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100 Jahre Februarrevolution

 

Februar 1917 - Februar 2017

23. Februar ( Julianischer Kalender )

[ 8. März , nach heutigem Kalender) ]

 

DER STURZ DES ZARISMUS

 

Der Erste Weltkrieg verschlechterte das Leben der Arbeiter und Bauern und der unterdrückten Völker im zaristischen Russland.

Die Arbeiter führten im Januar und Februar 1917 große Demonstrationen unter den Losungen durch:

"Nieder mit dem Krieg!" - "Nieder mit dem Zaren!" - "Brot!" - "Frieden" - "Freiheit!"

Soldaten verbrüderten sich mit den Arbeitern und halfen durch einen bewaffneten Aufstand in Petrograd, die zaristische Selbstherrschaft zu stürzen.

Die Provisorische Regierung vertrat die Interessen der Bourgeoisie und der Gutsbesitzer. Sie setzte den imperialistischen Krieg fort.

 

 

Grußadressen der Solidarität

 

Grußadresse

der Komintern (SH) zum 100. Jahrestag der Februarrevolution

 

Der Krieg verschlechterte das Leben der Arbeiter und Bauern noch mehr. Viele Fabriken mussten wegen Mangel an Rohstoffen und Brennmaterial geshlossen werden.

Viele Felder blieben brach liegen, weil die Bauern an der Front waren und sie nicht bestellen konnten. Die Eisenbahnen konnten den großen Verkehr, der im Krieg notwendig wurde, nicht bewältigen. In manchen Gegenden verfaulte das Getreide, während die Werktätigen in den Städten hungerten. Die Frauen, die von der Arbeit in den Rüstungsfabriken übermüdet waren, mussten oft stundenlang vor den Bäckerläden warten, um ein Stück Brot für die Kinder zu erhalten.

Armee und Volk hungerten, trugen zerrissene Kleider und Schuhe. Die Not und die Unzufriedenheit wuchsen.

In der zaristischen Armee fehlte es an Kanonen, an Geschossen, sogar an Gewehren; drei Soldaten hatten oft nur ein Gewehr. Zaristische Generale und Minister verrieten den deutschen Imperialisten militärische Geheimnisse. Die zaristische Armee erlitt eine Niederlage nach der anderen. Schon in den ersten Kriegsmonaten hatte sie riesige Verluste an Toten, Verwundeten und Gefangenen.

 

Die Bolschewiki schufen bolschewistische Zellen in Armee und Flotte und verbreiteten Flugblätter mit Aufrufen gegen den imperialistischen Krieg. Die Arbeit der Bolschewiki hatte Erfolg. Bereits 1915 und 1916 verweigerten einzelne Truppenteile den Gehorsam. Seit dem Herbst 1915 kam es an der Front immer häufiger zu Verbrüderungen. Die russischen Soldaten krochen aus ihren Schützengräben ins Niemandsland, wo sie sich mit deutschen oder österreichisch-ungarischen Soldaten trafen.

Während des Krieges begannen sich auch die unterdrückten Völker Russlands zum Kampf gegen die zaristische Regierung zu erheben. Der Zar brauchte zur Kriegsführung viel Geld und belegte die unterdrückten Völker mit hohen Steuern. 1916 befahl er, dass die Bevölkerung der nichtrussischen Gebiete zum Bau von Schützengräben und zu anderen Arbeiten an der Front heranzuziehen sei. Das geschah zu einer Zeit, in der wichtige Feldarbeiten verrichtet werden mussten. Die Usbeken, Kasachen, Kirgisen und Turkmenen weigerten sich, dem Befehl des Zaren zu folgen. Die erregte Bevölkerung drang in die Bezirksverwaltungen ein und forderten die Aufhebung des zaristischen Befehls.

Die aufständischen Usbeken zerstörten Eisenbahnlinien, setzten Stationen in Brand und zerschnitten Telefondrähte, um Truppentransporte zu verhindern. Die Kirgisen eroberten Militärtransporte und verschafften sich dadurch Waffen.

Die zaristischen Behörden entsandten gegen die Aufständischen Truppen mit Kanonen, Maschinengewehren und Panzerautos und schlugen die Aufstände blutig nieder. Dennoch wuchs der gemeinsame Kampfwille der Arbeiter, Bauern und Soldaten sowie der unterdrückten Völker für den Frieden.

In den Januar- und Februartagen 1917 brach die Lebensmittelversorgung in vielen Städten zusammen. Die Zufuhr nach Petrograd und Moskau kam gänzlich zum Erliegen. Ein Betrieb nach dem anderen wurde geschlossen. Im Volke verbreitete sich immer mehr die Überzeugung, dass es nur einen Ausweg aus der unerträglichen Lage gab:

 

STURZ DER ZARISTISCHEN HERRSCHAFT

 

Auch die Bourgeoisie wurde unzufrieden mit dem Zaren. Sie merkte, dass die zaristische Regierung unfähig war, den Sieg zu erringen. Die Bourgeoisie fürchtete, der Zar würde mit Deutschland Frieden schließen. Sie wollten den Krieg aber so lange fortsetzen, bis sie ihre imperialistischen Ziele erreicht hatte. Die imperialistischen Regierungen Englands und Frankreichs wollten Russland nicht als Bundesgenossen verlieren und unterstützten die russische Bourgeoisie in dem Bestreben, Zar Nikolaus II. zu beseitigen und seine Herrschaft durch eine Regierung der Kapitalisten zu ersetzen, die den Krieg entschlossener weiterführen sollte als der Zar.

Die Pläne der Bourgeoisie verwirklichten sich nicht. Ihnen kam der Aufstand der Arbeiter und Soldaten zuvor, die im Februar des Jahres 1917 ausbrach.

Anfang 1917 traten die ausgehungerten, durch den Krieg zermürbten Arbeiter in den Streik. Die Bolschewiki leiteten den Kampf der Arbeiter. Sie drangen auch in die Kasernen ein und riefen die Soldaten auf, die Arbeiter im Kampf gegen den Zaren zu untestützen.

 

Am Internationalen Frauentag, am 8. März (23. Februar - Julianischer Kalender) demonstrierten die Arbeiterinnen gegen Hunger, Krieg und Zarenherrschaft. Die revolutionäre Bewegung erfasste bald ganz Petrograd. Über den Kolonnen der demonstrierenden Arbeiter wehten rote Fahnen und Losungen:

"Nieder mit dem Krieg!" - "Nieder mit dem Zaren!" - "Brot!" - "Frieden" - "Freiheit!"

Die zaristischen Minister gaben den Befehl, schonungslos auf die Arbeiter zu schießen. Im Zentrum der Stadt stellte die Polizei auf den Dächern und auf auf den Straßen Maschinengewehre auf und schoss auf die Demonstranten. Die Gefängnisse füllten sich mit Verhafteten. Da bewaffneten sich die Arbeiter. Sie verhafteten zaristische Minister und Generale und befreiten die Revolutionäre aus den Gefängnissen. Der Zar, der sich damals außerhalb von Petrograd befand, sandte Truppen von der Front gegen das aufständische Volk.

Die revolutionären Arbeiter und Soldaten zogen ihnen entgegen, erklärten, wofür sie kämpften, und riefen die Truppen auf, die Befehle des Zaren und der Generale nicht zu erfüllen. Die Soldaten verbrüderten sich mit den Revolutionären, die zaristische Regierung wurde gestürzt.

 

Als die Kunde vom Sieg der Revolution in Petrograd die anderen Städte und die Front erreichte, stürzten die Arbeiter und Soldaten die Herrschaft des Zaren auch hier. Überall rissen die heldenmütigen revolutionären Arbeiter die befreiten Massen der Werktätigen und der armen Bevölkerung mit sich.

 

Gleich in den ersten Revolutionstagen gingen die Arbeiter dazu über, Sowjets zu bilden.

 

Es waren nicht nur Sowjets der Arbeiterdeputierten wie 1905, sondern Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten. Die Soldatendeputierten waren vorwiegend Bauern, die die Soldatenuniform trugen. So war in den Sowjets ein enges Kampfbündnis zwischen Arbeitern und Bauern geschaffen. Ohne dieses Bündnis hätte das Volk den Zaren nicht stürzen, hätte die Februarrevolution nicht siegen können.

 

Die meisten Führer der bolschewistischen Partei waren im Gefängnis oder in der Verbannung. Lenin war noch in der Schweiz, Stalin in Sibirien. Die Februarrevolution ermöglichte es Stalin und vielen anderen bolschewistischen Führern, Sibirien sofort zu verlassen, um sich nach Petrograd zu begeben und mit den Vorbereitungen der Oktoberrevolution zu beginnen. Stalin übernimmt die Leitung der "Prawda" und mit Molotow steht er an der Spitze des ZK und des Petrograder Komitees der SDAPR.

 

Während des Krieges waren viele Arbeiter eingezogen worden. Viele Kleinbürger, wie Handwerker und Kleinhändler, waren als Arbeiter in die Fabriken gegangen, weil sie hofften, dann nicht an die Front geschickt zu werden. Sie waren mit dem Kampf des Proletariats nicht eng verbunden und ließen sich von den Menschewiki beeinflussen. So gelang es den Menschewiki, die Mehrheit der Stimmen bei den Wahlen zu den Sowjets zu erhalten. Sie verrieten die Sache der Arbeiterklasse und ermöglichten der imperialistischen Bourgeoisie, die den Krieg weiter führen wollte, eine Provisorische Regierung zu bilden. Die wichtigsten Ministerposten dieser Provisorischen Regierung nahmen ein:

ein Fabrikbesitzer und Bankinhaber, ein Textilfabrikant, ein Zuckerfabrikant, ein Advokat, ein Geschichtsprofessor.

Lenin charakterisierte die Provisorische Regierung mit folgenden Worten:

 

"Diese Regierung stellt kein zufälliges Häuflein von Menschen dar. Es sind die Vertreter der Klasse der kapitalistischen Gutsbesitzer und der Bourgeoisie, die unser Land wirtschaftlich seit Langem lenkt."

 

Aber neben der Provisorischen Regierung bestanden auch weiter die Sowjets, die Machtorgane der Werktätigen. Diese Sowjets der Arbeiter- und Bauerndeputierten standen vorwiegend unter dem Einfluss der Menschewiki.

Viele Arbeiter, Bauern und Soldaten vertrauten unter dem Einfluss der Menschewiki der Provisorischen Regierung. Sie hielten sie für eine durch die Revolution geschaffene Regierung, die im Interesse der Arbeiter und Bauern handeln würde.

 

Die Provisorische Regierung war jedoch nicht für das Volk, sondern gegen das Volk. Sie war nicht für den Frieden, sondern für den Krieg. Das Land der Gutsbesitzer wurde nicht unter die Bauern verteilt. Die Provisorische Regierung entsandte Regimenter in die Bezirke, in denen die Bauern den Boden der Großgrundbesitzer für sich bebauten. Die Provisorische Regierung weigerte sich, den Achtstundentag einzuführen. Sie unternahm nichts gegen den Hunger der Werktätigen, denn sie vertrat die Interessen der Gutsbesitzer und Kulaken und ließ deren Getreide nicht beschlagnahmen. Die Provisorische Regierung wollte den Krieg fortsetzen, um die imperialistischen Ziele zu verwirklichen: Eroberung Konstantinopels, der Dardanellen und Galiziens etc..

 

Die Februarrevolution hatte mit der Schaffung einer Regierung geendet, die nicht imstande war, die grundlegenden Forderungen des Volkes nach Frieden, Freiheit, Land und Brot zu erfüllen. Der Zar war bereits gestürzt, aber die neue Diktatur der Bourgeoisie errichtet. Diese wurde dann mit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution gestürzt. Durch sie wurde die Diktatur des Proletariats und der erste sozialistische Staat der Welt errichtet.

 

Heute herrscht wieder die Diktatur der imperialistischen russischen Bourgeoisie unter Führung des Kreml-Zaren Putin.

Zum 100. Jahrestag der Februarrevolution rufen wir den russischen Arbeitern und den Werktätigen der ehemaligen sowjetischen Völker zu:

Stürzt die imperialistische Putin-Herrschaft und zerschlagt den russischen Imperialismus.

Nieder mit dem Kreml-Zar Putin !

Die Oktoberrevolution von 1917 muss siegreich zu Ende geführt werden, um den Kapitalismus endgültig zu beseitigen und den Sozialismus wieder neu zu errichten.

Es gilt, die Diktatur der russischen Monopolbourgeoisie zu stürzen und wieder die Diktatur des Proletariats zu errichten - in Russland und auf der ganzen Welt. Hoch das revolutionäre Banner von Lenin und Stalin !

 

 

Es lebe der 100. Jahrestag der Februarrevolution von 1917 !

Es lebe der 100. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution !

Es lebe die Wiederherstellung der Sowjetunion Lenins und Stalins !

Es lebe die sozialistische Weltrevolution !

Es lebe der Weltsozialismus und Weltkommunismus !

Es lebe Marx, Engels, Lenin, Stalin und Enver Hoxha !

Es lebe der Stalinismus-Hoxhaismus!

 

Es lebe die Komintern (SH) !

 

Es lebe die russische Sektion der Komintern (SH) !

 

 

 

 

 

 

Tsarina Alexandra, February 1917

“This is a hooligan movement, young people run and shout that there is no bread, simply to create excitement, along with workers who prevent others from working. If the weather were very cold they would probably all stay at home.

 

“I shall never, under any circumstances, agree to a representative form of government because I consider it harmful to the people whom God has entrusted to my care.”
(Nicholas II)

 

 

 

 

 

 

 

 

"No support for the provisional Government; the utter falsities of all its promises shall be made clear"

(LENIN)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LENIN UND STALIN

ÜBER DIE FEBRUARREVOLUTION

 

 

 

 

LENIN

ÜBER DIE FEBRUARREVOLUTION 1917

[ Sammlung von Texten und Zitaten]

 

umfangreiche Webseite !

 

 

 

Stalins

Überblick über die

Februarrevolution 1917

Auszug aus der Geschichte der KPdSU (B) - Kurzer Lehrgang

 

 

Die zweite historische Wendung und der Kurs auf die Diktatur des Proletariats in Russland

 

(Auszüge: "Zur Frage der Strategie und Taktik der russischen Kommunisten", Stalin Werke Band 5, Seite 154-157)

 

 

Der vorliegende Artikel muss als eine gedrängte und schematische Darlegung der Grundansichten des Genossen Lenin betrachtet werden.

(...)

In der Periode vor der Februarrevolution von 1917, als der Zarismus in den Augen der Massen bereits endgültig Bankrott gemacht hatte, wurde die Losung "Nieder mit der Selbstherrschaft" bereits aus einer Agitationslosung zu einer Aktionslosung, denn sie war darauf berechnet, die Millionenmassen zum Sturmangriff gegen den Zarismus in Bewegung zu setzen. In den Tagen der Februarrevolution wurde diese Losung dann zu einer Direktive der Partei, das heißt zu der direkten Aufforderung, in einem bestimmten Zeitpunkt sich bestimmter Institutionen und bestimmter Stellungen im System des Zarismus zu bemächtigen, denn nun handelte es sich bereits darum, den Zarismus zu stürzen, ihn zu vernichten. Eine Direktive ist der direkte Appell der Partei, zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort in Aktion zu treten, der bindend für alle Parteimitglieder ist und gewöhnlich von breiten Massen der Werktätigen aufgegriffen wird, wenn der Appell die Forderungen der Massen richtig und treffend formuliert, wenn die Zeit für ihn wirklich reif ist.

(...)

Jeder historischen Wendung entspricht ein für sie notwendiger und ihren Aufgaben angepasster strategischer Plan.

(...)

Rußlands neuere Geschichte kennt drei grundlegende historische Wendungen, die in der Geschichte unserer Partei zu drei verschiedenen strategischen Plänen geführt haben.

(...)

 

Die erste historische Wendung und der Kurs auf die bürgerlich-demokratische Revolution in Rußland

 

Diese Wendung setzte zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ein, in der Periode des Russisch-Japanischen Krieges, als die Niederlage der Zarenarmeen und die grandiosen politischen Streiks der russischen Ar-heiter alle Bevölkerungsklassen aufrüttelten und in die Arena des politischen Kampfes drängten. Diese Wendung kam in den Tagen der Februarrevolution von 1917 zum Abschluss.

(...)

Die bolschewistische Strategie (siehe die "Zwei Taktiken" des Genossen Lenin) plante den Hauptschlag der Revolution gegen den Zarismus auf der Linie einer Koalition des Proletariats mit der Bauernschaft unter Neutralisierung der liberalen Bourgeoisie. Davon ausgehend, dass die liberale Bourgeoisie an einem vollständigen Siege der bürgerlich-demokratischen Revolution nicht interessiert ist, dass sie dem Siege der Revolution einen Kompromiss mit dem Zarismus auf Kosten der Arbeite und Bauern vorzieht, wies dieser Plan dem Proletariat, als der einzige konsequent revolutionären Klasse in Rußland, die Rolle des Hegemon der revolutionären Bewegung zu. Dieser Plan ist nicht nur in der Hinsicht bemerkenswert, dass er die Triebkräfte der Revolution richtig in Rechnung stellte, sondern auch weil er im Keime die Idee der Diktatur d Proletariats (Hegemonie des Proletariats) in sich barg, weil er die nächst folgende, höhere Phase der Revolution in Rußland genial voraussah und den Übergang zu ihr erleichterte.

Die darauf folgende Entwicklung der Revolution bis zum Februar 1917 hat die Richtigkeit dieses strategischen Planes voll und ganz bestätigt.

 

Die zweite historische Wendung und der Kurs auf die Diktatur des Proletariats in Rußland

 

Die zweite Wendung begann mit der Februarrevolution 1917, nach dem Sturz des Zarismus, als der imperialistische Krieg die tödlichen Gebrechen des Kapitalismus in der ganzen Welt bloßgelegt hatte; als die liberale Bourgeoisie, unfähig, die faktische Verwaltung des Landes in ihre Hände zu nehmen, gezwungen war, sich auf die Behauptung der formalen Macht zu beschränken (Provisorische Regierung); als die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, die die faktische Macht erhalten hatten, weder Erfahrung besaßen noch gewillt waren, von ihr den notwendigen Gebrauch zu machen; als die Soldaten an der Front und die Arbeiter und Bauern im Hinterland unter der Last des Krieges und der wirtschaftlichen Zerrüttung stöhnten; als das Regime der "Doppelherrschaft" und der "Kontaktkommission", von inneren Widersprüchen zerrissen und weder zum Kriege noch zum Frieden fähig, nicht nur keinen "Ausweg aus der Sackgasse" fand, sondern die Situation nur noch mehr verwirrte. Diese Periode endete mit der Oktoberrevolution 1917.

In dieser Periode lagen innerhalb der Sowjets zwei strategische Pläne gegeneinander im Kampf: der Plan der Menschewiki und Sozialrevolutionäre und der Plan der Bolschewiki.

Die Strategie der Menschewiki und Sozialrevolutionäre, die in der ersten Zeit zwischen den Sowjets und der Provisorischen Regierung, zwischen Revolution und Konterrevolution hin und her pendelte, gewann endgültig Gestalt zur Zeit der Eröffnung der Demokratischen Beratung (September 1917). Sie war darauf eingestellt, die Sowjets allmählich, aber beharrlich von der Macht abzudrängen und die ganze Macht im Lande in den Händen eines "Vorparlaments", des Vorbilds eines künftigen bürgerlichen Parlaments, zu konzentrieren. Die Fragen von Krieg und Frieden, die Agrarfrage, die Arbeiterfrage und die nationale Frage vertagte man bis zur Einberufung der Konstituierenden Versammlung, die ihrerseits auf unbestimmte Zeit vertagt wurde. "Alle Macht der Konstituierenden Versammlung" - so formulierten die Sozialrevolutionäre und Menschewiki ihren strategischen Plan. Es war ein Plan zur Vorbereitung der bürgerlichen Diktatur, einer zwar geschniegelten und gebügelten, einer "völlig demokratischen", aber doch einer bürgerlichen Diktatur.

Die bolschewistische Strategie (siehe die im April 1917 veröffentlichten "Thesen" des Genossen Lenin) plante den Hauptschlag auf der Linie der Beseitigung der Macht der Bourgeoisie durch die vereinten Kräfte des Proletariats und der armen Bauernschaft, auf der Linie der Organisierung der Diktatur des Proletariats in Gestalt der Sowjetrepublik. Bruch mit dem Imperialismus und Ausscheiden aus dem Kriege; Befreiung der unterjochten Nationalitäten des ehemaligen Russischen Reichs; Expropriation der Gutsbesitzer und der Kapitalisten; Vorbereitung der Bedingungen für die Organisierung einer sozialistischen Wirtschaft - das waren die Elemente des strategischen Planes der Bolschewiki in dieser Periode. "Alle Macht den Sowjets" - so formulierten damals die Bolschewiki ihren strategischen Plan. Er war nicht nur in der Hinsicht wichtig, dass er die Triebkräfte der neuen, proletarischen Revolution in Rußland richtig in Rechnung stellte, sondern auch in der Hinsicht, dass er die Auslösung der revolutionären Bewegung im Westen erleichterte und beschleunigte.

Die darauf folgende Entwicklung der Ereignisse bis zum Oktoberumsturz hat die Richtigkeit dieses strategischen Planes voll und ganz bestätigt.

 

Die dritte historische Wendung und der Kurs auf die proletarische Revolution in Europa

Die dritte Wendung begann mit dem Oktoberumsturz, als der auf Leben und Tod geführte Kampf der beiden imperialistischen Gruppen des Westens seinen Höhepunkt erreicht hatte; als im Westen offensichtlich eine revolutionäre Krise heranreifte; als die bankrott gewordene und in Widersprüchen verstrickte bürgerliche Staatsmacht in Rußland unter den Schlägen der proletarischen Revolution zusammengebrochen war; als sich die siegreiche proletarische Revolution durch ihren Bruch mit dem Imperialismus und ihr Ausscheiden aus dem Kriege geschworene Feinde in Gestalt der imperialistischen Koalitionen des Westens zugezogen hatte; als die gesetzgeberischen Akte der neuen Regierung, der Sowjetregierung, über den Frieden, die Konfiskation des gutsherrlichen Bodens, die Expropriation der Kapitalisten und die Befreiung der unterdrückten Nationalitäten ihr das Vertrauen von Millionen Werktätigen der ganzen Welt eintrugen. Es war eine Wendung im internationalen Maßstab, denn zum erstenmal wurde die internationale Front des Kapitals durchbrochen, zum erstenmal wurde der Sturz des Kapitalismus praktisch auf die Tagesordnung gesetzt. Eben dadurch wurde die Oktoberrevolution aus einer nationalen, einer russischen Kraft zu einer internationalen Kraft, und die russischen Arbeiter wurden aus einem zurückgebliebenen Trupp des internationalen Proletariats zu seiner Vorhut, die durch ihren selbstlosen Kampf die Arbeiter des Westens und die unterdrückten Länder des Ostens weckt. Diese Wendung ist in ihrer Entwicklung noch nicht abgeschlossen, denn sie hat sich noch nicht im internationalen Maßstab entfaltet, aber ihr Inhalt und ihre allgemeine Richtung sind schon hinlänglich klar in Erscheinung getreten.

(...)

Die Bolschewiki stellten(...) ihren Plan ein auf die innere Festigung der Diktatur des Proletariats in Rußland und auf die Ausdehnung des Wirkungsbereichs der proletarischen Revolution auf alle Länder der Welt durch Vereinigung der Anstrengungen der Proletarier Rußlands mit den Anstrengungen der Proletarier Europas und der unterdrückten Länder des Ostens gegen den Weltimperialismus. Eine überaus bemerkenswerte präzise und knappe Formulierung dieses strategischen Planes hat Genosse Lenin in seiner Schrift "Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky" gegeben: "ein Höchstmaß dessen durchzuführen, was in einem" (dem eigenen. - J. St.) "Lande für die Entwicklung, Unterstützung, Entfachung der Revolution in allen Ländern durchführbar ist". Der Wert dieses strategischen Planes besteht nicht nur darin, dass er die Triebkräfte der Weltrevolution richtig in Rechnung stellte, sondern auch darin, dass er den erst später zutage getretenen Prozess voraussah und erleichterte, durch den Sowjetrußland zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit für die revolutionäre Bewegung der ganzen Welt wurde, zum Befreiungsbanner der Arbeiter des Westens und der Kolonien des Ostens.

Die darauf folgende Entwicklung der Revolution in der ganzen Welt sowie die fünf Jahre Sowjetmacht in Rußland haben die Richtigkeit dieses strategischen Planes voll und ganz bestätigt. Tatsachen wie die, dass die Konterrevolutionäre und die Sozialrevolutionäre und Menschewiki, die einige Male versucht haben, die Sowjetmacht zu stürzen, sich jetzt in der Emigration befinden, während die Sowjetmacht und die internationale proletarische Organisation zur wichtigsten Waffe für die Politik des Weltproletariats werden - diese Tatsachen sprechen anschaulich zugunsten des strategischen Planes der Bolschewiki.

 

 

 

 

 

 

Über die Grundlagen des Leninismus

(Auszüge)

 

 

Der Leninismus erwuchs und gestaltete sich unter den Bedingungen des Imperialismus, als sich die Widersprüche des Kapitalismus bis zum äußersten zugespitzt hatten, als die proletarische Revolution zu einer Frage der unmittelbaren Praxis wurde, als die alte Periode der Vorbereitung der Arbeiterklasse zur Revolution an die neue Periode des direkten Sturms auf den Kapitalismus heranrückte und in sie hinüberwuchs.

(...)

Der Imperialismus führte nicht nur dazu, dass die Revolution praktisch unvermeidlich wurde, sondern auch dazu, dass für den unmittelbaren Sturm auf die Festen des Kapitalismus günstige Bedingungen geschaffen wurden.

Das war die internationale Situation, die den Leninismus hervorbrachte.

Das ist ja alles ganz gut, wird man uns erwidern, aber was hat das mit Rußland zu tun, das doch kein klassisches Land des Imperialismus war und es auch nicht sein konnte? Was hat das mit Lenin zu tun, der vor allem in Rußland und für Rußland gewirkt hat? Weshalb ist gerade Rußland zur Heimstätte des Leninismus geworden, zum Geburtsland der Theorie und Taktik der proletarischen Revolution?

Weil Rußland der Knotenpunkt aller dieser Widersprüche des Imperialismus war.

Weil Rußland mehr als irgendein anderes Land mit der Revolution schwanger ging, und weil aus diesem Grunde nur Rußland imstande war, diese Widersprüche auf revolutionärem Wege zu lösen.

Beginnen wir damit, dass das zaristische Rußland ein Herd jeder Art von Unterdrückung war, sowohl der kapitalistischen als auch der kolonialen und militärischen, in ihrer unmenschlichsten und barbarischsten Form. Wem ist es nicht bekannt, dass in Rußland die Allmacht des Kapitals mit dem Despotismus des Zarismus verschmolz, die Aggressivität des russischen Nationalismus mit dem Henkertum des Zarismus gegenüber den nichtrussischen Völkern, die Ausbeutung ganzer Gebiete - der Türkei, Persiens, Chinas - mit der Eroberung dieser Gebiete durch den Zarismus, mit dem Eroberungskrieg? Lenin hatte Recht, als er sagte, dass der Zarismus ein "militärisch-feudaler Imperialismus" sei. Der Zarismus war die Konzentration der ins Quadrat erhobenen negativsten Seiten des Imperialismus.

Ferner. Das zaristische Rußland war eine gewaltige Reserve des westlichen Imperialismus nicht nur in dem Sinne, dass es dem ausländischen Kapital, das so ausschlaggebende Zweige der Volkswirtschaft Rußlands wie die Brennstoff- und Hüttenindustrie in seinen Händen hielt, freien Zutritt gewährte, sondern auch in dem Sinne, dass es den westlichen Imperialisten Millionen Soldaten zur Verfügung stellen konnte. Erinnern Sie sich der russischen Vierzehnmillionenarmee, die an den imperialistischen Fronten ihr Blut vergoss, um die Riesenprofite der englischen und französischen Kapitalisten zu sichern.

Weiter. Der Zarismus war nicht nur der Wachhund des Imperialismus im Osten Europas, sondern auch eine Agentur des westlichen Imperialismus, dazu bestimmt, aus der Bevölkerung Hunderte von Millionen an Zinsen für die Anleihen herauszupressen, die ihm in Paris und London, in Berlin, in Brüssel gewährt worden waren.

Schließlich war der Zarismus der treueste Bundesgenosse des westlichen Imperialismus bei der Aufteilung der Türkei, Persiens, Chinas usw. Wem ist es nicht bekannt, dass der imperialistische Krieg vom Zarismus im Bündnis mit den Imperialisten der Entente geführt wurde, dass Rußland ein wesentliches Element dieses Krieges war?

Deshalb waren die Interessen des Zarismus und des westlichen Imperialismus miteinander verschlungen und verflochten sich schließlich zu einem einzigen Knäuel imperialistischer Interessen.

Konnte sich der westliche Imperialismus mit dem Verlust einer so mächtigen Stütze im Osten und eines so reichen Reservoirs an Kräften und Mitteln abfinden, wie es das alte, zaristische, bürgerliche Rußland war, ohne alle seine Kräfte zu einem Kampf auf Leben und Tod gegen die Revolution in Rußland eingesetzt zu haben, um den Zarismus zu verteidigen und zu erhalten? Natürlich konnte er das nicht!

Daraus folgt aber: Wer den Schlag gegen den Zarismus führen wollte, musste unvermeidlich gegen den Imperialismus ausholen, wer sich gegen den Zarismus erhob, musste sich auch gegen den Imperialismus erheben, denn wer den Zarismus zu stürzen suchte, der musste auch den Imperialismus stürzen, sofern er wirklich gedachte, den Zarismus nicht nur zu zerschlagen, sondern ihn auch restlos zu vernichten. Die Revolution gegen den Zarismus näherte sich somit der Revolution gegen den Imperialismus, der proletarischen Revolution und musste in sie hinüberwachsen.

Indessen wuchs in Rußland eine gewaltige Volksrevolution empor, an deren Spitze das revolutionärste Proletariat der Welt stand, das einen so ernst zu nehmenden Verbündeten besaß wie die revolutionäre Bauernschaft Rußlands. Bedarf es noch eines Beweises, dass eine solche Revolution nicht auf halbem Wege stehen bleiben konnte, dass sie im Falle ihres Erfolges weitergehen und das Banner der Erhebung gegen den Imperialismus aufpflanzen musste?

Deshalb musste Rußland zum Knotenpunkt der Widersprüche des Imperialismus werden, nicht nur in dem Sinne, dass diese Widersprüche wegen ihres besonders ungeheuerlichen und besonders unerträglichen Charakters gerade in Rußland am leichtesten aufbrachen; nicht nur, weil Rußland eine höchst wichtige Stütze des westlichen Imperialismus war, die das Finanzkapital des Westens mit den Kolonien des Ostens verband, sondern auch deshalb, weil nur in Rußland die reale Kraft vorhanden war, die die Widersprüche des Imperialismus auf revolutionärem Wege zu lösen vermochte.

Daraus folgt aber, dass die Revolution in Rußland unvermeidlich zu einer proletarischen Revolution werden musste, dass sie gleich in den ersten Tagen ihrer Entwicklung internationalen Charakter annehmen, dass sie folglich unvermeidlich den Weltimperialismus in seinen Grundfesten er-schüttern musste.

Konnten sich die russischen Kommunisten bei einer solchen Sachlage in ihrer Arbeit auf den eng nationalen Rahmen der russischen Revolution beschränken? Natürlich nicht! Im Gegenteil, die ganze Situation, sowohl die innere (die tiefgehende revolutionäre Krise) als auch die äußere (der Krieg), trieb sie dazu, in ihrer Arbeit über diesen Rahmen hinauszugehen, den Kampf in die internationale Arena zu tragen, die Eiterbeulen des Imperialismus aufzudecken, die Unvermeidlichkeit des Zusammenbruchs des Kapitalismus zu beweisen, den Sozialchauvinismus und Sozialpazifismus zu zerschmettern und schließlich im eigenen Lande den Kapitalismus zu stürzen und für das Proletariat eine neue Kampfwaffe, die Theorie und Taktik der proletarischen Revolution, zu schmieden, um den Proletariern aller Länder den Sturz des Kapitalismus zu er-leichtern. Die russischen Kommunisten konnten gar nicht anders handeln, denn nur auf diesem Wege konnte man auf gewisse Veränderungen in der internationalen Lage rechnen, die Rußland vor einer Restauration der bürgerlichen Zustände sicherzustellen vermochten.

Deshalb wurde Rußland zur Heimstätte des Leninismus und der Führer der russischen Kommunisten, Lenin, zu seinem Schöpfer.

(...)

Weshalb bekämpfte (...) Lenin die Idee der "permanenten (ununterbrochenen) Revolution"?

Weil Lenin vorschlug, die revolutionären Fähigkeiten der Bauernschaft "auszuschöpfen" und ihre revolutionäre Energie restlos zur völligen Beseitigung des Zarismus, zum Übergang zur proletarischen Revolution auszunutzen, während die Anhänger der "permanenten Revolution" die große Rolle der Bauernschaft in der russischen Revolution nicht verstanden, die Kraft der revolutionären Energie der Bauernschaft ebenso wie die Kraft und die Fähigkeit des russischen Proletariats, die Bauernschaft zu führen, unterschätzten, und so die Befreiung der Bauernschaft vom Einfluss der Bourgeoisie, den Zusammenschluss der Bauernschaft um das Proletariat erschwerten.

Weil Lenin vorschlug, das Werk der Revolution durch den Übergang der Macht an das Proletariat zu krönen, während die Anhänger der "permanenten" Revolution direkt mit der Macht des Proletariats beginnen wollten, ohne zu begreifen, dass sie damit eine solche "Kleinigkeit" übersehen wie die Überreste des Feudalismus und eine so ernst zu nehmende Kraft außer acht lassen wie die russische Bauernschaft, ohne zu begreifen, dass eine solche Politik die Gewinnung der Bauernschaft für das Proletariat nur hemmen kann.

Lenin kämpfte also gegen die Anhänger der "permanenten" Revolution nicht wegen der Frage der Permanenz, denn Lenin selbst stand auf dem Standpunkt der ununterbrochenen Revolution, sondern weil sie die Rolle der Bauernschaft unterschätzten, die eine gewaltige Reserve des Proletariats bildet, weil sie die Idee der Hegemonie des Proletariats nicht begriffen.

(...)

Deshalb machte sich Lenin über die Theorie unserer "Permanenzler" lustig, nannte sie "originell" und "wunderbar" und warf ihnen vor, dass sie sich "keine Gedanken darüber machen wollen, aus welchen Gründen das Leben volle zehn Jahre an dieser wunderbaren Theorie vorbeigegangen ist". (Lenins Artikel wurde 1915 geschrieben, 10 Jahre nach dem Aufkommen der Theorie der "Permanenzler" in Rußland - siehe 4. Ausgabe, Bd. 21, S. 381, russ.)

Deshalb hielt Lenin diese Theorie für halbmenschewistisch und sagte, dass sie "von den Bolschewiki den Appell zum entschlossenen revolutionären Kampf des Proletariats und zur Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat, von den Menschewiki aber die ,Negierung´ der Rolle der Bauernschaft übernimmt" (siehe Lenins Artikel "Über die zwei Linien der Revolution", ebenda, S. 381/382, russ.).

So verhält es sich mit der Idee Lenins vom Hinüberwachsen der bürgerlich-demokratischen Revolution in die proletarische, von der Ausnutzung der bürgerlichen Revolution für den "sofortigen" Übergang zur proletarischen Revolution.

(...)

Die Bauernschaft während der bürgerlich-demokratischen Revolution. Diese Periode umfasst den Zeitraum von der ersten russischen Revolution (1905) bis zur zweiten (Februar 1917) einschließlich. Das charakteristische Merkmal dieser Periode ist die Loslösung der Bauernschaft vom Einfluss der liberalen Bourgeoisie, die Abkehr der Bauernschaft von den Kadetten, die Hinwendung der Bauernschaft zum Proletariat, zur Partei der Bolschewiki. Die Geschichte dieser Periode ist die Geschichte des Kampfes zwischen den Kadetten (liberale Bourgeoisie) und den Bolschewiki (Proletariat) um die Bauernschaft. Der Ausgang dieses Kampfes wurde durch die Dumaperiode entschieden, denn die Periode der vier Dumas war für die Bauernschaft ein Anschauungsunterricht, der den Bauern augenfällig zeigte, dass sie aus den Händen der Kadetten weder Land noch Freiheit erhalten würden, dass der Zar ganz und gar für die Gutsbesitzer ist, die Kadetten aber den Zaren unterstützen, dass die einzige Kraft, auf deren Hilfe man rechnen kann, die städtische Arbeiterschaft, das Proletariat ist. Der imperialistische Krieg hat die Lehre der Dumaperiode nur bestätigt, indem er die Abkehr der Bauernschaft von der Bourgeoisie, die Isolierung der liberalen Bourgeoisie vollendete, denn die Jahre des Krieges hatten gezeigt, wie vergeblich, wie trügerisch die Hoffnungen waren, vom Zaren und seinen bürgerlichen Bundesgenossen den Frieden zu erlangen. Ohne die anschaulichen Lehren der Dumaperiode wäre die Hegemonie des Proletariats unmöglich gewesen.

So bildete sich das Bündnis der Arbeiter und Bauern in der bürgerlich-demokratischen Revolution. So bildete sich die Hegemonie (Führerrolle) des Proletariats in dem gemeinsamen Kampf für den Sturz des Zarismus, die Hegemonie, die zur Februarrevolution des Jahres 1917 führte.

(...)

Es sind folgende Umstände zu berücksichtigen, die die Eigenart der russischen bürgerlichen Revolution bestimmten:

a) Die beispiellose Konzentration der russischen Industrie am Vorabend der Revolution. Es ist zum Beispiel bekannt, dass in Rußland 54 Prozent aller Arbeiter in Betrieben mit mehr als 500 Arbeitern beschäftigt waren, während in einem so entwickelten Land wie Nordamerika in gleichartigen Betrieben nur 33 Prozent aller Arbeiter beschäftigt waren. Es erübrigt sich wohl nachzuweisen, dass schon dieser Umstand allein beim Bestehen einer so revolutionären Partei wie der Partei der Bolschewiki die Arbeiterklasse Rußlands zu einer gewaltigen Kraft des politischen Lebens des Landes werden ließ.

b) Die ungeheuerlichen Formen der Ausbeutung in den Betrieben, verbunden mit dem unerträglichen Polizeiregime der Zarenschergen, ein Umstand, der jeden ernsthaften Streik der Arbeiter in einen überaus bedeutsamen politischen Akt verwandelte und die Arbeiterklasse stählte, bis sie eine bis zum letzten revolutionäre Kraft wurde.

c) Die politische Schlappheit der russischen Bourgeoisie, die sich nach der Revolution von 1905 in Liebedienerei vor dem Zarismus und in direkte Konterrevolution verwandelte, was sich nicht nur aus dem revolutionären Geist des russischen Proletariats erklärt, das die russische Bourgeoisie in die Arme des Zarismus trieb, sondern auch aus der direkten Abhängigkeit dieser Bourgeoisie von Regierungsaufträgen.

d) Das Vorhandensein ungeheuerlichster und unerträglichster Überreste der Leibeigenschaft im Dorfe, ergänzt durch die Allgewalt des Gutsbesitzers, ein Umstand, der die Bauernschaft in die Arme der Revolution trieb.

e) Der Zarismus, der alles Lebendige drosselte und mit seiner Willkür die Unterdrückung durch den Kapitalisten und Gutsbesitzer noch schlimmer machte, ein Umstand, der den Kampf der Arbeiter und Bauern zu einem einheitlichen revolutionären Strom vereinigte.

f) Der imperialistische Krieg, der alle diese Gegensätze des politischen Lebens Rußlands zu einer tiefen revolutionären Krise zusammenfließen ließ und der Revolution ungeheure Stoßkraft verlieh.

(...)

Unsere Revolution hat bereits zwei Etappen durchgemacht und ist nach dem Oktoberumsturz in die dritte Etappe eingetreten. Dementsprechend änderte sich auch die Strategie.

 

Erste Etappe.

 

1903 bis Februar 1917.

Ziel - Niederwerfung des Zarismus, vollständige Liquidierung der Überreste des Mittelalters. Hauptkraft der Revolution - das Proletariat. Nächste Reserve - die Bauernschaft. Richtung des Hauptschlags: Isolierung der liberal-monarchistischen Bourgeoisie, die bestrebt ist, die Bauernschaft unter ihren Einfluss zu bringen und die Revolution durch eine Verständigung mit dem Zarismus zu liquidieren. Plan der Aufstellung der Kräfte: Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft. "Das Proletariat muss die demokratische Umwälzung zu Ende führen, indem es die Masse der Bauernschaft an sich heranzieht, um den Widerstand des Absolutismus mit Gewalt zu brechen und die schwankende Haltung der Bourgeoisie zu paralysieren." (Siehe Lenin, 4. Ausgabe, Bd. 9, S. 81 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. I, S. 497].)

 

Zweite Etappe.

 

März 1917 bis Oktober 1917.

Ziel - Niederwerfung des Imperialismus in Rußland und Ausscheiden aus dem imperialistischen Krieg. Hauptkraft der Revolution - das Proletariat. Nächste Reserve - die arme Bauernschaft. Das Proletariat der Nachbarländer als wahrscheinliche Reserve. Der sich in die Länge ziehende Krieg und die Krise des Imperialismus als günstiges Moment. Richtung des Hauptschlags: Isolierung der kleinbürgerlichen Demokratie (Menschewiki, Sozialrevolutionäre), die bestrebt ist, die werktätigen Bauernmassen unter ihren Einfluss zu bringen und die Revolution durch eine Verständigung mit dem Imperialismus zu beenden. Plan der Aufstellung der Kräfte: Bündnis des Proletariats mit der armen Bauernschaft. "Das Proletariat muss die sozialistische Umwälzung vollziehen, indem es die Masse der halbproletarischen Elemente der Bevölkerung an sich heranzieht, um den Widerstand der Bourgeoisie mit Gewalt zu brechen und die schwankende Haltung der Bauernschaft und der Kleinbourgeoisie zu paralysieren." (Ebenda.)

 

Dritte Etappe.

Sie begann nach dem Oktoberumsturz.

Ziel - Festigung der Diktatur des Proletariats in einem Lande, die zugleich als Stützpunkt zur Überwindung des Imperialismus in allen Ländern benutzt wird. Die Revolution geht über den Rahmen eines einzelnen Landes hinaus, die Epoche der Weltrevolution hat begonnen. Hauptkräfte der Revolution: die Diktatur des Proletariats in einem Lande, die revolutionäre Bewegung des Proletariats in allen Ländern. Hauptreserven: die halbproletarischen und kleinbäuerlichen Massen in den entwickelten Ländern, die Befreiungsbewegung in den Kolonien und abhängigen Ländern. Richtung des Hauptschlags: Isolierung der kleinbürgerlichen Demokratie, Isolierung der Parteien der II. Internationale, die die Hauptstütze der Politik der ‘Verständigung mit dem Imperialismus bilden. Plan der Aufstellung der Kräfte: Bündnis der proletarischen Revolution mit der Befreiungsbewegung in den Kolonien und abhängigen Ländern.

 

 

 

 

 


DIE OKTOBERREVOLUTION
UND DIE TAKTIK DER RUSSISCHEN KOMMUNISTEN

Stalin, Band 6, Seite 320 - 358

 

III
ÜBER EINIGE BESONDERHEITEN DER TAKTIK DER
BOLSCHEWIKI IN DER PERIODE DER VORBEREITUNG
DES OKTOBER

 

Um die Taktik der Bolschewiki während der Periode der Vorbereitung des Oktobers zu verstehen, muss man sich wenigstens über einige besonders wichtige Besonderheiten dieser Taktik klar werden. Dies ist umso notwendiger, als in den zahlreichen Broschüren über die Taktik der Bolschewiki gerade diese Besonderheiten nicht selten übergangen werden.

Was sind das für Besonderheiten?

Erste Besonderheit. Wenn man Trotzki hört, könnte man meinen, in der Geschichte der Vorbereitung des Oktober gebe es im ganzen zwei Perioden, die Periode der Erkundung und die Periode des Aufstands, und was darüber ist, das ist vom Übel. Was ist die Aprilmanifestation des Jahres 1917? "Die Aprilmanifestation, die einen ´linkeren´ Kurs einschlug als angezeigt war, war ein Erkundungsvorstoß zur Prüfung der Stimmung der Massen und des gegenseitigen Verhältnisses zwischen ihnen und der Mehrheit in den Sowjets." Und was war die Julidemonstration des Jahres 1917? Nach der Meinung Trotzkis "lief die Sache im Grunde genommen auch diesmal auf eine neue, umfassendere Erkundung in einer neuen, höheren Etappe der Bewegung hinaus". Es erübrigt sich zu sagen, dass die Junidemonstration des Jahres 1917, die auf Verlangen unserer Partei veranstaltet wurde, nach der Auffassung Trotzkis erst recht als "Erkundung" bezeichnet werden muss.

Demnach hätten die Bolschewiki schon im März 1917 über eine fertige politische Armee aus Arbeitern und Bauern verfügt, und wenn sie diese weder im April noch im Juni, noch im Juli zum Aufstand einsetzten, sondern sich lediglich mit "Erkundung" beschäftigten, so sei dies einzig und allein aus dem Grunde geschehen, weil die "Ergebnisse der Erkundung" damals keine günstigen "Anhaltspunkte" geliefert hätten.

Es erübrigt sich zu sagen, dass diese versimpelte Vorstellung von der politischen Taktik unserer Partei nichts anderes ist als eine Verwechslung der gewöhnlichen militärischen Taktik mit der revolutionären Taktik der Bolschewiki.

In Wirklichkeit waren alle diese Demonstrationen in erster Linie das Ergebnis des elementaren Drucks der Massen, das Ergebnis der auf die Straße drängenden Empörung der Massen gegen den Krieg.

In Wirklichkeit bestand hier die Rolle der Partei darin, die elementar ausbrechenden Aktionen der Massen im Sinne der revolutionären Losungen der Bolschewiki zu gestalten und zu leiten.

In Wirklichkeit hatten die Bolschewiki im März 1917 keine fertige politische Armee und konnten sie auch nicht haben. Die Bolschewiki schufen eine solche Armee erst während der Kämpfe und Zusammenstöße der Klassen von April bis Oktober 1917 (und haben sie auch schließlich kurz vor dem Oktober 1917 geschaffen), sie schufen sie sowohl durch die Aprilmanifestation wie durch die Juni- und die Julidemonstration, durch die Wahlen zu den Bezirks- und Stadtdumas wie durch den Kampf gegen den Kornilowputsch und durch die Eroberung der Sowjets. Eine politische Armee ist etwas anderes als eine militärische Armee. Während die militärische Leitung den Krieg erst beginnt, wenn sie bereits eine fertige Armee in Händen hat, muss die Partei ihre Armee im Verlauf des Kampfes selbst, im Verlauf der Klassenzusammenstöße schaffen, in dem Maße, wie sich die Massen selbst durch ihre eigene Erfahrung von der Richtigkeit der Losungen der Partei, von der Richtigkeit ihrer Politik überzeugen.

Gewiss beleuchtete jede dieser Demonstrationen gleichzeitig auch in einem gewissen Maße die dem Auge verborgenen Kräfteverhältnisse, war eine gewisse Erkundung, aber die Erkundung war hier nicht der Beweggrund zur Demonstration, sondern ihr natürliches Ergebnis.

Bei der Analyse der Ereignisse vor dem Oktoberaufstand und bei ihrem Vergleich mit den Ereignissen von April bis Juli sagte Lenin:

"Die Dinge liegen eben nicht so wie vor dem 20. und 21. April, dem 9. Juni, dem 3. Juli, denn damals gab es eine elementare Erregung, die wir als Partei entweder nicht aufzufangen verstanden (20. April) oder zurückdämmten und zu einer friedlichen Demonstration gestalteten (9. Juni und 3. Juli). Denn wir wussten damals sehr gut, dass die Sowjets noch nicht in unseren Händen sind, dass die Bauern noch an den Weg der Liberdan-Tschernow und nicht an den bolschewistischen Weg (den Aufstand) glauben, dass folglich die Mehrheit des Volkes nicht hinter uns stehen kann, dass folglich der Aufstand verfrüht ist." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 26, 5.179, russ.)

Es ist klar, dass man da mit "Erkundung" allein nicht weit kommt.

Es handelt sich offensichtlich nicht um "Erkundung", sondern um folgendes:

1. Die Partei stützte sich während der ganzen Periode der Vorbereitung des Oktober in ihrem Kampfe unentwegt auf den elementaren Aufschwung der revolutionären Massenbewegung;

2. gestützt auf den elementaren Aufschwung, behauptete sie die ungeteilte Führung der Bewegung;

3. durch diese Führung der Bewegung wurde der Partei die Formierung einer politischen Massenarmee für den Oktoberaufstand erleichtert;

4. diese Politik musste dazu führen, dass sich die ganze Vorbereitung des Oktober unter Führung einer Partei, der Partei der Bolschewiki, vollzog;

5. diese Vorbereitung des Oktobers führte ihrerseits dazu, dass die Staatsgewalt infolge des Oktoberaufstands in die Hände einer Partei, der Partei der Bolschewiki, gelangte.

Also ungeteilte Führung durch eine Partei, die Partei der Kommunisten, als grundlegendes Moment bei der Vorbereitung des Oktobers - das ist der kennzeichnende Zug der Oktoberrevolution, das ist die erste Besonderheit der Taktik der Bolschewiki in der Periode der Vorbereitung des Oktobers.

Es braucht wohl kaum nachgewiesen zu werden, dass der Sieg der Diktatur des Proletariats unter den Bedingungen des Imperialismus ohne diese Besonderheit der Taktik der Bolschewiki unmöglich gewesen wäre.

Dadurch unterscheidet sich die Oktoberrevolution vorteilhaft von der Revolution des Jahres 1871 in Frankreich, wo sich zwei Parteien in die Führung der Revolution teilten, von denen keine als eine kommunistische Partei bezeichnet werden kann.

Zweite Besonderheit. Die Vorbereitung des Oktober vollzog sich somit unter Führung einer Partei, der Partei der Bolschewiki. Wie aber wurde von der Partei diese Führung bewerkstelligt, auf welcher Linie vollzog sie sich? Diese Führung vollzog sich auf der Linie der Isolierung der Paktiererparteien als der gefährlichsten Gruppierungen in der Periode, da die Revolution ihrer Entscheidung entgegenging, auf der Linie der Isolierung der Sozialrevolutionäre und Menschewiki.

Worin besteht die grundlegende strategische Regel des Leninismus? Sie besteht in der Erkenntnis:

1. dass die gefährlichste soziale Stütze der Feinde der Revolution in der Periode der herannahenden revolutionären Entscheidung die Paktiererparteien sind;

2. dass es ohne Isolierung dieser Parteien unmöglich ist, den Feind (den Zarismus oder die Bourgeoisie) zu stürzen;

3. dass infolgedessen in der Periode der Vorbereitung der Revolution die Hauptschläge darauf gerichtet sein müssen, diese Parteien zu isolieren und die breiten werktätigen Massen von ihnen loszulösen.

In der Periode des Kampfes gegen den Zarismus, in der Periode der Vorbereitung der bürgerlich-demokratischen Revolution (1905 bis 1916) war die liberal-monarchistische Partei, die Partei der Kadetten, die gefährlichste soziale Stütze des Zarismus. Warum? Weil sie eine Paktiererpartei war, eine Partei des Paktierens zwischen dem Zarismus und der Mehrheit des Volkes, das heißt der Bauernschaft als Ganzem. Es ist natürlich, dass die Partei damals die Hauptschläge gegen die Kadetten richtete, denn ohne die Kadetten isoliert zu haben, war es unmöglich, auf den Bruch der Bauernschaft mit dem Zarismus zu rechnen, ohne aber diesen Bruch herbeigeführt zu haben, war es unmöglich, auf den Sieg der Revolution zu rechnen. Viele begriffen damals nicht diese Besonderheit der bolschewistischen Strategie und warfen den Bolschewiki übermäßigen "Kadettenhass" vor, sie behaupteten, der Kampf gegen die Kadetten "überschatte" bei den Bolschewiki den Kampf gegen den Hauptfeind, den Zarismus. Diese jeder Grundlage entbehrenden Vorwürfe offenbarten jedoch direktes Unverständnis für die bolschewistische Strategie, die die Isolierung der Paktiererpartei fordert, um den Sieg über den Hauptfeind zu erleichtern und zu beschleunigen.

Es braucht wohl kaum nachgewiesen zu werden, dass die Hegemonie des Proletariats in der bürgerlich-demokratischen Revolution ohne diese Strategie unmöglich gewesen wäre.

In der Periode der Vorbereitung des Oktobers verschob sich das Schwergewicht der kämpfenden Kräfte auf eine neue Ebene. Es gab keinen Zaren mehr. Die Partei der Kadetten hatte sich aus einer paktierenden Kraft in die regierende, in die herrschende Kraft des Imperialismus verwandelt. Der Kampf ging nicht mehr zwischen Zarismus und Volk, sondern zwischen Bourgeoisie und Proletariat. In dieser Periode waren die klein-bürgerlichen demokratischen Parteien, die Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki, die gefährlichste soziale Stütze des Imperialismus. Warum? Weil diese Parteien damals Paktiererparteien waren, Parteien des Paktierens zwischen dem Imperialismus und den werktätigen Massen. Es ist natürlich, dass die Hauptschläge der Bolschewiki damals gegen diese Parteien gerichtet wurden, denn ohne diese Parteien isoliert zu haben, war es unmöglich, auf den Bruch der werktätigen Massen mit dem Imperialismus zu rechnen, ohne aber diesen Bruch herbeigeführt zu haben, war es unmöglich, auf den Sieg der Sowjetrevolution zu rechnen. Viele begriffen damals nicht diese Besonderheit der bolschewistischen Taktik und warfen den Bolschewiki "übermäßigen Hass" gegen die Sozialrevolutionäre und Menschewiki sowie "Außerachtlassung" des Hauptziels vor. Doch zeugt die ganze Periode der Vorbereitung des Oktobers in beredter Weise davon, dass die Bolschewiki nur durch diese Taktik den Sieg der Oktoberrevolution sicherstellen konnten.

Der kennzeichnende Zug dieser Periode ist die weitere Revolutionierung der werktätigen Massen der Bauernschaft, ihre Enttäuschung über die Sozialrevolutionäre und Menschewiki, ihre Abkehr von diesen Parteien, ihre Hinwendung zum direkten Zusammenschluss um das Proletariat als der einzigen restlos revolutionären Kraft, die fähig war, das Land zum Frieden zu führen. Die Geschichte dieser Periode ist die Geschichte des Kampfes der Sozialrevolutionäre und Menschewiki auf der einen und der Bolschewiki auf der anderen Seite um die werktätigen Massen der Bauernschaft, um die Gewinnung dieser Massen. Das Schicksal dieses Kampfes wurde entschieden durch die Koalitionsperiode, durch die Kerenskiperiode, durch die Weigerung der Sozialrevolutionäre und Menschewiki, das Land der Gutsbesitzer zu konfiszieren, durch den Kampf der Sozialrevolutionäre und Menschewiki für die Fortführung des Krieges, durch die Junioffensive an der Front, durch die Todesstrafe für die Soldaten, durch den Kornilowaufstand. Und all das entschied dieses Schicksal ausschließlich zugunsten der bolschewistischen Strategie. Denn ohne Isolierung der Sozialrevolutionäre und Menschewiki war es unmöglich, die Regierung der Imperialisten zu stürzen, ohne den Sturz dieser Regierung aber war es unmöglich, sich aus dem Kriege herauszureißen. Die Politik der Isolierung der Sozialrevolutionäre und Menschewiki erwies sich als die einzig richtige Politik.

Also Isolierung der Parteien der Menschewiki und Sozialrevolutionäre als Grundlinie der Führung bei der Vorbereitung des Oktobers - das ist die zweite Besonderheit der Taktik der Bolschewiki.

Es braucht wohl kaum nachgewiesen zu werden, dass das Bündnis der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen der Bauernschaft ohne diese Besonderheit der Taktik der Bolschewiki in der Luft gehangen hätte.

Es ist bezeichnend, dass Trotzki in seinen "Lehren des Oktober" von dieser Besonderheit der bolschewistischen Taktik gar nichts oder nahezu gar nichts sagt.

Dritte Besonderheit. Die Führung der Partei bei der Vorbereitung des Oktober vollzog sich also auf der Linie der Isolierung der Parteien der Sozialrevolutionäre und Menschewiki, auf der Linie der Loslösung der breiten Massen der Arbeiter und Bauern von diesen Parteien. Wie wurde aber diese Isolierung durch die Partei konkret verwirklicht, in welcher Form, unter welcher Losung? Sie wurde verwirklicht in der Form der revolutionären Bewegung der Massen für die Macht der Sowjets, unter der Losung "Alle Macht den Sowjets!", auf dem Wege des Kampfes für die Umwandlung der Sowjets aus Organen zur Mobilisierung der Massen in Organe des Aufstands, in Organe der Staatsmacht, in den Apparat des neuen, des proletarischen Staatswesens.

Weshalb griffen die Bolschewiki gerade nach den Sowjets als dem wichtigsten organisatorischen Hebel, der die Isolierung der Menschewiki und Sozial-revolutionäre erleichtern konnte, der geeignet war, die Sache der proletarischen Revolution voranzutreiben, und berufen war, die Millionenmassen der Werktätigen zum Siege der Diktatur des Proletariats zu führen?

Was sind die Sowjets?

"Die Sowjets", sagte Lenin schon im September 1917, "sind der neue Staatsapparat, der erstens die bewaffnete Macht der Arbeiter und Bauern schafft, wobei diese Macht nicht wie die Macht des alten stehenden Heeres vom Volke losgelöst, sondern aufs engste mit ihm verbunden ist; in militärischer Hinsicht ist diese Macht unvergleichlich stärker als die früheren; in revolutionärer Hinsicht ist sie durch nichts anderes zu ersetzen. Zweitens schafft dieser Apparat eine so enge, untrennbare, leicht zu kontrollierende und zu erneuernde Verbindung mit den Massen, mit der Mehrheit des Volkes, wie sie beim früheren Staatsapparat nicht einmal andeutungsweise vorhanden war. Drittens ist dieser Apparat dank der Wählbarkeit und Absetzbarkeit seines Personalbestands, die ohne bürokratische Formalitäten nach dem Willen des Volkes verwirklicht werden, viel demokratischer als die früheren Apparate. Viertens schafft er eine feste Verbindung mit den mannigfachsten Berufen, wodurch er es erleichtert, die verschiedensten Reformen von einschneidender Bedeutung ohne Bürokratie durchzuführen. Fünftens schafft er eine Organisationsform der Vorhut, das heißt des bewusstesten, energischsten und fortgeschrittensten Teils der unterdrückten Klassen, der Arbeiter und der Bauern, und stellt auf diese Weise einen Apparat dar, mit dessen Hilfe die Vorhut der unterdrückten Klassen die ganze gigantische Masse dieser Klassen, die bisher völlig außerhalb des politischen Lebens, außerhalb der Geschichte stand, zu heben, zu erziehen, zu schulen und zu führen vermag. Sechstens ermöglicht er es, die Vorteile des Parlamentarismus mit den Vorteilen der unmittelbaren und direkten Demokratie zu vereinigen, das heißt in der Person der gewählten Volksvertreter sowohl die gesetzgebende Funktion als auch den Vollzug der Gesetze zu vereinigen. Im Vergleich mit dem bürgerlichen Parlamentarismus ist das in der Entwicklung der Demokratie ein Fortschritt, der von welthistorischer Bedeutung ist...

Hätte die schöpferische Volkskraft der revolutionären Klassen nicht die Sowjets hervorgebracht, so wäre die proletarische Revolution in Rußland eine hoffnungslose Sache; denn mit dem alten Apparat würde das Proletariat die Macht zweifellos nicht behaupten können, ein neuer Apparat aber kann nicht auf einmal geschaffen werden." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 26, S. 79/80, russ.)

Das war der Grund, weshalb die Bolschewiki nach den Sowjets als dem wichtigsten organisatorischen Kettenglied griffen, das die Organisierung der Oktoberrevolution und die Schaffung des neuen, mächtigen Apparats eines proletarischen Staatswesens erleichtern konnte.

Die Losung "Alle Macht den Sowjets!" durchlief vom Standpunkt ihrer inneren Entwicklung zwei Stadien: das erste (bis zur Juliniederlage der Bolschewiki, während der Doppelherrschaft) und das zweite (nach der Niederlage des Kornilowaufstands).

Im ersten Stadium bedeutete diese Losung die Sprengung des Blocks der Menschewiki und Sozialrevolutionäre mit den Kadetten, die Bildung einer Sowjetregierung aus Menschewiki und Sozialrevolutionären (denn die Sowjets waren damals sozialrevolutionär-menschewistisch), das Recht der freien Agitation für die Opposition (das heißt für die Bolschewiki) und den freien Kampf der Parteien innerhalb der Sowjets, darauf berechnet, dass es den Bolschewiki durch diesen Kampf gelingen werde, die Sowjets zu erobern und die Zusammensetzung der Sowjetregierung auf dem Wege einer friedlichen Entwicklung der Revolution zu ändern. Dieser Plan bedeutete natürlich nicht die Diktatur des Proletariats. Doch erleichterte er zweifellos die Schaffung der zur Sicherung der Diktatur notwendigen Voraussetzungen, denn dieser Plan hätte dadurch, dass er die Menschewiki und Sozialrevolutionäre an die Macht gebracht und gezwungen hätte, ihre antirevolutionäre Plattform in die Tat umzusetzen, die Entlarvung des wahren Wesens dieser Parteien, ihre Isolierung, ihre Loslösung von den Massen beschleunigt. Die Juliniederlage der Bolschewiki unterbrach jedoch diese Entwicklung, denn sie gab der Konterrevolution der Generale und Kadetten das Übergewicht und trieb die Sozialrevolutionäre und Menschewiki der Konterrevolution in die Arme. Dieser Umstand zwang die Partei, vorübergehend die Losung "Alle Macht den Sowjets!" zurückzuziehen, um sie bei einem neuen Aufschwung der Revolution erneut aufzustellen.

Die Niederlage des Kornilowaufstands leitete das zweite Stadium ein. Die Losung "Alle Macht den Sowjets!" wurde erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Aber jetzt bedeutete diese Losung schon nicht mehr dasselbe wie im ersten Stadium. Ihr Inhalt hatte sich von Grund aus geändert. Jetzt bedeutete diese Losung den völligen Bruch mit dem Imperialismus und den Übergang der Macht an die Bolschewiki, denn die Sowjets waren bereits in ihrer Mehrheit bolschewistisch. Jetzt bedeutete diese Losung, dass die Revolution auf dem Wege des Aufstands unmittelbar an die Diktatur des Proletariats heranrückte. Mehr noch, jetzt bedeutete diese Losung die Organisierung und staatliche Gestaltung der Diktatur des Proletariats.

Der unschätzbare Wert der Taktik der Umwandlung der Sowjets in Organe der Staatsmacht bestand darin, dass sie die Millionenmassen der Werktätigen vom Imperialismus loslöste, die Parteien der Menschewiki und Sozialrevolutionäre als Werkzeuge des Imperialismus entlarvte und diese Massen sozusagen auf direktem Wege an die Diktatur des Proletariats heranführte.

Somit bildet die Politik der Umwandlung der Sowjets in Organe der Staatsmacht als wichtigste Vorbedingung für die Isolierung der Paktiererparteien und für den Sieg der Diktatur des Proletariats die dritte Besonderheit der Taktik der Bolschewiki in der Periode der Vorbereitung des Oktobers.

Vierte Besonderheit. Das Bild wäre unvollständig, wenn wir uns nicht mit der Frage befassten, wie und warum es den Bolschewiki gelang, ihre Parteilosungen in Losungen für die Millionenmassen zu verwandeln, in Losungen, die die Revolution vorantrieben, wie und warum es ihnen gelang, nicht nur die Avantgarde und nicht nur die Mehrheit der Arbeiterklasse, sondern auch die Mehrheit des Volkes von der Richtigkeit ihrer Politik zu überzeugen.

Die Sache ist die, dass für den Sieg der Revolution, falls diese Revolution wirklich eine Volksrevolution ist, die Millionenmassen erfasst, die Richtigkeit der Parteilosungen allein nicht genügt. Für den Sieg der Revolution ist noch eine Vorbedingung erforderlich, und zwar: dass die Massen sich selbst durch ihre eigene Erfahrung von der Richtigkeit dieser Losungen überzeugen. Nur dann werden die Losungen der Partei zu Losungen der Massen selbst. Nur dann wird die Revolution zu einer wirklichen Volksrevolution. Eine der Besonderheiten der Taktik der Bolschewiki in der Periode der Vorbereitung des Oktober besteht darin, dass sie es verstanden hat, richtig die Wege und Wendungen zu bestimmen, die die Massen in natürlicher Weise an die Losungen der Partei, sozusagen direkt an die Schwelle der Revolution heranführen, und es ihnen auf diese Weise erleichterte, die Richtigkeit dieser Losungen an Hand ihrer eigenen Erfahrung zu fühlen, zu prüfen, zu erkennen. Mit anderen Worten, eine der Besonderheiten der Taktik der Bolschewiki besteht darin, dass sie die Aufgabe, die Partei zu führen, nicht mit der Aufgabe, die Massen zu führen, verwechselt, dass sie klar den Unterschied zwischen der Führung der ersten Art und der Führung der zweiten Art sieht, dass sie somit die Wissenschaft nicht nur von der Führung der Partei, sondern auch von der Führung der Millionenmassen der Werktätigen ist.

Ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich diese Besonderheit der bolschewistischen Taktik äußerte, sind die Erfahrungen mit der Einberufung und Auseinanderjagung der Konstituierenden Versammlung.

Es ist bekannt, dass die Bolschewiki die Losung der Republik der Sowjets schon im April 1917 aufgestellt hatten. Es ist bekannt, dass die Konstituierende Versammlung ein bürgerliches Parlament war, dessen ganzes Wesen den Grundlagen einer Republik der Sowjets widersprach. Wie konnte es geschehen, dass die Bolschewiki, die die Republik der Sowjets anstrebten, gleichzeitig von der Provisorischen Regierung die sofortige Einberufung der Konstituierenden Versammlung forderten? Wie konnte es geschehen, dass die Bolschewiki nicht nur an den Wahlen teilnahmen, sondern auch selbst die Konstituierende Versammlung einberiefen? Wie konnte es geschehen, dass die Bolschewiki einen Monat vor dem Aufstand, beim Übergang vom Alten zum Neuen, eine vorübergehende Kombination der Republik der Sowjets und der Konstituierenden Versammlung für möglich hielten?

Es "geschah" dies aus folgenden Gründen:

1. Die Idee der Konstituierenden Versammlung war unter den breiten Massen der Bevölkerung eine der populärsten Ideen;

2. die Losung der sofortigen Einberufung der Konstituierenden Versammlung erleichterte die Entlarvung des konterrevolutionären Wesens der Provisorischen Regierung;

3. um der Idee der Konstituierenden Versammlung in den Augen der Volksmassen den Nimbus zu nehmen, war es notwendig, diese Massen mit ihren Forderungen nach Land, Frieden und Sowjetmacht an die Schwelle der Konstituierenden Versammlung heranzuführen und sie auf diese Weise mit der wirklichen und lebendigen Konstituierenden Versammlung zusammenprallen zu lassen;

4. nur auf diese Weise konnte man es den Massen erleichtern, sich durch ihre eigene Erfahrung von dem konterrevolutionären Wesen der Konstituierenden Versammlung und von der Notwendigkeit ihrer Auseinanderjagung zu überzeugen;

5. all dies setzte naturgemäß die Möglichkeit voraus, dass eine vorübergehende Kombination der Republik der Sowjets und der Konstituierenden Versammlung zugelassen wird als eins der Mittel zur Überwindung der Konstituierenden Versammlung;

6. eine solche Kombination, falls sie beim Übergang der ganzen Macht an die Sowjets verwirklicht worden wäre, konnte lediglich die Unterordnung der Konstituierenden Versammlung unter die Sowjets, ihre Verwandlung in ein Anhängsel der Sowjets, ihr schmerzloses Absterben bedeuten.

Es braucht wohl kaum nachgewiesen zu werden, dass die Auseinanderjagung der Konstituierenden Versammlung ohne diese Politik der Bolschewiki nicht so glatt vor sich gegangen wäre und dass die nachfolgenden Aktionen der Sozialrevolutionäre und Menschewiki unter der Losung "Alle Macht der Konstituierenden Versammlung!" nicht so schmählich zusammengebrochen wären.

"Wir haben uns", sagt Lenin, "im September-November 1917 an den Wahlen zum bürgerlichen Parlament Rußlands, zur Konstituierenden Versammlung, beteiligt. War unsere Taktik richtig oder nicht?... Hatten wir russischen Bolschewiki im September-November 1917 nicht mehr als jeder beliebige Kommunist im Westen das Recht, anzunehmen, dass der Parlamentarismus in Rußland sich politisch überlebt habe? Natürlich hatten wir es, denn es kommt ja nicht darauf an, ob die bürgerlichen Parlamente lange oder kurze Zeit bestehen, sondern darauf, wieweit die breiten Massen der Werktätigen (ideologisch, politisch, praktisch) dazu bereit sind, die Sowjetordnung anzuerkennen und das bürgerlich-demokratische Parlament auseinanderzujagen (oder seine Auseinanderjagung zuzulassen). dass in Rußland im September-November 1917 die Arbeiterklasse der Städte, die Soldaten und die Bauern infolge einer Reihe von besonderen Umständen für die Anerkennung der Sowjetordnung und die Auseinanderjagung selbst des demokratischsten bürgerlichen Parlaments außerordentlich gut vorbereitet waren, das ist eine ganz unbestreitbare und durchaus feststehende historische Tatsache. Und trotzdem haben die Bolschewiki die Konstituierende Versammlung nicht boykottiert, sondern haben sich sowohl vor als auch nach der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat an den Wahlen beteiligt." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 31, S.41 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S.705/706])

Warum haben sie nun die Konstituierende Versammlung nicht boykottiert? Weil, wie Lenin sagt,

"sogar einige Wochen vor dem Siege der Sowjetrepublik, ja sogar nach diesem Siege die Beteiligung am bürgerlich-demokratischen Parlament dem revolutionären Proletariat nicht nur nicht schadet, sondern es ihm erleichtert, den rückständigen Massen zu beweisen, weshalb solche Parlamente es verdienen, auseinandergejagt zu werden, es ihm erleichtert, sie mit Erfolg auseinanderzujagen, und dazu beiträgt, dass der bürgerliche Parlamentarismus sich ,politisch überlebt´." (Ebenda, S.42, russ. [S.706, deutsch].)

Es ist bezeichnend, dass Trotzki diese Besonderheit der bolschewistischen Taktik nicht begreift und über die "Theorie" der Kombination der Konstituierenden Versammlung und der Sowjets als über eine Hilferdingerei die Nase rümpft.

Er begreift nicht, dass die Zulassung einer derartigen Kombination - wenn die Losung des Aufstands gegeben und der Sieg der Sowjets wahrscheinlich ist -, verbunden mit der Einberufung der Konstituierenden Versammlung, die einzig revolutionäre Taktik ist, die mit der Hilferdingschen Taktik der Verwandlung der Sowjets in ein Anhängsel der Konstituierenden Versammlung nichts gemein hat, dass der Fehler einiger Genossen in dieser Frage ihm noch keine Berechtigung gibt, die vollkommen richtige Stellungnahme Lenins und der Partei zu einer "kombinierten Staatsform" unter gewissen Voraussetzungen (vgl. Bd. 26, S. 170) zu schmähen.

Er begreift nicht, dass es den Bolschewiki ohne ihre spezifische Politik gegenüber der Konstituierenden Versammlung nicht gelungen wäre, die Millionenmassen des Volkes für sich zu gewinnen, dass sie aber, ohne diese Massen gewonnen zu haben, den Oktoberaufstand nicht in eine tief greifende Volksrevolution hätten verwandeln können.

Es ist interessant, dass Trotzki sogar über Worte wie "Volk", "revolutionäre Demokratie" und dergleichen, die in den Artikeln der Bolschewiki anzutreffen sind, die Nase rümpft, da er sie im Munde von Marxisten für ungebührlich hält.

Trotzki vergisst offenbar, dass Lenin, zweifellos ein Marxist, sogar noch im September 1917, einen Monat vor dem Siege der Diktatur des Proletariats, schrieb, "dass die gesamte Macht sofort in die Hände der vom revolutionären Proletariat geführten revolutionären Demokratie übergehen muss" (siehe 4. Ausgabe, Bd. 26, S. 8 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S. 136]).

Trotzki vergisst offenbar, dass Lenin, zweifellos ein Marxist, als er den bekannten Brief von Marx an Kugelmann

 

"Siehe K. Marx und F. Engels, "Ausgewählte Briefe", 1947, S. 262-264 [deutsch in "Ausgewählte Schriften" in zwei Bänden, Bd. II, S.435/436].

(vom April 1871) zitierte, in dem es heißt, dass das Zerbrechen des bürokratisch-militärischen Staatsapparats die Vorbedingung jeder wirklichen Volksrevolution auf dem Kontinent ist, schwarz auf weiß folgende Zeilen schrieb:

"Besondere Beachtung verdient die außerordentlich tiefe Bemerkung von Marx, dass die Zerstörung der bürokratisch-militärischen Staatsmaschinerie ´die Vorbedingung jeder wirklichen ´Volksrevolution´ bilde. Dieser Begriff der ´Volks´revolution mutet im Munde von Marx sonderbar an, und die russischen Plechanowisten und Menschewiki, diese Nachfolger Struves, die als Marxisten gelten möchten, könnten am Ende diesen Ausdruck von Marx als ´falschen Zungenschlag´ hinstellen. Sie haben aus dem Marxismus ein so armselig-liberales Zerrbild gemacht, dass für sie außer der Gegenüberstellung von bürgerlicher und proletarischer Revolution nichts anderes existiert, und selbst diese Gegenüberstellung wird von ihnen unglaublich starr aufgefasst...

Auf dem europäischen Kontinent bildete 1871 das Proletariat in keinem Lande die Mehrheit des Volkes. Eine ´Volks´revolution, die tatsächlich die Mehrheit des Volkes in die Bewegung einbezieht, konnte nur dann eine solche sein, wenn sie sowohl das Proletariat als auch die Bauernschaft erfasst. Diese beiden Klassen bildeten damals eben das ´Volk´. Beide Klassen sind dadurch vereint, dass die ´bürokratisch-militärische Staatsmaschinerie´ sie knechtet, bedrückt, ausbeutet. Diese Maschinerie zu zerschlagen, sie zu zerbrechen - das verlangt das wirkliche Interesse des ´Volkes´, seiner Mehrheit, der Arbeiter und der Mehrzahl der Bauern, das ist die ,Vorbedingung´ für ein freies Bündnis der armen Bauern mit den Proletariern, ohne dieses Bündnis aber ist die Demokratie nicht von Dauer und die sozialistische Umgestaltung unmöglich." (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 25, S.388 [deutsch in "Ausgewählte Werke" in zwei Bänden, Bd. II, S. 186, 187].)

Diese Worte Lenins darf man nicht vergessen.

Also die Fähigkeit, die Massen durch ihre eigenen Erfahrungen von der Richtigkeit der Parteilosungen zu überzeugen, dadurch, dass man diese Massen an die revolutionären Positionen heranführt, als wichtigste Vorbedingung für die Gewinnung von Millionen Werktätigen für die Partei das ist die vierte Besonderheit der Taktik der Bolschewiki in der Periode der Vorbereitung des Oktober.

Ich glaube, dass das Gesagte vollauf genügt, uni sich die kennzeichnenden Züge dieser Taktik klarzumachen.

 

 

 

 

 

Zu den Fragen des Leninismus

(Auszüge)

 

IV
DIE PROLETARISCHE REVOLUTION
UND DIE DIKTATUR DES PROLETARIATS

Worin bestehen die charakteristischen Züge der proletarischen Revolution zum Unterschied von der bürgerlichen Revolution?

Den Unterschied zwischen der proletarischen und der bürgerlichen Revolution könnte man in fünf Hauptpunkten zusammenfassen:

1. Die bürgerliche Revolution beginnt gewöhnlich, wenn mehr oder weniger fertige Formen der kapitalistischen Ordnung vorhanden sind, die schon vor der offenen Revolution im Schoße der feudalen Gesellschaft herangewachsen und ausgereift sind, während bei Beginn der proletarischen Revolution fertige Formen der sozialistischen Ordnung fehlen oder fast fehlen.

2. Die Hauptaufgabe der bürgerlichen Revolution besteht darin, die Macht zu ergreifen und sie mit der vorhandenen bürgerlichen Ökonomik in Einklang zu bringen, während die Hauptaufgabe der proletarischen Revolution darin besteht, nach der Machtergreifung eine neue, die sozialistische Ökonomik aufzubauen.

3. Die bürgerliche Revolution wird gewöhnlich mit der Machtergreifung abgeschlossen, während die Machtergreifung in der proletarischen Revolution erst ihr Anfang ist, wobei die Macht als Hebel für den Umbau der alten Ökonomik und die Organisierung der neuen benutzt wird.

4. Die bürgerliche Revolution beschränkt sich darauf, die Herrschaft einer Ausbeutergruppe durch die einer anderen Ausbeutergruppe zu ersetzen, und bedarf deshalb nicht der Zertrümmerung der alten Staatsmaschine, während die proletarische Revolution alle und jegliche Ausbeutergruppen von der Macht entfernt und den Führer aller Werktätigen und Ausgebeuteten, die Klasse der Proletarier, an die Macht bringt, weshalb sie nicht ohne die Zertrümmerung der alten Staatsmaschine und deren Ersetzung durch eine neue auskommen kann.

5. Die bürgerliche Revolution kann die Millionenmassen der Werktätigen und Ausgebeuteten nicht für eine einigermaßen lange Periode um die Bourgeoisie zusammenschließen, und zwar gerade deshalb nicht, weil sie Werktätige und Ausgebeutete sind, während die proletarische Revolution sie gerade als Werktätige und Ausgebeutete mit dem Proletariat zu einem dauernden Bund vereinigen kann und muss, wenn sie ihre Hauptaufgabe, die Festigung der Macht des Proletariats und die Errichtung der neuen, der sozialistischen Ökonomik erfüllen will.

Nachstehend einige grundlegende Thesen Lenins darüber:

 

„Einer der Hauptunterschiede”, sagt Lenin, „zwischen der bürgerlichen und der sozialistischen Revolution besteht darin, dass für die bürgerliche Revolution, die aus dem Feudalismus hervor wächst, im Schoße der alten Ordnung die neuen Wirtschaftsorganisationen allmählich entstehen, die nach und nach alle Seiten der feudalen Gesellschaft ändern. Die bürgerliche Revolution stand nur vor einer Aufgabe: alle Fesseln der früheren Gesellschaft hinwegzufegen, beiseite zu werfen, zu zerstören. Jede bürgerliche Revolution, die diese Aufgabe erfüllt, erfüllt alles, was von ihr verlangt wird: sie stärkt das Wachstum des Kapitalismus.

In einer ganz anderen Lage befindet sich die sozialistische Revolution. Je rückständiger das Land ist, das, infolge der Zickzackbewegungen der Geschichte, die sozialistische Revolution beginnen musste, desto schwieriger ist für dieses Land der Übergang von den alten kapitalistischen Verhältnissen zu sozialistischen. Hier kommen zu den Aufgaben der Zerstörung neue, unerhört schwierige Aufgaben hinzu, nämlich organisatorische.” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 27, S. 67 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. II, S.332].)

„Wenn die Schöpferkraft des Volkes in der russischen Revolution”, fährt Lenin fort, „die die große Erfahrung des Jahres 1905 durchgemacht hat, nicht schon im Februar 1917 die Sowjets geschaffen hätte, so hätten sie auf keinen Fall vermocht, im Oktober die Macht zu ergreifen, denn der Erfolg hing lediglich davon ab, ob bereits fertige Organisationsformen der Bewegung vorhanden waren, die Millionen umfasste. Diese fertige Form waren die Sowjets, und deshalb erwarteten uns auf politischem Gebiet jene glänzenden Erfolge, jener ununterbrochene Triumphzug, den wir erlebten, denn die neue Form der politischen Macht war da, und wir brauchten nur mit einigen Dekreten die Sowjetmacht aus dem Embryonalzustand, in dem sie sich in den ersten Monaten der Revolution befand, zur gesetzlich anerkannten Form zu machen, die im Russischen Staat - in der Russischen Sowjetrepublik feste Gestalt erhalten hat.” (Siehe 4. Ausgabe, Bd. 27, S. 67/68 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. II, S. 332/333].)

„Es blieben”, sagt Lenin, „noch zwei ungeheuer schwierige Aufgaben, deren Lösung auf keinen Fall ein Triumphzug sein konnte, wie ihn unsere Revolution in den ersten Monaten erlebte.” (Ebenda, S.68, russ. [S.333, deutsch].)

„Erstens waren das Aufgaben der inneren Organisation, vor denen jede sozialistische Revolution steht. Der Unterschied zwischen der sozialistischen und der bürgerlichen Revolution besteht gerade darin, dass die bürgerliche Revolution die fertigen Formen der kapitalistischen Verhältnisse vorfindet, während die Sowjetmacht, die proletarische Macht, diese fertigen Verhältnisse nicht vorfindet, abgesehen von den entwickeltsten Formen des Kapitalismus, die im Grunde genommen nur unbeträchtliche Spitzen der Industrie erfasst und die Landwirtschaft erst ganz wenig berührt haben. Die Organisierung der Rechnungsführung, die Kontrolle über die Großbetriebe, die Umwandlung des ganzen staatlichen Wirtschaftsmechanismus in eine einzige große Maschine, in einen Wirtschaftsorganismus, der so arbeitet, dass sich Hunderte Millionen Menschen von einem einzigen Plan leiten lassen - das ist die gigantische organisatorische Aufgabe, die uns zugefallen ist. Unter den jetzigen Arbeitsbedingungen ist eine Bewältigung dieser Aufgabe im Sturm, in der Art, wie wir die Aufgaben des Bürgerkrieges zu lösen vermochten, in keiner Weise möglich.” (Ebenda, S.68, russ. [S. 333, deutsch].)

„Die zweite ungeheure Schwierigkeit...- die internationale Frage. Wenn wir mit den Banden Kerenskis so leicht fertig wurden, wenn wir so leicht eine Staatsmacht bei uns schufen, wenn wir ohne die geringste Mühe das Dekret über die Sozialisierung des Bodens, über die Arbeiterkontrolle bekamen, wenn wir das alles so leicht erzielten, so war das nur möglich, weil eine günstige Gestaltung der Verhältnisse uns für einen kurzen Augenblick vor dem internationalen Imperialismus schützte. Der internationale Impetus mit der ganzen Macht seines Kapitals, mit seiner hoch organisierten militärischen Technik, die eine wirkliche Macht, eine wirkliche Festung des internationalen Kapitals darstellt, konnte sich auf keinen Fall, unter keinen Umständen mit der Sowjetrepublik vertragen, sowohl infolge seiner objektiven Lage als auch infolge der ökonomischen Interessen der Kapitalistenklasse, die in ihm verkörpert war, er konnte es nicht wegen der Handelsverbindungen, der internationalen Finanzbeziehungen. Hier ist ein Konflikt unvermeidlich. Hier haben wir die größte Schwierigkeit der russischen Revolution, ihr größtes historisches Problem: die Notwendigkeit, die internationalen Aufgaben zu lösen, die Notwendigkeit, die internationale Revolution auszulösen“ (siehe 4. Ausgabe, Bd.27, S. 69170 [deutsch in „Ausgewählte Werke” in zwei Bänden, Bd. II, S. 334/335]).

 

Das ist der innere Charakter und der grundlegende Sinn der proletarischen Revolution.

Kann man eine so radikale Umgestaltung der alten, der bürgerlichen Verhältnisse ohne eine gewaltsame Revolution, ohne die Diktatur des Proletariats bewerkstelligen?

Es ist klar, dass man das nicht kann. Zu glauben, dass man eine solche Revolution friedlich, im Rahmen der bürgerlichen Demokratie, die der Herrschaft der Bourgeoisie angepasst ist, durchführen kann, bedeutet, entweder den Verstand verloren und die normalen menschlichen Begriffe eingebüßt zu haben oder sich grob und offen von der proletarischen Revolution loszusagen.

Diese Feststellung muss mit um so größerem Nachdruck und um so größerer Entschiedenheit betont werden, als wir es mit einer proletarischen Revolution zu tun haben, die vorläufig in einem Lande gesiegt hat, in einem Lande, das von feindlichen kapitalistischen Ländern umgeben ist und dessen Bourgeoisie, wie es nicht anders sein kann, vom internationalen Kapital unterstützt wird.

 

 

 

 

 

ÜBER DIE SOWJETS DER ARBEITER- UND
SOLDATENDEPUTIERTEN

14. März 1917.

 

 

 

ÜBER DEN KRIEG

16. März 1917.

 

 

 

ÜBER DIE BEDINGUNGEN FÜR DEN SIEG
DER RUSSISCHEN REVOLUTION

18. März 1917.

 

 

 

ÜBER DIE PROVISORISCHE REGIERUNG

Rede auf einer Kundgebung im Stadtteil Wassilewski-Ostrow
18. April (1. Mai) 1917

 

 

ÜBER DIE BERATUNG IM MARIENPALAST

25. April 1917.

 

 

 

HINTER DER REVOLUTION ZURÜCKGEBLIEBEN

"Prawda" Nr. 48,
4. Mai 1917.

 

 

 

 

 

 

 

GEDICHT

 

100 Jahre Februarrevolution:



Ihr Weltimperialisten u. Monopololigarchen, glaubt ihr ihr seid was Besseres in eurem Profitwahn
1000 Jahre Klassengesellschaften -Ausbeutung und Unterdrückung ist immer der selbe Plan
Für euch Bonzen und Weltkapitalisten sind wir Lumpen, die ihr bekämpfen wollt
aber eins wissen wir doch alle, dass sich die Geschichte der 100 Jahre Februarrevolution sich wiederholt
Den Weltimperialistmus wird es niemals gelingen, egal wie lange die  Konterrevolution es versucht.
Die Welt in die Hände des Weltfinanzkapitals zu bringen, denn ihr seid auf ewig verflucht
um die Völker der ganzen Welt zu unterdrücken, ja so steht es im Grundgesetz geschrieben
Doch es sind der Weltkapitalismus und seine Kompradoren, die auf dem Komposthaufen der Geschichte liegen
Die alte Schlußfolgerung des Manifestes der Kommunistischen Partei wird schon bald in Erfüllung gehen
Auf ihr Klassenbrüder zur Weltbefreiung, ihr wollt  das Weltkapital nicht mehr herrschen sehen

Auf ihr Proletarier aller Länder , es naht der jüngste Tag
versammelt all eure roten Volksheere zum letzten Schlag
auf zur sozialistischen Weltrevolution, zerschlagt die staatsmonopolistische Kapitaltyrannei
stürzt die Weltbourgoisie vom Thron, Proletarier aller Länder schlagen sich frei

Ihr Finanzoligarchen habt ihn gewollt, den 3. imperialistischen Weltkrieg seit vielen Jahren
Doch noch ist es nicht eurer Sieg, für eure Profitpleitewirtschaftet werdet ihr zahlen
Ihr wollt die Lebensgrundlagen der Völker zerstören, alle Resourcen vernichten
In euren Parlamenten und Villen über die Arbeiter und Bauern richten
Ihr Ausbeuter und Unterdrücker wollt dem Weltproletariat das Klassenbewußtsein nehmen
und wollt die Völker der Welt in den 3. Weltkrieg befehlen
Die Revisionisten wollen den Marxismus-Leninismus verdrehen
und die Trotzkisten den konterrevolutionären Weg gehen
Doch eure Machenschaften erkennen die Völker der Welt
Das Weltproletariat trachtet schon nach Rache, da hilft euch auch kein Kapital , kein Geld
Proletarier aller Länder weden das Finanzkapital zerschlagen und eure bourgoisie Macht
und eines schönen sonnigen Tages werden alle Klassen abgeschafft

Auf ihr Völker der ganzen Welt , es naht der jüngste Tag
versammelt all eure roten Volksheere zum letzten Schlag
auf zur sozialistischen Weltrevolution, zerschlagt die staatsmonopolistische Kapitaltyrannei
stürzt die Weltbourgoisie vom Thron, die Völker der ganzen Welt schlagen sich frei

Man hörte das antikommunistische Gekläffe der Klassenfeinde über uns eilen
bestellt ihnen einen schönen Gruß, wir Stalinisten-Hoxhaisten können sie auch nicht leiden
Erst heute gab es in der bürgerlichen Presse zu lesen, den Wahn der bürgerlichen Ideologie an uns vollstrecken
doch eins schwören Proletarier aller Länder bei ihren Klassenwesen, vorher werden wir verrecken
Es wird dem Weltproletariat gelingen, ja nach was höheren, der klassenlosen Gesellschaft zu streben
Weil Bauern und Proleten  sich dem dialketischen Materialismus hingeben
Der Weltkapitalismus u. Finanzoligarchie in der Epoche des Imperialismus nach Verwesung riechen
und die Reformisten und Trotzkisten auch noch glauben, der goldene Honig von den Bächen fließen
Niemand wird über den Weltimperialismus trauern in der Geschichte
und lang wird es nicht dauern, dann macht das Weltproletariat und die Bauern das Weltkapital zu nichte


Auf ihr Proletarier aller Länder , es naht der jüngste Tag
versammelt all eure roten Volksheere zum letzten Schlag
auf zur sozialistischen Weltrevolution, zerschlagt die staatsmonopolistische Kapitaltyrannei
stürzt die Weltbourgoisie vom Thron, Proletarier aller Länder schlagen sich frei