1923

Hamburger Aufstand

 

 

 

 

 

 

 

 

DEUTSCH


 

 

 

90 Jahre Hamburger Aufstand

Grußadresse der Komintern (SH)

1923 - 2013

Vor 90 Jahren griffen die Hamburger Arbeiter zu den Waffen, und setzten mit ihrem Aufstand das Signal für die sozialistische Revolution in Deutschland. Es war das erste Mal, dass Arbeiter in Deutschland unter der Führung der Kommunistischen Partei mit Ernst Thälmann an der Spitze und mit direkter Anleitung und Unterstützung der Kommunistischen Internationale einen bewaffneten Aufstand durchführten mit dem Ziel der Errichtung der Diktatur des Proletariats.


3 Tage lang war Hamburg in der Hand der Arbeiter !


Der Hamburger Oktoberkämpfer von 1923 hatten die Bourgeoisie bis zum Rand ihres Untergangs geführt, aber nach drei Tagen beschlossen die Arbeiter ihren geordneten Rückzug, denn der Funke der Revolution breitete sich nicht im nationalen Maßstab aus. So wurde die Niederlage vermieden und ein Triumph der Konterrevolution vereitelt.

Der Hamburger Aufstand war nur von kurzer Dauer, aber lang genug, um der ganzen Welt eindrucksvoll zu zeigen, dass das Joch des Kapitalismus nur abgeschüttelt und die Bourgeoisie nur gestürzt werden kann durch die bewaffnete revolutionäre Gewalt des Proletariats.

Diese Lehren des Marxismus-Leninismus, die durch den Sieg der russischen Oktoberrevolution bereits glänzend bestätigt wurden, hatten sich die Hamburger Arbeiter bewusst angeeignet und in die Tat umgesetzt.

Beim Hamburger Aufstand handelte es sich also um eine höhere Form des bewaffneten Aufstandes, weil er von der Kommunistischen Partei als Abteilung der Kommunistischen Internationale geführt wurde, die erst vier Jahre zuvor gegründet wurde. Und eben darin kommt der internationalistische Charakter des Hamburger Aufstands zum Ausdruck. Die Hamburger Arbeiter begriffen sich selber als Vorkämpfer nicht nur für die Befreiung ihrer Stadt, nicht nur als Stoßtrupp der deutschen proletarischen Revolution, sondern in erster Linie als Bannerträger der sozialistischen Revolution in der ganzen kapitalistischen Welt. Es waren schließlich die Hamburger Arbeiter selber, die von ihren Straßenbarrikaden aus das Proletariat zur Weltrevolution aufriefen ("Schiffbeker Aufruf" von Fiete Schulze).

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution war der Beginn der sozialistischen Weltrevolution, und in Hamburg wurde sie heldenhaft fortgesetzt.

Lenin und Stalin hatten erkannt, dass die revolutionäre Situation in Deutschland von entscheidender Bedeutung für den Sieg der Weltrevolution war, und dass dadurch letzten Endes auch der Sieg der Revolution in Russland gefestigt werden konnte. Deswegen unterstützten die Bolschewiki die Revolution in Deutschland mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Kräften, ohne dabei die größten Opfer zu scheuen. Obwohl das russische Proletariat damals selber hungerte, schickte es einen russischen Getreidedampfer in den Hamburger Hafen, um das Hamburger Proletariat vor dem Hungertod zu retten – wahrhaft proletarischer Internationalismus der Tat !



Das große Heldentum der Hamburger Arbeiter ist jetzt von der Komintern (SH) zum 90. Jahrestag in zahlreichen Schriften, Bildern und in einem Film ("Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse") dokumentiert worden. Wir sind stolz darauf, nunmehr das umfangreichste Online-Archiv der Welt über den Hamburger Aufstand präsentieren zu können. Unter den von uns veröffentlichten Schriften befinden sich auch solche, die in der DDR erschienen. Wir haben einige ausgewählt, in denen wertvolles historisches Material zum Studium enthalten ist. Natürlich gehen wir kritisch an diese Texte heran, denn wir wissen, dass die Revisionisten zwar in Worten den bewaffneten Kampf befürworten, aber ihn in Taten leugnen und verraten. So haben die modernen Revisionisten auch den Genossen Ernst Thälmann verraten !! Der Verrat der Rechten und Versöhnler in der KPD war ja auch mit ein wesentlicher Grund dafür, dass sich der Hamburger Aufstand nicht im ganzen Land ausbreiten konnte. Das deutsche Proletariat war bereit, in die Entscheidungsschlacht zu ziehen, aber die rechte Führung in der KPD, Brandler - Thalheimer und Co., fiel der Revolution in den Rücken.

Was das sozialfaschistische Regime in der DDR betrifft, so war die KPD/ML, die 1968 im Geiste Ernst Thälmanns und im Geiste des Hamburger Aufstandes ganz bewusst in Hamburg gegründet wurde, in der DDR verboten und zum "Staatsfeind Nr. 1" erklärt worden. Wir Genossinnen und Genossen von der KPD/ML wurden in der DDR genauso ins Gefängnis gesteckt wie die Oktoberkämpfer des Jahres 1923 in Hamburg. Das darf kein klassenbewusster Arbeiter vergessen !

Der Marxismus-Leninismus und die Geschichte der Arbeiterbewegung lehren uns daher, dass die Diktatur des Proletariats erst dann siegreich sein kann, wenn auch die Sozialfaschisten und ihr konterrevolutionärer Einfluss in den eigenen revolutionären Reihen vernichtend geschlagen worden sind.



Genossinnen und Genossen,

Für uns ist der Hamburger Aufstand nicht lebloser Gegenstand zur Aufarbeitung der Geschichte der kommunistischen Weltbewegung. Wir sind diejenigen, die das Banner des Hamburger Aufstands mutig verteidigen und vorantragen - und zwar im täglichen Kampf "Klasse gegen Klasse !"

Wir Genossinnen und Genossen der Komintern (SH) sind Kämpfer für den Weltkommunismus, wir sind vom Fleisch und Blut des Weltproletariats, wir sind sein Trupp und Vortrupp.

Wir sind es, die den heldenmütigen Kampf für die revolutionären Befreiung des Weltproletariats in vorderster Front heute weiter fortführen.

Die Komintern (SH) propagiert ja nicht nur die Weltrevolution. Wir sind vor Allem dazu da, die Weltrevolution praktisch zu organisieren und zu führen ! Schließlich ist die Weltrevolution heute bereits ein dringendes Problem geworden, das unbedingt, und so schnell wie möglich, praktisch gelöst werden muss und auch von uns erfolgreich gelöst werden wird !

Die deutsche Sektion der Komintern (SH) ist aus der KPD/ML des Genossen Ernst Aust hervorgegangen und hat die Nachfolge der großen deutschen Sektion der Komintern angetreten, die damals von Ernst Thälmann angeführt wurde.

Wir von der Komintern (SH) sind die Nachfolgeorganisation der ruhmreichen Komintern Lenins und Stalins !

Die Geschichte unserer Komintern (SH) ist nichts Anderes als die Fortsetzung der ruhmreichen Geschichte der Komintern Lenins und Stalins !

 

Was sagte Ernst Thälmann ganz richtig ?

 

"Jubiläen sind für die Kommunisten und den klassenbewussten Teil des Proletariats nicht leere Gedenktage, sondern Richtlinien für den Klassenkampf, Leitfaden für die Aktion. Gerade die politische Situation, in der wir heute stehen, fordert mit gebieterischem Zwang von uns, dass wir die geschichtliche Bedeutung und die Lehren des Hamburger Aufstandes vollkommen klar erkennen."


Vorwärts im Geiste Ernst Thälmanns !

Vorwärts im Geiste des Hamburger Aufstandes von 1923 !

 

 

 

 

 

 

 

Persönliche Anmerkung des Genossen Wolfgang Eggers

 

Liebe Genossinnen und Genossen !

Erlaubt mir, bei dieser Gelegenheit einige persönliche Bemerkungen machen zu dürfen.

Hamburg war für mich das "Tor zur Welt." Als Schiffsjunge bin ich schon mit 16 Jahren zur See gefahren und habe fremde Länder und Leute kennengelernt.

Hamburg ist nicht nur mein Geburtsort, sondern auch meine Lehrwerkstätte, in der ich zum Kommunisten herangebildet und erzogen wurde.

Seit 1969 kämpfe ich Tag für Tag für die sozialistische Weltrevolution. 1971 wurde ich Mitglied der KPD/ML. Meine Ausbildung als Kader erhielt ich in Hamburg-Bramfeld, in der Parteizelle des Genossen Ernst Aust, dem Gründer und Führer der KPD/ML. Auf Vorschlag von Ernst Aust wurde ich in führende Positionen der Partei und nach seinem Tod als Parteivorsitzender gewählt. Im Jahre 2000 gründete ich die Komintern (SH).

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Arbeitern und Genossinnen und Genossen bedanken, die dazu beigetragen haben, meinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, nämlich Berufsrevolutionär zu werden, um mich mein ganzes Leben lang voll und ganz in den Dienst der revolutionären Befreiung des Weltproletariats zu stellen.

Als Arbeiterkind wuchs ich 4 Jahre nach Kriegsende im östlichsten Arbeiterviertel Hamburgs auf – in Bergedorf. In Hamburg-Bergedorf ist eine Straße nach dem Genossen Ernst Henning benannt. Wer war Ernst Henning ? Er war Former in einer Hamburger Eisengießerei und ein herausragender proletarischer Kämpfer des Hamburger Oktoberaufstandes von 1923. Er war der Stellvertreter von Edgar André, dessen berühmter Name aus dem spanischen Bürgerkrieg bekannt ist. Edgar André war einer der engsten Kampfgefährten von Ernst Thälmann.

Als Mitglied des KPD – Bezirks Wasserkante (1926 - 1930) war Edgar Andrè einer der besten Gewerkschaftsführer in Hamburg. Später war er sogar leitender Funktionär in der internationalen Seeleute- und Hafenarbeiter-Gewerkschaft.

Edgar André war außerdem Mitbegründer und Leiter des Rotfrontkämpferbundes im Bezirk Wasserkante (1924 – 1929). (Die Schaffung von bewaffneten „proletarischen Hundertschaften“ war übrigens auf Initiative Stalins von der Komintern 1924 beschlossen worden - infolge der Erfahrungen des Hamburger Aufstands). Nach Hitlers Machtergreifung wurde Edgar André am 5. März 1933 verhaftet und am 10. Juli 1936 auf Befehl Hitlers zum Tode verurteilt. Am 4. November 1936 wurde Edgar André enthauptet – trotz internationaler Protestaktionen. Unmittelbar darauf wurde das erste Bataillon der Internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg nach seinem Namen benannt.

Er war seit 1927 KPD-Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft und außerdem einer der Führer des Rot-Front-Kämpferbundes der KPD. Am 14. März 1931 wurde Ernst Henning von den Nazis auf offener Straße erschossen.

Etwa 100m entfernt von der Ernst-Henning-Straße wurde ich am 6. Juli 1949 geboren. Dort befindet sich auch die "Ernst-Henning-Schule", die ich einst besuchte.

In Hamburg-Bergedorf fanden am 23. Oktober 1923 Demonstrationen und Betriebsbesetzungen statt. Die anrückende bewaffnete Konterrevolution musste sich nicht nur wieder zurückziehen, sondern wurde ihrerseits von den Aufständischen belagert. Ein Jungarbeiter (Genosse Jungnickel) wurde von der Polizei erschlagen.

Wolfgang Eggers

 

 

 

 

Broschüre der KPD/ML aus dem Jahre 1973

 

50 Jahre

Hamburger Aufstand

Teil 1

Teil 2

Teil 3

 

1923 - 1973

Zum 50. Jahrestag des

Hamburger Aufstands

Hamburg 1973

Rede des Genossen Ernst Aust

vom 23. Oktober 1973

 

 

 

22. 10. 1978

Der Hamburger Aufstand

- eine Quelle des Ansporns für das deutsche Proletariat in heftigen Klassenschlachten

 

 

 

 

Aufruf an die Bevölkerung von Schiffbek

23. Oktober 1923

 

"An die Bevölkerung des Amtsbezirkes Schiffbek.


In ganz Deutschland ist die Arbeiterschaft in den Kampf um
die Macht eingetreten. In großen Teilen Deutschlands ist die
Macht in den Händen der Arbeiter. Auch in Schiffbek befindet
sich die Macht in den Händen der Arbeiterschaft. Ein provisorischer Aktionsausschuß ist am Ort gebildet, dem die Vollstreckungsgewalt übertragen ist. Es ergeht an die Bevölkerung die dringende Mahnung, jegliche Plünderung zu verhindem und zu unterlassen, da sich der Vollzugsausschuß gezwungen sieht, Plünderungen mit der Todesstrafe zu ahnden. Der Vollzugsrat wird die Versorgung der werktätigen Bevölkerung mit allen Mitteln sicherstellen.
Um weitere Zwischenfälle zu vermeiden, fordert der Vollzugsrat alle diejenigen, welche im Besitze von Schuß-, Stoß- und Hiebwaffen und Munition sind, auf, sich bis heute abend
5 Uhr bei dem Vollzugsausschuß unter Angabe der Zahl und
Art der Waffen zu melden. Nichtbefolgung dieser Anordnung
zieht schwere Strafen nach sich.


Arbeitsbrüder!

Der Sieg ist unser!

 

Nun gilt es, das Errungene zu verteidigen und auszubauen. Darum fordert der Vollzugsausschuß die wehrfähigen Arbeiter auf, sich für den proletarischen Selbstschutz bis heute nachmittag 4 Uhr in der Wache, Hamburgerstraße 23, zu melden.


Arbeiter und Arbeiterinnen!

Schließt Euch zusammen zum Schutze des Arbeiterstaates Deutschland.

Es lebe Sowjetdeutschland!
Es lebe das Bündnis der Sowjetstaaten der Welt!
Es lebe die Weltrevolution!

 

Schiffbek, den 23. Oktober 1923.
Der provisorische Vollzugsausschuß "

 

 

 

 

 

 

DER AUFSTAND IN HAMBURG

 

Auszug aus: "Der bewaffnete Aufstand"

 

- illegales Schulungsmaterial

der militärischen Abteilung in der Komintern.

Dieses Buch erschien nie offiziell, sondern wurde illegal verbreitet, mit einem frei erfundenen Autoren-Namen - nämlich "A. Neuberg"

1928

 

TEIL 1

TEIL 2

 

 

 

 

 

 

 

 

historische Dokumente des

Hamburger Aufstands

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Geschichte des

Hamburger Aufstandes - 1923

Heinz Habedank (1958)

 

Kapitel 1:

Teil 1

Teil 2

Kapitel 2:

TEIL 1

TEIL 2

Kapitel 3:

Teil 1

Teil 2

Kapitel 4:

Teil 1

Teil 2

Kapitel 5:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Kapitel 6

Kapitel 7

Schlusswort

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der heldenhafte Aufstand des Hamburger Proletariats

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Hamburger Aufstand 1923

aus: "Bewaffnete Kämpfe in Deutschland"

1918 - 1923

 

TEIL 1

TEIL 2

 

 

 

 

 

 

 

 

Gedicht zum

Hamburger Aufstand

von Konrad Klinger

20. 11. 2013

 

Von schwarzer Reichswehr, reaktionäre Freikorpssoldaten und gekauften Söldnern eingesperrt und streng bewacht !
Die ganze Hafenstadt  zum Ausnahmezustand und  Ghetto gemacht !
Auf die ganze Stadt konzentriert !
Tag und Nacht observiert !

Hamburger Aufstand, wir setzen uns zur Wehr !
Kampf der Unterdrückten, gegen das braune Heer !
Es fliegen wieder Steine, es fliegen immer mehr !
Es knallen die Kanonen, es hagelt Blei immer mehr !
Hamburger Aufstand , wir setzen uns zur Wehr !

Hinter Zaun und Stacheldraht !
Sind Tausend Proleten, Hafenarbeiter und Bauern zusammengeschart !
Bis es knallt, bis es fetzt !
Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker  wehrt euch jetzt !

Hamburger Aufstand, wir setzen uns zur Wehr !
Kampf der Unterdrückten, gegen das braune Heer !
Es fliegen wieder Steine, es fliegen immer mehr !
Es knallen die Kanonen, es hagelt Blei immer mehr !
Hamburger Aufstand , wir setzen uns zur Wehr !

Von schwarzer Reichswehr, reaktionäre Freikorpssoldaten und gekauften Söldnern eingesperrt und streng bewacht !
Die ganze Hafenstadt  zum Ausnahmezustand und  Ghetto gemacht !
Auf die ganze Stadt konzentriert !
Tag und Nacht observiert !

Hinter Zaun und Stacheldraht !
Sind Tausend Proleten, Hafenarbeiter, Kieler Matrosen  und Bauern zusammengeschart !
Bis es knallt, bis es fetzt !
Proletarier aller Länder und unterdrückte Völker  wehrt euch jetzt

Hamburger Aufstand, wir setzen uns zur Wehr !
Kampf der Unterdrückten, gegen das braune Heer !
Es fliegen wieder Steine, es fliegen immer mehr !
Es knallen die Kanonen, es hagelt Blei immer mehr !
Hamburger Aufstand , wir setzen uns zur Wehr !

 

 

 

 

 

 

 

Hamburg auf den Barrikaden

Erlebtes und Erhörtes aus dem Hamburger Aufstand

 

Larissa Reissner

 

TEIL 1

TEIL 2

TEIL 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ernst Thälmann

- Führer des Hamburger Aufstandes -

 

Auszug aus der Biographie "Ernst Thälmann"

Dietz Verlag Berlin 1980

 

Herbst 1923:

Die nach-revolutionäre Krise treibt ihrem Höhepunkt entgegen. Die soziale Verelendung der Arbeiterklasse im Gefolge des Krieges, des Versailler Vertrages und der inflationistischen Politik der deutschen Nachkriegsregierungen ist ins Unerträgliche gestiegen (GET). Ende September verhängt
Reichspräsident Friedrich Ebert den Ausnahmezustand über das Reich, und die Großkonzerne beginnen mit einem umfassenden Angriff auf den Achtstundentag.
Mitte Oktober werden in Sachsen und Thüringen Arbeiterregierungen aus linken Sozialdemokraten und Kommunisten gebildet. Angesichts der Bürgerkriegsvorbereitungen von Regierung und Reichswehr gegen die Arbeiterregierungen in Mitteldeutschland beschließt die KPD-Zentrale am 20. Oktober, den Generalstreik einzuleiten, der zum bewaffneten Aufstand und zur
Errichtung einer Arbeiter- und Bauernregierung für das gesamte Reich führen soll.


21. Oktober 1923:

Die Reichswehr marschiert in Sachsen ein. Auf der in Chemnitz
tagenden Konferenz der sächsischen Regierung mit Vertretern der Betriebsräte und Gewerkschaften kann der Aufruf zum Generalstreik und zum Kampf um die Arbeiter- und Bauernregierung nicht durchgesetzt werden.
Die Zentrale der KPD hebt daraufhin ihren Beschluß vom 20. Oktober auf.
Verlauf und Ergebnisse der Chemnitzer Konferenz werden in Hamburg nicht mehr bekannt.


22. Oktober 1923:

Der Hamburger Hafen liegt still, die meisten Werften sowie
die Hafen-, Bau- und Holzarbeiter sind in den Streik getreten. In vielen Hamburger Werften und Betrieben gibt es Aktionsausschüsse aus kommunistischen,
sozialdemokratischen und parteilosen Arbeitern, deren Bewegung sich verstärkt, als bekannt wird, daß die in Hamburg stationierten Reichswehreinheiten sich gegen die rechtmäßigen Arbeiterregierungen in Sachsen und Thüringen in Marsch setzen sollen. Die KPD Hamburg ist zu diesem Zeitpunkt auf 18000 Mitglieder angewachsen.
Nach mehreren vorbereitenden Zusammenkünften spricht Thälmann im Lokal von Ouindel am Grünerdeich mit den Distriktsleitern der KPD und Funktionären des Ordnerdienstes (0D) von Hammerbrook, Rothenburgsort, Veddel u. a. Stadtteilen zur Hamburger Aktion am 23. Oktober, die das Signal zur Erhebung im gesamten Reich sein soll.


23. - 25. Oktober 1923:

Bewaffneter Aufstand in Hamburg (GET). Am frühen Morgen des 23. Oktober treten die Gruppen des Ordnerdienstes in den Arbeitervierteln zum Überraschungsangriff auf 26 Polizeiwachen an; bei 17 Wachen gelingt es, sich Waffen zu beschaffen. Der bewaffnete Kampf konzentriert sich vor allem auf den Stadtteil Barmbek, wo Thälmann die Aktion leitet (an anderen Schwerpunkten: Philipp Dengel, Fiete Schulze, Gustav
Gundelach u. a.). Am ersten Tag des Aufstandes führt Thälmann in einer Wohnung am Holsteinischen Kamp eine Lagebesprechung durch.
Die Kampfgruppen, die eine elastische Taktik entwickeln, binden mit geringen eigenen Kräften die zahlenmäßig überlegenen, gut ausgerüsteten Polizeiverbände.
Infolge der noch ungenügenden Organisierung der Kommunisten
in den Betrieben gelingt es jedoch nicht, eine breite Streik- und Einheitsfrontbewegung zu entwickeln. Als sich klar abzeichnet, daß ein Generalstreik aufgrund des Einflusses der rechten SPD-Führer nicht zustande kommt und der Aufstand im Reich keine Unterstützung findet, treten die Kampfgruppen am 25. Oktober den geordneten Rückzug an.


26. Oktober 1923:

Auf einer illegalen Zusammenkunft im Lokal Meier am Heldberg
in Hamburg-Winterhude führt Thälmann die erste Aussprache über den Ausgang des Aufstandes und die nächsten Aufgaben der Partei durch. Er veranlaßt u. a., daß die Arbeiter, die an der Erhebung teilgenommen haben, in Sicherheit gebracht werden. Thälmann hält sich in Hammerbrook verborgen und danach in Hoisbüttel beim Bauern Meins. Er hat während dieser Zeit
immer Verbindung zu seiner Partei und hält sich mehrmals in Hamburg auf illegalen Arbeiterversammlungen auf.


9. November 1923:

Unter der' Bedrohung eines großen Aufgebots von Überfallkommandos, Kriminalbeamten und Spitzeln der Hamburger Polizei findet auf dem Ohlsdorfer Friedhof eine Kundgebung für die im Oktober gefallenen Arbeiter und Arbeiterinnen statt. Plötzlich taucht Thälmann auf und hält die
Gedenkansprache. Der KPD-Ordnerdienst verhindert, daß Thälmanns Rede gestört wird und daß die Polizei ihn festnehmen kann.
In München scheitert am gleichen Tag der von Hitler und Ludendorff angeführte faschistische Putsch.


23. November 1923:

Verbot der KPD durch den Chef der Heeresleitung, General
Hans von Seeckt, den Reichspräsident Ebert am 8. November mit der vollziehenden Gewalt betraut hat. Gegen Thälmann u. a. KPD-Führer wird Haftbefehl erlassen.

 

Eine Reihe von Strafverfahren wurden gegen 1434 Personen eröffnet.
Gefällte Urteile: 192 Freisprüche, 2 Todesstrafen, 317 Zeitstrafen mit insgesamt 413 Jahren und 8 Monaten sowie 19 Geldstrafen.

FILM

"Ernst Thälmann - Sohn seiner Klasse"

( u. a. : Hamburger Aufstand)

 

"Das große Resultat des Hamburger Aufstandes ist, dass die Arbeiter den scheinbar unbesiegbaren Klassenfeind 3x - 24 Stunden lang in seiner ganzen Schwäche gesehen haben.

In den Hamburger Tagen haben die Arbeiter die Bourgeoisie am Rande des Abgrunds gesehen.

Und sie werden diesen Anblick niemals vergessen !

Wir gehen nicht einer Versumpfung, sondern neuen Kämpfen, wir gehen mit eherner Notwendigkeit in Deutschland der zweiten Revolution entgegen.

Darum gehört der Hamburger Aufstand nicht der 'Geschichte' an, sondern ist eine Probe für die Zukunft."

ERNST THÄLMANN

"TEDDY" 1923

Diesen Namen,

"Teddy",

gaben ihm die Hamburger Oktoberkämpfer.

1923 war Ernst Thälmann Vorsitzender der KPD Hamburg und stellvertretender Vorsitzender des Bezirks Wasserkante.

 

Ernst Thälmann

Die Lehren des Hamburger Aufstandes

23. Oktober 1925

 

 

VORWÄRTS IM GEISTE DES OKTOBER 1923 !

ERSTVERÖFFENTLICHUNG DER

KOMINTERN (SH)

aus Anlass des 90. Jahrestages des Hamburger Aufstandes (2013)

 

Dieser Artikel von Ernst Thälmann erschien

am 22. Oktober 1927

auf der Titelseite der

"Hamburger Volkszeitung"

 

 

 

(Organ der KPD für den Bezirk Wasserkante)

 

Dieser Artikel ist NICHT in den von den Revisionisten herausgegebenen "Ausgewählten Werken" enthalten und somit von großer revolutionärer Bedeutung - ein Schlag ins Gesicht des Sozialfaschismus !

 

"Es war nicht die militärische Übermacht, es war nicht der sozialdemokratische Verrat, der die Hamburger Oktoberkämpfe auf die Knie zwang, aus eigenem Entschluss, aus der Erkenntnis, dass der revolutionäre Kampf gegen die Unterdrücker nur um Reichsmaßstabe hätte erfolgreich zu Ende geführt werden können, wurde der Kampf, ohne große Opfer auf seinem Höhepunkte

a b g e b r o c h e n ."

"Die Formierung der revolutionären Kampfesfront gegen den Imperialismus, gegen den Bürgerblock ist nur möglich, wenn wir in unermüdlicher, hartnäckiger Tagesarbeit uns als Führer der Arbeiterschaft in allen Tagesfragen - und Kämpfen bewähren.

Das ist die Voraussetzung dafür, dass wir als die einzige revolutionäre Arbeiterpartei das Vertrauen auch d e r Arbeiter gewinnen, die heute noch im Lager des Feindes der Revolution stehen.

Führen wir diese Arbeit durch, dann werden wir die Kraft der deutschen Kapitalisten und ihrer Lakaien brechen, dann wird bei einem revolutionären Aufstieg die Partei ihrer historischen Aufgabe, Sturz des Kapitalismus und der Errichtung der Diktatur des Proletariats - besser als im Oktober 1923, im Geiste der heldenhaften Hamburger Oktoberkämpfer - gerecht werden."

 

 

Ernst Thälmann (22. Oktober 1927)

 

 

 

Im Sommer 1929 hielt Ernst Thälmann eine Rede in Leningrad

 

1921 nahm Ernst Thälmann erstmals als Delegierter an einem Weltkongress der Kommunistischen Internationale teil. Auf dem III. Weltkongress der KI in Moskau lernte er Wladimir Iljitsch Uljanow kennen.

1926 wurde Ernst Thälmann in Moskau zum stellvertretenden Vorsitzenden des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI) gewählt.

Als Vorsitzender der stärksten Sektion der Komintern außerhalb der Sowjetunion wurde Ernst Thälmann zu einem der großen stalinistischen Führer des Weltproletariats.

Verraten von den Rechten und Versöhnlern in der Komintern und der KPD, verteidigt von Stalin.

Am 18. August 1944 im Alter von 58 Jahren

im KZ Buchenwald erschossen von der SS.

 

Die Lehren der deutschen Ereignisse

 

Das Präsidium des Exekutivkomitees
der Kommunistischen Internationale
zur deutschen Frage / Januar 1924

 

 

* * *

 

Artikel der deutschen Sektion vom 10. 11. 2018

erschienen im Zentralorgan "Weltrevolution"

Der Hamburger Aufstand 1923

Aufruf 95 Jahre Hamburger Aufstand

in Karl-Marx--Stadt

15:00 bis 19:00, Karl-Marx-Kopf

 

 

"Der Hamburger Aufstand gehört nicht ‘der Geschichte an’, sondern er ist eine Probe für die Zukunft"

(Ernst Thälmann)

 

Der Hamburger Aufstand 1923


Vor genau 95 Jahren, im Oktober 1923, kämpften in Hamburg die Arbeiter - angeleitet und unterstützt von den Mitgliedern und Sympathisanten der KPD - mit dem Gewehr in der Hand gegen das weltkapitalistische System, für die Ziele des unverfälschten Weltsozialismus. Der Hamburger Aufstand war ein Barrikadenkampf, er war ein bewaffneter Aufstand und auch ein geplanter Rückzug. Die Arbeiter haben mit diesem Kampf den praktischen Beweis geliefert, dass und wie ein bewaffneter Aufstand in einem hochindustrialisierten Land durchgeführt werden kann. Der Hamburger Aufstand, der lokal und zeitlich begrenzt blieb und nicht zum Signal für den bewaffneten Aufstand in anderen Teilen des Deutschen Reichs wurde, führte nicht zum Sieg der proletarischen Revolution in der Weimarer Republik. Dennoch ist das Studium all der Umstände, die ihn auslösten, seiner Vorgeschichte und seiner Wesensmerkmale eine unerlässliche Aufgabe, die sich all jenen Kräfte stellt, die es wirklich ernst meinen mit dem Kampf gegen dieses imperialistische Weltsystem. Denn unter diesem Blickwinkel ist der Hamburger Aufstand, wie Genosse Thälmann sagte, "eine Probe für die Zukunft".


Der Verlauf des Hamburger Aufstandes

Am Morgen des 23. Oktober 1923 trafen sich nach ausgearbeitetem Plan die Arbeiter unter Führung der KPD und stürmten als erstes die Knüppelkundenwachen in den hauptsächlich von Arbeiterfamilien bewohnten Vororten und Stadtvierteln. Das Ziel: handstreichartig die Losung "Entwaffnung der Polizei, Bewaffnung der Arbeiter!" in die Tat umzusetzen und natürlich die Arbeiterabteilungen mit genügend Waffen und Munition zu versorgen. Als nach der Erstürmung der Polizeiwachen die ersten Knüppelkundentruppen zur Verstärkung eintrafen, waren die Kampfbezirke schon in Festungen verwandelt. Ein weitverzweigtes Barrikadennetz wurde von den Arbeitern errichtet. Im Unterschied zu früheren Straßenkämpfen dienten diesmal die Barrikaden nicht so sehr als direkter Schutz der Aufständischen, sondern vielmehr als Sperre und Hindernis für die imperialistischen Konterrevolutionäre. Auf den Hausdächern standen Beobachtungsposten der Aufständischen, Fenster und Balkone wurden als Schießscharten benutzt. Mehr als einmal fanden die Aufstandsbekämpfungstruppen beim Sturm auf die Barrikaden keine Menschenseele dahinter, und ehe sie sich umsahen, waren sie selbst eingekesselt und unter Beschuss. Während des drei Tage dauernden Hamburger Aufstands gelang es einer relativ geringen Anzahl von 300 bewaffneten Arbeitern, sich unter Anleitung der revolutionären KPD und mit praktischer Unterstützung mehrerer Tausend Anwohner gegen die zwanzigfache Übermacht einer bestens ausgerüsteten Knüppelkunden und Rattensöldner-Armee zu behaupten. Der weitere Plan sah eigentlich vor, dass sich die bewaffneten Arbeiter ins Stadtzentrum bewegten und alle wichtigen Post- und Telegrafenämter, die größten Bahnhöfe und den Flugplatz besetzten. Außerdem sollten die Verkehrsverbindungen der Stadt unterbrochen werden, damit die Konterrevolution keine Verstärkung erhielt. Doch infolge der - aus einer Reihe von Gründen - ausbleibenden Unterstützung der Hamburger Oktoberkämpfe musste der Aufstand vorzeitig abgebrochen und der Rückzug gemacht werden. Gerade die genaue Einplanung und Durchführung des Rückzugs, nachdem am Abend des 24. Oktober der Abbruch des Aufstands beschlossen worden war, gehört zu den Besonderheiten des Hamburger Aufstandes: die Aufständischen hatten nur ein Minimum an Verlusten zu beklagen, die verwundeten Arbeiter wurden in sichere Unterkünfte gebracht, die erbeuteten Waffen gerettet und versteckt. Die aufständischen Arbeiter hatten fürs Erste zwar eine Niederlage erlitten, rüsteten sich aber gleichzeitig schon für die nächste Schlacht. Dass es der Konterrevolution trotz dieses vorbildlichen Rückzugsplans einige Monate nach dem Aufstand doch noch gelang, zahlreiche Arbeiter zu verhaften, lag daran, dass viele der am Aufstand Beteiligten anfangs zwar untertauchten, aber nicht endgültig von der Kommunistischen Partei in den illegalen Status überführt wurden. Bei dem Versuch, in das "normale Leben", in die alten Wohnungen und an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren, kam es zu Massenverhaftungen.

 

Zur Vorgeschichte des Hamburger Aufstandes

Der Sieg der sozialistischen Oktoberrevolution 1917 im Russischen Reich hatte der weltweite Konterrevolution einen entscheidenden Schlag versetzt,. In allen Ländern gärte es, verschärfte sich der Klassenkampf. Im Deutschen Reich hatte sich nach der Novemberrevolution 1918 die Lage so zugespitzt, dass einerseits die herrschende Klasse nicht mehr konnte wie bisher und andererseits die unterdrückten Massen, vor allem die Arbeiterklasse, nicht mehr wollten wie bisher. Ausdruck davon war nicht nur eine ununterbrochene Kette von Streiks und Rebellionen. Kundgebungen, Proteste und auch Hungerrevolten waren an der Tagesordnung. Und es gab dadurch, dass im Verlaufe der Novemberrevolution Waffen erbeutet werden konnten und bewaffnete Teile der Armee zu den Arbeitern und Bauern übergelaufen waren, auch regelrechte bewaffnete Kämpfe. Genannt seien zum Beispiel:

* April/Mai 1919: Weltrevolutionäre Arbeiter, Bauern und Soldaten bilden eine Rote Armee zur Niederschlagung der Konterrevolution gegen die Bayrische Räteregierung

* März 1920: Nach dem Kapp-Putsch kommt es zu Massenkundgebungen, Protestveranstaltungen und Generalstreiks. Im ganzen Land kämpfen bewaffnete Arbeiter und Bauern nicht nur gegen die "Kapp-Putschisten", sondern auch gegen die sie unterstützende Rattensöldner-Armee und Knüppelkunden. Allein die Rote Ruhrarmee besteht aus 100.000 Kämpfern

* März 1921: Im Leuna-Werk, den Mansfelder Kupferschieferminen und den Braunkohlebergwerken der Region kämpfen an die hundertausend Teilzeit-Bauern und Arbeiter gegen die angreifenden Bullentruppen. In der ganzen Region flammen bewaffnete Kämpfe auf. Eine Woche lang halten sich die Arbeiter des Leuna-Werks mit Gewehren, Sprengstoff und selbstgebauten Handgranaten gegen die Belagerung der Knüppelkunden.

Aufgrund der vorangegangenen Klassenkämpfe, der ungeheuren Verschärfung der wirtschaftlichen Not sowie der anhaltenden Instabilität, durch die sich die verbonzten Parteien der herrschenden Klasse auszeichneten, ergab sich im Oktober 1923 in dieser Periode der Klassenkämpfe sozusagen eine letzte Möglichkeit, die eigene Klasse und die herrschende Klasse auf die Probe zu stellen, bevor die Weltbourgeoisie wieder in der Lage sein würde, ihre Herrschaft zeitweilig zu stabilisieren. Die erst vier Jahre zuvor gegründete Kommunistische Partei, die KPD, ergriff diese Möglichkeit und wagte den Versuch eines bewaffneten Aufstandes, auch wenn der Sieg nicht hundertprozentig sicher und sie sich des Risikos, das dieser Versuch fehlschlagen, der Aufstand niedergeschlagen werden könnte, vollkommen bewusst war.


Die Lehren des Hamburger Aufstandes

Und in der Tat, der Hamburger Aufstand musste abgebrochen werden, die KPD erlitt eine Niederlage. Eine Reihe von Faktoren spielten dabei eine Rolle; vor allem die falsche Taktik eines gewichtigen Teils der KPD, etwa der in die sächsische Regierung eingetretenen Kommunisten, die den eigentlichen Zweck dieses Eintritts, nämlich die Organisierung der Weltrevolution, aus den Augen verloren hatten. Nun gab es zwei Herangehensweisen: Wie einst Plechanow nach der Niederlage der russischen Revolution 1905 jammerten auch die Opportunisten und Revis nach dem verlorenen Aufstand 1923: „Man hätte nicht zu den Waffen greifen sollen“.

Die im Laufe der Hamburger Oktoberkämpfe tatsächlich begangenen Fehler wurden vermischt mit angeblichen Fehlern, Lügen und Erfindungen, um so den „Beweis“ zu präsentieren, daß Ernst Thälmam ein "Wahnsinniger", ein "Linksseitiger", ein "Anarchist" sei. Ganz anders dagegen war die Haltung des Vorsitzenden Ernst Thälmann und der KPD, die den Hamburger Aufstand im Kampf gegen die Opportunisten und Revisionisten vom Schlage Brandler, Thalheimer, Pieck und Ulbricht und Co in den eigenen Reihen einer genauen Analyse unterzog. Sie untersuchte die Zeitspanne während des Aufstands und danach, die Fehler innerhalb der Partei, die Fehler in bezug auf die Mobilisierung von Reserven und die eingeschlagene Taktik und bereitete sich hartnäckig und konsequent auf einen neuen Turnus von weltrevolutionären Kämpfen vor. Ernst Thälmann analysierte die Lehren, die Erfolge und Fehler des Hamburger Aufstands folgendermaßen :

l "Der Aufstand führte zur Niederlage, weil er isoliert blieb, weil er nicht in Sachsen und im ganzen Reiche sofort unterstützt wurde... Gerade darin, in der Organisierung und Zusammenfassung der gesamten Arbeiterklasse in allen Industriezentren und Großstädten, im ganzen Lande besteht die Rolle der Kommunistischen Partei als Vortrupp des Proletariats...

l Es ist nicht wahr, daß der Hamburger Aufstand ein Putsch war, sondern er wurde von der Sympathie der breitesten Massen getragen... Unsere Schwäche bestand nur darin, daß wir nicht verstanden, diese Massen fest um uns zu scharen, sie rechtzeitig in allen Teilkämpfen zu uns herüberzuziehen, mit ihnen die Einheitsfront gegen die sozialdemokratischen Führer zu schließen.

l Als besonderer Mangel wurde in den Hamburger Oktobertagen das Fehlen einer starken Rätebewegung empfunden... Die Räte sind die Organe, die in einer revolutionären Situation die Millionenmassen des Proletariats zusammenfassen, die das Rückgrat des Kampfes bilden...

l Die Machtergreifung des Prolerariats ist kein einmaliger Akt. Sie besteht nicht nur in einem militärischen Kampf gegen die Truppen der Bourgeoisie, sondern sie muß durch jahrelange ausdauernde Arbeit der Kommunistischen Partei und des ganzen Proletariats vorbereitet werden...

l Es ist falsch, daß durch die Oktoberniederlage von 1923 eine einzigartige revolutionäre Situation ein für allemal "verpaßt" wurde... Das große Resultat des Hamburger Aufstands ist, daß die Arbeiter den scheinbar unbesiegbaren Klassenfeind dreimal vierundzwanzig Stunden lang in seiner ganzen Schwäche gesehen haben... Und sie werden diesen Anblick niemals vergessen!... Wir gehen nicht einer Versumpfung, sondern neuen Kämpfen ... entgegen. Darum gehört der Hamburger Aufstand nicht ‘der Geschichte’ an, sondern er ist eine Probe auf die Zukunft.

l Der Hamburger Aufstand war ein Musterbeispiel für die glänzende, reibungslos arbeitende Organisation des revolutionären Kampfes. Aber er offenbarte zugleich den größten organisatorischen Fehler unserer Partei. Die Hamburger Kämpfer besaßen die volle Sympathie der Arbeiter in den Betrieben, aber sie hatten organisatorisch keine Verbindung mit ihnen... Die schwerste Lücke in der Hamburger Kampffront war das Fehlen kommunistischer Betriebszellen...

l Die Kommunisten waren nicht in Worten, sondern in der Tat der Vortrupp, die Führung, der Wegweiser der Arbeiterklasse. Sie gaben der Bewegung ein klar umrissenes Ziel, ein genau formuliertes Programm: die Diktatur des Proletariats... "

l "Die Führung unserer Partei versagte in der entscheidenden Stunde..." Das Ziel "der Organisierung der Revolution, der Bewegung der Massen, der Aufnahme des Kampfes in ganz Deutschland ... verlor die damalige Leitung unserer Partei aus den Augen. Unsere Führer benutzten ihre Stellung in der sächsischen Regierung nicht zur Entfesselung, sondern zur Vermeidung des Kampfes. Koalitionspolitik war es nicht, daß sie in die sächsische Regierung eintraten, sondern daß sie sich in dieser Regierung übertölpeln und führen ließen, anstatt die Arbeitermassen in den Kampf gegen die Reichsregierung zu führen.

Sie vergaßen, daß die Bewegung in ‘eine höhere Kampfform’ übergehen mußte. Sie beschränkten sich auf den ‘engen Rahmen’, ja sie versuchten sogar, den engen Rahmen der wirtschaftlichen und politischen Teilkämpfe noch ‘enger’ zu spannen. Sie gaben den Auftrag, bestehende Streikbewegungen abzubrechen, da ‘der entscheidende Kampf bevorstehe’. Unsere Partei als Ganzes war noch viel zu unreif, um diese Fehler der Führung zu verhindern. So scheiterte im Herbst 1923 die Revolution am Fehlen einer ihrer wichtigsten Voraussetzungen: dem Bestehen einer bolschewistischen Partei."

(Ernst Thälmann, "Die Lehren des Hamburger Aufstandes", 1925, als Nachdruck herausgegeben von Komintern(SH))

* * *

"In Hamburg begann der Aufstand aus bestimmten Erwägungen mit der Überrumpelung der Polizeiwachen am Dienstag, dem 23. Oktober, zwischen 5 und 6 Uhr morgens. Die Arbeiterschaft war völlig unzulänglich bewaffnet, und sie drängte selbst danach, sich die fehlenden Waffen zu holen, wo sie zu finden waren. So brachte der Sturm auf die Wachen auch beträchtliche Mengen von Munition in die Hände der Arbeiter, die sofort verteilt wurden, wodurch neue bewaffnete Gruppen entstanden.

Die Überrumpelung der Wachen war wie ein elektrischer Schlag für die Hamburger Bourgeoisie. Die von auswärts kommenden Arbeiter erfuhren auf ihrem Wege zum Betrieb die Ereignisse. Die Arbeiter, die in den Vierteln der Wachen wohnten, gingen gar nicht erst zur Arbeit. Die Revolution ist da! - Das war der freudige oder erschreckte Ausruf des proletarischen und bürgerlichen Hamburgs in den Morgenstunden...

Teilweise belagerte die Arbeiterschaft die Sipo in ihren Wachen und hielt sie durch Scharfschützen in Schach. Das war der Fall in dem Arbeitervorort Barmbeck. Am ersten Kampftag war dort die Sipo bis in die späten Nachmittagsstunden von den schwach bewaffneten Arbeitern eingekettet.

Barmbeck mit seinem heldenhaften Proletariat wurde so der Hauptkampfplatz, hier hatten sich die Arbeiter verschanzt. Unzählige Barrikaden wurden aus der Erde gestampft. Alles half mit am Bau der proletarischen Verteidigungsstellungen. Straßen waren quer aufgerissen, dicke Bäume auf beiden Seiten gefällt und mit Stacheldraht umwickelt, Asphaltplatten losgemeißelt und als Brustwehren in den Schützengräben verwandt. Lebensmittel und Zigaretten wurden von sympathisierenden Kleinbürgern verteilt, proletarische Frauen kochten im Verlauf der Kämpfe dicke Suppe und Kaffee, Kuriere kamen und brachten Munition...

Trotzdem eigentlich die Sipo nach dem Sturm auf die Wachen der Angreifer war, befand sie sich vom ersten Augenblick an in der Verteidigung gegen diejenigen, die sie angreifen sollte und die nur wenig Munition besaßen. Was war die Ursache? Die Überlegenheit der Arbeiter im Straßenkampf! Es waren ja nicht nur die Barrikaden, hinter denen die Arbeiter lagen, jedes Haus, jeder tiefe Durchgang nach den Hinterhäusern der proletarischen Wohnhöllen war das Versteck bewaffneter Arbeiter. Sie wechselten bei ihrer Kenntnis der Häuserblocks unsichtbar ihre Stellungen und waren für die Sipo nirgends und doch überall..."

(Aus einem Bericht der kommunistischen "Hamburger Volkszeitung", zitiert nach: "Ernst Thälmann - Bilder, Dokumente, Texte", Röderberg-Verlag Frankfurt/M. 1986, S. 87 f.)


Der Hamburger Aufstand und die notwendige Analyse der KPD von 1918 bis 1933

Wir sind ganz entschieden der Meinung, dass der Hamburger Aufstand als wichtige Lehre für die marxistisch-leninistischen Arbeiterweltbewegung insbesondere der hochindustrialisierten Staaten unbedingt solidarisch verteidigt werden muss.

Der Hamburger Aufstand wirft dennoch viele Fragen auf - vor allem nach dem Zustand der KPD und seines ZK, das 1923 gerade wegen solchen Revis wie Brandler, Thalheimer, Ulbricht und Pieck nicht in der Lage war, klare revolutionäre Beschlüsse zu fassen und durchzusetzen. Die sozialfaschistische Geschichtsschreibung der SED klärt hier nichts, sondern verschleiert vielmehr die gesamte Problematik. Es ist unsere Aufgabe, gründlich, Schritt für Schritt , im Zusammenhang auch mit den Analysen der Kommunistischen Internationale, diese Fragen anhand der vorhandenen Dokumente zu analysieren. Wir werden dies von weltrevolutionären und solidarischen Grundpositionen aus anpacken, so wie die gesamte Geschichte der weltrevolutionären KPD kritisch und solidarisch analysiert werden muss.

Denn auch bei der weiteren Entwicklung der KPD, zwischen 1923 und 1933, bleibt die Frage unerbittlich stehen, warum es der KPD nicht gelang, eine Mehrheit der Arbeiterklasse und Bauern - wenn schon nicht für die sozialistische Weltrevolution, ja noch nicht mal für die  proletarische Revolution - wenigstens für einen bewaffneten Abwehrkampf gegen die Nazifaschisten zu mobilisieren.

Die Lehren des bewaffneten Kampfes beim Hamburger Aufstand zu analysieren heißt aber auch, diese Erfahrungen einzuordnen in die gesamten Erfahrungen des bewaffneten Kampfes dieser Zeitspanne des weltrevolutionären Kampfes.

Die Bauern und Arbeiter Wiens kämpften 1934 bewaffnet gegen den Austrofaschismus, die Völker Spaniens führten einen bewaffneten Kampf gegen den Francofaschismus und die Truppen Nazideutschlands und Mussolinis. Im Zusammenhang mit dem bewaffneten Kampf gegen den Nazifaschismus haben die heldenhaften weltbolschewistischen Partisanen und Kämpfer in Frankreich, Italien, Belgien, in den Niederlanden, in der Tschechoslowakei und anderen hochindustrialisierten Ländern viele wertvolle Erfahrungen im Guerillakampf, im Partisanenkampf und im bewaffneten Barrikadenkampf gegen einen hochgerüsteten Gegner gesammelt.

Nur die Analyse all dieser bewaffneten Kämpfe - einschließlich des Hamburger Aufstands 1923 - kann die Vorraussetzung sein dafür, unter genauster Berücksichtigung der heutigen Bedingungen die Lehren für kommende Schlachten zu ziehen.


Gedicht :

Von schwarzer Reichswehr, reaktionäre Freikorpssoldaten und gekauften Söldnern eingesperrt und streng bewacht !
Die ganze Hafenstadt  zum Ausnahmezustand und  Ghetto gemacht !
Auf die ganze Stadt konzentriert !
Tag und Nacht observiert !


Hamburger Aufstand, wir setzen uns zur Wehr !
Kampf der Unterdrückten, gegen das braune Heer !
Es fliegen wieder Steine, es fliegen immer mehr !
Es knallen die Kanonen, es hagelt Blei immer mehr !
Hamburger Aufstand , wir setzen uns zur Wehr !


Hinter Zaun und Stacheldraht !
Sind Tausend Proleten, Hafenarbeiter zusammengeschart !
Bis es knallt, bis es fetzt !
Proletarier aller Länder wehrt euch jetzt !


Hamburger Aufstand, wir setzen uns zur Wehr !
Kampf der Unterdrückten, gegen das braune Heer !
Es fliegen wieder Steine, es fliegen immer mehr !
Es knallen die Kanonen, es hagelt Blei immer mehr !
Hamburger Aufstand , wir setzen uns zur Wehr !


Von schwarzer Reichswehr, reaktionäre Freikorpssoldaten und gekauften Söldnern eingesperrt und streng bewacht !
Die ganze Hafenstadt  zum Ausnahmezustand und  Ghetto gemacht !
Auf die ganze Stadt konzentriert !
Tag und Nacht observiert !


Hinter Zaun und Stacheldraht !
Sind Tausend Proleten, Hafenarbeiter, Kieler Matrosen  und Bauern zusammengeschart !
Bis es knallt, bis es fetzt !
Proletarier aller Länder wehrt euch jetzt


Hamburger Aufstand, wir setzen uns zur Wehr !
Kampf der Unterdrückten, gegen das braune Heer !
Es fliegen wieder Steine, es fliegen immer mehr !
Es knallen die Kanonen, es hagelt Blei immer mehr !
Hamburger Aufstand , wir setzen uns zur Wehr !