DEUTSCH

April 1919 - April 2019

100 Jahre

Schwarzmeer - Meuterei

 

Lenin:

Die Arbeiter fordern den Abzug der fremden Truppen aus Russland.

Die Aufgabe Odessas und der Krim zeigt, dass die englischen und französischen Soldaten nicht gewillt sind, gegen Sowjetrussland zu kämpfen, und darin liegt das Unterpfand unseres Sieges."

3. Mai 1919

 

STALIN:

Vor drei Monaten rasselte der Imperialismus siegestrunken mit dem Säbel und drohte, Rußland mit seinen Heerhaufen zu überschwemmen. Wie kann das "armselige", "wilde" Sowjetrußland der "disziplinierten" Armee der Engländer und Franzosen, die "sogar" die Deutschen mit ihrer viel gerühmten Technik geschlagen haben, standhalten? So dachten sie. Aber sie ließen eine "Kleinigkeit" außer acht, sie berücksichtigten nicht, dass der Frieden, auch wenn er "schändlich" ist, unvermeidlich die "Disziplin" des Heeres untergräbt und ihm Abscheu gegen einen neuen Krieg einflößt, die Arbeitslosigkeit und die Verteuerung der Lebenshaltung aber unvermeidlich die revolutionäre Bewegung der Arbeiter gegen ihre Imperialisten verstärken.

Und was geschah? Die "disziplinierte" Armee erwies sich für die Intervention als untauglich: sie wurde von einer unvermeidlichen Krankheit, der Zersetzung, befallen.

ZWEI LAGER - 22. Februar 1919.

 

Sowjetrußland in einem "eisernen Ring" zu erdrücken - das war der Plan der Imperialisten. Aber dieser Plan zerschellte an den Wogen der Revolution. Von der revolutionären Bewegung erfasst, eröffneten die Arbeiter Europas eine erbitterte Kampagne gegen die bewaffnete Einmischung. Wie sich zeigte, waren die "frei gewordenen Truppen" für einen bewaffneten Kampf gegen die Revolution offensichtlich nicht zu gebrauchen. Mehr noch, durch die Berührung mit den aufständischen Arbeitern wurden sie selbst vorn Bolschewismus "angesteckt".

DIE RESERVEN DES IMPERIALISMUS

16. März 1919.

 

Zersetzung der alten Armee in den Ententeländern und Entstehung von Soldaten- und Matrosenräten. Das Sowjetsystem wird zur Universalform der proletarischen Diktatur. Verstärkung der linken, kommunistischen Elemente in den Ländern Europas.

Ende der Isoliertheit der proletarischen Revolution in Rußland: Rußland hat jetzt Verbündete.

Sowjetrußland musste unvermeidlich zum Bannerträger der proletarischen Weltrevolution, zum Mittelpunkt für die Konzentration der fortgeschrittenen revolutionären Kräfte des Westens und des Ostens werden und wurde es auch wirklich. Der Bolschewismus verwandelt sich aus einem "rein russischen Erzeugnis" in eine achtunggebietende internationale Macht, die die Grundfesten des Weltimperialismus erschüttert.

DAS ERGEBNIS VON ZWEI JAHREN , Februar-März 1919

 

8. Die Rote Armee hat darum gesiegt, weil das Sowjetland in seinem Kampf mit der weißgardistischen Konterrevolution und der ausländischen Intervention nicht allein stand, weil der Kampf der Sowjetmacht und ihre Erfolge die Sympathie der Proletarier der ganzen Welt hervorriefen und ihre Unterstützung fanden. Während die Imperialisten versuchten, die Sowjetrepublik durch die Intervention und durch die Blockade zu erdrosseln, waren die Arbeiter dieser imperialistischen Länder auf der Seite der Sowjets und halfen ihnen. Ihr Kampf gegen die Kapitalisten der der Sowjetrepublik feindlichen Länder trug dazu bei, dass die Imperialisten gezwungen waren, von der Intervention Abstand zu nehmen. Die Arbeiter Englands, Frankreichs und anderer an der Intervention beteiligter Länder organisierten Streiks, weigerten sich, Kriegsmaterial für die Interventen und weißgardistischen Generale zu verladen und schufen „Aktionskomitees“ unter der Losung „Hände weg von Russland!“

„Sobald die internationale Bourgeoisie“, sagte Lenin, „zum Schlage gegen uns ausholt, fallen ihr die eigenen Arbeiter in den Arm.“ (Lenin, Sämtl. Werke, Bd. XXV, S. 405 russ.)

Geschichte der KPdSU (B) - 1938

 

 

André Marty:

Infolge des Schwarzmeeraufstands war der französische Imperialismus gezwungen, seinen Würgegriff auf die Oktoberrevolution aufzugeben.

Die Bedeutung des Aufstandes am Schwarzen Meer bestand auch darin, dass sich die Massen von Matrosen, Soldaten und Arbeitern unter dem Einfluss der großen sozialistischen Revolution in Frankreich erhoben haben - nicht nur gegen die kriminellen Pläne der französischen Imperialisten, sondern auch gegen die offiziellen sozialdemokratischen Führer, die sich seit 1914 an die Bourgeoisie verkauften.

Man darf jedoch niemals vergessen, dass dieser große Sieg des Proletariats und des französischen Volkes und des internationalen Proletariats wirklich der Sieg der bolschewistischen Partei war.

 

André Marty

 

 

André Marty nimmt einen Ehrenplatz im Buch der Revolutionsgeschichte ein. Seinen Namen trägt ein sowjetisches Minensuchboot, und eine sowjetische Schiffswerft ist nach ihm benannt, wo u.a. U-Boote für den Großen Vaterländischen Krieg gebaut wurden.

Der Sohn eines zum Tode verurteilten, aber amnestierten Mitkämpfers der Kommune von Narbonne des Jahres 1871 hat die Besessenheit zur Zerstörung der bürgerlichen Welt von Hause mitgebracht. Mit einer Meuterei auf den zur Niederschlagung des Bolschewismus in das Schwarze Meer entsandten französischen Kreuzern begründete er seinen Ruf als Weltrevolutionär.

Mit sicherem Instinkt hatte ihn der Kreml für den Posten des Kommissars der Internationalen Brigaden ausgewählt. Hier war er in seinem Element.

Andre Marty trat bei de Gaulles Militärregierung in Afrika auf. Er sorgte für die kommunistische Durchsetzung des Verwaltungsapparates. Seine Ruhe kam aus der Überzeugung, daß er dicht vor der Erreichung seines Zieles stehe. Im November 1943 erließ er in Algier einen Aufruf:

"Die Stunde der Entscheidung ist gekommen. Es ist der lebhafte Wunsch unseres Genossen Stalin, den er mir persönlich vor meiner Abreise aus Moskau ausgedrückt hat, daß so bald als möglich eine Sowjetrepublik in Nordafrika gegründet werde, die das Vorspiel zur Errichtung einer Union der europäischen Sowjetrepubliken sein wird."

Er war gegen die Beteiligung der Kommunisten an der französischen Regierung, es ist ihm allein wichtig, die Straße zu mobilisieren.

Andre Marty hat einst zu den großen Männern der Komintern gehört und den Revisionismus von Thorez und Duclos angegriffen, weswegen man ihn aus der KP Frankreichs ausschloss.

Er ist einer der letzten Recken der Weltrevolution, dem es immer unbegreiflich geblieben ist, daß Moskau erbärmliche Konjunkturritter den treuen Veteranen vorzieht, die jeden Tag bereit sind, ihr Leben für die Idee des Umsturzes in die Schanze zu schlagen.

 

 

Die Seeleute hißten rote Fahnen und gingen an Land, wo sie sich unter dem Gesang der »Internationale« mit den Bolschewiki verbrüderten. Als »Rote Ostern« ging die Meuterei französischer Matrosen vor der Krimküste in die Geschichte ein. Am 19 April 1919 verweigerte die Mannschaft des vor Sewastopol liegenden französischen Kreuzers »France« den Befehl. Sie forderte bessere Verpflegung und Lebensbedingungen an Bord, vor allem jedoch das Ende der Kriegshandlungen und die Rückkehr nach Frankreich. Die Besatzungen der »Jean Bart« und der »Justice« schlössen sich der Meuterei an. Nach drei Tagen bekam Admiral Amet die Lage nur dadurch wieder in den Griff, daß er den Abbruch der Militärkampagne vor der Krimküste und die Rückfahrt nach Frankreich anordnete.

Auf der Krim tobte zu dieser Zeit ein erbitterter Kampf zwischen der Armee der jungen Sowjetmacht und weißgardistischen Truppen. England und Frankreich hatten den Waffenstillstand von Brest-Litowsk vom 3. März 1918 und den Abzug der deutschen Truppen aus Rußland genutzt, um in dieses Vakuum zu stoßen und die Randgebiete des ehemaligen Zarenreiches als Einflußzonen unter sich aufzuteilen: Der Kaukasus, Georgien, Armenien und Kurdistan für die Briten, Bessarabien, die Ukraine und die Krim für die Franzosen. Nach den Plänen des französischen Premierministers Clemenceau sollten die britischen und französischen Marineeinheiten, die im Herbst 1918 ins Schwarze Meer eingerückt waren, den »Weißen« den Rücken freihalten und ihnen erleichtern, die Bolschwiken zu »dezimieren«. Ganz konnten sie sich aber nicht heraushalten. In der Nähe der Hafenstadt Kertsch kam es zu Gefechten der Roten Armee und dem französischen Expeditionskorps, das die Stadt mit Kanonen beschoß und ein Blutbad unter der Bevölkerung anrichtete. Hier gab es schon die ersten Befehlsverweigerungen französischer Soldaten, die nicht gegen die Armee des revolutionären Rußland kämpfen wollten.

In politischer Form setzte sich dieser Krieg auch in der französischen Nationalversammlung fort. Marcel Cachin und andere sozialistische Abgeordnete empörten sich gegen diesen »nichterklärten Krieg, der von der Regierung hinter dem Rücken des Parlaments angezettelt wurde und der gegen die Verfassung verstößt«. Sie verlasen Briefe französischer Soldaten, die sich fragten: »Was haben wir in diesem Land verloren? Deutschland ist geschlagen, aber wir dürfen noch nicht nach Hause. Warum, mit welchem Recht hetzt man uns gegen unsere russischen Brüder?« Vize-Admiral Moreau sprach in seinem Bericht über die Meuterei von »revolutionärer Propaganda unter den französischen Mannschaften, unterstützt durch russische Agitatoren«. Sie griff schnell um sich »angesichts der körperlichen und nervlichen Erschöpfung der Mannschaften und ihrer Ungeduld, nach den langen Jahren des Krieges endlich nach Hause zurückzukehren«.

Einige Tage vor der Meuterei auf der »France« war es schon zu einem Aufstand auf dem Kriegsschiff »Protet« gekommen. Geleitet hatte ihn der Maschinenoffizier Andre Marty, der das Schiff den Bolschewiki übergeben wollte. Er wurde jedoch verraten und verhaftet, so daß er gar nicht mehr miterleben konnte, wie sich die Meuterei ausbreitete. Trotzdem wurde Marty zur Symbolfigur für den Matrosenaufruhr im Schwarzen Meer Der setzte sich im Juni 1919 fort mit kleineren Meutereien auf französischen Kriegsschiffen in Odessa, Biserta und Toulon, die sich zumeist an der Intervention gegen Sowjetrußland entzündeten. Der opferreichste Zwischenfall ereignete sich auf dem Kriegsschiff »Guichen« vor dem griechischen Hafen Itea. Hier setzte die französische Militärführung senegalesische Truppen ein, um die Kontrolle über das Schiff zurückzugewinnen. Führer des Aufstandes war hier Charles Tillon.

Als alle Meutereien niedergeschlagen waren, wurden die Beteiligten im Herbst 1919 in Toulouse und Toulon vor Militärgerichte gestellt. 28 Soldaten Und 102 Matrosen wurden zu insgesamt 630 Jahren Haft verurteilt. Marty, dem als Offizier die Todesstrafe drohte, wurde zu 20 Jahren verurteilt, und Tillon zu fünf Jahren. Auf Druck von Massenprotesten wurden die ersten Meuterer ab Juli 1922 begnadigt, als letzter ein Jahr später auch Andre Marty Er und Tillon wurden zu Führern der Französischen Kommunistischen Partei, die 1921 aus der Spaltung der SP hervorgegangen war Marty wirkte lange Jahre in der Kommunistischen Internationale, er kämpfte im spanischen Bürgerkrieg und in der Resistance. Doch sein starker Charakter und seine Beliebtheit waren der KP-Führung unter Maurice Thorez ein Dorn im Auge.

 

 

 

The Epic of the Black Sea Revolt

Andre Marty