Die Anarchisten, Menschewisten und Sozialrevolutionäre auf der ganzen Welt machen seit 100 Jahren, so auch heute, Reklame für ihren "Kronstädter Aufstand gegen die Bolschewiki".

Über die Ereignisse in Kronstadt von 1921 scheiden sich die Geister zwischen ihnen und uns Stalinisten-Hoxhaisten, zwischen Proletariat und Bourgeoisie.

Der Kampf zwischen Stalinisten-Hoxhaisten und Anarchisten, Menschewisten und Sozialrevolutionäre kann letztendlich nur durch die Waffe in der Hand des kommunistischen Arbeiters unter Führung der Komintern (SH) entschieden werden. Das ist eine unvermeidliche Lehre aus der Geschichte der bewaffneten Niederschlagung der kleinbürgerlichen "Revolution" in Kronstadt - 1921 durch die Bolschewiki unter Führung Lenins und Stalins.

Wer gegen uns Weltbolschewisten seine Gewehre richtet, wird durch unsere Gewehre gerichtet werden !

Ohne die Anarchisten, Menschewisten und Sozialrevolutionäre zu schlagen, kann das Proletariat weder in der sozialistischen Weltrevolution noch beim Aufbau des Weltsozialismus und Weltkommunismus siegreich sein.

Komintern (SH)

23. Februar 2021

 

DEUTSCH

23. Februar 1921

100 Jahre

Niederwerfung der konterrevolutionären

Kronstadt - Meuterei

 

 

Wir vergessen nicht, daß es verschiedene Klassen gibt, daß die kleinbürgerliche anarchistische Konterrevolution die politische Vorstufe des Weißgardistentums ist.

Unversöhnlicher Kampf gegen die
Menschewiki, Sozialrevolutionäre,
Anarchisten !!

(Lenin)

Was Lenin hier sagt, das galt damals, gilt heute und gilt morgen.

 

 

 

Auszug aus:

Geschichte der KPdSU (B) [Kurzer Lehrgang]

Kapitel IX ; Seite 309 - 312

1

Das Sowjetland nach der Liquidierung der Intervention und des Bürgerkrieges


Die Schwierigkeiten der Wiederherstellungsperiode

 

Nachdem das Sowjetland den Krieg beendet hatte, begann es sich auf den friedlichen wirtschaftlichen Aufbau umzustellen. Es war notwendig, die Wunden zu heilen, die der Krieg geschlagen hatte. Es war notwendig, die zerstörte Volkswirtschaft wiederherzustellen, die Industrie, das Verkehrswesen, die Landwirtschaft in Ordnung zu bringen.

Der Übergang zum friedlichen Aufbau musste jedoch unter außerordentlich schwierigen Umständen vollzogen werden. Der Sieg im Bürgerkriege war nicht leicht errungen worden. Das Land war durch den vierjährigen imperialistischen Krieg und den dreijährigen Krieg gegen die Intervention ruiniert.

Die Gesamtproduktion der Landwirtschaft betrug im Jahre 1920 nur etwa die Hälfte der Vorkriegsproduktion. Und selbst das Vorkriegsniveau war ja das Niveau des bettelarmen Dorfes des zaristischen Russland. Überdies waren im Jahre 1920 viele Gouvernements von einer Missernte heimgesucht worden. Die bäuerliche Wirtschaft machte eine schwere Zeit durch.

Noch schlechter war die Lage der Industrie, die sich in einem Zustand der Zerrüttung befand. Die Produktion der Großindustrie betrug im Jahre 1920 nur wenig mehr als ein Siebentel der Vorkriegsproduktion. Die meisten Fabriken und Werke lagen still, Bergwerke und Schächte waren zerstört, ersoffen. In einem besonders schlimmen Zustand befand sich das Hüttenwesen. Die Erzeugung von Roheisen betrug für das ganze Jahr 1921 insgesamt nur 116300 Tonnen, das heißt ungefähr 3 Prozent der Roheisenproduktion der Vorkriegszeit. Es fehlte an Brennstoffen. Das Verkehrswesen war zerstört. Die Vorräte des Landes an Metall und Manufakturartikeln waren nahezu erschöpft. Im Lande herrschte großer Mangel am Allernotwendigsten, an Brot, Fetten, Fleisch, Schuhwerk, Kleidung, Zündhölzern, Salz, Petroleum, Seife.

Solange der Krieg andauerte, fanden sich die Menschen mit all diesen Mängeln, diesen Entbehrungen ab, ja sie bemerkten sie zuweilen gar nicht mehr. Jetzt aber, als der Krieg zu Ende war, fühlten die Menschen plötzlich die Unerträglichkeit dieser Mängel und Entbehrungen und drangen auf ihre sofortige Beseitigung.

Unter den Bauern machte sich Unzufriedenheit bemerkbar. Im Feuer des Bürgerkrieges war ein militärisch-politisches Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft entstanden und hatte sich gefestigt. Dieses Bündnis beruhte auf einer bestimmten Grundlage: der Bauer erhielt von der Sowjetmacht Boden und Schutz vor dem Gutsbesitzer, vor dem Kulaken, die Arbeiter erhielten auf Grund der Ablieferungspflicht von der Bauernschaft Lebensmittel.

Nun aber erwies sich diese Grundlage schon nicht mehr als ausreichend.

Der Sowjetstaat war genötigt, von dem Bauern auf Grund der Ablieferungspflicht alle Überschüsse für die Bedürfnisse der Landesverteidigung einzuziehen. Der Sieg im Bürgerkrieg wäre ohne die Ablieferungspflicht, ohne die Politik des Kriegskommunismus unmöglich gewesen. Die Politik des Kriegskommunismus war durch den Krieg, durch die Intervention erzwungen worden. Solange Krieg geführt wurde, fand sich die Bauernschaft mit der Ablieferungspflicht ab und merkte den Warenmangel nicht, als aber der Krieg zu Ende war und die drohende Gefahr einer Rückkehr des Gutsbesitzers verschwand, begann der Bauer über die Wegnahme aller Überschüsse, über das System der Ablieferungspflicht Unzufriedenheit zu bekunden, begann er zu fordern, dass er in genügender Menge mit Waren versorgt werde.

Das ganze System des Kriegskommunismus geriet, wie Lenin bemerkte, in Kollision mit den Interessen der Bauernschaft.

Auch in der Arbeiterklasse kam es zu Äußerungen spontaner Unzufriedenheit. Das Proletariat hatte die Hauptlasten des Bürgerkrieges getragen, als es mit Heldenmut und Selbstverleugnung gegen die Heerhaufen der Weißgardisten und Interventen, gegen Zerrüttung und Hunger kämpfte. Die besten, klassenbewusstesten, selbstlosesten und diszipliniertesten Arbeiter lohten von sozialistischem Enthusiasmus. Aber die überaus schwere wirtschaftliche Zerrüttung übte auch auf die Arbeiterklasse ihren Einfluss aus. Die wenigen Fabriken und Werke, die noch in Betrieb waren, litten unter großen Arbeitsunterbrechungen. Die Arbeiter waren gezwungen, zu Hause zu basteln, sich mit der Herstellung von Feuerzeugen u. dgl. sowie mit Hamsterei zu beschäftigen. Die Klassenbasis der Diktatur des Proletariats begann schwächer zu werden, die Arbeiterklasse bröckelte ab, ein Teil der Arbeiter wanderte ins Dorf, hörte auf, Arbeiter zu sein, verfiel der Deklassierung. Infolge des Hungers und der Ermüdung machte sich bei einem Teil der Arbeiter Unzufriedenheit bemerkbar.

Vor der Partei erhob sich die Frage der Ausarbeitung einer neuen, der neuen Situation entsprechenden Stellungnahme der Partei zu allen Problemen des wirtschaftlichen Lebens des Landes.

Und die Partei schritt an die Ausarbeitung der neuen Stellungnahme zu den Problemen des wirtschaftlichen Aufbaus.

Der Klassenfeind aber schlief nicht. Er versuchte, die schwere wirtschaftliche Lage, die Unzufriedenheit der Bauern auszunutzen. Von den Weißgardisten und Sozialrevolutionären organisierte kulakische Aufstände flammten in Sibirien, in der Ukraine, im Gouvernement Tambow (Antonowaufstand) auf. Die Tätigkeit der konterrevolutionären Elemente aller Art - der Menschewiki, Sozialrevolutionäre, Anarchisten, Weißgardisten und bürgerlichen Nationalisten lebte auf. Der Feind ging zu neuen taktischen Methoden des Kampfes gegen die Sowjetmacht über. Er begann sich mit sowjetischer Farbe zu übertünchen und stellte schon nicht mehr die alte, bankrotte Losung auf: „Nieder mit den Sowjets“, sondern eine neue Losung:

„Für die Sowjets, aber ohne Kommunisten.“

* * *

Ein krasser Ausdruck der neuen Taktik des Klassenfeindes war die konterrevolutionäre Meuterei in Kronstadt.

Sie begann eine Woche vor dem X. Parteitag, im März 1921. An die Spitze der Meuterei traten Weißgardisten, die mit den Sozialrevolutionären, den Menschewiki und Vertretern fremder Staaten in Verbindung standen. Ihre Bestrebungen, die Macht und das Eigentum der Kapitalisten und Gutsbesitzer wiederherzustellen, versuchten die Meuterer anfangs hinter einem „sowjetischen“ Aushängeschild zu verstecken. Sie stellten die Losung auf: „Sowjets ohne Kommunisten.“ Die Konterrevolution machte den Versuch, die Unzufriedenheit der kleinbürgerlichen Massen auszunutzen, um unter angeblich sowjetischen Losungen die Sowjetmacht zu stürzen.

Zwei Umstände erleichterten den Ausbruch der Kronstädter Meuterei: die Verschlechterung in der Zusammensetzung der Matrosenbesatzungen der Kriegsschiffe und die Schwäche der bolschewistischen Organisation in Kronstadt. Die alten Matrosen, die an der Oktoberrevolution teilgenommen hatten, waren nahezu Mann für Mann an die Front gegangen und hatten in den Reihen der Roten Armee heldenhaft gekämpft. Neue, nicht in der Revolution gestählte Ergänzungsmannschaften waren zur Flotte eingerückt. Dieser Nachschub stellte eine noch völlig urwüchsige bäuerliche Masse dar, die die Unzufriedenheit der Bauernschaft mit der Ablieferungspflicht widerspiegelte. Was die Kronstädter bolschewistische Organisation jener Periode betrifft, so war sie durch eine Reihe von Aufgeboten für die Front sehr geschwächt. Diese Umstände gaben den Sozialrevolutionären, Menschewiki und Weißgardisten die Möglichkeit, sich in Kronstadt einzuschleichen und die Stadt einzunehmen.

Die Meuterer bemächtigten sich der erstklassigen Festung, der Flotte und einer gewaltigen Menge von Waffen und Geschossen. Die internationale Konterrevolution feierte einen Sieg. Aber die Feinde frohlockten zu früh. Die Meuterei wurde von den Sowjettruppen rasch niedergeworfen. Die Partei entsandte gegen die Kronstädter Meuterer ihre besten Söhne: die Delegierten des X. Parteitages mit Genossen Woroschilow an der Spitze. Die Rotarmisten mussten gegen Kronstadt über dünnes Eis vorgehen. Das Eis brach durch, und viele ertranken. Die fast uneinnehmbaren Kronstädter Forts mussten im Sturm genommen werden. Ergebenheit für die Revolution und Kampfesmut, die Bereitschaft, für die Sowjetmacht das Leben hinzugeben, trugen den Sieg davon.

Die Kronstädter Festung wurde von den roten Truppen im Sturm genommen. Die Kronstädter Meuterei war liquidiert.

 

 

 

 

 

 

 

ehemaliger Marinestützpunkt Kronstadt - Befestigungsanlage - heute

 

LENIN

ÜBER DIE KRONSTADT MEUTEREI

- Zitate zusammengestellt von Wolfgang Eggers -

Lenin mit Delegierten des X. Parteitags während der Konterrevolution in Kronstadt - Anfang März 1921

(hinter Lenin stehend = Woroschilow, der maßgeblich die konterrevolutionäre Meuterei in Kronstadt niedergeschlagen hatte. Neben Lenin stehend ein verletzter Delegierter der Roten Armee. 300 Delegierte des X. Parteitags nahmen - genauso wie er - persönlich am bewaffneten Kampf in Kronstadt teil !)

 

 

 

BAND 36, Seite 525

PLAN DER REDE
FÜR DEN X. PARTEITAG DER KPR(B) ÜBER
1. Frage der bäuerlichen (kleinbürgerlichen) Konterrevolution.

Vor einer solchen Konterrevolution stehen wir schon.

 

Die Lehre von „Kronstadt"


in der Politik: mehr Geschlossenheit (und Disziplin) innerhalb der Partei, mehr Kampf gegen die Menschewiki und Sozialrevolutionäre
in der Wirtschaft: die mittlere Bauernschaft so weit wie möglich zufriedenstellen.
4. Die gesamte Bauernschaft (fast) wurde zur mittleren. Die „Komitees
der unbegüterten Bauern".
5. Wodurch kann man die mittlere Bauernschaft, den kleinen Warenproduzenten, wirtschaftlich zufriedenstellen?
a) Freiheit des "Umsatzes, Freiheit des Handels

( = Freiheit NB des Kapitalismus)
ß) Waren dafür beschaffen.
6. „Freiheit des Umsatzes" = Freiheit des Handels = Freiheit des Kapitalismus.
Zurück zum Kapitalismus?

Unser allzu überstürzter, geradliniger, unvorbereiteter „Kommunismus" war durch den Krieg hervorgerufen und dadurch, daß weder
Waren beschafft noch Fabriken in Gang gebracht werden konnten.
Es gibt noch eine ganze Reihe möglicher Übergänge.
7.
NB: Genossenschaftsfrage. Aufhebung der Resolution des IX. Parteitags, Entwurf einer neuen Resolution
(freier manövrieren)

Genossenschaften =
Sozialrevolutionäre und Menwirtschaftlich politisvh-wirtschaftlich die beste Form des freien Umsatzes.

8. Wo Waren beschaffen?
a) Anleihe. (100 Millionen Goldrubel.)
(2 Vorschläge).
ß) Handelsvertrag mit England, Amerika.
y) Konzessionen.
9. Staatskapitalismus, Block mit ihm, oben -
Freiheit des Umsatzes für die Bauern u. ä. unten.
Krücken und Verband?
Wir sind halbtot geprügelt.
10. Ermattung, Erschöpfung auch bei den Arbeitern.
„Atempause" ähnlich wie Brest, wirtschaftliche Atempause. Die Lage der Arbeiter verbessern (10 Millionen Goldrubel und die spezielle Resolution).
Die Lage der Bauern verbessern und den Umsatz voranbringen.
11. Individueller Warenaustausch?
Ja! Wir werden die Produktion verstärken, den Umsatz voranbringen, eine Atempause verschaffen, die Kleinbourgeoisie stärken, aber weit mehr werden wir die Großproduktion und das Proletariat
festigen.
Das eine hängt mit dem anderen zusammen.
12. Man kann nicht die Großproduktion, die Fabriken und Werke, das Proletariat festigen, ohne bis zu einem gewissen Grade die Kleinbourgeoisie und ihren Umsatz zu beleben.
13. Naturalsteuer.

(1) Ansporn für den kleinen Warenproduzenten: bringe die Produktion voran.
Das ist am wichtigsten.
(2) Nicht unbedingt sofort Staatsmonopol. (Nicht der gesamte Überschuß.)
(3) Genau festgelegte Verpflichtungen dem Staat gegenüber.
Abschwächung des Bürokratismus.
(4) Den gesamten „Umsatz" freier, und man kann allmählich auf die„Abteilungen" verzichten.
Mißernte und Ernte (Popow und seine „Ermittlung")
Vorher ankündigen?•
Verändern nach Feststellung der Ernteerträge

14. Den festen „Apparat" aufrechterhalten.
Aber der Apparat ist für die Politik da ( = Revision und Korrektur der Beziehungen zwischen den Klassen), und nicht die Politik für den Apparat!!
(Gute) Bürokratie im Dienste der Politik, und nicht Politik im Dienste der (guten) Bürokratie.
Jetzt ist maximale Wendigkeit nötig und dafür, für ein wendiges Manövrieren, ein äußerst fester Apparat.

.
geschrieben in der
ersten Märzhälfte 1921 

* * *

 

[ Lenins NÖP resultierte nicht zuletzt als Konsequenz aus den Ereignissen von Kronstadt - Beendigung des Kriegskommunismus]

 

Neue Zeiten, alte Fehler in neuer Gestalt

28. August 1921

Lenin, Band 33, Seite 1 - 9

Jede neue Wendung der Geschichte ruft gewisse Veränderungen in der Form der kleinbürgerlichen Schwankungen hervor, die stets neben dem Proletariat auftreten und stets in diesem oder jenem Maße in das Proletariat eindringen.
Kleinbürgerlicher Reformismus, d. h. mit biederen demokratischen und „sozialdemokratischen Phrasen und ohnmächtigen Wünschen verbrämtes Lakaientum vor der Bourgeoisie, und kleinbürgerlicher Revolutionarismus, drohend, aufgeblasen und großtuerisch in Worten, ein zerplittertes, atomisiertes, kopfloses Nichts in der Tat — das sind die beiden „Ströme" dieser Schwankungen. Sie sind unvermeidlich, solange die tiefsten Wurzeln des Kapitalismus nicht beseitigt sind. Ihre Form modifiziert sich jetzt im Zusammenhang mit einer bestimmten Wendung in der ökonomischen Politik der Sowjetmacht.

 

 

BAND 36, Seite 528

ÜBER DEN AUFSTAND IN KRONSTADT


Glauben Sie mir, in Rußland sind nur zwei Regierungen möglich: entweder eine zaristische Regierung oder die Sowjetregierung. In Kronstadt haben einige Toren und Verräter von der Konstituierenden Versammlung gesprochen. Kann aber jemand mit gesundem Menschenverstand angesichts des anomalen Zustands, in dem sich Rußland befindet, auch nur den Gedanken an die Konstituierende Versammlung aufkommen lassen?
Die Konstituerende Versammlung wäre in der heutigen Zeit eine Versammlung von Bären, die von zaristischen Generalen am Nasenring herumgeführt werden. Der Aufstand in Kronstadt war wirklich ein ganz unbedeutender Zwischenfall, der die Sowjetmacht viel weniger bedroht als die irischen Truppen das Britische Reich.
In Amerika glaubt man, die Bolschewiki seien eine kleine Gruppe böswilliger Menschen, die tyrannisch über eine große Zahl gebildeter Menschen herrschen, während diese nach Aufhebung des Sowjetregimes eine ausgezeichnete Regierung bilden könnten. Diese Meinung ist ganz irrig.
Niemand ist imstande, die Bolschewiki abzulösen, höchstens die Generale und die Bürokraten, die aber haben schon längst ihre Unzulänglichkeit offenbart. Wenn man im Ausland die Bedeutung des Aufstands von Kronstadt überschätzt und ihn unterstützt, so geschieht das, weil sich die Welt in zwei Lager geteilt hat: in das kapitalistische Ausland und das kommunistische Rußland.

Pedrogradskaja Prawda"Nr. 67,
26. März 1921.


Lenin

X. Parteitag der KPR (B)

8. - 16. März 1921

(Band 32, Auszug zu den Ereignissen in Kronstadt - Seite 182 - 185)

Nun möchte ich auf die Ereignisse in Kronstadt eingehen. Ich kenne noch nicht die letzten Neuigkeiten aus Kronstadt, aber ich zweifle nicht, daß dieser Aufstand, der rasch die uns bekannten Figuren weißgardistischer Generale ans Tageslicht gebracht hat, in den allernächsten Tagen, wenn nicht gar in den allernächsten Stunden, liquidiert sein wird. Darüber kann kein Zweifel bestehen. Aber wir müssen die politischen und wirtschaftlichen Lehren dieses Ereignisses einer eingehenden Prüfung unterziehen.


Was bedeutet dieses Ereignis?

Den Übergang der politischen Macht von den Bolschewiki an irgendein unbestimmtes Konglomerat oder einen Bund buntscheckiger Elemente, scheinbar nur ein klein wenig rechter als die Bolschewiki, ja vielleicht sogar auch „linker" als die Bolschewiki – so unbestimmt ist. die Summe von politischen Gruppierungen, die in Kronstadt versucht hat, die Macht an sich zu reißen. Zweifellos haben die weißen Generale - Sie alle wissen das - dabei eine große Rolle gespielt.
Das ist vollauf erwiesen. Zwei Wochen vor den Kronstädter Ereignissen schrieb man bereits in den Pariser Zeitungen, daß in Kronstadt ein Aufstand ausgebrochen sei. Es ist ganz klar, daß hier die Sozialrevolutionäre und die ausländischen Weißgardisten ihre Hände im Spiel hatten; und zugleich lief diese Bewegung auf eine kleinbürgerliche Konterrevolution hinaus, kam das kleinbürgerliche anarchistische Element zum Zuge. Das ist schon etwas Neues. Dieser Umstand muß, in Verbindung mit allen Krisen, politisch sehr aufmerksam gewertet und sehr eingehend untersucht werden. Hier zeigte sich das kleinbürgerliche, anarchistische Element, das mit den Losungen des freien Handels auftritt und stets gegen die Diktatur des Proletariats gerichtet ist. Und diese Stimmung wirkte sich sehr stark auf das Proletariat aus. Sie wirkte sich auf die Betriebe in Moskau aus, sie wirkte sich auf die Betriebe in einer ganzen Reihe von Orten in der Provinz aus. Diese kleinbürgerliche Konterrevolution ist zweifellos gefährlicher als Denikin, Judenitsch und Koltschak zusammengenommen, weil wir es mit einem Land zu tun haben, wo das Proletariat die Minderheit bildet, weil wir es mit einem Land zu tun haben, in dem die wirtschaftliche Zerrüttung das bäuerliche Eigentum in Mitleidenschaft gezogen hat, und außerdem haben wir noch eine solche Sache wie die Demobilisierung der Armee, die aufständische Elemente sonder Zahl geliefert hat. So klein oder geringfügig zunächst - wie soll ich mich ausdrücken - die Machtverschiebung, die die Kronstädter .Matrosen und Arbeiter vorschlugen, gewesen wäre - sie wollten die Bolschewiki in Bezug auf die Freiheit des Handels korrigieren, also scheinbar keine große Verschiebung,- scheinbar dieselben Losungen.- „Sowjetmacht", mit einer kleinen Änderung oder nur einer Korrektur —, in Wirklichkeit aber dienten hier die parteilosen Elemente nur als Trittbrett, als Stufe, als Brücke, über die die Weißgardisten kamen. Das ist politisch unvermeidlich. Wir haben die kleinbürgerlichen, anarchistischen Elemente in der russischen Revolution gesehen, wir haben jahrzehntelang gegen sie gekämpft. Seit Februar 1917 sahen wir diese kleinbürgerlichen Elemente in Aktion während der großen Revolution, und wir sahen, wie die kleinbürgerlichen Parteien zu erklären versuchten, daß sie sich in ihrem Programm wenig von den Bolschewiki unterscheiden und daß sie es lediglich mit anderen Methoden verwirklichen. Wir kennen das aus der Erfahrung nicht nur des Oktoberumsturzes, wir kennen das aus der Erfahrung der Randgebiete, der verschiedenen Landesteile, die zum früheren Russischen Reich gehört haben und in denen die Sowjetmacht von Vertretern einer anderen Macht abgelöst worden ist. Denken wir an das Demokratische Komitee in Samara! Alle kamen sie mit den Losungen der Gleichheit, der Freiheit, der Konstituante, und nicht nur einmal, sondern viele Male erwiesen sie sich einfach als Stufe, als Brücke für den Übergang zur weißgardistischen Macht.
Die Erfahrung von ganz Europa zeigt praktisch, womit der Versuch endet, sich zwischen zwei Stühle zu setzen. Daher müssen wir gerade in diesem Punkt sagen, daß hier politische Reibungen die allergrößte Gefahr sind. Wir müssen uns diese kleinbürgerliche Konterrevolution, die Losungen von der Freiheit des Handels aufstellt, genau ansehen.
Diese Gefahr zeigt uns das, wovon ich sprach, als ich auf unsere Streitigkeiten über die Plattformen einging; wir müssen angesichts dieser Gefahr begreifen, daß wir nicht nur formal die Parteistreitigkeiten einstellen müssen - das werden wir natürlich tun -, aber das genügt nicht! Wir sollen daran denken, daß wir an die Frage ernster herangehen müssen.
Wir müssen begreifen, daß wir unter den Bedingungen der Krise der bäuerlichen Wirtschaft nicht anders existieren können, als daß wir an diese bäuerliche Wirtschaft um Hilfe für Stadt und Land appellieren. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Bourgeoisie bemüht ist, die Bauernschaft gegen die Arbeiter aufzuwiegeln, daß sie versucht, das kleinbürgerliche, anarchistische Element gegen die Arbeiter unter deren Losungen aufzuwiegeln, was unmittelbar zum Sturz der Diktatur des Proletariats und folglich zur Wiederaufrichtung des Kapitalismus, der alten gutsherrlich-kapitalistischen Macht führen würde. Hier liegt die politische Gefahr auf der Hand. Diesen Weg hat eine Reihe von Revolutionen aufs anschaulichste zurückgelegt, auf diesen Weg haben wir stets hingewiesen. Dieser Weg hat sich vor uns klar abgezeichnet. Er fordert von der regierenden Partei der Kommunisten, von den führenden revolutionären Elementen des Proletariats zweifellos eine andere Haltung, als von uns in diesem Jahr all zu oft eingenommen worden ist. Diese Gefahr erfordert zweifellos eine größere Geschlossenheit, zweifellos mehr Disziplin, zweifellos eine einträchtigere Zusammenarbeit! Sonst ist es unmöglich, der Gefahren Herr zu werden, die uns das Schicksal beschert hat.

* * *

Ich spreche von den Beziehungen des siegreichen Proletariats zu den Kleinbesitzern, wenn sich die proletarische Revolution in einem Lande entfaltet, wo das Proletariat in der Minderheit, wo die
Mehrheit kleinbürgerlich ist. Die Rolle des Proletariats in einem solchen Land besteht in der Führung beim Obergang dieser Kleinbesitzer zur
vergesellschafteten, kollektiven, gemeinschaftlichen Arbeit. Das steht theoretisch außer Zweifel.
(Seite 185)

* * *

Ökonomik im Frühjahr 1921 hat sich in Politik verwandelt: „Kronstadt".

In Rußland überwiegt jetzt gerade der kleinbürgerliche Kapitalismus, von dem sowohl zum staatlichen Großkapitalismus als auch zum Sozialismus ein und derselbe Weg führt, der Weg über ein und dieselbe Zwischenstation, die ,allgemeine Rechnungsführung und Kontrolle über
die Erzeugung und Verteilung der Produkte* heißt. Wer das nicht versteht, der begeht einen unverzeihlichen ökonomischen Fehler, entweder
weil er die Tatsachen der Wirklichkeit nicht kennt, weil er nicht sieht, was ist, weil er der Wahrheit nicht ins Auge zu schauen vermag, oder aber,
weil er sich auf die abstrakte Gegenüberstellung von ,Kapitalismus' und Sozialismus' beschränkt und die konkreten Formen und Stufen dieses Übergangs heute bei uns nicht erfaßt.

(Lenin, Band 32, Seite 347)


Bei der Zerrüttung unserer Wirtschaft werden wir lange Jahre mit diesem Kleinproduzenten als solchem zu tun haben, und die Losung des freien' Handels wird unvermeidlich sein. Nicht darin liegt die Gefahr dieser Losung, daß sie als
Deckmantel dient für weißgardistische und menschewistische Bestrebungen, sondern darin, daß sie trotz des Hasses dieser selben Bauernmasse
gegen die Weißgardisten Verbreitung finden kann. Sie wird gerade deshalb Verbreitung finden, weil sie den ökonomischen Existenzbedingungen
des Kleinproduzenten entspricht. Der Bauer muß die Gewißheit haben, daß er soundso viel abzuliefern hat, aber soundso viel für seinen eigenen Umsatz auf dem lokalen Markt verwenden kann.
Wir müssen jene ökonomischen Formen der Empörung des kleinbäuerlichen Elements gegen das Proletariat begreifen, die zutage getreten sind und sich bei der gegenwärtigen Krise verschärfen.

(Seite 186)

Und wir wissen, daß man hier ohne Zwang nicht auskommen wird - ohne Zwang, auf den die verelendete Bauernschaft sehr heftig reagiert.

(Seite 188)

Wir betrachten diese Reihe von Erscheinungen vom Standpunkt des Klassenkampfes, und wir haben uns niemals darüber getäuscht, daß die Beziehungen des Proletariats zum Kleinbürgertum eine schwierige Frage sind, die für den Sieg der proletarischen Macht komplizierte Maßnahmen oder, richtiger gesagt, ein ganzes System komplizierter Übergangsmaßnahmen erfordert. Wenn der Übergang zum Frieden unter den
Verhältnissen einer Wirtschaftskrise erfolgt, muß man daran denken, daß der Aufbau des proletarischen Staates in einem Lande mit Großproduktion leichter zu verwirklichen ist als in einem Lande, in dem die Kleinproduktion überwiegt.

Wir vergessen nicht, daß es verschiedene Klassen gibt, daß die kleinbürgerliche anarchistische Konterrevolution die politische Vorstufe des Weißgardistentums ist.

(Seite 189)

 

Genossin Kollontai hat beispielsweise direkt erklärt: „In Lenins Referat ist Kronstadt übergangen worden." Als ich das hörte, konnte ich nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Alle auf dem Parteitag Anwesenden wissen sehr wohl, daß ich in meinem Referat hier alles auf die Lehren von Kronstadt bezogen habe, alles von Anfang bis
Ende.

(Seite 192)

 

Was haben wir hier über die Lehren von Kronstadt gehört?
Wenn Leute im Namen einer Opposition auftreten, diese Opposition als „Arbeiteropposition" bezeichnen und erklären, das ZK habe die Politik
der Partei nicht richtig geleitet, dann muß diesen Leuten gesagt werden:
Man soll diese Unrichtigkeiten in den Grundfragen aufzeigen, man soll zeigen, wie sie zu korrigieren sind. Leider haben wir absolut nichts, keine Silbe, kein Sterbenswörtchen über die gegenwärtige Lage und ihre Lehren gehört. Hier wurde die Schlußfolgerung, die ich gezogen habe, nicht einmal gestreift. Es mag wohl sein, daß diese Schlußfolgerung unrichtig ist, aber dazu wird ja auf dem Parteitag Bericht erstattet, damit diese Unrichtigkeiten korrigiert werden. Die Partei zusammenschweißen, keine Opposition in der Partei zulassen — das ist die politische Schlußfolgerung aus der gegenwärtigen Lage; die wirtschaftliche Schlußfolgerung aber lautet: sich nicht mit dem zufriedengeben, was in der Politik der Verständigung der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft getan worden ist, neue Wege suchen, dieses Neue anwenden, erproben. Ich habe konkret aufgezeigt, was not tut. Vielleicht ist das nicht richtig, aber niemand hat auch nur ein einziges Wort darüber gesagt. Einer der Redner, ich glaube
Rjasanow, hat mir lediglich den Vorwurf gemacht, daß die Steuer in meiner Rede urplötzlich aufgetaucht sei,,ohne durch eine Diskussion vorbereitet worden zu sein. Das stimmt nicht. Ich wundere mich nur, wie verantwortliche Genossen auf dem Parteitag solche Äußerungen machen
können. Die Diskussion über die Steuer ist vor einigen Wochen in der „Prawda" eröffnet worden. Wenn Genossen, die es lieben, Opposition zu
spielen und uns Vorwürfe zu machen, daß wir nicht die Möglichkeit zu einer breiten Diskussion geben, an dieser Diskussion nicht teilnehmen wollten, so ist das ihre Schuld. Wir sind mit der Redaktion der „Prawda" nicht nur dadurch verbunden, daß Gen. Bucharin Mitglied des Zentralkomitees ist, sondern auch dadurch, daß die wichtigsten Themen und die
wichtigsten Linien der Politik stets vom ZK beraten werden. Anders ist eine politische Arbeit nicht möglich. Die Frage der Steuer wurde vom ZK
zur Diskussion gestellt. In der „Prawda" erschienen Artikel. Niemand antwortete darauf. Damit haben diejenigen, die nicht antworteten, gezeigt, daß: sie an dieser Frage nicht arbeiten wollten. Als aber bereits nach dem Erscheinen dieser Artikel in einer Sitzung des Moskauer Sowjets ein Teilnehmer dieser Sitzung auftrat - ich erinnere mich nicht mehr, ob es ein Parteiloser oder ein Menschewik war - und über die Steuer zu sprechen anfing, da sagte ich: Sie wissen nicht, was in der „Prawda" steht. Es war natürlicher, diesen Vorwurf einem Parteilosen zu machen als einem Parteimitglied. Die Diskussion in der „Prawda" wurde nicht zufällig
eröffnet, auch auf dem Parteitag werden wir uns mit dieser Frage zu beschäftigen haben. Die Redner haben in ihrer Kritik absolute Unsachlichkeit an den Tag gelegt. Die Frage war zur Diskussion gestellt, und man hätte daran, teilnehmen sollen, sonst wird diese ganze Kritik gegenstandslos. Genau dasselbe ist in der politischen Frage der Fall. Wie gesagt, meine ganze Aufmerksamkeit war darauf gerichtet, die richtige Schlußfolgerung aus den letzten Ereignissen zu ziehen.
Wir durchleben eine Zeit, in der eine ernste Gefahr vor uns heraufzieht: die kleinbürgerliche Konterrevolution ist, wie ich schon gesagt habe,
gefährlicher als Denikin. Das haben die Genossen nicht bestritten. Diese Konterrevolution ist um so eigenartiger, als sie eine kleinbürgerliche, anarchistische ist.
Ich behaupte, daß zwischen den Ideen und Losungen dieser kleinbürgerlichen, anarchistischen Konterrevolution und den Losungen
der „Arbeiteropposition" ein Zusammenhang besteht.
Von den Rednern hat— obwohl zumeist Vertreter der „Arbeiteropposition" gesprochen
haben - gerade darauf keiner geantwortet. Indessen wird das durch die von .Genossin Kollontai zum Parteitag herausgegebene Broschüre der
„Arbeiteropposition" so anschaulich wie nur möglich bestätigt. Und ich werde mich wohl vor Allem mit dieser Broschüre, befassen müssen, um Ihnen klarzumachen, warum die Konterrevolution, von der ich sprach, eine anarchistische, kleinbürgerliche Form annimmt, warum sie so ausgedehnt und gefährlich ist und warum die Vertreter der „Arbeiteropposition", die hier auftreten, diese Gefahr überhaupt nicht verstehen.

(Seite 193 - 194)

Das Maß ist voll, man darf nicht ein solches Spiel mit der Partei treiben! Wer mit einer solchen Broschüre zum Parteitag kommt, treibt sein Spiel mit der Partei. Ein solches Spiel darf man nicht in einer Situation treiben, wo Hunderttausende demoralisierter Krieger die Wirtschaft
ruinieren, zugrunde richten. So darf man sich nicht zur Partei verhalten, so darf man nicht handeln. Das muß man begreifen, damit muß Schluß gemacht werden!

(Seite 197)

Eine syndikalistische Abweichung ist auch eine anarchistische Abweichung und die „Arbeiteroppdsition", die sich hinter dem Rücken des Proletariats versteckt, verkörpert das kleinbürgerliche, anarchistische Element.
(Seite 198)

Wir haben durch die Diskussion ziemlich viel Zeit verloren, und ich muß sagen, daß es jetzt viel besser ist, „mit Gewehren zu diskutieren" als mit Thesen, wie sie von der Opposition aufgetischt werden. Wir brauchen jetzt keine Opposition," Genossen, es ist nicht die Zeit danach! Entweder hier oder dort mit dem Gewehr, aber nicht mit einer Opposition. Das ergibt sich aus der objektiven Lage, ob es Ihnen paßt oder nicht. Wir brauchen jetzt keine Opposition, Genossen!
Und ich denke, der Parteitag wird diese Schlußfolgerung ziehen müssen, er wird die Schlußfolgerung ziehen müssen, daß es jetzt mit der Opposition zu Ende sein, ein für allemal aus sein muß, daß wir jetzt der Oppositionen müde sind!

(B e i f a l l.)
(Seite 201)

„Sollen sich die Bolschewiki trollen", „wir werden die Macht ein wenig korrigieren" — das ist es, was die Kronstädter wollen.
Es kam aber so, daß Sawinkow in Reval eintraf, daß die Pariser Zeitungen zwei Wochen vorher über diese Ereignisse schrieben, daß ein weißer
General auf der Bildfläche erschien. So ist die Sache vor sich gegangen.
Und ähnliches hat sich in allen Revolutionen zugetragen. Deshalb sagen wir auch: Da wir dem entgegengehen, müssen wir uns zusammenschließen, um auf eine solche Sache mit dem Gewehr zu antworten, wie harmlos sie auch aussehen mag.
Das eben [Lenin meint die "Arbeiteropposition" - d. Red.] ist das kleinbürgerliche, anarchistische Element nicht nur in der Arbeitermasse, sondern auch innerhalb
unserer Partei, und das können wir auf keinen Fall dulden.

(Seite 205)

Ich aber frage: Warum stellt man Schljapnikow wegen solcher Reden nicht vor Gericht? Was meinen Sie, sprechen wir ernsthaft über Disziplin, und Einheit in einer organisierten Partei oder befinden wir uns in einer Versammlung von Kronstädter Art? Das aber ist eine Kronstädter Phrase im Geiste der Anarchie, eine Phrase, auf die man mit dem Gewehr antwortet.

(Seite 207)

Was bedeutet denn Freiheit des Umsatzes? Freiheit des Umsatzes ist Freiheit des Handels, Freiheit des Handels aber bedeutet: zurück zum Kapitalismus. Freiheit des Umsatzes und Freiheit des Handels - das bedeutet Warenaustausch zwischen einzelnen Kleinproduzenten. Wir alle, auch diejenigen, die nur das Abc des Marxismus gelernt haben, wissen,
daß sich aus diesem Umsatz und der Freiheit des Handels unvermeidlich die Teilung der Warenproduzenten in Besitzer von Kapital und in Besitzer von Arbeitshänden, die Teilung in Kapitalisten und in Lohnarbeiter, d. h. die Wiederherstellung der kapitalistischen Lohnsklaverei ergibt, die nicht vom Himmel fällt, sondern in der ganzen Welt eben aus der agrikolen Warenwirtschaft herauswächst.

(Seite 220)

Jede Wendung nach rückwärts würde die Rückkehr zur alten zaristischen Regierung bedeuten. Das zeigt die Kronstädter Erfahrung. Dort will man die Weißgardisten nicht, will man unsere Macht nicht - eine andere Macht gibt es aber nicht.
(Seite 231)

Es ist notwendig, daß alle klassenbewußten Arbeiter die Schädlichkeit und Unzulässigkeit jeder wie immer gearteten Fraktionsbildung klar erkennen, die selbst dann, wenn die Vertreter der einzelnen Gruppen den besten Willen haben, die Parteieinheit zu wahren, in der Praxis unweigerlich dazu führt, daß die einmütige Arbeit geschwächt wird und daß die Feinde, die sich an die Regierungspartei heranmachen, erneut verstärkte Versuche unternehmen, die Zerklüftung zu vertiefen und sie für die Zwecke der Konterrevolution auszunutzen.
Die Ausnutzung jeder Art Abweichung von der streng konsequenten kommunistischen Linie durch die Feinde des Proletariats hat sich mit größter Anschaulichkeit an dem Beispiel der Kronstädter Meuterei gezeigt, als die bürgerliche Konterrevolution und die Weißgardisten in allen Ländern der Welt sofort ihre Bereitschaft bekundeten, sogar die Losungen einer Sowjetordnung aufzugreifen, um nur ja die Diktatur des Proletariats in Rußland zu Fall zu bringen, als die Sozialrevolutionäre und überhaupt die bürgerliche Konterrevolution sich in Kronstadt der Losungen des Aufstands angeblich im Namen der Sowjetmacht gegen die Sowjetregierung in Rußland bedienten. Solche Tatsachen beweisen vollauf, daß die Weißgardisten danach trachten und es verstehen, sich den Anstrich von Kommunisten zu geben, ja sogar von Kommunisten, die am weitesten links stehen, nur um das Bollwerk der proletarischen Revolution in Rußland zu schwächen und zu stürzen. Die menschewistischen Flugblätter in Petrograd am Vorabend der Kronstädter Meuterei zeigen gleicherweise, wie die Menschewiki die Meinungsverschiedenheiten und einige Ansätze zur Fraktionsbildung innerhalb der KPR ausnutzten, um die Kronstädter Meuterer, die Sozialrevolutionäre und Weißgardisten, faktisch vorwärtszutreiben und zu unterstützen, wobei sie sich in Worten als Gegner von Aufständen und als Anhänger der Sowjetmacht, nur einer Sowjetmacht mit angeblich kleinen Korrekturen, ausgaben.

URSPRÜNGLICHER ENTWURF DER RESOLUTION DES X. PARTEITAGS DER KPR ÜBER DIE EINHEIT DER PARTEI

(Seite 245-246)


Das Weltsyndikat der Presse - dort herrscht eine Pressefreiheit, die darin besteht, daß die Presse zu 99 Prozent von den mit Hunderten Millionen Rubel arbeitenden Finanzmagnaten gekauft ist — hat einen weltweiten Feldzug der Imperialisten eröffnet. Das zeigt, daß: die uns umgebenden Feinde, nachdem sie nicht mehr die Möglichkeit haben, eine Intervention durchzuführen, auf eine Rebellion hoffen.
Und die Kronstädter Ereignisse haben den Zusammenhang mit der internationalen Bourgeoisie gezeigt.
(Seite 276)

Und diese ganze Information der internationalen Presse, jener Presse, die über Hunderttausende Zeitungen verfügt und die ganze'Welt mit Nachrichten versorgt, zeigt noch einmal, bis zu welchem Grad wir von Feinden umringt sind und bis zu welchem Grad diese Feinde im Vergleich mit dem vergangenen Jahr geschwächt sind. Das müssen wir verstehen, Genossen!
Ich glaube, daß die meisten anwesenden Parteitagsteilnehmer verstanden haben, welches Maß wir an unsere Meinungsverschiedenheiten anlegen müssen. Natürlich war es im Kampf auf dem Parteitag unmöglich, dieses Maß einzuhalten. Von Leuten, die eben noch einen Kampf geführt haben, kann man nicht verlangen, daß sie sofort das rechte Maß finden. Aber wenn wir auf
unsere Partei als den Herd der Weltrevolution blicken und die Kampagne betrachten, die jetzt das Syndikat der Staaten der ganzen Welt gegen uns führt, so darf es bei uns keinen Zweifel geben. Mögen sie ihre Kampagne führen, wir haben einen Blick darauf geworfen und kennen genau das Maß unserer Meinungsverschiedenheiten. Wir wissen, nachdem wir uns auf diesem Parteitag zusammengeschlossen haben, werden wir wirklich aus unseren Meinungsverschiedenheiten absolut einig hervorgehen, mit einer noch gestählteren Partei, die immer entscheidenderen internationalen Siegen entgegengehen wird! ( Stürmischer Beifall.)
(Seite 277)

Aber denken wir an eines der besonders wichtigen Ereignisse, eine besonders wichtige Lehre der letzten Wochen - die Kronstädter Ereignisse flammten auf wie ein Blitz, der die Wirklichkeit greller beleuchtete als irgend etwas anderes.
(Seite 286)

Heute gibt es kein Land in Europa, in dem es nicht weißgardistische Elemente gäbe. Dierussischen Emigranten zählen an die siebenhunderttausend. Das sind geflüchtete Kapitalisten und jene Masse der -Angestellten, die'sich der Sowjetmacht nicht anpassen konnte. Diese dritte Kraft sehen wir nicht, sie ist ins Ausland gegangen, aber sie lebt und wirkt im Bunde mit den Kapitalisten der ganzen Weltj von denen sie ebenso unterstützt wird wie Koltschak, Judenitsch und Wrangel, unterstützt wird durch Finanzierung und unterstützt wird auf aridere Art und Weise, weil die Kapitalisten ihre internationale Verbindung haben. Diese Leute hat jeder in Erinnerung. Gewiß sind Ihnen in den letzten Tagen"in den Zeitungen die vielen Zitate und Auszüge aus der weißgardistischen Presse aufgefallen, in denen die Ereignisse von Kronstadt erläutert werden. In Rede auf dem Verbandstag der Eisenbahn- und Säiijfabrtsarbeiter 287 den letzten Tagen hat Burzew, der in Paris eine Zeitung herausgibt, diese Ereignisse geschildert, auch Miljukow hat sie gewürdigt - Sie haben das natürlich alle gelesen. Warum haben unsere Zeitungen dem so viel Aufmerksamkeit-geschenkt? Ist das richtig? Ja, das ist richtig, weil man seinen Feind genau kennen muß. Er istnicht mehr so sichtbar, seitdem er die Grenze überschritten hat, aber man beachte— er ging nicht sehr weit fort, höchstens einige tausend Werst, und legte sich, dort angelangt, auf die Lauer. Er ist unversehrt, er lebt, er wartet: Darum muß'man ihn scharf beobachten, um so mehr, als es sich nicht nur um Flüchtlinge handelt.
Nein, das sind direkte Helfershelfer des Weltkapitals, die von ihm ausgehalten werden und gemeinsam mit ihm-vorgehen.
Sie alle haben "natürlich bemerkt, daß neben den Zitaten aus den im Ausland erscheinenden weißgardistischen Zeitungen auch Zitate aus französischen und englischen Zeitungen gebracht wurden. Das ist ein einziger Chor, ein einziges Orchester. Allerdings: pflegt es bei diesen Orchestern keinen Dirigenten zu geben,, der das Musikstück nach dem Notenblatt dirigiert. Dort dirigiert das internationale Kapital.mit einer Methode, die weniger auffällig ist als der Dirigentenstab. Daß es aber ein einziges Orchester ist, dürfte Ihnen aus jedem beliebigen Zitat klar sein. Sie erklärten, wenn die "Losung lauten werde „Sowjetmacht ohne Bolschewiki", so seien sie einverstanden. Miljukow setzt das besonders prägnant auseinander: Er iiat aufmerksam Geschichte studiert und alle seine Kenntnisse aufgefrischt durch das Studium der russischen Geschichte am eigenen Leibe. Das Ergebnis seiner zwanzigjährigen Studien als Professor hat er untermauert durch zwanzigmonatige persönliche Erfahrungen. Er erklärt:
Wenn die Losung: lauten.werde „Sowjetmacht ohne Bolschewiki", so sei er dafür. Ob„das -eine Verschiebung ein wenig nach rechts oder ein wenig nach: links, zu den Anarchisten sein wird, das ist im Ausland, in Paris, nicht zu sehen. Dort ist nicht zu sehen, was in Kronstadt vor sich geht, aber, er sagt.„Meine"Herren Monarchisten, überstürzen Sie sich nicht, stören Sie nicht dadurch, daß Sie darüber schreien." Und ererklärt, wenn eine Verschiebung nach links erfolge, so sei er bereit, für die Sowjetmacht gegen die Bolschewiki aufzutreten. - , ..'-.-..
' Däs-also schreibt Miljukow, und das ist absolut richtig. Er hat manches aus der russischen.Geschichte und von den. Gutsbesitzern und Kapitalisten gelernt, wenn er behauptet, daß die Kronstädter Ereignisse sowieso Ausdruck des Bestrebens sind, eine Sowjetmacht ohne Bolschewiki zu errichten; ein wenig nach rechts, ein wenig freier Handel, ein wenig Konstituante. Man braucht nur irgendeinen Menschewik sprechen zu lassen, und man wird all dies zu hören bekommen, vielleicht sogar ohne diesen Saal zu verlassen. Wenn die Losung der Kronstädter Ereignisse eine kleine Abweichung nach links ist -Sowjetmacht mit Anarchisten, die durch die Not,den Krieg,die Demobilisierung der Armee hervorgebracht wurden-, warum ist dann Miljukow dafür? Weil er weiß, daß eine Abweichung nur möglich ist entweder in der Richtung zur proletarischen Diktatur oder in der Richtung zu den Kapitalisten.
Anders könnte die politische Macht nicht bestehen. Wenn wir auch nicht das letzte, sondern eines der entscheidenden letzten Gefechte führen, so lautet die einzig richtige Antwort auf die Frage; gegen wen wir heute eines der entscheidenden Gefechte führen werden: gegen das kleinbürgerliche Element; im eigenen Hause. (Beifall.) Was die Gutsbesitzer und Kapitalisten betrifft, so haben wir sie im ersten Feldzug besiegt, jedoch nur im ersten, der zweite wird sich' schon im internationalen Maßstab abspielen. Krieg gegen uns führen kann der heutige Kapitalismus nicht, selbst wenn er hundertmal stärker wäre, weil die Arbeiter dort, in den fortgeschrittenen Ländern, gestern den Krieg zum Scheitern gebracht haben und ihn heute noch besser, noch sicherer zum Scheitern bringen werden, weil sich die Folgen des Krieges dort immer stärker auswirken.
Das kleinbürgerliche Element dagegen haben wir zwar im eigenen Hause besiegt, aber es wird sich noch geltend machen, "und darauf rechnen die Gutsbesitzer und Kapitalisten, besonders die klügeren wie Miljukow, der den Monarchisten sagte: Sitzt ruhig zu Hause, haltet den Mund,, denn sonst werdet ihr die Sowjetmacht nur stärken. Das hat der allgemeine Verlauf der Revolutionen gezeigt, in denen es wohl kurzlebige, vorübergehend vomflachenLand unterstützte Diktaturen der Werktätigen gab, aber keine dauerhafte Macht der Werktätigen; alles ebbte nach kurzer Zeit zurück. Es ebbte eben deswegen zurück, weil die Bauern, die Werktätigen, die Kleinbesitzer keine eigene Politik haben können und nach einer Reihe von Schwankungen zurückweichen müssen. So war es in der Großen Französischen Revolution, so war es in geringerem Ausmaß auch in allen anderen Revolutionen. Selbstverständlich haben alle daraus gelernt. Unsere Weißgardisten sind über die Grenzen abgezogen, sie sind drei Tagereisen weit gefahren und sitzen nun dort, liegen auf der Lauer, gestützt und unterstützt vom westeuropäischen Kapital. So sieht die Lage aus. Daraus ergeben sich klar die Aufgaben und Pflichten des Proletariats.
Aus der Ermattung und Erschöpfung wird eine gewisse Stimmung, manchmal auch Verzweiflung geboren. Wie immer äußert sich bei den revolutionären Elementen diese Stimmung und Verzweiflung im Anarchismus. So war es in allen kapitalistischen Ländern, so geschieht es auch bei uns. Das kleinbürgerliche Element macht eine Krise durch, weil es in den letzten Jahren Schweres zu tragen hatte, zwar nicht so Schweres wie das Proletariat im Jahre 1919, aber dennoch Schweres. Die Bauernschaft mußte den Staat retten, die Ablieferungspflicht ohne Entgelt hinnehmen; aber sie ist nicht mehr imstande, eine derartige Anspannung auszuhalten, und daher ihre Kopflosigkeit, ihr Schwanken, ihr Wankelmut, und das berücksichtigt der kapitalistische Feind, der sagt: Bloß erst einmal ins Schwanken, ins Wanken bringen, dann wird die Sache schon ins Rollen kommen. Das ist die Bedeutung der Kronstädter Ereignisse, betrachtet unter Berücksichtigung der Klassenkräfte im gesamtrussischen und im internationalen Maßstab. Das ist die Bedeutung eines der entscheidenden letzten Gefechte, das wir führen, weil wir dieses kleinbürgerlich-anarchistische Element nicht besiegt haben und weil von dem Sieg über dieses Element jetzt das weitere Schicksal der Revolution abhängt. Besiegen wir es nicht, so werden wir zurückgeworfen, wie die Französische Revolution zurückgeworfen worden ist. Das wäre unvermeidlich, und das muß man im Auge behalten, ohne sich den Blick trüben zu lassen und ohne sich mit Phrasen herauszuwinden. Alles, was möglich ist, muß getan werden, um die Lage dieser Masse zu erleichtern und die proletarische Führung zu behaupten, dann wird die in Europa ansteigende Bewegung der kommunistischen Revolution eine neue Verstärkung erhalten. Was dort heute ausgeblieben ist, kann morgen eintreten, was morgen ausbleibt, kann übermorgen eintreten, aber solche Perioden wie morgen und übermorgen bedeuten in der Weltgeschichte nicht weniger als mehrere Jahre.
Das ist meine Antwort auf die Frage, wofür wir jetzt kämpfen und eines unserer entscheidenden letzten Gefechte führen, welches der Sinn der letzten Ereignisse ist, welchen Sinn der Klassenkampf in Rußland hat.

Rede auf dem Verbandstag der Eisenbahn- und Sdbiffahrtsarbeiter , Band 32, Seite 286 - 289)

Die Arbeiter und Bauern haben nach den Kronstädter Ereignissen begonnen, besser als bisher zu verstehen, daß jede Machtverschiebung in Rußland für die Weißgardisten von Nutzen ist; nicht umsonst haben Mlljukow und alle gewitzten Führer der Bourgeoisie die Kronstädter Losung „Sowjets ohne Bolschewiki" begrüßt.

(Band 32, Seite 330)

Es wurde bereits gesagt, daß die Grundzüge unserer Wirtschaft 1921 dieselben sind, wie sie es 1918 waren. Das Frühjahr 1921 brachte - hauptsächlich infolge der Mißernte und des Viehsterbens - eine extreme Verschärfung in der Lage der Bauernschaft, die infolge des Krieges und der Blockade ohnehin außerordentlich schwer war. Die Folge der Verschärfung waren politische Schwankungen, die, allgemein gesprochen, der innersten „Natur" des Kleinproduzenten entsprechen. Der krasseste Ausdruck dieser Schwankungen war die Meutereiin Kronstadt.
Am kennzeichnendsten an den Kronstadter Ereignissen sind gerade die Schwankungen des kleinbürgerlichen Elements. Etwas Festgeformtes, Klares, Bestimmtes gibt es kaum. Nebelhafte Losungen wie „Freiheit", „freier Handel", „Befreiung vom Joch", „Sowjets ohne Bolschewiki" oder Neuwahl der Sowjets oder :Erlösung von der „Parteidiktatur" und so weiter und so fort. Sowohl die Menschewiki als auch die Sozialrevolutionäre verkünden, "die Kronstädter Bewegung sei „ihre" Bewegung. Wiktor Tschernow sendet einen Eilboten nach Kronstadt: Auf Empfehlung dieses Eilboten stimmt in Kronstadt der Menschewik Walk, einer der Kronstädter Führer, für die „Konstituante". Die gesamte Bande der Weißgardisten macht im Nu, man kann sagen, mit der Geschwindigkeit der Funktelegrafie, „für Kronstadt" mobil. Die weißgardistischen Militärspezialisten in Kronstadt, eine Reihe von Spezialisten, nicht nur Koslowski allein, arbeiten einen Plan zur Landung in Öranienbaum aus, einen Plan, der die schwankende mehschewistisch-sozialrevolutionär-parteilose Masse in Schrecken versetzt. Mehr als ein halbes Hundert im Ausland erscheinender weißgardistischer russischer Zeitungen entfaltet mit rasender Energie eine Kampagne „fürXronstadt". Die Großbanken, alle Kräfte des Finanzkapitals veranstalten Sammlungen zur Unterstützung von Kronstadt. Der kluge Führer der Bourgeoisie und der Gutsbesitzer, der Kadett Miljukow,; setzt geduldig dem einfältigen Wiktor Tschernow direkt (und den wegen ihrer Verbindungen mit Kronstadt im Petrograder Gefängnis sitzenden Menschewiki Dan und Roshkow indirekt) auseinander, daß es keinen Sinn habe, sich mit der Konstituante zu überstürzen, daß man sich für die Sowjetmacht - nur ohne Tiolsdhewiki - aussprechen könne und müsse. ' . .
Es ist natürlich nicht schwer, klüger zu sein als solche selbstgefällige Narren wie Tschernow, dieser Held der kleinbürgerlichen~Phrase, oder wie'Martow, der Ritter des „marxistisch" zurechtgestutzten spießbürgerlichen Reformismus. Nicht darum handelt es sich ja im Grunde, daß Miljukow als Person klüger ist, sondern darum, daß der Parteiführer der Großbourgeoisie dank seiner Klassenstellung den Klassensinn der Sache und die politischen Wechselbeziehungen klarer sieht und besser erfaßt als die Führer des Kleinbürgertums - die Tschernow and Martow. Denn die Bourgeoisie ist tatsächlich eine Klassenkraft, die unter dem Kapitalismus unvermeidlich herrscht, sowohl im monarchistischen Staat als auch in der allerdemokratischsten Republik, und ebenso unvermeidlich die Unterstützung der Weltbourgeoisie genießt. Das Kleinbürgertum aber, das heißt alle Helden der II. Internationale und der „zweieinhalbten" Internationale, kann dem ökonomischen Wesen der Sache nach nichts anderes sein als der Ausdruck von Klassenohnmacht - daher die Schwankungen, die Phrasen, die Hilflosigkeit. 1789 konnten die Kleinbürger noch große Revolutionäre sein; 1848 waren sie lächerlich und jämmerlich; 1917 bis 1921 sind sie widerliche Helfershelfer der Reaktion, sind sie ihrer tatsächlichen Rolle nach direkte Lakaien der Reaktion, einerlei, ob sie Tschernow und Martow oder Kautsky, MacDonald und so weiter und so fort heißen.
Wenn Martow in seiner Berliner Zeitschrift erklärt, Kronstadt habe nicht nur menschewistische Losungen durchgeführt, sondern auch den Beweis geliefert, daß eine antibolschewistische Bewegung möglich sei, die nicht vollständig den Weißgardisten, den Kapitalisten und Gutsbesitzern diene, so ist das gerade das Musterbeispiel eines in sich selbst verliebten spießbürgerlichen Narziß. Laßt uns einfach die Augen verschließen vor der Tatsache, daß alle echten Weißgardisten den Kronstädter Meuterern zujubelten und durch die Banken Gelder zur Unterstützung von Kronstadt sammelten! Miljukow hat gegenüber den Tschernow und Martow recht, denn er verrät, welches die wirkliche Taktik der wirklichen weißgardistischen Kraft ist, der Kraft der Kapitalisten und Gutsbesitzer: Laßt uns jeden, wer immer es auch sei, sogar die Anarchisten, und jedebeliebige Sowjetmacht unterstützen, wenn nur die Bolschewiki gestürzt werden, wenn nur eine Verschiebung der Macht herbeigeführt wird! Einerlei, ob nach rechts oder nach links, ob zu den Menschewiki oder zu den Anarchisten, nur eine Verschiebung der Macht weg von den Bolschewiki; das übrige aber - das übrige werden „wir", die Miljukow, „wir", die Kapitalisten und Gutsbesitzer, „selber" besorgen; die Anarchisten, die Tschernow und Martow werden wir mit einem Fußtritt davonjagen, wie wir es in Sibirien mit Tschernow und Maiski, wie wir es in Ungarn mit den ungarischen Tschernow und Martow, wie wir es in Deutschland mit Kautsky, in Wien mit den Fr. Adler und Co. gemacht haben. Diese spießbürgerlichen Narzisse - die Menschewiki, Sozialrevolutionäre und Parteilosen - hat die wirkliche Bourgeoisie, die weiß, was sie will, in allen Revolutionen Dutzende Male in allen Ländern zu Hunderten übertölpelt und davongejagt. Das ist geschichtlich bewiesen. Das ist durch Tatsachen belegt Narzisse werden schwatzen. Die Miljukow und die Weißgardisten werden handeln.
„Nur eine Verschiebung der Macht weg von den Bolschewiki, einerlei, ob ein wenig nach rechts oder ein wenig nach links, alles Weitere wird sich finden" - darin hat Miljukow vollkommen recht. Das ist eine Klassenwahrheit, die durch die ganze Geschichte der Revolutionen aller Länder, durch die ganze jahrhundertelange Epoche der neuen Geschichte seit dem Mittelalter bestätigt wird. Den zersplitterten Kleinproduzenten, den Bauer, vereinigt ökonomisch und politisch entweder die Bourgeoisie (so war es unter dem Kapitalismus stets/in allen Ländern, in allen Revolutionen der Neuzeit, und so wird es unter dein Kapitalismus stets sein) oder das Proletariat (so war: es, für eine ganz kurze Zeit, in Keimform auf den Höhepunkten der Entwicklung einiger der größten Revolutionen der neueren Geschichte; so war es in Rußland 1917-1921 in einer entwickeiteren Form): Von einem „dritten" Weg, von einer „dritten Kraft" können nur selbstgefällige Narzisse schwatzen und träumen. -
' Unter; großen Schwierigkeiten, in erbittertem Kampf haben die Bolschewiki' die Avantgarde des Proletariats herausgebildet, die fähig ist zu regieren, haben sie die Diktatur des Proletariats errichtet und behauptet, und das Kräfteverhältnis der Klassen in Rußland ist nach der Überprüfung durch die Erfahrung, durch die Praxis von vier Jahren, sonnenklar zutage getreten: die: stahlharte, gestählte Avantgarde der einzigen revolutionären Klasse, das kleinbürgerliche schwankende Element, die im Ausland lauernden und von der. Weltbourgeoisie unterstützten Miljukow, die Kapitalisten und Gutsbesitzer. Das ist sonnenklar. Jede „Verschiebung der Macht" werden nur sie ausnutzen und können nur sie ausnutzen.
In der angeführten Broschüre aus dem Jahre 1918 wurde darüber direkt gesagt: Der „Hauptfeind" ist das „kleinbürgerliche Element". „Entweder werden wir es unserer Kontrolle und Rechnungsführung unterordnen, oder aber es wird unsere Arbeitermacht ebenso unvermeidlich und unabwendbar zu Boden werfen, wie die Napoleon und Cavaignac,, die ja gerade auf diesem kleinbesitzerlichen Boden emporwuchsen, die Revolution zu Boden warfen. So steht die Frage. Nur so steht die Frage." (Aus
der Broschüre vom 5. Mai 1918, siehe oben.)
Unsere Stärke liegt in der völligen Klarheit und Nüchternheit der Einschätzung aller vorhandenen Klassengrößen, sowohl der russischen wie auch der internationalen, und sodann in der sich hieraus ergebenden eisernen Energie, Festigkeit, Entschlossenheit und Hingabe im Kampf.
Feinde haben wir viele, aber sie sind uneinig, oder sie wissen nicht, was sie wollen (wie alle Kleinbürger, alle Martow und Tschernow, alle Parteilosen, alle Anarchisten). Wir aber sind einig, direkt untereinander und indirekt mit den Proletariern aller Länder,- wir wissen, was wir wollen.
Und daher sind wir im Weltmaßstab unbesiegbar, wenn auch die Möglichkeit einer Niederlage einzelner proletarischer Revolutionen für kürzere oder längere Zeit keineswegs ausgeschlossen ist.
Man bezeichnet das kleinbürgerliche Element nicht umsonst als Elementargewalt, denn es ist tatsächlich etwas höchst Formloses, Unbestimmtes und Unbewußtes. Die Narzisse des Kleinbürgertums glauben, das „allgemeine Stimmrecht" ändere total die Natur des Kleinproduzenten unter dem Kapitalismus; in Wirklichkeit aber hilft es der Bourgeoisie, mit Hilfe von Kirche, Presse,-Lehrerschaft, Polizei, Militarismus, wirtschaftlicher Knechtung in tausenderlei Formen, hilft ihr, sich die zersplitterten Kleinproduzenten unterzuordnen. Der Ruin, die Not, die schwere Lage erzeugen Schwankungen: heute für die Bourgeoisie, morgen für das Proletariat.
Nur die gestählte Avantgarde des Proletariats ist fähig, den Schwankungen standzuhalten und zu widerstehen.
Die Ereignisse im Frühjahr 1921 haben wieder einmal die Rolle der Sozialrevolutionäre und Menschewiki gezeigt: Sie helfen dem schwankenden kleinbürgerlichen Element, sich von den Bolschewiki abzukehren und eine „Verschiebung der Macht" zugunsten der Kapitalisten und Gutsbesitzer zu bewerkstelligen. Die JAensdbewiki und Sozialrevolutionäre haben nun gelernt, sich den Anstrich von „Parteilosen" zu geben. Das ist vollauf erwiesen. Und nur Dummköpfe können das jetzt nicht sehen, können nicht begreifen, daß wir uns nicht betölpeln lassen dürfen. Die Parteilosenkonferenzen sind kein Fetisch. Sie sind wertvoll, wenn man durch sie der noch unberührten Masse, den außerhalb der Politik stehenden Schichten der werktätigen Millionen näherkommen kann, sie sind aber schädlich, wenn sie eine Plattform abgeben für die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, die sich den Anstrich von „Parteilosen" gegeben haben. Solche Leute fördern Meutereien, helfen den Weißgardisten. Die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, sowohl die offenen wie'auch die als Parteilose getarnten, gehören ins Gefängnis (oder in die im Ausland erscheinenden"Zeitschriften, neben die Weißgardisten; wir haben Martow gern ins Ausland gehen lassen), aber nicht auf eine Parteiloseakonferenz. Man kann und soll andere Methoden ausfindig machen, um die Stimmung der Massen kennenzulernen, um ihnen näherzukommen. Wer in Parlamentarismus, in Konstituanten und Parteilosenkonferenzen machen möchte, der soll ins Ausland gehen; schert euch dorthin, zu Martow, tut uns den Gefallen, kostet die Herrlichkeit der „Demokratie" aus, erkundigt euch bei den Wrangelsoldaten, wie diese Herrlichkeit aussieht, bitte schön. Wir haben andere Sorgen, als uns auf „Konferenzen" mit „Oppositionen" abzugeben. Wir sind von der Bourgeoisie der ganzen Welt umringt, die auf jeden Augenblick des Schwankens lauert, um „ihre Leute" wieder herzuschicken, um die Gutsbesitzer und Bourgeois wieder einzusetzen. Die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, die offenen sowohl wie die als „Parteilose" verkappten, werden, wir im Gefängnis halten.
Wir werden auf jede Weise engere Verbindungen mit der politisch unberührten Masse der Werktätigen anknüpfen, außer auf solche Weise, die den Menschewiki und Sozialrevolutionären Spielraum gewährt, die Schwankungen Spielraum gewährt^ welche für Wiljukow vorteilhaft sind.
Wir werden besonders eifrig Hunderte und aber Hunderte Parteiloser, wirklicher Parteiloser aus der Masse, aus den Reihen der Arbeiter und Bauern, zur Arbeit in den Sowjetinstitutionen, vor allem zur Wirtschaftsarbeit heranziehen, nicht aber diejenigen, die sich den „Anstrich" von Parteilosen gegeben haben, um eingepaukte menschewistische und sozialrevolutionäre Instruktionen herunterzuleiern, die für Miljukow so vorteilhaft sind. Bei uns arbeiten Hunderte und Tausende von Parteilosen, davon Dutzende auf höchst wichtigen und verantwortungsvollen Posten.
Mehr Kontrolle über ihre Arbeit. Stärkere Heranziehung von Tausenden und aber Tausenden einfacher Werktätiger, um, neue Kräfte zuüberprüfen, sie zu erproben und auf Grund der praktischen Überprüfung systematisch und unentwegt, zu Hunderten, auf höhere Posten zu befördern.
Die Kommunisten verstehen bei uns immer noch zuwenig, worin ihre wirkliche Aufgabe der Leitung besteht: Nicht danach trachten, „alles" „selber" zu tun, wobei man sich übernimmt und die Arbeit nicht schafft, zwanzigerlei anfängt und nichts zu Ende führt, sondern die Arbeit von Dutzenden und Hunderten von Helfern kontrollieren, die Kontrolle ihrer Arbeit von unten, d. h. durch die wirkliche Masse, organisieren.

(Über die Naturalsteuer, Lenin, Band 32, Seite 372 - 376)

Die Diktatur des Proletariats bedeutet nicht die Einstellung des Klassenkampfes, sondern seine Fortsetzung in neuer Form und mit neuen Mitteln.
Solange Klassen bestehen, solange die in einem einzigen Lande gestürzte Bourgeoisie ihre Attacken gegen den Sozialismus im internationalen Maßstab verzehnfacht, solange ist diese Diktatur notwendig. Die Klasse der kleinen Landwirte macht in der Obergangszeit unvermeidlich eine Reihe von Schwankungen durch. Die Schwierigkeiten des Obergangs und der Einfluß der Bourgeoisie rufen unvermeidlich von Zeit zu Zeit Schwankungen in der Stimmung dieser Masse hervor. Das Proletariat, das durch die Zerstörung seiner Existenzgrundlage, der maschinellen Großindustrie, geschwächt und bis zu einem gewissen Grade deklassiert worden ist, steht vor der sehr schweren größten historischen Aufgabe, sich trotz dieser Schwankungen zu behaupten und sein Werk der Befreiung der Arbeit vom Joch des Kapitals zu Ende zu führen.
Der politische Ausdruck der Schwankungen des Kleinbürgertums ist die Politik der kleinbürgerlichen- demokratischen Parteien, d. h. der Parteien der II. und der zweieinhalbteri Internationale, zu denen in Rußland die Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki gehören. Diese Parteien, die jetzt ihre Generalstäbe und Zeitungen im Ausland haben, befinden sich faktisch in einem Block mit der gesamten bürgerlichen Konterrevolution und dienen ihr auf Treu und Glauben.
Die klugen Führer der russischen Großbourgeoisie, an ihrer Spitze Miljukow, der Führer der Partei der „Kadetten" (der „konstitutionellen Demokraten"), haben diese Rolle der kleinbürgerlichen Demokratie, d. h. der Sozialrevolutionäre und Menschewiki, ganz klar, präzis und offen eingeschätzt. Anläßlich des Kronstädter Aufstands, bei dem die Menschewiki, Sozialrevolutionäre und Weißgardisten ihre Kräfte vereinigt hatten, sprach sich Miljukow für die Losung „Sowjets ohne Bolschewiki" aus. In Entwicklung dieses Gedankens schrieb er, die Sozialrevolutionäre und Menschewiki seien „herzlich willkommen" („Prawda" Nr. 64, Jahrgang 1921, Zitat aus den Pariser „Poslednije Nowosti"95), denn ihnen falle die Aufgabe der ersten Verschiebung der Macht weg von den Bolschewiki zu.
Miljukow, der Führer der Großbourgeoisie, zieht die richtigen Lehren aus allen Revolutionen, die gezeigt haben, daß die kleinbürgerliche Demokratie unfähig ist, die Macht zu behaupten, und immer nur als Deckmantel für die Diktatur der Bourgeoisie, nur als Stufe zur Alleinherrschaft der Bourgeoisie dient.
Die proletarische Revolution in Rußland bestätigt von neuem diese Erfahrung von 1789-1794 und 1848-1849, sie bestätigt die Worte F. Engels3, der in einem Brief an Bebel vom 11. XII. 1884 schrieb:
Die „reine Demokratie" kann „im Moment der Revolution... als letzter Rettungsanker der ganzen bürgerlichen und selbst feudaler Wirtschaft momentan Bedeutung bekommen... So verstärkte die gesamte feudal-bürokratische Masse 1848 März bis September die Liberalen, um die revolutionären Massen niederzuhalten... Jedenfalls ist unser einziger Gegner am Tag der Krise und am Tag nachher - die um die reine Demokratie sich gruppierende Gesamtreaktion, und das, glaub'.ich, darf nicht aus den Augen verloren werden." (Veröffenflicht russisch in der Zeitung „Kommonistitscheski Trud"96 Nr. 360 vom- 9. VI. 1921, im Artikel des Gen. W. Adoratski, „Marx und Engels über Demokratie". Deutsch in dem Buch: Friedrich Engels, „Politisches Vermächtnis", Nr. 12 der „Internationalen Jugend-Bibliothek", Berlin 1920, S. 18/19.)

Moskau, Kreml, 13. VI. 1921

(III. Kongreß der Kommunistischen Internationale - Lenin, Band 32, Seite 483)

Die deutschen Genossen wissen am besten, was die „reine Demokratie" bedeutet, weil Kautsky und die anderen Führer der II. und der zweieinhalbten Internationale diese „reine Demokratie" gegen die bösen Bolschewiki verteidigen. Beurteilen wir die russischen Sozialrevolutionäre und Menschewiki nicht nach ihren Worten, sondern nach ihren Taten, dann sind sie nichts anderes als Vertreter der kleinbürgerlichen „reinen Demokratie". In unserer -Revolution haben sie mit klassischer Reinheit gezeigt, was die reine Demokratie bedeutet, ebenso wie während der letzten Krise, während des Kronstädter Aufstands. Die Gärung unter der Bauernschaft war sehr stark, auch unter den Arbeitern herrsehte Unzufriedenheit. Sie waren müde und erschöpft. Es gibt ja auch Grenzen der menschlichen Kraft. Drei Jahre lang haben sie gehungert, man kann aber nicht vier oder fünf Jahre lang hungern. Natürlich hat der Hunger einen gewaltigen Einfluß auf die politische Aktivität.

Was taten die Sozialrevolutionäre und Menschewiki? Die ganze Zeit hindurch schwankten sie und stärkten damit die Bourgeoisie. Die Organisierung aller russischen Parteien im Ausland hat gezeigt, wie jetzt die Sache steht. Die klügsten Führer der russischen Großbourgeoisie sagten sich:

„Wir können in Rußland nicht sofort siegen. Daher muß unsere Losung sein: .Sowjets ohne Bolschewiki'." Der Führer der Kadetten, Miljukow, verteidigte die Sowjetmacht gegen die Sozialrevolutionäre. Das klingt höchst seltsam. Derart ist aber die praktische Dialektik, die wir in unserer Revolution auf eigenartige Weise studieren: in der Praxis unseres Kampfes und des Kampfes unserer Gegner. Die Kadetten verteidigen die „Sowjets ohne Bolschewiki", weil sie die Lage gut verstehen und weil sie hoffen, auf diese Weise einen Teil der Bevölkerung zu ködern. Das sagen die klugen Kadetten. Nicht alle Kadetten sind natürlich klug, aber ein Teil ist klug und hat gewisse Erfahrungen aus der Französischen Revolution geschöpft. Die Losung lautet jetzt: Kampf gegen die Bolschewiki um jeden Preis, koste es, was es wolle. Die gesamte Bourgeoisie hilft jetzt den Menschewiki und Sozialrevolutionären. Die Sozialrevolutionäre und Menschewiki bilden jetzt die Vorhut der gesamten Reaktion. Wir haben in diesem Frühjahr die Früchte dieser konterrevolutionären Waffenbrüderschaft gesehen.

Daher müssen wir den rücksichtslosen Kampf gegen diese Elemente fortsetzen. Die Diktatur ist ein Zustand des verschärften Krieges. Wir befinden uns eben in einem solchen Zustand. Eine militärische Invasion gibt es gegenwärtig nicht. Wir stehen jedoch isoliert da. Aber anderseits sind wir nicht völlig isoliert, da die gesamte internationale Bourgeoisie der Welt nicht imstande ist, jetzt offen gegen uns Krieg zu führen, weil die gesamte Arbeiterklasse - obwohl ihre Mehrheit noch nicht kommunistisch ist - doch politisch so bewußt ist, daß sie keine Intervention zuläßt. Die Bourgeoisie muß mit dieser Stimmung der Massen rechnen, auch wenn diese sich noch nicht völlig zum Kommunismus durchgerungen haben.

Deshalb kann die Bourgeoisie jetzt nicht die Offensive gegen uns ergreifen, obwohl das auch nicht ausgeschlossen ist. Solange kein allgemeines, endgültiges Ergebnis vorliegt, wird der Zustand des furchtbaren Krieges fortdauern. Und wir sagen: „Im Kriege handeln wir nach Kriegsbrauch; wir versprechen keinerlei Freiheit und keinerlei Demokratie." Wir erklären den Bauern ganz offen, daß sie wählen müssen: entweder die Macht der Bolsdiewild - und wir werden ihnen alle möglichen Zugeständnisse machen bis zu den Grenzen, innerhalb deren es möglich ist, die Macht zu behaupten, und sie dann zum Sozialismus führen — oder aber die bürgerliche Macht. Alles andere ist Betrug, reinste Demagogie. Diesem Betrug, dieser Demagogie muß der schärfste Kampf angesagt werden. Unser Standpunkt ist: Einstweilen große Zugeständnisse und größte Vorsicht, und zwar gerade deshalb, weil ein gewisses Gleichgewicht vorhanden ist, eben deshalb, weil wir schwächer sind als unsere vereinigten Gegner, weil unsere ökonomische Basis zu schwach ist nnd wir einer stärkeren wirtschaftlichen Grundlage bedürfen.

Das ist es, was ich den Genossen über unsere Taktik, über die Taktik der Kommunistischen Partei Rußlands sagen wollte.

( A n h a l t e n d e r B e i f a l l . )

III. Kongreß der Kommunistischen Internationale, Lenin, Band 32, Seite 519


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KRONSTADT

Artikel aus der "Roten Fahne" vom 17. März 1921