Historische Ereignisse der internationalen revolutionären Bewegung

 

 

 

 

 

 

 

DEUTSCH

Diese Webseite wurde von der Komintern (SH) erstellt in Erinnerung an

Nicola Sacco

und

Bartolomeo Vanzetti

August 22, 1927 - August 22, 2017


 

 

 

90. Jahrestag der Hinrichtung von

SACCO UND VANZETTI

- USA -

 

 

 

 

Auch nach 90 Jahren fühlen wir uns mit den Opfern der amerikanischen Klassenjustiz solidarisch verbunden. Unter falschen Anschuldigungen waren Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, aus Italien stammende Gewerkschaftsfunktionäre, 1920 in den USA verhaftet und unschuldig zum Tode verurteilt worden. Es entstand eine starke Protestbewegung, vor allem auf Initiative der KPD und proletarischer Massenorganisationen. Im August 1927 fand in Berlin eine Protestkundgebung gegen die bevorstehende Hinrichtung statt. Daran nahmen 120 000 (!!!) Demonstranten teil. In fast allen deutschen Städten fanden ähnliche Versammlungen statt. Hunderte Delegationen versuchten, in die amerikanische Botschaft zu gelangen, um dort Resolutionen von Betriebsbelegschaften und öffentlichen Versammlungen zu übergeben. Auch Schriftsteller und Künstler nahmen leidenschaftlich Anteil an dieser Bewegung, ebenfalls hervorragende Repräsentanten der bürgerlich-demokratischen Intelligenz, unter ihnen Albert Einstein, Heinrich Mann, Max Reinhardt und Kurt Tucholsky. Auch nach dem Justizmord kam es in vielen Städten zu Kundgebungen und Demonstrationen. Hervorzuheben ist, dass die KPD hierzu eine breite solidarische Einheitsfront hergestellt hatte. Auch die "AIZ" (Illustrierte Arbeiterzeitung") trug dazu bei, dieser Protestkampagne einen Massencharakter zu geben (Nr. 20 vom 22. 5. 1927 - siehe oben Titelbild).

 

 

 

 

Ernst Thälmann

Gegen den Mord an Sacco und Vanzetti

 

Rede im Berliner Lustgarten

  1. August 1927

    Die Rote Fahne“ vom 25. August 1927.


Wir demonstrieren heute gegen die Ermordung Saccos und Vanzettis durch die weiße Blutjustiz der amerikanischen Bourgeoisie. Diese Demonstration richtet sich gleichzeitig gegen das blutbesudelte kapitalistische System, das der wirklich Schuldige des Mordes an Sacco und Vanzetti ist. Die Abschlachtung Saccos und Vanzettis ist kein Einzelfall, sondern in allen kapitalistischen Ländern wütet die Klassenjustiz gegen die Kämpfer des revolutionären Proletariats. Wir alle denken noch an die viehische Ermordung von Rosa und Karl, von Jogiches und Leviné, von Sylt und vielen anderen, die dem weißen Terror des deutschen Kapitalismus zum Opfer gefallen sind. Dieser Terror wütet nach wie vor in der gesamten kapitalistischen Welt, in Ungarn, Pulen, Italien, Bulgarien, in Rumänien, Litauen, in Österreich und auch in Deutschland.

Justizmord und heimtückische Abschlachtung von Proletariern sind in allen kapitalistischen Ländern an der Tagesordnung. Gleichzeitig werden Tausende von Kämpfern für das Proletariat hinter Kerkermauern gequält und oft zu Tode gefoltert. Hunderte von Arbeitern schmachten in Deutschland in den Gefängnissen, die nichts anderes begangen haben, als daß sie die Interessen der Unterdrückten und Ausgebeuteten verteidigt haben.

Millionen von Arbeitern sind zum Protest gegen die geplante Ermordung von Sacco und Vanzetti auf die Straße gegangen. Aber die amerikanische Bourgeoisie fühlte sich noch stark genug, um vor der Ermordung nicht zurückzuschrecken. Freilich, der Kampf des Weltproletariats gegen das brutale Verbrechen der amerikanischen Bourgeoisie war nicht einheitlich. Die sozialdemokratischen Parteien, die II. Internationale und die Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale haben von Anfang an diesen Kampf sabotiert. Was in ihren Kräften stand, haben sie getan, um die Arbeiterschaft in ihrer Protestaktion zu schwächen und zu hindern. Am schamlosesten hat sich die deutsche Sozialdemokratische Partei benommen.

Der „Vorwärts” übertraf sogar einen Teil der kapitalistischen Presse, indem er die Abschlachtung Saccos und Vanzettis mit den Erschießungen konterrevolutionärer Banditen in der Sowjetunion gleichstellte.

In Deutschland hat die Klassenjustiz unter der Bürgerblockregierung einen verschärften Kurs eingeschlagen. Vor kurzem hat die Niedner-Justiz in Stuttgart eine Anzahl Arbeiter zu 45 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie es gewagt hatten, die württembergische Arbeiterschaft zum Kampfe gegen den Faschismus zu organisieren. Derselbe Niedner hat gegen die Zentrale der KPD einen Prozeß eingeleitet, der im Oktober stattfinden soll.

Während ein Teil der Bourgeoisie und die sozialdemokratischen Führer einen Abscheu gegen die Ermordung von Sacco und Vanzetti heucheln, sind sie gleichzeitig in vielen Städten mit den brutalsten Mitteln gegen die demonstrierenden Arbeiter vorgegangen. In Paris und in Genf, in London und in Amsterdam, in Leipzig und in Halle wurden Arbeiter niedergeknüppelt und erschlagen, weil sie es wagten, nicht nur gegen die amerikanische Verbrecherjustiz, sondern gegen die Klassenjustiz im eignen Lande aufzumarschieren. In Deutschland waren es gerade sozialdemokratische Polizeipräsidenten, die sich bei dieser Niederknüppelung der Arbeiter durch schamlose Anbiederung an die kapitalistische Gesellschaft ausgezeichnet haben.

Mit uns schwören heute Millionen Arbeiter in der ganzen Welt Rache für Sacco und Vanzetti!

Das Mittel dazu besteht in der Organisierung des verstärkten Kampfes gegen die weiße Justiz im eigenen Lande, in der Verstärkung des Kampfes für die Befreiung aller proletarischen politischen Gefangenen, in Deutschland insbesondere in der Zusammenfassung aller Kräfte zum Sturz der reaktionären Bürgerblockregierung.

 

 

 

Deutschlandweit bildeten sich 1927 Komitees, um für die Freilassung der in den USA unschuldig zu Tode verurteilten italienischen Arbeiter Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti zu kämpfen. Informationen zum „Sacco und Vanzetti – Komitee Dortmund“ gesucht.

Sacco und Vanzetti, Westfälischer Kämpfer, Dortmund, 22.08.1927

Sacco und Vanzetti, Westfälischer Kämpfer, Dortmund, 22.08.1927

In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1927 wurden Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Noch am Tage zuvor – und ebenso am 1. August anlässlich des Antikriegstages – wurde in Dortmund gegen die Vollstreckung der Todesurteile protestiert. Am 24. August fand eine „Trauerkundgebung für Sacco und Vanzetti“ statt: „Der große Saal des Reinoldushofes war überfüllt, sehr viele Arbeiter mussten wieder umkehren, da sie keinen Einlaß mehr finden konnten, um ebenfalls ihre Stimme zu erheben und Rache zu schwören der amerikanischen Klassenjustiz, die die zwei edelsten und standhaftesten Klassenkämpfer gemordet hat“. „Das Ruhrproletariat gedenkt der Märtyrer von Boston“, aber ganz unpathetisch gesagt: Das war es dann auch, denn die angekündigten Streiks und Boykotts fanden – anders als in anderen Ländern – im Ruhrgebiet nicht statt.

Merkwürdigerweise tritt während der Proteste im August 1927 das Dortmunder Saccho- und Vanzetti-Komitee gar nicht in Erscheinung. Im Oktober 1927 erscheint dann ein Abdruck des Aufrufes „Gegen die Todesstrafe“, in dem das Dortmunder Komitee dazu aufruft, die Sacco- und Vanzetti-Komitees nicht aufzulösen und eine zentrale Einrichtung im Kampf gegen die Todesstrafe einzurichten. Nähere Hinweise zum Dortmunder Komitee sind nicht bekannt.

Gegen die Todesstrafe. Dortmunder Sacco- und Vanzetti-Komitee. Der Syndikalist 15.10.1927

Gegen die Todesstrafe. Dortmunder Sacco- und Vanzetti-Komitee. Der Syndikalist 15.10.1927

In Dortmund fanden die ersten öffentlichen Informations- und Solidaritätsveranstaltungen für Sacco und Vanzetti im März 1921 statt, organisiert von syndikalistischen Organisationen. Anfang November 1921 wurden in den heutigen Dortmunder Stadtteilen Marten, Lütgendortmund, Oespel und Mengede öffentliche Versammlungen des Anarchistischen Freibund Rheinland und Westfalen – einer Abspaltung der Freien Arbeiter Union -  zum Thema „Justizverbrechen gegen unsere amerikanischen Kameraden Sacco und Vanzetti“ durchgeführt. Referent war Carl Langer, Redakteur der in Hamburg herausgegebenen anarchistischen Zeitschrift „Alarm – Organ für freien Sozialismus“.

Die „Freie Arbeiter Union, Syndikalisten“, in Dortmund flächendeckend mit zeitweise möglicherweise mehr als 10.000 Mitgliedern vertreten, verband die „Sacco und Vanzetti – Solidarität“ mit „Protestversammlungen gegen die Auslieferung von vier spanischen Genossen“ (spanische Anarchisten, die von der deutschen Regierung nach Spanien abgeschoben werden sollten). Referent einer Veranstaltung in Dortmund am 19.11.1921 war der Schriftsteller Theodor Plievier, der etwas später auch durch seine Zusammenarbeit mit Käthe Kollwitz bekannt werden sollte. Eine „große öffentliche Bergarbeiter-Versammlung“ fand am 23.11.1921 in Mengede statt. Thema: „Protest gegen die Auslieferung der in Berlin verhafteten spanischen Kameraden und gegen die geplante Ermordung zweier italienischer Kameraden in Amerika.“

 

 

 

 

Youtube:

 

Viva Sacco and Vanzetti !

Woody Guthrie's

"Ballads of Sacco and Vanzetti"

 

 

 

Ballad of Sacco and Vanzetti Ennio Morricone and Joan Baez

 

"Marche de Sacco et Vanzetti" Georges Moustaki en live à la Philharmonie de Berlin

 

Nana Mouskouri and Joan Baez - Here's To You

 

 

Protest demonstration of laborers in defense of Sacco and Vanzetti, Wall Street

 

 

Sacco and Vanzetti funeral footage in chronological

 

Sacco & Vanzetti

 

Sacco and Vanzetti executed

 

 

Sacco e Vanzetti - Escenas finales de la pelìcula.

 

 

Sacco y Vanzzeti Monólogo final

 

Justice Denied In Massachusetts - Short film adaptation in YouTube

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BIBLIOGRAPHY SACCO AND VANZETTI

 

 

"What I wish more than all in this last hour of agony is that our case and our fate may be understood in their real being and serve as a tremendous lesson to the forces of freedom, that our suffering and death will not have been in vain."

 

 

Let us abandon then our gardens and go home
And sit in the sitting room.
Shall the larkspur blossom or the corn grow under this cloud?
Sour to the fruitful seed
Is the cold earth under this cloud,
Fostering quack and weed, we have marched upon but cannot conquer;
We have bent the blades of our hoes against the stalks of them.

Let us go home, and sit in the sitting room.
Not in our day
Shall the cloud go over and the sun rise as before,
Beneficent upon us
Out of the glittering bay,
And the warm winds be blown inward from the sea
Moving the blades of corn
With a peaceful sound.
Forlorn, forlorn,
Stands the blue hay-rack by the empty mow.
And the petals drop to the ground,
Leaving the tree unfruited.
The sun that warmed our stooping backs and withered the weed uprooted
We shall not feel it again.
We shall die in darkness, and be buried in the rain.

What from the splendid dead
We have inherited —
Furrows sweet to the grain, and the weed subdued —
See now the slug and the mildew plunder.
Evil does overwhelm
The larkspur and the corn;
We have seen them go under.

Let us sit here, sit still,
Here is the sitting-room until we die;
At the step of Death on the walk, rise and go;
Leaving to our children`s children this beautiful doorway,
And this elm,
And a blighted earth to till
With a broken hoe.

-Edna St. Vincent Millay

 

 

Well, the dying time came, the legal midnight hour,
The moment set by law for the Chair to be at work,
To substantiate the majesty of the State of Massachusetts
That hour was at hand, had arrived, was struck by the clocks,
The time for two men to be carried cool on a cooling board
Beyond the immeasurably thin walls between day and night,
Beyond the reach of airmail, telegrams, radiophones,
Beyond the brotherhoods of blood into the fraternities
Of mist and foggy dew, of stars and ice.
The time was on for two men
To march beyond blood into dust —
A time that comes to all men,
Some with a few loved ones at a bedside,
Some alone in the wilderness or the wide sea,
Some before a vast audience of all manking.

 Now Sacco saw the witnesses
As the straps were fitted on
Tying him down in the Chair —
And seeing the witnesses were
Respectable men and responsible citizens
And even though there had been no introductions,
Sacco said, “Good-evening, gentlemen.”
And before the last of the straps was fastened so to hold
Sacco murmured, “Farewell, mother.”

Then came Vanzetti.
He wished the vast audience of all mankind
To know something he carried in his breast.
This was the time to tell it.
He had to speak now or hold his peace forever.
The headgear was being clamped on.
The straps muffling his mouth were going on.
He shouted, “I wish to forgive some people
for what they are now doing.”
And so now
the dead are dead????

-Carl Sandburg, “Legal Midnight Hour”

 

 

 

Sacco and Vanzetti Yesterday and Today's Immigrants

 

Dorotea Manuela, activist for workers rights:

"Today we commemorate the execution of Sacco and Vanzetti, two immigrant working men whose lives were taken by the state because they were radicals and foreigners. Sacco and Vanzetti are part of a long list of working class martyrs who died in the struggle against corporate greed and for workers rights. That struggle in various forms continues today, and we are animated by the spirit of Sacco and Vanzetti and must dedicate ourselves to a continuation of that struggle."

"(...) How strangely reminiscent are today's events. Arabs, Latin@s, Haitians and Caribbeans are kidnapped from their streets and confined in secret prisons where they rot without hearing or trial. We do not even need the sham trials of Sacco and Vanzetti.

In addition, our xenophobes in Congress and the press announce that yesterday's Italians are today's Latino, Haitian and Caribbean immigrants. They come here, we are told, to draw our resources, to burden our schools, to overwhelm our services and to collect welfare. Paradoxically these "lazy immigrants" are taking all of our jobs."

 

The question we must answer is what are we doing to stop the reoccurrence of such governmental injustice today, whether lives are being physically ended or destroyed through incarceration. What good does it do to call attention to the tragedy that occurred to Sacco and Vanzetti, if we do not organize to stop the present day governmental victimization of our brothers and sisters."

 

The history of the struggles of working men and women here and around the world is one that the capitalist class hopes we will forget, and their hired hands work overtime to cover it up and "educate" us that their history is our history.

 

Brothers and Sisters, the immigrants in this country aren't the enemy. The reality is, from my perspective, immigrants are the victims. Why are the immigrants here? The immigrants are here in this day and age, the immigrants are coming into this country, because our country, our military forces are enabling the business community of this country - of this country and other countries - to go throughout the world raping and pillaging the economies of those countries. We have to understand that the immigrant "problem" is not an immigrant problem. It is a problem of imperialism. It's a problem of the unjust use of force to control the economies of other countries