deutsch

 

 

 

 

 

vor 120 Jahren ..

Erster Kongress der SDAPR

vom 13. - 15. März 1898

 

 

 

Grußadresse an die russische Sektion der Comintern (SH) zum 120. Jahrestag des ersten Parteitags der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR)

 

Wir grüßen die russische Sektion der Komintern (SH), die Nachfolgeorganisation der bolschewistischen Partei Lenins und Stalins, aus Anlass des ersten Parteitags der SDAPR vom 13. März 1898 !

Der erste Parteitag der SDAPR im März 1898 ist nicht identisch mit dem ersten Parteitag der bolschewistischen Partei, der 5 Jahre später stattfand (1903). Auf dem ersten Parteitag der SDAPR (1898) gab es die bolschewistische Partei noch gar nicht. Die gab es erst mit dem zweiten Parteitag der SDAPR. Es gilt also Lenins Datum:

"Der Bolschewismus besteht seit 1903" (Lenin)

Wir bezeichnen die Periode nach dem Ersten Parteitag als die Vorbereitungszeit für die Schaffung der bolschewistischen Partei, die mit dem Zweiten Parteitag erfolgreich endete.

 

SDAPR

1898 - 1903

ZEITTAFEL

ZWISCHEN DEM

1. UND 2. PARTEITAG

 

LENIN

1898 - 1901

ZEITTAFEL

 

 

STALIN

1898 - 1903

ZEITTAFEL

 

 

 

Der Zweite Kongress wurde am 30. Juli 1903 eröffnet und nach der Spaltung der Menschewiki (Minderheit) sammelte sich am 23. August 1903 die Mehrheit (Bolschewiki) um Lenin. Das war der historische Zeitpunkt, mit dem der Kampf für die Schaffung einer revolutionären marxistischen Partei , einer Partei leninschen Typs, gekrönt wurde, und zwar in Abgrenzung zu dem reformistischen Parteityp der Zweiten Internationale.

 

Auszüge aus:

Stalins

Kurzer Lehrgang - Geschichte der KPdSU (B) - 1938

 

Der Kampf für die Schaffung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Russland
(1883-1901)

 

Die marxistische sozialdemokratische Arbeiterpartei in Russland wurde im Kampfe geschaffen, der sich in erster Linie gegen die Volkstümlerrichtung, gegen deren irrige, der Sache der Revolution schädliche Auffassungen richtete.

Nur durch die ideologische Zerschlagung der Auffassungen der Volkstümler konnte der Boden für die Schaffung der marxistischen Arbeiterpartei in Russland frei gemacht werden. Der entscheidende Schlag wurde gegen die Volkstümlerrichtung in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Plechanow und seiner Gruppe „Befreiung der Arbeit“ geführt.

Lenin vollendete in den neunziger Jahren die ideologische Zerschmetterung der Volkstümlerrichtung, versetzte ihr den Todesstoß.

Die im Jahre 1883 gebildete Gruppe „Befreiung der Arbeit“ leistete eine große Arbeit zur Verbreitung des Marxismus in Russland, begründete theoretisch die Sozialdemokratie und machte den ersten Schritt zur Arbeiterbewegung hin.

Mit der Entwicklung des Kapitalismus in Russland nahm die Zahl des Industrieproletariats rasch zu. Mitte der achtziger Jahre beschritt die Arbeiterklasse den Weg des organisierten Kampfes, den Weg der Massenaktionen in Form von organisierten Streiks. Die marxistischen Zirkel und Gruppen beschäftigten sich jedoch nur mit Propaganda, verstanden nicht die Zweckmäßigkeit des Überganges zur Massenagitation in den Reihen der Arbeiterklasse und waren deshalb mit der Arbeiterbewegung praktisch noch nicht verbunden, leiteten sie nicht.

Die von Lenin vollzogene Gründung des Petersburger „Kampfbundes zur Befreiung der Arbeiterklasse“ (1895), der unter den Arbeitern Massenagitation betrieb und Massenstreiks leitete, bedeutete eine neue Etappe, den Übergang zur Massenagitation unter den Arbeitern und die Vereinigung des Marxismus mit der Arbeiterbewegung. Der Petersburger „Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse“ war der erste Keim der revolutionären proletarischen Partei in Russland. Bald nach dem Petersburger „Kampfbund“ wurden Organisationen der Marxisten in allen großen Industriezentren sowie in den Randgebieten geschaffen.

Im Jahre 1898 wurde der erste, wenn auch nicht geglückte Versuch unternommen, die marxistischen sozialdemokratischen Organisationen zu einer Partei zu vereinigen: der I. Parteitag der SDAPR fand statt. Dieser Parteitag hat jedoch die Partei noch nicht geschaffen: es gab weder ein Programm noch ein Statut der Partei, noch eine Leitung von einem Zentrum aus, es gab fast keine Verbindung zwischen den einzelnen marxistischen Zirkeln und Gruppen.

Um die zersplitterten marxistischen Organisationen miteinander zu verbinden und zu einer Partei zu vereinigen, entwarf und verwirklichte Lenin den Plan der Schaffung der ersten gesamtrussischen Zeitung der revolutionären Marxisten - der „Iskra“.

Die Hauptgegner der Schaffung der einheitlichen politischen Arbeiterpartei waren in dieser Periode die „Ökonomisten“. Sie verneinten die Notwendigkeit einer solchen Partei. Sie förderten die Zersplitterung und Handwerklerei der einzelnen Gruppen. Und gegen sie gerade richtete Lenin und die von ihm organisierte „Iskra“ ihre Schläge.

Die Herausgabe der ersten Nummern der „Iskra“ (1900 bis 1901) bedeutete den Übergang zu einer neuen Periode, der Periode der tatsächlichen Bildung der einheitlichen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands aus den zersplitterten Gruppen und Zirkeln.

 

* * *

Im Jahre 1898 machten einige „Kampfbünde“, und zwar der von Petersburg, Moskau, Kiew, Jekaterinoslaw und der „Bund“, den ersten Versuch, sich zur sozialdemokratischen Partei zu vereinigen. Zu diesem Zweck versammelten sie sich im März 1898 in Minsk zum I. Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR).

Auf dem I. Parteitag der SDAPR waren im ganzen neun Teilnehmer anwesend. Lenin war nicht auf dem Parteitag, da er sich zu dieser Zeit in sibirischer Verbannung befand. Das auf dem Parteitag gewählte Zentralkomitee der Partei wurde bald verhaftet. Das „Manifest“, das im Namen des Parteitags herausgegeben wurde, war noch in vielem unbefriedigend. Die Aufgabe der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat wurde darin umgangen; über die Hegemonie des Proletariats wurde nichts gesagt, der Frage nach den Verbündeten des Proletariats in seinem Kampfe gegen Zarismus und Bourgeoisie wich man aus.

Der Parteitag verkündete in seinen Beschlüssen und im „Manifest“ die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands.

In diesem formalen Akt, der eine große revolutionär-propagandistische Rolle spielte, bestand die Bedeutung des I. Parteitags der SDAPR.

Aber obwohl der I. Parteitag stattgefunden hatte, war die marxistische sozialdemokratische Partei in Russland tatsächlich noch nicht geschaffen. Es war dem Parteitag nicht gelungen, die einzelnen marxistischen Zirkel und Organisationen zu vereinigen und organisatorisch zu verbinden. In der Arbeit der örtlichen Organisationen gab es noch keine einheitliche Linie, es gab kein Parteiprogramm, kein Parteistatut, es gab keine Leitung von einem Zentrum aus.

Infolge dieses Umstandes und wegen einer Reihe anderer Ursachen griff die ideologische Zerfahrenheit in den örtlichen Organisationen immer weiter um sich, und dadurch wurden für die Verstärkung des „Ökonomismus“, dieser opportunistischen Strömung in der Arbeiterbewegung, günstige Bedingungen geschaffen.

Es bedurfte einiger Jahre angestrengter Arbeit Lenins und der von ihm organisierten Zeitung „Iskra“, um die Zerfahrenheit zu über-winden, die opportunistischen Schwankungen niederzukämpfen und die Bildung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands vorzubereiten.

* * *

Ungeachtet des im Jahre 1898 abgehaltenen I. Parteitags der Sozialdemokratischen Partei Russlands, der die Gründung der Partei verkündet hatte, war die Partei doch nicht geschaffen. Es gab kein Programm und kein Statut der Partei. Das auf dem I. Parteitag gewählte Zentralkomitee der Partei war verhaftet worden und wurde nicht mehr erneuert, weil niemand da war, um es zu erneuern. Mehr noch, nach dem I. Parteitag hatten sich die ideologische Zerfahrenheit und die organisatorische Zersplitterung der Partei noch gesteigert.

Waren die Jahre 1884-1894 eine Periode des Sieges über die Volkstümlerrichtung und der ideologischen Vorbereitung der Sozialdemokratie, und die Jahre 1894-1898 eine Periode des allerdings misslungenen Versuches, aus einzelnen marxistischen Organisationen eine sozialdemokratische Partei zu schaffen, so wurde die Periode nach 1898 zu einer Periode der Steigerung des ideologischen und organisatorischen Wirrwarrs in der Partei. Der Sieg des Marxismus über die Volkstümlerrichtung sowie die revolutionären Aktionen der Arbeiterklasse erhöhten die Sympathien der revolutionären Jugend für den Marxismus, da sie gezeigt hatten, dass die Marxisten Recht haben. Der Marxismus wurde Mode. Das hatte zur Folge, dass in die marxistischen Organisationen ganze Massen der revolutionären Jugend aus den Kreisen der Intelligenz strömten, die in der Theorie schwach, in organisatorischer und politischer Hinsicht unerfahren waren; sie hatten nur eine nebelhafte, größtenteils unrichtige Vorstellung vom Marxismus, die sie aus den opportunistischen Schreibereien der „legalen Marxisten“ schöpften, von denen die Presse voll war. Dies führte zu einer Senkung des theoretischen und politischen Niveaus der marxistischen Organisationen, trug „legal-marxistische“ opportunistische Stimmungen in sie hinein, steigerte die ideologische Zerfahrenheit, die politischen Schwankungen und den organisatorischen Wirrwarr.

Der wachsende Aufschwung der Arbeiterbewegung und die offenkundige Tatsache, dass die Revolution nahe war, erforderten die Schaffung einer einheitlichen zentralisierten Partei der Arbeiterklasse, die zur Leitung der revolutionären Bewegung fähig wäre. Die örtlichen Parteiorgane, die Ortskomitees, die Gruppen und Zirkel befanden sich jedoch in einem so trostlosen Zustand, ihre organisatorische Zusammenhanglosigkeit und ihre ideologischen Unstimmigkeiten waren so groß, dass die Aufgabe der Schaffung einer solchen Partei auf unglaubliche Schwierigkeiten stieß.

Die Schwierigkeiten bestanden nicht allein darin, dass man die, Partei unter den unausgesetzten brutalen Verfolgungen des Zarismus aufbauen musste, der den Reihen der Organisationen immer wieder die besten Kräfte entriss und sie in die Verbannung schickte, in Gefängnisse und Zuchthäuser warf. Die Schwierigkeiten bestanden auch darin, dass ein bedeutender Teil der Ortskomitees und ihrer Funktionäre nicht über ihre örtliche praktische Kleinarbeit hinausblicken wollten, dass sie nicht begriffen, wie schädlich das Fehlen der organisatorischen und ideologischen Einheit der Partei war, dass sie sich an die Zersplitterung der Partei, an den ideologischen Wirrwarr in der Partei gewöhnten und der Meinung waren, man könne ohne eine einheitliche zentralisierte Partei auskommen.

Um eine zentralisierte Partei zu schaffen, mussten diese Rückständigkeit, die Trägheit und der enge Praktizismus der örtlichen Organe überwunden werden.

Aber nicht allein das. In der Partei bestand eine ziemlich zahlreiche Gruppe von Leuten, die ihre Presseorgane hatten - „Rabotschaja Mysl“ (Arbeitergedanke) in Russland und „Rabotscheje Djelo“ (Arbeitersache) im Auslande -, eine Gruppe, die bestrebt war, die organisatorische Zersplitterung und ideologische Zerfahrenheit in der Partei theoretisch zu rechtfertigen, ja sogar nicht selten zu verherrlichen. Diese Gruppe vertrat die Ansicht, dass die Aufgabe der Schaffung einer einheitlichen zentralisierten politischen Partei der Arbeiterklasse eine unnötige und ausgeklügelte Aufgabe sei.

Das waren die „Ökonomisten“ und ihre Anhänger.

Um eine einheitliche politische Partei des Proletariats zu schaffen, musste man vor allem die „Ökonomisten“ schlagen.

Die Erfüllung dieser Aufgaben und den Aufbau der Partei der Arbeiterklasse nahm Lenin in Angriff.

Ober die Frage, womit der Aufbau der einheitlichen Partei der Arbeiterklasse zu beginnen sei, bestanden verschiedene Meinungen. Manche meinten, dass man den Aufbau der Partei mit der Einberufung des II. Parteitags beginnen müsse, der sowohl die Ortsorganisationen vereinigen als auch die Partei schaffen werde. Lenin war gegen diese Meinung. Er war der Auffassung, man müsse vor der Einberufung des Parteitags die Frage der Ziele und Aufgaben der Partei klarstellen, man müsse wissen, was für eine Partei man aufbauen wolle, man müsse sich von den „Ökonomisten“ ideologisch abgrenzen, man müsse der Partei offen und ehrlich sagen, dass über die Ziele und Aufgaben der Partei zwei verschiedene Meinungen bestehen, die Meinung der „Ökonomisten“ und die Meinung der revolutionären Sozialdemokraten, man müsse eine umfassende Pressepropaganda für die Anschauungen der revolutionären Sozialdemokratie durchführen, ebenso wie sie von den „Ökonomisten“ in ihrer Presse für ihre Anschauungen betrieben wird, man müsse den Ortsorganisationen die Möglichkeit geben, zwischen diesen beiden Strömungen bewusst ihre Wahl zu treffen. Erst nach dieser notwendigen Vorarbeit könne der Parteitag einberufen werden.

Lenin sagte geradeheraus:

„Bevor man sich vereinigt und um sich zu v ereinigen, muss man sich zuerst entschieden und bestimmt voneinander abgrenzen.“ (Lenin, Was tun?)

Demzufolge war Lenin der Auffassung, dass man den Aufbau der politischen Partei der Arbeiterklasse beginnen muss mit der Organisierung einer gesamtrussischen politischen Kampfzeitung, die für die Anschauungen der revolutionären Sozialdemokratie Propaganda und Agitation betreibt, dass die Schaffung einer solchen Zeitung der erste Schritt im Aufbau der Partei sein muss.

Lenin entwarf in seinem bekannten Aufsatz „Womit beginnen?“ einen konkreten Plan des Aufbaus der Partei, der später in seinem berühmten Werke „Was tun?“ entwickelt wurde.

Unserer Meinung nach“, sagte Lenin in diesem Aufsatz, „muss der Ausgangspunkt der Tätigkeit, der erste praktische Schritt zur Schaffung der gewünschten Organisation [Gemeint ist die Schaffung der Partei. Die Red.], schließlich der Leitfaden, an Hand dessen wir diese Organisation unbeirrt entwickeln, vertiefen und erweitern könnten - die Schaffung einer gesamt-russischen politischen Zeitung sein ... Ohne sie ist jene systematische Durchführung einer prinzipienfesten und allseitigen Propaganda und Agitation unmöglich, die die ständige und wichtigste Aufgabe der Sozialdemokratie im allgemeinen und eine besonders dringliche Aufgabe des gegenwärtigen. Moments darstellt, wo das Interesse für Politik, für Fragen des Sozialismus in den breitesten Bevölkerungsschichten wach geworden ist.“ (Ebenda, S.27.)

Lenin war der Auffassung, dass eine solche Zeitung nicht nur ein Mittel zum ideologischen Zusammenschluss der Partei, sondern auch ein Mittel zur organisatorischen Vereinigung der Ortsorganisationen zu einer Partei sein werde. Das Netz von Vertrauensleuten und Korrespondenten einer solchen Zeitung, die Vertreter der Ortsorganisationen sind, wird als Gerippe dienen, um das die Partei organisatorisch zusammengefügt wird. „Denn“, sagte Lenin, „die Zeitung ist nicht nur ein kollektiver Propagandist und kollektiver Agitator, sondern auch ein kollektiver Organisator.“

„Dieses Netz von Vertrauensleuten“, sagte Lenin in demselben Aufsatz, „wird das Gerippe gerade einer solchen Organisation bilden, wie wir sie brauchen: genügend groß, um das ganze Land zu erfassen; genügend breit und vielseitig, um eine strenge und detaillierte Arbeitsteilung durchzuführen; genügend standhaft, um unter allen Umständen, bei allen ,Wendungen’ und Überraschungen ihre eigene Arbeit unbeirrt zu leisten; genügend elastisch, um zu verstehen, einerseits einer offenen Feldschlacht gegen einen an Kraft überlegenen Feind, wenn er alle seine Kräfte an einem Punkt gesammelt hat, auszuweichen, und andererseits die Schwerfälligkeit dieses Feindes auszunutzen und ihn dann und dort anzugreifen, wo der Überfall am wenigsten erwartet wird.“ (Ebenda, 5.29/30.)

 

 

 

 

 

in Minsk (Weißrussland)

Haus, in dem der 1. Parteitag der SDAPR stattfand

(Lenin war zu dieser Zeit noch in sibirischer Verbannung)

 

 

 

 

Die ersten Sozialdemokratischen Zirkel und Gruppen in Russland (1883-1893)

 

Petersburger "Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse"

 

 

 

Ende 19. Jahhundert - Großindustrie und Proletariat in Russland

 

 

 

Revolutionäre Bewegung in Russland 1901 - 1904

 

 

1900 - 1903 Organisation der "Iskra"

 

 

 

SDAPR 1903 - zum Zeitpunkt des Zweiten Parteitags

 

 

Flugblätter aus der "Iskra"-Periode

 

 

 

 

Zeitungen sozialdemokratischer Organisationen

KPdSU (B)

deutsch