrafe für ihren mutigen Anti-Kriegs-Kampf bezahlten ). Aber aus diesem Kampf gegen den imperialistischen Krieg, und unter dem großen Einfluss der Oktoberrevolution von 1917, entstand die internationale kommunistische Bewegung, die sich in der Gründung der Komintern manifestierte. Lenin analysierte die Ursachen dieser Entwicklung wie folgt:

"Während der ganzen Epoche der II. Internationale spielte sich überall in den sozialdemokratischen Parteien ein Kampf zwischen den, revolutionären und dem opportunistischen Flügel ab. In einer Reihe von Ländern kam es darüber zur Spaltung (England, Italien, Holland, Bulgarien). Kein einziger Marxist zweifelte daran, daß der Opportunismus Ausdruck einer bürgerlichen Politik in der Arbeiterbewegung ist, daß er den Interessen des Kleinbürgertums und dem Bündnis einer geringfügigen Minderheit von verbürgerten Arbeitern mit „ihrer” Bourgeoisie entspricht einem Bündnis, das sich gegen die Interessen der Masse der Proletarier, der Masse der Unterdrückten richtet.

Die objektiven Verhältnisse am Ende des 19. Jahrhunderts brachten dem Opportunismus einen besonderen Kraftzuwachs dadurch, daß sie die Ausnutzung der bürgerlichen Legalität in einen Kniefall vor ihr verwandelten, daß sie eine schmale Schicht von Bürokraten und Aristokraten der Arbeiterklasse entstehen und viele kleinbürgerliche „Mitläufer” in die Reihen der sozialdemokratischen Parteien eindringen ließen.

Der Krieg beschleunigte die Entwicklung, indem er den Opportunismus zum Sozialchauvinismus, das geheime Bündnis der Opportunisten mit der Bourgeoisie zu einem offenen machte. Dazu kam noch, daß die Militärbehörden überall den Belagerungszustand verhängten und der Masse der Arbeiter einen Maulkorb anlegten, während die alten Arbeiterführer fast vollzählig ins Lager der Bourgeoisie überliefen." (Lenin: Sozialismus und Krieg, 1915, "Sozialchauvinismus ist vollendeter Opportunismus").

Die einzig revolutionäre Haltung nahmen die Bolschewiki gegen den Krieg ein. Sie kämpften im eigenen Land für den revolutionären Sturz des feudalistisch-imperialistischen Zarismus und sprengten damit das schwächste Glied der Kette des imperialistischen Weltsystems. Lenin bewies, dass durch das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung des Kapitalismus der imperialistische Krieg unvermeidlich die Stärke des Imperialismus untergräbt, und es daher möglich macht, die Front des Imperialismus an ihrem schwächsten Punkt zu durchbrechen. Nach dem Sturz des Zarismus in der Februar-Revolution von 1917 wurde dann die bürgerliche Regierung gestürzt. Die Geschichte hat den Bolschewiki Recht gegeben. Das Festhalten an der revolutionäre Perspektive als Hauptziel war kein Abenteurer, sondern entsprach der korrekten Bewertung der Kriegssituation außerhalb und innerhalb der Krieg führenden Länder. Aus dieser Krise, aus den großen Kriegsopfern und der allgemeinen Kriegserschöpfung , aus den Zerstörungen des Krieges ging der unbändige Unmut und Wille der Massen hervor, dem Krieg mit äußersten Mitteln ein rasches Ende zu bereiten. Darauf stützten die Bolschewiki erfolgreich ihre gnaze Friedenspolitik. Der Sieg der Oktoberrevolution von 1917 bestätigt die Richtigkeit dieser Ausrichtung und Auswertung der Kräfteverhältnisse der Kriegsgegner. Daraus entwickelte sich unausweichlich der Wille der Werktätigen zum Wiederaufbau, zum Aufbau des ersten sozialistischen Staates in der Menschheitsgeschichte.

Aber die revolutionäre Saat zur Herbeiführung des Kriegsendes verbreitete sich über die Grenzen Russlands hinaus. Unter dem direkten Einfluss der Oktoberrevolution weitete sich die revolutionäre Krise im November 1918 auch nach Westen aus, insbesondere auf das Hauptelement der Mittelmächte: Deutschland. Am 5. November begann der Aufstand der Matrosen der deutschen Kriegsflotte in Kiel. Revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte hissten die rote Fahne in vielen deutschen Städten. In Berlin zogen am 9. November die Arbeiter zu den Kasernen, entwaffneten das Militär und verbrüderten sich mit den Soldaten - und zwar unter der Führung der Spartakusbundes . Die deutsche Republik wurde ausgerufen, aber die bürgerliche Republik verhinderte die proletarische Republik.Der Kaiser wurde zur Abdankung gezwungen und am 11. November wurde der Waffenstillstand unterzeichnet. Auch in Deutschland stieg die Arbeiterklasse am Ende des Krieges auf die Bühne der Geschichte. Aber die deutsche Revolution wurde mit anti-kommunistischer Gewalt und Terror zerschlagen - und zwar mit Unterstützung der verräterischen Sozialfaschisten der SPD.

In Deutschland ebneten die Sozialfaschisten den Weg zur Verwandlung der "demokratischen" Form der Diktatur der Bourgeoisie in die Nazi-faschistische Form. Und so wuchs mit Hilfe des Weltimperialismus ein gefährlicher deutscher Imperialismus heran, der die Welt zum zweiten Mal in Schutt und Asche verwandelte.

In unserer Generalline haben wir hervor gehoben, dass es die Klasse der Bourgeoisie selber ist, die mit ihrem Krieg und Faschismus die revolutionäre Gegenfront erzeugt, welche ihren Untergang herbeiführt:

"Je mehr das Proletariat und die armen Bauern gemeinsam in allen Ländern durch Militarismus nach außen und Faschismus nach innen unterdrückt werden, desto größer wird ihr Widerstandskampf nicht nur im Inland, sondern in globaler Einheitsfront. Es ist die Weltbourgeoisie selber , die unfreiwillig die revolutionären Kräfte gegen sich und ihre imperialistischen Kriege, gegen Reaktion und Faschismus zusammenführt. Dies hilft uns Kommunisten, die Friedenstruppen unter der Führung des Weltproletariats auf Weltebene zu mobilisieren und zu organisieren." [Generalline der Komintern (SH), Kapitel: "imperialistischen Krieg und Weltrevolution"]

Im Ersten Weltkrieg führten die russischen Bolschewisten mit den Genossen Lenin und Stalin an der Spitze die russischen Arbeiter erfolgreich auf den Weg des Friedens. Von ihnen ging das Signal des proletarischen Internationalismus und der Verbrüderung im internationalen Friedenskampf aus , der mit dem Sieg der Oktoberrevolution das Ziel der sozialistischen Weltrevolution verfolgte. Die Imperialisten auf der ganzen Welt und ihre Lakaien in Russland hatten ihre Kräfte im Ersten Weltkrieg so sehr gegenseitig aufgerieben und so sehr verausgabt, dass die Bolschewiki diese Schwäche ausnutzen und zum Gegenangriff übergehen konnten. Die russischen Bolschewisten verwandelten den imperialistischen Krieg siegreich in einen revolutionären Bürgerkrieg der Proletarier und anderer ausgebeuteten und unterdrückten Klassen.

Heute, ein Jahrhundert nach dem Ersten Weltkrieg, müssen wir als Stalinisten-Hoxhaisten, als Avantgarde des Weltproletariats, einen erneuten imperialistischen Weltkrieg verhindern und diesen Friedenskampf mit dem Ziel der Errichtung der Diktatur des Weltproletariats, mit dem Ziel des Weltsozialismus und Weltkommunismus verknüpfen. Der Kampf für diese Ziele entspricht heute der korrekten Anwendung der Lehren der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus. Werden wir einem neuen imperialistischen Weltkrieg nicht zuvorkommen können mit der siegreichen sozialistischen Weltrevolution, wenn also der dritte imperialistische Weltkrieg ausbrechen sollte, dann ist es unsere Aufgabe, ihn in einen Weltbürgerkrieg zu verwandeln, die imperialistischen Armeen zu entwaffnen und das globale bürgerlich-kapitalistisch-imperialistische Sklavensystem vollständigen und für immer zu vernichten.

Aus dem Imperialismus gehen unvermeidlich Imperialistische Kriege hervor. Und ebenso unvermeidlich rufen imperialistische Kriege auch internationale proletarische Revolutionen hervor. Das ist die Lehre aus dem Ersten Weltkrieg, der am 1. August 1914 begann und nicht nur mit dem Sieg der Oktoberrevolution im Jahr 1917 endete, sondern auch den Beginn der sozialistischen Weltrevolution einläutete. Die Oktoberrevolution ebnete den Weg für die Errichtung der Diktatur des Proletariats und für die spätere Schaffung des sozialistischen Weltlagers. Der internationale Charakter und die globale Bedeutung der Oktoberrevolution und die Anti-Kriegs-Taktik der Bolschewiki ist für uns heute noch Richtschnur:

In der "Geschichte der KPdSU (B) - Kurzer Lehrgang" schrieb Stalin:

"Die Bolschewiki waren keine einfachen Pazifisten (Friedensanhänger), die rührselig nach Frieden seufzen und sich auf Friedenspropaganda beschränken, wie das die meisten linken Sozialdemokraten taten. Die Bolschewiki waren für einen aktiven revolutionären Kampf um den Frieden bis zum Sturz der Macht der kriegslüsternen imperialistischen Bourgeoisie. Die Bolschewiki verbanden die Sache des Friedens mit der Sache des Sieges der proletarischen Revolution; sie hielten für das sicherste Mittel zur Beendigung des Krieges und zur Erreichung eines gerechten Friedens, eines Friedens ohne Annexionen und Kontributionen, den Sturz der Macht der imperialistischen Bourgeoisie.

Der menschewistischen und sozialrevolutionären Absage an die Revolution, der verräterischen Losung von der Einhaltung des „Burgfriedens“ während des Krieges stellten die Bolschewiki die Losung der „Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg“ entgegen. Diese Losung bedeutete, dass die Werktätigen, darunter die in den Soldatenrock gesteckten bewaffneten Arbeiter und Bauern, die Gewehre gegen ihre eigene Bourgeoisie kehren und deren Macht stürzen müssen, wenn sie den Krieg loswerden und einen gerechten Frieden erreichen wollen.

Der menschewistischen und sozialrevolutionären Politik der Verteidigung des bürgerlichen Vaterlandes stellten die Bolschewiki die Politik der „Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischen Kriege“ entgegen. Dies bedeutete, dass es notwendig ist, gegen die Kriegskredite zu stimmen, illegale revolutionäre Organisationen in der Armee zu schaffen, die Verbrüderung der Soldaten an der Front zu unterstützen und revolutionäre Aktionen der Arbeiter und Bauern gegen den Krieg zu organisieren, um diese Aktionen in den Aufstand gegen die eigene imperialistische Regierung überzuleiten."

Die vollständige Zerstörung des Weltimperialismus ist absolute Voraussetzung für die Beseitigung der Unvermeidbarkeit imperialistischer Kriege. Unsere gegenwärtige Klassenkampf, unser internationaler Klassenkrieg gegen imperialistische Kriege kann nichts Anderes sein als ein Kampf für den Sieg der sozialistischen Weltrevolution und die Errichtung des Weltsozialismus durch die Diktatur des Weltproletariats. Erst dadurch wird die Abschaffung der Unvermeidlichkeit imperialistischer Kriege garantiert.

"Der Stalinismus-Hoxhaismus in der Frage von Krieg und Revolution ist die marxistisch-leninistische Theorie und Taktik des Sieges über die imperialistischen Kriege durch die proletarische Weltrevolution unter den heutigen Bedingungen der Globalisierung im Allgemeinen, und die Theorie und Taktik der (militärischen) Verteidigung der Weltdiktatur des Weltproletariats im Besonderen. Der Stalinismus-Hoxhaismus ist in letzter Konsequenz die Theorie und Taktik für die Periode des Übergangs zur waffenlosen, friedlichen, klassenlosen Gesellschaft im Weltmaßstab – des Übergangs zum Weltkommunismus.

Stalinismus-Hoxhaismus ist die Lehre von der Befreiung von den Kriegen des Weltimperialismus, ist die Lehre von der Abschaffung der Unvermeidlichkeit des imperialistischen Weltkriegs, ist die Lehre vom weltproletarischen Klassenkampf zur endgültigen Zerschlagung der Gewaltherrschaft der Weltbourgeoisie, ist die Lehre vom Sieg des Sozialismus über den imperialistischen Krieg im Weltmaßstab, ist die Lehre von der (militärischen) Verteidigung der globalen Herrschaft des Proletariats.“ [Generalline der Komintern (SH), Kapitel: „Imperialistischer Krieg und Weltrevolution“]

Der Sieg der sozialistischen Weltrevolution und die Errichtung der Diktatur des Weltproletariats - das ist der einzige Weg, um die Unvermeidlichkeit imperialistischer Kriege abzuschaffen. Das ist die wichtigste Lehre aus dem Ersten Weltkrieg.

Wie Genosse Enver Hoxha richtig bemerkte:

Nur der Sieg des Sozialismus in der ganzen Welt - oder zumindest in den meisten Ländern der Welt – bietet die absolute Garantie, dass es keinen Weltkrieg mehr geben wird."

(Enver Hoxha, Rede auf der Beratung von 81 kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau am 16. November, 1960, Seite 17, Tirana, 1971 – deutsche Ausgabe)

 


Ausgebeutete und unterdrückte Klassen der ganzen Welt - vereinigt euch unter der zentralen Führung der Komintern (SH) !

Stärkt den Geist des proletarischen Internationalismus:

Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter !

Völker schießen nicht auf Völker!

Vereinigt euch unter Führung des Weltproletariats im Kampf gegen den beginnenden imperialistischen Weltkrieg - und während des dritten Weltkrieg für dessen sofortige Beendigung !

Stimmt gegen Kriegskredite !

Bildet illegale revolutionäre Organisationen innerhalb der imperialistischen Streitmächte!

Für die Verbrüderung unter den Soldaten an der Front und für die Verbrüderung der Völker gegen den imperialistischen Krieg auf der ganzen Welt!

Organisiert revolutionäre globale Aktionen der Arbeiter und Bauern gegen den imperialistischen Krieg!

Dreht die Gewehre um ! Richtet sie gegen die eigene Bourgeoisie in allen imperialistischen Ländern !

Dreht die Gewehre um ! Richtet sie gegen die Kompradoren-Bourgeoisie in den unterdrückten Ländern, welche Lakai des imperialistischen Krieges ist!

Vereinigt den Antikriegskampf des Weltproletariats mit dem Befreiungskampf der ausgebeuteten und unterdrückten Völker zum Sturz des gemeinsamen Feindes - des Weltimperialismus!

Befreit die Völker von kapitalistischer Lohnsklaverei, befreit die Kolonien und abhängigen Länder vom Joch des Weltimperialismus !

Verwandelt den imperialistischen Krieg in den revolutionären Bürgerkrieg!

Krieg gegen den imperialistischen Krieg - das bedeutet Krieg der proletarischen Roten Weltarmee gegen die imperialistischen Armeen auf der ganzen Welt !

Verknüpft den Kampf für den Weltfrieden mit dem Sieg der sozialistischen Weltrevolution!

Um die Unvermeidbarkeit imperialistischer Kriege zu beseitigen, ist es notwendig, die Herrschaft der imperialistischen Weltbourgeoisie zu stürzen, sowohl im eigenen Land als auch im Weltmaßstab!

Die Neo-Revisionisten sind Feinde der sozialistischen Weltrevolution und damit Feinde des einzigen Mittels für die Abschaffung der imperialistischen Kriege!

Wer die imperialistischen Kriege abschaffen will, muss das imperialistische Weltsystem abschaffen !

Nur der Weltsozialismus garantiert die Beseitigung der Unvermeidbarkeit imperialistischer Kriege !

Tod dem bürgerlich-kapitalistisch-imperialistischen Weltsystem, welches das Blut der Völker zur Profitmaximierung vergießt !

Nieder mit allen Strömungen des Revisionismus, Neo-Revisionismus und Anti-Kommunismus !

Nieder mit allen räuberischen Kriegen, Faschismus, Kapitalismus, Imperialismus, Ausbeutung und Unterdrückung !

Es leben die 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus: Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha!

Es lebe die sozialistische Weltrevolution !

Es lebe die Diktatur des Weltproletariats!

Es lebe der Weltsozialismus und der Weltkommunismus!

Es lebe die Komintern (SH), die einzig wahre kommunistische Weltorganisation, die einzige globale Vorhutpartei des Weltproletariats!



 

"Krieg dem imperialistischen Krieg!"

"Der Hauptfeind steht im eigenen Land!"

Diesen Feind im eigenen Lande gilt’s für das deutsche Volk zu bekämpfen, zu bekämpfen im politischen Kampf, zusammenwirkend mit dem Proletariat der anderen Länder, dessen Kampf gegen seine heimischen Imperialisten geht.[...] Alles für das internationale Proletariat, um des deutschen Proletariats, um der getretenen Menschheit willen!“ (Karl Liebknecht)

 

Verwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg !

Die Losung, die sowohl den schnellsten Ausweg aus dem imperialistischen Krieg als auch den ZUSAMMENHANG unseres Kampfes gegen ihn mit dem Kampf gegen den Opportunismus zeigt, ist der BÜRGERKRIEG für den Sozialismus.

(Lenin)

Sollte die proletarische Revolution den imperialistischen Krieg nicht verhindern, so wird sie unvermeidlich zu seiner Beendigung beitragen.

 

Will man den imperialistischen Krieg beseitigen, muss man den Weltimperialismus vernichten

- durch die sozialistische Weltrevolution !

 

Es lebe der proletarische Internationalismus !

 

Es lebe die sozialistische Weltrevolution !

 

 

 

Die 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus

Über Krieg und Frieden

 

 

 

  

 

Sozialismus und Krieg

(1915) 

  

 

 

 

 

Über den Sozialchauvinismus

Beilage zum “Sozial-Demokrat”, Nr. 42, vom 1. Juni 1915 

 

  

Der Opportunismus

und der Zusammenbruch

der II. Internationale

Januar 1916

 

 

Vorschläge

des Zentralkomitees der SDAPR

an die zweite sozialistische Konferenz

Februar-März 1916

 

  

 

 

 

Antwort an P. Kijewski (J. Pjatakow)

Geschrieben im August - September 1916.

  

 

Das Militärprogramm

der proletarischen Revolution


September 1916

 

 

 

Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus

Oktober 1916

 

 

 

Die Aufgaben unserer Partei in der

Internationale (über die III. Zimmerwalder Konferenz)


Oktober 1917

 

 

 

STALIN:

Ist es etwa nicht klar, dass das Anwachsen der Rüstungen eine gebieterische Folge der Unvermeidlichkeit neuer imperialistischer Kriege zwischen den „Mächten“ ist ?

Ich glaube, dass man die jetzigen „friedlichen Beziehungen“ vergleichen könnte mit einem alten, abgetragenen Hemd, bestehend nur noch aus Flicken, die durch ein dünnes Fädchen zusammengehalten werden. Man braucht bloß mehr oder weniger ernstlich an diesem Fädchen zu zerren, es an dieser oder jener Stelle zu zerreißen, und das ganze Hemd fällt auseinander, es bleibt nichts übrig als die Lappen. Man braucht nur irgendwo in Albanien oder in Litauen, in China oder in Nordafrika an den jetzigen „friedlichen Beziehungen“ zu rütteln, und das ganze „Gebäude der friedlichen Beziehungen“ fällt in Trümmer.

So war es vor dem letzten imperialistischen Krieg, als der Mord in Sarajewo zum Kriege führte.

So steht es auch jetzt.

Aus der Stabilisierung erwächst die Unvermeidlichkeit neuer imperialistischer Kriege.

(Stalinwerke, Band 10, XV. Parteitag der KPdSU(B) vom 2. bis zum 19. Dezember 1927 )

 

J. W. STALIN

GESCHICHTE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI DER SOWJETUNION (BOLSCHEWIKI)
--
KURZER LEHRGANG 

KAPITEL VI
Die Partei der Bolschewiki in der Periode des imperialistischen Krieges. Die zweite Revolution in Russland
(1914 bis März 1917)


Theorie und Taktik der bolschewistischen Partei in den Fragen des Krieges, des Friedens und der Revolution

 

 

Die Bolschewiki waren keine einfachen Pazifisten (Friedensanhänger), die rührselig nach Frieden seufzen und sich auf Friedenspropaganda beschränken, wie das die meisten linken Sozialdemokraten taten. Die Bolschewiki waren für einen aktiven revolutionären Kampf um den Frieden bis zum Sturz der Macht der kriegslüsternen imperialistischen Bourgeoisie. Die Bolschewiki verbanden die Sache des Friedens mit der Sache des Sieges der proletarischen Revolution; sie hielten für das sicherste Mittel zur Beendigung des Krieges und zur Erreichung eines gerechten Friedens, eines Friedens ohne Annexionen und Kontributionen, den Sturz der Macht der imperialistischen Bourgeoisie.

Der menschewistischen und sozialrevolutionären Absage an die Revolution, der verräterischen Losung von der Einhaltung des „Burgfriedens“ während des Krieges stellten die Bolschewiki die Losung der „Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg“ entgegen. Diese Losung bedeutete, dass die Werktätigen, darunter die in den Soldatenrock gesteckten bewaffneten Arbeiter und Bauern, die Gewehre gegen ihre eigene Bourgeoisie kehren und deren Macht stürzen müssen, wenn sie den Krieg loswerden und einen gerechten Frieden erreichen wollen.

Der menschewistischen und sozialrevolutionären Politik der Verteidigung des bürgerlichen Vaterlandes stellten die Bolschewiki die Politik der „Niederlage der eigenen Regierung im imperialistischen Kriege“ entgegen. Dies bedeutete, dass es notwendig ist, gegen die Kriegskredite zu stimmen, illegale revolutionäre Organisationen in der Armee zu schaffen, die Verbrüderung der Soldaten an der Front zu unterstützen und revolutionäre Aktionen der Arbeiter und Bauern gegen den Krieg zu organisieren, um diese Aktionen in den Aufstand gegen die eigene imperialistische Regierung überzuleiten.

Die Bolschewiki waren der Meinung, dass im imperialistischen Krieg die militärische Niederlage der zaristischen Regierung für das Volk das geringste Übel wäre, denn sie würde den Sieg des Volkes über den Zarismus und den erfolgreichen Kampf der Arbeiterklasse für die Befreiung von kapitalistischer Sklaverei und imperialistischen Kriegen erleichtern. Hierbei vertrat Lenin die Auffassung, dass die Politik der Niederlage der eigenen imperialistischen Regierung nicht nur von den russischen Revolutionären, sondern von den revolutionären Parteien der Arbeiterklasse aller kriegführenden Länder durchgeführt werden müsse.

Die Bolschewiki waren nicht gegen jeden Krieg. Sie waren nur gegen den Eroberungskrieg, gegen den imperialistischen Krieg. Die Bolschewiki waren der Meinung, dass es zwei Arten von Kriegen gibt:

a) einen gerechten Krieg, der kein Eroberungskrieg, sondern ein Befreiungskrieg ist, der das Ziel hat, entweder das Volk gegen einen äußeren Überfall und gegen Unterjochungsversuche zu verteidigen, oder das Ziel der Befreiung des Volkes von der Sklaverei des Kapitalismus, oder endlich das Ziel der Befreiung der Kolonien und abhängigen Länder vom Joche der Imperialisten, und

b) einen ungerechten, einen Eroberungskrieg, der das Ziel hat, fremde Länder zu erobern, fremde Völker zu versklaven.

Einen Krieg der ersten Art unterstützten die Bolschewiki. Was den Krieg der zweiten Art betrifft, so waren die Bolschewiki der Auffassung, dass man gegen ihn einen entschiedenen Kampf bis zur Revolution und bis zum Sturz der eigenen imperialistischen Regierung führen muss.

Gewaltige Bedeutung für die Arbeiterklasse der ganzen Welt hatten Lenins theoretische Arbeiten während der Kriegszeit. Im Frühjahr 1916 schrieb Lenin das Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“. Lenin zeigte in diesem Buch, dass der Imperialismus das höchste Stadium des Kapitalismus ist, in welchem dieser bereits aus dem „fortschrittlichen“ Kapitalismus umgeschlagen ist in den parasitären Kapitalismus, in den faulenden Kapitalismus, dass der Imperialismus sterbender Kapitalismus ist. Dies bedeutete natürlich nicht, dass der Kapitalismus von selbst absterben werde, ohne die Revolution des Proletariats, dass er, faul bis ins Mark, von selbst ein-stürzen werde. Lenin hat immer gelehrt, dass es ohne die Revolution der Arbeiterklasse unmöglich ist, den Kapitalismus zu stürzen. Darum wies Lenin, als er den Imperialismus als sterbenden Kapitalismus bezeichnete, in diesem Buche zugleich nach, dass der „Imperialismus der Vorabend der sozialen Revolution des Proletariats ist“.

Lenin zeigte, dass das kapitalistische Joch in der Epoche des Imperialismus immer schwerer wird, dass unter den Bedingungen des Imperialismus die Empörung des Proletariats gegen die Grundlagen des Kapitalismus wächst, dass sich innerhalb der kapitalistischen Länder Elemente einer revolutionären Explosion anhäufen.

Lenin zeigte, dass sich in der Epoche des Imperialismus die revolutionäre Krise in den kolonialen und abhängigen Ländern verschärft, dass die Kräfte der Empörung gegen den Imperialismus, dass die Elemente des Befreiungskrieges gegen den Imperialismus anwachsen.

Lenin zeigte, dass sich unter den Bedingungen des Imperialismus die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung und die Widersprüche des Kapitalismus besonders verschärft haben, dass der Kampf um die Märkte für Warenabsatz und Kapitalausfuhr, der Kampf um Kolonien, um Rohstoffquellen - periodische imperialistische Kriege um eine Neuaufteilung der Welt unvermeidlich macht.

Lenin zeigte, dass es gerade infolge dieser Ungleichmäßigkeit der Entwicklung des Kapitalismus zu imperialistischen Kriegen kommt, die die Kräfte des Imperialismus schwächen und es möglich machen, die Front des Imperialismus an dem Punkt zu durchbrechen, der sich als der schwächste erweist.

Auf Grund von alledem kam Lenin zu der Schlussfolgerung, dass die Durchbrechung der imperialistischen Front durch das Proletariat an irgendeiner Stelle oder einigen Stellen durchaus möglich ist, dass der Sieg des Sozialismus ursprünglich in einigen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist, dass der gleichzeitige Sieg des Sozialismus in allen Ländern infolge der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung des Kapitalismus in diesen Ländern - unmöglich ist, dass der Sozialismus vorerst in einem Lande oder einigen Ländern siegen wird, während die übrigen Länder für eine gewisse Zeit bürgerliche Länder bleiben werden.

Hier die Formulierung, die Lenin dieser genialen Schlussfolgerung in zwei verschiedenen, in der Periode des imperialistischen Krieges geschriebenen Artikeln gegeben hat:

1. „Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt, dass der Sieg des Sozialismus ursprünglich in wenigen kapitalistischen Ländern oder sogar in einem einzeln genommenen Lande möglich ist. Das siegreiche Proletariat dieses Landes würde sich nach Enteignung der Kapitalisten und nach Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande der übrigen, der kapitalistischen Welt entgegenstellen und würde die unterdrückten Klassen der anderen Länder auf seine Seite ziehen ...“ (Aus dem Artikel „über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa“, geschrieben im August 1915.) (Lenin, Ausgew. Werke in zwei Bänden, Bd. I, S.753.)

2. „Die Entwicklung des Kapitalismus geht in den verschiedenen Ländern höchst ungleichmäßig vor sich. Anders kann es auch nicht sein bei der Warenproduktion. Daher die unumgängliche Schlussfolgerung: der Sozialismus kann nicht gleichzeitig in allen Ländern siegen. Er wird vorerst in einem Lande oder einigen Ländern siegen, die übrigen aber werden für eine gewisse Zeit bürgerlich oder vorbürgerlich bleiben. Das muss nicht nur Reibungen hervorrufen, sondern auch das direkte Bestreben der Bourgeoisie anderer Länder, das siegreiche Proletariat des sozialistischen Staates niederzuwerfen. In diesen Fällen wäre ein Krieg von unserer Seite rechtmäßig und gerecht. Dies wäre ein Krieg für den Sozialismus, für die Befreiung anderer Völker von der Bourgeoisie.“ (Aus dem Artikel „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“, geschrieben im Herbst 1916.) (Lenin, Ausgew. Werke in zwei Bänden, Bd. I, S. 878.)

Das war eine neue, eine abgeschlossene Theorie der sozialistischen Revolution, eine Theorie von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern, von den Bedingungen seines Sieges, von den Perspektiven seines Sieges, eine Theorie, die Lenin in ihrem Grundriss schon im Jahre 1905 in der Broschüre „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“ dargelegt hatte.

Sie unterschied sich von Grund aus von der Konzeption, die bei den Marxisten in der Periode des vorimperialistischen Kapitalismus im Schwange war, als die Marxisten der Meinung waren, dass der Sieg des Sozialismus in irgendeinem einzelnen Lande unmöglich sei, dass der Sieg des Sozialismus in allen zivilisierten Ländern gleichzeitig erfolgen werde. Lenin hat auf Grund der vorhandenen Daten über den imperialistischen Kapitalismus, die er in seinem vortrefflichen Buch „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ darlegte, diese Konzeption als veraltet verworfen, sie umgekehrt, und eine neue theoretische Konzeption aufgestellt, die den gleichzeitigen Sieg des Sozialismus in allen Ländern als unmöglich ansieht, den Sieg des Sozialismus in einem einzeln genommenen kapitalistischen Lande hingegen als möglich anerkennt.

Die unabschätzbare Bedeutung der Leninschen Theorie der sozialistischen Revolution besteht nicht nur darin, dass sie den Marxismus um eine neue Theorie bereichert und ihn weitergeführt hat. Ihre Bedeutung besteht auch noch darin, dass sie den Proletariern der einzelnen Länder eine revolutionäre Perspektive gibt, ihre Initiative für den Ansturm gegen die eigene nationale Bourgeoisie auslöst, sie lehrt, die Kriegssituation zur Organisierung eines solchen Ansturms auszunutzen, und ihren Glauben an den Sieg der proletarischen Revolution festigt.

Das war die theoretische und taktische Einstellung der Bolschewiki zu den Fragen des Krieges, des Friedens und der Revolution.

Auf Grund dieser Einstellung führten die Bolschewiki ihre praktische Arbeit in Russland durch.

Trotz grausamer Polizeiverfolgungen unternahmen die Dumadeputierten - die Bolschewiki Badajew, Petrowski, Muranow, Samoilow und Schagow - zu Anfang des Krieges eine Rundreise durch eine Reihe von Organisationen und hielten Referate über die Stellung der Bolschewiki zum Kriege und zur Revolution. Im November 1914 wurde eine Beratung der bolschewistischen Fraktion der Reichsduma zur Erörterung der Frage der Stellung zum Kriege veranstaltet. Am dritten Tage wurden sämtliche Teilnehmer dieser Beratung verhaftet. Das Gericht verurteilte alle Deputierten zur Aberkennung der Rechte und zur Verbannung nach Ostsibirien. Die zaristische Regierung beschuldigte die bolschewistischen Deputierten der Reichsduma des „Hochverrats“.

Vor Gericht entrollte sich ein Bild der Tätigkeit der Dumadeputierten, das unserer Partei Ehre machte. Die bolschewistischen Deputierten benahmen sich vor dem zaristischen Gericht mutig und verwandelten es in eine Tribüne zur Entlarvung der Eroberungspolitik des Zarismus.

Anders benahm sich der in diesem Prozess mitangeklagte Kamenew. Infolge seiner Feigheit sagte er sich schon bei der ersten Gefahr von der Politik der bolschewistischen Partei los. Kamenew erklärte vor Gericht, dass er mit den Bolschewiki in der Frage des Krieges nicht einverstanden sei, und bat, zum Beweise dessen den Menschewik Jordanski als Zeugen vorzuladen.

Große Arbeit leisteten die Bolschewiki gegen die Kriegsindustriekomitees, die mit der Kriegsversorgung beschäftigt waren, und gegen die Versuche der Menschewiki, die Arbeiter dem Einfluss der imperialistischen Bourgeoisie zu unterwerfen. Die Bourgeoisie hatte ein Lebensinteresse daran, den imperialistischen Krieg vor der Allgemeinheit als einen Krieg des ganzen Volkes hinzustellen. Die Bourgeoisie erlangte während des Krieges durch die Schaffung ihrer allrussischen Organisation, der Semstwo- und Stadtverbände, großen Einfluss auf die Staatsangelegenheiten. Notwendig war es für sie, auch die Arbeiter ihrer Führung, ihrem Einfluss zu unterwerfen. Die Bourgeoisie ersann hierfür ein Mittel - die Schaffung von „Arbeitergruppen“ bei den Kriegsindustriekomitees. Die Menschewiki griffen diese Idee der Bourgeoisie auf. Es war für die Bourgeoisie vorteilhaft, in diese Kriegsindustriekomitees Arbeitervertreter hineinzuziehen, die unter den Arbeitermassen für die Notwendigkeit einer Erhöhung der Arbeitsproduktivität in den Munition, Geschütze, Gewehre, Patronen herstellenden Fabriken und anderen Rüstungsbetrieben agitieren sollten. „Alles für den Krieg, alles in den Krieg“, das war die Losung der Bourgeoisie. In Wirklichkeit bedeutete diese Losung: „Bereichere dich, was das Zeug hält, an den Kriegslieferungen und an dem Raub fremder Territorien.“ Die Menschewiki nahmen aktiv an dieser pseudopatriotischen, von der Bourgeoisie eingefädelten Sache teil. Sie halfen den Kapitalisten durch gesteigerte Agitation für die Teilnahme der Arbeiter an der Wahl von „Arbeitergruppen“ bei den Kriegsindustriekomitees. Die Bolschewiki waren gegen diese Mache. Sie waren für den Boykott der Kriegsindustriekomitees und führten diesen Boykott erfolgreich durch. Ein Teil der Arbeiter jedoch nahm trotzdem an der Tätigkeit der Kriegsindustriekomitees unter Leitung des bekannten Menschewiks Gwosdew und des Provokateurs Abrossimow teil. Als jedoch die Arbeiterbevollmächtigten im September 1915 zwecks endgültiger Wahl der „Arbeitergruppen“ der Kriegsindustriekomitees zusammentraten, da stellte sich heraus, dass die Mehrheit der Bevollmächtigten gegen die Beteiligung an diesen war. Die Mehrheit der Arbeitervertreter nahm eine scharfe Resolution gegen die Beteiligung an den Kriegsindustriekomitees an und erklärte, dass die Arbeiter sich die Aufgabe stellen, für den Frieden, für den Sturz des Zarismus zu kämpfen.

Große Arbeit entfalteten die Bolschewiki auch in Armee und Flotte. Sie erklärten den Massen der Soldaten und Matrosen, wer an den unerhörten Greueln des Krieges und den Leiden des Volkes schuld ist, sie machten ihnen klar, dass die Revolution für das Volk der einzige Ausweg aus dem imperialistischen Gemetzel ist. Die Bolschewiki schufen Zellen in Armee und Flotte, an der Front und in der Etappe, und verbreiteten Flugblätter mit Aufrufen gegen den Krieg.

In Kronstadt schufen die Bolschewiki das „Hauptkollektiv der Kronstädter Militärorganisation“, das mit dem Petrograder Parteikomitee enge Verbindung unterhielt. Beim Petrograder Parteikomitee wurde eine militärische Organisation zur Arbeit in der Garnison geschaffen. Im August 1916 meldete der Leiter der Petrograder Geheimpolizei, dass in dem „Kronstädter Kollektiv die Sache sehr ernst, konspirativ betrieben wird und dass die Teilnehmer lauter verschwiegene und vorsichtige Leute sind. Auch an Land hat dieses Kollektiv seine Vertreter“.

Die Partei betrieb an der Front Agitation für die Verbrüderung zwischen den Soldaten der kriegführenden Armeen und hob hervor, dass der Feind die Weltbourgeoisie ist und dass man den Krieg nur durch Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg beendigen kann, dadurch, dass man die Gewehre gegen seine eigene Bourgeoisie und ihre Regierung richtet. Immer mehr häuften sich die Fälle, dass einzelne Truppenteile sich weigerten, zum Angriff vorzugehen. Solche Tatsachen waren schon 1915 und besonders 1916 zu verzeichnen.

Besonders große Arbeit entfalteten die Bolschewiki in den Armeen der Nordfront im Ostseegebiet. Der Oberbefehlshaber der Nordfront General Russki erstattete Anfang 1917 im Instanzenwege Meldung über die gewaltige revolutionäre Arbeit, die die Bolschewiki an dieser Front entfaltet hatten.

Der Krieg bedeutete den größten Umschwung im Leben der Völker, im Leben der internationalen Arbeiterklasse. Er setzte das Schicksal der Staaten, das Schicksal der Völker, das Schicksal der sozialistischen Bewegung auf eine Karte. Darum war er zugleich der Prüfstein, die Probe für alle Parteien und Strömungen, die sich sozialistisch nannten. Bleiben diese Parteien und Strömungen der Sache des Sozialismus, der Sache des Internationalismus treu, oder werden sie es vorziehen, die Arbeiterklasse zu verraten, ihre Banner einzurollen und sie der eigenen, der nationalen Bourgeoisie zu Füßen zu legen? So stand damals die Frage.

Der Krieg zeigte, dass die Parteien der II. Internationale die Probe nicht bestanden, dass sie die Arbeiterklasse verrieten und vor der eigenen nationalen, imperialistischen Bourgeoisie die Banner einzogen.

Diese Parteien konnten auch nicht anders handeln, sie, die in ihrer Mitte den Opportunismus groß gezüchtet hatten und in der Praxis der Zugeständnisse an die Opportunisten, an die Nationalisten erzogen waren.

Der Krieg zeigte, dass die Partei der Bolschewiki die einzige Partei war, die die Prüfung in Ehren bestand und der Sache des Sozialismus, der Sache des proletarischen Internationalismus bis zu Ende treu blieb.

Das ist auch verständlich: nur eine Partei von neuem Typus, nur eine im Geiste des unversöhnlichen Kampfes gegen den Opportunismus erzogene Partei, nur eine von Opportunismus und Nationalismus freie Partei, nur eine solche Partei konnte die große Prüfung bestehen und der Sache der Arbeiterklasse, der Sache des Sozialismus und des Internationalismus, treu bleiben.

Die bolschewistische Partei war gerade eine solche Partei. 

 


Der Übergang der Parteien der II. Internationale auf die Seite ihrer imperialistischen Regierungen
Der Zerfall der II .Internationale in einzelne sozialchauvinistische Parteien

 

Lenin hatte wiederholt vor dem Opportunismus der II. Internationale und vor der Wankelmütigkeit ihrer Führer gewarnt. Immerfort betonte er, dass die Führer der II. Internationale nur in Worten gegen den Krieg seien, dass sie im Falle eines Kriegsausbruchs ihren Standpunkt ändern und auf die Seite der imperialistischen Bourgeoisie überlaufen könnten, dass sie Anhänger des Krieges werden könnten. Gleich die ersten Kriegstage bestätigten Lenins Voraussicht.

Im Jahre 1910 war auf dem Kopenhagener Kongress der II. Internationale der Beschluss angenommen worden, dass die Sozialisten in den Parlamenten gegen Kriegskredite stimmen müssen. Während des Balkankriegs im Jahre 1912 hatte der Baseler Kongress der II. Internationale erklärt, dass die Arbeiter aller Länder es für ein Verbrechen halten, um der Vergrößerung der Profite der Kapitalisten willen aufeinander zu schießen. So war es in Worten, in Resolutionen.

Als aber der Gewittersturm des imperialistischen Krieges losbrach, als es galt, diese Beschlüsse in die Tat umzusetzen, erwiesen sich die Führer der II. Internationale als Fahnenflüchtige und Verräter an der Sache des Proletariats, erwiesen sie sich als Lakaien der Bourgeoisie, wurden sie Anhänger des Krieges.

Am 4. August 1914 stimmte die deutsche Sozialdemokratie im Parlament für die Kriegskredite, für die Unterstützung des imperialistischen Krieges. Dasselbe tat die übergroße Mehrheit der Sozialisten Frankreichs, Englands, Belgiens und anderer Länder.

Die II. Internationale hörte auf zu existieren. Sie zerfiel in der Tat in einzelne sozialchauvinistische Parteien, die gegeneinander Krieg führten.

Die Führer der sozialistischen Parteien gingen, das Proletariat verratend, auf die Position des Sozialchauvinismus und der Verteidigung der imperialistischen Bourgeoisie über. Sie halfen den imperialistischen Regierungen, die Arbeiterklasse an der Nase herumzuführen und sie mit dem Gift des Nationalismus zu verseuchen. Diese Sozialverräter begannen unter der Flagge der Vaterlandsverteidigung die deutschen Arbeiter auf die französischen, und die englischen und französischen Arbeiter auf die deutschen zu hetzen. Nur eine unbedeutende Minderheit in der II. Internationale verblieb auf der Position des Internationalismus und wandte sich gegen den Strom, zwar nicht ganz sicher und nicht ganz entschieden, aber sie wandte sich immerhin gegen den Strom.

Nur die Partei der Bolschewiki erhob sofort und ohne Schwanken das Banner des entschlossenen Kampfes gegen den imperialistischen Krieg. In seinen im Herbst 1914 verfassten Thesen über den Krieg wies Lenin darauf hin, dass der Zusammenbruch der II. Internationale kein Zufall war. Die II. Internationale wurde zugrunde gerichtet von den Opportunisten, gegen die die besten Vertreter des revolutionären Proletariats schon lange ihre warnende Stimme erhoben hatten.

Die Parteien der II. Internationale waren schon vor dem Kriege vom Opportunismus angesteckt. Die Opportunisten predigten offen den Verzicht auf den revolutionären Kampf, predigten die Theorie des „friedlichen Hineinwachsens des Kapitalismus in den Sozialismus“. Die II. Internationale wollte nicht gegen den Opportunismus kämpfen, sie wollte mit ihm Frieden halten und gab ihm die Möglichkeit, sich zu festigen. Indem sie gegenüber dem Opportunismus eine versöhnlerische Politik betrieb, wurde die II. Internationale selbst opportunistisch.

Die imperialistische Bourgeoisie bestach systematisch mittels ihrer aus den Kolonien, aus der Ausbeutung rückständiger Länder gezogenen Profite, durch höhere Arbeitslöhne und andere Brosamen die Oberschicht der qualifizierten Arbeiter, die so genannte Arbeiteraristokratie. Aus dieser Arbeiterschicht waren nicht wenige Führer der Gewerkschaften und Genossenschaften, Gemeindevertreter und Parlamentsabgeordnete, Journalisten und sozialdemokratische Parteibeamte hervorgegangen. Angesichts des Krieges wurden diese Leute, die ihre Stellung zu verlieren fürchteten, zu Gegnern der Revolution, zu eifrigsten Verteidigern ihrer Bourgeoisie, ihrer imperialistischen Regierungen.

Die Opportunisten wurden zu Sozialchauvinisten.

Die Sozialchauvinisten, darunter die russischen Menschewiki und Sozialrevolutionäre, predigten im eigenen Lande den Klassenfrieden der Arbeiter mit der Bourgeoisie und nach außen den Krieg gegen andere Völker. Sie täuschten die Massen über die wahren Kriegsschuldigen durch die Erklärung, dass die Bourgeoisie ihres Landes am Kriege nicht schuld sei. Viele Sozialchauvinisten wurden Minister in den imperialistischen Regierungen ihres Landes.

Nicht weniger gefährlich für die Sache des Proletariats waren die versteckten Sozialchauvinisten, die so genannten Zentristen. Die Zentristen - Kautsky, Trotzki, Martow und andere - rechtfertigten und verteidigten die offenen Sozialchauvinisten und verrieten somit im Verein mit den Sozialchauvinisten das Proletariat, wobei sie ihren Verrat mit „linken“, auf Betrug an der Arbeiterklasse berechneten Phrasen vom Kampf gegen den Krieg verschleierten. In der Tat unterstützten die Zentristen den Krieg, denn der Vorschlag der Zentristen, nicht gegen die Kriegskredite zu stimmen und sich bei der Abstimmung über die Kriegskredite auf Stimmenthaltung zu beschränken, bedeutete die Unterstützung des Krieges. Sie forderten ebenso wie die Sozialchauvinisten den Verzicht auf den Klassenkampf während des Krieges, um ihre imperialistische Regierung nicht an der Kriegführung zu behindern. Der Zentrist Trotzki war in allen wichtigen Fragen des Krieges und des Sozialismus gegen Lenin, gegen die bolschewistische Partei.

Lenin begann schon in den ersten Kriegstagen die Kräfte zur Schaffung einer neuen, der III. Internationale zu sammeln. Bereits in seinem Manifest gegen den Krieg vom November 1914 machte es sich das Zentralkomitee der bolschewistischen Partei zur Aufgabe, an Stelle der schmählich zusammengebrochenen II. Internationale die III. Internationale zu schaffen.

Im Auftrag Lenins sprach im Februar 1915 Genosse Litwinow auf der Londoner Konferenz der Sozialisten der Ententeländer. Litwinow forderte den Austritt der Sozialisten (Vandervelde, Sembat, Guesde) aus den bürgerlichen Regierungen Belgiens und Frankreichs und den völligen Bruch mit den Imperialisten, den Verzicht auf Zusammenarbeit mit ihnen. Er verlangte von allen Sozialisten den entschiedenen Kampf gegen ihre imperialistischen Regierungen und die Verurteilung der Bewilligung der Kriegskredite. Aber Litwinows Stimme fand auf dieser Konferenz keinen Widerhall.

Anfang September 1915 versammelte sich in Zimmerwald die erste Konferenz der Internationalisten. Lenin bezeichnete diese Konferenz als „den ersten Schritt“ in der Entwicklung der internationalen Bewegung gegen den Krieg. Auf dieser Konferenz wurde von Lenin die Zimmerwalder Linke gebildet. In dieser Zimmerwalder Linken nahm jedoch nur die Partei der Bolschewiki mit Lenin an der Spitze den einzig richtigen, bis zu Ende konsequenten Standpunkt gegen den Krieg ein: Die Zimmerwalder Linke gab in deutscher Sprache die Zeitschrift „Der Vorbote“ heraus, worin Artikel Lenins veröffentlicht wurden.

Im Jahre 1916 gelang es, in dem Schweizer Dorf Kiental die zweite Konferenz der Internationalisten einzuberufen. Sie wird die zweite Zimmerwalder Konferenz genannt. Zu dieser Zeit hatten sich in fast allen Ländern Gruppen von Internationalisten herausgebildet, zeichnete sich die Abspaltung der internationalistischen Elemente von den Sozialchauvinisten schärfer ab. Die Hauptsache war aber, dass die Massen selber zu diesem Zeitpunkt unter dem Einfluss des Krieges und des durch ihn hervorgerufenen Unheils eine Linksentwicklung durchgemacht hatten. Das Kientaler Manifest wurde auf Grund einer Vereinbarung der verschiedenen Gruppen, die sich auf der Konferenz bekämpften, ausgearbeitet. Es war ein Schritt vorwärts im Vergleich mit dem Zimmerwalder Manifest.

Aber auch die Kientaler Konferenz nahm die leitenden Grundsätze der Politik der Bolschewiki nicht an: Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg; Niederlage der eigenen imperialistischen Regierungen im Kriege; Organisierung der III. Internationale. Nichtsdestoweniger trug die Kientaler Konferenz zur Auslese der internationalistischen Elemente bei, aus denen sich in der Folge die Kommunistische, die III. Internationale bildete.

Lenin kritisierte die Fehler der inkonsequenten Internationalisten, linker Sozialdemokraten wie Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts, aber gleichzeitig half er ihnen, den richtigen Standpunkt einzunehmen.

 

 

 

 

KARL LIEBKNECHT

"Die Macht der kapitalistischen Regierung und der herrschenden Klassen Deutschlands wie aller anderen Länder auf allen Gebieten, auch in erster Reihe ihre militärische Macht, zu schwächen, zu brechen und durch die bestimmende Macht des Proletariats zu ersetzen, das ist das proletarische Ziel des internationalen Sozialismus. Im proletarischen Kampf um den Frieden, um einen Frieden, um einen Frieden im sozialistischen Geist - ohne Eroberung und Vergewaltigung - vollzieht sich heute (...) der Kampf um jenes allgemeine Ziel der sozialistischen Revolution. Diesem Ziel, diesem kampf gelten nach meinem Willen die Demonstration, das Flugblatt, die Rufe. Die höchste sozialistische Aufgabe ist es, das gesamte Proletariat für dieses Ziel, diesen Kampf zu gewinnen; auch die proletarischen Soldaten, die trotz Montur, Gewaltdisziplin und kriegsartikeln proletarische Klassenkämpfer bleiben müssen, internationale Klassenkämpfer, auch und gerade im kriege; auch die proletarischen Soldaten, denen die Pflichten der der internationalen Solidarität und des Klassenkampfes über alle militärischen Befehle gehen müssen.

Die höchste sozialistische Aufgabe ist es, dafür zu wirken, dass in naher Zeit dem imperialistischen Mordkommando - im Staatenkriege und im Bürgerkriege - hunderttausenfältig der trotzige Ruf antwortet:

'Wir werden nicht schießen!'

Die höchste sozialistische Aufgabe ist es, alles zu tun, damit die große Masse des Volkes von der Gesinnung und dem Mut erfüllt werde, der dem bonapartistischen 'Besser Krieg als Aufstand' entgegengesetzt das

sozialistische 'Besser Aufstand, besser Revolution - als Krieg!'

Das ist das Hauptstück des Anti-Militarismus."

(Karl Liebknecht, Erklärung an das Gericht nach seiner Verhaftung am 1. Mai 1916

 

 

 

Karl Liebknecht

Ablehnung der Kriegskredite

2. Dezember 1914

 

 

 

 

Militarismus und Antimilitarismus

 

 

 

Wir bleiben Todfeinde des Militarismus.

Diesem System keinen Mann und keinen Groschen !

(28. August 1913)

 

und

Hokuspokus

(27. und 28. August 1913)

 

 

 

Verbrüderung der Frontsoldaten

 

Flugblatt

Mai 1915

Der Hauptfeind steht im eigenen Land !

 

 

 

Deutsch-französische Friedenskundgebung

mit Karl Liebknecht

14. Juli 1914

 

 

 

Die nächsten Ziele eures Kampfes.

Arbeiter und Soldaten !

Nun ist eure Stunde gekommen. Nun seid ihr nach langem Dulden und stillen Tagen zur Tat geschritten. Es ist nicht zuviel gesagt: In diesen Stunden blickt die Welt auf euch und haltet ihr das Schicksal der Welt in euren Händen.

Arbeiter und Soldaten ! Jetzt, da die Stunde des Handelns gekommen ist, darf es kein Zurück mehr geben. Die gleichen "Sozialisten", die vier Jahre lang der Regierung Zuhälterdienste geleistet haben, die in den vergangenen Wochen von Tag zu Tag euch vertröstet haben mit der "Volksregierung", mit Parlamentarisierung und anderem Plunder, sie setzen jetzt alles daran, um euren Kampf zu schwächen, um die Bewegung abzuwiegeln.

Arbeiter und Soldaten! Was euren Genossen und Kameraden in Kiel, Hamburg, Bremen, Lübeck, Rostock, Flensburg, Hannover, Magdeburg, Braunschweig, München und Stuttgart gelungen ist, das muß auch euch gelingen. Denn von dem, was ihr erringt, von der Zähigkeit und dem Erfolge eures Kampfes hängt auch der Sieg eurer dortigen Brüder ab, hängt der Erfolg des Proletariats der ganzen Welt ab.

Soldaten! Handelt wie eure Kameraden von der Flotte, vereinigt euch mit euren Brüdern im Arbeitskittel. Laßt euch nicht gegen eure Brüder gebrauchen, folgt nicht den Befehlen der Offiziere, schießt nicht auf die Freiheitskämpfer.

 

Soldatenrat

 

Arbeiter und Soldaten! Die nächsten Ziele eures Kampfes müssen sein:

1. Befreiung aller zivilen und militärischen Gefangenen.

2. Aufhebung aller Einzelstaaten und Beseitigung aller Dynastien.

3. Wahl von Arbeiter- und Soldatenräten, Wahl von Delegierten hierzu in allen Fabriken und Truppenteilen.

4. Sofortige Aufnahme der Beziehungen zu den übrigen deutschen Arbeiter- und Soldatenräten.

5. Übernahme der Regierung durch die Beauftragten der Arbeiter- und Soldatenräte.

6. Sofortige Verbindung mit dem internationalen Proletariat, insbesondere mit der russischen Arbeiterrepublik.

Arbeiter und Soldaten! Nun beweist, daß ihr stark seid, nun zeigt, daß ihr klug seid, die Macht zu gebrauchen.

 

Hoch die sozialistische Republik!

Es lebe die Internationale!

 

Die Gruppe "Internationale" (Spartakusgruppe)
Karl Liebknecht, Ernst Meyer

Flugblatt der Gruppe "Internationale"
8./9. November 1918

 

 

Die proletarische November-Revolution

im Würgegriff des Sozialimperialismus

In der "Roten Fahne" sieht man hier einen Arbeiter, der dem todbringenden Weltkrieg das Kriegsfeuer entriss. Währenddessen kommt der Sozialfaschist Ebert von hinten und nimmt den Arbeiter in den Würgegriff, woraufhin der zu Boden sinkt.

"Ich bin mit der bestimmten
Absicht in die Streikleitung eingetreten, den Streik zum schnellen Abschluß zu bringen" -

Originalton des Streikbrechers Friedrich Ebert

Am 30. Januar 1918
fand beim Reichskanzler eine Unterredung mit dem
Chefredakteur des" Vorwärts", Friedrich Stampfer, statt, in deren Verlauf Stampfer sagte:

"Die Regierung scheint zu verkennen, aus welchen Gründen die Leitung der
Sozialdemokratischen Mehrheitspartei sich an der Streikbewegung beteiligt hat. Dies ist ausschließlich deshalb
geschehen, weil nur durch die Mitwirkung der Mehrheit
verhütet werden konnte, daß die Bewegung von vornherein
einen radikalen ... Charakter annahm."

 

"Das Jahr 1918 brachte im Januar die großen Munitionsarbeiterstreiks in Deutschland und Österreich, die ersten Anzeichen, daß die Welle der russischen Revolution, des siegreichen Oktobers, nicht an der Grenze Sowjetrußlands zum Stillstand kam, sondern in die übrigen kriegführenden Länder, insbesondere die der Mittelmächte, vorzudringen begann."

Ernst Thälmann

 

 

1918

Munitionsarbeiterstreik in Berlin im Januar 1918

Erlebnisse von Erich Schumann

 

 

 

Erlebnisbericht von Ewald Riemann

In der Silvesternacht 1918 verteilten wir von der USPD vom Treff Spandauer-Bock in der Tauroggener-, in der Beusselstraße und in der Turmstraße in Moabit 2000 Flugblätter: "Schluß mit dem Völkermorden", "Schluß mit dem Krieg". Es gelang uns trotz der Verfolgung durch die Polizei, uns einzeln nach Spandau mit der Straßenbahn und den damaligen Dampfzügen zu retten, ohne erwischt zu werden. Auf dem Tiefwerder wohnten 2 Kriegerwitwen, die auf der Pulverfabrik arbeiten mußten aber zu uns standen und bereit waren, Flugblätter in die Pulverfabrik einzuschleusen. Durch diese Beiden gelang es mir, 500 Flugblätter am Morgen des Generalstreiks in die Pulvermühle herein zu bekommen. Mitte Januar beim Generalstreik, bei dem in die Geschichte eingegangenen Spandauer-Munitionsarbeiterstreik, war ich geheim wiederum Mitglied der Streikleitung und führte mehrere Streiklisten an geheimer Stelle. Nur an bestimmten Zeiten mußte ich mit meinen Listen von einer Kneipe zur anderen rochieren, um den Spitzeln zu entgehen. Wir hatten fast überall unsere Geheimkuriere in Tätigkeit, so daß es in Spandau klappte, bis eben zum Rückzug geblasen werden mußte, da andere Städte und vor allen Dingen die Fronten nicht folgten. Hier im Januar 1918 spielten bei den Demonstrationen die Frauen von den Pulverfabriken, von der Pulvermühle eine sehr große Rolle. Diese Frauen, die mit ihren von dem Pulver gelb und grün gefärbten Gesichtern, Haaren und vor allen Dingen Händen, dazu die abgeschlissene vom Pulver an- und zerfressene, erbärmliche Kleidung, beeindruckte auch den hartgesottensten Bürger, speziell alle Frauen, die die Gruppen von der Pulverfabrik bei den Demonstrationen vorüberziehen sahen. Ja, die ersten Polizisten in der Havelstraße steckten ihre Säbel weg und liefen auf den Straßendämmen beflissen nebenher, ließen sogar Fuhrwerke halten und solange nicht weiter, bis der gesammte Demonstrationszug die Havelstraße passiert und in die Potsdamerstraße eingebogen war. Ich hatte als Geheimkurier die Aufgabe, darüber zu wachen, wer verhaftet wird und was für Spitzel auftreten und am Werk seien, also die verkappten Feinde in Spandau ausfindig zu machen. Am Rathausvorplatz erhielt ich dann die Weisung, mich zur Brückenstraße zu einem unserer geheimen Tagungsorte zu begeben, zur Einteilung der Streikposten.

Ich glaube, diese Angaben zu den Frauen wären noch wichtig, damit unsere Frauen erkennen, daß damals in dem Ernst der Stunde auch die Frauen ihren Mann gestanden haben und daß die Angaben "Kohlrübenstreik", "Hungerstreik" in Spandau nicht die große Bedeutung hatten, wie manche es heute hinzustellen pflegen. Unsere Flugblätter "Nieder mit dem Krieg" waren von den Frauen der Pulvermühlen gelesen und sehr gut verstanden worden.

 

 

 

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Käthe Kollwitz

 

Kleine Enzyklopädie der deutschen Geschichte

Erster Weltkrieg

Von der ersten Marokkokrise bis zur deutschen Novemberrevolution 1918

 

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Große Sowjet-Enzyklopädie

Deutschland 1900 - 1918

 

* * *

Der Sieg der Entente über Deutschland

 

Die Diplomatie der Neuzeit

[1872-1919 ]

HERAUSGEBER:

Akademiemitglied W. P. POTJQMKIN

Verfaßt von

Prof.W.M.CHWOSTOW und Prof.I.I.MINZ

MOSKAU 1947

VERLAG FÜR FREMDSPRACHIGE LITERATUR

 

Friedrich Engels

Über den Krieg

Geschrieben Ende Juli 1870
bis Februar 1871.

 

 

STALIN

 

"Was die politischen Losungen und die politischen Beschlüsse der Parteien der II. Internationale betrifft, so genügt es, sich der Geschichte der Losung "Krieg dem Kriege" zu erinnern, um die ganze Falschheit und die ganze Fäulnis der politischen Praxis dieser Parteien zu erkennen, die ihre antirevolutionäre Tätigkeit mit pompösen revolutionären Losungen und Resolutionen bemänteln. Allen erinnerlich ist die pompöse Demonstration der II. Internationale auf dem Baseler Kongress, wo den Imperialisten mit allen Schrecken des Aufstands gedroht wurde, falls die Imperialisten es wagen sollten, den Krieg zu beginnen, und wo die dräuende Losung "Krieg dem Kriege" ausgegeben wurde. Aber wer erinnert sich nicht, dass nach einiger Zeit, unmittelbar vor Beginn des Krieges, die Baseler Resolution zu den Akten gelegt wurde und den Arbeitern eine neue Losung gegeben wurde - einander hinzumorden zum Ruhme des kapitalistischen Vaterlands? Ist es da nicht klar, dass revolutionäre Losungen und Resolutionen keinen Pfifferling wert sind, wenn sie nicht durch die Tat bekräftigt werden? Es genügt, die Leninsche Politik der Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg und die verräterische Politik der II. Internationale während des Krieges einander gegenüberzustellen, um die ganze Plattheit der opportunistischen Politikaster, die ganze Größe der Methode des Leninismus zu erkennen."

Stalin, "Grundlagen des Leninismus", II - Die Methode; Band 6

 

 

 

* * *

 

Stellungnahme der KPD/ML - 1974

geschrieben vom Genossen Ernst Aust

ROTER MORGEN

Nr. 31; 3. August 1974

1. August 1914:

Beginn des 1. Weltkrieges - Verrat der 2. Internationale

 

"Die proletarische Internationale ist nicht untergegangen und wird nicht untergehen."

(Lenin)

 

 

Am 1. August vor sechzig Jahren, erklärte das imperialistische Deutsche Kaiserreich dem zaristischen Russland den Krieg. Zwei Tage später folgte die kriegserklärung an Frankreich. Am 4. August überfielen die Deutschen Truppen das neutrale Belgien, besetzten das Land und unterdrückten die Bevölkerung grausam.

Der 1. Weltkrieg hatte begonnen.

Ganze Landstrecken, die dicht bevölkert waren wie wenige auf der Erde, wurden in Asche gelegt, gewaltige Werke der Kunst und Technik zerstört, Millionen Menschen erschossen, in die Luft gesprengt, vergiftet, verbrannt, ertränkt und ausgehungert.

Dieser Krieg war reaktionär ubnd imperialistisch.

Eine Handvoll Großmächte, England, Frankreich und Russland auf der einen Seite, Deutschland und Österreich auf der anderen Seite, fielen übereinander her, um die Welt neu aufzuteilen, die Macht der anderen zu brechen, die kleinen Nationen zu unterdrücken und möglichst viele Kolonien an sich zu reißen.

 

In diesem Krieg konnte die Arbeiterklasse nicht die eine oder andere Bourgeoisie unterstützen. Die Niederlage der "eigenen" Bourgeoisie herbeizuführen, mit aller Kraft daran arbeiten, die Bourgeoisie zu stürzen, die sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten, das musste der Weg der Arbeiter eines jeden Landes sein.

"Krieg dem imperialistischen Krieg!"

Das war die Losung der revolutionären Sozialdemokratie.

Als sich die Vertreter der Parteien der 2. Internationale 1907 in Stuttgart und 1912 in Basel trafen, beschlossen sie:

 

"Fall der Krieg dennoch ausbrechen sollte, sind sie (die sozialdemokratischen Parteien) verpflichtet, für dessen rasche Beendigung einzutreten und mit allen Kräften dahin zu streben, um die durch den Krieg herbei geführte wirtschaftliche und politische Krise zur politischen Aufrüttelung der Volksschichten und zur Beschleunigung des Sturzes der kapitalistischen Klassenherrschaft auszunutzen."

 

Aber die Führer der Parteien der 2. Internationale waren das nur leere Worte. Als der Krieg ausbrach, stellten sie sich alle auf die Seite ihrer "eigenen" Bourgeoisie, schlossen einen Burgfrieden mit ihr und unterstützten ihre räuberischen Ziele. Ihre Parole war jetzt: "Vaterlandsveteidigung". Die größte, die einflussreichste Partei der 2. Internationale, die deutsche Sozialdemokratie, fiel am tiefsten. Ihre Führer benahmen sich wie "Herolde des Imperialismus". Einer von ihnen, Stampfer, sagte:

"Wenn die verhängnisvolle Stunde schlägt, werden die Arbeiter das Wort einlösen, das von ihren Vertretern für sie abgegeben ist, die vaterlandslosen Gesellen werden ihre Pflicht erfüllen und sich darin von den Patrioten in keiner Weise übertreffen lassen."

Am 4. August stimmt die Reichstagsfraktion der Partei für die Bewilligung der Kriegskredite. Von diesem Tag an nannte Rosa Luxemburg die deutsche Sozialdemokratie einen "stinkenden Leichnam."

In allen Ländern riefen die Oberhäupter der 2. Internationale die Arbeiter zu den Waffen, aber nicht, damit sie sie gegen die eigene Bourgeoisie kehren, sondern damit sie aufeinander schießen.

Sie waren Sozialchauvinisten - "Sozialisten" in Worten und Chauvinisten in Taten geworden.

"Die Einheit mit den Opportunisten ist zu einer einzigen Heucheli geworden (...) das Fortbestehen dieser bürgerlichen Eiterbeule innerhalb der sozialistischen Parteien ist unerträglich geworden." (Lenin)

 

 

 

 

 

Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Lenin und die russischen Bolschewiki - diese Namen sind für Millionen zum Symbol des revolutionären Kampfes gegen den imperialistischen Krieg, für die Revolution geworden. Am 2. Dezember 1914 stimmt Karl Liebknecht im Reichstag als einziger offen gegen die Bewilligung der Kriegskredite. Er erklärte:

 

"Dieser Krieg, den keines der beteiligten Völker selsbt gewollt hat, ist nicht für die Wohlfahrt des deutschen oder eines anderen Volkes entbrannt. Es handelt sich um einen imperialistischen Krieg, einen Krieg um die kapitalistische Beherrschung des Weltmarktes (...) Es handelt sich um ein bonapartistisches Unternehmen zur Demoralisation und Zertrümmerung der anschwellenden Arbeiterbewegung."

 

 

Über Deutschland war der Belagerungszustand verhängt. Die Polizei wütete gegen die klassenbewussten Arbeiter. Die Pressezensur verbot jede revolutionäre Propaganda gegen den Krieg, während die "offiziellen" sozialdemokratischen Blätter Papier in Hülle und Fülle erhielten, um die Arbeiter zu den Waffen zu rufen. Der Krieg dauerte an, die Leiden, der Hunger, das Elend wurde unerträglich. In den Schützengräben, in den Munitionsfabriken, unter den Soldaten der Marine, in der Jugend begann es zu gären. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg begannen sich von den Sozialchauvinisten und Opportunisten zu trennen.

 

"Abrechnung, unerbittliche Abrechnung mit den Fahnenflüchtigen und Überläufern der Internationale in Deutschland, Frankreich und anderwärts."

 

Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg begannen illegale Flugblätter und Zeitungen herauszugeben. Schon im Dezember 1914 erschien der erste Spartakusbrief.

 

Spartakus - dieser Name wurde fortan zum Schreckgespenst der Bourgeoisie und der Opportunisten. Für die Arbeiter aber wurde er zum Symbol der Befreiung und der Revolution.

"Der Hauptfeind steht im eigenen Land ! Der Hauptfeind des deutschen Volkes steht in Deutschland: der deutsche Imperialismus, die deutsche Kriegspartei, die deutsche Geheimdiplomatie !"

 

Dieser Feind konnte nicht geschlagen werden, solange die Arbeiter noch unter dem Einfluss der größten Autorität der II. Internationale, Kautsky, standen. Kautsky behauptete, dass der Krieg zu einer Verständigung der Nationen, zur Abrüstung, zu dauerndem Frieden führen könnte, dass eine Ära neuer Hoffnungen und Erwartungen möglich sei. Er predigte den Arbeitern, dass der Krieg auch für die Imperialisten selbst ungünstig sei, dass sie vernünftig werden könnten, wenn, ja wenn die Arbeiter auf revolutionäre Aktionen verzichten würden.

Aber Imperialismus bedeutet Krieg.

Solange sich eine Handvoll imperialistischer Großmächte eiander gegenüberstehen, gibt es für sie letzten Endes kein anderes Mittel ihre Kräfte zu messen, als den Krieg - wenn ihnen die Revolution nicht vorher das Handwerk legt.

Lenin zweifelte keinen Augenblick daran, dass sie sich erheben würden. Um sie zum Sieg zu führen, war der vollständige Bruch mit den Verrätern notwendig, musste eine neue Internationale geschaffen werden.

 

"Die proletarische Internationale ist nicht untergegangen", schrieb Lenin, "und wird nicht untergehen. Die Arbeitermassen werden trotz aller Hindernisse eine neue Internationale schaffen."

Und aus dem Schützengraben schrieb Karl Liebknecht:

"Die neue Internationale wird erstehen, auf den Trümmern der alten kann sie erstehen, auf neuen, festeren Fundamenten."

Nach vier Jahren Krieg fegte die Oktoberrevolution in Russland die kapitalistische Regierung hinweg, der alte Staat wurde zertrümmert, die Arbeiter und Bauern nahmen die Macht in ihre Hände. Das russische Proletariat siegte, weil es von einer Partei neuen Typs geführt wurde, den Bolschewiki. Mit der Schmiedung der bolschewistischen Partei zog Lenin für das internationale Proletariat die Lehren aus dem Zusammenbruch der 2. Internationale. Stalin schreibt dazu in seiner Schrift "Über die Grundlagen des Leninismus":

 

"Das bedeutet, dass die Parteien der II. Internationale untauglich sind für den revolutionären Kampf des Proletariats, dass sie keine Kampfparteien des Proletariats sind, die die Arbeiter zur Macht führen, sondern ein Wahlapparat, der für Parlamentswahlen und den parlamentarischen Kampf eingerichtet ist. Daraus erklärt sich eigentlich auch die Tatsache, dass in der Periode der Herrschaft der Opportunisten der II. Internationale nicht die Partei, sondern die Parlamentsfraktion die maßgebende politische Organisation des Proletariats war. Es ist bekannt, dass die Partei in dieser Periode in Wirklichkeit ein Anhängsel und dienstbares Element der Parlamentsfraktion war. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass unter solchen Bedingungen und mit einer solchen Partei an der Spitze von einer Vorbereitung des Proletariats auf die Revolution nicht einmal die Rede sein konnte."

Die neue Periode ist die Periode offener Zusammenstöße der Klassen, die Periode revolutionärer Aktionen des Proletariats, die Periode der proletarischen Revolution, die Periode der direkten Vorbereitung der Kräfte zum Sturz des Imperialismus, zur Ergreifung der Macht durch das Proletariat. Diese Periode stellt dem Proletariat neue Aufgaben: die gesamte Parteiarbeit auf neue, auf revolutionäre Art umzubauen, die Arbeiter im Geiste des revolutionären Kampfes um die Macht zu erziehen, Reserven auszubilden und heranzuziehen, das Bündnis mit den Proletariern der benachbarten Länder herzustellen, feste Verbindungen mit der Befreiungsbewegung der Kolonien und der abhängigen Länder zu schaffen usw. usf. Zu glauben, dass diese neuen Aufgaben mit den Kräften der alten sozialdemokratischen Parteien, die in den friedlichen Verhältnissen des Parlamentarismus erzogen wurden, gelöst werden können - heißt sich zu hoffnungsloser Verzweiflung, zu einer unausbleiblichen Niederlage verurteilen. Die alten Parteien weiter an der Spitze zu belassen, wo man solche Aufgaben zu bewältigen hat, heißt völlig ungerüstet dastehen. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass das Proletariat sich mit einer solchen Sachlage nicht abfinden konnte.

Daraus folgt die Notwendigkeit einer neuen Partei, einer Kampfpartei, einer revolutionären Partei, die kühn genug ist, die Proletarier in den Kampf um die Macht zu führen, die genügend Erfahrung hat, um sich in den komplizierten Verhältnissen der revolutionären Situation zurechtzufinden, und genügend Elastizität besitzt, um Klippen jeder Art auf dem Wege zum Ziel zu umgehen.

Ohne eine solche Partei ist an einen Sturz des Imperialismus, an die Eroberung der Diktatur des Proletariats gar nicht zu denken. Diese neue Partei ist die Partei des Leninismus."

 

Und auch in Deutschland drehte das Proletariat gegen Ende des Krieges die Gewehre um. Die Matrosen von Kiel hissten die rote Fahne. In Berlin marschierten die Arbeiter unter der Führung des Spartakusbundes zu den Kasernen, entwaffneten das Militär und verbrüderten sich mit den Soldaten.

Auch die deutsche Arbeiterbewegung beschritt den Weg, den Lenin und die russische Oktoberrevolution ihr gewiesen hatte: sie schuf sich die bolschewistische Kampfpartei.

Silvester 1918 gründeten die revolutionären Sozialdemokraten unter der Führung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs die KPD. Die Vorhut des deutschen Proletariats zog die Lehre aus dem Verrat der SPD.

In Deutschland siegte 1918 die Revolution nicht. Die sozialdemokratischen Führer, die das deutsche Proletariat im Auftrag der Imperialisten in den Krieg gehetzt hatten, richteten nun selbst die Gewehre gegen die Arbeiterklasse. Sie retteten jetzt die Bourgeoisie vor dem Ansturm der proletarischen Revolution.

Karl und Rosa wurden ermordet !

Aber ihr Vermächtnis lebt weiter. Es erfüllte die KPD Ernst Thälmanns und es lebt fort in unserer Partei, die im schonungslosen Kampf gegen den revisionistischen Verrat das Erbe der revolutionären KPD Karl Liebknechts, Rosa Luxemburgs und Ernst Thälmanns fortführt.

 

Krieg dem imperialistischen Krieg !

Es lebe der proletarische Internationalismus !

Es lebe die sozialistische Revolution !

 

 

* * *

"Besser Aufstand, besser Revolution - als Krieg"

Am 1. Mai 1916 demonstrierten in Berlin 20 000 Menschen gegen den imperialistischen Krieg. Sie folgten dem Aufruf Karl Liebknechts:

"Nieder mit dem Krieg!" - "Nieder mit der Regierung!" - schleuderte Karl Liebknecht auf offener Straße den Imperialisten ins Gesicht. Bei diesen Rufen wurde er verhaftet und ins Zuchthaus gesteckt. Aber 1918 drehten die Arbeiter und Soldaten die Gewehre um. Sie befreiten Karl Liebknecht aus dem Zuchthaus. Er wurde der Führer der deutschen Revolution, für die er sein Leben lang gekämpft hatte.

1916 erklärte er vor Gericht:

"Die Macht der kapitalistischen Regierung und der herrschenden Klassen Deutschlands wie aller anderen Länder auf allen Gebieten, auch in erster Reihe ihre militärische Macht, zu schwächen, zu brechen und durch die bestimmende Macht des Proletariats zu ersetzen, das ist das proletarische Ziel des internationalen Sozialismus. Im proletarischen Kampf um den Frieden, um einen Frieden, um einen Frieden im sozialistischen Geist - ohne Eroberung und Vergewaltigung - vollzieht sich heute (...) der Kampf um jenes allgemeine Ziel der sozialistischen Revolution. Diesem Ziel, diesem kampf gelten nach meinem Willen die Demonstration, das Flugblatt, die Rufe. Die höchste sozialistische Aufgabe ist es, das gesamte Proletariat für dieses Ziel, diesen Kampf zu gewinnen; auch die proletarischen Soldaten, die trotz Montur, Gewaltdisziplin und kriegsartikeln proletarische Klassenkämpfer bleiben müssen, internationale Klassenkämpfer, auch und gerade im kriege; auch die proletarischen Soldaten, denen die Pflichten der der internationalen Solidarität und des Klassenkampfes über alle militärischen Befehle gehen müssen.

Die höchste sozialistische Aufgabe ist es, dafür zu wirken, dass in naher Zeit dem imperialistischen Mordkommando - im Staatenkriege und im Bürgerkriege - hunderttausenfältig der trotzige Ruf antwortet:

'Wir werden nicht schießen!'

Die höchste sozialistische Aufgabe ist es, alles zu tun, damit die große Masse des Volkes von der Gesinnung und dem Mut erfüllt werde, der dem bonapartistischen 'Besser Krieg als Aufstand' entgegengesetzt das sozialistische 'Besser Aufstand, besser Revolution - als Krieg!'

Das ist das Hauptstück des Anti-Militarismus."

(Karl Liebknecht, Erklärung an das Gericht nach seiner Verhaftung am 1. Mai 1916

 

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aus: "Roter Morgen"Nr. 7/8 vom Juli/August 1989

geschrieben von Wolfgang Eggers

 

Vor 75 Jahren

Beginn des 1. Imperialistischen Weltkriegs

 

Die zwischen England und Deutschland, zwischen Russland und Deutschland, zwischen Frankreich und Deutschland, sowie zwischen Russland und Österreich bestandenen imperialistischen Gegensätze riefen eine Krise des kapitalistischen Systems hervor und führten zum ersten imperialistischen Weltkrieg.

Von allen genannten Gegensätzen war der deutsch-englische Gegensatz der schärfste.

Jedoch wurde der Krieg von allen imperialistischen Mächten vorbereitet, die sämtlich eine Neuaufteilung der Welt zu ihren Gunsten anstrebten.

"An diesem Krieg waren die Imperialisten aller Länder schuld." (Geschichte der KPdSU [B], VI. Kapitel, 1. Abschnitt, Seite 202)

Auch wenn sich dieses so verhielt, waren es die deutschen Imperialisten, due es mit der Entfesselung des Krieges besonders eilig hatten. Es gelang ihnen, sich bis zum Sommer 1914 gründlich vorzubereiten, während Russland und Frankreich ihre Gegenmaßnahmen bei Weitem noch nicht beendet hatten.

"Während sie Legenden von einem 'Verteidigungskrieg' in die Welt setzte, indem sie sich angeblich befand, wählte die deutsche Bourgeoisie in Wirklichkeit den von ihrem Standpunkt günstigen Moment für den Krieg, die letzten Errungenschaften der kriegstechnik ausnutzend und den von Russland und Frankreich bereits vorgesehenen und beschlossenen neuen Rüstungen zuvorkommend." (Lenin: Der Krieg und die russische Sozialdemokratie, Seite 77).

Ähnlich wie Deutschland, war auch England, das Haupt der Entente, an der beschleunigten Herbeiführung des krieges interessiert.

Den Anlass zum Krieg boten die Ereignisse auf dem Balkan. Am 28. Juni 1914 wurde in Sarajewo, der Hauptstadt Bosniens, der österreichisch-ungarische Thronfolger, Erzherzog Fran Ferdinand, ermordet. Die Mörder waren Mitglieder einer serbischen Offiziersorganisation. Die Kriegspartei in Österreich verlangte, dass der Motrd von Sarajewo als Vorwand für die von ihr schon lange geplante Abrechnung mit Serbien ausgenutzt werde. Die Regierung und der greise Kaiser Franz Joseph wussten, dass ein Angriff auf Serbien den europäischen Krieg nach sich ziehen musste. Sie konnten sich zu einem solchen schwer wiegenden Schritt nicht entschließen, ohne vorher die Zustimmung ihres Bundesgenossen Deutschland eingeholt zu haben. Franz Joseph teilte deshalb dem deutschen Kaiser mit, dass er Serbien zu bestrafen beabsichtige und fragte an, ob Deutschland in einem solchen Fall Österreich-Ungarn unterstützen würde. Von der Entwcheidung Wilhelms II. und seiner Regierung hing es nun ab,ob es zum Krieg kam oder nicht. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Wilhel II. und Reichskanzler Bethmann-Hollweg erklärten, dass sie Österreich-Ungarn voll unterstützen würden. Diese Zustimmung zum Krieg gegen Serbien und damit zur Entfesselung des Weltkrieges gaben sie leichten Herzens.

 

Der deutsche Imperialismus, der Angriffslustigste von allen, war auch am besten auf den Eroberungskrieg vorbereitet. Die Deutschen waren der Ansicht, dass es für die Zentralmächte günstiger sei, 1914 zu kämpfen, als einige Jahre später, wenn Russland und Frankreich die Reorganisierung ihrer Armee und Flotte beendet hatten. Die deutsche Regierung wusste, dass es Russland schwer fiel, Serbien und damit seinen Einfluss auf dem Balkan aufzugeben.

Aber die deutschen Imperialisten wussten auch, dass ihr großer östlicher Nachbar nicht zum Krieg gerüstet war. Sie hielten es daher für möglich, dass er Serbien nicht unterstützte.

Aber selbst wenn Russland und Frankreich den Überfall auf Serbien mit ihrem Eintritt in den Krieg beantworten würden, so hielt die deutsche Regierung dies für die beste Gelegenheit, die beiden imperialistischen Gegner auf dem Festland in einem Zug zu erledigen, bevor diese völlig für den Kampf vorbereitet wären. Außerdem hoffte die deutsche Regierung, dass England am Krieg nicht teilnehmen werde, da es mit inneren Schwierigkeiten zu kämpfen hatte: in Irland stand ein Bürgerkrieg bevor. Unter all diesen Umständen schien den deutschen Imperialisten der Augenblick gekommen zu sein, in dem sie den Kampf für die Neuaufteilung der Welt aufnehmen konnten.

Nachdem der Entschluss zum Krieg gefasst war, bestand Deutschland darauf, dass Österreich-Ungarn rasch und energisch zu handeln hätte. Man beschloss, Serbien ein Ultimatum zu stellen. Im Einverständnis mit Deutschland enthielt dieses Ultimatum absichtlich so erniedrigende Forderungen, dass Serbien anscheinend nichts Anderes übrigbliebe, als diese abzulehnen. Auf Anraten der russischen Regierung zeigte aber Serbien bei der Antwort auf das Ultimatum Österreich-Ungarns große Nachgiebigkeit. Zur festgesetzten Stunde brachte der serbische Ministerpräsident dem österreichischen Botschafter die Antwort. Serbien nahm fast alle Forderungen des Ultimatums an. Nachdem der österreichische Botschafter die Antwort gelesen hatte, erklärte er trotzdem, dass er sie unbefriedigend finde und dass er die diplomatischen Beziehungen zwischen Serbien und Österreich-Ungarn abbrechen und Belgrad verlassen müsse. Deutschland drängte zur Kriegserklärung. Am 28. Juli tat Österreich-Ungarn diesen Schritt.

Mit allen Mitteln nährten die englischen Imperialisten, die ebenfalls bemüht waren, den Krieg zu provozieren, die Illusion der deutschen Regierung, dass England in einem Krieg Deutschlands und Österreich-Ungarns gegen Russland und Frankreich neutral bleiben würde. Russland und Frankreich ihrerseits bemühten sich, von England Hilfe gegen Deutschland zu erhalten. Die neglische Regierung gab ihnen jedoch keine Antwort und ermunterte auch damit die Deutschen, den Krieg zu beginnen. Erst am 29. Juli erklärte sie den Deutschen, England könne nicht unbeteiligt bleiben, wenn Frankreich und auch Belgien in den krieg einbezogen würden.

Am 1. August 1914 erklärte Deutschland Russland den Krieg. Am 3. August erklärte es Frankreich den Krieg, und inderselben Nacht drangen deutsche Truppen in Belgien ein. Damit setzten sie sich über Belgiens Neutralität hinweg.

Am 4. August 1914 erklärte England Deutschland den Krieg. Somit war der allgemeine "Startschuss" für das bisher größte Gemetzel unter den Völkern gegeben.

 

Verraten von ihren sozialdemokratischen Führern der II. Internationale schlug über die Arbeiterklasse aller Krieg führenden Länder eine Welle schlimmsteten Sozial-Chauvinismus zusammen. Gegen dieses Ekel erregende Geschwafel von "Vaterlandsverteidigung" und "Burgfriedens"-politik erhob in Deutschland nur unser Karl Liebknecht seine Stimme.

Er hatte treue Verbündete in den russischen Bolschewiki unter Lenins und Stalins Führung, die seine Parole vom

"Hauptfeind, der im eigenen Land steht",

konkret auf das zaristische Völkergefängnis anwandten.

Es sollte über 3 Jahre dauern, bis die Geschützsalven des Panzerkreuzers "Aurora" in der Oktoberrevolution 1917 den Anbruch einer neuen Zeit verkünden konnten.

Der Sozialismus und der Friede kamen aus dem Osten und sie hatten konkrete Namen:

Lenin und Stalin waren die Sendboten, doch es dauert noch ein weiteres Jahr, bis der Frieden allgemein wurde. Für 10 Millionen Tote und über 20 Millionen Verwundete kam er zu spät.

 

Die aktuellen Lehren, die es für uns hier und heute zu ziehen gilt, lauten - auf einen kurzen Nenner gebracht - :

Solange es den Imperialismus als höchstes Stadium der Gesellschaftsordnung des Kapitalismus gibt, besteht die Gefahr von Kriegen weiter. Seine Abschaffung durch die sozialistische Revolution hingegen, ist die größte Friedenstat, die die Arbeiterklasse vollbringen kann.

 

 

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“Die Oberen sagen: Frieden und Krieg sind aus verschiedenem Stoff. Aber ihr Friede und ihr Krieg sind wie Wind und Sturm. Der Krieg wächst aus ihrem Frieden, wie der Sohn aus der Mutter, er trägt ihre schrecklichen Züge. Ihr Krieg tötet, was ihr Frieden übriggelassen hat.”

(Bertolt Brecht)

 

"Die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit." (B.Brecht)

 

“Die Wahrnehmung, daß es möglich ist, durch Gewalt andere Menschen und Menschengruppen zu enteignen, auszubeuten, niederzukonkurrieren und so weiter, ist aus dem privaten Wahrnehmungskreis des kleinen und großen Bürgertums gewonnen. Gerade auf einem solchen Verhalten bruht ja unsere Wirtschaft”
(B. Brecht)

 

 

 

 

Die Frage der Vaterlandsverteidigung

 

 

Was ist unter der Militärpolitik der Weltpartei, der Kommunistischen Internationale zu verstehen?

 

aus:

Lehrbuch

über die marxistisch-leninistischen Grundlagen der

weltproletarischen Militärwissenschaft

und über die Kunst der

weltrevolutionären Klassenkriegsführung

 

geschrieben von Wolfgang Eggers




Was ist Politik?


Was ist unter Politik zu verstehen? Politik – das ist der Kampf zwischen den Klassen; Politik – das sind die Beziehungen des Proletariats, das für seine Befreiung gegen die Weltbourgeoisie [Hervorhebung vom Verfasser] kämpft“ (Lenin, Band 31, Seite 365) Der Inhalt der Politik hat Klassencharakter- die politische Form ist die wesentliche Art und Weise, wie der Klassenkampf organisiert und geführt wird.



Politik - das ist das entscheidende Mittel, das hauptsächliche Instrument von Parteien, Staaten, Staatenbündnissen, ihrer Institutionen und Organisationen usw. usf. zur Durchsetzung von Klasseninteressen mit dem Ziel, die Macht von Klassen zu erobern, aufrechtzuerhalten, zu verteidigen, zu stärken usw. usf. Die Politik der Gewalt im eigentlichen Sinne ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer anderen.


Die proletarische Politik ist das entscheidende Mittel zur Durchsetzung der proletarischen Klasseninteressen mit dem Ziel, mit seiner Macht jene Bedingungen zu schaffen, mit denen sich die Klassen „selbst“ abschaffen. Die proletarische Politik ist das entscheidende Mittel, um die Politik aus den Fesseln ihres Klassencharakters zu befreien.

Die Politk der von der marxistisch-leninistischen Partei geführten Arbeiterklasse ist also im Unterschied zur Politik aller bisherigen Klassen eine Politik zur eigenen Befreiung und zugleich zur Befreiung der Menschheit von Ausbeutung, Krisen und Kriegen, eine Politik zur Gestaltung der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft. Die proletarische Politik der marxistisch-leninistischen Partei ist schöpferische Anwendung der von den Marxisten-Leninisten ausgearbeiteten theoretischen und methodologischen Grundlagen und ist damit die einzige wissenschaftliche Politik.

Die Politik der proletarischen Gewalt ist im eigentlichen Sinne die organiserte Gewalt der Arbeiterklasse für ihre Befreiung von der Unterdrückung der ausbeutenden Klassen, zur Unterdrückung der ausbeutenden Klassen.



Die Politik wird durch die jeweilig herrschenden Produktionsverhältnisse und dementsprechende Klassenbeziehungen bestimmt. Seit Marx wissen wir, dass die proletarische Politik auf der materialistischen Wissenschaft der Politökonomie basiert, dass die Wurzeln der Politik in der Ökonomie liegen, dass hinter der Politik handfeste ökonomische Interessen der Klassen stehen, dassPolitik konzentrierte Ökonomik“ ist (Lenin, Band 33, Seite 302). So, wie die marxistisch-leninistische Politökonomie den gesetzmäßigen Untergang des Kapitalismus aufdeckt, leitet sich daraus die ökonomische Politik der marxistisch-leninistischen Partei zur Eroberung der Macht des Proletariats durch die sozialistische Revolution ab. Und so wie die politische Ökonomie durch Lenin, Stalin und Enver Hoxha zur wissenschaftlichen Grundlage des ökonomischen Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft weiterentwickelt wurde, ist auch die sozialistische Politik der marxistisch-leninistischen Parteien konzentrierter Ausdruck der sozialistischen Ökonomie, und so sind auch die sozialistischen Waffen konzentrierter Ausdruck der sozialistischen Politik, wie alle Waffen konzentrierter Ausdruck der Politik im Allgemeinen sind.

Aber die Politik erschöpft sich nicht in ihren ökonomischen Wurzeln, Grundlagen, Zielen usw. Die dialektische Einheit von Politik und Ökonomie besteht darin, dass sich aus der Ökonomie die Klassenstrukturen einer Gesellschaft ergeben und damit auch die grundlegenden Interessen der Klassen, die wiederum die entscheidenden Inhalte und Ziele der Politik der Klassen bestimmen. (Lenin, Band 7, Seite 48).

Die marxistisch-leninistische Partei richtet ihre Politik also auf die Durchsetzung der Interessen der Arbeiterklasse, mit der Beseitgung ihrer Ausbeutung schließlich jegliche Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen - in der kommunistischen Weltgesellschaft.

Um das zu erreichen, genügt jedoch weder eine bloße Verbesserung der ökonomischen Existenzbedingungen noch die Entwicklung der Ökonomie. Hierzu bedarf es der Eroberung und der Behauptung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse, bedarf es der Diktatur des Proletariats. Deswegen hat laut Lenin die Politik notwendigerweise das Primat gegenüber der Ökonomie. Da die Arbeiterklasse ihre Grundinteressen nur vermittels der Politik umfassend durchsetzen kann, muss die Ökonomie den jeweiligen politischen Zielen untergeordnet sein. Ohne politisch richtig an die Sache heranzugehen, wird die Arbeiterklasse ihre Herschaft nicht behaupten und folglich auch ihre Produktionsaufgabe nicht lösen können, wird die Ökonomie also umgekehrt von der Politik bestimmt. Das heißt aber nicht, dass die Gesetze der politischen Ökonomie, die meistens für eine bestimmte historische Periode wirken, durch die Politik, auch nicht durch die Militärpolitik, willkürlich oder gealtsam aufgehoben werden können. Stalin sagte: Aber (...) diese Gesetze werden nicht aufgehoben, sondern verlieren ihre Kraft kraft der neuen ökonomischen Verhältnisse und treten ab, um neuen Gesetzen Platz zu machen, die nicht nach dem Willen der Menschen geschaffen werden, sondern auf der Basis der neuen ökonomischen Verhältnisse entstehen“ (Stalin, Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR, Moskau 1952, Seite 7). Und bezogen auf die Gesetze des militärische Tuns der Klassengesellschaft sei hier das bekannte Engelszitat angeführt:

Die Gesetze ihres eigenen gesellschaftlichen Tuns, die ihnen bisher als fremde, sie beherrschende Naturgesetze gegenüberstanden, werden dann von den Menschen mit voller Sachkenntnis angewandt und damit beherrscht“ (Engels, „Anti-Dühring“). Die Arbeiterklasse ist also nicht den ökonomischen Gesetzen machtlos ausgeliefert, ist nicht Sklave dieser Gesetze, sondern kann sie in ihrem Interesse ausnutzen und die Gewalt unter Kontrolle bringen Wenn sich die Politik also nicht auf die objektiven Gesetze stützt, kann sie ihre Aufgabe auch nicht erfüllen.


Was ist Militärpolitik?


Militärpolitik ist die Politik der militärisch organisierten Gewalt von Klassen zur Unterdrückung von anderen Klassen. Sie ist die Politik einer Klasse oder eines Klassenbündnisses, deren Partei oder Parteienbündnis, deren Staat oder deren Staatenbündnis seine/ihre Klasseninteressen zur Eroberung bzw. Aufrechterhaltung der Klassenherrschaft auch mit militärischen Mitteln wahrzunehmen und durchzusetzen. Der Inhalt der Militärpolitik ist also die Eroberung und Aufrechterhaltung der Macht und wird bestimmt durch ihren bewaffneten Klassenkampfcharakter. Die militärpolitische Form des Klassenkampfes ist die Art und Weise wie dieser - mit welchen bewaffneten Mitteln, Formen und Organisationen dieser - organisiert, geführt und durchgesetzt wird.


Die marxistisch-leninistische Militärpolitik ist im nationalen Rahmen die Politik des Proletariats und seiner bolschewistischen Partei gegen die Bourgeoisie in einem Land, und im Weltmaßstab die Politik des Weltproletariats und seiner Weltpartei gegen die Weltbourgeoisie, um sich mit militärischen Mitteln vom Kapitalismus, vom Weltimperialismus zu befreien. Sie ist die militärisch organisierte Gewalt der Arbeiterklasse zur Unterdrückung der ausbeutenden Klassen. Diese militärpolitische Aufgabe kann nur von der Sowjetmacht gelöst werden, wie Lenin es folgendermaßen definierte: Nur die Sowjetmacht als ständige Staatsorganisation eben der durch den Kapitalismus unterdrückten Klassen ist imstande, die Unterordnung des Heeres unter die bürgerliche Kommandogewalt aufzuheben und das Proletariat wirklich mit dem Heer zu verschmelzen, die Bewaffnung des Proletariats und die Entwaffnung der Bourgeoisie wirklich durchzuführen, weil sonst der Sieg des Sozialismus unmöglich ist (Lenin auf dem 1. Weltkongress der Komintern).

Die Militärpolitik des Weltproletariats ist ein politisches Instrument, um den Sieg der sozialistischen Weltrevolution mit militärischen Mitteln zu erringen und zu sichern - eine Kampfaufgabe, die zur praktischen Lösung vor uns steht, und schon nicht mehr allein eine rein theoretisch-programmatische bzw. eine rein propagandistisch-agitatorische Aufgabe ist.



Die Bourgeoisie ist bekanntlich nicht bereit, die Politik des Proletariats freiwillig zu akzeptieren. Sie ordnet sich der Politik der feindlichen, antagonistischen Klasse nicht bedingungslos unter, sondern stützt sich auf ihre eigene Politik, nämlich das Herrschaftssystem zur ökonomischen Ausbeutung aufrechtzuerhalten – und schreckt dabei eben auch vor gewaltsamen militärischen Mitteln nicht zurück, wenn dieses Herrschaftssystem angegriffen und gefährdet wird.

Die Militärpolitik der Bourgeoisie ist ihrem Wesen nach militaristisch.


Was ist Militarismus ?

Karl Liebknecht bezeichnete den Militarismus als die Summe und das Extrakt aller friedenstörenden Tendenzen des Kapitalismus“ und Lenin und Martow zusammen mit Rosa Luxemburg als „ein Hauptwerkzeug der Klassenunterjochung“ [siehe deren Abänderungsantrag zur Bebelschen Resolution gegen den Militarismus auf dem Internationalen Stuttgarter Kongress der Sozialdemokratie 1907]; (dazu: Lenin, Band 13, Seite 84).

In der bürgerlichen Geschichtsschreibung und in verschiedensten bürgerlichen Wörterbüchern wird der Militarismus als eine Art „Vorherrschen und Überbetonung militärischer Gesinnung und eines starken militärischen Einflusses auf die Politik“ abgetan. Es wird auch von „einseitigen Entscheidungen politischer Fragen durch militärische an Stelle von staatspolitischen Erwägungen und auch vom Überwiegen militärischer Züge in der politischen Grundhaltung eines Staates oder Staatsmannes“ gesprochen. Mit dieser Art von verharmlosender Definition werden dem Begriff Militarismus seine eigentlichen reaktionären, klassenpolitischen und expansionistischen Wurzeln und gesellschaftlich-ökonomischen Basis geraubt, die heute der Weltimperialismus ist. Wir können und müssen heute vom Weltmilitarismus, vom faulenden, parasitären und sterbenden Weltmilitarismus sprechen, was nichts anderes für das Weltproletariat bedeutet, einen international organisierten, bewaffneten anti-militaristischen Klassenkampf zu führen (ohne dabei die friedlichen Kampfformen zu ignorieren!). Was ist Anti-Militarismus? Lenin verstand unter Anti-Militarismus, dass der Militarismus nie und keinesfalls auf irgendwelche andere Art und Weise überwunden und abgeschafft werden kann als durch den siegreichen Kampf eines Teils des Volksheeres gegen den anderen Teil. Es genügt nicht, den Militarismus zu verwünschen, zu verfluchen, `abzulehnen` , seine Schädlichkeit mit der Kritik der Argumente zu beweisen, es ist dumm, den Dienst friedlich zu verweigern – es gilt, das revolutionäre Bewusstsein des Proletariats wachzuhalten, und zwar nicht nur im allgemeinen, sondern auch seine besten Elemente im konkreten dazu vorzubereiten, im Momente der höchsten Gärung im Volke sich an die Spitze der revolutionären Armee zu stellen“ (Lenin, Werke, Band 23, Seite 254). „Eine spezielle antimilitaristische Propaganda muss um so energischer betrieben werden, als die Fälle der Einmischung bewaffneter Kräfte in den Kampf zwischen Arbeit und Kapital immer häufiger werden und die Bedeutung des Militarismus nicht nur im heutigen Kampf des Proletariats, sondern auch im kommenden – im Augenblick der sozialen Revolution – immer klarer zu Tage tritt (...) Für eine spezielle antimilitaristische Propaganda sprechen nicht nur prinzipielle Erwägungen, sondern auch bedeutsame geschichtliche Erfahrungen“ (Lenin, Band 15, Seite 192).

Der proletarische Anti-Militarismus bedient sich nur solcher Kampfmethoden und Kampfmittel, die dem Ziel des Sozialismus dienen und lehnt gleichzeitig solche Kampfmethoden und Kampfmittel ab, die diesem Ziel entgegenstehen. Ziel des Anti-Militarismus ist die Beseitigung der Unvermeidbarkeit des Militarismus durch die Beseitigung seiner Ursachen und Grundlagen, die Zerschlagung des Imperialismus. Ziel ist nicht allein die Ersetzung des Krieges durch den Frieden, sondern die Ersetzung des Kapitalismus durch den Sozialismus (...). Es handelt sich nicht allein darum, den Ausbruch des Krieges zu verhindern, sondern darum, die durch den Krieg hervorgerufene Krise zur Beschleunigung des Sturzes der Bourgeoisie auszunutzen“ (Lenin, Band 13, Seite 71). Im Sinne des proletarischen Internationalismus handelt es sich beim Anti-Militarismus darum,dass man in den Massen ein lebendigeres Bewusstsein der internationalen Solidarität der Arbeiter und der Verlogenheit des bürgerlichen Patriotismus schaffen muss“ (ebenda, Seite 71-72) , denn der sich globalisierende bürgerliche Patriotismus dient heute dem Weltimperialismus als eine der wesentlichen ideologischen Grundlagen für die bewaffnete Einmischung der internationalen Konterrevolution im Machtkampf zwischen Arbeit und Kapital – also im Weltmaßstab.

Wie definierte Lenin den Militarismus?

Der moderne Militarismus ist ein Resultat des Kapitalismus. In seinen beiden Formen bildet er eine `Lebenserscheinung` des Kapitalismus: als Militärmacht, die die kapitalistischen Staaten bei ihren äußeren Zusammenstößen einsetzen (`Militarismus nach außen`...) und als Waffe in den Händen der herrschenden Klassen zur Niederhaltung aller (ökonomischen und politischen) Bewegungen des Proletariats (`Militarismus nach innen`)“ [Lenin, Band 15, Seite 187]. Der moderne Militarismus (in Abgrenzung vom alten [zum Beispiel preußischen] Militarismus) wird nicht nur von der imperialistischen/sozialimperialistischen Armee, von bewaffneten Machtorganen verkörpert; er ist vielmehr ein System, das alle Sphären der kapitalistischen Gesellschaft durchdringt („Jetzt durchdringt die Militarisierung das ganze öffentliche Leben“, Lenin).

Militarismus nach innen ist also die Umsetzung der kapitalistischen Militärpolitik mit dem Mittel des Bürgerkrieges, der bewaffneten Konterrevolution. Die Militärpolitik der Bourgeosie dient nach der Definition Lenins darüber hinaus nicht nur der Verteidigung der Herrschaft ihres Ausbeutungssystems gegenüber den revoltierenden unterdrückten Klassen, sondern auch außenpolitisch zur Führung von Kriegen und folgt damit dem ökonomischen Gesetz des Imperialismus, das heißt zwecks Jagd auf Höchstprofite imperialistische Raubkriege vom Zaun zu brechen und die Weltbeute neu aufzuteilen. Die imperialistische Militärpolitik ist also konzentrierter militäristischer Ausdruck der imperialistischen Ökonomie. Die Militärpolitik umfasst also nicht nur die militärischen Verhältnisse und Beziehungen der Klassen und Schichten innerhalb eines Staates (militärische Innenpolitik), sondern auch die militärischen Verhältnisse und Beziehungen zwischen den Staaten und Nationen (Gebiet der militärischen Außenpolitik), wobei die militärische Außenpolitik im Wesentlichen die Fortsetzung der militärischen Innenpolitik ist. Sie umfasst auch die militärpolitische Ideologie.


Die Militärpolitik des Proletariats ist jene Politik des Proletariats, seinen Kampf für die Befreiung, für die Eroberung und Verteidigung seiner Macht mit militärischen Mitteln solange fortzusetzen und wieder aufzunehmen wie dies im Rahmen der vollständigen Erfüllung seiner historischen Weltmission notwendig ist.

Die Militärpolitik des Proletariats wendet zur Verwirklichung seiner Klasseninteressen Gewalt begrenzt ein, also nach der Regel: so „kurz und schmerzlos“ wie möglich, und nur soviele Opfer wie nur unbedingt nötig. Niemals nimmt die proletarische Militärpolitik Opfer billigend in Kauf, wohlwissend, dass der revolutionäre Kampf ohne Opfer nicht abgehen kann – das hängt alles von den jeweiligen objektiven und subjektiven Bedingungen ab, von der Militärpolitik der herrschenden Klassen, dem Kräfteverhältnis zwischen den antagonistischen Klassen usw. usf. - also von einer Reihe Faktoren, die wir hier nicht alle aufzählen können. Jedenfalls ist es ein besonderes Merkmal der imperialistischen Militärpolitik, dass die Eskalation ihrer Gewalt dazu führt, den imperialistischen Koalitionen über den Kopf zu wachsen, dass die imperialistische Militärpolitik in einen nicht mehr zu steuernden Strudel des Kriegsverlaufs gerät, dass die „Mächte, die sie heraufbeschwor“, sich nunmehr der Militärpolitik bemächtigen und die militärischen Instrumente ihnen aus der Hand gleiten. Wer Wind säht, wird Sturm ernten. Ebenfalls eine Besonderheit der bürgerlichen Militärpolitik ist, dass sie nur den Interessen von wenigen Tausenden dient, die diese Welt tatsächlich in ihren Händen halten, die internationalen Finanzkapitalisten, während die Militärpolitik des Weltproletariats der überwiegenden Bevölkerungsmehrheit dient:“ „Nicht dort, wo man mit Tausenden, sondern dort, wo man mit Millionen zu tun hat, beginnt erst die ernste Politik“ (Lenin, Band 27, Seite 86). In der Politik ist es nicht so wichtig, wer unmittelbar bestimmte Anschauungen vertritt. Wichtig ist, wem diese Anschauungen, diese Vorschläge, diese Maßnahmen nützen.

Nehmen wir als Beispiel `Europa`: Staaten, die sich `zivilisiert` nennen, veranstalten jetzt ein tolles Hindernisrennen um die Rüstungen. In Tausenden Tonarten, in Tausenden Zeitungen, von Tausenden Kanzeln schreit und zetert man über Patriotismus, Kultur, Heimat, Frieden, Fortschritt - und alles, um die Ausgabe neuer Millionen und aber Millionen Rubel für alle möglichen Vernichtungswaffen, für Kanonen, für `Dreadnoughts` (Panzerkreuzer neuesten Typs) usw. zu rechtfertigen. Meine Herrschaften, wertes Publikum! - möchte man sagen, wenn man all diese Phrasen der `Patrioten` hört – traut nicht ihren Phrasen, schaut lieber nach, wem es nützt!“ (Lenin, Band 19, Seite 34-35). Es sind die globalen Kriegsgewinnler, insbesondere die internationale Waffen-Mafia, der die imperialistische Militärpolitik nützt.


Die Militärpolitik der Imperialisten beruht auf der militärischen Arbeitsteilung, dem Widerspruch zwischen körperlicher und geistiger Arbeit, womit sich auch größtenteils der Hass der Mannschaftsgrade auf die Offiziersschicht erklärt. Die imperialistische Militärpolitik ist nicht in der Lage, diese Kluft zu überwinden, sondern vertieft sie vielmehr. Die proletarische Militärpolitik hingegen hebt diesen Widerspruch zwar erst in einem längeren Prozess auf, wodurch tatsächlich kameradschaftliche Verhältnisse geschaffen werden, wo alle wie „ein Mann“ operieren - unabhängig von den militärischen Rängen und Graden – und wo alle als Kameraden und Genossen sich der gemeinsamen Sache verbunden fühlen, wo alle gemeinsam am erfolgreichen Gelingen der revolutionären Kampfaufträge und Befehle interessiert sind. Dieser Prozess geht um so schneller und um so gründlicher vonstatten, je besser sich die Soldaten qualifizieren, ihr Niveau heben und selber Offizierstätigkeiten übernehmen und damit die alten Normen und Strukturen überwunden werden können.


Die Militärpolitik der Bourgeoisie unterscheidet sich von der proletarischen Militärpolitik ferner darin, dass sie im Zwiespalt zwischen Wort und Tat steht, während Wort und Tat der proletarischen Militärpolitik übereinstimmen, sie also ehrlich und aufrichtig ist. Die revolutionäre Militärpolitik ist Sache des Volkes, Sache des Proletariats, Sache der Soldaten. Die imperialistische Militärpolitik verschachert ihre Grundsätze, feilscht mit ihnen, die proletarische Militärpolitik ist hingegen eine geradlinige, prinzipienfeste Politik, die Prinzipienlosigkeit moralisch verurteilt, weil sie nur dadurch auf Dauer von den Massen akzeptiert und unterstützt wird. Die ganze militärpolitische Tätigkeit der Kommunistischen Partei hat nur in dem Maße ernsthafte Bedeutung, in dem es ihr gelingt, die Arbeiterklasse aufzurütteln, ihr militärisches Interesse zu wecken, ihr militärisches Bewusstsein zu heben und sie zur aktiven, führenden Teilnahme am bewaffneten Klassenkampf zu mobilisieren.

Die Militärpolitik der Imperialisten darf man niemals nach ihren feierlichen Erklärungen und zur Schau gestellten Absichten beurteilen, sondern immer nur nach dem Klasseninhalt, nach den Klasseninteressen, denen sie dient. Die „Friedenspolitik“ des Weltimperialismus ist also nur die Fortsetzung seiner Kriegspolitik, die „Abrüstungspolitik“ nur die Fortsetzung seiner Aufrüstungspolitik, seine „Verteidigungspolitik“ nur die Fortsetzung seiner Erobrungspolitik, seine „Entspannungspolitik“ nur Fortstzung seiner Aggressionspolitik, seine „Konfliktvermeidungspolitik“ nur die Fortsetzung seiner Politik unvermeidbarer, militärischer Konflikte, seine „Konvergenzpolitik“ nur die Fortsetzung seiner globalen, konterrevolutionären Politik gegen die Befreiungskämpfe, gegen die Revolution und den Sozialismus usw. usf. Was für die Politik im Allgemeinen, gilt für die Propagandamaschinerie der imperialistischen Militärpolitik ganz besonders, wenn Lenin sagt: „Je klüger und gebildeter die Klassen sind, die Lakaien halten, desto systematischer und überlegter betreiben sie ihre Politik, nutzen sie die Lakaien aus, um unter den Werktätigen zu spionieren, um die Werktätigen durch Zugeständnisse an einen bestimmten Teil von ihnen zu entzweien, um die eigene Lage zu festigen, um den `Dienenden` durch die Hoffnung, ein Almosen zu erhalten, an der Vergrößerung des Reichtums des Herrn zu interessieren usw. usf.“, (Lenin, Band 29, Seite 533).

Die imperialistische Militärpolitik ist also auf die Verschleierung der tatsächlichen Raubinteressen der Imperialisten, auf eine Rechtfertigung ihrer konterrvolutionären Tätigkeit gegenüber den um ihre Befreiung kämpfenden Völker ausgerichtet. Zur proletarischen Militärpolitik aber gehört es, diese Lügenmärchen aufzudecken und anzuprangern und über den wahren Charakter der imperialistischen Militärpoltik die Masen aufzuklären und sie wachzurütteln.

Die Militärpolitik der Bourgeoisie ist auch darauf ausgerichtet, die sozialistische Revolution gewaltsam zu verhindern. So unterstützten die Imperialisten die russische Konterrevolution durch Anzettelung eines Bürgerkrieges unmittelbar nach der Oktoberrevolution. Dadurch war es dem russischen Volk erschwert, sich von den Folgen der Kriegslast ökonomisch zu erholen. Im Vordergrund stand die Militärpolitik der Bolschewiki, um den militärischen Kampf zur Verteidigung der Diktatur des Proletariats zu führen. Die militärische Front kostete Kraft, die an der Wirtschaftsfront fehlte, war die Wirtschaftspolitik also der Militärpolitik untergeordnet. Lenins Militärpolitik aber war darauf gerichtet, die bestmöglichen und schnellstmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, um die Wirtschaftspolitik zu reaktivieren:

Unsere Politik muss jetzt hauptsächlich der wirtschaftliche Aufbau des Staates sein (...), damit niemand hungert. Darin besteht unsere Politik. Und darauf muss die ganze Agitation und Propaganda aufgebaut sein. Es gilt, weniger Phrasen zu dreschen, denn mit Phrasen werden Sie die Werktätigen nicht zufriedenstellen. Sobald der Krieg uns die Möglichkeit gibt, den Schwerpunkt vom Kampf gegen die Bourgeoisie, vom Kampf gegen Wrangel, gegen die Weißgardisten zu verlegen, werden wir uns der Wirtschaftspolitik zuwenden“ (Lenin, Band 31, Seite 366).

Was hier deutlich wird, ist Lenins Einbindung der Militärpolitik in die Gesamtpolitik der Partei und die Verlagerung der militärischen auf die wirtschaftliche Front in einem bestimmten Moment des revolutionären Kampfes. So hat Lenin auch der Gesetzmäßigkeit der Revolution folgend in Brest-Litowsk den aufgezwungenen Friedensvertrag der deutschen Imperialisten hingenommen, um die Revolution durch die so erkaufte Atempause zu retten, um sich den wirtschaftspolitisch dringenden Aufgaben zuwenden zu können, ohne deren Lösung die Diktatur des Proletariats sich nicht lange hätte halten können.


Die revisionistische Militärpolitik [hierzu später noch sehr ausführlich! - Anmerkung des Verfassers] ist ihrem Wesen nach eine kapitalistisch-militaristische Politik, die sich hinter einer Maske der marxistisch-leninistischen Militärpolitik verbirgt und die der Restauration des Kapitalismus unter Anwendung militaristischer Mittel dient. Sie ist jene Form der bürgerlichen Militärpolitik, die sich der proletarischen Militärpolitik mehr oder weniger bedient, um sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, um sie zu zwingen, sich den globalen militärischen Zielen und Zwecken der Herrschaft des Weltimperialismus zu unterwerfen, ihre Kapitulation zu erreichen, sie zu erledigen, bzw. sie sich einzuverleiben durch Verwandlung der proletarischen Militärpolitik in eine sozialimperialistische Militärpolitik, um damit den Untergang des Imperialismus hinauszuzögern. Die revisionistische Militärpolitik ist die Politik zur Rettung des Militarismus im Feldlazarett des Imperialismus. Die neo-revisionistische Militärpolitik ist das anti-revisionistische Leichentuch, mit dem er die Opfer seines Raubkrieges überdeckt.




Was verstehen wir unter dem Militärprogramm der Weltpartei, der Kommunistischen Internationale?


Das allgemeine, politische Programm ist eine kurze, klare und genaue Darlegung alles dessen, was die Partei anstrebt und wofür sie kämpft, während das Militärprogramm insbesondere eine kurze, klare und genaue Darlegung alles dessen ist, was die Partei militärisch anstrebt und wofür sie militärisch kämpft.


Lenin hat gesagt, dass das Wesen dieses [allgemeinen, politischen – Anmerkung des Verfassers] Programms (Lenin, Band 4, Seite 206) darin besteht, den Klassenkampf des Proletariats zu organisieren und diesen Kampf zu leiten, dessen Endziel die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat und die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft ist“.


Das Wesen des internationalen Militärprogramms besteht demnach darin, die Organisierung und Leitung des internationalen Klassenkampfes mit militärischen Mitteln fortzusetzen, dessen Endziel die Eroberung der politischen Weltmacht durch das Proletariat und die Errichtung der sozialistischen Weltgesellschaft ist .


Damit machte Lenin deutlich, dass man ein Militärprogramm nicht mit einer lehrbuchartigen Prinzipienerklärung, nicht mit einem militärischen Programm einer reinen Propagandapartei verwechseln darf, sondern dass es sich um das Programm einer bewaffneten Kampfpartei handelt.


Das Militärprogramm wird vom Parteitag beschlossen und ist die knappe Zusammenfassung der wissenschaftlich formulierten, militärischen Grundanschauungen der marxistisch-leninistischen Partei, bzw. der Kommunistische Internationale. In ihm sind ihre grundsätzlichen militärpolitischen Forderungen, Aufgaben und Ziele umrissen, und werden die hauptsächlichsten Kräfte, Wege und Mittel zu deren Umsetzung und Erfüllung im allgemeinsten Sinne benannt ( wobei die Kräfte, Wege und Mittel im Einzelnen und Konkreten die Angelegenheit der Beschlüsse der kämpfenden Organisationen und ihrer Taktik sind. Wegen der absoluten Geheimhaltungspflicht vor dem Klassenfeind können brisante Fragen der Taktik kaum ins Militärprogramm aufgenommen werden, natürlich mit Ausnahme der Beantwortung der prinzipiellsten Fragen wie zum Beispiel die bolschewistische Taktik gegen den imperialistischen Krieg; Verwandlung in den Bürgerkrieg; dreht die Gewehre um; Zersetzung der bürgerlichen Armee, ihr Übertritt zur proletarischen Revolution usw. usf.).

Das Militärprogramm einer Partei beschränkt sich auf das einzelne Land. Das Militärprogramm der Kommunistischen Internationale muss hingegen das militärisch Hauptsächliche und Grundlegende aller Parteien, Länder, Völker und Nationen umfassen. Das Militärprogramm ist keine Aneinanderreihung leerer Formeln, sondern (thesenartig) formulierte militärische Leitsätze, die auf alle zugeschnitten sind und von allen genutzt und angewendet werden können. Der Umfang eines internationalen Militärprogramms überschreitet damit bei Weitem dem eines für den nationalen Rahmen erstellten Militärprogramms - aber der Umfang eines Militärprogramms ist natürlich auch geringer als der des allgemeinen Parteiprogramms bzw. des Programms der Kommunistischen Internationale.

In einem Militärprogramm ist kein Platz für Wiederholungen, Erläuterungen oder konkrete, taktisch-militärische Instruktionen, auch nicht für Kommentare: Alles, was im Programm überflüssig, schwächt es“ (Engels in seinen Bemerkungen zum Erfurter Programm, MEW, Band 22, Seite 228).

Zwischen dem Kapitel über die Klassenkriege im Kapitalismus und der Rolle des bewaffneten Kampfes in der sozialistischen Übergangsperiode gehört das Kapitel des Kommunismus. Man kann nicht von der Übergangsperiode sprechen, ohne vorher (...) vom kommunistischen (…) System zu sprechen, zu dem im Programm der Übergang gefordert wird. (...) Aber Übergang wozu, zu was für einem System – davon muss die Rede sein, bevor die Übergangsperiode selbst charakterisiert wird. Das Programm muss vom Unbekannten zum Bekannten, vom weniger Bekannten zum mehr Bekannten führen (...) soll die Heranführung des Lesers (...), der auch der Programmentwurf entsprechen muss (...) erleichtern und nicht erschweren (...) “ (Stalin, Band 11, Seite 127).

Das Militärprogramm hätte keinen internationalistischen Charakter, wenn es die gemeinsame militärische Aufgabe der Weltrevolution unterschlagen würde. Ohne Militärprogramm kann man der Weltrevolution nicht kommen. Im Militärprogramm muss die Grundfrage behandelt werden, welche militärischen Verpflichtungen die Proletarier aller Länder gegenseitig für die Revolution zu erfüllen haben. Diese militärische Grundfrage leiten wir ab von der politischen Grundfrage, die Stalin für das Programm der Komintern seinerzeit stellte:

Was für einen Wert hätte ein Programm der Komintern, das von der proletarischen Weltrevolution handelt, wenn es die Grundfrage, die Frage des Charakters und der Aufgaben der proletarischen Revolution in der UdSSR, die Frage ihrer Pflichten gegenüber den Proletariern aller Länder und der Pflichten der Proletarier aller Länder gegenüber der proletarischen Diktatur in der UdSSR, überginge?(Stalin, Band 11, Seite 135).

Natürlich haben wir heute andere Bedingungen, kann man nicht alte Militärprogramme schablonenhaft übertragen, muss das Militärprogramm der Kommunistischen Internationale also nie gefasst werden, um diesen neuen Bedingungen zu entsprechen.


Wir durch eine mögliche Kriegssituation und Intervention der Politik der Diktatur des Proletariats eine Phase des Kriegskommunismus aufgezwungen, dann muss sein besonderer militärischer Charakter herausgestellt werden zum Beispiel beimdirekten Produktaustausch zwischen Stadt und Land mit dem Ziel, die Verteilung der Produkte so zu organisieren, dass die Versorgung der revolutionären Armeen an der Front sowie der Arbeiter im Hinterland gewährleistet ist“ (Stalin, Band 11, Seite 129).


Eine wichtige politische Frage, - die nicht aus dem Militärprogramm ausgeklammert werden darf, um uns nicht selbst zu entwaffnen -, ist die militärische konterrevolutionäre Rolle des Revisionismus insbesondere bei der Verhinderung der Eroberung und Verteidigung der Diktatur des Proletariats, vor allem aber bei ihrer Zurückeroberung.


Das Militärprogramm der Partei ist stets bezogen auf einen bestimmten militärischen Kampf, bzw. auf eine bestimmte Periode dieses Kampfes, zum Beispiel das Militärprogramm der proletarischen Revolution; das Militärprogramm zur Verteidigung der Diktatur des Proletariats; das Militärprogramm des nationalen Befreiungskrieges, etc. Mit einer abgeschlossenen historischen Periode und den Übergang zur nächsten Periode erlischt das alte Militärprogramm oder wird einer notwendigen Revision unterzogen bzw. durch ein neues ersetzt, das auf diesen neuen historischen Kampfabschnitt abzustimmen ist. Der gegenwärtige Kampfabschnitt ist gerichtet auf das Ziel der Zurückeroberung der Diktatur des Proletariats.

Das Militärprogramm ist auf wissenschaftlichem Fundament,auf der Theorie des Marxismus-Leninismus aufgebaut, insbesondere auf der marxistisch-leninistischen Militärtheorie, die marxistisch-leninistische Militärwissenschaft, sowie die im politischen Parteiprogramm/ Programm der Kommunistischen Internationale und in der Generallinie der Partei/Generallinie der Kommunistischen Internationale festgelegte politische Strategie und Taktik des (internationalen) Klassenkampfes. Letztendlich stimmen alle kommunistischen Programme der Welt mit dem Kommunistischen Manifest von Marx und Engels überein, bzw. gehen sie alle daraus hervor, leiten sich davon ab.


Die wichtigsten Bestandteile eines Militärprogramms sind: a) Charakterisierung und Einschätzung der politischen und militärischen der Lage in einem Land/Weltlage in der jeweiligen Etappe, für die das Militärprogramm zu gelten hat( zum Beispiel Wesen der Unvermeidbarkeit imperialistischer Kriege und ihre Verwandlung in den Bürgerkrieg und die sozialistische Revolution, Unvermeidlichkeit der kommunistischen Weltrevolution aus der Natur des Kapitalismus hervorgehend), die grundsätzliche Haltung der Partei dazu, sowie die daraus in Kurzform abzuleitenden, militärpolitischen Lehren und Schlussfolgerungen für die Revolution; b) Festlegung der wichtigsten militärpolitischen Aufgaben und Ziele in Ableitung von den allgemeinen politischen Aufgaben und Zielen der Partei (Parteiprogramm/ Programm der Kommunistischen Internationale); c) Festlegung und Bestimmung des internationalistischen Charakters, der Aufgaben und der Ausrüstung der bewaffneten revolutionären Kräfte, ihrer militärischen Organisationen und ihrer Führung; d) Grundlegende Kritik an den imperialistischen Militärprogrammen, die der Führung räuberischer Kriege und der Niederwerfung der Revolution dienen, also einen internationalen, konterrevolutionärer Charakter haben; Festlegung der wichtigsten Prinzipien und Kriterien in der Stellung zum Klassenfeind und seinen konterevolutionären, militärischen Kräften (einschließlich seiner revisionistischen Kräfte); e) Festlegung der militärischen Aufgaben und Ziele des proletarischen Internationalismus und der proletarischen Weltrevolution.

Im Grunde bräuchte man auch ein militärpolitisches Arbeitsprogramm zur Umsetzung und zur „Kontrolle der Umsetzung“ des Militärprogramms, doch dessen Organisierung ist Sache der Parteiarbeit in den dafür vorgesehenen Parteigremien und deren Zusammenarbeit mit den militärischen Organisationen und ihren entsprechenden Gremien, und: die erfolgreiche Umsetzung des Militärprogramms ist schließlich ohne Beteiligung und Mitwirkung der ganzen Klasse und der ganzen Masse nicht möglich.

Mit einem Militärprogramm allein ist es nicht getan: Ein Marxist darf keinesfalls vergessen, dass die Losung des unmittelbar bevorstehenden Kampfes nicht einfach und direkt aus der allgemeinen Losung eines bestimmten Programms abgeleitet werden kann. Es genügt nicht, sich auf unser Programm zu berufen (...).Dazu muss man die konkrete historische Situation berücksichtigen, die ganze Entwicklung und den ganzen Ablauf der Revolution Schritt für Schritt verfolgen und unsere Aufgaben nicht allein aus den Prinzipien des Programms, sondern auch aus den vorangegangenen Schritten und Etappen der Bewegung ableiten. Nur eine solche Analyse wird eine wirklich historische Analyse sein, zu der der dialektische Materialist verpflichtet ist“ (Lenin, Band 11, Seite 102-103).

Es gibt Zeiten, wo man ein Militärprogramm entwickeln muss, wo man das Proletariat zur praktischen Umsetzung des Programms aufrufen muss, aber diese Zeiten sind irgendwann einmal vorbei, wo das Proletariat uns nicht am Militärprogramm, sondern an unseren bewaffneten Handlungen selbst messen wird, ob wir auch bereit und in der Lage sind, unsere Programme und Versprechungen durch Taten zu beweisen und letztlich tatsächlich einzuhalten. Wenn wir keine bewaffneten Organisationen aufgebaut haben, um das Militärprogramm umzusetzen, erübrigt sich alles weitere. Es kommt die Zeit, wo es notwendig sein wird, den Schwerpunkt der Ausbildungsmethoden von friedlichen Unterrichtsstunden auf die Kampfhandlungen selbst zu verlagern.

Dann kommt der Zeitpunkt der Wahrheit, wo die Kommunisten beweisen müssen, dass sie nicht nur besser organisieren, propagieren und agitieren können, sondern vor allem besser schießen können als die Kapitalisten und wo die Arbeiterklasse ihr Kriegshandwerk besser als die Bourgeoisie beherrschen muss und dann heißt es: „Wer – wen?“


Jeder einzelne Schuss der wirklichen bewaffneten Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Militärprogramme. ( Abgewandelte Form des berühmten Ausspruches von Karl Marx in seiner „Kritik des Gothaer Programms“; MEW, Band 19, Seite 13). Der bewaffnete Klassenkampf ist stärker als alle Militärprogramme der Welt zusammengenommen.


Es gehört zum ABC des Marxismus-Leninismus, dass das kämpfende Proletariat nicht aus Definitionen lernt, - was der internationale bewaffnete Klassenkampf ist so wie man es hier aus dem Lehrbuch lernt - sondern aus der praktisch erworbenen Kenntnis.

 

 

Die Bedeutung der Klassiker für die Lösung der militärischen Frage der Weltrevolution

 


Der Marxismus-Leninismus ist das geschlossene System der Weltanschauungen und der internationalen Lehren von Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir I. Lenin, Josef. W. Stalin und Enver Hoxha. Die marxistisch-leninistische Militärwissenschaft und die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst als marxistisch-leninistische Militärtaktik ist das geschlossene, gemeinsame, internationale Werk der 5 Klassiker. Marx und Engels begründeten die materialistische Kriegsgeschichte und schufen die marxistische Militärwissenschaft und die Klassenkriegstaktik des Weltproletariats. Sie wurde nicht nur von den nachfolgenden Klassikern Lenin, Stalin und Enver Hoxha weiterentwickelt und meisterhaft angewandt, sondern dabei auf eine neue qualitativ höhere Stufe gehoben zur Militärwissenschaft des sozialistischen Staates, zu einem wissenschaftlichen Instrument der Diktatur des Proletariats. Die Klassiker des Marxismus-Leninismus waren nicht nur die theoretischen und praktischen Führer der internationalen Arbeiterbewegung im Allgemeinen , sondern insbesondere auch die bewaffneten Führer des bewaffneten Weltproletariats. Sie zeichneten sich also dadurch als Führer des Weltproletariats aus, dass sie die militärische Theorie des Proletariats mit der militärischen Praxis meisterhaft verknüpften und damit dem bewaffneten, revolutionären Klassenkampf des vereinigten Proletariats ein leuchtendes kommunistisches Ziel und eine klare, marxistische Richtung verliehen. Ohne Kriterium eines bewaffneten Führers des bewaffneten Weltproletariats kann man überhaupt nicht von einem Klassiker des Marxismus-Leninismus sprechen. Dies ist ein ganz wichtiges Kriterium, mit dem wir Marxisten-Leninisten von der Komintern/ML uns deutlich vom bürglichen Sozialismus, vom Revisionismus im Allgemeinen und vom Neo-Revisionismus im Besonderen abgrenzen. Wer das militärische Kriterium für den Rang der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus ausklammert oder verfälscht, kann nicht wahrhaft für die proletarische, sozialistische Weltrevolution kämpfen, kann nicht den Sieg des Weltsozialismus erringen, ist zum Scheitern verurteilt, nimmt alle möglichen Standpunkte ein, aber keinen marxistisch-leninistischen. Wir können nur wahre Anti-Revisionisten sein, wenn wir die militärischen Lehren und den militärischen Kampf der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus gegen die Neo-Revisionismus in Wort und Tat verteidigen. Die Dialektik der Klassikerfrage ist nicht nur die höchste Form des ideologischen, sondern auch des militärischen Klassenkampfes des Weltproletariats. Die richtige Bestimmung der Klassikerfrage ist nicht zuletzt in militärischer Hinsicht entscheidend für die ganze Zukunft des Kommunismus.


Wir, Marxisten-Leninisten, die wir an der Spitze des Titanenkampfes stehen, der heute zwischen dem Proletariat und den unterdrückten Völkern, die nach Freiheit streben, auf der einen und den brutalen, raubgierigen Imperialisten auf der anderen Seite geführt wird, müssen die Absichten, die Taktiken, die Arten und Formen des Kampfes der gemeinsamen Feinde wie der besonderen Feinde jedes Landes genau verstehen. Dies können wir nicht in erforderlicher Weise, wenn wir uns nicht fest auf die marxistisch-leninistische Theorie der Revolution stützen, wenn wir nicht sehen, dass in der gegenwärtigen Situation und in der Zukunft eine Reihe schwacher Glieder der Kette des Weltkapitalismus existieren bzw. existieren werden, wo die Revolutionäre und die Völker eine ununterbrochene Tätigkeit, einen organisierten, unbeugsamen und mutigen Kampf entfalten müssen, um diese Kettenglieder eines nach dem anderen zu zerbrechen“ (Enver Hoxha, „Imperialismus und Revolution“, Seite 79, dt. Ausgabe). Wie lange noch das schwächste Kettenglied in den Händen der Reaktion verbleibt und wann es in die Hände der Weltrevolution fällt ? Auf jeden Fall wird es Ausgangspunkt des weiteren Verlaufs der Weltgeschichte sein, wird die revolutionäre Flut an der schwächsten Stelle den imperialistischen Schutzwall durchbrechen.

 

 


 

 

 

Die Frage der Vaterlandsverteidigung

stellte sich zur Zeit von Marx und Engels ganz anders als zur Zeit von Lenin:

 

 

Im Kommunistischen Manifest heißt es, dass die Arbeiter kein Vaterland haben. Mit Recht. Aber dort ist nicht nur das gesagt. Dort ist außerdem gesagt, dass bei der Bildung von Nationalstaaten das Proletariat eine besondere Rolle spielt. Nimmt man die erste These (die Arbeiter haben kein Vaterland) und vergisst ihren Zusammenhang mit der zweiten ( die Arbeiter konstituieren sich national als Klasse, aber nicht in dem Sinne wie die Bourgeoisie), so ist das grundfalsch. Worin besteht nun dieser Zusammenhang? Meiner Meinung nach gerade darin, dass in der demokratischen Bewegung ( in einer solchen Zeit, in einer solchen konkreten Situation) das Proletariat der demokratischen Bewegung die Unterstützung ( und folglich auch die Vaterlandsverteidigung in einem nationalen Krieg) nicht verweigern kann. Marx und Engels haben im `Kommunistischen Manifest` gesagt, dass die Arbeiter kein Vaterland haben. Aber derselbe Marx hat mehr als einmal zum nationalen Krieg aufgerufen. (...) Waren Marx und Engels Wirrköpfe, die heute dies sagten und morgen etwas anderes? Nein. Meiner Meinung nach entspricht die Anerkennung der `Vaterlandsverteidigung` im nationalen Krieg durchaus dem Marxismus“ (Lenin Briefe, Band IV, Seite 326-327). Man darf also – wie Lenin lehrt - nicht das Zitat aus dem Kommunistischen Manifest bis zur Ablehnung nationaler Kriege anwenden, da man damit den Boden des Marxismus verlässt.Vaterland ist ein historischer Begriff. Das Vaterland in der Epoche oder genauer: während des Kampfes für die Abschüttelung des nationalen Jochs – das ist das eine. Etwas anderes ist es zu einer Zeit, da die nationale Bewegungen weit zurückliegen“ ( ebenda, Seite 326). So muss man zwischen der Vaterlandsverteidigung in der Zeit der demokratisch-bürgerlichen Revolutionen, in der Marx und Engels kämpften prinzipiell unterscheiden von der Vaterlandsverteidigung zur Zeit der imperialistischen Kriege, in der Zeit, in der Lenin kämpfte, und wo Lenin die Frage der Vaterlandsverteidigung alspolitische Kardinalfrage während des imperialistischen Krieges“ definierte (Lenin, Band 22, Seite 319) :

Im imperialistischen Krieg 1914-1917, zwischen zwei imperialistischen Koalitionen, müssen wir gegen die `Vaterlandsverteidigung` sein, denn erstens ist der Imperialismus der Vorabend des Sozialismus; zweitens ist der imperialistische Krieg ein Krieg von Dieben um die Beute; drittens gibt es in beiden Koalitionen ein fortschrittliches Proletariat; viertens ist in beiden die sozialistische Revolution herangereift. N u r darum sind wir gegen die `Vaterlandsverteidigung`, nur darum!!“ (Lenin, Band 35, Seite 250; Januar 1917).

[ Man muss hierbei wissen, dass Lenin damals der sogenannten „revolutionären Vaterlandsverteidigung“ der Sozialrevolutionäre kurz vor der Oktoberrevolution als einer ungewöhnlichen Massenströmung gegenüberstand, die die übergroße Mehrheit des Volkes gegen die Bolschewiki vereinigt hatte – Anmerkung des Verfassers], dass man nämlich sein Vaterland im imperialistischen Krieg nur durch die Führung eines Bürgerkrieges verteidigen kann, der die Beseitigung der kapitalistischen Klassenherrschaft beschleunigt und der mit dem Sieg der sozialistischen Revolution gekrönt wird und durch nichts anderes!

Es waren die Opportunisten der II. Internationale ( die Gefangenen der Bourgeoisie“ (Lenin, Band 21, Seite 25), die den Internationalismus dem bürgerlichen Nationalismus anpassten, damit die Arbeiter des einen Landes im Namen der Vaterlandsverteidigung auf die Arbeiter des anderes Landes schießen!

Man kann nicht vom Vaterland sprechen – antworten wir den Opportunisten – und dabei den konkreten historischen Charakter des Krieges ignorieren. Dieser Krieg ist ein imperialistischer Krieg, d.h., ein Krieg in der Epoche des höchst entwickelten Kapitalismus, in der End - epoche des Kapitalismus. Die Arbeiterklasse muss sich zunächst `als Nation konstituieren`- so erklärt das `Kommunistische Manifest`, zugleich mit einem Hinweis auf die Grenzen und Bedingungen, unter denen wir Nationalität und Vaterland als notwendige Formen der bürgerlichen Gesellschaftsordnung und folglich auch das bürgerliche Vaterland anerkennen. Die Opportunisten entstellen diese Wahrheit, indem sie das, was für die Entstehungsepoche des Kapitalismus gilt, auf seine Endepoche übertragen. Von dieser Epoche aber, von den Aufgaben des Proletariats im Kampf um die Zerstörung nicht des Feudalismus, sondern des Kapitalismus, sagt das Kommunistische Manifest klar und deutlich: `Die Arbeiter haben kein Vaterland.` Man begreift, warum die Opportunisten sich fürchten, diese Wahrheit des Sozialismus anzuerkennen; ja es zumeist nicht einmal wagen, sich offen mit ihr auseinanderzusetzen. Die sozialistische Bewegung kann im alten Rahmen des Vaterlandes nicht siegen. Sie bringt neue, höhere Formen des menschlichen Zusammenlebens hervor, worin die berechtigten Bedürfnisse und fortschrittlichen Bestrebungen der werktätigen Massen jeder Nationalität zum ersten Mal in internationaler Einheit, unter Wegfall der jetzigen nationalen Schranken befriedigt werden. Die jetzigen Versuche der Bourgeoisie, die Arbeiter durch heuchlerische Berufung auf die `Vaterlandsverteidigung` zu trennen und zu spalten, werden die klassenbewussten Arbeiter mit immer neuen und ständig wiederholten Versuchen beantworten, die Einheit der Arbeiter verschiedener Nationen im Kampf für den Sturz der Herrschaft der Bourgeoisie aller Nationen herzustellen“ (Lenin, Werke Band 21, Seite 25-26).

Wir sind nicht `überhaupt` gegen die `Vaterlandsverteidigung` , sondern dagegen, dass durch diese betrügerische Losung der gegenwärtige imperialistische Krieg beschönigt wird“ (Lenin, Band 23, Seite 7). „Die Vaterlandsverteidigung ist (...) durchaus keine Lüge in einem (...) revolutionären Krieg“ (Lenin, Band 23, Seite 12). „Jeder einigermaßen bedeutende Krieg wird von langer Hand vorbereitet. Wenn ein revolutionärer Krieg vorbereitet wird, dann fürchten sich die Demokraten und Sozialisten nicht, im voraus zu erklären, dass sie in einem solchen Krieg für die `Verteidigung des Vaterlandes` sind Wenn jedoch ein reaktionärer Krieg vorbereitet wird, entschließt sich kein einziger Sozialist, im voraus, d.h., vor der Kriegserklärung, zu sagen, er sei für die `Vaterlandsverteidigung in einem solchen Krieg. Marx und Engels fürchteten sich nicht, in den Jahren 1848 und 1859 das deutsche Volk zum Krieg gegen Russland aufzurufen.“ (Lenin, Band 23, Seite 202).

Weil Junius [Pseudonym für Rosa Luxemburg – Anmerkung des Verfassers] diese Auffassung nicht vertrat, sondern die alte marxistische Taktik aus der Zeit von Marx und Engels unberechtigter Weise auch auf die veränderte Lage eines imperialistischen Krieges überstülpte, kritisierte ihn Lenin wie folgt:Wenn Junius sagt, der Klassenkampf sei das beste Mittel gegen eine Invasion, so wendet er die Marx`sche Dialektik nur halb an, er macht einen Schritt auf dem richtigen Wege, weicht aber gleich darauf von ihm ab. Die Marx`sche Dialektik erfordert eine konkrete Analyse der jeweiligen historischen Situation. Dass der Klassenkampf das beste Mittel gegen eine Invasion ist – das ist richtig sowohl in Bezug auf die Bourgeoisie, die den Feudalismus stürzt, als auch in Bezug auf das Proletariat, das die Bourgeoisie stürzt. Eben weil das richtig ist in Bezug auf jede Klassenunterdrückung, ist es zu allgemein und darum für den gegebenen besonderen Fall unzureichend. Der Bürgerkrieg gegen die Bourgeoisie ist auch eine Art des Klassenkampfes, und nur diese Art des Klassenkampfes würde Europa ( ganz Europa und nicht nur ein Land ) von der Gefahr einer Invasion befreien. Die `großdeutsche Republik` hätte, wenn sie in den Jahren 1914-1916 existiert hätte, einen ebensolchen imperialistischen Krieg geführt“ (Lenin, Band 22, Seite 322).

Heute sprechen wir mittlerweile vom internationalen Bürgerkrieg gegen die Weltbourgeoisie als eine Art des internationalen Klassenkampfes, um die ganze Welt und nicht nur Europa von der Gefahr einer Invasion zu befreien. Auch im Weltmaßstab darf man die Marx`sche Dialektik nicht nur halb anwenden, wie es heute die Neo-Revisionisten tun, müssen wir gegen sie heute den gleichen prinzipiellen Kampf führen, den Lenin damals gegen Rosa Luxemburg geführt hatte.

Und Lenin bezog sich wie hier stets auf die grundsätzliche Methode von Marx und Engels, wie man marxistisch an die Geschichte herangehen muss:Der ganze Geist des Marxismus, sein ganzes System verlangt, dass jede These nur a) historisch; b) nur in Verbindung mit anderen; c) nur in Verbindung mit den konkreten Erfahrungen der Geschichte betrachtet wird“ (ebenda, Seite 326). Das trifft auch ganz besonders auf die These der Vaterlandsverteidigung zu, denn wenden wir diese These auf die Gegenwart an, so rechtfertigt der US-Imperialismus seine globalisierten Raubkriege nicht allein mit der verlogenen Argumentation der „Vaterlandsverteidigung“ (wie das noch im Ersten Weltkrieg allgemein üblich war - das wäre ja auch zu durchsichtig!), sondern vor allem mit der „Verteidigung der zivilisierten Welt gegen den Terrorismus“, also in Wirklichkeit nicht nur mit der nationalen, sondern auch mit der internationalen Verteidigung des Kapitals gegen den internationalen Klassenkampf des gesamten Proletariats der Welt und nicht nur gegen den Klassenkampf des Proletariats eines einzelnen Landes. Was die imperialistischen Länder anbelangt, sprechen wir Marxisten-Leninisten dort seit ihrer Entwicklung zum Imperialismus nicht mehr von Vaterlandsverteidigung, sondern nur noch von ihrer verlogenen Phrase des Großmachtchauvinismus. Welthistorisch steht der revolutionäre Übergang von dem überlebten, kapitalistisch/revisionistisch überreifen „Vaterland“ zum Sozialismus auf der Tagesordnung. Ein wichtiger, unverzichtbarer Hebel für die soziale Befreiung ist dabei auch die Verteidigung der nationalen Interessen der Proletarier aller Länder und der revolutionären Völker gegenüber dem imperialistischen Kosmopolitismus. Die revolutionären Völker und das Weltproletariat verteidigen die Lebensinteressen der unterjochten Nationen, über die sich der Weltimperialismus gewaltsam hinwegsetzt, sie mit Füßen tritt und zerstört. Niemals werden die unterdrückten und ausgebeuteten Klassen der ganzen Welt auf ihre nationalen Traditionen, auf ihre nationale Kultur verzichten, werden sie ihre Heimat niemals dem Imperialismus opfern, weder dem „eigenen“, noch einem fremden. Sie werden für sie kämpfen und sie gegen den Imperialismus verteidigen, indem sie sich revolutionär vom Imperialismus befreien, indem sie den Imperialismus stürzen und sich ihre eigene Nation schaffen, die sozialistische Nation. Der proletarische Internationalismus bedeutet nicht Preisgabe der nationalen Frage, sondern deren Lösung. Nur im Sinne des proletarischen Internationalismus ist Vaterlandsverteidigung zu verstehen und nicht als Rechtfertigung für Ausbeutung und Unterdrückung anderer Länder, die im eigenen Land eingeschlossen. Betrachten wir die Vaterlandsverteidigung aus der Sicht der Proletarier aller Länder und insbesondere aus der Sicht des Weltproletariats, so kann es sich in den kapitalistischen/revisionistischen Ländern also „nur“ um die Verteidigung des zukünftigen sozialistischen Vaterlandes und um die gegenwärtige internationalistische Unterstützung der Verteidigung des Vaterlandes aller unterdrückten und abhängigen Völker, um die Solidarität mit ihren nationalen Befreiungskriegen, um die proletarische Hilfe bei der Verteidigung ihres Selbstbestimmungsrechtes, des Rechtes auf Loslösung und Wiedervereinigung – gegen die unterdrückenden, imperialistischen Nationen – handeln. Marxisten-Leninisten hören auf, Marxisten-Leninisten zu sein, wenn sie irgendeine – auch die „eigene“ - unterdrückende, imperialistische Nation oder gar das ganze weltimperialistische System der unterdrückenden Nationen verteidigen. Jede neo-revisionistische Bemäntelung wäre in Wahrheit nichts anderes als die Verteidigung des Sozialchauvinismus. Und so ist auch die Verteidigung der revisionistischen (= kapitalistischen!) Länder, in marxistisch-leninistische/ anti-imperialistische Rechtfertigung verhüllt, nichts anderes als Neo-Revisionismus. Das, was wir Marxisten-Leninisten in einem revisionistischen Land verteidigen, ist der nationale und soziale Befreiungskampf der Arbeiterklasse vom Revisionismus, ist der Bürgerkrieg und die proletarische, sozialistische Revolution!

Das revolutionäre Weltproletariat verteidigt heute die Ausgebeuteten und Unterdrückten der ganzen Welt gegen den Weltimperialismus und seine globalisierten imperialistischen Kriege, indem es den globalisierten Kampf der ganzen ausgebeuteten und unterdrückten Welt für die Befreiung vom Weltimperialismus führt. Nur insofern hängt heute die Frage der Vaterlandsverteidigung eng mit der Frage der Weltverteidigung zusammen, hat sich die Frage internationalisiert, ist sie vom Zusammenhang mit dem globalisierten Klassenkampf nicht mehr zu trennen.

Die Weltverteidigung ist reiner Betrug, wenn man allen „Groß“mächten heute das Recht und die Pflicht zubilligt, die Weltzivilisation gemeinsam zu „retten“. Dies auch noch „im Namen des Marxismus-Leninismus“ zu propagieren, ist eine durch nichts zu überbietende Verhöhnung des proletarischen Internationalismus. Im Namen der Weltverteidigung zu erlauben und zu billigen, dass die einen Arbeiter auf der Welt auf die anderen Arbeiter auf der Welt schießen, ist reinstes Kautskyanertum zum Quadrat erhoben, ist kautskyanischer Ultra-Imperialismus von der schlimmsten Sorte. Mit nichts auf der Welt ist zu rechtfertigen, dass Arbeiter auf Arbeiter schießen! Die Weltverteidigung der heutigen „Groß“machtnationen ist nichts anderes als die Verteidigung ihre gemeinsamen Rechts auf die Beute aus der Ausplünderung der ganzen Welt.

Die Verteidigung der Welt ist nur dann kein Betrug, wenn diese Verteidigung durch einen internationalen, revolutionären Krieg des Weltproletariats gegen den globalisierten imperialistischen Krieg geführt wird, durch den (und nur durch den) die Verteidigung aller Vaterländer der Welt, die Verteidigung der Heimat aller Völker der Welt, die Weltverteidigung wirklich erst garantiert werden kann. So steht es also heute inzwischen mit der ( globalisierten Formulierung der ) Frage der Vaterlandsverteidigung. Und irgendwann wird auch diese Frage nicht mehr so gestellt werden können, wie wir sie heute stellen müssen, weil sie sich im Laufe der Weltgeschichte verändert. Irgendwann – und das kann noch sehr, sehr lange dauern! - wird man die heutige Taktik nicht mehr anwenden können, weil sie dann bereits historisch veraltet sein wird, weil dann die sich verteidigenden sozialistischen Nationen verschmolzen und zu einer einzigen sozialistischen Weltnation zusammengewachsen sind. Sie kann sich nur noch gegen sich selbst verteidigen. Sie wird sich nicht mehr gegen irgendeine andere Nation verteidigen müssen und dies auch nicht können, weil es dann auch gar keine andere Nation neben der Weltnation gibt; und damit wird sich der Begriff der Vaterlandsverteidigung von selbst auflösen und höchstens noch in historischen Büchern nachzulesen sein. Irgendwann wird sich die Welt nicht mehr vor ihrer Ausbeutung und Unterdrückung verteidigen müssen, wenn die Menschheit sich ( von ihrer Unmenschlichkeit) befreit hat und also menschlich geworden ist. Wir können die Klassiker nicht mehr befragen, aber wir können ihr historisches Herangehen an die Frage der Vaterlandsverteidigung erlernen, und es wird die Praxis zeigen, ob wir richtig oder falsch gelernt haben; und gegebenenfalls werden wir dann unsere Fehler korrigieren müssen.

Die nationale Frage ist ebenfalls eine historische Kategorie, das heißt ihre revolutionäre Bedeutung ändert sich unter den veränderten Klassenverhältnissen im Laufe der Geschichte, im Laufe von Kriegen und Revolutionen bzw. verwandelt sich in einen klassengebundenen reaktionären Faktor. Heute ist die nationale Frage in den kapitalistischen Ländern vom marxistischen Standpunkt aus im Wesentlichen gelöst, jedenfalls was die Herausbildung des Typs der bürgerlichen Nationalstaaten des 19. Jahrhundert anbelangt. Lenin verteidigte Marx in seiner Schrift „Was sind die `Volksfreunde`?“, dass es kein anderes Mittel zur Bekämpfung des nationalen Hasses gibt als die Organisierung und den Zusammenschluss der Klasse der Unterdrückten zum Kampf gegen die Klasse der Unterdrücker in jedem einzelnen Lande, als die Vereinigung dieser nationalen Arbeiterorganisationen zu einer internationalen Arbeiterarmee [hervorgehoben vom Verfasser] für den Kampf gegen das internationale Kapital. Was aber die Bemerkung anbelangt, die Internationale habe die Arbeiter nicht gehindert, sich gegenseitig abzuschlachten, so genügt es, Herrn Michailowski an die Ereignisse der Kommune zu erinnern, die das wahre Verhältnis des organisierten Proletariats zu den kriegführenden herrschenden Klassen gezeigt haben“ (Lenin, Band 1, Seite 148). Wir treten also gegen den inzwischen reaktionären bürgerlichen Nationalismus mit der revolutionären Kampflosung der Schaffung sozialistischer Nationen auf und nicht etwa mit der Verteufelung der nationalen Frage und der Nation überhaupt, was unter den sogenannten „Linken“ modern geworden ist. Ungelöst ist die nationale Frage für uns Marxisten-Leninisten in den kapitalistischen Ländern also nur in Hinsicht auf die Schaffung der sozialistischen Nationen, denn nur diese können die nationalen Interessen der revolutionären Völker schützen - aber eben nur dadurch, dass die Arbeiterklasse an der Macht ist. So dienen die bürgerlichen Nationen heute lediglich dazu, die Herrschaft des internationalen Finanzkapitals zu schützen, nicht die der Völker und ihrer nationalen Interessen. Das Schicksal der bürgerlichen Nation ist untrennbar mit dem Schicksal des internationalen Kapitals verbunden. Und so verrät und vernichtet der monopolistische Maximalprofit die Nation, die der Profit des Frühkapitalismus sich einst geschaffen hatte. Und das ist mit ein Grund, weswegen wir die nationale Frage durch die Beseitigung der bürgerlichen kapitalistischen Nationen nur mit der Errichtung sozialistischer Nationen lösen können, nämlich um auf diese Weise die Herrschaft des Weltimperialismus zu stürzen. Wenn wir das nicht tun, sondern anstatt der nationalen Interessen der Arbeiter und des werktätigen Volkes die Interessen der nationalen Bourgeoisie verteidigen, wenn wir die dialektische Einheit von nationaler und sozialer Befreiung der unterdrückten und ausgebeuteten Klassen nicht begreifen, so verteidigen wir nur das Stück Kuchen, was sich die Bourgeoisie im eigenen Land vom Weltkuchen abzuschneiden oder zu verteidigen versucht. Sich aber an der Ausraubung fremder Länder zu beteiligen, das ist mit den nationalen Interessen der Arbeiterklasse völlig unvereinbar, weil es auf Kosten der Werktätigen nicht nur im eigenen Land (gefüttert wird von der imperialistischen Beute ja nur die eigene Arbeiteraristokratie!), sondern auch in allen anderen Ländern geht, insbesondere in den unterdrückten und abhängigen Ländern. Und das ist auch der Grund, weswegen wir die national gesinnten Arbeiter auffordern, mit uns Kommunisten vereinigte Gewehr in die Hand zu nehmen, um der imperialistischen Vergewaltigung an der Nation, um der verrotteten, parasitären und sterbenden, also der imperialistischen bürgerlichen Nation den Todesstoß zu versetzen und die Nation, die allein dem Volk gehört, von diesem imperialistischen Parasiten zu befreien. Wir können aber bei der nationalen Befreiung gar nicht für die „Befreiung“ der bürgerlichen Nation vom Imperialismus kämpfen – selbst wenn wir es wollten - denn die bürgerliche Nation ist ja von Anfang an kapitalistisch gewesen und bleibt es auch auf imperialistischer Stufe, der höchsten und letzten Stufe des Kapitalismus. Folglich kann man auch letztlich nicht die bürgerliche Nation vom Imperialismus befreien, ist die bürgerliche Nation also unumkehrbar, unwiderruflich und gesetzmäßig zum historischen Untergang verurteilt. Das Schicksal der imperialistischen Nationen ist also an das Schicksal des Weltimperialismus gebunden. Das Schicksal der nationalen Interessen des Volkes ist an das Schicksal der Arbeiter gebunden. Das Schicksal der Arbeiter aber ist an den Sozialismus gebunden. Und so ist auch das Schicksal der Nation an das Schicksal des Sozialismus gebunden, kann (und wird auch!) die Nation überhaupt nur als sozialistische Nation weiter bestehen. Die Arbeiterklasse muss sich bewaffnen und die Führung der Nation übernehmen. Nur indem sich der Arbeiter vom Kapitalismus befreit, kann die Nation befreit werden. Nur durch die Beseitigung des Kapitalismus, der die bürgerliche Nation einst geschaffen hatte - kann die Nation als sozialistische Nation, als Nation der Arbeiter und des werktätigen Volkes gerettet werden. Insofern ist die nationale Frage Bestandteil der sozialistischen Revolution und der Schaffung eines sozialistischen Staates, ohne den es für die Nation keine Zukunft geben kann. Die Arbeiter können aber nicht einfach mit der Bourgeoisie die Plätze der Macht innerhalb der kapitalistischen Nationen tauschen. Die Arbeiterklasse muss erst einmal den bürgerlichen Staat, der die Macht der Kapitalisten schützt, zerschlagen, um die Nation vor ihrem Untergang überhaupt bewahren zu können. Die Frage des Staates und die Frage der Nation sind nicht das Gleiche, aber beide waren und sind eine Klassenfrage und können nur durch die Klassenfrage, das heißt durch die bewaffnete sozialistische Revolution, gelöst werden. Die nationale Frage ist auch maßgeblicher Bestandteil des nationalen Befreiungskrieges in den kolonialen und abhängigen Ländern, wo die soziale Befreiung erst möglich wird durch die bewaffnete, nationale Befreiung von den imperialistischen Okkupanten bzw von der Kompradorenbourgeoisie. Beide verschiedenen nationalen Fragen – in den kapitalistischen wie in den vom Kapitalismus abhängigen Ländern – stehen miteinander im Zusammenhang und können letztendlich nur im vereinigten bewaffneten Kampf gelöst werden - stets in Hinblick auf die sozialistische Weltrevolution.

Historisch haben wir bereits die Beseitigung sozialistischer Nationen erlebt – in der Sowjetunion Lenins und Stalins und in Albanien Enver Hoxhas; hatte sich in der Sowjetunion sogar eine sozialimperialistische Supermacht und infolgedessen und konsequenterweise auch ein Zerfall der sowjetischen UNION der sozialistischen Nationen und schließlich der Zerfall der einzelnen sozialistischen Nationen innerhalb der Sowjetunion vollzogen, der durch den westlichen Imperialismus heute weiterhin bewusst und mit Waffen vorangetrieben wird, weil sie vorm Wiedererstarken des Kommunismus immer noch Angst haben ( zu Recht Angst haben, denn wir werden das als Kommunisten nicht vergessen und unsere Waffen wieder herausholen, um uns das zurückzuholen, was man uns weggenommen hat!). In der Periode der sozialistischen Nation ist also die Verwandlung in eine bürgerliche Nation, die Gefahr der Restauration des Kapitalismus zur Tatsache geworden, sind die Revisionisten zum Verrat an der Nation, zu ihrer Verschacherung an das ausländische Kapital bereit gewesen und werden immer wieder dazu bereit sein, um den Kapitalismus und die Herrschaft der Bourgeoisie stets aufs Neue zu retten. Wir sprechen heute also nicht nur von der Schaffung neuer sozialistischer Nationen, sondern auch von der Verteidigung der alten ( wobei wir nur die genannten sozialistischen und nicht die ehemaligen revisionistischen/bürgerlichen Nationen meinen, wohlgemerkt!), von ihrer Zurückeroberung. Der Widerspruch zwischen unterdrückenden und unterdrückten Nationen kann im Rahmen des Weltkapitalismus nicht aufgelöst werden – weder friedlich noch kriegerisch -, Nationen überhaupt können nur friedlich existieren im Sozialismus, wenn der Sozialismus im Weltmaßstab gesiegt hat, und das alles geht nicht ohne Klassenkriege ab, ist eine Frage des revolutionären bewaffneten Kampfes, so wie die ganze Geschichte der Nationen eine Geschichte des bewaffneten Kampfes von Klassen gewesen ist.

Die sozialistischen Nationen aber gehen nach vielen bewaffneten Niederlagen und Siegen, schließlich nach einer Periode des friedlichen Zusammenlebens der Nationen, genauso unter wie auch die bürgerlichen Nationen vor ihnen untergegangen sein werden, die ein grausames Kapitel gegenseitiger räuberischer und ungerechter Kriege geschrieben haben. Der entscheidende Unterschied ist jedoch der, dass die sozialistischen Nationen mit ihrem eigenen Untergang jegliche nationalen Privilegien und nationale Schranken überhaupt beseitigen werden, nicht aber gewisse Unterschiede, die bleiben werden, obwohl auch diese sich allmählich verändern. Genauso wie bestimmte Formen und Konstruktionen von Nationen kommen und gehen, werden die Nationen selbst eines Tages wieder verschwinden, weil sie für die weitere Entwicklung der Gesellschaft hinderlich werden und dann keine positive Rolle mehr spielen können. Dieses Verschwinden wird allerdings nach der Existenz der sozialistischen Weltnation noch sehr, sehr lange andauern, wobei wir das Verschwinden nicht als einen negativen Verlust betrachten, als ein Vakuum, als Auflösung oder Vernichtung aller nationalen Charaktereigenschaften wie der nationalen Kulturen zum Beispiel, sondern als eine anzustrebende Befreiung der nationalen Kulturen von kapitalistischen Überresten, als ihr Aufleben, als ihre volle freie, unabhängige und selbständige Entfaltung und Ausreifung, als eine Bereicherung nicht nur für jede einzelne Kultur selbst, sondern als gegenseitige Befruchtung aller Kulturen zusammengenommen, also als eine sich frei und ungezwungen vollziehende Verschmelzung der besten Eigenschaften aller Nationen, auf einer höheren qualitativen Stufe der Menschheitsentwicklung, die durch keinerlei nationale Schranke und durch keinerlei Nation behindert werden kann, die anderen Nationen ihren Willen aufzuzwingen versucht, so wie es in der Vergangenheit der Fall war und heute immer noch ist. Diese Gesellschaft strebten bereits Marx und Engels an.

So wie bei Marx und Engels die nationale Bewegung in ihren historischen Anfängen Voraussetzung war für die Entwicklung der sozialen Bewegungen und diese aus ihnen zum großen Teil sogar hervorgegangen waren, so trifft das heute auch auf die kolonialen und abhängigen Länder zu. Das Proletariat kann sich von der Herrschaft der Kapitalisten nicht befreien, wenn diese Herrschaft vermittels der bürgerlichen Staaten – und nur die konnten das kapitalistische Privateigentum schützen - noch gar nicht errichtet waren ! Um auf den Trümmern der Herrschaft der Bourgeoisie die eigene Herrschaft zu errichten, musste die Bourgeoisie ja erst einmal ihre eigene Herrschaft historisch in Besitz genommen haben. Die war ja anfangs noch gar nicht vorhanden, und ohne Proletariat hätte die Bourgeoisie ihre Befreiung vom Feudalismus nicht erreicht. Nur als vereinte nationale Kraft, in der diese beiden Klassen die Hauptrolle spielten, konnte diese Aufgabe bewältigt werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass es einmal eine Bourgeoisie gegeben hat, die mit der Waffe in der Hand für die Befreiung vom Joch des Feudalismus, die republikanisch gekämpft hatte und wegen revolutionärer Handlungen ihre Führer des Hochverrats angeklagt waren, bevor sie due Revolution verriet, selber ans Ruder kam und selber bestialisch ausbeutete und unterdrückte. Wo das Proletariat selbständig aufzutreten begann, da hörte die Bourgeoisie auf, eine revolutionäre Klasse zu sein – auch und gerade in der nationalen Frage des 19. Jahrhunderts. Es ist also ein unüberbrückbarer Unterschied, ob wir die nationale Frage als Instrument zur Lösung der Befreiung vom Feudalismus oder der Befreiung vom Kapitalismus, insbesondere vom Imperialismus, aber auch vom Sozialimperialismus, Kolonialismus etc., vom Standpunkt der unterdrückenden Nationen oder vom Standpunkt der unterdrückten Nationen, etc. verwenden. Der Kampf gegen die Bourgeoisie konnte also historisch, zur Zeit von Marx und Engels, unmöglich mit der proletarischen Revolution beginnen. Die marxistische These von den drei Hauptkräften und Grundstadien der Revolution des 19. ( und 20.) Jahrhunderts sind bekannt: Nach dieser These ist das erste Stadium der Revolution die Einschränkung des Absolutismus, durch die die Bourgeoisie befriedigt wird; das zweite ist die Erkämpfung der Republik, wodurch das `Volk` , d.h., die Bauernschaft und überhaupt die Kleinbourgeoisie, befriedigt wird; das dritte ist die sozialistische Umwälzung, die allein das Proletariat zu befriedigen vermag“ (Lenin, Band 8, Seite 465). Marx kämpfte mit aller Kraft gegen das Herabsinken der Arbeiterklasse und ihrer Partei zum Anhängsel der offiziellen bürgerlichen Demokratie und er unterstrich die Wichtigkeit der Bewaffnung der Arbeiter, der Organisierung einer selbständigen proletarischen Garde, der strengen Kontrolle der Proletarier über die verräterische kleinbürgerliche Demokratie usw.

Marx hat keineswegs vorgeschlagen, das Werk der Revolution im Deutschland der fünfziger Jahre direkt mit der proletarischen Macht zu beginnen, im Gegensatz zu den Plänen unserer russischen `Permanenzler`; Marx hat lediglich vorgeschlagen, das Werk der Revolution mit der proletarischen Staatsmacht zu krönen, indem Schritt für Schritt eine Fraktion der Bourgeoisie nach der anderen von der Höhe der Macht verdrängt wird, und dann, nach Erringung der Macht des Proletariats, die Revolution in allen Ländern zu entfachen – in vollem Einklang mit alledem, was Lenin lehrte und im Laufe unserer Revolution verwirklichte, indem er seine Theorie der proletarischen Revolution unter den Verhältnissen des Imperialismus folgte“ (Stalin, Band 6, Seite 93). So wird das Weltproletariat auch seine Weltmacht krönen, indem es mit der schwächsten Kette des Imperialismus beginnend, die einzelnen Bourgeoisien ( als Fraktionen der Weltbourgeoisie) in einem Land nach dem anderen von der Höhe der Macht zu verdrängen und die Weltrevolution nicht direkt mit der Eroberung der Weltmacht beginnen wie es die Trotzkisten vorgeschlagen haben. Die soziale Befreiung des Weltproletariats kann nur in nationalen Formen durch die Revolutionen der Proletarier jeden Landes gelingen. Und nur so kann dabei die nationale Frage eines einzelnen Landes nur durch die sozialistische Revolution in diesem einzelnen Land gelöst werden. Endgültig kann aber die nationale Frage aller Nationen nur internationalistisch gelöst werden, nämlich durch die proletarische Weltrevolution. Nur durch Unterstützung der proletarische Weltrevolution wird es mit den nationalen Befreiungskriegen der Völker gelingen, auch die Ursache der nationalen Unterdrückung der Völker, und damit ihre Unvermeidbarkeit für immer zu beseitigen – den Weltimperialismus. Es ist der Weltkapitalismus selbst, der die nationalen Schranken niederreißt und damit die Bedingungen für die nationale Befreiung aller Länder durch den Weltsozialismus schafft:

Früher [also noch zur Zeit von Marx und Engels – Anmerkung des Verfassers] pflegte man an die Analyse der Voraussetzungen der proletarischen Revolution vom Standpunkt des ökonomischen Zustandes dieses oder jenes Landes heranzugehen [England, Frankreich, Deutschland usw. - Anmerkung des Verfassers]. Jetzt ist diese Art des Herangehens bereits unzulänglich. Jetzt muss man an diese Frage vom Standpunkt des ökonomischen Zustands aller Länder oder ihrer Mehrheit, vom Standpunkt des Zustands der Weltwirtschaft herangehen, denn die einzelnen Länder und die einzelnen nationalen Wirtschaften haben aufgehört, sich selbst genügende Einheiten zu sein, sie haben sich in Glieder einer einheitlichen Kette, genannt Weltwirtschaft, verwandelt, denn der alte `zivilisierte` Kapitalismus [aus der Zeit, als Marx und Engels wirkten – Anmerkung des Verfassers] ist zum Imperialismus geworden, der Imperialismus aber ist ein Weltsystem finanzieller Versklavung und kolonialer Unterdrückung der gigantischen Mehrheit der Bevölkerung der Erde durch eine Handvoll `fortgeschrittener` Länder.

Früher [also wiederum noch zur Zeit von Marx und Engels – Anmerkung des Verfassers] war es üblich, vom Vorhandensein oder Fehlen objektiver Bedingungen für die proletarische Revolution in den einzelnen Ländern oder, genauer gesagt, in diesem oder jenem entwickelten Lande zu sprechen. Jetzt ist dieser Umstand bereits unzulänglich. Jetzt muss man vom Vorhandensein objektiver Bedingungen für die Revolution im ganzen System der imperialistischen Weltwirtschaft als eines einheitlichen Ganzen sprechen, wobei der Umstand, dass diesem System einige industriell mangelhaft entwickelten Länder angehören, kein unüberwindliches Hindernis für die Revolution bilden kann, wenn das System als Ganzes oder, richtiger gesagt, da das System als Ganzes bereits für die Revolution reif geworden ist.

Früher war es üblich, von der proletarischen Revolution in diesem oder jenem Land als von einer einzelnen, sich selbst genügenden Größe zu sprechen, die der einzelnen, nationalen Front des Kapitals aus ihrem Antipoden entgegengestellt wurde. Jetzt ist dieser Standpunkt bereits unzulänglich. Jetzt mus man von der proletarischen Weltrevolution sprechen, denn die einzelnen nationalen Fronten des Kapitals haben sich in Glieder einer einheitlichen Kette verwandelt, genannt die Weltfront des Imperialismus, der die allgemeine Front der revolutionären Bewegung aller Länder entgegengestellt werden muss.

Früher betrachtete man die proletarische Revolution ausschließlich als Ergebnis der inneren Entwicklung des betreffenden Landes. Jetzt ist dieser Standpunkt bereits unzulänglich. Jetzt muss man die proletarische Revolution vor allem als Ergebnis der Entwicklung der Widersprüche im Weltsystem des Imperialismus betrachten, als Ergebnis dessen, dass die Kette der imperialistischen Weltfront in diesem oder jenem Lande reißt.

Wo wird die Revolution beginnen, wo kann am ehesten die Front des Kapitals durchbrochen werden, in welchem Lande? Dort, wo die Industrie am entwickeltsten ist, wo das Proletariat die Mehrheit bildet, wo es mehr Kultur, wo es mehr Demokratie gibt – pflegte man früher zu antworten. Nein – entgegnet die Leninsche Theorie der Revolution -, nicht unbedingt dort, wo die Industrie am entwickeltsten ist usw. Die Front des Kapitals wird dort reißen, wo die Kette des Imperialismus am schwächsten ist, denn die proletarische Revolution ist das Ergebnis dessen, dass die Kette der imperialistischen Weltfront an ihrer schwächsten Stelle reißt, wobei es sich erweisen kann, dass das Land das die Revolution begonnen hat, das Land, das die Front des Kapitals durchbrochen hat, kapitalistisch weniger entwickelt ist als andere, entwickeltere Länder, die jedoch im Rahmen des Kapitalismus verblieben sind“ (Stalin, Band 6, Seite 85-86).

Den objektiven Hauptinhalt der nationalen Kriege Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten bürgerlich-nationale Bewegungen, deren Hauptziel es war, die bürgerliche Gesellschaft aus den Fesseln des Feudalismus, des Absolutismus zu befreien. In diesen nationalen Kriegen konnte die Arbeiterklasse objektiv noch nicht ihren Kampf für den Sozialismus entfalten. Trotzdem nahmen Marx und Engels nie die Position des Nationalliberalismus ein. Ihre demokratische Taktik war es, bei all den militärischen Zusammenstößen, in denen die Bourgeoisie um die Macht kämpfte, in allererster Linie die demokratische Volksbewegung als eine demokratische Massenbewegung der Besitzlosen zu unterstützen.

Lenin hob hervor,dass es Marx bei kriegerischen Konflikten, die auf dem Boden des Aufstiegs der Bourgeoisie zur Macht in den einzelnen Nationen ausbrachen, ebenso wie im Jahre 1848 in erster Linie darauf ankam, dass sich die bürgerlich-demokratischen Bewegungen ausdehnten und verschärften, indem sie breitere und mehr `plebejische` Massen, das Kleinbürgertum im Allgemeinen, die Bauernschaft im Besonderen und schließlich die besitzlosen Klassen daran beteiligten. Gerade durch diese Marxsche Erwägung über die Verbreiterung der sozialen Basis der Bewegung und über ihre Entwicklung unterschied sich denn auch die konsequent demokratische Marxsche Taktik grundlegend von der inkonsequenten, zum Bündnis mit den Nationalliberalen tendierenden Taktik Lassallles“ (Lenin, Band 21, Seite 137). Lenin beurteilte die Entscheidung der Frage, ob Marx oder Lassalle Recht gehabt hätte bei ihrer Einschätzung der Umstände des italienischen Krieges von 1859, wie folgt:

Wir sind (entgegen Mehring) der Auffassung, dass Marx Recht hatte und dass Lassalle, ebenso wie in seinem Kokettieren mit Bismarck, auch hierin Opportunist war. Lassalle passte seine Haltung dem Sieg Preußens und Bismarcks, dem Fehlen einer ausreichenden Stoßkraft der demokratischen Nationalbewegungen in Italien und Deutschland an. Eben darin schwankte er nach der Seite einer nationalliberalen Arbeiterpolitik. Marx dagegen förderte und entwickelte eine selbständige, eine konsequent demokratische, der nationalliberalen Feigheit feindliche Politik (Preußens Einmischung gegen Napoleon im Jahre 1859 hätte der Volksbewegung in Deutschland einen Anstoß gegeben). Lassalle schaute mehr nach oben als nach unten, er vergaffte sich in Bismarck. Bismarcks `Erfolg` ist nicht im mindesten geeignet, Lassalles Opportunismus zu rechtfertigen“ (Lenin, Band 21, Seite 130).

Die Marxisten haben die Fortschrittlichkeit der bürgerlich-nationalen Kräfte niemals geleugnet. Nur die heutige Bourgeoisie wärmt aus imperialistischen Gründen die Ideologie der Nationalbewegungen Mitte des 19. Jahrhunderts wieder auf und versucht, sie auf eine vollkommen andere Epoche zu übertragen – und hinterher trotten die Opportunisten, lassen sich vom bürgerlichen Nationalismus ins Schlepptau nehmen, um imperialistische Kriege „im Namen des Marxismus“ zu rechtfertigen. Marx und Engels schritten von ihrer Epoche, von der Epoche der bürgerlich-nationalen fortschrittlichen Bewegung vorwärts, sie strebten danach, diese Bewegung weiterzutreiben, und bemühten sich um ihre Entwicklung `über die Köpfe` der Repräsentanten des Mittelalters hinweg. A. Petrossow strebt, wie alle Sozialchauvinisten, von seiner Epoche, von der Epoche der modernen Demokratie nach rückwärts, er springt hinüber auf den längst überlebten, toten und deshalb zuinnerst verlogenenen Standpunkt der alten (bürgerlichen) Demokratie. (...) Damals, im Jahre 1859 [Marx` Analyse des italienischen Krieges von 1859 – Anmerkung des Verfassers], bildete den objektiven Inhalt des geschichtlichen Prozesses auf dem europäischen Festland nicht der Imperialismus, es waren vielmehr die nationalen bürgerlichen Befreiungsbewegungen.. Haupttriebfeder war die Bewegung der Bourgeoisie gegen die feudalen absolutistischen Kräfte.

Nehmen wir einmal an, zwei Länder führen miteinander Krieg in der Epoche der bürgerlichen nationalen Freiheitsbewegungen. Welchem Land soll man vom Standpunkt der modernen Demokratie des Sieg wünschen? Natürlich dem, dessen Sieg die Befreiungsbewegung der Bourgeoisie kräftiger vorwärtstreiben und stürmischer entwickeln, den Feudalismus stärker unterwühlen wird. Nehmen wir weiter an, dass das bestimmende Moment der objektiven geschichtlichen Situation sich geändert hat und dass an die Stelle des sich national emanzipierenden Kapitals das internationale reaktionäre, imperialistische Finanzkapital getreten ist. Angenommen, das eine Land beherrsche drei Viertel von Afrika, das andere ein Viertel. Objektiver Inhalt ihres Krieges ist die Neuaufteilung Afrikas. Welcher Seite soll man den Sieg wünschen? Die Frage so zu stellen, wie sie früher gestellt wurde, ist sinnlos, denn es fehlen uns die früheren Kriterien der Einschätzung: Es gibt weder eine langjährige Entwicklung der bürgerlichen Befreiungsbewegung noch einen langjährigen Untergangsprozess des Feudalismus. Es ist nicht Sache der modernen Demokratie, dem einen Land bei der Behauptung seines `Rechts` auf die drei Viertel von Afrika beizustehen oder dem andern ( und möge es sich auch ökonomisch rascher entwickeln als das erste) bei der Besitzergreifung von diesen drei Vierteln zu helfen. Die moderne Demokratie wird nur in dem Falle sich selbst treu bleiben, wenn sie sich keiner einzigen imperialistischen Bourgeoisie anschließt, wenn sie sagt, dass `beide das größere Übel` sind, wenn sie in jedem Land die Niederlage der imperialistischen Bourgeoisie herbeiwünscht. Jede andere Entscheidung wird in Wirklichkeit nur eine nationalliberale sein, die mit wahrer Internationalität nichts gemein hat“ (Lenin, Band 21, Seite 131-133).

Die Volksbewegung in den vom Kriege erfassten Ländern war damals zur Zeit von Marx und Engels noch allgemein-demokratisch, ihrem Klasseninhalt nach bürgerlich-demokratisch. Marx und Engels unterstützten den damals demokratisch-bürgerlichen Kampf gegen den Feudalismus, indem sie sich jeweils auf die Seite derjenigen Bourgeoisie stellten, in deren Land die Entfaltung des Proletariats am besten voranschreiten konnte und woran die Proletarier in den anderen Ländern teilhaben sollten, indem Marx und Engels ihnen half, sich zusammenzuschließen und das Proletariat in dem jeweils fortschrittlichsten bürgerlichen Land solidarisch zu unterstützen. Diese Solidarität der Proletarier in den europäischen Ländern während der nationalen Kriege war der Beginn des selbständigen Auftretens des Proletariats in den einzelnen Ländern und ihres gemeinsamen Auftretens später mit der I. Internationale. Es war kein Zufall, dass sich in dieser Epoche die Produktivkräfte im Rahmen einzelner bürgerlicher Länder entwickelten, die sich vom Feudalismus durch nationale Kriege befreiten. Diese Epoche schließt mit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Mit dem Ende der Ära der nationalen Kriege trat das Proletariat in eine Periode über, in der sie begann, die Bourgeoisie erbittert zu bekämpfen, denn die Regierungen mit ihrer nationalen Verteidigung verwandelten sich in Regierungen des nationalen Verrats:

Lenin sagte, ...wenn damals der Kampf gegen die Reaktion ganz Europas die gesamte revolutionäre Nation zusammengeschweißt hat, so darf das Proletariat nunmehr seine Interessen schon nicht mehr mit den Interessen anderer, ihm feindlicher Klassen verbinden; möge die Bourgeoisie die Verantwortung für die nationale Erniedrigung tragen – Sache des Proletariats ist es, für die sozialistische Befreiung der Arbeit vom Joch der Bourgeoisie zu kämpfen“ (Lenin, Band 13, Seite 484).

Mit seinen Arbeiten über den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und über die proletarische Revolution vom 18. März 1871, die zur Pariser Kommune führte, beschäftigte sich Karl Marx mit den historischen Ereignissen, mit denen die Epoche des Übergangs vom vormonopolistischen Kapitalismus zum Imperialismus begannen – die Epoche der voll entfalteten Herrschaft und des Niedergangs der Bourgeoisie, der allmählichen Sammlung der Kräfte des Proletariats und seiner Vorbereitung auf die entscheidenden Klasssenschlachten. Diese Periode war also eine wichtige Etappe in der Entwicklung der internationalen proletarischen Bewegung und ihrer Ideologie, des Marxismus. Die 1. Internationale, von Marx und Engels gegründet , war durch sie zu einer mächtigen internationalen Organisation der Arbeiterklasse mit vielen Sektionen in Ländern Europas und in den USA geworden. Marx schrieb im Band 18 MEW, „Bericht des Generalrats an den Haager Kongress: „Seit unserem letzten Kongress in Basel haben zwei große Kriege das Aussehen Europas verändert: der Deutsch-Französische Krieg und der Bürgerkrieg in Frankreich; ein dritter Krieg ging diesen beiden voraus, begleitete sie und wurde nach ihnen fortgesetzt – der Krieg gegen die Internationale Arbeiter-Assoziation [1. Internationale - Die III. Internationale wurde am Ende des 1. Weltkrieges gegründet und vor dem Ende des 2. Weltkrieges 1943 aufgelöst].

In Verbindung mit der im Juli 1870 in Europa entstandenen Kriegssituation, die für die Internationale eine ernste Prüfung bedeutete, arbeiteten Marx und Engels die Taktik des Proletariats unter den Bedingungen des Deutsch-Französischen Krieges aus. Diese Taktik war nicht nur lehrreich für die Taktik Lenins gegenüber dem Sozialchauvinismus der II. Internationale,

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(dies belegt das folgende Leninzitat: Der Krieg 1870/1871 war die Fortsetzung der bürgerlich-fortschrittlichen (jahrzehntelang währenden) Politik der Befreiung und Einigung Deutschlands. Dass Napoleon III. Aufs Haupt geschlagen und entthront wurde, hat diese Befreiung beschleunigt. Das Friedensprogramm der Sozialisten jener Epoche trug diesem fortschrittlich.bürgerlichen Ergebnis Rechnung und unterstützte die demokratische Bourgeoisie: keine Beraubung Frankreichs, ehrenvoller Frieden mit der Republik. Man sehe, welche Farce der Versuch ist, dieses Beispiel in der Situation des imperialistischen Krieges 1914-1916 sklavisch zu `wiederholen`. Dieser Krieg setzt die Politik der überreifen, reaktionären Bourgeoisie fort, die die Welt ausplünderte, Kolonien eroberte usw. Dieser Krieg kann auf dem Boden bürgerlicher Verhältnisse zu keinem demokratischen `Fortschritt` führen – kraft der objektiven Lage kann er es nicht-, sondern nur zu einer Verstärkung und Erweiterung jeder Unterdrückung überhaupt und der nationalen insbesondere, und zwar bei beliebigen Ausgang des Krieges. Jener Krieg beschleunigte die Entwicklung in demokratischer, bürgerlich-fortschrittlicher Richtung: Sturz Napoleons III., Einigung Deutschlands. Dieser Krieg beschleunigt die Entwicklung nur der sozialistischen Revolution. Damals hatte das Programm des demokratischen (bürgerlichen) Friedens eine objektive geschichtliche Grundlage. Jetzt fehlt diese Grundlage, und das Geschwätz vom demokratischen Frieden ist ein bürgerliches Lügengewebe, dessen objektiver Sinn darin besteht, die Arbeiter vom revolutionären Kampf für den Sozialismus abzulenken! Damals unterstützten die Sozialisten durch ein demokratisches Friedensprogramm die vorhandene, tiefgehende, sich jahrzehntelang offenbarende demokratisch-bürgerliche Bewegung der Massen ( zum Sturz Napoleons III., zur Einigung Deutschlands). Jetzt unterstützen die Sozialisten durch ein demokratisches Friedensprogramm auf dem Boden bürgerlicher Verhältnisse den Volksbetrug durch die Bourgeoisie, die das Proletariat von der sozialistischen Revolution ablenken möchte. Wie durch die Phrasen von der `Vaterlandsverteidigung` die verlorene Ideologie des nationalen >Befreiungskrieges in die Massen getragen wird, so wird durch die Phrasen vom demokratischen Frieden auf Umwegen dieselbe bürgerliche Lüge eingeschmuggelt!“ (Lenin, Band22, Seite 167). Und auf einer Seite vorher schreibt Lenin hierzu: Rufen wir uns die Grundbegriffe der sozialistischen Lehre ins Gedächtnis zurück, die von den Kautskyanern entstellt werden. Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik, die die herrschende Klassen der kriegführenden Mächte lange vor dem Krieg getrieben haben, mit Mitteln der Gewalt. Der Frieden ist die Fortsetzung der gleichen Politik, unter Berücksichtigung jener Veränderungen im Kräfteverhältnis der Gegner, die durch die Kriegshandlungen eingetreten sind. Der Krieg ändert an sich nicht die Richtung, in der sich Politik vor dem Krieg entwickelt hat, er beschleunigt nur diese Entwicklung“ (Lenin, ebenda, Seite 166). „Infolgedessen kann der Friedensschluss bei beliebigen Ausgang des Krieges nur die Verschlimmerung der politischen und ökonomischen Lage der Massen festlegen – wenn die bürgerliche Gesellschaft bestehen bleibt“ [Lenin, Band 22, Seite 175] und schließlich sprach Lenin von derUnmöglichkeit eines demokratischen Friedens ohne eine Reihe von Revolutionen“ [ebenda]).

sondern ist auch heute noch aktuell im Kampf zur Verteidigung des proletarischen Internationalismus gegen die Neo-Revisionisten. Damals halfen Marx und Engels den deutschen und französischen Arbeitern, ihre revolutionäre Haltung zum Charakter des Eroberungskrieges zu bestimmen, indem sie von den internationalistischen Interessen des Proletariats ausgingen. Die Proletarier ließen sich von der chauvinistischen Propaganda der herrschenden Klassen nicht beeindrucken und hielten am proletarischen Internationalismus fest. Marx begründete die wichtigsten Leitsätze der marxistischen Lehre von den sozialen Ursachen der Eroberungskriege, die von den herrschenden Klassen aus Profitinteressen entfesselt werden. Nach Marx sind alle Eroberungskriege generell mit der Unterdrückung der revolutionären Bewegung, in erster Linie der Befreiungsbewegung des Proletariats, verbunden. Im Falle des Eroberungskrieges Napoleons gegen Deutschland hätte dies eine große Gefahr für die deutsche Arbeiterbewegung bedeutet. Engels bemerkt dazu am 15. August 1870 in einem Brief an Marx: Von einer selbständigen deutschen Arbeiterbewegung ist dann auch keine Rede mehr, der Kampf um Herstellung der nationalen Existenz absorbiert dann alles“. Und in seiner Schrift „Die Rolle der Gewalt in der Geschichte, MEW, Band 21, Seitre 439) bemerkte Engels über die Bedeutung des Kampfes eines Volkes für seine nationale Existenz:Es galt, dem Ausland ein für allemal beizubringen, dass es sich in innere (...) Dinge nicht einzumischen habe (...) und vor diesem nationalen Aufschwung verschwanden alle Klassenunterschiede, zerflossen alle (...) Gelüste und Restaurationsversuche verjagter Fürsten in Nichts“. „In weniger als 5 Wochen brach das ganze, vom europäischen Philister jahrelang angestaunte Gebäude des [französischen – Anmerkung des Verfassers] Kaiserreichs zusammen; die Revolution vom 4. September räumte nur noch den Schutt weg; und Bismarck, der in den Krieg gezogen war, um ein kleindeutsches Kaiserreich zu gründen, fand sich eines schönen Morgens als Stifter einer französischen Republik. Nach Bismarcks eigener Proklamation wurde der Krieg geführt nicht gegen das französische Volk, sondern gegen Louis-Napoleon. Mit dessen Sturz fiel also der Grund zum Kriege weg (...) - als Bismarck nun plötzlich den preußischen Junker herauskehrte (...)“ (ebenda Seite 440), „Rache an Frankreich“ (ebenda, Seite 441) nahm und die brutale Gewalt offen und ungeheuchelt als sein Grundprinzip erklärte“ (ebenda Seite 446). „Wenn die beiden größten und stärksten Nationen des westlichen Kontinents sich gegenseitig durch Feindseligkeit neutralisieren“ (ebenda Seite 447), so trat mit deren ewigen Zankapfel das ein, was Marx in seinem Runschreiben der Internationale laut in die Welt rief: Die Annexion von Elsass und Lothringen macht Russland zum Schiedsrichter Europas“ (MEW, Band 17, Seite 271-279), „dessen Hände dann um so freier sind“ (MEW, Band 21, Engels, Seite 447). Diese Rolle übernimmt heute die Großmacht Europa, nachdem die beiden Supermächte USA und UdSSR sich neutralisierten. Resultat: Friede = schlimmer als Krieg - im besten Fall oder aber der dritte Weltkrieg. Ein sozialistisches Europa würde den Weltkrieg verhindern und den Frieden sichern.

Beide erkannten die Gefahr, dass sich ein Verteidigungskrieg in einen Eroberungskrieg – und umgekehrt – verwandeln kann. Deswegen lehrten sie sowohl den deutschen als auch den französischen Arbeitern, sich gemeinsam gegen die herrschende Klasse in beiden Ländern zu erheben. Als diese Gefahr Wirklichkeit wurde, riefen Marx und Engels die Proletarier beider Länder auf, den Hauptschlag gegen den preußischen Staat zu richten und gleichzeitig die Niederlage des französischen Kaiserreiches für den gewaltsamen Sturz der Bourgeoisie zu nutzen.

Engels, der die Einleitung zu Marx`„Bürgerkrieg in Frankreich“ schrieb, hob die Eigenschaft von Marx hervor,den Charakter, die Tragweite und die notwendigen Folgen großer geschichtlicher Ereignisse klar zu erfassen, zur Zeit, wo diese Ereignisse sich noch vor unseren Augen abspielen oder erst eben vollendet sind“ (MEW, Band 17, Seite 615). Die Kriege der Ausbeuter bringen den Frieden der Ausgebeuteten und Unterdrückten hervor, indem diese einen gerechten Krieg gegen den ungerechten Krieg führen. Marx prophezeite in Bezug auf den Deutsch-Französischen Krieg:

Während das offizielle Frankreich und das offizielle Deutschland sich in einen brudermörderischen Kampf stürzen, senden die Arbeiter einander Botschaften des Friedens und der Freundschaft. Diese einzige große Tatsache, ohnegleichen in der Geschichte der Vergangenheit, eröffnet die Aussicht auf eine hellere Zukunft. Sie beweist, dass, im Gegensatz zur alten Gesellschaft mit ihrem ökonomischen Elend und ihrem politischen Wahnwitz, eine neue Gesellschaft entsteht, deren internationales Prinzip der FRIEDE sein wird, weil bei jeder Nation dasselbe Prinzip herrscht - die ARBEIT!“ (MEW, Band 17, Seite 7). Und Marx schrieb weiter:

Dass nach dem gewaltigsten Krieg der neueren Zeit die siegreiche und die besiegte Armee sich verbünden zum gemeinsamen Abschlachten des Proletariats – ein so unerhörtes Ereignis beweist, nicht wie Bismarck glaubt, die endliche Niederdrückung der sich emporarbeitenden neuen Gesellschaft, sondern die vollständige Zerbröckelung der alten Bourgeoisgesellschaft. Der höchste heroische Aufschwung, dessen die alte Gesellschaft noch fähig war, ist der Nationalkrieg, und dieser erweist sich jetzt als reiner Regierungsschwindel, der keinen andern Zweck mehr hat, als den Klassenkampf hinauszuschieben, und der beiseite fliegt, sobald der Klassenkampf im Bürgerkrieg auflodert. Die Klassenherrschaft ist nicht länger imstande, sich unter einer nationalen Uniform zu verstecken; die nationalen Regierungen sind eins gegenüber dem Proletariat!“ ( MEW, Band 17, Seite 361).

Auch Engels verfügte über umfassende Kenntnisse auf allen Gebieten der Kriegswissenschaft indem er den historischen und dialektischen Materialismus anwendete, um die aktuellen Kriegsereignisse, den Entwicklungsverlauf der militärischen Operationen sowie ihren Ausgang und ihre Folgen mit wissenschaftlicher Präzision vorauszusagen.Jede Vermehrung der militärischen Kräfte des einen Landes zwingt die anderen Staaten, ein Gleiches, wenn nicht mehr zu tun. Und alles das kostet ein wahnsinniges Geld. Die Völker werden durch die Last der Militärausgaben zugrunde gerichtet, der Friede wird beinahe noch kostspieliger als der Krieg, so dass schließlich der Krieg, statt als eine schreckliche Geißel, als eine heilsame Krise erscheint, die einer unmöglichen Situation ein Ende macht. Dies ist der Grund, warum es den Intriganten in den verschiedenen Ländern, die gern im Trüben fischen möchten, möglich wurde, den Krieg herbeizuschwören“ (MEW, Band 21, Seite 345). Und Engels hatte auch gleich das „Heilmittel“ dagegen parat:

Und das Heilmittel? Die Abschaffung des preußischen Systems und die Ersetzung desselben durch ein wirkliches Volksheer, das eine einfache Schule ist, in die jeder Bürger, sobald er fähig ist, die Waffen zu tragen, für die Dauer der zur Erlernung des Soldatenmetiers absolut notwendigen Zeit eingereiht wird; Einstellung der so herangebildeten Leute in stark organisierte örtliche Reservekadres, so dass jede Stadt, jeder Distrikt sein Bataillon hat, zusammengesetzt aus Leuten, die sich kennen und die, wenn es sein muss, in 24 Stunden vollständig ausgerüstet und marschbereit zusammentreten können. Das bedeutet, dass jeder Wehrfähige sein Gewehr und seine Equipierung bei sich zu Hause hat, wie es in der Schweiz der Fall ist. Das Volk, welches dieses System zuerst einführt, wird seine wirkliche militärische Kraft verdoppeln und dabei gleichzeitig sein Kriegsbudget um die Hälfte vermindern. Es wird schon durch die Tatsache, dass es alle seine Bürger bewaffnet, seine Friedensliebe beweisen. Denn diese Armee, welche eins ist mit der Nation, ist ebensowenig zur Eroberung nach außen geeignet, als sie in der Verteidigung ihres heimischen Bodens besiegbar ist. Und dann, welche Regierung würde es wagen, die politische Freiheit anzutasten, wenn jeder Bürger ein Gewehr und fünfzig scharfe Patronen zu Hause zu liegen hat?“ (MEW, Band 21, Seite 345).

Um den internationalen Frieden zu sichern, müssen vorerst alle vermeidlichen nationalen Reibungen beseitigt, muss jedes Volk UNABHÄNGIG und HERR IM EIGENEN HAUS sein“ (MEW, Band 21, Seite 407) [Hervorhebung und Unterstreichung vom Verfasser].

Vor allem konzentrierte sich Engels auf die Analyse und Charakterisierung der abenteuerlichen Kriegspläne, die Schwächen und Fehler der Strategie und Taktik und die Mängel der militärischen Operationen der Herrschenden.Man muss aber nicht nur die Schwächen, sondern auch die Stärken des Gegners kennen“ MEW, Band 22, Seite 14).

So erkannte er den Zusammenhang zwischen der Qualität einer Armee und ihre Abhängigkeit von der Qualität der sozialen und politischen Ordnung. So sei der militärische Zusammenbruch Frankreichs kein Zufall gewesen, sondern die unvermeidliche Folge des Verfalls des durch und durch verrotteten bonapartistischen Regimes:Die Armeeorganisation versagt überall. (...) Eine edle und tapfere Nation sieht alle ihre Anstrengungen zur Selbstverteidigung unwirksam werden, weil sie es zwanzig Jahre lang hingenommen hat, dass ihre Geschicke von einer Abenteuerclique geleitet wurden, die Verwaltung, Regierung, Heer, Marine – tatsächlich ganz Frankreich – zu ihrer persönlichen Bereicherungsquelle machte“ (MEW, Band 17, Seite 78).

Engels unterzog die bonapartistischen Generäle einer vernichtenden Kritik. Er enthüllte die Fehlerrhaftigkeit ihrer Strategie und Taktik, ihre Unfähigkeit, Truppen zu führen und koordiniert zu operieren, und kritisiert die schlechte Ausrüstung der Truppen, die Korruption im Versorgungswesen. Er unterstrich, das das bonapartistische Regime auch während des Krieges seinen verderblichen Einfluss auf die Armee ausübte und die Fehler des französischen Oberkommandos noch dadurch verschlimmert wurden, dass es gezwungen war, sich bei seinen Operationen oft nicht von militärischen Erwägungen leiten zu lassen, sondern von dem Bestreben, das Prestige des Zweiten Kaiserreiches zu retten. Engels verwies darauf, dass die bonapartistische Regierung es aus Furcht vor den Volksmassen von Paris ablehnte, die zum Kampf gegen die revolutionäre Gefahr in der Hauptstadt verbliebenen Truppen an die Front zu senden, wo sie dringend nötig waren ( siehe MEW, Band 17, Seite 55). Auch die preußische Armee, die wegen des damals überlegenen neuen Rekrutierungssystems fälschlicherweise als „Volk in Waffen“ bezeichnet wurde, hatte in Wirklichkeit einen volksfeindlichen Charakter – Unterdrückung von Aufständen nach innen und Durchführung von Eroberungsfeldzügen nach außen. Als die regulären französischen Armeen geschlagen, das Zeite Kaiserreich gestürzt und die räuberischen Bestrebungen Preußens offenkundig geworden waren, standen die Stärkung der nationalen Verteidigung Frankreichs, die Aufstellung neuer militärischer Formationen und die Organisierung des Guerillakrieges gegen die Eindringlinge im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Engels. Obwohl die abenteuerliche Politik der herrschenden Klassen Frankreich an den Rand der nationalen Katastrophe gebracht hatte, rief Engels das französische Volk auf, auch unter diesen Bedingungen den Kampf fortzusetzen, der von Erfolg gekrönt sein würde, wenn es alle Reserven mobilisierte und der Widerstand gegen die Preußen wirklich das ganze Volk, die ganze Nation erfasste. Engels vertrat die Position des Generalrats der Internationale, der in dieser Etappe des Krieges das internationale Proletariat aufforderte, das französische Volk bei seinem Widerstand gegen die Eroberer zu unterstützen. Er entwarf einen konkreten Plan für den Kampf gegen die Preußen und entwickelte die Strategie und Taktik der Koordinierung der militärischen Operationen der neuformierten französischen Truppen mit dem Kampf von Partisanenabteilungen. Engels wies die unzerstörbare Kraft des Volkswiderstandes nach, der durch die Taktik des Partisanenkampfes erzeugt wird ( siehe zum Beispiel „Kriegführung im Gebirge einst und jetzt“, MEW, Band 12, Seite 113). Er setzte sich auch dafür ein,dass der Volkswiderstand in Form des Partisanenkrieges als Methode legitimer Kriegsführung anerkannt wird.

Revolutionskrieg, Massenerhebung und Terrorismus – dazu wird die Monarchie sich nie verstehen. Eher schließt sie Frieden mit ihrem bittersten, ebenbürtigen Feind, ehe sie sich mit dem Volk verbündet(...). Aber der Aufstand der Masse, die allgemeine Insurrektion des Volkes, das sind Mittel, vor deren Anwendung das Königtum zurückschreckt“ (MEW, Engels, Band 6, Seite 369).

Marx und Engels entwickelten die marxistische Lehre von den Kriegen, ihren klassenbedingten Ursachen, Zielen und ihrem Klassencharakter. Wenn man von Marx und Engels lernen will, muss man jeden einzelnen Krieg konkret betrachten, welchen ökonomischen und politischen Klasseninteressen er dient, welche Klasse ihn führt, ob es sich um einen gerechten (Befreiungs- und Verteidigungs-) Krieg oder um einen ungerechten ( räuberischen Ausbeutungs- und Unterdückungs-) Krieg handelt, der ja nichts anderes verteidigt als den Profit. Der Charakter eines Krieges, seine wahre Bedeutung, wird dadurch bestimmt, welche Politik der Krieg fortsetzt, welche Klasse den Krieg führt und welche Ziele sie dabei verfolgt. Alle militärischen Lehren der Geschichte vom nicht-klassengebundenen bewaffneten Kampf und nicht-klassenbedingten Krieg sind leerer Unsinn. Marx und Engels beschränkten sich nicht auf die konkrete Analyse jedes einzelnen Krieges, sondern dadurch gelang es ihnen auch meisterhaft, die gesamte Politik des ganzen Systems der europäischen Staaten in ihren ökonomischen und politischen Wechselbeziehungen zu erfassen, wodurch sie verstanden, auf welche Weise aus diesem System folgerichtig und unvermeidbar die damaligen Kriege entstanden waren. Die Frage, wer dabei den Krieg angefangen hatte, war sowohl ökonomisch als auch politisch völlig unbedeutend angesichts der Tatsache, dass zwei Gruppen von Räubern, zwei oder mehrere Nationen gemeinsam um ihre Beute Krieg führten im Wettstreit um die Weltherrschaft, also wer zukünftig mehr Völker unterjochen, wer mehr rauben sollte, wer den Profit des internationalen Bankkapitals am höchsten steigern könnte. Wenn man einen Krieg richtig verstehen will, dann muss man wie Marx und Engels deren Zusammenhang mit der vorausgegangenen Politik der betreffenden Staaten, des betreffenden Staatssystems, der betreffenden Gesellschaftsordnung und der betreffenden Klassen innerhalb dieser Gesellschaftsordnung berücksichtigen – eine Grundforderung der marxistischen Militärtheorie, um nicht den Lügenmärchen der Bourgeoisie auf den Leim zu gehen – Und nicht nur wir Marxisten-Leninisten müssen so an die Frage der Wahrheitsfindung der Kriege herangehen, sondern diese auch den Massen begreiflich machen. Der Krieg ist immer mit den Interessen bestimmter Klassen verrknüpft, ebenso der Frieden. So gingen Marx und Engels auch an jeden einzelnen Frieden konkret heran, stellten sie die Klassenfrage, wem der Frieden nützt und wem er schadet. Wenn der Krieg die Fortsetzung der Politik der Friedenszeit ist, dann ist der Frieden umgekehrt auch die Fortsetzung der Politik des Krieges. Ein bürgerlicher Friede entwaffnet das Proletariat, und versklavt die annektierten Völker, anstatt ihnen die Freiheit zu geben. Und das trifft insbesondere auf den imperialistischen Frieden zu. Ob von der Fortsetzung der bürgerlichen Friedens- zur Kriegspolitik oder umgekehrt - diesen furchtbaren Teufelskreis durchbricht das Proletariat nach Auffassung von Lenin, dem besten Schüler von Marx und Engels, letztendlich erst durch den proletarisch-weltrevolutionären Krieg zur Befreiung der Arbeitern und Bauern der ganzen Welt vom Joch des Kapitals, denn es ist das Weltkapital, das internationale Bankkapital, das die imperialistischen Kriege unvermeidlich hervorruft und der Frieden ist somit nichts anderes als ein Gewaltfrieden; nichts anderes als die von den Siegermächten den Völkern einseitig aufgebürdeten gigantischen Lasten der Kriegsfolgen mit einer damit der Welt aufgezwungenen, noch gigantischeren, noch raffinierteren Versklavung; nichts anderes als die Zwischenperiode, die das internationale Kapital für den nächsten Krieg benötigt.

Am Beispiel des Deutsch-Französischen Krieges lehrten Marx und Engels dem internationalen Proletariat, zwischen nationalen Befreiungskriegen, Verteidigungskriegen, die der Abwehr einer ausländischen Invasion zum Ziel haben, und Raub- und Eroberungskriegen zu unterscheiden. Es war das große Verdienst von Engels, dass er die Frage des nationalen Widerstandes im Krieg gegen einen fremden Eroberer, des Volkskriegs, der Partisanenbewegung und der Formen und Methoden zur Mobilisierung der Volkskräfte gegen den Aggressor aufgeworfen und ausgearbeitet hatte.Deutschland siegte über Frankreich, Bismarck und Thiers aber siegten über die Arbeiter!“ (Lenin, Band 21, Seite 274). Die Sowjetunion Stalins siegte über den Hitlerfaschismus, über das Dritte Reich, aber der Weltimperialismus mit den USA an der Spitze siegte über das Weltproletariat, über die sozialistische Weltrevolution.

Marx und Engels wiesen nach, dass die Kriegsentwicklung unvermeidbar die Klassengegensätze verschärft und dadurch eine revolutionäre Situation entstehen kann, die die Möglichkeit der revolutionären Erhebung des Proletariats in sich birgt. Das ist ein Gesetz, das heute vor allem im internationalen Maßstab wirkt. Gleichzeitig warnten sie das revolutionäre Proletariat, den Sieg der Revolution durch einen verfrühten Aufstand (genaue Analyse des Kräfteverhältnisses) nicht zu gefährden und damit die Niederlage unvermeidbar zu machen. Auch das gilt ganz besonders heute für die weltrevolutionäre Situation. Marx enthüllte die provokatorische Taktik der Bourgeoisie, die bestrebt war, die Arbeiterklasse zu einem vorzeitigen Aufstand aufzurufen, um sie in einem Meer von Blut zu ertränken (Das ist eine Taktik, die sie bis heute nicht aufgegeben hat und immer wieder anwendet. Die Weltbourgeoisie schreckt auch nicht davor zurück, die proletarische Weltrevolution in einem Weltmeer von Blut zu ertränken, bevor ihr letztes Stündchen geschlagen hat ! ! ). Revolutionen im Weltmaßstab bedeuten in der Regel auch entsprechende Ausmaße auf Seiten der Opfer.

Der Sieg der Pariser Kommune

Lenin definierte die Pariser Kommune alsdie Umwandlung eines Völkerkrieges in einen Bürgerkrieg“ (Lenin, Werke Band 21, Seite 26). Mit dieser wichtigen Definition begründete Lenin auch die Umwandlung des 1. Weltkrieges in einen Bürgerkrieg. Lenin ging dabei von den objektiven Bedingungen des Kapitalismus aus: Eine solche Umwandlung ist natürlich nicht leicht und kann nicht `auf Wunsch` einzelner Parteien vollzogen werden. Aber gerade diese Umwandlung entspricht den objektiven Bedingungen des Kapitalismus im Allgemeinen und seiner Endepoche im Besonderen. In dieser und nur in dieser Richtung haben die Sozialisten zu wirken“ (Lenin, ebenda).

Marx und Engels erkannten, dass der Sieg der Pariser Kommune durch eine besondere Situation der momentanen Schwäche der kriegführenden Gegner begünstigt wurde – die sich im Deutsch-Französischen Krieg nur für einen minimalen Augenblick für den günstigen Ausgang des Aufstandes bot. Die Armeen des französischen Kaiserreiches waren entweder außerhalb von Paris eingeschlossen oder gefangen in Deutschland, und der ausländische, deutsche Feind war erst bis zu den Toren vor Paris vorgedrungen. Mit der Belagerung der Stadt Paris finden wir historisch die altbekannte Tatsache der internationalen kapitalistischen Einkreisung der Arbeitermacht vor, auf die noch ausführlich einzugehen ist. Nur so viel sei hier angemerkt, dass es ausgerechnet die belagernden Soldaten waren, die die belagerten solidarisch unterstützten. Hier haben wir in Keimform den entscheidenden Faktor der internationalistischen solidarischen Unterstützung der aufständischen Arbeiter: Die preußischen Truppen, die die Nordosthälfte von Paris umlagerten, hatten Befehl, keine Flüchtlinge durchzulassen, doch drückten die Offiziere oft ein Auge zu, wenn die Soldaten dem Gebot der Menschlichkeit mehr gehorchten als dem des Oberkommandos; namentlich aber gebührt dem sächsischen Armeekorps der Ruhm, dass es sehr human verfuhr und viele durchließ, deren Eigenschaft als Kommunekämpfer augenscheinlich war“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 195). Sowohl die äußere als auch die innere Konterrevolution hatten sich während des Kriegsverlaufs gegenseitig geschwächt und waren in einem bestimmten Augenblick neutralisiert und damit kräftemäßig nicht fähig, die Arbeiterrevolution (gemeinsam) niederzuschlagen.

Zum entscheidenden Zeitpunkt an der entscheidenden Stelle das ausschlaggebende Übergewicht an Kräften besitzen – dieses `Gesetz` militärischer Erfolge ist auch Gesetz des politischen Erfolgs, insbesondere in dem schweren, erbitterten Krieg der Klassen, der Revolution heißt“ (Lenin, Band 30, Seite 248).

Der Feind kann in die Lage der Passivität geraten, die wir für unsere Initiative, für unsere Offensive ausnutzen“ (Generallinie der Komintern/ML). Eine ähnliche Situation des geschwächten Klassengegners innerhalb und außerhalb Russlands begünstigte den Sieg der Oktoberrevolution. „Warum begann die Oktoberrevolution, am schwächsten Glied die imperialistische Kette durchzubrechen? Nicht weil das russische Proletariat anderen voraus war, sondern weil die Schwäche und Rückständigkeit des russischen Kapitalismus und die drückende Situation des 1. Weltkrieges die Bolschewiki nötigte, eine vorgeschobene Position vor den anderen Abteilungen der sozialistischen Weltarmee zu beziehen, ohne abzuwarten, bis diese Abteilungen heran marschiert waren, sich erhoben hatten. Zur Zeit des ersten Durchbruchs der imperialistischen Kette an seinem schwächsten Glied, in der Zeit des Sturzes des zaristischen, imperialistischen Russlands durch die Oktoberrevolution, der Entstehung des ersten sozialistischen Staates, dem Sozialismus »in einem Lande«, da befand sich der Kapitalismus in einer Phase, in der er als monopolistischer Kapitalismus schon auf dem absterbenden Ast saß, wo die Welt bereits unter die kapitalistischen Gruppen aufgeteilt war, und die Neuaufteilung kriegerische Zusammenstöße forderte, wo der 1. Weltkrieg die Weltfront des Kapitalismus schwächte und dadurch in einzelnen Ländern den Durchbruch ermöglichte. Die hervorgewachsenen Monopole führten zu einer gewaltigen weltweiten Vergesellschaftung der Arbeit, dass Lenin den sterbenden Kapitalismus als Beginn des Übergangs zum Sozialismus charakterisierte. Dies vollzog sich gesetzmäßig im Kampf der Gegensätze, wobei das Gesetz der Ungleichmäßigkeit der sprunghaften Entwicklung der kapitalistischen Länder immer schärfer und krasser wirkte - nicht nur auf die imperialistischen Länder selbst, sondern auf ausnahmslos alle Länder der ganzen Welt. Die Oktoberrevolution zerriss also nicht nur deshalb das schwächste Glied in der Kette des Imperialismus, weil Russland ein rückständiges Land war, das Privateigentum leichter abschaffen konnte und der Zarismus schwach war. Die Ursache für den Durchbruch war in erster Linie der Krieg, der das Land in eine verzweifelte Lage mit Hungersnöten gebracht hatte, das Volk so sehr geschwächt hatte, dass der einzige Ausweg für Russland die Oktoberrevolution war.

Der Durchbruch am schwächsten Kettenglied ist demnach nicht allein deswegen am wahrscheinlichsten, weil dort die revolutionären Kräfte am „stärksten“ wirken, denn die internationale Konterrevolution wäre viel zu stark und würde auch die allerstärksten revolutionären Kräfte in jedem Land - isoliert betrachtet - niederringen. Die Sache ist aber die: Wie die bisherigen Revolutionen zeigen, die aus dem 1. und 2. Weltkrieg hervorgegangen sind, hatten sich die imperialistischen Räubergruppen so sehr ineinander verkettet, dass sie, um die Welt untereinander neu aufzuteilen, wozu sie das Gesetz des Imperialismus zwingt, ihre sämtlichen Kräfte hierauf konzentrieren mussten. Das schwächste Kettenglied kann also nur unter der Voraussetzungen abspringen, wenn sich die stärksten Kettenglieder so sehr gegenseitig binden und behindern, dass sie das Abspringen gar nicht verhindern können, selbst wenn sie es wollten. Die Imperialisten konnten also zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Kräfte gar nicht auf die Niederschlagung der Revolution konzentrieren weil ihre Spaltung sie schwächte und »ihre Hände gebunden« waren. Es ist also die Spaltung des Weltimperialismus, die ihre Kette an der schwächsten Stelle zum Zerreißen bringt, also in einem ganz bestimmten Zustand der Schwächung ihrer stärksten Kettenglieder, in einem Zustand, wo die internationale Konterrevolution sich nicht geschlossen gegen eine Revolution vereinigen und zur Hilfe eilen kann, weil eben die internationale Konterrevolution gespalten und geschwächt wird“ (zitiert aus: Generallinie der Komintern/ML).

Die Bestimmung und Festlegung des richtigen Zeitpunkts für den Aufstand in Zusammenhang mit der Beobachtung des Eintretens eines bestimmten, selbst herbeigeführten, inneren Schwächezustands des Gegners kann - in realistischer Einschätzung des eigenen mobilen Kräftepotentials - also für den Sieg oder die Niederlage, für den Ausgang des Aufstandes von großer und entscheidender Bedeutung sein. So warnten Marx und Engels vor den schlimmen Folgen sowohl eines verfrühten als auch eines verspäteten Aufstandes. So auch vor den Folgen eines verfrühten Pariser Aufstand. Marx warnte in seiner Zweiten Adresse des Generalrats der Internationale vom 9. September 1870: „Sich nicht beherrschen lassen durch die nationalen Erinnerungen von 1792“, „die Organisation ihrer eigenen Klasse gründlich durchführen“, sich nicht das Ziel setzen, die Regierung zu stürzen („eine verzweifelte Torheit“). Dasselber schrieb Eugène Dupont, Sekretär der Internationale (des Generalrats) für Frankreich am 7. September 1870 /Will,G., „Histoire du mouvement social en France 1852-1902/Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich 1852-1902). In dem Augenblick aber als der Versuch der französischen Regierung, das Pariser Proletariat zu entwaffnen durch Beschlagnahme der Geschütze der Nationalgarde am 18. März 1871, mit einem revolutionären Aufstand beantwortet wurde, begrüßten ihn Marx und Engels begeistert, stellten sie sich im Bürgerkrieg auf die Seite der Pariser Kommune gegen die Versailler Regierung.. Wie Lenin bemerkte, verhielt sich Marx zur Pariser Revolution „als Teilnehmer des Massenkampfes, den er mit der ihm eigenen Glut und Leidenschaft (...) miterlebte (Lenin, Band 12, Seite 101). Marx gab der Kommune konkrete militärische Ratschläge:Ich riet ihren Mitgliedern, die Nordseite der Anhöhen von Monmartre, die preußische Seite, zu befestigen, und sie hatten noch Zeit, dies zu tun; ich sagte ihnen im Voraus, dass sie sonst in eine Mausefalle geraten würden“ (Marx an Kugelmann 12. 4. 1871). „Marx schätzte die historische Bedeutung der Kommune hoch ein – hätten die Arbeiter während des verräterischen Vorstoßes der Versailler Bande gegen die Bewaffnung des Pariser Proletariats sich kampflos die Waffen wegnehmen lassen, so wäre die verhängnisvolle Wirkung der durch eine derartige Schwäche in die proletarische Bewegung hineingetragenen Demoralisation unendlich viel größer gewesen als der Schaden infolge der Verluste, die die Arbeiterklasse im Kampfe für die Verteidigung ihrer Waffen erlitten hat“ (Lenin, Band 13, Seite 485).

Die Verteidigung der Kommune hielten Marx und Engels für die höchste Pflicht der Arbeiter aller Länder. Bereits in den ersten Tagen der Revolution von Paris mobilisierten sie mit Hilfe der Internationalen Arbeiterassoziation alle Kräfte des internationalen Proletariats zur Unterstützung der Kommunarden. Marx und Engels betrachteten die Pariser Kommune als geistiges Kind der Internationale, als die praktische Verwirklichung ihrer Prinzipien und sahen in ihrer Errichtung einen ungeheuren Gewinn nicht nur für die Arbeiterklasse in Paris, sondern für die Proletarier aller Länder in inhrem Kampf für die Revolution. Wie die Sache auch unmittelbar verlaufe, ein neuer Ausgangspunkt von welthistorischer Wichtigkeit ist gewonnen“ (Marx` Brief an Kugelmann vom 17. April 1871). Mit der Pariser Kommune begann ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte, die Periode des beginnenden Verfalls des Kapitalismus,“ wie Stalin feststellte,“ ... des Hinüberwachsens des alten `freien` Kapitalismus in den Imperialismus und des Sturzes des Kapitalismus in der UdSSR durch die Kräfte der Oktoberrevolution“ (Stalin, Kirow, Shdanow, Bemerkungen zu der Skizze eines Lehrbuchs der neueren Geschichte, Moskau 1938, zit. Nach Geschichte der Diplomatie, Band II, Berlin 1948, Seite 13). „Die Republik der Sowjets ist also jene gesuchte und endlich gefundene politische Form, in deren Rahmen die ökonomische Befreiung des Proletariats, der vollständige Sieg des Sozialismus vollzogen werden muss. Die Pariser Kommune war der Keim dieser Form. Die Sowjetmacht ist ihre Entwicklung und Vollendung“ (Stalin, Fragen des Leninismus, Berlin 1951, Seite 49).

Marx stand mit den Kommunarden in unmittelbarem Kontakt, sammelte Informationen, unterzog sie einer Analyse und verallgemeinerte die Erfahrungen der Pariser Kommune zum Nutzen des gesamten Weltproletariats. Im „Bürgerkrieg in Frankreich“ kennzeichnete Marx die Staatsmacht der bürgerlichen Ausbeutergesellschaft und ihre Armee als eine „öffentliche Gewalt zur Unterdrückung der Arbeiterklasse“ und als „eine Maschine der Klassenherrschaft“. Er kam zu dem Schluss, dass das Pariser Proletariat die Macht nur ergreifen konnte, weil es die Staatsmaschinerie zerschlug, deren „rein unterdrückender Charakter offner und offner“ hervorgetreten war, dass die Arbeiterklasse nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen kann“ (MEW, Band 17, Seite 336). Die Pariser Kommune schaffte das stehende Heer ab und ersetzte es durch Volksbewaffnung. Und wir werden heute die stehenden Heere der ganzen Welt durch die gemeinsame und gegenseitige Bewaffnung aller Völker ersetzen. In seinem Brief an Kugelmann vom 12. 4. 1871 schrieb Karl Marx:

Wenn du das letzte Kapitel meines `Achtzehnten Brumaire` nachsiehst, wirst du finden, dass ich als nächsten Versuch der französischen Revolution ausspreche, nicht mehr wie bisher die bürokratisch-militärische Maschinerie aus einer Hand in die andere zu übertragen, sondern sie zu zerbrechen, und dies ist die Vorbedingung jeder wirklichen Volksrevolution (...).“ Wir möchten hinzufügen und davon ableiten: ... die Vorbedingung der wirklichen Weltrevolution. Wir werden den naiven Glauben in die globalisierte militärische Mission der Weltbourgeoisie durch die proletarische Weltrevolution erschüttern.

Zwar musste das revolutionäre aber ausgehungerte Paris am 28. Januar 1871 kapitulieren,aber mit bisher in der Kriegsgeschichte unerhörten Ehren (...) die Nationalgarde behielt ihre Waffen und Kanonen und trat nur in Waffenstillstand gegen die Sieger. Und diese selbst wagten nicht, in Paris im Triumph einzuziehen (...) Solchen Respekt flößten die Pariser Arbeiter dem Heere ein, vor welchem sämtliche Heere des Kaiserreiches die Waffen gestreckt; und die preußischen Junker, die hergekommen waren, um Rache zu nehmen am Herd der Revolution, mussten ehrerbietig stehenbleiben und salutieren vor eben dieser bewaffneten Revolution“ (Marx, Engels, Ausgewählte Werke, Band I, Seite 450). Die Pariser Kommune war die größte proletarische Bewegung des 19. Jahrhunderts, die Sowjetunion die größte sozialistische Bewegung des 20. Jahrhunderts.

Karl Marx kritisierte die Kommunarden wegen ihrer Sorglosigkeit, wegen ihrer ungenügenden Härte gegenüber den Konterrevolutionären: Paris, arbeitend, denkend, kämpfend, blutend, über seiner Vorbereitung einer neuen Gesellschaft fast vergesend der Kannibalen vor seinen Toren(MEW; Band 17, Seite 349). Marx lehrte die Arbeiter, dass die proletarische Macht organisiert und stark sein muss, dass sie über die erforderlichen Mittel zur Unterdrückung der Konterrevolution verfügen muss, dass auch nach Errichtung der Macht der Arbeiterklasse im nationalen Maßstab - und wir merken hier ausdrücklich an auch nach Errichtung der Macht des Weltproletariats im internationalen !! Maßstab - ihr möglicherweise noch „sporadische Sklavenhalter-Rebellionen“ bevorstehen. Marx unterstrich, dass die allseitige Festigung des proletarischen Staates – auch und besonders des Weltstaates !! ; sei hier heute angemerkt – eine absolute Notwendigkeit ist. Erst dann werden die Anschläge der reaktionären Kräfte zum Scheitern verurteilt sein; sie würdenzwar das Werk des friedlichen Fortschritts für den Augenblick unterbrechen, die Bewegung aber nur beschleunigen, weil sie der Sozialen Revolution das Schwert in die Hand geben“ ( MEW; Band 17, Seite 546). Je grausamer die internationale Konterrevolution ihr Schwert heute gegen das Weltproletariat, gegen die Völker erhebt, um die internationale, imperialistische Sklaverei aufrechtzurhalten, desto größer ist das Schwert, dass sie dem Weltproletariat in die Hand gibt, um die weltimperialistische Tyrannei zu brechen und zu richten – das ist eine der wesentlichen Erkenntnisse des revolutionären Marxismus, das ist eine der wichtigsten Grundsätze, auf der sich die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst von heute stützen wird.

Auch Engels „tadelte“ die Pariser Kommune:

Ich kenne nichts Autoritäreres als eine Revolution, und wenn man mit Bomben und Gewehrkugeln gegen seine Feinde kämpft, scheint mir das ein Akt der Autorität zu sein. Hätte es in der Pariser Kommune ein wenig mehr Autorität und Zentralisation gegeben, so hätte sie über die Bourgeoisie gesiegt. Nach dem Sieg können wir uns organisieren, wie wir wollen, doch für den Kampf scheint es mir notwendig, alle unsere Kräfte zusammenzuballen und sie auf denselben Angriffspunkt zu richten. Und wenn man mir sagt, das sei nicht möglich ohne Autorität und Zentralisation, und das seien zwei absolut verdammenswerte Dinge, dann scheint mir, dass diejenigen, die so sprechen, entweder nicht wissen, was eine Revolution ist, oder dass sie Revolutionäre nur in Worten sind“(Engels, MEW, Band 33, Seite 372-373).

Am schwersten begreiflich ist allerdings der heilige Respekt, womit man vor den Toren der Bank von Frankreich ehrerbietig stehenblieb. Das war auch ein schwerer politischer Fehler. Die Bank in den Händen der Kommune – das war mehr wert als zehntausend Geiseln“ (MEW, Engels, Band 22, Seite 196). Aus den Lehren der Pariser Kommune schöpften Marx und Engels die klaren Forderungen des Arbeitersozialismus, nämlich die Notwendigkeit der gewaltsamen Aneignung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft:Hinter dem Recht auf Arbeit steht die Gewalt über das Kapital, hinter der Gewalt über das Kapital die Aneignung der Produktionsmittel, ihre Unterwerfung unter die assoziierte Arbeiterklasse, also die Aufhebung der Lohnarbeit wie des Kapitals und ihres Wechselverhältnisses“ (MEW, Band 7, Seite 41/42).

Während die demokratischen Kleinbürger die Revolution möglichst rasch... zum Abschluss bringen wollen, ist es unser Interesse und unsere Aufgabe, die Revolution permanent zu machen, so lange, bis alle mehr oder weniger besitzenden Klassen von der Herrschaft verdrängt sind, die Staatsgewalt vom Proletariat erobert und die Assoziation der Proletarier nicht nur in einem Lande, sondern in allen herrschenden Ländern der ganzen Welt so weit vorgeschritten ist, dass die Konkurrenz der Proletarier in diesen Ländern aufgehört hat und dass wenigstens die entscheidenden produktiven Kräfte in den Händen der Proletarier konzentriert sind. Es kann sich für uns nicht um Veränderung des Privateigentums handeln, sondern nur um seine Vernichtung, nicht um Vertuschung der Klassengegensätze, sondern um Aufhebung der Klassen, nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um Gründung einer neuen“ (MEW, Band 7, Seite 247-248).

Und das hier Gesagte veranlasst uns um so mehr zum Festhalten an die Permanenz der Weltrevolution, die eine besondere Form der weltrevolutionären Kriegskunst voraussetzt. Was lernen wir daraus: 1. Man darf die rein militärische Bedeutung des internationalen Klassenkampfes, der Weltrevolution nicht unterschätzen; 2. Bei der „Expropriation der Expropriateure“ darf das revolutionäre Weltproletariat nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Nur beides zusammengenommen sichert die Früchte der siegreichen sozialistischen Weltrevolution.

Eine Revolution ist gewiss die autoritärste Sache, die es gibt, ein Akt, durch den ein Teil der Bevölkerung seinen Willen dem anderen Teil durch Flinten, Bajonette und Kanonen, alles das sehr autoritäre Mittel, aufzwingt; und die Partei, die gesiegt hat, muss ihre Herrschaft durch den Schrecken, den ihre Waffen den Reaktionären einflößen, behaupten. Und hätte sich die Pariser Kommune mit der Autorität eines bewaffneten Volkes gegen die Bourgeoisie bedient, hätte sie sich länger als einen Tag behauptet? Können wir sie nicht umgekehrt tadeln, dass sie sich zu wenig dieser Autorität bedient habe?“ (Engels „Von der Autorität“ ;1872/73) Und zum 20. Jahrestag sagte Engels über die Pariser Kommune:

Seit nunmehr zwanzig Jahren sind die Arbeiter von Paris ohne Waffen, und so ist es überall; in allen zivilisierten Ländern ist das Proletariat der materiellen Verteidigungsmittel beraubt. Überall sind es die Feinde und Ausbeuter der Arbeiterklasse, die über die gesamte bewaffnete Streitmacht verfügen. Doch wozu hat das geführt? Dazu, dass heute, da jeder taugliche Mann durch die Armee geht, diese Armee mehr und mehr die Gefühle und Ansichten des Volkes widerspiegelt, dass diese Armee, das Hauptwerkzeug der Unterdrückung, von Tag zu Tag unzuverlässiger wird. Schon sehen die Männer an der Spitze aller großen Staaten mit Schrecken den Tag nahen, an dem die unter Waffen stehenden Soldaten sich weigern werden, ihre Brüder und ihre Väter zu massakrieren (...) Es lebe die internationale soziale Revolution!“ (Engels, MEW, Band 22, Seite 186-187).

Marx reagierte auf die Niederlage der Pariser Kommune, und lehrte das Proletariat, wie es mit dieser Niederlage und ihren Folgen umgehen sollte, insbesondere wie die Arbeiterklasse den entfachten Zorn und die blutige Rache der wutschnaubenden Reaktion begegnen sollte. Bismarck ließ 60 000 Kriegsgefangene frei, um eine konterrevolutionäre Armee gegen die Pariser Kommune aufzustellen, die die deutschen Linien zu diesem Zweck passieren durften. Alle Regierungen der europäischen Staaten war die Angst so sehr in die Knie gefahren, dass sie einen grausamen Feldzug gegen die I. Internationale und die Arbeiterorganisationen organisierte. In dieser reaktionären Offensive entlarvten Marx und Engels die Intrigen der Reaktionäre und leiteten den Kampf für den Zusammenschluss und die unbeirrbare Fortsetzung der Festigung der proletarischen Organisation, den Kampf für die Sammlung neuer Kräfte der Werktätigen und die Reorganisierung der Reihen der I. Internationale, den Kampf gegen den Opportunismus in den eigenen Reihen. Schließlich versuchte der Reaktion mit und ohne Gewalt die internationale Verbreitung der revolutionären Flamme des heroischen Pariser Proletariats zu löschen und die I. Internationale von innen und außen zu liquidieren.

Um die Haltung der Internationale zum proletarischen Internationalismus zu begründen, studierten Marx und Engels eingehend die Geschichte des irischen Volkes. Sie entwickelten den Gedanken, dass das Proletariat der Unterdrückernation im Interesse seiner eigenen Freiheit gegen die Politik der nationalen und militärischen Unterdrückung kämpfen müsse, was Lenin das Grundprinzip des Internationalismus und Sozialismus nannte. Engels schrieb: „An der irischen Geschichte kann man sehen, welch ein Pech es für ein Volk ist, wenn es ein anderes unterjocht hat“ (MEW, Band 32, Seite 378). Die Befreiung Irlands ist eine Notwendigkeit für die englische Arbeiterklasse, um die dadurch erzeugte Schwächung der englischen Herrschaft für die eigene proletarische Revolution zu nutzen. Ohne Unterstützung des bewaffneten nationalen, revolutionären Befreiungskampfes wird es keinen Sieg der proletarischen Weltrevolution geben. Das ist die Lehre aus den Erkenntnissen, die Marx und Engels aus der irischen Befreiungsbewegung zogen.

Marx und Engels betrachteten alle militärischen Fragen vom Standpunkt des internationalen Proletariats aus, von den Arbeiterparteien der Länder und auch von der Ersten Internationale. Insbesondere beharrten sie darauf, sich von der schwankenden liberalen Bourgeoisie selbständig abzugrenzen, die sich historisch aus Feigheit allzu oft auf Kompromisse mit der Reaktion einließ und vor dieser insbesondere in Kriegssituationen kapitulierte. Es hat sich ebenso gezeigt, dass die Angst der Liberalen vor dem revolutionären Volk meist viel größer ist als vor der Reaktion. So hat sich der Marxismus auch in der Militärfrage klar und deutlich vom Lassalleanismus, vom „königlich preußischen Regierungssozialismus“ distanziert ( siehe MEW, Band 16, Seite 79).

Die Kommune war die entschiedene Negation jeder Staatsmacht und darum der Beginn der sozialen Revolution des 19. Jahrhunderts. Was daher immer ihr Geschick in Paris, sie wird ihren Weg um die Welt machen“ (Marx, MEW, Band 17, Seite 542). Wer nun meint, Marx habe sich indirekt gegen die Staatsmacht des Proletariats ausgesprochen, ist auf dem Holzweg. Es soll sogar „Marxisten-Leninisten in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gegeben haben, die uns auf diesen Holzweg führen zu können glaubten.

Mit der Pariser Kommune begann eine neue Periode im Befreiungskampf des Proletariats, in der der Aufbau proletarischer Parteien im Vordergrund stand, die sich von den Prinzipien des wissenschaftlichen Kommunismus von Marx und Engels leiten lassen und ohne die die proletarische Revolution nicht erfolgreich verwirklicht werden kann. Gerade an der Peripherie zwischen der Pariser Kommune und der Oktoberrevolution, mit dem Beginn einer neuen Periode des bewaffneten Klassenkampfes, klinkten sich die Opportunisten aller Couleur ein, um daraus Gegensätzlichkeiten zu konstruieren und darauf aufbauend im Trüben zu fischen. Man kann aber nicht die Pariser Kommune gegen die Oktoberrevolution ernsthaft verteidigen wollen , ebensowenig wie man die Oktoberrevolution gegen die Volksrevolution in Albanien und gegen die heutigen, vorzubereitenden sozialistischen Revolutionen verteidigen kann, ohne im Sumpf des Opportunismus elendig zu versinken. Nur die Pariser Kommune, nur die Oktoberrevolution und nur die albanische Volksrevolution sind für uns Marxisten-Leninisten im Sinne des Sozialismus siegreich verlaufen und wird die revolutionäre Weltbewegung stets auf ihren Schultern stehen. Alle anderen Revolutionen halten diesem Kriterium nicht stand und dürfen deswegen nicht mit ihnen auf eine Stufe gehoben werden. Genauso darf man zwischen der Militärtheorie von Marx und Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha keine Gegensätze konstruieren oder etwa den einen oder anderen Klassiker ausklammern. Alle Klassiker waren zu ihrem historischen Zeitpunkt die Führer des Weltproletariats und die Führer der marxistischen Kriegswissenschaft. Und nur alle Klassiker zusammengenommen ergeben das vollständige Bild der marxistisch-leninistischen Militärtheorie und Klassenkriegskunst, aus denen wir für alle Zeiten zu lernen haben. Auf der Grundlage der Erkenntnisse der Klassiker auf dem militärischen Gebiet gehen wir heute an die Verallgemeinerung der gegenwärtigen Erfahrungen des internationalen Klassenkampfes heran, um die marxistisch-leninistische Militärtheorie und die weltrevolutionäre Klassenkriegskunst ständig weiter zu entwickeln zum Nutzen der proletarischen Weltrevolution. Wir kommunistischen Soldaten kämpfen nur auf diesen theoretischen und praktischen Grundlagen, auf keinen anderen. Wir lassen uns weder ein auf fremde (bürgerliche) Militärtheorien, noch geben wir uns her für irgendwelche, ominöse „Revolutionen“ mit allen möglichen Klasseninteressen. Wir ergreifen das Gewehr ausschließlich für unsere eigenen Interessen, für die proletarische Revolutionen, die ihrem Wesen und Charakter vollkommen der Pariser Kommune, der Oktoberrevolution und der albanischen Volksrevolution entsprechen -das schließt natürlich nicht aus, dass wir alle revolutionären Bewegungen – auch mit der Waffe in der Hand – unterstützen bzw. sogar – wo möglich - deren Führung übernehmen, die direkt oder indirekt für unsere proletarischen Revolutionen nützlich sind. Wir sind weder revisionistische noch sektiererische Soldaten, wir sind marxistisch-leninistische Soldaten !! Soldaten mit sektiererischen oder revisionistischen Fehlern können wir helfen. Fehler korrigieren durch Kritik und Selbstkritik, ist nicht das Problem. Aber ausgemachte Revisionisten oder Sektierer haben in unseren Reihen keinen Platz, und wir werden auch nicht in irgendeiner „Einheitsfront“ Seite an Seite mit ihnen kämpfen, denn sie sind Feinde des Proletariats und versuchen in unsren eigenen Reihen oder in den Reihen einer „Einheitsfront“, auf der Seite der Bourgeoisie zu kämpfen. Einheitsfront mit Truppen, die dem Gegner dienen, auch wenn sie noch so sehr schwören, auf unserer Seite zu stehen, ist ein absolutes Unding. Eine revolutionäre Truppe kann keiner Niederlage entgehen, wenn sie in ihren eigenen Reihen den Feind aktiv werden lässt, um so mehr gilt das für die Führung der roten Truppe.

Um diese und andere Katastrophen zu vermeiden, ist es eben unerlässlich, dass jeder rote Soldat mit seiner geistigen Waffe genauso gut umgehen kann wie mit seiner Waffe in der Hand, und er muss stets lernen, diese beiden „Waffengattungen“ in jedem Augenblick, in jeder Situation in ihrem einheitlichen Gebrauch zu beherrschen. Das unterscheidet die rote Armee von jeder konterrevolutionären Armee (einschließlich der revisionistischen Armee), wo ja noch ( oder wieder) das militaristische System des Gegensatzes zwischen „Hand - und Kopfarbeit“ angewandt wird .