Historische Ereignisse

der internationalen revolutionären Bewegung

 

19. April 1943

und

1. August 1944

Die beiden Warschauer Aufstände

 

 

 

 

DEUTSCH


 

 

 

19. April 1943

Dieser erste Aufstand ist nicht mit dem zweiten Aufstand im Warschauer Ghetto (1.August 1944) zu verwechseln.

 

Karte vom Warschauer Ghetto



5 Jahre Warschauer Aufstand

 

 

 

 

 

 

 

Die Greueltaten des Völkermords

der deutschen Faschisten

dürfen niemals vergessen werden !

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stalin befreit Polen vom Hitler-Faschismus

 

 

2 Soldaten der Roten Armee - Lublin 1944

 

 

 

Stalinistisch-hoxhaistische- Position zum

Warschauer Aufstand vom

1. August 1944


Der 75. Jahrestag des Aufstands gegen die Nazi-Besatzer in Warschau wird von den Repräsentanten des deutschen Imperialismus unverfroren zum Anlaß genommen, sich als “Freunde Polens” hinzustellen. “Beide Seiten”, so fordern sie, "sollten einen Schlußstrich ziehen"; so wie Merkel den revanchistischen Forderungen der Vertriebenen öffentlich wirksam eine – scheinbare – “Absage” erteilt habe, müsse auch die polnische Regierung von ihren Entschädigungsforderungen Abstand nehmen. Denn Schuld für Mord und Zerstörung in Warschau sei ja eigentlich die Rote Armee, die ihren Vormarsch nach Warschau angeblich bewußt gestoppt habe, um die “politisch unliebsamen” Aufständischen ausbluten zu lassen. Damit will der staatsmonopolistische Kapitalismus der BRD berechtigte polnische Entschädigungsforderungen vom Tisch fegen und vor allem von den eigenen Nazifascho-Verbrechen ablenken.


Bei einer Analyse des Warschauer Aufstands geht es deshalb vor allem um die notwendige Anklage der entsetzlichen Nazifascho-Verbrechen.

 

Vom 1. August bis zum 2. Oktober 1944 ermordeten Nazifascho-Wehrmacht und SS über 200.000 Einwohnerinnen und Einwohner Warschaus, verschleppten die Überlebenden zu Zwangsarbeit oder in die Gaskammern von Auschwitz, plünderten die Stadt und zerstörten sie danach vollständig.

 

Die Zerstörungen waren so groß, daß die 1945 gebildete volksdemokratische Regierung Polens sogar erwog, die Hauptstadt Polens an einem anderen Ort neu zu errichten.
Es geht aber auch um die Richtigstellung der historischen Wahrheit, denn in Wirklichkeit war der von der reaktionären polnischen Exilregierung in London bewußt vor dem Eintreffen der Roten Armee ausgelöste und vom britischen Imperialismus dirigierte vorzeitige Aufstand in Warschau ein kompliziertes Ereignis, das einen zweifachen Charakter hatte:

 

Es war ein mutiger, aber auch ungewöhnlich tragischer und opferreicher bewaffneter Kampf gegen die Nazifascho-Besatzer, an dem sich die Masse der Warschauer Bevölkerung beteiligte.

Gleichzeitig wurde diese bewaffnete Demonstration missbraucht zum Zwecke reaktionärer, anti-kommunistischer Machtbestrebungen, die nur im Zusammenhang mit den sich zuspitzenden Widersprüchen – forciert durch reaktionären Elemente – innerhalb der Anti-Hitler-Koalition richtig verstanden werden kann, ähnlich wie der im gleichen Jahr von den britischen Imperialisten inszenierte konterrevolutionäre Krieg gegen die Volksbefreiungsarmee in Griechenland.


Am 30. Juli stand die Rote Armee ca. 150 km vor Warschau. Jeden Meter, jeden Schritt nach Westen errang sie nur unter großen Verlusten und Opfern im Kampf gegen die Nazifascho-Truppen. Für die Nazi-Faschisten war die polnische Hauptstadt ein wichtiger Operations-(Verkehrs)Knotenpunkt, der auf der kürzesten Strecke nach Berlin lag.
In dieser Situation faßte die reaktionäre polnische Exilregierung in London den Entschluß, die unter ihrem Oberbefehl stehende reaktionäre antisemitische und antikommunistische “Heimatarmee” (AK, Armia Krajowa) den Aufstand in Warschau gegen die Nazifascho-Besatzer auslösen zu lassen.(1)

Der Aufstand war insbesondere vom britischen Imperialismus inspiriert, dem es um Einflußnahme auf die zukünftige Macht in Polen ging. Der Aufstand bot ihnen die Chance, Warschau kurz vor der siegreichen Befreiung durch die Rote Armee und der mit ihnen kämpfenden Partisanen militärisch und ökonomisch zu erobern.

Damit sollte die Autorität der Sowjetunion geschmälert und vor dem Einmarsch der Roten Armee der Führungsanspruch der britischen Exilregierung durchgesetzt werden, die von den westlichen Alliierten unterstützt wurde. Gleichzeitig sollte damit die Sowjetregierung vor vollendete Tatsachen gestellt und gezwungen werden, die Anerkennung des fortschrittlichen Polnischen Nationalen Befreiungskomitees (PKWN) zurückzuziehen, so daß die bisher bedeutungslose AK militärisch und wirtschaftlich in Szene gesetzt werden konnte. Der Vorsitzende der polnischen KP erklärte wenige Monate nach dem Aufstand:
“ Nicht der Kampf um Polen und die Freiheit des Volkes veranlaßten die Führung der Landesarmee (gemeint ist: die AK, A.d.V.), den Aufstand zu beginnen. Die Berge von Leichen der heldenhaften Verteidiger Warschaus sah die Reaktion nur als Mittel zur Macht an (…) Indem sie den bewaffneten Aufstand ohne Abstimmung mit dem Oberkommando der Roten Armee und der anderen militärischen Organisationen in Warschau begann, verübte die Führung der Landesarmee um des niedrigen und egoistischen Strebens zur Macht willen ein unerhörtes Verbrechen am polnischen Volk, wobei gewaltige Opfer und Leiden der gesamten Hauptstadt leichtfertig riskiert wurden…”

(2) Das waren die Gründe, warum die Führung der AK am 1. August 1944 den Befehl zum verfrühten Aufstand ausgab, der unter diesen Bedingungen praktisch keine Chance hatte. Die Nazifascho-Garnison in Warschau bestand aus etwa 20.000 bestens bewaffneten Soldaten und führte schnell große Verstärkungen heran, wobei massiv Artillerie, Panzer und Kampfflugzeuge zum Einsatz kamen. Den rund 20.000 bewaffneten AK-Angehörigen in der Stadt gelang es nicht wie geplant, die deutschen Truppen im Handstreich zu überrumpeln und die Stadt zu besetzen.
Zunächst konnten die Aufständischen jedoch trotz großer Verluste durch offensives Vorgehen einen großen Teil der Stadt befreien und halten.
Diese anfängliche Offensive war nur aus zwei Gründen möglich: Einerseits beteiligte sich die Warschauer Bevölkerung massenhaft an den Kämpfen, forderte Waffen, errichtete Barrikaden und Befestigungen, ohne die es nicht möglich gewesen wäre, die eroberten Gebiete zu halten.


Andererseits schlossen sich weitere Abteilungen fortschrittlich-weltproletarischer bewaffneter Kräfte wie die Armia Ludowa den Kämpfen an. Obwohl das Angebot der ZOB, der Jüdischen Kampforganisation in Warschau, zur offiziellen Eingliederung ihrer Abteilung als jüdische Einheit von der AK mit der antisemitischen Begründung abgelehnt worden war,

" für diese Leute ist kein Platz in der AK" (3),

rief die ZOB am 3. August 1944 die rund 7000 überlebenden Juden der Stadt auf: "Nach den heroischen Kämpfen in den Ghettos und Lagern rufen wir alle überlebenden Juden -Arbeiter wie Intellektuelle -auf, sich den Reihen der Aufständischen anzuschließen im Kampf gegen unseren gemeinsamen Feind und für ein freies, demokratisches und unabhängiges Polen."

(4) Zivia Lubetkin, überlebende Kämpferin des Warschauer Ghetto-Aufstands, die sich danach einer Partisanen-Einheit angeschlossen hatte, schildert das Dilemma, vor dem die antinazistischen Kräfte angesichts der reaktionären Führung des Aufstands standen:

" Die polnische Regierung in London hielt es für klug, den Aufstand genau in den Moment zu beginnen, in dem die Deutschen abziehen würden, die Rote Armee aber noch nicht in die Stadt einmarschiert war. Dadurch würde sich der verhasste Feind aus dem Osten einem fait accompli gegenüberstehen ... Wir waren uns der politischen Natur dieses Aufstands ebenso bewußt wie die Führer der PPR (Polnische Arbeiter-Partei, 1942 neu gegründete kommunistische Partei Polens, A.d.V.) und der Armina Ludowa (Volksarmee, bewaffnete Organisation der PPR, A.d.V.) beschlossen aber dennoch, daran teilzunehmen. "

(5). Auch zahlreiche Angehörige anderer Nationen beteiligten sich an den bewaffneten Kämpfen. Partisanen und Rotarmisten, die im Verlauf der Kämpfe aus den Gefängnissen und Kriegsgefangenen-Lagern befreit worden waren, griechische und ungarische Juden, die aus dem KZ in der Gesia-Straße befreit worden waren.

(6) Letztere wollten sich am bewaffneten Aufstand beteiligen, doch ihnen wurde mitgeteilt, daß für sie in den Reihen der AK kein Platz sei.

(7) Schlimmer noch: Am 4. August wies der AK-Stabschef Pelecynski den Warschauer AK-Offizier Chrusciel an: " Treffen Sie Vorbereitungen, ein befristetes Lager für alle befreiten Juden und andere unerwünschte Elemente einzurichten ... "

(8) Die Inhaftierung von Juden und "anderen unerwünschten Elementen" - sprich Stalinisten-Hoxhaisten und Kommunisten - war also die Vorstellung eines "befreiten Polen" im AK Sinne

(9) Doch die militärische Situation entwickelte sich trotz anfänglicher Erfolge nachteilig und es gelang nicht, die wichtigsten Bastionen der Nazifascho-Armee auf dem Territorium der Innenstadt einzunehmen.

Die Nazifascho-Führung dirigierte rasch Nachschub-Einheiten nach Warschau, darunter die berüchtigte SS-Brigade Dirlewanger aus Berufsverbrechern und verurteilten SS-Angehörigen. Am Morgen des 5. August 1944 begann die Nazifascho-Armee mit Panzern, Bombenflugzeugen und Artilleriegeschützen den massiven Angriff auf die Aufstandsstellungen. Trotz dieser erdrückenden Waffenüberlegenheit verteidigten sich die Aufständischen mit ungewöhnlichem Mut und hinderten unter ungeheuren Verlusten den Nazifascho-Vormarsch in das Innere der Stadt.


Die Nazifascho-Besatzer gingen mit beispielloser Grausamkeit vor. Die Nazifascho-Führung hatte den Befehl ausgegeben, sämtliche Einwohner zu erschießen, und dieser Befehl wurde in den von der deutschen Nazifascho-Soldateska eroberten Gebieten auf der Wola mit einem fürchterlichen Blutbad umgesetzt. Die Bewohner wurden von den Nazifascho-Truppen auf die für die Massenhinrichtung bestimmten Plätze getrieben, wo alle erschossen und die Leichen verbrannt wurden. In Krankenhäusern blieben auch Verwundete, Kranke und das Krankenhauspersonal nicht verschont. Innerhalb von zwei Tagen wurden auf diese Weise am 5. und 6. August 1944 rund 40.000 ermordet. Auch im Stadtteil Ochota ließen die Nazifascho-Mörder Berge von Leichen zurück und führten massenhaft Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen durch. Nach der Erschießung von über 10.000 Zivilisten fragte der Kommandant der mordenden Nazifascho-Truppen Reinefahrt bei einem Telefonat mit den Nazifascho- Oberbefehlshabern:

"Was soll ich mit den Zivilisten machen? Ich habe weniger Munition als Gefangene."(10)

 

Gegen Ende August 1944 veränderte sich die Situation an der deutsch-sowjetischen Front östlich der Weichsel.

 

Die Rote Armee erzielte bedeutende Erfolge.

Der am 10. September 1944 unternommene Angriff sowjetischer und polnischer Truppen auf Praga - einem Vorort Warschaus - zwang die Nazifascho-Truppen schließlich, nach dem Fall der Altstadt weitere Angriffe auf den nördlichen Teil der aufständischen Innenstadt einzustellen. Die Rote Armee war nunmehr verstärkt in der Lage, die Aufständischen auf verschiedene Weise direkt zu unterstützen. Am 14. September begannen Sowjetflieger , Waffen, Munition, Funkgeräten, Lebensmittel und Arznei für die in der Stadt Kämpfenden abzuwerfen. Von nun an bis zum 1. Oktober flog die Rote Armee knapp 5000 Einsätze zur Unterstützung der Aufständische und zur Bombardierung der Positionen der Nazis.

(11) Gleichzeitig sprangen über den Stützpunkten des Widerstandes Rotarmisten als Verbindungsleute zwischen dem Aufstandskommando und dem Kommando in der Sowjetunion neu aufgestellter polnischer Truppen ab, die am 15. September 1944 nach Praga vorrücken konnten. Außerdem beschloß die Rote Armee die Überquerung der Weichsel (die Praga von Warschau trennte). Bis zum 20. September schlugen drei Versuche zur Überquerung des Flusses fehl, weil die gut befestigten deutschen Stellungen am westlichen Ufer nicht durchbrochen werden konnten. Insgesamt starben bei den Operationen zur Unterstützung der Aufständischen in Warschau 7.750 Rotarmistinnen und Rotarmisten, 24.100 erlitten Verwundungen.

 

(12) Nachdem die Nazi-Faschisten die Lage am westlichen Ufer der Weichsel unter Kontrolle hatten, griffen sie jeweils mit starken militärischen Kräften die weitgehend isolierten Stützpunkte der Aufständischen der Reihe nach an und liquidierten diese fast vollständig. Am 2. Oktober 1944 unterzeichnete die AK die Kapitulationsurkunde. Die AK- Angehörigen wurden in Gefangenenlager gesperrt. Über 1700 von ihnen wurden wegen ihrer Weigerung zur Zwangsarbeit in Straflager gebracht. Die Zivilbevölkerung mußte unter Zurücklassung ihrer gesamten persönlichen Habe die Stadt verlassen, wurde innerhalb Polens verstreut oder zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich (ca. 90.000 Personen) und in Konzentrationslager (ca. 60.000 Personen) verschleppt.

(13) Insgesamt starben während des Aufstands 18.000 bewaffnete Kämpferinnen und Kämpfer, die Zivilbevölkerung verlor etwa 200.000 Einwohner. Schon während des Aufstands hatten die ersten systematischen Zerstörungsaktionen -Gas-, Strom-, Wasserleitungen - begonnen. Unmittelbar nach der Räumung der Stadt wurden Rohstoffe, Textilien, Wertsachen, Möbel usw. geraubt und ins Deutsche Reich abtransportiert. Dann wurde Stadtviertel für Stadtviertel systematisch in Schutt und Asche gelegt, Gebäude und Denkmäler gesprengt, die Bestände der Bibliotheken und Archive verbrannt.

 

Als im Januar 1945 sowjetische und polnische Truppen Warschau befreiten, bot sich ihnen das grauenvolle Bild einer völlig vernichteten und menschenleeren Stadt.

 

Dieses Verbrechen darf nie vergessen, darf dem deutschen Imperialismus nie verziehen werden.

 

Ebenso muß die Mitschuld der großen Masse der deutschen Werktätigen bewußt sein, die als Angehörige der Nazi-Wehrmacht direkt oder indirekt daran beteiligt waren bzw. sich dem Nazifascho-Morden nicht entgegengestellt haben. Der Kampf für umfassende Reparationen für die Opfer dieses Verbrechens und für maximale materielle Reparationsleistungen für die Zerstörung Warschaus -die vor kurzem von einer polnischen Expertenkommission auf 39 Mrd. US-Dollar geschätzt wurde (14)

-bleibt eine unverzichtbare demokratische Aufgabe im Kampf gegen den deutschen Imperialismus und staatsmonopolistischen Kapitalismus der BRD. Das bedeutet vor allem auch, daß gerade auch nach dem Sturz der Weltbourgeoisie, nach der Zerschlagung des Weltimperialismus das Weltproletariat vor der Aufgabe steht, für dieses Verbrechen für die anderen unter der Herrschaft des deutschen Imperialismus begangenen Verbrechen maximalen Ausgleich zu schaffen.


Aus dem Briefwechsel Stalins mit Churchill und Roosevelt


Im Briefwechsel zwischen Stalin und dem britischen Premier Churchill sowie dem US-Präsidenten Roosevelt kam mehrmals auch der Warschauer Aufstand zur Sprache.

 

Selbst aus der eigentümlichen diplomatisch-verblümten Sprache einer solchen Korrespondenz wird anhand derÄußerungen Stalins die richtige Haltung der damaligen sozialistischen UdSSR deutlich.

Stalin teilte Churchill am 5. August in einer geheimen Botschaft mit:

"Die Armia Krajowa der Polen besteht aus einigen Abteilungen, die sich fälschlicherweise als Divisionen bezeichnen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie solche Abteilungen Warschau einnehmen wollen, das die Deutschen mit vier Panzerdivisionen, darunter der Division Hermann Göring', verteidigen." ("Briefwechsel Stalins mit Churchill, Attlee, Roosevelt und Truman", Berlin 1961, S.152)

 

Nach einem Treffen mit AK-Chef Mikolajczyk schrieb Stalin am 16. August an Churchill:

 

"Nach der Unterredung mit Herrn Mikolajczyk habe ich dem Oberkommando der Roten Armee befohlen, im Raum Warschau intensiv Waffen abzuwerfen. Es ist auch ein Verbindungsmann mit dem Fallschirm abgesetzt worden, der - wie das Oberkommando meldet - seinen Auftrag nicht erfüllen konnte, weil er von den Deutschen getötet wurde. Im weiteren habe ich mich näher mit der Warschauer Angelegenheit vertraut gemacht und bin zu der Überzeugung gelangt, dass die Aktion in Warschau ein unüberlegtes, furchtbares Abenteuer darstellt, das die Bevölkerung große Opfer kostet. Das hätte vermieden worden können, wenn das sowjetische Oberkommando vor Beginn der Warschauer Aktion informiert worden wäre und die Polen mit ihm Verbindung unterhalten hätten." (5. 314)

 

Als die Nazifascho-Truppen mehr und mehr die Oberhand gewannen, schrieb Stalin am 22. August an Roosevelt und Churchill:

 

"Früher oder später wird die Wahrheit über die Verbrecherbande, die das Warschauer Abenteurer anzettelte, um die Macht an sich zu reißen, allen bekannt worden. Diese Elemente haben das Vertrauen der Warschauer ausgenutzt und viele praktisch wehrlose Menschen den deutschen Kanonen, Panzern und Flugzeugen ausgeliefert. Es ist eine Lage entstanden, bei der jeder neue Tag nicht den Polen für die Befreiung Warschaus, sondern den Hitlerfaschisten nutzt, die in unmenschlicher Weise die Einwohner Warschaus ausrotten. Vom militärischen Gesichtspunkt aus ist die entstandene Situation, die die besondere Aufmerksamkeit der Deutschen auf Warschau lenkt, sowohl für die Rote Armee wie für die Polen außerordentlich unvorteilhaft. Dennoch tun die sowjetischen Truppen, die in der letzten Zeit auf neue beachtliche Versuche der Deutschen gestoßen sind, Gegenangriffe durchzuführen, ihr möglichstes, um diese Gegenangriffe der Hitlerfaschisten zurückzuschlagen und bei Warschau zu einer neuen großangelegten Offensive überzugehen. Es kann keinen Zweifel geben, dass die Rote Armee keine Anstrengungen scheuen wird, um die Deutschen bei Warschau zu zerschlagen und Warschau für die Polen zu befreien. Das wird die beste und wirksamste Hilfe für die polnischen Antifaschisten sein." (5.316)

 

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Im Januar 1941 stellte die Sowjetunion mit dem Bund Polnischer Patrioten (poln. Związek Patriotów Polskich; Abkürzung: ZPP) eine kommunistische Gegenorganisation zur Exilregierung zusammen. Außerdem existierte seit 1942 die kommunistische Polnische Arbeiterpartei mit ihrer AL-Miliz im polnischen Untergrund.

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Anmerkungen und Quellen

(1) Die reaktionäre AK war die bestausgerüstetste und mit rund 300.000 Angehörigen größte bewaffnete illegale Organisation in Polen. Sie wurde insbesondere vom britischenn und dem US-Imperialismus mit Waffen und Informationen versorgt. So gewährte die US-Regierung im Juni 1944 eine Finanzhilfe von 8.5 Mio. US-Dollar (www.mdr.de/viaeruopa/1488508.html) Ihre Offiziere waren häufig gut ausgebildete Militärs der ehemaligen polnischen Armee. Politisch war die AK ein Sammelbecken verschiedener kleinbürgerlich-nationalistischer bis klerikal-faschistischer Gruppierungen, deren gemeinsamer Nenner die Befreiung Polens von den Nazifaschos, aber auch der Antikommunismus und Antisemitismus war. Die AK lehnte einen direkten Kampf gegen die Nazifascho-Besatzer ab und verfolgte den Plan, daß ein Aufstand erst ausgelöst werden solle, wenn der Zusammenbruch der Nazifascho-Besatzer absehbar ist und die westlichen Alliierten zum Eingreifen in der Lage sind. Jüdinnen und Juden innerhalb der AK mußten ihre jüdische Herkunft verbergen, ja AK-Einheiten verübten sogar Massaker an jüdischen und kommunistischen Partisanen-Einheiten (Siehe Strobl, Ingrid, „ Sag nie, Du gehst den letzten Weg“ , Frankfurt 1989. S. 185); (2) Redaktionskollektiv (Hrsg.), Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion, Band 4, Berlin 1962, S. 204; (3) ebenda; (4) Ainsztein, R., Die Revolte gegen die Vernichtung, Berlin 1993, S. 175; (5) Lubetkin, Zivia, The Polish Uprising. In: Armed Jewish Resistence, Band 1, S. 152. Zitiert in: Strobl, Ingrid „ Sag nie, Du gehst den letzten Weg“ , Frankfurt 1989, S. 231; (6) Przygonski, A. „ Der Warschauer Aufstand „ In: Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (Hrsg.), Internationale Hefte der Widerstandsbewegung, Nachdruck Verlag für fremdsprachige Literatur Tirana 1984, Band 2, S. 10; (7) Ainsztein, R., Die Revolte gegen die Vernichtung, Berlin 1993, S. 175; (8) Mark, E., Yidn in Warshever Oifshtand. In: Folks Shtime, 1.8.1964. Zitiert in: Ainsztein, R., Die Revolte gegen die Vernichtung , Berlin 1993, S. 175 ; (9) Eine Gruppe der befreiten Juden aus dem Gesia-KZ wurde sogar während des Aufstands von antisemitischen AK-Angehörigen ermordet. Sie hatten sich noch in ihrer KZ-Kleidung sofort an der Errichtung von Barrikaden in der Miodwa-Straße beteiligt . Als die Nazifascho-Truppen anrückten, suchten sie Schutz in den Kellern. Als sie wieder aus den Kellern hervorkamen und auf die Barrikaden zugingen, hörten sie Schreie: "Juden! Juden! Verdammte Juden!" und zwei Schüsse. Zwei Juden brachen zusammen und ihre Mörder richteten das Wort an die Menge, die Pistole noch in den Händen: "Wir wollen keine Juden hier! Sie müssen alle getötet werden." (Siehe Ainsztein, R., Die Revolte gegen die Vernichtung, Berlin 1993, S. 186). Ainsztein berichtet, wie es klerikal-faschistischen AK-Offizieren gelang, AK-Soldaten antisemitisch zu verhetzen: " ... indem sie ihnen weismachten, daß die Rote Armee am Ostufer der Weichsel haltgemacht habe, weil sie von Juden kommandiert werden, die für das Katyn-Massaker verantwortlich seien, und die sich nun an den Polen für das Warschauer Ghetto rächen wollten". (Siehe ebenda); (10) Siehe Borodziej, W., Der Warschauer Aufstand 1944, Frankfurt 2004, S. 123; (11) Siehe Falin, V., Zweite Front. Die Interessenkonflikte in der Anti-Hitler-Koalition, München 1995, S.446; (12) Ebenda, S. 448; (13) Siehe Borodziej, w., Der Warschauer Aufstand 1944, Frankfurt 2404, S. 206 f.; (14) Handelsblatt, 12.8.2004


Internationale Hefte der Widerstandsbewegung

Analysen und Dokumente über den internationalen Widerstand gegen den Nazifaschismus


Diese vollständige Sammlung der von der FIR (Federation Internationale des Resistants) herausgegeben Zeitschrift "Internationale Hefte der Widerstandsbewegung" (Nr. 1 - 10, November 1959 bis März 1963) mit knapp über 1000 Seiten hat hohen dokumentarischen Wert. Zudem enthält die am Schluss einiger Hefte veröffentlichte Bibliographie wertvolle Studienhinweise. Heft 1 und 2 eröffnen die Heftreihe mit Artikeln zur Fragestellung, ersten Überblicken und (in Heft 2) den Dokumenten einer Konferenz über die Rolle des antinazistischen Widerstandskampfes für die Erziehung der jungen Generation. Als Ziele der "Hefte" wird angegeben, zu informieren und eine Diskussion zu eröffnen. Heft 3 und 4 haben den Widerstandskampf in den KZs und Vernichtungszentren sowie die internationalistische Beteiligung von Ausländern am nationalen und sozialen Befreiungskampf in den einzelnen Ländern zum Schwerpunkt. Heft 5 analysiert die großen bewaffneten Aufstände in den Großstädten Europas, insbesondere in Prag, Paris, Neapel und auch in Warschau. Heft 6 und 7 beschäftigen sich mit den programmatischen Dokumenten der verschiedenen Organisationen in verschiedenen Ländern - mit dem Schwerpunkt auf Positionen der KPs und der von den KPs geführten Frontorganisationen. Heft 8 --10 gibt als Dreifachnummer einen konzentrierten Überblick über die Widerstandskämpfe in den verschiedenen Ländern, wobei auch die besondere Problematik des jüdischen Widerstandskampfes durch Beiträge von Vertreten des Widerstandes, die nun im Ausland leben, verdeutlicht wird. Die faktenreichen Artikel zum bewaffneten Kampf als Instrument des Klassenkampfes der working class und Bauern und der vom Weltimperialismus national unterdrückten breiten Massen der Bevölkerung der besetzten Länder, die Hervorhebung auch der völkermörderischen Verbrechen gegenüber der jüdischen Bevölkerung Europas, die Benennung der Positionen der KPs vieler Länder - all dies enthält wertvolle Materialien. Zu Recht wird mehrfach darauf hingewiesen, daß innerhalb des zweiten Weltkrieges, nicht einfach Staaten gegeneinander kämpften, sondern es sich um die allergrößte Teilnahme der Bevölkerung der verschiedensten Länder am Krieg handelt.



Gedicht dazu



Eingesperrt und streng bewacht
Die Stadt Warschau zum Ghetto gemacht
Auf kleinstem Raum konzentriert
Arbeitervolk Tag und Nacht observiert


Warschauer Aufstand im Ghetto
Arbeiter und Bauern setzen sich zur Wehr
Kampf der Unterdrückten
Gegen das nazifaschistische Heer
Es donnern die Kanonen, es hagelt immer Blei
Es hagelt und donnert immer mehr


Hinter Zaun und Stacheldraht
Sind tausende Proleten zusammengeschart
Bis es knallt, bis es fetzt
Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker wehrt euch jetzt


Warschauer Aufstand im Ghetto
Arbeiterbewegung setzt sich zur Wehr
Kampf der Ausgebeuteten und Unterdrückten
Gegen das nazifaschistische Heer
Es donnern die Kanonen, es hagelt immer Blei
Es hagelt und donnert immer mehr


Warschauer Aufstand im Ghetto
revolutionäre Volksfront setzt sich zur Wehr


Eingesperrt und streng bewacht
Die Stadt Warschau zum Ghetto gemacht
Auf kleinstem Raum konzentriert
Arbeiteroffensive und Volksfront Tag und Nacht observiert


Hinter Zaun und Stacheldraht
ist die kämpfende Bevölkerung zusammengeschart
Bis es knallt, bis es fetzt
Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker wehrt euch jetzt


Warschauer Aufstand im Ghetto
Arbeiter und Bauern setzen uns zur Wehr
Kampf der ausgebeuteten und Unterdrückten
Gegen das nazifaschistische Heer
Es donnern die Kanonen, es hagelt immer Blei
Es hagelt und donnert immer mehr


Warschauer Aufstand im Ghetto
revolutionäre Volksfront setzt sich zur Wehr

 

* * *

 

Literatur

 

 

Soviet - Polish Relations

1943

 

 

Poland Workers do not surrender

1943

 

 

Nasza Droga 1939-1946

1946

 

 

 

 

Resistance is the lesson:

The meaning of the Warsaw

Ghetto uprising

1949