22. Juni 1941

Hitlers Überfall auf die Sowjetunion

- Beginn des Großen Vaterländischen Krieges -

 

 

 

 

"Genosse Stalin führte den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetvölker zum Sieg über die nazi-faschistischen Okkupanten und verteidigte ehrenvoll die welthistorischen Errungenschaften der Oktoberrevolution.

Die internationalistische Bedeutung des Großen Vaterländischen Krieges besteht darin, dass Genosse Stalin - als Führer des Weltproletariats - damit den Weg ebnete für den Sieg des Sozialismus im Weltmaßstab."

Komintern (SH)
22. Juni 2015

 

 

 

 

Rundfunkrede von Molotov

Zum Einmarsch der Nazis in die Sowjetunion

vom 22. Juni 1941

erstmalig veröffentlicht in deutscher Sprache von der Komintern (SH) aus Anlass des 74. Jahrestags des Hitler-faschistischen Überfalls auf die Sowjetunion

 

Bürgerinnen und Bürger der Sowjetunion !


Die Sowjetregierung unter der Führung des Genossen Stalin hat mich ermächtigt, folgende Erklärung abzugeben:

Heute Nacht um 04.00 Uhr haben deutsche Truppen unser Land überfallen ohne jede Vorwarnung und ohne eine Kriegserklärung an die Sowjetunion. Ihre Flugzeuge bombardieren unsere Städte an vielen Punkten unserer Grenzen. In Shitomir, Kiew, Sewastopol, Kaunas und einigen anderen Städten wurden mehr als zweihundert Personen getötet oder verwundetet.

Vom rumänischen und finnischen Territorium aus gab es auch feindliche Luftangriffe und Artilleriebeschuss.

Diese unerhörte und perfide Angriff auf unser Land ist beispiellos in der Geschichte der zivilisierten Völker. Der Angriff auf unser Land wurde verübt trotz der Tatsache, dass es einen Nichtangriffsvertrag zwischen der UdSSR und Deutschland gegeben hat, der von der Sowjetregierung unterzeichnet und von ihr treu eingehalten wurde.

Der Angriff auf unser Land findet statt trotz der Tatsache, dass während der gesamten Laufzeit dieses Vertrages seitens der deutschen Regierung nicht ein einziger Grund für irgendeine Beschwerde gegenüber der UdSSR vorgetragen wurde, die auf eine Verletzung dieses Vertrage hingedeutet hätte.

Die volle Verantwortung für diesen räuberischen Angriff auf die Sowjetunion fällt voll und ganz auf die deutsch-faschistischen Herrscher.

Um 5:30 Uhr - also bereits nach dem Angriff - übermittelte von der Schulenburg, der deutsche Botschafter in Moskau, im Namen seiner Regierung an mich als Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten eine Erklärung ab, in der mitgeteilt wurde, dass die deutsche Regierungbeschlossen habe , gegen die Sowjetunion Krieg zu führen im Zusammenhang mit deren Konzentration von Einheiten der Roten Armee in der Nähe der ostdeutschen Grenze.

Im Namen der Sowjetregierung gab ich zur Antwort, dass die deutsche Regierung bis zum letzten Augenblick der Sowjetregierung keinerlei Gründe für Deutschlands Angriff auf die Sowjetunion genannt hat. Die Sowjetunion hatte stets eine friedfertige Haltung eingenommen, weswegen das faschistische Deutschland der Aggressor ist.

Auf Anweisung der Regierung der Sowjetunion gab ich auch eine Erklärung ab, dass unsere Truppen und unsere Luftwaffe nirgends die Grenze verletzt hätten, ganz im Gegensatz zu einer Meldung des rumänischen Rundfunks an diesem Morgen, wonach sowjetische Flugzeuge angeblich rumänische Flugplätze beschossen haben sollen. Das is eine reine Lüge und eine Provokation.

Ebenso ist die Erklärung, die Hitler heute abgegeben hat, eine einzige Lüge und Provokation, der im Nachhinein versucht, der Sowjetunion eine angebliche Verletzung des deutsch-sowjetischen Friedensvertrages anzudichten.

Nun, da der Angriff auf die Sowjetunion bereits vollzogen ist, hat die Sowjetregierung unseren Truppen befohlen, den räuberischen Angriff zurückzuschlagen und die deutschen Truppen aus dem Territorium unseres Landes zu vertreiben.

Wir vertreten die Auffassung, dass uns dieser Krieg nicht vom deutschen Volk, nicht von den deutschen Arbeitern, Bauern und Intellektuellen aufgezwungen wurde, die unter dieser Clique blutrünstiger faschistischer Herrscher in Deutschland zu leiden haben, und dass diese die Franzosen , Tschechen, Polen, Serben, Norweger, Österreicher, Belgier, Dänen, Holländer, Griechen und andere Völker versklavt haben.

Die Regierung der Sowjetunion bringt ihr unerschütterliches Vertrauen zum Ausdruck, dass unsere tapfere Armee und Marine und die mutigen Falken der sowjetischen Luftwaffe ihre Pflicht ehrenvoll erfüllen werden, um das Vaterland und das sowjetische Volk zu befreien und dem Aggressor vernichtende Schläge beibringen werden.

Dies ist nicht das erste Mal, dass sich unser Volk eines Angriffes eines arroganten Feindes erwehren musste. Auf die napoleonische Invasion Russlands antwortete unser Volk mit einem Krieg zur Befreiung des Vaterlandes, brachte Napoleon eine Niederlage bei und besiegelte seinen Untergang.

Das Gleiche wird mit Hitler passieren, der in seiner Arroganz zu einem neuen Kreuzzug gegen unser Land angetreten ist. Die Rote Armee und unser ganzes Volk wird auch diesen Krieg siegreichen zu Ende führen, für das Vaterland, für unsere Heimat, für die Ehre, für die Freiheit.

Die Regierung der Sowjetunion bringt ihre feste Überzeugung zum Ausdruck, dass die gesamte Bevölkerung unseres Landes, alle Arbeiter, Bauern und Intellektuellen, Männer und Frauen, ihre Aufgaben gewissenhaft erfüllen werden und ihre Arbeit tun. Unser ganzes Volk muss jetzt fester zusammen stehen als je zuvor.

Jeder von uns muss - von sich selbst genauso wie von Anderen - jene Disziplin, Organisiertheit und Selbstaufopferung verlangen, die eines echten Sowjetpatriotenwürdig ist, um damit die Rote Armee, Marine und Luftwaffe dabei zu unterstützen,den Sieg über den Feind zu erringen.

Die Regierung fordert euch, alle Bürger der Sowjetunion,auf, sich noch enger um unsere glorreiche bolschewistische Partei, um unsere Sowjetregierung, um unseren großen Führer und Genossen Stalin zu scharen.

Die gerechte Sache ist auf unserer Seite. Der Feind wird besiegt werden. Der Sieg wird unser sein.

 

 

 

STALIN

Über den Grossen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion

RUNDFUNKREDE

AM 3. JULI 1941

 

 

Genossen! Bürger!

Brüder und Schwestern!

Kämpfer unserer Armee und Flotte!

 

An euch wende ich mich, meine Freunde!

Der von Hitlerdeutschland am 22. Juni wortbrüchig begonnene militärische Überfall auf unsere Heimat dauert an. Trotz des heldenhaften Widerstands der Roten Armee und ungeachtet dessen, dass die besten Divisionen des Feindes und die besten Einheiten seiner Luftwaffe schon zerschmettert sind und auf den Schlachtfeldern ihr Grab gefunden haben, setzt der Feind, der neue Kräfte an die Front wirft, sein Vordringen weiter fort. Es ist den Hitlertruppen gelungen, Litauen, einen beträchtlichen Teil Lettlands, den westlichen Teil Bjelorußlands, einen Teil der Westukraine zu besetzen. Die faschistische Luftwaffe erweitert den Tätigkeitsbereich ihrer Bombenflugzeuge und bombardiert Murmansk, Orscha, Mogilew, Smolensk, Kiew, Odessa, Sewastopol. Über unsere Heimat ist eine ernste Gefahr heraufgezogen.

Wie konnte es geschehen, dass unsere ruhmvolle Rote Armee den faschistischen Truppen eine Reihe unserer Städte und Gebiete überlassen hat? Sind die faschistischen deutschen Truppen denn etwa in Wirklichkeit unbesiegbare Truppen, wie das die großmäuligen faschistischen Propagandisten unermüdlich in die Welt hinausposaunen?

Natürlich nicht! Die Geschichte zeigt, dass es keine unbesiegbaren Armeen gibt und nie gegeben hat. Napoleons Armee galt als unbesiegbar, aber sie wurde abwechselnd von russischen, englischen und deutschen Truppen geschlagen. Die deutsche Armee Wilhelms zur Zeit des ersten imperialistischen Krieges galt ebenfalls als eine unbesiegbare Armee, aber sie erlitt mehrere Male Niederlagen durch die russischen und englisch-französischen Truppen und wurde zuletzt von den englisch-französischen Truppen vernichtend geschlagen. Dasselbe muss von der jetzigen faschistischen deutschen Armee Hitlers gesagt werden. Diese Armee ist auf dem europäischen Festland noch auf keinen ernsten Widerstand gestoßen. Erst auf unserem Gebiet stieß sie auf ernsten Widerstand. Und wenn im Ergebnis dieses Widerstandes unsere Rote Armee die besten Divisionen der faschistischen deutschen Armee geschlagen hat, so bedeutet das, dass die faschistische Hitlerarmee ebenfalls geschlagen werden kann und geschlagen werden wird, wie die Armeen Napoleons und Wilhelms geschlagen worden sind.

Die Tatsache aber, dass ein Teil unseres Gebietes dennoch von den faschistischen deutschen Truppen besetzt worden ist, erklärt sich hauptsächlich daraus, dass der Krieg des faschistischen Deutschlands gegen die Sowjetunion unter Bedingungen begonnen hat, die für die deutschen Truppen günstig und für die Sowjettruppen ungünstig waren. Es handelt sich darum, dass die Streitkräfte Deutschlands als eines kriegführenden Landes schon völlig mobilisiert waren, und die von Deutschland gegen die Sowjetunion geworfenen 170 Divisionen, die an den Grenzen der Sowjetunion aufmarschiert waren, befanden sich in voller Bereitschaft und warteten nur auf das Signal zum Vorgehen, während die Sowjettruppen erst mobilisiert und an die Grenzen vorgeschoben werden mussten. Von nicht geringer Bedeutung war dabei auch der Umstand, dass das faschistische Deutschland unerwartet und wortbrüchig den im Jahre 1939 zwischen ihm und der Sowjetunion abgeschlossenen Nichtangriffspakt zerrissen hat, ohne Rücksicht darauf, dass es von der ganzen Welt als Angreifer erklärt werden würde. Es ist verständlich, dass unser friedliebendes Land, das die Initiative zur Verletzung des Pakts nicht ergreifen wollte, den Weg des Wortbruchs nicht beschreiten konnte.

Man könnte fragen: Wie konnte es geschehen, dass sich die Sowjetregierung auf den Abschluss eines Nichtangriffspakts mit solchen wortbrüchigen Leuten und Ungeheuern wie Hitler und Ribbentrop eingelassen hat? Ist hier von der Sowjetregierung nicht ein Fehler begangen worden? Natürlich nicht! Ein Nichtangriffspakt ist ein Friedenspakt zwischen zwei Staaten. Eben einen solchen Pakt hat Deutschland uns im Jahre 1939 angeboten. Konnte die Sowjetregierung ein solches Angebot ablehnen? Ich denke, kein einziger friedliebender Staat kann ein Friedensabkommen mit einem benachbarten Reich ablehnen, selbst wenn an der Spitze dieses Reiches solche Ungeheuer und Kannibalen stehen wie Hitler und Ribbentrop. Dies aber natürlich unter der einen unerlässlichen Bedingung: dass das Friedensabkommen weder direkt noch indirekt die territoriale Integrität, die Unabhängigkeit und die Ehre des friedliebenden Staates berührt. Bekanntlich war der Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion gerade ein solcher Pakt.

Was haben wir durch den Abschluss des Nichtangriffspakts mit Deutschland gewonnen? Wir haben unserem Lande für anderthalb Jahre den Frieden gesichert sowie die Möglichkeit, unsere Kräfte zur Abwehr vorzubereiten, falls das faschistische Deutschland es riskieren sollte, unser Land trotz des Pakts zu überfallen. Das ist ein unbestreitbarer Gewinn für uns und ein Verlust für das faschistische Deutschland.

Was hat das faschistische Deutschland durch die wortbrüchige Zerreißung des Pakts und den Überfall auf die Sowjetunion gewonnen, und was hat es verloren? Es hat dadurch für kurze Zeit eine gewisse vorteilhafte Lage für seine Truppen erzielt, hat aber in politischer Hinsicht verloren, da es sich in den Augen der ganzen Welt als blutiger Aggressor entlarvt hat. Es ist nicht zu bezweifeln, dass dieser kurzfristige militärische Gewinn für Deutschland nur eine Episode ist, während der gewaltige politische Gewinn für die Sowjetunion ein ernster Faktor von langer Dauer ist, auf den gegründet sich entscheidende militärische Erfolge der Roten Armee im Krieg gegen das faschistische Deutschland entfalten müssen.

Das eben ist der Grund, weshalb unsere ganze heldenmütige Armee, unsere ganze heldenhafte Kriegsmarine, alle unsere Fliegerfalken, alle Völker unseres Landes, alle besten Menschen Europas, Amerikas und Asiens und schließlich alle besten Menschen Deutschlands die wortbrüchigen Handlungen der deutschen Faschisten brandmarken und der Sowjetregierung ihre Sympathien entgegenbringen, die Handlungsweise der Sowjetregierung billigen, und weshalb sie erkennen, dass unsere Sache gerecht ist, dass der Feind zerschmettert werden wird, dass wir siegen müssen.

Mit dem uns auf gezwungenen Krieg hat unser Land den Kampf auf Leben und Tod gegen seinen schlimmsten und heimtückischsten Feind, den deutschen Faschismus, aufgenommen. Unsere Truppen schlagen sich heldenhaft mit einem Feind, der bis an die Zähne bewaffnet ist mit Panzern und Flugzeugen. Die Rote Armee und die Rote Flotte kämpfen unter Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten aufopferungsvoll um jeden Fußbreit Sowjetbodens. In den Kampf treten die Hauptkräfte der Roten Armee ein, ausgerüstet mit tausenden Panzern und Flugzeugen. Die Tapferkeit der Kämpfer der Roten Armee ist beispiellos. Unser aktiver Widerstand gegen den Feind wächst und erstarkt. Zusammen mit der Roten Armee erhebt sich das ganze Sowjetvolk zur Verteidigung seiner Heimat.

Was ist erforderlich, um die Gefahr, die über unsere Heimat heraufgezogen ist, zu beseitigen, und welche Maßnahmen müssen getroffen werden, um den Feind zu zerschmettern?

Vor allem ist notwendig, dass unsere Sowjetmenschen, die Männer und Frauen des Sowjetlandes, die ganze Größe der Gefahr begreifen, die unserem Lande droht, und Schluss machen mit der sorglosen Gelassenheit und der Stimmung des friedlichen Aufbaus, die in der Vorkriegszeit durchaus begreiflich waren, in der gegenwärtigen Zeit aber, wo der Krieg die Lage von Grund aus verändert hat, verderblich sind. Der Feind ist grausam und unerbittlich. Er setzt sich das Ziel, unseren Boden, der mit unserem Schweiß getränkt ist zu okkupieren, unser Getreide, unser Erdöl, die Früchte unserer Arbeit an sich zu reißen. Er setzt sich das Ziel, die Macht der Gutsbesitzer wiederaufzurichten, den Zarismus wiederherzustellen, die nationale Kultur und die nationale Eigenstaatlichkeit der; Russen, Ukrainer, Bjelorussen, Litauer, Letten, Esten, Usbeken, Tataren, Moldauer, Georgier, Armenier, Aserbaidshaner und der anderen freien Völker der Sowjetunion zu vernichten, sie zu germanisieren, sie zu Sklaven der deutschen Fürsten und Barone zu machen. Es geht also um Leben oder Tod des Sowjetstaates, um Leben oder Tod der Völker der Sowjetunion; es geht darum, ob die Völker der Sowjetunion frei sein oder in Versklavung geraten sollen. Es ist notwendig, dass die Sowjetmenschen das verstehen und aufhören, sorglos zu sein, dass sie sich selbst mobilisieren und ihre ganze Arbeit auf den Krieg umstellen, dass sie auf eine neue Art arbeiten, die kein Erbarmen mit dem Feind kennt.

Es ist ferner notwendig, dass in unseren Reihen kein Platz für Miesmacher und Feiglinge, für Panikmacher und Deserteure ist, dass die Menschen unseres Landes keine Furcht im Kampf kennen und opferwillig in unseren Vaterländischen Befreiungskrieg gegen die faschistischen Unterdrücker ziehen. Der große Lenin, der unseren Staat geschaffen hat, sagte, die Haupteigenschaft des Sowjetmenschen müsse Tapferkeit sein, Kühnheit, Furchtlosigkeit im Kampf und die Bereitschaft, zusammen mit dem Volk gegen die Feinde unserer Heimat zu kämpfen. Es ist notwendig, dass diese hervorragende Eigenschaft des Bolschewiks Gemeingut werde der Millionen und aber Millionen der Roten Armee, unserer Roten Flotte und aller Völker Sowjetunion.

Wir müssen unverzüglich unsere ganze Arbeit auf den Krieg umstellen, indem wir alles den Interessen der Front unterordnen, der Aufgabe unterordnen, die Zerschmetterung des Feindes zu organisieren. Die Völker der Sowjetunion sehen jetzt, dass der deutsche Faschismus nicht zu bändigen ist in seiner Tollwut und seinem Hass gegen unsere Heimat, die allen Werktätigen freie Arbeit und Wohlstand gesichert hat. Die Völker der Sowjetunion müssen sich erheben, Um ihre Rechte und ihren Boden gegen den Feind zu verteidigen.

Die Rote Armee, die Rote Flotte und alle Bürger der Sowjetunion müssen jeden Fußbreit Sowjetbodens verteidigen, müssen bis zum letzten Blutstropfen um unsere Städte und Dörfer kämpfen, müssen die Kühnheit, Initiative und Findigkeit an den Tag legen, die unserem Volk eigen sind.

Wir müssen die allseitige Unterstützung der Roten Armee organisieren, die verstärkte Auffüllung ihrer Reihen sicherstellen, ihre Versorgung mit allem Notwendigen gewährleisten, die schnelle Beförderung von Truppen- und Heeresguttransporten bewerkstelligen sowie die umfassende Hilfe für die Verwundeten in die Wege leiten.

Wir müssen das Hinterland der Roten Armee festigen, indem wir den Interessen dieser Sache unsere ganze Arbeit unterordnen, wir müssen die intensive Arbeit aller Betriebe sicherstellen, mehr Gewehre, Maschinengewehre, Geschütze, Patronen, Granaten, Flugzeuge produzieren, den Schutz der Betriebe, der Kraftwerke, der Telephon- und Telegraphenverbindungen organisieren, die örtliche Luftabwehr in Gang bringen.

Wir müssen einen schonungslosen Kampf organisieren gegen alle Desorganisatoren des Hinterlandes, gegen Deserteure, Panikmacher, Verbreiter von Gerüchten, wir müssen die Spione, Diversanten und feindlichen Fallschirmjäger vernichten und bei alledem unseren Feldjägerbataillonen schnelle Unterstützung zuteil werden lassen. Man muss sich vor Augen halten, dass der Feind heimtückisch und hinterlistig ist, erfahren im Betrug und in der Verbreitung falscher Gerüchte. Man muss all das berücksichtigen und darf sich nicht provozieren lassen. Alle, die durch ihre Panikmacherei und Feigheit die Landesverteidigung behindern, müssen ohne Ansehen der Person sofort dem Kriegsgericht übergeben werden.

Bei einem erzwungenen Rückzug von Truppenteilen der Roten Armee muss das gesamte rollende Material der Eisenbahnen fortgeschafft werden; dem Feind darf keine einzige Lokomotive, kein einziger Waggon, kein Kilogramm Getreide, kein Liter Treibstoff überlassen werden. Die Kollektivbauern müssen das ganze Vieh wegtreiben und das Getreide zur Abbeförderung ins Hinterland dem Schutz der staatlichen Organe anvertrauen. Alles wertvolle Gut, darunter Buntmetalle, Getreide und Treibstoff, das nicht abtransportiert werden kann, muss unbedingt vernichtet werden.

In den vom Feind okkupierten Gebieten müssen Partisanenabteilungen zu Pferd und zu Fuß gebildet und Diversionsgruppen geschaffen werden zum Kampf gegen die Truppenteile der feindlichen Armee, zur Entfachung des Partisanenkrieges überall und allerorts, zur Sprengung von Brücken und Straßen, zur Zerstörung der Telephon- und Telegraphenverbindungen, zur Niederbrennung der Wälder, der Versorgungslager und der Trams. In den okkupierten Gebieten müssen für den Feind und alle seine Helfershelfer unerträgliche Bedingungen geschaffen werden, sie müssen auf Schritt und Tritt verfolgt und vernichtet und alle ihre Maßnahmen müssen vereitelt werden.

Den Krieg gegen das faschistische Deutschland darf man nicht als gewöhnlichen Krieg betrachten. Er ist nicht nur ein Krieg zwischen zwei Armeen. Er ist zugleich der große Krieg des ganzen Sowjetvolkes gegen die faschistischen deutschen Truppen. Dieser Vaterländische Volkskrieg gegen die faschistischen Unterdrücker hat nicht nur das Ziel, die über unser Land heraufgezogene Gefahr zu beseitigen, sondern auch allen Völkern Europas zu helfen, die unter dem Joch des deutschen Faschismus stöhnen. In diesem Befreiungskrieg werden wir nicht allein dastehen. In diesem großen Krieg werden wir treue Verbündete an den Völkern Europas und Amerikas haben, darunter auch am deutschen Volk, das von den faschistischen Machthabern versklavt ist. Unser Krieg für die Freiheit unseres Vaterlandes wird verschmelzen mit dem Kampf der Völker Europas und Amerikas für ihre Unabhängigkeit, für die demokratischen Freiheiten. Das wird die Einheitsfront der Völker sein, die für die Freiheit, gegen die Versklavung und die drohende Unterjochung durch die faschistischen Armeen Hitlers eintreten. Durchaus begreiflich und bezeichnend ist in diesem Zusammenhang die historische Rede des Herrn Churchill, des Premierministers Großbritanniens, über die Hilfe für die Sowjetunion, sowie die Deklaration der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über ihre Bereitschaft, unserem Lande Hilfe zu erweisen - Erklärungen, die in den Herzen der Völker der Sowjetunion nur das Gefühl der Dankbarkeit hervorrufen können.

Genossen! Unsere Kräfte sind unermesslich. Der überhebliche Feind wird sich bald davon überzeugen müssen. Zusammen mit der Roten Armee erheben sich Tausende und aber Tausende der Arbeiter, Kollektivbauern und der Intelligenz zum Krieg gegen den Feind, der uns überfallen hat. Erheben werden sich die Millionenmassen unseres Volkes. Die Werktätigen von Moskau und Leningrad sind schon dazu übergegangen, eine vieltausendköpfige Volkswehr zur Unterstützung der Roten Armee zu schaffen. In jeder Stadt, der die Gefahr eines feindlichen Überfalls droht, müssen wir eine derartige Volkswehr schaffen, müssen wir alle Werktätigen zum Kampf mobilisieren, um in unserem Vaterländischen Krieg gegen den deutschen Faschismus unsere Freiheit, unsere Ehre, unsere Heimat unter Einsatz unseres Lebens zu verteidigen.

Um alle Kräfte der Völker der Sowjetunion schnellstens zu mobilisieren, um dem Feind, der wortbrüchig unsere Heimat überfallen hat, eine Abfuhr zu erteilen, ist das Staatliche Verteidigungskomitee gebildet worden, in dessen Händen jetzt die gesamte Macht im Staat konzentriert ist. Das Staatliche Verteidigungskomitee hat seine Arbeit aufgenommen und ruft das ganze Volk auf, sich fest um die Partei Lenins-Stalins, um die Sowjetregierung zusammenzuschließen zu dem Zweck, die Rote Armee und die Rote Flotte opferwillig zu unterstützen, den Feind zu zerschmettern, den Sieg zu erkämpfen.

Alle unsere Kräfte - für die Unterstützung unserer heldenhaften Roten Armee, unserer ruhmvollen Roten Flotte!

Alle Kräfte des Volkes - für die Zerschmetterung des Feindes!

Vorwärts zum Sieg!

 

 

 

STALIN

DER 24. JAHRESTAG
DER GROSSEN SOZIALISTISCHEN
OKTOBERREVOLUTION

BERICHT IN DER FESTSITZUNG DES MOSKAUER SOWJETS
DER DEPUTIERTEN DER WERKTÄTIGEN GEMEINSAM MIT
DEN PARTEI- UND GESELLSCHAFTLICHEN ORGANISATIO-
NEN DER STADT MOSKAU,

6. NOVEMBER 1941

Genossen!

24 Jahre sind vergangen, seitdem bei uns die Sozialistische Oktoberrevolution gesiegt hat und in unserem Lande die Sowjetordnung auf gerichtet worden ist. Jetzt stehen wir an der Schwelle des nächsten, des 25. Jahres des Bestehens der Sowjetordnung.

Gewöhnlich wird in den Festsitzungen zum Jahrestag der Oktoberrevolution Rückschau gehalten über unsere Erfolge, die wir auf dem Gebiete des friedlichen Aufbaus in dem abgelaufenen Jahr erzielt haben. Es ist uns tatsächlich möglich, solch eine Rückschau zu halten, da unsere Erfolge auf dem Gebiete des friedlichen Aufbaus nicht nur von Jahr zu Jahr, sondern von Monat zu Monat wachsen. Was für Erfolge das sind und wie groß sie sind, das ist allen bekannt, sowohl den Freunden als auch den Feinden. Aber das abgelaufene Jahr ist nicht nur ein Jahr des friedlichen Aufbaus. Es ist zugleich auch ein Jahr des Krieges gegen die deutschen Eindringlinge, die unser friedliebendes Land wortbrüchig überfallen haben. Nur während der ersten sechs Monate des abgelaufenen Jahres konnten wir unsere friedliche Aufbauarbeit fortsetzen. Die zweite Hälfte des Jahres, mehr als vier Monate, verlief unter Verhältnissen des erbitterten Krieges gegen die deutschen Imperialisten. Dur Krieg ist somit zu einem Wendepunkt in der Entwicklung unseres Landes während des abgelaufenen Jahres geworden. Der Krieg hat unsere friedliche Aufbauarbeit bedeutend eingeschränkt und sie auf einigen Gebieten überhaupt unterbrochen. Er hat uns gezwungen, unsere ganze Arbeit auf den Krieg umzustellen. Er hat unser Land in ein einiges und allumfassendes Hinterland verwandelt, das der Front, unserer Roten Armee, unserer Kriegsmarine dient.

Die Periode des friedlichen Aufbaus ist zu Ende. Begonnen hat die Periode des Befreiungskrieges gegen die deutschen Eindringlinge.

Es ist darum durchaus am Platze, die Frage aufzuwerfen, welche Ergebnisse der Krieg während der zweiten Hälfte des abgelaufenen Jahres oder eigentlich während der Zeit von etwas mehr als vier Monaten des zweiten Halbjahrs gezeitigt hat und welche Aufgaben wir uns in diesem Befreiungskriege stellen.

DER VERLAUF DES KRIEGES IN DEN 4 MONATEN

Schon in einer meiner Reden zu Anfang des Krieges habe ich davon gesprochen, dass der Krieg eine gefährliche Bedrohung für unser Land geschaffen hat, dass über unser Land eine ernste Gefahr heraufgezogen ist, dass man diese Gefahr begreifen, sich ihrer bewusst werden und unsere ganze Arbeit auf den Krieg umstellen muss. Jetzt, nachdem das Ergebnis von vier Kriegsmonaten vorliegt, muss ich betonen, dass diese Gefahr nicht nur nicht geringer, sondern im Gegenteil noch größer geworden ist. Der Feind hat den größten Teil der Ukraine, Bjelorußlands, die Moldau, Litauen, Lettland, Estland und eine Reihe anderer Gebiete besetzt, er ist in das Donezbecken eingedrungen, wie eine schwarze Gewitterwolke ist er über Leningrad heraufgezogen und bedroht unsere ruhmreiche Hauptstadt Moskau. Die faschistischen deutschen Eindringlinge plündern unser Land, zerstören die durch das Schaffen der Arbeiter, der Bauern und der Intelligenz erbauten Städte und Dörfer. Die Hitlerhorden morden und vergewaltigen die friedlichen Bewohner unseres Landes, ohne Frauen, Kinder und Greise zu schonen. Unsere Brüder in den von den Deutschen besetzten Gebieten unseres Landes stöhnen unter dem Joch der deutschen Unterdrücker.

Ströme feindlichen Bluts sind vergossen worden von den Kämpfern unserer Armee und unserer Flotte, die die Ehre und die Freiheit unseres Heimatlandes verteidigen, die Angriffe des vertierten Feindes tapfer zurückschlagen und Beispiele an Kühnheit und Heldenmut zeigen. Aber der Feind schreckt vor keinem Opfer zurück, ihm ist das Blut seiner Soldaten keinen Deut wert, er wirft neue und immer neue Abteilungen an die Front, um die kampfunfähig gewordenen Truppen zu ersetzen, und spannt alle seine Kräfte an, um vor Einbruch des Winters Leningrad und Moskau zu besetzen, denn er weiß, dass der Winter ihm nichts Gutes verheißt.

In den vier Kriegsmonaten haben wir an Toten .350000 und an Vermissten 378000 Mann verloren, während die Zahl unserer Verwundeten 1020000 Mann beträgt. In der gleichen Periode hat der Feind im Toten, Verwundeten und Gefangenen mehr als viereinhalb Millionen Mann eingebüßt.

Es ist nicht zu bezweifeln, dass Deutschland, dessen Menschenreserven schon versiegen, im Ergebnis dieser vier Monate Krieg bedeutend schwächer geworden ist als die Sowjetunion, deren Reserven erst jetzt in vollem Umfang zur Entfaltung kommen.

DAS SCHEITERN DES "BLITZKRIEGES"

Als die deutschen faschistischen Räuber ihren Überfall auf unser Land unternahmen, da glaubten sie, sie würden bestimmt in anderthalb bis zwei Monaten die Sowjetunion "erledigen" können und wären imstande, im Laufe dieser kurzen Zeit bis an den Ural zu marschieren. Man muss sagen, dass die Deutschen aus diesem ihren "Blitzsiegplan" kein Geheimnis gemacht haben. Im Gegenteil, sie machten für ihn mit allen Mitteln Reklame. Die Tatsachen jedoch zeigten die ganze Leichtfertigkeit und Haltlosigkeit dieses "Blitzplanes". Jetzt muss dieser wahnwitzige Plan als endgültig gescheitert angesehen werden. (Beifall.) Wodurch ist es zu erklären, dass der "Blitzkrieg", der in "Westeuropa gelungen ist, im Osten misslang und gescheitert ist?

Worauf rechneten die faschistischen deutschen Strategen, als sie behaupteten, sie würden in zwei Monaten die Sowjetunion erledigen und in dieser kurzen Frist bis an den Ural marschieren?

Vor allem rechneten sie und hofften sie ernstlich darauf, dass sie eine allgemeine Koalition gegen die Sowjetunion zustande bringen würden, dass sie Großbritannien sowie die Vereinigten Staaten von Amerika - nach vorhergehender Einschüchterung der herrschenden Kreise dieser Länder mit dem Gespenst der Revolution - in diese Koalition einbeziehen und auf diese Weise unser Land vollständig von den anderen Mächten isolieren könnten. Die Deutschen wussten, dass ihre Politik des Spiels mit den Gegensätzen zwischen den Klassen der einzelnen Staaten sowie zwischen diesen Staaten und dem Sowjetland schon ihre Resultate in Frankreich gezeitigt hatte, dessen Machthaber sich durch das Gespenst der Revolution schrecken ließen und in ihrer Angst ihr Heimatland Hitler zu Füßen legten und auf Widerstand verzichteten. Die faschistischen deutschen Strategen glaubten, dass genau das gleiche auch mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika geschehen werde. Der nicht unbekannte Heß wurde ja deshalb von den deutschen Faschisten nach England gesandt, damit 'er die englischen Politiker dazu überrede, sich dem allgemeinen Feldzug gegen die Sowjetunion anzuschließen. Aber die Deutschen haben sich gründlich verrechnet. (Beifall.) Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika haben sich trotz der Bemühungen von Heß nicht nur dem Feldzug der faschistischen deutschen Räuber gegen die Sowjetunion nicht angeschlossen, sondern sie stehen im Gegenteil mit der Sowjetunion in einem Lager gegen Hitlerdeutschland. Die Sowjetunion hat sich nicht nur nicht als isoliert erwiesen, sondern im Gegenteil, sie hat an Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika und den von den Deutschen okkupierten anderen Ländern neue Bundesgenossen gewonnen. Es zeigte sich, dass die deutsche Politik des Spiels mit den Gegensätzen und der Einschüchterung anderer durch das Gespenst der Revolution abgewirtschaftet hat und für die neue Lage nicht mehr tauglich ist. Und sie ist nicht nur untauglich, sondern sie birgt in ihrem Schoß auch große Gefahren für die deutschen Landräuber, denn sie führt unter den neuen Verhältnissen des Krieges zu direkt entgegengesetzten Resultaten.

Die Deutschen rechneten zweitens darauf, dass die Sowjetordnung und das Sowjethinterland nicht fest seien, sie nahmen an, es würden gleich nach dem ersten ernstlichen Schlag und nach den ersten Misserfolgen der Roten Armee Konflikte zwischen den Arbeitern und den Bauern ausbrechen und Streitigkeiten zwischen den Völkern der Sowjetunion beginnen, es würde zu Aufständen kommen und das Land würde in seine Bestandteile zerfallen, was den Vormarsch der deutschen Eindringlinge bis an den Ural erleichtern sollte. Aber auch hier haben sich die Deutschen gründlich verrechnet. Die Misserfolge der Roten Armee haben das Bündnis der Arbeiter und Bauern wie auch die Freundschaft der Völker der Sowjetunion nicht nur nicht geschwächt, sondern im Gegenteil, sie haben dieses Bündnis sowie diese Freundschaft noch gefestigt. (Beifall.) Mehr noch - sie haben die Völkerfamilie der Sowjetunion in ein einheitliches, unerschütterliches Lager verwandelt, das seine Rote Armee und seine Rote Flotte aufopferungsvoll unterstützt. Niemals noch war das Sowjethinterland so fest wie jetzt. ( Stürmischer Beifall .) Es ist durchaus wahrscheinlich, dass jeder beliebige andere Staat, der solche Gebietsverluste erlitten hätte wie wir, die Prüfung nicht bestanden hätte und niedergebrochen wäre. Wenn die Sowjetordnung die Prüfung so leicht bestanden und ihr Hinterland noch gefestigt hat, so bedeutet das, dass die Sowjetordnung heute die stabilste aller Ordnungen ist. (Stürmischer Beifall.)

Die deutschen Landräuber rechneten schließlich auf eine Schwäche der Roten Armee und der Roten Flotte, sie nahmen an, es werde der deutschen Armee und der deutschen Flotte gleich mit dem ersten Schlage gelingen, unsere Armee und unsere Flotte zu überrennen und zu zerstreuen, sich freie Bahn zu schaffen für den ungehinderten Vormarsch in die Tiefe unseres Landes. Aber auch hier haben sich die Deutschen gründlich verrechnet, da sie ihre Kräfte überschätzten, unsere Armee und unsere Flotte aber unterschätzten. Natürlich sind unsere Armee und unsere Flotte noch jung, sie führen im ganzen erst vier Monate lang Krieg, sie haben noch nicht völlig zu Kerntruppen werden können, während sie vor sich die Kerntruppen der schon zwei Jahre lang kriegführenden Flotte und Armee der Deutschen haben. Aber erstens ist die moralische Verfassung unserer Armee höher als die der deutschen, denn sie verteidigt ihre Heimat gegen fremdländische Eindringlinge und glaubt an ihre gerechte Sache, während die deutsche Armee einen Eroberungskrieg führt und ein fremdes Land ausplündert und somit auch nicht eine Minute lang ernsthaft glauben kann, dass ihre niederträchtige Sache gerecht Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Idee der Verteidigung ihres Vaterlandes, wofür unsere Menschen in unserer Armee Helden hervorbringen und auch wirklich hervorbringt, die die Rote zusammenschweißen, während die Idee der Eroberung und Ausplünderung eines fremden Landes, wofür die Deutschen ja im Grunde Krieg führen, in der deutschen Armee Berufsplünderer hervorbringen wird und auch wirklich hervorbringt, welche ohne jeden moralischen Halt sind und die deutsche Armee zersetzen. Zweitens entfernt sich die deutsche Armee durch ihren Vormarsch in die Tiefe unseres Landes von ihrem deutschen Hinterland, sie ist gezwungen, In feindlicher Umgebung zu operieren, sie ist gezwungen, sich in einem fremden Lande ein neues Hinterland zu schaffen, das zudem von unseren Partisanen zerstört wird, was die Versorgung der deutschen Armee weitgehend desorganisiert, was sie zwingt, das eigene Hinterland zu fürchten, und in ihr den Glauben an die Stabilität ihrer Lage tötet, während unsere Armee in ihrer heimatlichen Umgebung operiert, die unaufhörliche Unterstützung ihres Hinterlandes genießt, einen gesicherten Nachschub an Menschen, Munition und Lebensmitteln hat und sich auf ihr Hinterland fest verlassen kann. Das ist es, weshalb unsere Armee sich als stärker erwiesen hat, als die Deutschen voraussetzten, und die deutsche Armee sich als schwächer erwiesen hat, als vorauszusetzen war, wenn nach der prahlerischen Marktschreierei der deutschen Eindringlinge geurteilt wurde. Die Verteidigung Leningrads und Moskaus, wo unsere Divisionen kürzlich an die dreißig Kerndivisionen der Deutschen vernichtet haben, zeigt, dass im Feuer des Vaterländischen Krieges neue Sowjetkämpfer und Kommandeure, Flieger und Artilleristen, Granatwerferschützen und Panzermänner, Infanteristen und Matrosen geschmiedet werden und schon geschmiedet worden sind, die sich morgen in einen Schrecken der deutschen Armee verwandeln werden. (Stürmischer Beifall.)

Es unterliegt keinem Zweifel, dass alle diese Umstände zusammengenommen vorausbestimmend dafür waren, dass der "Blitzkrieg" im Osten unvermeidlich scheitern musste.

DIE URSACHEN FÜR DIE ZEITWEILIGEN
MISSERFOLGE UNSERER ARMEE

Alles das ist natürlich richtig. Richtig ist aber auch, dass es neben diesen günstigen Bedingungen eine Reihe für die Rote Armee ungünstiger Bedingungen gibt, kraft deren unsere Armee zeitweilige Misserfolge erleidet und zum Rückzug gezwungen ist, genötigt ist, eine Anzahl von Gebieten unseres Landes dem Feind zu überlassen.

Was sind das für ungünstige Bedingungen? Wo liegen die Ursachen für die zeitweiligen militärischen Misserfolge der Roten Armee?

Eine der Ursachen für die Misserfolge der Roten Armee besteht darin, dass es in Europa keine zweite Front gegen die faschistischen deutschen Truppen gibt. Es handelt sich darum, dass auf dem europäischen Festland gegenwärtig keine Armeen Großbritanniens oder der Vereinigten Staaten von Amerika stehen, die gegen die faschistischen deutschen Truppen Krieg führen würden; in Anbetracht dessen brauchen die Deutschen ihre Kräfte nicht zu zersplittern und müssen nicht an zwei Fronten, im Westen sowohl wie im Osten, Krieg führen. Nun, und dieser Umstand hat zur Folge, dass die Deutschen, die ihr Hinterland im Westen für gesichert halten, die Möglichkeit haben, alle ihre Truppen und die Truppen ihrer Verbündeten in Europa gegen unser Land einzusetzen. Die Lage ist jetzt derart, dass unser Land den Befreiungskrieg allein, ohne von jemand militärische Hilfe zu erhalten, gegen die vereinigten Kräfte der Deutschen, Finnen, Humanen, Italiener und Ungarn führt. Die Deutschen brüsten sich mit ihren zeitweiligen Erfolgen und loben ihre Armee über alle Maßen, wobei sie versichern, dass sie die Rote Armee in Kämpfen einer gegen einen immer überwinden können. Aber die Versicherungen der Deutschen sind leere Prahlerei, denn es ist doch unverständlich, warum die Deutschen in diesem Fall die Finnen, Rumänen, Italiener und Ungarn gegen die Rote Armee zu Hilfe gerufen haben, die ausschließlich mit ihren eigenen Kräften und ohne militärische Hilfe von außen Krieg führt. Es ist nicht zu bezweifeln, dass das Fehlen einer zweiten Front in Europa gegen die Deutschen die Lage der deutschen Armee bedeutend erleichtert. Es kann aber auch nicht bezweifelt werden, dass das Entstehen einer zweiten Front auf dem Festlande Europas - und eine solche Front muss unbedingt in der nächsten Zeit entstehen (stürmischer Beifall) - die Lage unserer Armee zum Nachteil der deutschen wesentlich erleichtern wird.

Eine andere Ursache für die zeitweiligen Misserfolge unserer Armee besteht darin, dass wir an Panzern und teilweise an Flugzeugen Mangel leiden. Im modernen Krieg ist es für die Infanterie sehr schwer, ohne Panzer und ohne genügende Luftdeckung durch Flugzeuge zu kämpfen. Unsere Luftwaffe ist der deutschen Luftwaffe qualitativ überlegen, und unsere glorreichen Flieger haben sich mit dem Ruhm furchtloser Kämpfer bedeckt. (Beifall.) Vorläufig haben wir aber weniger Flugzeuge als die Deutschen. Unsere Panzer sind den deutschen Panzern qualitativ überlegen, und unsere glorreichen Panzermänner und Artilleristen haben mehr als einmal die vielgerühmten deutschen Truppen mit ihren zahlreichen Panzern in die Flucht gejagt. (Beifall.) Aber wir haben immerhin nur einen Bruchteil der Panzer, die die Deutschen haben. Darin liegt das Geheimnis der zeitweiligen Erfolge der deutschen Armee. Man kann nicht sagen, dass unsere Panzerindustrie schlecht arbeitet und unserer Front wenig Panzer liefert. Nein, sie arbeitet sehr gut und erzeugt nicht wenige vorzügliche Panzer. Die Deutschen jedoch erzeugen weitaus mehr Panzer, denn ihnen steht jetzt nicht nur ihre eigene Panzerindustrie zur Verfügung, sondern auch die Industrie der Tschechoslowakei, Belgiens, Hollands und Frankreichs. Ohne diesen Umstand hätte die Rote Armee schon längst die deutsche Armee geschlagen, die ohne Panzer nicht in den Kampf geht und die den Schlägen unserer Truppenteile nicht standhält, wenn sie keine Überlegenheit an Panzern besitzt. (Beifall.)

Es gibt nur ein unerlässliches Mittel, um die Panzerüberlegenheit der Deutschen zunichte zu machen und dadurch die Lage unserer Armee von Grund aus zu verbessern. Dieses Mittel besteht nicht nur darin, die Urproduktion in unserem Lande um ein Vielfaches zu steigern, sondern auch darin, die Produktion von Flugzeugen zur Panzerabwehr, von Panzerbüchsen und Panzerabwehrgeschützen, -granaten und -granatwerfern stark zu vergrößern und mehr Panzergräben und andere Panzerhindernisse aller Art anzulegen.

Darin besteht jetzt unsere Aufgabe.

Wir können diese Aufgabe bewältigen und wir müssen sie bewältigen, es koste, was es wolle!

WAS SIND DIE "NATIONALSOZIALISTEN"?

Die deutschen Eindringlinge, d.h. die Hitlerleute, werden bei uns gewöhnlich Faschisten genannt. Die Hitlerleute aber halten das, wie sich herausstellt, für unrichtig und fahren hartnäckig fort, sich "Nationalsozialisten" zu nennen. Die Deutschen wollen uns also einreden, dass die Partei der Hitlerleute, die Partei der deutschen Landräuber, die Europa ausplündert und einen frevelhaften Überfall auf unseren sozialistischen Staat ins Werk gesetzt hat, eine sozialistische Partei wäre. Ist das möglich? Was kann es Gemeinsames geben zwischen dem Sozialismus und den vertierten Hitlerschen Landräubern, die die Völker Europas ausplündern und unterdrücken?

Kann man die Hitlerleute für Nationalisten halten? Nein, das kann man nicht. In Wirklichkeit sind die Hitlerleute jetzt keine Nationalisten, sondern Imperialisten. Solange sich die Hitlerleute damit befassten, die deutschen Länder zusammenzufassen und ihnen das Rheingebiet, Österreich usw. wieder anzuschließen, konnte man sie mit einer gewissen Berechtigung für Nationalisten halten. Nachdem, sie jedoch fremde Gebiete geraubt und europäische Nationen - die Tschechen, Slowaken, Polen, Norweger, Dänen, Holländer, Belgier, Franzosen, Serben, Griechen, Ukrainer, Bjelorussen, Balten usw. - unterjocht haben und dazu übergegangen sind, die Weltherrschaft anzustreben, hat die Hitlerpartei aufgehört, eine nationalistische Partei zu sein, denn seit diesem Augenblick ist sie zu einer imperialistischen, annexionistischen Unterdrückerpartei geworden.

Die Partei der Hitlerleute ist eine Partei von Imperialisten, und zwar der gierigsten und räuberischsten Imperialisten unter allen Imperialisten der Welt.

Kann man die Hitlerleute für Sozialisten halten? Nein, das kann man nicht. In Wirklichkeit sind die Hitlerleute geschworene Feinde des Sozialismus, die schlimmsten Reaktionäre und Pogromhelden, die die Arbeiterklasse und die Völker Europas der elementarsten demokratischen Freiheiten beraubt haben. Um ihr reaktionäres Pogromwesen zu bemänteln, beschimpfen die Hitlerleute das innere Regime Englands und Amerikas als ein plutokratisches Regime. Aber in England und in den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es elementare demokratische Freiheiten, dort bestehen Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten, es bestehen Arbeiterparteien, es gibt ein Parlament, während alle diese Einrichtungen in Deutschland unter dem Hitlerregime vernichtet worden sind. Man braucht nur diese beiden Tatsachenreihen gegeneinander zu halten, um das reaktionäre Wesen des Hitlerregimes und die ganze Verlogenheit des Geschwätzes der deutschen Faschisten über das plutokratische Regime Englands und Amerikas zu begreifen. Dem Wesen der Sache nach ist das Hitlerregime eine Kopie jenes reaktionären Regimes, das in Rußland unter dem Zarismus bestanden hat. Man weiß, dass die Hitlerleute die Rechte der Arbeiter, die Rechte der Intelligenz sowie die Rechte der Völker ebenso gern mit Füßen treten, wie das zaristische Regime sie mit Füßen getreten hat, dass sie ebenso gern mittelalterliche Judenpogrome veranstalten, wie solche das zaristische Regime veranstaltet hat.

Die Hitlerpartei ist eine Partei der Feinde der demokratischen Freiheiten, eine Partei mittelalterlicher Reaktion und finsterster Pogrome.

Und wenn diese abgefeimten Imperialisten und schlimmsten Reaktionäre immer noch fortfahren, sich In die Toga von "Nationalisten" und "Sozialisten" zu hüllen, so tun sie das zu dem Zweck, das Volk zu betrügen, einfältige Leute zum Narren zu halten und mit der Flagge des "Nationalismus" und des "Sozialismus" ihr imperialistisches Räuberwesen zu tarnen.

Krähen, die sich mit Pfauenfedern schmücken... Aber wie sehr sich Krähen auch mit Pfauenfedern schmücken mögen, sie hören deshalb nicht auf, Krähen zu sein.

"Man muss mit allen Mitteln danach streben", erklärt Hitler, "dass die Welt von den Deutschen erobert wird. Wenn wir unser großdeutsches Reich schaffen wollen, so müssen wir vor allem die slawischen Völker - die Russen, Polen, Tschechen, Slowaken, Bulgaren, Ukrainer, Bjelorussen - verdrängen und ausrotten. Es gibt keinen Grund, das nicht zu tun."

"Der Mensch", erklärt Hitler, "ist von Geburt an sündhaft, man kann ihn nur mit Hilfe von Gewalt lenken. Im Umgang mit ihm sind alle Methoden erlaubt. Wenn die Politik es erfordert, muss man lügen, Verrät üben und sogar morden."

"Tötet jeden", erklärt Göring, "der gegen uns ist, tötet, tötet, nicht ihr werdet dafür die Verantwortung tragen, sondern ich, also tötet!"

"Ich werde die Menschen", erklärt Hitler, "vor dem Wahn bewahren, der Gewissen heißt. Gewissen und Bildung machen den Menschen zum Krüppel. Ich genieße den Vorzug, dass ich durch keine Erwägungen theoretischer oder moralischer Art gehemmt bin."

In einem der Befehle eines deutschen Armeekommandos vom 25. September, der an das Infanterieregiment 489 gerichtet ist und bei einem gefallenen deutschen Unteroffizier gefunden wurde, heißt es:

"Ich befehle, auf jeden Russen zu feuern, sobald er sich in einer Entfernung von 600 Metern zeigt. Der Russe muss wissen, dass er einen entschlossenen Feind vor sich hat, von dem er keine Nachsicht zu erwarten hat."

In einem der Appelle des deutschen Oberkommandos an die Soldaten, der bei dem gefallenen Leutnant Gustav Ziegel aus Frankfurt am Main gefunden wurde, heißt es:

"Habe kein Herz und keine Nerven, man braucht sie im Kriege nicht. Vernichte in dir Erbarmen und Mitleid - töte jeden Sowjetrussen, mach nicht halt, auch wenn du einen Greis oder eine Frau, ein kleines Mädchen oder einen Jungen vor dir hast - töte, denn dadurch rettest du dich vorm Untergang, sicherst die Zukunft deiner Familie und erwirbst dir ewigen Ruhm."

Hier haben wir das Programm und die Befehle der Führer der Hitlerpartei und des Hitlerschen Oberkommandos, das Programm und die Befehle von Menschen, die jedes Menschenantlitz verloren haben und auf das Niveau wilder Tiere herabgesunken sind.

Und diese Leute, die weder Gewissen noch Ehre besitzen, Leute mit einer Moral von Bestien, haben die Stirn, zur Vernichtung der großen russischen Nation aufzurufen, der Nation Plechanows und Lenins, Bjelinskis und Tschernyschewskis, Puschkins und Tolstois, Glinkas und Tschaikowskis, Gorkis und Tuchechows, Setschenows und Pawlows, Repins und Surikows, Suworows und Kutusows!...

Die deutschen Landräuber wollen den Vernichtungskrieg gegen die Völker der Sowjetunion. Nun wohl, wenn die Deutschen einen Vernichtungskrieg wollen, so werden sie ihn bekommen. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.)

Von nun an wird es unsere Aufgabe, die Aufgabe der Völker der Sowjetunion, die Aufgabe der Kämpfer, der Kommandeure und der politischen Funktionäre unserer Armee und unserer Flotte sein, alle Deutschen, die in das Gebiet unserer Heimat als Okkupanten eingedrungen sind, bis auf den letzten Mann zu vernichten. (Stürmischer Beifall. Rufe: "Sehr richtig!" Hurrarufe.)

Keine Gnade den deutschen Okkupanten!

Tod den deutschen Okkupanten! ( Stürmischer Beifall .)

DIE ZERSCHMETTERUNG
DER DEUTSCHEN IMPERIALISTEN
UND IHRER ARMEEN IST UNVERMEIDLICH

Schon allein der Umstand, dass die deutschen Räuber, die jedes Menschenantlitz verloren haben, in ihrer moralischen Verkommenheit schon längst auf das Niveau wilder Bestien herabgesunken sind, schon allein dieser Umstand spricht dafür, dass sie sich dem unvermeidlichen Untergang preisgegeben haben.

Aber der unvermeidliche Untergang der Hitlerschen Räuber und ihrer Armeen ist nicht nur durch moralische Faktoren bedingt.

Es gibt noch drei grundlegende Faktoren, deren Bedeutung von Tag zu Tag größer wird und die in nicht ferner Zukunft zu der unvermeidlichen Zerschmetterung des räuberischen Hitlerschen Imperialismus führen müssen. (Beifall.)

Das ist erstens die Unzuverlässigkeit des europäischen Hinterlands des imperialistischen Deutschlands, die Unzuverlässigkeit der "Neuordnung" in Europa. Die deutschen Räuber haben die Völker des europäischen Kontinents von Frankreich bis zu den baltischen Sowjetländern, von Norwegen, Dänemark, Belgien, Holland und Sowjetbjelorußland bis zum Balkan und zur Sowjetukraine versklavt, sie der elementaren demokratischen Freiheiten beraubt, ihnen das Recht genommen, über ihr Schicksal zu bestimmen, ihnen das Getreide, das Fleisch, die Rohstoffe genommen, sie in ihre Sklaven verwandelt, die Polen, Tschechen und Serben ans Kreuz geschlagen, und nun meinen sie, sie könnten jetzt, nachdem sie die Herrschaft in Europa errungen haben, auf dieser Grundlage die Weltherrschaft Deutschlands errichten. Bei ihnen heißt das "Neuordnung in Europa". Aber was ist das für eine "Grundlage", was ist das für eine "Neuordnung"? Nur die in sich selbst verliebten Hitlerschen Narren übersehen, dass die "Neuordnung in Europa" und die berüchtigte "Grundlage" dieser Ordnung einen Vulkan darstellt, der jeden Augenblick ausbrechen und das imperialistische deutsche Kartenhaus begraben kann. Man beruft sich auf Napoleon und versichert, Hitler handle wie Napoleon und er gleiche Napoleon in allem. Erstens aber sollte man dabei das Schicksal Napoleons nicht vergessen, und zweitens gleicht Hitler Napoleon nicht mehr als ein Kater dem Löwen ( Heiterkeit, lauter Beifall ), denn Napoleon kämpfte gegen die Kräfte der Reaktion, wobei er sich auf die Kräfte des Fortschritts stützte, während Hitler umgekehrt sich auf die reaktionären Kräfte stützt und die fortschrittlichen Kräfte bekämpft. Nur die Hitlerschen Narren aus Berlin können nicht begreifen, dass die geknechteten Völker Europas kämpfen und sich gegen die Hitlertyrannei erheben werden. Wer kann daran zweifeln, dass die Sowjetunion, Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika den Völkern Europas in ihrem Befreiungskampf gegen die Hitlertyrannei volle Unterstützung erweisen werden? (Beifall.)

Das ist zweitens die Unzuverlässigkeit des deutschen Hinterlands der Hitlerschen Räuber. Solange sich die Hitlerleute damit beschäftigten, das durch den Versailler Vertrag zerstückelte Deutschland zusammenzufassen, konnten sie beim deutschen Volk, das von dem Ideal einer Wiederherstellung Deutschlands beseelt war, Unterstützung finden. Nachdem diese Aufgabe aber gelöst war und die Hitlerleute den Weg des Imperialismus, den Weg des Raubes fremder Lande und der Unterwerfung fremder Völker beschritten haben, wodurch sie die Völker Europas und die Völker der Sowjetunion zu geschworenen Feinden des heutigen Deutschlands machten, ist im deutschen Volke ein tiefgehender Umschwung gegen die Fortsetzung des Krieges, für die Beendigung des Krieges eingetreten. Mehr als zwei Jahre eines blutigen Krieges, dessen Ende noch nicht abzusehen ist; Millionen geopferte Menschen, Hunger, Verelendung, Epidemien; ringsum eine deutschfeindliche Atmosphäre, Hitlers dumme Politik, die die Völker der Sowjetunion zu geschworenen Feinden des heutigen Deutschlands gemacht hat - all das musste unbedingt im deutschen Volk zu einer Wendung gegen den unnötigen und verheerenden Krieg führen. Nur die Hitlerschen Narren können nicht begreifen, dass nicht nur das europäische Hinterland, sondern auch das deutsche Hinterland der deutschen Truppen einen Vulkan darstellt, bereit auszubrechen und die Hitlerschen Abenteurer zu begraben.

Das ist endlich die Koalition der Sowjetunion, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten von Amerika gegen die faschistischen deutschen Imperialisten. Das ist die Tatsache, dass Großbritannien, die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion sich zu einem einheitlichen Lager zusammengeschlossen haben, das sich das Ziel setzt, die Hitlerschen Imperialisten und ihre räuberischen Armeen zu zerschlagen. Der moderne Krieg ist ein Krieg der Motoren. Den Krieg wird derjenige gewinnen, der das erdrückende Übergewicht in der Produktion von Motoren haben wird. Nimmt man die Motorenerzeugung der Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritanniens und der Sowjetunion zusammen, so erhält man im Verhältnis zu Deutschland ein mindestens dreifaches Übergewicht an Motoren. Darin liegt eine der Grundlagen für den unvermeidlichen Untergang des räuberischen Hitlerschen Imperialismus.

Die Dreimächtekonferenz, die kürzlich in Moskau stattgefunden hat und an der als Vertreter Großbritanniens Herr Beaverbrook und als Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika Herr Harriman teilnahmen, hat den Beschluss gefasst, unserem Lande mit Panzern und Flugzeugen systematisch zu helfen. Bekanntlich erhalten wir bereits auf Grund dieses Be-Beschlusses Panzer und Flugzeuge. Schon früher hat Großbritannien die Versorgung unseres Landes mit solchen Mangelstoffen wie Aluminium, Blei, Zinn, Nickel und Kautschuk sichergestellt. Fügt man die Tatsache hinzu, dass die Vereinigten Staaten von Amerika in diesen Tagen beschlossen haben, der Sowjetunion eine Anleihe in Höhe von einer Milliarde Dollar zu gewähren, so kann man mit Gewissheit lagen, dass die Koalition der Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritanniens und der Sowjetunion eine reale Angelegenheit ist (stürmischer Beifall) , die wächst und wachsen wird zum Wohle unseres gemeinsamen Befreiungswerkes.

Das sind die Faktoren, die den unvermeidlichen Untergang des faschistischen deutschen Imperialismus bestimmen.

UNSERE AUFGABEN

Lenin unterschied zwei Arten von Kriegen: Eroberungskriege, das heißt ungerechte Kriege, und Befreiungskriege, gerechte Kriege.

Die Deutschen führen heute einen Raubkrieg, einen ungerechten Krieg, der auf Eroberung fremden Gebiets und die Unterwerfung fremder Völker abzielt. Darum müssen sich alle ehrlichen Menschen gegen die deutschen Eindringlinge als gegen ihre Feinde erheben.

Zum Unterschied von Hitlerdeutschland führen die Sowjetunion und ihre Bundesgenossen einen Befreiungskrieg, einen gerechten Krieg, der auf die Befreiung der unterjochten Völker Europas und der Sowjetunion von der Hitlertyrannei abzielt. Darum müssen alle ehrlichen Menschen die Armeen der Sowjetunion, Großbritanniens und der anderen Verbündeten als Befreiungsarmeen unterstützen.

Wir haben keine Kriegsziele und können keine Kriegsziele haben wie die Eroberung fremder gebiete oder die Unterwerfung fremder Völker, ganz gleich, ob es sich um Völker Und Gebiete Europas oder um Völker und Gebiete Asiens, darunter auch Irans, handelt. Unser erstes Ziel besteht darin, unsere Gebiete und unsere Völker vom faschistischen deutschen Joch zu befreien.

Wie haben keine Kriegsziele und können keine Kriegsziele haben wie etwas das Ziel, den slawischen und den anderen unterjochten Völkern Europas, die von uns Hilfe erwarten, unseren Willen aufzuzwingen. Unser Ziel besteht darin, diesen Völkern in ihrem Befreiungskampf gegen die Hitlertyrannei zu helfen und es ihnen dann zu überlassen, sich auf ihrem Boden völlig frei so einzurichten, wie sie das wollen. Keinerlei Einmischung in die inneren Angelegenheiten der anderen Völker!

Um aber diese Ziele verwirklichen zu können, gilt es, die militärische Macht der deutschen Eindringlinge zu zerschmettern, gilt es, alle deutschen Okkupanten, die in unser Heimatland eingedrungen sind, um es zu unterjochen, bis auf den letzten Mann auszutilgen. ( Stürmischer, lang anhaltender Beifall .) Dazu aber ist es notwendig, dass unsere Armee und unsere Flotte von unserem ganzen Lande wirksam und aktiv unterstützt werden, dass unsere Arbeiter und Angestellten, Männer und Frauen, in den Betrieben arbeiten, ohne die Hände in den Schoß zu legen, und der Front immer mehr und mehr Panzer, Panzerbüchsen und Panzerabwehrgeschütze, Flugzeuge, Kanonen, Granatwerfer, Maschinengewehre, Gewehre und Munition liefern, dass unsere Kollektivbauern, Männer und Frauen, auf ihren Feldern arbeiten, ohne die Hände in den Schoß zu legen, und der Front und dem Lande immer mehr und mehr Getreide, Fleisch und Industrierohstoffe liefern, dass unser ganzes Land und alle Völker der Sowjetunion sich zu einem einigen Kampflager zusammenschließen, das gemeinsam mit unserer Armee und unserer Flotte den Großen Befreiungskrieg für die Ehre und die Freiheit unserer Heimat, für die Zerschmetterung der deutschen Armeen führt. (Stürmischer Beifall.) Darin besteht jetzt unsere Aufgabe. Wir können und wir müssen diese Aufgabe bewältigen.

Nur wenn wir diese Aufgabe bewältigt und die deutschen Okkupanten zerschlagen haben, können wir einen dauerhaften und gerechten Frieden erzielen.

Für die völlige Zerschmetterung der deutschen Okkupanten! (Stürmischer Beifall.)

Für die Befreiung aller unter dem Joch der Hitlertyrannei stöhnenden unterdrückten Völker! (Stürmischer Beifall.)

Es lebe die unverbrüchliche Freundschaft der Völker der Sowjetunion ! (Stürmischer Beifall.)

Es lebe unsere Rote Armee und unsere Rote Flotte! (Stürmischer Beifall.)

Es lebe unser ruhmreiches Heimatland! (Stürmischer Beifall.)

Unsere Sache ist gerecht - der Sieg wird unser sein!

(Stürmischer Beifall. Alle erheben sich von ihren Plätzen. Rufe: "Dem großen Stalin Hurra! "Es lebe Genosse Stalin!" Stürmische, nicht enden wollende Ovation. Gesang der "Internationale".)

 

 

STALIN

REDE BEI DER PARADE DER ROTEN ARMEE

AUF DEM ROTEN PLATZ IN MOSKAU

AM 7. NOVEMBER 1941

Genossen Rotarmisten und Matrosen der Roten Flotte, Kommandeure und politische Funktionäre, Arbeiter und Arbeiterinnen, Kollektivbauern und Kollektivbäuerinnen, Kopfarbeiter, Brüder und Schwestern im Hinterland unseres Feindes, die ihr vorübergehend unter das Joch der deutschen Räuber geraten leid, und ihr, unsere ruhmreichen Partisanen und Partisaninnen, die ihr die rückwärtigen Einrichtungen lind Dienste der deutschen Eindringlinge zerstört!

Im Namen der Sowjetregierung und unserer bolschewistischen Partei begrüße und beglückwünsche ich Euch zum 24. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution.

Genossen! Unter schweren Verhältnissen müssen wir heute den 24. Jahrestag der Oktoberrevolution feiern. Der wortbrüchige Überfall der deutschen Räuber und der uns aufgezwungene Krieg haben eine Bedrohung für unser Land geschaffen. Wir haben zeitweilig eine Reihe von Gebieten verloren, der Feind steht vor den Toren Leningrads und Moskaus. Der Feind rechnete darauf, unsere Armee würde gleich nach dem ersten Schlag zerstreut und unser Land auf die Knie gezwungen sein. Aber der Feind hat sich gründlich verrechnet. Trotz zeitweiliger Misserfolge schlagen unsere Armee und unsere Flotte die Angriffe des Feindes an der ganzen Front heldenhaft ab, wobei sie ihm schwere Verluste zufügen, und unser Land, unser ganzes Land, hat sich zu einem einigen Kampflager zusammengeschlossen, um gemeinsam mit unserer Armee und unserer Flotte die Zerschmetterung der deutschen Eindringlinge zu verwirklichen.

Es hat Tage gegeben, wo unser Land sich in einer noch schwereren Lage befunden hat. Erinnert euch des Jahres 1918, als wir den ersten Jahrestag der Oktoberrevolution feierten. Drei Viertel unseres Landes befanden sich damals in den Händen der ausländischen Interventen. Die Ukraine, der Kaukasus, Mittelasien, der Ural, Sibirien, der Ferne Osten waren uns zeitweilig verloren gegangen. Wir hatten keine Verbündeten, wir hatten keine Rote Armee - wir begannen sie eben erst zu organisieren -, es fehlte an Getreide, es fehlte an Waffen, es fehlte an Ausrüstung. Vierzehn Staaten bedrängten damals unser Land. Aber wir verzagten nicht, wir ließen den Mut nicht sinken. Im Feuer des Krieges organisierten wir damals unsere Rote Armee und verwandelten unser Land in ein Kriegslager. Der Geist des großen Lenin entflammte uns damals zum Krieg gegen die Interventen. Und was geschah? Wir schlugen die Interventen, gewannen alle verlorenen Gebiete zurück und errangen den Sieg.

Heute ist die Lage unseres Landes unvergleichlich besser als vor 23 Jahren. Unser Land ist heute an Industrie sowie an Lebensmitteln und Rohstoffen um ein Vielfaches reicher als vor 23 Jahren. Wir haben jetzt Verbündete, die zusammen mit uns in einer Einheitsfront gegen die deutschen Räuber stehen. Wir besitzen heute die Sympathie und die Unterstützung all der Völker Europas, die unter das Joch der Hitlertyrannei geraten sind. Wir haben jetzt eine vorzügliche Armee und eine vorzügliche Flotte, die die Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat unter Einsatz, ihres Lebens verteidigen. Bei uns herrscht weder an Lebensmitteln noch an Waffen und Ausrüstung ernsthafter Mangel. Unser ganzes Land, alle Völker unseres Landes unterstützen unsere Armee und unsere Flotte und helfen ihnen, die Räuberhorden der deutschen Faschisten zu schlagen. Unsere Menschenreserven sind unerschöpflich. Der Geist des großen Lenin und sein siegreiches Banner begeistern uns heute zum Vaterländischen Krieg ebenso wie vor 23 Jahren.

Lässt sich etwa bezweifeln, dass wir die deutschen Räuber besiegen können und besiegen müssen?

Der Feind ist nicht so stark, wie manche erschrockene Intelligenzler ihn hinstellen. Der Teufel ist nicht so furchtbar, wie man ihn an die Wand malt. Wer könnte leugnen, dass unsere Rote Armee die vielgepriesenen deutschen Truppen schon oftmals in panikartige Flucht geschlagen hat? Wenn man nicht nach den prahlerischen Erklärungen der deutschen Propagandisten, sondern nach der wirklichen Lage Deutschlands urteilt, so ist es nicht schwer zu verstehen, dass die faschistischen deutschen Eindringlinge vor einer Katastrophe stehen. In Deutschland herrschen jetzt Hunger und Elend, in vier Kriegsmonaten hat Deutschland viereinhalb Millionen Soldaten verloren, Deutschland verblutet, seine Menschenreserven versiegen, der Geist der Empörung ergreift nicht nur die Völker Europas, die unter das Joch der deutschen Landräuber geraten sind, sondern auch das deutsche Volk selbst, das kein Ende des Krieges sieht. Die deutschen Eindringlinge spannen ihre letzten Kräfte an. Es ist nicht zu bezweifeln, dass Deutschland eine solche Anspannung nicht lange aushalten kann. Noch ein paar Monate, noch ein halbes Jahr, vielleicht ein Jährchen - und Hitlerdeutschland muss unter der Last seiner Verbrechen zusammenbrechen.

Genossen Rotarmisten und Matrosen der Roten Flotte, Kommandeure und politische Funktionäre, Partisanen und Partisaninnen! Auf euch blickt die ganze Welt als auf die Macht, die fähig ist, die räuberischen Heerhaufen der deutschen Eindringlinge zu vernichten. Auf euch blicken die geknechteten Völker Europas, die unter das Joch der deutschen Räuber geraten sind, als auf ihre Befreier. Eine große Befreiungsmission ist euch übertragen worden. So seid denn dieser Mission würdig! Der Krieg, den ihr führt, ist ein Befreiungskrieg, ein gerechter Krieg. Möge euch in diesem Krieg das heldenmütige Vorbild eurer großen Vorfahren beseelen - Alexander Newskis, Dmitri Donskois, Kusma Minins, Dmitri Posharskis, Alexander Suworows, Michael Kutusows! Möge euch das siegreiche Banner des großen Lenin Kraft verleihen!

Für die völlige Zerschmetterung der deutschen Eindringlinge!

Tod den deutschen Okkupanten!

Es lebe unsere ruhmreiche Heimat, ihre Freiheit, ihre Unabhängigkeit!

Unter dem Banner Lenins vorwärts zum Sieg!

 

 

 

 

 Veröffentlichung der Komintern (SH)

 

Der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion

1941 - 1945

 

(erster Teil - Beginn 22. Juni 1941)

 

 

 

Hitlers "Vernichtungskrieg der verbrannten Erde gegen den Bolschewismus"

"Die Aufgabe ... ist daher nicht mehr der Schutz einzelner Länder, sondern die Sicherung Europas und damit die Rettung aller." (Hitlers Rede vom 22. Juni 1941)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"The Russians must die that we might live." (Nazi-Propaganda)