DEUTSCH

Nachruf der Kommunistischen Internationale

auf Genossen

 

 

John Schehr


"Kommunistische Internationale"; Jahrgang 1934, Heft 4, S. 295/296.



Schmerz und Zorn werden in den Herzen der Arbeiter aller Länder bei der Kunde von dem neuen durch die deutschen Faschisten begangenen niederträchtigen Mord aufflammen. Genosse John Schehr ist erschossen, einer der besten Führer der deutschen Arbeiterklasse, Mitglied des Politbüros des ZK der KPD. Die feigen, schuftigen faschistischen Henker mordeten ihn nach dem traditionellen Ritus der weißgardistischen Geheimpolizei : der vor zwei Monaten verhaftete Genosse Schehr wurde in einem Auto fortgebracht und im Wald zusammen mit drei weiteren aktiven Funktionären der KPD, den Genossen Erich Steinfurth, Eugen Schönhaar und Rudolf Schwarz, meuchlings erschossen. "Bei einem Fluchtversuch erschossen", melden amtlich die zynisch feixenden, von Arbeiterblut trunkenen Faschistenführer. Die Ermordung des Genossen Schehr ist ein neuer Dolchstoß in den Rücken der deutschen Arbeiterklasse, denn Genosse Schehr ist Fleisch vom Fleische, Blut vom Blute der deutschen Arbeiter. Er ist einer jener aus den Massen hervorgegangenen Arbeiterführer, die vom kämpfenden Proletariat emporgehoben und an die Spitze seiner Avantgarde gestellt werden.

Unermüdlich inmitten der Arbeiterklasse arbeitend. und im hartnäckigen bolschewistischen Kampf um die Massen rückte Genosse Schehr in die vorderste Reihe der Führer der heldenhaften KPD. Begabt mit proletarischer Bescheidenheit und unversöhnlich gegenüber den Feinden und Verrätern, wurde Genosse Schehr schon auf dem Weddinger Parteitag in das ZK der KPD gewählt; 1932 wurde er zum Sekretär des ZK der KPD gewählt. Unter der Führung so unerschrockener proletarischer Führer wie Schehr vermochte die KPD unter den Schlägen des Faschismus als Massenpartei geschlossen und mit unversehrten Reihen zur Illegalität überzugehen. In tiefster Illegalität, stündlich beste Kämpfer verlierend, stellte die KPD ihre Reihen um. Ohne einen einzigen Tag zu versäumen, arbeitet sie unermüdlich und organisiert das deutsche Proletariat zum Kampf gegen den Faschismus. Diese glänzende, von einer Massenpartei unter verheerendem gegnerischen Feuer vollzogene organisatorisch-taktische Umstellung ist das größte geschichtliche Verdienst der Führer der KPD, darunter auch des Genossen Schehr.

Dies wußten die Faschisten. Die blutige faschistische Meute hetzte ihn seit neun Monaten.

Immer enger schloß sich der Polizeiring um den Genossen Schehr, Die Parteigenossen drängten ihn zur Abreise ins Ausland, aber der unerschrockene und vor allem gegen sich rücksichtslos strenge Revolutionär verließ die illegale Arbeit in Deutschland nicht. Als die faschistischen Schufte Schehr verhafteten, wagten sie nicht, das offen mitzuteilen, weil sie den Massenprotest der Arbeiterklasse fürchteten. Hat doch die Empörung der Werktätigen der ganzen Welt sie bereits zu dem feigen Rückzug und heuchlerischen Freispruch im Leipziger Prozeß gezwungen, während Dimitroffs Ermordung bereits vorbereitet war.

Man kann sich denken, welche raffinierten Folterungen Genosse Schehr in den SA-Kasernen und Folterkammern der deutschen Geheimpolizei von den faschistischen Sadisten erdulden mußte. Doch die Tatsache, daß sie den Genossen durch einen feigen Rückenschuß niederstreckten, zeigt, wie sie den hervorragenden, zum Führer Hunderttausender gewordenen deutschen Proletarier, wie sie den Zorn der Arbeiterklasse der ganzen Welt fürchteten. Sie werden diesem Zorn nicht entrinnen. Die Werktätigen der ganzen Welt werden die faschistischen Mörder des Zeitalters der imperialistischen Barbarei, die im Zentrum des "zivilisierten" Europas Scheiterhaufen und Schafott wie im Mittelalter aufrichten, die die neuesten Entdeckungen der Technik, der Medizin und der Physiologie in den Dienst vom Arbeiterblut trunkener faschistischer Morphinisten und Degenerierter stellen, mit Verachtung brandmarken.

Der Name John Schehr wird den Herzen aller Arbeiter der ganzen Welt teuer werden. Wenn er auch tot ist, so wird er doch in den Herzen aller Werktätigen weiterleben, die für die Sache der proletarischen Revolution kämpfen. Er ruft sie in allen Ländern unter die Fahne der Kommunistischen Internationale. Über die verstümmelten Leichen der neuen Opfer der faschistischen Henker erheben die Werktätigen aller Länder die Fahne des Kampfes gegen den deutschen Faschismus noch höher, der die ganze Vertiertheit der untergehenden Klassen, die ganze Todesangst des Kapitalismus vor dem sich erhebenden Proletariat, den ganzen Kriegswahnsinn des imperialistischen Systems angesichts des Aufbaus des Sozialismus auf einem Sechstel des Erdballs verkörpert.


Verstärken wir den internationalen Kampf für die Befreiung Dimitroffs, Thälmanns und der anderen Gefangenen des Faschismus aus den Klauen der Henker!


Nieder mit dem Faschismus!


Hoch die heldenhafte KPD!



"Kommunistische Internationale"; Jahrgang 1934, Heft 4, S. 295/296.



 

 

 

 

 

 

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