"Die Rote Bauerninternationale"

wurde wieder gegründet

am 28 Mai 2017

auf Beschluss der Komintern (SH)

 

Diese Webseite auch in englischer Sprache ...

Aus Anlass des 110. Geburtstags des Genossen Enver Hoxha veröffentlichen wir folgenden Artikel in unserem theoretischen Organ "Weg der Weltpartei"

 

Enver Hoxha über Landwirtschaft - unverzichtbare Lehren für den Aufbau der Landwirtschaft im zukünftigen Weltsozialismus

von Wolfgang Eggers

 

 

 

 

Grußadressen der Solidarität

 

Es lebe der 95. Jahrestag der Gründung der

Roten Bauerninternationale

 

10. Oktober 1923 - 10. Oktober 2018

 

 

Die Gründer der roten Bauerninternationale erklärten feierlich:

"Den Kapitalismus und den Krieg werden wir erst dann bezwingen, wenn der Kommunismus überall triumphiert. Und deshalb:
Es lebe der Kommunismus, es leben die Sowjetrepubliken der ganzen
Welt!"

 

Die Rote Bauerninternationale zielte darauf ab, das Bündnis von Bauer und Arbeiter im Rahmen der Weltpartei für die Weltrevolution zu schmieden.

Deswegen verhindert die Weltourgeoisie die Veröffentlichung der historischen Dokumente der Krestintern - und zwar bis auf den heutigen Tag.

Was die Geschichte der Roten Baueninternationale betrifft, so haben wir aus heutigem Anlass einen kurzen Überblick zusammengestellt ( "Wie die Rote Bauerninternationale entstand und über ihren historischen Werdegang bis zur ihrer Liquidierung durch die Revisionisten." )

Angesichts des Mangels an Dokumenten ist dieser Zustand völlig unzureichend, aber immerhin ein Anfang.

Die Archivare der Komintern-Dokumente sind nichts weiter als Verkäufer von Waren, reine Geschäftemacher. Dabei sind die Dokumente nur geklaut. Wem gehören die Dokumente der Krestintern ? Niemandem sonst als der wieder gegründeten Krestintern, also uns. Wir wissen, dass man uns unser Eigentum nicht freiwillig zurückgeben wird, dass sie uns somit zwingen, uns die Dokumente mit Gewalt, mit der sozialistischen Weltrevolution wieder zurückzuholen.

Nur ein kleiner erlauchter Kreis von bürgerlichen Historikern hat Zugang zu den Archiven, damit sie genügend Kanonenfutter für ihre anti-kommunistische Propaganda haben. Sie weisen zwar ausgiebig auf Zitate der Originaldokumente hin, um im "objektiv wissenschaftlichen" Licht zu erscheinen, jedoch ohne auch nur ein einziges Dokument der Krestintern zu veröffentlichen. Sie können also tun und lassen was sie wollen, denn sie schützen sich durch ihre "akademische Immunität", was nichts Anderes heißt, als vor der Öffentlichkeit keinerlei Rechenschaft für ihre "wissenschaftlich fundierten" Lügenmärchen ablegen zu müssen. Wer kann schon zum Studium ihrer teuren akademischen Ergüsse die nötigen finanziellen Mittel aufbringen ?

Von der Krestintern gibt es zwischen 1923 und 1930 mehr als 500 Dateien. Die erste enthält 308 Dateien, die die allgemeine Geschichte der Organisation und ihrer Funktionsweise nachzeichnen. Dies sind die internationalen Bauernkonferenzen, internationale Treffen, das Präsidium und das Generalsekretariat. Das zweite Inventar enthält die Berichte mit den nationalen Abschnitten, die in 196 Dateien gruppiert sind.
Auch was das Internationale Agrarinstitut betrifft, so besteht er aus 325 Akten. Diese Organisation ist im Januar 1925 von der Krestintern aufgebaut worden.

Es ist somit an diesem 95. Jahrestag eine der dringlichsten Aufgaben unserer wieder gegründeten Roten Bauerninternationale, die historischen Dokumente der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie für die sozialistische Weltrevolution nutzbar zu machen...

* * *

Man darf nicht nur historisch zurückblicken und nur auf die Rote Bauerninternationale selbst schauen, sondern auch auf die Millionen von Bauern, die sich ihr anschlossen. Man muss auch heute die Millionen parteilosen Bauern im Auge haben, ihre Nöte und Wünsche, ihren Kampf kennen lernen, muss Kontakt zu ihnen aufnehmen und diesen pflegen.

Die Rote Bauerninternationale wächst und erstarkt, wenn um sie herum eine breite Schicht revolutionärer Bauern wächst und erstarkt. Die Rote Bauerninternationale siecht dahin und verkümmert, wenn ein solches Aktiv von revolutionären Bauern fehlt. Wo aber finden wir die revolutionären Bauern ?Wir finden sie dort, wo sie sich gegen die Agrarweltkonzerne zusammengeschlossen haben.

Es sind aber nicht nur die Weltkonzerne der kapitalistischen Großagrarier, die den Bauern im Nacken sitzen. Es sind auch vor Ort eine ganze Reihe von Elementen und Schichten, durch die die Landbevölkerung in zwei Lager gespalten wird, in das Lager von einigen wenigen Previligierten ( = alles was über den Landarbeitern und unter den Großkonzernen steht) und der Dorfarmut. Auch auf dem Land findet ein erbitterter Klassenkampf statt. Damit uns die Bauern beim Wiederaufbau der Roten Bauerninternationale unterstützen, müssen wir unsererseits in erster Linie die Ärmsten der Armen auf dem Lande unterstützen, müssen wir an der Seite der hungernden Bauern stehen. Das ist eine Binsenwahrheit, aber in der Praxis sc hwierig umzusetzen bzw. im Moment kräftemäßig noch nicht umsetzbar. Das Problem muss man aber unbedingt im Auge behalten.

Wer wird die Bauern aus dem Joch der kapitalistischen Knechtschaft befreien, wenn nicht die Bauern selbst?

Im Rahmen des Kapitalismus kann sich der arme Bauer nicht befreien. Nur an der Seite des Weltproletariats kann er sich weltweit befreien, wenn er also an der sozialistischen Weltrevolution aktiv teilnimmt.

Die Konfiskation aller Ländereien der Welt - das ist der Ausweg, den die Komintern (SH) und ihre Rote Bauerninternationale weisen. Die Bauern der ganzen Welt müssen sich ein für allemal mit dem Gedanken vertraut machen, dass man mit den Gutsbesitzern und Agrarkapitalisten nicht schachern soll, sondern gegen sie kämpfen muss. Es gilt, das Netzwerk der Agrarkapitalisten nicht zu flicken, sondern weltweit zu zerschlagen, indem man ihnen das Eigentum an allen Ländereien der Welt wegnimmt, und die Ausbeutung der Landarbeiter beseitigt.

Heute ist nicht davon die Rede, wie die Bauernschaft weltweit in Bewegung gebracht werden soll, sondern davon, was die in Bewegung geratene Bauernschaft fordern soll.

Vor allem müssen die Bauern der Welt aus ihrer Schuldenfalle befreit werden !

Was den Bauern weggenommen wurde, muss ihnen zurück gegeben werden. Davon hängt ihre Existenz ab. Wer diese zentrale Forderung der Bauern ignoriert, der wird die Bauern niemals für die sozialistische Weltrevolution begeistern können, der verzichtet damit folglich auf den bäuerlichen Hilfshebel für die sozialistische Weltrevolution, der verrät das revolutionäre Bündnis von Arbeitern und armen Bauern. Ohne die Bauern gibt es keine Befreiung vom Kapitalimus, gibt es keinen Sozialismus.

Soweit die Überreste der Leibeigenschaft noch nicht beseitigt sind, müssen die Bauern gegen die Gutsbesitzer kämpfen. Unter den heutigen Bedingungen des weltweiten Agrarkapitalismus, wo der Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital auch überall auf dem Lande vorherrscht, muss man gegen den Kapitalismus und für den Weltsozialismus kämpfen. Landarbeiter und Industriearbeiter - gemeinsam für den Weltsozialismus! - das sagt die Komintern (SH) den Dorfproletariern.

Vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus war die kleinbürgerliche Landwirtschaft der Leibeigenenwirtschaft gegenüber fortschrittlich. Die Zerstörung der Leibeigenenwirtschaft und die Einführung der kleinbürgerlichen Wirtschaft war eine notwendige Voraussetzung für die Entwicklung des Kapitalismus, der seinerseits die kleinbürgerliche Wirtschaft verdrängt. Heute heißt unsere Hauptlosung also:

Abschaffung des globalisierten Agrarkapitalismus und Aufbau der globalisierten sozialistischen Agrarwirtschaft !

Was also tun? Etwa die kleinbürgerliche Wirtschaft gegen die Weltwirtschaft der Bourgeoisie verteidigen ? Kleinbürgerliche Landwirtschaft anstelle des globalisierten Agrarkapitalismus ? Nein. Beides muss abschafft werden. Erst der Agrarkapitalismus mit Hilfe der Bauern und später auch die kleinbürgerliche Landwirtschaft - ebenfalls mit Hilfe der Bauern. Auf dieser Webseite haben wir hierzu eine klare Antwort gegeben. Alles zu seiner Zeit und am richtigen Ort. Unser Maximalprogramm und unser Minimalprogramm zur weltweiten Lösung der Agrarfrage sind zwei verschiedene Begriffe, die nicht miteinander verwechselt werden dürfen.

Alles, was der Profitmacherei der Weltagrarkapitalisten schadet, was uns ihrer Beseitigung näher bringt, das unterstützen wir in unserem Minimalprogramm. Dazu gehört die Unterstützung der verschiedensten weltweiten Selbsthilfeorganisationen der Bauern. Aber das heißt nicht automatisch, dass wir auch alles in unser Maximalprogramm aufnehmen.

Auf dem Weg zur klassenlosen Weltgesellschaft wollen wir die Trennung von Arbeitern und Bauern für immer abschaffen.

Uns geht es darum, dass sich die Landarbeiter und Industriearbeiter im Weltmaßstab vereinigen im Kampf gegen den globalisierten Agrarkapitalismus.

Alle die zum Beispiel im Sektor der Nahrungsmittel beschäftigt sind, müssen sich zusammenschließen, die Teepflückerin mit den Arbeitern, die den Tee industriell verarbeiten, mit den Arbeitern, die für Transport und Handel sorgen usw. - bis hin zur Vereinigung mit den Endverbrauchern, den Teetrinkern.

Im Weltsozialismus wird es keine Verteidigung der kleinbürgerlichen Landwirtschaft geben, denn aus kleinbürgerlicher Wirtschaft restauriert sich wieder und wieder die kapitalistische Wirtschaft.

Die stalinistische Bauernschaft hat den Bucharinismus in der Frage der Kollektivierung der Landwirtschaft in "einem" Land siegreich geschlagen. [*] Und auf diesem Sieg wird der Weltsozialismus aufbauen.

Heute geht es darum, die Bauern von der Kollektivierung der Agrarwirtschaft im Weltmaßstab zu überzeugen. Dabei gilt es, auf die Erfahrungender Sowjetunion Lenins und Stalins sowie auf die Erfahrungen der sozialistischen Landwirtschaft Albaniens zurückzugreifen.

Im Weltkapitalismus kann es dem armen Bauern nur noch immer schlechter gehen. Im Weltsozialismus wird es ihm dagegen immer besser gehen.

Die einzige Zukunft des Bauern liegt im Weltsozialismus. Das ist es, wovon wir die Bauern heute überzeugen müssen.

Weder die „Sozialisierung" von Grund und Boden noch deren „Nationalisierung" noch deren „Munizipalisierung" (Selbstverwaltung), entsprechen den Interessen der sozialistischen Weltrevolution, denn damit ändert sich ja nichts an der Lohnsklaverei auf dem Lande, weil der Kapitalismus dabei unangetastet bleibt. Aber eben darum geht es in der sozialistischen Weltrevolution, nämlich um den Sturz der kapitalistischen Weltordnung zur Abschaffung der kapitalistischen Lohnsklaverei.

(siehe: Weltdekret der Komintern (SH) über Grund und Boden)

 

Wir sind Gegner der Ideologie des Agrarianismus, insbesondere welcher von den Sozialrevolutionären in Russland vertreten wurde und teilweise in den Maoismus einfloss. Die Verwirklichung des Weltsozialismus beginnt nicht mit den Dörfern. Jeder - außer vielleicht einiger Maoisten - weiß, dass die Stadt entwickelter ist als das Dorf, das die Stadt die Führerin des Dorfes ist, dass also jedwedes sozialistische Werk von der Stadt aus beginnen muss, vom Proletariat.

Die Verwirklichung des Weltsozialismus - das ist die weltweite Aufhebung der Warenproduktion, die Abschaffung des Weltfinanzkapitals, die Zerstörung des Weltkapitalismus bis auf sein Fundament und die globale Vergesellschaftung aller Produktionsmittel. All das kann man nicht unangetastet lassen und stattdessen "nur" Grund und Boden vergesellschaften wollen. Das funktioniert nicht und ist zum Scheitern verurteilt, weil die Warenproduktion dabei aufrechterhalten bleibt, und so auch Grund und Boden nichts Anderes bleibt, als eine Ware.

* * *

 

Die Rote Bauerninternationale wurde nach der deutschen Novemberrevolution gegründet, deren 100. Jahrestag wir jetzt feiern.

Als Ergebnis der deutschen Novemberrevolution sollte der landarme Bauer Land erhalten. Das Siedlergesetz ist dann mit Hilfe der Konterrevolution von den Großagrariern und bürgerlichen Parteien zuschanden gemacht worden.

 

* * *

Wir schließen mit einem Redebeitrag vom Gründungskongress 1923:

 

"Der Bauernkommunismus ist eine alte Erscheinung, die auch in der Geschichte anderer Länder bekannt ist. Man denke an die Albingenser, die böhmischen Brüder, die Bauernkriege in Deutschland. Wir ehren alle diese Kämpfer und ihre Ideale, aber sie haben trotzdem lauter Niederlagen erlitten, denn sie haben nicht begriffen, daß es ihnen nicht genügen darf, selbst kommunistisch gestimmt zu sein, sondern daß man die Massen gewinnen muß. Die Bauern pflegten zwar zu sagen: "als die ganze Menschheit aus Adam und Eva bestand, da hat der Adam gepflügt und die Eva gesponnen, da gab's keine Edelleute." Daraus folgt schon, daß die Edelleute nicht von Gott geschaffen sind, sondern nur durch Mißbrauch der Macht des Menschen über den Menschen entstanden sind."

* * *

"Kein Sieg der sozialistischen Weltrevolution ohne den Sieg der globalen Agrarrevolution !"

 

Es lebe der 95. Jahrestag der Gründung der Roten Bauerninternationale !

Es lebe die wieder gegründete Rote Bauerninternationale der Komintern (SH) !

 

[*] hierzu ein Zitat von Stalin:

Das Grundübel der Bucharinleute ist ihr Glaube, ist ihre Überzeugung, dass unsere Getreideschwierigkeiten und alle anderen Schwierigkeiten behoben werden könnten, wenn wir dem Kulaken Erleichterungen gewährten und ihm Handlungsfreiheit ließen. Sie glauben, die Schwierigkeiten würden beseitigt und die politische Lage des Landes würde gebessert werden, wenn wir dem Kulaken Erleichterungen gewährten, wenn wir seine Ausbeutertendenzen nicht einschränkten, wenn wir ihm freie Hand ließen usw. Es braucht nicht betont zu werden, dass dieser naive Glauben der Bucharinleute an die rettende Rolle des Kulaken ein so lächerlicher Unsinn ist, dass es sich nicht einmal lohnt, ihn zu kritisieren. Es ist das Pech der Bucharinleute, das sie die Mechanik des Klassenkampfes nicht begreifen, nicht begreifen, dass der Kulak der geschworene Feind der Werktätigen, der geschworene Feind unserer ganzen Gesellschaftsordnung ist. Sie begreifen nicht, dass eine Politik der Erleichterungen und der Ge währung von Handlungsfreiheit für den Kulaken die Verschlechterung der ganzen politischen Lage unseres Landes, die Erhöhung der Chancen für die kapitalistischen Elemente im Lande, den Verlust der Dorfarmut für uns, die Demoralisierung des Mittelbauern, den Bruch mit der Arbeiterklasse unseres Landes bedeutet.

Sie begreifen nicht, dass keinerlei Gewährung von Handlungsfreiheit für den Kulaken unsere Getreideschwierigkeiten verringern kann, denn der Kulak wird sowieso nicht freiwillig Getreide liefern, solange wir die Politik der Beschaffungspreise und der Regulierung des Getreidemarktes durch die Staatsorgane beibehalten; auf die Politik der staatlichen Regulierung des Handels können wir aber nicht verzichten, wenn wir die Sowjetordnung, die Diktatur des Proletariats nicht untergraben wollen. Es ist das Pech der Bucharinleute, dass sie diese einfachen und elementaren Dinge nicht begreifen. Ich spreche schon gar nicht davon, dass eine Politik der Gewährung von Handlungsfreiheit für die kapitalistischen Elemente sowohl theoretisch als auch politisch mit den Grundlagen der Leninschen Politik und des Leninismus absolut unvereinbar ist.

(STALIN)

 

 

Wolfgang Eggers

10. 10. 2018

 


 

 

Erster Weltkongress der Krestintern

1923 (Gründungskongress)

Dieses Symbol ist ursprünglich einem Plakatauszug von 1919 entnommen - (zum Ruhm der Roten Armee)

 

aus Anlass des 95. Jahrestages der Gründung der Roten Bauerninternationale veröffentlichen wir folgende

Dokumente:

 

 

Die Komintern über die Agrarfrage

 

 

2. Weltkongress:

Diskussion über die Agrarfrage

* * *

LEITSÄTZE ÜBER DIE AGRARFRAGE

beschlossen am 4. August 1920

[auch in HTML- Format]

 

 

Auszüge aus dem Weltprogramm der Komintern (1928)

die Agrarfrage betreffend:

 

B. Landwirtschaft

a) Konfiskation und proletarische Nationalisierung des gesamten Großgrundbesitzes in Stadt und Land ( des privaten, des Kirchen- und Klosterbesitzes usw.) und Übergabe des gesamten staatlichen und kommunalen Grundeigentums, einschließlich der Forste, Bodenschätze, gewässer usw. an die Räte mit nachfolgender Nationalisierung des gesamten Frund und Bodens.

b) Konfiskation des gesamten Produktionsapparates des großen Grundbesitzes, als da sind: Gebäude, Maschinen und sonstiges Inventar; Vieh, betriebe zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte (Großmühlen, Käseerzeugung, Molkereien, Dörranlagen usw.).

c) Übergabe großer Güter, insbesondere Mustergüter und Güter von großer wirtschaftlicher Bedeutung an die Organe der proletarischen Diktatur zur Verwaltung und Einrichtung von Sowjetgütern.

d) Übergabe eines Teils des konfiszierten Bodens der Großgrundbesitzer und anderer Bodenbesitzer an die Bauern ( und zwar an deren arme und teilweise auch an ihre mittleren Schichten), vor allem dort, wo diese Ländereien früher von den Bauern in Pacht bearbeitet wurden und ein Mittel ihrer wirtschaftlichen Versklavung waren. Welcher Teil des Bodens den Bauern übergeben werden soll, wird bestimmt durch die wirtschaftliche Zweckmäßigkeit und durch die Notwendigkeit, die Bauern zu neutralisieren und für die Sache des Proletariats zu gewinnen; dieser Teil des Grund und Bodens muss daher entsprechend den verschiedenen Bedingungen verschieden ausfallen.

e) Verbot des Kaufes und Verkaufes des Bodens, um diesen in den Händen der Bauern zu halten und seinen Übergang in die Hände kapitalistischer Bodenspekulanten zu verhindern usw.; energischer Kampf gegen die Übertretung dieses Verbots.

f) Bekämpfung des Wuchers, Aufhebung wucherischer Schuldverträge, Annulierung der Schulden der ausgebeuteten Schichten der Bauernschaft, Steuerbefreiung der armen Bauern usw.

g) Großzügige staatliche Maßnahmen zur Hebung der Produktivkräfte der Landwirtschaft; Elektrifizierung der Landwirtschaft, Traktorenbau, produktion chemischer Dübgemittel, Züchtung hochwertigen Saatguts und Rasseviehs auf den Sowjetgütern, großzügige Organisierung des landwirtschaftlichen Meliorationskredits.

h) Förderung und Finanzierung der landwirtschaftlichen Genossenschaften und aller Formen der kollektiven Produktion im Dorfe (Produktionsgenossenschaften, Kommunen usw.). Systematische Propaganda des genossenschaftlichen Zusammenschlusses der Bauernschaft, der genossenschaftlichen Organisierung des Absatzes, des Einkaufs und Kredits auf der Grundlage der Selbständigkeit der Bauernmassen; Propagierung des Überganges zu Formen der landwirtschaftlichen Großproduktion, was dank der unbestreitbaren technischen und wirtschaftlichen Überlegenheit des Großbetriebs unmittelbar den größten wirtschaftlichen Nutzen bringt und für die breitesten Massen der werktätigen Bauern den Übergang zum Sozialismus am ehesten ermöglicht.

* * *

. Im Verhältnis zur Bauernschaft ist es die Aufgabe der kommunistischen Partei, gestützt auf das Landproletariat, alle ausgebeuteten, werktätigen Schichten des Dorfes auf ihre Seite zu ziehen. Das siegreiche Proletariat muss die verschiedenartigen Gruppierungen innerhalb der Bauernschaft genau auseinanderhalten und ihre Bedeutung sorgfältig abwägen; es muss die besitzlosen, halbproletarischen Schichten der Bauernschaft in jeder Weise unterstützen, indem es ihnen einen Teil des gutsherrlichen Bodens überlässt, ihnen den Kampf gegen das Wucherkapital erleichtern usw. Ferner muss das Proletariat die Mittelschichten der Bauernschaft neutralisieren und jeden Widerstand der mit den Großgrundbesitzern verbündeten Dorfbourgeoisie schonungslos unterdrücken. In dem Maße, in dem seine Diktatur erstarkt und der Aufbau des Sozialismus voranschreitet, muss das Proletariat von der Politik der Neutralisierung zur Politik des festen Bündnisses mit den Mittelbauern übergehen, ohne indessen auch nur den Gedanken an eine Teilung der Macht aufkommen zu lassen. Denn die Diktatur des Proletariats ist der Ausdruck der Tatsache, dass nur die Industriearbeiterschaft im Stande ist, die ganze Masse der Werktätigen zu führen; sie ist aber als Alleinherrschaft des Proletariats doch eine besondere Form des Klassenbündnisses zwischen dem Proletariat als der Vorhut der Werktätigen und deren zahlreichen nichtproletarischen Schichten oder ihrer Mehrheit; sie ist die Form eines Bündnisses zum endgültigen Sturz des Kapitals, zur vollständigen Niederschlagung des Widerstandes der Bourgeoisie und ihrer Restaurationsversuche - zur endgültigen Begründung und Befestigung des Sozialismus.

* * *

Schließlich kann und soll das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen der Bauernschaft (Absatz-, Einkaufs-, Kredit- und Produktivgenossenschaften) eine der grundlegenden Organisationsformen der Verbindung von Stadt und Land werden, wenn ihm eine entsprechende Leitung gesichert ist, die systematisch den Kampf gegen die kapitalistischen Elemente führt, wie auch der tätige Anteil der mit dem Proletariat verbündeten werktätigen Massen. Unter dem Kapitalismus verwandeln sich die genossenschaftlichen Vereinigungen der Bauernwirtschaft, soweit sie überhaupt lebensfähig sind, zumeist unvermeidlich in kapitalistische Unternehmungen, da sie von der kapitalistischen Industrie, von den kapitalistischen Banken und der kapitalistischen Umwelt überhaupt abhängen und von Reformisten, von der Dorfbourgeoisie und manchmal sogar den Gutsbesitzern geleitet werden. Unter der Diktatur des Proletariats entwickeln sie sich in einem System anders gearteter Beziehungen und sind von der proletarischen Industrie, den proletarischen Banken usw. abhängig. Auf diese Weise werden die landwirtschaftlichen Genossenschaften - die richtige Politik des Proletariats, das heisst, den systematischen Klassenkampf gegen die kapitalistischen Elemente außerhalb wie innerhalb der Genossenschaftsorganisationen vorausgesetzt - unter Leitung der sozialistischen Industrie zu einem der wichtigsten Hebel der sozialistischen Umgestaltung des Dorfes, zu seiner Kollektivierung. Das schließt aber die Möglichkeit nicht aus, dass in einigen Ländern die Konsumgenossenschaften, besonders aber die landwirtschaftlichen Genossenschaften, unter der Führung der Bourgeoisie und ihrer sozialdemokratischen Agenturen in der ersten Zeit Stützen der konterrevolutionären Tätigkeit und der Sabotage des wirtschaftlichen Aufbaus der Arbeiterrevolution sein werden.

 

Wie die

Rote Bauerninternationale entstand

und über ihren historischen Werdegang bis zur ihrer Liquidierung durch die Revisionisten.

 

Alles begann mit der Gründung einer Agrarkommission des EKKI

- von Lenin auf dem 2. Weltkongress initiiert.

Mitglieder der Agrarkommission des EKKI waren 1922 Edwin Hoernle (Leiter), Tomasz Dąbal
und Israel Amter. Bis Oktober 1923 wurden Evgenij Preobraženskij und Boris Souvarine
kooptiert. Hauptaufgabe der Kommission war zunächst die Umsetzung bzw. die
Konkretisierung der Losung der "Arbeiter- und Bauernregierung" in den unterschiedlichen
Ländern und Parteien sowie die Vorbereitung einer Agrarkonferenz, die im Oktober 1923
stattfand und schließlich zur Gründungskonferenz des Internationalen Bauernrates wurde.

Als Leitungsorgan fungierte der Internationale Bauernrat (I.B.R.)

Der I.B.R. wurde von einem elfköpfigen Präsidium repräsentiert und von einem dreiköpfigen
Sekretariat geleitet. Anfangs gab es keinen offiziellen Vertreter des EKKI im Präsidium bzw.
Generalrat des I.B.R., an dessen Stelle trat ein Komitee des I.B.R. für die Verbindungen mit
der Komintern und der Profintern.

Mitglieder des ersten Präsidiums der Bauerninternationale waren neben Smirnov und Dąbal, Richard Bürgi (Deutschland), Vazeilles (Frankreich), Otto Rydlo (Tschechoslowakei), Gorov
(Bulgarien), Hero (Skandinavien), Green (USA), Ursulo Galván (Mexico), Ken Hayashi
(Japan), sowie Ho Chi Minh (d.i. Nguyen Ai Quoc) für Indochina und die Kolonien.

Auf dem Gründungskongreß der Bauerninternationale waren 122 Delegierte mit beschließender, 36 mit beratender Stimme für die folgenden Länder, Territorien und Nationalitäten anwesend:
Rußland, Ukraine, Georgien, Dagestan, Kirgisien, Karelien, Jakutien, Adscharistan,
Weißrußland, Baschkirien, Buchara, China, Chiva, Mongolei, Armenien, Turkestan, Brasilien,
Indonesien, Spanien, Deutschland, Danzig, Bulgarien, Holland, Australien, Kanada, Estland,
Lettland, Litauen, Finnland, Italien, Japan, Ungarn, Schweden, Norwegen, Polen,
Jugoslawien, Frankreich, Tschechoslowakei, Vereinigte Staaten, Mexico.
Die Gründungssitzung des IBR – zugleich die erste Plenarsitzung, die am 17.10.1923
stattfand, bestätigte bei 47 anwesenden Mitgliedern die Zusammensetzung des Rates und
seines Präsidiums in der bekannten Form, das aus 52 Mitgliedern bestand:

Smirnov (Sowjetunion), Odynec (Sowjetunion), Kušinov (Burjato-Mongolien), Anvarov (Turkestan),
Transkaukasien (ein Vertreter), Kaukasus (ein Vertreter), Baschkirien (ein Vertreter), Kirgisien (ein Vertreter), Tatarenrepublik (ein Vertreter), Jakutien (ein Vertreter), Weißrußland (ein Vertreter), Tschuwaschengebiet (ein Vertreter), Syrjaner (ein Vertreter), Mari (ein Vertreter), Votjakisches Gebiet (ein Vertreter), Iliev (Bulgarien), Tocev (Bulgarien), Popov (Bulgarien), Michailov (Bulgarien), Petkov (Bulgarien), Gorov (Bulgarien), Vazeilles (Frankreich), Renaud Jean (Frankreich), Alexandre Auguin (Frankreich), Pierre Verdier (Frankreich), Green (Vereinigte Staaten), War (Vereinigte Staaten), Walker (Vereinigte Staaten), Smith (Vereinigte Staaten), Volsit (Lettland), Ranta (Finnland), Holm (Estland)
Hayashi (Japan), Sen Katayama (Japan), Kio Hato (Japan), Ko Sunaga (Japan), Ai Quoc (Ps. Ho Chi Minh, Indochina), Sciurano (Brasilien), Bürgi (Deutschland), Kübler (Deutschland), Gessler (Deutschland), Bischoff (Deutschland), Moll (Deutschland), Galván (Mexico), Licono (Mexico), Petraitis (Litauen), Dąbal (Polen), Wasilkow (Polen), Rydlo (Tschechoslowakei), Czech (Tschechoslowakei).

Auf Vorschlag von Vazeilles wurde A. P. Smirnov (Sowjetunion) zum Generalsekretär ernannt

[ 1923 gehörte Smirnov zu denen, die die Erklärung von 46 unterschrieben. 1926 bildete Smirnow zusammen mit Timofei Sapronow die "Gruppe der 15", die sich der von Trotzki, Grigorij Sinowjew und Lew Kamenew geführten Vereinigten Opposition anschloss. Sie wurden auf dem 15. Parteitag im Dezember 1927 zusammen mit dem Rest der Vereinigten Opposition aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Am 26. Mai 1937 wurde Smirnov zum Tode verurteilt]

Dąbal wurde zum Generalsekretär-Stellvertreter ernannt. Am 21. August 1937 wurde er - ebenso wie Smirno - vom Militärkollegium des Obersten Gerichtshofs der UdSSR wegen "Beteiligung an einer Spionage- und Subversivierungsorganisation" zum Tode verurteilt. Organisationssekretär (als technischer Sekretär) wurde der von der Russischen Delegation vorgeschlagene Krasnij.

Das Generalsekretariat wurde beauftragt, ein . Internationales Bauerninformationsbüro
aufzubauen. Darüber hinaus sollte zur Erforschung ökonomischer und agrarwirtschaftlicher
Probleme und Organisationen ein internationales Agrarinstitut gegründet werden.

Die Gründung einer eigenständigen Bauerninternationale als Massenorganisation der
Komintern sollte zugleich dem Zweck dienen, entweder eigenständige Bauernorganisationen
in allen Ländern zu bilden und/oder sich dort mit den bestehenden Bauernbewegungen und -parteien zu verbinden.

Die Gründung einer Bauerninternationale 1923 war darüber hinaus eine Reaktion auf die 1921 in Prag erfolgte Gründung des anti-kommunistischen Internationalen Agrarbüros, einer "Grünen Internationale" von Gutsbesitzern und Vertretern national-bürgerlicher Bauernparteien.

Die Bezeichnungen Bauerninternationale und Internationaler Bauernrat
wurden häufig als Synonyme benutzt. Dagegen wurde die russische Abkürzung Krestintern weniger in anderen Sprachen benutzt, im deutschen Sprachgebrauch: Rote Bauerninternationale.

Die Bildung internationaler Arbeiter- und Soldatenräte sollte mit der Bildung internationaler Bauernräte verbunden werden.

Seitens der Komintern war seit Frühjahr 1924 Isaak R. Kornbljum offizieller Vertreter des EKKI im Präsidium des I.B.R.

Im auf der ersten Plenarsitzung des
IBR 1923 gewählten und noch 1925 in der gleichen Zusammensetzung überlieferten Präsidium saßen weiterhin Smirnov (Sowjetunion), M. Gorov (Ps., d.i. I. Ormanov) (Bulgarien), Rydlo (Tschechoslowakei), Vazeilles (Frankreich), Buergi (Deutschland), Nguen Ai Quoc (Ps. Ho Chi Minh, Indochina), Hayashi (Japan), Galván (Mexico), Gerro (Skandinavien, auch Herro oder Herau), Green (USA) und Sen Hayashi (Japan).

Nach dem V. Weltkongreß der Komintern im Sommer 1924 waren Kolarov und Boskovic (Ps. von Filip Filipovic) Vertreter des EKKI im I.B.R. Außerdem delegierte das EKKI üblicherweise
noch 2–3 Vertreter zur verantwortlichen Arbeit in den IBR.

Im Dezember 1926 entschied das
Präsidium des EKKI, neben Boskovic noch Nikolaj Meščerjakov und Kullervo Manner – der dort bereits als permanenter Orgsekretär eingesetzt war – zur ständigen Arbeit in den IBR zu
entsenden.

Im Februar 1927 schließlich wurden eine Reihe IBR-Angehöriger auch Mitglieder der beim EKKI neu geschaffenen Agrarkommission, die als Teil der
Kommunistischen Fraktion (Komfraktion) im IBR arbeitete und so den Transmissionsriemen seitens der Komintern bzw. der sowjetischen Bauernpolitik bildete.

Auf dem VI. EKKI-Plenum (1926) wurde die Bauernfrage im Rahmen der Problematik der "Massenorganisationen" diskutiert, und zwar unter dem besonderen Aspekt der "Bauernmassenorganisationen".

Anläßlich der Kampagne zum 1. Mai wurde von der Agitprop-Abteilung ein besonderes Rundschreiben herausgegeben, das die Notwendigkeit der Integrierung der Bauern und Landarbeiter aufzeigte.

Vertreter der Bauern-Internationale nahmen an der 2. Orgkonferenz des EKKI (10.–17.2.1926) teil, ebenso an der 3. Internationalen Frauenkonferenz (29.5.1926), wo Dąbal im Rahmen eines eigenen Tagesordnungspunktes über die Arbeit unter den Bäuerinnen referierte.
Die Zweite Internationale Bauernkonferenz des IBR fand 1927 statt.

Trotz des Beschlusses aus dem Jahre 1923, zweijährlich einen internationalen Kongreß
einzuberufen, fand die erste internationale Zusammenkunft – als "Zweite Internationale
Bauernkonferenz" – erst wieder im November 1927 statt. Zugleich war sie die letzte ihrer Art.
Auf der "Internationale Bauernberatung“ waren 46 Delegierte aus 11 Ländern vertreten, darunter zahlreiche parteilose Bauernvertreter, die aus Anlaß der Feiern zum zehnjährigen Jubiläum der
Oktoberrevolution nach Moskau gekommen waren.

Das Präsidium der Konferenz setzte sich aus den folgenden Delegierten zusammen:

Cousté (Frankreich), Rudloff (Deutschland), Sladecek (Tschechoslowakei), Almgren (Schweden), José Guadalupe Rodriguez (Mexico), Meščerjakov (Sowjetunion, Ps.: N. Orlov, als Vertreter der Landgenossenschaften), Dąbal (Bauerninternationale), Franz David (Österreich, zugl. Sekretär der Konferenz). Unter den Delegierten waren u.a.: Meronen (Finnland),
Heckermann (Deutschland), Ring (Polen), Delbos (Frankreich), Giuseppe Di Vittorio (Italien),
Goomedy (für den "Negerkongreß“, Südafrika), Fleck (Tschechoslowakei), Lieng (Norwegen), [Ernst] Pütz, der Vorsitzende der KPD-Organisation des „Bundes Schaffender Landwirte“ (Deutschland) und Dupuy (Frankreich). Einziger Tagesordnungpunkt war ein Referat von Dąbal über "Die Lage der Bauernschaft und die wichtigsten Aufgaben der internationalen Bauernbewegung". (Internationale Bauernberatung. Stenogramm und Beschlüsse, Moskau, November 1927)

Der neue internationale Kongreß war ein machtvolles Instrument gegen einen neuen imperialistischen Krieg. Gleichzeitig wurden von den Delegierten Vorschläge vorgetragen zur Wiederbelebung der Bauerninternationale. Zu diesen Vorschlägen gehörten die Einberufung regionaler und fachspezifischer
Bauernkonferenzen, die Einberufung einer Bauernkonferenz der lateinischen Länder, die
Entsendung von Delegierten der Bauerninternationale in die verschiedenen Weltregionen, besonders in die halbkolonialen Länder und Lateinamerika, die Eröffnung von
Regionalsekretariaten in diesen Ländern und Nordamerika, die Herausgabe eines
Zentralorgans der Bauerninternationale in mehreren Sprachen, die Einberufung eines
Bauernfriedenskongresses und schließlich die Vorbereitung weiterer Bauerndelegationen in
die Sowjetunion.

Die aus dieser Phase bisher verfügbaren internen Rundschreiben des IBR dienten zumeist der Information über den Stand der Bauernbewegung in den verschiedenen Ländern über "Kurze Mitteilungen" des Informbüros des IBR, von denen bis Ende 1925 etwa 17 Ausgaben an die Zentralkomitees der kommunistischen Parteien verschickt wurden.

Mehrere Rundschreiben berichten über besondere Fälle von Unterdrückung und Massenrepressionen
gegen die Bauernbewegungen und fordern zur Durchführung von Solidaritätskampagnen auf.

Auf der II. Internationalen Konferenz wurden Smirnov als Generalsekretär sowie Dąbal
zum Stellvertreter und Gorov zum Orgsekretär gewählt. Als Orgsekretär des I.B.R.
unterzeichnet Orlov (8.5.1925); Hevesi zeichnet für das Bulletin verantwortlich (12.5.1925),
Dąbal als Stellvertreter des Generalsekretärs (19.5.1925), Palm als Stellvertreter des
Orgsekretärs (24.6.1925).

Wenig später, im März 1928, wurde Smirnov (möglicherweise wegen seiner Kollaboration mit Bucharin, der die Konterrevolution gegen die Kollektivierung mit angeführt hatte) seines Amtes enthoben und durch Teodorovič ersetzt, der wiederum im Oktober 1930 durch Kolarov ersetzt wurde.
1928/1929 kam es zu einem Skandal mit dem mexikanischen Vertreter des Internationalen Bauernrats, Bauernführer Ursulo Galván. Galván war seit 1923 Präsident der 'Liga de Comunidades Agrarias', dann Organisator der Mexikanischen
Bauernliga (Liga Nacional Campesina) mit über 300.000 Mitgliedern in 16 der 29 föderalen
Staaten. Als langjähriges Mitglied der Bauerninternationale war er zeitweise auch Mitglied der KP Mexikos, von der er sich trennte, nachdem er wegen seiner engen Kontakte
auf Regierungsebene mit dem Gouverneur von Veracruz scharf kritisiert wurde. Der
seinerzeitige Lateinamerika-Verantwortliche der Komintern, der Schweizer Jules Humbert-Droz, hatte die KP Mexikos und die Komintern unter Hinweis auf Galván vor dem Eindringen "bäuerlicher Ideologie" gewarnt.

Im Vorfeld des VI. Weltkongresses (1928) arbeitete die Kommission unter dem verantwortlichen
Leiter Isaak Kornbljum und dessen Stellvertreter Hermann Remmele (der zugleich zweiter Vertreter der KPD war) und F. Petrov (Ps. von Fedor Raskol’nikov) (bzw. Vladimir I. Rajt als sein Stellvertreter). Außerdem gehörten Nikolaj A. Miljutin, Nadežda N. Kricman, Maggi (Ps. von Egidio Gennari), Jean Crémet (alternativ Albert Treint), Duncan (Ps. von Robert Minor), Joseph Haken, Tan Ping-shan, Manner, Dąbal, Meščerjakov, Sergej M. Dubrovskij, ein Vertreter der KP Bulgariens sowie Raden Darsono der Kommission an.

Für den 28. September 1928 werden Remmele, Kolarov sowie Manner oder Kornbljum als Mitglieder der Agrarkommission angegeben.

Im Zuge der Kollektivierung der Landiwrtschaft wurde innerhalb des Kominternapparats eine neue Struktur zur Bauernarbeit geschaffen. Auf Beschluß des Präsidiums des EKKI wurde 1931 eine
dreiköpfige "Abteilung zur Arbeit auf dem Dorf" konstituiert. Zwei ihrer Mitglieder sind bekannt: Leiter war Kolarov, sein Stellvertreter Petr P. Krastyn'.

Hauptaufgabe der Abteilung war die Unterstützung der kommunistischen Parteien bei der Ausarbeitung von Fragen der Agrarpolitik und von Agrarprogrammen (oder -Plattformen). Auf Initiative der Abteilung fand eine Tagung zur Agrarfrage statt.

Das Europäische Sekretariat des IBR in Berlin organisierte einen internationalen europäischen
Bauernkongresses in Berlin (27.-30.3.1930), der seit 1929 durch ein ebenfalls in Berlin ansässiges Initiativkomitee sowie durch das Westeuropäische Büro der Komintern vorbereitet wurde, auf das Dimitroff maßgeblich revisionistischen Einfluss nahm.

Es waren auf dem Kongreß 82 Delegierte aus 18 Ländern vertreten. Beschlossen wurde die Konstituierung eines Europäischen Bauernkomitees mit 27 Mitgliedern, nebst einem aus vier Mitgliedern bestehenden Büro.

Konkretes Ergebnis war die Ausarbeitung von
Bauernhilfsprogrammen durch die kommunistischen Parteien.

1929 wurden Smirnov und Dąbal von der Krestintern abgezogen.

In der Komintern arbeitete die "Abteilung zur Arbeit auf dem Dorf" weiter, die die Verbindungen zum 1930 geschaffenen Europäischen Bauernrat sowie über die jeweiligen kommunistischen Parteien zu den Bauernräten in den unterschiedlichen Ländern unterhielt.

1932 fand zwar noch ein zweiter europäischer Bauernkongreß statt, doch hatte die entstehende rechte Führung in der Komintern die revolutionäre Organisierung der Bauernschaft bereits aufgegeben.

Der IBR wirkte noch bis Anfang der dreißiger Jahre, und bestand nur offiziell noch bis 1939.

Nach dem VII. Weltkongreß im Jahre 1935 wurde die Rote Bauerninternationale liquidiert ebenso wie alle anderen Massenorganisationen der Komintern.

Von Anfang an war der Wurm drin in der Roten Bauerninternationale, denn wir dürfen nicht vergessen, dass zuerst Sinowjew, dann Bucharin, Kolarov (verantwortlich für die Auflösung der RBI und Mitunterzeichner der Auflösung der Komintern) und schließlich Dimitroff negativen Einfluss genommen hatten. Nur Kolarov und Dimitroff wurden für ihre Verbrechen am Weltproletariat und den revolutionären Bauern nicht bestraft.

Einige Führer der Roten Bauerninternationale wurden in den Moskauer Prozessen für ihre Verbrechen zum Tode verurteilt. Andere Führer sind offen zum konterrevolutionären Lager übergelaufen.

Daraus müssen wir unbedingt Lehren ziehen, damit sich solche Fehler beim Wiederaufbau der Roten Bauerninternationale nicht widerholen.

Wir müssen beim Wiederaufbau der Roten Bauerninternationale den Lehren der 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus treu bleiben und sie unter ihrem Banner zum Sieg führen.

 

 

17. April:

Internationaler Tag des Bauernkampfes - Direkte Aktionen, kulturelle Aktivitäten, Konferenzen, Filmvorführungen, Gemeinschaftsdebatten und Kundgebungen werden von einer Vielzahl von Gruppen, Gemeinschaften oder Organisationen organisiert.



10. September:

Internationaler Kampftag gegen die WTO - In Erinnerung an Herrn Lee Kyun Hae, einen südkoreanischen Bauern, der sich 2003 bei einem Massenprotest gegen die WTO in Cancun, Mexiko, geopfert hat. Er hielt ein Transparent mit der Aufschrift "WTO kills Landwirte".

 

16. Oktober:

Internationaler Aktionstag für die Ernährungssouveränität der Völker und gegen transnationale Unternehmen - Direkte Aktionen, Aktivitäten in der ganzen Welt zur Verteidigung der Ernährungssouveränität und für die Rechte der Bauern.

3. Dezember:

Global No Pesticides Use Day - wo die Bewegung solidarisch mit dem Kampf gegen Agrotoxik und Chemikalien steht, die zunehmend von Agrarunternehmen vorangetrieben werden.

 

 

Sind wir gegen Globalisierung der Landwirtschaft

oder für Globalisierung der Landwirtschaft?

 

Wir sind gegen den globalisierten Kapitalismus, aber ganz klar und absolut für den globalisierten Sozialismus.

Wir sind gegen die globalisierten Agrarkonzerne, aber ganz klar und absolut r Weltsowchosen und Weltkolchosen, für eine globalisierte sozialistische Landwirtschaft, für die Industrialisierung der Landwirtschaft im Interesse der Versorgung der Weltbevölkerung, im Interesse des Weltschutzes der Natur.

Unser anti-kapitalistischer Kampf im Bündnis mit den armen Bauern erschöpft sich dabei nicht in der Bekämpfung der globalisierten Ausformungen oder der extremsten internationalen Auswüchse des Agrarkapitalismus.

Wir wollen die Agrarrevolution nicht nur im eigenen Land, sondern kämpfen darüber hinaus für eine weltweite Agrarrevolution!

Wir sind Weltrevolutionäre und keine Weltreformisten !

Wir kämpfen für die revolutionäre Zerschlagung des Agrarkapitalismus und nicht für seine Reformierung – weder auf globaler noch auf nationaler Ebene !

Wir kämpfen gegen jegliche Form und Erscheinung des Agrarkapitalismus. Wir kämpfen gegen jedes agrarkapitalistische Ausbeuter- und Unterdrückersystem und zwar uneingeschränkt, bedingungslos, prinzipienfest und universell. Globalisierter und nationaler Agrarkapitalismus bedingen einander. Der arme Bauer kann sich nicht auf die eine oder andere Seite stellen, um sich die eine oder andere Seite vom Hals zu schaffen. Wir müssen dem armen Bauern sagen, dass er mit dem Weltproletariat gemeinsam gegen beide Seiten kämpfen muss, sowohl gegen den globalisierten als auch gegen den nationalen Agrarkapitalismus.

Die armen Bauern dürfen sich nicht unter den nationalen agrarkapitalistischen Schirm stellen, um sich gegen die globalen agrarkapitalistischen Interessen zu „schützen“, und auch nicht umgekehrt. Die armen Bauern benutzen ihren eigenen Schirm, müssen mit den Arbeitern die Weltmacht erobern, wenn sie ihre Interessen durchsetzen wollen!

Ja – wir sind gegen die Globalisierung der privaten Aneignung der Produktionsmittel in der Landwirtschaft, gegen die globalisierten agrarkapitalistischen Produktionsverhältnisse, sind gegen die globalisierte Lohnsklaverei der armen Bauern, gegen die globalisierte Verelendung der armen Bauern auf der ganzen Welt. Wir kämpfen überhaupt gegen das gesamte globalisierte kapitalistische Ausbeuter- und Herrschaftssystem - im Interesse des Weltproletariats, im Interesse der armen Bauern und im Interesse aller Werktätigen der Welt.

Wir müssen den Bauern in Deutschland klar machen, dass sie sich in die Kampffront aller armen Bauern und Landarbeiter der ganzen Welt einreihen müssen, dass ein deutscher Milchbauer mit den Milchbauern in Afrika beispielsweise solidarisieren muss im gemeinsamen Kampf gegen die europäische Verbrecherbande der Milchkonzerne, um mal konkret zu werden.

So wie die armen Bauern ihre nationalen Ketten des Agrarkapitalismus sprengen müssen, so müssen sie auch gemeinsam ihre globalisierten Ketten sprengen, denn das Ziel der armen Bauern heißt, Beseitigung der Unvermeidbarkeit jeglicher Ketten, an die das Agrarkapital die arme Bauernschaft gefesselt hat. Das größte Übel ist also die Unvermeidbarkeit der agrarkapitalistischen Ketten in einer weltkapitalistischen Landwirtschaft wie wir sie heute vorfinden. Diese Unvermeidbarkeit wird gesprengt durch die Zerschlagung des Agrarkapitalismus und den Aufbau der sozialistischen Landwirtschaft im Weltmaßstab. Und durch nichts Anderes !

Aber das ist noch längst nicht alles.

Als Stalinisten-Hoxhaisten unterscheiden wir uns grundsätzlich von allen anderen Globalisierungsgegnern vor allem dadurch, dass wir gegen die Unvermeidbarkeit der globalisierten kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung kämpfen. Wir sind nicht nur für die Beseitigung des gegenwärtigen globalisierten Kapitalismus, sondern überhaupt für die endgültige Beseitigung des Kapitalismus. Das ist ein wesentlicher und großer Unterschied.

Wir geben uns nicht damit zufrieden, die gegenwärtige Globalisierung des Kapitalismus zu bekämpfen und wir dulden auch keine anderen Formen des Kapitalismus anstelle seiner globalisierten Form. Nur wenn der arme Bauer zusammen mit den Arbeitern für den Weltsozialismus kämpft, kann die Unvermeidbarkeit des Agrarkapitalismus beseitigt werden.

Die Globalisierung dient dem Zusammenwachsen, der Verschmelzung der armen Bauernschaft mit der Arbeiterklasse aller Nationen, der Schaffung der klassenlosen , kommunistischen Weltgesellschaft. Wertkommunismus heißt auch:Abschaffung der Bauernschaft als Klasse.

Wir Kommunisten haben uns stets und immer wieder allen Versuchen widersetzt, den Gang der ökonomischen Entwicklung in der Landwirtschaftzu hemmen . Das entspricht dem ABC des Marxismus-Leninismus.

Die Komintern(SH) wird also die globalisierte Entwicklung der Landwirtschaft weder hemmen wollen, selbst wenn sie es denn könnte. Die Globalisierung schafft schließlich die objektiven, materiellen Bedingungen für die Weltbewegung der armen Bauern, die agrarkapitalistische Globalisierung in die sozialistische Globalisierung umzuwälzen. Wir kämpfen für die sozialistischen Produktionsverhältnisse der globalen Produktionsweise der Landwirtschaft, für die Beseitigung der globalisierten agrarkapitalistischen Produktionsverhältnisse, nicht gegen die Globalisierung der Landwirtschaft an sich, nicht gegen die globale Industrialisierung der Landwirtschaft.

Die Globalisierung der Gesellschaft ist ein objektives Entwicklungsgesetz, dem wir Kommunisten uns nicht entgegenstellen, sondern wir bringen den revolutionären Kampf der armen Bauern mit diesem Entwicklungsgesetz in Übereinstimmung.

Die Agrarkapitalisten schufen die Globalisierung, um nicht unter zugehen, aber indem sie die Globalisierung schufen, werden die Agrarkapitalisten untergehen. Nicht die Globalisierung der Landwirtschaft, sondern der globalisierte Agrarapitalismus wird untergehen.

Die arme Bauernschaft befreit sich vom globalisierten AGRARKAPITALISMUS, indem es die GLOBALISIERUNG der Landwirtschaft aus den Fesseln des Agrarkapitalismus befreit durch die sozialistische Globalisierung der Landwirtschaft. Das Proletariat stellt gemeinsam mit der armen Bauernschaft die revolutionäre Kraft der globalisierten Produktionsweise in den Dienst der Weltproduzenten, in den Dienst des Weltsozialismus, indem es sich und die armen Bauern zum Herren der Globalisierung macht.

Also:

Wer gegen den globalisierten Agrarkapitalismus kämpft, der steht auf unserer Seite, wer aber generell gegen die GLOBALISIERUNG der Landwirtschaft an sich kämpft, also nicht den weltproletarischen Charakter der Globalisierung anerkennt, der ist ein Gegner des Weltkommunismus und steht auf der anderen Seite der Barrikade.

Der Stalinismus-Hoxhaismus ist die Lehre vom Ausnutzen der Globalisierung als eine der größten Triebkräfte für den Übergang zum Weltsozialismus, insbesondere auf dem Gebiet der Landwirtschaft.

Die Losung: "Globalisierung oder Sozialismus?" ist daher eine anti-marxistische, neo-revisionistische, kleinbürgerliche Losung.

" Kommunistische Globalisierung gegen kapitalistische Globalisierung !"

Das ist UNSERE Komintern -Losung.

Die Globalisierung der Landwirtschaft ist ein objektiver Prozess der gesellschaftlichen Weltentwicklung, den der herannahende Weltsozialismus und der nicht mehr all zu ferne Weltkommunismus meisterhaft auszunutzen verstehen wird im Interesse aller armen Bauern.

Wir sind also nur insofern (!!!) für die Globalisierung der Landwirtschaft, als dies dem Ziel der revolutionären Befreiung der armen Bauern vom Agrarkapitalismus, also letztlich dem Kommunismus dient. Von dieser korrekten stalinistisch-hoxhaistischen Linie gegenüber der Globalisierung hängen Sieg und Niederlage der sozialistischen Weltrevolution ab, so dass unsere klare Position zu dieser Frage nur lauten kann:

"Arbeiter und arme Bauern sind die Totengräber der Agrarapitalisten und nicht der Doktor an ihrem Sterbebett!"

 

 

Dieses Symbol ist ursprünglich einem Plakatauszug von 1919 entnommen zum Ruhm der Roten Armee

 

 

 

 

Weltdekret

über Grund und Boden

- Grundlage des Agrarprogramms der Komintern (SH)

beschlossen von der Komintern (SH)

am 18. Januar 2018

 

Wilhelm Liebknecht

 

Die Grund- und Bodenfrage

Vortrag, gehalten im Saal des Schützenhauses zu Meerane am 11. März 1870

 

 

 

Die Agrarfrage in der deutschen Sozialdemokratie

von Karl Marx bis zum Breslauer Parteitag

 

 

 

 

 

 

 

STATUT

DER BAUERNINTERNATIONALE DER KOMINTERN

(Hauptziele)

1.

Förderung des Kampfes für die Befreiung der Bauernschaft der ganzen Welt vom Jahrhundert alten Joch und der Unterdrückung durch die Großgrundbesitzer und Kapitalisten"

 

2.

Interessenschutz der breitesten werktätigen Bauernmassen der ganzen Welt und die Hebung der bäuerlichen Wirtschaft

 

3.

Herstellung und Festigung engster Verbindung zwischen genossenschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bauernorganisationen aller Länder.

 

4.

Zusammenschluss von Dorf und Stadt, das Bündnis der Bauern und der Arbeiterklasse, national wie international, zur gemeinsamen Arbeit und zum gemeinsamen Kampfe gegen die Großgrundbesitzer und Kapitalisten

 

5.

Herstellung brüderlicher Beziehungen zu all denjenigen Arbeiterorganisationen der Welt, die das Programm und die Tätigkeit des IBR unterstützen.

 

6.

Zusammenfassung aller bäuerlichen Organisationen und Strömungen zur Verwirklichung von "Arbeiter- und Bauernregierungen" in allen Ländern.

 

Kongresse und Konferenzen

der Roten Bauerninternationale:


1. Internationaler Bauernkongreß, Moskau, 10.-16.10.1923.


1. Plenarsitzung (Plenum) des IBR, Moskau, 17.10.1923.


2. Plenarsitzung (Plenum) des IBR, Moskau, 9.-14.4.1925.


Internationale Bauernberatung, Moskau, November 1927.


1. Europäischer Bauernkongreß, Berlin, 27.-30.3.1930.


2. Europäischer Bauernkongreß, [Amsterdam, 1932].

 

Presse- und Publikationsorgane der Roten Bauerninternationale:


• Krest’janskij Internacional, Organ meždunarodnogo krest'janskogo Soveta, Moskau.
• Meždunarodnyj Krest’janskij Bjulleten’, Moskau.
• Internationale Bauernnachrichten, Berlin.
• Der Weltbund der Bauern. Mitteilungsorgan des Internationalen Bauernrates, Berlin I
(1924)-II (1925).
• Internationaler Bauern-Korrespondent, Berlin 1927-1928.

 

"Die Bauerninternationale"

Zentralorgan der Bauerninternationale

Erstes Heft

 

Internationaler Bauernrat Moskau (Hg.)

 

 

186 S. Gr.8°, Priv.Ln. Der erste Internationale Bauernkongress tagte vom 10. bis zum 16. Oktober 1923 in Moskau.

Mit einem Begrüßungswort von Michail I. Kalinin (1875-1946), dem Vorsitzenden des Zentralvollzugsausschusses der Union Sozialistischer Sowjetrepubliken, zum Erscheinen der ersten Zeitschrift der Bauerninternationale.

Aus dem Inhalt:

A. Smirnow: Die internationale Bauernbewegung und die Erfahrungen der russischen Revolution.

E. Varga: Bauerntum und Kommunistische Internationale.

W.P. Kolarow: Der bewaffnete Aufstand in Bulgarien.

Tschun-Te-Lei:

Die Bauernschaft und die revolutionäre Bewegung in China.

Thomas Dombal:

Die Bauerninternationale.

Im letztgenannten Beitrag des polnischen Präsidiumsmitglieds des Internationalen Bauern-Rates heisst es u.a. zur Ausgestaltung des Arbeiter- und Bauernbündnisses: Der ersten internationalen Bauernorganisation, die sich die Verwirklichung des Arbeiter- und Bauernbündnisses in internationalem Maßstabe und den Kampf für die Weltunion der Arbeiter- und Bauernrepubliken zum Hauptziel gesetzt hat, harrt eine große und schöne Zukunft.

Die weitere Entwicklung der Bauerninternationale wird zur Schaffung einer machtvollen Kraft in der internationalen Bewegung der schaffenden Massen führen, die nicht nur die Bauern befreien, sondern auch die Geschichte der Menschheit in neue Bahnen lenken wird.

Die erste internationale Bauernorganisation ist die aufsteigende Morgenröte der neuen Arbeiter- und Bauernära.

 

 

 

 

 

 

 

Bauernhilfsprogramm der KPD

Ein historisches Dokument im Dienst der Volksrevolution
Arbeiter und Bauern im gemeinsamen Kampf gegen die Volksfeinde!

ERNST THÄLMANN

22. 5. 1931

Auf der Tagung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei am 14. und 15. Mai, sowie in seiner Rede am Vorabend der Wahlen in Oldenburg hat der Führer der deutschen Kommunisten, Genosse Ernst Thälmann, das wegweisende KPD-Programm der Hilfe für die werktätigen Bauern der Öffentlichkeit übergeben. Die Kommunistische Partei ruft die Arbeiter, Angestellten, die unteren Beamten und Kleingewerbetreibenden auf, den Kampf der leidenden Bauernmillionen um ihre nackte Existenz, gegen Pfändungen und Zwangsversteigerungen, zu unterstützen.

Das Bauernhilfsprogramm der KPD setzt klar die Linie des sozialen und nationalen Freiheitsprogramms vom August 1930 fort. Dieses historische Dokument muß in alle Dörfer, auf das ganze flache Land getragen werden. Überall müssen sich die Arbeiter der Stadt mit dem Landproletariat und der werktätigen Bauernschaft verbünden und ihnen beweisen, daß die Kommunistische Partei allein für die Rettung der hungernden Bauernmassen gegen die Hungeraktion der Volksfeinde kämpft.

 

Hilfe für die unterdrückten Bauern

Die Schulden der kleinen und mittleren Bauern, Winzer, Gemüsebauern und Kleinfischer betragen mindestens 5 Milliarden Mark!

Wir verlangen Niederschlagung dieser Schuldenlast!

Die Schuldenzinsen der werktätigen Bauern an die Banken und Geldwucherer betragen jährlich mindestens 500 Millionen Mark!

Weg mit diesem Tribut an das Finanzkapital!

Die direkten Steuern der kleinen Bauern betragen mindestens 150 Millionen Mark jährlich!

Wir fordern Aufhebung dieser Steuerlast und Herabsetzung der Steuern für die Mittelbauern!

Die indirekten Steuern, die den werktätigen Bauer beim Kauf von Produkten stark belasten und durch Verteuerung der Lebenskosten der städtischen Massen den Absatz der Produkte der Bauernwirtschaft stark einschränken, eine Hauptursache der großen Preisspanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen sind, betragen rund 5 Milliarden Mark!

Wir fordern Aufhebung der indirekten Steuern!

Die Pachtlasten der werktätigen Bauern betragen jährlich mindestens 400 Millionen Mark.

Wir fordern Aufhebung dieses Tributs an die Großgrundbesitzer!

18000 landwirtschaftliche Großbetriebe verfügen in Deutschland über 5,2 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche (ungerechnet Forstbesitz).

Wir fordern entschädigungslose Enteignung des Großgrundbesitzes und unentgeltliche Bereitstellung von Land für die landarmen Bauern und Bauernsöhne!

2,5 Milliarden Mark gibt die Brüningregierung für sogenannte „Osthilfe“ den ostelbischen Junkern, Großbauern und Bankherren.

Wir fordern staatliche Beihilfe für die werktätigen Bauern, Bereitstellung der 2,5 Milliarden Osthilfemittel ausschließlich für die Werktätigen!

Die Futtermittel- und Industriezollpolitik der Brüning-Schiele-Pegierung erhöhen die Produktionskosten der bäuerlichen Wirtschaft um etwa 40 Prozent. Die Getreidezölle verteuern die Lebenshaltung der auf Zukauf von Brotgetreide angewiesenen Kleinbauern, schränken die Konsumkraft der Massen und damit die Absatzmöglichkeit für die Produkte der Bauernwirtschaft enorm ein.

Wir fordern Aufhebung der volksfeindlichen Zölle!

Hunderttausende kleine Bauern, Bauernsöhne und Töchter haben durch Massenarbeitslosigkeit den zur Erhaltung der bäuerlichen Existenz notwendigen Verdienst aus Lohnarbeit verloren. Die Massenarbeitslosigkeit und Kurzarbeit in Deutschland bedeutet allein eine Verminderung des Masseneinkommens und der Konsumkraft um 5 Milliarden Mark jährlich. Wiederherstellung dieser Konsumkraft bedeutet Erweiterung des Absatzmarktes für landwirtschaftliche Produkte um 40 Prozent des Gesamtwertes der deutschen landwirtschaftlichen Produktion. Das von der Kommunistischen Partei aufgestellte Programm zur Arbeitsbeschaffung durch Arbeitszeitverkürzung auf 40 Stunden in der Woche mit Lohnausgleich, Wohnungs- und Straßenbau, Flußregulierung usw. ermöglicht Arbeit für alle Arbeitslosen und Hebung der Massenkonsumkraft.

Wir fordern beschleunigte Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms der KPD!

Durch Gesetze und Verordnungen haben der Reichstag und die Regierung bestimmt, daß Zehntausende der von Arbeitslosigkeit Betroffenen, auf Lohnarbeit angewiesenen Kleinbauern, Bauernjugend, wie auch die Kleinfischer, keine Arbeitslosenunterstützung erhalten, damit der Ruin ihrer kleinen Wirtschaft beschleunigt wird.

Wir fordern volle Unterstützung für die ganze Dauer der Arbeitslosigkeit, auch für die von Arbeitslosigkeit betroffenen kleinen Bauern, die Bauernjugend Kleinfischer!

Die Belastung durch Altenteile, zur wohlerworbenen Sicherung des Lebensabends der alten Bauern und Bäuerinnen, ist für hunderttausende bäuerliche Betriebe untragbar geworden. Ausgaben für erkrankte Familienmitglieder (Arzt und Arzneikosten usw.) können größtenteils von den bäuerlichen Massen nicht mehr getragen werden. Altenteil und Krankenkosten belasten die bäuerlichen Wirtschaften mit mindestens 500 Millionen Mark jährlich.

Wir fordern staatliche Alters- und Krankenfürsorge für die Kleinbauernschaft, Winzer und Fischer!

Durch ihre faschistische Verordnung vom 27. März 1931 verfügte die Brüning-Schiele-Regierung zugunsten der Großagrarier die zwangsweise Einschränkung des Anbaues von Zuckerrüben um 30 bis 40 Prozent für die bäuerlichen Zuckerrübenpflanzer. Mit Hilfe des Reichsbranntweinmonopols verfügt die Regierung zugunsten der großen Brennereien eine unerhörte Einschränkung des Brennrechts der kleinbäuerlichen Brenner.

Wir fordern sofortige Aufhebung der Zuckerrüben-Kontigentierungs-Verordnung vom 27.3.1931 und Aufhebung der Beschränkung des Brennrechts der bäuerlichen Kleinbrenner!

Die Unternehmer fuhren eine unerhörte Offensive zum Abbau der Löhne der Arbeiter und Angestellten um 10 bis 30 Prozent. Die Durchführung dieses Lohnraubes würde eine Senkung der Massenkonsumkraft um weitere 4 bis 5 Milliarden Mark und damit weitere Einschränkung des Absatzmarktes für Agrarprodukte um etwa 30 bis 40 Prozent des Gesamtwertes der deutschen landwirtschaftlichen Produktion bedeuten, ferner auch Senkung des Einkommens der noch in Lohnarbeit stehenden Kleinbauern und der Bauernjugend. Unter Führung der Kommunistischen Partei und der RGO muß deshalb die werktätige Bauernschaft den Kampf des Proletariats unterstützen: Gegen jeden Pfennig Lohnabbau!

Rund 2 Milliarden Mark jährlich betragen die durch den Young-Plan festgelegten Reparationslasten, die die deutschen Kapitalisten voll und ganz aus den arbeitenden Massen herauspressen.

Wir fordern Einstellung der Reparationszahlungen!

Die Bourgeoisie schwätzt von Erleichterungen und Beseitigung der Reparationslasten, denkt dabei aber nur an die Geldsäcke der Reichen und die Erhöhung ihrer Profite.

Ihre Losung ist: Den Reichen geben und den Armen stehlen!

Darum werden alle diese Kampfforderungen zur Hilfe der werktätigen Bauernschaft von dieser Kapitalistenregierung mißachtet und auf das entschiedenste bekämpft.

Das werktätige Landvolk muß sich unter Führung der Kommunistischen Partei für diese Bauernforderungen einsetzen und im festen Bündnis mit dem Industrieproletariat für die Durchführung dieser Forderungen überall kämpfen. Die einzige Garantie für die siegreiche Durchführung der Forderungen ist der gemeinsame Kampf für den Sturz der kapitalistischen Herrschaft, für die Errichtung der Arbeiter- und Bauernregierung, das heißt für ein freies sozialistisches Sowjetdeutschland!

 

Die Rote Fahne,
22.5.1931

 

 

 

 

Die 5 Klassiker des Marxismus-Leninismus über die Agrarfrage

 

 

Friedrich Engels

Der deutsche Bauernkrieg

 

Friedrich Engels

Dialektik der Natur

 

 

Friedrich Engels

Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats

 

Friedrich Engels

Soziales aus Russland

1875

 

 

 

 

 

LENIN ÜBER DAS BÜNDNIS MIT DEN ARMEN BAUERN IN DER OKTOBERREVOLUTION

 

Über das Genossenschaftswesen

Januar 1923

 

 

 

 

STALIN 

Die Agrarfrage 

 

Zur Agrarfrage

 

 

 

STALIN

Über die nächsten Aufgaben der Partei auf dem Land

 

Über die Aufgaben der Partei auf dem Lande

 

Über "Dymowka"

 

Zur Frage der Proletariats und der Bauernschaft

gegen den Trotzkismus

 

 

Über das Aktiv des Kommunistischen Jugendverbandes auf dem Lande

1925

 

 

 

STALIN 

 

DIE POLITIK DER PARTEI AUF DEM LANDE

9. Mai 1925

 

 

 

STALIN 

FRAGEN UND ANTWORTEN

9. Juni 1925

Wie soll man den Kampf gegen das Kulakentum führen, ohne den Klassenkampf zu schüren?

Ich denke, dass diese Frage zu allgemein und darum falsch gestellt ist. Von welchem Klassenkampf ist hier die Rede? Wenn vom Klassenkampf auf dem Lande überhaupt die Rede ist, so wird er vom Proletariat nicht nur gegen die Kulaken geführt. Die Gegensätze zwischen dem Proletariat und der Bauernschaft als Ganzem - ist das nicht auch Klassenkampf, auch wenn er eine ziemlich ungewöhnliche Form hat? Stimmt es etwa nicht, dass das Proletariat und die Bauernschaft heute die beiden Hauptklassen unserer Gesellschaft bilden, dass es zwischen diesen Klassen Gegensätze gibt, die man allerdings lösen und letzten Endes überwinden kann, aber immerhin Gegensätze, die einen Kampf zwischen diesen beiden Klassen hervorrufen?

Ich denke, dass der Klassenkampf in unserem Lande, wenn man die Beziehungen zwischen Stadt und Land, zwischen Proletariat und Bauernschaft im Auge hat, drei Hauptfronten aufzuweisen hat:

a) die Front des Kampfes zwischen dem Proletariat als Ganzem (vertreten durch den Staat) und der Bauernschaft auf der Linie der Festsetzung von Höchstpreisen für Fabrikerzeugnisse und landwirtschaftliche Produkte, auf der Linie der Normalisierung des Steuerwesens usw.;

b) die Front des Kampfes zwischen dem Proletariat als Ganzem (vertreten durch den Staat) und dem Kulakentum auf der Linie der Ausmerzung der Spekulantenpreise für landwirtschaftliche Produkte, auf der Linie der Auferlegung der Hauptbürde der Steuerlast auf die Kulaken usw.;

c) die Front des Kampfes zwischen der Dorfarmut, vor allein den Landarbeitern, und dem Kulakentum.

Sie sehen, dass diese Fronten weder ihrem spezifischen Gewicht noch dem Charakter des an diesen Fronten vor sich gehenden Kampfes nach gleichartig sein können. Darum muss auch unser Verhältnis zu den Formen des Klassenkampfes an diesen Fronten verschieden, ungleich sein.

Betrachten wir die Sache etwas näher.

Die erste Front. Das Proletariat (vertreten durch den Staat) hat unter Berücksichtigung der Schwäche unserer Industrie und der Unmöglichkeit, Anleihen für sie zu bekommen, eine Reihe grundlegender Maßnahmen getroffen, um unsere Industrie vor der Konkurrenz der ausländischen Industrie zu schützen und ihre Entwicklung zum Nutzen unserer gesamten Volkswirtschaft, darunter auch der Landwirtschaft, zu beschleunigen. Diese Maßnahmen sind: Außenhandelsmonopol, landwirtschaftliche Steuer, staatliche Formen der Beschaffung landwirtschaftlicher Produkte, Einführung des Planprinzips bei der Entwicklung der gesamten Volkswirtschaft. Das alles wurde auf der Grundlage der Nationalisierung der maßgebenden Zweige der Industrie, des Verkehrs- und Kreditwesens durchgeführt. Sie wissen, dass diese Maßnahmen dazu geführt haben, wozu sie führen sollten, das heißt, sie haben sowohl dem unaufhaltsamen Fallen der Preise für Industrieerzeugnisse als auch dem unaufhaltsamen Steigen der Preise für Produkte der Landwirtschaft eine Grenze gesetzt. Anderseits ist klar, dass die Bauernschaft als Ganzes, insofern sie Industrieerzeugnisse kauft und die Produkte der eigenen Wirtschaft auf dem Markt absetzt, bestrebt ist, diese Erzeugnisse zu möglichst niedrigen Preisen zu erhalten und die eigenen Produkte zu möglichst hohen Preisen abzusetzen. Auch würde es die Bauernschaft gern sehen, wenn es gar keine landwirtschaftliche Steuer gäbe oder wenn sie wenigstens auf ein Minimum herabgesetzt würde.

Da haben wir schon den Boden für einen Kampf zwischen Proletariat und Bauernschaft.

Kann der Staat auf die oben angeführten grundlegenden Maßnahmen verzichten? Nein, das kann er nicht. Denn der Verzicht auf diese Maßnahmen würde im gegenwärtigen Augenblick die Zerschlagung unserer Industrie, die Zerschlagung des Proletariats als Klasse, die Verwandlung unseres Landes in eine Agrarkolonie der industriell entwickelten kapitalistischen Länder, den Zusammenbruch unserer ganzen Revolution zur Folge haben.

Ist die Bauernschaft als Ganzes an der Aufhebung dieser grundlegenden Maßnahmen unseres Staates interessiert? Nein, sie ist nicht daran interessiert. Denn die Aufhebung dieser Maßnahmen im gegebenen Augenblick würde den Triumph des kapitalistischen Entwicklungsweges bedeuten, der kapitalistische Entwicklungsweg aber ist der Weg der Verelendung der Mehrheit der Bauernschaft im Interesse der Bereicherung einer Handvoll Reicher, einer Handvoll Kapitalisten. Wer wird zu behaupten wagen, dass die Bauernschaft an ihrer eigenen Verelendung interessiert sei, dass sie an der Verwandlung unseres Landes in eine Kolonie interessiert sei, dass sie am Triumph des sozialistischen Entwicklungsweges unserer Volkswirtschaft nicht zutiefst interessiert sei?

Da haben wir schon den Boden für ein Bündnis zwischen Proletariat und Bauernschaft.

Bedeutet das, dass unsere Industrieorgane, gestützt auf das Monopol, die Preise für Industrieerzeugnisse heraufschrauben können zum Schaden der Interessen der Hauptmasse der Bauernschaft und zum Schaden der Industrie selber? Nein, das bedeutet es nicht. Eine solche Politik würde vor allem die Industrie selber schädigen, sie würde es unmöglich machen, unsere Industrie aus einer schwachen Treibhauspflanze, die sie gestern noch war, umzuwandeln in eine starke und machtvolle Industrie, die sie morgen werden soll. Daher unsere Kampagne für die Herabsetzung der Preise für Industrieerzeugnisse und für die Steigerung der Arbeitsproduktivität. Sie wissen, dass diese Kampagne einen ziemlich großen Erfolg zu verzeichnen hat.

Bedeutet das ferner, dass unsere Beschaffungsorgane, gestützt auf das Monopol, die Preise für landwirtschaftliche Produkte so weit herabsetzen können, dass sie den Ruin der Bauernschaft zur Folge hätten und die Interessen unserer gesamten Volkswirtschaft beeinträchtigten? Nein, das bedeutet es nicht. Eine solche Politik würde vor allem die Industrie zugrunde richten, denn sie würde erstens die Versorgung der Arbeiter mit landwirtschaftlichen Produkten erschweren, zweitens den inneren Markt unserer Industrie vollends untergraben und desorganisieren. Daher unsere Kampagne gegen die so genannte „Schere”. Sie wissen, dass diese Kampagne bereits günstige Resultate gezeitigt hat.

Bedeutet das schließlich, dass unsere örtlichen oder zentralen Organe, gestützt auf das Gesetz über die landwirtschaftliche Steuer und bei der Ausübung ihres Rechts, die Steuern zu erheben, dieses Gesetz als etwas Starres betrachten dürfen, dass sie in ihrer Arbeitspraxis so weit gehen dürfen, die Speicher abzureißen und die Dächer von den Häusern unbemittelter Steuerzahler abzudecken, wie dies in einigen Bezirken des Gouvernements Tambow vorgekommen ist? Nein, das bedeutet es nicht. Eine solche Politik würde jegliches Vertrauen der Bauern zum Proletariat, zum Staate untergraben. Daher die letzten Maßnahmen der Partei zur Herabsetzung der landwirtschaftlichen Steuer, zur Umwandlung dieser Steuer in eine Steuer mehr oder weniger lokalen Charakters, zur Regelung unseres Steuerwesens überhaupt, zur Ausmerzung von Missständen, wie sie bei der Steuererhebung hier und da zu verzeichnen sind. Sie wissen, dass diese Maßnahmen bereits die gewünschten Resultate gezeitigt haben.

Wir haben also erstens eine Gemeinsamkeit der Interessen zwischen Proletariat und Bauernschaft in den grundlegenden Fragen, ihre beiderseitige Interessiertheit am Triumph des sozialistischen Entwicklungsweges der Volkswirtschaft. Daher das Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft. Wir haben zweitens Interessengegensätze zwischen Arbeiterklasse und Bauernschaft in Gegenwartsfragen. Daher der Kampf innerhalb dieses Bündnisses, ein Kampf, der von geringerem Gewicht ist als die Gemeinsamkeit der Interessen und der in Zukunft ganz verschwinden muss, wenn die Arbeiter und Bauern aufgehört haben, Klassen zu sein, wenn sie zu arbeitenden Menschen einer klassenlosen Gesellschaft geworden sind. Wir haben drittens Mittel und Wege, um im Rahmen der Erhaltung und Festigung des Bündnisses der Arbeiter und Bauern diese Gegensätze zwischen Arbeiterklasse und Bauernschaft im Interesse beider Verbündeten zu beheben. Und nicht allein, dass uns diese Mittel und Wege zur Verfügung stehen, wir bedienen uns ihrer unter den komplizierten Verhältnissen der NÖP und der zeitweiligen Stabilisierung des Kapitalismus bereits mit Erfolg.

Folgt nun daraus, dass wir den Klassenkampf an dieser Front schüren müssen? Nein, das folgt nicht daraus. Im Gegenteil! Daraus folgt nur, dass wir den Kampf an dieser Front auf jede mögliche Art eindämmen müssen, indem wir ihn durch Vereinbarungen und gegenseitige Zugeständnisse regulieren und es auf keinen Fall dahin kommen lassen, dass er schroffe Formen annimmt, dass er zu Zusammenstößen führt. Und so verfahren wir auch. Denn wir haben dazu alle Möglichkeiten, da die Gemeinsamkeit der Interessen hier stärker und tiefer ist als der Interessengegensatz.

Wie Sie sehen, ist die Losung der Schürung des Klassenkampfs für die Kampfbedingungen an dieser Front absolut unbrauchbar.

Die zweite Front. Das Proletariat (vertreten durch den Sowjetstaat) und das Kulakentum sind hier die handelnden Personen. Die Formen des Klassenkampfs sind hier ebenso eigenartig wie unter den Kampfbedingungen an der ersten Front.

In dem Bestreben, der landwirtschaftlichen Steuer den Charakter einer ausgesprochenen Einkommensteuer zu geben, bürdet der Staat die Hauptlast dieser Steuer dem Kulakentum auf. Das Kulakentum beantwortet dies damit, dass es „mit List und Tücke” versucht, dem zu entgehen, und dass es seine ganze Macht und seinen ganzen Einfluss im Dorfe geltend macht, um die Steuerlast auf die Schultern der Mittelbauern und der Dorfarmut abzuwälzen.

Im Kampf gegen die Verteuerung der Lebenshaltung und im Bestreben, die Stabilität des Arbeitslohnes aufrechtzuerhalten, ist der Staat bemüht, Maßnahmen wirtschaftlichen Charakters zu treffen, die dazu führen sollen, gerechte Höchstpreise für landwirtschaftliche Produkte festzusetzen, die völlig im Interesse der bäuerlichen Wirtschaft liegen. Das Kulakentum beantwortet dies damit, dass es bei der Dorfarmut und den Mittelbauern Produkte aufkauft, große Vorräte anlegt, sie in seinen Speichern zurückhält und nicht auf den Markt bringt, um die Preise der Produkte künstlich hochzuschrauben, sie auf die Höhe von Spekulantenpreisen zu treiben und die Produkte erst dann auf den Markt zu bringen und dabei wahnwitzige Spekulationsgewinne herauszuschlagen. Sie wissen wahrscheinlich, dass es den Kulaken in einigen Gouvernements unseres Landes in diesem Jahr gelungen ist, die Getreidepreise bis aufs äußerste heraufzuschrauben.

Daher der Klassenkampf an dieser Front mit seinen eigenartigen, mehr oder weniger versteckten Formen.

Es könnte scheinen, dass die Losung der Schürung des Klassenkampfs für die Kampfbedingungen an dieser Front durchaus angebracht sei. Das ist aber falsch. Denn auch hier sind wir nicht an der Schürung des Klassenkampfs interessiert. Denn wir können hier durchaus und müssen ohne Schürung des Kampfes und die damit verbundenen Komplikationen auskommen.

Wir können und müssen die Sowjets beleben, den Mittelbauern gewinnen und die Dorfarmut innerhalb der Sowjets organisieren, um zu erreichen, dass die Hauptmasse der Bauernschaft Steuererleichterungen erhält und die Hauptlast der Steuer tatsächlich dem Kulakentum aufgebürdet wird. Sie wissen, dass diesbezügliche Maßnahmen getroffen sind und dass sie bereits günstige Resultate zeitigen.

Wir können und müssen erreichen, dass der Staat über genügend Lebensmittelreserven verfügt, um auf den Lebensmittelmarkt einen Druck ausüben, um nötigenfalls eingreifen zu können und um die Preise auf einem für die werktätigen Massen annehmbaren Niveau zu halten und so das Spekulantentreiben des Kulakentums zu vereiteln. Sie wissen, dass wir in diesem Jahr einige Dutzend Millionen Pud Getreide für diesen Zweck verwandt haben. Sie werden auch wissen, dass wir in dieser Hinsicht durchaus günstige Resultate erzielt haben, denn es ist uns nicht nur gelungen, in solchen Bezirken wie Leningrad, Moskau, dem Donezbecken, Iwanowo-Wosnessensk usw. die Getreidepreise niedrig zu halten, sondern wir haben auch den Kulaken in einer Reihe von Bezirken zur Kapitulation gezwungen, haben ihn genötigt, die alten Getreidereserven zu annehmbaren Preisen auf den Markt zu werfen.

Natürlich hängt hier die Sache nicht nur von uns ab. Es ist durchaus möglich, dass das Kulakentum in einigen Fällen selbst anfangen wird, den Klassenkampf zu schüren, dass es versuchen wird, ihn bis zum Siedepunkt zu treiben und ihm die Form von Banditenüberfällen oder Aufständen zu geben. Aber dann wird die Losung der Schürung des Kampfes schon nicht mehr unsere Losung, sondern die Losung des Kulakentums, also eine konterrevolutionäre Losung sein. Außerdem wird dann das Kulakentum zweifellos alle Nachteile dieser gegen den Sowjetstaat gerichteten Losung am eigenen Leibe zu spüren bekommen.

Wie Sie sehen, ist die Losung der Schürung des Kampfes auch an dieser, der zweiten Front nicht unsere Losung.

Die dritte Front. Zwei Kräfte sind hier die handelnden Personen: einerseits die Dorfarmut, vor allem die Landarbeiter, und anderseits die Kulaken. Der Staat steht hier formell abseits. Wie Sie sehen, ist diese Front nicht so breit wie die vorher genannten Fronten. Anderseits tritt der Klassenkampf an dieser Front völlig klar und offen zutage, während er an den vorher genannten Fronten versteckt und mehr oder weniger maskiert ist.

Hier handelt es sich um die direkte Ausbeutung von Lohnarbeitern oder halben Lohnarbeitern durch den Kulaken als Unternehmer. Darum kann die Partei hier keine Politik der Abschwächung, der Eindämmung des Kampfes betreiben. `Unsere Aufgabe besteht hier darin, den Kampf der Dorfarmut gegen das Kulakentum zu organisieren und diesen Kampf zu leiten.

Bedeutet das nicht, dass wir uns damit anschicken, den Klassenkampf zu schüren? Nein, das bedeutet es nicht. Den Kampf schüren bedeutet nicht nur den Kampf organisieren und leiten. Es bedeutet zugleich, den Klassenkampf künstlich zuspitzen und vorsätzlich ausweiten. Sind diese künstlichen Maßnahmen jetzt notwendig, da wir die Diktatur des Proletariats haben und da unsere Partei- und Gewerkschaftsorganisationen volle Handlungsfreiheit haben? Natürlich sind sie nicht notwendig.

Darum ist die Losung der Schürung des Klassenkampfs auch für diese, die dritte Front unbrauchbar.

So ist es um die dritte Frage bestellt.

Wie Sie sehen, ist die Frage des Klassenkampfs auf dem Lande gar nicht so einfach, wie das auf den ersten Blick scheinen könnte. Gehen wir zur vierten Frage über.

* * *

 

Unsere Politik gegenüber der Bauernschaft wird von manchen Genossen als Erweiterung der Demokratie für die Bauernschaft und als Änderung des Charakters der Staatsmacht im Lande ausgelegt. Ist diese Auslegung richtig?

Erweitern wir tatsächlich die Demokratie auf dem Lande? Ja, wir erweitern sie.

Ist das ein Zugeständnis an die Bauernschaft?

Zweifellos ist das ein Zugeständnis.

Ist dieses Zugeständnis groß, und ist es mit der Verfassung unseres Landes vereinbar?

Dieses Zugeständnis ist meiner Meinung nach nicht sehr groß und ändert unsere Verfassung nicht um ein Jota.

Was ändern wir denn dann, und worin kommt eigentlich das Zugeständnis zum Ausdruck?

Wir ändern die Praxis der Arbeit auf dem Lande, die unter den neuen Entwicklungsbedingungen völlig unbefriedigend war. Wir ändern die Zustände, die sich auf dem Lande eingebürgert haben, die den Zusammenschluss hemmen und die Arbeit, die die Partei leistet, um die Bauernschaft um das Proletariat zusammenzuschließen, zu vereiteln drohen.

Bisher war es so, dass das Dorf in einer ganzen Reihe von Bezirken von einer kleinen Gruppe von Menschen verwaltet wurde, die stärker mit dem Kreis und dem Gouvernement verbunden waren als mit der Dorfbevölkerung. Dieser Umstand führte dazu, dass die Dorfobrigkeit vor allem nach oben, nach dem Kreis, und am wenigsten nach unten, auf die Dorfbevölkerung schaute, dass sie sich nicht dem Dorfe, nicht den Wählern gegenüber verantwortlich fühlte, sondern dem Kreis und dem Gouvernement, und dabei offenbar nicht begriff, dass „oben” und „unten” hier nur eine Kette bilden und dass, wenn diese Kette unten reißt, die ganze Kette hin ist. Die Folge davon war Fehlen von Kontrolle, Eigenmächtigkeit und Willkür der Dorfobrigkeit einerseits und Unzufriedenheit und Murren im Dorfe anderseits. Jetzt wird mit diesen Zuständen auf dem Lande entschieden und ein für allemal Schluss gemacht.

Bisher war es so, dass in einer ganzen Reihe von Bezirken die Wahlen zu den Sowjets auf dem Lande keine wirklichen Wahlen waren, sondern eine leere Kanzleiprozedur, bei der eine kleine Gruppe, die Dorfobrigkeit, die ihre Macht zu verlieren fürchtete, durch eine ganze Reihe von Schlichen und durch Ausübung von Druck die „Deputierten” durchbrachte. Die Folge davon war, dass die Sowjets aus Organen, die den Massen nahe stehen und vertraut sind, sich in Organe zu verwandeln drohten, die den Massen fremd gegenüberstehen, und dass die Führung der Bauernschaft durch die Arbeiter, diese Grundlage und Feste der Diktatur des Proletariats, Gefahr lief, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Sie wissen, dass sich die Partei infolgedessen gezwungen sah, Neuwahlen der Sowjets vorzunehmen, wobei diese Neuwahlen gezeigt haben, dass die alte Wahlpraxis in einer ganzen Reihe von Bezirken ein Überbleibsel des Kriegskommunismus ist, dass mit ihr aufgeräumt werden muss, als einer Praxis, die schädlich und durch und durch morsch ist. Jetzt wird mit einer solchen Wahlpraxis auf dem Lande Schluss gemacht.

Das ist die Grundlage des Zugeständnisses, die Grundlage der Erweiterung der Demokratie auf dem Lande.

Dieses Zugeständnis braucht nicht nur die Bauernschaft. Das Proletariat braucht es nicht minder, denn es stärkt das Proletariat, hebt sein Ansehen auf dem Lande, festigt das Vertrauen der Bauern zum Proletariat. Bekanntlich besteht der Hauptzweck von Zugeständnissen und Kompromissen überhaupt darin, dass im Endergebnis das Proletariat gestärkt und gefestigt wird.

Welche Grenzen sind diesen Zugeständnissen gegenwärtig gesetzt? Die Grenzen dieser Zugeständnisse sind von der XIV. Konferenz der KPR(B) und vom III. Sowjetkongress der UdSSR [35] festgelegt worden. Sie wissen, dass sie nicht sehr weit gezogen sind und sich auf den Rahmen beschränken, von dem ich soeben sprach. Das bedeutet aber noch nicht, dass sie bis in alle Ewigkeit unverrückbar bleiben werden. Im Gegenteil, sie werden zweifellos erweitert werden in dem Maße, wie unsere Volkswirtschaft wächst, in dem Maße, wie sich die wirtschaftliche und politische Macht des Proletariats festigt, in dem Maße, wie sich die revolutionäre Bewegung im Westen und Osten entwickelt, in dem Maße, wie die internationalen Positionen des Sowjetstaates stärker werden. Lenin sprach im Jahre 1918 von der Notwendigkeit, „die Sowjetverfassung, in dem Maße, wie der Widerstand der Ausbeuter aufhört, auf die gesamte Bevölkerung auszudehnen” (siehe 4. Ausgabe, Bd. 27, 5.130, russ.). Wie Sie sehen, ist hier die Rede von der Ausdehnung der Verfassung auf die gesamte Bevölkerung, darunter auch auf die Bourgeoisie. Das wurde im März 1918 gesagt. Seit jener Zeit bis zum Tode Lenins sind mehr als fünf Jahre vergangen. Lenin hat jedoch während dieser Periode nicht ein einziges Mal auch nur andeutungsweise davon gesprochen, dass es an der Zeit sei, diesen Grundsatz zu verwirklichen. Warum? Weil die Zeit für eine solche Erweiterung noch nicht gekommen war. Aber dass sie einmal kommen wird, wenn die inneren und internationalen Positionen des Sowjetstaates endgültig gefestigt sein werden, darüber kann es keinen Zweifel geben.

Aus diesem Grunde halten wir es, obgleich wir eine weitere Ausdehnung der Demokratie für die Zukunft im Auge haben, für notwendig, die Zugeständnisse in bezug auf die Demokratie gegenwärtig auf den von der XIV. Konferenz der KPR(B) und dem III. Sowjetkongress der UdSSR festgelegten Rahmen zu beschränken.

Ändern diese Zugeständnisse etwas am Charakter der Macht im Lande?

Nein, sie ändern nichts daran.

Führen sie zu Veränderungen im System der Diktatur des Proletariats, die eine Schwächung dieses Systems bedeuten würden?

Nicht im Geringsten, in keiner Weise.

Die Diktatur des Proletariats wird durch die Belebung der Sowjets und die Heranziehung der besten Elemente aus der Bauernschaft nicht geschwächt, sondern nur gestärkt. Die Führung der Bauernschaft durch das Proletariat bleibt dank der Erweiterung der Demokratie nicht nur bestehen, sondern sie gewinnt noch neue Kraft, da eine Atmosphäre des Vertrauens um das Proletariat geschaffen wird. Und das ist doch das Wichtigste in der Diktatur des Proletariats, wenn es sich um die gegenseitigen Beziehungen zwischen Proletariat und Bauernschaft im System der Diktatur handelt.

Die Genossen haben nicht Recht, die behaupten, der Begriff Diktatur des Proletariats erschöpfe sich im Begriff der Gewalt. Die Diktatur des Proletariats ist nicht nur Gewalt, sondern auch Führung der werktätigen Massen der nichtproletarischen Klassen, sowie Aufbau der sozialistischen Wirtschaft, die von einem höheren Typus als die kapitalistische Wirtschaft ist und eine größere Arbeitsproduktivität als die kapitalistische Wirtschaft aufweist. Die Diktatur des Proletariats bedeutet 1. die durch kein Gesetz beschränkte Gewaltanwendung in bezug auf Kapitalisten und Gutsbesitzer, 2. die Führung des Proletariats in bezug auf die Bauernschaft und 3. den Aufbau des Sozialismus in bezug auf die gesamte Gesellschaft. Keine dieser drei Seiten der Diktatur darf ausgeschaltet werden, wenn man nicht Gefahr laufen will, den Begriff der Diktatur des Proletariats zu entstellen. Nur alle diese drei Seiten zusammengenommen, geben uns einen vollständigen und abgeschlossenen Begriff von der Diktatur des Proletariats.

Führt der neue Kurs der Partei in bezug auf die Sowjetdemokratie zu irgendwelchen Verschlechterungen im System der Diktatur des Proletariats?

Nein, er führt nicht zu Verschlechterungen. Im Gegenteil! Der neue Kurs bedeutet nur eine Verbesserung, da er das System der Diktatur des Proletariats festigt. Wenn es sich um das Element der Gewalt im System der Diktatur handelt - der Ausdruck der Gewalt aber ist die Rote Armee - so braucht wohl kaum bewiesen zu werden, dass die Entfaltung der Sowjetdemokratie auf dem Lande den Zustand der Roten Armee nur verbessern kann, da sie die Armee um die Sowjetmacht zusammenschließt, denn unsere Armee ist vorwiegend eine Bauernarmee. Wenn es sich um das Element der Führung im System der Diktatur handelt, so kann wohl kaum bezweifelt werden, dass die Losung der Belebung der Sowjets dem Proletariat diese Führung nur erleichtern kann, da sie das Vertrauen der Bauern zur Arbeiterklasse stärkt. Und wenn es sich um das Element des Aufbaus im System der Diktatur handelt, so braucht wohl kaum bewiesen zu werden, dass der neue Kurs der Partei den Aufbau des Sozialismus nur erleichtern kann, denn er wurde eingeschlagen, um den Zusammenschluss zu festigen, ohne Zusammenschluss aber ist der Aufbau des Sozialismus unmöglich.

Es gibt nur eine Schlussfolgerung: Die Zugeständnisse an die Bauernschaft stärken unter den jetzigen Verhältnissen das Proletariat und festigen seine Diktatur, ohne dass sie den Charakter der Macht im Lande auch nur um ein Jota ändern.

So ist es um die fünfte Frage bestellt.

Gehen wir zur sechsten Frage über.

 

* * *

Besteht nicht im Zusammenhang mit dem neuen Kurs infolge der Schwäche der Parteiorganisationen auf dem Lande die Gefahr, dass die antisowjetische Agitation auf dem Lande ideologisch feste Formen annimmt?

Ja, eine solche Gefahr besteht. Es lässt sich wohl kaum bezweifeln, dass die Durchführung der Wahlen zu den Sowjets unter der Losung der Belebung der Sowjets die Freiheit der Wahlagitation im Lande bedeutet. Es braucht nicht betont zu werden, dass die antisowjetischen Elemente sich eine so günstige Gelegenheit nicht werden entgehen lassen, um durch die entstandene kleine Ritze zu schlüpfen und der Sowjetmacht ein übriges Mal Schaden zuzufügen. Daher die Gefahr, dass die antisowjetische Agitation auf dem Lande sich verstärkt und feste Formen annimmt. Die Tatsachen aus der Geschichte der Neuwahlen im Kubangebiet, in Sibirien und in der Ukraine legen hierfür ein beredtes Zeugnis ab. Es steht außer Zweifel, dass diese Gefahr durch die Schwäche unserer Dorforganisationen in einer ganzen Reihe von Bezirken noch verstärkt wird. Ebenso steht außer Zweifel, dass das interventionistische Gebaren der imperialistischen Mächte seinerseits den Anstoß zur Verstärkung dieser Gefahr gibt.

Wodurch wird diese Gefahr genährt, wo sind ihre Quellen?

Solcher Quellen gibt es mindestens zwei.

Erstens spüren die antisowjetischen Elemente, dass auf dem Lande in der letzten Zeit eine gewisse Verschiebung zugunsten des Kulaken vor sich gegangen ist, dass sich der Mittelbauer in einer Reihe von Bezirken dem Kulaken zugewandt hat. Das konnte man schon vor den Neuwahlen vermuten. Nach den Neuwahlen wurde diese Vermutung zu einer unbestreitbaren Tatsache. Das ist die erste und wichtigste Grundlage für die Gefahr, dass die antisowjetische Agitation auf dem Lande ideologisch feste Formen annimmt.

Zweitens wurden unsere Zugeständnisse an die Bauernschaft in einer ganzen Reihe von Bezirken als Zeichen unserer Schwäche gedeutet. Daran konnte man vor den Neuwahlen noch zweifeln. Nach den Neuwahlen kann es darüber keinen Zweifel geben. Daher der Ruf der weißgardistischen Elemente des Dorfes: „Weiter drücken!” Das ist die zweite, wenn auch nicht so wesentliche Grundlage für die Gefahr der Verstärkung der antisowjetischen Agitation auf dem Lande.

Die Kommunisten müssen vor allem begreifen, dass die jetzige Entwicklungsperiode auf dein Lande eine Periode des Kampfes um den Mittelbauern ist, dass die Gewinnung des Mittelbauern für das Proletariat die wichtigste Aufgabe der Partei auf dem Lande ist, dass ohne die Bewältigung dieser Aufgabe die Gefahr, dass die antisowjetische Agitation feste Formen annimmt, stärker wird und der neue Kurs der Partei nur den Weißgardisten zum Nutzen gereichen kann.

Die Kommunisten müssen zweitens begreifen, dass man den Mittelbauern jetzt nur auf der Grundlage der neuen Politik der Partei auf der Linie der Sowjets, der Genossenschaften, des Kreditwesens, der landwirtschaftlichen Steuer, des lokalen Haushalts usw. gewinnen kann, dass Maßnahmen administrativen Drucks die Sache nur verderben und zugrunde richten können, dass man den Mittelhauern durch Maßnahmen wirtschaftlichen und politischen Charakters von der Richtigkeit unserer Politik überzeugen muss, dass man ihn nur durch das Beispiel, durch greifbare Beweise „kriegen” kann.

Die Kommunisten müssen außerdem begreifen, dass der neue Kurs nicht zur Belebung der antisowjetischen Elemente, sondern zur Belebung der Sowjets und zur Heranziehung der Hauptmasse der Bauernschaft eingeschlagen wurde, dass der neue Kurs einen entschiedenen Kampf gegen die antisowjetischen Elemente nicht ausschließt, sondern voraussetzt, dass, wenn die antisowjetischen Elemente sagen: „Weiter drücken”, wenn sie die Zugeständnisse an die Bauernschaft als Zeichen unserer Schwäche deuten und sie zu konterrevolutionären Zwecken ausnützen - ihnen un-bedingt bewiesen werden muss, dass die Sowjetmacht stark ist, indem man sie an das Gefängnis erinnert, das schon lange ihrer harrt.

Ich denke, die Gefahr, dass die antisowjetische Agitation auf dem Lande ideologisch feste Formen annimmt und sich verstärkt, wird bestimmt an ihrer Wurzel getroffen werden, wenn diese unsere Aufgaben verstanden und durchgeführt werden.

So ist es um die siebente Frage bestellt.

Gehen wir zur achten Frage über.

 

 

STALIN 

 

 

Über die Bauernschaft als Verbündeten der Arbeiterklasse

 

1926

 

 

 

 

 

 

STALIN 

 

DAS BÜNDNIS DER ARBEITER UND BAUERN
MUSS GEFESTIGT WERDEN

13. April 1926

 

Wenn man aber von der Hebung der Aktivität der Arbeiterklasse spricht, darf man auch die Bauernschaft nicht vergessen. Lenin hat uns gelehrt, dass das Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft das Grundprinzip der Diktatur des Proletariats ist. Das dürfen wir nicht vergessen. Die Entwicklung der Industrie, die sozialistische Akkumulation, das Sparsamkeitsregime - all das sind Aufgaben, ohne deren Lösung wir das Privatkapital nicht überwinden und die Schwierigkeiten unseres Wirtschaftslebens nicht beseitigen können. Keine einzige dieser Aufgaben jedoch kann ohne das Vorhandensein der Sowjetmacht, ohne die Diktatur des Proletariats gelöst werden. Die Diktatur des Proletariats aber stützt sich auf das Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft. Darum würden alle unsere Aufgaben in der Luft hängen, wenn wir das Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft untergrüben oder schwächten.

Wir haben in der Partei Leute, die die werktätigen Massen der Bauernschaft als Fremdkörper betrachten, als Ausbeutungsobjekt für die Industrie, als eine Art Kolonie für unsere Industrie. Diese Leute sind gefährliche Leute, Genossen. Die Bauernschaft kann für die Arbeiterklasse weder Ausbeutungsobjekt noch Kolonie sein. Die bäuerliche Wirtschaft bildet den Markt für die Industrie, ebenso wie die Industrie den Markt für die bäuerliche Wirtschaft bildet. Aber die Bauernschaft bildet nicht nur den Markt. Die Bauernschaft ist darüber hinaus Verbündeter der Arbeiterklasse. Eben deshalb sind die Hebung der bäuerlichen Wirtschaft, der massenhafte genossenschaftliche Zusammenschluss der Bauernschaft, die Besserung ihrer materiellen Lage die Voraussetzung, ohne die keine auch nur einigermaßen ernsthafte Entwicklung unserer Industrie gewährleistet werden kann. Und umgekehrt, die Entwicklung der Industrie, die Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen und Traktoren, die massenweise Versorgung der Bauernschaft mit Industrieerzeugnissen sind die Voraussetzung, ohne die die Landwirtschaft nicht vorangebracht werden kann. Dies ist eine der wichtigsten Grundlagen des Bündnisses der Arbeiterklasse und der Bauernschaft. Wir können daher jenen Genossen nicht zustimmen, die immer wieder eine Verstärkung des Drucks auf die Bauernschaft fordern, in der Richtung, dass die Steuern aufs äußerste gesteigert, dass die Preise für Industrieerzeugnisse erhöht werden sollen usw. Wir können ihnen nicht zustimmen, da sie, ohne dies selbst zu bemerken, das Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft untergraben, die Diktatur des Proletariats erschüttern. Wir aber wollen das Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft festigen und nicht untergraben.

Wir treten jedoch nicht für jedes beliebige Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft ein. Wir sind für ein Bündnis, bei dem der Arbeiterklasse die führende Rolle gehört. Warum? Weil ohne die führende Rolle der Arbeiterklasse im System des Bündnisses der Arbeiter und Bauern ein Sieg der werktätigen und ausgebeuteten Massen über die Gutsbesitzer und Kapitalisten unmöglich ist. Ich weiß, dass einige Genossen damit nicht einverstanden sind. Sie sagen: Das Bündnis ist eine gute Sache, aber wozu noch die Führung durch die Arbeiterklasse? Diese Genossen sind sehr im Irrtum. Sie sind im Irrtum, weil sie nicht begreifen, dass das Bündnis der Arbeiter und Bauern nur dann zum Siege führen kann, wenn die führende Rolle in diesem Bündnis der erprobtesten und revolutionärsten Klasse, der Klasse der Arbeiter, gehört.

Warum scheiterte der Bauernaufstand unter Pugatschow oder unter Stepan Rasin? Warum vermochten es die Bauern damals nicht, die Vertreibung der Gutsbesitzer zu erzwingen? Weil sie solch einen revolutionären Führer wie die Arbeiterklasse damals nicht hatten noch haben konnten. Warum endete die französische Revolution mit dem Sieg der Bourgeoisie und mit der Rückkehr der zunächst vertriebenen Gutsbesitzer? Weil die französischen Bauern solch einen revolutionären Führer wie die Arbeiterklasse damals nicht hatten noch haben konnten - die Bauernschaft wurde damals von bürgerlichen Liberalen geführt. Unser Land ist das einzige Land der Welt, in dem das Bündnis der Arbeiter und Bauern den Sieg über die Gutsbesitzer und Kapitalisten davongetragen hat. Und woraus erklärt sich das? Daraus, dass an der Spitze der revolutionären Bewegung in unserem Lande die kampferprobte Arbeiterklasse stand und weiterhin steht. Man braucht nur bei uns die Idee von der führenden Rolle der Arbeiterklasse zu untergraben, und vom Bündnis der Arbeiter und Bauern bliebe kein Stein auf dem andern, die Kapitalisten und Gutsbesitzer aber würden in ihre alten Nester zurückkehren.

Darum müssen wir das Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft in unserem Lande erhalten und festigen.

Darum müssen wir die führende Rolle der Arbeiterklasse im System dieses Bündnisses erhalten und festigen.

 

 

Zur Frage der Arbeiter- und Bauernregierung

15. März 1927.

 

 

 

STALIN 

 

Über die drei Grundlosungen der Partei in der Bauernfrage

15. April 1927

 

 

 

 

 

STALIN 

Über die Losung der Diktatur des Proletariats und der armen Bauernschaft in der Periode der Vorbereitung des Oktobers

 

22. Mai 1927

 

 

 

STALIN 

ÜBER DIE GETREIDEBESCHAFFUNG
UND DIE ENTWICKLUNGSPERSPEKTIVEN
DER LANDWIRTSCHAFT

Aus Reden in verschiedenen Bezirken Sibiriens im Januar 1928

 

 

 

 

DIE ERSTEN ERGEBNISSE
DER BESCHAFFUNGSKAMPAGNE UND
DIE WEITEREN AUFGABEN DER PARTEI

13. Februar 1928.

 

An der Getreidefront 

28. Mai 1928 

 

 

 Lenin und die Frage des Bündnisses mit dem Mittelbauern

 12. Juni 1928

 

Plenum des ZK der KPdSU(B)

4 - 12. Juli 1928

  • Über die Industrialisierung und das Getreideproblem
  • Über den Zusammenschluss der Arbeiter und Bauern und über die Sowjetwirtschaften

 

ÜBER DAS PROGRAMM DER KOMINTERN

Rede am 5. Juli 1928

Die Frage der Nationalisierung des Bodens.

Ich bin mit den Genossen nicht einverstanden, die vorschlagen, für die kapitalistisch entwickelten Länder die Formel von der Nationalisierung des Bodens zu ändern, und die fordern, in diesen Ländern die Nationalisierung des gesamten Bodens gleich am ersten Tage der proletarischen Revolution zu verkünden.

Ich bin ferner mit den Genossen nicht einverstanden, die vorschlagen, über die Nationalisierung des gesamten Bodens in den kapitalistisch entwickelten Ländern überhaupt nichts zu sagen. Meiner Meinung nach wäre es besser, über die spätere Nationalisierung des gesamten Bodens zu sprechen, wie es im Programmentwurf auch getan wird, mit dem Zusatz, dass den Klein- und Mittelbauern das Recht auf Bodennutzung gewährleistet wird.

Unrecht haben die Genossen, die glauben, die Nationalisierung des gesamten Bodens könne umso leichter durchgeführt werden, je stärker ein Land in kapitalistischer Hinsicht entwickelt ist. Im Gegenteil, je stärker ein Land in kapitalistischer Hinsicht entwickelt ist, um so schwieriger ist es, die Nationalisierung des gesamten Bodens durchzuführen, denn um so stärker sind dort die Traditionen des Privateigentums an Grund und Boden, und um so schwieriger ist es folglich, gegen diese Traditionen zu kämpfen.

Lesen Sie Lenins Thesen über die Agrarfrage auf dem II. Kongress der Komintern [44], in denen er direkt vor übereilten und unvorsichtigen Schritten in dieser Richtung warnt - und Sie werden begreifen, wie falsch die Behauptung dieser Genossen ist. In den kapitalistisch entwickelten Ländern besteht das Privateigentum an Grund und Boden Hunderte von Jahren, was man von den kapitalistisch weniger entwickelten Ländern, in denen der Bauernschaft das Prinzip des Privateigentums an Grund und Boden noch nicht in Fleisch und Blut übergehen konnte, nicht sagen kann. Bei uns, in Rußland, sagten die Bauern sogar eine Zeitlang, dass der Boden niemandem gehöre, dass er Gottes Boden sei. Daraus erklärt sich denn auch, dass Lenin schon im Jahre 1906, in Erwartung der bürgerlich-demokratischen Revolution, bei uns die Losung der Nationalisierung des gesamten Bodens bei Gewährleistung des Rechts auf Bodennutzung für die Klein- und Mittelbauern aufstellte, davon ausgehend, dass die Bauernschaft das begreifen und dafür Verständnis haben wird.

Ist es nicht charakteristisch, dass derselbe Lenin im Jahre 1920 auf dem II. Kongress der Komintern die kommunistischen Parteien der kapitalistisch entwickelten Länder davor warnte, sofort die Losung der Nationalisierung des gesamten Bodens aufzustellen, da diese Losung für die von Eigentümerinstinkt durchdrungene Bauernschaft dieser Länder nicht sogleich annehmbar sein würde. Können wir diesen Unterschied außer acht lassen und die Weisungen Lenins nicht beachten? Es ist klar, dass wir das nicht können.

 

Über die Industrialisierung des Landes und über die rechte Abweichung in der KPdSU(B)

19. 11. 1928

 

Die ökonomischen Probleme des Sozialismus in der UdSSR (1952)

 

 

 

 

 

ENVER HOXHA

 

Über die Landwirtschaft

 

Webseite zusammengestellt von Wolfgang Eggers

 

EINIGE TEXTE ZUM ERSTEN MAL IN DEUTSCHER SPRACHE VERÖFFENTLICHT !!!

 

 

 

 

 

Wie der Bauer in der Sowjetunion lebt

W. A. KARPINSKI